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politischen Theiles des Universel nie Theil genommen und nicht eine Linie fuͤr denselben geschrieben habe.

Großbritanien und Irland.

London, 21. Nov. Lord Gordon hat den Posten als Großsiegelbewahrer von Schottland niedergelegt.

Am 19ten wurden im Oberhause, wie schon die Tage vorher, Petitionen wider die Sklaverei vorge g, Marquis von Anglesea brachte eine aus Irland, um Aufhebung der Union, ein, jedoch mit der Bemerkung, daß er selbst der Ansicht in derselben nicht beipflichte, Lord Falmouth setzte im Auftrage des Grafen von Winchilsea dessen Motion uͤber den Zustand des Landes bis zum 17. Dez. aus.

Der Courier, welcher wissen will, daß die Ernennung des Herrn Brougham zum Lord-Kanzler von Sr. Majestaͤt genehmigt sey, glaubt, daß er sich zur Annahme jenes Po⸗ stens bereden lassen werde. Andere wollen dagegen wissen, er habe gewuͤnscht, Master of the Rolls zu werden, welcher Posten lebenslänglich ist und ihm erlaubt, im Unterhause, dem Ort seines Glanzes, Sitz zu behalten; da Sir John Leach diesen Posten aber nicht aufgeben wolle, so werde Hr. Brougham sich den neuen Ministern nicht anschließen und bleiben was er ist, Repräͤsentant von Yorksphire.

Am 15. d. fiel in der Gegend von Manchester ein so heftiger mit Sturm begleiteter Regen, wie er seit 50 Jahren nicht gesehen worden war. Er dauerte anhaltend fort bis zum naͤch⸗ sten Mittag, zu welcher Zeit die Irwell 40 Fuß uͤber den gewoͤhnlichen Wasserstand gestiegen und ihre Oberflaͤche mit ruͤmmern von weggerissenen Gebaͤuden, Schobern, Mobi— lien ꝛc. bedeckt war. Die ganze Umgegend bildete vor eini— gen Tagen nur ein weites Meer. Man glaubte, daß die Ueberschwemmung einen Schaden von mehr als 100,000 Pfd. angerichtet hat.

Die meisten Portugiesischen Fluͤchtlinge sollen die von D. Miguel zu erlassende Amnestie nicht annehmen wollen.

Aus den Vereinigten Staaten sind mehrere Theile einer neuen Auflage von Dr. Websters Wörterbuch der Englischen Sprache herübergekommen, die hier gedruckt wird. Man be— merkt es als etwas Auffallendes, daß dieser Wortschatz das vollstaͤndigste und genaueste Werk die ser Art im Englischen uns von jenseits des Atlantischen Oceans zukommen muß. Doch will man behaupten, daß etliche Amerikanismen darin vorkommen. .

Nied er lande.

Aus dem Haag, 21. Nov. Die durch Koͤnigl. Be— schluß vom 1. Okt eingesetzte Staats-Kommission hat ihre Arbeiten beendigt und Sr. Majestät ihren Bericht erstattet.

Se. Majestät haben dem Oberst, Lieutenant Ledel in Oost— burg, der schon früher wegen Tapferkeit den militairischen Wilhelms-Orden britter Klasse erhalten hatte, den Nieder— laändischen Loöwen-⸗Orden verliehen, und die Provinz Seeland will diesem Offizier, dem sie die Erhaltung von Staats, Flan—⸗ dern verdankt, einen goldenen Degen schenken.

Dem n, Corps, welches das Ober-Forst⸗Amt errichtet, hat der Koͤnig die Benennung Koͤnigl. Jaͤger ver—⸗ liehen. Ihr Standquartier wird Utrecht seyn.

Unter den vielen Tapfern, die am 13ten durch Prinz . dekorirt wurden, bemerkt man auch mehrere Deut— che, unter Andern den Rittmeister von Wiebeking, einen Baier, und den Capitain von Jeetze, einen Wuͤrtemberger, beide fruͤher in Garnison zu Arnheim.

Die Direction der Riederlaͤndischen Dampfschifffahrts— Gesellschaft macht bekannt, daß auf Königl. Befehl die ge— wohnliche Dampfschifffahrt zwischen Rotterdam und Antwer— pen bls weiter eingestellt sey, und daß, weil Nymwegen in Belagerungsstand erklaͤrt worden, die Dampfschiffe von Rot— terdam nach Nymwegen in Thielen, die von Koͤln nach Nym— wegen in Emmerich übernachten müßten.

