1897 / 187 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Wed, 11 Aug 1897 18:00:01 GMT) scan diff

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_ l. und Regts. Arzt vom 4. Magdeburg. Inf. t. Nr. 67, mit Befis nad Ilaee bileilaen Uniform, Dr. Inf e er-Stabtarzt 7 l und Regts. Arzt vom Schleswig-Holstein. Drag. Regt. Nr. 13, mit Pension, Dr. Bartliß, Stabsarzt der Res. vom Landw. Bezirk Kosten, Prof. Dr. Koerner, Stabsarzt der Landw. 1. Aufgebots vom Landw. Bezirk Rostock, Dr. Pehane: Assist. Arzt 1. Kl. der Landw. 1. Aufgebots vom Landw. Bezirk Torgau, Dr. Lepers, Afffsfift. Arzt 1. Kl. der Landw. 1. Aufgebots vom Landw. Bezirk Erkelenz; Seldner, Assist. Arzt 1. Kl. der Landw. 1. Aufgebots vom Landw. Bezirk Rastatt, Dr. Honegger, Stabsarzt der Landw. 2. Aufgebots vom Landw. Bezirk DonguesGingen, der Abscied bewilligt. Dr. Rauenhowen, Stabs- und Bats. Arzt vom 3. Bat. des Fuß, Art. Regts. von Hindersin (Pomm.) Nr. 2, Dr. Rübe, Assift. u 9 KL. vom 1. Pomm. Feld-Art. Regt. Nr. 2, Dr. Steudel, Assist.® Arzt 2. Kl. vom 1. Hannov. Inf. egt. Nr. 74, aus dem aktiven Sanitäts-Korps ausgeshieden und zu den Sanitäts-Offizieren der Ref.

übergetreten.

Nichtamtliches.

Deutsches Reiech.

Preußen. Berlin, 11. August.

Ueber die zu Ehren Jhrer Kaiserlichen und König- lihen M aieftten am Kaiserlich russischen Hofe veranstalteten Festlichkeiten berichtet „W. T. B.“ aus St. Petersburg weiter :

Den gestrigen Gefehtsübungen in Krasnoje Sselo wohnten außer Jhren Majestäten dem Kaiser Wilhelm und dem Kaiser Nikolaus die Spizen der Militärbehörden, der Chef des Militärkabinets, General der Jnfanterie von Hahnke, und der Militär-Attaché bei der deutshen Botschaft, Major Lauenstein bei. Zunächst führte das Wiborgsche Leibregiment verschiedene Evolutionen und Exerzitien aus, denen der Kaiser Wilhelm mit dem größten Interesse folgte. Seine Majestät gab wiederholt Allerhöchstseine Befriedigung zu erkennen, dankte nah Schluß der Vorführungen dem Regiments-Kommandeur und dem Divisions-Kommandeur für die ausgezeihnete Haltung des Regi- ments und die vorzügliche Ausführung der verschiedenen Manöver und verlich sodann an eine Anzahl von Offizieren und Unter- offizieren Auszeihnungen. Jm Anschluß an diese Manöver anden Kavallerieübungen statt. Die Kavallerie war in Re- M acfeoiten aufgestellt. Nah dem Abreiten der Fronten durch beide Mozjestäten manövrierte die Kavallerie gegen markierte feindlihe Kavallerietruppen und ius dies selben durch einen umfassenden Angriff zum anken. Sodann erfolgte eine brillante Attacke der Kavallerie gegen die markierte Avantgarde eines heranmaschierenden feindlichen Jnfan- terie-Korps. Die mächtige Staubentwickelung entzog zwar den

ushauern die Details der sehr interessanten Bewegungen, ließ aber den Werth der Verwendung der Kavallerie auch bei dem heutigen Stande der Waffentechnik glänzend hervorireten. Nach Abschluß der Manöver fand im Kaiserpavillon ein Früh- stück stati, zu dem auch alle fommandierenden Offiziere geladen waren, welhe an den Uebungen theilgenommen hatten. Bei der Tafel theilte Seine Majestät der Kaiser Wilhelm Seiner Kaiserlihen Hoheit dem Großfürsten Nikolaus Nikolajewitsch die Ernennung zum Chef des Magde- burgischen Husaren - Regiments 10 mit. er Kaijer sandte alsbald ein Telegramm an das Regiment ab, worin Allerhöchstderselbe diese Ernennung mit dem Ausdruck der Hoffnung ankündigte, daß das Regiment fih dieser hohen Ehre stets würdig zeigen werde. Der Großfürst Nikolaus richtete an den Regiments-Kommandeur ebenfalls ein Telegramm, in welchem Höchstderselbe als neuernannter Chef dem Regiment seinen Gruß übermittelte und den Regiments-Kom- mandeur ersuchte, diesen Gruß dem ganzen Regiment bekannt- eben zu wollen. Seine Kaiserliche Hoheit der Großfürst yrill Wladimirowitsch wurde von Seiner Majestät dem Kaiser Wilhelm à la suite der Deutschen Marine estellt. | E Nach dem Frühstück kehrten beide Monarchen nach Peterhof zurück, wo Abends ein Galadiner statifand. ‘Der Kaiser Wilhelm hatte dabei russische, der Kaiser Nikolaus deutsche Admirals-Uniform angelegt. Etwa 60 deutsche und 30 russische Marine-Offiziere hatten Einladungen erhalten. Auch Seine Königliche Hoheit der Prinz Heinrih war anwesend. Ferner waren zugegen: der Reichskanzler Fürst zu S at der Bot- schafter von Bülow, der Obver-Hof-Marschall Graf zu Eulen- burg, der Chef des Zivilkabinets, Wirkliche Geheime Rath Dr. von Lucanus, der Chef des Militärkabinets, General der Infanterie von Hahnke und der Chef des Marine- Fabinets, Kontre-Admiral Freiherr von Senden-Bibran, sowie mehrere russishe Minister und die Spißen der russischen e staaten. Im Verlauf der Tafel brachte Seine Majejtät der Kaiser Nikolaus in deutsher Sprache nachstehenden Trinkspruch aus:

„Ich bin hoch erfreut, die Offiziere der deutshen Flotte, zu der Fch selbst die Ehre habe zu gehören, als Gäste bei Mir zu sehen, und Iee:e Mein Glas auf Ihr Wobl und das Geteißen der s{hönen teutschen Flotte.“

Pera erwiderte Seine Majestät der Kaiser Wilhelm:

„Im Namen Meiner Flotte spreche Fh Eurer Majestät Meinen tiefgefühltesten Dank aus. Ich trinke auf das Wohl und Gedeihen der s{ônen und glorreihen Flotte Eurer Majestät, deren Admiral zu sein, Ich jet die Ehre habe.“

Nach der Tafel wurde Cercle gehalten.

