19 Institute Vorwohe weniger Wechseln belief ih 5,717,000
der Tabelle 771,959,000 M 9,193,000 M); der auf 634,996,000 M, M weniger als in der
das heiß
949,000 6 vermehrt.
Sachsen. Dresden, 12. Juni. Die Erste Kammer beharrte in ihrer heutigen Sizung bei ihrem ablehnenden Be- \{lusse bezüglih des Gesezentwurfs über die weitere Ausfüh- rung des Reichsgesezes wegen Gewährung von Beihülfen an
Angehörige der Reserve und Landwehr vom 22. Juni 1871, und erledigte hierauf Petitionen.
Die Zweite Kammer verwies nach einiger Debatte ein Nachpostulat für Bau des ueuen Königlichen Hoftheaters und den Ankauf der Hainihen-Roßweiner Eisenbahn. durch den Staat, an die Finanz-Deputation und lehnte sodann das von der Regie- rung eingebrachte Nachpoftulat für die Ober-Rehnungskammer ab mit dem Ersuchen, die Regierung möge dem nächsten Land- tage wiederum den Entwurf eines Gesehes, betreffend die Reor-
die Königlihen Dekrete, den
betreffend
ganisation der Dber-Rehnungskammer, vorlegen. Der Gesetzent- wurf über den Schug der Waldungen gegen \{hädlihe Insekten
wurde mit einigen Abänderungen, unter welhen namentli der
Wegfall der Anzeigepfliht der Waldbesizer -hervorzuheben- ift, angenommen und hierauf Aufrehthaltung der auf den Antrag des Abg. Lehmann über Form der Eidesleistung gefaßten Be- \{chlü}se beschlossen.
Vaden. Karlsruhe, 11. Juni. Die Kommission der Erften Kammer zur Berathung des Schulgesezes lehnt beide von der Regierung in der Zweiten Kammer bekämpften Anträge ab und verlangt die Wiederherstellung des Regierungsentwurfs. Bezüglih der Klostershulen sagt der Bericht, daß die Auf- hebung der Anstalten und die Verwendung ihres Vermögens zu andern verwandten Zwecken nur dann gerechtfertigt erscheine, wenn die fernere Erfüllung ihrer Zwecke niht mehr mög- lich sei, odex wenn die Wirksamkeit der Stiftungen als dem Staatswohl nachtheilig angesehen werden müsse. In beiden Fällen liege die Entscheidung bei der Staatsyerwaltungsbehörde, und vorliegenden Mißständen könnte durch die dermalige Gesezgebung abgeholfen werden. Daß fragliche Stiftungen auf dem Wege oder nahe daran seien, ordensähnlihe Kongregationen zu werden, und daß die Regie- rung ohnmähtig sei, eine solhe Entwickelung zu verhindern, da- für seien bis jeßt keine Beweise erbraht. Nach Mittheilungen aus Kammerkreisen wird, dem „Frkf. I.“ zufolge, die Erste Kam- mer ihrer Kommission beistimmen. Der Gesehentwurf würde alsdann wieder an die Zweite Kammer zurückgelangen, welche fih Über die Aenderungen auszusprechen hätte.
Hessen. Darmstadt, 11. Iuni. (Frkf. I.) Der von der Mehrheit des Finanzaus\chus#\\es gestellte Anirag: „an die Regierung das Ersuchen zu rihten, zu erwägen, wie der, die Steuerkräfte des Landes naturgemäß in immer wahsendem Maße belastende Aufwand für die beiden Hochshulen (Univer- fität Und Polytehnikum) vermindert werden könne, nöthigenfalls selbst durch Aufhebung des Polytehnikums“, hat ins- besondere în unserer Stadt ‘ eine Gegenagitation hervor- gerufen. Nicht nur, daß die Stadtverordnetenversamm- Tung mit dem Bürgermeister an der Spiße für den Fort- bestand des Polytehnikums eintritt und daß sih die hiesige Prefse mit Einstimmigkeit jenem Antrage widerseßt, so begegnet man au in landftändischen Kreisen der bestimmt ausgesprochenen Ansicht, daß hier ‘der Aus\{chuß in seiner sonst löblihen Absitht, die finanziellen Lasten des Landes möglihst zu erleichtern, zu weit gegangen sei. Es darf {hon jetzt als sehr zweifelhaft
__ angesehen werden, ob die Mehrheit des Plenums jenem An- trag beistimmen werde.
— Der fich noch immer ausbreitenden kirchlichen Be- wegung, die sich nunmehr gegen die beiden Hauptbeshlüs}se (Traugesey und Kirchensteuer) der Synode und diese selbst richtet, haben sich nun förmlih die Dekanate Worms und Alzey, ein großer Theil der Gemeinden des Dekanats Mainz ange- chlossen, das Dekanat Ingelheim steht im Begriff, dieses zu thun. Einstimmig ist man, sagt das „Frkf. J.“ in dem. Ver- langen der Sistirung der angeführten Beschlüsse, Auflösung der Synode, Neuwahl derselben auf Grund éines eine größere. Vertretung des Laienelementes sichernden Wahlgesezes.
Mecklenburg-Schwerin. Schwerin, 11. Iuni. Unter Beschränkung früherer“ gesegliher Bestimmungen if den Han - delsgesellshaften und eingetragenen Genossen- schaften der Erwerb solcher rittershaftliher Güter, an welchen: ihnen eine ‘hypothekärishe Forderung zusteht, im Falle einer Zwängsversteigerung unter der Bedingung gestattet worden, daß fe binnen drei Jahren nach dem Erwerbe ‘die Wieder- veräußerung bewirken, Nöthigenfalls find fie vom Ministerium des Innern zur Erfüllung dieser Verpflihtung“ anzuhalten. Han- S smaiten und eingetragene Genossenschaften find von der Ausübung der mit dem Besiz von Gütern verbundenen, dem öffentlihen Rechte angehörenden Befugnisse ‘ausgeshlo}sen. -Ins- besondere ‘ruhet für sie das Recht ‘dér Lándstandschaft. Für die Ausübung ‘der obrigkeitlichen, polizeilichen und gerihtsherrlihen Rechte ‘wird von dem Ministerium auf Kosten ‘der Handelsgeséll- \{haft oder Genossenschaft ein Vertreter bestellt.
