1830 / 230 p. 3 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung, Fri, 20 Aug 1830 18:00:01 GMT) scan diff

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Uhr ‘hob der Präsident die Sißung mit dem Bemerken auf, daß er den König fragen werde, wann und in welchem Kostüm er die Deputation empfangen wolle. Deputirten-Kammer. Die Sißung vom 11. Au- gust, in welcher Hr. Laffitte den Vorsiß führte, erôfsnete derselbe mit der Vorlegung mehrerer bei der Kammer etnge- gangenen Adressen, worin die Einwohner von St. Quentin, Château- Thierry, la Fère, Epinal, Limoges und Chareauroux dié von den Deputirten getroffenen oder noch zu treffenden Verfügungen billigen. Der Vice: Prásident theilte hierauf der Versammlung sechs ihm zugegangene Schreiben mit, wor- in die Herren Syrieys de Mayrinhac, Deputirter des De- partements des Lot, Pas de Beaulieu, Le Mesre, ‘Potteau d’Hancárderie und von l’Epine, Deputirte des Departements des Nordens, so wie Hr. Devandeuil, Deputirter des Depts. der obern Marne, ihre Entlassung einreichen. (Die fünf er- stern hatten gegen die Adresse, der sechste für dieselbe ge- stimmt.) Nachdem diese säramtlichen Schreiben dem Miner des Junern überwiesen worden, war die Eidesleistung an der Tagesordnung. Der Vice - Präsident bemerkte, daß es ohne Zweifel einem jeden Deputirten freistehe, seinen Eid zu motiviren, daß er aber die Eidesformel selbst: „Jh schwöre demn Könige treu, der Verfassungs-Urkunde und den Geseßen des Landes gehorsam zu seyn, und mich in Allem jo zu betra- gen, wie es cinem guten und loyalen Deputirten zukommt s nicht ändern könne. Hr. Mercier verlangte, daß man statt ¡„König‘/, „„König der Franzosen“ sage. Mehrere Mitglie- der der linken Seite unterstüßten diefen Antrag. Hr. von Corcelles dagegen trug. darauf an, daß man die Ci- desleistung so lange ganz ausjeße/ bis die Formel durch ein Geseß verändert worden sey. Betde Vorschläge wurden indeß verworfen und die Eidesleistung ging sofort in der Art vor sich , daß die Deputirten bei ihrem Namen in alphabetischer Reihefolge aufgerusen wurden. Die Meisten leisteten den Eid unbedingt; Cimge dagegen moti- virten denselben. So sagte z. V. der Vicomte von Aban- court „Mit zerrissenem Herzen an das Unglück einer Fa-

milie denfend, der ich stets treu gedient habe, aber überzeugt, | H

daß das Band, welches uns an einander knüpfte, durch die Verordnungen vom 25. Juli und selbst noch an dem Tage gewaltsam zerrissen worden ist, wo ein Minister , die Worte des Friedens zurückweisend, im Namen seines Herrn das Blutvergießen fortzuseßen befahl, kann ih nur noch meine Pflichten gegen mein Land befragen, und ih s{hwöre daher unbedingt und voller Vertrauen zu dem Fürsten, den die Nation sich gewählt hat, treu zu seyn u. f, Derr Agier äußerte: „Wenn es sih nur um ein persönliches Jn-

