1898 / 45 p. 4 (Deutscher Reichsanzeiger, Mon, 21 Feb 1898 18:00:01 GMT) scan diff

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preis für 1 Doppel- zentner

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Am vorigen Markttage

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Durchschnitts3-

Außerdem wurden am Markttage (Spalte 1) nach überschläglicher Schäßung verkauft Doppelzentner (Preis unbekannt)

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11,50 14,20 11,60 12,40 13,00 13,50 12,00 14,00 15,07 12,97 15,00 16,40 14,50 15,00

13,00 14 00 11,75 16,00 11,75 14,00 14,40 13,85 13,95

13,60 12,50 17,60 18 00 16,00 18,60 16,40

13,00

12,10

11,90 12,00 10,80 13,5

14,00 14,20 12,00 14,30

12,20 11,00 13,20

13,60

13,20 12,20 13,60 13,40

14,80 12,50 12,00

14,09

13,50 15,00 15,00 14,00

14,00 12,67 13,75 13,50 13,60 13,50

12,00 1419 10,75 13,00

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12,00 12,80 14,00 14,00 13,60

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14,50 12,00

14,20

14,50 15,50 15,00 15,25

15,00 13,33 14,00 13,50 13,60 13,50

12,00 15.44 15,05 13,00

13,00 14/00

12,00 12,80 14,80 14,00 14,40

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13,00 16,00 14,40

14,00 15,50 15,75 15,009 15,10 13,33 14,00 13,70 13,75 14,00 14,50 14,00 15,78 15,91 14,00 14,00 13,10 15,00

14,18 14,12 15,00 14,80 14,60

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Gerste.

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13,00 14,60 13,60 14,00 14,00 14,40

15,50 16,00 15,14 16,50 18,00 15,00 15,00

17,00 15,00 13,50 16,50 12,C0 17,00 16,86 17,81 15,00

16,00 13,50 17,82 19,54 17,00 19,00 19,00 17,50 16,50 16,80 13,60 14,30

13,20 12,80 12,80 14,30 14,80 14,50 13,60 14.40

13,40 12,80 13,20 13,00 12,90

14,00 14,00 14,00 14,00 13,70 13,90 14,00 14,00 14,20

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13,00 16,00 14,60

15,00 15,80 15,75 15,80

15,50 14 00 14,50 13,70 13,75 14,00 14,50 15,60 16,48 16,67 14,00 14,20 14,00 15,09

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16,50 16,27 15,86 16,50 18,00 15,75 19,00 13,00 17,10 15.00 13,50 17,00 12,25 19,00 17,54 17,69 16,09 15,00 16,50 17,70 18,00 90,00 18,00 19 40 19,20 18,75 17,20 16,80 14,00 14,90

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15,09 13,00 13,20 14,75 14,90

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16,50 16,67 16,40 16,75 19,50 15,75 19,50 14,50 19,00 15,60 14,50 17,00 12,25 19,00 18,24 17,69 16,00 16,00 17,50 17,70 18,00 20,00 18,00 19,40 20,00 19,09 17,20 17,00 14,80 16,09

15,00 13,20 13,60 14,75 15,20

15,00 14,80 13,80 13,40 13,60

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Bemerkungen.

lle Doppelzentner und der Verkaufswerth auf volle Mark abgerundet mitgetheilt. reis niht vorge

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kommen ift; ein Punkt

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Der Durchschnittspreis wird aus den unabgerundeten Zahlen berehnet. s . ) in den leßten ses Spalten, daß entsprehender Bericht fehl t.

Deutscher Reichstag. 45, Sißung vom 19. Februar 1898, 2 Uhr.

Ueber den Anfang ter Sißung wurde am Sonnabend berichtet. i

Als zweiter Gegenstand der Tagesordnung folgt die Fort- seßung der erstenBerathungder Geseßentwürfe zur Ergänzung der Gesetze, O Postdampfschiffs-Verbindungen mit überseeishen Ländern.