._ — 12. Juni. (W. T. B.) ‘Der Hof-Marschall des Groß- fürsten Wladimir, Admiral v. Bo ck, if heute Mittag! nach kurzer aber \{chwerer Krankheit gestorben.
Oesterreich-Ungarn. Wien, 11. Juni. Dem „Prag. Abendbltt.“\ „ wird „von - hier geschrieben: Die R IE Situation nimmt konstant, einer immer beruhigenderen.: Charakter an, und es bedarf zur Stunde \chon- eines sehr \{chwarzgalligen Pessimismus, im Angesichte. der in den leßten Tagen bekannt gewordener Thatsachen“ noch an der These von der “‘tinauswéihlihen Störung ‘des europäishen Friedens festzuhalten. “ Nah den von St. Pétersburg und London ausge- gebenen Erklärungen konnten die ‘patentirten Shwarzseher nur noch etwa Serbien für ihren Standpunkt ins Treffen führen und die von Konstantinopel, der Belgrader Regierung abver-. langte Aufklärung über die Rüstungen Serbiens bot noh einen
(gegen die Bestand an
„— Die Anträge auf Abschaffung des Cölibates und des Beicht-
bsendung eines Spezialgesandten dorthin ankündigte. gegenwärtigen Augenblike jene \{chwarzen Punkte am po- litishen Horizonte zu entdecken, aus denen sich nah den Versicherungen einiger Journale das drohende Gewitter entladen müßte. Das Gewitter is vershwunden und der Friede Europas wird nicht gestört werden. Wenn die Oeffentlichkeit heute diese erfreulihe Thatsache verzeihnen kann, so darf sie der Faktoren, die sie geshaffen, nicht vergessen und unter diesen Faktoren ist vor Allem das Drei-Kaiser-Bünd - niß hervorzuheben, das mitten in dem Ansturme der politishen Leidenschaften sein erstes und unverrückbares Ziel, die Er- haltung des Friedens niht aus dem Auge verlor und auch zu erreihen wußte, \o \{chwierig sich auch einen Moment lang die Verhältnisse, an denen es scheitern konnte, gestaltet haben mögen. Welcher Antheil hierbei den einzelnen Kabineten zufällt und ob- nicht das östérreichishe Kabinet einen ganz her- vorragenden Antheil an jenen glücklihen Ereignissen hat; das muß einer späteren Epohe zu konstatiren vorbehalten bleiben. Doch so viel kann man behaupten, daß nicht die Drohungen einer Macht, sondern das Friedensprogramm der Drei-Kaiser- Allianz das allein aus\{chlaggebende Moment bildeten;
— Während die Verhandlungen über Feststellung des neuen Zolltarifs im vollen und, wie übereinstimmend gemeldet wird, besten Zuge sind, werden auch binnen wenigen Tagen die Verhandlungen über die Bankfrage, beziehungs- weise über die tehnischen Details, die zur Dur@Ÿchführung der \hon festgestellten Prinzipien nothwendig sind, ihren Anfang nehmen. Damit sind jedoch die Vorbereitungen für das Ins- lebentreten der Ausgleihsgeseze noch niht beendet, da auh nohch Feststellungen über Aenderungen der Bier-, Zucker- und Brannt- weinsteuer erfolgen müssen. -
— Wie die „Pr.“ erfährt, beabsichtigen die hiesigen Dem o- kraten, nahdem der „demokratishe Parteitag“, welcher gegen den Ausgleich und zu Gunsten der Personalunion mit Ungarn resolutioniren sollte, nicht zu Stande kam, im Gemeinderathe eine gegen die Annahme des österreihisch-ungarischen Ausgleihs gerihtete Kundgebung hervorzurufen. Ein Antrag in dieser Richtung foll bereits in der nächsten Gemeinde- rathsfigung cingebracht werden. Die Demokraten weisen zur Rechtfertigung ihrer Absicht darauf hin, daß au die Pester Stadtrepräsentanz in der Ausgleichsfrage und zwar, wie be- kannt, im ablehnenden Sinne, Stellung genommen hat.
Pola, 12. Juni. (W. T. B.) Das Admirals\chiff, die Pangzerfregatte „Custozza“, ist gestern, das Kanonenboot „Albatros“ heute ‘nah Smyrna abgegangen. Die Panzer- fregatte „Salamander“ und die Shraubenkorvetie , Zriny“ werden dorthin nachfolgen.
Pest, 10. Juni. In der vorgestrigen Sizung des Abge- ordnetenhauses wurde. eine mit ein paar tausend Unter- \hriften versehene Petition gegen den Ausgleich vorgelegt. Die Petition kommt aus Debreczin und da K. Tisza den ersten Wahlbezirk dieser Stadt vertritt, von den in demselben konskri- birten 660. Wählern, angeblich 540 die Petition unterferxtigt haben, \o folgert man aus derselben, daß hiemit dem Miniter- Präsidenten ein feierlihes und eklatantes Mißtrauensvotum von seinen Wählern ertheilt wurde. Den Umstand jedo, sagt die „Presse“, daß die Mehrheit der Unterschriften von Nichtwählern, das heißt von Leuten herrührt, die man, weiß der Himmel, 10 aufgelesen hat, belieben jene Blätter, die hon heute die Lärn- trommel rühren, freundlich zu ignoriren, — Veber den Verlauf der Konferenzen wegen Fest- stellung des allgemeinen österreihisch-ungarishen Zolltarifs bringt die „Budap. Corr.“ folgende Mittheilung aus Wien: „Das Resultat der: ersten zwei mehrstündigen Sißur- gen bewies, daß die Verhandlungen nicht so \chnell zu Enve geführt sein werden, als es anfangs möglich erschien. Die Ausarbeitung des Zolltarifes selbt wird wenigstens drei Wochen in Anspruch nehmen. Die Arbeit, welche zu vollenden sein wird, ift keine geringfügige, denn es handelt fich um die Stylisirung eines - ganz neuen Zolltarifs, nachdem der bis- herige eia mehrere Jahre hindur bei jeder Gelegenheit aus- -gebesseries Conglomerat bildet, Das ganze Materia’ muß vollstöndig gefihtet und. der Text neu abgefaßt werden, auch dort, wo die bisherigen Ansäße - verbleiben. Die beantragte Hinweglassung eines jeden noch so unbedeutenden Wortes ruft längere Diskussionen Leooes und find es namentlih die ‘öster- reichishen- Regierungsvertreter, welche ‘den konservativen Stand- punkt einnehmen. Bisher wurden in zwei Sizungen nich: ganz drei Klassen: erledigt. und zwar die weniger“ bedeutenden. Die ja Pn der Zollansäge für Kolonialwaaren und Südfrüchte ist keine bedeutende, dieselbe beträgt beiläufiz 15—30 Prozent. __— 11. Juni, Wie der „Pol. Corr.‘ von hier ‘geschrieben wird, gedenkt die ungarische Regierung im Herbst dem Reich s- tage eine Vorlage „zu unterbreiten, - durh welhe den Ober- ge\spänen der Sig im Oberhause genommen und dafür die Berufung einer bestimmten Anzahl von Regalisten; - wie sie ehedem Siebenbürgen hatte, der Krone als ein unter Mitwir- kung des kontrafignirenden verantwortlichen Minister-Präsidenten auszuübendes Reht zugetheilt werden soll. Diese Berufung würde für ‘Lebenszeit gelten. Uuch ist es im Plane, ‘nach dém Muster des französishen Senates durch das Abgeordnetenhaus gleihfalls eine Anzah! Oberhausmitglieder wählen zu lassen, diese jedoch nur für die Dauer einer Reichstagsperiode.