Jhre Majestät die Deutsche Kaiserin traf gestern Vormittag gegen 11 Uhr auf der Yacht „Alexandria“ mit Jhrer Kaiserlichen Hoheitder Großfürstin Konstantin aus Peterhof in St. Petersburg ein. Am Landungsplaz hatten sich zur Be-

rüßung der Chef des Generalstabes der Marine, Vize-Admiral Roellan mit den Generalen Clayhills und Adelsson ein- aue Die Yacht „Alexandria“, welche die Kaiserliche

tandarte gehißt hatte, wurde auf der Fahrt von Peterhof nah St. Petersburg von dem Flagg-Kapitän des Kaisers Nikolaus, Admiral Lomen geführt. Vom Landungssteg begab Sih Jhre Majestät in offenem Wagen in das Winterpalais. Nachdem die Kaiserin die Eremitage besichtigt hatte, fuhr Allerhöchst- dieselbe mit der Großfürstin Konstantin nah dem Häuschen Peter's des Großen und von dort längs des Palaft-Quais an dem Palais des Prinzen von Oldenburg und am Sommer- garten vorbei, am Lebiashiji- und Ekaterinen - Kanal entlang nach dem Newsky- Prospekt. Von dort ging die Fahrt über die Kasansche Brücke nach der Jsaaks-Kathedrale, an deren Ein-

ät begab Sich sodann mit der Großfürstin Konstantin nah dem Denipfer 9 e und unterbrach die Fahrt nur am Ekaterinen-

Kaiser Alexander II. getödtet wurde. Gegen 11/2 Uhr kehrte die \Siserin nah Peterhof zurück. Das Dejeuner wurde auf

nah St. Petersburg gekommen war, wurde Allerhocstdieselbe Hochrufen begrüßt.

de. Smirnoff führte die Kaiserin dur die Kirche, indem bin C ierten igte und erklärte. Jhre Majest

Kanal auf einen Augenblick, um den Neubau der Kathedrale zu besichtigen, welhe an der Stelle errichtet wird, an welcher

dem Dampfer serviert. Obgleich Jhre Majestät völlig incognito

dennoch in allen Straßen von der Volksmenge mit jubelnden

Nach der im Reichs-Eisenbahnamt aufgestellten Nach- weisung der auf deutschen Eisenbahnen qaus- R Bayerns im Monat Juni d. J. vorgekommenen etriebsunfälle waren zu verzeichnen : Entgleisungen auf freier Bahn . 15

Be : in Siationen / E 2usammenstöße auf freier Ä. Su 6 in Stationen . . 16 sonstige Betriebsunfälle. . . 144

zusammen 192

Die Betriebslänge betrug 39 647 km, an Zugkilometern wurden geleistet 28 418 895, sodaß je ein Unfall auf 202 km Betriebslänge oder auf 148 015 Zugkilometer entfällt. e | ver- Bei den Unfällen wurden: tébtet leßt M E E Bahnbeamte und Bahnarbeiter im Dienst . .| 26 | 78 Post-, Steuer-, Telegraphen-, Polizei-Beamte 2c. E L e E S 5 fremde Personen, einscließlih der nicht im Dienst befindlihen Beamten und Arbeiter, aber ausschließlich der Selbstmörder i

zusammen . . | 117

10

Bayern. Seine Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz des Deutschen Reichs und von Preußen sowie Jhre Königlichen Hoheiten die Prinzen Eitel - Friedrich, Adalbert, August Wilhelm und Oskar von Preußen find, wie „W. T. B.“ meldet, gestern Nachmittag von Tegernsee abgereist. Höchstdieselben trafen um 5 Uhr 38 Minuten in München ein und wurden auf dem Bahnhof von dem preußishen Gesandten Grafen von Monts und den Herren der Gesandtschaft begrüßt. Um 5 Uhr 45 Minuten fuhren die Prinzen mit dem Berliner Schnellzuge nah Berlin bezw. Plön weiter. Die beiden Iran Kaiser- lichen Kinder find gestern Abend von Tegernsee ül er München, wo sie um 101/2 Uhr eintrafen, nah Wilhelmshöhe bei Cafsel

abgereist. Baden.

“m Laufe der legten vierzehn Tage hat, wie die „Karlsr. Ztg.“ meldet, die Besserung in dem Befinden Seiner Königlichen Hoheit des Seokbeczogs einige Fortschritte ge- macht; außer den Bädern haben die Ausfahrten in die Wälder der Umgegend von St. Blasien einen kräftigenden Einfluß auf Seine Königliche Hoheit ausgeübt. Jmmerhin bedarf Höchstderselbe noch großer Schonung. Seine Königliche Hoheit hat deshalb vor einigen Tagen die Einladungen zu den Paraden und Manövern des VIII. und XI. Armee - Korps und der beiden Königlich Bayerischen Armee-Korps bei Seiner Majestät dem Kaiser und Seiner Königlichen Hoheit dem Prinz - Regenten von Bayern ablehnen müßsen. Höchstderselbe ist auch verhindert, den beab- sihtigten Besuh bei Seiner Königlichen Hoheit dem Prinz- Regenten in München zu machen, um für die Ernennung zum Chef des Königlich Bayerischen Infanterie - Regiments Nr. 8 Höchstseinen Dank abzustatten.

Oldenburg.

Jhre Königliche Hoheit die Erbgroßherzogin von Oldenburg ift gestern Morgen um 41/4 Uhr von einem Prinzen glücklih entbunden worden. Á

Oefterreich-Ungarn.

Einer Meldung des „W. T. B.“ aus Wien zufolge war bas Befinden des Königs Milan gestern befriedigend. Der König Alexander von Serbien wird fi infolge desen heute von dort nah Karlsbad begeben.

Großbritannien und Frland. Der Prinz und die Prinzessin von Wales sind gestern von London nah Deutschland abgereist.

Frankrei.