Abg. Graf von Arnim (Rp): Ueber das Prinzip ter Vorlage sind die Parteien des Haufes mit Ausnahme der beiden linköstehenden einig. Es wird sih nur darum handeln, ob die Bedingungen des Vertrages mit dem Norddeutschen Lloyd acceptabel find. Auch über die Vermehrung der Fahrgeschwindigkeit der Schiffe und die Häufig- keit des Verkehrs sind wir einig. Wird der Verkehr vermehrt, jo wird auch der Einwand der extremen Gegner beseitigt, daß auf unferen Schiffen sehr viel englishe Güter gefahren werden. Unsere Exporteure versenden viele Waaren auf ausländishen Schiffen, weil sie niht wochenlang mit der Verfrachtung warten können. Mit der Vermehrung der Häufigkeit des Verkehrs tritt nun die Möglichkeit ein, taß sie auf unseren Schiffen mehr exportieren können. Es müßte aber darauf hingewirkt werden, daß die Dampfer des Lloyd ihren Proviantbedarf möglich| aus\s{ließl:ch im Inlande dccken, namentlih den Fleishkonsum. Ebenso wäre es sehr erwünsckt, wenn auf den Dampfern des Lloyd die deutshe Sprache mehr ge- pfl°-gt würde als biéher. Er hat augenscheinlich noch nicht die Ge- pflogenheiten vergangener Zeiten abgelegt und giebt der englischen SpraHe vor der deutshen den Vorzug, während auf den nihtsubventionierten Dampfern der Gebrau der deutschen Sprache vorherr!chckcht. Die deutshe Sprache darf hinter der englishen und französi!{chen nit zurückstehen. Man weist darauf hin, die englishe Sprache sei ja die Weltsprache; dann wuntere ih mich aber, daß andere Nationen, wie die franzö}sche, diefe Ansicht nicht theilen; denn ih bin überzeugt, taß auf den französisck&en Linien nicht englisch gesprochen wird. Wenn von hier aus mit den Vertret:rn auéländischer Regicrungen, mit den Präsidenten von Republiken aus Höflichkeit in der Sprache des betreffenden Landes geschrieben und telegraphiert wird, fo wird diese Höflichkeit nicht erwitert, sondern in enalisder Sprache geantwort:t. Das ist charafteristisch für die Art und Weise, wie unsere Bescheidenheit mißver standen und gemißbraucht wird. Man wirft dea Agrariern immer vor, daß sie die Industrie und den Handel niht mit demselben Wohlwollen bchandeln wie die Land- wirthschaft. Wir sind die letzten, die der Industrie und dem reellen Handel ihre Erfolge mißgöznen. Wir verkennen keineëwegs die Wichtigkeit des Handels und sind weit entfernt, die Intercssen der Industrie preiszugeben. Deshalb sind wir ja au für diese Borlage. Aber rahdem uns der Staatssekretär die erfreulihe Mittheilung ge- macht hat, daß ter Lloyd sich bereit erklärt bat, \olhe Produkte von feinem Verkehr ouszuschließen, die der Landwirthschast Konkurrenz machen, fragt es sih, ob wir ihm nicht den Import von Butter bis zu einem gewissen Grade untersagen können. Nah ihrer ganzen Konstruktion werden feine Schiffe australishes Fleisch faum in großen Massen einfükren. Wir haben auch feinen Geschmack für dieses Fleis. Bet Butter ist es aber anders. Der englische Import australisher Butter hat sih von 68 000 Lstr. im Jahre 1890 auf 1 Million im Jahre 1895 vermehrt. Wir werden die Frage in der Kommission eingehend prüfen müssen. Der Abg. Müller-Fulda hat gemeint, daß es dem Interesse Süddeutshlands mehr entsprehe, wern der Hafen von Triest angelaufen würde, statt desjenigen von Genua. Jch glaube nah wie vor, daß der Süden und Südwesten Deut\chlands viel mehr interessiert ist, über Mannheim den Rhein abwärts nah Rotterdam, aller- dings niht nach Amsterdam, einen bequemen Anschluß zu haben. Der Abg. Molkenbuhr kam zu tem Schluß, daß die Linie nah Ost-Asien sih obne Subvention balten würde; ec giebt also eine Vermehrung des Verkehrs zu. Er sagt ferner: wenn die Subvention den Verkehr vermehren würde, so würde er dafür sein, weil dann die Arbeiter den Vortheil bätten. Ec giebt also zu, daß nicht bloß die Direktoren den Vortheil haben. Daraus wird jedem einfachen Ar- beiter klar werden, daß wir auf feiten der Arbeiter stehen. Herr Molkenbuhr hat den absoluten Freibandel gerühmt. Er follte dies nur einmal den Arbeitern vortragen. Ih möchte an den Niedergang der Eifenindustrie erinnern. Die Arbeiter würden Schutzzölle und Dampfer- subventionen lieber sehen als eine Verminderung der Arbeitsgelegen- heit. Herr Weiß spra von der Konkurrenz der Sibirishen Bahn, während Herr Molkenbuhr die Hebung des Schiffsverkehrs davon erwartet. Man vergleiche doc nur die Frachtsäße bei der Beförderung zu Wasser und bei der Eisenbahn. Der 1ussishe Export nah China wird allerdings auf der Eisenbahn ein sehr erbeblicher sein; da haben wir alle Ursache, uns einen unabtängigen Seeweg zu sihern. Die Geschichte geht über die alten Vorurtheile zur Tagetordnung über, aber Sie (nah links deutend) find die Nücschrittler, wir sind die Fortschrittler. Die Erfahrung lehrt, daß der Handel der Flotte folgt; dieser Grund- faß bringt sich langsam zur Geltung. Ünsere Postdampfschiffe sind durhaus gecignet, als Repräsentanten deutscher Leistungen zu dienen und die Achtung vor Deutschland im Auslande wah zu rufen. Wir müssen cine feste Verbindung {hafen und namentli jeßt, in diesem Augenblick, wo wir einen festen Stüßpunkt gefunden haben, wo China sih dem evropä scken Verkehr mehr ershließt. Alle nationalen Parteien haben daber cin Interesse an der Annahme dieser Vorlage, um Deutschlands Stellung in der Weltpolitik zu befestigen.

