1876 / 99 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

alle Einheirsbestrebungen ausüben, wenn hierbei ein Mißerfolg er- zielt werde. Der Redner ging sodann auf die Entwickelung der Privat- und Konkurrenzbahnen ein, und gelangte zu dem Schlusse, daß wenn auch die Aktionäre nichr vortheishaft ihr Kapital dabei angelegt hätten, die Bahnen doch nicht volköwirthschaftlich schädlich aw nä<ft.s zu erfirebendes Ziel der deutschen Eisenbahnpolitik die vermehrte Anlage lokaler Bahnen für den nachbarlichen Verkehr, mit vereinfachten: Betrieb. Die

seien. Er bezeichnete

Tarife könnten nicht einheitliche im ganzen Reiche sein, weil sie abhängig seien von den verschiedenen HerßeUungskosten der Bah-

nen und den TranSportkoßen auf denselben. Man könne die Tarife

ni<t willkürliä) von ReichSwegen feßsehen, denn fie seien natür- 1i<e Produkte, welche sich mit innerlicher Nothwendigkeit er- geben. Einheitliche Normen aber für den gesammten Eisenbahn- verkehr seien auch in dem jetzigen Zuftande erßrebt und häufig erlangt worden. Beim Schluffe des Blatts dauerte der Vortrag des Redners noch fort.

_ Die Eisenbahnverwaltungen find bereits vor längerer Zeit von dem Handxls-Minifter auf die durch Frachttarife stattfindende Begünstigung der ausländischen Industrie und Pro- duktion überhaupt hingewiesen und zu einer genauen Prüfung der ke,":ehenden Tarife nach der gedachten Seite hin allgemein veranlaßt. Der HandelS-Minifter hat durch Erlaß vom 14. d. Mis. Gelegenheit genommen, die Eisenbahnverwastungen noch besonders darauf aufmerksam zu machen, daß jene Prüfung fich nicht etwa auf die Erörterung der Frage zu beschränken hat, ob eigentliche FrachtdiSpariiäten vorliegen, 1). 1). ob die Jra<tsäße für den Traanort von einer ausländischen Station nach einer inländi- schen nirgends“ billiger find, als diejenigen für den Transport von einer in derselben Richtung vorgelegenen inländischen Station, daß vielmehr bei dieser Prüfung die Frachtiäxze aller glrich weit oder näher gelegenen inländischen Stationen _ gleichviel, na< welckxer Richtung hin diese im Verhältniß zu der inländischen Bezugsftation gelegen find _ in Verglci< gezogen werden müssen. So ist z. B. die deutsche Spritproduktion ni<t enva nur dann geschädigt, wenn die Frachtsäße Hamburg-Basck und Hamburg-Mannheim niedriger gestellt find, als etwa Lüneburg- Vaiel und Lüneburg-Mannheim, oder Hannover-Vasel und Hannover: Mannheim, sondem fie es auch in dem Falle, wenn die Fracht von leich weit oder näher gelegenen schlefischen oder sächfi chen Sta- tionen höhsr gefieüt ist, als jene ab Hamburg. Die Eisen- bahnverwaltungen haben demgemäß die bestehenden Tarife für die wi<tigcren Konsumtions- und ProduktionSgegenftände der betreffenden Bahngebiete einer eingehenden Prüfung in der ge- dachten Richtung zu unterziehen. Bei Mittheilung des Ergeb- niffes dieser Prüfung wird eventuell auch eine Aeußerung darüber erwartet, obdie der ausländischen Produktion :c. etwa gewährten Frachtbegünfiigungcn entweder aufzuheben find, oder in welch anderer Weise deren s<ädigende Einwirkung auf die deutsche Jndußrie :c. abzuwenden sein möchte.

_ In Folge der ungewöhnlichen Naturereignisse dieses Jahres haben mehrere Civilbehörden Veranlassung genommen, fick; wegen Gewährung militärischer Hülfe an verschiedene und mehrfach ni<t kompetente Militärbehörden zu wenden. Hierdurch erwachsen, da zur Gewährung derartiger Hiilfe zu- nächfi die General-Kommandos befugt find, nur Verzöge- rungen, und hat deshalb, wie der Minister des Innern den Re- gierungen 2c. durch Cirkularreskript vom 24, März d. I. mitthxilt, der Kriegs-Minifier darauf aufmerksam gemacht, daß bei Vor- kommnissen der beregten Art die betreffenden Behörden fich direkt an das bezügliche General-Kommando zu wendén haben.

_ Nach dem Erlaß des Ministers des Innern vom 27. Juli 1875 bildet die Ueberweisung an die Landes-Polizei- behörde zum Zwecke der Jeßseßung einer Korrektions-Nach- haft einen Theil, nicht aber eine Folge der Strafe. Die Uebrrweisung an die Landes-Polizeibehörde gehört sonaeh, wie der Minifier in einem Reskripte vom 12, März d. I. ausführt, zur Vontreckung der prinzipaliter erkannten Strafe, und so lange diese gesammte Hauptßrafe _ einschließlich der mit der Strafe aus §. 361 Nr. 3-8 des Straf-Gef. B. zugleich etwa wegen eines anderen Delikts erkannten Freiheiisftrafe _ ni<t voUßreckt, und namentlich auch die Ueberweisung an die Landes=Polizeibehörde ni<t thatsächlick; erfolgt iß, kann der Zeitpunkt, von welchem ab die Präklufivfrift zur Fefrseßung und Vollßrcckung der Korrektions-Nachhaft zu rechnen ist, über- haupt nicht eintreten.

