1835 / 12 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

T A Beta Bli E R

ch T8 mi N der, Sa E E D R O 5 I E P E V tg P E U E E IDE R an

man daran verzweifelte, von seinen Händen Reform zu erlangen.‘ (Hört, hört!) - Herr Crawford, der dritte Kandidat, machte bemerklih, daß er zuersk mehr in ' kommerzieller, als in politischer Hinsicht Repräsen tant der Londoner Wählerschaft geworden, daß er. aber stets be: reit gewesen sey, sein Leben lang auf Reformen in Kirche und Staat zu bestehen, und daß er längst geglaubt habe, es scy fúr immer mit demn Reiche der Tories zu Ende. „Jh habe mich“, sagte er weiterhin, „hinlänglich überzeugt, daß siebenjährige Pac- lainente fár dicses Land zu lang sud; aber die Frage, hinfichilich der geheimen Abstimmung, bedarf, meines Erachtens nach, ‘erst noch) der reiflich\ten Eecwägung, wenn das Voik den Grundsatz der Repräsentation vollklommen verstehen wird. Jch glaube je- doch felt, daß dem Volke noch nicht der ihm gebührende Antheil an der Gewalt eingeräumt worden ist. Nicht, daß ich die. drei Gewalten, König, Lords und Gemeinen, umgestürzt shen möchte, aber ih wünsche eine glückliche Vermischung derselben mie dem Volk.‘ (Hört, hdit!) Herr Pattison, der Gouver- neur-der Ban?, verwies die Versammlung auf die Adresse, wel- che er an die Wähler gerichtet, und worin cr den festen Ent- {luß zu erkennen gegeben habe, Reformen in Kirche und Staat zu unterslügen. (Hört!) „Jch erkläre,‘ fügte er hinzu, „daß ach für jede Maßregel stimmen till, die darauf berechnet if, die siebenzährigen Parlamente in dreijährige abzukürzen. (Hört, hôrt !) Die geheime Abstimmung ist auch bei weitem verfassungs- mäßiger und den Verhäitnisscen Englands angemesscner, als das Jetige Syitem, und ich hoffe, sie angenommen zu schen. (Hört, hôit! Mehrere Stinzzacn: „Das heißt doch, sich auc sprechen !‘) Diese meine Anchten sind n:cht von gestern, sondern haben si son vor migreren Jahren bei mir. festgesetzt.“ Nachdem hier- auf dem Borsiker cine Dankjagutg votirt und den Kandidaten ein deeimaliger Applaus zu Theil geworden war, ging die Ver- so, nmlung auscinander. i

_Die Jamaika-Zeitungen vom 7, November melden, daß ia dem dertigen Versammlungshause, weil sich die Neger- Lehrlinge fortwährend sehr unlustig zur Arbeit zeigten, der Än-

cine heilsame

trag gemacht worden war, weiße Arbeiter aus Europa oder

feustwoher in der Kolonie zuzulassen.

Aus Kalkutta sind Zettungen bis zum 20, Juli hier cin- gegangen; sie melden, daß der Rath von Judien am 24. Juni seine ere Geschäfts Si6ung in Ootakamund gehalten habe. Eine der ersten Fragen, die zur Berathung kamen, war die, ob wegen Ankaufs der Jusel Socotora, die am Eingange ins Rothe Meeer liegt, eine Unterhandlung zu eröfsuen sey. Die Entschet- dung fiel dahin aus, daÿ Befeb,le nach Sombay gesandt wurden, einen zur Unterhandlung mit den Arabischen Häuptlingen über den Ankauf der Jusel gecigneten Offizier dorthin zu schicken. És soll dieje Insel, als Niederlage: Pla für den Handel Groß- brita*tens mie dein Orient und als Orr zum Anlegen für die Erglischen Schiffe, um sich, daselbst mit L bensmitteln und Wa?}- «r zu versehen, oder als Zuflucht in Kriegsfällen betrachtet, eine sehr - shäßbare Erwerbung seyn. Auch bieter sie große Vortheile mit Hinsicht auf die Einrichtung einer Danpfschisffahrt zwishen Indien und Suez dar. Der Calcutta-Cvu- rier bemerkt, man jolle sich der Insel je eher je lieber zu versichern suchen, denn die raschen Fortschritte des Pascha’'s von Aegypten in der Unterjochung Arabiens ließen erwarten, daß er, wenn man viel Zeit veriiere, der Ostindischen Compagnie in der Besiznahme von Socotora zuvorëommen werde. Es kann hierbei erwähnt werden, daß die im'Drozuerie- Handel - vorkommende Ale Socolrina von der besagten Insel ihren Namen habe. Noch cin anderer ebenfalis ziemlich wich- riger Gegenstand wird in den Zeitungen von Ka!kutta verhan- delt, nämlich die Frage, ob es nah dem kürzlich erfolgten Tode des Zadshah von Uhrtscha und Tehrih eines inländi- “chen Fürsten dritten Ranges nicht rathsam sey, das Gebiet desselben unbedingt dem Britischen Jndien cinzuverleiben , fúr das- es vermöôge seiner geographischen Lage2, in der durch die bei- den Flússe Batwaund Dessauer gebildete Gabel und in Südwesten von Scindia’s Gediet begránzt, als eine nothwendige Ergänzung erscheint. Natürlich fehlte es, wie gewöhnlich, auch für diejcs Retch nicht an Kron-Prätendenten, DemBomhay- Courier zufolge, hat Hr. Waghorn, der betanntlich so große Reisen gemacht und ich fo unjägliche Mühe gegeben har, um die Verbindung von Ö|k- mndien mit England vermittel{t der Dampfschifffahrt zu Stande zu bringen, niches als Unglück gehabt, und ein Unstern schien über allen seinen Unternehmungen zu waiten. Er hatte sein Schiff, vérmuthlich den „Forbes//, verloren und wird nun wahr- scheinlih dreimal so viel Zeit brauchen, als wenn er ums Cap hâtte fahren fkönnea, um England zu erreichen. Laut Nachrichs- ten aus Penaug, hatte, abgesehen von den gewöhnlichen See- ráubereien in jener Gegend, der König von Achim an der Nordküste von Sumatra förmliche Kaperschiffe ausgerüstet, welche \chon mehrere Englische und andere Schisse geraubt. Man glaubte, cs nrúrde eine völlige Cxpedition gegen 1hn un- ternommen werden mssen. : °

