1824 / 38 p. 4 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung, Fri, 13 Feb 1824 18:00:01 GMT) scan diff

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len, daß der, welcher durch muthwillige Eingriffe in alle Heiligthümer der gesellschaftlichen Ordnung fein Vaterland ins Verderben gestürzt, oder, wenn der Er- folg seinéèn Plänen nicht entsprach, doch alles, was sie begünstigen fonnte, entworfen und vorbereitet hatte, sich feine Verschuldung gegen andere Staaten, auch nicht ein- mal gegen die nächsten Nachbaren des seinigen vorzuwer- fen habe. Wenn von irgend einem Verbrecher gesagt werden darf, daß er sich an der menschlichen und bürger- lichen Gesellschaft in ihrer ganzen Ausdehnung verging, so muß dies von den Anstiftern prämeditirter Staats- Revolutionen und ihren unmittelbaren Theilnehmern gel- ten. Und wer dürfte das vollends noch in Zweifel zie- hen, seitdem durch unzählige Verbindungen, und täglich engere Gemeinschaft zwischen Regenten und Völkern Eu- ropa sich zu einem wahren Föderativ-Körper gebildet hat, in welchem fein Glied verstümmelt, verwundet, oder ver- pestet werden fann, ohne daß das Unheil mehr oder we- niger tief in alle übrigen eindringe. Noch giebt es frei- lich feine positivo, vertragsmäßige Norm, welche das wechselseitige Verfahren der Regierungen gegen fremde Verbrecher bestimmte; und in einzelnen Staaten is so- gar die unbedingte Zulassung und Duldung derselben, durch einseitige Gesebe, oder eingewurzeltes Herkommen zur Regel geworden. Wenn die Frage aber je vor dem Tribunal des Völker - Rechtes der Völkermoral, und der gesunden Vernunft verhandelt werden sollte, so würde die Entscheidung nicht lange zwêifelhaft seyn. *) Untersucht man diese Frage aus dem Standpunkte der Sicherheit und Wohlfahrt einzelner Staaten, so zeigt sih, daß es mit ungleich geringeren Gefahren verknüpft ist, dem fremden bürgerlichen , als dem sremden politi- schen Verbrecher Schuß zu gewähren. Jener verseßt in der Regel auf den fremden Boden nichts, als seine straf- bare Person, und allenfalls die úbel erworbenen Früchte seiner Vergehungen ; seine bösen Thaten bleiben hinter ihm zurück; er entschließt sich nicht so leicht neue zu verüben, wenn er auch die Mittel dazu fände; vielmehr hält ihn in den meisten Fällen das Gefühl seiner Lage, Furcht, Reue und Gewissensqual von sträflichen Unter-

2 TNE vereinigten Staaten von Nord - Amerika, aus Trümmern der alten Welt allmählig zusammen gewachsen; durch. ursprüngliche Bildung, von der Noth geschaffne Regie- rungsformen cigenthümliches Fnteresse, und unzerstörbaren Lokal - Charakter mehr noch als durch die weite Kluft des Oceans von dem alten organisch - gebauten Europa geschieden, haben von jeher alle fremde Verbrecher in ihren gasitfreien Schooß aufgenommen. Jhnen dieß Prioilegium streitig ma- chen wollen, wäre ein vergebliches Unternehmen. Auch kann Europa nur wenig darunter leiden ; und zuleßt is es vielleicht als eine Wohlthat zu betrachten , daß so manchen bösartigen Säften , die unser Blut vergiften, und unsre Lebensfunktio- nen siôren, jener große Abzugs- Kanal offen bleibe. Jm eur9- päischen Staaten -= Verbande hingegen ist ein solches unbe- [Dee Schußrecht, mag auch das Land, worîn es verehrt, as N Schaden anderer“ geübt wird, fich tausendmal ein Lan Mau gretheit nennen, eine völkerrechtliche Anomalte, nach s en Begriffen eben so wenig zu vertheidigen, als die so L S eatigpon g aura r welche Verbrecher

