1819 / 93 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung, Sat, 20 Nov 1819 18:00:01 GMT) scan diff

Die Minister hatten dur eine gute Finanzverwaltung

in der ersten Hälfte des 18ten Jahrhunderts den Kredit so hergestelit, daß ihnen Geld zu 5 Procent angebo- ten wurde. Sie kündigten nun die Kapitalien, 0 zu 5 Procent standen, und da die Jnhaber derselben auch eben nicht mehr als 5 Procent zu bekommen wuß- ten, so boten fie den Ministern an, daß sie fich auch mit 5 Procent begnügen wollten. Auf diese “Weise find bekauntlich die 5 Procent - Stoks in England ent- standen. Die Minister ließen ihr Finanzsystem nun fo fortgehen , legten aber die 2 Procent, fo sie erspar: ten in den Tilgefond, und tilgten so Kapitalien, ohne daf es der Nation neue Auflagen kostete.

Wenn man daher auch nicht annehmen will, daß die Menschen beßer sind als vor 100 Jahren, so darf aan doch annehmen, ‘daß sie flÜger sind. Und wenn fie sich nur nicht mit fingirten Etats wechfei: feitig betrügen und verwirren, so gilt es glei, ob fie solches aus Klugheit oder aus Sittlichkeit un- terlagen, obgleih es ihres eigenen Besten wegen aller- dings zu wünschen ist, daß sie es aus Si ttlichkeit unterlaßen mögen.

Viertens ist das ein großer Fortschritt bei den Lans

desverhand!ungen , daß die Stände keine Dieten be- Xxommen. Wie der Landtag von 1717 den HerzogthÜ- raern von Berg und Jülich nahe an 35,000 Rthlr. ge: kostet, ist schon oben angezeigt worden. Auch sagt der Marquis d’ Jtter, in der Note an den Kurfürsten Karl Theodor, so im ersten Bande von Meiners und Spittlers Historishem Magazine abgedruckr ist: „„daß die Landstände oft geflißentlich die Landtage ver: „„Zögerten, um nur viele Dieten zu ziehen, weil Viele „Unter ihnen sind, weiche nicht fo viele Einkünfte be: 1siben, als sie von einem Landtage an Dieten zie: „en.“ Das is aber immer das Verderben der Landstände, wenn sie aus den Landtagen eine Brot- winnung machen. Auch ist nicht zu leugnen, daß im 18ten Jahrhundert öfter im Bergshen Aufschwö: rungen auf ganz geringe Riitersiße geschehen sind, fo nur 53: oder 400 Methlr. kofteten, weil nur noch das alte Gemluer vorhanden war, und die dazu gehörigen Ländereien längst an die Bauern verkauft. Man hat sogar Beispiele, daß das Landtagsrecht gemiethet wurde, indem der Bauer das Rittergut behielt, wo: dur denn in Düßeldorf der Wiß entstanden , daß die armen Junker auf einem Miethklepper auf den Landtag ritten: :

Alles dieses fällt weg, sobald eine wahre Volksre- präsentation vorhanden 1st, bei der sich die Wahlen immer gegen bedeutendes Vermögen wenden, und wo die Deputirten es flein finden, wegen ein paar hun- dert Thalern, so ihnen ein Landtag kostet, eine Entschä- digung zu begehren. Jndem fie aber nun auch nicht geneigt sind, unnöthiger Weise Geld zu verzehren, fo richten sie sih gleich von Anfang so ein, daß die Ge- schäfte sich fördern, und daß ein solcher Landtag im- -mer in 4 Wochen geendigt ist. Damit er dieses sevn könne, so machen fie, daß sie nicht unvorbereitet hinkommen , sondern sorgen dafür, daß jeder schon die Gegenstände kennt, so verhandelt werden sollen, ehe sie zusammen sind. Daß dieses angeht, das sieht man am Englischen Parlamente, und an der großen Menge Gegenstände, die dort in einer Seßion ihre Erledigung finden, und alle sehr gut bearbeitet werden. Die De. putirten, so keine 4 Wochen auf dem Landtage bleiben wollen, gehen zwishendurch wieder na Haus und ommen wieder , so wie ihnen solches genehm, gerade wie die. Deputirten in England deren 658 sind, und von denen in London selten mehr als 200 versammelt find, da 40 con hinreichen, im Parlamente einen celogittigen Beschluß zu faßen.