Den lezten Nachrichten von den Sandwichs-Jnseln

» zufolge, drohte dem dortigen Handel großer Schaden, indem

die daselbst befindlichen Missionaire, meistentheils Nord - Ameri- kaner, wider den Gebrauch und Anbau des Tabacks protestirt haben sollen, der cin bedeutender Handels: Artikel auf jener Jn-

fel geworden war. Auf der Jnsel Mauih waren schon alle Tabacks-

Pflanzen ausgerotter; auf Woahu hatte dasselbe geschehen sollen, doch hacten es die Eigenthümer dur ihre Wachsamkeit noch verhindert. ) :

Aus den l¿ßten Berichten von Bogota, die bis zum 1. Oktober reichen, ergiebt sich, daß die zur Vertheilung der Staats- \chuld Columbiens erzaunten Bevollinäczrigten von Nea - Gra- nada und Venezuela Aequator hatte bekanntlich keinen ges \hickt ihre Sizungen fortseßen. Am 29. September hatte der Britische Gesandre, in Foige neuer vou Lord Palmerston erhaltener Jnsiructionen, wieder eine Itote eingereicht „. worin darum nachgesucht wird, daß die Sache möglichst beschleunigt und einstweilen der geselzsich dazu bestimmte Theil der Zoll-Ein- naßme für die Englischen Gläubiger Ira A werden möchte. Die Regierungsweise Santander's foll wieder sehr despotisch geworden sey. Schon seit drei Jahren „. heißt es, sey es ihr gelunzen, díe Wahien zum Kongrep durch die Stimmen der Soldaten zu leiten, und die jüngste Wahl des Vice-Präsidenten

habe die Rechte des Militairs völlig befestigt, indem die Sol-

daten nicht allein mit einer ihnen vom Havptmann eingehän- tigten Liste der zu Wählenden zur Stimmgebung gegangen seyen, sondern selbst die friedlichen Börger verhindert hätten, in das zur Wahl bestimmte Lokal zu koitmen.

Niederlande.

Aus dem Haag, 6. Jan. Se. Majestät haben lfohlen, daß in Zukunft keine verunglückte Seeschiffe einen Anspruch auf den im Ministerium des Jnnern bestehenden Fonds zur Unter- stúzung Nothleidender haben sollen,

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In Amsterdam wurden im vorigen Jahre 6086 Kinder ge- boren; es starben 8440 Personen. Getraut wurden 2070 Paare.

Der „Pylades‘/, welche: (wie gestern erwähnt) nicht weit von der Küste untergegangen ‘i1t, war ein großes Dampfboot, das dem Verkehr mit Batavia einen neuen Schwung geben sollte, und áls' cin schnellsegelndes wohlconditionirtes Schiff bekannk. Dasselbe wurde erst kürzlih in Rotterdam erbaut und kann un- lich bei dem keinesweges so stürmischen Wetter einen folchen Lc erhalten haben, daß sein Untergang dadurch herbeigesührt wucde. Unsere Zeitungen sprehen daher auch ben Argwohn aus, daß irgend ein frúher oder später ans Licht kommender Frevel dabei seine Hand im Spiele gehabt habe.

Belgien,

Brüssel, 6. Jan, Als am vorigen Sonntage der König und die Königin unerwartet im hiesizen Theater erschienen, wur den dicselben dur die lauten Acclamationen des versammelten Publikums begrüßt.

Der Messager de Gand sagk: „Die Journale der glorreichen Belgischen Revolution melden fortwährend, daß die nah Holland ausgewanderten Baumwoll-Arbeiter dort Ver- folgungen erleiden und genöihiget sind, nach Belgien zurü zu fehren. Sie fágen hinzu, daß die Manufakturisten dort belästi- get werden und alle möglichen Unanneßmlichkeiten erleiden, Alle diese Berichte find patriotische Betrügereien ; die einzige Verle- genheit, welche die industriellen Ausgewanderten fühlen, ist, daß ste ihre Werk?ätten nicht so {nell organisiren können, als die zahlceichen ihnen gemachten Bestellungen es erheischen.“

Schweden und Norwegen. Stockholm, 29. Dez. (Hamb. Korr.) Die in der Schwedischen Staats-Zeitung enthaltene Vertheidigungé- schrift der Mitglieder des Staatsrathes in Bezug auf die vom Conttitutions- Ausschusse gegen sie verhängte Anklage- ist ein wahres Meisterstück klarer und búündiger Darstellung, und be- leuchtet die cinzelnen Anklage - Punkte auf eine schlagende Weise.

Es läâzt jedoch bei der gedrángten Darstellungsweise und dem |

innigea Zusammenhange der einzelnen Parägraphen keinen ei gentlichen Auszug zu. Nachdem der Staatsrath in der Einlei- tung des Aufsehens erwähnt, welches eine so ungewöhnliche Anklage nicht allein innerhalb, sondern auch außerhalb der Gränzen des Vaterlandes habe erregen müssen, spricht er die Ueberzeugung aus, daß strenges Recht zwischen den Angeklag- ten und den Anklägern obwalten und "beide für ihre Hand- lungen verantwortlich seyn. wärden. Er gcht sodann zu ciner formellen Beleuchtung der Anklage üter. Zuvördersk wird die Befuaniß- des Consritutions-Ausschusses mit Beziehung auf den Wortlaut der Verfassung angefochten, indem selbiger nur

von einem Reichstage zum andern zur Untersuchung bercchtigt | sey, und die Gefahr nache-wiesen, die daraus entspringen müßte,