Abg. Dr. Hermes (fr. Volksp.): Der Vorredner hat wit einem Apvell an dte nationalen Parteien ceschlofsen, uns also davon aué- ges{lossen, da wir niht mit ihm bezügli der Vorlage übereinstim- men Wir nehmen ebenfalls in Anspru, daß wir das deutshe JIn- teresse vertreten, Diese wirthschaftlihe Frage will von einem anderen Gesichtspunkt aus bebandelt sein, Der Vorredncr nennt uns die Rückschrittler und seine Freunde die Fortschrittler. Er behauptet, selbst England sei von manwhesterlihen Grundsäßen abgekommen und zahle mehr Subvention als wir. England is ein großes Kolonial- land und muß feste übersecishe Verbindungen aufrecht erhalten. Die Begründung der Vorlage, welhe die Nothwendigkeit der Sub- vention beweisen foll, hat mih zu der Ueberzeugung gebracht, daß das Ziel der Vorlage obne Subvention erreicht nerden kann. Die Hams- burger LZinie nach Hongkong besteht ohne Subvention; daß sie vier Tage länger fährt, maht für den Frachtverkchr nicht viel-aus. Die Kingsin-Linie hat obne Subvention sogar zweimal monatlich die Fahrt nah Ost - Asien unternommen. Der Aufschwung des Exports ist eine Folge des allgemeinen Aufschwungs der wirth- schaftlihen Verhältnisse, Wo wirklich die Subvention gewükt hat, da kann es sid nur um eine Begünstigung einzelner Intercssen und Interessenten handeln. Mit dec Konkurrenz der sibirisGen Eisenbahn rechnet die Begründung der Vorlage zu wenig, während doch thatsählich mit dem Augenblick des Beginnes des Gisenbabnverkehrs der Schiffsverkehr \ich vermindert; das zeigte

ch bei der Eröffnung der ersten Pacific-Bahn und auch jeyt wieder ei Eröffnung der argentinishen Eisenbahn über die Anden nah Chile. Bisher ist die Entwickelung des deutshen Handels und der deutschen Nhederei im wesentlichen aus der eigenen Kraft der Betheiligten erfolgt. Sie beruht also auf gesunder Grundlage. Jm Interesse der ésunden Entwickelung der deutshen Rhederei erscheint die staatliche nterstüßung überflüssig.

