1918 / 13 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

ä , Au 100 zum Gebeimen Oberregierung8rat und 1897 zum Wur k ichen Geheimen Oberre.ierungerat und Direktor der Domänenabteilung auf; 1207 wurde ibm der Charafter als Wi k icher Geheimer Rat mit dem Vräd!k t Crzellenz. verlie hen Am 1. Oktober 1911 trat er in den Ruhéstard und er hielt bei d eser Gelegenbeit den Roten Adlerorden I. K asse mit Eichenlaub. Den Krieg 1870/71 machte er als Kriegsfreiwillige- im 2 Schweren Reservereiterregiment mit, troßdem er 10 Jahre

früher als Einjährig - Freinilliger wegen eines Armbruchs als |

dienstuntaual'ch entlaffen war. Während des Krieges wurde er zum Offizi r befördert und erwarb das Eiscrre Kreuz. Thiels Tätigkeit als Ministerialreferent war in erster Livie der Entwicklung des londwirtchafilihen Unter- rid tewesens8 gewidmet, dessen Auébau auf allen Stufen haup!säblih sein Ver di-n#t ist. Daneben ließ er sich die Förderung der prafktishen Landririschaft, aestügt auf eigene Etrfabrung und im Verein mit den ersten Mär:nern d-r lan’wirtschaftlichen Proxis u! d Wiße: schaft, ongele: en sein. Dutrchduunoen von der Ueberz uguna. doß die Jutercssen der Lanowirt'chaft rur dann gerüger de Verücsichtiguna im öfsent- lichen Leben ir den weiden, wenn fie einer ges:ßlich aeordneten Vertretung richt entbehrte, wurde er der Vater des Gedankens der Landwirtschaftekammern, an deren Eimichtung in den ver- schiedenen Provinzen er h»rvorragenden Anteil hat. Be- sondere Aufmerksamkeit wandte er der Moor- und Oedland- kultur zu, und wenn heute weite Flächen, die ehemals ertraglos lagen in fruhibares Nußland umaewardelt sind und weden, 10 ist das zu niht gerinoem Teil dos Verdienst Thiels, der ir Sbesondere als lanajähriger Vorsißerder der Zentral- moorkfommission alle Fort\chr11te der Moo1fuliur förderte und übiroll wertvolle Winegu!gen pob Tuiels Werde- gana vnd sein umfassender wirtshafiliher Bl'ck lußen es niht zu, daß e sih als Direktor der Domänen- abteilung darauf beschä! lte, in den Staatédomänen ledig- lid eine direfte' Einnahmequelle für den Staat zu er- bi cken. Ausgehend von der Totsoche, daß in denjenigen Landes eilen, wo die Lardwirtschaft in höchster Blüte stand, leßtere zu einem guten Teil der vorbildlichen Tätigkeit der staatlihen Domänenpächter zu verdonken war, suchte er auch in jenen Provinzen, wo Domänenbesiz nicht vorhanden, aber wintshftlich erwünscht war, diesen zu begründen. Er ift der Scvopfer der Eifeldomänen, die für jenen landwnutschaftlich zunügebliebenen Laudiéteil anrege1 de Vorbilder eines guten Be1riebes oeworden sind. Auch im Osten des Stoategeb:e1s hat er den Domänenbesiß zur Förderung des landmwir!schaftiichen Betriebes und zur S1ä!kuna des Deutschtums e1hcbl ch vim hit. Andererseits hat er ne gezögert, für die innere Kolonisation, deren eifriger Förderer in Wort und Schrift er war, Domänen bereitzustellen. De bahnbrechen en eisfien Domär enautteilungen in Neu Votpommer" sind seu Werk. Den s1aatlichen Weinbau hat er im Mosel- und Noheg; biet ein: eführt. Im. croßen Umfange hat er hier cer ingwe11ige Eicher shä!waldungen in Weinberge ver- wandelt, die heute dem Staot reiche Ert! äge bringen und besonders gur Hebung des Rufes des Nahew: ires hervorragend beigetragen haben. Viit der die Reiche houptstadt Berlin nahe be: ühren den Umwandlung der Docmäne Dahiem in eine Landhauskolonie und Stätte der Wissenschaft und Forschung ist Thieis Name ena vetrfnüpft. Er trat 1900 als erster dofür ein, daß Dahlem nicht weiter verpachtet, sonde:n aufgeteilt werde. Und den genialen Planen Althoffs, der zoblieichen w}senschaft- lichen und Forichungsinstitvien in Dahlem eine Heim- siälte \haff}-n wolle, brachte Thiel, der ehcmalige Hochschuiprofissor, volles Vers1ändnis entgegen. N s Vor- fißender der Kommission zur Aufteilung von Dahl: m hat Thiel auf die G staltung der neuen Kolonie 10 Jah e hindu1ch entsheidenden Einfluß geübt, nur zum Heile dis großen Unter- nehmens Die nach ihm benar nten P äße und Allcen haben seinen Namen in ganz Berlin populär gemacht. Dem boch: verehrien Viann wird nicht 1 ur im Preußischen Landwi1tschafts- ministerium, dem er fast 40 Jobre a gehört hat, sondern in der ganzen deu!shen Landwir!schaft immezrdar ein ehrendes Nndenken bewahrt werden.

Vayern.

Dem Landtag ist die 1n der Rede des Finanzministers zum Haushalt angekündigte Vorlage zur Fortfsührung der NUenderung der direkten Steuern zugegangen. Die Vorlage bringt, wie „Wolffs Telegraphenbüro“ meldet, sieben Geseßentwüife, 1 ämlich den Entwurf eines Vermögense steuer- geseßes, eines Gescßes zur Abänderung des Einfommentieuer- ges ges, eines G. seßz-s zur Abänderung des Hauvssicuergesetzes, eines Gesetzes zur übänderung des Umlagengesc zes, eines Ge- seßes zur Abänderung des Kapital: entergesezes, eines Gesetzes zur Abänderung des Et fühnungsgeseßes wd endlih emes Geseßes zur Abänderung der Kiichengi meindeor dnung und der beiden Gemeindeo: dnungen für die Landesteile rechts und links des Rheins. Die Vorlage trägt in ihrer Gesam1heit sozialen Gesichtspunkten Rechnung.