wenn dieser Ausichuÿ im Laufe einer largen Seision den Hand- lungen der rollziehenden- Gewalt Schritt für Schritt folgen und sich semit zu emer inquisitorischen und unverantwortlichen Zwwi- schenmacht bilden wollte. Ferner wird, selbst die Kompetenz vor- ausgeseßt, auf den seltjamen Widerspruch hingewiesen, der dar- aus entstehen könnte, wenn die Reichsstände die Königl. Propo- sition in Erwägung zu ziehen beschlóssen, während der Ausschuß, der doch nur eine Delegation aus ihrem Schoße sey, sich da- durch zu einer Anklage des Staatéraths bewogen gefunden hätte. Endlich wird mit Beziehung auf das Protokoll des Consftitutions- Ausschusses die Formwidrigkeit des von demselben gefaßten Be- s{lusses erörtert, in welchem die übliche Abstimmungsweise nicht beobachtet worden, indem nicht zwei entgegengeseßzte Ansichten, sondern drei verschiedene Meinungen in Erwägung gezo- gen worden. Uebrigens verzichtet der Staatsrath darauf, aus diesen Einwendungen. ein heuelicium juris zu zichen. Cs folat sodann eine species flacli oder ein historischer Ueberblick der \chcn seit 1815 über die Kön'gl. Propositionen in Betres der Grund: Eigenthümer mit den Keichsständen gepfloge- nen Unterhandlungen, und wird die Zweckmäßigkeit des neucsten von dem Conskitutions-Ausschusse angefochtenen Vorschlages aus- cinandergesclt. Die dritte und wesentlichste Abike.lunz der Denkschrift enthäle eine volltändige Rechtfertigung der von dem Staatsrathe befolgten Handlungsweise, in- Beziehung auf die Anklage, daß selbiger die constitutionsmäßig vorgeschriebenen For- men übertreten habe, indem nachgewiesen wird, daß der Staats- rat) nicht allein leine Befugnisse nicht überschritten hade, son- dera auc) seiner Pflicht gegen den König als dessen Rathgeber nachgetommen sey. Der Staatsrath glaubt demnach, drei Punkte auf unwiderlegliche Weise dargethan zu: hoben: 1) daß er so- wohl in dec Sache als in der Form durchaus constitutions- máßiíg gehandelt habe, als er dem Könige zu dem Schreiben vom 4. Oktober d. J., in Beziehung auf die mehrerwöhnte ‘Propo- sition gerathen; 2) daß der Constitutions-Auéschuß durch scine Anklage sowohl in der Form als in der Sache offenbar conski- tutionswidrig gehandelt habe; 3) daß, wenn auch der Constkitu- tions :Aus\{uß vermittelst des Grundgeseßes aller juridischen Verantwortlichkeit für seine Schritte überhoben sey, dennoch diese eben nickt beneidenswerthe Unverantwortlichteit die höchste mo- ralis@ze Verpflichtung nicht ausschließe, bei jedem Anlasse mit

L reifliher und uriparteiischer Peúfung und ohne Verleßung der

Rechte Anderer zu Wetke zu gezen. Unterzeichnet sind sämmt- liche Mitglieder des Staateraths, mir Ausnahme des Grafen Mörner, welcher bekanntiich sciner Abwesenhe:t halber nicht in Anklagestand verseßt ist. Der Justiz Ombudsman hat sich hier- auf zum Behuf? der Einreichung seiner Replik“ cine Frist bis zum 7. Januar k. J. erbeten, die ihm auch gewährt worden ist.

Deutsczland.

Altona, 9: Jan. Die Blattern - Epidemie, welche seit September v. J. in Altona und der Umgegend geherrscht hat, ist jeßt im Abnehwen, nachdem sie eine nicht ganzundedeutende Anzahl von Personen verschiedenen Aiters heimgesucht hat und Maachem röôdtlich geworden ist. Aus Oldenburg wird gemel- det, daß dort und in der Umgegend sich seit einiger Zeit die Masern zeigen, ohne jedoch cinen bdösartigen Charakter anzu- negmen.

/ Wie verlautet, bat der neulih zum Pastor in Hamburg gewählte Professor der Theologie, Pr. de Wette, fast gleichzei- tig einen Ruf nach Kiel bekommen.

Am S (usse des Jahres wurde zu Segeberg (im Hol- steinischen ) das 700 jährige Jubelfest der Grüni ung der Stadt auf eine originelle Weise gefeiert. Eine bedeute1.de Anzahl von Segebergs Bürgern und Einwohnern versammele sich nämlich in einem hiesigen Gasthause und zog geuen/ 12 Uhr von da in einem mit Musik begleiteten Fackelzuge nach dem Kalkberge, auf welchem vor 700 Jahren auf Kaiser Lothars Gcheiß und nach sciner persónlichen Anordnung die Burg Siegebura als eine Schub- und Zwingburg wider die Wenden von allen Nordalbin-

Mangel an

gern erbaut wurde. Als der Zug auf der Hdöge des Feisens

angelangt war, wurde in vierstimmigem Gesange F cigens zie

dieser Feier von Herrn Rektor Arps gedichtetes Lied nach der

Weise: „Des Jahres letzte Stunde 2c.““, vorgetragen, wodur

alle Anwesenden, troß des un{reundlichen Wetters, in, cine be- sonders feieriiche Stimmung verseßt wurden. Nachdem darauf : noch mehrere angemessene *Toasts ausgebracht waren - stieg man

wieder in die Stadt hinab und begann, die fcierliche Stimninung

mit einer feöhliceren zu vertauschen.“ : ;

Nünchen, 4. Jan. Heute Vormittags han sänrmtliche Ministerialráthe des K. Staats-Ministeriums del nanzen, an der Spike dec Königl. General-Zoll-Administrator Hr. Pv. von Wirschinger, ihre Aufwartung bei dem von alen Sein sehr geachteten abtretenden Minister, Freiherrn v. Lerchenfeld - ge- macht. Mit den Gesundheité-Umsiänden des Fürsten Fn Oettingen: Wallerstein, Ministers des Jnnern, geht es besser.

“Der Weingastgeber Findel zu München hatte nach dem Tode: des hôchstseligen Königs Maximilian Joseph die Grenadier- Garde - Uniform an sich gebracht, welche der unvergeßliche Mo-- narch bei seinen Lebzeiten gerragen, um solche als chrendes An- denken aufzubewahren. Bei dec Abreise des Herzogs von Leucl:- tenberg nach- Lissabon hat jedoch Herr Findel dieses kostbare An- denken dem Enkel des höchsteligen Königs überlassen zu müssen geglaubt, welche patriotische Gabe auch von dem Herzog ange- nommen und von demselben neb{è einer kostbaren goldenen Dose mit eigem s{chmeichelhaften Handschreiben erwicderk wurde.