Abg. Dr. Hammacher (nl.): Wenn ih den Vorredner iu allen Einzelheiten widerlegen wollte, müßte ih die ganze Begründung vor- lesen. Der moralishe Einfluß der Postdampferverbindungen ist ein bedeutender, Die Anwesenheit so stolzer Schiffe im Auslande muß die Aufmerksamkeit auf den deutshen Schiffsbau lenken. Die Sub- ventionierung englisher Schiffe führt der Vorredner auf den großen Verkehr Eglands zurück. Wenn der Verkehr ein so viel größerer ist, dann könnten doch die englishen Schiffe erst recht ohne Sub- vention fahren. Der Vorredner verkennt ten Zweck der Postdampfer, die eb-n etwas Anderes sind als die gewöhnlihen Frachtdampfer. Den leßteren fallen alle Güter zu, welche keinen Dees auf Regelmäßigkeit und Schnelligkeit der Fahrt mahen. Die Postdampfer

können im Personenverkehr mehr leisten und in der Schnelligkeit der Beförderung solher Güter, bei denen es auf Pönktlichkeit ankommt. Daß au fremde Waaren aufgenommen werden, bietet allein die Möglich- keit, die Dampfer in ausreihender Weise zu befrahten. Der Lloyd hat dur die Durchführung des Vertrages bis jeßt dem Reiche den O Dienst geme wofür wir ihm dankbar sein müssen. Die Sibirische Eisenbahn wird einen Theil des Personenverkehrs an sh reißen; aber mit der Pacific-Eisenbahn kann diese Bahn nicht verglichen werden, das lehrt schon ein Blick auf die Konfiguration von Amerika; es kommt dort der Eifenbahnfahrt gegenüber ein sechsmal so langer Schifföweg in Ve- tracht, sodaß die Eisenbahnfahrt vorgezogen wird. Die Versorgung der Schiffe in den Häfen Hamburg, Brewen, Lübeck 2c. erfolgt zum großen Theil mit deutshen Nahrungsmitteln. Das is nit ohne Bedeutung für die deutshe Landwirtkl,shaft, die überhaupt ein Interesse daran hat, eine kauffräftige Industrie zur Verfügung zu haben. Die Landwirthschaft hat deshalb auch ein Interesse an dieser Vorlage. Graf Limburg - Stirum meinte freilih, er stimme für die Vorlage ter Industcie zu Gefallen, er befürchte, daß die Landwirthschaft doch etnigen Nachtheil davon haben könnte. Ich würde mich niemals dem Verdacht ausseßeu, daß ih eine Vor- lage nur einem Anderen zu Gefallen annehme. Wir sind stets bereit gewesen, zur Unterstüßung der nothleidenden Landwirthschaft, etwas zu thun; wenn wir uns von Ihnen (rechts) unterschieden, fo handelte es sich dabei niht um die Hilfe an sib, sondern um die Verschieden- heit des Weges. Wir haben uns ablehnend verhalten gegenüber folhen Maßregeln, von denen wir keine günstige Wirkung erwarten konnten; z, B. der Beseitigung der Freizügigkeit 2c. werden wir niemals zustimmen. Ich bin nicht der Ansicht des Abg. Muüller-Fulda, daß die Triester Linie wieder aufgenommen werden sollte. Von seiten bayerischer Jateressenien i mir versichert, daß es gleihgültig sci, ob Triest oder Genua als Anlaufs- hafen gewählt werde; meist werde doch der Mcdus gewählt, daß die Waaren nach Mannheim per Eisenbahn gebracht und dann auf dem Rhein weiter verfrahtet werden. Jh würde es aber befürworten, daß in dem neu abzuschließenden Vertrage ein alternierendes An- laufen von Antwerpen und Rotterdam vorgesehen wird. Redner geht dann auf die Einzelheiten des abzuschließenden Vertrages ein und bespricht namentlich die in Aussicht genommene Selbst- versicherung der Schiffe, die mit 6% des Werths berechaet sei. Es sei fraglid, ob diese 69/0 unbedingt in die Bilanz eingestellt werden sollten oder nur, wenn durch Verlust die Versicherung in An- spruh genommen sei,- Der Lloyd solle ferner verpflihtet werden, die Schiffe in Deutschland bauen zu lassen. Es frage si, ob auch der Zwang bestehen solle, zu den Schiffsbauten nur deutsches Material zu verwenden. Denn an der Herstellung dieses Materials seien noch viel mehr Arbeitskräfte betheiliyt als an dem Shiffsbau selber. Graf Limburg habe angeregt, daß das Neich die Ausbeutung der Kohlenlager in der Kiaotshau-Bucht selbst übernehmen möge. Er (Nedner) fet anderer Meinung. Denn die Erfahrungen hätten gezeigt, daß die Koblengraben doch niht Unternehmen seien, die sih unter allen Um- ständen für den ftaatlihen Betrieb eigneten. Wenn die Dawpfer- linien Uebershüfse gewährten, so sollten diefe zuerst zur Verlängerung der Linten verwendet werden.

