1918 / 161 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Die Einlösung geshieht auch bei den Regierun2shaupt- kassen und in Frankfurt a. M. bei der Kreiskasse I: die Wert- papiere können s{hon vom 1. Dezember 1918 ab einer diefer Kassen eingereiht werden, die sie dec Staatsshulden-Tilgungs- kafse zur Prüfung vorzulegen und nah erfolgter Feststellung die Auszahlung vom 2. Januar 1919 ab zu bewirken bat.

Der Betrag der etwa fehlenden Zinsscheine wird vom Kapital zurückbehalten. Mit dem Ablauf des 31. De- zember d. J. hört die Verzinsung der verlosten Obligationen auf. : : :

Zugleich werden die bereits früher ausgelosien, auf der Beilage verzeichneten, noch rüZständigen Obligationen wiederholt und mit dem Bemerken aufgerufen, daß ihre Verzinsung mit dem 31. Dezember des Jahres ihrer Verlosung aufgehört hat, und daß jeder Anspruch aus ihnen erlischt, wenn fie 10 Jahre lang alljährlih einmal sfentlich aufgerufen und dessenungeachtet nicht spätestens binnen Jahresfrist nah dem lezten öffenilichen Nufruf zur Einlösung vorgelegt sein werden.

Vordrucke zu den Quittungen werden von sämtlichen oben- genannten Kassen unentgeltlih verabfolgt.

Berlin, den 3. Juli 1918.

Hauptverwaltung der Staatsschulden.

BekanntmaSung.

Der Witwe des Thcmas WyrwiS und deren Todter, Ghefrau JIofef Kaczmierczak, wohnhaft Sterkrade, Satsenstraße Nr. 22, wird vom 8. d. M. ab der Handel mit Lebensmitteln aller Art und Begenständen des täglichen Bedarfs, insbesondere Brot, wieder gestattet. Die Koften, insbesondere auß die der Bek1inntmahung, fallen der Betroffenen jur Laft.

Stetkrade, dzn 6. Juli 1918.

Die Polizeiverwaltuneg. Der Okerbürgermeister, J. V.: Der Beigeordnete: Dr. Heuser.

Bekanntmachung.

Dem Händler Julius Polack tin Adelebsen ift die Ge- nehmigung zum Handel mit SMEmiermitteln unterm heutigen Tage wieder erteilt.

Useélar, den 26. Juni 1918,

Der Landrat. Göpperi.

Bekanntma uns.

Auf Srund der Bekanrtw0hung zur Fernkaltuna urzuverlässiger Personen vom Handel vom 23. September 1915 (NBB[, S. 603) babe id dem Kaufmann Max Rosentha!, Berlin-Chbar- lottenburg, Küstrineritraße 16, durh Verfüaung vom heutigen Tage den Handel mit Gegenständen des täglichben Bedarfs und des Kriegsbedarfs weg!u Unzuverlässigkeit in bezug auf diesen Handelsbetrieb untersagt.

Berlin-S$öneberg, den 29. Juni 1918,

Der PVoltieivräsident zu Berkin. Kriegtwucheramt. I. V.: Dr. Fal.

Bekanntmachung.

Auf Grund des $ 1 der Bunrde8rattverordnung zur Ferrhaltung unz"verlässizger Personen vom Handel vom 23. September 1915 RG Bl. S. 603) in Verbindung mit $ 4 des Gefepes über den

elagerung8zustand vom 4. Junt 1851 babe ih dem Kaufmann ermann Lohn, Cöln, Cleversir. 3, dea Handel mit Web-, irk- und Strtickwaren untersagt.

Göln, den 8. Juli 1918.

Der Govverneur der Festung Cöln. J, V.: v. Didtman, Generalleutnant.

Beftanntmachund.

Auf Grund der B.kanntmachung zur Fernbaltung unzuverlässizer Personen vom Handel vom 23. September 1915 (RGBLk. S. 603) ist dem Hotelbesizer Gustav Ellier, Bahnhofstraße 15, der Gast- und S%Hankwirtschaft3betrieß fowie der Handel mit Gegenständen des täalihen Bedarfs wegen Unzuver- lässigkeit inbezug auf diesen Geschäftsvetrteb untersagt worden.

Erfurt, den 4. Juli 1918. Die Polizetverwa!tung. J. V.: Dr. Smidt.

BekanntmaFGung.

Auf Grund der BundesratsbekanntmaSbung vom 23. September 1915 (NGL!I. Seite 603) habe ich den Biktuclienkändlern Gebrüder Steinhäuser aus Gindorf durch Verfügung vom beutteen Lage den Handel mit Lebens- und Futtermitteln aller Art wegen Unzuverlässigkeit untersagt.

Grevenbroih, den 2. Juli 1918.

Der k. Landrat. Dr. Schoenfeld.

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Bektannutmaobnunga

Dem Kaufmann Iohann Nocinski in Herne, Bahnhof- straße 99, ceboren am 8. Dezember 1863, wird auf Grurd der Bekanntmachung des Bundesrats vom 23. September 1915 (RGB[. S. 603) bis auf weiteres der Handel mit Gegenständen des täglihen Bedarfs untersagt, In den Geshäftsräumen darf dur dritte Persoren der Handel ebenfalls rickt ausaeführt werden. Die Kosten der BekanrtmaGung find von Nccinski zu erftatten.

Herne, den 28. Juni 1918,

Die Stadtpoliteiverwaltung. Der Okerdbürgermeister. I. V.: Dr. Sudkamp,. Bekanntmachung.