teresse handelte, so könnte ih wegen des zu fassenden Ent-

\ch{lusses zweifelhaft seyn; da es aber hier vor Alem das all- gemeine Juteresse gilt, so halte ich dafür , daß das Mandat meiner Kommittenten hinreichend ist, und daß sie mih ganz besonders beauftragt haben, mein Land vor jeder Art von Geseblosigfeit und Tyrannei zu bewahren; da ih mich nun nicht dem Vorwurfe ausseßen will, daß ich durch ein strafba- res Zaudern dazu beigetragen , über das Vaterland Anar- hièé und Verwirrung zu verbreiten, und da ih über- zeugt bin , daß man durch die Verlebung eines heiligen Eid- \hwurs mich des meinigen entbunden hat , so leiste ich. den neuen Eid ohne Vorbehalt.// Herr von Berbis jagte: „„Jn den leßten Sibungen der Kammer war ich der Meinung, daß mein Gewissen mir nichr erlaube, den Thron für erledigt zu erklären; unter den jebigen dringenden Umständen aber nehme ih die Worte: salus populi suprema lex zum Wahl- spruche und leiste aus diesem einzigen Grunde den Eid.// Hr. Berryer bemerkte: „Gewalt hebr fein Recht auf: die Legi- timitát ist ein Recht, das fkostbarer für die Vöólfer , als für die Könige ist; wo aber in einem Staate das Recht des Stär- fern gilt, da muß der Einzelne sich unterwerfen, und der Wohlgesinnte ist der Gesellschaft noch alle seine Kräfte \chul- dig, um größeren Uebeln vorzubeugen. Nach dieser Ansicht hälte ih es für meine Pflicht, mich den ehrenwerthen Män- nern anzuschließen, denen ih heilsame Absichten füv mein Land zumuthe, und ich leiste daher den verlangten Eid.‘ Hr. v. Brigode ‘sprach sich folgendermaßen aus: „Auch ich bin bereit, diesen Eid zu leisten, do hätte ich wohl gewünscht, zuvor eine Auslegung über zwei Worte zu erhalten, deren Sinn ich nicht ret verstehe. Was heißt Treue? was Gehor- sam? Hat Treue einen ausgedehnteren Sinn, als Gehorsam ? Bedeutet Gehorsam etwas mehr, als Treue? Wenn Niemand cinen Unterschied zwischen beiden Worten zu machen weiß, so muß ich annehmen , . daß. beide dasselbe bedeuten, und ohne mich in diesem Falle darum zu fümmern, warum man das eine’ auf den König, das andere auf die Charte an- gewandt hat, schwöre ich beiden gleiche Treue.“ Als

bei dem Buchstaben C. der Name Chantelauze aufgerufen wurde, entstand einiger Lärm. Hr. von Corcelles shwor, unter Vorbehalt der Bestätigung seines Eides durch das Volk, die ihm unerläßlih schien. dieser Vorbehalt erregte ein gewaltiges Murren. Herr. v. Berbis meinte, ein sol- her Eid sey nicht zulässig, wogegen der Vice - Präsident ihn für gültig ‘hielt, indem der Vorbehalt sih nur auf ein fünf- tiges Ereigniß beziehe, welches durchaus nicht wahrscheinlich sey. Da indeß die Versammlung sich hierbei nicht beruhi- gen wollte, so fand Herr von Corcelles sih bewogen, seine Meinung \chriftlich aufzusezen. Mittlerweile wurde der Na- mens-Aufruf fortgesest. Als der Vicomte von Martignac an die Reihe kam, äußerte er: „Es giebt Zeiten und Um- stände, wo die Linie der Pflicht eben jo {wer zu befolgen, als vorzuzeichnen ist; ih habe lange- und reiflich über den Entschluß nachgedacht, der mir in meiner besondern Stellung zieme; ih s{meihle mir mit der Hoffnung, daß in Frank- reich Niemand die Beweggrúnde meines Handelns verkennen wird. Jch s{hwdre.‘/ Der Graf v. Montauzon äußerte: „Fch bin meinem Gewissen und meinen Kommittenten die Ertlárung schuldig, daß ich das Prinzip der Legitimität stets als eine Bürgschaft der Ruhe der Staaten be- rrachtet habe; zugleich glaube" ih aber, daß in der Lage, worein Frankreich durch die osfenbare Verleßung der Charte und den darauf erfolgten Widerstand verseßt worden ist, alle Maßregeln , die dazu geeignet sind, das Vaterland vor der Anarchie, dem Bürgerkkiege und dem Kriege mit dem Aus- lande zu bewahren, in den Pflichten jedes guten Franzosen liegen. Jch schwöre u. \. w.// Hr v. Vatimesnil sagte: „Jch bin der von der Kammer abgegebenen Erklärung unbedingte beigetre- ten, weil ih glaube, daß die Vaterlandsliebe über jedes an- dere Gefühl den Sicg davon tragen müsse. Jch schwöre da- her unbedingt.“ Außer den bisher namentlich aufgeführten Deputirten leisteten 202 Mitglieder der Kammer den Eid ohne Weiteres, unter diesen auch Hr. Royer-Collard. Nach Beendigung dieses Geschäfts theilte der Vice - Präsident dber- Versammlung das nachstehende Abdankungsschreiben des Hrn. yde de Neuville mit.‘‘ L

