1833 / 152 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

U F de

In einem Pariser Blatte heißt es: „Seit einiger Zeit sieht man an den Schaufenstern der hiesigen Kupferstich-Läden häufig Bildnisse König Karl's X., an denen das Publikum ruhig vor- übergeht. Wie ändern si die Zeiten! Vor zwei Jahren würde ein Volks-Aufstand dadur veranlaßt worden seyn. ‘‘

Seit mehreren Monaten erscheint hier unter dem Titel ¡¡¿Handels-Archiv‘/ eine geshäßte Zeitschrift, welche interessante Mittheilungen über die Handels-Verhältnisse Franfreichs und des Auslandes und Beiträge zur Kenntniß des Französischen Han- dels:Rechts enthält. Der Herausgeber, Herr Henrichs, Attaché

beim Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten, hatte vor ;

einigen Tagen die Ehre, dem Könige in einer Privat - Audienz den ersten Band jener Zeitschrift zu úberreichen.

Das neue Trauerspiel von Casimir Delavíane, die Kinder Eduard’'s (des 1IV. von England, welche Richard der 1. um- bringen ließ), erregte bei der Mehrzahl der Minister Bedenklich- keiten wegen möglicher Beziehungen auf die jebige Dynastie, und es wurden daher Schwierigkeiten gegen die Vorstellung erhoben. Das Stück wurde im Manuskript dem Könige vorgelegt, der jene Besorgnisse durchaus nicht theilte. Nach der ersten Auf- féhrung schrieben Se. Maj. dem Verfasser folgendes Billet: „Neuilly, den 18, Mai, 1 Uhr Morgens. Jch mag nicht zu Bette gehen, ohne Jhnen, Mein lieber Delavigne, zu dem aus- gezeichneten Beifalle Glück zu wünschen, der Jhnen, wie Jch eben hôre, zu Theil geworden ist. So werdèn wir denn Beide eine angenehme Nacht haben.“ Das Stück ist übrigens nur eine schwache Nachahmung der großen Shakespearischen Tragödie.

Der Courrier français und der National enthalten Auszúge aus Privat- Briefen aus Athen vom (ten und aus Nauplia vom 16. April, welche die Lage Griechenlands keines- weges in einem günstigen Lichte darstellen. So wird behauptet, man habe Amerikaner und Franken, die sich dort niederlassen

wollten, verfolgt. Die Municipal-Freiheiten, die selbst von den Tär-

fen respektirt worden, habe die Regierung aufgehoben. Dié Marine, so wie der Handel von Hydra, Spezzia Ukd Jpsara liege gänz- lich danieder, und die Matrosen gingen meistentheils nah Aegyp- ten, um unter Mehmed Ali zu dienen. Diese Briese sind in- dessen offenbar in feindseliger Absicht gegen die neue Regierung und gegen alles Deutsche geschrieben, und man darf also den dar- in enthaltenen Notizen nicht unbedingt Glauben schenken.

Der Revenant it nicht von dem Baron Genoude, wie einige Blätter irrthümlich gemeldet hatient, sondern von seinem hiéherigen Nedacteur, Herrn von Calviniont, angekauft worden.

Die Arbeiter in den Steinkohlen-Gruben von Anzin hat- ten vorgestern zwar noch nicht ihre Arbeiten wieder begonnen, indessen war keine neue Unordnung vorgefallen, und man hoffte, sie ohne gewaltsame Maßregeln zum Gehorsam und zur Ruhe zurückzuführen.

Die Grippe greift hier immer mehr um sich. Der Ga- zette médicale zufolge, sind vier Fünftheile der hiesigen Ein- wohnerschaft mehr oder weniger davon befallen.

Großbritanten und JFrland.

London, 28. Mai. Heute, als am Geburtstage Sr. Ma- jestät, wurde in aller Früße mit allen Kirchen- Glocken geläutet. Um 1 Uhr wurden die Kanonen im Tower und ‘im Park abge- feuert, und’ um dieselbe Zeit begann die Cour bei der Königin, wo die Mitglieder der Königlichen Familie und die fremden Ge- sandten ihre Glückwünsche abstatteten. Die Vorbereitungen zur Ässlumination sind nicht so bedeutend, als im vergangenen Jahre.

Gestern war der Geburtstag des Prinzen Georg von Cum- berland, an welchem Se. Königl. Hoheit das 15te Jahr antrat. Der König, die Königin und sämmtliche hier anwesende Mitglie- der der Königlichen Familie kamen nach Kew, um dem jungen Prinzen ihre Glückwünsche zu überbringen.

er Herzog von Orleans traf gestern Nachmittag um 3 Uhr von seiner Reise nah Liverpool und Manchester wieder in Lon- don ein.

Der Kanzler der Schaßkammer is heute von scinem Land- siße in der Grafschaft Northampton wieder nah der Stadt ge- fommen, und hatte gleich nah seiner Ankunst eine Unterredung mit dem Gouverneur der Bank.

Der König wird mörgen einen Geheimen-Rath halten, um den Bericht des Nekorders über die zum Tode verurtheilten Ge- fangenen entgegenzunehmen.

Der Oberst Campbell ist zum diplomatischen Agenten am Hofe des Vice-Königs von Aegypten, und Herr J. Thurburn zum Konsul in Alexandrien ernannt wörden.

Gestern und vorgestern haven in der London Tavern Ver- sammlungen der Kaufleute, welche bei dem Westindishen Han- del interessirt sind, stattgefunden, in welchen Bittschriften gegen den Plan der Minister in Bezug auf die Westindischen Kolo- nicen beschlossen wurden. Die Versammlung war so angesehen und zahlreich, wie man sih keiner frühern der Art erinnert, und man glaubt, daß sie nicht ohne Einfluß auf dén Plan der Mi- nister bleiben wird.

In Manchester hat cine Versammlung der angesehensten Einwohner stattgefunden, welche über die Frage abstimmten, ob man die Kirchen - Steuer noch ferner bezahlen solle. Für die fer- nere Entrichtung der Steuer hatten den ersten drei Tagen 944, gegen dieselbe 1496 Personen gestimmt.

Unter dem Vorsige des Herrn Hunt fand gestern in Grays Inn-Road eine Versammlung von Personen aus den atbeiten- den Klassen statt, worin beschlossen wurde, eine Subsckription zu erôf}nen, um den Geschwornen, welche die Ermordung des Kon- stablers Cully als einen „ents{huldigungsfähigen Todtschlag“/ be- zeichnet haben, eine Medaille zu Überreichen.

