1872 / 70 p. 7 (Deutscher Reichsanzeiger, Thu, 21 Mar 1872 18:00:01 GMT) scan diff

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mich trenn bicS Amenbenunt angenommen werben fodtc» nad) wie vor befugt fein müffcii/ «ommiffarien gur Ueberwaebung ber spoltge5 Verwaltung ber Stäbte gu entfenben unb fpegieü ficb ber ßanbräthe alS folchcr «onunijfartcn gu bebienen. Steine Herren! ©enn bicS aber ber galt tft» bann/ meine ich» liegt in ber Spät feine Voran- lajfung ror» an bem qefcßlich bcftcbcnbcn guflanbe etwas gu änbern. ©ic Vcfugtiiß ber Sanbrätbc/ bic *polhci-Aufji§t über bic Stäbte gu führen » grünbet fiel) auf bic Vcrorbiiung Dom 15. April ‘815. ©er §. 33 biefer Verordnung lautet: »©ic Organe/ bereu ficb bic Abteilung beS 3nncrn ber Negierung» alfo bic £anbcS*§oli,Kibcl)crbe/ gur Vedgiehung ihrer Verfügungen bebient» ftnb bic öanoräthe.« §.34. *3?bcr «reis bat einen Öanbrath.* §.36. »Solche Drtfrf)aften/ bic in ben ©rengen eines «reifes liegen/ finb ber lanbrätblicben ^Uifftd't unterworfen.« hieraus ergiebt ficb flar, baß ber Sanbratl) febon nad) ber Sage ber gegenwärtigen ©efeßgebunq eine Sheffield über bic 0täbtc nur alö ftänoiger «omnüffariuS ber Negie- rung auSüben barf, unb ich meine/ bicfc_ Vefugniß bürfte bem ßanb- rathe aud) fernerbin unbcbcnflicl)ck gti belaffcn fein; bie Aufftchtefübnmg ber Sanbrätbe über bic 93oligciangclcgcnl)citcn ber 0täbte geftattet feineSwegS eine inftangmäßige Gntfd)cibung in ?3oligetangclegcnbeiten. ©er Sanbratl) hat nur in spoligciangdcgcnhcitcn bie geeignete Anregung gu geben/ gu vermitteln/ auch wohl vorläufige Anorbmm« gen gu treffen/ er hat mit einem ©orte bic Aufftebt gu üben/ aber feine materielle inftangenmäßige Gntfchcibungcn in Voligciangclcgcn- heilen gu erlaffen. GS ift aber noch ein anbrrcr ©cfichtSpunft ber bei biefer gragc in Vdracpt gegogen werben muh/ unb ber auch/ wenn ich richtig ver» ftanben habe/ bereits von bem £crm Vcrichtcrftattcr angebeutet wor- ben ijt. Nach §.129 ber Vefchlüffc 3brcr «ommiffton foll bcm«rci8» auSfchuffc bic tnftangenmäßige Gntfcbcibung in einer groben gahl polhciltdtcr Angelegenheiten Towohl beS platten CanbcS als auch ber Stäotc übertragen werben. (£8 werben bcmfclbcn bort wichtige Gnt» fcheibungöbefugniffc in Vegug auf wegc»» waffer»# gewerbe-/ bau- unb feuerpoligeilichc Angelegenheiten» in Vegug auf AnficbclunqS- unb anberc poligciliche Angelegenheiten übertragen; ber «rciSauSfchuß hat in allen biefen Angelegenheiten gu entfeheicen/ nicht allein foweit ftc baS platte ßanb» fonbern aud) foweit ftc bie 0täbtc betreffen. ©enn 0ie nun baS Amcnbcmcnt SRiqucl anncluncn» gu welchem eigen- tümlichen guflanbe fomtnen 0ic? ©urch ben §. 