Der Präsident Faure ist gestern Abend, nahdem er an einem von der Munizipalität von Aix-les-Bains veranstalteten Bankett theilgenommen hatte, nah Paris abgereist.

Rußland.

Gestern Vormittag fand, wie „W. T. B.“ berichtet, in Peterhof eine längere Konferenz zwischen dem Reichskanzler B zu Hohenlohe, dem Minister des Aeußern Grafen urawjew, dem mit der vertretungsweisen Wahrnehmung der Ge äfte des deutshen Auswärtigen Amts betrauten Botschafter von Bülow und dem Botschafter Fürsten

Radolin statt. Ftalien. Z

Zur Oberleitung der diesjährigen großen Manöver, die vom 10. bis 21. September zwischen Etsch und Chiese stattfinden werden, ist, nah dem „Esercito italiano“, der General- Lieutenant Morra di avriano, fkommandierender General des VIII. Armee - Korps (Florenz), beftimmt. Es werden daran das II[. Armee - Korps (Mailand) und das VŸ. (Verona) theilnehmen, das leßtere unter seinem kom- mandierenden General, General-Lieutenant Tournon, das erstere dagegen unter dem General-Lieutenant Mirri,

on bei Gelegenheit der großen Manöver des Jahres 1

4 Armee-Korps g hat. Die ebenfalls an dem Mansee theilnehmende kombinierte Kavallerie-Division wird der Ins spekteur der Kavallerie, General Gozzani di S. Giorgio führen; fie wird aus der 1. Brigade, General-Major Toi (Regimenter Firenze Nr. 9 un MAGE Nr. der 3. ‘Savalleries rigade), und der 2. Brigade, Oberst Avogadro di Quinto (Regimenter Genova Nr. 4 und Lucca Nr. 16 der 4. Kavallerie-Brigade), zusammengeseßt sein.

Spanien.

Die Königin-Regentin hat, wie „W. T, B.“ meldet, ein Schreiben an die Wittwe des Minister - Präsidenten Canovas del Castillo gerihtet, worin Allerhöchstdiéselbe mit bewegten Worten der großen Verdienste Canovas’ gedenkt und den schweren Verlust beklagt, welhen Spanien dur dessen Tod erlitten habe. L

Am gestrigen Tage fand die i e der Leiche Canovas’ von Santa Agueda nach Madrid statt. Jm Auftrage der- Königin folgte der Mayordomo Herzog von Sotomayor. Eine große Volksmenge gab dem Zuge das Ge- leit. Jn dem Augenblick, als die Leihe Canovas' in Zu- marraya ankam, wurde dort ein Ausländer verhaftet. Viele Körperschaften der Städte des Landes werden Depu-

dem Geburtsort Canovas’ sind sämmilihe Läden geschlossen und alle derm eingestellt worden. _

Die Regierung hat beschlossen, den Mörder des Minister: Präsidenten Canovas den Militärger ichten zur Aburtheilung zu überweisen. e

Caftellar, der sih gegenwärtig in Santa Agueda be ndet, erklärte, der „Köln. Ztg.“ zufolge, der Tod Canovas' ei ein unerseßlicher Verlust für Spanien, und fügte hinzu: Sagasta müsse in das neue Kabinet eintreten; was ihn selbst betreffe, so werde er auch fernerhin, außerhalb der Regierung stehend, dem Vaterlande dienen, denn er könne nur Mitglied eines republikanischen Kabinets werden.

Wie einem neapolitanishen Blatte aus Lucera telegra- phish berichtet wird, is der dortige Po rc aetimene, der Ansicht, daß der Mörder Canovas* ein gewisser Mi cel Angiolitto, 36 Jahre alt und aus oggia gebürtig, sei, welcher seinen Namen verändert habe. ngiolitto sei im Jahre 1895 von dem Geriht in Lucera wegen anarchistischer Propaganda mittels umstürzlerisher Schriften und wegen Beleidigung des Staats-Prokurators verurtheilt worden. E habe seine Strafe im Gefängnisse von Lucera abgebüßt, s dann heimlih ausgewandert und habe si nah Spanien | geben, während er von der italienishen Polizei eifrig gesuä worden sei.

Amerika. Aus Montevideo berichtet das „Reuter’she Bureau“: dem dortigen Regierungsorgan zufolge dürfte der Krieg na Ablauf des Waffenstillstandes von neuem ausbrechen ; die Dele girten der Aufständischen für die Friedensverhandlungen de gäben fih nah Argentinien. Asien.

Die „Times“ meldet aus Simla, daß der Verlust der Mohamedaner bei dem Angriff auf das bei Peschawur belegene Fort (\. Nr. 185 d. Bl.) mehr als 300 Todt und mehrere Hundert Verwundete betragen habe. Bei det Gefecht am Montag habe die Garnison des angegriffene! Forts von Peschawur aus Verstärkungen erhalten.

Arbeiterbewegung.

Aus Leipzig berichtet die „Lpz. Ztg.*: In der Fabrik von Grob u. Co. in L.-Eutrißsh haben 40 Metall dreher die Arbeit eingestellt wegen angebliher „Maßregelung* von Arbeitern. E sollen nämli von der Firma einige Arbeiter, welche wegen Lohn verfürzung vorstellig geworden seien, entlaffen worden sein. AuÏ 9 Holzarbeiter einer Leipziger Möbelfabrik sollen angebli wege Lohnkürzung in den Ausstand eingetreten sein. j

Aus Bremen wird der „Voss. Ztg.“ telegraphiert, daß dor gestern Morgen sämmtliche Bauhandlanger die Arbeit nieder gelegt haben ; sie fordern eine Lohnerhöhung von 37 auf 40 § für die Arbeitsftunde. Ein kleiner Theil der Meister bewilligte dielt Forderung ; auf den meisten Bauten ruht die Arbeit. Ein Maurer ausftand soll bevorstehen. :

Hier in Berlin haben die Vergolderinnen der Gold, Politur- und Alhambraleisten-Fabrik von A. Werkmeister die Arbeit niedergelegt, wie der „Vorwärts* mittheilt, wegen Lieferung ur genügenden Materials. :

Aus Triest berichtet die „Wiener Ztg.“ zur Ausstandsbewegung: Einem am Donnerstag gefaßten Beschluß gemäß sind vorgestern 140 Maschhinenjungen des „Llcyd“ wegen verweigerter 50 pr zentiger Lohnaufbesserung in den Ausstand getreten. Deégleichen haben die Arbeiter der Seilfabrik Angeli die Arbeit am Montag eingestellt. Die Gasangestellten beschlossen ant Donnerstag, eine neuerlihe Bittschrift an den Verwaltunç® rath um Berücksichtigung ihrer Wünsche zu überreihen, und seten bis auf weiteres die Arbeit fort. In der Sesaaöl-Fabri! wurde vorgestern nur theilweise gearbeitet. Es ist Aussicht auf rast Beilegung des Lohrstreites vorhanden. Die Tif chlergehilfen baben in einer am Donnerstag abgehaltenen Versammlung die F einem freiwilligen Comité von Tischlermeistern angebotene zehn prozentige Lohnaufbefserung angenommen.