Fünftens wird die Sache dadurch ungemein er- leichtert, daß die Sprache jeht viel volifommner, fürs zer und klarer is, als wir sie in den Verhandlungen

der Bergschen und Jülichschen Landstände des vorigen “1

Jahrhunderts finden. Man ist zu der Einsicht ge*®

fommen, daß man wohlthut, Alles mündlich zu ver?

handeln und nicht schriftlich, da die Menschen frü- her reden gelernt als schreiben. Wenn bie Stände unter der Kontrolle ihrer Kommittenten sehen, indem ihre Verhandlungen öffentlich sind, so bemühen sre fh auch gut zu reden. Denn die öffentliche Meinung Üb- auch hier ihre Macht; und wie sehr ske si in neuere: Zeit überall in den Zeitungen gegen das Sch reibe: reiteutsch erklärt hat, ist bekannt, auch. welche gute

Folgen dieses gehabt, indem die Menschen nun in | zwei Jahren größere Fortschritte in ihrer Wêèuttersprache |

gemacht, als sonst in cinem halben Jahrhunderie. Endlich darf man fe; stens aucy das wol anfüh-

ren, daß die Gesellschaft viel beßer auf stándischè Ver: ®

handlungen eingerichtet ist, als fie es vor 100 Jahren war. (s is ein viel größerer Verkehr und Austausch der Fdeen in ihr. Wenn man feht wie in einem fleinen'Gemeinewesen si alles Oesseatliche mitLeichtig-

keit macht, und wenn man nach der Ursache forscht, so

findet man, daß dieses eben aus seiner Kieinheit kommt. Weil Alles klein ist, so ift Alles nahe, und die Glieder des Gemeinewesens kennen sich, und über sehen leicht ihre Zwecke, so wie die Mittei, so se zur Erreichung dieser Zwette anzuwenden haben. Da nicht Atle weder an der Berathschiagung noch an der Aus- führung Theil nehmen können, so fangen sie-immer da- mit an, ihren Verstand zu wählen.

sorgen sollen.

Daß ein kleiner Staat, wie z. B. Bremen, \ch |

mit Leichtigkeit regiert, rührt eben von seiner Klein-

heit her, daß ert namlich nur 36,000 Znwohner hat, | Alles dieses über-

und nur 21 Quadratureile groß ist. sieht sich leit, roeil Alles nahe is, und es ist nahe, weil Alles klein ist.

Bei größeren Staaten liegt die Schwierigkeit eben in der Größe, welche Menschen und Dinge von einander entfernt hält, und die eine richtige Kenntnis erschwert. Alles das, was den Austausch der Kenntniße und den

_ Verkehr der Jdeen befö dert, trägt daher dazu vei, die

Regierung eines großen Staates zu erleichtern. Und

da ist nun nicht zu leugnen, daß die Gesellschaft auf | diesen Verkehr, durch Posken, Chaußeen, Zeitungen | und Druckereien jeßt ungleih beßer eingerichtet ist, | Mir finden aber auch

als fie es vor 100 Jahren war. wirkli, daß die Völfer, so eine öffentliche Gesebge- bung bei sich eingeführt habèn, ziemlih {nell hiemit ins Gleis gekommen sind, und man muß dieses denx Umstande zuschreiben, daß die Austauschmittel der Kenntniße sih sehr vervollkommnet haben, und daß es für die Gesellschaft leihter geworden, si ch über Menschen und Dinge zu unterrichten, als es früher wat. Wie schnell is man nit über- all mit dem Geldhäushalte der Staaten ins Klare ge-

fommen, sobald die öffentliche Geseßzgebung sich mit

ihm beschäftigt hatte.

Auch darf man vielleicht sagen, daß die- bsfentlihe Meinung beßer ist als früher, eben weil sie sich zwi-

schon entfernteren Personen bildet, so blos die Gleich- heit der Gesinnung mic einander verbindet, und auf die die Ansteckung der Oertlichkeit, der Verwoandt-

* schaften und Gevatterschasten keinen Einfluß übt.

Wenn man alle diese Gegenstände sorgfältig in Er- wägung zieht, so sieht man, daß fich der ganze Zustand der Gesellschaft und alle Verhältniße seit 100 Jahre völlig geändert haben , und daß man daher gar nicht zu befürchten, daß die Landtags - Verhandlungen wie- der so vôll Zank, Hader und Verdruß werden werden, wie sie damals fast überall waren, und wie wir fole ches eben in den Landtags : Akten der Bergshen und Jülichschen Stände gesehen haben. B,

aat 5A A N S I I i er T2 Ca

Diese Wahlen * werden jedesmal gut, weil die Leute sicy kennen, und * weil, wie Montesquieu schou bemertt, das Volk f einen besonderen Taët bei der Wahl der F Männer hat, die seine Angelegenheiten be-

Allgemeine

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932 Stück. Berlin», d

L aru

'Preußische Staats - Zeitung,

A á g s S n 2a S LAE cciaiitin

en 20ften November 1819.

l, Amtliche Nachrichten.

