1917 / 239 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Heeresgrtüppe Deutscher Kronprinz.

Zu beiden Seiten der Straße Laon—Soissons wurde der Artilleriekampf zwischen dem Ailette-Srunde und der Hohfläche südlich von Pargny mit großer Heftigkeit geführt. Abends stießen bei Vauraillon mehrere franzöfische Kompagnien vor; sie wurden durh Feuer zurückgewiesen.

Oeftlih der Maas lag starkes Feuer auf unferen Stellungen und deren Hintergelände zwishen Samogneux und Bezonvaux. Die Wirkung unser Artillerie unterband einen südwestlih von Beaumont sih vorbereitenden Angriff der Franzosen.

Auf dem - östlihen Kriegs8schauplaß und an der mazedonishen Front

feine größeren Kampfhandlungen.

Der Erste Generalquartiermeifier. Ludendorff.

Desterreihish-ungarisher Berit.

Wien, 6. Oktober. (W. T. B.) Amtlih wird gemeldet:

Jm Gabriele-Abschnitt brach ein in den Abendstunden angeseßter italienisher Angriff zusammen. Sonst von kleinem Kriegsshauplay Besonderes zu melden.

Der Chef des Generalstabes.

S

Wien, 7. Oktober. (W. T. B.) Amtlich wird gemeldet:

aOQOestlicer Kriegsschauplag.

Bei Sereth in der Bukowina griff der Feind gestern nah starker Artillerievorbereitung an. Er wurde bei St. Onufry durch Feuer abgewiesen, bei Waschkouß von österreichish-ungarischen und deutshea Truppen im Gegenstoß

geworfen. Fialienisher Kriegsschauplag.

Im Gabriele-Abschnitt beschränkten sich die Jtaliener gestern auf Teilvorstöße: diese blieben erfolglos.

Auf der Costabella holten Hochgebirgsabieilungen 21 Bersaglieri aus den feindlihen Gräben.

Balkan-Kriegsschauplas. Nichts N-.ues. Der Chef des Generalstabes.

BulgarisGer Bericht.

Sofia, ö, Oktober. (W. T. B) Heeresbericht.

_Mazedonische Front: Auf der ganzen Front s{chwache Artillerietätigkeit, die etwas lebhafter östlih des Wardar war. Mehrere kurze Feuerorkane im Cernabogen. ImStruma- Tal Patrouillentätigkeit. . Eine der Aufklärunasabteilungen wurde in der Nähe der Struma-Mündung durch Feuer verjagt. In Fal des Wardar uf\d der Struma lebhafte Flieger-

igkeit.

Rumänische Front: Jn der Nähe von Tulcea und Jsaccea und östlih Galazz Artilleriefeuzr. Auf der Sereth- front drangen unsere Auffkärungsabteilungen in"die feindlichen Stellungen ein und kehrten mit Gefangenen und einem Maschinengewehr zurü,

Sofia, 6. Oktover. (W. T. B.) Heeresbericht.

E L Front. Ju der Gegend von Bitolia und im Cernabogen mehrfach kurzes orfanartiges Arilillerie- feuer. Wesilih des Wardar !ebhafteres Artilleriefeuer. Ein feindlihes Bataillon, welches östlih des Dojransees vordrang, wurde dur unser Feuer zurückgetrieben. An mehreren Stellen der Front wurden feindlihe Aufklärungszabteilungen durch Feuer verjagt. Jn den Tätiern des Wardar und des Prespa lebhafte Fliegertätigkeit. Wir {ossen durh unser Artillerie- feuer cins der feindlihen Flugzeuge ab, das östlih des Dojran- sees herabstürzte.

aut S Front: Bei Tulcea das übliche Artillerie- euer.

S of ia, 7. Oktober. (W. T. B.) Heeresbericht. _ Magzedonische Frout: Auf der ganzen Front geringe Artillerietätigkeit, die eiwas lebhafter östlich e Nes, in der Gegend von Moglena und westlich des Dojran- R sche F d

umänische Front: Ja der Nähe von Mahmudia E Jn der Nähe von Tulcea lebhaftes Artillerie- euer. j

Türkischer Bericht.

Konstantinopel, 6. Oltober. (W. T. B. Tagesbericht. l ( f anes

Kaukasusfront: Jm Zentrum scheiterte in der Nacht vom 4. zum 5. Oftober 1917 ein von einem stärkeren feindlichen Detachement versuchter Handstreich in unserem Feuer.

Dschalafront: Eine Unternehmung eines feindlihen Detachemerts in Stärke ven fünf Eskadronen, die durch Artillerie verstärit waren, warde dur unsere Artillerie bereits im Keime erstickt.

An den übrigen Fronten keine besonderen Ereignisse.

s e Meno nel 7. Oktober. (W. T. B.) Heeres- ericht.

__ Kaufasusfront. Am rechten Flügel einige Patrouillen- fämpfe zu unseren Gunsten.

„Sinaifront. Jn der Gegend von Gasa beiderseiliges Artillericfeuer und lebhastere Patrouillentätigkeit. Ein englischer Offizier und ein Feldwebel wurden gefangen genommen.

Dschalafront. Auf, die Unterkunftsorte feindlicher Stäbe wurden wirlsame Artilleriefeuerüberfälle gemacht. An den übrigen Fronten keine wesentlichen Eceignifse.

Der Krieg zur See.