- Das Dampfschiff „„Batavier‘/, welches, wie man glaubt, die vom- Könige von Holland ratificirte Präliminiar - Convention überbringt, wird heute Abend spät oder morgen rüh hier erwartet.

_ Das Dampf\chiffff „„Confiance‘/ ist von Porto in Falmouth eingetrofsen, und bringt Nachrichten von jener Stadt bis zum 20sten d. M. mit. Sie enthalten wenig Neues, außer daß man dort allgemein glaubte, die Truppen Dom Pedro’'s würden bald eine Bewegung vorwärts machen. Etwas Bestimmtes war in- dessen darüber nicht bekannt, da der General Solignac seine Pläne sehr geheim zu halten weiß. Am 16. Mai, dem Jahres- Tage der Porto’er Revolution, warfen die Miguelisten viele Homben in die Stadt, wodurch mehrere Häuser bedeutend be- schädigt wurden. Ganz besonders beklagen sich die Einwohner Porto's über ein Geschüß von folossaler Größe, welches die“ Miguelisten auf einem Hügel bai Villa- Nova aufgestellt haben.

Briefen aus Lissabon vom 17ten. d. M. zufolge, wird daselbst Alles aufgeboten, um die Flotte iín Stand- zu seten, bald in See stehen zu können. Der Admiräl Joao Felix hat seine Entíiassung eingereicht; an seiner Stélle ist Admiral Joze Cor- reia zum Obex - Befehlshaber der Flotte enannt worden. Das Schif „Nassau“/ soll in Viana einen Agenten an's Land gesest haben, der Dom Méiguel 30,000 Pfo. Stlg. überbringt.

És sind Zeitungen aus New-York bis zum 1. d. M.

630

eingegangen, welche mit Berichten über eine große Feuersbrunst in New-York angefüllt sind. Es wurden dabei gegen 50 Häu- sér in Asche gelegt, und 40 Pferde kamen in den Flammen um.

Die bisher unter dem Titel British -Traveller in Lon- don erschienene Zeitung hat sich mit dem Albion vereinigt, welcher leßterer nun den Titel Albion and British Tra- veller führt.

Mit großem Beifall ist Mozart's „Zauberfldte‘/ von der Deutschen Opern-Gesellschaft gestern auf dem Covent - Garden- Theater aufgeführt worden. Madame Schrdder-Devrient sang die Pamina, Herr Dobler den Sarastro, Herr Haiszinger den Tamino, Herr. Meissinger den Mohr und Madame Stoli:Böhm die Königin der Nacht. Das Haus war außerordentlich gefüilt und der Beifall enthusiastisch. Da sich Alles jegt zu den Jra- liänischen und Deutschen Opern-Vorstellungen drängt, und die Englischen Theater schr darunter leiden, so ist eine Mißftimmung der dadurch Benachtheiligten sehr begreiflih. Der Cou- rier enthált in dieser Beziehung folgenden Artikel: „„Wir haben Bricse von verschiedenen Personen erhalten, welche ißre Glossen über die heutigen Vorstellungen auf unseren drei Haupt - Theatern machen. Im Opernhause und in Covent-:Gar- den werden Verstellungen in fremder Sprache gègeben, und in Drury-lane fîngt eine fremde Sängerin (Madame Malibran). Unsere Korrespondenten fordern uns auf, das, was sie „die Herabwürdigung des National-Drama‘/ nennen, zu tadeln, und uns gegen die fremden Vorstellungen auf unseren National-Thea- tern aufzulehnen. Was nun die Herabwürdigung des National-

| Drama's betrifft, so glauben wir, daß jede solche Heräbwürdigung nicht

den Theater-Direktoren, sondern dem Publikum zur Last zu legen ist. Niemand kann voraussecten, daß die Pächter von Covent- Garden und Drury-lane von dem Wunsch geleitet werden, das Englische Drama aufrecht zu halten; das ist nicht ihre Sachez sie sehen nur auf Geld-Verdienst, und zu dem Ende fähren sie dem Pu- blikum vor, was das Publikum sehen will. Wenn das Publi kum das National-Drama aufrecht erhalten will, warum schlägt es dazu niht den einfachsten Weg ein? Warum läßt es die Deutschen und Jtaliänischen Opern nicht leer und besucht dage- gen die Vorstellungen unserer Landsleute? Die Direktoren wür- den sich mit Vergnügen diesem Geschinack sügen, wenn er nur an den Tag gelegt würde. Man muß immer daran denken, daß die Leitung der Theater in England nicht Sache der Regierung, sondern eine Speculation von Privat- Unternehmern ift; und ihr Augenmerk ijt daher nur darauf gerichtet, das launische Un- geheuer, Publikum genannt, zufrieden zu stellen, weil sich darauf der Gewinn der Spekulanten gründet. Wir bedauern den Ver- fall des National- Drama, teil wir die Vorstellungen der Werke unserer dramatischen Dichter für geeignet halten, den Geschmack zu reinigen und eine gute moralische Wirkung hervorzubringen. Aber wir begreifen nicht, was die Theater Unternehmer dabei thun kfônnen; und wenn das Publikum jest Shakespeare nicht schen, sondern die Schröder und die Malibran höôreau will , so darf man Herrn Bunn nicht tadeln, daß er dem Geschmack des Tages huldigt. Wir prophezeien indeß, daß diese Wuth nicht lange dauern wird, es ist mehr die Neuheit, welche Úberrasct, als das Verdienst, wodur diese fremden Opern das Publikum anziehen. Nachdem es diese leite fremde Speise eine Zeitlang gekostet und genascht haben wird, kehrt es ohne Zweifel zu dem nachhaltigeren Gastmahl der Vernunft, der Poesie und der Lei- denschast unseres unsterblichen Shakespeare zurück.//

Niederlande.