Gemäß $ 1 Abs. 2 der Bundes8ratsverordnung vom 23, Sep- tember 1915 (RGBIl. S. 603) habe ih der Gemüsthändlerin, Fräulein Hinte in Bad Oeynhausen durS Verfügung vom beutigen Tage den Handel mit Lebensmitteln weaen übermäßiger Preis- forderung beim Verkauf von Kirsen Hh!ermit untersagt.

Minden, den 28. Juni 1918.

Der Landrat. I. V.: vom Sondern.

BeltanntmaGun (0

Gemäß $ 1 der Buundesraisterordnung über die Ferrhalturg unzuverlässiger Personen vom Handel vom 23. September 1915 NRGBl. S. 603 ist dem Schlachter Bal in Seeth jedes Schlachten sowie der Handel mit Fleishwaren wegen Unzuverlä!figkeit untersagt worden.

Schle8wig, den 2. Jult 1918.

Der Landrat. I. V.: Wertber.

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Bekanntmachung.

BuntescatSverordnung über dfe in e 11 | 1910 |

onen vom Handel vom 23. September 3) if dem ScblaGter H. Brandt in Erfde Hantel mit Fleishwaren wegen

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Die Kosten dieser Bekannts

3,: Werther.

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Nichtamtlißes,

Deutsches Rei. Prenfsßen Berlin, 11. Juli 1918.

Der Bundes rat versammelte fih heute zu einer Voll- fizuna; vorher hielten die vereinigten Auss{hüse für Handel und Verkehr und für Justizweien sowie der Ausschuß für Justiz- wesen Sizungen.

Gestern abend ist die Leiche des in Moskau ermordeten Kaiserlichen Gesandten Grafen von Mirbach-Harff in Berlin eingetroffen, begleitet von dem Bruder des Verstorbenen, Major Frhrn. von Mirbach und dem Legationsrat von Bajse- wig von der deutschen diplomatishen Vertreiung in Mosfau. Am Bahnhof hatten sich „W. T. B.“ zufo‘ge der Kaiserliche Gesandte Graf von Wedel und der Legationssekretär Meyer ein- gefunden. Die Leiche wurde sofort na Harff im Rheinland weitergeleitet, wo auf dem Stammsiy der Familie die Bei- seßung stattfinden wird. Jm Laufe der nächsten Woche findet in Berlin cia feierliher Trauergotte8dienst für den Verewigten statt, der unter so tragishen Umfiänden im Dienste des Vater- landes den Tod fand.

Sefterreih-Ungers.

Die wirishaftlihen Besprehungen der Regierungs- |

verireter Oestierreit-Ungarns und Deutschlands in Salzburg wurden am Dienstag Vormittags von dem Sektionschef Graß

und dem Wirklichen Geheimen Rat Körner mit Bearüßungs-'

ansprachen eingeleitet, die in den Wunsch ausflangen, die Verhandlungen möchten einen für die Wirischaftsinteressen Oesterreich-Ungarns und Deulshlands gedeihlichen und befrie- digenden Verlauf nehmen.

Vei der gestrigen Obmännerberatung, die in An- wesenheit des Ministerpräsidenten von Seidtier stattfand, einigten fih die Abgeordneten bezüalih des Arbeitsplanes der Sommertagung dahin, in Verbindung mit einer Reihe dringlicher Anfragen zunächst die erste Lesung des vorläufigen Staatshaushalisplans vorzunehmen, aus der der Antrag der Tschehen und Südslaven auf Erhebung der Anklage gegen einige Mitglieder der Regierung wegen Erlafung der Kreis- verordnung der Beratung entzogen werden foll. Bezüglich des weiteren Arbeitsplans, insbesondere der Zeitpunkte der Ver- handlung der dringlichen Anfragen bezüglich der militärischen Fragen, wird die am 15.- Juli stattfindende Obmänner- besprezung \{hlüssig werden.

Großbritannien und Frland.

Im Unterhause antwortete Lord Robert Cecil auf eine Frage nah der den unter Geleit nah Jndien fahrenden holländishen Schiffen erteilten Erlaubnis, ohne Prüfung die Blocadelinien zu passieren, laut Reuter:

„In Berbindurg mit dem holländischen Geleizuge ist nichts vor- gtkommen, was a!s Aufgabe oder Abänderung des Durhsuhungsrechts3 angeseh?-n werden körnte. Œ8 trird eine Drucksache veröffentlit werder, tie etre au?fübrli@e Darf:ellura der w:rklihen Vorgänge enthält.“ C'cil s$isde:te die erfien EntwiZelungsabsSnitie der Angelegenheit und fuhr tann fort: Die R-gierung saudte der niederländiihen Regieruna eiae Note, in der se wiederholte, daß sie das Durchsuhung?re{cht nicht aufgeben könne. Sie set aber bereit, einzuwilligen, daf, wenn durch andere Viittel dieselben Sicherheiten geaen eine Umgehvng der BloXade gegeben würden, fi? als besonderen Höflichkeitéaft und angesidts der außergewöhnlihen Umstände dieses Falles den Geleitiug paisieren lafsea würde, obne ihn anzuhalten. Die Bedingurgen dafür wären folgende: 1) Der englischen Re- gierung müßte eine Liste aller Mitreisenden geliefert werden ; nur Beamte der heclländisben Regierung und thre Familion dürften mitfahren. 2) Bellsfärdice Eioz:lhelten über die Ladung müßten in derselben Weise angegeben werden, wie es dur den Ocerzeetrust für die ihm unterstebenden S@iffe aescGieht; 3) die niederländishe Negierung müss? förmlich gewähr- leisten, daß in dem Geleitzuae keine Güter vershift würden, die ganz oder teilweise feindlichen Ursvrungs wären; 4) die Schiffe, die unter der ntiederländischen Kriegtflagge fahren, dürfen keine bürger- liden Fabraäste und feine Güter und Ladungen an Bord führen, avß:r FErlegsmäßigen Vorräten, die für die Kolonial- behörden und «truppen bestimmt sind, und eine vollständige Liste dabon müsse beigebra@t werden; 5) keine Postsendungen, Briefe, Privatpyapier-, Oruckiahen und Pakete dürfen von einem