Washington, 5. Oktober. (Reutermeldung.) Nach einem Telegramm aus Tutuila (Samoa-Jrnseln) an das Marine- departement ift dort cin offenes Boot mit dem Kapitän des amerifanischen Schooners „C. Slade“ angefommen. Dieser teilte mit, daß der deutsche Hilfskreuzer „Seeadler“ ain 2. August bei Mopeli (Lord Howc-Juseln) gestrandet und von

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einer bewaffnet.

der Bernannung verlasseti war. die Bemannung eine Motorschaluppe und den französischen Schooner „Lutèce“, die sie bewaffnete und mit denen fie am 21 August bezw. 5. September in See stah. Bevor der „Seendler“ strandcte, haite er die amerikanischen Schooner „C. Slade“, „A. B. Johnsen“ und „Manila“ in den Grund gebohrt. j

Berlin, 6. Oktober. (W. T. B.) Neue T-Boots- erfolge auf dem nördlichen Kriegsschauplag. 17000 B -N.-T. Unter den versenkten Schiffen befanden fich der be- waffnete englishe Dampfer „Santaren“ mit 4600 To. Gastoks für Artangels? und der englishe Dampfer „S t. Margareth“. Von dem bewaffneten englishen Dampfer „Santaren“ wurden der Kopitän und der 1. Offizier ge-

fangen genommert: i : Der Chef des Admiralsiabes der Marine.

Berlin, 7. Oktober. (W. T. B.) Jn der Nordsee wurden durch unscre U-Boote neuerdings 5 Dampfer versenkt. Drei von ihnen wurden aus stark gesicherten Geleit- zügen herausgescossen; von den beiden anderen Dampfern war

Der Chef des Admiralstabes der Marine.

Varlameuatarische Nachrichtez.

Dem Reichstag sind der Entwurf eines Geseßes zur Aenderung des Reich3sftempelgeseges nebst Be- gründung und ein fünfundzwanzigster Nachtrag zu der Zusammenstellung der Anordnungen, die der Bundesrat auf

rund desz 3 des Geseges über die Ermächtigung des Bundesrats zu wirtschaftlichen Maßnahmen usw. vom 4. Äugust 1914 erlassen hat, unter Beifügung eines Anhangs, enthaltend u e Bestimmungen über wirtschaftlihe Maßnahmen aus nlaß des Krieges, zugegangen. MivacsdiP

Die Reichstaggabgeordneten Böhle (Soz.), Dittmann Unabh. Soz.), Hauß d Fehrenbach (Zir.), Peirotes Soz.), Waldstein (Fortshr. Vpt.) und endel (Soz.) atten, wie „Wolffs Telegraphenbüro“ mitteilt, mit dem Obersten von Wrisberg und einem anderen Vertreter des Kriegsministeriums eine ausführlihe Besprechung über elsaß-lothringishe Angelegenheiten (Shußzhaft, Praxis des Reich8militärgerichts, französishe Sprache, Urlaubs3sachen).

Der Schlußbericht der vorgestrigen Sißung tes Reichstags befindet si in der Ersten Beilage. ,

Statistik nud Volkswirtschaft. Kur Arbeiterbewegung.

NaH einer von „W. T. V.* übermittelten Havakmeldbung aus Paris brach dort über Lragen ¡wischen den Angestellten der Metropolitain-, der Omnibubgesellshaft und der Nord- \üd-Gesjellsch§aft und den Leiiungen der Gesellshasten e’n Sireit aus. In der vergangenen NaFt wurde doher der allgemeine Ausstand der Transportarbeiter besblofsen. Die Arbetterbörse erklärte, daß der Ausstand vorausfihtlich am Poatag zu Ende sein werde, wenn den Ausständtecn thre Forderungen bewilligt werden. Gine Abordnung unter Führung des Borsigenden des Transportarbeiierbundes Suinchard begab fich zu Painlevs. Nas polizeilihen Feststellungen sind bei der Omnibusgesell)chaft 3000 Angestellts ausstärdig. tellenweise er- eigneten \ch ZwiswWenfälle.

Rus St. Petersburg meldet ,W. T. B." nach der Peters- burger Telegraphenagertur, daß die Arbeiter sämtliher Papier- fadriken in den Ausfiand getreten find; falls dieser länger ar- dauzru sollte, würden ernsilihe S@&twierigkeiten für die reKtzeitige Einberufung ter Verfassunggeberden Versammlung entstehen infolge von aRen Papiermangel für die bei tiesen Fakrlten bestellten Waßlzeitel.

Einer von „W. T. B.* C avasmelduug aus Buenos Aires zufolge befahl die Vtegierurg den Cisenbahn- gesell schaften, beure, Montaa, den unerläßlihen Dienst mlt Unterstüßung von Aimee- und Marinemaschinisien teilweise wieter avfzunehmen. (Vgl. Nr. 237 d. BL)

Woblfahrtspflege. Erleichterung der Kapitalabfindung bei Sraudbesiß.

Das3 Kriegtministerium hat der voa der Zentralsiele hl Vclks- wobifabrt hecauszegedenen „Korrespondenz für Krieg#wohlfahrtspflege“ zufolge auf Antrag der städti]@en Hilfotafse in Frankfurt a. D. eine rciéti;e Ealfcheidur g ge'¿üt. isber konnte nach S 1 des Geseges von 3. Jutt 1916 die Abfindung nur denn bewilligt werden, wenn der Futragsteller selbst im Grundbu als Eigen- tümer oter wenigstens als Miteigentümer des in Frage tommenden Srundßüids einzetragen ist; denn die Sintragung auf die Shesrau des Axtragstellers genüzt nicht. Um nun die dur Veber T auf den Antragsteller für diesen entstehenden Kosten, die dci größeren, wertvolleren Grundstücken, besonders afcr bet tädlishen Särinerctzrurdstücken einen beträcztliGin Teil der Kapitalakficdungssumue autmahen, zu wvermneiteo, hat tas Kriegeministeriuum dem Anirag der Hase auf Bewilligung der Abfiadung stattgegeben, wenn der Antragsteller nur zu !/1es ideelen Anteil cingetragen ist und wenn im übrizen die geseßliche Siherbeitskyvothek auf dem eigenen idcellen !/;4 wte den M eiu genen S L At E3 wid jomit a erbebliWer Teil der U-e?bertrazung8- und Auflassungsgebühren sowir sonsi!gez Kosiea auf diese W:ise e:spart. MUABEGeDAS |

