1819 / 40 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung, Tue, 18 May 1819 18:00:01 GMT) scan diff

a, Die Handelsbank, welche in die Stelle des vormaligen Diskonto - Komtoirs, seit dem Anfänge des vorigen Jahrs getreten ist. Nach dem Ufas vom 7. Mai 1817 soil ihr Kapital in einigen Jahren bis zu 30 Millionen Rubel anwachsen. Sie hat mehr als 50 Millionen mit einer Million Gewinn ohne Ver- wur diskontirt, und überhaupt 357 Millionen um- eseßt. :

s b. die Leihbank ist noch nicht in voller Wirksam- keit, doch sind im vorigen Jahre an 45 Millionen bei ihr’ deponirt worden. :

c. Die Aßignatenbank hat den Hauptzweck, neue Aßignate, an Stelle der außer Umlauf geseten, auszugeben. Es werden überhaupt neue Scheine be- arbeitet, da die zum Vorschein gekommenen falschen Aßignaten die Ueberzeugung verschaft haben, daß ein höherer Grad von Vollkomraenheit in Verfertigung dieses Papiergeldes erreiht werden müße.

Nach cinem Ukas wird der Senat für Finnland vom 1. Oct. an seinen Sis von Abo nach Helsin g- fors verlegen. Er besteht aus lauter Jngedornen.

Paris, vom 8. Mai. Auch das dritte Gese über die Preße, die Zeitungen und politischen Journale betreffend, ist von der Kammer der Abgeordnecen mit überwiegender Stimmenmehrheit angenommen wörden. Außer der Verminderung der Kaution in den Depar- .“ementstädten, und der Herabsezung der Gefängniß- ynd Geldstrafen von 6 bis 12 auf 1 bis 6 Monate und von 1,000 bis 3,000 auf 200 bis 1,200 Franks für den Fall der Uebertretung einzelner Vorschriften dieses Geseges, ist wesentlich nichts abgeändert und nur ein Artikel, durch welchen die Verjährung einiger NBergehungen wider das Geseh auf 5 Monat festges set wird, hinzugefügt worden. Die linke Seite der

Kammer und die Journalisten selbst finden durch die Annahme dieses Gesebes die Preßfceiheit selbst so gut als vernichtet, wobei sie vorausseßen, daß die Zeitun- gen allein die Wächter der Verfaßung und die Ver:

kündiger des Lichtes sind. Daß die Diskußion unter solhen Umftänden einen sehr lebhaften, zu Zeiten stürmischen Karakter annahm, war zu erroarten. Courvoisier bemerkte, daß sich in Paris bereits eine Versicherungs - Anstalt für die durch Preßver- gehen verwirkten Geldbußen! gebildet habe, worüber Lafayette die nähere Auskunft des Ministers des Fnnern foderte. Der Justizminister gab sie 1m Namen seines Kollegen dahin, daß er von Versiche: rungs - Anstalten nur dann Kenntniß erhalte, wenn ihre Statuten zur Königlichen Bestätigung eingereicht würden, welches von Seiten der in Frage stehenden Anstalt bis jezt noch nicht geschehen sey. Unser Pu- blikum scheint die Ansicht der linken Seite und der Journalisten nicht zu theilen, da der Justizminister, der durch die Klarheit, Mäßigung und Ruhe seiner Vorträge auf die Berathschlagungen vorzüglich einzu- wirken scheint, in Besiy einer großen Popularität ist. ,„ Sie glauben, sagte er bei der Didkußion über die Kautionsleistung, Sie glauben es zu erleben, daß die Zeitungen nicht mehr zu den Leidenschaften sprechen. Diese glückliche Zeit kann fommen , aber das Ziel ist noch ferne. Verlaßen Sie si drauf : die Zeitun: gen wollen nur die Meinung ihrer Leser gewinnen, nur ihren Leidenschaften schmeicheln; sie gleichen darin den Rednern, welche durch die Kraft der Beredsam: keit hinzureißen suchen, statt sih auf einen gründli- hen Vortrag zu beschränken. Das Vaterland spricht zu uns; das Vaterland fodert von uns vorsichtig zu verfahren, damit der, Uebergang aus dem Zustande der Cenfur in den Zustand der Freiheit ohne Erschüt- terung erfolge. Sie wollen die Kaution für die periodi-

Schriften vermindern, aber betrachten sie deshalb periodische Blätter, die jebt ohne Garantie leben oder vegetiren: ganz abgeschen von dem Geiste, der sie leitet, sind sie wol im Stande, uns zu befriedigen ? können fie ein wohlgesinntes Gemüth ansprechen? es ist mit einem Journale, wie mit einer Armee; sie

mag noch fo gute Mannszucht halten, hinter si \hleppt sie jederzeit ein Geffndel, das vom Plündern lebt und im Augenblicke der Gefahr davon läuft.

