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der Graf von Erceville úber verschiedene Bittschriften Bericht abstatteten. Ueber den Antrag eines gewissen Deloncle in Bordeaux, daß känftig bei Heirathen die priesterliche Trauung der Civil-Trauung vorangehe, schlug der Bericht-Erstatter vor, zuk Tages-Orduung zu-schrei- ten, dame ‘gegenwärtige Gesebgebung nur durch ein eses verändert werden fônnez- bei welchem inzwischen der Kammer nicht die Juitiative gebühre. Der Baron Méchin und der Graf von Girardin stimmten dieser Ansicht bei. Ersterer meinte, daß man jedem Zweifel über die Aufrechthaltung der jeßigen geseßlichen CEhe- Ordnung vorbeugen müsse, weil sonst leicht Unxuhen in den Familien entstehen könnten. Leßterer äußerte, - daß, so lange die’ in der Charte ausgesprochene Religions- reiheit — eine Bestimmung, welche wohl nicht zu jenen eglemenutar- Artikeln gehöre, die man modificireh dúrfe — in Frankreich existire, man sie auch ehren müsse, und daß gerade darum bestimmt worden sey, daß die Civil - Trauung- der. priesterlichen. vorangehen solle; die Eingabe des 2c. Deloncle aber habe feinen anderen Zweck, als einen Gottesdienst zu beshüßen, um nah “uind nach alle übrige zu unterdrücken. Herr von- Berbis ¿agegen andes in hohem Grade unangemessen, daß in Sranfreich, dem einzigen Lande der Welt, noch die Ci- vil-Trauung der- priesterlichen vorangehe, wodurch diese leßtere. nur- gleihsam als eine Nebensache erscheine; und nicht allein die Katholiken, sondern auch die Protestanten, máßten wünschen, daß diese Bestimmung geändert werde. _— Die Kammer entschied eudlich,. daß die gedachte Ein- gabe des 2c. Deloncle dem Minister des Jnuern überwiéjen,
_ auch im. Nachweis -Bureau deponirt werde. Eiñe Bitt- rift der Salinen - Jnhaber des Gard- und- des Hé- nault-Departements, worin sie die Herabseßung der über- mäßigen atgcare nachsuchen, wurde. dem Finanz: Mini- ser und der Budgets-Kommission, und der Antrag eines
“Kavallerie-Officiers, Boulangier de Fougerally, auf Er- -
„rihtung eines Denfmals zum Andenken Ludwigs XVL., Ludwigs XVIl., der Königin Marie Antoinette und der “Prinzessin Elisabeth, dem Minister des Jnnern zuge-
wiesen. — Es begánn hierauf die Diskussion Úber den Geseß-Entwurf wegen der Reduftion des Zinsfußes der Rènten. Der Graf von la Bourdonnaye als erster ein- eschriebuer. Redner gegen das Geseß, drückte sich im
esentlichen aus wie folgt: ¿Wäre bloß die Rede da- von, den Zinsfuß herab zu seßen, dem Geldwucher zu steuern und die déèr Spielwuth, dem Hange zu Vergnü- Ln: mud dem Luxus gewidmeten Kapitalien, dem Af- “Ferbau, Handel und Gewerbfleiße zuzuwenden, so würde
ich ‘zu ‘einer so heilbringenden Maßregel mit Vergnügen
“die Hände bieteu. Wenn ich. aber den glülihen Erfolg dieser “Wohlthat au
demselben -sc{hnurstra statt
entgegenlaufen; wenn man,
die HerabseßUng des Zinsfußes, von der Gewalt der Umstände zu erwarten, sie durch die Gewalt der Geseße wenn man, statt die geringen Vortheile |
erzwingen willz: 1 | 24 S , die der: jebige Kours deu Wucherern -Ddar- H Z etet, 4 abermaligen Gewiun vou 25 pCt. auf die projektirte An- leihe aufs Neue antégt; weun man den Staatsgläubi-
‘gern eine moralische Gewale dadurch anthun will, daß