S ——,

Eine SecnossensGaft für Kriegsbeschädigtenfürsorge wurde auf Anregung der Kriecsamtsstelle Karlirube im Bereich de X1IV, (badischzn) Armeeko1ps mit einem Betrage von einer E ais gemeinnügige Genofienichaft :r. b. H. gegrüntet. Zweck dieses Untzr- nehmens fst eft, die Kriegsbeichädiglen, die infolge ihrer Verwundung oder Krarfbeit den früberen Beruf nit wiever autüben können, in besonderen Lebrbetrieben auzulernen, damit sie na beendigter Borbiltung in Industrichetriebe als brau§Hbare Kräfte eintreten fönner. Krieg2beshädigte, die wegen beforders \{chwerer Verkctzwgen nict in der Lage sind, eiae fremde Arcbeitsstätte aufzusuchen, oder auch besonderer Pflege und Hilfe bedürfen, sollen in be- sonderen Betriebcn dauernd wit geeigneter, lohnender Arbeit versorgt werden. Soweit diese SSwerteshädigten es wünschen ol au ihre Insiedlung in Gigenbeimen in unmittelbarer

äße der Betri-be ermögliYt werden. Teilhaber dieses Unternehmers find crößtenteils Industrielle des Beceihs des X[V. Krmetko:ps. Mehrere bundert Firmen aller Gattungen aus Baden, Hobenzollern und dm zum Bezirk des X19. Armeeto!:p3 gehörenden Teil don Ober- elíaß haben Anteile im Gesamibetrag+ ven nahezu einer M llion PVèaik gezeichnet, (Korre‘pondenz für Kriegswoh!fahritpfl-ge.)

Einige Zeik später erbeutete ]

Literaturi

Bergkland. Vier DiGtungen von Ernst (Seb. 2,40 4, geb. 5 #4. Stuttgart, D utsce Verlag. Anscht) Zu den Darzietungen in gebundener Vvtede, die uns der S{wei, (p!ker in den leßten Jahren gescenlt hat, tritt der vorliegende Band a!s neueste Gabe. Die vier Dichtungen, die er enthält nur eine von thnen ist in Zahns markiger Prosa geschrieben sind eine VerherrliGung seiner engeren mat, des groß, artigen Sankt Gotthardgebiets. Sie find tn8gesamt erfüllt pon gravsigen und lieblichen Bildern des gewaltigen Berz, landes, Aber während es sich in den drei ersten Stügen um mehr oder minder gelungeve anmutige Spiele ger Phantasie handelt, nimmt die vicrte und legte Diktung „An mein Bergland' untere gesteigerte Antzilnabme in Anspru. Enthüllt fie doh iy vielfa§ außerordentlih weblklingenden Versen ein kurzes Lebensbild des in Deutschland so verehrten und hohgeschäßten Diehtere. Stück wirklichen, von warmem Herzblut durchpulsten Leber8, das sis uns ershließt, gibt dem kleinen Bande einen besonderen Reiz und eine eiger.artige, innere Weide.

Das Oktoberßeft der von Richard Fleischer herausgegebenen „Deutschen Revue * (Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart) hat fol den Indalt: Dr. Freiberr v. VMacchio, K. u. K. Geb. Rat und Ba schafter a. D.: Hirten und Herden. Seneralleutnant Freiberr ven Frevtag-Fonng oven, Dr. h. c. der Univerfität Berlin: General, eldmars§all Graf Sclieffens geistiger Anteil an den deutsten Erfolaen im Weltkriege. John L. Stoddard: Gärung in Amerika, Professor Laband: Englands Kriegsziel und die deutshe Voarfassun Sigmund Münz: San Giuliayo, Tittoni, Sonnino und Bosesl Dr. G. Baron Manteuffel : Die Selbsttäushungen Kerenslis. Profescr Dr. Aoclf Shttümpell (Leipzig): Ueber Salt ea und ihre An, wendung im jeyigen Kriege. Friedrihs des Großen Finanzpolitik in Stebenjährigen Kriege. Iosef Kobler: Das Völkerrecht. Berthoh Moslden: Aus Graf Aehrenthals leßten Tagen. -Freit err v. Bissing, der iweite Seneralgouverneur in Belgien. Dr. Raimund Friedr, Kaindl (Sraz): Polnische Kulturverdältnisse. Wolfgang Windelband: Aus dem Briefwe(sel Friedri Gichhorns, 1[1. Das Deutscium ir der Dobrvds§a. Archivrat Dr. J. Lulvès an: Englands und Ztali-ns Sewalttätigkeiten gegen GrieSenland vor Ausbruh tg Wesltfrieges. Kammersängerin Minnte Hauk: Rus meiner Berliner Opernzeit (SEYhluß). erihte aus allen W:fenschaften. Volkäwirh \hafi : Valutafragen. Viterazische BeriŸhis -

Verkehrswesen.

Die Entwicklung der Eisenbahnvoerkehrseinnahmen während des Krieges.