Aus London meldet „W. T. B.“ zum Ausstande det! englischen Maschinenbauer: Die Ausfperrung der Arbeiter il den Maschinenbauwerkstätten bat \sih jeßt aub auf Oldham aué gedehnt. Die dortigen Arbeitgeber haben beschlossen, Kündigungen erlassen, von welchen über 20 000 Mann betroffen werden. Die Al beitgeber in Sheffield haben gestern eine Versammlung abgehalten, bei welcher der Beschluß gefaßt wurde, 2000 Arbeitern zu kündigen.

I Î

Statistik und Volkswirthf} chaft.

Die Ergebnisse der Verzehrungsfsteuer in Oesterrei.

In den „Mittheilungen des K. K. Finanz-Ministeriums“ (Wis K. K Hof- und Staatédruckerei), Jahrgang 111, Heft 2, ist eis Statistik der Ergebniffe der Verzehrungssteuer im Jahre 1895 v öffentliht, aus der nahstehende Mittheilungen interefsieren dürften. Der Verzehrunassteuer sind folgende Gegenstände unterworft!' Wein, Wein- und Obstmost, Fleis, Bier, Branntwein, Zudcker, t dur Raffinierung dargeftellte Mineralöl, defsen Dichtigle! 880 Tausendftel der Dichtigkeit des Waffers niht übersteigt, fow! endlich die mit der Branntweinerzeugung verbundene Preßhefenerzeug" fle die sogenannten „geshlossenen“ Städte (Wien, Linz, Graz, Lab riet, Prag, Brünn, Lemberg und Krakau) bestehen besondere „Line, verzehrungssteuertarife“ und unterliegen in ihnen noch roeitere Die brauhsgegenstände als die angeführten der Berzehrungeen vid Bier-, Branntwein-, Zucker- und Mineralölsteuer

als eine mit der industriellen Produktion in enger Verbindung ftebe,

gang Ihre Majestät von dem obersten Geistlihen der Kirche Smirnoff und dem ganzen Personal der Kathedrale begrüßt

kommandierendem General des VI. Armee s Korps (Bol gna), weil dessen eigener kommandierender General-Lieutenant Bava

indirekte Abgabe im Sinne der geltenden Geseye in beiden

tationen zur Beisezung nah Madrid entsenden. Jn Malaga,

n na vereinbarten gleihartigen Gesezen und Verwaltung®- balt riften gehandhabt. Aud für Bosnien und die Herze- gowina gelten dieselben Besti sonstigen Ver-

steuern in den beiden c. find durch be-

Gesege geregelt. Die Biersteuer ist auf 16,7 Kr. von

olitcr und Saccharometergrade Bierwürze festgesepk, die

uktionéabgabe teim Branntwein beträgt 35 Kr. und d e Konsum-

2 35 Kr., bezw. 45 Kr. von jedem Hektoliter und Alkobolgrade

na dem vorge‘chriebenen 100theiligen Alkoholometer. Für den

Rübenzucker und für allen Zucker gleiher Art (Rohrzucker) in jedem

ande der Reinheit mit alleiniger Ausnahme des zum mens{liden

niht geeigneten Sirups werden für 100 kg netto 11 FI., für

Zuder anderer Art im festen Zuftande 3 Fl. und in flüssigem Zu-

fande 1 Fl. erhoben. Die Verbrautbsfteuer von Mineralöl beträgt

6 Fl. 50 Kr. für je 100 kg Nettogewiht; für die Preßhefeerzeugung

haben die Branntweinbrennereien eine besondere Abgabe von 2j Kr. pro Liter Alkohal zu entrihten.

Nach dieser Orientierung über die Rechtslage werden folgende

arishe Ertragsangaten von Interesse gemacht :

Der Gefammtertrag der Verzehrungsfteuer ist 1895 egen 1894 in der österreihischen Reichshälfte um 5 596 940 Sl gestiegen, in der ungarishen NReichshälfte dagegen um 4 422 215 Fl. gesunken. Im Ganzen hat sih mithin ein Mehrertrag von 1174725 Fl. ergeben. In Bosnien und der Herzegowina hat fich der Gesammtertrag um 300 803 F. erhöht.

Im Einzelnen haben in der österreihishen Reihsbälfte cinen höheren Ertrag ergeben: die Kontrolgebühr für die Dena- turierung von Branntwein um 20 449 F[., die Wein- und Most- steuer um 4123 Fl, die Biersteuer (mit Zuschlag) um 2 227 417 fe die Fleish- und Schlachtviebstreuer um 69 374 Fl., die Verbrauchs- abgabe von utt um 4 848 831 Fl.; dagegen einen Ausfall: die Branntweinabaabe um 762 805 Fl., die Abgabe für Prefhefenerzeu- gung um 40 Fl., die Verbrauchssteuer von Mineralsl um 103 775 FI., die Besteuerung anderer Objekte um 42 966 Fl. und die Verwaltungs- einnahmen (einshließlih der - Zucker-Ausfuhrbonifikations-Rückersäße und Ge E ange um 663 668 Fl. In ter ungarischen Reichs- hâlîte ergab fi ein höherer Ertrag bei der Preßhefensteuer um 4619 Fl., an Kontrolgebühr für Denaturierung von Branntwein um 693 Fl, bei der Fleisch- und Schlachtviehsteuer um 46 126 Fl., bei der Verbrauch8abgabe von Zucker um 104558 FI., bei anderen Ob- jelten um 24134 Fl. und bei den Verwaltungseinnahmen um 622 864 FIl.; dagegen ein Ausfall bei der Branntweinabgabe um 4923 285 F[., bei der Wein- und Moststeuer um 14072 Fl., bei der Biersteuer um 241466 Fl und bei der Verbrauh8abgabe von Mineralôl um 46 386 Fl. Auch in B os nien. 2c. zeigt die Brannt- weinabgabe einen Ausfall, dagegen sind die Biersteuer (+ 19 946 F[.), die Verbrauchs8abgabe von Zucker (+ 42 615 Fl.) und von Mineralôl a 294 192 Fl.) sowie die Verwaltungseizknahmen im Ertrag

iegen.