1*29 cntgichen 0te in ben wiihttgftcji poltgcilicbcn Angelegenheiten ber 0täbtc ber Ncgic- rung ihre biShcrtgcn GntfchcibungSbcfugniffc unb übertragen bicfclben auf ben «rciSauSfchuß/ bagegen geben Sie ber Negierung baS minbere Siecht/ waS bisher bic ßanbräthe gehabt haben/ Sic geben ihnen bie Vcfugtitß» bic poligcilichcn Angelegenheiten bcr0täbte gu überwachen. 3ch feilte meinen ( in biefer ©cifc wirb ein ©maliSmuS gcfchaffcn» ber in ber 3;ßat nicht gerechtfertigt ift; cS wirb bie VcgirfSrcgienmg bent «rciSauSfthuffc gegenüber in eine 0tellung gebradft» ber jcbenfadS ber 0tcllung ber Negierung nicht entfprcchmb er- fcheint. ©ang naturgemäß bagegen laffen ftd) bie Vcfttmmun- ^en beS §. 129 mit ben Vcftimmungen beS §. 74 ber Ncgic- rungSvorlagc vereinigen: ber «rciSauSfchuß trifft bic inftangmäßige Gntfthcibung in ben Voligci-Angclcgcnheiten ber 0täbtc/ wäbrenb ber ßanbratt) alS Vorftßenbcr beS «rctSauSfchuffeS bicfclben überwacht/ bie geeignete Anregung giebt unb/ foweit nötpig/ auch vorläufige An- orbnungen trifft. 3ch fällte meinen/ baß baS Spftem ber NcgicrungS» Vorlage ein ffarcS unb fonfcquentcS ift/ wcldtcS ben Vorgttg verbient vor ben beiben SlmenbementS ber ^errett Slbgg. von ^arborff unb mqutl 3ch muß/ waS fpegied ba8 Slmenbentent beS £erm Slbg. von Äarborff betrifft/ fagen ck baß gegeti bie Sinnahme bcffelben auf ben erften Slnblitf gwar weniger ^ebettfen obguwalten feheinen/ alß gegen baS Slmenbcment beS §errn Slbg. SJbiqncl / allein ich glaube/ c8 wirb burch bic Sltmahmc auch biefeS SlmenbcmentS in bte geganrärtige flcfcßliche Sage ber Serhältniffc nur eine llnflarbcit hinemgetragen/ unb baher möchte ich bei meiner anfänglichen SMttc flehen bleiben/ gleichmäßig Slmenbement von S\arborff/ wie Slmcnbcmcnt SKiqucl abgulehnen. 3n ber ©iSfujfion über §. 83 unb bic 5lmcnbcment§ v. iX^alliitcfrobt, v. ©engin unb Dr. Zirchow, erflärte bcrfclbe S^egierungS^omtniffar: Steine ^errett! 3(h möchte mir erlauben/ 3bnen im kanten ber 0taatSrcgicrung bie Sinnahme ber SicgicrungSvorlage/ eventuell mit bem Slmcnbcmcnt bc8 £erm von S^allincfrobt ober bemienigen beS ^ckcrrn v. ©engin gu empfehlen. 3# glaube/ meine Herren/ baß baS S3rtngip/ welches ben ^ommifftonSbefchluffen gu ©runbe liegt/ nach SluSweiS ber 3hnen mitgctbcilten ftatiflifchcn Nachrichten fein richtiges ift. ©er §. 83 ber ^CommifftonSbcfchltiffe fpricht auS ; baß bem SBahlvcrbanbc ber größeren länblichen ©runbbefißcr alle bicjcnigeit angehören fallen/ welche bie erfteHälfte ber ©runb- unb ©ebäubefieuer gahlen. Nun/ meine Herren/ aus ber3bnen vorliegenbenNachwcifungergtebt ftch/ baß in einer nicht geringen Qabl von Greifen bie erfte §älfic ber ©runb- unb ©ebaubc- flcuer hinabreuht bis gu 10/ 8, 7 unb 5 §hlr. ©er £ckcrr Söerichterflatter hat meines Trachtens bereits mit Nccht hervorgehoben/ baß man un- möglich einen ßätbner ober fleinen ©runbbcftßcr / ber nur 7 ober 8 Shlr. ©runb- unb ©cbäubcftcuer entrichtet/ gur Ätategorie beS großen ©nmbbefißeS rechnen fann. ©8 hat aber nach meinem ©afür- haltcn immer etwas ScbcnflichcS/ ein S3rmgip an bic 0piße gu ftellen unb baffclbe nicht fonfequent gur ©urchfübnutg gu bringen. SScil aber 3hre ^onuniffton von vornherein bcrSlnftdd war/ baß bic flrcnge ©urchführung beS von ihr acceptirtcn ^pringipS gu großen Sütißver- hältniffen führen würbe/ hat ftc eS für nothwenbig erad)tet/ wenn ich fo fagen barf/ ein 0icherheitSvcntil nach unten hin angubringen unb vorgtifcbrcibcit / baß ade biejenigen ©runbbcftßer / welche nicht WcnigflcnS 75 2:hlr. ©runb- unb ©cbäubcfrcucr entrichten/ bem SSahl- verbanbe ber größeren ©runbbcfißcr nicht angehören foUcn. 3nbcm

3hre ^omtnifiTon biefc SBcfiimmung traf/ hat fte adcrbinaS praftifch bic 0achc wieber in Orbnung gebracht; benn tvic bte fiatiftifchc Nad)Weifung ergiebt/ ift bie gal)l ber 0timmen unb baS 0timmvcrbältniß in bem SBahlverbanbe ber größeren ©nmbbeftßer nad) SluSfcheibttng ber weniger alS 75 34)lr. fteuernben ©runbbeftßer in ber bei Sßeitem größten gahl von Greifen ein nicht unangcmeffeneS. SUlein ich meine bo#/ baß jene S?cfrinumtng mit bem an bie 0pi§c geftedten ?3ringip nicht wclckl vereinbar ift/ baß fic biefcS 5ckringip für eine größere Slngabl von «reifen gcrabegu außer Slnwcnbung feßt. ©ic «onmtiffionbbcfddüffc verbienen aderbingS in einer 23cgtchung ben Nörglig vor ber NcqierungSvorlagc/ inbem fic mehr inbivibuali- firen/ inbem fic bie ©renge gwifchcn bent größeren unb bem fleincren ©runbbefiße gu einer beweglidhcn machen, ©ie ^Regierungsvorlage fchreibt für ben großen ©runbbcfiß einen auf alle «reife gleichmäßig anwenbbaren SRinintalfteucrfaß von 1 00 S^lnr. Tor/ wogegen bie «ommifponSvorfchläge geftattcn/ für bie eingelncn «rc;fc ben SRinimal- gwijchcn 10(ö unb 750 Silrn. fcftguftellen/ unb eS läßt ficb n ber 3:hat nicht leugnen/ baß ber in ber Regierungsvorlage vorge- gebene 0aß von 1000 2hlrn. für einige ^rovingen ober wenigftenS üt eine Slngabl von «reifen einiger ^revingen gu hvch qegriffen fein tncg f unb baß eS ftch empfehlen wirb/ benfclben auf SU) ober 750 Schaler hcruntcrgufcßcn. ©S haben bicS auch bereits bic Herren von ©engin unb von SRadinefrobt gefühlt unb beSbalb Anträge cingc- bracht/ bic babin gicleii/ ben gufünftigen ^provingialvertrctungcn bie S3cfugniß bcigulcgcn/ ben 0aß beS ©runbftcucr«StcinertragcS von 1000 auf 750 Sblr. bcgiebungSwcifc 500 5i)lr. hcruntcrgufcßcn. ©ie Ne- gierung glaubt, baß auf biefem SBege bic 0acßc bie angcmcffenfle Ncgcluitg finben wirb. 3^h wicbcrholc bcSivcgcn meine üöittc/ ber StcgicrungSvorlagc mit jenen SünenbcmcntS 3hrc 3uftimmung gu crthcilcn. SßaS baS Slmcnbcmcnt beS £crm Dr. 23ircbow betrifft/ meine Herren/ fo bcabfichtigt baffclbe ben von ber «ommiffton vorgcfd)lage- neu 2)iinimal-0aß von 75 ^h^- auf 50 ?b!r. gu ermäßigen, ©er £crr 3lbg./ ber eben