Amsterdam, 28. Mat. Zu einem vorläufigen Frie- den find wir nun gelangt; das heutige Handelsblatt meldet in dieser Beziehung Folgendes: „Wir fceucn uns, anzeigen zu können, daß der Práliminar- Traktat, welczen der Referendar Mazel aus London nach dem Haag überbracht hat, am Montage den 27sten d. M. von Sr. Majestät ratificirt, und daß die Ra- tification noch selbigen Tages durch ein Regierungs - Fahrzeug

nah London überbracht worden i. Die Königl. Genehmigung bezieht sih sowohl auf den erklärenden Zusab- Artikel, als auf den Traëtat selbsi. Es ist uns ferner angenehm, aus guter Quelle versichern zu können, daß man unverweilt zu den Unterßandlun- gen über den Abschluß eines Definitiv-Traftates übergehen wird, und man glaubt hoffen zu dürfen, daß diese Unterhandlungen eine baldige und allgemeine Schlichtung der Belgischen Frage zur Folge haben werden. ‘‘ Die sechs Artikel des Trakiates lauten im Wesentlichen also : 1. Frankreich und England verpflichten sich, das Embargo aufzu- heben. 2. Die Verhältnisse zwischen den verschiedenen Parteien werden auf denselben Fuß hergestellt, auf welchem sie vor der A Expedition im Monat November - gewesen sind. ie Französischzen und Englischen Geschwader kehren nah ihren respektiven Häfen: zurück. 3. Die kricgsgefangene Holländische Besabung der Antwerpener Citadelle wird aus Frankreich nach Holland zurücfgesandt. 4. Der Waffenskillsiand zwischen Holland und Belgien dauert bis zum Abschluß eines Definitiv - Traktates fort. 5. Die Schelde-Schifffahrt bleibt während dieser Zeit frei. 6. Die Fahrt auf der Maas wird unter Erlegung der Zölle nach Maßgabe des Mainzer Tarifes gestattet. So lauten die Ver- slonen der Englischen, Belgischen und Französischen Blätter; ivas nun den oden angeführten Zusaß - Artikel betrifft, so erklärt sich dieser durch eine in Holländischen Blättern befindliche Nachricht, welche über den Abschluß des Präliminar - Traktates Folgendes sagt: „„Jn dem am 2liten dieses Monats zwischen Herrn Dedel und ‘den Herren Talleyrand ünd Palmersion un- terzeihneten Präsiminar-Vertrage is festgeseßt worden, daß s0o- fori nah Auswechselung der Ratificationen, die binnen 10 Ta- gen stattfinden muß, das Embargo auf Holländische Schiffe in Englischen und Französischen Häfen aufgehoben, und den in Frankreich besindlichen Kriegögefangenen die Rückkehr nach ih- rein Vaterlande gestattet wird. Dagegen willigt unsere Regie- rung in einen Waffenstillstand auf unbestimmte Zeit, und in die freie Fahrt auf der Schelde bis zuin Abschluß eines Definitiv- Traktats, zu welchem Ende sofort die Unterhandlungen, unter Mitwirkung der ünf Mächte, érneuert werden sollen. Jubessen haben Frankreih und England noch das Hinzufügen cines cr- lâuternden Artikels verlangt, wodurch Holland sich verpslichte, auf keinerlei Weise das durch die Belgier beseßt gehaltene Ge- biet anzugreifen, und doß die Schelde- Schifffahrt bis zum Abs {luß eines Definitiv"- Traktats von jeglicher Abgabe frei scyn solle. Herr Dedel hatte es übernommen, die Zustimmung der Regierung zu diesem Zusab- Artikel zu ecwirken. ‘‘

Belgien.

Brâssel, 28. Mai. Der Köníg ist gestern in Begleitung seines Vetters, des Fürsken von Reuß- Lobenstein - Ebersdorff, nach Lôwen abgereiï, um die dort und in dem Lager bei Diejt stehenden Truppen die Revue passiren zu lassen.

Fn Autwerpen haben wieder einige Unordnungen -statlge- funden, indem man Personen, die auf der Straße weiße Züte

-chen werde.

trugen, unter dem Vorgebeñ mißhandelte, daß dies ein zeichen der Orangisten sey. Pat Deutschland.

Dresden, 30. Mai. rer gestrigen Silzung eine Mittheilung des Gesammt- Min riums an den Präsidenten von Gersdorf, die erfolgte Verliy

rung des demn Staats-Minister von Lindenau ertheilten Urlau

betreffend, vorgelegt. Dr. Großmann bemerkte hierauf; 6

der Letpziger Zeitung sey eine Ankündigung hinsichtlich der V

längerung des Urlaubs des Staats-Ministers von Lindenay

schienen, die ihn sowohl wie alle Andern sehr s{merzlich gestimi

habe. Denn hauptsächlih von Herrn von Lindenau sey die form unseres Staates ausgegangen, Und er sey demnach auch nyr Mann, welcher im Stande wäre, sie nun bis an das bestimy Ziel auszuführen. Träte er jeßt ab, fo würde dics ein Verh niß begründen , wie das zwischen dem Künstler und dem Kuni werfe, welHes er unvollendec in der Mitte der Arbeit verl Es sey zwar nicht zu zweifeln, daß die übrigen Herren Minis im Stande scpn würden, nachdem sie mit den Psy des Herrn von Lindenau . vertraut geworden, in einn Geiste forétzuarbeitenz allein ihau Zu erleben, wüude i nen eben so unmöglich seyn, wie den Künstler bei sein Kunstwerke. Jede Ergänzung sey mehr oder minder (ûenhy und er würde sich daher erlauben, darauf anzutragen, daß

Maj. der König und Se. Königl. Hoheit der Mitregent un thänigst gebeten werden sollen, alles Mögliche zu thun, un f baldige Rükkehr des Staaté-Minisiers .von Lindenau auf j Weise zu erzwecken. Der Präsident wandte hiergegen (j ¡Nach dem, was der Kammer hier mitgetheilt jey, könne 6 auf eine Zurückberufung des Heren von Lindenau nicht antragen \ die Verlängerung des ihm ertheilten Urlaubs wegen anhaltend Unpäßlichkeit erfolzt sey. Herr von Ziegler machte die Kan

