1891 / 228 p. 6 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

YickjtauüsiHeS.

Belgien.

Wie der „Patriote“ aus guter Quelle wissen will, hätte der Generalstab der Armee beschlossen, daß, um Bor- sorge für den durch die Maasbefestiguxigen erforderlz en Bedarf zu treffen, mehrere neue, Regimenter erxt tet werden müßten, und zwar ein Regtment Artillerie, zwei Re- gimenter Infanterie und ein Re iment „Kavaüerte. Dem- zufolge würde die Ziffer des Ja reskontmgents von 13000 auf 19000 Mann er öht werden.

Türkei.

Von der „Agence de Cynsiantinople“ wirdxzuf Grund :ingetroffener offizieller Na<r1<ten der gegentheilrgen Mei- dung des „Standard“ gegenüber festgestellt, daß Saria, 519 Hauptstadt von Yemen, von den Jnsukrgenten mcht em- genommen worden sei und daß 96 nicht einmalbelagertwerde, wie daraus hervorgehe, da die Stadt 111 vollkommen unge- störiem Verkehr mit der Au enwelt siehe. '

Die „Pol. Corr.“ theilt den Wortlaut der Cirkular- note mit, welche die Pforte in der Frage dßr'Dardanellen- Durchfahrt an die Botschafter der Tiirker tm Auslande g_e- richtet hat. Die Note, welche vom Minister des Aeußern Smd Pascha gezeichnet ist und das Datum des 19. September tragt, lautet in Ueberseßung folgendermaßen: '

.Es ist Ihnen bekannt, daß die Packetboote der Freiwilligen Flotte einen Dienst zwischen Odessa und den rusfis<en'Besißungen im äußersten Osten besorgen. Diese Schiffe, welche die Handxlsflagge tragen, genießen freie Durchfahrt durch den Bosporus und die Dar- daneüen; da sie aber mitunter zum TranSport von Soldqten und eräflingen verwendet wurken, geschah es, daß sie irrtger Weise am Cingange der Dardanellen "aufgehalten wurden. Um der Wiederholung ähnlicher Mißverstandnisse vorzubeugen, mußte die Pforte die Kommandanten des BoSporus und der Dardanellen mit genauen Instruktionen versehen. Es, sind dies die Instruktionen, von Welchen der russischen Bots<aft Mitthei- lung gemacht wurde, und welche Aeußerunaen der auslandiscben Presse über eine angebliche Verleßuna der Verträge hervorgerufex haben. Nack) dem Wortlaut der ertbeilten Befehle werden dre Schiffe der FreiwiÜigen Flotte, Welche die Handelsftagae tragen, in gleicher Weise wie andere Handelsfahrzeuge die Dardanellen frei passiren. Wenn sie Deportirte oder Soldaten an Bord haben werden, wird ihre Durchfahrt, nach einer von der rusfisckven Bot- schaft erstatteten Anzeige. durch Kaiserlichen Jradé gestattet xverden. Was dagegen die Packetboote betrifft, die 0115 dem außeren Osten mit diknstentlasienen Soldaten kommen, wird die Behörde der Dardanellen sie passtren [affen uud die Hohe Pfyrte davon in Kenntniß seßen. Sie sehen, daß hier nichts Neues vorliegt und daß es das alte System ist, welches man fortfahren wird anmwenden. Wir haben nichts Anderes gethan, als daß wir dasselbe unseren Be- börde-n förmlicber erklärten, und dies, ich wiederhole es, zu dem Zwecke, um für die Zukunft jedes Mißverständniß zu verhindern.

> habe es für geboten erachtet, Sie über den Wahren Stayd dex Dinge zu unterrichten, damit Sie in Ihrer Umgebung keinerlei Zwseifel Y „Fieser Hinsicht bestehen lassen. Genehmigen Sie 11. .w. 01 .“

Bulgarien.

Sofia, 27. September. Der Prinz Ferdinand 'von Coburg ist laut Meldung des „W. T. 23.“ heute M_1ttczg aus Kula, wo er den Manövern der Garnison von Wrddm beiwohnte, hier eingetroffen. Die Minister, die höhexen Offiziere und der Bürgermeister waren demselben von hier entgegengefahren.

Das der Regierung nahestehende Blatt „La Bulgarie“ spricht sick) anerkennend Über die von Kiamil Pascha mit Genehmigung des Sultans namentlich Bulgarien gegenüber befolgte Politik aus und hofft, das neue Kabinet der Türkei werde in Nichts die Politik ändern, welche die guten Beziehungen zwischen dem Suzerän und, seinen Vasailen hersteÜte. DaH Blatt erwähnt sodann die Zusicherung des Sultans an Bulgarien, daß das Land von einer Aenderung des Kabinets nichts zu befürchten habe, Und spricht schließlich das 0039 Vertrauen in das neue Kabinet aus.

Amerika.

Vereinigte Staaten. New-York, 25. September. Unter den „Voomern“, welche nach den neu eröffneten Ländereien im Oklahoma-Gebiet aufgebrochen sind, jedoch daselbst keine Heimstätten mehr fiir sich gefunden haben, herrscht, laut Meldung des „R. B.“, in Folge des Mangels an Nahrungsmitteln dis größte Noth. Bei dem Kampf um den Vesiß des Landes ist eine verhältnißmäßig hohe Zahl von UnfäÜen vorgekommen.

Die New-York:Central-Eisenbahngeseüschaft hat sich ent- schlossen, ihre ausländischen Arkzeiter ziz entlassen. Be- sonders hart ist dieser Beschluß für die m Diensten der Gesellschaft stehenden canadischen Arbeiter; das Schuß amt aber freut sich, wie die „A. C.“ dazu bemerkt, deS Beschlusses der Gesellschaft, da es ihm bisher sehr s<wer geweffen sei, das Geseß iiber ausländische Arbeiter gegen canadische Arbeiter zur Durchführung zu bringen.

Asien.