gefproeßen hat/ hat bicS Slmcnbcment näher mo- tivirtf namentlich mit Hinweis auf fächftfcbc Svftönbc. ^ch möchte ben geehrten §errn bitten/ bic ibm vorlicgcnbc itcucflc ftatiftifebe Nach- Wcifung cingufchen unb barauS gu entnehmen/ wie gcrabc in einer größeren Slnjapl von fächftfchcn «reifen bie gahl ber bem Söahl- verbanbe ber großen ©runbbeftßer angchörigcn ÄSahlberechtigten nai ben «ommifftonSvorfchlägen/ al)o bei einem föiinimalfaß von 75 2:hlm. fchon eine außerorbcntlich große ift unb baß fclbftvcrflänblich biefc 3ahl fich noch bcbcutcnb erhöhen würbe/ wenn man ben 0aß von 75 auf 50 herabfeßen wollte. 3dck habe baS ftatiflifchc 2ckbatcrial hier bei ber £anb unb würbe für^ einzelne «reife bartbun fönneit/ wie bic gahl ber bem SBahlvcrbanbe ber großen ©runbbcftßcr angehöriaen SSahlbcrcditigtcn bei einer §crabfcßtmg beS 0aßeö von 75 auf 50 Xhlr. um baS ©oppclte unb barüber ftö) vermehren unb eine ©cfanuntgahl von mehreren §unbcrt Söählcrn fich ergeben würbe. ©aS größte Siebenten gegen baS Sltncnbcmcnt ocS Ferrit Dr. SSirchow aber liegt barin/ baß 0ic baburch viele SSablvcrbänbc ber ßanbgemcinbcn gcrabegu gerftören würben; eS würbe/ wenn bic 2Ri- nitnalgrcngc beS großen ©runbbcftßcS fo weit berabgefeßt werben folh in vielen gäden baS ÜBerhältniß eintreten/ baß vielleicht % ber dauern einer ©emeinbe gunt Sßal)lverbanbe ber großen ©runbbcftßcr gehören unb nur in bemSBahlvcrbanbeber Sanbgcmeinbcn verbleiben/ unb baß biefcS eine ©rittcl bic SBahlmänncrwahl/ wie bie «ommiffton vorfeblägt/ vorgunehmen haben würbe. !Jcb glaube/ ivenn man eine tiaturganäße Vertretung ber fianb- gememben wid, bann barf man eine fo große Slngatd ihrer SRitglicber nicht auS ihretn 0chooßc herauSncbmen unb fte bem SBablvcrbanbc ber größeren ©runbbcftßcr übertveifen. ^S wirb an ftch lein Vcbcn« fen haben/ ben einen ober anberen bäuerlichen Veftßer anS ber ©e* rncinbe auSgufcheiben unb hcrübcrtrctcn gu lapen in ben V^ahlverbanb ber größeren ©runbbcftßcr/ aber wenn 0ic fo weit gehen/ wie ber £crr Slbg. Dr. Virchow empfiehlt/ baß 0ic eine große gahl *an Vaucrn betn SBahlverbaitbe ber größeren ©runbbcftßer guweijen/ bann/ glaube ich/ thun 0ic ctwaS/ waS wirflich ben bcflchenbcn Verhält- nijfcn nicht cntfpricht. 2ßaS ben gtveiten Slbfaß beS SlmcnbcntcntS Virchow betrifft/ fo empfiehlt ftd) bcrfclbe glcichfadS nicht gur Sinnahme/ benn wenn einmal burch baS ©efeß einer aewiffen «ategoric von ©runbbcßßcrn ein Vtahlrccht cingcräumt ifl/ fo würbe cS meines ©afürbaltcnS ftch nicht rechtfertigen laffen/ ber Vfvvingialvcrtrctung bic Vcfugniß bei- gulegnt/ btefer «ategoric baS SÖahlrccht wteber gu cntgichen/ unb bieS würbe nach bem Nmcnbcmcnt gefchehcn fönnen. (^S foden banach bem SBahlvcTbanbc ber größeren ©ntnbbcfißcr überwiefen werben ade ©iejentgen/ wcld)c utinbcflenS 50S.hie. ©nmb- unb ©ebäubefteuer entrichten/ cS fode jcboch ber Slrovingialvcrtrctung bic Vcfugitiß gewährt werben/ fciefen SNinitnalfaß hetaufgufeßen von 50 auf 75 £hlr./ alfo mit anbem Söortcn/ ber Rlrovingialvcrtretuna bic Vcfugniß bcigclcgt werben/ biejenigen ©runbbcftßer gwifchcn 50 unb 75 3:hl^- k ©nmbftcuer/ welche bis bahin ihr Sßahlrecht auSgeübt haben» von btefem Vtahlrcdd wieber auSgufchließcn. 