mer auf das Gerücht aufmerksam, welches sich von dem trn

ten des Staaté-Ministers von Lindenau im Publikum verbreite habe. Bestätige sich aber dies Gerücht, so würde es wohl an seinem Plate seyn, wenn die Kammer ihn um die Rüelehr iy den Staats-Dienst ersuchen wolle.‘ Dr. Großmann ujw hierauf: „Durch die in der Leipziger Zeitung ‘gesch(y Ankündigung sey dieses Bedenken allgemein erregt wvota, und se schiene allerdings auf eine môdgltche Nichtwiederkehr h selben hinzudeuten./ Herr von Carlowihz bemerkte: er glaubt, es liege in den Händen des Köntgs, bei der Vorlegung der 6 seße einen Minister zu senden, welchen er wolle. Er halte nid dafúr, daß den Ständen das Recht zustehe, zu verlange, h dieser oder jener Minister anwesend sey. Ueberhaupt y wohl der Stellung der hohen Kaminer am wenigsten angen

s mit Gerüchten zu beschäftigen, welche im Publikum cirki

ten. Pr. Alien ¿ußerte: da es gewiß sey, daß die Kamme Beziehung auf: die Angelegenheit, welche Minister der Kdnig wählen wolle, um fle in die Versammlung zu senden, ki Sprache zu führen habe, so glaube er, daß es nur in dem Sj geschehen fônne, daß- die Kammer ihr Bedauern darüber ( spreche, einen Staats-Minister dieser Art noch länger von | entfernt zu sehen, und den Wunsch daran knüpfe, daß, 1 der Herr von Lindenau wieder zu Kräften gelangt seyn wu derselbe die Fúßrung und Leitung der Geschäfte wieder i nehmen möchte, und daß er durh die Gnade Sr. Majestät Königs und Sr. Königlichen Hoheit des Prinzen M regenten veranlaßt werde, bald mögslichst wieder zuni kehren. Der Minister von Zezschwis äußerte: der Kiri und der Prinz Mitregent theilten den Wunsch der Kammer) Minister von Lindenau bald zurüktéehren zu sehen; der Kam scy offen die Verlängerung des Urlaubs mitgetheilt worden, 1 dasselbe Vertrauen, auf welchem diese Mittheilung beruhe, we auch fernerhin stattfinden; einen besonderen Wunsch auszusp cen, erscheine daher nicht nôthig, Secretair Harl bemerk er kônne sich nicht úberzeugen, daß es dem Sinne und dem Vi kungskreise der Kammer fremd sey, den Wunsch Aller aus drücken, daß Herr von Lindenau bald wieder zurückkehren Er stimme daher für den Antrag, daß dieser Wunsch ausges Se. Königl. Hoheit Prinz Joßann äußerte: À bald von dem Ausdrucke eines Wunsches die Rede sey, er bei. Die Kammer beschloß darauf einstimmig, ein Anti Schreiben dieses Jnhalts, worin ste ihr Bedauern über die F! dauer des Uébelbefindens des Heren. von Lindenau, und| Wunsch ausdrücke, daß es Seiner Majestät dem Könige l Seiner Königlichen Hoheit dem Prinzen Mitreacnten gesäl môge, einen so geachteten Staatsdiener bald wieder in sl Stelle eintreten zu lassen, einzureichen, und ferner ein Schrei an Herrn v. Lindenau selbst in der Art, wie es bereits von! zweiten Kammer geschehen, abgehen zu lassen. —- Unter mi ren Mitthcilungen aus der Registrande kam darauf eine 8 stellung eines gewissen Kampf zu Buchholz, als angebli Deauftragter der Posamentirer zu Annaberg und Buchholy| Vortrag, welhe das Gesuch um Unterstüzung zur Auswal rung n2ch Nord-Amerika enthält. Bürgermeister Reiche: senstuck bemerkte, daß der Bittsteller, so viel er wisse, l Yollmacht habe, es môchte also auf dicsfallsige Legitimation drungen werden; worauf das Mitglied Nostiß und Jän! dorf dafur hält, daß die Sache zurückgewiesen werden mi Dr. Großmann ist der Ansicht, daß diese Eingabe nicht zurückzuweisen sey, da die Bestimmung getroffen worden, d. 118 der Landtags - Ordnung der mildesten Fnterpretation terliegen solle. So viel ißm bekannt, sey von Einzelne auówandern wollten, bereits Bestimmung über ihre im oder August erfolgende Abfohrt getrossen worden. Die Kat erfiárte sich jedoch durch Stimmen - Mehrheit für die sof Zurückweisung.

Weimar, 27. Mai. Se. Königl. Hoheit der Großh! haben den nachbenannten, mit Zustimmung des leltverjal gewesenen Landtaas beschlossenen nenen Geseben die landet che Sanciton ertheilt, alé: 1) über die Erbfolge ohne U ment und ohne Vertrag; 2) über die Aufhebung des soge ten Hennebergischen Rechtes; 3) úber die Heimaths-Verhälti 4) zur Verbesserung des Prozeß-Verfahrens; 5) über die D zung der Gerichtöbank; 6) úber die Gebühren der Sachwal 7) zur Entscheidung einiger Rechtéfragenz 8) über die Ein}d zung des Feldgewerbes bei der direkten Besteuerung; 9) 7 cherstellung des Eigenthums an den auf den Jnhaber laute! Staatsschuld - Urkunden des Großherzogthums; 10) úber hei Errichtung bei Fideifommissen und ähnlichen Stiftung) beobachtende Form; 11) die Verbürgung der Frauen betref 12) die Aufhebung der -Gütergemeinschaft unter Eheleute i das Verfahren bei Uebertragung des Eigenthums an Mi lien betreffend; 14) über Ernährungs-Verträgez 15) 0 dische Wahl: Ordnung; 16) allgemeine Sportel- und Geb Taxe für die Gerichts- und Verwastungs-Behörden ; 17) i trag zur Juden-Orednung vom 20. Juni 1823; I Goctesdienst-Ordnung.