Schweiz. Bern, 12. Juni. Die revidirte Ver- fassung des Kantons Schwyz wurde bei der Volks- abftimmung mit großer Mehrheit angenommeu,
_— Entsprehend den von Basel geäußerten Wünschen hat die christkatholishe Synode bezüglih der Kultuskleidung und Kultussprache beschlossen, es solle, bis die Synode selbft darüber definitive Beschlüsse gefaßt habe, ‘den Gemeinden frei- stehen, unter den verschiedenen“ bei kirchlihen Funktionen in der katholishen Kirhe gebräuhlihen Kleidungen für ihren Gottes- dienst die einfachste und würdigste zu wählen, und ebenso solle es den Gemeinden. au gestattet sein, vorläufig die Meß- “gebete Und Meßgesänge in das Deutsche zu überjeßen, Von ‘einer allgemeinen Einführung der Landessprache glaubte sie:aber einstweilen absehen zu: müssen, weil der Zweck dieser Reformen |} nur dur völlige Aenderung der Liturgie erreiht werden könne, |
zwanges würden von keiner Seite bekämpft und dann au ein- stimmig angenommen.
Großbritannien uud Jrliand. London, 11. Juni. Aus einer Anzahl- von Shriftstücken - über die öwishen Eng-
\chwachchen Anhaltspunkt- für die beliebte Shwáärzmalerei, allein
selbst dieser entshwindet angefihts der neuesten aus Konstanti- nopel vorliegenden Meldungen, nah denen Serbien dort die be- t | friedigendsten und beruhigendsten Erklärungen ertheilte und sogar Vorwoche; die | die Lombardforderungen im Betrage von 91,536,000 4 sind gegen die Vorwoche um 135,000 angewalhsen; der Noten- umlauf von 881,642,000 weist eine Abnahme von 14,971;000./4 gegen die Vorwoche nah. Die tägli fälligen Verbindlichkeiten eliefen fich außerdem auf 218,772,000 M (gegen die Vorwoche weniger 845,000 6; die Verbindlichkeiten auf Kündigung in Höhe von 161,691,000 6 haben sih seit der Vorwoche um
Man wird sich nach Allem diesem vergebens bemühen, im
vom Auswärtigen. Amt veröffentliht werden, geht zunächst hervor, daß keine der beiden Regierungen von ihrem Prinzip abweichen wollte, obwohl man beiderseits zu kleineren Zugeständ- nissen bereit war, die außerhalb des Prinzipes liegen. Die britische Regierung hält daran fest, daß der Ausgelieferte nur wegen desjenigen Verbrechens zur Untersuchung gezogen werden dürfe, weswegen seine Auslieferung verlangt wurde. Die ameri- kanishe Regierung aber will fi nit in dieser Weise binden lassen, sondern verlangt, daß der Ausgelieferte wenigstens wegen aller im Auslieferungsvertrage genannten Verbrechen untersucht werden dürfe, ohne Rüksiht darauf, was als Grund für die Auslieferung angegeben wurde. Staatssekretär Fifh verweist in einem der Schreiben darauf, daß es der amerikanishen Regie- rung niht mögli sei, den Gerihtshöfen in dieser Beziehung Einschränkungen aufzulegen. Aus den Aeußerungen Lord Derby's ist ersichtlich, daß die britische Regierung auch bei Abschluß eines neuen Vertrages auf ihrem Standpunkt be- harren wird.
_— Im Unterhause if eine Regierungsvorlage, betreffend die Verunreinigung von Flüssen eingebraht worden. Dieselbe richtet sih gegen drei Arten von Verunreinigung: 1) durch feste Gegenstände, gleichviel welher Art, also wesentli die Hinderung des Stromlaufs; 2) durch Kloakenflüssigkeit in Städten; 3) durch flüssige Fabrik- und Bergwerks3abgänge. Die Vorlage gewährt den Sanitätsbehörden in ihren Bezirken gewisse Befugnisse zur Regelung des Betriebs von Fabriken, welche den vorbeifließenden Strom benußen. Wo die Ableitung der bisher in den Strom geführten Kloakenflüssigkeit angeordnet wird, soll den städiishen Behörden zur Herstellung anderer Einrichtungen Zeit gelassen werden. Ueber Stromverunreinigungen dritter Gattung behält fich das Lokal-Verwaltungsamt die oberste Auf- siht vor, so daß also keine Verordnung zur Aussezung ohne Bestätigung des Londoner Regierungsamts in Kraft zu treten vermag.
— Der „Daily News“ wird aus Briftol gemeldet, daß die A d - miralität unlängst von allen bedeutenden Schiffseigen- thümern im Vereinigten Königreich ein Verzeichniß ihrer Dampfer und Segelschiffe nebst Angabe des Tonnen- gehaltes und der Zahl der Mannschaft verlangte, nah dessen Ablieferung eine Anzahl von Schiffen ausgewählt und vor- läufig cemiethet wurde, das heißt die Admiralität machte die Eigenthümer verbindlich, eventuell diese Shiffe mit Bemannung möglihst bald nah erfolgter Ankündigung Seitens dec Regie- rung zur Disposition zu stellen. Die Zahlung wurde indessen noch nit vereinbart, es wird diese Frage erst dann in Betracht gezogen werden, wenn die Schiffe wirklich zur Verwedung kommen.