Augsburg, 5. Jan. Der in mehrere Zeitungen überge- gangene Artikel, dke Wiederherstellung des Benediktiner -Ordens in Bayern betresfend, enthält am Schlusse eine Stelle, wee nachtheilige Aus!egungen veranlassen könnte. ZU deren Berich- tigung und Beseitigung so mancher falschen Gerüchte ilt die Allgemeine Zeitung autorisirt worden, Folgettdes mitg utheis len: „Se. K. Maj. haben, vermöge Allerhöchften Restripts ‘0m 20. Dez. v. J., den Orden der Benediktiner, als einen nicht vom politischen Tendenzen mehr oder minder berührten, sondern weg seiner würdigen Haltung von allen Meinungen gleich geachtetem Orden, wiederherzustellen, zu diesem Ende eme Benediktiner: bx tei bei St. Stephan in Augsburg und ein Priorat in Ottobeu- ren zu errichten, zugleich das bereits bestehende in Metten damit. zu vereinea geruht. Den Benediktinern in Augsburg wird sodann: die Lehr - Anstalt bei St. Stephan anvertraut werden. Se. Majestät der König wollen daher, daß der Abt, Barnabas Hu- ber, vor Allem die in Bayern befindlichen zum ersprießliczen Wirken sür den Orden noch befähigten, und zum Wiedereintritte in denselben geneigten Ex-Benediktiner einlabe, i dein Orden mít dem Fortgenusse ihrer ‘Pension wieder anzusa, ließen. Allerhôchst- dicselben wollen ferner, daß derselbe sich um den Eintritt wür- digec Welt-Geistücher, namentlich würdiger Lehr. Amts-Kandida- ten geistlichen Standes, bewerbe. Für den Fall de Bedarfs ge: statten Allerhöchstdieselben zu Besebung von Lehr{rellen, dann für die Functionen im Junern dcs Klosters einige durch tiefe Gelekrsamkeit, ernstes Streben und Fernscyn von allcr politi schen Tendenz hochachtbare Ordens - Geistliche aus Oesterreich, Allerhöchstihnen vorzuschlagen. Zu diesem Zwecke soll der Abt nach erhaltener allerhöchstlandesherrlicher Genehmigung Sr. K. K. Majestät sich mit den Vorständen der in Oesterreich besite henden Benediktiner- Abteien ins Benehmen segen, und lom- mendes Frühjahr mit dem hochwürdigsten Bischofe von Augs burg selbjt nach Wiea und in die Oesterreichischen Klöster abge hen, um die von den Aebten ausgewählten, Sr. K. Maj. von Bayern vorzuschlagenden Priester persdnlich kennen zu lernen.‘‘

Stuttggrt, 6. Jan. (Deutscher Courier.) Die Kommission der Abgeordneten - Kammer zur Vorberathung der Gese(-Entwürfe über Vecwaltungs - Gegenstände is gestern zu- \sammengetreten. Allein bereits in dieser ersten Si6ung soll es sich gezeigt haben, daß die Herren Referenten und. Korreferen- ten mit ihren Arbeiten noch nicht so weit gediehen sind, daß die Kommission alsbald cine reifäiche Berathung beginnen kônn- te. Wie wie hôren, war nur ein ficißiges und als gründlich-pro- dufktiv bekanntes Kommissions-Mitglied, das gewöhnlich mit der Minorität stimmte, mit seinem Referate von anschnlicher Be- leibiheit ganz. fertig. Wir werden berichtet, daß die verchrliche Kommission den ständischen Ausschuß vetanlassen wird, bei dem Königlichen Geheimen-Rathe anzusrazen, welche Gese6-Entwüktfe des Verwaltungsfaches die Staats-Regierung noch an die Stände in dieser Session zu bringen gedenke und daß im Schoße der Kommission die Anscht vorzuherrrschen scheine, es dúrfte am geeignetsten seyn, wenn die Arbeiten derselben erst etwa An- fangs März beginnen würden. Sobald die Aeußerung des K. Geheimen-Raths über die oben erwähnte Frage eintrisst, wird die Kommission ihre zweite Sigzung halten.

Karlsruhe, 6. Jan. Das Großherzogl. Staats- und Regicrungs-Blatt vom 3. Jan. enthä!t eine landesherrliche Verordnung- ber die Vornahme der Ergänzungs - Wahlen zum nächsten Landtage. Nach Anlage À treten von der ersten Kam- mer aus die Deputirten der beiden Landes - Universitäten und folgende durch das Loos bestimmte Mitglieder des grundherrli: chen Adels: Oberhalb der Murg: 1) der Staats-Minister und Minister der auswärtigen Angelegenheiten, Frhr. v. Türkheim; 2) der Fehr. v. Nôder; 3) der Hofgerichts-Rath Graf v. Her nin. Unterhalb der Murg: der Frhr. v. Venningen. Nach dit Anlage B ‘treten dur) das Loos 19 Mitglieder der zweiten Kaw mer aus.

Freiburg, 3. Jan. Jun der Neujahrsnacht sind, ivie aus guter Quelle verlautet, im benachbarten Baden Excesse vor gefallen, welche um so mehr zu beklagen sind, da sich darin ein großer Gesittung und Achtung vor den Geseßen offenbart, und die Theilnehmer nicht zum Pöbel gehören sollen. Cin oder eitiige Polizeidiener wurden von Perjonen des Bürgerstandes

auf der Straße thätlih angefallen, und der tumustuarische Auf-

tritt endigte mit Verwundungen, wozu jedoch nur Nothwehr den Angefallenen vermocht haben soll.

Mainz, 6. Jan. Heute ist bereits die hiesige Rheinbrücke abgeführt worden, weil man schon ziemlih große Eismassen, zwar nicht im Hauptstrom, abèr in dem Main wahrzenonv mèén hat.

Oesterreich. Der Französische Botschafter, Graf Sk.

Wien, 1. Jan. i Aulaire, wird in einigen Tagen Wien verlassen und nach Paris gehen; man glaubt nicht, daß «r hierher zurückkommt, ‘obgleich sein Nachfolger noch nicht bekannt ist.