„„Mein Herr Präsident! Umstände, worüber ih allein Richter seyn kann, zwingen mich, auf die Ehre, der Kammer ferner anzugehören , zu verzichten ; ih ersuche diejelbe, meine Abdankung anzunehmen. Kaum halte ich es für nöthig, hin- zuzufügen, daß ich bis zu meiner leßten Lebensstunde stets die heißesten Wünsche: für das: Glück und die Freiheit meines Landes hegen werde. Haben Sie die Güte, der Kammer meine lebhafte Erkenntlichkeit für die Beweise der Theilnahme und des Wohlwollens, die ih unausgeseßt von meinen Kolle-

gen erhaiten habe, zu erkennen zu geben.‘

Hr. Thénard forderte hierauf Hrn. v. Corcelles .nach- träglih noch auf, seinen Eid in bestimmteren Ausdrücken, als die obigen, zu leisten, und dieser sagte nunmehr : „Ueber- zeugt, daß die Einwilligung der Französischen Nation zu al- len unsern Operationen erforderlich- ist, gebe ih den Wunsch zu erfennen, daß dieselbe in der möglichst kürzesten Frist er- folge. Ich schwdre.‘/ Hiernächst bestieg H lejssert die Rednerbühne, um folgenden Geseß-Entwurf vorzuschlagen und zu entwickela :

„Art. 1. Alle Diejenigen, die an den ruhmwärdigen Tagen des 26 29. Juli -bei Vertheidigung der National- sache verwundet worden find, so wie Alle, die sich sonst da- bei ausgezeichnet haben, nicht minder die Witwen und Wai- sen derer, die unterlegen sind, sollen Belohnungen und Peù- sionen aus Staats - Fonds erhalten. Art. 2. Jeder , dessen Eigenthum in Folge jener Ereignisse gelitten hat, - soll auf Kosten des Staats entschädigt werden. Art. 3. Um das Andenken der gedachten Ereignisse zu bewahren, soll eine Me- daille gèschlagen und unter alle diejenigen vertheilt werden, die einen thätigen Antheil an den glücklichen Resultaten jener denkwürdigen Tage genommen oder sonst dazu beigetragen haben. rt. 4. Zur Ausführung dieser Maßregeln wird die Regierung eine Kommission ernennen, die überdies den Auftrag hat, úber den Betrag und die Verwendung aller zu demselben Zwecke in Paris , in Frankreich und im Auslande gesammelten Beiträge Bericht zu erstatten.“

Nachdem diese Proposition den Büreaus zur Prúfung über- wiesen worden, trat der Graf v. Sade mit dem Antrage hervor , eine besondere Kommission: zu ernennen, die sich mit Allem, was den Bau des neuen Saales der Deputirten- Kammer betrifst „- beschäftige und namentlich die bisher ent- worfenen Pläne zu diesem Bau prüfe; er selbst schlug dazu das Oblongum vor, indem er zugleih den Wunsch zu erfen- nen gab, daß fünstig jeder Redner, von seinem Plabe: aus

Beilage

r. Benj. De-

| 1757 Beilage zur Allgemeinen Preußischen Staats-Zeitung F 230.

sprehe. Herr Carl Dupin dagegen stimmte für die Cir- | und der Stadt Rouen machten gestern dem Könige ihre Auf-

fel- Form, als diejenige, die dem Hauptzwecke, daß nämlich der Redner von der Tribüne herab sich allgemein verständlich machen kônne, am meisten entspreche. Der Graf Alex. von Laborde pflichtete dieser Ansicht bei und hielt die Cirkel- Form auch dann noch für die bessere, wenn künftig jeder Redner von seinem Siße aus sprechen sollte. Herr Mer- cier meinte, daß man vor der Hand wohl noch etwas Bes- seres zu thun habe, als darüber zu debattiren, ob der fünf- tige Saal -rund oder viereckig zu bauen sey. Nichts desto weniger entschied die Versammlung, daß der Vorschlag des Hrn. v. Sade in Betracht gezogen werden solle. Herr Duver- gier de Hauranne verlangte, daß die Kammer eine Kom- mission von 9 Mitgliedern ernenne, die sich mit den in dem Reglement vorzunehmenden Modificationen beschäftige. Auch diese Proposition wurde angenommen und den Büreaus zur Prúófung überwiesen. Hierauf schlug Herr Mercier einen Geseß-Entwurf folgenden Jnhalts vor:

„Art. 1. Sämmtliche Beamte des Verwaltungs- und Gerichtswesens sind verbunden, dem Könige der Franzosen den Eid der Treue, so wie der Verfassungs - Urkunde und den Geseßben des Landes Gehorsam, zu schwören. Ar t. 2. Jede andere Eidesformel ist abgeschafft. Art. 3. Alle im Art. 1. erwähnten Beamten haben den obigen Eid unver- züglich zu leisten, widrigenfalls von ihnen angenommen wird, daß sie ihr Amt niederlegen.‘

Auch diese Proposition wurde in Erwägung gezogen, wobei Hr. Marchal nur noch den Wunsch zu erkennen gab, daß man derselben, ihrer Wichtigkeit wegen, vor jeder andern den Vorzug gebe. Die Sißung wurde um 45 Uhr aufgehoben.