3ch erlaube mir nun noch mit einigen Vtartcn auf ben «om- mifßonSvorfchlag wegen ber ©cwcrbtrcibcnbcn unb ber VcrgwerfS- bejtßcr cingitgehcn. 2Bic ßdi auS ben vorliegcnben Nad)WcifungetV ergiebt/ ift bic gahl ber ©cwcrbtrcibcnbcn ber 0tcucrflaffe A. 1 in ben öftliche» Vrovingcn eine verhältnißmäßig geringe/ unb nur wenige «reife ftnb cS/ in benen berartige ©cwcrbtrcibcnbe auf bent platten Öanbc in größerer gahl vorbanben finb. ©a hieniad) ber größere ©rtmbbcfiß burch bie gmveifung ctncS befonberen Vtahtrcd)tS an bic ©cwcrbtrcibcnbcn ber 0tcucrHaffe A. I. in \cincn berechtigten 3Ntcrcffcn nid)t vcrleßt wirb/ fo wirb auch bie Negierung gegen bic Vcilcgung'cincS foldKit VtablrccßtS an bic gcbad)tcn ©cwcrbtrcibcnbcn feinen VMbcrfprud? erheben fönnen. Vtcincgetreu! ©ic Negierung ijt aber augenblidlich

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noi) nicht üt ber Sage/ gu überfchcn/ wie fich in biefer £infid)t bic ;^crhältnipc in ben i eiben Söcüprovin^cn gehalten werben CrS wirb wenn bic «rciSorbnung für bic oftlichcn sprovingen gu 0tanbe Lfommm fein wirb/ auch ba^tt übergegangen werben muffen/ eine Lfotni ber «rciSvcrfaffung für bic beiben SBcftprovingen vorgu- nei men/ unb cS fann feinem S^cbcnfcn unterliegen/ meine Herren» baß Hefclben s pringipien/ bie in ber «rciSorbnung für bic Dftprovingcn . uc ©citung gelangt ftnb» auch in ber «rciSorbnung ber Vcibcn wcjtlichcn ’iprovmgcn werben gur Slnwcnbung gebracht , rf rbcn muffen. S5ic mir mm von einem SRitglicbc beS £vl)cn Kaufes auS einer jener 5ckrcvingcn mitgctbcilt worben ifl/ wirb voraus- {Mich bie gahl ber ©cwcrbtrcibcnbcn ber «laffe A. 1 in ber über» rieaenben Vtehrgabl ber «reife SBcftfalcnS unb ber Nbcinproving eine -.ußcrorbentlich bcbcutcnbe fein» unb eS wirb bie ©cfabr nabe liegen/ taß bie «ategoric ber. ©ntnbbcfißcr von ber «ategoric ber ©ewerbe» treibenben an gabl weit iibertrorten werben Wirb. 3ntvicfern cS aber ten bereebtigten pntcrcffen beS größeren ©nmbbcfißcS einerfeitä. unb tex ©cwcrbtrcibcnbcn jener beiben ckprovingcn anbcrerfeitS cntfpricht/ ein folchcS Vcrbältniß gu fepaffen/ läßt fich Stir Seit noch nicht beur- teilen. 3ch babc aber nicht untcrlaffcn woUcn/ 3brc Slitfnicrffanifcit auf biefen S3unft bingttlenfcn, «nt bamit meine Vitte» baß 0ie jebetv falls nidbt unter ben üNittclfaß ber «laffe A. 1 bei ber Vcftintmung fccS ©ahlre^tS ber ©ewcrbetrcibcnbcn hentntergehen möchten/ noch näher gu motiviren.