Großbritannien und Feland,

Der Erï‘e Lord der Admiralität Sir Eric Geddes teilte im Unterhause mit, daß ein vom Oberbefeh!shober der großen Flotte einaesegter Untersuhungsgerichtshof sih mit den Umyänden beschöftiat- habe, unter denen der Angriff auf den \kandinavischen Geleitzug im Jahre 1917 statt- acfun den habe, in dessen Verlauf der To1pedobootszerstörer „Poitidge“ gesunken und der To pedobootsze1störer „Pelew“ beschäckiat warden sei. Geddes teilte weiter dem „Reuterschen Büro“ zufolge mit: /

Oer aci tcautatíórat habe den Befund des Ger!Withcfs, ber aus den Admiralen Stu.tee, d- Rob und Goorenough bestand, . 1a for„fäliiger Erwägung b stätigt und sei der Vieinvno, taß de G. leit, \ch!ffe ihr B. stes getan tâtten, um den Zug au s{üuen. Ste hätten in rechier Seemaunêwe se cen pft. Die asderen S ettrelilfräfte, die zu tener Zeit in der Nor fee freuzien, bätten all- ms l'chen SSriite getan, um zu Hilfe zu kommen und etn Entweichen des Feindes zu verhtn „Uuf Grund der Meinurg deg Admirals Beatty bin id tn der Lage zu e:klären*, fuhr Geddes fort, „daß ter: Adwi- ralitätsrat ferner der Meinung tft, daß dte Urnstäuve, die die Be- dedurgsfräfte daran hinderten, im Yugentl'ck des Arg ifs zur Stelle ¡u sein, nid? vermieten werden konnten. Der Nat ist der Meinuxrg, daß die Mat nahmen des Dberkommandicrenden die besten ge- wesen seien, die mit. den zur Verfü.ung stehenden Streitkräften getroffen werden konnten. Was den Anuriff des Feindes auf etnen Geletitzug vor oer Nordostküste von England arlangt, so wurde di- ser auf zwei neutrale Schiffe unteruou men, die im Vunk: l der Nacht vom 11. zum 12. Dezember von ihrem Selettzuge, der südwär1s ging, abgetrennt worden waren. Eins dieser Schiffe wurde

in den früßzn Morgersiunden des 12. Drzember angegriffen und ver- sen?t. Die Mannschaft wurde gerettet bis auf zwet Maschinisten, die mit dem Schif unte: gingen. Kurz dana wurde das ancere neutrale Si, das rom Sel-it¡ug“abagekommen war, gleidfaus angeg er. Die Monr 'chaft verließ das Scbiff, das in iwei Teile br-ch und în diesem Zuand in den Hafen ges{lerpt wurde. Die Begleiisch ff- haiten v: n diesf-m Argriff infolge der Gutfernurg, in der er fih veil- zog, kene K-nrtnis.“

_ Der- Minister für Nationaldienst Sir Auckland Geddes führte im Unterhause zur Begründung des Mannschafts- aeseses (Men Power Bill), wie das „Wolffsche Telegraphen- büro“ meldet, u. a. aus:

_ E38 ift klar, daß wir uns vorbereiten müssen, auf dem S{lat- feld eire gréßre Rolle zu spicien, bis Amerika hecankommt, das b: deutet mebr Véänner für die Armee. Wenn wir die Marire »nd die Luftw-ffen so verm-:hrey, wie wir beabsihtigen, upd die A: meen im Feld aurechterhalten, it es notærerd'a, argenblid- id daran zu ceben, im Larde 420000 bis 450000 Mann aus folGer, die jet im BGürgerliden “eben fitehen, ouézuheben. Diefe Z hen müssen als ab'oluzes Minimum betrachtet we' den und 2s mag fetr wohl fein, daß tie A- sprüte der militä ischen Lage m JÎabite 1918 tie Lushebrrg einer noch g:ößeren Anzakl von Männern aus den Rethen der Industr-eaibciter votwendig macken. Zu gleicher Z if weiden wtr jedo eine garcße Zah! von

sodaß die Berminateru' g unserer indufiriellen Stärke viel gertncçer sein wir», a!s die &efamtzahl der Neuausbebungen.* Geddes kündigte an, deß nit beabsichtigt set, die untere Grenie des Dienftalters Her- abzusetzen oder de oceie Gienze zu erköten ober den Dierstzwang in Klazrud einzuführen. Auf die Beratungen mit den Gewer ki{ ften bezuanchmerd, sagte Geddes, er würde die Gelegenheit zu ergzeifen, um fte Lobe Ancrkenaung für den Seist, der, wie er gefunden h¿be, die Führer der or. arisieit-n ürbeit beseele, mit tenen er fortlaufend die Bedürfnisse der Nation durhaeproien bate, zum Busdruck ¡u bten. Er bofffe, taß das Land auf den'elben GBeisi des B rstônd isses a ch bei den Mafen rechSnin fkênn?, denen von ihren Fuhrern tei diejer oder jener GSelegezbecit, scweit ausführbar, die gle:che Opfeiw!lltukett gez igt worden sei. Das Geseh we: de die telbständige zwetmenatige Werläng-una der Befreiung, deren ch g'aenwäitt ¿ew Leute in gewissen Besckättigung'n erfreuten, be- fiitizen. Der zneite P 1agroph set dazu bestimmt, der egterung dur Ve fgurg tie Macet zu geren, «Pee B: fieiu- 0b: fch- iri. ungen, die auf Gund ter Bescbäfttgung erte!lt würden, zurüdckzuztehen SHeddes fügte binzu, solle Maßrabmen fien bill'ig-1wetie vot: ndig, denn (8 fein çecmrwärtig bex eine MiVi-n Männer in Bisiy von Be}@&ein'‘gungen, die fie vor tem Mili- ärdienst chüp!en, die taisä@lih ungültig gemacht werden \öunten. Im Anschluß an die Refrutieruna t Eng!and sei erheb- liche Arbeit dabi- geleistet worder, dte britisher Nntertanrn, die thren Wobr sig auß rhalb des vereini, ten Körigreibs außer den autoromen Dowit:ten bâtien, zu refrutieren. Jadim er nun die indu telle Sette der Menschenf age betandvelte, jag!c G ddes, es seien Veretn- Farungen mit den Ne,terun- sfte!len getrottin, die für fih übr 90 000 Männer vericnger. Der vorausfihil'ckche Bedarf. des Muni- tionemtnisteiiums, der Ackmiralität und der anderen Atteilungen, die Tbeiter verwenden, betzage 439 000 und der Bedarf an Frauen set 119 000, Bon allen dtefea Anforderungen #.i di- widtigite bie sür die Arbeit in den Shiffswerften ¡um Bau von S@iffsraum sür den Handel. Geèd 8 efldrte, es set eine exböhte Belegenheit geyeben, die Dier fte verbüudeter und neutraler Ausländer für Arbeit von nationaler Wichitokeit in Gebrauch ¿u nehmen.

