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G E S E A S E E dm; M Ad 8 Ld oe: E A E aas K Bu: Dardeas Bee L E
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reihten Resultate der ersten Hälfte des Krieges.
Auf einem mit zwei Kränzen, von eroberten Geschüßen beseß- ten, in zwei Terrassen aufsteigenden (cylinderishen) Hügel er- hebt sich ein schlankerer, reich und prächtig mit französischen Adlern, Fahnen, Laubgewinden, Bändern dekorirter Sockel. Er trägt auf seiner Höhe die von Moriß Schulz in gleichem vergänglichen Material, wie jene Berolina, aber mit großer Meisterschaft und s{öner künstlerisher Wirkung modellirte Victoria. DieSpißten ihrer aufgerichteten mächtigen Schwingen sind 60 Fuß über den Boden entfernt. In ihren erhobencn und vorgestreckten Händen hält sie in der Rechten den Sieger- franz, in der linken den Palmenzweig. Rücktwallend umslattert ihre edle Gestalf das Gewand. Der glorreiche Name: Sedan prangt über dem preußischen Adlerschilde an der Front ihres Sokels. Vor jenem Kanonenhügel haben neun Riefengeschüße ihre Aufstellung gefunden: der Vierundzwanzigpfünder le Ravissant und die aht Sechszehnpfünder Molino - del - rey, la Galattée, le Vioménil, Hyposeus, Folgora, Ganymède, Gamelins und Méléagre. Diese Aufitellung bildet nur den Mittelpunkt der gesammten Gruppe. Zur Rechten der Victoria für den Beschauer fieht man die 27 Fuß hoße sißende Kolossal- statuc der Festung Met, auf der linken Seite die ähnliche von Straßburg auf ihren ebenfalls mit Adlern , Fruchtgehängen und Wappenschildern geschmückten Postamenten, beide von Reinhold Begas in der schon geschilderten Weise ausgeführt. Bei der erstgenannten Statue deutet der unter der Mauerkrone den Rücken niederwärts wallende Schleier auf die »yjungfräuliche Festung.« Sie ist im Uebrigen als ein mächtiges Weib von folossalen Formen und heroischer Attitüde selbst in der sizen- den Stellung gebildet, die rechte Hand ist in die Seite, die linke auf den Rand des Felsensißes gestemmt, der sie trägt. In ver- wandtem, diesem Meister charakteristishem Styl ist Straßburg veranschauliht. Die rechte Hand faßt auf der Brust in die Falten des über die Schulter geschlagenen Mantels, die linke starr niedergestreckt - zur Seite hält die Fackel gegen den Boden gerichtet, welhe auf den Brand der“ im Feuer wiedergewonnenen deutschen Stadt gedeutet werden mag. Hohe bronzirte kandelabergleihe Masten tragen an ihrer Spigze vergoldete Kränze mit dem Bilde des Eisernen Kreuzes darin. Auf großen Bannern licst man die Namen der Schlachten von Colombay, Gravelotte, St. Privat, Vionville und Beaumont. Gegenüber vor dem Thoreingang zum ge Potsdamer Bahnhof isi eine prächtige Tribüne konstruirt. Große Gestalten von Berliner Bären halten Wacht
davor. Aus der mittlern Höhe ragt die Kolosfalbüste des Kaisers und Königs, an der Rückwvand hoch über der leßten
Bankreihe zahlreiche Flaggen-, Kranz- und Trophäensäulen mit Flaggen-, Schild-, Kreuzes- und Lorbeershmuck an ihrer Spiße,
Von hier bis zum Brandenburger Thor erinnern die Aufschriften auf den Schildern an den Flaggenmasten an die zweite Periode des Krieges. Man liest dori die Schlachten- namen: Beaune la Rolande, Loigny, Poupry, Beaugency, Marchenoirs , Vendome u. s. w. Eroberte Geschütze sind zu beiden Seiten der Siegesftraße aufgestellt.