( n a er Altäre fanden. C österreichischen Beobachters.) pn ntt Vis

nehmungen zurúck; und so wie es auch mit seinet M;

ralität stehe, verwandelt er sich nach und nach in eins feine her feineswegs von Meinungen, sondern von positi-

pen Thatet, bsler Länder und Völker als Haupt-Verbrechen behan-

delt hat ,

ruhigen und unschädlihen Bewohner des Landes er sich niederlieg. Mit dem politischen Verbrecher Q hált es sih anders. Menschen, die von milden Leide [asten getrieben, aus Ehrgeiß, aus Rachsucht, aus U mäßigem Streben nah Macht, oder was gewöhnli noch unheilbarer ist aus falschen Spefulationen eing

ihrer Einsichten und Talente, aus angebornem oder (j L L r ( studiertem Hasse des Bestehenden, aus rastlosem Dram nach Neuerung und Zerstörung, Revolutionen gestiftt oder befördert haben, fehren höchst selten auf bessy

teigeist als Helden vergöttert, gewinnen sie ihre Verby chen lieb, sehen sie in verdienstliche und tugendhgj Hanglungen verklärt, bejammern nur den mißlungen Erfolg, oh4ze je. die That zu bereuen. Auf einen neu Schauplaß verpflanzt, werden sie sofort jeden günstig Umsiand benußen, um ihre Grundsäße und Gesinnung zu verbreiten, mit allen Unzufriednen des Landes i Gemeinschaft zu treten, neue Komplotte einzuleiten wu auf einem Punfte verfehlt ward, auf zehn anderen versuchen die gefährlichsten Verbindungen mit ausw) tigen Brüdern und Freunden zu unterhalten, und sou Staat, der sie aufnahm, entweder in seinem Junerny untergraben, oder wenigstens in schwere Mißverhältnlß und Kollisionen mit anderen Staaten zu verwickeln. Di Gefahren sind besonders in fleineren Staaten nichts n niger als unbedeutend; und, wo die Pflicht der- Selb) tr a ifi ns alle Or Sentimentalität, \oll!

ih auf würdigere G j eric | Pau g egenstände gerichtet Fey __ Das schwächste Argument, dessen die Liberalen s für ihre Schüblinge bedienen, ist vielleicht gerade u, welches oberflächliche Köpfe am meisten gewinnt. „J allen Zeiten, sagen sie, wären Menschen ihrer Meinun gen halber verfolgt worden ; politische, und besonders t ligieuse Parteien hätten einander wechselseitig befrieg zerrissen und proskribirt; und dennoch habe mehr als el Staaet die unschuldigen Schlachtopfer solcher Gewaltth ten, ohne daruber zur Rechenschaft gezogen zu werdet ausgenommen. Wenn dieß in barbarischen Jahrhunè ten geschehen sey, wie sollte man heute gleiches Red oder gleiche Gunst Männern versagen, die mit den Jy thümern, welche andere ihnen vorwerfen, die achtungs würdigsten Tugenden verbänden, denen man eine gewis!

Erhabenheit des Geistes nicht absprechen föônne, und F | schtsvollen Regierungen der

ren größtes Unrecht am Ende wohl Î bade E 4 Zeitalter zu seyn.“ P A

bgleich in diesen lobpreisenden Jnsinuationen, ren Sinn keinem Verständigen entgehen am der wah! Schlüssel aller Theilnahme an dem Schicksal politische! Flüchtlinge liegt, so wäre es doch unnüß, hier dabei zu verweilen. Die Frage, an welhe wir uns halten, is einfacher und flarer. Wenn in früheren Zeiten Meinun gen als solche verfolgt und verbannt worden sind, | lag es denen, die dergleichen Maßregeln für erlaud! oder nothwendig hielten, ob, die Gerechtigkeit und Weis

b bie ohne dem V Wege zurü. Von Wahn und Verblendung umstrit en {chädliher Toleranz, und unbilliger oder unnüz- durch den Beifall ihrer Anhänger berauscht, vom Puy k '

b irgend ein holutions-Advokaten behaupten, senen fz leigene Bekenntnisse, s Vaterlandes vor aller erlag! h erurtheilten, und den geseßlichen Strafen Flucht entzogenen Verbrechern