S#Siffe des Geleitzuges mitaenommen werden. Auégenommen find

amtliche Devesh-n der niederländiihen Regierung; 6) der Gelettzug darf niGt ausfabren, bis die genannten Bedingungen zur Zufriedenheit der britis@en Behörden erfüllt find, Diese Bedingungen wurden an- genommen. Carsfon fragte, worin die außergewohrlihen Umstände dieses Falles bestärden. Cecil erwiderte, er könne fic im etnzelnen darüber uit auslafsen; sie hingen sehr eng mit den englis{-boländi- schen Beziehungen zusammen.

Die im Unterhaus erfolgte Erklärung des Präsidenten des Landwirtschaftsamtes Prothero, daß er nicht dafür bürgen fönne, daß die Einziehung von 30000 landwirt- schaftlichen Arbeitern niht die Einbringung eines Teils der Ernte gefährden werde, rief, wie „W. T. B.“ mitteilt, leb- hafte Beunruhigung hervor. Die anschließende Aussprache ge- stattete interefiante Einblicke in die Mannschaftsnot, in welche sich die englische Regierung durch die deutschen Frühlingsoffen- siven verseßt sieht.

Der Avg. Noch sagte, er werde von al’'en Teilen Gnglants mit Briefen von Landwirten übershwemmt, weile die traurigsten Stilderungen von der Wirkung der Einziehungsmaßnahmen ent- hielten. Viele Landwirte seien gänjlih ihrer Arbeiter|chaft beraubt, das Heu bleibe liegen. Andere schrieben, weon sie nit Arbeiter crbielten, würden sie thr Vieh ins Heu, ja in die ESetreidefelder treiben müssen. Roch ferderte die Negterung auf, die Einberufangen rüdckgängig zu maten. Man brauche nur die legten Ziffern über die Schifféversenkungen anzusehen, um zu begreifen, daß das Land be- züglich des Lebenßmitt-Tbedarts mebr und mehr auf die Leiftunzs- fähigkeit der englishen Lantwirtshaft angew!esen sei. Prothero erwiderte, er tônne nit zuvirid&#tlih fagen, daß die Landwirtschaft hinreiend Atbeiter habe, um die Ernte zu retten, Aber die Re-

! g'erung sei zu ibrem Eotsh?uß durch das immer

S f S DTincender» | Tücfais rah Leuten für die Front genötigt E

i i worden und mü», 5; Gefahc des Ve-luftes eines Teils der Ecrtz auf ih n2bmen. p. shaîten seien dringender n5!ig als Leben#mittel, Der als 1. | shafüher Sachverftäadizer anerkannte Sir T. Bathurft „e: | warnend, daß die Politik der Regierung zu L bentmitte!na | wenn nicht Hungzersnet führen würde. Zulett ergriff Wt | Law das Wort. O

Er bzdauerte die im Lzufe der Aus'p:ahe ars | gestellte Behauptung, daß die jungen Landarbeiter bereits na& E Monaten in die Feuerlinie zu gehen bätten. Der größte Fee | unter dem die englisden Truppen während des ganien Friegg t! leiden gehabt bätten, sei der, daß 28 nicht mögli fei, ibres „5 | längere Ausbildung zu geben. Er kônre d-m Haufe nit alle F, faben, welche die Regierung zu ihrer Ent'cheidung bestimmt t, bekanntgeben. Das Lant werde ebenso gut besiegt werten +2 seine Armee gesGlagen, als wenn seine Bevölkerung aug bus | würde, wobei es nôtig wäre, dea Mensthenvorrat, ter t | für alle Bedürfniffe ausretch-, iewells an d-m bedrokte@ Punkte zu verwenden. Bonar Law {loß seine Aucfüßrunzer- 2 fage nicht, daß wir im legten Graben ttehen, bas glaube ih feine wegs, aber j-mand, ter weiß, was äm 21. äz pasfiert» izmeuk der weiß, daß uns ähnlihes wiever bevorsteht, und ber fh fiar j daß es fih niht um ein, zwi Angriffe handelt, sondern def 25 w Ztel der deutschen Kriegsführung ift, uns-re Reserven aufzureiten nus einseben, daß es jegt erste PfliYt der Regizrung ift, dati: Ó daß wir im gegenwärtigen Feldiug niht beßiegt werder. Die Mp! shafttfrage kann nur von der Regieruag ents&i-den werden, und daz Parlament muß dieser einen Blankosheck für Leute ausstellen“ Der aus sechs Parlamentsmitgliedern bestehende Aus- \chuß, der sich auf Wunsch Lloyd Georges mit der Aus- länderfrage befaßt, hat einen Bericht auegegeben, in den er die Festseßung aller männlichen feindlichen Ausländer üher 18 Jahre empfiehlt, mit Ausnahme derjenigen, die aus be sonderen Gründen befreit werden, sowie Heimsendung aller Frauen feindliher Herkunft, mit Ausnahme derjenigen, deren Ehemännern Befreiung von der Jnternierung gewährt ift. Der Ausschuß empfiehlt ferner die Schließung feindliter GesGäfte innerhalb dreier Monate und regt an, daß eine s\{ärfere Ueber- | wachung der Häfen durhgeführt werde als gegenwärtig, und | daß eine Anweisung erlassen werde, um zu verhüten, daß Per-

4] Be

i ,

¿u torcern

| sonen ohne Erlaubnis Schiffe während ihres Aufenthalts in

| England betreten.