Operationen gegründet sehe, die
die’ Geldgier dieser leßteren vielmehr durch einen
man ihnen nur die Wahl läßt, sich entweder mit eine
geringeren Zinsfuße zu begnügen, oder ihr Kapital to) liegen zu lassen, — so fann ich nicht wohl begreifen, wi
eine Maßregel, die der Moral, der Gerechtigkeit un dem“ wohlverstandenen Jnteresse der Steuerpflichtige gleih zuwiderläuft, dem Staate irgend nüblich seyt fônne. Bevor ih mich in die hähere Untersuchung dg der Kammer vorgelegten Entwurfes, ohne alle Rücksih( auf die Vorurtheile der Provinzen und die Klagen da Hauptstadt und mit der größten Unpartheilichkeit ein lasse, muß ih erst über die gänzliche Unwissenheit Klag führen, in welcher uns der Finanz-Minister hinsichtlid des mit den Banquiers, welche die neue Anleihe übe nehmen wollen, abgeschlossenen Vertrages gelassen hat Wenn dieses Stillshweigen von Seiten des Minist riums mich befremdet, so muß es mich von Seiten da Kommission_nothwendig betrüben. Wie hat diese lebt nur den Muth haben können, Jhnen die Annahme eins Gesebes vorzuschlagen , das sie selbst nicht kannte ; un das auch die Kammer nicht kennt, da der einzige, - ihra Bestätigung vorgelegte Artikel. nichts, als die dem Mi nister gegebene Befugniß enthält, das Geschäft nach Wil kühr abzumachen?! Und doh, wenn man der ödffentl) chen Meinung Glauben beimessen darf, so ist jener Vw
trag dem Bericht-Erstatter der Kommission selbst nicht unf
bekannt gewesen; aus dem Stillschweigen also, welch« derselbe gleichwol darüber gegen uns D faceaie lg sich auf die große Verantwortlichkeit schließen, welche di Kammer übernehmen würde, wenn sie ein Geseß bewil ligte, dessen“ genaue Prüfung man ihr mit so große Vorsicht zu entziehen bemüht ist. — Was ‘die beabsih tigte Operation selbsk berrifst, so ist dieselbe weder ge recht noch erlaubt; denn wenn auch die Regierung den Renten-Jnhabern ihr Kapital auszahlt, so entzieht si ihnen in der Wirklichkeit doh den fünften Theil “iht bisherigen Einkommens; in einem Jahrhundert aber, wi jede Verwaltungs - Maßregel streng gerichtet wird, . dat das durch eine dreißigjährige Revolution ‘bis in sein Grundfeste ers{hütterte Königthum nicht ohne Gefaäh! aus 500,000 getreuen Unterthanen eben so. viel. Mißver gnügte machen, und 100,000 Familienvätern ihr Ein fommen verkürzen; man“ hintergeht den Monarchen wenn man in seinem Namek eiten so gefährlichen Ent wurf vorlegt. Und zu welcher Zeit ‘geschieht dies? Zi einer Zeit wo die von dem Finanz- Minister (Graf Corvetto), am 14. Febr. 1817. bei Vertheidigung seit damaligen Aulèihe in Renten, gesprochenen Wortt 77 ¿Die erste der Bedingungen ‘ dieser Anleihe if, - das während man sich anheishig macht, blos die Interess! dafür zu bezahlen, man niemals irgend ein Kapi tal 'auszahlt‘/‘/ bei‘uns ‘noch in frischem Audenkd siud." Und dieselbe Generation, die jene Worte v nommen nud gegen eine solche Garantie ihre Fonds he gegeben, könute man jebt, ohne ungerecht zu seyn, zwin gen ihr Geld zurückzunehmen? Gäbe es unter Fhne! wirklich noch Männer „ die in der Maßregel, den Zihs fuß der Renten um eiu Fänftheil herabzuseßen, einzi und- allein den Vortheil beachteten, daß dadurch die A gaben uin 28 Millionen vermindert würden, so fragt! diesen, ob das durch eine so uñerwartette Maßregel e