_ Auch aus dem Bereich des Königlich bayerischen Telegraphengebiets laufen günstige Meldungen über den Erfolg des neuen Telegraphentarifs ein. Scschreibt die Handelsbeilage der „Angsb. Allg. Ztg.“ vom 13. April Fol- gendes: Wir find in der Lage miriheilen zu können, daß der seit dem 1. März [. I. sowohl im bayerisch-württembergischen als im ReichS-Telegraphenverkehr eingeführte Worttarif allen Erwartungen, welche man bei Aufstellimg desselben hegte, voll- standig entsprochen hat. Troß der andauernden Geschäftsfälle hat fick; sowohl die Zahl der beförderten Depeschen als die Ein- nahme hirrfiir ni<t unbeträchtlick) vermehrt; hanptsächlick; aber. verdient hervorgehoben zu werden, daß die Dur<- schnittswortzahl des einfachen Telegramms fich sehr wesonilich gemindert brit _ ein Beweis dafür, daß dem Bedürfnisse des tekegraphirenden Publikums in den meisten Fällen auch mit Telegrammen von weniger als 20 Worten genügt werden kann. Für den Betrieb der Telegraphenanstalten ist dieses Verhältniß sehr erwüns<t, da den ersteren dadurch ihre Aufgabe bei Wieder vermehrtem Verkehr wesentlich erleichtert wird und sie nicht ge- nöthigt find, ihre Betriebsmittel noch mehr als seither und über das Dnrchichnittsbedürfniß hinaus anözudehnen. Eine neue Zu- sammenstellung der Bestimmungen über die Behandlung der telegraphischen Korrespondenz wird demnächst die Presse vcr- Kaffcn msd um den Selbstkostenpreis an das Piiblikum abgege- en wer cn. .

_ Die Stadtverordneten-Versammlung von Cöln hai fich gegen den Antrag ihrer Kommission für die Beibehaltung des Dreiklassen-Wablsnstems bei den Stadtverordnetenwahlen erklärt. In demselben Sinne hat auch die Stadtverordneten- Versammlung von M.-Gladba< ihre Deputirten zum Siädte- tag in Cöln instruirt.

_ Tie vorsäßliche Beiseiieschaffung von Sachen, welche durch die zuständigen Behörden gepfändet oder in Beschlag genommen worden find, wird mitGefängniß Bis zu einem Jahre bestraft, auch wenn der Thäier bei dem Beifeiieschaffen nicht die Absicht hatte, die in Beschlag*genommenen Sachen der VM- ßrccxung zu entziehen; vielmehr genügt zur Strafbarkeit der erwahnten Handlung das Bewußtsein des Thäters, daß durch

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unwirksam gemacht sei. Erkenntniß des Oder-Tribunals

vom 7. März d. I.

_ Die Pfand- oder Hypothekeubestellung des Gemeinschuldners innerhalb der zehn der KonkurSeröffnung vorhergegangenen Tage zur Sicherung von Verbindlichkeiten, die bereits vor jenen zehn Tagen mtßanden find, unterliegt nach §. 101 der Breußisthen Konkurs-Ordnung nicht der Anfechtung, wenn die Pfand: oder Hypothekenbeftellung bei Entstehung der Verbindlichkeit oder dow vor den erwähnten zedn Tagen aus- bedungen worden iß. In Beziehung auf diese Veßirnmung hat das ReichS-Oberhaudel!geri<t, 11. Senat, in einem Er- kenntniß vom 25. März d. I. auögespro<en, daß selbst dann die Pfandbeßellung von den Konkursgläubigern ni<t angefoch- ten werden kann, wenn bei der Ausbedingung des Pfandej dasselbe ni<t individualifirt worden und die genauere Beßim- mung des Pfandes erß bei der Uebergabe erfolgt ist.

_ Die Bevollmächtigten zum Bundesratk): Großherzoglich sächsischer Geheimer Justiz-Ratk) 1)r. Brügcr, Herzoglich iackyien-coburg-gotbaiickocr StaatZ-Minister Freiherr von See- bach, Fürstlich reußis<er Staats-Minister von Harbor: und Senator der Freien und Haniestadt Hamburg Dr. Schroeder sind in Berlin angekommen.

Wilhelmshaven, 23. April. (N.H.Z.) Sr. Majeßäi Panzerfrcgatte „Kaiser“ hat vorgestern den Kriegshafen ver- laffen und ist auf Rhede gegangen, um mit den Probefahrten zu beginnen.

Bayern. München, 24. April. Die „21119. 3.“ meldet: Se. Majeßät der König hat dem König von Sachsen anläßlich deffen Geburtsfeßes gestern ein sehr herzlich gehaltenes Glück- wunschtele rama: übersandt. Am Abend hat Se. Majestät den Prinzen Leopold, welcher von seiner mehrmonatlichen Reise zurückgekth iß, in längerer Audienz empfangen. Der Herzog von Na an, der vorgestern auf Schloß Hohenburg bei Lenggries seine sil erne Hochzeit gefeiert hat, zu derselben von Sr. Ma- jestät telegraphisth beglückwünscht worden. _ Wie daffelbe Blatt vernimmt, ist der Professor für Moral: und Paßoralihcologie an der theologischen Fakultät der Univerfität zu Würzburg, Dr. Franz Joseph Stein, als künftiger Bischof von Würz- burg in Aussicht enommen und smd bereits Unterhandlunqen mit demselben ein e eiter. - Bekanaiickx wurde der Verein der liberalen Reichsfreunde hierselbß durch einen seinem Jragekasien ent- nommenen Antrag aufgefordert, seine Stellung zur Eisenbahn- frage kundzugeben. Der Ausschuß des Vereins besehästigie fich nun, der „A. Abdz.“ zufolge, in seiner Sitzung vom 21. mit dieser Frage, und nachdem Frhr. v. Siauffenberg erklärt hatte, daß er als Vertreter der Stadt München“ im Rei<stage ni<t verfehlen werde, vor der nächßen Rei<stagssesswn mti seinen Wählern hierüber im! Benehmen zu treten, daß er aber wenig- ßens auf 4 Wochen in Folge durch Gesundheitöverhältnisse be- dingter Abwesenheit von hier daran verhindert sei, wurde be- schlossen, in der nächsten Vereinsversammlung lediglich zu Mzinungsäußerungen über diese Angelegenheit Gelegenheit zu ge en. _ 25. April. Der Finanzausschusz hielt gestern zwci eheime Sitzungen, Worin, dem Vernehmen nach, über Cr- Zöhung der Civilliste des Königs und Erhöhung der prinz- li<en Apanagen berathen wvrden icin soll.

Sachsen. Dresden, 25. April. Die Erste Kammer genehmigte heut bis auf eine ganz unbedeutende Differenz, den mit den Beschlüssen der Zweiten Kammer übereinßimmenden Anträgen ihrer 2. Deputation entsprechend, den Etat des Finanz- Minißeriums.