China. Londoner Zeitungen bringen ein aus Peking vom 21. Septemher datirtes Telegramm. Danach hat die chinesische Regierung den Vertrag6miichten bestimmte Summen ais Schadenersaß fiir den Verlust an Leben und Eigenthum m Wuhu, Wusueh, Tang-Yang und anderen Orten angeboten. 4 der Rödelsführer sind hingerichtet und 21 andere zur Verbannung für kürzere oder längere Zeit verurtheilt worden, während 5 Mandarinen, welche nicht die nöthigen Maßregeln zur Aufrechterhaltung der Ordnung getroxfen haben, dem Thron zur Bestrafung angezeigt worden ind. Die chinesische ReichSregierung erkenne ihre Verantwortlichkeit zur Aufrechterhaltung der „Ordnung in den Vertragshäfen und der Beschüßung der Misstonäre im Innern an. Sie habe deshalb den Vize-Königen von Chihli und Nanking befohlen, das nördliche und südliche Geschwader der chinesischen Flotte abzusenden, um den Yangtse abzupatrouiüiren und in allen Fäkien, wo das Leben und Eigemhum der Europäer bedroht wird, S<uß zu gewähren. Die chinesische Regierung zweifelt nicht daran, daß sie alle Versuche, neue Ruhestörungen zu erregen, erfolgreich unterdrücken könne. 35 mit Geibehren gefiilLte Kisten, welche an einen britischen Unterthan, einen Beamter; des chinesischen Zollamts in Ching-Kiang, adressirt waren, smd von den ZoÜbehörden in Shanghai konfiszirt worden. Der betreffqnde Beamte wurde verhaftet und nach Shanghai ge- bracht, wo die bxuischen Behörden einen Prozeß gegenihn einleiten werden., In s31nem Besitz befand sich auch etwas Dynamit, das pack) sxmem „eigenen Geständniß für eine geheime GeseÜs<afi m Ching-Kiang' bestimmt war. Die Waffen kamen von Hongkong. Zwei andere britische Unterthemen und sechs aus-

ländische Bewo ner Shanghai's sollen in die An elegenheit verwickelt sein.h Der Generab n-ipektor der chinxsi?<en See? zölle Sir Nobert Hart und die r1-tisch6n Konsuln m Shanghai und Ching-Kiang untersuchen jest dre Sache.

Afrika.

Marokko. Einer von Kap Djubi am Freitag Abend in Gibraltar eingetroffenen Depesche des „R. B.“ zufolge ist daselbst ein offener Aufstand aus ebrochen 1_md nehmen die Mauren gegen die englische HandelSMederlage eme drohende Haltung an. Das en lische Kanonenboot „Goshawk“ ift zur Hülfeleistung a gesandt. '

Bis zum 19. U. M. reichende Nachrichten aus Lagoß in West-Afrika melden, daß fich eine brttischeExpeditxon, unter Leitung des geschäftsführenden Gouvexneurs, ngch exxiem Ort, Namens JÜaro begeben hat und König und Hauptlrtxße der Stadt iich unter britisches Protektorat stellten. EH het t weiter, daß die Nachricht hiervon in Abeokuta große Bestürzung hervorgeru en habe, da Jllaro von Abeokutg abhäng1g?ewesen und die ehörden kein Recht besessen hätten, „sich 0 ohne Weiteres unter englischen Schu zu stellen. Die Vertreter des Stammes traten sofort in beykuta zu_ einer Konferenz zusammen, zu welcher die Christen glei<f0116 eingeladen wurden, wenngleich diesen die Annexion in die Schuhe geschqhen wurde. Die Anwesenden faßten den Beschluß, dte Arzspryche der Egta- oder Abeokuta:Regierung zu begründxn und in einer Denkschrift den Behörden von Lagos;u unterbreiten. 'Es soÜxe ferner ein neuntägiger Oro abgehalten und auf diesem die Angelegenheit zur Kenntniß des ganzen La_ndes gebrachtwerden. Inzwischen sind, der „A. C.“ zufolge, zwetProklamanonen ver: öffentlicht worden, in welchen das englis che Protektoxaét über die Königreiche Addo und Illaro verkündet mird.

Statistik und Volkswirthschaft.

Deutscher Verein für Armenpflege und Wobltbätigkeit,

Die von der Jahresversammlung des Deutschen _VereinZ für Armenpftege und Wobltlyätigkeit_ in Hamburg am 'Freitag bezuglich des Zusammenwirkens zwischen öffentlicher Armen- pflege und organisirter Privatwohlthätigkeit ange- nommenen Thesen lauten:

1) Die im Wege freier Verständigung zu voUziebende Regelung eines ständigen Benehmens zwischen der) Organen der öffentlichen und der privaten Armenpflege ist, zumal fur größere Gemeinwesen, als ein Bedürfniß zu bezeichnen. _ .

2) Die Cenjralisation der gesammten öffentlichen und prtvaten Armenpflege oder der le teren aÜein ist nicht nur als ein ungeeignetes Mittel zur Herstellung ol<er Verbinduyq zu erachten. sondern auch im Hinblick auf den Anlaß und die Zwecke der Armenpflcge als schädlich zu verwerfen.

3) ES ist dagegen anxustreöen: ' " _

11. Eine Zusammenfassung durchaus gleichartiger Wobltbattgkeits- bestrebungen durcb Verschmelzung nicbt gleichartiger aber verwczndter Bestrebungen durch HerskeÜung einer gemeinschaftlichen Oberleitung.

b. Die wechselseitige Vertretung der Organe der öffentlichen und privaten Armenpflege in der Leitung der öffentlichen und privaten Armenpflege-Einrick1tungen.

0. Die HersteUung eines geregelten Meinungßaustausäyes zwischen den sämmtlichen Organen der öffentlichen und privaten Armenpflege, insbesondere durch gegenseitige Kenntnifzgabe der Zwecke der einzelnen Veranstaltung, durcb Zusammenkünfte Behufs Besprechung über Er- fahrungen und wichtige Fragen aus dem Gebiete des Armenwesens, durck; gegenseitige Bekanntgabe der gewährten Unterstüßungen.

(1. Als ein geeignetes Mitte! zur Förderung eines Meinungs- austauscbes im vorberegten Sinne ist insbesondere eine überein- LtimiFende Bezirkscintheilung der beiderseitigen Organisafionen zu

cze nen.

0. Die Hersteüung einer allen Organen der Armenpflege und Woblthätigkeit zugänglichen Auskunftsstelle.

4) Es ist auf den Erlaß geseßlicber Bestimmungen Bedacht zu nehmen, melckxe eine geeignete Aufsicht über die Armanvflege-Cinri<- tung sicher stellen und vorbehaljlicb der erforderlichen Garantien gcgen willkürliche Handhabung der bezüglichen Befugnisse zur Umwandlung zivcckwidrig gewordener Stiftungen ermächtigen,

Die von dem Verein cinqeseßte Kommission zur Prüfung der Frage, in Welcher Weise die neuere soziale Gesey- gebung auf die Aufgaben der Armengeseßgebung und Armenpflege einwirkt, besteht aus folgenden Mitgliedern: ])1-. Freund-Berlin, Freiherr von Reißenstein-Freiburg, Zimmermann-Köln. Röstel-Berlin, 1)r. Rumpelt-Glau<au, Dr. Fiesch-Frankfurt und Stadtrath 1)r. Martins-Breslau.

Die Berner Konferenz für Unfallversicherung.