Der Plat vor dem Brandenburger Thore ist durch starke 60 Fuß hohe Siegessäulen, welche unter einander durch vielfache Laubgewinde verbunden sind, umschlossen. Ein jeder Mast zeigt auf seiner Spiße einen großen preußischen heraldi- {hen Adler in goldenem Lorbeerkranze; auf hohem Sockel um- geben ihn 4 Bären als Wappenschildhalter, reiche Fahnen und Banner bilden darüber eine wirksame Dekoration. Die 6 Masten sind den Siegen der deutschen Heere über die Armeen der französishen Republik gewidmet, und zwar, von der Sie- gesstraße eintretend in den also gebildeten Kreis, rechts der erste Mast der Schlachten von Amiens und St. Quentin, sowie den Gefechten und Kämpfen von Bapaume, Póéronne, Robert le diable, An der Hallue; zur Linken weiter gehend, der zweite Mast den Schlachten von Orleans und le Mans, sowie denen von Loigny und Poupry, Beaugency, Marchenoir und Azay/; der dritte Mast: Pontarlier und Chateau de Joux, Mont- béliard , Frahier und Pas‘ques; der vierte Mast: Belfort und Alengon, Dôle, Dijon, An der Lisaine. Der fünfte und sechste Mast beziehen sih auf die Kämpfe vor Paris und seinen Forts. Es finden sich daran noch folgende Namen: am fünften: Petit-Bicêtre, Meudon, Chatillon, Chevilly, Brie- Champigny-Villiers, Mont Avron;/ am secsten: le Bourget, Stains, Epinai, Mont Valérien, Malmaison, St. Cloud.
Zwischen beiden Masten hängt cin großes rothes Banner herab, auf dem mit goldenen Lettern Versailles und Paris weithin erkennbar verzeichnet stehen.
Durch das , reich mit Festons, Guirlanden und Kränzen eschmüdkte Brandenburger Thor hindurch führt die Sieges- raße auf den Pariser Play, von hier ab bis zu ihrem Ende
E U entworfen und ausgeführt vom Professor ropius.
Bei dem Eintritt durch das Brandenburger Thor empfängt der Jubelruf der festlich versammelten Tausende, der Will- fommen der Ehrenjungfrauen und die Ansprache des Magistrats die heimkehrenden Sieger. Zu beiden Seiten des geräumigen Plaßes erheben sich deshalb Tribünen, deren Grundriß eine halbe, der Länge nah durchschnittene Ellipse if. Dadurch, daß man die oberen Reihen der nach der Peripherie aufssteigenden Sißbänke noch einmal
durch cine sih scharf abseßende Erhöhung von den mitt-
leren und unteren abgelöst hat, gewinnt das Ganze die architektonisch gegliederte Gestalt eines offenen Amphitheaters. Der gesammte in Roth und Weiß drapirte Bau wird rings von zahlreichen Masten mit Fahnengruppen zusammengehalten und von Silberschilden mit dem s\{chwarzen Adler und dem Bären überragt. Etwas weiter vorgeschoben, mehr nach der Mitte des Plates zu, befindet sich das Podium für die Ehrenjungfrauen und am Eingange in die Linden erhebt fih unter einem säulengetragenen Baldachin die Bühne für Magistrat und Stadtverordnete, deren Hauptdekoration das Eiserne Kreuz bildet in der alten und neuen Ge- staltung, dieses alte berühmte Zeichen, unter welchem s{hon die Väter fiegten und welches der König am 19. Juli 1870 in seiner ganzen Bedeutung wiederaufleben ließ.
