und entschiedensten Gegner, Herr von Lamartine, einigermaßen die Umstände beherrscht. Dieser ist es, der seinen Sturz be- schleunigt, der ihm zuerst in der Presse und sodann auf der Tribune die furchtbarsten Schläge beigebracht; es war ein Kampf auf Leben und Tod, vergessen werden. Und dieser Kampf wird wieder beginnen, sobald Herr Thiers wird vor die Kammer hintreten und fich bemerklich machen wollen, denn Herr von Lamartine betrachtet den Einfluß des Herrn Thiers im Parlament oder dessen Anwesenheit im Kabinet als hochst nachtheilig für Frankreich und höchst nachtheilig für die Jdeen der Ordnung und des fonservativen ‘Prinzips. Von wel: chem Gesichtspunfte aus man daher auch die Stellung des Herrn Thiers betrachten mag, sle scheint fast ohne alle Hofsnung. Er hat nicht die Sympathieen des Landes, dle Mehrzahl seiner Fréundo hat sh von ihm getrennt, er findet nur schwache Un- terstúßung bei der Opposition : die Partei Barrot ist ihm nur zur Hâlfte treu. Man begreift hiernach, daß Alles, was man von seinem Eintritt in ein künftiges Kabinet, dessen Chef Herr Molé seyn würde, gesprochen hat, feinen rechten Grund hat, und daß diese Combination schwerlich zu Stande fommen wird, obgleich einige Anhänger des Herrn Thiers, die ihren Patron um jeden Preis wollen ins Kabinet eintreten sehen, dieselbe wünschen.
Herr Guizot begreift die Stellung des Herrn Thiers sehr wohl, auch beunruhigt fie ihn nicht, und seine Bestrebungen sind nach einer ganz anderen elte hin gerichtet, Werden aber diese Bestrebungen Herrn Guizot in der bevorstehenden Sißung halten ? Man scheint es nicht zu glauben, Denn die persönliche Partei des Herrn Guizot in der Kammer is außerst shwah, und seit der Spaltung der Doctrinairs hat sle noch mehr abgenommen ; sie hat unter Anderen die Herren von Rémusat, Duvergier de Hauranne und Jaubert verloren, Män- ner, die nicht zu verachten sind, wenn es sich um politische Kämpfe handelt. Die Konservativen haben wenig Zuneigung zu ihm und nehmen ihn nur als Feldzeichen und als Wegweiser, aber nicht als einen durch allgemeine Zuneigung bezeichneten Führer. Auch ist, so oft er am Ruder war, seine Majorität schwankend ge- wesen und hat sich bei dem unbedeutendsien Ereignisse aufgelöst, Dasselbe Phänomen dürfte sich auch bald wieder zeigen.
O Paris, 16. Dez. Es is gewiß, daß anfangs das Kabinet die Kandidatur des Herrn von Lamartine zum Präsiden- ten der Kammer zu unterstüßen versprochen hatte. Herr Guizot felbst, von dem man sagt, daß er dieser Kandidatur am meisten abhold seyn soll, hat Sonntag, den 28sten v. M., bet einem De- jeuner im Hotel des Capucines, zu welchem mehrere Freunde des Herrn von Lamartine geladen waren, sich bereitwilliz erklart, diese Ernennung zu unterstüßen. Denn es is mit Unrecht behauptet worden, daß das Journal la Presse es war, welches die ZJdee dieser Kandidatur aus freien Stücken zur Sprache brachte, son- dern dieser Gegenstand is bei einem großen Diner des Banquiers und Deputirten Fould, zu dem die in Paris anwesenden Glieder der fonservativen Partei gezogen wurden, zuerst be- \sprochen worden, und als das Journal la Presse dieser Kandidatur erwähnte, hatten das Journal le Dixneuviéme | Siècle, und die Organe des Herrn Thiers sie schon einige Tage frúher, als ernstlich betrachtet. Es is nothwendig, diesen Umstand wohl ins Auge zu fassen, um die Kandidatur des Herrn von Lamartine nicht als eine Juntrigue der Journalistik, sondern als eine Prinzipienfrage der Majorität der konservativen Partei an- zuerkennen.