- Der unionistishe Kriegsausshuß beschloß, Lloyd George zu ersuchen, sofort einen Kabineti3minister, der jede Vollmacht hinsihtlich der Kriegsgefangenen habe, zu ernennen. Gleichzeitig sprach die Versammlung ihr Be dauern aus, daß der Staatssekretär Cave aus dem Haag zurücigetehrt sei, bevor die Verhandlungen mit den Deutschen zu einem befriedigenden Abschluß gekommen seien.

- Wie „Algemeen Handelsblad“ aus London vom 10. Zuli erfährt, besteht der Plan, einen riesigen Gewerkschafts8ver- band nach dem Kriege zu begründen, der, wie man bof, ein internationales Büro einrihten wird, dem Ver- treter der Arbeitershaft aus England, Amerika, den Kolonien fowie dea Ländern der Alliierten und Neutralen angehören werden. Die Anzahl der Mitglieder dieses Ver- bandes würde ungefähr 9 Millionen betragen. Jn einer vor- bereitenden Versammlung, die im Unterhause abgeyalten wude, beschlossen die Abgesandten des englischen Gewerkschaftfon- gresses, die 21/4 Millionen Mitglieder vertreten, so schnell wie möglich eine internationale Konferenz von Gerwerfscaftéver- tretern aus den alliierten und neutralen Ländern, den Ver- einigten Staaten und den Dominions einzuberufen, um die Richtlinien für eine Gewerkschaftspolitik während des Krieges und nah dem Kriege zu besprehen. Die Konferenz würde gleichzeitig die Möglichkeit der Ernennung von „Arbeiter- gesandten“ aus den bedeutendsten Ländern besprechen, die als Agenten und Korrespondenten der Gewerkschaftsbeweaung den Nachrichtendienft über alles, was die Bewegung angeht, verrihten müßten. Dieser Vorschlag ist eine Folge der Ver- handlungen, die während der Anwesenheit der amerikanischen Arbeitervertreter in England gepflogen wurden. Ein Unter- aus\{uß ist ernannt worden, um einen endgültigen Plan aus- zuarbeiten. Später wird eine andere Besprehung abgehaiten werden.

Lord Curzon teilt, wie „Reuter“ meldet, mit, daß der König und die Königin der Belgier in einem Flugzeug in England eingetroffen seien.

Frautreich.

Der parlamentarische Ausschuß für ausländische Angelegenheiten hat Kerenski empfangen. Die Mir glieder der Autschüsse des Senats und der Kammer für aus- wärtige Angelegenheiten waren zusammenberufen. Den DVorliß in der Versammlung führte nah einer Hava3meldung Franklin- Bouillon. Zahlreiche Parlamentarier aller Parteien hatten 11d eingefunden. ; E

Kerenski erklärte, er habe einfa als russisher Bürger ?en Wursch, sich mit Politikern aller Parteiea zu verständigen Ae E besten Mittel, seinem Vaterland dite volle Stärke des Hantein wiederzugebzn. E: schilderte die Lage Rußlands und ähite die Deb! nabmen auf, die im gemeinsamen Interesse Rußlants und F Alliterten sofort zu ergreifen seten. Wetter wies er ouf die E hin, die Nuaßland laufe intolge des Frieders von Breji- L092 defsea Folae gewesen fei, taß ODeuishland setne Had tägl! iee auf das Land lege. Er befürwortete ein sofortiges brüderiickes ge \sGreiten der Alltierten, um den gemeinfawen Kamp? g ti, Mitteimäckte auf trussishem VBoden fortzuf: zen. rank e Boutllon darkte dem Redner und versicherte ihn unker B mung der Anwesenden des einmütigen Willens aller Parteten, Ruf land weiterhin als Verbündeten zu betiahter. Ale diejerigen 1 Rußland, die den Kamvf wteder aufnehmen wollten, könen unbedingten Beisiandes Frankrei&s versichert sein,

NukßlandD.

Am Montagnachmittag hat im Hause der deutschen dit matischen Vertretung in Moskau eine häusliche Trauer s am Sarge des Gesandten Grafen Mirbach statigefunden. 4 h einem von Dekan Selinsky gelesenen Requiem \prachen, iche „W. T. B.“ aus Mosfau gemeldet wird, der Kaiserl® Geschäftsträger Wirklicher Legationsrat Riezler, ferner e. r Hauptkommission für Gefangene beigeordnete Professor QUnz! Ge von der Michaelisgemeinde gNaueg und der türkische nd sandte Gahlib Kemali Bey Worte des Abschieds. Am "108 wurde die Leiche auf den Alexanderbahnhof übergeführt, der nah Deutschland gebracht zu werden. Die Mitglied deutschen Mission und der in Moskau tätigen i folgten dem blumengeshmüdckten Wagen. Auf dem obeiten erschien der Kommissar für auswärtige Angelegen Tschitscherin, um nohmals die tiefe Teilnahme der n has föderativen Republik anläßlih des Todes des edlen Mars

zusprechen, der für die Sache des Friedens gestorben |el-

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zn einer Bekanntmachung der Regierung wird der _ ebadd Det Linken Sozialrevolutionäre als Aufl eschlagen bezeicnet. Mosîau zeigt wieder das he- niede rg Bild. Es sollen elwa 1000 Verhaftungen vor-

res worden sein. Der Eisenbahnverkehr ist vorläufig

unterbrochen. : i

__ Die Moskauer Presse meldet: Am 28. Juni landeten ¿n Hafen von Archangelsf etwa 10000 Franzosen und im ‘ben. Der sie kommandierende General erflärte, er wolle Stadt und Land vor einem Ueberfall deutscher Kriegsgefangenen shüpen. Es werden Nahrungsmiitel an die Bevölkerung verteilt.