In der Zweiten Kammer wurde auf Antrag des Abg. Heine beschloffen: 8) die Königliche SraatSregierung zu ermäch- 1igen, dem Comité für den Elbe-Spree-Kanal zu den für den- selben no< nöthigen Vorarbeiten eine Veihülse aus Staats- mitteln in Höhe von 10,000 Mark zu gewähren, 6) die (den- selben Gegenßand betreffende) Petition von F. E. Gustav Große in Berlin für erledigt zu erklären, dieselbe aber noch an die Erße Kammer gelangen zu lassen. - Eine durch den Obermeister Diettrich in Glauchau überreichte Petition der S<ornstein- fegermeifter des Königreichs Sacßsen um Einführung fester Kehrbezirke und der Meifterprüfung für Stadt und Land ließ die Kammer auf Antrag der Beschwerde- und Petitions-Depu- tation auf fich beruhen.

Baden. KarlSruhe, 24. April. Der Großherzog und der Erbgroßherzog find herne früh von Wiesbaden in der Refixenz eingetroffen. Heute Nachmittag begiebt fich der Großkxerzog mit seinem ältesten Sohne nach Heidelberg, wo der Prinz seine Univerfitätsßudien beginnen wird. Am Abend gedenkt der Großherzog nach Karléruhe zurückzukehren.

_ In der heutigen Sißung der Zweiten Kammer nach Oftern, unter Vorfiß des Präsidenten Lumen, wurden sämmtliche Pofiiionen des Budgets des Jinanz-Minifteriums nach den Regierungs- bez. Kommisfionsvorschlägen genehmigt.

Mecklenburg-SchWerin. Schwerin, 24. April. Ein zweites Cirkular des Oder-Kirchenraths ertheilt An- weisung über das, waZ für besondere Leistungen beider Trauung und Taufen und für die Verrichtung dieser Handlungen außer- halb der Kirche oder des Kir<ories an Gebühren zu fordern und wie diese Einnahme zu vertheilen sei. Ferner belehrt es die Kirchendiener, daß fie freiwiilige Gaben für die jetzt gratis zu verrichtenden Trauungen und Taufen au< fernerhin ganz unbe- schränkt annehmen dürfen. ,Die Annahme von Honorar und Ge- schenken“, wird bemerkt, „welche den Pastoren und sonstigen Kirchen- dienern für Taufe und Trauungen freiwillig gegeben werden möchten, gesesiick) nicht verboten, also fiatthaft.“ Am Schluss wird den Paßoren empfohlen, auf die Mittheilung der Tarif- saße der bei Bestand bleibenden Gebühren, welche die Grund- lage des nach Vorschrift der Verordnung vom 13. U. M. in jeder Gemeinde bekannt zu machenden Verzeichnisses bilden sollen, die größte Sorgfalt zu verwenden, da sich einschleichende Irr- thümer leicht zu ärgerlichen Weiterungen führen könnten und schwerlich rückgängig zu machen sein würden, soweit fie dem Pastor und andern Kirchendienern zum Schaden gereichen.

Oldenburg. Oldenburg, 24. April. Der )(1)(.Land- ing ist auf den 4. k. M. einberufen worden. _ Was die Phyfiognomie des neugewählten Landtags betrifft, so Wird derselbe, nach den . N.“, nur einen Staats- beamten in seiner Mitte haben; von den übrigen 31 Abgeord- neten stehen 7 im Gemeindedienste, außerdem find 2 Aerzte, 5 Kauf- und Handelsleute Mitglieder des Landtags, währrnd „also die größere Hälfte, aus Landleuien be- „Die Mehrheit des Landtags schließt silb, dem

seine Handlung die VoUßrkckung, Und wenn auch nur zeitweise",

genannten Blatt zufolge, den

des aufgekößen Landtags an, um so mehr, als deren Führer sämmtlich wiedergewählt find, trosdem immer noch die Hoffnung feßzuhalten, daß bei der Unerheblichkeit der Diske- renzpunkte und bei dem ents<ieden hervortretenden Bedürfnisse der Landtag die geforderten Bewilligungen für das ßaatliche Schulwesen und für die Forst- und Vermcffungsbeamten gp nehmigen und diese Genehmigung nicht ferner an unerfüllbare Vedingungm knüpfen werde.“

Braunschweig. Braunschweig, 25. April. Die „G. u. B-S.“ veröffentlicht ein Geses, die Errichtung einer Ober- Schulkommission und die ßaatlicbe Veaufsichtigunjg der UnterrichtSanßalten betreffend, (1. 41. Braunschweig, den 8. April 1876. Die der LandeSregierung zußehenden Rechte der Oberaufsicht und obersien Leitung des gejammien Unterrichts: wesens im hiesigen Lande werden nach diesem Eeseß wie bisher vom Staats-Minißerium auSgeübt. Die Herzogliche polytech- nische Schule (Collegium (Zaroljuuw) bleibt der unmittelbaren Aufsicht und Leitung des Staats-Minißeriums unterstellt. Die Leitung und Veauffichtigung der übrigen dem höheren Unter- richtöwesen gewidmeten |aatli<en Lehranßalien, also zur Zeit der sämmilichen Gymnafien einschließlich des ftaatlichen Real- gymnafiums in der Stadt Braunschweig wird in Unterordnung unter die oberste Auffickrt und Leitung des Staats-Minifteriums einer Ober-Schulkommisfion übertragen. Dieselbe tritt bezüglich dieser Lehranstalten an die Stelle des Konßftoriums. Als Hülfs- organe dienen ihr die bei den einzelnen Gymnasien zu errich- ienden Kuratorien. Die Leitung und Beaufsichtigung der evan- gelisch-lutheriscben Gemeindeschulen und Seminaranftaltcn, gleich- falls unter der erwähnten oberßen Aufsicht und Leitung, ver: bleibt dem Konsistorium

Sachsen - Coburg : Gotha. Coburg, 24. April Der H c rz o g ifi heute nach Gotha abgereist und wird sich morgen nach dem Jagdschloß Oberhof im Thüringer Wald auf mehrere Tage begeben.

S<warzbnrg-Nudolftadt. Rudolftadt, 22. April. (Leipz 3.) Von Seiten der preußischen Regierung ist der seit dem 23. Dezember 1873 bezüglich der Unterbringung der hierländischen Korrektionäre in preußischen Anstalten bestehende Vertrag, welcher vorläufig nur auf 2 Jahre, jedoch nicht vor 1876 künd- bar, abgeschlossen war, gekündigt worden. Es beßeht außerdenr noch ein älterer Vertrag vom 31. Juli 1868 bezügli< der Unter- bringung der hierländischen Sträflinge in Königlich preußis<en Strafanstalten, welcher vor 1880 nicht kündbar ift.