Die Berathungen über den Geseßentwurf wegen des Transits durh den Elsaß haben angefangen. (Von großem Belang scheint dieser Gegenstand für den Elsaß nicht zu seyn, zumal der Waarenzug von Holland nah der Sch weiz fich an das-rechte Rhein- Ufer einmal gewöhnt hat und die Weitläufigkeiten der Niederlage inStv.aßburg das Geschäft sehr ershwes ren dürften.)

Unsre Zeitungen machen der Witwe und Erbin des Marschals Augereau Vorwürfe, daß sie setne Waffen öffentlich verkauft habe. Sie läugnet es aber und ladet alle Welt ein, fie bei ihr in Augenschein zu nehmen. Kriegshelden durch die Aufbewahrung ihrer Waffen zu ehren, ist wol sehr zu rühmen und nachzuahmen. Wo befindet sich, unter uns, der Helm des heldenmü- thigen Herzogs Christian von Braunschweig mit dem Handschuh der unglücklichen Elisabeth?)

Mit der Befreiung von der Censur haben einige unsrer Zeitungen ihre Firma verändert. Das Journal général de France hat den Zitel l’Indépendant, das Journal du commerce den Titel le Constitu- tionel hinzugefügt und die Annales politiques, morales et littéraires nennen sich fortan Annales politiques , constitutioneiles et littéraires,

Zehn Junwohner des Jseére- Departements haben wider den General-Lieutenant Donadieu und seine Mitschuldigen auf Meuchelmord geklagt, weil er im

Mai 1816 gesebwidrig über 21 Personen, Angehörige der Kläger, wegen Aufruhrs, ein Kriegsrecht angeord=- net habe, durch welches sie zum Tode verurtheilt wor: den. Ais Mitschuldige werden der Präfekt Graf von Montlivaut und die Mitglieder des Kriegsgerichtes nahmhaft gemacht.

Ro m, vom 28. April. Jhre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin von Defterreich haben vorgestern die Reise na Neapel angetreten.

Jn Neapel erfolgte am 15. d. die Vermählung der Prinzessin Louise Karoline, Tochter des Kron- prinzen Herzogs von Kalabrien mit dem Jnfantem von Spanien, Don Francesco de Paula, deßen

Stelle bei der vom Kardinal Erzbischof verrichteten

Trauung der Prinz Leopold Fürst von Salerno, Onkel der Braut, vertrat.

Kopenhagen, vom 8. Mai. Der König hat eine Kommißion ernannt, die einen Plan zur Ein3 führung dec Lehrmethode des wechselseitigen Unter- richts in alle Volksschulea ausarbeiten soll.

Kaclsruühe, vom 8. Mai. Unsre Stände- Verz sammlung fegt ihre Zusammenkünfte mit Nuhe fort. Die Abgeordneten haben von neuem verschiedene auf eine Verbeßerung der Legislatur und der AUdministra- tion gerichtete Vorschläge übergeben, welche zur nz heren Berathung gewiesen worden, z. B. der Antrag des Herrn von Städel auf Abschaffung der Accise, oder, fails dieses nicht ausführbar, auf gründuche Res vision der Gesezgebung über das Accisewesen.

Es ist hier nicht defannt, daß, wie ‘die teutschen Zeitungen erzählen, der Mörder des Herrn v. Kos e- bue von sciner Wunde hergestellt oder außer Gefahr sey.

A. nl14n d.

Ber lin, vom 14. May. Die durch verschiedene öffentlihe Blätter, noch ganz neuerdings durch die Ober : Postamiszeitung zu Frankfurt am Main, ver- breitete Nachricht: daß dec oberste Gerichtshof für das Großherzogthum Nieder - Rhein seinen Sis in Köla angewiesen erhalten habe, muß dahin berichtigt werden: daß das Appellations: Gericht in Köln, der oberste Gerichtshof aber, das Kaßations- Gericht, in Berlin seinen Sih erhält.

E C O T E I T T E E S E wm area

(Dieses Gefühl, das Andenken dee |

Zur Geschichte dex alten Schlefischen Obligationen.