Der Arbeitsminister Roberts hat in Croydon eine e gehalten, in der er dem „Reute:shen Büro“ zufolge agte:

Alle wünsGten das Ende des Kri-ges herbei, man könne aber o'cht das Recht irgend einer N.t'on auf W-ltherrschast auezkennen. Währe-d bes Krieges babe er die Politik der Partei aufceaeben und ft einfa cootider ger, Er keine ntewanden in der Negi-rung, der nickt nâhies Jr he den Krieg beenden würde, wenn es vereinbar wä'e mit den bet Veginn des Krieges avfgesteliten Kriegszielen. (he die U aen, die den Frieten g #01 bâtien, nit beseitigt seien, könne der #it-den nit g'i&lofien werden. Er glaube vit daran, daß die Soltaten als Rrvolutionàâre aus dem Felde zurü@tehren würden, Der volikor mene Staat könre nur dur almäßlih: Ent- wck ung zustande kommen. Die Woßblhab-nden würden sich mit gtngerem Besiße begnügen, damit“ ale genug kätien. Er glaube nicht av Eleigh it, aber es sei die Pflicht jeder geortneten Gesell- \haït, dafür zu soren, daß jede Familie genug habe, um auskêmtnli leben zu können.

iFraukreich.

Die Kammer erörterte gestern die Jnterpellation des sotalitishen Abgeo!dneten Lafont über die Maßnahmen, die die Regierung zu treffen gedenke, um den Nechtegrundsäßzen in der Angelegenheit der Untersuchung im Falle Caillaur Achtung zu verschaffen. s

Laus Bericht der „Agence Habas* wies Lafont darauf hin, daß gewisse Uit-rsuchungeu in Italien ni&t ia Uebereinsttmwauvg mit dem geltenden Ret ftattgefunben bätten. Eine Formalttät sei uvbrahtet gelaffen worben, nâm!ti Die Anwesenheit des Angeklagten. Dieser Tonne darum die Ccth-it des ausgefuarden n Schrif stückes bestreiten. Der Unterstaatssekretär Zanace erflätc, als man vor eini en Tazen von dem Bcrhandensein eines dem Angeklagten ge- hôrerbor Weldshranfes eifahien habe, bätte der Unte: suchungsrtchier die Bebörten um Ernennung etnes Untersuhung8ausschufsses gebeten der sich an tie ital'enlshe Regierung zu wenden bätte. Von diesem

| Augenolick an stände den Justi,behôrden tes fremden Landes die Oeff- | unz bea Geldsrankes z1.

Dies set in aller Ordnung und auf Die äußerste Linke ebhob Ginspruch. Die blizb ruhig. Der Ministerprösident antworielte von seinem Playe aus, er dasfelbe a: tworten, was JInace ihm gesa.t 1 daß die französche Justlz nur auf firon- Gebet toupniän fet. Clemerceau sagte welter: „Wir ordneten den Anusscuß an die ttalienische Rigierung ab. Diese iff eire threnhafte Negier!ing. Wir haben kein Ret ¡u den ifalt-n Sen Deamten k-in Vernzauen zu haben und nit zit alben, daß die tial'enii@e Negiecong viht nah dem Gesetz ver- saoren tf. Und wenn sie es getan hâtte, so wäien wir nit dafür verantwortlick.° Die einfache, von der Regierung gebilligte Tage8ordnung wurde mit 369 gegen 105 Stimmen angenommen.

Nuß;laud.

Nach einer Meldung der „Agence Havas“ aus St. Peters- burg wurden der rumäntshe Gesandte Diamandi und das Personal der Gesandtschaft am Sonnabend auf Befehl der Volk»beauftragten verhaftet und in der Peter-Pauls- „estung interniert. Die Ursache sei unbekannt. Die Ver- haftung habe große Erregung hervorgerufen. Da aus Anlaß des Jahreswechseis fein Blatt erschien, sei sie nicht allgemein bekannt aeworden. Das diplomatische Korps, auch das neutrale sei vom Doyen, dem amerikanischen Botschafter Francis dringend zusammenberufen, um Einspruch zu erheben. N

Der Volksbeauftragte Antonow meldet dem „Ni

E 4 U ® , eur Rotterdamschen Comant“ zufolge, daß das Doneb-Becken von Kaledins Truppen gesäubert und die Kohlen-

loyale Wetse ge!eben. Mehrheit der. Kammer Clemenceau fônre Safont bade, nüämti, ziem

erzeugung in- Händen der Bolschewiki sei. Das Getrei | zur Versendung nah dem Norden beschlagnahmt Stng) n

Leuten aus den IrupperTôörpern dem büngezrlihen L-ben zurüdckgeben, '

Die „Nationaltidende“ meldet, russischerseits se; è finniszen Senat mitgeteilt worden, daß die russis{en em sazungen von den finnishen Lotsenposten und Ley tür men während des- Krieges nicht zurückaezogen ae würden. Jn der leßten Zeit seien Versuche unternomme, worden, Telegramme auf swedish von Schweden na Quell land zu senden; sie müßten den Weg über St. Petercht nehmen. „Stockholms Dagblad“ fordert nun die große nordisd Telegrophengesell\chaft ouf, eines ihrer vier Oftseekabel für L \hwedisc-finnishen Verkehr zur Verfügung zu ftellen. B

Ftalien,

Wie der „Corriere della Sera“ mitteilt, wurde in de vorgest: igen vierstündigen Ministerrat grund\äßlit vg einbart, daß der Ministerpräfident Orlando wahrsceinlis voch vor der Kammereröffnung ährlich wie Wilson, Llord George und Pichon eine Rede halten soll, um den Stand punkt Jtaliens zur Friedeusfrage festzulegen. Offiziüs fis lautet, die Kriegeziele sollten im wesentlichen in unceränderter Form bestätigt werden. Der Ministerrat soll auch einen vor: zeitigen Zusammentritt der Kammer erörtert, jedoch abgelehnt haben, da Orlando bereits für die Teilnahme an der Pariser Beratung verpflichtet sei. 1

Sck{weden.