Die Linden entlang find in ihrer ganzen Aus8dehnung mit Neihen von eroberten Kanonen únd Mitrailleusen ge- \{mückt,
Wo die Wilhelmsstraße, die Schadoiv - „. Neustädtische Kirch-, Friedrich- und Charlottensirafße die lehtere durchschneiden, find Triumphthore eigenthümlicher Art crrictet, Je zwei solcher von Victorinengestalten gekrönter hoher Säu: :1, wie sie den Bal- dacvin über der Tribüne dex städtischen Behörden am Beginn der Linden tragen, bilden jedes dieser Thore. Zwischen ihnen ist je cin 20 Fuß breites, 15 Fuß hohes, auf Segeltuch aus- geführtes dekoratives Gemälde befestigt. Diese Bilder versinn- lichen in großen symbolischen Zügen die Hauptmomente jener durch den Krieg Deutschlands gegen Frankreich herbeigeführten glorreichen jüngsten Entwicklung des deutschen Vaterlandes, Den Stoff, welcher in ihnen künstlerisch gestaltet wurde, gaben ein- zelne vom Kaiser und Könige bei verschiedenen Anlässen während jenes Krieges ausgesprochenen höchst bedeutenden Worte. Für das erste Bild (an der Wilhelmsstraße), welches von Otto Knille ausgeführt wurde, boten jene das Motiv, die sich in der König- lichen Verordnung vom 20. Juli 1870 bezüglich der Feier des Bettages am 27. Juli finden. »Mein Volk wird auch in diesem Kampfe zu Mir stehen, wie es zu Meinem in Gott ruhenden Vater gestanden.« Das Bild, in Form eines Teppichs gedacht, dessen in Gold ornamenutirter Fond zu beiden Seiten der figürlihen Darstellung erscheint, zeigt zur Linîen vor düstrem , von Blißen durchzucktem Gewitterhimmel neben der Eiche die hehre blonde Gestalt der goldgerüsteten Germania, das gezückte Schwert in der Hand. Vor ihr die Vertreter des gcivälfneten Volkes, Greise, Männer, Jünglinge und Knaben in malerischer, mittelalterlicher oder phantastisher Rüstung und Tracht, die Hände begeistert zum Schwur erhoben. Dem zweiten Bild, von Schaller gemalt, sind die Kaiserlihen Worte zu Grunde gelegt: »Ganz Deutschland steht einig zusammen, wic nie zuvor, 20. Juli 1870.« Es schildert allegvrisch in idealistischer Form die Ueberbrückung des Mains, also die Verbindung Nord- und Süddeutschlands. Beide sind in mächtigen Frauen- gestalten versinnliht. Jenes ‘cine blondere, dieses eine bräunlichere, durch Attribute und Wappenthiere und die Produkte, hier des Landbaues dort des Meercs, charakterisirt. Geniengestalten schlagen die verbindende Brücke Über den trennen- den Strom, der Bayer und der Preuße schließen sich auf derselben in herzlicher bundeStreuer Liebe in die Arme. Anton von Wemer (seit dem Ausgang des Krieges von Karlsruhe dauernd nach Berlin übersiedelt) malte das dritte Bild zu den in Ver- sailles am 18. Januar 1871 gesprochenen Kaiserworten: »Seid stets eingedenk, daß der Sinn für Ehre, treue Kameradschaft, Tapferkeit und Gehorsam eine Armee groß und siegreich macht. « Der Junhalt aber der mächtig bewegten symbolischen Komposi- tion ist der Kampf und Sieg Deutschlands. Hoch auf golde- nem Streitwagen in goldener Rüstung, den goldenen" Flügel- helm auf den leuchtenden, wallenden Locken stürmt Germania daher, gezogen von weisen Rossen, Jünglinge, goldene Flammenshwerter schwingend, auf deren Rücken, neben dem Wagen schweben gerüstet wallkürenähnlih die Würtktem- berger und Bayern versinnlichenden heroishen Frauen- gestalten heran. Ueber den im Sturz zusammengebrochenen Feind am Boden geht es unaufhaltsam dahin. Auf schwarzem feurigen Roß eine hohe, Königliche, blondbärtige Reitergestalt mit dem Eisenkreuz auf dem Rundschild weist rückblikend mit dem Schwert dorthin, wo in flammengeröthe-
ter , qualmiger Luft der Kaiseradler dem König®8adler im"
Kampfe unterliegt. Neben dem Reiter stürmen “unauf-
0 F ErRE T D S T E DE Si R S E R RREE I L R T R 1B S S D En D S R Es. r T L 1a S RE S R E A S S E E E T S Ee E T S E E E Es E A E E E E E R E z
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haltsam die vereinigten deutschen Krieger vor, den afrikanisch- fränkishen Gegner blutend zur Erde streckend, seine Speere zer- splitternd, seine Banner ihm entwindend.