Der ersten Kammer wurde in

(1

M reßburg, 23. Mai.

tgart, 27. Mai. Gestern Mittags 12 Uhr geruh-

| S Sntal. Maj. einer Deputation der Kammer der Ab-

s Audienz zu ertheilen, um die von der Kammer vo-

D ank-Adresse auf die Thron-Rede bei Eröffnung des gegen- “i Landtages entgegen zu nehmen. Der Alters-Präsident mer, Regierungs -Direktor v. Rummel, hatte die Ehre, pressc vorzutragen; dieselbe ist folgendén Jnhalts: yt, Königl. Majestät treues Volk hat, Höchstihrem Rufe lh, in uns seine Vertreter für diesen ordentlichen Landtag ab- L Zu unseren ersien Pflichten gehört es, Allerhöchstdensel- L die baldige verfassungëmäßige Einberufung der Stände (voll zu datifen. Oie vorige Kammer der Abgeordneten vits die Dankgefühle, mit welchen sie dey Mittheilung der nefundigten Geseßes- Entwürfe cutgegensah/ ausgesprochen; ¡mehr finden wir. uns aufgefordert, die Huld Ewr. Köttgl. Me zu verehren, welche so, manche auf dem leßten Landtage orden Wünsche, noch che sie vor den Thron gebracht wur- igjtetund derenErfüliuttz vorbereitet hat. Wir zählen hierher die bn welche für das Gescß Uber das Gemeinde-Bürgevr- und Beisth- für dié Gewerbe-Ordnung , dîe Forsipolizei - Gesehe und die i her den Straßenöau von Allerhöchfidenselben angeordnet Mit gleichem Dankgefühle erkennen wir die gegebene yung huldvoller Beachtung der aus unserer Erfahrung her- ende Verbesserungs - Vorschläge. Einen günstigen Erfolg j Berufsthätigkeit glauben wir zunäch| durch ernstes Streben immer fcsterer Begründung des Bertrauens zwischen Regierung Sndent zu sichern. Niemand fühlt das BedUrfntß dieses Ver- hs tiefer , als die Vertreter Jhres Volkes, und keinen wärme- munsch legen wir an das Herz Ewr. Maicstät, als den, daß hsidieselben nie den reinen, uns alle beseelenden Willich miß- indgen, tveu unserem Eide das unzertrennliche Wohl des Köntgs Vaterlandes zu wahren. Wir erkennen die Nothwendigkeit, bei V lgufc der dermaligen Etats-Periode das Finanz-Geseiz für die fol- ctiode und die damit zusammenhängenden Geseßes-EntwÜürfe ; u berathen, und freuen uns der Erleichterungen, welche Ewr. Majestät biederes und treues Volk hieraus hervorgehen Mit Ewr. Köttigl. Majestät finden wir in strenger Voll- 19 und Aufrechthaltung der Verfassung den einzigen sicheren an welchem sh die Fluthen "einer bewegten Zeit n, und unter dessen Schuße Recht, bürgerliches Glü, huig- und Eintracht ruhig und friedlich gedeihen. Fbnigliche Majestät Selbsi waren es, welche im Bunde mit 1 Volke diesen Schuß gegen jede Willkür, von welcher Seite men möge, gewährt haben. Fn RÜckEblick auf die Erfahrun- hon siebenzehn Jahren sind wir lebhaft überzeugt, daß Ew. ¡liche Majestät während Fhrer Regierung immer nur das | Xhres Volkes im Auge gehabt haben. Nie wird dieses Volk einen Willen seines Königs für seine Beglückung, nie die Seg- n fo mancher Einrichtung vergessen, mit welchen unser Vater- ndernStaatenvoranging. Die Erwartung von dem Geiste unjerer andlungen, welche Ew. Majestät z12 erkennen geben, bezeichnet eine nung, die, wiewtr uns innig bewußt sind/ in unser aller Herzen lebt. dem Bodett der Verfassung unter der rastlosen Pflege Ewr. \, Majestät und dem gewissenhaften Mitwirken der Stände ndes immer reichlichere Früchte entsprießen, und mdge dadurch er Hoffnungen erfüllt werden, welche Allerh öchsidiefelben für treues Volk in Fhrem väterlichen Herzen tragen! Fn tiefster rcht Ewr. Königl. Majestät allerunterthänigst treu gehorsamfste ier der Abgeordneten. // De. Majestät der König erwiederten der Deputation Hier- plgendes: „„Stets gewohnt, die Aeußerungen - der Dank- t Meines treuen Volkes mit Wohlwollen aufzunehmen, hme Jch sie heute als Ausdru? der Kammer der Abgeord- mit besonderem. Vergnügen. Vollziehung unserer Verfas- und strenge Handhabung unserer bestehenden Geseke sehe # Sie, als das einzige und bewährteste Mittel an, die hungen derjenigen zu vereiteln, die das Vertrauen des zu s{chwächen und die Eintracht der Regierung und der le zu stôren suchen. Lassen Sie Mir den Glauben, daß in diesem \so wichtigen Zeitpun?te Meiner unter göttlichem h bisher glúdlih geführten Regierung Jch auf die treue nglihkeit und den guten Geist der Kammer der Abgeord- mit Zuversicht rechnen kann.“

Ener rer:

Mien, 28. Mai. Se. K Majestät haben dem Kö- Bayerischen Feldmarschall, Fürsten von Wrede, das Groß- des Königl. Ungarischen St. Stephans - Ordens verliehen. Das Nuncium mit dem Entwurf nterthänigsten Repräsentation, als Antwort auf das leßte iche Königl. Reskript vom 16. April l. J., und des Arti- iber die in Form eines freiwilligen Angebots angenommene ndlichkeit der Reichéstände, die Diurnen der Komitats- tirten für diesmal aus eigenen Mitteln zu bestreiten, wurde, em auch die in Lateinischer Sprache abgefaßte Repräsenta- am 20fen d. M. im Cirkel berichtigt war, an demselben “in der 49]ten Reichstags-Sißzung bestätigt und an die atentafel gesandt. Da dieselbe auch sogleich einstimmte,

beide Tafeln Nachmittags um 5 Uhr in einer gemisch- Sibung zusammen, in der die Repräsentation verle- dersiegelt und zur Ueberreichung an Se. K. K. Majestät dert wurde. In der Cirkular- Sißung am 21sten nahmen Ptände das Zte Renuncium der Magnaten über die Reli- ¿Beschwerden in Berathung, und faßten den Entschluß, en zu ersuchen , daß sie die lesthin im Zten Nunzium ih- orgelegten Gründe punktweise erwägen und ißre Zustim- geben mögen. Am 22sten d. ist der 7te Artikel des Ur- ‘HDperats, über die herrshaftliche Gerichtsbarkeit und vom al-Prozeß, in Diskussion genommen worden. Vorläufig d sich die Meinung dahin, daß die Gerichtsbarkeit der n-Stühle in allen Fragen zwischen der Herrschaft und interthanen gänzlich aufzuheben sey und nur Prozesse, die le Unterthanen untereinander oder sremde Personen führen, enselben verhandelt und ge\chlichtet werden sollen.