Wir haben Javasche Zeitungen vom 7. August er—

halten, wonach am 17. Juli in Batavia auf dem Basar Tanabang ein heftiger Brand gewuͤthet hatte; der Schaden war bedeutend, doch viele Guͤter noch gerettet worden. Man wußte aus Pondicheri, daß die Brigg „Annam“ aus Batavia von der Besatzung, nachdem sie den Cgpitain Nanei ermordet, nach Mascate gebracht worden, wo sie die Ladung für einen Spottpreis verkauft hatte; doch hatten die Engli— schen Behörgen schon einige der Thäter ergreifen lassen und waren den uͤbrigen auf der Spur. MNachtichten aus Tanger vom 19. August zufolge, war der Kaufmann Hassan in Tetugn als Königl. Niederländischer Konsul am letzteten Orte anerkannt worden.

Breda, 23. Nov. Die hiesige Zeitung giebt von

und eine bewegliche Kolonne bilden wollte.

dem (gestern erwahnten) gegen die Belgischen Sireifiuͤgler

ausgefuͤhrten Ceup solgenden naheren Bericht: „Nicht unge— straft ist unser Grundgebiet von einigen Insurgenten betre— ten worden, und unsere Armee, die sich seit zwei Monaten immer nur vertheidigungsweise auf dem Kriegs-Schauplatze gezeigt hat, ist endlich offensiv aufgetreten. Der Feind hatte einen kurzen Besuch in Roozendaal gemacht, und General van Geen hat darauf es fuͤr seine Pflicht gehalten, ihm einen artigen Gegenbesuch in Eschen abzustatten. Folgendes ist das Nähere darüber Rozendaal war am Freitag Mor— gen von unseren Truppen verlassen worden, weil der Ober ⸗Befehlshaber seine Truppen einigermaßen koncentriren Einige Stun⸗ den nach ihrem Abzuge zeigten sich sieben Insurgenten in Rozendaal und kuͤndigten ihre Ankunft dort durch ein gewaltiges Geschrei an. Kaum war jedoch eine Anzeige daruͤber in Etten eingegangen, als auch sogleich Sonn— abend in der Nacht um 3 Uhr eine Husaren-Patrouille mit dem Premier-Lieutenant van Voorst an der Spitze ausritt, um das genannte Dorf zu rekognosciren und sich von den: wahren Stand der Dinge zu unterrichten. Gegen 7 Uhr war die Patrouille in der Naͤhe von Rozendaal angekommen, und ein Wachtmeister von derselben ritt nun voraus, um sich im Dotfe selbst einige Nachrichten zu verschaffen. Vor dem Prediger hause angekommen, wurde er jedoch unversehens von 5 In⸗ surgenten angefallen, vom Pferde geworfen und, seines mu— thigen Widerstandes ungeachtet, gefangen von ihnen abge— fuͤhtt. Ein Husar, der dem Wachtmeister in einer Entfer⸗ nung von 50 Schritten gefolgt war und die Unmoͤglichkeit, denselben zu befreien, einsah, ritt schnell zuruck, um dem Lieu— tenant van Vootst das Vorgesallene anzuzeigen, und dieser zoͤ—⸗ gerte auch keinen Augenblick, mit seiner nur schwachen Pa— trouille im Galopp vorzusprengen, um wo moͤglich den ge— fangenen Unteroffizier aus den Händen der Insurgenten zu befreien. Nachdem er im Dorfe erfahren hatte, welchen Weg sie eingeschlagen, ritt er muthig voraus, doch war er kaum 19 Minuten auf der Straße nach Nispen vorgeritten, als etwa 20 Gewehrschuͤsse fielen, die aus einer am Wege liegen den Hecke kamen und ihn so schwer am Halse verwundeten, daß er sich genoͤthigt sah, mit den Seinigen umzukehren. Mit der Nachricht von seiner Verwundung ging auch die ein, daß der Feind das Dorf Nispen besetzt habe. So werden wir also den Kerlen einen Gegenbesuch machen muͤssen“, sagte der Genrral van Geen, und nahm Maaßregeln um am * genden Tage die Dorfer Nispen und Esschen von zwei Kolonnen angreifen zu lassen, von denen eine aus Breda uͤber Princen⸗ hage, Etten und Rozendaal und die andere uͤber Rysbergen und Zundert marschiren sollte. Da man keinen sichern Be—⸗ richt uͤber die Staͤrke der feindlichen Truppen hatte, so hielt man es der Vorsicht gemaͤß, die Kolonnen etwas stark einzu— richten. Nur eine Batterie reitender Artillerie unter dem Hauptmann Kops befand sich dabei. Der Oberst List schloß sich jedech später der Haupt-Kolonne an, um das Feuer der Artillerie zu dirigiren. Die Kolonne von Zundert wurde vom General Post und die von Rozen— daal vom General van Geen selbst befehligt; und zwar war die Abrede getroffen worden, daß sich um g Uhr beide Ko⸗