Der Personenverkehr der deuishen Staatsbahnen hatte in den (eht 12 Friedensmoanaten (August 1913 bis Juli 1914) die höchsten bis dahin erzielten Einnahmen ge- braht. Jm 1. Kriegsjahre (August 1914 bis Juli 1915) blieb demgegenüber die Einnahme um 32,1 vH, im 2 Kriegs jahre um 21 vH zurück; dagegen hat sie in dem jeßt ab- gelaufenen 3. Kriegsjahre jenes hohe Friedensergebnis nit nur wieder erreicht, sondern noch um 5,3 vH überschritten und einen Betrag von 1061 Millionen Mark erbracht.

Der L der im 1. Kcriegssahr gegen das auh hier einen Höchststand zeigende legte Friedensjahr um 16,3 vH gzurückgzeblieben war, holte das Friedensergebni bereits im 2. Kriegsjahr wieder ein, um es im 3. Kriegsjähr mit 2404 Millionen Mark um 8 vH zu überschreiten. j

In diesen Zahlen sind die Einnahmen aus dem Militärs verkehr mit enthalten; sie betragen aber im Durchschnitt der 3 Mgriete nur 1/z der Gesamteinnazmen.

Welche Bedeutung der fortschreitenden Entwicklung des Eisenbahnverkehrs in diesem Kriege beizulegen ist, zeigen be: sonders auch die Einnahmen des August 1917. In diesem Monat hat der Personenverkehr gegtnüber August 1916 um

30,6 vH, gegenüber August 1913 dem legten, zum Ver:

gleih heranzuziehenden Frieden8monate um 14,1 vH, der Güterverkehr gegenüber 1916 um 11,6 vH, gegenüber 1913 um 19,1 vH zugenommen.

Das sind gewaltige Zahlen, die für die ungeshwähit E unseres wirtschafilihen Lebens ein vollgültiges Zeugnis ablegen.

(Fortsezung des NiZtamilichen in der Ersten Beilage.)

Theater.

Königliche Schauspicle. Dienstag: Opernhaus. 214. Dauer bezugsvorstellung. Dienst- und Fretipläge sind aufgehcben Hoffmanus Erzählungen. PhantastisHe Oper in drei Akten einem Prolog und einem Gpilog von I. Barbier. Muü von I. Offenba. MußkalisGe Leitung: Herr Kapellm Dr. Stiedry. Spielleitung: Hetr Heryer. Chöre: Herr Profcssor Rüdel. Anfang 74 Ubr.

Sgtauspicihaus. 216. Dauerbezugsvorstelung, Flachmau als Erzieher. Lusispicl in drei Aufzügen von Otto Ecnust.. Spitb R Herr Obezxspielleiter Patry. Aafang 7 Uhr. ä

tittwoh: Opernhaus. 215. Dauerbezugsvorftellung. QDiens! und Freipläße sind aufgehoben. Triftan a Jsolde i drei Alte von Richard Wagner. Anfang 6} Uhr.

Schauspielhaus. 217. Dauerbezug8vorstellung, ODienst- wi

Mee sind aufgehoben. Neu einstudiert: Nathau der Weise4

ramatishes Eediht in fünf Aufzögen v sing. telleitung Herr Dr. Bruck. Anfang 7 h ggen on Lessing, Sp ¡

Familiennachrichten.

Verebelict: r. Leut t g it gd Jlse von Diri ebf Dele, s von Werder m 7

Gestorben: Hr. Kammerherr Ulrih Graf von Richthofen Sei®au (Breslau). Hr. D. Tman# (ali O R E

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Verantwortlicher Schriftleiter: Direktor Dr. T y r o l, Charlotienbutb Verantwortlich für den Anzeigenteil : Der Vorsteher der Geschäftsste#Pi I. V.: Rechnungsrat Ney her in Berlin. E

Qeilad: dée Bis lisieli (I. V.: Ney her) in Berlin „_ Druck der Norddeutschen Buchdruckerei agsanstall 55 A Berlin, Bilteli eres Ae i 2

Fünf Beilagen.

ck ¿v S 18

zum Deutschen Neichsanz

Parlamentsbericht.*®)

Deutscher Reichstag. 121. Sißung vom 5. Oktober 1917.

Nachtrag.

Die Rede des Staatssekretärs des Reichsschaßamts, Staatsministers Grafen von Roedern, die wegen verspäte- ten Eingangs des Stenogramms vorgestern nicht mitgeteilt werden fonnte, hat folgenden Wortlaut:

Ih möchte mich zunächst gegen den Vorwurf des Herrn Vor- redners wenden, die verbündeten Regierungen hätten den Reichstag in dieser Vorlage vor eine vollendete Tatsache gestellt. Das ist nicht der Fall. Personalveränderungen, die inzwishen vorgekommen sind, haben sich vollzogen im Rahmen des von Ihnen bewilligten lezt- jährigen Etats; es sind zwei Unterstaatssekretärstellen freigeworden ind diese beiden Stellen find beseßt worden. Ebenso ist in keiner Weise in bezug auf die örtliche Organisation der neuen Reichsämter hier vorgegriffen worden.

Der Herr Vorredner meinte, ein Etat sci nicht die ri&tige Form, in der man den Reichstag zu einer Stellungnahme in éiner folhen Frage auffordern könne. Meine Herren, auch der Etat stellt ein Neichsgeseß dar, und die Verhandlungen in der Kommission in der leßten Woche haben. bewiesen, daß auch im Rahmen eines Etatsgesezes durchaus eingehend verhandelt werden kann.