Zux Charakteristik der Gegensätze, welche sich auf der Berner internationalen Konfereyz gelteny mqchten, bringt der Berner „Band“ folgende ortenttrende Mitthetlung:

Die zwei sich bekämpfenden Tendenzen haben ihren Ursprung in nationalen Eigentbümlichkeiten und wurden denn au< bezeichnet als Jermaniscbe Tendenz und Tendenz der lateinischen Völker, pezieU Frankreichs. Völkervsvcholoqisch merkwürdig ist es, daß die Franzosen mit sehr centralisirter Regierungsform dem Individualis- mus, ,die Deutschen, deren Hang zu starker Geltendma<ung der Inptvtdualität so oft hervorgehoben worden ist, mehr dem Ein- gr§1fjen der Gesammtheit und deren Organ, des Staats, das Wort re e en.

Einig find alle Redner darin, daß die Arbeiterversicherung eine Nothkyendigkcit ist, daß sie das beste Mittel bildet, den PauweriSmus etnzudammen, und daß fie sich nach und nach die Welt erobern werde. Die Franzosen gaben sogar von Anfang an zu, daß diese Versicherung eine allgemein verbindlickpe sein müsse.

Aber die französischen Redner schieden fich scharf von den deutschen Rednern darin, daß sie nicht nothwendigerweise das Obli- gatortum der Versicherung mit der Einmischung des Staats in die- selbe in_ Verbindung brachten. Im Gegentheil, sie für<ten von jeder Einmischung „des Staats in dieses Gebiet, daß die Ver- sicherung sich [cbltxßlich auf alle. Unfälle und dann auch auf alle Jnvalrditatsfalie erstrecken müffe, daß dann aber damit die Privatinitiative völlig lahmgelegt werde und die von den Arbeitgebery freiwiüig gegründeten Einrichtungen hinsiechen oder verschwinden mussen. Die Gefahr bei einer solchen Einmischung des Staats sei die, daß man wohl wisse, wo diese anfange, nicht aber, wo sie aufhöce; der Staat wolle Alles an fich reißen und Niemand anders mehr neben sick) dulden. Viel richtiger sei es also, die Be- stimmungen über den Lobmoertrag im 0066 01711 einer Revision zu unterwerfen und zwar im Sinne rer Aufnahme des Begriffes der Betriengefabr.

Dem gegxnüber machten die Deuts chen geltend, das; die Arbeits- bedingungen in der Jetztzeit so veränderte geworden sind, daß der Staat mit Nothwendigkeit *zu deren Regelung eintreten müsse. Das heiße abe„r nicht, daß der Staat Aües selber thun und sämmtliche Privattbatigkeit absorbiren müsse. Der Staat veranlaßt nur die vor- handenen Privatorßgnisationen, nicht wie bis dahin nur einem gewissen "BruckUhei von Arbeitern, sondern allen Arbeitern fich zur Verfugung zu stelXen. Die berufSJenoffenschaftlichen Organisationen bleiben selbstandig bestehen, und damit ist cine große Decentralisation geschaffen. Deshalb ist denn auch die Privatthätigkeit auf diesem

* *...-"MMA,- " -- .

Gßbilette in Deutschland nicbt zurückgegangen, sondem bat sie!; mächtig er a en.

Die französischen Redner werfen nun aber den in Deutschland und Oesterreich an ewandtm Systemen vor, der Staat werde ver- e derselben selbt zum Versicherer, denn er garantite ja in ge- wi en Fällen das Versicherungskapital, worauf die Deutschen ant- worten, der Staat sei, wenn er die Versicherung obligatorisch m_acbe, auch verpflichtet, eine gewisse Garantie für dieselbe zu uber- nehmen, um die Arbeiter zu beruhigen und ihnen Vertxauen einzu- flößen. Die Franzosen meinen hinwieder, es würdx völlig gepügen, den Versicherungßzwang, ähnlich wie die Schulpflicht, aeseßlnb zu sanktioniren, dagegen aber die Art und Weise, wie diesem Zwang mm nachgelebt werde, dem Einzelnen zu überlassen; sonst komme man zur Schablone, zur .Uniform'. _

Bl Ueber den Verlauf der Verhandlungen schreibt dasselbe

att:

Man dachte, es würden die Anhänger der beiden Hauptricbtungen - individuelle Versicherung und Staatßverficherung - ziemlich hart auf einander vlaßen. Als Anhänger 'der freien Versicherung oder individuellen Initiative wurden die Franzosen, Belgier, Holländer und Amerikaner genannt; ibre schriftlichen Berichte bestätigen im Großen und Ganzen, daß Ytese Voraußscßung zutreffe; immekbin konnte man „schon berausfublen, daß in den betreffenden Ländern in jüngster Zeit ein Umschnmng in der St'im- muna zu Gunsten der Staaxßverficherung sicb geltend macht. DtJer Umschivung ist nun durch die Verhandlunzen des Kynare es wesentlich gefördert worden und wir glauben, man duxfe die vornehmste Bedeutung des Kongresses mit den Worten verzeichnen: Der Gedanke der staatlichen Versicher'ung hat einen großen Fortschritt gemacht. Viel dazu beigetragen hat das zielbewußte Vorgehen von Deuts>land und Oesterreich-Ungarn, um von der Schweiz nicht zu reden, und das Auftreten der Delegaten der vorgenannten Staaten, welches auf die Versammlung sichtlt<en Ein- druck machte. Wir erwähnen nur der Reden des Prasidenten des deutschen Reichs - Verficherungsamts Bödiker, und können bei- fügen, daß die Anwesenheit dieses hervorragenden Fachmannes , im schweizerischen Bundeßratbhause besonders vermerkt wurde und ihre Früchte getragen bat.

War schon der Ton der Verhandlungen ein würdiger"und ver- söhnlicber, fo berührte es doppelt angenehm, daß die Anban_qer der individuellen Initiative auch in der Sache erhebliche Zugestandniffe machten. Der Vertreter der Vereinigten Staaten Amerikas, Hr. (Gould, vertrat den Standpunkt der individuellen Versicherung, welcher in Amerika Kurs hat. Er schloß aber seinen Vortrag mit den Worten: Die Amerikaner sind praktische Leute; sie werden zusehen, ob die verschiedenen Länder, so Deutschland, Oesterreich, die S<Weiz :c., mit der staatlichen Versicherung „gute Er- faHrungen machen, und wenn dies der Fall sein sollte, so_ wurden fie nicbt zögern, dieselbe aucb anzunehmen. Die Amerikaner sind überhaupt in der glücklichen Lage, sich die Beispiele, welcbe die alte Welt giebt, zu Nuße zu machen, und werden auch in der Frage, die Gegenstand unserer Beratbungen bildet. sich dem Vorgehen anderer Staaten anschließen, sobald dasselbe fich be- währt haben wird. Ich bin hier in offizieüer Mission, als Delegirter meiner Regierung, und ich bekenne, daß ich auf diesem Kongreß viel gelernt habe und daß ich mit Erstaunen und Bewunderung zu dem Gebäude aufblicke, das einzelne Staaten für die Verficherung ibxer Angehörigen aufgerichtet haben. Es ist das ein gewaltiges, gemein- nüßiges Wkrk, weickoes da unternommen wurde.