Eben darum geschah es, daß, bevor das Journal la Drei, die Wahl des Herrn von Lamartine zum Präsidenten der Kammer in Schuß nahm, mehrere einflußreiche Mitglieder der konservativen Partei sich zu Herrn Guizot begaben, um das Kabinet aufzufor- dern, sich úber die Kandidatur des Herrn von Lamartine offen und bestimmt auszusprechen. Dies geschah etwa am 26sten v, M, Herr Guizot antwortete auf der Stelle, er für seine Person finde die Wahl des Herrn von Lamartine zum Prasidenten die wür- digste, die die Kammer treffen könne, jedo h bevor er als Minisker seine Meinung aussprechen dürse, muüjse er mit feinen übrigen Kollegen Rücksprache nehmen, da das Kabinet, auf die Kandida- tur des Herrn von Lamartine ganz unvorbereitet, unterdessen be- schlossen hâtte, den Herrn Sauzet als seinen Kandidaten anzuer- fennen. Herr Guizot beschied demnach diese Deputation auf den náchsten Sonntag zu sich, und man verfichert, der Minister der auswärtigen Angelegenheiten habe da crflârt, das Kabinet wün- sche nichts lieber, als die Ernennung des Herrn von Lamartine zu erwirken, jedoch glaube es, gegen Herrn Sauzet, der ebenfalls zur fonservativen Partei gehöre, die Aufmerksamkeit beobachten zu mújssen, ihn einzuladen, von seiner Kandidatur selbst abzuskehen. Das Kabinet trautenicht ganz der Deputation, die die konservative Par- tei ihm zugesendet hatte, sondern es fürchtete, es stecke Herr Thiers hinter diesem Projekt, den Herrn von Lamartine zum Präsidenten- stuhl zu erheben, und um darüber im Reinen zu seyn, ließ es den Ex-Prásidenten vom 1. März durch das Journal des Débats angreifen, Die Antwort, die der Constitutionnel auf diesen Angriff einrückte, und die, wie es hieß, von Herrn Thiers selbst in die Feder diktirt ward, machte das Kabinet noch besorgter. Diese Besorgniß erreichte ihren Gipfel, als man vor vierzehn Ta- gen in der Soirée des Herzogs von Orleans Graf Molé und Herrn Thiers etwa eine Stunde mit einander ganz vertraulich sich unterhalten sah. Herr Duchätel gerieth darüber in Bestürzung und ließ die Kandidatur des Herrn von Lamartine als eine Art Coalition gegen das gegenwärtige Kabinet verwerfen.