__ Die Bahnen im Gouvernement Samara sind in Belagerungszustand erklärt.

Ftalien.

Der italienische Staat und der Vatikan haben nah Meldung der „Agenzia S cin Abkommen getroffen iber den Austaush der Urkunden, die nah 1870 außerhalb des apostolischen Palastes geblieben find und die kirhlicze Ver- walfung betreffen, gegen diejenigen U: kunden, die die öffentliche Gerwaltung betreffen und den Staat angehen und in den Archiven des Valikans geblieben sind.

„Popolo d'Jtalia“ berichtet, in einer Ententehauplstadt werde demnächst eine Zusammenkunft der ehemaligen Gesandten des zarintischen Rußlands siatifinden. Ke- rensfi werde bei seinem Aufenthalt in Rom Gast des ehe- maligen russischen Gesandten von Giers sein.

Spanien.

Nach einer Havasmeldung aus Madrid veröffenilichten dieMinderheitsparteien(Reformanhänger, Republikaner und Sozialisten) eine gemeinsame Kundgebuna, in der sieausführen: 1) Die Haltung der Minderheit in der Sißung vom 6. Juli wurde beslimmt durch die Tatsache, daß das Spionage- abwehrgeseß einen Verstoß darstellt gegen die ver- fassungsmäßigen Grundsäße und die organischen Gesetße, da es darauf abzielt, die Regierungsmehrheit zu mißbrauchen, um die Minderheit zu erstiden und alle Verhandlungen fruhilos zu machen. 2) Die Abgeordneten der Minder- heit sind entschlossen, niht mehr in der Kammer zu tagen, weil die Regierung en!shlossen scheint, die Opposition zu vernachlässigen und nur die ihr ergebenen Kräfte zu benußen und so die Wirksamkeit der parlamentarischen Regierungsform zu zerstören. 3) Sie schicken sih an, außerhalb der Kammer alle Handlungen der Regierung zu beaufsichtigen und zu fritisieren mit allen geeigneten Mitteln, hauptsächlih durch Aufrechterhaltung des Widerstandes im Volke gegenüber den von der Regierung angewandten Mitteln, um das erwähnte Geseß zur Bekämpfung des Spionenwesens durchzubringen.

Nach einem Madrider Telegramm der „Kölnischen Zeitung“ vom 10, Juli bringen die Zeitungen „Nacion“ und „Tribung“ ufsehenerregende Enthüllungen über die Verbands- spionage in Spanien. Daraus ist folgendes hervorzuheben:

Der Nachweis der Fälshung des tundidpueib- ns der beuti: n Yo'shaft durch dzs der englischen Boiscaft unterstelte Cowmittee of Jrformaticn, d28 in Wirklichkeit dec Mittelpunkt der Verbande - \p'onaze ist; Aufdeckung der Missicns Fra: cis: Mitlitaires, deren Mitglteder urter dem Schuge der franzosi|chen Bot\caf als Hilfsträfte bes französisen Kriegtmininertums wüten, \\ (ewaltigem Umfanoe Krieusmaterial ankaufen und besonders dte ijatcung von Schleßhetarf für Frazfietch veranlassen. Hauvt- mnn sind Adjutant Cathelin, Barc:lona, {ür Amer kx Major Yeoun, der die Versorgung des amertkanischen Heeres aus Spanten in de Wege leitet, Am 26. Juni ve-öffertlichte die Zeitung „Iacion“ Gärftllüde, laut deren die fravzösi!che Bc ischaft duz ch das franzófisce Konsulat’ tn Ba1 celona in Verbindurg nit dem Chef des französiscken Eplonogedtenstes \parische Funker auf | panischen Dampfern mit 500 Pc- feln mooatith bestach, wofür sie in Geheim sproch: an eine Decka resse in Ba!celona die Anwesenheit deutsher C-Borte mit gerauer Orl1s- 09e zu m lden haben, ferner die Anro! senbeit deutscher Fahrgäïte uf spant|henDampfern und son\t noch alles, was für die Kriegs|hffe des Verbandes von trgendwelchem Wert jein könnte. Die Verträge mit diesen bestechenen \panishen Beamten, vou denen 13 {on im 0 n den Dienst genommen worden sind, wurden auf dem franzöô- sidhen Konsulat tin Varcelona auszefertigt. ie gesamte spanische Prise gibt die Enthüllungen ber „Nacton“ wieder, Dle neutra- lthen Zeitungen wollen die Enthüllungen ber Verbantsspicnage

lortiéhen, Türkei.