Der Reichstag is] gestern zusammengetreten. Dey Staatsminister Eden teilte mit, der König habe den Grafen Hamilton zum Präsidenten und Odelberg zum Vize präsidenten der Ersten Kammer wiederernannt, und den früßeren Vizepräsidenten Persson (liberal) zum Präsidenten und Herraan Lindquist (Soziaidemokrat) zum Vizepräsidenten der Zweiten Kammer ernarnt. Die Kammern beschlossen, Glüg- wursc{te'egramme an den Präsidenten des finnischen Landtags abzusenden. Heute wird der Reichstag mit einer Thronrede

erô}]uet. Schweiz.

Veber das am 29, Dezember abgeschlossene und von Bundesrot genehmigte Wirtschaftsabkommen mit Frank: reich macht das Volkswirtschaftsdepartement nah der „Schwei: zerishen Depeschenagentur““ folgende Mitteilung:

Die Sæieetz übernimmt durch diejes Abkommen die Ver pfli®tung eie zu bildende \droetzerishe jF:nanzorgantsalion zur Gewährung monatlihec Vorschüsse an ein fianzößsch-s Banke: konto tium ju ermä®ttgen. Die Vorschüsse werden gegen “‘Otuterleoung ven W:rtschriflicen w d geen AusfteYluna von D'eimonadwe(hsein g- währt, die wei erfiflasfige tranzößfis&e Unters&riften tragen, Die Nütjohluaa des Vorschusss hat fspätest-ns in dret Jahren z1 ectolgen. Ein Teil des Kredits ist al? Gegen- Lleti1urg tür die Einfuhrbew:ÜUiguyg gewisser s{chweizer!Ger Industrie er¡eugnifse nach Frankreich anzuiehen, hierunter fallen 1 amertlih die E zeugrisse tec Uhien-, Bijoute1ie-, Stickerei- und Texit.industie, Die monatliche Æreditiumme, die behufs GileiSterung der \chw- tze isen Sinfubr Szankieich zugestanden worden t, beträgt 25 Millicnen Franfen. Jm übrtgen it die Döhße des Monatskredît?, ähr.l ch ‘töte dies im Kohlenabkommen mit Deuischland vefitmmt wurde, abhänglg von der Venoge der aus und dur Frankrei tin die Schweiz ein- geführten Waien. Eine gewisse Cinfuhr, ungefähr das Drittel der durihnittiich in Betroczt kommenden Menge, bleibt vorschußfrä; für weitere Wergen weden Kredite gewährt, die mit der Zu nabme der Einfuhr ncch einer beitiwmten Sîtala progreisiv ansteigen. T'effen ¡omit die für die Schwetz notwendigen Wen nicht eiv, fo hat diese anch entiprechend tieinere Kredite zu gewähren.

wirtihaftlih-m Sebietz, und zwar in exster Linie für d'e Berforgung

Waren, wte ¿. B. die für die schweizerishe landwirtschaftliche Er ¡e gung ünertbehrlihen Sämereien, zu liefern, Fft dfe Zuühr be- fr'edigend, tjo dücfie fic ter gesamte Monaidftredit, der fitiens der Schweiz an das franzôsche Konsortium zu leisten ift, ungetähr auf 124 Piillionen Franken belaufen. Mit Löheren Einfuhrziftero kaun kaum gerechnet werden, im Gegen'etl steht zu befürchten, daß ch bie Einfuhr untec dicien Ziffern halten wird.

Amerika.

Der Präsident Wilson erapfing am 10. d. M., wie „Daily Mail“ meldet, im Weißen Hause cine aus einer Reihe der angesehensten amerikanishen Bürger irischer Abkunft bestehende Abordnung, die ein BV'onzestandbild des großen irishen Revolutionärs Robert Emmet überreichte. Phelan, Senator von Kalifornien, der an der Spiße der Abordnung

'yand, führte in einer kurzen Ansprache aus, daß die Jren

das schwere, ihnen von England in der Vergangenheit zuaesügie Unrecht ziî vergessen bereit seien, falls man ihnen gemäß dem erklärten Kriegsziel der Verbündeten Freiheit oder auh nur Autonomie gewähre. Der Präsident nahm das Standbild darkend entgegen, enthielt sich aber jeder Erörterung der irishen Frage. Er machte lediglich eine freundliche und hoffnungsvolle Andeutung, daß der in Dublin tagende Jrische Konvent bemüht sei, die Frage der zukünftigen Negierung Irlands zu lösen.

_ Auf Grund der Ergebnisse des Kriegsrats der Ver- bündeten in Paris hat- das amer ikanishe Schiffahrtb- amt, wie „Reuter“ meldet, beschlossen, in London, Paris und Rom Vertretungen zu shaffen und in fast allen bedeutenden atlantischen Häsen Zweigstellen zu ercihten. Es soll dami! nicht nur die Kontrolle über die amerikanische Handelsschiffaht! wirksamer gemacht, fondern auch die vollständige Zujammên- arbeit der verbündeten Schiffahrt gesichert werden.

Asien.

Der persische Kousul in Tiflis teilt, dem Blatte „Weischerni zufolge, mit, daß die Entfernung der russischen T ruppe! aus Persien schneller vor sih gehe, als man zu hofen wagte. Nach amtlichen Angaben der persischen Regieru haben die russishen Truppen in Urmia alles aeplüudert un vernichtet. Folge dieser Pogrome ist, daß die Perser fi 0! russishes Gebiet hinüberretten.

Friedensverhandlungen in Brest-Litotvsk. : 15, Januar.

_ Am 14. Januar um 5 Uhr Nachmittags hielt die deuts- österreichisd-ungarishe tufffhe Hoe due Beratung del territorialen Fragen ihre vierte Sizung ab. ;

__ Staatssekretär Dr. von Kühlmann teille mit, baß die verbündeten Negierungen zu dem Entschlusse gekom seien, die Pren Vorschläge der russischen L ordnung ihrerseits gleihfalls in formulierter Form mündli zu beantworten. Er müsse aber neuerlich

weisen, er halte die Art, daß die Abordnungen gegen

Fiarkre'ch ve: pflidtet id, der SHweiz eine gewiff- Eileichteruug auf

mit Lebensmitteln u: d Vobsloffen, zu gewähren und daneben bestimmte

feilig mit formulierten Schriftstülen verhandeln, für außer- “rdentlich zeitraubend und den Erfolg wenig fördernd. Wenn mau wirklich zu einem friedlichen Abschlusse gelangen wolle, werde cs sih in Zukunft empfehlen, die Materien durch- zusprechen ‘und dann von jeder Seite je einen Herrn nur mit der Redaktion zu beauftragen. Diese beiden Herren müßten als Redaktionskomitee zusammen versuchen, wieweit fie eine aemeinsame Fassung suchen könnten und, falls dies niht möglich wáre, im Einvernehmen miteiuander die gegenseitigen Differenz- punkte festlegen und schriftlich festzulegen.