Brauereien bestanden im Berichtejahre in der Gesammt- Monarchie 1706, d. i. 39 weniger als im Vorjahre. Die Bier- yroduktion betrug 18 691 304 h], d. i. 590 481 h1 mebr als im Vor- jahre. Von der Produktion entfielen nur 1415 956 hi1 auf die ungaris che Reichsbälfte, d. i. um 168 559 weniger als im Vor- jahre, der Rest auf die öster reihische Reichshälfte mit einem Plus gegen das Vorjahr von 761 086 1.

An Branntweinsteuer (Konsum- und Produktionsabgabe) wurde im Ganzen vorgeschrieben in der Erzeugungbperiode

1894/95 1893/94 in der ôsterreichischen Neichshälfte 33 458 212 Fl. 33 972 383 Fl. in der ungarishen Reichéhälfte . 28448 122 , 31850138 , ¡usammen . . . 61906334 , 65823121 ,

Die Zabl der Rübenzuckerfabriken stellte sich in der Ge-

sammtmonarchie in der Erzeugungsperiode 1850/51 auf 100 1886/87 auf 217 1860/61 „, 125 1887/88 2 203 1870/71 215 1888/89 226 1880/81 327 1889/90 228 1881/82 230 1890/91 226 1882/83 232 1891/92 226 1883/84 230 1892/93 225 1884/85 229 1893/94 27 E 1885/86 212 1894/95 „, 230

Die in diesen Fabriken zur Besteuerung angemeldete Rüben- menge betrug 1850/51: 2747 178 Meterzentner frishe Rüben, ftieg 1882/83 auf 51911 028 und fank 1887/88 auf 35 226 999 Meter- zentner. Unter dem neuen Zuckersteuer efeß betrug die (niht amtlich) ermittelte Menge der verarbeiteten Rüben :

1888/89: 48 574 902 Meterzentner 1892/93: 71 387 417 Meterzentner 1889/90: 63 282 583 é 1893/94: 66 622 556 Ï 1890/91 : 67 263 254 ; 1894/95: 87 538 390 è 1891/92: 67 276 348 L

Außerdem ist 1894/95 ans 95165 Meterzentnern Stärkemebl und aus 7000 Meterzentnern anderen Stoffen Zucker erzeugt worden. Ueber den Ertrag der Verbrauhsabgabe von Zucker aus inländishen Stoffen, der sich im Jahre 1850 auf nur 153 377 Fl. stellte, seien noch folgende Mittheilungen gemacht: Es ergab nah Abscblag der Steuerabschreibungen für Betriebsunterbrehungen und der Steuerrückvergütungen für die über die Zolllinie ausgetretenen Zuckermengen von der vorgeschriebenen Steuersumme 1870/71 ein Reinertrag von 4344212 Fl.; 1872/73 ein folher von 6 264 788 FI.; 1875/76 ein Ausfall von 33601 Fl.; 1878/79 (Gef. v. 27. Juni 1878) ein Reinertrag von 6 000 000 Fl. ; 1880/81 (Gef. v. 18. Funi 1880) ein solher von 10 000 000 Fl. und 1887/88 ein folher von 12 800 000 FI. Unter der neuen Zuckersteuergeseßgebung ift dann der Ertrag von 13 920 060 Fl. im Jahre 1888/89 auf 31 122 346 Fl. im Jahre 1894/95 gestiegen. eit dem 1. August 1888 beträgt die Ausfuhrbonifikation für 100 kF netto für Zucker unter 93 bis mindestens 88 9/6 Polarisation 1 Fl. 50 Kr., für Zucker unter 99,5 bis mindestens 93 Polarisation 1 Fl. 60 Kr., für Zucker von mindeftens 99,5 9/6 Polarisation 2 Fl. 30 Kr. Dabei ist der Betrag, um welchen der mit 5 000000 #1. geseßlich festgestellte Maximal- betrag der Bonifikation überschritten wird, von den Zuckerfabriken an die Staatskaffe zurückzuzahlen.

Unter den geschlossenen Städten zeichnet si{ Wien, Triest (in der ungarishen ReihEhälfte auch Budapest) dadurch aus, daß hier die Erhebung der Verzehrungést-uer vom Staat selt#| besorgt wird, während sie in Linz, Prag, Brünn, Lemberg, Krakau, Graz, Laibach (Preßburg) zum theil Pächtern obliegt. In Wien beltef sih 189% die Linienverzehrungssteuer unter anderem für Wein in Gebinden auf 2086 896 Fl.; für Weintrauben auf 20 374 Fl.; für Bier auf 1 158 115 Fl.; für Riudvich unter 400 kg Lebendgewicht auf 1 147 517 Fl., für Rindvieh bis 400 kg auf 290 353 Fl.; für Schweine über 35 kg Lebendgewicht auf 982 664 F[.; für frisches leis, Würste und Konservenfleisch u. #. w., ohne Geflügel und Bild auf rund 460 000 F1l.; für Geflügel auf rund 355 000 Fl. ; für Wild, auf rund 100 000 Fl. ; für Fische u. dgl. auf rund 94000 Fl. Die Pacht chillinge für die Erhebung der Linienverzehrungéfteuer in den geshlossenen Städten ftellten sich 189% wie folgt: Prag 990 000 Fl., Graz 625 020 FI., Brünn 460 000 F[l., Lemberg 372 152 Fl., Krakau 234 720 Fl., Linz 189 673 Fl. und Laibach 150 383 FL., zusammen auf 3 030 948 Fl.

Kunst und Wissenschaft.