— Amtlicher Anzeige zufolge wird am nächsten Freitag vor Mr. Rothery von der Admiralitäts-Abtheilung des hohen Ge- rihtshofes eine Untersuhung über das Verhalten der Hafen- beamten am Bord des Schleppdampfers „Palmerston“ an- läßlich des Unterganges des „Strathclyde“ nah dessen Zusammenstoß mit der „Franconia“ eröffnet werden.
Frankreich. Paris, 11. Juni. Die hiesigen Blätter haben die Erklärungen Disraeli's fast durchweg mit Freu- den aufgenommen und sind den friedlihsten Hoffnungen geneigt. Als Hauptergebniß des von ihm aufreht erhaltenen Einver- ständnisses der Mächte wird der auf Serbien geübte Dru“ be- trachtet, einem raschen Friedensbruch \ei dadur glütlih vorge- beugt und die Türkei habe fich auf den rihtigen Weg begeben, Jn Europa sei durchaus der fefte Wille vorhanden, den Frieden nicht zu stören.
— Die Berathungen über die Geschäftsordnung im Senat sind nun beendet: .nur ein einziger Artikel gab zu leb- hafteren Debatten Veranlassung, nämlih Aut. 130, welcher be- stimmt, daß, wenn ein vom Senat angenommenes Geseß von der anderen Kammer geändert worden, der Senat, ehe er an die neue Berathung geht, eine Kommission ernennen kann, um mit der Deputirtenkammer \ih vorher über einen gemeinsamen Text zu verständigen. Diese Bestimmung wurde lebhaft von ‘der Rechten bekämpft, aber endlich angenommen.
— In der Deputirtenkammer hat, wie bereits gemel- det, M. Laisant einen von 127 Abgeordneten unterzeichneten Antrag auf Abänderug des Rekrutirungsgesetes vom 27. Zuli 1827 eingebraht. “ Derselbe verlangt Reduzirung der Dienstzeit in der aktiven Armee von fünf auf drei Jahre; ferner sollten die Bestimmungen über ‘die bedingungsweise ein: jährige Dienstverpflihtung dahin geändert werden, daß nah dem ersten und zweiten Dienstjahre in der aktiven Armee die- jenigen Mannschaften, welche eine hinreichende militärishe Aus- bildung nahweisen könnten, in die Reserve des stehenden Heeres eintreten dürften, nahdem sie vor einer Kommission ein Examen bestanden. (S. u. Versailles.)
Versailles, 12. Juni. (W. T. B.) Jn der heutigen Sigzung der Deputirtenkammer interpellirte Laisant (radi- fal) den Kriegs-Minister über die kürzlih erfolgte Ern ennung von zwei Offizieren, welhe er als illegal bezeihnete. Der Kriegs-Minister wies die Legalität der Ernennung nah und der Zwischenfall wurde damit geschlossen. — Im weiteren Ver- laufeder Sißung brachte Laisant einen Antrag ein, dahin'gehend, die Militärdienfstzeit auf 3 Jahre herabzuséßen und das Institut der Einjährig-Freiwilligen abzuschaffen. {Der Kriegs- Minister sprach \sih gegen diesen ' Antrag aus, ebenso Gambétta , welcher erklärte, ‘die Zeit für derartige Aenderungen sei noch nicht gekommen ;' das Budget ‘und die Rekrutirung ‘der Subaltern- offiziere ließen die Annahme'"des Antragés' niht zu, ‘der jedoch!" einer reiflihen Ueberlegung werth fei. Der Anträg wurde \cließlich mit 238 gegen 197 Stimmen ‘ab gelehnt.
Jtalien. Rom, 10. Juni. Der Kö nig wird die Hauptstadt nah Empfang der marokkanischen Gesandtschaft; welche in den ersten Tagen der nächsten Wothe erwartet wird, verlassen.
— Der Artikel des , Diritto ‘ über ‘den Bestand der italienishen Armee hat hier und da Kriegsbefürhtungen er- weckt. Um die Gemüther wieder zu beruhigen, erklärt daher das „Diritto“ vom 7,: „Manche Zeitungen haben unserm das italienische Heer lressenden Artikel eine Bedeutung: gegeben, die er:niht hatté und nicht, haben: konnte, Es ; ist ‘darin ‘weder | vön Militärkons|
gefahren die Rede, sondern wir konstatirten nur unseren gegenwärtigen Heeresbestand, um zu zeigen,-daß wir niht méhr von Ereignissen bin 4 werden: können. Italien, wir müssen es wiederholen, will d
Nation;
muß ‘die Stimme ‘einer großéit' welche verlangt,
man ite Gehör schenke und: Réchtlüng trage, von dem Bêwußt-
sein ihrer: Kraft*-getragen ‘werden. Die italieni
land und Amerika streitige Auslieferungsfrage, die
fürchtet,“ wird ihrem friedlihen Programme, welches auch das
vention mit anderen Mächten noch von drohenden Kriegs- “7
1 en Frieden. Aber in der dn bedenklichen! Lage, in welcher sich Europa gegenwärtig be Ae M
den. é“ Regierung: wir béhaupten es“ mit jener Sicherheit, welche feineh Widecsru a
rogramm des ganzen Landes ist, treu bleiben, aber sie ist auf e Hut und Veat das Vertrauen, daß ihre Rathschläge zu Gunsten des Friedens nicht allein nicht überhört, sondern auhch mit Erfolg vernommen werden.“ : : — Der Minister der öffentlihen Arbeiten wurde in der vorgestrigen Kammersißung durch die Abgeordneten Gindici und Bertano über den Stand der Arbeiten und über die Lage der Gotthardbahn-Gesellschaft gefragt. Seine bereits telegraphisch kurz mitgetheilte Antwort \chloß mit der Verficherung, daß die Regierung vom Parlamente Feine höheren als in der Berner Konvention festgeseßten Subsidien zum Bau der Gotthardbahn verlangen, werde, zumal fie größer seien, als die von Deutschland be- willigten. Der Minister fügte noch hinzu, man könne nicht behaupten, daß die Gesellschaft ihre Bauverbindlichkeiten über- \hritten habe, und \sprach das Vertrauen aus, daß sie ihren Pflichten nahkommen werde, indem er betonte, daß die italie- nische Regierung ganz energisch auf den Vollzug der Berner Konvention bestehen werde. È h — Den „Ital. Nachr.