S Calteén.

Urin, 21. Mal. Der König hat dem Intendanten Luigi rio, Mitglied der Hiesigen Akademie der Wissenschaften und Königl. Kommission für das Stuvium der vaterländischen ichte, einen literarishen Auftrag nach der Schwetz und {land ertheilt. :

Der ehemalige Bischof von Straßburg und Erzieher des gs v. Bordeaux, Monsignor Tharin , ist oon Florenz hier ags s / i eapei, 15. Mai. Der General - Lieutenant

gro ist am 7ten d. M. hierselb gestorben. D

S UPPV ¿f

Pre Moniteur Ottoman vom 27. April enthält folgende oen über die je6zige Lage der Orientalischen Angele- e Metigkeit der politischen Ereignisse in den leßten Wochen ande, meeur Ottoman einige Zeit lang Stillschweigen. Jn pk L die Deffentlichkeit nur noch ein s{üch1erner Ver- descieáttt mit der Zeit kühner auftreten kann, da ist ihr Be- - thr Nußen und ihre Fortschritte hewegen sich in

631 weislich dhgesitamten Gränzen. Das eben ist die Bedingung dex besseren Fnstitutionen, daß sie, um zu wachsen und zu gedeihen, nicht schon in ihrer Wiege die Kraft des Mannesalters haben dúr- fen. Jeßt, bei ruhigeren Verhältnissen, können wir das, was in dem Zeitraum, den wir ohne eine Betrachtung verstreichen ließen, vyvgefallen, in gedrängter Uebersicht zusammenstellen. Nach der Schlacht von Konieh bedurften beide Theile der Ruhe; ein faktisher Waffenstillstand war die Folge der gegenseitigen Vex- luste dieses blutigen Tages, an dem sich die Tapferkeit der Musel- männer in ihrem herrlichsten Lichte zeigte. Denn es waren ia die Kämpfenden von beiden Seiten Muselmänner. Dieser Gedanke rührte das Herz des Sultans; das Unheil dieses inneren Krieges Úberwog îfcde andere Rücksicht, und Halil Pascha wurde nah Aegyp= ten gesandt. Er war Ucberbringer von Vorschlägen, auf welche augenblicklich der Friede hätte folgen müssen. Fudeß wurde derselbe noch nicht abgeschlossen. Zu Alexandrien betrachtete man ohue Zweifel das Unglück und die künftigen Folgen dieses Kampfes zwischen den Söhnen Eines Glaubens und Reiches nicht aus dem- selben Gesichtspunkte. Dex Russische Geteral=-Lieutengnt Mur'a- wie}, dessen Misston nach Aegypten der des Halil Pascha schon vor= hergegangen war, kam von dort zurück, ohne daß er die Wünsche seiner Regterung, die auf eine schnelle Herstellung des Friedens im Osmanischen Reiche zielten, hatte erreichen könnten. Fhrahim, nachdem er: etne Zeit lang zu Konieh verweilt und Versiärkungen empfangen hatte, rücéte von diesex Stadt gegen Kiutghia vor und schob Streif-Corps in die umliegenden Provinzen. Er bedrohte also zugleich alle Theile Natoliens. Vis dahin hatten die großen Mächte Europa’s, mit Ausnahme Rußlands, den Angriff Mehmed Alis und seine erfien Erfolge mit gleichgültigen Augen angesehen. Die dffentliche Meinung kümmerte sich nur wenig darum; aber ihre wenigen Aeußerungen über diese Angelegenheit zeigten doch, daß ste die Sache des Sultans mehr begünstigte, als die setnes Gegners, und daß diesnial dié Empdrung keinen hoch- herzigen Beweggrund darbot, dec die PBublicisten zur Vertheidigung derselben hâtte aufregen können. Nichtsdesioweniger verhielten sich die Kabinette, welche man besonders als Repräseutanten der fort- schreitenden Civilisation bezeichnet, ganz gleichgültig, weil sie mit Angelegenheiten beschäftigt waren, die ske wahrscheinlich für drin- gender hielten. Rußland, welches mit einem großen Theil der Gränzen des Osmanischen Reichs in Berührung steht, konnte diesen Kampf nicht mit derselben Gleichgültigkeit an- sehen. Bei der Fnvasion in Syrien hatte der Kaiser be- reits seine Gesinnungen an den Tag gelegt, indem ex seinen Konsul aus Aegypten abberief. Später, als Natolien mit Krieg Überzogen wurde, erließ er ein Manifest, worin seine Absich- ten dargelegt waren. Den Befehlen des Kaisers von Rußland ge- mäß, ging die erste Flotten-Division aus dem Schwarzen Meere bei Konstantinopel vor Anker; es geschah dies wenige Tage nach der Ankunft des Französischen Botschafters, Admirals Roussin. Die ernsten Folgen, welche ein fortdauerndes Vordringen Fbrahims nach sich ziehen konnte, erregten die Aufmerksamkeit aller an der Spiye der Europäischen Angelegenheiten sichender großen Kabinette. Der Französische Botschafter ging gleich nach seiner Ankunft bei seinen Bemühungen von einem Zweck der Erhaltung aus; ex wollte duxch Verbürgutng des Fricdens die Gefahren eines neuen Angriffs und damit zugleich die Nothwendigkeit einer, ihrer Natur nach, im- mer politischen Verwickelungen unterworfenen bewaffneten Fn- tervention beseitigen. Der Admiral Roussin wurde hierin von dem Großhritanischen Bevollmächtigten zu Konstantinopel untersübt. Aber ihre Entschlossenheit und ihr großer Einfluß vermochten den- noch zu Alexandrien eben so wenig, wie früher die Mission des Russischen Generals. Während der Unterhandlungen dieser bei- den Nepräsentanten mit Aegypten bemächtigte sich in Smyrna, ei- nex undbefesiigten und von friedlichen Handelëleuten bevölkerten Stadt , ein Agent Fbrahims , der vorgab, daß er durch ein bereits int Maxsch begrifenes Truppen-Corps unterstüßt werde, der obersten Gewalt. Die Botschafter von Frankreich, England und Oesterreich befahlen ihren Konsuln zu Smyrna, ihre Flaggen herunterzuneh- men. Diese Demonstration reichte hin, um die Usurpation zu stürzen, und der Bevollmächtigte des Sultans trat seine Sunctionen wieder an. Dieses Ereigniß hat zur Genüge bewiesen, was ein solches Einverständniß, eine solche gemein- schaftliche Erklärung der grofen Mächte einige Monate frü- her vermocht hâtte, um diesen Ländern den Frieden zu sichern und Europa, das sich so lebhaft dafür interessirt, zu beruhigen. Damals hätte ein kräftiges Wort Allés zur Ruhe gebracht; jeßt muß man seine Zuflucht zu Waffen und Flotten nehmen, und zu all dem krie- gerischen Aufwande, der niemals für den Beschübßer wie für den Beschüßten ohne Nachtheil bleibt, und manchmal den Frieden, den ev herstellen soll, ersi recht kompromittiert. Eine tröstende Wahr- heit jedoch ergiebt sich aus diesem Allen, nâmlich daß jeßt die großen Mächte von einem gemeinsamen Gedanken, von dem, das Ottomanische Reich aufrecht zu erhalten, geleitet werden. "Man kann wohl über die anzuwendenden Mittel verschiedener Meinung seyn, man ist Überdies durch die verschiedene geographische Lage zu verschiedenartigem Handeln genöthigt, aber das Ziel i dasselbe, Bewahrung und Aufrechthaltung dex Euro- päischen Ordnung, um die es sich bei dem Ausgange dieses von der Pforte nicht veranlaßten Bürgerkrieges handelt. Der Sultan, bet dem das Jnteresse der Zukunft jede andere Rücksicht überwtegt, hat in dem Tewdschihat (der Erncnnungs- Liste) das unwider- rufliche Maß der Zugeständnisse festgestellt, zu denen er sich entschlossen. Wenn sie dem Reih den Fricden nicht wieder- geben, so wird man von Neuem zu den Waffen seine Zu- flucht nehmen müssen. Ohne Zweifel werden daun die Kabinette im Angesicht ciner Opposition, die nur durch Gewalt zu beugen isl, nicht von dem Prinzip abweichen, welches ste aufgestellt haben, und für das fie sih jeßt in Bewegung scßen. Die d|fentliche Mei- nung Europa'’s, die des Sultans Laufbahn nicht ohne Futeresse he- gleitete , sicht die Lage der Pforte in richtigem Lichte; es if eine rein defensive Lage, die eben deshalb nicht nur die s{hÜbende poli- tische Theilnahme erregt, welche jeder inoffensive Staat für die an- deren hegt, sondern auch jene menschliche Theilnahme, welche die Gesellschaft demjenigen spendet, der sich muthvoll vertheidigt. Die dfentliche Meinung hat fich also entschieden, nun ist die Neibe an den Kabtnetten, ein Gleiches zu thun; mdgen ste die Rechte, Ovyfer und Absichten gegen einander wägen; Europa ift Schtedsrich- ter in dieser Sache, und die Pforte fürchtet den Erfolg nicht.