Die Tatsache, daß die Mehrheit des Reichstags sich mit dieser Frage schon mehrfach und eingehend beschäftigt hatte, erleihterte es zen Regierungen, Ihnen einen Weg vorzuschlagen, auf dem Sie si in der Kommilsion auch tatsächlih geeinigt haben. Das ist der Weg, der in dieser Vorlage über die Trennung des Neichsamts des Innern vorgesehen ist. Cs soll vom Reichsamt des Innern das Reichs- wirtschaftsamt abgetrennt werden unter Zusammenfassung der Sozial- politik und der Wirtschaftspolitik.

Auch der Herr Vorredner erkennt an, daß das Reichsamt des Innern einen derartigen Umtang angenommen hat, daß eine Teilung nicht zu termeiden ist. Er hat aber andere Wege für diese Teilung in Aus- ht genommen, auf die ich mit einigen Worten eingehen möchte. (r hat zunächst darauf hingewiesen, daß vom Reichsamt des Innern die Börsenangelegenheiten abgetrennt und dem Neichsshaßamt über- tragen werden könnten. Jch halte diesen Weg niht für gangbar. uh in den Bundesstaaten werden die Angelegenheiten der Börse und der Banken nicht bei der Finanzverwaltung geführt; auch in Preußen ist der Handelsminister Ressortminister für die Börsen- angelegenheiten, und ih halte diese Verbindung der Handelspolitik mit dèn Angelegenheiten der Börse und den Banken für durchaus richtig. Jh glaube nicht, daß es eine Erleichterung des Geschäftsverkehrs be- deuten würde, wenn eine Uebertragung auf die Reichsfinanzverwaltung \tattfände. :

Dann ist der Herr Neichstag8abgeordneie Graf Posadowsky auf sinen Vorschlag zurückgekommen, ein technishes Neichsministerium zu bilden und dadurch das Reichsamt des Junnern wesentlich zu ent- asten. Jh nehme nicht an, daß eine Vereinigung der nicht sehr umfangreichen tehnishen Ressorts des Reich2amts des Innern in einem neuen Reich2amt oder beim RNeichseisenbahnamt zu einer wesentlihen Entlastung des MReichsamts des Innern führen würde. JIch habe aber auch im übrigen erheblihe Be- denken, diesem Vorschlage zu folgen. Wie der Herr Vorredner don hervorgehoben hat, würde aus der Militärverwaltung, aus der Marineverwaltung und aus der Postverwaltung ein großer Teil der tehnishen Angelegenheiten herausgenommen und in dem Neichsbauamt treinigt werden müssen. Ih gebe dem Herrn Vorredner urhaus Recht, daß dies für den Hochbau möglih wäre. Ich

llen würde, und möchte darauf hinweisen, daß gerade bei Militär nd Marine Hochbau und Tiefbau fo eng zusammenhängen, ih eine Trennung nit für tehnisch mögli balten würde. Ich reise ¿. B. auf die Flughäfen hin: wollen Sie sie dem Hochbau oder ollen Sie sie dem Tiefbau, den Verteidigungsanlagen zuweisen ? ch glaube, wenn eine folhe Trennung niht möglich ist, läßt man ser die gesamte Technik von Heer und Marine dort, wo sie jebt | Bei der Post spielen die Tiefbauangelegenheiten nicht dieselbe Rolle, immerhin sprechen sie auch mit und lassen sich vom Hochbau thr {wer trennen.

Was der Herr Vorredner über die Notwendigkeit der Sparsam- tit nah dem Kriege ausführte, kann ih durchaus unterschreiben, und d fann die Zusage geben, daß wir ebenso wie die preußische Staats- erwaltung bemüht sein werden, auch dur organisatorishe Aende- ingen, durch organisatorishe Zusammenfassung sparsam zu wirt- haften und Uebelstände, wie sie vorhin hervorgehoben worden find,

beseitigen. Aber ih zweifle, daß der Weg der Schaffung eines esonderen Reichsministeriumns für Bauten dazu geeignet sein würde. {h fürchte vielmehr, daß dieses Ministerium nur ein weiteres Glied ‘der Kette der Reichsämter darstellen und zu weiteren Reibungen Înlaß geben würde.

Sodann ist der Herr Vorredner auf den Punkt der Vorlage ge- ommen, der in den Verhandlungen der Kommission im Mittelpunkt er Erörterungen stand, auf die Stellung des Vizekanzlers, des allge- einen Stellvertreters. Ich habe dem, was in der ersten Lesung, bas in der Kommission und vorhin von dem Herrn Reichskanzler nach 4 Richtung ausgeführt ist, nur wenig hinzuzufügen. Der Herr Vorredner hat auf die Notwendigkeit hingewiesen, für eine ersprieß- ihe Tätigkeit des Stellvertreters des Reichskanzlers auch ein großes Büro zu bilden. (Andauernde große Unruhe. Glocke des Präsi- enten.)