lonnen in Esschen vereinigen sollten. Sonntag gegen 37 Uhr

brach die Haupt-Kolonne, der sich ein Bataillon der Haa— ger Schutterei freiwillig angeschlossen hatte, auf und mar— schirte in einer stockfinstern, regnichten und stuͤrmischen Nacht uͤber Etten nach Rozendaal, wo sie um 67 Uhr ankam. Dort horte man, daß am vorigen Abend ungefaͤhr 50 Insurgenten sich im Dorfe die schriftliche Erklaͤrung hatten geben lassen, daß sie daselbst gewesen seyen. Sie verlangten nichts weiter, doch nahmen sie dem Herrn Woldering, der auf einem na⸗ he gelegenen Vorwerke wohnte, sechs in seinem Garten ver— grabent kleine Kanonen ab, von denen ihnen ein junger

Mensch aus dem Dorfe Kunde gegeben hatte, und fuhrten

außerdem 3 Pferde fort, die sie jedoch bald darguf, auf schrift⸗

liches Ersuchen des Schulzen von n r zuruͤckgaben.

Gegen den Herrn Woldering benahmen sie sich sehr hart unn drohten sogar damit, sein ganzes Hausgesinde zu ermorden.

Nachdem man sich bee . Menschen, der die kleinen t

Kanonen nachgewlesen, chtigt . marschirte die Ko⸗ lonne voller Eifer, den Feind auszusuchen, weiter. Vom schlechten Wege etwas aufgehalten, kam man endlich vor dem Dorf Nispen an, wo die Vedetten unserer Uhlanen auf 5 Insurgenten stießen, die, nachdem sie vergeblich versucht, ihre vom Regen durchnaͤßten Gewehre abzuschießen, die Flucht er⸗ griffen. Einer, ein Pariser, wurde mit dem Gewehr in der Hand von einem Uhlanen ergriffen und g Ober⸗Befehls ha⸗ ber gebracht. Kaum 200 Schritte von Nissen, wo man den

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Zeind anzutreffen glaubte, entfernt, kam der Major Ralofs

mit einigen Uhlanen zum General und brachte ihm die Bra⸗

banter Fahne, deren sich die Kolonne von Zundert iu Esschen bereits bemaäͤchtigt hatte, mit der Nachricht, daß der Feind dort gänzlich geschlagen und in die Flucht getrieben worden ey. Bald uͤberzeugte sich auch, der General persoͤnlich von dem Ausgange des Gefechts, bei welchem nur der Ober st⸗ Lieutenant Evers leicht verwundet und ein Feldwebel getoͤdtet worden war, waͤhrend der Feind viele Todte und Gefangene verloren hatte. Unter den Ersteren befindet sich der Capitain des Frei-⸗Corps. Ihre gewohnliche Taktik befol⸗ gend, hatten sie sich wieder in den Haͤusern postirt, doch ein Zaͤger⸗Bataillon, welches die Avant-Garde bildete, er stuͤrmte nnter dem froͤhlichen Rufe „Es lebe der Konig!“ die Haus— thuͤren und schoß Alles nieder, was sich widersetzte. Die Truppen waren bereit, noch weiter gegen den Feind zu mar— schiren, da jedoch der Zweck dieses Coups zum Theil erreicht war und der General die Graͤnzen von Nord-Brabant nicht allzusehr an der einen Seite von Truppen entbloͤßen wollte, so hielt er es fuͤr gerathen, eine fernere Bestrafung der Infurgenten einer kuͤnftigen Gelegenheit aufzusparen. Dem Dorfe wurden 13 Stuͤck Schlachtvieh und zwei gestohlene Reitpferde abgenommen, und ward der Schulze beauftragt, den Insurgenten anzukuͤndigen, daß, falls sie noch einmal in das Nord, Brabanter Gebiet einsallen sollten,

das Dorf, aus welchem sie gekommen waͤren, in Asche gelegt

werden wuͤrde. Bei dieser Gelegenheit hatte man auch das Gluͤck, den Wachtmeister, der am vorigen Tage gefangen ge— nommen worden, wieder zu befreien. Unter den Gefangenen befinden sich Franzosen, Bruͤsseler, Loͤwener, Antwerpener und auch Einwohner von Esschen, die man mit Waffen in der 9 angetroffen hatte.“

e. Koͤnigl. Hoheit der Prinz Friederich hat dem ver— wundeten Oberst-Lieutenant Evers einen Besuch abgestattet,