Kronik des Tages.

Berlin, vom 20. Nooember. Se. Königliche Majestät haben den bisherigen Rath bei dem Rhei- nischen Appellationsgerichtshofe zu Köln, Herrmann Joseph Baumeister, zum zweiten General - UAdvoka- ten bei dem nämlichen Gerichtshofe, und den Rath béi dem vormaligen provisorischen Reviséonshofe zu Koblènz, Herrmann Joseph Fölix, zum Rathe bei jenein Gerichtshöfe allergnädigst zu ernennen geruhet.

Der Ober Landesgerichts : Réferendärius Stell: tér ist nach bestandener dritter Prüfung bei ber Im- mediat : Examinations - Kommißion, zum Justiz- Kom- mißarius bei dém Ober : Landesgerichte von Ost : Preu- gen zu Königsberg ernannt worden.

Der ehemalige standeshexrliche Hofgerichts - Direk: tor Friedrich Wilhelm Siebet, ist zum Jujlizkome míißarius in Muskau , mit Anweisung der Praxis bei den Gerichten der Standesherrschaften Muskau und Halbau, und den Ortschaften des Rothenburger Krei- ses in einer Entfernung von 5 Meilen von Muskau, bestellt worden.

An die Stelle des verstorbenen Dr. Beresford, ist nunmehr der Privatdocent, Dr. von Seymour, zum Lektor der Englischen Spräche und Litteratur bei hiesiger Universität ernannt und beste!it worden.

Der Sprachlehrer Franceson ist zum Lektor der Franzöfischen, Jtalishen und Spznischen Sprache

I und Litteratux bei hiesiger Universität ernannt wörden.

IL Zeitungs-Nachrichten.

A usland.

Paris, vom 15. November. Der König hat die Eröffnung der Kammern auf 14 Tage, bis zum 29. d, verschoben.

Der Moni?eur ertheilt eine Verordnung, dur welche den Lieutenants der Jnfanterie und Kavalerie eine jährlihe Zulage von 200 Fr. bewilligt wird. Auch en-/hält dieses Blatt eine ausführliche Verord: nung über die Organisation der Marine vom 31. v. M.

Dem Ausspruche der Renommée, daß die Liberalen den Ruhm Napoleons bewundern und seine Grund- säge fürchten, sezt dèr Censeur entgegen, daß der Ruhm éinèés Mannes ohne Grundsäße odér von shlehten Grundsäßen zu zwéideutiger Natur sey, um ein Gegenstand der’ Bewundetuüg werden zu können. Es sey wol einmal Zeit, den großen Untershzied zwi- shén dem Ruhme und der Berlhmtheit (gloire, célébrite) zu begreifen. :

Zum Behuf der gerichtlichen Verfolgung dee Möt- dèr des Marschals Brüne erfolgt jez! ununterdro- chen die vorläufige Untersuchung zu Nimes durch Ab: höôrung aller Personen, welche eine Kenntnis von den bei der Ermordung vorgefailéènen Umständen haben.

Der Moniteur tadelt allgemein die Angrisse der Parthei : Journale auf die Verwaltung, insdvesondre aber die falscyvecbreireten Naprichcen in Bezug auf

die Reformen der Militairverwaltung. Er leugnet; daß der Kriegsminister auf die Veränderung der be- stehenden Einrichrung angezragen, besonders daß e beabsichtiger habe, aus der fkönigiihen Garde einen Kern elite) des Heeres zu bilden. Auch werden die in Ansehung der Officiere vorgenommenen Verände- rungen gerech:fertigt. Es würde unmöglich seyn, det beschränkten Zahl der Truppen, welche ein sparsamer Haushalt unter den Fahnen zn halten gestatte, durch die Organisaiion Kraft za gêben, wenn der König nicht das Recht häire, die fähigsten Officiere an dié Spitze der Regimenter und Korps zu stellen. Ailer- dings sey die treue Ergebenheit an den König ein unerlaßlihes Erfodernis zur Beförderung im Heerez aber diese Ergebenheit sey für das Waffenhandwerk_ nicht hinreichend. /

Wir habeñ die Londoner Náchrichten bis zum 8. de Sie enthalten nichts Bedéutendes, doch find die Fonds im Sinken, 5 p: C. consol. 68.

Madrid, vom a. November, - Die Hoffnung, unsre junge Königin bei dem Könige eine allgemeine. Verzeihung für die wegen angesculdigter Staatsver- brechên verhafteten öder flúuchtig gewordenen Personen auszuwirken vermögend seyn werde, ist nur zum Theil in Erfüllung gegangen: Der König hat am 6e s