In der Schlußsißung am Sonnabend wurde folgende Resolution einstimmig angenommen:

1. Der Kongreß und das permanente Comité werden sich künftig nennen: „Kongreß und Permanentes Comité betreffend Betriebsunfälle und Sozialversicherung.“

11. Verhütung und Entschädigung von Betriebs,- unfällen. Es ist eine gebieterische Pflicht unserer Zeit, dre Betriebsunfäae und Berufskrankheiten durch geeignete Vorbeugungs- maßrFeln so vici wie möglich zu verhüten und deren Folgen gut- zuma en.

0. Was die V0rbeugung§mas3regeln betrifft, so ist es wünschens- wertb, die Privattbätigkeit mit derjenigen der Genossenschaften und des Staats zu Verbinden.

b. Was die zu gewährenden Entschädigungen anbelangt, so_ist es um dieselben unter allen Umständen sicher zu steuen, nothwendig, dacé sie auf dem Wege der Versicherung erfolgen, die in jedem Lande na dessen Eigentbümlicökeij einzurichten ist.

0. Dabei weist der Kongreß auf die Zweckmäßigkeit einer Ver- bindung der Versicherung für die leichten Unfäüe (mit vorübergehend,“ ErwerbSunfäbigkeit) mit der Krankenversicherung im AÜgemeinen bm.

Für die Länder, welche eine Invaliditäts- und Alter?- verfickoerung einführen wollen, erscheint es vortheilhaft, diefelbe„mt der Versicherung für schwere Unfälle (mit danernder Crwerbßunfabig- keit) und Berufskrankhsiten zu verbinden.

111. Statistik. Ucberzeugt von der Noibwendigkeit, durcb gute Statistiken der Geseßgebung. über Sozialverficherung eine Grunx- lage zu schaffen, sowie von der Nüßlichkeit, diese Stgtistiken fur jeden Staat auf einer Basis anzulegen, welche internationale .Ver- glei<ungen erleichtert:

o.. wünscht der Kongreß,_ daß die verschiedenen Staaten, sofern dies nicht bereits geschehen ist, in methodischer Weise und so um- fassend wie möglich Erhebungen über die Betriebßunfälle veranstalten unödchtdenselben eine zuverlässige Berufsstatistik zu Grunde legen m en;

11. der Kongreß bestätigt seinem permanenten Comité den Auf- trag, das Studium über die einbeitliäoe Anlage einer internationalen Unfallstatistik forjzuseßen, und verbindet damit die Einladung, diese Anlage, gxgebenenfalls im Einvernehmen mit dem internationalen- statistisäoen Institut, dem internationalen Ausschuß für Gesundheits- pflege und Demographie und anderen üblichen Korporationen, dem nächsten Kongresse vorzulegen, um dadurch eine internationale Ver- ständigunq über die jener Statistik zu Grunde zu legenden Normen, wie beispielSweife die Namensbezeicbnung der Todeßursachen und der Berufsatten, herbeizuführen,

117. Nächster Kongreß. Der nächste Kongreß, betreffend Betriebßunfätie und Sozialversicberung wird frühestens in zwei und spätestens in vier Jahren stattfinden. Zeit und Ort der Zusammen- kunft werden vom permanenten Comité, festgesetzt werden.

In der Schlußrede Warf BundeSratb Droz einen kurzen Rii>- blisk auf den Verlauf der Beratbungen des Kongresses Der Geist des Entgegenkommens und das Bestreben, sich gegenseitig zu belehren, hätten zu dem ersprießlichcn Resultate des Kongresses wesentlich bei-

etragen, auch die Vexschiedenheit der Sprachen veranlaßte keine Kon- ufion, Die Beschlüsse bedeuteten einen wesentlichen Fortschritt auf dem Gebiet der Arbeiterfürsorge; sie bekundeten . daß man einkm internationalen Einverständnis; in dieser Richtung aÜseitige Unterstüßung und Sympathie entgegenbringe. Cs gebübre der beste Dank a en Rednern„ welche durch ihre gehaltvollen Referate oder durch spezielle Mittheilungen über einschlägige Fragen um die Förde- rung der Sache sich verdient gemacht haben. Mit angenehmen Ge- fühlen, in vollständiger Harmonie könne man sich trennen, mit dem Bewußtsein, daß die Arbeiten des Kongresses zur Verbesserung des 800128 der arbeitenden Klaffe beitragen dürften; immerhin sei es nun Sache jedes einzelnen Mitgliedes, in seinem Lande und in icinen Kxeisen auch weiter für die Durchführung der vom Kongreß als zweck- maßig era<teten Maßnahmen zu wirken. Damituklärte Redner den Kongreß als geschlo en, mit dem Wunsche auf Wiedersehen beim nächsten Kongreß.

Darauf „ergriffen noch Präsident Dr. Bödiker aus Berlin und Cbeyßon aus Paris das Wort. Es gebührt sich, den beiden Prä- sidenten des Kongresses, Droz und Linder, den Tribut tiefsten Dankes abzustatten und ihnen die höchste Verehrun außzusprecben für ihre Verdienste bei der Vorbereitung des Kongre es und dem gelungenen Verlaufe desselben: Nachdem noch Droz für diese sympathischen Worte gedankt, löite sich der Kongreß auf.

. 1881/2 ( J :

Zur Arbeiterbewegung.