Pes Asyl Ihenland, Rom, Jtalien, : gegen Meinungen Strafgeseße und Strafgerichte ver- hängt wourden, hat Inihts gemein ; Most Grausamkeit

Ttinen ihre Heimath verließen , felbst solchen,

Fihren verblendeten

ten das wäre eine : ng_ l grife und Gefühle, die, wie weit sie auch

"civilisirten

ihnen zur Pflicht machte.

tim Gebiet der Wahrheit und i geschlagen, nur in abgenußten

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it derselben zu verantworten. “In unseren Tagen gicdt Strafgeseße gegen Meinungen mehr. Hier ist von Thaten, die bisher die Gesehgebung

Es frägt sich nicht, ob politische

die Rede. c Aùn-

chwäßer und Schwärmer, ob offene oder geheime

“inger gefahrvoller Systeme, lob selbst vorlaute Enthu-

verirrten Eigendünkels, aus hochmüthiger Ueberschäßunssasten aller Ausschweifungen des Zeitgeistes - und aller

ergangenen gegenwärtigen und éúnftigen Revolutio- en, in diesem oder jenem Staate geduldet werden sol- | die Sache jeder aufgeklärten Regierung, dlferrechte zu nahe zu treten, die Gränze

L

en? Dies 1

x Strenge zu finden wissen wird. Es frägt sich nur, Staat berechtiget , oder gar, wie die Re- verpflichtet sey, überwie- ofenfundige Thatsachen, Elend und den Ruin ih- förmlich durch die ein sicheres und bleiben- zu eröffnen? Ob mit Recht oder mit Unrecht, Epochen alter und neuer Geschichte, in Grlie- Deutschland, Spanien U. f,

Hochverräthzern, durch durch das Welt angeklagten

ln allen

mit der gegenwärtigen Untersuchung daß es in unseren Zeiten nichts als frucht- seyn wärde, jenen Beispielen zu fol- Rein, i längst anerkannt. Auch wird in allen euroyàäi- Ven Ländern Ausgewanderten, dle aus Furcht vor den Folgen notorischer Verbindungen mit revolutionairen Faf- die wäh-

Irend der Herrschaft dieser Faftlonen an der Geschäfts- führung Theil genommen hatten, der Aufenthalt gestat- tet, Daß diese Gunst aber auf die thätigen und regie- enden Häupter der Verschwörungen, auf die Urheber virflich vollbrachter, durch Tyrannei und Schrecken eine Zeitlang siegreicher, zuleßt , nicht ohne Lebensgefahr für in Staat, überwundener Revolutionen ausgedehnt, die Werkmeister der Zerstörung mit ihren oft bewußt- Mlosen Werkzeugen, die Feldherren des Hochverrathes mit Satelliten, die Betrüger mit den Be- und dieselbe Linie gestellt werden müúß- Umkehrung aller rechtlichen Be- durch die Pra- ris einzelner Staaten sanftionirt seyn mag, nie in der Welt zum Grundsaß erhoben werden fann. Diese und ähnliche Betrachtungen haben die ein- Schweiz bei den Maßre-

eleitet, welche der Mißhrauch ihrer Gastfreiheit Es ist bekannt, daß diese Maßregeln sich nur auf eine geringe Anzahl von Jndl- viduen, und nur auf solche erstreckten, deren verlänger- ter Aufenthalt für die innere Ruhe des Landes selbst châdlih werden fonnte; oder mit jeder Rücksicht auf die Sicherheit und Würde benachbarter Staaten unver- einbar war. Mögen die Schriftsteller einer Partei, die, Wirklichkeit allenthalben Sophismen, und schlecht