Elsaß-Lothriugeu. Straßburg, 24. April. Die „Straßb. Ztg.“ enthält folgende Mittheilung: „Ueber die Vor- lagen, welche dem LandeSausschuß in seiner dcmnächß de- ginnenden Session unterbreitet werden, laufen verschiedene Mit- theilungen durch die Preffe. Diese Mittheilungen find insoweit mit Vorßcht aufzunehmen, als die Vorlagen überhaupt noch ni<t festgefteUt “find.

_ Zur Feier des 49. Geburtstages des Königs Albert von Sachsen waren geßern alle öffentlichen Gebäude feßlich beflaggt. Um 11 Uhr Vormittags war Gottesdienst in der Thomaskirche, dem das Infanterie-Regiment Nr. 105 bei- wohnte. 12Z Uhr war gemeinsame Parolc-Au9gabe auf dem Broglieplaß. Na<miitags4Uhr fand ein Festessen des Offizier- Corps des Infanterie=Regiments Nr. 105 im Offizier-Kafino statt, an welchem fich auch der Ober-Präfident, die Generalität, sowie die StabSoffiziere der Garnison betheiiigten.

Oesterreickj-Ungarn. Wien, 25. April. (W. T. B.) In hiefigen Regierungskreisen wird die Zumuthung einer Okkupation VoSniens dur< österreichische Truppen lebhaft zurückgewiesen.

_ In einem Leitartikel über die Vorgänge im Süd- oßen sagt die „MontagsRevue“: „Wir möchten nicht gerne optimißis<er Selbßtäuschung beschuldigt werden. Aber wir wiederholen, es ift kein Symptom vorhanden, das auf

die Verschlimmerung der Situation hinwiese und ge- wichtige Chancen find vorhanden, welche iHre Ver- einfachung und Verbesserung in AUSficht ßellen. Daß

Schwierigkeiten zu überwinden, natürliche und künstliche Hemm- nisse zu beseitigen find, wird wohl Niemand in Abrede steUen. Die Heilung der türkischen Zußände kann immer nur eine halbe und paliiative sein. Allein an einer solchen Heilung zu ver- zweifeln, ist kein Grund, heute so wenig, ja vielleicht noch ww niger, als da Graf Andraffn sein Reformprojekt „entworfen, wel- ches die Anerkennung Europas gefunden und den Hoffnungen auf Erhaltung des Friedens die erste posnive Grundlage dar- geboten hat.“

_ Die ungarischen Minifier, wel<e bisher an den gemeinsamen Konferenzen, betreffend die AuSgleichs- verhandlungen Theil nahmen, find in Begleitung ihrer Räthe hier eingetroffen. Nachmittags hatte Graf Andraffn eine einstündige Konferenz mit den ungarischen Mi- nistern; morgen wird unter dem Vorfiße des Kaisers eine ge- meinsame Konferenz der Minißer beider Reichshälfien stattfinden. Prag,24. April. ZurPalacky-Feier fanden fick) 304Theil- nehmer ein, darunter 13 vom Feudaladel, worunter Fürst Karl Schwarzenberg, Fürst Georg Lobkowitz, die beiden Grafen Clam- Martiniß. Skrejschovsky hielt eine Begrüßungsrede, hierauf sprachen Graf Clam-Mariiniß, Iirecek, Zeithammer, Palackn und der slovenische Redacteur Piercen. Das Publikum, verhielt fick) ganz theilnahmslos; die Polen blieben vollständig aus. Lemberg, 24. April. Der ,Dziennik Polski“ hebt in sei- nem heutigen Leitartikel hervor, daß der Landtag unter Füh- rung der Grocbolski'scheU Partei fich in der ganzen Wahlperiode zu keiner ersprießlichen Thätigkeit aufraffen konnte. Die Ueber- tragung der Leitung der Agitation für die bevorstehenden Land- tags-Neuivahlen an diese Partei sei daher besorgnißerregend. Krakau, 24. April. In hiefigen nationalen Kreisen wird die Na<ri<t Wiener Blätter bezüglich der Bildung einer Polenlegion für die Herzegowina entschieden dementirt. Peft, 24. April. Der Minifterrath beschloß, der „Peßer Korrespondenz“ zufolge, die Wiener Auggleichs-Punkta- tionen als Basis der endgültigen Abmachungen an- zunehmen, zugleich jedoch zu erklären, daß er außer Stande sei, für selbe, wenn fie ni<t modifizirt würden, die Majoritäf des Parlaments zu gewinnen.

_ Der „Pester Lloyd“ bezeichnet die Lage als sehr kritisch. Das Minißerium befihe das Vertrauen der Krone und (der ge- sammten liberalen Partei, dennoch werde es vielleicht zum Rücktritte genöthigt werden. Das Ministerium besitze das Vertrauen auch bei jenem Theile der Partei, welcher die bekannte Gegen-Demonfiration in Scene sexte; erade dirke- Demonstranten seien die begeißert- sten Anhänger Tisza's. Diese glauben jedorh, der Minister-

Anßchten der Majorität

Präsident würde fich durch Annahme des vorliegenden öster-

rei<is<en Vorschlages dem Hause gegenüber unmöglich amchen, - _rveSQalb ße ihn zum Rücktritte drängen. Sie wollen ihn für rene Zeit reserviren, wo man, durch Erfah- ruzrgdeen und Verluße belehrt, auch drüben erkannt haben war , Ungarn könne sich mit dem gebotenm Maße nicht be- gangen. Das Ministerium habe noch keinen Entschluß gefaßt, weshalb Tisza fich gegen jeden Barteibcschluß verwahrte. Nach den Erfahrungen, wel<e wir neuestens an unseren Wiener“ Kollegen gemacht, meint der Beßer Lloyd, wird die Qppofitwn im Schoße der Partei vielleicht als ein abgekartctes Syiel betrachtet, was zwecklos wäre; denn wenn TiSza seinen Rncktritt selbst für nöthrg findet, so braucht er sich dazu nicht drangen zu (affen; wenn er bleiben will, kann die Partei ihm nur die Stellung erschweren. Der „Peßer Lloyd“ findet die Zuversicht der Wiener Blätter durch den hiefigen Stand der Angelegenhet nicht gerechtfertigt. Bezüglich des Zoll- tarifs und der Restitutionsfrage seien die Differenzen