„kn Spiesen (Saarrevier) fand am Mittwoch eine öffentl-i e Berßarbeiterversammlung ßatt, welche von etwa 60 Per onen esucht war und von dem Vorfi enden des Rechtsschußvereins Warren eröffnet wurde. „Dem orsißenizen des Deutschen Bergarbeiterverbandes, Schröder, tzxr gleich- falls anwesend war, wurde der „S. und W[- ZZ. _zufolge von dem Wirth des Versammlungslokals der tritt ver- weigert. Ueber die Verhandlungen der Versammlung ent- nehmen wir dem erwähnten Blatte Folgendes:

Hr. Thome, dem zunächst das Wort extbeilt wurde, el in längerer Rede über die „St. Johanner VolkSzettung“ und das eun- kircber „(Glück auf“ her. Das leßtere Blatt habe es vzrstanden, Schröder so herunterzumachen, daß alle Welt vor ihm zuruckscbxecke. Der Redner sprach ferner über die Wahl der Vertrauenßmanner und des Vorstandes, sowie über Gemeinde- ,und Reichstags- wahlen. Bei Gemeindewahlen müsse darauf hingewirkt werden, daß mög1i<st viele Arbeiter im Gemeinderats) vertreten seien. Dann tbeilte er mit, daß Kamerad Schröder sechs Monate lang fernen Wobnfiß im Saarrevier zu nehmen gekenke. Der zweite Redner, Nikolaus BerWanger aus Bildstock, bedauerte den_mangel- haften Besuch der Versammlung und sprach dann uber die Parteiangebörigkeit des Kameraden Schröder , wobei er be- merkte , daß es einerlei sei und im Verein mcht darauf gesehen zu werden brauche , weleher Partei er angeböre. Schröder als Sozialdemokrat vertrete ihre gemeinsame (ze- reibte Saa'ye, wie sonst Einer im Verein. 21an arbeite darauf bin, die Bergarbeiter in das frühere Elend zurückzustoßex. Der Präsident,Warken_ bezeickmete die als Schurken, die fruher fur und jeßt egen den Verein resp. Vorstand seien. ' '

In Bezug auf diese Bergarbeiterversammlung in Sptesen wird der „S. 11. Bl. Ztg.“ noch geschrieben: Recht lebhafte Anstrengungen machen die Sozialdemokraten, um unter den Bergleuten Anhang zu gewinnen. Für die Versammlung am Mittwoch batten sie nicht nur Hrn. Schröder aus Westfalen , sondern auch den von früher her in der Umgegend bekannten Hrn. Dullens verschrieben, der aber ebenso wenig wie jener zum Wort kam. Hoch muß man es der großen Mehrzahl unserer Bergleute anrechnen, daß sie mit dieser Gesellschaft nichts zu schaffen haben wouen, und „aUe Anerkennung verdienen auch die Wikibe, daß fie für solche Leqte iHre Säle ni<t hergeben. Jm Saarrevier soll die Sozialdemokratie nicht festen Fuß fassen, dazu möge Jeder nach besten Kräften mitwirken.

Der Delegirtentag der österreichischen Berg- und Hütten- arbeiter ist auf den 18. und 19. Oktober 1). I. verschoben worden, da, wie der „Vorwärts' meldet, die getroffenen Vorbereitungen nicht genügten. Der Kongreß der österreichisch-ungarischen Müh lenaröeiter, welcher Mitte August in Prag tagte, war von 284 Delegirten aus allen Theilen Oesterreich-Uxigarns besucht. Es wurde 11. A. beschlossen, ein Fachblatt in deutjcher und czechis<er Sprackpe beraußzugeben. Die erste UYmmer dieses Blattes erschien am 11. September in czechischer Sprache, während die dcuts<e Nummer am 9. Oktober erscheinen wird.

Ans Reichenberg wird der „Kökn, Ztg.“ telegrapbirt, daß der Tbeilausstand der Glasarbeitec im Isergebirge be-

det ist. en Wie demselben Blatt aus London berichtet wird, haben sechs- hundert Arbeiter des Waunddyk-Bngrverks, Ebbio Vale, Monmouth, am Donnerstag die Arbeit eingestellt, weil einige ihrer Gefährten sich weigerten, > die Miners Federation, der die Mehrzahl angehört, einzutreten.

Ein heutiges Pariser Telegramm des .Wolff'sÖen BureauS' theilt mit. daß ein von der Arbeiterpartei (Richtung Guesde) vorbereiteter Antrag auf Errichtuxig eines nationalen Arbeitssekretariats die Thätigkeit des „leßteren dahin feststeÜt, daß das Sekretariat die statistischen Berichte bezüglich der Arbeiterorganisation und Arbeiterbeweyung zu be- arbeiten und zu centralisiren, sowie die Korrespondenz mit den aus- ausländiscben Arbeits-Sekreiariaten zu führen habe. Dem natwnalen Arbeits-Sekretariat sollen Delegirte der Arbeitsbörsen, der Syndikate und einzelnen sozialistischen Parteigruppen angehören. - Der Antrag Guesde dürfte voraussichtlich von allen sozialisti- schen Gruppen angenommen werden. Letztere. legen auf die Errichtung eines Sekretariats großen Werth; da dieses m den Fällen eingreifen soll, wo französische Arbeitgeber sick) fremder Arbeitskräfte gegen die einheimischen bedienen wollen und 7100 70152; ferner soll dem Sekretariat die Veranstaltung der Mai-Manifestation

obliegen.

OstiUdiens Getreideausfuhr.

Die schlechte Ernte Rußlands verleiht der Beisteuer des britisch- indischen Kaiserreiches zur Ernährung Europas eine doppelte Wichtig- keit. Die „Stajist. Corr.“ entnimmt deshalb dem leisten Blau- bande') eine Anzahl darauf bezüglicher Nachrichten. Ein Blick auf den gesammten Handelßumsaß macht kund, welcbe Stellung dem Getreide darin zukommt; im Iabresdurchscbnitte betrug der Werth: Lak (d. l)- 100000) Rupees zu 192,4524 deutschen Rei<svfennigen der

Thalerwährung eingeführt ausgeführt

baumw. andere Edel. G3. Bauma Opi- andere Edel-

für den (Garnu , Zeitraum WaareÉWaaren metal] tretde wolle um Waaren metall

1843/4-47/8 390 534 319 92 183 521 594 136 1848/9-52/3 461 589 466 83 294 615 847 1853/4-57/8 613 733 968 248 286 701 1046 1858/9-62/3 1049 1240 1506 350 921 1062 1166 1863/4-67/8 1436 1557 1918 463 2912 1091 1372 1868/9-72/3 1777 1570 1014 464 1880 1160 2083 1873/4-77/8 1907 1850 960 732 1258 1178 2740 1878/9-82/3 2239 2426 1.050 1295 1266 1297 3506 1883/4-8'7/8 2612 3256 13431654 1327 1081 4622 1888/9. . . . 3151 3793 13841594 1504 1051 5556 178. Unter den Artikeln der Einfuhr zur See sind 45 hervorgehoben und al1e übrigen, davon auch Getreide, in eine einzige Zeile zu- sammengefaßt; aus dem 141135901“. erfährt man also nicht, wie viele Frucht dem indischen Reiche von fremden Ländern geliefert morden ist. Anderseits giebt die Tabelle der Ausfuhr zur. See 33 Artikel einzeln und neben der Reihe „6112 anderen Artikel“ (indischer HZrkunst) noch „fremde Erzeugnisse oder Fabrikate" an, worunter naturlich das zur Wiederausfubr bestimmte fremde Getreide Mitbegriffen ist. Die HandelsbeWegung über trockene Grenzen ist bekanntlich gering. Indem wir nock) erwähnen, daß die indische Statistik vom Getreide die Sämereien (86665) durchweg unter- scheidet, iyorauf man leider nicht überall achtet, stellen wir die Tabelle der seewartigen Ausfuhr auf; dieselbe betrug (ein Hundredweigbt Avoirdupois von 112 Pounds = 50,802377 kx) an (Getreide und