©ic «atferin Slußufla = 0ttftunö. Verl in, 16. 2Rätg 1872. 0d)on in ben erften SRonaten nach Veginn beS «riegcS gegen granfrcich wirbc von Vlajeflät ber «aiferin unb «önigin ber hochher§tge f . ©ebanfe angeregt, ben auf bem ftclbe ber ©l^e gebliebenen, Dbcr in ftolge bcffelben geflorbenen Cffigiercn, £Nilitärbeamtcn, ©eiftlidjcn unb Slergten, fowie ben ihnen gleichäuftcllenbcn Prägern beS rotl;en «reugeS ben ©an! beS VaterlanbeS baburch gu betätigen, baß für bie vaterlos geworbenen Töchter burch ©rünbung einer ober mehrerer ©r- giehungSanftalten in gleicher 5öeife geforgt würbe, wie bieS für bic vaterlosen Söhne burch «abettenbäufer unb ähnliche ^ln- lu^biefcn gweef einen Verein gu grünben, würbe am 5. gebruar 1871 eine Nngahl achtbarer SRänner gu einer Vcrjammlung berufen, welcher 3h*e SNajeftät bie «aiferin- «önigin beiguwohnen geruhte. ©aS Nefultat ber Vcrathungen fanb feinen RuSbrucf in einem bcnmächft veröffentlichten Auf- ruf, worauf fich ber Verein in ber ©encral-Verfammhtng vom 26. September 1871 fonftituirtc unb bcfchloß, 3hte Vtajeftät bie «aiferin unb «önigin ehrfurchtsvoll gu bitten, ba8 von ihm cinjlimmig angenommene Statut gu genehmigen, ba8 Vrotcftorat gu übernehmen unb gu geftattcn, baß ber Verein 3hrer SNajcftät Namen führen fönnc. ©iefer VUtc ift, nach« bent Seine SRajeftät ber «aifer unb «önig feine guftimmung bagu NüergnäbigP gu erthcilen geruht hatten, ^tilbreichft ent- fprochcn worben. * gür biejenigen vatcrlofen Töchter ber vorerwähnten «aicaorie, bcrcn*Rufnahme in eine ©rgichungSanftalt bean- tragt wirb, ift in einem burch bie ©nabe Seiner SRaicftat beS* «aiferS unb «önigS gur ©iepofition gepcüten ©ebaube in (Eharlottenburg eine Nnftalt errichtet, welche am 9. Rptü biefcS 3ah r *8 eröffnet werben foll. ftiir biefc .Rnftalt, welche ben Namen »«aifertn Slugufta-Stiftung« führen wirb, ift ein befonbcrce «ura* toriuni, befiehenb atie bem von 3hrcr «aiferltchen unb «onta» liehen Ntajcfiät entannten ©eheinten Cbcr-rvtnangrath vnb Vräftbenten ©amet unb bem von bem VerwaltungSrathe beS «aiferin 5lugufta-VereinS gewählten ©ehetmen Cbcr= Jinangrath a. ©. SRoelle gebilbet worben. ©aS von bem «uratorium entworfene Statut ber Stif- tung hat unter bem 24. ftebruar b. 3. bie Genehmigung 3hrer SRaieftät ber «aiferin * «önigin erhalten. tung burch bie unter ben Anlagen abgebrucfte Nüerhöchfte Drbre von bcmfelben ^tage bic Nedfte ber lurtftifchen qperfonen verliehen worben. Ä . .... lim bie Stiftung in wetteren «reifen gemcinnujng gu machen, ift in bem Statut nachgelaffen worben, baß in btcfelbc auch ^3enftonärinncn gegen gahlung eines «oft* unb Crgie* hungSgelbeS aiffgenommen werben fönnen. in einmaligen Veiträgcn für bie Stiftung ftnb biS jeßt in runbet Summe 157,000 ‘Xpaler etngegangen, welche infoweit, alS fte nicht gu ben GinrichtungSfoftcn ber Grgichung^« Slnftalt erforberlich, gin^bar angelegt ftnb, unb beren ertrag gur ©otirung von gangen unb halben Örctftcllcn verwenbet werben foll. ^ t gur Annahme weiterer Vettrage ftnb bereit: bie beutfehe Vanf (^rangöftfehe Straße Nr. w 21); bie Herren SRenbelSfohn u. ©omp. (3agerftraße Nr. 51),