nnerdings erledigt. Die B erzeb ru n gs sie 11 er kann jedoch s<1e<terdings n i cht fa [ l en gelaffen wer- den, höchstens könne man auf eine volle Kompensation

verzichten, wenn das Prinzip anerkannt und ziffermäßig au6ge- drückt wird, und ein Modus für die Einflußnahme auf die Manipulation gefunden wird. Hinsichtlich der Bankfrage weiß der „Pefter Lloyd“ na<, daß das vorliegende österreichische Projekt keine größere Garantie als bisher für die Ansprüche Ungarns biete. Ungarn habe seine ursprüngliche Forderung einer selbständigen Notenbank geopfert, weil österreichischcrseits die Einheit der Währung und der Geldzeichen für die Monarchie als unerläßlich bezei<net wurde. Der Artikel schließt mit der Mittheilung, daß Abends ein Minißcrrath ßatr- fand, in dem über die großen Tagesfragen die leßten Ents<lie- kungen gefaßt wurden. Man habe die Ueberzeugung mitge- nommen, daß für die unveränderte Annahme der vorliegenden österreichischen Propofitionen keine Majorität, nicht einmal eine respektable Minorität zu gewinnen wäre, daß die Vorschläge bestenfalls die Bafis weiterer Verhandlungen abgeben können, für deren Ergebniß dann wohl, wenn auch nicht die gesammte liberale Partei, aber doch der größere Theil derselben ßimmen werde. Man wiffe ni<t, wozu die Minißer entschlossen seien; aUein es sei Jewiß, daß, falls fie von Wien nicht mehr und Besseres als as leßte Mal mitbringen, sie nicht als Minisier wiederkehren können.

Großbritannien und Irland. London, 24. April. Der „Observer“ hat von dem früheren Premier-Minißer Glad- ftone folgende Zuschrift erhalten: „Mein Herr! Vor einiger Zeit ging das Gerücht, daß Ihre Majeßät geruht hätte, zwei früheren Premier-Minifiern den Vors<laa, welcher nun in _der Königlichen Titelbill verkörpert worden isi, zu unterbreiten. Nach meinem beßen Glauben wurde ich nicht als einer derselben genannt, und aus Gründen, die mir wichtig erschienen, hielt ich es für beffer, keine Notiz von einem unauthentischen Gerücht zu nehmen, welches sofort verjrummen dürfte. Während der leßten wenigen Tage ist der Sache indeß weitere Aufmerk- samkeit geschenkt worden, und obwohl ich meine, daß die Ver- dienste der Frage nicht im geringßen Grade von der Wahrheit oder Unwahrheit irgend einer solchen Angabe abhängen können, halte ich es für meine Pflicht, zu konßatiren, daß, so weit ich dabei selber interesfirt bin, weder dieser noch irgend ein ähnli- cher Vorschlag mir von Ihrer Majestät während der Zeit, wo ich die Ehre harre, in ihren Dienften zu ßehen, unterbreitet wurde. I>) verbleibe, mein Herr, Ihr sehr ergebener Diener W. E. Gladstone. Hawarden Caßle, Cheßer, 21. April.“

-- Sciior Prado, der neugewählte Präsident von Peru, ist in England angekommen. Zweck der Reise ist, nach der „A. A. C.“, der Versuch, mit den Inhabern perunniicher Bonds in EUropa cine Verciril'arung zu erzielen, durch welche für die Zinicnzaiyxnng eine feste Basis gewonnen werden soll.

_ Am Donnerstag, den 27. d. M., soll auf der Werft zu PortSrnouth das neue Panzerschiff „Inflexible“ _ welches bis zur Fertigstellung der im Bau begriffenenitalienischen Panzerschiffe das ßärkße Kriegsschiff der Welt bilden wird _ vom Stapel gelassen werden. Die Prinzeifin Louise hat die Taufe übernommen. Neben den Lords der Admirailität, den Ministern, zahlreichen Marine- und Militärbeamien werden Peers und Mitglieder des Unterhauses der Feier beiwohnen. Die Koßenberechnung ohne die Geschütze soll sich aufgegen 600,000 L. (12 MM. Mark) belaufen.

_ 25. April. (W. T. B.) In der heutigen Sißung des Unterhaus es erwiderte der Unier-Staatssekretär im Departe- ment der Kolonien, Lowther, auf eine Anfrage Dilke's, nach den ihm zugekommcnen Na<ri<tcn aus Bgrbadoes, Welche bis zum 23. d, M. rci>)en, seien die daselbst stattgehabren unbe- deutenden Ruhestörungen unterdrückt worden. In Folge der cht veröffentlichten anderiveiten Privatnachrrcdten von dort habe er jedoch chie bei dem Grawerncur von Barbndoes tele- grapbisck) um nähere Auskunft gebeten und erwarte dre Antwdrt desselben. (Die Meldung der „21.21. E.“ vom 24. „uber die Vorfa11e in Barbadoes lautet: Nach einem dem Weßmdtsckxen Comtts in London zugegangenen Telegramme aus Barbaddes porn 21. ds. herrschen sehr ernßliche Unruhen in den Kirchspielen St. Joseph, St. Thomas, S!. Iohn, St. George und _St. Michel dieser Insel. Es heißt, daß mehrere Plantagen geplundert und Getreidefelder verwüstet wurden, daß Brandstiftungen an der TagesOrdnnng find, und die Lage der Dinge überhaupt eine sehr ernstliche und gefahrdrohende ift.)

Frankrei<. Paris, 24. April. Das dffizielle Blatt bringt jeßi den Text der Rede des Minirters W"ad- dington, welcher dem, was bichr die Blntter darüber gebracht, konform iß. Die klerikalen Winner greifen fie mit Heftigkeit an, so die „Union“, weil dez: Minister die Robe des Professors so hoch zu stellen wage, als die Soutane des Professors; das „Univers“ kündigt sogar den nahen Unter- gang der Republik an.