Hülsenfrüchten: R i W 1 im e s: e zen: Reis: Weizen: andere: Jahre Tausende Rupien Werth 84 028 11 243

Tausende ths. 1879/80 . . . . 22 166 2 202 3399 90 572 32 779 3765 83 082

1880/1 . 27 266 7 444 88 696 3329 84 763

. 28 888 19 901 . 31 258 14 194 60 888 3197 . 27 040 21 001 83 621 88 958 3652 . 22 052 15 851 71 923 63 160 3871 . 28 223 21 069 92 471 80 053 3599 1887 8 . 26 879 22 264 88 368 86 260 5648 18 8/ . . . . 28 533 .13 538 92 917 55 624 6864

8 /9 . , . „23145 17 611 79154 75 233 5062 f“ dOchleicb dte brtjiscbe Regierung den Anbau des Weizens zu be- or ern ncht, haben mangelhafte Ernten doch zeitweise die Ausfuhr

) Statisbimu 4118121601: 1'61abing to ]ertisb Tnäja from 1879/80 to 1888/89. ?NeurF-fomtb 1111111561". 1101171011 1890.

1882/3 188374 . . . 1884/5 1885/6 . . . 1886/7 . . .

*

dieser Frucht beträchtlich verringert, und es bleibt fraglich, ob die unter der "Gunst eines anhaltenden Friedens stark wachsende Bevölke- rung nicht den möglichen Mebrgewinn bald selber aufzuzebren genötbigt ist," wenn der Weizenanbau sich nicht beträchtlich vermehren läßt.

Kunst und Wissenschaft.

Bremen ist durch die Freigebigkeit eines seiner Mitbürger um ein hervorragendes Kunstwerk reicher geworden. Es handelt sich um einen prachtvollen Monumentalbrunnen, welchen der be- kannte Großkaufmann Heinrich Gildemeister seiner Vaterstadt verehrt hat. Das sebr werthvolle Kunstwerk, welches an der Kreuzung der BiWarcksiraße und Schwachhauser Chaussee Aufstellung aefunden hat, ist am 23. d. der Oeffentlichkeit übergeben worden. Schöpfer des Werkes ist der in Rom lebende bekannte Künstler A u g 11 | S o m m e r. Seit der Vollendung der Trevpe der Güldenkammer ist, nach Arthur Fitger's Ausspruch, in Bremen kein Kunstwerk aufgestellt worden, welches gleich dem neuen Brunnen so einwandslos und frei von allem Wenn und Aber anzuerkennen wäre. Die Brunnen- skatue stellt, wie der „Hann. Cour.“ bkricbtet, einen Centauren dar, der, von einer riesigen Schlange vielfach umwunden, diese mit gewaltiger Faust dicht unter der Kehle gepackt hält und so iödt'lich zusammenpreßt, daß sie ihren Geifer in hohem Strahl gen Himmel svrißt. Die zurückgebeugte, außf einen Felsblock fich stemmende Gestalt ist in anderthalbmal LebenGarö e aus Bronze hergestellt. Das Wasser- becken besteht aus edlem rojben Granit; der Boden desselben ist mit einem Ornament von Delphinen und sonstigem Waffergethier in reicher Mosaikausfübrung bedeckt. Der Felsblock trägt die Inschrift: „Seiner Vaterstadt Heinr. A. Gildemeister. Entworfen und 0118- geführt von A. Sommer, Rom 1890.“

Land:- und Forstwirthschast.

Ernte.

Nach den der italienisében Regierung über den Ausfall der dies- jährigen Weizenernie in Italien aus den verschiedenen Landes- tbeilen auf telegrapbtscbem Wege zugegangenen vorläufigen Mit- theilungen sind in Italien geerntet worden in

Piemont ...... 3 538100 111 oder 96% einer Durschnitißernte Venetien 3556 600 800/9 Lombardei ..... 3445000 900/o , Ligurien . . . . . . 195 000 929/0 , , Emilia ....... 5 319 500 87 0_/c1

Marken 4 653 300 , 98 0/0 .

Umbrien

Toskana 3 798 200 96 % Latium . 1 850 000 110 % Süditalien (Ost) 5 901 900 89 0/0

Süditalien (West) 5 028 100 93 9/0

Sizilien 6 282 000 . 96 0/0

Sardinien . 1 421 500 , 139 0/0 . ,

zusammen . . . . 43 942 900 111 oder 940/0:einer Dur<s<nitt8ernte, wovon 84 9/0 gute Qualität.

Wahrend der vergangenen fieben Jahre wurden geerntet

1884: 40 993 894 111 oder 88 0/0 einer DurchschnittSernte,

1885: 38 858 590 , 340/

1886: 39 799 503

1887: 42 048 421 90,2 0/0

1888: 36 739 208 78,8 [)/0

1889: 36592900 78 0/9

1890: 46 562 100 95,8 0/0

1891: 43 942900 , 94 0/0

Die (Gersten-Ernte lieferte in Italien 3 294 700 111, d. [). ettva 85 0/0 des vorjährigen Ertrages.

Handel und Gewerbe.

Tägliche Wagengestellung für Kohlen und Koks an der Ruhr und in Oberschlesien.

An der Ruhr sind am 26. d. M. gestellt 10 363, nicht re<t- zeitig gestellt keine Wagen.

In Oberschlesien sind am 25 d, M. gestellt 4181, niebk re<tzeitig gestellt keine Wagen, am 26. d. M. sind gestelLt 4057, nicht rechtzeitig gestellt keine Wagen.