Se. Kdnigl. Hoh. der Kronprinz von Bayern verweilt noch immer hier und scheint am hiesigen Orte mit jeder Woche besse- res Behagen zu finden. Er erfreut sich jelzt der besten Gesundheit,

Se, Durehl. der Fürst Metternich, welcher auf den Neu- jahrsiag sámmtliche fremde Minister, Gesandte und Geschäftsttä- ger an hiesigem Hofe zu einem großen Diner hatte einladen

Western durch ihre Bestimmung, wie durch

N hofen können.

sah sich durch eine Unpäßlichkeit genöthigt, diese Eínla- 1 wieder zurückzunehmen. ck,: Durchl. der Fürst Colloredo, Oberst - Hofmeister Sr. eát des Kaisers, und Jhre Durchl. die Frau Fürstin von , Oberst - Hofmeisterin Jhrer Majestät der Kaiserin, em- heute im Namen Jhrer Kaiserl. Majestäten die. Glück- he des diplomatischen Corps und des Gh ng des Neujahrs festes. 2 : Ler Königl. Bayerische Geschäftsträger, Ritter von Gasser, z Griehenland in Ankona angekommen, wo er sich tin der ntaine befand. 5s heißt, im nächsten Frühjahr solle wieder ein Lager bei 1 gehalten werden; mit Gewißheir weiß man aber darüber

n Pesth erscheinen jezt drei politische Zeitungen (eine in her, zwei in Ungariscer Sprache) und fünf ni&tpolitische riften (zwet in Derischer und drei in Ungarischer Sprache). drei politischen Zeitungen bringen außerdem jede eine nicht- che Beilage und von den nichtpolitischen Zeitschristen brin- ei (cine Deutsche, zwei Ungar:sche) Modeubilder. Obwohl ¿hl der Deutschen Blätter geringer ist, als die der Unga- „so E jene doch unstreitig mchr Abonnenten und Le- 6s dieje. Zeit mehreren Tagen ist Hicr das Gerücht verbreitet, daß ani”, ein großer Aufjtand ausgebrochen sey. Da aber illem Wege beine nähere Mittheilung darüber eingegan- î, jo scheint die Nachricht sehr übertrieben worden zu seyn.

Schweiz.

tenchatel, 3. Januar. (Constitutionel Neucha- s.) Nach einem alten Gebrauche begaben fich am 1. Ja- die Geistlichen, die vier Ministralien, der große und kleine der Stadr Neuchatel, die Civil- und Militair - Beamten, einer zahireichen Versammlung von Bürgern, in den gro- Baal des Schlosses, wo Herr Guillebert im Namen aller A Ce Rede az den Präsidenten des Staats- richtete : g Here Präsident! Mit Auenahme einiger Uebelgesinnten, wel- sere Worte belaguschen, um sie einigen übelwollenden Zeitungs- ern zu Überliefern, damit diese ste verdrehen und vergiften, pir hter nur als Kindex Einer Familie versammelt, die einem Vater thre Ehrfurcht und ihre Wünsche darbringen wollen, n so aufrichtiger nd, als es zugleich Wünsche für sie selbst Als Organ dexr vier Ministealien, des Staats - Raths, Staats - Beamten und de: Geistlichkeit bin ich das O-gan derjenigen Peesonea, welche zu der Majorität der Landesbe- e gehdren, die, ih darf es behaupten, allein fähîg ift, das Land hräfentiren ; denn alle diejenigen, welche nicht für den König indliche Liebe hegen, sind ketne wahre Renchateller. Werdeu ahren Neuchateller nicht einstimmig seyn in ihrem r0yalis- Der König ist die Grundlage unseres gesellschaftlichen Ge= 3, er is der Mittelpunkt, um den sich Ulles reiht, wie der m eines Baumes, ohne den die verdorrten Zweige weder Blät- hoh Blüthen, noch Früchte haben würden. Während andeve en durch die Wuth der Parteien, welche sich úber die Legiti- des Souverains streiten, verwüstet werden, ist, Gott sey Dank, ouverain unserer Neigung länger als cin Jahrhundert auch Souverain de kaclo, und zugletch einem Rechte zufolge, das e Väter freiwillig anerkannt haben. Während andere Völ- nch bemüht sind, Fustitutionen zu erlangen, erfreuen wir unter dem Schuß des Kdnigs in Frieden derjenigen, weiche uns unseren Vätern überliefert wurden. Während andere Völker it der thdrichten Hoffnung wiegen , die Freiheit zu improvisi- hât die unscige, welche mehrere Fahrhunderte alt isi, sich im tten des Theones vermehrt, und ste kann auch nur deshalb so seyn, weil sîe so alt is. Während andere Völker thr immer eréchrendes Unglück durch beständige Revolutionen zu vertreiben n, gründen wir, teeu dem Könige, und wohl wis- daß die Dinge nux nach Verhältniß der Zeit, wel- sie hervorrief, dauern, die Hoffnung unserer Zukunft auf e Vergangenheit; (tnd dem Himmel sey Dank! an cinem Tagc der heutige ist, dürfen wir von Treue sprechen, ohne daß irgend vot denen, in deren Namen wir das Wort führen, oder an dic unsere Rede richten, darüber errôthen müßte. Der tresfende spruch des Königs im Fahre 1814 über unser Land, welches Er erum unter seinen Schuß nahm, hat seit jener Zeit noch éine Bedeutung gewonnen. //,/,,„Der Erfolg‘/‘/, sagte der König in e Ertläruug, ,, „welchen die göttliche Vorsehung Unsern Waf- etlichen hat, verschafft Unserm Herzen die Freude, die treuett geliebten Völker, welche durch Gewalt Unserem Hause entrif- dder von ihm abgetreten wurden, um sie dem größten Unglück s zu geben, für immer mit Unserer Herrschaft wteder zu verbit- / Wir dürfen mehr als jemals glauben, daß wir für tm- mit der Herrschaft des Königs vereinigt sind und daß Kdnig uns mehr als jemals ein treues und gelicbtes Volk ci kann. Und sollten wir nicht auch immer treuer seyn, da immer mehr vom Könige geliebt werden, indem wir immer aus- ihnetere Beweise seiner Liebe zu uns empfangen? Seine Frei- gkeit gegen das Land i| noch vor kurzem so groß gewesen , daß dnen, welche edle und .uncigennüßige Handlungen nicht zu wÚr- n vermögen, darin verborgene Motive schen wollten, und daß freuen Unterthanen des Kdntgs hätteu glauben fönnen, es sey Geschenk eines Vaters, der in dem Augcnblick, wo er sich von en Kindern trennt, Alles für sie hingiebt, wenn sie nicht so sehr Mel Wohlthaten gewohnt und sein Herz ihnen nicht bekannt ge- en wäre, Sein Herz ist ein Schaß, worin er Hülfsquellen cit wird, die nie- versiegen. Jm Gegentheil , so edle Herzen, wie veinige vermehren ihre Liebe, ie mehr sie Gutes thun, tes auch scin Minister auf eine so edle Weise zu der Neuchatellev putation mit folgenden Worten sagte: „Der König liebt die uhateller, weilersihbewußtist, ihnenstetsnurGutes (9 zu haben.// Man muß die Leute beklagen, welche diese Ge- fe und gegenseitige Liebe eines Vaters und seiner Kinder nicht lehen. Und diese Liebe wird sich nicht bloß auf die Dauer etner ligen Regierung erstrecken : sie wird auf die würdigen Nachfolger Königs und auf unsere glücklichen Nachkommen übergehen. {von erhalten wir fortwährend Beweise, und noch ganz neuer- z wurde uns einer der ausgezeichnetsten durch die Ehren- e zu Theil, welche die Gemahlin des Thronerben den tgern von Valangin und somit alen Neuchatellern geschenkt hat. ) sage, sie ist allen Neuchatellern geschenkt, denn sie trägt ischriit: Loyalität und Treue Fn dieser Bezichun sind e Bürger von Valangin. Und hat die Bürgerschaft von atel niht ein ähnliches Pfand von der Gemahlin des mächti- Monarchen, der den ganzen Osten von Europa beherrscht, smngen? Sie hat uns dies Andenken geschenkt (dies sind figenen Ausdrücke der erlauchten Königstochter), weil sie un- {n Patriotismus und unsere Ergebenheit für die Fa- le Unserer Souveraine kennt. Diese beiden Fahnen sind ) / ihren Ursprung, western, wie die beiden Haupt - Bürgerschaften des Staa- 4 denen sie geschenkt wurden, und die nur in der Er- heit für thren Fürsten mit einander wetteifern werden. wenn jemals wieder, was Gott verhüten mdge, die Schwerdter j C en aus der Scheide gezogen werden müßten, so würden M alteten Königlichen Banne ein sicheres Unterpfand des A, seyn; sie sind unserem Fürstenhause ein Pfand für das, was i uns zu hoffen hat, se sind es uns für das, was wir von E i Wir dürfen Alles von ihm hoffen; nur nicht gröpere Freiheit und Unabhängigkeit, davor bewahre uns Gott,