Staatssekretär des Jnnern, Staats - Minister Dx. Graf von Posadowsky-Wehner:

Meine Herren! Eine Anfrage, die heute Herr Graf von Arnim an die verbündeten Regterungen gerichtet hat, fann ih sofort erledigen. Bereits im Vertrage von 1885 is die ausdrücklihe Bestimmung enthalten, daß neue in die subventionierten Linien einzustellende Dampfer auf deutschen Werften ertaut sein müßten, und ih bin sehr gern bereit, entspre@end der Anregung des Herrn Vorredners. auch die Frage weiter zu vertiefen, ob man nit auch gewisse Kautelen treffen kann, daß das Material, wenigstens \o- weit es in Deutschland in befriedigender Weise hergestellt wird, von deutschen Werken zu entnehmen ist. Der Herr Abg. Weiß hat bereits in der vorigen Sihung an die verbündeten Regierungen die Frage gerichtet, ob es richtig wäre, daß der Lloyd auf seine Passagepreise in England niedrigere Angebote annähme, wie der Tarif in Deutschland vorschreibt, und der Herr Abg. Dr. Hermes ist heute auf diefe Anfrage zurückgekommen. Jch hatte mir vorgenommen, meine Herren, diese Angelegenheit ers in der Kommission zu be- handeln, weil ih dabei doch avf eine Anzahl Einzelheiten eingehen muß. Da aker diese Anfrage heute im Plenum zum zweiten Male an die verbündeten Regierungen gerichtet is, und aus dem Schweigen der verbündeten Regierungen geschlossen werden könnte, daß in der That eine Begünstigung derjenigen Passagiere, welhe von England ab die Reise antreten, gegenüber den Passagieren, wele von Deutschland ab die Reise beginnen, \tattfände, halte iG mich doch für verpflichtet, hon heute im Plenum auf diese Frage einzugehen.

Meine Herren, es hatte im Januar 1897 die Kingsin-Linie an den Herrn Reichskanzler eine Eingabe gerichtet, in der Folgendes steht:

„Es sind uns Fälle bekannt, daß jemand sich ein Billet von Genua nah China in London für 65,14 Pfund = 1340 4 löste, während ihm für datselbe Billet in Deutschland der Tarifpreis mit 1435 M abgefordert wurde, und auf seine Reklamation bestätigte der Norddeutshe Lloyd diese Differenz als zutreffend, indem er dieselbe damit motivierte, daß er in England niedrige Offerten machen müßte.“

Gegenüber dieser Eingabe der Kingsin-Linie antwortete der Lloyd im März 1897 in einem ebenfalls an den Herrn Reichskanzler gerihteten Promemoria Folgendes :

„Die Passagepreise in London und auf dem Kontinent differieren allerdings vielfa. Es ist das die natürlihe Folge der vershärften Konkurrenz in London, wo die vershiedenen Dampfschiffahrtsgesell- schaften in ihren Bureaux tit neben einander arbeitev, und der Passagier, welcher Pläße belegt, die eine Gesellshaft gegen die andere auszuspielen suht. Der Lloyd sucht {on seit ciniger Zeit diese Differenz dadurh auszugleihen, daß er seinen Agenten im Inlande diejenigen Preise aufgiebt, welche die Kon- kurrenz in London jeweilig notiert, und die Agenturen anweist, dementsprehend au ihrerseits zu verfahren.“

Meine Herren, was den Inhalt der Akten betrifft, so ist es allerdings im Jahre 1889, also vor 9. Jahren, vorgekommen, daß der Lloyd billigere Passagepreise in England bewilligt hat, als der von dem Herrn Reichskanzler genehmigte Tarif vorsah. Sobald wir von dieser Thatsache Kenntniß erhielten, haben wir gegenüber diesem Ver- fahren des Norddeutschen Lloyd sofort energischen Einspruch erhoben, aber iw Hinblick auf die Konkurrenz, die der Norddeutsche Lloyd in England dur andere Linien auszuhalten hatte, haben wir allerdings generell demnächst einen billigeren Tarif bewilligt. (Zuruf links.)

Das heißt, Herr Abg. Richter, wir haben den früher genehmigten

Tarif herabgeseßt, generell (Zuruf), auch für Deutshland. Also was darin Antinationales liegt, das vermag ich nicht zu erkennen, aber ich werde für eine Aufklärung aufrihtig dankbar sein. (Heiterkeit.)