Berlin, 26. September. (Wocheubericht für Stärke, Stärkefabrikate und Hülsenfrüwte von Max Saberskv.) la. Kartoffelmebl 263-273 .“, 1a. Kartoffelstärke 263-273 .“, 110. Kartoffelmebl und - Stärke 243-26 .“, gelber Svrup- 293-303 .“, Cavillair = Export 31-313 .“, Capillair - Syrup 303-31 .“, Kartoffelzucker gelber 293-303 .“, do. Capillair 303-31 .“, Rum-Couleur 38-39 “. Bier - Couleur 37-38 .“, Dextrin, gelb und Weiß, 19. 333-353 .“, do. sekunda 29-33 “, Weizenftärke (kleinst. 46-48 “, Weizensiärke (großst.) 513-523 .“, Hallesche und SM sche 513"522 “FQ, Reisstärke (Strahlen) 47- 48 .“, do. (Stücken) 44-45 .“, Mais-Stärfß 34-36“, Schabe- stärke 36-37 .“, Victoria-Erbfen 22-26 .“, Ko<erbsen 22-25“, grüne Erbsen 22-25 .“, Futtererbsen 183-193 .“, Leinsaat 27-283,Linfen, große 48-64, do.mittel 38-48, do.kleine 28-38 .“, gelb.Senf24-32 .“, Kümme134-40 .“, Mais [oco 15-17 .“, ferde- bohnen 18-193 .“, Buchweizen 17-19 .“, inländische weiße ohnen 23-25 “, Weiße Flachbobnen 24-27 .“, ungarisckye Bohnen 20- 22 .“, galiziscbe und russische Bohnen 18-20 .“, Wicken 153-17 ..“, Kanfkörner 23-25 .“, LeinkucHen 183-193 .“, Weizenscbale 13-133“,

oggenkleie 14-143 .“, Napskuchen 143-153 .“, Mohn, blauer 48-54 “, do. weiße! 60-72 .“, Hirse, weiße 22-25 .“ WTes per 100 kg ab Baba bei Partien von mindestens 10000 ke.

- Vom oberschlesischen Eisen- und Metallmarkt berichtet die „Schles. Ztg.“: Die Robeisenpkoduktion blieb Weiter eingeschränkt: die Bestände haben sich geli<tet und das frisch erblasene Roheisen kam flott zur Abfuhr an die Werke. Für Wa lzeisen, besonders Handels- und BaukonstruktionSeisen, gehen die Spezifikationen noch ziemlich zahlreich ein, sodaß der Betrieb bis jeßt ungeschwä<t erhalten werden konnte. Diejeni en Walzwerke, welcbe bevorzu te Qualitäten liefern, sowie aue Sta lwerke, welcbe EisenbahnbedarZS- Material hersteÜen, sind sogar nach wie vor. stark beschäftigt und mit Aufträgen auf Wochen hinaus versehen, Auch die Blecbwalzwerke sind in vollem Betriebe und namentlich Feinbleche stark bexzehrt. Der Betrieb sämmtlicher Walzwerke läßt sonacb nichts zu wünschen, die Preise sind jedoch Angesichts der anständis<en oxid westfälischen Konkurrenz keine nußbringenden. Die Eisengießereien haben mit Anfertigunkz von Bau- und Maschinenguß, Röhren, Platten und Ofengary turen vollauf zu thun; es ergeht ihnen jedoch ebenso wie den ubrigxn Werken, da sie in Folge der herabgedrückten Preise nur „wenig Nutzen erzieken können. Da egen befinden sich dte Mas chinen- und Kes s elfabriken ?owie die Eisenkonstruktions-Werk- stätten in günstigerer Lage; dieselben arbeiten noch zu lobnexi- den Kreisen; namentlich gilt dies von den le texen, weiche fur Brii enbauten, Hersteklung von massiv eisernen" ebauden'mtt Well- blechbedacbung 2c. lohnende Aufträge auf langere Zett besi en. Draht- und Nägelfabriken sind gut beschäftigt, und finden bre Fabrikate nach dem In- und Außlande starken, bei 5er westfälischen

onkurrenz jedoch wenig lohnenden Absaß. Das ©es<aft m gewalzten und geschweißten Röhren, rob wie verzinkt, ist bei guten Preisen fehr lebhaft; neue Aufträge können nur unter Ausbedingung v,on Liefer- fristen entgegen genommen werden. - Der Zinkmarkt tendtrte ruhig, aber fest. Blei und Bleifabrikate unverändert.

- Wie die „Köln Ztg.“ meldet, hat der westdeutscheGrob- blechv erband in seiner vorgestrigen Hauptversammlung beschlossen, an den bisherigen Preisen festzuhalten. Die Bestrebungen nach einer festen Verbandsform werden fortgeseßt.

- Das „Gewerbeblatt aus Württemberg“, beraus- gegeben von der Köni lichen CentralsteUe für Gewerbe und Handel in Stuttgart, hat in r. 39 des 43. Jahrgangs vom 27. September

0 ' !

85Z4 %

des ewerblicben Eigentbums. - Ventilation für Aufenthaltßräume von enschen. - Ueber Celluloid. - Verschiedene Mittheilungen, _ Neues im Landes-Gewerbe-Museum. - Thätigkeit des chemii<en Laboratoriums.

- Nach Depeschen aus Buenos-Aires, welche der .Hamb Börs-Zig.“ vorliegen, hat der argentinische Kongreß ein soeben von“ dxr Regierung veröffentlichtes Gese beschlossen, nach welchem die funfprozentigen Gold-Cedulas der ational-Hywtbekenbank in acht- prozentige Papier-Cadulas umgewandelt werden sollen. Zum Zweck dieser Konvertirung sol] eine Anleihe von 5 Millionen Papiergeld aufgenommexi werden. Die insen soüen übrigens am 1. Oktober und auch fernerhin pünkllich beza lt werden.

, Leopoldshall, 26. September. (W TV.) In der Heutigen Sitzung des Aufsichtßratbs der Vereinigten chemischen Fabriken 531 Leop oldsba [ 1 wurde beschlossen, von dem (Gewinne von 807253 .“ emen Betrag von 444 000.“ abzuschreiben und der Generalversamm- lung vorzus<laaen, 50/0 Dividende auf die Stamm-Pcioritäten und 23 0/0 ayf die Stammaktien zu Vertheilen.

Leipzig, 26. September. (W, TB.) Kammzug-Termin- bandel. La Plata. Grundmuster 13. per September - .“, 2x Oktober 3,573 .“, ver November 3.60 ;“, wer Dezember 3,623 ZL, per Januar 3,673 .“, ver Februa? 3,70 .“ yer März 3,723 .“, Per Avril 3,723 .“, per Mai 3,75 .“, ver Juni 3,773 «“, Per Juli 3,773 3“, per August 3,773 .“ Umsay 290 000 kg Ruhig.

Hamburg, 26. September. (W. T. B.) Wie die „Hamb. Börsb.“ meldet,. wurde heute die erste Sendnng amerikanischen Schweinefleiscbes „durch den (Generalvertreter Dexttschlands für Swift u. Comp in Chicago bier eingeführt.

Wien, 28. September, (W. T. B) AUHWeis der Südbahn in 'der Woche vom 17. September bis 23. September 901248 Fl., Mmdereinnahme 37 094 F1.

London, 26. September. (W. T. B.) Wollauktion. Lek)- baftere Betheiligung. Preise unwerändsrt.