_ Die gestrigen drei Wahlen sind zu Gunsten 'der Re- publik auSgefallen. Im Seine-Departemeni, 13. Arrondiffemerii, fiegte dcr radikale Kandidat Cantagrel mit großer Ma1ornat über den bonapartißischen und den Intransigenten; ebenso unter- lag in St. Denis der Intranfigent; in Tarn-Garonne unterlag wiederum ein Bonapartiß gegen einen gemäßigten Republikaner. So hat die Partei des Qype] au yeupis abermals übernl]. bei den Wahlen e'ne Niederlage erlitten, und zwar fie, wre das ,I. d. D.“ bemerkt, auf ihrem eigenen Terrain beficgt. _ *

_ Vorgeßern Abend fand die Schlußfißung des taih alis >] e n Kongrei ( es ftatt. Dieselbe begann mit einem Vortrage des Fabri- kanten Hrn. Hamel über die Herßellnng „christlicher Handwerergil- den“; die „i) Uwes patronesßes“ sollen die Arbeiterinnen unterLettung eines Priefters versammeln; ,der Syllabus sei das einzige Heri- mittel gegen die jenigen Uebel.“ Dann folgten des Vicointede Chaulnes drei Anträge gegen das neue Unterrichtheseß, die ein-

fiimmig angenommen wurden; demnächst kam die Frage wegen : vermehrten Einflusses der Klerikalen auf die Armee zur Sprache. Aus der Schlußrede des Jesuitenpaters Du Long de RoSnan , bringt das „Journal des Deb-ts“ folgende Mittheilungen: „Ihr j habt Gott, den Engeln und den Menkchen ein erhabenes Z Schauspiel gegeben; man hat euch die Rechte Got- , tes und Seiner Kirche veriheidiaen gesehen. Aber * ich muß gestehen, es schien mir, als ob ein Schleier der Trübsal auf euren Häuptern laßete. Keine Mutblofigkeii! Aehnlich jenen Seefahrern, welche dem Sturm und seinen Unordnungen preiögegeben, und die unter ihren Füßen das Schiff krachen hören, ohne zu zittern, weil fie wissen, daß es fes! gefügt ist und fie den Hafen erblicken, dürfen wir uns nicht von dem drohenden Sturm erschrecken lassen, die wir wissen, die Wolken find das Eigenthum Gottes, der fie mit einem Hauckze verschwin- den läßt.“ Also, sagt das „I. d. D.“, die Gewißheit eines nahen Schiffbruchs und die Hoffnung einer wunderbaren Er- ren'ung waren, wie man ficht, bis zuleßt die beiden Gefühle, welche die Abgeordneten der katholischen Kongresse während der eben voUendeien Session beseelt haben. Ieder Redner ver- kimdete neues Unglück, um dann plößlich innczuhalten und em Triumphiied anzuftimmen, das die qcängßeten Gemüther wieder berudtgte. Na<dem das ,I. d. D.“ über die Sprach- eigenthümlickzkeiten der Klerikalen einige Bemerkungen gemacht, schließt es seinen Artikel mit den Warren: „Wie weit sind wir do< von der Zeit entfernt, wo der erste der französischen Bischöfe von Boffuet der Kirche den gesunden Menschenverstand als den Herrn der Welt empfahl!“

, _ Charles Lonson, der einsi als Vater Hnacintbe mel genannte Kanzelredner, der im Jahre 1869 excommunicirt Wurde, nachdem er wegen seiner Predigten in Notre-Dame vom „Umvcrs“ keßerischer Ansichten verdächtigt worden war, traf nach einem Telegramm der „K. Z.“ von Gent in Morez im Departement des Zum ein, um dort die Einweihung der Kirche der altkatholischen Gemeinde vorzunehmen.

' _ Seit zwei Monatm befindet fick), nach der ,Köin. Ztg.“ eme größere Anzahl von Carlisten, die jeden Tag zunimmt, in Paris. „Ihr Hauptquartirr ist im Café de Madrid. In den ersten Tagen der vorigen Woche herrschte dort große Erregung. Es hieß nämlich, daß Don Carlos sich an die spanische Grenze begeben habe. Dieses Gerücht war dadurch ent- ßanden, daß man plößlich erfuhr, Don Carlos sei seit dem 4. aus London verschwunden. Die Carlisten, die fiel; in Paris befinden und unter denen sich viele Offiziere der sogenannten „Königlichen Garde“ befinden, verweigern die von der Regierung von Don Alfons angebotene Begnadigung. Dieselben suchen sich hier eine Steliung zu verschaffen.“ Ihre Hoffnungen in diefrr Hinsicht wurden bis cht aber nicht erfüllt; denn diciranzöfisck):n Carliften zeigen fick) nicht mehr so sympathisch, seit Don Carlos das Weite suchen mußte.“

Spanien. Madrid, 25. April. (W. T. V.) Der Prinz von Wales ist heute hier eingetroffen und von dem König, den Ministern und dem englischen Gesandten Lanard am Bahnhofs empfangen worden.

Italien. Rom, 25.April. (W.T.B.),Wie „Diritto“ meldet, ift Baron Edmund Rothfckxild hier eingetroffen, um mit dem Finanz- Minifier und dem Minister für die öffentlichen Arbeiten wegen der Baseler Konvention zu konferiren. In Betreff der Haltung der Regierung gegenüber den bereits vorgelegten Effen- bahn-Konventionen wird weiter gemeldet, das Ministerium werde bei Berathung der Vorlagen in der Kammer das Prinzip auf- recht erhalten, daß der Staat sich nicht direkt mit der Exploiti- rung des ganzen Eisenbahnneßes befassen dürfe.

_ 26. April. (W. T. B.) Tie Deputirtenkammcr hat geßern ihre Sißungen wieder aufgenommen und einige Wahlen für gültig erklärt. Die Regierung legte einen Gescß- entwurf über die Verlängerung des gesetzlichen Umlaufs- termins für die Noten der Konfortialbanken vor. _ Feldmarschaü Graf Moltke nach Neapel abgereist.

Türkei. Konstantinopel, 26. April. (W. T. B.) Said Effendi ist zum Mustrschar des Großveziratd und Chevket Pascha zum Ober-Kommandanten in Scntari (Albanir-n) ernannt worden. _ Die hervorragendftrn Jinanzetabliffemems haben ihre Zustimmung zu der Bildung eincr Steuerpa<t- ges211s<aft nnd der Unifikation der Staatsschuld

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g g _ (W. T. B.) Der „Poiitischen Korrespondenz“ wird aus Konßantinopel gemeldet, daß der öfterre1<is<e Botschafter, Graf Zicht), in Gemeinschaft mit dem russischen Botschafter, General Ignaiieff, die Pforte eindringlichft von ihrem beabfich-

tigten Vorgehen gegen Montenegro abgemahnt habe. Die Bemühungen der Botschafter seien erfolgreich ge- wesen. _ Weiter wird aus Konstantinopel gemeldet,

daß die Pforte in ihren militärischen Vorbereitungen fortfahre und 100 neue Infanterie-Bataillone aufzustellen beab- sichtige. Hussein Anni Pascha soil zum Serdar (Generalisfimus) und Miihad Pascha zum Kaiserlichen Kommiffar für Rumelien ernannt werden. _ Die Nachricht, daß dcr General Ignatieff na< St. Petersburg abgereist sei, ist unbegründet. .