Die Bundestags - Versammlung hat sich auf den Vortrag, welcher ihr über die Reklamation der Fnha: ber sogenanter alter Schlesischer Obligationen erstat: tet worden, für inkompetent erklärt und die Rekla- manten, wie zu erwarten war, zurückgewiesen. In die historische Darstellung des Herrn Bericht - Erstat- ters ist jedoch ein Umstand eingefloßen, der deshalb einer „nähern Erläuterung bedarf, weil er den am Schluße des Vortrages ausgedrückten Wunsch eiuer Vertretung der Reklamanten im diplomatischen Wege motivirt zu haben scheint.

Es wird nämlich als fakxtisch vorausgeseßt, daß Friedrich der Große diese, jest in Anspruch ge- nommenen Gelder bei Gelegenheit seines über die Wegnahme Preußischer Schiffe mit Großbritannien entstandenen Streitigkeiten im Fahr 1752 mit Beschlag habe belegen laßen, und daß beide Mächte sich auf Anlaß ihres im Jahr 1756 geschloßenen Allianz - Trak: tates hierüber ausgeglichen, indem Großbritannien eine Aversional - Summe zur Entschädigung für Preu- ßen unter der Bedingung stipulirt habe: wenn Preu- ßen den Arrest äuf die Schlesischen Gelder aufgeho: ben und die Englischen Gläubiger derselben befriedigt haden würde.

Hierin liegt ein Mißverständniß. Der gte Artikel des Friedensclußes vom 28. Jul. 1743 enthält : daß der Kaiser Karl, YL1, unter Verpfändung Schlesischer Einkünfte ein Darlehn bei Englischen, Holländischen und Brabantischèn Häusern negozirt hatte. Die beiden ersten, also die Befriedigung der Englischen und Hol- ländischen Häuser, vernahm Friedrich der Große, und nur was die Holländischen Gläubiger betrift, be: hielt er sich die Kompensation und Abrechnung auf seine Foderungen an die Republik Holland vor. Die mit Großbritannien entstandenen Streitigkeiten hat: ten hienach blos die Gelder zum Gegenstande, roelche die Englischen Häuser aus Schlesien zu fodern hatten, und diese Streitigkeiten sind beseitigt. Aber die An- sprüche der Holländischen Hâäufer hatten hiemit gar nichts gemein, und nur diese sind es, die der Hofrath Reuling gegenwärtig geltend zu machen sucht.

Die anderweiten Aufélärungen , die ein Schreiben vom Main in der Franffurter Ober - Postamtszeitung vom 5. d. M. zu erhalten wünscht, sind wir zu ge- ben auch schr gern erbötig.

1) Daß dieser Schuld an die Holländischen Häusee auch im Hubertsburger und Teschner Friedenschluße erwähnt worden (im leßten weniástens mittels Bezu: ges auf den ersten), war den Verhältnißen zwischen den paciscirenden Mächten ganz gemäß. Preußen hatte mit dem Besitze von Schlesien durch den Berli- ner Friedenshluß die Schuld Übernommen, und Oefter- reich ist seitdem von der Bezahlung ganz befreit ; darüber ist fein Zweifel, und das nur is in den Frie- densverträgen ausgedrückt. Aber die Verhältniße Preußens gegen Holland sind in diesen Verträgen gar nicht berührt, und gar nicht verändert ; wie oft auch Preußen gegen Oesterreich seine Verpflichtung zur De- puration. anerkannte, es begab sich dadur niemals seiner Kompensations - Befugniß gegen Hollandz die Bedingung, mit welcher Preußen die Schuld über: nommen, ward niemals verändert.

2) Daß die Reklamanten aus der Annáhme Schle- fischer Obligationen auf die Valuta des Darlehns, welches Preußen 1810 in Holand negozirte, eine

Schuld, gleichsam aus einem Anerkenntniß, herleiten

wollen, beweist nur, daß sie sich keinem rechtsverstäns- digen Konsulenten anvertraut haben. Preußen konnte auf die Valuta des Darlehns von 1810 auch eben- sowol - Französische Aßignate annehmen: wer aber

Y würde hieraus gefolgert haben, daß Preußen dadurch

die ganze Masse der Aßignaten übernommen!