Heute ist hier ein Tages befehl des Kommandanten Ge⸗ nerals Wildemann, bekannt gemacht worden, mittelst dessen jedem Fremdling der Eintritt in diese Festung verboten und jedem hier bereits befindlichen Fremden die Weisung ertheilt wird, unsern Platz binnen 24 Stunden zu verlassen.

Antwerpen, 23. Nov. Dem hiesigen Journal du Commerce zufolge, duͤrfte Antwerpen fuͤr einen Freihafen erklaͤrt werden, wovon man sich viel Gutes fuͤr den hiesigen Handel verspricht.

Unsere Zeitungen melden: „Am letzten Sonnabend sind zwei Compagnieen Freiwillige aus Courtray von einem starken Corps Hollaͤndischer Reiterei an der Graͤnze jenseits West⸗Wezel uͤberrascht worden. Es scheint, daß fast Alle zu Gefangenen gemacht worden sind. Man schreibt diesen Un— fall dem gaͤnzlichen Mangel an Kavallerie bei unseren Vor— posten zu. (Vgl. Breda.)

Heute fruͤh find vier von der Citadelle kommende, nach Holland gehende Fahrzeuge an unserer Stadt vorbeipassirt; auf dem Verdecke von jweien dieser Schiffe befanden sich einige Soldaten und Offiziere, was zu der Vermuthung An— laß gieht, daß die Fahrzeuge Truppen enthielten. Zur selben Zeit kam ein Dampfboot aus Holland an, mit vier Lichter— Fahrzeugen am Schlepptau, die mit Proviantirungs-Gegen— staͤnden far die Citadelle beladen waren.

Die Hollaͤndische Station auf, der Rhede unserer Stadt ist 66. Abend noch durch ein Kanonierboot verstärkt worden.

Bruͤssel, 23. Nov. In der gestrigen Sitzung des Na⸗ tional⸗Kongresses wurde demselben folgende Mittheilung von Seiten der provisorischen Regierung gemacht;

„Nachdem die provisorische Regierung Belgiens von dem Protokolle der in London am 17. November d. J. im aus⸗ waͤrtigen Amte von den fuͤnf großen Mächten Oesterreich, Frankreich, Großbritanien, Preußen und Rußland gehalte— nen Konferenz Kenntniß erlangt, hat sie, in Betracht des in deren Namen von den Herren Cartwright und Bresson aus— gesprochenen Wunsches, alle Feindseligkeiten zwischen den Belgischen und Hollaͤndischen Truppen sogleich einzustellen, ohne daß dadurch hinsichtlich der im Protokoll vom 17. Nov. d. J. enthaltenen Verfuͤgungen, die keiner Eroͤrterung unter— worfen seyn koͤnnten, etwas praͤjudieirt werden soll, in einen Waffenstillstand eingewilligt, der als provisorische Maaßregel bis zur Beendigung der Deliberationen uͤber denselben waäͤh— ren soll, und zwar unter der Bedingung, daß die Truppen beider seits ihre Stellungen behalten werden, welche sie heute

Sonnabend 21. Nov. Nachmittags um 4 Uhr einnehmen,

und daß es in der Zwischenzeit beiden Theilen gestattet seyn soll, sowohl zu Lande als zur See mit den Gebieten, Plaͤtzen und Punkten, welche die respektiven Truppen außerhalb der Graͤn⸗ zen einnehmen, die vor dem Pariser Vertrage vom 30. Mai 1814 Belgien von den Vereinigten Prsvinzen der Niederlande trenn— ten, zu kommuniciren. Alles unter vollstaͤndiger Erwiederung von Seiten Hollands, sowohl zu Lande als zur See, werein auch die Aufhebung der Häfen⸗ und Strom Blokade begriffen wird. Um alle Verzoͤgerungen so viel als moͤglich zu vermeiden, verpflichter sich die provisorische Regierung, sogleich nach allen Punkten, wo die Feindseligkeiten fortgesetzt oder wieder angefangen wer— den koͤnnten, Befehle zu ertheilen, daß diese Feindseligkeiten ven dem Augenblicke ab, da ahnliche Befehle von Seiten Hollands angekommen seyn wuͤrden oder ankommen werden, aufhoͤren sollen. Gegeben in Bruͤssel 21. November 1830 um 4 Uhr.