Da erschien plbblich Herr von Lamartine selbst in Paris, und in Folge der Unterredung, die er mit seinen politischen Freunden am Tage nach seiner Ankunft hatte, gewann er die Ueberzeuguna, er dúrfe, ohne die Stelle eines Parteihauptes der Konservativen zu fompromittiren, sein bereits gegebenes Wort, die von denselben ihm angebotene Kandidatur anzunehmen, nicht zurücknehmen. Das Kabinet seinerseits sandte an Herrn von Lamartine zwei Bertraute, um sich mit demselben über die Präsidentschaft der Kammer zu verständigen. Das Resultat davon war, daß am nämlichen Abend die Erklärung des Herrn von Lamartine, dieser mache sich eine Ehre daraus, zur Prâäsidentschaft der Kammer vorgeschlagen zu werden, in den beiden ministeriellen Blättern erschien oder, mit an- dern Ausdrúcken, das Kabinet erkannte ihn förmlich als seinen Kandidaten für die Prâäsidentenwahl an,
Dieser Schritt, der an sich nichts ungewdhnliches hatte, machte aber den ohnehin mißtrauischen Herrn Passy noch mißtrauischer. Herr Passy fürchtete, die Ernennung des Herrn von Lamartine zum Präsidenten der Kammer, sey eine Art Hochverrath am rech- ten Centrum, wo die Herren Dufaure, Passy und Sauzet gleich- sam ein Triumvirat bilden. Sobald er folglich im Messager die offizielle Ankündigung der Kandidatur des Herrn von Lamar- tine las, schrieb er an Herrn Antoine Passy, Unter -Staats- secretair im Ministerium des Innern, seinen Bruder, eine lange Philippifka gegen die Politif des bestehenden Ministeriums, wo- rin er ihm vorwarf, daß es den Konservativen sich nun vollends in die Arme werfen wolle, und mit der Drohung schloß, dem Kabi-
den weder der Sieger noch der Besiegte |
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1592
net die Fehde anzukündigen, wenn es niht Herrn Sauzet zum Prásidenten der Kammer ernennen lassen wolle, Dieser Brief des Herrn Passy erfüllte das Ministerium mit neuen Besorgnis: sen und eine zweite Deputation wurde an Herrn von Lamar- tine mit der Bitte abgesendet, durch die Zurücknahme seiner Kan- didatur das Kabinet aus dieser Verlegenheit zu ziehen. Herr von Lamartine erwiederte dieser Deputation, er músse, den seinen poli- tischen Freunden gegenüber Übernommenen Verpflichtungen nach, auf seiner Kandidatur beharren. Nach vielem Hin- und Herrathen entschloß sich endlich das Kabinet, den Herrn von Lamartine fal: len zu lassen, und Herrn Sauzet statt dessen als den ministe-
riellen Kandidaten zu adoptiren. Folgendes is der Grund, den} das Kabinet den Freunden des Herrn von Lamartine angiebt, umi
sich zu rechtfertigen, Herr von Lamartine ist ein loyaler Mann,
er will niht unseren Sturz, sagen die Minister, er wird daher sich # an uns nicht râchen wollen, wenn wir ihm Herrn Sauzet vorzie- *
hen. Anders vechâlt es sih mit den Häuptern des rechten Cen- trums, die uns den Krieg ankündigen würden, wenn wir ihren Wünschen nicht willfahren wollten. Die Partei Thiers-Barrot dage- gen willjeßt, wo das Kabinet für Herrn Sauzet gestimmt ist, den Herrn von Lamartine zum Präsidenten der Kammer erheben. Daß in diesem Konflikt das Kabinet die Oberhand behaupte, ist kaum an- zunehmen, Was bliebe ihm aber, wenn es bei dem ersten Treffen aufs Haupt geschlagen wúrde, anders úbrig, als seine Fahne ein- zuziehen?
Grofibritanien und Jrland. Loudon, 15, Dez. Die Königliche Societät der Wissen- schaften hat die von ihr ausgeseßte große goldene Medaille fúr das beste der binnen der drei lezten Jahre ihr Úberreichten astro- nomischen Werle dem berúhmten Astronomen Sir John Her- chel für seinen Gestirn-Katalog zuerkannt. Bereits früher wurde demselben fúr ein anderes astronomisches Werk dieselbe Medaille zuerkannt.