_ Der „Pol. Corr.“ wird aus Ser aj ew :) unter dem 23. Apr:[ Folgendes gemeldet: „Es steht außer Zweifel, daß die Agen- ten der auSwärtigen Comités die Rückkehr der Insurrektrons- flüchtlinge nach Möglichkeit zu behindern trachten. Sie verbrei- ten zu diesem Ende durch tausenderlei Kanäle, besonders aher im Wege der Oeffentlichkeit, die bÜSrviUigsten und undegrun- detften Nachrichten über die Verwaltung des boSnischen V_tla]ets. So wird unter Anderem dem Gerüchte Eingang zu verrchaffen eesuckzt, daß die emigririen Familien bei ihrer Rückkehr nach BoSnien eine sichere HungerSnotk) erwarte. Dem gegenuber kann versichert werden, daß _ ungeachtet der von den _In- surgenten im Distrikte von Bihac verursachten Schaden _ Cerealienvorräthe, welche für die Bedürfnisse der Emigranten bis zur närften Ernte angrei<en, schon seit einem Monnte der Grenze entlang in verschiedenen, an sicheren Punkten. errichteten Magazinen aufgespeichert liegen. Auch find alle sonstigen ndnn- nistrativen Maßnahmen getroffen worden, wel<e nothwendig er- scheinen, um einer Lebensmittelkrifis vorzubeugen. Des Ferneren ift al1en Muieffarifs (GouverneurS) und Kaimakains (Gouver- neurs-Stellvertretern) von der obersten Verwaliiiirgsstelie an- empfohlen worden, darüber zu wachen, daß den'Wunsthen crller an ihren heimathlichcn Herd zurückkehrenden Jrrmrlien das großie Entgegenkommen bewiesen und nichts verab1aumt werde, um ihre Leiden zu lindern.“

Dänemark. Kopenhagen, 26. April. (W. T. B.) Bei den gestern stattgehabien Neuwahlen zum Folke- thing find,

ist, 71 Mitglieder der Linken gewählt worden. Von

.dcn zu wählenden 102 Abgeordneten

so Weit das Wahlrcsultat bis jeßt bekannt-

vorausfichtlich 74 der Linken ar'gckrörrn. Tie Oppa- stion, durch welche bei drm lesken Jolietki'm in Folker idrer Haltung in der Wehrfrage die Auflösung de9 Joiketdin-Js herbei- geführt wurde, deßand aus 60 Mitgliedern. Zu den Kandi- daten der Rechten, welche bei den Neuwahlen unterlagen, gehören u. A. die früheren Minißer Klein und Holsteinr-org. Säumn- li<e Führer der Linken wurden mit großer Majorität wieder- gewählt. Der Führer der Sozialdemokraten, Pio, erlangte bei dem Wahlkampfe mit Bille (national-lirerzl), d:r mit '.“057 Stimmen gewählt wurde, 1013 Siimmen.

Amerika. Mexiko. (21.21.62) Den nenosten Nack;- ri<ten aus Mexiko vom 13. d. zufolge, find die Regierungs- truppen aus Oaxaca verdrängt wvrden. aber fie gewinnen Boden in Puebla uud Talisko. Zn ChiaE-pas ist der Be- lagerungSzußand proklamirt worden.

_ Aus den Black Hills erhält die „A. A. C.“ folgende Nachrichten: Die ganze Anpreisung der Gegend als ein Goldland erweist fich danach als xine Prellerei von Krämern, die an die dorthin verlockten Leute Waarcn um ungeheure Preise verkaufen Wollten. Die sogenannten Städte Custer Citi) und Hifi Citi) find zu drei Vierthcilen verfall-xnes Hüttenwerk mit einigen ZBranniweinbuden und Kramläden. Es ift Go1d da, aber bei weitem nicht so viel, daß ein Goldgrädcr dei ange- strengter TngeSarbcit die Hälfte so viel verdienen könnte, als wenn er zu Hause geblieben und „Holz gehauen oder Steine zer- kiopft hätte. Die betrogenen Leute, die jeyt schon wieder den Heimweg fachen, find auf diejenigen Zeitungen erbittert, weiche die Black Hias zu einem Eldorado arrfgebanscht haben.

Kauft, Wissenschaft und Literarux.

Ans Düsseldorf, 24. Avril, wird der „Köln. Zia,“ geiwricbcnx Am 21.„Apnl entdeckre Hr. ProSper Henry in Paris den fünften dieéjäbrigen Plankton, dessen Ort so anqégeken ist: 13 Uhr eris. 14 Udr 9 M. 58 S. Rectaicenüvn, _12 Grad 18 Min. südliche Deklination, tägliche Bewegung 3 Min. nach Norden. Di? Anzab1 der kleinen Plareten zwischen Mars und Jupiter ficigt hierdurch au; 162, von Welchen 46 in Frankreich e_nideck: iind. Drr Trixie dxes- jährige Plam't von PSTUS hat den Namen Una erhalten.

Gewerbe und Handel.

Berlin, 26. April. Der deutsche Avoéhekcrvcrein (Krrise Berlin,Potsdan1,Frankfurta.O.) hielt Hirt gestern Mittag eine zahlreich besuchte Kreisversammlung ab. Auf drr Tagesordnung stand zunächst der Bericht des Bnndesratbs-Ausschusics für Handxl und Verkehr, betreffend die einheitliche Ordnuna des Avoidekerwcisns. Nach län- :ierer Debatte ent1cbied sich die Versammlung mit großer Majorität für folgende Erklärung: „,Die Kreißvrrsammluxq der Kreise Berlin, Pytödam, Frankfurt a. O. erklärt es für wÜnicbcns- werth, daß im Sinne des vorgelegten Entwurfs eine Selbst- ablösung der privilegirten und konzcistonirteu Avotheken unter Garantie des Staates in Aussicht genommen werde und giebr dem Vorstand: die geeigneten Schritte anheim." _ Ferner sprach die Vzrsammlung in einer Resolution dcn dringcnden Wunsch aus, daß die pharmazeutischen Mitglieder der RcvifionFKommisfion in Zukunft nur gegen die den Regierungß-Medizinal-Räthen zustehenden Diäten und Tagegelder die Aufträge zum Revisto-Sgyiäyäfxe übernehmen mögen. _ Den S<1uß der Verhandlungen bildeten dre Abändrrungs- vorschläge zu den Bestimmungen über die AvctdekergxhülchPriifung und eine Besprechung über die Reichsvewrdnnng vorn 4. Januar 1875, betreffend den Verkehr mit Arzneiixitteln.