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er bewahre uns vor dem Wunsche, daß die Königliche Hand gelähmt werde, sie würde sich dann nicht mehr über uns erfirecken können, um uns zu hüten, sie würde sich nicht mehr dfnen können, um ihre Wohlthaten Über uns auszuschütten. Mögen die Grund- lagen unjerer Fustitutionen bleiben, wie sic sind; nur im Einzelnen sind“ noch Verbesserungen zu wünschen. Hierfür zu sorgen, lassen Sie, mein Herr Präsident, in Gemeinschast mit den Herren Mitgliedern der Regierung sich angelegen seyn. Fn einem monarchischen Staate, wie der unsrige ist, fällt gleichsam ein Abglanz von der Majestät des Thrones auf die Bevollmächtigten der hôchsten Gewalt, aber nicht in dieser Eigenschaft allcit hak der Staatsrath auf unsere Ergebenheit und Ehrerbietung Anspruch; das Land weiß ihm auch Dank für alle Verbesserungen , welche erx ver anlaßt oder begünstigt. Die Gesundheit des Herrn Conseils- Präsï- denten, für die wir die aufrichtigsten Wünsche hegen, hat ihn fast niemals verhindert, auf seinem Posien zu seyn; wir bedauern sehr, ihn heute nicht hier zu sehen, indeß konnte er nicht würdiger erseßt werden, als durch Sie, mein Herr. Sie bitten, an den Fug des Throns gelangen zu lassen, werden, durch Fhre Vermittelung dargebracht, nur günsiig von dem Könige aufgenommen werden. Empfinge der König sie hier in eigener Per- son, so würde scin Herz uns darauf antworten, dafür bürgt uns die Erfahrung. „„Oer König//, sagte der Minister, der bei der Audienz zugegen war, welche Se. Majestät der Neuchateller Deputation zu bewiüigt geruhten, zu lehterer, „der Kdnig war sichtbar gerührt, als ex zu! Ihnen sprach ; sein Herz war es, welches Fhnen antiwvor- tete. // Sie, mein Herr, Jhr so gefühlvolles und so ccht patrioti- sches Herz, werden uns antworten, wie der König selbs es thun würde; wir könnten fúr die Gesinnungen der unsrigen keinen besse- ren Dollmetscher bei dem Könige, als ihr Herz, wählen.“

Am 2. Januar. begaben sich auch die Deputationen der Búrgerschaften von Valangin, Landeron und Boudry auf das Schloß, um dem Souverain die Huldigung ihrer Wünsche und ihrer Ekögebenheit darzubringen, und Herr von Chambricr er- klärte im Namen des Präsidenten des Staatsraths, dem sein Gesundheits-Zustand nicht erlaubte, dieser Feierlichkeit beizuwod- nen, daß der Staatsrath sich beeilen werde, diese Huldigungen vor den Thron Sr. Majestät zu bringen, indem er überzeugt scy, daß dem Herzen des Königs nichts angenchmer seyn könne, als die aufrichtigen Zeugnisse der Liebe eines treuen und ergebe- nen Volks.

Zürich, 2. Jan. Mit Anzeige vom 31. Dez. hat der ab- gehende Vorort Zürich den Ständen die Urkunde mitgetheilt, welche er úber den Vororts-Uebergang an Bexn feierlich in drei Exemplaren, das eine für das eidgenössische, das zweite für das Berner -, das dritte fúr das Zürcher- Archiv ausgestellt. Es heißt in derselben: „Wir erklären demnach unsere Verrichtungen in der Eigenschaft eines eidgenössischen Vorortes als geschlossen und legen dieselben in die Hände der Rezierung des hohen Standes Bern mit dem zuwersichtlichen Vertrauen, daß bei hoch- derselben Weisheit und echt vaterländischer Decnkungsart ihre vorörtliche Geschäftsführung im Einklang mit der von der Tag- salzung dem cidgenössischen Vororte au 5. Sept. 1834 ertheilten íInstruction der gesammten Eidgenossenschaft zur Ehre und zum Nußen gereichen werde.‘ :

Bezüglich auf seine cigene abgelaufene vorörtliche Zeit läßt si der Regierungsrath im Begleitschreiben jener Urkunde aljo vernehmen: ¿„Den gestörten Frieden in der Eidgenossenschaft herzuftellen und zu erhalten, die Eintracht der Stände zu be- fördern, Verbesserungen in den Bundes- Verhältnissen im Ver- eine mit unsern Mitständen anzubahnen, durch geivissenhafte Beobachtung der völkerrechtlichen Verpflichtungen den Ver- wilungen mit dem Auslande zuvorzukommen und das Wohl- vernehmen mit den Nachbar-Staaten zu erhalten, dieses wa- ren die Ziele, nah welchen der Vorort während seiner Amtsfüh- rung oft unter s{hwierigen Verhältnissen hingestrebt hatte. Isk es ihm dadurch gelungen, die Wohlfahrt des Vaterlandes zu be- fördern und das Vertrauen seiner. werthen Mitstände zu befesti- gen, so sicht sich der Vorort für alle seine Anstrengungen hin- reichend entschädigt.“

J talien.