tigenen auf eine

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erdichteten Fabeln noch ihr Heil sucht, über Verleßung der Unabhängigkeit und National - Souverainetät der Schweiz schreien! Die Verständigen uud Besserunterrich- teten wissen, daß feine der größeren Mächte sich ange- maßt hat, der Schweiz Befehle vorzuschreiben, oder Be- hlú}e durch Drohungen abzudringen. Wenn sie Wün- \he und Besorgnisse laut werden ließen, so hatten diese die Wohlfahrt und den inneren Frieden der Schweiz eben so bestimmt, als das allgemeine Interesse der Ordnung und Eintracht in Europa zum Zweck. Die schweizeri- schen Autoritäten waren aufgeklärt genug, um sih selbst zu úberzeugen, daß eine isolirte, gleichsam feindselige Stellung mitten im europäischen Staatenbunde, dem sie angehören, ihrem wahren Vortheile so wenig als ihren politischen Verhältnissen entspricht. Dies war das Ge- fühl, nah welchem sie handelten. Mit diesem Gefühle, mit dem Beifall ihrer edelsten Mitbürger, und gerechten Ansprüchen auf die Achtung aller befreundeten Mächte werden sie den Unwillen des Conslitutionel wohl zu verschmerzen wissen.

Schweiz. Eine Schweizer Zeitung meldet : „A cinem Schreiben des Königes von Frankreich an die Eidgenossenschaft bezeigt derselbe lebhaftes Vergnügen ber das Betragen der Schweizer Truppen im spanischen Feldzuge. Der Prinz Generalissimus ertheilte ihrer Kriegszucht und Tapferkeit gerechte Lobsprüche, und der König habe die Gewißheit erlangt, daß sie nah dem Beispiel ihrer auf der edlen Wafsfenbahn ihnen vorange- gangenen Landsleute, den Grundsäßen der Ehre getrew bleiben werden, die ihnen zur Erbtugend geworden sind. Uebrigens (bemerkt hierbei ein süddeutsches Blatt) schei- nen die Schweizer, von denen das Garde-Regiment den Dienst im Königl. Pallaste zu Madrid versieht, einen gefährlichen Posten zu haben, indem sie bisweilen von den spanischen Truppen geneckt werden. So ist bet einem Auftritt am Neuen Jahre einer ums Leben ge- fommen, und nur die Klugheit der Hauptleute konnte Aergeres verhüten. Später am gleichen Tage hat es wieder Händel geseßt. Jn der Nacht vom 2en wurde auf einen Schweizer, der an einer abgelegenen Pforte des Pallastes seinen Posten hatte, ein Stein geworfen. Die Entfernung des spanischen Reiterregimentes ‘Prin- zessin hat den Streit für jeßt verhindert.

Rom, 26. Jan. Der vorgestern Mittag hier ver- storbene Kardinal Ercole i in seinem Testamente das Kollegium fide zum

Consalvi hat, wie verlautet, | de propagandá Haupt-Erben ernannt, doch auch eine beträcht- liche Summe Geldes zum Wiederaufbau der St. Pauls- Kirche legirt. Seinen ge])ammten Hausbedienten hinter- ließ er einen doppelten Gehalt, und seinem Kammerdie-

ner Giovannino eine Pensien von 100 Scudi monatlich. Die vielen in seinem Nachlasse gefundenen Dosen, Ringe x, welche er bei fo mancher Gelegenheit von den euro- päischen Souverains zum Geschenke erhielt, und deren Werth man auf mehr als 100/000 Scudi \chäbt, fallen dem Kollegium de propaganda side zu. i 98. Jan. Die Tags vorher von Spoleto ein- gegangene Nachricht von dem Ableben der verwittwe- ten Gräfin Morgalli, zärtlich geliebten Schwester des

Papstes, der Tod des Kardinals Consalvi, und die sehr