Meine Herren, dann is ein Spezialfall vorgekommen, der uns bekannt geworden is aus einem Bericht des Kaiserlichen Konsuls in Hongkong und zwar im Jahre 1893. Danach hat ein Mann, der von

Bremen mit seiner Familie nah Hongkong reisen wollte, {ch an den Norddeutschen Lloyd gewandt mit der Bitte, ihm 10 9/9 Rabatt zu ge- währen. Jn durchaus korrekter Weise hat der Norddeutsche Lloyd dieses Ersuchen abgelehnt mit Rücksicht auf den vom Herrn Reichskanzler ge- nehmigten Tarif. Dieser Mann kat sich demnächst an den Agenten des Lloyd in London gewandt, und der Londoner Agent hat, allerdings ohne Wissen des Lloyd, einen Rabatt bewilligt und sogar auf seine eigene Agenturprämie verzihtet. Jh weiß nicht, ob di:ser Fall identisch ist mit dem Fall, den, wenn ih recht gehört habe, der Herr Abg. Weiß speziell angeführt hat. Aber auch diese Frage ist erledigt, nah- dem wir dem Lloyd im Jahre 1891 gestattet haben, generell 20 9/6 Nabatt zu gewähren, um die Konkurrenz mit anderen Linien aufrecht zu erhalten. An diese Vorschriften hat sich auch der Lloyd gehalten ; aber er giebt selbst zu, daß es troßdem bisweilen vorkommen kann, daß auswärtige Agenten, um sih respektable Passagiere für die Linie zu sichern oder zu erhalten, doch noŸ geringere Pafsagepreise als den tarifmäßigen Pafsagepreis gewähren, aber dann niht auf Kosten des Lloyd, sondern indem sie ganz oder theilweise auf ihre Aaenten- provision verzichten, die 5 bis 7 9% beträgt, Auf Grund dieses Nabatts von 20 9/9 hat die Differenz der Isteinnahmen gegenüber der Solleinnahme auf Grund des allgemeinen Tarifs im Jahre 1826 genau 698 073 M betragen.

Der Herr Abg. Dr. Hammacher hat demnächst die Frage an- geregt eine Frage, die {on in der vorigen Sißung behandelt wurde —, ob wir nicht in Verhandlungen mit der belgishen NRegie- rung treten wollten, und auch mit den beiden Hafenorten Antwerpen und Rotterdam, in Bezug auf die Ermäßigung von Eisenbahnfrachten bezüglih von Hafengeldern, Feuergeldern, Lootsengeldern u. \. w. Ich halte es für praktischer, diese ziemlih komplizierte Frage nicht im Plenum zu erörtern. Jh werde mir erlauben, darüber eingehender in der Kommission ¿u sprechen. Ich muß allerdings fagen, daß wir bisher seitens Rotterdams keine Zeichen besonderer Geneigtheit erkannt haben, für den Fall, daß Rotter- dam als Anlaufshafen alternativ gewählt werden sollte, dem Lloyd auch auf finanziellem Gebiet entgegenzu- kommen.

Der Herr Abg. Dr. Hermes ist \{chließlich wiederum auf meine kurze Bemerkung in Bezug auf den Wollzoll zu sprechen gekommen. Meine Herren, ich habe erklärt, daß es handelspolitisch unmögli sein würde, die fremde Wolle jeßt, nachdem sih eine fo große Woll- textilindustrie in Deutshland ausgebildet hat, von Deutschland aus- zuschließen. Um das nahzuweifen, dazu müßte ich längere Zeit in Anspruch nehmen, und ih glaube, das würde hier nit in die Vebatte gehören. Aber ih habe allerdings auch der Empfindung Ausdru gegeben, daß es vielleiht niht richtig gewesen ist, seinerzeit den Woll- zoll ganz fallen zu lassen (hört! hört! rechts), und ich glaube, der verehrte Herr Abg. Hermes wird mir meine Empfindung nicht verwehren. Ich kann in dieser Beziehung an ihn nur die Bitte rihten: „Sire, geben. Sie Gedankenfreiheit!" (Heiterkeit und Sehr gut! rets.)