Rom, 27. Dez. Die neuen Pacht-Kontrafte über Erhe- bung der Abgaben von Schlachtvieh, Fischen, Mehl und andern Lebensmitteln, haben dem Schaßze eine Erhöhung von beinahe 200,000 Scudi eingetragen. Diesen Vortheil hat der Staat le- diglich der wechselseitigen Feindschaft zweier Männer, Mengacci und Fumarolé, zu danken, welche beide durch Pachtungen großen Reichrhum erworben haben, und gegenwärtig Einer den Andern des Betrugs beschuldigen. Um dieses noch einleuchtender zu ma- chen, sagt man, soll Fumarolt allein auf das Mahlgeld 100,000 Scudi mehr geboten haben, als früher Mengacci bezahlt hat. Dieser Ertrag gilt aber von der Stadt Rom allein; für die Pro- vinz-3 sind erst jezt durch Anschlag - Zettel Einladungen zu den Pachtungen bekannt gemacht worden, wodurch man bedeutend bessere Bedingungen zu erhalten hofft, als bisher der Fall war. Die Verpachtung von Salz und Taback gedenkt man cbenfalls nach dem Maßstabe des Mehr: Verbrauches zu erhöhen. Jndem so die Einnahmen des Staats sich bedeutênd vermehren, ohne daß den Unterthanen neue Abgaben aufgebürdet werden, 10ill die Regierung alle rückständigen Zahlungen leisten, wozu es bis- her an Mitteln gefehlt hat. Der Staats-Kredit ilt dadurch ge- genwärtig so besestigt, wie es seit vielen Jahren nicht der Fall wat, und wir können einer günstigen Zukunft entgegen schen. Der Römische Staat wird, bei ciner geregelten Verwaltung, bei den vielen reichen Hülfsquellen, welche ihm zu Gebote stehen, bald alle Wunden der früheren Jahre geheilt haben. Das Leihhaus, Monte de Pietà, welches früher nux drei Scudi für cin Pfand darlich, macht gegenwärtig bekannt, daß es künftig auf Pfänder bis 50 Scudi geben wird; ein Beweis, daß Geld im Ueberflusse vorhanden ist. Da heute die Theater erófsnet werden, welches man als den Anfang des Karnevals anzusehen pslegt, so gewinnt bei der großen Anzahl Fremder die Stadt ein reges Ansehen, und man hofft, die Zeit des Faschings werde noch frôhlicher als im vergangenen Jahre werden. Nur der Winter ist diesmal empfindlicher, rauhe Nordwinde herrschen, die Gebirge sind voll Schnee, und Reisende, welche die Kälte in ihrein Vaterlande flohen, um hier ein milderes Klima zu su- chen, sehen sich getäuscht, denn wenn das Thermometer bisher auf nur 1! Grad unter Null fiel, so feiert man doch hier bei der Bauart der Häuser mehr, als in Norden bei einer sünssach größeren Kälte.

S panien.

Die Allgemeine Zeitung schreibt aus Madrid vom 22. Dezember: „Die Finanzen Spaniens scheinen jeßt am Schlusse des Jahres eine bessere Gestalt zu gewinnen. Die Prokuradoren haben die Regierung ermächtigt, bis zur Bewil- ligung des neuen Budgets die Steuern nach dem Fuße der bis- herigen zu erheben; der Ertrag der eingezogenen Abgahen hat bis Ende vorigen Monats 5 Millionen Realen mehr ergeben, als im vorigen Jahre. Der mit Ardouin abgesch[ossene Kon- trakt der neuen Anleihe is in der gestrigen Gaceta erschienen.

Die Huldigungen, welche wir |

Ich lege Jhnen denselben bei. Herr Ardouin hat den größter Triumph Úber seine Gegner errungen: von allen Seiten be- sôrmt man ihn mit Anerbietungen, und er könnte, wenn er wollte, allein hier am Platze über ein Fünftel seiner Anleihe une terbringen. Noch nie wurden an der Börse so. große Geschäfte gemacht, wie gegenwärtig. Der Finanz - Minister arbeitet be: reits an zwei neuen Projekten zur Bezahlung der inneren und der sogenannten passiven Schuld; es heißt, zer werde für die innere eine Art von dette slottante bilden T welche wenig- stens anfanzs einen Theil der neuen Anleihe zur Garantie hâäite, deren Fonds in den Händen der Kontrahenten bleiben würden. Die Verkürzung des Budgets des Königlichen Hau- ses ist freilich als cine Niederlage des Ministeriums zu be- trachten, Und überdies als eine in doppeltem Maße vers\chul- dete; denn einnal hátten die Minister, wenn sie der Majorie tát nicht gewiß waren, eine weit gtäßere Summe fordern sol- len, und zweitens führten- sie eine Sag)? schlecht, deren BVer- tzeidigung um so leichter zu seyn schien, da als Partei eine gee tcebte Königliche Farnilie, und als Richter die treuen Profuras- doren des Reichs auftraten. Die sequestrirten Büter und Effekten des Don Carlos werden jeßt öffentlich versketg2rt; es ist befohlen, nicht nah den Namen der Käufer zu raden. Von der Nord- Armce sind seit meinem Briefe vom 20sten Ÿ. feine neueren bestimmten Nachrichten über die erlangten Vor- theile eingegangen, und daher die Folgen derselben, welche ir den hiesigen diplomatischen Zirkeln als entscheidend betrachtet werden, noch nicht mit Sicherheit zu berechnen. Indessen ers klärte der Minister-Präfident in der heutigen Sißung der Pro- kuradoren, dde Siege vom 12ten seyen viel bedeutender gewesen», als man vielleicht glaube; 1500 Rebellen seyen dienstuntauglich geworden; die Siege vom 15ten hätten durh Berichte Cor- dova's ihre Bestätigung erhalten, und Don Catlos sey mit Zu- malacarregquy nah St. Vicente de Arana geflohen. Aus guter Queíile kaun ih Jhnen melden, daß Jhre Majestät die Königin den Britischen Gesandten bei der ihm neulich ertheis- ten Audienz befragte, welche Politik das neue Enalische Mini- sterium in Bezug auf Spanien annehmen werde? Der Ge- sandte, aller Instructionen in dieser Hinsicht bis jeßt erman- gelud, erwiederte, der bekannte Ruf des Herzogs von Welling- ton erlaube nihc die Vermuthung, daß er in irgend einem Punkte von den zwischen beiden Ländern abgeschlossenen Ver- trägen abweichen werde. Heute überreicht der Belgische Ge- sandte, Graf de la Laing, sein Beglaubigungs- Schreiben.“'