“ zufolge hat der Madrider Nuntius dem pästlihen Stuhle ein Memorandum der spanischen Bischöfe zugesandt, worin diese anfragen, wie sie sih der neuen Konstitution gegenüber zu verhalten haben und der Pap | hat dieses Memorandum einer Kardinal-Kongregation überwie- fen, welche am 9. d. M. Vormittags zur Berathung zusammen- getreten ist. En — Der klerikale „Monitore“ von Rom, welcher für die Betheiligung der Klerikalen an den Wahlen für die Kommunal- und Provinzialräthe kämpft, erklärt, daß zu seinem großen Bedauern die Gegner jeder Wahlbetheiligung troß der vom Papste und Bischöfen und Erzbishöfen gebilligten Be- \{lü}se der Katholikenversammlungen in Venedig und Florenz es durgeseßt haben, daß beshlossen worden is, an den bevor- stehenden Administrativwahlen keinen Antheil zu nehmen. — Nach anderen fklerikalen Blättern wird am Sonnabend Abend eine deutshe Pilgerkaravane von mehr als 300 Köpfen unter der Leitung von fünf Bischöfen, dem Fürsten Löwenftein und Baron Loë in Rom eintreffen und dem Papste am Jahres- tage seiner Krönung und Erhebung auf den päpstlihen Stuhl ihre Aufwartung zu machen. Demnächst wollen sie die Heilig- thümer von Loretto und Subiaco besuchen. i
Türkei, Konstantinopel, 12. Juni. (W. T. B.) Der Sultan hat den Großvezier aufgefordert, ihm noch im Laufe dieser Woche das von ihm verfaßte Regierungs- programm zu übergeben, indem er fih geneigt erkiärte, das Programm, welches ihm in den Grundzügen bereits bekannt ist, anzunehmen. Midhat Pascha is mit der Ausarbeitung des Projektes für den neu zu bildenden Nationalrath betraut worden, welcher sih aus\chließlich mit den Finanzen beschäftigen und das Budget berathen soll, 18
— Der Scheik-ul-Islam hat in den türkishen Jour: nalen folgende telegraphisch bereits erwähnte Bekanntmachung an die Adresse der Softahs erlassen: /
Es ift zu meiner Kenntniß gekommen, daß in den leßten Tagen mebrere tadelnswerthe Ereignisse unter den Talebes (den Studiren- den) vorgefallen. Allerdings finden si in allen Klassen der Gesell- schaft unwissende Menschen und. die kein Gewissen für ihre Pflichten haben, aber die Softahs, welche die Klasse der Studirenden ausmachen und folglich gebildete Leute sind, welche die religiös*en Vorschriften kennen, dürfen sich nicht unziemliche und tadeln8werthe Handlungen erlauben. Jn Folge a habe ih für nothwendig erkannt, ihnen folgende Verhal- tungs maßregeln zu geben: Die Talebes sollen si fortan aus\{ließlich mit ihren Studien beschäftigen und ihre Zeit nicht mit dem Besuch der Kaffeehäuser und öffentlichen Orte verlieren, um sih dem Tric- Trac, dem Dame-Spiel“ und anderen Vergnügungen hinzugeben, die ihnen durch das Religionsgeseß verboten sind; sie sollen es unterlassen bewaffnet und in Gruppen einherzugehen und, mit einem Wort, sich nicht Handlungen hingeben, welhe mit dem Anstand und der musel- manischen Mocal im Widerspruch stehen. i
Wer diesen Anordnungen entgegen handelt, hat die Verantwort- lichkeit für seine Handlungen zu tragen. Spezial-Mémurs, die vom Scheik-ul-Jslam Kapussu ernannt sind, werden die dawider Han- delnden der Polizei anzeigen und sie zur Bestrafung verhaften lassen.
— Der „Politischen Korrespondenz“ gehen aus Belgrad weitere Mittheilungen über die Antwort der serbischen Regierung auf die Anfrage der Pforte, betreffend die in Serbien vorgenommenen Rüstungen, zu. Dur dieselben wird bestätigt, daß die Antwort durhaus in versöhnlihem Geiste gehalten ift und den ernsten aufrihtigen Willen der serbischen Regie- rung, den Frieden nit stören zu wollen, zum Ausdru bringt. Die serbische Regierung habe eigentlih niemals an Rüftungen gedacht, sondern wolle nur ihre Militär-Organisation nach dem Prin- zipe der allg.meinen Wehrpfliht vollenden. Die in leßter Zeit erfolgten Offiziersernennungen entsprähen dem normalen Be- dürfnisse. An Krieg oder Bedrohung der Jntegrität der Türkei habe die serbishe Regierung um so weniger denken können, als die Erhaltung dieser Integrität gerade durch das hohe Interesse Serbiens begründet sei. Was die zeitweilige Beseßung der Grenzen anlange, so sei die serbische Regierung zu dieser Maß- regel durch die außerordentlihen Verhältnisse in den Grenz- provinzen und namentlih durch die gewiß gegen den Willen der türkishen Lokalbehörden vorgekommenen Verleßungen des ser- bischen Territoriums genöthigt worden. Uebrigens liege der ser- bishen Regierung die Regelung einiger im Laufe der Zeit her- vorgetretenen Schwierigkeiten am Herzen und werde B zu die- sem Zwecke einen Spezialbevollmächtigten nah Konstantinopel entsenden, Die Antwort \{ließt mit der Veisiherung, daß es der konstante Wunsch der serbishen Regierung sei, mit der tür- kischen Regierung die besten Beziehungen zu unterhalten.
— Aus Ragusa meldet das „W. T. B.“ unter dem 12. Juni: In Folge der Seitens der türkishen Regierung er- lassenen Amnestie waren bis jeßt von hier acht Familien in ihre Heimath zurückgekehrt. Zwei Mitglieder derselben sollen am 10. d. in Ravno von Muhamedanern ermordet worden sein. Die hier weilenden Emigranten haben noch auf zwei Tage Unter- stüßung erhalten, dieselbe soll ihnen indeß fernerhin, wie ver- lautet, niht mehx gewährt werden.