„Sr EG enland.

In dem Briefe eines der Sache vollkommen kundigen Frem- den in Nauplia heißt es über das jeßige Griechische Ministe- rium: „A. Maurokordato für die Finanzen, if anerkannt die erste Kapaitát von Griechenland; Jakobaky Rhizo, wenn auch der Erfahrung in Schulsachen ermangelnd, doch durch wis- senschaftlihe Bildung und Ehrenhaftigkeit des Charakters für das Kirchen- und Schulwesen mehr denn ein Anderer geeignet, und Einsicht in die Gebrechen der Capodistrianischen Justiz- Verfassung seines Postens mächtig; aber das wichtine Mint- sterium des Innern, durch einen früheren Privat-Secretair von

gersohn von Konduriotis, und das des Aeußern durch einen Mann besctt, der durch Mangel an Charakter sih selbst um Ansehen und Einfiuß gebracht hatte, erwarten noch erst die ihren Aufzaben gewachscnen Männer, die hier Jeder bezeichnet, der Land und Leute kennt. Das Ministerium, wie es jet ist, ist kein Ganzes, es ist gebrechlich in wesentlichen Theilen, es wäre noh im Stande, in ruhigen Zeiten dite geordneten Dinge zu führen, läßt aber in diesen verworrenen oft sich selbst, das Land und die im Stiche, welche darauf bauen, und von diesem

Baume Früchte erwarten, die er nicht tragen kann. Das ist im

so s{limmer, weil man hier sehe bald. sch die Frage vorlegte, ob denn die Regéntschäft selbs, ih Bezug auf Grundsäße und Ansichten, durchaus aus Einem Gusse bestehe. Die Parteten, die sich diese Frage natürlich in ihrem Sinne beatntworteten , suchen nun durch die Lücken, welche die centrale Thätigkeit der Minister läßt, sich. zwischen die Mitglieder der Re entschast zu schieben, und sich so festzuseßen U. st. w,// „Glauben Sie nicht“, heißt es in cinem andern Schreiben, „daß wir durch einen Zauberstab berührt worden sind. Wir sind noch die Alten, und vorzüglich ist die Kolokotroni- Capodistvianisché Partei, ungeachtet einzelner Uebergänge zur Sache der Regentschaft, noh in ihren zahlreichen Mitgliedern durch feste Bande zu gemeinsamen Zwecken verbun- den, und arbeitet, ihre Ansichten, Grundsäße und Bestrebungen der neuen Regierung aufzulegen und dadurch die Macht für sich zu gewinnen, die mit Andern zu theilen sie nicht gewohnt sind, und díe auf andern Wegen zu gewinnen ste keine Hoffnung ha- ben. Um dahin zu gelangen, schreiten sle durch den in die Mitte der Regentschaft selbst gebahnten Weg fort, und haben auch schon Sieitenwege gefunden und qedffner. Durch kluge, systematisch vorausberechncte Mandver sicht man sie in Banden getheilt heute bei, diesem, morgen bei jenem der Mächtigen,: so daß dieselben Individuen nach Verlauf von vielen Yagen erst wieder bei der- selben Person zum Vorschein kommen, und guf dem Grunde fortbauen, den die Bundesgenossen früher gelegt haben. Man hat wahrgenommen, daß sie da, wo fie Anklang finden, über dieselben Jndividuen und Sachen dieselben Ansichten und Ur- theife dafúr oder dagegen vortragen, und dadurch bei ihren Be- {chÜßern die Meinung begründen, daß ste in diesem künstlichen Gewebe besonderer Partei: Urtheile die öffentliche Meinung ver- nehmen. Nichts bleibt uns also, als die Hofsnung, daß we- nigstens die Mehrzahl der Mächtigen hier bald klar sehen, die Neve, mit denen man die neue Macht umspinnt, zerreißen, und daß jene Männer, wie sie wollen, den offenen, entschieden rasch- fördernden, nationalen Gang finden werden.“

Mexiko.