bie Herren ©ebrüber Schicflcr (©ertraubtenftraße Nr. 16); unb §crr {f. 5®. «raufe (Ceipgigcrftraßc Nr. 45); ©aS «uratorium ber «aiferin Nugufta-Stiftung. © a m e t, £N 0 e 11 e, ©eheimer Dber-ginang-Nath ©eheimer Dber-ginang-Nath a. ©. unb, ^3räfi bent. Statut ber «aiferin Nugufta-Stiftung. §. 1. ©ie «aiferin Nugufta-Stiftung ficht unter bem sproteftorat 3h«r SRajcftät ber ©cutfcPcn «aiferin» «önigin von Spreußen. §. 2. ©ie «aiferin Slugufta-^tiftung ift eine im Sln- fcßluß an ben «aiferin Rugufta - Verein für bcutfcöc 3:ccl;tcr, gur görberung feiner Slufgabcit/ gcgrünbctc VilbungS* unb ^rgiehungS- Slnflalt für bcutfdpc Töchter. 3n bic Stiftung werben vorgugeweifc aufgenommen: bie Töchter von beutfdicn Offizieren» Vcilitaibeamten» 2}tilitär*©ciftlichen/ 5lergtcn unb ihnen gleich gu ftdlenbcn Vertretern ch beS rothen «reugee» welche in bem Icßtcn «riege gegen ffranlreid) * gefaden ober in {folge ber in bcmfclbcn erlittenen Venvuntungcn unb Vefchäbigungen» ober in {folge von «ranfheiten gefierben ftnb. Soweit cS ber Naunt geftattet» fönnen ferner aufgenommen werben: bie Töchter ader beutfehen Offigtcrc» Ntilitär* unb tSivilärgtc» wcld&e an b^m Kriege gegen {Jranfreich 3 heil genommen haben» fowie bie Töchter ber in früheren «riegen gefallenen ober geftorbenen Offi- giere unb SNilttärärgle. Sinb in fpätcrcr Seit vertvaiflc Töchter ber vorbegeichnetcn «atc» gorien nicht mehr vorhanben» fo treten an beren Stelle bic Rechter von verbtenten Offizieren» SNilitärärgtcn» 2Nilüärgciftlid)cn/ fotinc von fNilitär- unb §ivilbeamten. ©te vorbegeichnetcn gögliitge erhalten bie auf «oflen ber Stif- tung gu errichtenbcn gangen re|p. halben grciflcdcn. Vci Vcfcßung biefer {frciftcUen gelangen bie Vewcrbungcn in ber vorftchenb ange- gebenen Neihcfo ge gur Vcriicfjichtigimg. 3lußerbem wirb auch anberen göglingcn bic Aufnahme in bie Stiftung gegen gablung eines von bem «uratorium ber Stiftung fefigufeßenben «oft* unb SrgichungSgclbcS geftattet. §. 3. ©ie gahl ber aufgunebtnenben göglinge wirb vorläufig auf fünfzig fefigefeßt. §. 4. ber Negcl werben bic göglinge nicht vor vedenbetetn 10. unb nicht nach vodenbetem 13. IdbenSjahrc aufgenommen unb nicht vor erfolgter (Smfcgnung cntlaffm. Gin früheres StuSfd)eibcn bebingt eine «ünbigungSfrifl von brei 2Ronatcn vor ben bcftimnitcn Aufnahme«Terminen. Gine unfrei- wiüige Gntlaffung fann mit ©cncbmtgtmg beS «uratoriumS gu jeber geit angeorbnet werben. §. 