Die Chartisten haben sich jeßt förmlih srganisirt, indem sie sammtlih eine einzige Gesellschaft, den „Verein der National- Charte“, bilden, dessen Leitung einer aus fünf Mitgliedern beste- henden Vollziehungs - Behörde, welche in London ihren Siß hat, anvertraut ist; Mitglied des Vereins is, wer eine Karte löst und seinen Namen eintragen läßt; hiervon sind auch Frauen nicht aus- geschlossen, Die Unter-Vereine in den Grafschaften oder Diskrik- ten halten für sich Versammlungen, deren Geschäfte jder Unter- Secretair besorgt; die Haupt- Versammlung bleibt der National: Konvent in London. Die angeblichen Geschäfte sind, für die National - Petition an das Parlament Unterschriften, deren die Chartisten diesmal 3 Millionen zu erhalten hoffen, einzusammeln und den Volks - Unterricht zu befördern, was durch wandernde Redner und Vorleser geschieht, welche zugleich die thätigsten Wer- ber sind. Jn dieser neuen Organijation erstreckt sich der Berein der Chartisten, nah Angabe ihres Hauptorzans, des Northern Star von Leeds, der O’Connor's Eigenchum if, bereits über 282 Städte. Außerdem sucht man auch die schon länger beste- henden Handwerker - Vereine zu gewinnen; die Organisation der- selben soll bleiben, nur sollen die Mitglieder, wie es schon bei den Schneider -, Schuhmacher- und anderen Vereinen in London der Fall if, sämmtlich Chartisten seyn, Das jeßige Haupt des Chartismus is Feargus O’Connor, der unter allen Anhängern dieser Partei, in England wie in Jrland, die meiste Popularität genießt. i;
Der Dubliner Korrespondent der Times versichert, daß zwischen den Whigs und O’Connell das innigste Bündniß zu dem Zwecke, den Sturz des Tory- Kabinets herbeizuführen, geschlossen worden sey. Dies müßte schr insgeheim stattgefunden haben, denn dffentlich ist O’Connell seit dem Sturze der Whigs diesen bekanntlich nichts weniger als freundlich begegnet, und eben so if er seinerseits von den Whig-Zeitungen heftig angegrisfen worden,
Fn Edinburg wurde am 7. Dezember eine vorläufige Ber- sammlung gehalten, um Über die Angemessenheit der Einberufung einer dentlichen Versammlung von Geistlichen und Mitgliedern der dissentirenden Glaubensbefenntnisse „us verschiedenen Theilen Schott- lands zu berathen. Diese Versammlung würde am 11. und 12. Zan. in Edinburg stattfinden und ihr Zweck dahin gehen, ihre Ansicht úber die Korngeseße auszusprechen und Petitionen um ihre gänz- liche Abschaffung und einen völlig freien Getraidehandel an die Königin und an das Parlament zu richten. Die Einberufung einer vffentlichen Versammlung auf die gedachten beiden Tage wurde von den bei dieser vorläufigen Zusammenkunft anwesenden Dissenters einmüthig beschlossen und die desfallsigen Einladungen angeordnet.
n Liverpool haben dieser Tage wieder Antikorngeseß- und Antimonopol - Versammlungen stattgefunden. Aus einer Angabe die in einer derselben gemacht wurde, ersieht man, daß seit der im Jahre 1839 zu Stande gebrachten Organisation des Vercins gegen die Korngeseße 672,810 Personen für die Beibehaltung der Korngeseße und 3,776,614 sür die Abschaffung derselben Peiitio- nen unterzeichnet haben.
Das Edinburgh- Journal enthôlt einige Nachrichten úber die freie Neger- Kolonie Liberia, die erst zu Ende des Jahres 1836 ins Leben getreten ist, übrigens troß aller entgegengeseßten Be- hauptungen bereits einen günstigen Einfluß auf die benachbarten Stámme ausgeubt haben soll, Die Kolonie zählt etwa 5000 Seelen, von denen ein großer Theil aus Missionairen beskeht und dem Máßigkeits - Vereine beigetreten ist, Kirchen, meist mit s{warzen Predigern, und zwei Zeitungen, de- ren eine von Schwarzen redigirt wird, Handel und Landbau sind im Aufschwung, namentlich wird der Kaffeestrauch angebaut. Zu bemerken ist, daß die meisten Kolonisten solche sind, die in den Vereinigten Staaten freigelassen worden. Die beiden Städte sind Monrovia und Edina. ;
Der Globe sagt in seinem Börsen- Bericht : „Wie gewöhnlich um diese Zeit des Jahres, herrscht in allen Geschäftszweigen die größte Mattigkeit, da Niemand etwas unternimmt, was nicht für den unmittelbaren Gebrauch erforderlich ist. Dennoch bessert der Stand des Kredits sich entschieden, und wir sind allen ernstlichen Geschäfts-Stbrungen durch Fallissements, die man fast für unver- meidlich hielt, bisher glúcklih entgangen. Sollte die Bank, wozu gute Anzeichen vorhanden sind, ihren Baarvorrath zu vermehren anfangen, so dúrfen wir eine wesentliche Berminderung des jeßt auf den Geld-Umlaufmitteln lastenden Drucks und demnach für den nächsten Frühling eine rasche Besserung im allgemeinen Han- del erwarten. Für jeßt ist Geld leicht zu haben, und der Diskonto neigt sich abwärts ; dies wird jedoch erst nach Bezahlung der Ja- nuar-Dividenden merklicher gefühlt werden,“
Niederlande.