In dem vierten Heft der im Kunstverlage von Fanz Hanf- ftaengl in München erscheinenden Publikation der Haup1wer ke der National-Galerie zuLondon *) beginnt die Beschreibung der Gemälde aus der Um brischen Schule. Als das älteste derselben ift wohl

_*) Pictures in the National Gallery, London. With de- Beriptivé text, written (unofficially) by Charles L. FEastlake, keeper and secretary N. G. Franz Hanfstaengl, MunicB, London, New York. Vgl. d. geftr. Nr. fowie d. Nrn. 204 u. 264, Jahrg. 1896, d. Bl.

ein (auf einer Tafel veranschaulidtes) Bild von Lorenzo da Severino, einem sont wenig bekannten Meister des 15. Jahrhunderts, anzusehen, weldes als „The mystic marriage of St. Catherine“ E ift, Dem dargestellten Vorgange wohnen die P Dominicus, Augustinus und Demetrius bei, die in Haltung, Mienen und Geberden den lebendigften Antheil daran nebmen, während über dem Sessel, auf dem die Madonna thront, eine Engelshaar das Mysterium mit Musik und Gesang begleitet. Die Figuren der Jungfrau und der bl. Katharina sind von s{lichter Demuth erfüllt, während in den Mienen des Christkindes das Verständniß des feierlichen Aktes in entzückend naiver Weise Curt ift. Ein sehr interessantes, originelles Werk befigt die Londoner Galerie in einer „Geburt Christi“ von Piero della Francesca, welcher diesen Dana völlig realiftish und von jeder Tradition abweichend aufgefaßt hat. Die Madonna ersheint wie eine betend fknieende Bürgerfrau und gleih dem Chriftkinde ohne Nimbus, Joseph und die Hirten I ebenfalls Typen ibres Standes aus der Zeit des Malers; felbst eine Gruppe von fünf musizierenden und fingenden Gngel- geralen ist durch ihre Flügellosigkeit und die mädchenbafte Er- einung alles Himmlishen bar und nur von irdischer Anmuth. Man möchte vermuthen, daß das Bild aus diesem Grunde das Miß- fallen des frommen Bestellers erregt uud infolge dessen unvollendet geblieben ist. Im Text findet man von demselben Künstler noch ein eigenartig interefsantes Porträt einer Dame aus der Familie da Rimini. Niccolo da Foligno (f 1492) i mit einem Triptychon vertreten, auf dem man in der Mitte die Kreuzigung fiebt, während die beiden anderen Flügel Passionsdarstellungen 2c. zeigen. Die Komposition ift zwar ziemli konventionell, aber die Auffafsung dramatish und ausdrucksvoll. Die Allegorie der „Musik“ von Melozzo da Forli entftammt einer Serie von Darstellungen der sieben freien Künste, die der Maler für die Bibliothek des Herzogs von Urbino ausgeführt hat. Auch die Berliner Galerie besißzt zwei dieser für die Art des Meisters carakteristishen Gemälde. Von Giovanni Santi, dem Vater Rafael’'s, sehen wir eine Madonna, die mit mütterlih besorgten Zügen das, wie es \ch{eint, foeben von ihr in Shlaf gesungene Jesusknäblein vor sich bält. Luca Signorelli ist mit drei Gemälden in der Galerie vertreten, von denen zwei reproduziert sind. Neben der „Beschneidung“, einem großen, ziemlich konventionellen Altarbilde, verdient als charakteriftisher für seinen Stil, wenn das Bild auch aus einer früheren Periode stammen mag, eine „Geburt Christi* Beachtung. Namentlich ift die Gruppe der Hirten, die, mit Maria, Joseph und Gngeln einen Kreis bildend, das Kind anbeten, von liter ergreifender Wahrheit. Pietro Perugino's Schaffen wird nah seinem Wesen und dem außerordentlich stetigen Zuge dieses von der frühesten Jugend bis zum späten Alter seiner Ueberzeugung treu gebliebenen Künstlers dur vier Bilder vortrefflih gekennzeichnet, von denen in dem Heft drei reproduziert sind. Außer einer lieblien Madonna mit dem Kinde und dem fkleinen Johannes sowie einer „Taufe Christi“ (10 Figuren) von kleinem Format, aber bervorragend \chöôner Komposition und Zeichnung ist es namentli ein Triptychon, welches den Meister in jeiner ganzen Bedeutung zeigt. Dasselbe stammt aus der berühmten Gertosa bei Pavia, wo es mit einem noch vorhandenen und zwei jeßt verschwundenen Tafeln das hervorragendste Altarwerk bildete (jezt ijt alles Fehlende dort kopiert). In der Mitte fiebt man die Madonna, die Hânde zum Gebet faltend, vor dem von einem Engel gehaltenen Christkinde, auf den beiden Seiten-Tafeln den \{öôn gerüsteten Erzengel Michael und den jungen Tobias mit dem Gngel Raphael. Pinturicchio, eigentlih Bernardo di Betto Bagio, ist besonders als Frescomaler berühmt und sein Ruf als solcher erft neuerdings durch die Eröffnung der Appartamenti Borgia im Vatikan wieder weit verbreitet worden. Auch die Londoner Galerie besißt nur ein von der Wand auf die Leinwand übertragenes Gemälde von ihm, welches den wiederkehrenden Ulysses mit seinen Begleitern und die am Webstuhl sigende Penelope in dem malerishen Kostüm der Zeit des Künstlers darstellt und für seine ganze Kunstweise äußerst harakteristisch ift. Die Werke des umbrischen Malers Giovanni di Pietro, bekannter unter dem Namen Lo Spagna, sind bäufig dem Perugino zugeschrieben worden; daß dies wegen der nahen Verwandtschaft ihres Stils wohl erklärlich ist, dafür bietet der „Christus am ODelberge“, ein kleines, anziehendes und dur seinen frommen Ausdruck ergreifendes Bild, deutlihes Zeugniß. Den höchsten Gipfel ihres Könnens erreihte die umbrishe Schule in Rafael. Die Zahl der Bilder, welhe die englishe National-Galerie von ibm besitzt, ist nicht groß, aber es befindet si cine kostbare Perle darunter: die „Madonna Ansidei*, welche im Jahre 1885 für den Preis von 70 000 Pfd. Sterl. aus der Samnlung Blenheim erworben wurde. Das von dem 23jährigen Künstler für die Familie Ansidei in Perugia gemalte Altarwerk befand sich einst in der Kirche San Lorenzo daselbst, wurde 1764 dort von Lord Robert Spencer gekauft und seinem Bruder, dem dritten Herzog von Marlborough geschenkt, worauf es im Besiy der Nachkommen desselben bis zum Verkauf verblieb. Von den drei Figuren des Bildes: der thronenden Madonna mit dem Kinde auf den Knien, Johannes dem Täufer und dem heiligen Nikolaus von Bari, fesselt die würdige Gestalt diefes Bischofs, welcher in einem Buche lesend dargestellt ift, am meisten das Interesse. Die Züge der Jungfrau haben bei aller zarten Schönheit etwas fühl Konventionelles, während die edleFigur des Täufers durch die gesuhte Drapierung der Hüften beeinträhtigt wird. Das Gemälde trägt das Datum 1506. Im darauffolgenden Jahre scheint die „Hl. Katharina von Alexandria* entstanden zu fein. Das aus der Sammlung Borghese angekaufte Bild zeigt die Heilige in halber Figur, auf ihr Marterrad gelehnt, die Augen gottergeben gen Himmel gerihtet, aus dessen Wolken eine Glorie ihr entgegenstrablt. Beit mehr als das bekannte Porträt des Papstes Julius Ik, defsen markige Züge \sih in Wiederholungen (ob von der Hand des Meisters oder von Schülern) auch dem Besucher anderer Galerien einprägen, interessiert \{ließlich ein fleines Bild mit kaum fünf Zoll hohen Figur en, das ebenfalls aus dem Palazzo Borghese in Nom nach ondon gelangt ist. Dieses „Die Vision eines Ritters" betitelte Bildchen zeigt den Meister noch ganz im Stil seines Lehrers Perugino befangen. Zu beiden Seiten des am Fuße eines Bäumchens auf seinem Sgilde chlummernden jugendlichen Kriegers sieht man je eine weib- liche Figur, links eine dunkel gefkleidete ernste Gestalt, die ihm ein Schwert und ein Buch darreicht, rechts ein anmuthiges Mädchen, in bellem Obergewande und mit einem Myrthensträußfchen in der aus- gestreckten Linken. Die Feinheit und Anmuth der Zeichuung erheben dieses Werken, welches wegen seines räthselhaften allegorishen Ge- dankeninhalts auch den Geist anregt, weit hinaus über den Rang, den man ihm seiner gendes Dimensionen wegen sonst anzuweisen geneigt sein möchte. Die Wiedergabe der Gemälde in Photogravüre ift in den neuesten beiden e eine ebenso sorgfältige und tehnish vollendete wie in den früheren. Die Hanfftaengl’he Anstalt liefert damit den Beweis, daß sie der Ehre des Auftrags der Londoner Galerie-Verwaltung zur Vervielfältigung ihrer Schäße würdig war. Auch in deutschen kunst- freundlihen Kreisen verdient das s{ône Werk eine gute Aufnahme. Dasselbe erscheint in 10 Lieferungen (Folio) zum Preise von je 15 M, jede Lieferung mit 10 ganzseitigen Tafeln, 5 halbseitigen Abbildungen und erläuterndem Text.