Für die ersten Jnhaber der Schlesischen Obligatidó- nen (nicht für die Kommittenten des Herrn Reu- ling, die sih um die Rechtsverhältniße bekümmern

fonnten) ist es allerdinás zu bedauetit, daß die vdr2 malige Republik Holland das Jntereße det Jhrigén nicht mit dem Ernsiè und der stand6aften Gerechtigkeit vertrat, womit Friedrich der Größe dié Rechte der Seinen geltend machte. Diese Verire:ung mußté damit anfangen, daß Holland seine unzweifelh:ftert Verpflichtungen gegen Préußen erfüllte. Das war der Fond, aus welchem die Schlesisché Schuld getilgt werden mußte. Aber roeil Alle nicht zahlen wollten, gab man die Einzelnen Preis, und nur sich selbst und ihren Kompätrioten haben die Holländischéèn Hau- sec es beizuméßen , daß sie nicht befriediget rourden. Dâáß die Grundsáägze des Privakrechtes hier nicht àân- ewendet werden können, begreift sich leiht. Hätte Friedri der Große, im vollen Bewußtseyn der gerehtèn Foderung seines Staates àn die Républië Holland , die Holländishèn Häuser dennoch bé(ahlé und hienächst auf diplomatische Weise mit der Répuz blik Holländ um die so lange {hon ungerecht verz gerte Befriedizung seines Staates nachsichtig und wie früherhin vergeblich unterhandelt, wie würden Welt und Nachwelt es genannt haben? Gerechtigkeit nicht, fondern Schwäche. Und diese Thorheit fonnte man einem Könige nicht zumuthen, von dem es (mit Shakespeare) hieß: ein jeder Zoll ein König.

Wißenschäftlihe und Kunstnachrichten.

Die Anwesenheit Sr. Majestät des Kaisers vont Oeferreih in Rom bot den dortigen teutschen Kün st- lern eine erfreuliche Gelegenheit dar, zu Ehren des Kaisers eine allgemeine teut sche Kunst-:Aus- stellung zu Stande zu bringen. Das Lokale dazu ist im Pallaste Caffarelli auf dem Kapitol einent Gebäude, welches ehedem Kaiser Karl V. während seiner Anwesenheit zu Rom bewohnt hat auf Ver- anlaßung der Königl. Preußischen Gesandtschaft schr zwecmäßig eingerichtet worden. Die Gemáhide und andern Kunstwerke wurden schon seit dem Anfange Aprils aufgestellt und geordnet; für das Publikum abeLë ist die Sammlung ersk geöffnet worden, seitdem JI+ MM. der Kaiser und die Kaiserin dieselbe mit Jhrem Besuche bechrten, welches am 16. April geschah. Der Kaiserl. Oester. Botschafter, Fürst v. Kaunis Durcchl., und der Königl. Pceuß. Gesandte Niebuhr begleiteten JJ. MM. Alerhöchstdicselben verweilten beinahe anderthalb Stunden in den Sälen, betrachte- ten alle irgend bemerfkenzwerthe Stücfe mit vieler Aufmerksamkeit und Theilnahme, und unterhielten Sich auf das Herablaßendste mit mehren der anwesenden Künstler, unter denen sich auch verschiedene Dester- reicher aus den teutschen Erbstaaten befanden. Es maren auf diefer Uusstellung die Werke vort 47 teutschen Künstlern zu sehen, denen sh noch 14 andere aus der teutschen Schweiz, den Niederl an- den, Dänemark, Schweden und Rußland gn- gsschloßen hatten, nebst einem Ftaliener ( Peter Tes neran i) aus dem Oesterreichischen Jtalien, Schü: ler von Thorwaldsen. i

Die Namen der teutschen Künstler sind folz gende : Karl Barth, Kupferstecher und Mahler, aus Hildburghausen z! Frauz Catel, Mahkter, aus Berz lin; Peter Cornelius, Mahler, aus Düßeldorf ; Jos hann Friedrih Dietrich, Mahler, aus Würtemberg z Ludwig Döll, Mahler, aus Gotha; Konrad Eberz hard, Bildhauer und Mahler, aus Baiern; Karl Jo= hann Eggers, Mahler, aus Neu - Strelis; Johann Faber, Mahler, aus Hamburg ; Karl Fohr, Mahler, aus Heidelberg ( gestorben in Rom im Jahre 1818)z Friedrich Gmelin, Kup ersteher, aus dem Baden=- schen ; Johann Friedrich Helmsdorf,- Mahler, aus Magdeburg; Johann Haller, Bildhauer, aus Baiern z Karl Herrmann, Mahler, aus Oppeln in Schlesien z Hopfgarten und Jollage, Bronze- Gießer, aus Berlin z Joseph Koch, Mahler, aus Tyrol; Ern Langenmayer, Mähler, aus Schlesien ; Johanrt Le eb, Bildhauer, aus Memmingen; Heinrich Lengs x i ch, Mahler, aus Stettin; Ludwig Lund, Mahler,