_ Die „Union“, Allgemeine Vcrsickzerungs-Aktien- Gesellschaft zu Berlin, hat im Jabre1875 für 41,895 arge- fchloffene Verfi<erungcn rnit 525929689 „14 Kavital 1,095884 «FC Prämien vereinnahmt, gegen 859.834 > für 29,889 abgeschlossene Versicherungen mit 352350230 „M Kapital im Jabra 1874. Für 259 Brandsckoädcn wurden für eigene Rechnung 239,615 „16. chen 188501.“ im Vorjahre gezahlt. Der Nettogewinn beträgt 86.658 «M, von denen der Kapitalreservefonds 100/0 mit 8665 „46, der Aufsichts- raid an Tantiéme 7799 >, der Vorstand 6239 „;> erhält, an die Aktionäre werden 63,000 „M oder 7*“/0 als Dividende r*erthciit,_ dem Kavitalreiervefonds ferner 665 «M üderwieien und 28:5 „16 ans nruc Rechnun vorgetragen. ' '

_ Bern Gef<afi§ber1<i der Deutschen Bank in Brriin ent- nehmen wir folgende Mittheilungen: Die Auflösung der Filialen in Shanghai und Yokohama ist am 1. Oktober beendrt. Die daher entstandenen Abschreibungen von 245,61] .jé. Shanghai, 190,811 .16. Yokohama, haben ihren Grund in Vrrluncn, hanvnächlich aber in dcr Cntwerihung drr Valuta. Die Grrman Bank of London brachte 60/0 Dividende. Jm inländischen Gcsckoäst ist die Zadl der Provifionsvflickotigen Verbindungen von 635 am 31. De- zember 1874 auf 743 am 31. Dezember 1875 grsiicgen. Die im Vorjahre anf Deikredere - Konto gebrachte Reiervc fiir dre Forderung an die Gescüicbaft Pleßner n.Co. Hat fick) als unzureichend heraussestclit. Hierzu traten noch einige klxine Vrrlnste, w01<e zu- sammen cine Abschreibung von 546,349 „76. nothwcxidiq ' nm<en, zu deren Deckung statutengemä die im V0:ja1)re unvertherlr gevliebene ProvisiouS-Reserve von 120,00.“ heranzuziehen 1st. _ ,

_ In drr Generalvet1ammlung der Chemiichen Fabrik E. Schering wurde die Bilanz genehmigt und Decharge crthcilt. - Das Accrptenkonto hat sich Von 154,675 „76 Ende 1874 auf 128,154 „FQ Ende 1875 erringrrt, Der Brnttogewinn in 1875 steak sich auf 498,679 «is., you ercbem die Fabrrkzmkdsten _mit'210,971-/Fä und die Handlungsuukostcn mit 200631 >>, iowie Abichrerbnngrn von 69,167 „Fk; (darunter 10,6(10-71; aur O_ebityrcn) in Aqug zu vrmgen sind. Von dem verbleibendrn Uebrr1<uß von 23219914 sind zu- nächst die 1874 dem Rescrvefonds entnommenen 15,003 ail; dem- selben zurü>rrstattek der ysrblcibendc Bruch von 7393 „(6 (nnch Uebertragung von 10 0/0 auf Rcssrvrfondükonio : 821516.) Wird auf ncuc Rechnung vorgetragen. _

_Jn der gestrigen Generalveriammlung dcr Flora, Akiien- Gesellschaft für Berlin in Cbarlottrnburg, und das Ge- winn- und Verlustkonto pro 1875 zu [ärmeren Debatten Veranlassung. Es wurden alsdann einige beantragte Sratutenäuderungcn genehmigt und der Verwaltung Dechargc eriheilt. _

_ Der AussiediSratd der Frankfurier Wechölerbank hat nach den üblichrn Abschreibnn-Zen die Dividende auf 2,117.) festgeseßt.

VevkehrS-Anftalten.

B erlin. Drr hiesige Priizsirichterbatte in Beziednng auf die frei- gelegten Vorgärten der PotSdamerstrZßJ ausgemrockyen, daß dieselben dnrch ihre Ueberlassung_ an den Htxaßenrxerkckix untcr dre straszevpolizeilicben Bestimmungrn saÜcn,_ In LUUKM Jailsn Moc!) hatte der Polizeiricdicr in Ergänzung zu rsmum aklgcinernen AnLiprnche bemerkt", daß nur an solchen Stellen die straßrnpolizyrltciyn J-Zxcrinn- mungen zur Anwendung kommen„ wo durch sine Kcntraveniion _der Verkehr thatjäcblicb gehemmt wrrd; An_f_dcn R_c"knr;c dcsxPolizer- Anwalts hat jedoch das Kammergericht dn]? thaliawlrwr chchran- kung für unbcrecbiigt erkinrt. Nach der E11U<riku11sz dieses erxi<ts- hofes ist, wenn ein vwremcm Hanse brfindlrrdi-r und zu drin Pause gehöriger Vorgarten beieiiigt und das freigrl-thr Teraxn DIN «_:raszcn- verkehr überlaffen wird, das Terrain brdingunadws U16 Hirnnenland zu behandeln und unterliegt demgemäß dcn strM-ZUDHUZIYÉUPM Be- stimmungen; dem (Eigenidümrr drs fraglichen T*)rrams. nr irlbst xn deni FaÜe, daß tdatiäcdiicd drr Vcrksdr 127.191 a::ixcmmr wrkd, vrrboien, den straßenyolizciliÖcn Anordnungcn zuwrrrr das Terran". 511 benutzrn.

Southampton, 25. April. (W T. B.) Der Dampfer

dürften schließiich

„Odcr“ vom norddrixtscken Lloyd ist LZUJLÜMSU-

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