Hierauf gelangte die materielle Antwort der Verbündeten zur Vorlesung, die folgenden Wortlaut hat :

Die der deutshen und öiterreidis-upgart\chen Abordnung über- mittelten Vorschläge der rutsishen Abordnung, betreffeud die Ext widlung der Dinge in den von deu Zentra!mäctten beseßten Gebieten Rußlands, weiden dermaßen von dea Ansichten der Verbündeten ab, daß sie in der vo- liegenden Form als unannehmbar bezeichnet w-rden infen, Ohne des näheren auf die äußere Form dieser Vorschläge einaehen zu wollev, kann dcch nîcht unbemerkt bleiben, daß sie nit den Charakter des von tea Mittelmähten angestrebten Verg!eid:3 trage», sondern vielm-he als eine einseitige russische Forderung darstelleu, die den Wunsch vermissen läßt, diz beredtigten Gründe der Gegenseite in Verehaung zu ziehen. Tioßdem find bic öfterreisch-ungarishe und tie deúts@e Abordnung bereit, nockmols und diesmal formvliert, ihre Anschauuvgen über dié \ck&webenden Fragen far zum Ausdr cke zu belrgen und oh einen Beriuch zu urternehmen, ob ‘der von ihren" angeflrebte Vergleich eine Ausficzt auf Verwirklichung bieten kann.

Ueber etnen Teti der von den Verbündeten besetzten Gebiete ist

in Ziff-r 1 des beutihen Gn!wurfs gebandelt worden. Diete Mateite -

ist durSberaten, bedarf alïo feiner wéiteren Grörterung. Die Frogt2 nah den zurzeit von den Verbündeten bescgten Wedbt:ten, die etgenes staati!ch2s Leben besißer, wäre rein zetillh in viex Stadten zu gliedern: Dér Zettpurft zwischen dem Abschluß des Friedens nit Rußland und der Beenbigung der russischen VDemobilistexung, der Z-itpurkt zwischîn dem tussisWen Frieden und dem dllgemelnen Sia, dex Zeotipurkt des ebergangsfladtums für die neuen Völfer, endi das endgültige Stadium, in dem bie neven Staattn die vobe Avsgesialtung ihrex Staatsorganifation du chfühen. " Es muß wiederbolt darauf Hingewftesen werdén, daß die Mittelmähte abweihe' d von dem, was für Rußland der Fall ift mit dem Abschlusse des Friedens mit Rußland Ekcineêwegs au der allgemeine Fuitden wverbunten f, daß fie vielmehe ge zwoungen sind, mit anderen «Gegnern den Krieg weiierzuführer, Gegenüber der 1ussis@en Regleiuna erflären bie verblüieteten Ake oxdnvngen aufs neue, daß fie der Ur'ckauung sind, bie: v:rfassung®?- msi zustärdigen Organe in den veuen Staat8gebisden seten vor- läufig als vollkommen befugt anzusehen, den Wien breiter Kreise der Bevölkerung ou2zudrüden. Ven großer Bedeutung für die Frage der (Fnt- (tehung einer Staatépersörlidhfeit ifi das Urteil des Dbersien Gerlcht8hofes {n Washington voin Jahre 1908, in tem aus, efübrt worren ift „daß die fouberänen Mechte dex Vereinigten Staaten von Nordamerika als voll und garz brfichenbd anerfanut werd: n müssen vom Tage der Ver- füngung ibrex Unabhängigkeit ab, d. h. seit dem 4. Juli 1776 aanz unabhängig von iE'éêr Anerkernuvg se tis Englands im Ber- trage vom Jahre 1782,* (Fiore. droit international codiflé, p. 160.)

__ Die verbündeten Abordnungen nehmen Ukt von der Er- klärung, daß „die russs{he Regierung aus der Tatsache der Zugehörigkeit der beseßten Gebiete zum Bereiche des früheren russi hen Kaiser- reih-s keine S@lüsse zieht, bie irgenbweldie flagtzretlihe BVer- pflichtung der Bepölkerung dieser Gebiete im Berkältnis zur rusfischen Republ'k auferlegen würden, vnd daß bie alten Srenzen des früheren russiicken Kaiserrcihes, die Grenz-n, die durch Ge- waltiaten und Brrbreen gegen die Völkex gebildet murdeu, We- besondere gegen das poluise Volk, zujammen init dem Zaritmusg veischwunden sind“; : ebenso davon, daß „fr die russishe Reglerung deswegen dle Grundaufgabe der “Jeb gefüshnten Verhant lungen nit darin bestebt, um in trgend welhèr Weise das wettere zwangsweise Verbleiben dèr genannten Gebtete im Nahmen bes zu sischen Vie 5 zu verteldigen, sondern in der Si§ezupg der wulkliden Freiheit der Selbsihesiimmung, der innerea Stag!lseinrihlung Lage der Gekbtete."

In diesem Zusammenbange wäre die Frage aufzuwerfen, aus welhem Rech!sverhältnisse die gegentärtige tu)sise YNegierung thre Bereht ¿up 11nd Verpflichtung ableitet, für die Sicherung der wirklichen Frihett der Selbsibestimmung dieser Gebiete bis zum äußersien, das heißt, unter Umßänden bis zur Hortseßzung des Krteges einzutieten. Weun die Laisoche, daß die beseßten Ge- biete zum Bereiche des srüheren russishen Kalserreids gehörten, keinerlet Verpflichtung dexr Bevölkerung tbieser Gebtete gegen die russische MNepblik begründet, l nicht ohne weiteres eisihilid, worauf die ru!sisde Republik ihrerieiis lhre Rehie und Tfl chien gegen diese Bevölkerung gründen wi. Siellt niau {ih aber, wie die russi'che Kbcrdrung dies tut, guf ben Standvunft, daß die russisGe Rippublik ein deraritqes Nett besipt; so find kn der Lat: Unsfang des Gebietes, politti&e Vorausjeyung für dite Aus- üburg des Selbsibeslimmupgärech!s, Urkergangsiegime und Form dex Billenskundgebung, die vier Punkte, über die versuht werden muß, Einigkeit zu erzielen. ; j

Zu 1. Die Bebouptung, dos Selbftbestimmungöreckt stehe Nattenen und nit au Teilen von Natioven zu, entspricht nicht uyserer Auffassung des Selbftbestlmmungêrethts. Avch Teile von Nattonen fönnen Selbständigkeit und Absondeung reckchtmäßtg be- \chließen. Es it hierbei feineáwees angencmmen, daß die Dkkupation®- arenze för die Atgrepzur g diefer Teile maßgebend sein fol. Kürland, Lilauen und Polen biiden, auch historisch angesehen, vôlkiiche Giahettén. Deuishland und Oesterreih-Ungarn baben nit die Absicht, sich die jeßt von ihnen beseßten Gebiete cinzuverleiben. Sie beabsichtigen nicht, die fraglichen Gebiete zur Annahme dieser oder jeuer Staats- form zu rôtigen, müssen aber sih und den VöUern der. beseuten G: - biete für den Abs{lvy von Verträgen aller Art freie Hand behalten.