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chütterte dfehtlihe Vertrauen nicht allein hinreichend
„ ein dem Kredite nichts weniger als günstiges Zurück- jlten des baàren Geldes zu bewirken? Sie, die Depu- ften: von’ 1816 und 1817 frage ih alsdann, wozu Sie jisèrem Kredite damals so ungeheure Opfer gebracht ha-- eu2 ‘Wozü die Liquidation der von- der Tirannei ver- jorfenen Forderungen, wozu dié Anerkennung der wäh- ¿nd der hundert Tage gemachten Schulden, wenn Pie uns heute von den damals befolgten heitsamen Grundsäßen lossagen? Wie! Sie hätten -in schwierigen eiten die üunsicheren Forderungen so vieler schamlosen Nieferanten, die Schulden der Revolution , der Republik ind des Käisetthums bis zum leßten Heller bezahlt, und Tvollten heute die Schulden der Legitimität nicht integra- Viter abtragen? Nein, m. H., Sie werden ein Geseß Derwerfen, das dem zu Ende gehenden Geldwucher wie- Her Thur und Thor ôffnet, und das, weit entsernt, un- sere alen Wunden zu heilen, uns vielmehr neue schlägt ; Îèn wahrlich nicht dadurch, daß man den Saamen der IZwietracht in einem Lande streut, bezuühmt man die Lei- N denschaften in „demselben, und" nicht durch neue Ungerech- Îtigéeiten muß man die alten wieder gut machen, wenn Iman die dffentliche Ruhe und den Frieden auf die Rück- fehr der Moral und der Billigkeit gründen will. Fch stimme gegen das Geseß// — Hr. Humann sprach für Iden Entwurf, den er als einen unzweideutigen Beweis [des vorzüglichen Zustandes der Finanzen und als ein Do- fument betrachtete, das in den Jahrbüchern der franzôd- schen Geschichte seit der Wiederherstellung der Monar- hie einen der ersten Pläße verdiene, weshalb er denn uh seiner Oppositions: Rolle bei dieser Gelegenheit ent- sagt habe, um die vorgeschlagene Finanz-Öperation mit seinem unabhängigen Votum zu unterstüßen. Nachdem du Redner das Recht der Regierung darzuthun sich be- D múht, das Kapital der Renten auszuzahlen, suchte er T auh die Billigkeit dieser Maßregel dadurch zu beweisen, Ï daß einerfeits die Renten - Jnhaber bei der Auszahlung Y ihres Kapitals eine weit höhere Summe erhalten wür- den, als sie dafúr gegeben, andererseits aber auch alle Diejenigen, die seit der Anlegung des großen Buchs [Renten gekauft und behalten hätten, schon seit lange einer weit hôheren Einnahme genößen , als jede “andere | Anlegung ihres Kapitals ihnen gewährt haben würde. | Dén Einwand, daß die gedachte Auszahlung nur illuso- [risch fey, indem die Inhaber der Renten in Ermange- ilung einer anderen Art, ihr Geld unterzubringen, gezwun- I géti seyen die 3procentigen Renten anzunehmen, und st0- Imit auf einen Theil ihrer bisherigen Einkünste zu ver- ljihten, fand der Redner unvernünftig, da der Schaß fein Geschäftsbesorger und- Gekldunterbringer sey, und da, weni der Staat gar feine Anleihe gemacht hätte, die Rentner auch ihr Geld niemals so gut würden ha- [hen anlegen können, als ihnen solches dur die Anleihe | möglich geworden sey. Was die Operation selbst anbe-
| frist, so glaubte Hr. Humann daß man besser gethan ha-
] ben würde, wenn man sie niht auf einmal gemacht, son- Ï dern ‘auf mehrere Jahre ausgedehnt hätte, indem der i Kredit im Zunehmen begriffen sey, weshalb man unrecht | thue, die 3procentigen Retiten nur zu 75 pCt. ‘eiirenz; es sey Thatsache, - daß diese Renten an der