Paris, 12. August.“ Der Kdnig arbeitete gestern mit den provisorischen Kommissarien für die Departements der auswärtigen Angelegenheiten und des Jnnern, Marschall Jourdan und Herrn Guizot, und ertheilte demnächst dem ersten Präsidenten des Königlichen Gerichtshofes von Paris, Baron Seguier, eine Privat - Audienz.

In dex Mittagsstunde machte eine Deputation der hie- sigen Advokaten in ihrer Amtskleidung dem Könige ihre Auf- wartung. Herr Dupin der Aeltere redete hierbei, als Aelte-

ster des Advokatenstandes, den König in folgender Weise an :

„Sire! wir kommen, um dem Könige die Ehrfurcht und Huldigung eines. Standes darzulegen, in welchem der Her- zog von Ôrleans Freunde, Rathgeber und Vertheidiger ge- h d har. Jch fúhle mi glúcklich , jeßt deren Organ zu eyn. Sire! Jhre Sache is die unsrige, denn sie ist die der Geseße. Man hatte dieselben verlèkt! Sie haben sie wie- derhergestell. Wir werden, indem wir dieselben anrufen, alle unsere Kräfte anstrengen, um sie aufreht zu erhalten. Ew. Majestät und Jhre erhabene Familie können auf unsre unerschütterliche Treue rechnen.‘ Se. Majestät erwiederten : ¿,Meine Herren! Jch danke Jhnen für die Wünsche, die Sie Mir so eben ausgedrückt haben. Jch könnte Meine Gefühle nicht besser aussprechen, als indem Jch Alles das wiederholte, was so eben Jhr Aeltester gesagt hat. Jch freue Mich über die Umstände, welche Ursache sind, daß Sie ihn in diesem Augenblick zu Jhrem Organ haben. Seit mehreren Jahren

Mein vertrauter Rathgeber in allen Meinen Privat - Ge-

schäften und allen dieselben betreffenden Berathungen bei- wohnend, hat er alle Meine Angelegenheiten, alle Meine Gesinnungen fennen gelernt. Er weiß (und Jhr ehrwürdi- ger Dekan, Herr Delacroix - Frainville, den Jch mit großem Vergnügen an seiner Seite sehe, weiß es auch), wie sehr Ih die Freiheit liebe, welche Ehrfurcht Jch vor den Geseßen hege, und wie aufrichtig Jch dem Vaterlande ergeben bir! Jch ver\preche Jhnen, daß hinführo die Gerechtigkeit mit Festig- feit gehandhabt werden und daß vor Allem in der Anwen- dung der Gesebe Aufrichtigkeit herrschen soll. Dies sind die einzigen Mittel, der Nation wieder Vertrauen einzuflößen und der Rückkehr derjenigen Uebel vorzubeugen, zu? deren Beseitigung beigetragen zu haben Jh Mir Glück wünsche.“ Dieser Antwort folgte der-Ruf: „Es lebe der König!‘ Hierauf näherte sich die Köuigin Herrn Dupin und faßte seine Hand mit den Worten: „Ja wohl, Herr Dupin, Sie fennen alle unsere Gesinnungen.“ „Und ich, hohe Frau‘, erwiederte Herr Dupin , „bin überzeugt, Ewr. Majestät die Gesinnungen des ganzen Advokatenstandes ausgedrückt zu

haben.‘ i Auch Deputationen des Departements der Niedern Seine

wartung.

Außer dem Departement der Niedern Seine, haben die Städte Rouen, Peronne, Amboise und Aurillac, der Königl. Gerichtshof in Straßburg und das Konsistorium der in Frank- ade ea Jlsraeliten Glückwunsch-Adressen an den König

et.

Die Präsidenten der Gerichtshöfe, General - Profkurato- ren und ‘Präfekten leisteten bisher in die Hände “s Königs und fuiecnd den Amts-Eid. Auf- den Antrag des Justizmi- nisters hat der König angeordnet, daß die Eidesleistung künf- tig stehend geschehen soll. Jn dieser Form hat ihn bereits gestern der Präsident Seguier geleistet.