Graf Felix v. Merode, S. van de Weyer, Gende— bien, Ch. Rogier, J. Vanderlin den, F. v. Coppin, Jolly.“

Ehe (wie gestern gemeldet) der Beschluß hinsichtlich der Annahme einer monarchischen Regierungsform durchging, hatten sich noch 21 Redner vernehmen lassen, worunter 7 die Vortheile einer Republik auseinanderzusetzen suchten. Die Herren Gendebien nnd van de Weyer erklaͤrten, daß sie eigentlich Republikaner waͤren, jedoch ihre Theorien zum Opfer brachten, weil diese sich den gegenwaͤrtigen Menschen und Umstaͤnden nicht anpassen ließen. Der Graf von Aer— schot meinte, ein Deputirter fuͤr Verviers (Hr. David) habe sich fuͤr die Republik erklaͤrt, weil eine Monarchie den Ueber⸗ gang zu einer Vereinigung mit Frankreich sehr erschweren wuͤrde; dies jedoch sey gerade ein Grund mehr, der ihn dazu bestimmte, sich fuͤr eine Monarchie zu erklären. Als Herr Barthélemy von Catilina's sprach, die sich gern in Bel— gien geltend machen mochten, glaubte Hr. v. Robaulx sich damit gemeint und fand sich zu einer Entgegnung veranlaßt, in der er sagte: „Nur diejenigen sind Catilina's, die keine Achtung vor der Freiheit des Urtheils hegen.“ Hr. Bar— thélemy aber replicirte: „Nicht Sie sehe ich fuͤr einen Catilina an, doch außerhalb dieser Versammlung giebt es Manner, die gern diese Rolle spielen mochten.“ Der Graf Robiano v. Boorsbeek sprach fuͤr die Monarchie in sei— ner bekannten, der Jesuiten-Partei eigenen Ausdrucksweise. Der Abt v. Foere erklärte sich fuͤr eine Monarchie mit mo— dificirter Erblichkeit, und zwar sollte ein Tribunal jedesmal erkennen, ob der Thron-Erbe zum Throne zuzulassen sey oder nicht. Dieser Vorschlag schien jedoch keinen sonderlichen Bei⸗ fall zu finden, und man begnuͤgte sich, die Frage einfach da— hin zu erledigen, daß man sich suͤr eine monarchische Regie— rungsform mit 174 gegen 13 Stimmen erklaͤrte. Das Amen— dement des Hrn. v. Robaulr wurde nur von etwa 10 Mit— gliedern unterstuͤtzß, und ging die Versammlung in diesem Bezuge zur vorläufigen Frage uͤber.

Heute haschaͤftigte man sich im Kongresse mit dem An— trage des Hrn. Rodenbach, hinsichtlich der Ausschließung des Hauses Nassau. Hr. R. entwickelte seinen Vorschlag, wobei er sich unter Anderm auch bemuͤhte, die beruͤhmten Vorfahren des Oranischen Regentenhauses zu verunglimpfen. Er wurde von den e. v. Decker, Raikem, Nothomb, C. und H. v. Brou⸗

ere, Forgeur, v. Haerne, Deleuw, Robiano v. Boorsbeek, van Snick, van de Weyer, Stassart, Blargnies und Vi— lain XIV. unterstuͤtzt. Gegen den Vorschlag sprachen sich die

erren v. Baillet, le Greele, v. Langhe, Werbrouk Peeters, Elaes und Jottrand aus. Es sind noch 22 Redner einge— schrieben, die sich uͤber diesen Gegenstand morgen wollen ver— nehmen lassen.

Die provisorische Regierung hat den bestehenden Zoll— Tarif einigen Modificationen unterworfen und denselben auch ien. die Hollaͤndische Graͤnze in Anwendung zu bringen befohlen. .

I General Daine ist hier angekommen, um sich, wie es heißt, uͤber den kuͤnftigen Operations-Plan der Belgischen Armee zu verstaͤndigen. .

Lüttich, 24. Nov.

Wir vernehmen, daß die Vorlesun⸗ gen an den drei Belgischen Universitäten Luͤttich, Lowen und Gent sehr bald wieder beginnen sollen. 3 In Folge des von Bruͤssel aus angekuͤndigten Waffen⸗ stillstandes und der Freigebung der Schifffahrt hat ein hie⸗ siger Einwohner sich an den General Dibdetz in Mastricht