Da möchte ih darauf hinweisen, daß auch der Herr Reid/8- anzler, obglei er verfassungsmäßig diese zusammenfassende Tätigkeit, der der Herr Vizekanzler ihn unterstüßen soll, ausüben muß, übre

ie Miatster und via seteni Sewihr, mit Ausnahme der Reden dor Minis

weifle aber, ob der Hochbau allein dieses neue Amt auch aus-

Erste Beilage

Berlin, Montag, den 8. Oktober

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ein großes Büro nicht verfügt. Da der Herr Vizekanzker nur in dieser Funktion ibn unterstüßen foll, halte ich es auch nicht für erforderlich, daß ein besonders großes Büro dort vorgesehen wird. Sie finden aber die Möglichkeit der Schaffung von Hilfskräften in der Ihnen vorliegenden Denkschrift angedeutet. Gewiß wird es si sur die eine oder andere Aufgabe als notwendig erweisen, Hilfsarbeiter aus den einzelnen Aemtern heranzuziehen.

j Die Tätigkeit des allgemeinen Stellvertreters des Neichekanzlers ist durch die besonderen Verhältnisse in der augenblicksichen Lage be- gründet, Er soll, wie der Herr Vorredner hervo:gehoben hat, einigend wirken, und diese Einigung glaubt der Herr Vorredner nur ermöglichen zu können, wenn auch dem Stellvertreter des Reichskanzlers eine’ Entscheidungsbefugnis gegeben würde. Meine Herren, ih kann mir sehr wohl vorstellen, daß eine große Anzahl von vorberei tenden Verhandlungen mit Erspricßlihkeit geführt werden, ohne daß es un- mittelbar zu einer Entscheidung kommt. Ich kaun mir vorstellen, daß in drei Vierteln aller Fälle bei derartigen vorbereitenden Ver- handlungen gerade durch die Verhandlung eine Vereinigungç erzielt wird, ohne daß eine Entscheidung des Vorsißenden stattfindet, und daß diese Entscheidung dann nur für das leßte Viertel ‘der Fälle übrig bleibt. Insofern bedeutet also diese Stellung, au ohne daß thr eine Entscheidungsbefugnis übertragen wird, eine erhe.blihe Ent- lastung des Herrn Neichskanzlers.

Mit einigen Worten möchte ich mich dann noch de!n zuwenden, was der Herr Abgeordnete Dr. David vorhin in seinen. einleitenden Worten über die Vorlage gesagt hat. Der Herr Ab;¡eordnete sagt da anfangs, es handele sich hier um einen Eingrisf in wichtige bundesstaatlihe Nechte; und ich glaube ihn so versto.nden zu haben, daß er diesen Eingriff tadelte. Er meinte, daß jedes Neichs8amt, das neu geschaffen würde, - auch die Stellung der Bundesstaaten deteriorierte. (Zuruf von den Ezozialdemokraten.) Er hat selbst dann vorgeschlagen, ein weiteres Neid samt durch Drei- teilung des Reichsamts des Innern einzuführen. Er stellt sih also in bezug auf eine Vermehrung der Stellen auf den Boden der Negierungsvorlage.

Aber, meine Herren, ih möchte auch die Prä:misse bestreiten, die der Herr Abgeordnete da aufgestellt hat. Es handelt sich bei einer Teilung des Reichsamts des Innern ebenso wenig um einen Eingriff in die bundesstaatlihen Rechte, zu deren Hütern auch die Vertreter der NReichsleitung bestellt sind, wie damals, als das Neichsshaßzamt vom Reichsk’anzleramt abgetrennt wurde.

Der Herr Abg. Dr. David ift sodann auf den Vorschlag zurück. gekommen, das Reichsamt des Innern in drei Teile zu zerlegen, cin Neich8amt des Innern, wie- wir es bier vorgesehen baben, in ein Neichswirtschaftsamt und in ein Reichsamt für Sozialversicherung oder, wenn Sie es noch weiter fassen wollen, für -Wohl- fahrt8pflege. Es ist in der Debatte so viel über die Trennung von Sozialpolitik und Wirtschaftspolitik! gesprohen worden, daß ih dem nicht viel mehr hinzuzufügen habe. Wohl aber möchte ih mi gegen eine Ausführung des Herrn Abgeordneten wenden, und das ist die, daß er gesagt hat, vor dem Kriege hätte es in Deutsch- land geheißen: in der Sozialpolitik immer langsam voran. Meine Herren, wer die sozialpolitishe Gesezgebung in Deutschland ver- folgt hat und das ist im Auslande recht eingehend ge- \hehen —, der weiß, daß auf diesem Gebiete zweifellos Deutschland vorangegangen ist. Sie wissen, daß gerade auf dem Gebiet der Sozialpolitik die Mehrzahl der europäischen Staaten dem deutshen Muster gefolgt ist. Aber, meine Herren, ih möchte wiederholen, was ich mir schon neulich bei der ersten Lesung zu sagen erlaubte : die verbündeten Regierungen stehen durhaus auf dem Stand- punkt, daß mit der Sozialpolitik nah dem Kriege niht Halt gemacht werden darf. Wir erkennen es vollkommen an, daß die Arbeitskraft als wertvollster Faktor nach dem Kriege besonderer Pflege bedarf, und deshalb sehen sie in unseren Vorschlägen auch die Teilung im Reichswirtschaftsamt in ein Unteistaats)ekretariat für Sojzial- politik einerseits und für Wirtschaftspolitik andererseits.