Zu 2. Was die Ausführungen hierzu betrifft, so gehen fie an dem grundlegenden Unterschied vorb-f, auf den die verbündetea Abordnungen inmer wieder bingewicsen haben. Eine Zurückziehung der Heere ift, solarge der Welikrieg dauert, unmöglich, jedo Conn angestrebt weid:n, die Tcvpyen, falls es bie militärischen Umstände gejta1ten, auf diejenice Zah! zurüdühren, die zur Aufrechterhaltung ber Drd- nung und dex tehnischen Bekckebe im Lande unbetingt nötig ift. Die Bildung einer vattoralen Gendarmerie kann angestrebt werden. Mas die Nüdkebr ter Flüchtlinge und der während des Krieces Evakuterten betrifft, so wtrd wobswollende Prüfung ven Fall zu Fall Iugesogt. Diefe Frage konn, da sie n ckcht von gudsSlaggebepver A Bedeutung it, etner besonderen Kommission überwiesen erden, j

¡u 3. Der russis@e Vors#log ist in seinen Ginzelheiten nicht Uar genug und bedarf der weitecen Aufhellung. Es ist aber ohne weiteres zuzugeben, daß mit der forts{reitenden Annäherung des all- genten Fuedens ben gewlblten Vertretern der Bevölkerung des Qnoes in immer steigendim Umfang? die Mitwkkung auch an den

ecwaltungeaufgaben eingeräumt werden soll. - 1u 4. Ote verbündeien Avordnungen find grundsäylih berelt, tazustimmen, daß ein Volfsvotum auf breiter Grundlage die Beschlüffe ver die staatliche Zogebörigkeit der Gebicte sanktioniexen soll. Eine ti seitige Festlegung auf cin MReferendum erscheint unpraktis. uud das Votum einer auf bréiter Grundlage gewählten und er- fünzten repräsentativen Körperschaft würde nah Ansanuyg er verbündéêten Aborbüungéa genügen. És nag darauf bingewiesen werden, däß _auch die von der ‘Neglerung dec olfilommissare cetfannten Staatenbildungen {nnerhalb ves ehemaligen russi\chen Nallerreihes, wle zum Beispiel der Ukraine und Finnlands,

unh internationalen

nicht im Wege etnes Referendum?, soudern durch Beschlüsse von auf breiter Bruydlage gewählten Natiovalversammlungen erfolgten.

Bon dem Wunsche beseelt, es neuerdiugs zun vertuchen, zu einer Verständigung mit der russisden Regierung zu gelangstv, haben dîe Regierungen Deutschlands und Deslerreih-ÜUngarns dieie weikgehenden VBanibläge gemacht, fügen jedo gleidueitig hinzu, taß fle den ¿ußerfiéa Rahmen bilden, innerhalb d:fsea si? eine friedliche Verftändiguug nroch erhoffen können. Sie wacen bet ter Entwicklung dieser Grundsäße ebe:so von der pflichtaemäßen Absicht burchdrungen, die eigene Wehrfähigkeit niht \{chwächen ¡u lassen, solange der unselige Krieg noch fortgeht, als auch von dex Absicht, einsge Bölfker, die an thr Gebict angrerzeu, injland zu seyen, endgültig und selbffändig über ihre eigene Zukuost ¡u entscheldern, ohne babei in etnea Zustand der äußersten Not, des Glends und ber Berzweiflang zu geraten. Etne Verständigung zwishèn Nußland und den Mittemächten über diese |chwierigen Fragèn jedo is nur daun mögli, wenn au Rußland den ecriilihen Willen zeigt, zu einer Vereinbarung gelangen zu wöll-n, und wenn es anstatt des Versuche, einseitig Liktate ‘aufzustillen, fh bemüht, die Frage auh von der Segen- seite aus ju betraten und jenen Weg zu finden, der aVcia zu cinem iri¿dÜhen Ergebnis führen fann. Nur unter der Vorausfegung solWer Intentionen kênnen die Übordnungen der vertündeten Veädte res an der Hoffnung einer friedlicen Beilegung des Streites fési- alten.

Hierauf ergriff Herr Trotzki das Wort und erklärte :

Gr h:ffe, dofi bie eben verlesene Antwort der Zentralmöchie jedenfalls die Zweifel über die forwal-n Schwierigkeiten beseittgt habe, bie flir die russische Abordnung dur bie in der vorigen Stßung vébaltene Wede tes Generals Hoffmann ensstanden wären, Die rulsiihe Aborbnuvg sei der Ansicht, baß sie tm vorltegenten Falie Verhandlungen mit einer Partci füßré, die verkörpert werde bur dle deutsche Vt-glerung. Der Heir Staotssekretäc Hake darauf hingewiesen, daß ale Punkte tiefer Verhandlungen aus dem alleinlgen pcliti{en WiDen der deutschen Negterung herrühren. So- lange blese Arfi®@i pn niemandem formell wideriegt set, sehe die rwfisGe Abo) näng dies ols eine fo1male Erklärung an. Weon Genrral Hoffwänn darauf hit gewiesen habe, deß bie russis@e Regierung stch auf thre Macbistellurg berufe und mit Gewalt rorgehe aecen alle anders Denkendén, die fie als Begen- vevolöt oräre und Bougeois fstempele, fo müfle alerdir gs bemerkt weden, täß a bie russishe Pegierung auf der Macht fußie. In dèr genzen Geschichte kene man bither feine anderen Regierungen. Solange die Gesellshaft aus kämpfenden Klassen bésiche, folaage werde sh die Mat der Regierung auf Kraft begründen Und durch @eralt thre HerrsGhaft behaupten. Er müsse aber auf das be- stimmt fle geaëèn dle Bebaupturg Einspruch e1heben, dch \eive WMegierung jeden ande:8 Denkenden tür wvogeljreti er- fiä. Das, was die Regierungen anderer Länder bei den Handlungen der tusfisGßen N-gterung abstoßr, fei die Richtung, in der fie von threr Macht Gebrauch mae unb in der sie d dib nidts beirren [asse. So hâtten er und fetre Freunde, als die rumánishe Regierung versuht habe, auf rujsishem Gebiete Ge- walitmaßregeln gegen revolutionäre Soldaten und Arbeiter anzu- wendev, bon hier aus der Petersburger Regierung vorgeschlagen, den mnimär isen Gesandten, fein ganzes Gesandtsaftipersonal und die rumänt|che Militätmilsion zu verhaften, und sie hätten die Aniwort erholten, day dies bereits gesehen sei.