Land- und Forftwirthschaft. Ernteausfall in Rumänien.

Ueber den Ernteausfall in Rumänien liegen von Anfang dieses Monats folgende Nachrichten aus Galay vor: Das regnerische Wetter, welhes im Mai und Juni herrschte, hat auch im Juli, wenngleich in abgeshwächtem Maße, angehalten; dies Desonders in der zweiten Hälfte des Monats. Die C nungen und Ansichten bezüglih des Ausfalls der diesjährigen Ernte find daher namentlich in den Donauniederungen mehr und mehr pessimistische gen, während aus dem gebirgigen Innern, welches fonst meif ber Trockenheit zu E hat, zum theil recht günstige Lerichte ein- laufen. Die ftarken Regengüfse, welhe bis in den August hinein fortgedauert haben, gingen zur Zeit des Drusches nieder, als das Getreide noh auf den Feldern sih befand. Die Qualität der an den

Markt gebrachten Proben neuer Ernte ligt, daß die Waare S zu leiht und daher minderwerthig ift. So hat z. B. en nur ein Gewiht von 50—54 Pfd., ift feucht und vielfah brandig, auch s{chwach im Korn. Gerste ift leiht und feucht, hat ppe g Farbe und ein Gewicht von 35—42 Pfd. Die Braugerste ist meift nur als Futtergerste verwendbar. Roggen ift noch nit an den Markt gekommen. Dagegen hat sih Mais nicht nur erholt, fon- dern steht gut, namentlich verspriht der Mais, welcher frühzeitig esät und reltreitig behackt und bearbeitet worden ist das scheint ei etwa der Hälfte der betreffenden Anbaufläche der Fall zu sein —, eine geradezu vorzüglihe Ernte. Hierin wird Rumänien voraus- pO eine freilih niht ausreihende Gntshädigung für die Verluste aben, welhe an dem Ausfall in der Ernte, namentlih von Weizen und Gerste bezliglih der Quantität wie namentli auch der Qualität, erlitten werden. Auch wird die Höhe der Preise, welhe Haufsetendenz be- wahren, wohl einen weiteren Theil der Verluste wettmahen. Endli wird der vermuthlich bis zum Ende des Jahres günstige Wasserstand der Donau sowie der fortgeseßt niedrige Stand der Frachtensäße den freilih geminderten Export lukrativer für die Landwirthe bezw. Ex- porteure gestalten.

Angesichts der Klagen und Berichte über die Ernteergebnifse in den meisten europäischen Produfktionsländern macht die Hausse- Bewegung bei den geringen ihtbaren Vorräthen immer weitere Fort- schritte. In Braila wurde unlängst eine Partie Donau-Weizen guter Qualität zu 170 4 verkauft; vor 3 Wochen hatte man dafür nur 130 M geboten. Sogenannter 10% faq. Weizen wird mit 140 4 bezahlt gegen 110 Æ zu Anfang Juli. Zu 11F Fr. per Hektoliter geshlofsene Kontrakte wurden mit 14?—15 Fr. weiter- groctes. Die hiesigen Mühlen zablen willig 17 Fr. per Hektoliter

r guten Weizen. _ Roggen ift als geräumt zu betrahten und neue Waare erft spâter zu erwarten. _ Gerste fehlt ebenfalls. Dabei i die s{chöône alte Waare zu steigenden Preisen gesucht, aber faum noch aufzutreiben. ür Mais ist gleihfalls Nachfrage bei steigender Tendenz. ie rale find auf 8/— gesunken.