— Ueber die bulgarische Ins urrektion wird der „Pol, Corr.“ aus Rustshuk vom 5. Juni gemeldet:
Der bulgarishe Aufstand greift immer mehr um si{ch. Wenn man die Eruptionslinie des Aufstandes genau ins Auge faßt, so muß man zux Ueberzeugung kommen, ' daß die Leiter der Bewegung das ganze Gebiet, welches südwestlich von der Donau liegt, und im Norden sich bis Turtukan, im Westen gute Bazardjik, im Süden bis Edrineh (Adrianopel) und im Osten bis über Samakow sich erstreckt, zum Jusurrektionsshauplaye bestimmt haben. Es ift dies
ein durchgehends gebirgiges, von einer zähen Und tapferen Bëvßblkerüng
bewohntes Gebiet. Nachdem die Gegenden um Philippopel, Tatar- bazardjik, Slivno, Jamboli, Trnova, Gabrova, Jchtiman und Samokowo bereits insurgirt sind, soll sich die Jnsurrektion nun auch dem Herzen Bulgariens nähern und wurde das Signal gegeben, die Gegend von
zwischen dieser Städt und Nikopoli. Um Sistow herum liegen sehr \höône, ¡große Dörfer, welche von einer Bevölkerung bewohnt sind, die an allen Aufständen von 1862, 1867 und 1868 lebhaften Antheil ge- nommen hat. i
In Oftscha, einem’ der größten Dörfer, haben die Agenten des bulgarishen Central-Comité seit Wochen den Aufstand, der die ganze Casa (Bezirk) umfassen soll, vorbereitet und orga- nisirt. Die Dorfältesten, durh die furhtbarsten Dro- hungen eingeschüctert, wagten es nicht, die Aufftandsvorberei- tungen zu verrathen, die Geistlihen und Schullehrer be- theiligten sih aktiv daran und so kam cs, daß die Vorbereitungen zu Ende geführt werden konnten, ohne daß die Behörden auch nur das Geringste geahnt haben. Am 3. Juni gab Jvantsha, der vom Comité nominirte Chef, das Signal und die Flammen des Auf- standes _\{lugen in der ganzen Gegend empor. Hamero, eine bedeu- tende Ortschaft, hat am selbigen Tage ihre Mannschaft mit jener von Oftscha E und find in diesem Augenblicke bei 3500 Jnsurgenten bei Oftscha konzentrirt. L ; :
: Nis gestern im hiesigen Konak des Vali die Nachricht von dieser Bewegung einlief, war man gans rathlos. Das Erste, was man bke- nöthigt, sind Truppen, und diese sind nicht zur Hand. Es wurde also Fazyl Pascha benacbcichtigt, sich in aller Eile mit seiner ganzen Truppenmacht gegen Siftow zu wenden. -
Rußland und Polen. St. Petersburg, 11. Juni. Der türkische Botschafter am hiesigen Hofe, Kabul Pascha, ist Seitens der Hohen Pforte aufs Neue în seiner Stellung be- glaubigt worden. a
— Der „Turkestan-Ztg.“ zufolge werden die Einnahmen der Provinz Ferghanah auf 679,000 Rbl. für dieses und auf 1,360,000 Rbl. für das nächste Jahr, die Verwaltungskosten werden auf 391,700 Rbl. für 1876 und auf 523,900 Rbl. für 1877, und die außerordentlihen Ausgaben auf 1,662,300 Rol. ge{chägt. — Dasselbe Blatt zeigt an, daß die Befestigungsarbeiten der Stadt Kokhand am 19. .März beendet waren.
Dänemark. Kopenhagen, 11. Juni. Im Folkethinge fand gestern die zweite Lesung des Geseßentwurfes, betreffend die Bewilligung von 2 Millionen Kronen zur Anschaffung von neuen Feldgeschü§?n, statt. Der Kriegs-Minister kon statirte, daß zwischen Regierung und Aus\huß in Betreff des Inhalts des Gesegentwurfes Einigkeit sei. Bezüglih der Klage über die Langsamkeit der Proben räumte er ein, daß er mit voller Ueberlegung unterlassen, einen Druck auf die Artillerie auszuüben; diese sei näâmlich lange Zeit der Meinung gewesen, eine Vorderladungskanone erhalten zu können, welche der -Hinterladungskanone ebenbürtig sei. Gerade die Langsamkeit, womit die Sache behandelt, bürge dafür, daß das Resultat, wozu man gekommen, das beste sei. Nachdem noh einige Redner gesprochen, wurde der Uebergang des Gesetzentwurfes zur dritten Lesung mit allen gegen 2 Stimmen angenommen. :
— Ein sozialistisher Kongreß, zu welchem Reprä- sentanten der verschiedenen hier im Lande bestehender sozialisti- \hen Vereine erschienen waren, wurde in den Tagen vom 5. bis 9. d. M. hierselbst abgehalten. ia dreitägiger Verhandlung, während welcher von Seiten einer Minorität gegen Pio ein Theil Opposition gemacht wurde, weil er, wie man meinte, die sozialistische Partei „zu monarcisch“ organisiren wolle, wurde das „Programm der dänisch:n sozialdemokratischen Partei“ sowie die „Statuten
der Partei angenommen, welche beiden Aktenstüke in der gestrigen Nummer des „Soz.-Dem.“ veröffentlicht werden. Als das zu erstrebende Ziel der Partei wird „ein freier Staat und eine sozialistishe Gesellschaft“ erklärt; die „Arbeitsmittel“, welche jeyt „das Monopol! der Kapitalisten“ sind, sollen „gemeinschaftlihes Eigenthum sein und allen Mitgliedern der Gesellshaft zur Be- nugzung ftehen;“ das „System der Lohnarbeit“ wird abgeschafft und die Lösung der sozialen Frage \oll mit der „Ein- rihtung von Produktionsvereinen mit Staatshülfe unter demokratisher Kontrole des arbeitenden Volkes“ beginnen. Für Industrie und Landwirthshaft werden die Pro- duktionsvereine auf die Weise e;ngerichtet, „daß die sozialistische Ordnung aus der gemeinschaftlichen Arbeit entstehen kann.“ Die Ländereien der Predi gerhöfe sollen eingezogen und alle zum Ver?auf stehenden Landgüter vom Staate angekauft und an Häusler und Tagelöhner verpachtet werden. Als „Fundament des Staates“ werden \Yließlih eine Reihe Forderungen auf- gestellt, wie z. B. „direkte Geseßgebung durch das Volk*, aus welcher hervorgeht, daß die Sozialisten die bestehende Verfassung vollständig aufgehoben wissen wollen.