__ Der König ging gestern in bürgerlicher Kleidung und mit einem Regenschirm in der Hand in der Nähe des Palais- Royal spazieren, wurde aber bald erfannt und sah sih, um den freudigen Zurufungen und Begrüßungen der sich um ihn drängenden Volksmenge zu entziehen, genöthigt, nah dem Pallaste umzufkehren, wohin ihm der Ruf: „Es lebe König E if oie L A nachfolgte.

ie Königin besuchte gestern, von Jhren Prinzessin- nen Töchtern und Jhrer Schwägerin begleitet, a E reth Beaujon, um den dort befindlichen Verwundeten Trost zuzusprechen und Hülfe zu bringen. Abends empfing hre Majestät, von ihrer Familie umgeben, in Jhren Gemächern mehrere ‘Personen, unter denen man auch den Marschall Soult bemerkte, mit dem der König sich lange Zeit unterhielt.

Gestern war im Palais-Royal Tafel von 80 Couverts ; unter den Anwesenden befanden sich der Fúrst Talleyrand, mehrere Generale, Zöglinge der polytechnischen Schule u. s. f.

Das Journal des Débats meldet: „Karl X. befindet sih in Falaise, und wollte sih heute einschissen; er hat nur noch 100 Mann bei sich. Er wollte sh nah einer der Eng- lischen Jnseln Jersey oder Guernsey begeben ; die Schifse haben aber Befehl erhalten, vorüber zu“ segeln. Wie es heißt, wird er nunmehr nach Palermo gehen.“

Der Moniteur bemerkt: „Einige Deputirte haben für gut befunden, in der heutigen Sißung der Kammer nicht zu erscheinen. Weigern sie sih, dein Könige Ludwig Philipp und seiner Regierung den Eid zu leisten, so entfkleiden sie sich selbst ihrer Eigenschaft und verzichten auf den ihnen ge- wordeñen Antrag. Man darf annehmen, daß das Ministe- rium eine Maaßregel treffen wird, die sie nöthigt, diese Pflicht zu erfüllen oder die Deputirtenstelle niederzulegen, Jm Falle der Weigerung würde unfehlbar für ihre Ersezung durch an- dere Deputirte gesorgt werden.//

Ueber das Ausscheiden des Herrn Hyde de Neuville aus der Deputirten - Kammer äußert das Journal des Débats: „Wir sind nicht die Richter über die Beweggründe zu diesem Schritte, jedoch hegen wir die Ueberzeugung, daß bei dieser, so wie bci allen Handlungen seines Lebens, Herr Hyde de Neuville nur den Eingebungen seines Gewissens gefolgt ist. Die Deputirten-Kammer bedauert lebhaft den Verlust eines so würdigen und loyalen Kollegen. Wir thei- len ihren Schmerz und wünschen mit ihr und ganz Frank- reich, daß einer der achtbarsten Charaftere unserer Zeit nicht auf immer für das Staatsleben verloren seyn möge.“

__ Die definitive Ernennung des Ministeriums , die bereits seit einigen «Tagen erwartet wurde, hat, noch ehe dieselbe durch den Moniteur bekannt geworden war, dem heute früh erschienenen Globe zu folgenden Betrachtungen Veranlassung gegeben : „„Vielerlei Namen sind genannt worden, die das Ministerium bilden sollen, und verschiedene Systeme, die man bei der Organisation desselben zu beobachten gedenkt, wur- den angeführt. Man sprach von einem großen nach Engli- schem Muster zu bildenden Kabinette, in welchem nicht blos die Portefeuille habenden Minister , sondern auch die Unter- Staats-Secretaire oder General-Direktoren , unter welche die von jedem Ministerium ressortirenden Geschäfte vertheilt wer- den, Siß und Stimme haben sollten. Man versicherte zunächst, daß Herr Dupont v. d. Eure Großsiegel - Bewahrer bleiben würde. Es - entspräche dies dem theuerstén Wunsche des Landes. Die hohe einfache Tugend dieses Mannes, der JedermannGerechtigkeit widerfahren läßt, verleiht dem Kabinette gleichsam eine populaire Sanction. - Man sprach zwar“ au von Herrn Dupin, doch glauben wir, daß dieser jeßt ent- fernt worden, und daran, dächten wir, hat man wohlgethan. Niemand kann mehr, ‘als wir, das Talent dieses großen Ad- vokaten bewundern; auch steht sein Charakter bei uns in hôs-