An der Küste 3 Weizenladungen angeboten.

- 28. September. (W. T. B.) Die Getreidezufubren betrugen in dxr Woche vom 19. September bis 25. September: englischer Weizen 3828, fremder 69 880, englische Gerste 1047, fremde 22 732, engüscbe Malzgcrste 16 340, frsmde -, englischer Hafer 1079, fremde! 94 733 QUE, englisches Mehl 16 977, fremdes 44 033 Sack und 10 Faß.

Marseille, 26. September. (W. T, B.) Die Einfüh- rrxng russischer Hammel ist in beträchtlicher Stcigerung be- grtffen' gxstern trafen hier zwei Odeffaer Dampfer mit 4700 Stück ein.

Mailand, 26. S-vtkmber. (W. T. B) In einer Heute Nachmxttag stattgehabten Sißung des AUfsL<t§ratbs der „1331109. JsSUSUÜS“ erstattete die Direktion einen eingehenden Bericht über die Lage des Jnstitnts, aus welcvem hervorgeht, daß tron der herrschenden Krise der (Geschäftßgang bixhec ein befriedigender geWesen und daß die Bank über bedeutende fsüsfiNe Mittel verfüge.

Haag, 26. September. (W. T. V.) Zum Präsidenten und Direktor der niederländischen Bank wurde N. P. Van den Berg ernannt.

_New-York, 22. September. (W. T. B.) Nach anfänglicher Festigkeit der Börse Trat spätex eine theilweise Abschwächung ein, der Schluß gestaltete sich bei index; Wenig belebtem Gesckyäft, wieder fest. Der Umsaß der Aktien betrug 289 000 Stück. Der Silber- vvrratb wird auf 4100000 Unzen geschäßt. Die Silber- verkäufe betrugen 55 000 Unzen.

Der Werth der in der vergangenen Woche angeführten Waaren betrug 10370969 Doljars gegen 7326 575 Dollars in der Vorwoche; davon für Stoffe 2121554 Doliars gegen 2324 084 Doüars in der Vorwoche.

Submissionen im Auslande.

Rumänien. _27. Nowember (neuen Stils). Galaß, Bürgermeisteramt (1311- 11111113): Bau und Betrieb einer Pferdebahn in der Stadt Galas. Näheres an Ort Und SteÜe.

Verkehrs-Anstalien.

Laut Telegramm aus Aachen ist die erste englische Post über Ostende vom 26. d. M. ausgeblieben. Grund: Verspiiiete Landung des S<iff€§_ von Dover in Ostende wegen stürmxschen Wetters und Zugverwätung auf belgischer Strecke.

Bremen, 26. September. (W. T. B.) Norddeutsckoer Lloyd. Der Schnelidampfex ,Elbc“ ist Heute morgen von New- York kommend, auf der Wei er, der Reichs-Postdampfer ,Bckyern“ auf der Ausreise nacb Ost-Asien heute in Singapore, der Post- dampier „Nürnberg“ auf der „Heimreise von Australien aestern in (H enua eingetroffen. Der Postdampfer , Weimar “, na< Baltimore bestimmt, hat heute Lizard passirt. Der SÖneUkampfer ,Werra“ ist gestern Mittag in New - York eingetroffen.

Hambxira, 26. Ssptember. (W. T. B.) Hamburg- Amerikanxsche Packctfabrt - Aktienaesellschaft. Der SchneÜdampser ,Columbia“ ist, von Hamburg kommend, bkute Morgen in New-York eingetroffen, der Postdampfer „Fürst Bis- marck“ Heute Nachmittag von Southampton abgegangen.

- 27. September. (W. T. B.) Die Postdampfer ,Russia“ und .Rugia“ find, Von Hamburg kommend, heute Morgen in New-York eingetroffen.

Triest, 26. September. (W. T. B.) Der Lloyddampfer ,Thalia“ ist heute Nachmittag bier eingetroffen.

- 28. September. (W T.B.)_ Der Lloyddamvfer ,Aurora“ ist, von Konstantinopel kommend, gestern Nachmittag bier eingetroffen.

London, 26. September. (W. T. B.) Der Union-Dampfer .Spartan“ ist auf der Ausreise gestern von Southampton abgegangen.

Theater und Musik.

Lessing-Theater.

Der bekannte Erzähler Karl Emil Franzos trat am Sonn- abend zum ersten Male mit einer dramatischen Arbeit, dem Drama Der Präsident“ Vor das Publikum. Die Lorbeeren des Dramen- di<ters scheinen auf die NoveÜen- und Romandicbter in jüngster Zeit einen besonders starken Reiz aUSzuüben, renn es sind in den leßten Jahren viele geroesen, die sich von dem ihnen durch ihre besondere Begabung empfehlendcn Felde der erzäHlenden Dick)- tung abwandten, um entweder nach neuen Ideen fich im Schau- spiel zu versuchen oder wenigstcns cine besonders gelungene und durch die Konflikte packende Erzählung in ein dramatisches (Gewand zu stecken. In der Regel sist das neue Kleid nicht so schmuck und glatt wie das alte, wel<ks Form und Stoff in enger Zusammenfassung zeigte; so ist es auch K. E. Franzos mir der Um- formung seiner vor einer langen Reihe von Jahren erschienenen Cr- zäblung „Der Präsident“ ergangen. Dcr Stoff behandelt Schatten- seiten des menschlichen Lebens, Welche zumeist Fur<t und (Staufen erwecken, aber zuweilen auch ergreifen und rühren.

Der Präsident, ein hoch gestellter Bkamtek und makelloser von edler Menschlichkeit getraaener (Charakter, muß eine dunkle Sturide seines Lebens mit den fürchterlicbsten Seelenqualen und s<1ießlt< mit dem L ben büßen; er soÜ Richter seiner beinahe unverschuldet m Sünde und Verbrechen gcratbenen natürlichen Tochter sein; er entzieht sich dem qualvollen Zwiespalt der Seele, indem er seinem Kinde vor der Verurtheilung zur Flucht aus dem Gefängnisse verhilft, und sühnt diese wider das Recht streitende Handlung mit dem Tode. Viele, oft unwahrs_<1einlicbe Zufäüe müssen zusammen- treffen, um diesen 1<auerli<en Konflikt zu erzeugen, und die handelnden Personen haben ein kräftiges eigenartiges Gefühls- leben zu entwickeln, darmt man die so streng gezogenen leßten Kon- sequenzen ihrer Handlungen glaubhaft findet. In dem breiteren Rahmen der Erzählung können solche Zufälle und Cbarakterseiten

1891 folgenden Inhalt: Die neuen deutschen Reichsgeseße zum Schutz 1 intim begründet, sorgfältig geklärt Werden; in dem engeren Kreis des