Ernst Ewald malie das vierte Bild am Uebergang der Friedrih8straße. Es trägt Über und neben der Darstellung selbst auf goldenem Grund die Kaiserlichen Worte der Prokla- mation vom 18. Januar 1871 an das deutsche Volk. »AlUzeit Mehrer des Reichs, nicht an kriegerischen Eroberungen, sondern an Gütern und Gaben des Friedens auf dem Gebiete natio- naler Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung.« Die jungfräulicher Anmuth volle und doch ernst erhabene Gestalt Germania steht, des Deutschen Reiches Krone in der rechten Hand, auf einem Postament, das. auf zwei gewaltigen goldenen Löwen ruht. Die Ruhmesgöttin \{chwebt über ihr und eine Gruppe voll bewegter Gestalten, mit Posaunenschall des Reiches Glanz und Wiederaufrichtung verkündend, umgiebt fie.
A. v. Heyden s Verherrlichung des Friedens {ließt an der Charlottenstraße diese Bilderfolge. » Möge dem deutsczen Reichskriege, den wir so ruhmvoll - geführt, ein nicht minder glorreiher Reichsfrieden folgen! 21. März 1871«. Die s{chöne Erfüllung des Wunsches, welchem diese Worte Sr. Majestät Ausdru gaben, ist hier versinnücht durch Gruppen bezeichnender, die Thätigkeiten des Frie- dens repräsentirender Gestalten des Berg- und des Land- baues, der Schiffahrt , des Handels, der Kunst und des Gewerbes theils mehr idealen, theils mehr realistishen Cha raf- ters, welche die in ihrer Mitte thronende Germania umgeben. Damit endet der bildlicbhe Schmuck der Lindenpromenade selbst.
Aber unmittelbar danach nimnzt ihn die Front des Akademie- |
gebäudes zu ihcer Seite auf. Mitglieder der Akademie, von Kunsigenossen mit willigem Eifec unterstüßt, haben die male- rische und plastisce Dekoration der ganzen Façade dieses Bau- werks ausgeführt. Auf deim Rande des Daches in seiner vollen Länge erscheint eine mit zierlih gefaltetem, weißen , roth und gold gesäumten Vorhängen verkleidete Balluftrade. In dem Mittelbau vor dem Fenster der normalen Uhr ist untex einem von Säuien getragenen Triumphbogen die Kolossal- büste des Kaisers und Königs (von Prof. Drake modellict) errichtet. Unterhalb derselben an ihrem Posiament reichen die Statuen der Germania und der Vorussia sich die eng verbun- denen Hände. Darüber aber im Frontispice des Bogens gehen
nach allen Seiten hin die Strahlen einer goldenen Sonne aus, |
über welcher wiederum das Banner mit dem Adlex des Deut- schen Reiches erhoben steht. »Dem Sieger Gruß und Heil« liest man - auf der einen Seite dieser r5rout „ *vom dankbaren Vaterland« auf der anderen, Sowohl die Fenster als die Pfeiler zwischen densclben in dem ersten Stockroerf der Façade sind bedeckt, ges{mückt, verkleidet, theils durch Brust- bilder , theils durch ganze Figurenporträts der verdientesten Heerführer und wechselnd damit durch Darstellungen, welche die verschiedenen Truppentheile des deutschen Heeres in charak- teristishen Gestalten und Situationen vergegenwärtigen. Zur Linken für den Beschauer jener - mittelsten dekorativen Gruppe zeigt sich der Württembergische Fußsoldat, zur Rechten der Bayerische, das Banner im Arm, beide nah Bleibtreu's
Skizzen von Hallaß ausgeführt; neben dem ersteren auf Gold-