Ynfchließend daran ührt Hexr Troßki folgendes aus: „Was die beiden Belip'ele arbetrifft, die General Hoffmann angeführt hat, so carakt: risier-n diese in keiner Welse unsere Politik auf dem Sebiete der nationalen Fragen. Wir haben Erkundkgungen eingezogen über den wetßrussishen Kongreß. Dieser Kongreß eht: si zusammen aus den Vertreten dex weißrussi hen Agrarter und hatte ver- uh, fd aller pveijentgea Stüßpupkte zu bemätigen, die tas Eigentum des wéeißtusßs{en Volkes sein mussen. Uud mern er auf Widerstand gestoßen tf, so rübr1t dieser Widerstand

von Soldaten her, unter deren tn gleiGßer We.se Großrussen, Weiß,

ros} n und Kletnrussen vertreten waren. Ih wies fon in meiner totmalea Ecflärung darauf hin, daß diejenigen Streltfälle, die zwischen uns und der Ukraine enista: den wären und ktie zu meinem Béêdauern noch nit volliiändig bese'ti.t find, in keiner Weise das Ne@&t des ukratnischen Volks auf Selbsibesttmmung beschränk.n können und uns in kéinec Weise dwan gehindert kaben, die unabhängige ukrainishe Republik anzuerkennen.“ i

Herr LTrotki fam hierauf auf das Schicksal der _Heseyten Gebtete zu \preMen und meinte, aus ken biéherigen Ausführungen ver deuten Vertrerer den Schluß ziehen zu können, daß die Entschetdung des Schals dieser Gebieie erfolgen solle ofne Rücksicht darauf, ob das eigene Volk bexeits imstande se}, die Eniseidung in die eigene Hand zu nehmen. Er mödhte dermgeg?nüber der Meinung Ausoruck geben, daß die geäußerte Ansicht nur die Ansichten der rufsishen Aborduung be- itärken fann über die fehr untergeordreie Rolle, die die Mets philosopbie in der Froge der Enischcidung des Schidsals ron Völkern spiele. Dos beziehe si genau ebenso auf dfe Nechtepbilosophie des Obe: slen amerikanisGer Gerichishofes. Wer die Gelhihte der Entscheiburigen dieses Obersten Gerichtshofes penau gelesen habe, der wisse, daß diejer Gertlchi8hof seine Ne Gtévhilosophie sebr häufig in diesem oder j-nem Sinne geändert habe, je nochdem es nig gewesen fet, des Gehiet der ‘ereinigten Er glaube, daß teüglich dieser nit elne Parallele zu zieben amezrfanishen Geridhtz- und Aus)prücen der-

Staaten zu erweitern over nit. Frage es viel interessanter wäre, mit der Entscheidung des Obersten hotea, sordern mit den Ansichten jenigen englischen Jurisien, die ihr Net begründeten und herleiteten, ihre amerifantide Kolonie in der Hand zu beholten, Gas die Form des Ve: hande!lns anlavge, so halte es bie russiie Abordrung für notirendig, gerade diejenigen Pur kte ian den VBordér- grunb zu stellen, die den Gegenfiand pon Meinungsverschiebenheiten bilten und dies wit aller genügenden Gntschlofsenheit, weil nur in diescm Falle eine gerechte Lösung gefunden werden könne.

Der Vorsitzende der deutschen Abortnung habe gefragt, aus welden Quellen die russishe Abordnung die VBeretigung berleite, fich für das SchiFsal der beseyten Länder zu irteressieren, da sie erklärt habe, daß deren frühere Zu- gehörtgkeit zu Mußland thnen ketnerlei vôlferrechcktlihe Ver- pflibtung gegenüber Rußland auferlege. Aber |.in Recht, 1% für das Schtccksal dieser Bebiete zu tnîteresfiercen, habe der Herr Staatssekretär nit aus ter nackten Tatsache der Beseßung heroeleitet, senvein aus dem Grundsatz des Selbf1bestimmungdrcchts der Völker, dea ex allezdincs etwas begrenzt fnterpretiere. Dieser Srund- saß gelte aber nicht weniger für die russise Abordnung und beoründe - hinretGend thr Znteresse an dem SWickjal der- jenigen Vöifker, deren Ausscheidung aus dem Beflande des früheren usen Kaiserreides se nit verbindere. Herr Trotki {loß mit der Bemerkung, daß sich die rusfi\che Abordnung selbsiverftändlih tas N: t vordehalte, eine genaue Neußerurg abzugeben über den Gharatter der Grklärungen, die heute verlesen worden seten.

Hierauf. ergriff der Staatssekretär von Kühlmann das Wort und führte nachstehendes aus:

Was die Rede des Herrn Generals Hoffmann betrifft, möchte 1 Leg: für mi als sür den Herrn Seneral Hoffmann ausdrüdcklih as Neht vorbehalten, auf diése Angelegenheit zurüctzukommen. Die staatsrehtlihe Zuständigkeit des Deutschen Reiches hat der Herr Vorredner mit der genauen Kenntnis internationaler Verhältnisse, die er besitzt, vollkommen rihtig charakteristert. Der Herr MNelchs- kanzïec, der einzige verantwörtlide Reihöminifter? erteilt auf dem gesamten Gebiete der autwäitigen Politik die für seine Organe maß- gebenden Instruktionen. Uebrigens {s es bei der engen politischen ÜVebereinsliimmurg, la der i mich mit dem Herrn General Hossmanu befinde, vollkommen selbstvetsländlih, daß zwischen unseren Auffassungen keinerlei Zwlespalt besteht, Der grund-