zu nego-
Lon t
| doner Börse schon jeßt eventuell“ mit 81 ‘pCet. verkauft
würden, woraus hervorzugehen scheine, daß ‘die englischèn Banquiers mehr ‘Zutrauen zu den franzöfischen «Fonds hâtten, als die Minister ‘selbst. Schließlich veklängté der Redner noch einen namentlihen Etat úber diejetise gen 57 Milkionen Renten; dié vorläufig von der RedUf- tion ausgenommen werdet sollten. “Hinsichtlich der mile den Stiftungen, Fabriken, des Montis Pietatis, dét Eh- ren-Legion und der Gemeinden, (vorzüglich dieser léßtes ren) fand er jene Ausnahme billig ; er schlug zuleßt noch einè andere Redaktion des Geseß-Entwuürfes vor, und stimmte sodann für desfen Annahme. Nach ihm“ hielt Hr. Ricard (vom- Gard-Departement) gegen den Ent- wurf einé Rede, in welcher- er vorzüglich das: Ungerechte und Geseßwidrige- der beabstchtigten Operation: darzuthüut sich bemühte, und sich Úber die Verheimlichung des mir den Banquiers abgeschlossenen Vertrages beklagte. Am Schlusse der Sißung bestieg noch der Finanz-Minister die Redner -Bühne und sprach eine ganze Sturide lang zu Gunsten des Geseß- Entwurfes. (Wir behalten uns vor, die wichtigsten Punkte aus dieser Rede, dié einen tiefen Eindruck auf die Versammlung machte, herauszu- heben und in das nächste Stück d. St: Z. aufzunehmen.) Die Kommission zur Prüfung des Budgets für 1825 ist jeßt in den Búüreaux der Deputirten-Kamtner zusam- mengeseßt worden. Sie besteht, da jedes Büreau zwei Deputirte zu ernennen hat, aus 18 Mitgliedern und hat Hrn. von Lastours zu ihrem Präsidénten, und ‘den Gra- fen von. Bourrienne zum Sekretair gewähl&. Der General-Lieutenant Guilleminot, der sich bes- fanntlich zu Toulon nach Konstantinopel eirischissen wird, nimmt drei Adjutanten mit; eine Anzahl auserlesener Vasen aus der Fabrik von Sévres, für den Großherrn bestimmt, ist zu seiner Disposition gestellt wordén. Renté 102. 80. G6 “Q London, 23. April. Wegén der heute (St. Géote ge’s-Tag) statt habenden Geburtstagsfeier Sr. Majestät unseres gnädigsten Königs ruhen die öffentlichen Ge- schäfte; Bank und Börse sind geschlossen. H AR T, Es ist im Vorschlage, eine neue westindische Kom- pagnie zu errichten; der Fond hiezu föll aus 3 -Millio- nen bestehen. Außerdem und unabhängig von diesem Plane is vor einigen Tagen eine neue Anleihe ‘für die westindischen Pflanzer, im Betrage von 5 Mill. Pfd. Srert , abgeschlossen worden. E b E Bei einem Rechtsstreite wegen vetlangten Schadéns Ersaßes von der Bank von England, "worin der Géne- ral-Anwald den Diréftoren einen öffentlihen Karatter beilegen wollte, welches aber von dem“ Han. Scarlett bestritten wurde, äußerte der Lord Ober - Richter gegen die Jury, daß die Bank nur als eine Gesellschaft von Privat-Kaufleuten zu betrachten, und, wie jeder anders Privatmann, verantwortlich sey. Die Kommission für die Verbesserung der Gefänge- nisse hat den Plan“ angenommen, zur Aufnahme ‘der weiblichen Gefangenenen getrennte Anstalten zu er-
richten. : ult Aus Malta wird uñterm 23. März gemeldet : Die von: Eknennung des Marquis“ von Hastings
Nachricht rennu : 1 Hasting zum Gouverneur dieser Insel’ har hier: allgemeine Freu