Abg. Metzger (So0z.) \spriht sh gegen die Einstellung von Farbigen in den tropishen Gewässern aus und bestreitet, daß dieselbe lediglih aus Humanität für die Weißen erfolge. Die Farbigen seien auch nicht widerstandsfähiger, denn wenn ihnen die große Hitze zu Kopf \teige, gingen sie ebenso über Bord wie die Weißen. (Vize- Präsident Schmidt: Jh verstebe nicht recht den Zusammenhang dieser Frage mit der Vorlage.) Redner erklärt, er wolle eine Be- stimmung darin aufgenommen wissen, wonach die subventionierten Dampfer keine farbigen Arbeiter beschäfiigen sollten. Die Verwen- dung des farbigen Elements auf der deutshen Handelsflotte babe ohnehin {on einen bedenklihen Uinfang angenommen.

Abg. Graf zu Limburg-Stirum (d. konf ): Jch vertrete keine do ut des-Politik ; meine Ausführungen gipfelten dahin, daß wir mit dieser Vorlage der Industrie und dem Handel entgezenkommen. Denn die Landwirthschaft hat an der Vorlage kein Interesse. Aber die Landwirthschaft will mit Handel und Industrie zusammengehen, und das ift nur mögli, wenn die Interessen der Landwirthschaft auch von der Industrie berücksihtigt werden. Herr Hammacher hat sich dagegen gewendet, daß ih dem Staat die Ausbeute der Kohlenlager in Kiao- tschau empfohlen habe. Geld wird die Sache in China fosten; wir wollen aber doch diefe unprodukttven Ausgaben nit allein dem Reiche aufbürden und die Ausbeute naher Anderen überlassen. Das Reih follte die Kohlenlager für fich mit Beschlag belegen. Der Staat soll die Kohlenlager untersuchen lassen und, wenn er sie verpachtet, von den Pächtern einen genügenden Beitrag zu den allgemeinen Kosten verlangen. Wir wollen für die Landwirthschaft gemeinschaftliches, verständnißvolles, gegenseitiges Wohlwollen, aber nit eine eigentliche do ut des - Politik, wobei für Konzessionen in einer Frage Kon- zessionen in bestimmten anderen Fragen verlangt würden.

Abg. Molkenbuhr (Soz.) erklärt sich nohmals gegen die Vor- lage, weil fie den Arbeitern keine Vortheile bringe. Man sollte lieber in jedem Jahre 54 Millionen Mark \tatt zur Subventionierung der Dampfer zum Bau von Kanälen verwenden, die dann ten Verkehr heben würden. ;

Abg. Fritzen (Zentr.): Mein Freund Müller hat allerdings die Berücksichtigung der Interessen Süd- und Westdeutshlands verlangt, aber er hat nicht die Wiedereinfügung der Linie Triest— Alexandrien zur Bedingung für die Annahme der Vorlage gemacht.

Abg. Graf von Arnim (Rp.): Wenn der Freihandel zur Dur(h- führung käme, fo würden zahlreihe Arbeiter brotlos werden ; wir wollen aber die Zufriedenheit der Arbeiter. Zunächst is es wichtiger, unsern Uebershuß an Industrieprodukten in das Ausland abzuseten, als Kanäle zu bauen, welche uns den Ueberschuß der Industrie anderer Länder auf den Hals bringen. Jch bedaure, daß die Vertretung Hamwburgs im Reichstage zur Zeit in den Händen solcher Personen ruht, welche direkt den Interessen Hamburgs zuwiderhandeln.

Auf eine nohmalige Anregung des Abg. Dr. Hermes erklärt der :

Staatssekretär des Jnnern, Staats - Minister Dr. Graf von Posadowsky-Wehner:

Ich will nur ausdrücklich feststellen, daß der Norddeutsche Lloyd das Recht erhalten hat, 2099/0 Rabatt zu gewähren, um seine Passage- preise in U-bereinstimmung zu halten mit den wechselnden Passage- preisen anderer, namentlich ausländischer Linien, daß er aber unter keinen Umständen befugt ift, etwa Ausländern niedrigere Passagepreise zu gewähren als den Jnländern,

Die Vorlage wird darauf einer Kommission von 14 Mit- gliedern überwiesen. /

Schluß 51/4 Uhr. Nächste Sißung Montag 1 Uhr (Militär-Etat).

Preußischer Landtag. Haus der Abgeordneten. 26. Sißung vom 19. Februar 1898. Auf der Tagesordnung steht zunächst der Bericht der Wahlpxrüfungkommision über die Wahl des Abg. Dr. von

S Ln tos (Pole) im 4. Wahlbezirk des Regierungsbezirks anzig.