Aus dem Haag, 17. Dez. Das Journal de la Haye erklärt die in einer Korrespondenz aus Amsterdam enthal: tenen, sowohl in die Times, als in die Brússeler Emancipa- tion úbergegangenen Nachrichten von einem Defizit von 5%, Mf:
Die Kolonie zähit 20 |
lionen, in Folge eines ungünstigen Ausfalles der Erndte auf Java, (S, Nr. 349 der St. Ztg.) fúr ungegründet.
Deutsche Bundesstaaten.
Sanuover, 18, Dez. Aus der Sibung der 2ten Kam- mer vom 16. Dezember theilt die Hannov. Ztg. die Abgabe folgender Erklärung eines Deputirten mit, welcher sich vier an- dere Mitglieder anschlossen: „Er habe die durch die Königliche Verordnung vom 5. November v. J. anbefoblene Annahme- Er- flarung vollzogen und eingereicht, weil dies das einzige Mittel gewesen, sowohl für die zunächst von ihm vertretene Corporation, ihr Recht, auf dem Landtage zu erscheinen, geltend zu machen, als fur ihn, das ihm durch seine Erwählung zum Deputirten erwor- bene Recht zu exerciren. Er halte sich jedoch in seinem Gewissen gedrungen, ausdrücklich zu bevorworten, daß so wenig den Ver- fassungsrechten seiner Corporation und des Landes durch eine von einem gewählten Deputirten vor seinem Eintritte in die Stände-Versammlung, mithin als bloßem Privatmanne, abgege- bene Erklärung prâjudizirt werden könne, als ihm auch ohne un- zulässigen Gewissenszwang nicht habe angemuthet werden mögen, seine Ueberzeugung vom Rechte und Unrechte nach höherem Be- fehle zu ändern. Als ehrlicher Mann werde er gleichwohl sein Versprechen, in der Kammer sich innerhalb der Gränzen des Lan- des-Verfassungs-Geseßes zu bewegen, zu halten sich verbunden er- achten müssen, sollte auch die von ihm Übernommene Verpflich- tung nach §. 22 des Geschäfts - Reglements geseßlich als nichtig betrachtet werden können; ohne jedoch dadurch die Verfassungs- mâßigkeit des verlangten Reverses irgend weiter anzuerkennen.“
In derselben Sißung begann die Kammer die erste Bera- thung des Gesecßes Über die Rechtsverhältnisse der Juden. Als eine Einleitung zu den Berathungen über das Geseß wurde zu- nachst und im Allgemeinen auf das schon seit langen Jahren ge- fühlte Bedürfniß einer neuen Geseßgebung Uber die Rechtsver- hältnisse der Juden hingewiesen, ein Bedürfniß, welchem abzu- helfen jeßt eine Nothwendigkeit geworden sey, theils wegen der schwankenden Verhältnisse, theils wegen der Mangelhaftigkeit, theils wegen der Verschiedenheit des Nechtszustandes der Juden in den verschiedenen Provinzen des Königreichs. Es wurde hervorgehoben, daß dieser Nechtszuskand ganz allein auf dem Schußverhältnisse beruhe, welches aber in neueren Zeiten mehr oder weniger seine frühere und eigentliche Bedeutung verloren habe, indem es namentlich jeßt nicht mehr blos das Recht zu ei- nem temporairen Aufenthalte verleihe, sondern vielmehr einem wahren Unterthanen-Berhältnijsse wenigstens sehr nahe verwandt geworden sey. Deshalb sey es eine sehr wichtige Frage, welchen Weg die Geseßgebuug einschlagen solle. Die schon früher in die- ser Beziehung an die Stände gelangten Vorschläge seyen von einem anderen Prinzipe ausgegangen, als der jeßt vorliegende Entwurf. Dort