Der am Montag auf der Pforte kundgemachte Hatti Humajun hat, wie „W. T. B.“ aus Konstantinopel gemeldet wird, folgenden Wortlaut:

Mein eilauchter Gicßwesir Mehmed Talaat Pascha! he 4 mia berehtter Bruder Sultan Mehmed Chan V. aus dem fden geschieden ist, Laben wir dur ben ewigen Willeo des All- beste und gemäß der Verfassung den Thron unserer Vorsakren a, egen, In Anschuvg Ihrer offerkunttigen Fähigkeit und dem Slaat? geletfeten treuen Dicyste werden Sie in der Würde 4 Großwesirs und Ussa Kiassim CGffendi und in der d Sei üúl Jelam beibeholten und bestätigt. Aueh Nigte gebildete Ministerrat wird bestätigt. Alle Beamten und E wérden auf ihren Pesten belassen. Judem wir der von dem dee aotshiedenen Her!scher behufs Eimibtung und Befestiguyg des V oflurg8mäßigen Regimes, das der einige Stütvunkt für das v tes Staates und der Nat!on i}, entfalteien Bemühungen ge- vir t die ihm die allgemeine Donkbaike:t gesichert haben, machen Y und, daß es unsere innigsle S:hnsucht und unser größter Wunsch af tle Beslimmungen unse:es Scheriatgeseßes und unserer Unse assung voll vnd ganz avziwenden. Angesichts dessen, daß es Dan, erste P\liht it, die ges2mten Kräjte der Nation an,u- ¡ur Len, um den Welikrteg ezfolgreih zu beenden, an dem wir schnlte ering unseres Daseins teilgenommen haben, tit es unfer dllez Le Bunsh, daß zur Sicherung uyd Ecreich1ng dieses Dhen die Anstrengungen verdotpelt werdey, um Gerechtigkeit zu Sitte und die dffertlicóe Ordnung zu sichern, die islamilischen ühh: den trnstea Charafter und bos NAnfehen der Osumanen zu Eutbeb und rasche urd wirksame Mcßnahmen zur Beieitiaung der er „tungen der Veyölk-rung zu ergreifen, die die Folge der avs sind PrEuwärttgen Lege sih ergebenden Teuerung ber L-bensmittel haft B 9 ift feiner ein Verzeihnis der in Kerker- oder Gefängnis- tishen Le tien oder tin verläufiger Verbannung weileuven polt- Veibreghee e Mer, d'e si gebessert haben, wie au der ocmeinen Avadigu ‘r, die Zrweidrittel threr Strafe verbüßt haben, behufs Be- inister ¿u unterkbrellier, der Belageruogszustond auß erbalb der vom O'ridhtea »u bezeichnenden Militärzonen aujzuheber, die bet den Krieg®- leiten y crbängigen Sirasprozesse sind an die ortentlihen Gerichte zu endlich is besondere Sorgfalt auf die Erhöbung der age zu y des Landes und die Verbesservng unserer wirt|caftlihen mühungen gnd. Vir hegen volles Veitxauen bei vnseren Be- Proph-ten mit Urterstüzung des Allmächtigen und mit Hilfe des der Vet Forischriit unseres Landes gemäß den Bedlufvissen lament lle 00 n Zeiten zu erzielen. Unsere Minister, unser Par- vrdenil' © Deomten werden teslrebt jetn, entiprehend der avßer- tan) u n Bedeutung bec gegerroärtigen Zeit ihren vollen Bet* bärgeis, röhren. Da die Pol'tit meines ehrwürdicen Vor- "E la dem Bünkdnis und ter Fortseyung guter Be-

ziehungen mit den Mtttelmächten und unserem Na@&- Lan Bulgarien bestand, den wahren -Jateressen des N vollkommen entipriht, ijt es ävßerst rotoendtg, groß: BVe- pl qungén zur Verstärtuarg und Förderung der tn alûdlier Weise M Búüydnisbande und berzlihen Beziehungen zu ent'alten. barg f ofen boa Ler göttlichen Gaade, daß der c egenwärtige ieg mit dera voLitänbtgen Siege Unserer Bünbniszruppe ertigen wird, Damit dieses Ergebais erzielt werde, weiden dics ift für ml un- zweife!thast unjere Streikräfte zu Wassec_ vnd zu Lande an allen Fronten Mat und Tapferkeit entfalten, tm Hinterlaade alle Glieder Festigkeit und unen!wegtem Opfer sinn durchbalten.

rer Nation in 1 Möge der AlUmätziige uns allen seine göttliche Hilfe zuteil werden Mehmed Wahid Eddtn.

lassen !

Rumänien.

Bei Einbringung des Staatshaushalts3entwurfs sprach der Finanzminister Seulescu in der Kammer Abs die Finanzlage und erflärte laut „W. T. B.“:

Vor dem Krieg war die Finanzlage Rumäntens glävzend. Jedes Iahr brate Ueberschüsse von zehn Milltonen Lci un) die Staat?- schuld vettug kaum 1700 Millioren; heute :st die Staat: Huld auf 9267 Millionen gestiegen, u denen noch die uns dur den Fitedensvertraz auferlegten Listen hinzukeommen. Um dieser Lag* abzuhelfen, wird bas veraltete und mangel- Lafte Finanzsyjitem abgeändert werden. Die Grundsteuer wird auf Das Rapital und nicht auf das Einkommen geg!ündet wez den; die Erwerkseuer, die heute fehr wenig einträgt, muß erhöht werden, ebenso alle pirekten Steuern, die in einem Staatithaushalt von 600 Milltonen nur neunzig Millionen ergeben haben. Sghlieflich wird efue progressive Einkommensteuer und eiae Kriegsgewinnsteuer eingeführt, L:ßtere als einmalige Makßregelk. Der Finanzminister lóndiate die Busgabe besonderer furztristiger Schaßbonds zum Ersatz der Notenausgabe durch die Banca Generale an.

Die Regierung wird in einigen Tagen in der Kammer

den Geseßentwurf über die politishe Gleichstellung der Juden einbringen.

Kriegönachrichten. Berlin, 10. Juli, Abends. (W. T. B.) Von den Kampffronten nichts Neues.