Die Preise sind: per 1000 kg cif. Weizen (nominell). M 170—180, Roggen (nominell) . . 100—105, M a e 2 A O V e O T

Washington, 10. August. (W. T. B.) Nach dem Augusts Bericht des Ackerbau-Departemen ts stellt sih der Durhschnitts- stand des Mais am 1. August d. J. auf 84,2 oder 3 Points unter dem August-Durcbschnittsftand der legten 10 Jahre. Der Dur(h- shnitts\stand des Frühjahrsweizens war am 1. August 86,7 gegen 91,2 am 1. Juli, Frühjahrsroggen 89,8 gegen 90, Hafer 86 gegen 87,5 und Gerste 87,5 gegen 88,5. Der Durchschnittsftand der Baumwolle im August stellt sich auf 86,9.

Gesundheitswesen, Thierkrankheiten und Absperrungs®- Maßregeln.

Der Gesundheitsstand in Berlin blieb in der Woche vom 25. bis 31. Juli im allgemeinen ein der Vorwoche ähnlicher, doch war die Sterblichkeitsziffer etwas gesteigert (von je 1000 Einwohnern starben, auís Jahr berechnet, 20,7). Unter den Todesursachen herrschten au in dieser Woche akute Darmkrankheiten vor und forderten besonders unter kleinen Kindern zahlreiche Opfer. Die Zahl derselben war noch größer als in der Vorwoche; es erlagen diefen Krankheits- formen 241 Personen (gegen 214 der Vorwoche) und lieferten die beiden Luisenstädtishen Stadttheile, sowie das Stralauer und Königs- viertel, die Rosenthaler und Oranienburger Vorstadt, sowie der Wedding das größte Kontingent zu diesen Todesfällen, während in der Friedrichstadt, der Dorotheenstadt, der Tempelhofer Vorstadt und im Spandauer Viertel die Wia der gemeldeten Sterbefälle cine kleine blieb. Die überwiegende Mebrzahl der Gestorbenen ftand im Alter von noh nicht zwei Jahren. Die Betheiligung des Säuglings- alters an der Sterblichkeit war eine größere, von je 10 000 Lebenden starben, aufs Jahr berehnet, 107 Säuglinge. Akute Ent- zündungen der Athmungsorgane zeigten sich dagegen seltener als Todesurfachen; auch Todesfälle an Influenza sind niht zur Anzeige gebracht worden. Das Vorkommen der meisten Jnfektionskrankheiten blieb ein beschränktes. Erkrankungen an Typhus, Masern, O und Diphtherie kamen in keinem Stadttheile in nennenêwerther Zahl zu Tage. Erkran- kungen an Kindbettfieber wurden 3 bekannt; au rosenartige Ent- zündungen des Zellgewebes der Haut waren selten. Erkrankungen an Keuchhusten, die in 3 Fällen zum Tode führten, haben abgenommen. Auch rheumatishe Beschwerden aller Art, namentlich akute Gelenk- rheumatismen, wurden seltener in ärztlihe Behandlung gebracht.

Verdingungen im Auslande.

Belgien.

Nächstens. Börse zu Brüssel: Lieferung von eichenen Pfählen zur Fundamentierung von Drehscheiben, 2 Loose zu j: 600 Stü, Kaution für jedes Loos 550 Fr.; ferner von 40 Drehscheiben von Eisen, Durchmesser 4,80 m, 3 Loose, Kaution: Loos 1 9500 Fr., Loos 2 8000 fe Loos 3 8000 Fr.; von Sienenkreuzungen, die Offerten müssen mindestens 20 Vorrichtungen von jeder Art um- fassen, Kaution 30 Fr. für jede Vorrichtung; von 20 hydraulischen Sâulen System Majolini, Kaution 1250 Fr.; von 5200 Stü eihenen Planken, die Offerten müssen mindestens 200 Stück umfassen, Kaution 0,50 Fr. pro Stück, endlih von Weichenzungen, 2 Loose, Kaution 950 Fr. für das Loos.

Verkehrs-Anstalten.

Die „Zeitschrift für Binnen-Schiffahrt", welhe vom Zentral-Verein für Hebung der Deutschen Fluß- und Kanal-Schiffahrt berausgegeben wird, zugleich Verbands-Zeitschrift für den Deutsch- V U gartiSen Berband für Binnenschiffahrt unter der verantwortlichen Leitung des Majors z. D. Hilken ist und im Ver- lage von Siemenroth & Troschel in Berlin W erscheint, hat in dem vorliegenden zehnten Heft des IIT. Jahrgangs vom Juli 1897 folgen- den Inhalt: Vereins - Nachrichten. Preisaufgabe der Schlichting- Stiftung. Deutsch-Oesterreichish-Ungarischer Verband für Binnen- Schiffahrt. Der zweite Verbandstag in Wien am 25. bis 28. Mat 1897. Staffeltarife und Wasserstraßen. Dr. Emminghaus-Mannheim. Die Kanalisierung des Mains von Offenba bis Hanau. Bericht der Handelskammer zu Hanau. Verein zur Hebung der Fluß- und Kanalschiffahrt in Bayern. Die Pafsauer Tagung. Der 23. Mai. Bericht über die VII. Hauptversammlung. Geseh, betreffend die Tagegelder und Reisekosten der Staatsbeamten. Vom 21. Juni 1897. Der Masurische Kanal und die Pregel-Regulierung. Mit Karten- \kizze. Von unseren Wasserstraßen. Eingänge an Drucksachen vom 15. Juni bis 15. Juli 1897. Vermischtes. Bekanntmachung des Vorstandes.

Linz, 10. August. (W. T. B.) Heute wurde die Strecke enl ee Ischl für einen beshränkten Personenverkehr wieder er- net.

Bremen, 11. August. (W. T. B.) Norddeutscher Lloyd. „Fulda“ 9. Aug. Nm. Reise v. Gibraltar n. New-York fortges. „Friedrich der Große“ 9. Aug. Nm. Reise v. Southampton n. New-York sorge, „Darmstadt“, n. Australien best., 10. Aug. Nm. Reise v. Genua n. Neapel fortges. „Karlsruhe“, v. Australien kommend, 10. Aug. Vm. in Antwerpen angek. „München *, v. Baltimore kommend, 10. Aug. Nm. auf der Weser

angekommen.