Amerika. Washington, 13. Juni. (W.T. B.) Der Präsiden:schaftskandidat der republikanishen Partei, Blaine, ist von einem Schlaganfall getroffen worden und schreitet seine Genesung nur langsam fort. Sein Erfolg in der demnächst zusammentretenden Nationalkonvention in Cincinnati scheint demnach zweifelhaft.
Haiti. Port au Prince, 11, Mai, Auf die un- ruhigen Zeiten hier ist nun völlige Ruhe gefolgt; die Geschäfte gehen ihren gewöhnlihen Gang. Das revolutionäre Comité hat eine aus fünf angesehenen Männern beftehende provisorische Regie- rung gewählt, an deren Spiße Boissond-Canal als Präsident steht. Man is mit den Vorbereitungen zu den Wahlen beschäf- tigt. Die nächste Aufgabe der neuen Kammer wird die Wahl eines neuen definitiven Präsidenten sein. i
Venezuela. Caracas, 11. Mai. - Unsere: Kirchen- frage is dur eine vorgestern vom Gesammt-Ministerium im Auftrage des Präsidenten dem Kongreß eingereihte Botschaft in ein neues Stadium getreten. Der Präsident fordert vollständige Los\agung von Rom, Gründung einer venezolanishen National- kirche, in welcher von den Gläubigen die Priester, von den Pfarrern die Bishöfe und der Erzbishof vom Kongreß gewählt werden. i : /
In seiner Antwort konstatict der Kongreß sein Einver- ständniß mit dem Vorschlage des Präsidenten, weil alle Versuche gütliher Einigung mit Rom erfolglos e sei die Ausarbeitung des Geseyes, betreffend die Gründung einer unabhängigen Nationalkirche bereits in Angriff genommen.
Afrika. Marokko. Aus Casablanca, 23. Mai, geht der „Osts. Ztg.“ ein längeres Schreiben eines deutschen Kauf- manns zu, in welchem auf die günstige: Lage Marokkos als Durchgangspunkt für den Waarenverkehr mit | deim Sudan und dem Innern A aufmerksam gemaht wird, und an dessen Schluß es heißt: a Boe Mie Zeit hätten wir in Casablanca einen hohen Gast zu empfatigen, nämlich den ‘Kaiser von Marokko. Selbst die ältesten Leute wußten \sich eines Kaiserlichen Besuches nicht zu entsinnen, und nimmt manu daher an, daß es das erste Mal in diesem Jahrhundert ist, E dér n O ‘A eia zu Theil ' wurde. Kein europäischer Für innte mit g ieten als der Kaiser von Matokko, und von dem ungeheuren Luxus;
eblieben seien. Deshalb '
Pomp auf Reisen auf-
sih der Kaiser drei Tage lang hier. auf. Den ersten Tag über ver- weilte Se. Majestat vor den Thoren in einiger Entfernung von der Stadt, bis sich der ganze Troß, 25,000 Mann stark, gesammelt hatte. Vom Morgen bis zum Abend wurden von den Forts sowie um die Stadt herum Salutshüfse gelö#| und am nächsten Morgen hielt der Kaiser mit 14, Mann Soldaten, darunter 6000 Reiter und 24 Kanonen, seinen feierlihen Einzug in die Stadt. Die bunte Armee bietet einen interessanten An- bli dar. Disziplin und Ordnung sind unbekannte Dinge, und wer diese Armee gesehen, der wird sih sagen müssen, daß sie im freien Feld einer geordneten europäischen Truppenmacht unmögli widerstehen kann. Nachdem der Kaiser unter Kanonendonn:x die Forts inspizirt hatte, kehrte er in sein Lager zurück. Am Thore der Stadt, welches er zu passiren hatte, war ein Regiment der Kaiserlichen Leibgarde als Ehrenwache aufgestellt und auch sämmtlihe europäishe Konsuln erhielten neben ihrer gewöhn- lichen Militärwahe eine solhe während des Aufenthaltes Sr. Majestät in Casablanca. Am Abend fand von Seiten des englischen Konsulats zu Ehren de3 Kaisers ein großes Feuerwerk statt, und am nähsten Vormittag begaben sich sämmtliche Konsuln in Gala-Uniform, sowie Repräsentanten der hiesigen curo- päischen Kaufmannschaft zum Kaiser, um ihm der Landeésitte gemäß als Zeichen der Ehrerbietung ein Geschenk zu überbringen. Se. Majestät empfing die Herren mit großer Freundlichkeit, und nahdem er sih sehr zufrieden über ihr Verhalten und ihre Bestrebungen aus- gesprochen, beehrte er sie mit reihlihen Gegengeshenken, Darauf seßte der Kaiser seine Reise nah der Richtung von Melilla fort.
Neichstags - Angelegenheiten.