sey eine völlige Gleichheit der Juden mit den úbrigen Unterthanen an die Spike gestellt, während das Geseß dann die Ausnahmen von dieser Regel habe feststellen sollen. Auf einem anderen Grundsaße beruhe der jeßige Entwurf. Er stelle umgekehrt im F. 79 die Regel auf, daß es bei dem bestehenden Rechte und bei den daraus hervorgehenden Abweichungen der Rechtsverhältnisse der Juden von denen der Christen bleiben solle, so weit nicht das Geseß ein Anderes bestimme. Jn beiden Entwürfen sey also in der That eine völlige Gleichstellung der Juden mit den Christen nicht beabsichtigt; eine solche würde man auch nicht wohl woûnschen können, weil darin ein zu großer Wech- sel gegen den jeßigen Zusland liegen würde, ein Wechsel, der nicht so plóblich geschehen dúrfe, Es frage sich nur, welches von den beiden obigen Prinzipen das richtigere sey. Theoretisch müsse man das zwar von dem des ersten Entwurfs sagen, praktisch aber habe gewiß der Grundsaß des jeßigen den Vorzug. Denn abgesehen davon, daß nach der Erfahrung eine größere Begúnstigung der Juden, als sie jeßt beabsichtigt werde, in den Kammern nicht durchzubringen seyn dürfte; so hâtten auch bei dem zuerst befolg ten Prinzipe in dem Geseße die Ausnahmen so sehr gehäuft wer- den müssen, daß von der Kegel fask nichts übrig geblieben sey, während es jeßt naturlich einer demnächstigen Gesetgebung immer unbenommen bleibe allmälih, und wenn die Räthlichkeit oder Nothwendigkeit eintrete, noch neue Verbesserungen hinzuzufúgen. Die wesentlichste Abänderung gegen den bisherigen Zustand be slehe in der Aufhebung des Schußverhältnisses und den damit ver- bundenen Folgen, dem Wegfallen des Schußgeldes, und der Mög lichkeit, Bürger- und Meisterrecht zu gewinnen, welcher dann eine Regulirung der Verhältnisse der Juden zu den Gemeinden sich nothwendig anschließen müsse. — Mit dem jeßt aufgestellten all- gemeinen Grundsaße erklärte sich ein anderes Mitglied nicht ein- verstanden, weil darin für diejenigen Landestheile, wo die Juden schon jeßt größere Rechte hätten, eine zu drückende Härte liegen würde. Es wurde deshalb in dieser Hinsicht für die zweite Be rathung ein Antrag angekündigt. Der §. 20 stellt das Synagogen-, Schul: und Armentwesen der Juden unter Aufsicht der Regierung. Diese Aufsicht soll, neben den Orts-Obrigfeiten, zunächst durch die Land-Rabbiner unter Leitung der Landdrosteien ausgeübt werden. Dabei wurde zunächst der Mangel aller Centralisation in Beziehung auf das Synagogenwesen vermißt; wogegen Andere selbst die Zweckmäßig- feit einer Central-Behörde dafür bezweifelten und die Möglichkeit einer solchen Einrichtung überhaupt nur für den Fall zugaben, daß die Judenschaft selbs die Kosten dazu aufbrächte, Dann wurde die Nothwendigkeit einer Aufsicht der Regierung úber das Synagogen-, Schul-, und Armenwesen erläutert, mit der Bemerkung, daß von der Judenschaft nicht zu erwarten sey, sie werde von selbst diese Gegenstände gehörig ordnen und in Ordnung erhalten; daß die Rabbiner auch mit dem besten Willen ohne hbhere Hülfe des erforderlichen Nachdrucks entbehren wür- den; daß es aber durchaus