grund gemalt, das Fenster dort deckend, die Kolossalgestali des Kronprinzen, auf des Säbels Griff gestüßt (Oskar Begas), drüben neben dem Bayern die des Prinzen Friedrich Carl von Gustay Richter gemalt in rother Husarenuniform, den Marschalls\fiab in der Rechten ; ein weiter Mantel wallt von den Schultern zum Boden nieder. Den Zwischenpfeiler neben des Kronprinzen Bild deckt eine Composition von Ludwig Burger. Der preußische Ulan reiht vom Roß herab dem \ächsishen Reiter die Champagnerslasche; im Mittelgrunde Militärarzt und Sanitätecorp8, die Träger der weißen Vinde mit dem rothen Kreuz. Jenseits neben dem Bilde des Prinzen, G. Spangenbergs Komposition: der preußishe Garde- Füsilier, die eroberte feindliche Fahne s{hwingend, vor ihm der preußishe Landwechrmann am Boden au®Lrußend , im Hinter- grunde vadishe Schüßen. Den Fensterraum neben dem Ulanen deckt das besonders meisterhaft und wirksam auf Goldgrund gemalte Bildniß des Großherzogs Friedrich Franz von Mecklenburg in ganzer Gestalt von Friedrich Kaulbach. Er steht entblößten Hauptes , die große Ordens- fette über dem einfachen Offiziers-Oberrock, zu scinen Füßen sieht man Blumen und Lorbeerkränze. Drüben das Pendant dazu bildet die von Prof. C. Becker gemalte kriegerische Ge- stalt des Kronprinzen von Sachsen, den vom weiß und grünen Federbush umwallten Helm auf dem Haupt, die Rechte am Griff des Schwertes, das die Linke an der Scheide gefaßt hält. Auf dieser Seite dcs Mittelbaus macht den Schluß der malerischen Dekoration das Bild von Professor Steffecck: der preußische Kürassiec auf wild vorsprengendem Roß, den tödtlichen Schwert-
streich gegen den französishen Bajonetkämpfer zur Seite führend , dessen Kamerad bereits getroffen sich am Boden wälzt. Und jenseits den Abschluß zur Linken macht ein Gemälde von Professor O. Heyden, preußische Jäger und Artilleristen , jubelnd bei dem eroberten französischen Geschüß, gefallene Turkos auf dem vom Kampf zerwühlten blutigen Boden des Schlachtfeldes. Quer über dem Mittelbau, ober- halb dieser Darstellungen, liest man die Worte: »Aus frevel- haftem Angriff, des deutschen Volkes Einheik.« Î
Die auf Goldgrund von verschiedenen berliner Künsilern im regsten Wetteifer gemalten Medaillon - Brustbildnisse des (vom Beschauer) linken Flügels des Akademiegebäudes sind, von der Charlottenstraße ‘beginnend, die Generale v. Voigts- Rhet, v. d. Tann, v. Göben, v. Manstein, v. Werder, v. Roon, Prinz von Württemberg, v. Kirchbach ; auf dem rechten Flügel v, Manteuffel, v. Fransecky, v. Alvensleben I., v. Alvensleben IL, v. Bose, v. Steinmeß, v. Jasirow, v. Tümpling. Zwischen den Bildnissen des KriegL-Ministers und des Prinzen von Würt- temberg ist in ganzer Gestalt in kolossalem Maßstabe das Portrait des Reichskanzlers Fürsten Bi8marck, jenseits zwischen eFransecky und v. Alvensleben I. in gleicher Weise das des Grafen Moltke, von Professor Adolf Menzel ausgeführt. Jener ist an einem mit Papieren bedeckten Tisch stehend, auf den er die Hände füßt, dargestellt; dieser im winterlichen, \s{neebedeckten Felde, den Helm auf, den Gummimantel über- geworfen, das Doppelglas in der Rechten haltend, die Linke auf dem Rücken, scharfen Blicks in die Ferne hinau®sspähend.