Berlin, 12. Juni. Ju der gestrigen Sißung der Justiz- kommission des Deutschen Reichstages wurde zunächst vom Abg. Miquel der gegen Ende der vorigen Session beantragte Zusaß zum §. 123 der Strafprozeßordnung, daß im Scrutinialyerfahren auf Antrag des Beschuldigten zur Feststellung erheblicher Entlastungs- gründe der Richter verpflichtet sein soll, auf die entschiedenen und ein- gehend motivirten Gegenerflärungen der Bundeskommissare zurück- gezogen und an dessen Stelle auf den Antrag desselben Abgeordneten und des Abg. Pfafferott eine neue Bestimmung hinter §. 140 einge- fügt, welche folgendermaßen lautet: „Beantragt der auf Antrag der Staatsanwaltschaft vernommene Beschuldigte zu seiner Entlastung in Ge- mäßheit des §. 123 einzelne Beweiserhebungen, und erachtet derAmtsrichter dieselben für erheblich, so ist dem Antrage in soweit stattzu- geben. Der Amtsrichter hat der Staatsanwaltschaft bei Rücksendung der auf deren Antrag gepflogenen Verhandlungen unverzüglich von seiner Anordnung Kenntniß zu geben. Er hat demnächst die aufge- nommenen Verhandlungea der Staatsanwaltschaft zu übersenden. Von Untersuchungshandlungen, durch welche die Spuren der ftraf- baren- Handlung - verwischt oder einer -wiederholten Besichtigung ent- zogen werden könnten, ift dem Staatsanwalte, wenn thunlich, so recht- zeitig Kenntniß zu geben, daß Leßtercr bei Vornahme derselben an- wesend sein kann." — Entsprehend diesem von der Kommission ge- faßten Beschlusse wurde dem §. 139, 1 folgender Saß angefügt : „Die Staatsanwaltschaft hat bei der Erforshung des Sachverhalts nicht blos die zur Belastung, sondern au die zur Entlastung des Beschuldigten dienenden Umstände zu ermitteln und sofern eine Vor- untersuchung von ihr nicht beantragt wird, für die Erhebung der- jenigen Beweise, deren Verlust für die Hauptverhandlung zu besorgen steht, oder deren Aufuahme zur Vorbereitung der Vertheidigung des Beschuldigten erforderlich erscheint, Sorge zu tragen.“ — Hierauf begann die Kommission die Berathung des Abschnittes über die ge- rihtlihe Voruntersuchung und nahm Nr. 2 des §. 149,2 auf den Antrag des Av. Wolffson in folgender Fassung an „(In Strafsachen, welche zur Zuständigkeit der Landgerichte ge- hôren, findet die Voruntersuchung statt) wenn der An- ges{uldigte dieselbe in Gemäßheit des S. 1658. beantragt und er- heblihe Gründe geltend macht, aus denen eine Voruntersuchung zur Vorbereitung seiner Vertheidigung erforderlich erscheint.“ Der Be= {luß der Kommission in erster Lesung, daß die Verfügung, durch welche die Voruntersuchung eröffnet worden ist, von der Staatsanwalt- schaft erst angefohten werden kann, wurde gestrichen und dafür auf den Antrag der Abgg. Becker und v. Schwarze folgende Bestimmung genehmigt: „Gegen die Verfügung, durch welche auf Antrag der Staatsanwaltschaft die Voruntersuchung eröffnet worden ist, kann der Angeschuldigte Widerspruch erheben, wenn er behauptet, daß das Ge- richt unzuständig oder daß die Strafverfolgung über die Voruater- suhung unzulässig sei, oder daß die in dem Antrage bezeichnete That nicht unter ein Strafgeseß falle. Ueber den Widerspruch beschließt das Gericht. Der Beschluß kann von dem Angeschuidizten niht durch Beschwerden angefochten werden." Die Kommission ge- langte in ihrer gestrigen Berathung bis zu §. 160 einschließlich, indem sie zu §8. 156 und 158 noch einige weniger wesentliche Abän- derungen der Beschlüsse in erster Lesung genehmigte.
Statistische Nachrichten.
Das Bureau Veritas veröffentliht folgende Statistik der im Monat April d. J vorgekommenen Schiffsunfälle. Von Segelschiffen sind zu Grunde gegangen : 28 englische, 10 deutsche, 8 französische, 7 norwegische, 7 niederländische, 6 amerikanische, 4 \chwe- dische, 3 dänische, 2 italienische, 1 österreihishes, 1 portugiesisches, 10 mit unbekannter Flagge; dabei sind 5, die als verloren angesehen werden, weil man keinerlei Nachricht von ihnen hat. Von Dampf- schiffen: 4 englische, 1 amerikanisches, 1 italienishes, 3 mit unbe- tannter Flagge; darunter 1, das als verloren angesehen wird. L
— Das russishe „Unterrichtsblatt* giebt eine Uebersicht über alle in Rußland besteherden mittleren und höheren Lehr- anstalten. Danach besaß Rußland an Universitäten 1866 die von St. Petersburg, Moskau, Kasan, Charkow, Kiew, Odessa. und Dorpat. Von 1866 bis 1876 sind errichtet : die Universität von Warschau, das hiftorish-philologijhe Jastitut von St. Peters- burg, das des Fürsten Bezborodko zu Niejine, das Lazaren-Justitut für die orientalishen Sprachen in Moskau, das Ackerbau- und Forfste, Institut in Neu-Alexandrien, drei. Beterinär-Justitute zu Kasay, Charkow und Dorpat und das juridische Demidow «Institut zu Jaroslaw. Mittlere Schulen bestanden 1866 im Ganzen 128, nämlich 101 Gymnasien, 7 Progymnasien,, 11 Gewerbe- uny 9 Normalschulen. Von - 1866 bis. 1876 wurden gegründet: - 32 Gymnasien, 62 Progymnasien, 42 Gewerbeschulen und 62 Spezial-, Normal- und Handels« und Gewerkschulen. Dafür liefern die Städte und Distrikte jährli einen Beitrag von 678,187 Rubel. Für M äd- ch en bestanden vor 1866 39. Gymnasien und Schulen. ersten Ranges und 55 -Progymnasien und mittlere Shulen; von 1866 bi3 1876 sin gegründet 26 Gymnasien und 93 Progymnasien. Auch für die Kirghisen sind viele Schulen errichtet, die blühen und si; guter Frequenz erfreuen. Selbst unter der nomadisicenden Bevölkerung hat man. mit Erfolg begonnen, den Unterricht zu fördern; in den Hauptorten der Dist-ikte werden Pensionate und Erziehungsanstalten gegründet.
Kunst, Wissenschaft und Literatur.
ad Nauheim is am 10. Juni! Dr theol. und phil. ls Seim Petermann, Professor aù der hiesigen Universität und Mitglied der Akademie der Wi|)enschaften, gestorben. | Peter- ‘mann, geb. 1806 zu Glauchau im Königreich Sachsen, lebte seit 1837 als außerordentlicher Professor zu Berlin und hat si besonders um die arménische Sprache und Literatur verdient gemacht; seine lateinifch geshriebene Grammatik der armenischen Sprache erschien 1837; von der „Porta linguarum orientalium“ die das Arabische L aRE E Abtheilung 1840, die chaldäishe und armenishe Abtheilung 1841
Sistow (bulgarisch Swistowo) zu insurgiren. Sistow, eine bedeu- eite Handelsstadt, liegt südöstlich von Rustschuk, auf halbem Wege
mit welhem der Kaijerliche Hof umgeben ist, ‘kann man sich in Deutschland s{waerlih eine Vorstel.ung machen, Jm ganzen hielt
die „Reise in den Orient" 1862.
E a Dan ad A AN A: M Ie M 1