legende Unterschied zwishen unserer Auffassung und der der russchen Abordnung tit, daß wir im ESegensape zu thr auf dem Borhandenea autbauen, daf wir ohne Bruch vud gewalt- samea Uebergang tn ]enen Gegenten ein geordnetes Staatsleben entftehen laffen wollen, und wir es ablehnen, aus reiner Viebedienrei gegen die Theorie e: einén luftleeren Raum zu hafen und în einer bisher näher nicht tezeihaeten Weise tn diesem luftleeren Naum den Staat sch b!loen zu lassen. Ueberrast hat mi dfe geringshägtge Bewertung der Ncteile bes Obersten amerikanischen Gericctehof-s dur Perin Tretfi. Mir erschien die Geichihte ber Gcündung diefer großén MNepublik und etn Urteil ihres obersten Gerichtshofes úber cinen Punkt diefer Geschichte für bie Beurteilung der ¿wtsckchen uns schwebenden Streitfrage inmerkin nit ohne Beveutung. Wenn der Herr Vorsitzende dec im übrigen nehme ih aber mit B:- friedigung Notiz von dem S&lusse der Ausführungen des Heren Vor- redne:8, daß er und seine Abordnung nunmehr gesoanen sind, in die witklihe Erörterung und Æüärung der Einzelheiten der uns trenneuden Aüffafsungen einzutreten. Dahin ift mein Bestreben von der erftezi Stunde unfecer Arbeiten au gegangen,” und t war der Acschauung, baß die beiden schrifUlch feitgelegten Darstellungen der. gegenseiitg?n Siandpubkie, wie fle vor der Weihnach;soause erfolgt warer, als Uat-:rlage für die Erórterung geuügende Formulierung geboten hatten. Jeßt schlage ih vor, uns an die wettere von der rusfischen Abordnung vorge}ch{lagene Ärbeitêmethove zu ballen, um über die vier Punkte, wie sie in unsere Antwort aufgenommen worden find, nun wirklich in die GinzelbespreGung einzutreten. Ich boffe, daß wir dann in wenigen Tagen fo weit find, mit voller Klarheit und in dem vollen Gefüßl bder Verantwortlichkeit zu sagen, ob die Schwtierigfeiten uberœuoden werden Tonnen odec ter hier gémachte Versuch autgegeben wérden muß. Herr Trotki erklärte hierauf :

Seines Erachtens fônre man jeßt zu der Beratung der beiden Aotworten, die vor„eschlageu worden sciev, übergehen. Gr müsse jedo) nochma!s betonen, daß er in der Frage der Zurückziehung der Truppen ta kiner Weise der Ansicht tes deuishen Vorsipeuden bes treten fônne, taß angebli die Entfernung der Besagurgf truppen hinler sh einen leeren Raum zurüdcklassen würde. Diet?vigea Völker, die das Gebtet Polens, Litauens und Karlands Ferochnten, würden in feiner Welse in einer volins% sckchwtert.en Lage fi b: finden, wein die Besayzungstruppen fie sih seibft überlassen würten. FIowteweit es sid um teckntide Schwierigkeiten handele, wie tas Fehlen einer etgenen Gisenbahn, Post usw., so fönne man in sohn Fragen hets zu etuer Ginigung gelangen au ohne Kontrolle von Bejagzungstruppen.

Demgegenüber wies der Staatssekretär von Kühlmann daranf hin, daß neben den technischen Gründen auch die Gründe der Sicherheit, die in dem verlefenen Texte angeführt worden seien, in den betreffenden Gegenden eine sehr gewichtige Rolle spielten.

Sodann beantragte der Staatssekretär von Kühlmaun, nunmehr über die von der rusfsishen Abordnung selbst vor- geschlagenen vier Punkte in dèr von ihr angeregten Ordnung in eine geshästsmäßige Behandlung einzutreten. Nachdem fich Herr Tro gz ki diesém Vorschlag Ange ser hatte, wurde die Sißung beendet und die nächste Sizung für .den folgenden Tag 11 Uhr Vormittags anberaumt. (W: D. B.)

Kriegsnachrichteu. Berlin, 15. Januar, Abends. (W T. V.) Zain Brenta und Piave vielsah heftiger Feuerfamp?t. Von den anderen Kriegsschaupläßen nichts Neues.

Großes Hauptquartier, 16. Januar. (W. T. B.)

Westlicher Kriegsschauplaß. Heeresgruppen Kronprinz Rupprecht und Deutscher Kronprinz.

Bei und südlih von Lens war die Artillerietätigkeit ge- steigert. Ju einzelnen Abschnitten Erkundungsgefechte; .südöftlich von Ornes wurden Gefangene gemacht.

Heeresgruppe Herzog Albrecht.

Nach mehrstündiger Fegerwirsung stießen franzöfische Ab- teilungen nördlich von Badon oiller vor und drangen vor- übergehend in unsere vorderen Gräben ein.

Eigene Auffklärungstruppen brachten in den oberen Vogesen Gefangene ein.

Oestlicher Kriegsschauplaßg. Nichts Neues.

Mazedonische Front. Jm Cerna-B ogen erhöhte Gefechtstötigfkeit.

Ftalienische Front.

Zwischen Brenta und Piave vielfa lebhaster Feuer- fampf, mit besonderer Heftigkeit im Gebiet des Monte Asolone. Die Jtaliener haben ihre erfolglosen Angriffe nur südlih vom Monte Fontana Secca wiederholt; sie wurden abgewiesen.

In den Piave-Abschnitten nördlih von Montello verstärkte sich das englische Artilleriefeuer.

Der Erste Generalquartiermeister. Ludendorff.

Oesterreich ish-ungarischer Bericht. Wien, 15. Januar. (W. T. B.) Amtlich wird gemeldet: Zwischen der Brenta und dem Mt. Pertica ging der

Jtaliener nach starker, zeiwweise zum Trommelfeuer gesteigerter Artillerievorbereitung zum Jnfanterieangriffe über. Nach sehr heftigen Nahkämpfen gelang es dem Feinde, an einzelnen Stellen in unsere Gräben einzudringen. Jm Gegenstoße wurde er jedoch aus diesen geworfen. Jm ganzen Angriffsraume ist die vorderste Kampflinie voll in unserm Besige. Der Gegner erlitt schwere Verluste. An der unteren Piave wurde ein feindliher Vorstoß bei Bressanin rasch zum Stehen gebracht. : Der Chef des Generalstabes.

Türkischer Bericht. Konstantinopel, 14. Januar. (W. T. B.) Amtlicher Tagesbericht. Keine besonderen Ereignisse.