Der Herr Abg. Dr. David hat darauf hingewiesen, daß der all- gemeine Stellvertreter des | Reichskanzlers gegenüber den anderen Staatssekretären in bezug auf das Gehalt bevorzugt sei. Meine Herren, hier tritt kein Novum ein. Dieses Gehalt war bisher mit

dem allgemeinen Stellvertreter des Reichskanzlers verbunden und foll/

mit ihm verbunden bleiben. :

Nah zwei Richtungen sind dann noch Ausblike in die Zukunft gemaht worden, einerseits in bezug auf parlamentarisches Regime, andererseits in bezug auf die künftige Gestaltung des Ver- hältnisses der Staatssekretäre zum Neichskanzler, und damit auf die Bildung eines kollegialen Reichsministeriums. Der Herr Abgeordnete Graf Posadowsky hat ausdrüklich betont, daß er diefe Vor- schläge in bezug auf eine Abänderung der Verantwortlichkeit der Staatssekretäre nicht für jeßt, sondern für eine spätere Zukunft mache. Ich kann es mir deshalb versagen, im Nahmen der heutigen Vorlage auf diese Frage ausführlich einzugehen. Nur mit einem Wort möchte ih das noch streiten, was der Herr Abg. Graf Westarp über die Ernennung der Staatssekretäre zu preußischen Staatsministern gesagt hat. Jh muß hier darauf hinweisen, daß das ein Punkt ist, der kaum einer Erörterung von seiten der ver- bündeten Regierungen, hier im Reichstage, fähig ist. (Zuruf.) Es handelt si um ein Recht der Krone Preußens, das unter Verant- wortung des preußischen Ministerpräsidenten ausgeübt wird, und auf dessen Kritik infolgedessen auch nicht an dieser Stelle geantwortet

werden ftann.

122, Sizung vom Sonnabend, 6. Oktober 1917, Vormittags 11 Uhr.

(Bericht von Wolffs Telegraphishem Büro.)

Am Bundesratstische: die Staatsminister Stellvertreter des Reichskanzlers, Staatssekretär des Jnnern Dr. Helffe- ri, KriegAminister von Stein und Staatssekrotär dos proichsschayamts Graf vanReoecdorn,

A m-t 10d S P è A

eiger und Königlih Preußischen Staatsanzeiger.

Auf ver Tagesordnung stehen die beiden in der vorgestri- gen Nuntmer des Reichs- und Staatsanzeigers mitgeteilten Jnterpellationen der Sozialdemokraten.