5. Sämnitliche göglinge erhalten in ber Stiftung Gruchung unb Unterrid)t» «leieung, Nahrung» Wohnung, Neigung unb Vclcuch- tung» ärgtlichc Vchanblung unb Vtcbigin» fowie Aufwartung. §. 6. ©ie Stiftung fod alS Grfaß häuslicher Gruchung bte gög- lingc für ihren bercinftigcn SebcnSbcruf burch AuSbtlbung beS Gha« raftcrS» beS ©cmüthcS unß beS ©eifteS auf religiöfcr ©runblagc vor» bereiten unb mit ben «enntniffen unb gertigfeiten auSrüftcn» welche fic befähigt» fowol)l bic Anforbcrungcn beS ^aufcS unb ber gamllic gu errüden» alS auch ben Anfprüchcn» welche baS ikben in vcrfctucbc- ncr SBeifc an ftc fteden fann» gu genügen. cw §. 7. ©aS Vermögen ber Stiftung befrept auS ben frciwidtgcn Veiträgcn» welche berfdben von ber £obcn Vcfchüßerin» begichungS- weife von bem «aifcdn Augufla Verein für bcuticpc Töchter guge- wenbet unb überwiefen worben ftnb. ©cm Vermögen wachfcn bic für bie Stiftung weiter cingcl)cnbcn Vciträgc unb bic etwaigen Ver- waltungS-Grfparniffc bingu. _ . . §. 8. ©ic Verwaltung beS StiftungS-VennöacnS wirb von bem Schaßmcifler beS «aiferin Augufla-VcretnS für beutfehe Töchter ge- führt. ©ctfclbe hat bafür gu forgen» baß baS Vermögen unter ©c- nchmigung beS «uratoriumS verginSlich unb ftder angelegt wirb» unb über bic Verwaltung bem «uratorium aüjäbrlich Ncdmung gu legen» welches nad) erfolgter Prüfung ber Icßfcrcn bie ©ccharge Xtf . * fl §. 9. ©ie Unterhaltung ber Stiftung erfolgt auS bcti ginfen beS StiftungS-VcrmögcnS» ben eingchenbcn «oft- unb GrgiehungS- gdbern, fowie ben ihr für biefen gweef gufiteßenben gufd)üffen» Vci- trägen unb ©cfchcnfcn. _ .. f rr §. 10. So weit bie ©clbmlttd ber Stiftung cS geftattcn» foden in berfdben gange unb halbe grcifledcn errietet weroen, welche auS- fchließlich für bie im §.2 gur vorgugSweifcn Aufnahme m bte Stif- tunq bcgcicbncten Töchter unb in Grmangdung bcrftlbcn fut: bic:huD«- beburftigen 2:» ,{ d)tcr von verbienten ©ffigieren, Vilttar-©etftltd)cn/ Ntilitär-Acrgtcr» fowie von Vtilitär- unb Givil-Vcamtcn bcflimnit finb. § 11. Vrivatpcrfoncn» Vereine» «orporationca k. fönnen in ber Stiftung gr ifteucn burch eine einmalige «apitdgablung errichten, ©ie ©otation für eine gange greiftede ifl auf 6OO0 %haler unb für eine bcilPc greiftede auf 300) c il)aler fefigefeßt. ©ie Stifter vongrci-

V ftimnmngm genügen. . rr . . r . k rr , r ©ie für gcjliftctc grciflcdcn ctngegal)lten «apitahcn verbleiben bauernb ber «aiferin Augufla-Stiftung» treün bem Vermögen berfdben hingu unb bürfen nicht angegriffen werben. t § 12. ©erber «aiferin Augufta-Sttf tung cm «apital von 1000 ^halcvn ober einen jährlichen Veitrag von 50 Sbalcm guwenbet» hat baS Nccht» vaterlofe Töchter» welche nad) §. 2 auf bie gürforge ber Stiftung Anfprud) haben» gur Vcrüdftchttgung gu