Großes Hauptquartier, 11. Juli. (2. T. B.) Westlicher Kriegsschauplay. Heeres8gruppe Kronprinz Rupprecht. Tagsüber mäßige Gefechtstätigkeit, die am Abend ne

auflebte. Nächtlihe Erkundungskämpfe. Ein 1tärkerer Vor toß des Feindes nordöstlich von Béthune wurde abgewiesen.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

Lebhafte Feuertätigkeit zwischen Aisne und Marne. Er- neute Teilangriffe, die der Feind aus dem Walde von Villers Cotterets heraus führte, drückten unsere Posten an den Savieres-Grund zurück.

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Von einem Geschwader von 6 amerikanischen Flug- zeugen, die Koblenz angreifen wollten, fielen 5 Flug- zeuge in unsere Hand. Die Besaßungen wurden ge-

fangen. Der Erfte Generalquartiermeister. Ludendorff. :

Oesterreicisch-ungarischer Bericht. Wien, 10. Juli. (W. T. B.) Amtlich wird verlautbart : Im Brentatal s{lugen unsere Sicherungstruppen einen italienishen Vorstoß ab. Unsere albanishe Südfront wurde vor dem Druce starker feindlicher Kräfte über die Linie Berat—Fjeri zurückgenommen. Die Gefechhtsberührung war seit gestern

früh nur sehr loder. Der Chef des Generalftabes.

Türkischer Bericht.

Konstantinopel, 9. Juli. (W. T. B.) Heeresberichl.

Palästinafront: Jn der Nacht vom 7. zum 8. Juli war im Küstenabschnitt die Kampstätigkeit lebhaft. Tagsüber herrschte dort rege feindliche Fliegertätigkeit. Auf der übrigen Front nur beidezrseitiges shwaches Artilleriefeuer. ‘Von den anderen Fronten nichts Besonderes. |

Der Krieg zur See.

Berlin, 10. Juli. (W. T. B.) Durch die Tätigkeit unserer U-Boote wurden im nördlichen Sperrgebiet um England neuecdings 16500 Br -R.-T. feindlichen Handels schiffsraums vernichtet.

Der Chef des Admiralstabes der Marine.

London, 10. Juli. (W. T. B.) Ein Admiralsiabsbericht sagt, daß ein britishes Unterseeboot während einer Er- fundungsfahrt an der Ostküste Englands am 6. Juli Nach- mittags von fünf feindlichen Wasserflugzeugen mit Bomben und Maschinengewehren angegriffen wurde. 1 Offizier und 5 Mann wurden getötet. Das Unterseeboot wurde, nur leicht beschädigt, von einem anderen U-Boot in den Hafen geschleppt.

Parlamenlsberiht.

Preußischer Landtag. Herrenhaus. 94. Sißung vom 9. Juli 1918, Nachtrag.

Von den beiden Reden, die bei der allgemeinen Besprechung desStaatshaushaltsplansfürdasRechnungs-

jahr 1918 der Vizepräsident des Staatsministeriums

Dr. Friedberg gehalten hat, lautete die erste wie folgt: Meine Herren! Der erste Herr Redner hat am Anfang seiner

Ausführungen auf die enlscheidenden Verdienste hingewiesen, die sich

unser Heer, unser Kaiser und unscre genialen Heerführer erworbet haben. Ich glaube wohl, daß er damit alle Seiten dieses Hauses sympatbisch berübrt bat, und ich bin ferner in der Lage, dem Dank für diese \{önen Worte namens des Staatsministeriums mi an- sushließen. Er hat aber im Verlauf ‘dieser Ausführungen auc darauf hingewiesen, daß, wie er sih ausdrüdckte, von einer Stelle aus Worte gesproden worden sind, ‘die wohl geeignet sind, die Siegesgewißheit herabzudrüden. (Sehr rihtig!) Meine Herren, ih glaubte, daß die Mißverständnisse, die si an eine Rede des Herrn Staatssekretärs des Auswärtigen Amts geknüpft haben, beseitigt seien durch die Erklä- rungen, die seinerzeit der Herr Ministerpräsident und der Herr Staatssekretär selbst abgegeben haben. Sollte das nit der Fall sein, so will ich nur wiederholen, daß innerhalb der Reichsleitung und der Staatsregierung gar keine Rede davon sein kann, daß unsere Sieges- guversiht irgendwie erschüttert is, sondera daß wir im Gegenteil mit diesem hohen Hause und der Mehrheit des deutschen Volkes über- zeugt sind, daß uns der Sieg gar nit mehr zu entreißen ist. (Sehr rictig!)) Wir sind die Sieger im Often und wir werden au die Sieger im Westen sein, und ebenso, wie wir überzeugt sind, daß das deutsche Scwert den Sieg erringen wird, so teilen wir die Auffassung, daß ‘diéser Sieg nicht mehr in weiter Ferne zu suchen ist. (Bravo!) Nun, meine Herren, ist der erste Herr Redner auf die innere Lage in Preußen übergegangen und hat bemängelt, daß die \staatsre{tlide Stellung Preußens, wie sie dur die Reichsverfassung gegeben ist, eiwas ins Wanken gekommen sei. J glaube nicht, daß er darin recht hat.