ks „Ubg. Landsberg (Scoz.) in seiner Rede, deren Anfang eres am Sonnabend veröffentliht worden is, fortfahrend: Dieselben Kreise, von denen diese flobigen Beschimpfungen kommen, „ufen nach Verschärfung des Beleidigungsparagraphen. Sie sind schuld, day das friedliche deutsde Volk in den Nuf kriegerische: Neigungen geraten ist. Wie ist nit die Kriegsstimmung durch den Artikel des Vorstandsmitgliedes des alldeutshen Verbandes Kurt von Stranz 1n den alldeutschen Blättern gesteigert worden, in welchem er den 30 Millionen Deutsh-Amerikanern rät, mit der Faust zu- gunjien Veutschlands in den Krieg einzugreifen und Kanada nicht zud vergellen._ Ver Alldeutshe Verband ist unter dem Eindruck des Ab)lufses des Sanl/ibarabkommens entstanden, das Helgoland an eut\{land brachte; das sollte eine Preisgabe der wichtigsten deutschen nltere]len jein. Hätte damals die Agitation der Alldeutschen den Sansibarve:trag verhindert, so hätte der Alldeutsche Verband heute auf dem Lrafalgar-Square in London, ein Denkmal. (Sehr richtig! links.) Den Kriegsveclängerungsfreunden im Ausland könnte kein größerer Gefallen geschehen, als die Ernennung eines Parteigängers der BVaterlandspartei zum deutschen Reichskanzler. (Nufe links: Kapp!) Die Freude über die Ernennung des Herrn Kapp könnte nur noch gesteiger: werden durh die Grnennung d«s Herrn Grafen Neventlow. Die Bestrebungen der Vaterlandépartei sind nicht die des deutschen Volkes; das deutshe Volk will die Atmosphäre des Hasses dieser drei Jahre bannen. Die Herren von der Vaterlandspartei leben politisch davon, daß unsere Feinde keinen Frieden der Ver- P eng elen wollen. Um den Preis einer Verstümmelung oder Zergewaltigung Deutschlands wollen wir den Frieden niht. (Sehr richtig! links.) Aber wir wollen das auch keinem anderen Volk auf- erlegen. Daß ohne Kriegéentshädigung Deutschland niht wieder in die Höhe komme, ist e:ne mammonistische Auffassung. Es wird furchtbarer Arbeit bedürfen, abe: wir haben das Vertrauen zur Kraft unseres Volkes, daß es das Elend überstehen wird. Wir lehnen es ab, wie der Spieler immer höhere EGinsäßc zu magen. Die Herren von den Alldeutschen mögen sih der Agitationsmittel bedienen, die ihrem Geschmack angepaßt sind, aber darf ein Pfarrer zu seinen Gee meindeangehörigen sagen: Willst du es verantworten vor deinem Gee wissen, vor deinem Vaterland, vor deinem Gott, daß du noch nicht Mitglied der Vaterlandspartei bist! Vorgeseßte muten den Beamten u, gegen ihre Ueberzeugung Mitglieder zu werden. In vielen Drten Lud die Nathäuser die Stätten der Vaterlandspartei, die kommu- nalen Beamten agitieren; sie könnten jeßt Nüßlicheres tun; in Han- nover ist die Vaterlandspartei als die Organisation der Bekämpfung des inneren und des äußeren Feindes bezeichnet worden. In Breslau sißt die Vaterlandspartei im Ämtsgebäude der \{lesishen Provinzial verwaltung, in Potsdam im NRegierungsgebäude. In einer Mitglie- derliste ist aufgeführt: der Postdirektor nebst 78 Beamten des Post- amts. (Hört, hort!) Da fragt es sich, ob die Beamten. eine Pert.nenz des Postdirektors sind oder die S sich in die Liste- eintragen zu lassen, eine Impertinenz des Direktors gegen die Beamten ist. Sn Hamburg ist die Genehmigung einer Verjammlung wieder zurütÏge- zogen worden, weil in der Ankündigung zum Erscheinen aufgefordert wurde, gegen das wüste Treiben der Alldeutschen zu. protestteren. (Hört, hört! Unerhört!) Im Heere wird für die Vaterlandspartei eine eifrige Agitation entfaltet. Offiziere werben dafür; in Versamm- lungen der Partei werden die Soldaten hineinkommandiert, und man mutet den armen Leuten mit ihren 53 Pfg. täglihem Solde zu, ihreit Eintritt mit- einer Mark zu bezahlen. Hat man ein paar ‘tausend Namen auf diese Weise gewonnen, dann renommiert man mit den heißen Wünschen des Heeres nach einem „deutschen“ Frieden. (Redner führt eine große Anzahl Truppenteile an, unier anderm auch aus Mazedonien, wo solhe Werbung und Agitation stattgefunden hat.) Diejenigen, die sich von ihren Vorgeseßten niht gewinnen lassen wollen, werden „traurige Gesellschaft“ genannt. Im_ Gebäude eines, Generalkommandos zirkuliert auf Veranlassung des Oberkommandie- renden selbst die Liste, die zum Beitritt zur Vaterlandspartei auf- fordert. (Stürmisches Hört! Hört! bei den Soz.) In Cóôlnveran- \taltete am 16. September das dortige Generalkommando eine Ver- sammlung im Gürzenih, wo Herr Bacmeister, bekannt als. Virtuose des Fuhrmannstons (große Heiterkeit) über den „deutshen Frieden" Pract Der Divisionspfarrer Krügel entblödete sih nicht zu sagen, daß man, als an der Front die Friedensresolution des Reichstags bekannt wurde, dort bedauert habe, daß die Prügelstrafe niht einge- führt sei. (Große Unruhe und Bewegung links.) Ein anderer Geist- licher nannte den Papst den „Antichrist, der den Frieden will“. Welche Z:erde der ecclesia militans! Gine Reibe andercr Generalkommando3 bemühen \ich um die Gewinnung von Rednern für die gleiche „Auf- flärungs“- Arbeit im kommenden Winter. Es wird sogar gesagt, es sei niht nötig, daß die Redner ihre Vorträge ausarbeiten, es \tän- den solche ja nah Ort und Zeit modifiziert zur Verfügung. (Große Heiterkeit.) Den Gipfel erreiht wohl eine Bemerkung in diesen An- werbungszuschriften, die Vortragstätigkeit könne eventuell als vater- ländisher Hilfsdiens bewertet werden. (Erneute große Bewegung links.) Aus dieser Stikluft des Belagerungszustandes, aus dieser Kor- ruption müssen wir heraus! Es wird über aahele Vorträge be. richtet, die vor den Soldaten von vorgeseßten Offizieren gehalten worden sind. In einem dieser Vorträge wurde gesagt, die Engländer würden in drei Monaten durch den Loe die Knie ge- e sein; dieser Offizier \chwört also auf die marinetechnische utorität des Herrn v. Heydebrand. (Heiterkeit.) Die Anregung zu diesen Dingen geht wohl von einer dem Kriegsministerium nicht sehr 2 stehenden Zentralstelle aus. Im Westen hat Herr Plarete raub, im Osten Pfarrer Mumm an den Fronten Vorträge gleicher Tendenz gehalten, an denen die Soldaten teilnehmen müssen. Neuerdings hat man sich sogar an die Westfront Herrn Max Bewer versHrieben, für den das ganze Jahr hindur Rosenmontag ist. Db er seine Auftraggeber befriedigt hat, weiß ih nicht; Scheidemann und Erzberger, sagt er, seien politishe Hungerleider, die der Kaiser mit dem Fußtritt zur Tür binauswerfen müßte. Seine Vorträge haben feine Ünterbrehung erfahren, aber dem „Vorwärts“ hat die Zensur die Wiedergabe eines ganz objektiven Berichtes über dieselben verboten. (Stürmishes Hört! Hört! b. d. Soz.) Selbst die Kranken und Genesenden läßt man mit diesen Vorträgen in den Lazaretten nit in Ruhe. Wer sich öffentlih für den status quo ante aus- spricht, wird in einem Vortrag eines Hauptmanns als Landesver4 räter bezeichnet. In einem Vortrag, ebenfalls vor Soldaten, wurde gesagt, Érzberger und Scheidemann gehörten ins Zuchthaus, Scheide-

mann und die anderen Lümmel müßten glatt über den Haufen ge= -

\chossen werden. (Große Heiterkeit links.) Was mögen wohl die Unter- gebenen solher Männer, die ihre Zunge so wenig im Zaume halten fönnen, unter deren Beschimpfungen und Beleidigungen zu leiden haben! Man muß doch pervers sein, um an solcken plaiten Schimpfereiew Gefallen zu finden. So sieht also die Aufklärungsagitation aus! Die Aufklärungsoffiziere sind dafür gleichzeitig mit „Le: tsäßen" verschen worden, die von der Obersten Heeresleitung aufgesteUt sind. Das „Krieg8presseamt" hat noch besonders die Militärärzte zw der. gleichen Betätigung gegenüber den Verwundeten usw. aufgefordert und dabet Auslassungen eines Professors Zimmermann als durchaus beactens- wert empfohlen, die threr ganzen Tendenz nach mehr als anfehtbar po. Diess Agitation im Heere hat einen ganz gewaltigen Um ang angenommsn; was hat es demgegenüber zu bedeuten, daß an dym Grandsay „koîng Politiy im Hoero“ festgehalten weden sä,

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