F n (a nd. i

Berlin, 11. Jan. Die natursorshende Gesellschaft zu Görlis hielt am 19. Dez. v. J. ihre zweite Quartal-Versamm- lung in Gegenwart einer großen Anzahl von Mitgliedern. Aus dem Berichte des Vorsizenden erfuhr die Gesellschaft, daß seit. dem 17. Sept. v. J., als dem Tage dcxr Haupt:Versammlung- über 300 Nummern in das Direktorial- Journal eingetragen, und 36 óstere und neuere Werfe für die Biblivthek erworben wor- dên find. Unter lesteren befinden sich auch die Abhandlungen des hiesigen Gartenbau: Vereins. Der Bericht Über die Kassen- Verwaltung gestattete Überdies die Genehmigung des Antrages der dfonomisch-tehnoslosischen Section, die Bibliothek durch meh- rere sie besonders betreffende Werke zu vermehren. Die botanischen, or- nithologischen, mineralogischen, antiquarischen und numie matischen Sammlungen sind neuerdings dur Geschenke von einheimischen und auswärtigen Mitgliedern bedeutend bereihert worden. Nach vorgängiger Mittheilung der in den leßten Z Monaten einges sandten und während der Sit.ung überreichten Abhandlungen, wurden 2 neue wicklice Mitglieder und 6 corre|spondirende Ehren - Mitglieder gewählt, 2 bisherige Ehren - Mit«lieder aber (wordbnter der Berz-Amts-Haupt-Kassirer Fehrmann in Berlin) wegen besouderer Verdienste um die Gesellschaft zu wirklichen Mitgliedern ernannt. Die dritte Quartal. Versammlung ist auf den 13. März angesekt worden.

Der verstorbene Pfarrer Zervais zu Kettenis im Nes gierungs - Bezirke Achen hat dem Waisenhause zu Eupen an Grundstücken und baarem Gelde cin Legat von 1400 Rthlr. aus- geselzt, bessen Annahme die landesherrliche Bewrütgung erhalten - hat.

Die NRhein- und Mosel- Zeitung meldet aus Koblenz voin 4. Jan. : „Der niedrige Wasserstand hält beinahe 200 größere und kleinere, größtcniheils mit Steinkohlen nach Koblenz und dem Rheine befcachtete Fahrzeuge in der Saar zu- rúcé, Es. wáre sehr traurig, wenn Eis eintráte, bevor das Was- ser ins Wachsen käme, indem die Schiffe alsdann nicht nur in großer Gefahr s{hweben, sondern auch das Brenn- Material sehr theucr werden würde. Der Güterzug nah dem Nassauischen war in dem vorigen Monate von hier aus so groß, daß aliein auf dem Landwege an der Zollstele Neuhäusel 16,000 F!. an Zoll eingenommen worden scyn sollen; abgesehen von den weit bedeutendern Ladungen nah der Lahn und über Vallendar. És hat sich nun herausgestelit, daß das Gerücht wegen Erhdhung des Nassauischen Zolles mit Neujahr grundlos war.“

In die Häfen des Regierungs-Bezirks Stralsund sind im Monat Dezember v. J, 39 Schisse eingelaufen, und 8 ver- ließen dieselben. Mir le6tern wurden hauptsächlich 253 Wispel Weizen, Gerste und Haser verschifft. |

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Königstädtisches Theater.

: Mit der Wiederholung der Grillparzerschen „„Sappho ‘/ ijt die fúr dieses Theater denkwürdige Periode des Auftrerens der Mad Cre- linger mit ihren beiden Tôchtern, Bertha und Clara Stich- geschlos= sen. Neher die Aufführung der „Sappho// haben wir bercits berich- tet; Madame Crelinger war auch bei der Wiederholung mit Leib und Seele die erhabene Muse, die, da sie vom Himnrel herabgekom=- men und nun mit menschlichen Leidenschaften und Leiden kämpfen muß, doch nte ihren höhern l¿esprung vergaß. Noch innizer ver=« schmolzen mit der Darzustellenden in ihrem schöônsten Moment, wo fie die unfterbliche Ode an Aphrodite dichtet, erschien fie diess mal in Ton und Geberde gleichsam als das Leben der Poesie in ihrer stillen Begeisterung und threm lyrishen Shwung. Momente dieser Art beweisen unseres Erachtens stärker als alle Effekt-Scenen, so unerschdpflich auch ihre Kraft sih darin offenbart, daß mehr als ein Talent, daß ein Genius in der Künfstlérin wohne. Dlle. Clara Stich (Melitta) giebt, dem Bilde der Erhabenheit gegenüber, das Bild der reinsten (dyllischen Anmuth; Ref. wurde an den Telemach erinnert, an Kalypso und Eucharts, nur daß dem gegenwärtigen Phaon gar viel zum Telemach fehlte. Am Schluß dieser Anzeige werden wir mit wenigen Worten des Abschiedes der Mad. Crelinger geden= ken, und wenden uns zu der noch nicht erwähnten vorleßten Vor- stellung, nämlich zu Schillers „Kabale und Liebe//. Kein Wort weiter über dies Produkt genialer jugendlicher Ungeduld und des Unwil=- lens über einen schweren Erziehungsdruck;, als daß Jahrhunderte verge- hen können, ehe wieder ein Jüngling von zwanzig Jahren sich fin=« det, der mit solchen Auswüchsen einer unbeztditglichen Ratur, aber auch” einer solchen Geistesfraft, sein angebornes Genie offffen=

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