nicht die Absicht gewesen sey, den Be- hörden damit auch Eingriffe in das Jnnere des Gottesdienstes zu- zugestehen. Jn der Fassung dieses Paragraphen fand man endlich noch eine große Unbestimmtheit in so welk, als sich daraus das eigentliche Verhältniß zwischen der Orts-Öbrigkeit und dem Land: Rabbiner nicht ersehen lasse. Es wurde darauf zwar zugegeben, daß das Geseß in Beziehung auf das zu beobachtende Verfahren nicht erschöpfend sey, allein mit dem Hinzufügen, daß dies durch Instructionen zu reguliren seyn werde, übrigens aber aus dem Geseße selbst hervorgehe, daß die Orts-Obrigkeit mit dem Land- Rabbiner nicht ein Kollegium bilden, sondern dem leßtern zunächst die Aufsicht zustehen solle,
— — Frankfurt a. M., 18. Dez, Jn dieser Woche behauptete unsere Börse wieder eine sehr feste Haltung in den meisten Fonds und namentlich waren die Oesterreichischen Effekten Gegenstand lebhafter Kauflust und gingen täglih mehr in die Höhe, Die überaus befriedigenden Nachrichten über die politischen Verhältnisse Europa?s, wozu sich in den leßteren Tagen noch die von der in Frankreich eintretenden Entwaffnung gesellte, mußten nur eine günstige Wirkung in der Börsenwelt erzeugen, Heute trat indessen in den Oesterreichischen Esfekten eine Reaction ein,
Sie waren zu niedrigeren Coursen angeboten, auf ihr fúhlbares Weichen zu Wien am 13ten d, Dieses wurde aber durch feine politische Nachricht, sondern durch den plößlich eixgetretenen Geld- mangel erzeugt. Hoffentlich werden die dortigen Geld-Berhältnisse aber bald wieder eine günstigere Gestalt annehmen. Die Spani- schen Fonds sind auf die besseren Course von Paris auch hier etwas williger, doch fann die trostlose Lage der Spanischen Finan- zen eine nachhaltige Besserung der Spanischen Fonds nicht erzeu- gen. Die Holländischen Effekten verharren fortdauernd in flauer Haltung, da die Amsterdamer Berichte keine Aussicht auf höhere Course von da gewähren. Es is allerdings die starke Bermeh- runa, welche die aftive Schuld Hollands durch die Konversion der Kanzen und Reskaaten erhalten, die Ursache, daß an der Amster- damer Börse alle Kauflust in den einheimischen Fonds erloschen isi Die Taunus - Eisenbahn- Actien halten sich sehr fest, denn es entspricht die Einnahme der Bahn auch in diesem Wintermonat aller Erwartung. — Der Plan, eine zweiten Schienenlage der Taunus-Eisenbahn zu bauen, soll definitiv aufgegeben worden seyn, und wir glauben auch nicht, daß eine Nothwendigkeit für diesen Bau vorhanden ist. Man behauptet allerdings, daß bei doppelter Bahn die Fahrten schneller von statten gehen werden, allein dem wúrde schwerlich so seyn, und man darf schon zufrieden seyn, den acht Stunden langen Weg von hier nah Mainz auf der Eisen: bahn in einer schwachen Stunde zurúcklegen zu können. Die be- vorstehende General-Versammlung der Actionaire der Taunus- Eisenbahn wird aber, nah Allem, was man hört, in ihren Resul- taten die Actionaire vollkommen befriedigen. / Die Sißungen der Bundes-Versammlung nehmen im nâch- sten Monat wieder ihren Anfang, zu E Die hier verweilende Französische Schauspieler - Gesellschaft, unter der Direction der Herren Lemadre, Chambei und Rèal, hat bei uns eine gute Aufnahme gefunden, und es bieten die Vöx- fellungen dieser Gesellschaft namentlich ein gutes Ensemble,