In einem von Nord-Amerikanischen Zeitungen mit- getheilten Schreiben aus Mexiko vom 15. März heißt es: „„Jn Vera-Cruz ist die Nachricht eingegangen, daß die Astatische Cho- lera unter den Einwohnern von Guatimala große Verheerungen anrichtet. Der größte Theil der Truppen des 1sten Bataillons war ein Opfer der Krankheit geworden. Jn San Cristoval de las Chiapas und in Tabasco hatte sich die Epidemie noch nit gezeigt. Jn Mexiko herrscht jeßt ununterbrochener Frieden. Alles deutet auf eine {dne Zukünft hin, und wenn nur die neue Verwaltung die Angelegenheiten so zu leiten versteht, wie Herr Pedraza, so können wir auf Fortdauer des Friedens, der Ruhe und verfassungömäßigen Ordnung rechnen. Die Feinde der Freiheit habén in den lesten Wochen mehrere äußerst heftige Broschüren verbreitet , die jedoch glücklicher Weise keine andere Wirkung hatten, als daß sie die schlummernde Thatkraft der steg- reichen Partei weckten, und daß diese feierlih erklärte, sie werde niht den geringsten Eingriff} in ihre Nechte dulden, und sey entschlossen, den zúgellosen Hochmuth der Aristokraten zu demüthigen. Diese Lekteren fürchten sich so schr vor dem Ge- neral Santana, daß sie, da sie ihn zum Präsidenten gewählt und sih aller Macht zur Verhinderung der auf den 1. April festgeseßten Zusammenkunft des Kongresses benommen schen, nun zu dem ¿ußersten Mittel ohnmächtiger und rahsüchtiger Parteien gegriffen und Meuchelmdrder gedungen haben, die dem würdigen General den Dolch ins Herz stoßen sollten; aber Alles umsonst; tausend Augen wachen über seinem Leben, und der Ann selbst scheint ihn in Schub zu nehmen. Die Regierung legt übrigens

| der Preffe nicht die geringsten Fesseln an, sondern läßt ihr ganz

freien Spielraum, sogar gegen sie selbsk. Die hin und wie- der avftauchenden schwachen Angrisse auf das Verfahren Pedraza’s beweisen, daß . selbst seine Feinde nichts Wesent- liches an ißm auszuseßen haben. Der Gouverneur des Staats Durango, Herr Elorriaga, hat ein Dekret der Legislatur bekannt gemacht, wonach in der Hauptstadt dieses Staats ein Rechts-Kollegium errichtet werden soll. Der Geist- liche Manuel de San Juan Crisostomo hat von dem Minister der geistlichen Angelegenheiten die Erlaubniß erhalten, zwei Jahre in den Vereinigten Staaten zuzuübringett, um daselbst die Orientalischen Sprachen zu studirén. Er wünscht dieselben ken- nen zu lernen, um, wie er sagt, seiner Provinz dadurch zu nüz- zen, und glaubt, sich die Kenntniß derselben in den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika leichter erwerben zu können. Sein Wunsch ward ihm gewährt, weil er ein sehr talentvoller Mann ist, Jn Mexiko wird eine Ausgabe des „Don Quixote‘“/ ver- anstaltet werden, die zwei Realen kosten soll. Senor Castro ist an die Stelle des Senor Roo zum Secretair fúr die bevorstehende Kongreß-Session ernannt worden.‘

Vereinigte Staaten von Nord-Amerika.

New-York, 1, Mai. Die Auswanderungen aus den Vereinigten Staaten nach der Afrikanischen Kolonie Liberia ha- ben in der leßten Zeit wieder sehr zugenommen.

Gestern fand hier eine furchtbare Feuersbrunst statt, die sich durch mehrere Straßen verbreitete und beim Abgange des Paket- boots noch nicht vôllig gelöscht war.

Ein hiesiges Blatt sagt: „Die neuen Republiken von Amet ika erfreuen sch jest größerer Ruhe, als jemals seit dem Beginn ihrer Revolution, So viel wir wissen, finden je6t nir- gends militairische Operationen oder Rüstungen statt, mit einzi- ger Ausnahme der jährlich wiederkehrenden Zwistigkeiten an den Gränzen von La Plata mit den räuberischen Jndianer - Stäm- men. Eténer unsiheren Privat- Nachricht aus Central - Amerika zufolge, die gestern in dem Mercantile Advertiser stand, wären die Provinzen Leon und San Salvador von dem Bunde abgefallen; da jedoch von keinen militairishen Maßregeln die Rede ist, so werden hoffentlich die dortigen Einwohner eben so wenig zum Kriege geneigt seyn, wie in den anderen neuen Staa- ten. Uebrigens bezweifeln wir die Authenticität dieser Nachricht

und Klonares fúr die Justiz, durch Europäische Bildung |

Koletti, das Ninisterium der Marine dur elnen Schwie- |

noch sehr, denn ganz kürzlich von dort angelangte Briefe melden nichts der Art. Friedens-, Freundschafts- und Handels - Ver- träge und Pläne zur Beförderung von Ruhe und Eintracht sind jcbt statt gegenseitiger Eifersucht und Anfeindung an der Tages- ordnung, und gewiß werden alle Staaten eine so günstige Gele- E benußen, um sich nach außen und innen zu konsoli- iren.

I-00 4:0 d.

Berlin, 2. Juni. Wir geben hier nah dem Militair- Wochenblatte den Zten Beitrag zur Geschichte des Jahres 1813, die Bildung der Landwehr in: den Provinzen Ost- und West- Preußen ünd Litthguen betreffend. Es is ein Schreiben des Ober- Landhofmeistérs von Auerswald an den T N Fürsten von Hardenberg, und lagu- tet aljo:

E Ev

R C T R AEE M R "I NRUT-E E O T En T: O E E mr

Pp

21 G I T C IMGEA @ 0B TCEA Ind R