Die friedlichen werkthätigen Kräfte sind in der Linden- promenade durch Ehrensäulen mit Emblemen charakterisirt. Gereimte Sinnsprüche und Citate sind ihnen beigeschrieben. Die Auswahl besorgte Eggers.
Die Anordnung 1st die folgende:
1) am Eingang zu den Linden: die Eisenbahn,
2) an der Wilhelms®straße: die Eisenbahn und die Telegraphie,
3) an der Schadowstraße: die Post,
4) an der Neustädtischen Kirchstraße: die Liebes8gaben, die Diakonissen und die grauen Schwestern,
5) an der FriedrichLstraße: die Maltheser, die Johanniter, die Felddiakonen und die Feldgeistlichkeit,
6) an der Charlottenstraße: die Aerzte, die Jnvaliden,
7) an der Mündung der Linden auf den Opernplaÿ: die sich auf Hülfe und Pflege beziehende Vereinsthätigkeit.
Der weite Play von dem Standbild König Friedrichs II. bis zur Schloßbrücke ist, um den hier vor dem Kaiser vorbei- marschirenden Truppen Raum zu lassen, von Masten freige- blieben, aber der Play hat durch die sih auf dem Opernplaß, vor der Universität, dem Zeughause u. \. w. erhebenden Tri- bünen, sowie durch das prachtvoll dekorirte Kronprinzliche Palais eine wahrhaft festlihe Auss{müdckung crhalten.
Ueber die mit Schiffen, zahlreichen Flaggen und Laukbk- gewinden reich verzierte Schloßbrücke gelangen die Sieger nach ihrem Ziele, dem Lustgarten.
Vor dem Hauptportal des Königsschlosses, etwas vorgerückt gegen die Clodschen Pferdebändiger an der Terrasse, erhebt sich das Riesenbild der Germania mit ihren beiden lang entfremdeten, nun wieder gewonnenen Kindern Elsaß und Lothringen neben sich. Ein hohes, reich ges{mücktes Picdestal von cylindrischer Form trägt diese von Albert Wolff in erhabener Schönheit und monumentaler Macht ausgeführte Gruppe. Den untersten Theil des Sokels umgiebt ein vom Bildhauer Walsleben mo- dellirtes Relief, die deutschen Flußgottheiten darstellend: Rhein und Mosel, Oder und Elbe, Weichsel und Nogat, Donau und Main. Den verjüngten Theil des Postamentes darüber deckt ein 6 Fuß hohes Relief von Siemering, dessen Länge abgewickelt 63 Fuß betragen würde. In 27 leben8großen Gestalten (die Thiere und Kinder nicht mitgezählt), ist die Wirkung des Königlichen Aufrufs an sein Volk darin dargestellt. De Mittelpunkt bildet an der Vorderseite der in die Kriegs8posaune blasende Herold. Jm Sturmschritt nahen sich von beiden Seiten die bereits fertig gerüsteten Krieger. Scenen des Abschieds von Braut , von Weib, von Kind und Eltern, seitens der Männer und Jüng- linge des verschiedensten Lebensberufs, des Studenten , des Landmanns, des Handwerkers , das Ergreifen der Waffen, das freudige Herbeieilen auf das Wort des Königs. Das Alles schildern diese Reliefs in natürlich wahren , kraft- vollen Qügen. Der Umkreis der Höhe des Piedestals zeigt einen Schmuck aus abwechselnd immer wiederholten Adlern und von der Kaiserkrone überragten aufgerichte- ten Wappenschilden. Die Gestalt der Germania hat sißend auf ihrem mit dem ReichLadler an seiner Rücklehne ges{chmück- ten Thronsessel bis zur Spitze der Kaiserkrone auf dem edlen Haupte eine Höhe von 19 Fuß. Sie ‘hält in der Rechten das in einem goldenen Adler endende Reichs- scepter. An ihr Knie schmiegt ksih, bereits zutraulicher ge-