Es komnit ganz darauf an, wie man die Dinge betrachtet. Jch weiß, und ih habe die Ueberzeugung geteilt, daß man in Preußen das Gefübl bat, daß das Reih mehr als nötig ist, sich in die Verhältnisss der Einzelstaaten einmisdt. (Sebr richtig!) Wenn Sie aber, meine Herten, umgekehrt in den Reichéämtern nadfragen, so werden Sie finden, daß siè sid schr bedrückt fühlen dadur, daß sie eigentli in einer gewissen Abhängigkeit und in einer notwendigen Abhängigkeit von der Preußischen Staatsregierung sich befinden. Das it notwendig na unserer Reicksverfassung, aber für die Reihébehörden bildet dies öfter cine Ersckwerung ihrer Tätigkeit. Man muß eben berüdsitigen, taß der große Krièg, in etm wir stechen, die Verhältnisse nab den verschiedensten Richtungen etwas verschoben hat. Es mußte dur den Kricg so kommen, dáß außerordentli widtige und dringlide Auf- gaben jeßt mehr in der Hand des Reites als der Einzelstaaten sind. Das war eine Entwicklung, die nitt zu vermeiden war. Es \piegeli fich dies auch wider in der Frage der Erhaltung der Finanzhoheit der Einzelstaaten. Früher war das Verksiltnis \o, daß die Bundes- staaten die größeren, das Reich die kleineren Ausgaben hatte. Jeßt stellt sich die Sade so, daß das Reich 12 Milliarden jährlih in Zukunft Ausgaben haben wird, während die Bundesstaaten nur 234 Milliarden haben werden, wenn man die Nettoetats zugrunde legt.

Meine Herren, Sie ersehen aus dicsem einfacen Umstande, daß auch die Steuerhoheit des Reiches sih weiter ausdehnt und entwideln muß. Wenn das gum Teil auf Kosten der Bundesstaaten geschicht, fo müssen wir uns mit aller Gewalt dagegen \träuben, aber wir werden es niht hindern können, daß diese oder jene Steuerquellen, die dis Bundesstaaten bisher gehabt baben, aub vom Reiche an si gezogen werden. Der Herr Vorredner hat dann die Befürhtung ausgesprochen, daß wir in Preußen und im Reiche den Weg des Parlamentarismus gehen werden. Er glaubt dazu gewisse Symptome {Gon zu bemerken. Ich glaube nit, daß das zutreffend ist. Ueber diese Frage hat sich der Herr Ministerpräsident, wenn ich nit irre, im Preußischen Ab- geordnetenbause geäußert, er hat gesagt, daß er von Seiner Majestät damdls berufen war, einzutreten, naddem im Reiche eine Krisis vor- ausgegangen war. Er hat sid damals versitert, ob er die Unterstüßung der maßgebenden Parteien im Reiche haben würde; denn nur in Ueber- einstimmung mit allen in Betrabt kommenden Faktoren läßt sich in dieser sckweren Zeit das Staats\{iff steuern. Und das bat ihn dazu geführt, Seiner Majestät Vorscbläge zu unterbreiten, dia Seine Majestät aus eigener freier Entschließung ih zu eigew gemadt Hat. Meno Herren, wenn der Herr Vor» redner auf meine eigenen Ausführungen / hingewiesen hat, so glaube i, is er in einem Jrrtum befangen gewesen. Jch persönlih habe mich in Wort und Schrift stets gegen den englischen und romanishen Parlamentariêmus ausgesprochen. Jch habe ausdrüdlich hervorgehoben, daß allerdings cin Bedürfnis für Deutsdlland. darin zu sucken wäre, daß man die Parlamente und Regierungen in eiwas engere Fühlung miteinander brächte, und das würde sih dadurch am besten erreichen lassen, daß man die Fah- ministerien bis zu einem gewissen Grade mit Parlamentariern durh- seße. Das, glaube i, i} die richtige Formel, die den Bedürfnissen Preußens und des Reites entspriht. Als ih dies Programm auf- stellte, habe id noch nit die geringste Ahnung davn gebabt, daß ih berufen sein würde, mitzuwinken an der Durckführung dieses Pro- gramms. J glaube also, gerade der Umstand, daß ih mi habe entscießen Fönnen und müssen nal Lage der Dinge; denn Sie können mir wirklich glauben, daß ih lieber aus der Regierung heraus- geblicben wäre, wird gu der Folgerung berechtigen, daß von einem Parlamentariêsmus in dem Sinne des Herrn Vorredners in Preußen gar nicht die Rede sein kann. Meine werehrten Herren, ih glaube, wir leben in einer Zeit das hat der Herr Vorredner auch betont —, er hat es an cinem Beispiele erörtert, auf das ih im Augenblick nit näher eingehen will, zumal er si selb eine Beschränkung auferlegt hat, daß wir alles zusammenfassen müssen, um einig und ges{lossen im Innern zu sein. Das ist auch der Grundsaß der Königlichen Staatsregierung. (Hört, bört!) Man fann ja gewiß sagen, daß aub

Aufgaben zu erledigen sind, wv diese Einigkeit und Ge\{lossenheit nit

möglich ist. Das weiß ih wohl. Das ist aber ein besonderer Fall. Im großen und ganzen müssen wir alle Kräfte einseßen, daß die GescWlossen- heit aufredzterhalten wird. Die Gesclossenheit roird am besten dadurck erhalten, wenn man Mißstände, die man zu bemerken glaubt, anerkennt und zur Sprace bringt. Aber man braucht sie nit zu überschäben, man braucht den Riß nicht zu vergrößern. Jch glaube, wenn wir uns gegenseitig mit Vertrauen entgegenkommen, wird Ginigekit und Ge- \{lossenheit zum Segen des Vaterlands erreiht werden. (Bravo!)

Die zweite Rede des Vizepräsidenten des Staats- ministeriums Dr. Friedberg hatte folgenden Wortlaut:

‘Der Herr Vorredner hat gegen den Reichstag ven Vorwurf ers hoben, daß er allzu sehr geneigt sei, Befugnisse an si zu reißen, die ibm als folchenmr nit zustehen. Jh glaube, das Beispiel, das er angeführt hat, ist doch nicht ganz ausreichend, um diesen Vorwurf zu begründen,