Spanien,
Madvid, 9. Dez. Der General Aleson ist zum GeneraËl Capitain von Alt - Castilien an die Stelle des Generals Ribero ernannt worden. Ribero?s Abseßung soll durch dessen Benehmetñ bei der Jnsurrection O’Donnell's in Pampelona veranlaßt seyn. Das oberste Tribunal wird, wie man versichert, eine Untersuchung iber sein Berhalten in jenem fritischen Momente einleiten,
Die Königin Jsabella und die Jnfantin ihre Schwester bé uchten gestern, um das Fest der Patronin Spaniens, man fann agen, Königlich zu feiern, sammtliche Wohlthätigkeits - Anstalten Madrids und ließen überall Beweise ihrer Freigebigkeit zurü.
Jn Folge der gänzlichen Aufhebung der Königlichen Garde wird die Eskorte der Köniain und der Jnfantin auf deren ge: wöhnlichen Spazierfahrten von dem Husaren - Regiment gestellt, welches auch der Regent zu seiner gewöhnlichen Garde gewählt hat. Die Palastwachen sind nun, nach Beseitigung der König- lichen Garde, vorläufig ausschließlich der National - Garde, den Hellebardierern und den Jägern von Luchana anvertraut,
“ Herr Epronceda, diesscitiger Gesandter im Haag, ist heut frúh auf seinen Posten abgereist.
Briefe aus Vitoria vom 5. melden die an demselben Tage erfolgte Ankunft der Doña Luisa Carlota, Gemahlin des Jnfans ten Don Francisco de Paula.
Es geht das Gerücht, daß eine Amnestie für die Emigrirteß
ailer Meinungen erlassen werden soll.
). RL Im Laufe der vorigen Woche trafen unmittelbar nach einander zwei von London kommende Cou- riere bei der hiesigen Englischen Gesandtschaft ein, und man bez merkte, daß Herr Aston ungewöhnlich hâäufige Audienzen bei dem Regenten hatte. Nachdem die BYeranlassung derselben geheim gehal- ten worden war, verlautet nunmehr aus guter Quelle darüber Folgendes. Der erleuchtete Staatsmann, welcher gegenwärtig die auswártigen Verhältnisse Großbritaniens leitet, hat den Spani- chen Angelegenheiten seine besondere Aufmerksamkeit gewidmet, und foll, indem er neben den Berichten des Herrn Aston auch anderweitigen Mittheilungen Gehör schenkte, zu der Ueberzeugung ackommen seyn, daß der rúcksichtelose von der Spanischen Regie- rung úber die Baskischen Provinzen verhängte Terrorismus eben so roenig geeignet sey, die Zahl der aufrichtigen Anhänger des Regenten in Spanien oder im Auslande zu verstärken, als die hier ziemlih allgemein verbreitete Unit - als 0b die Engli: che Diplomatie sich weigere, jenem Schreckens - System ent- gegenzuarbeiten, dahin führen fonne, den wohlwollenden Ab- ichten und Rathschlägen des Londoner Kabinettes hier An- erfennung zu verschaffen. Herr Aston erhielt demnach die Anwei- fung, seinen ganzen Einfluß auf den Regenten anzuwenden, um
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diesen zu bewegen, dem Blutvergießen in Bilbao, Vitoria und hier Einhalt zu thun, und ein System einzuschlagen, welches ihn den fremden Kabinetten gegenüber in günstigerem Lichte darstellen fónnte. Diese Aufgabe zu lôsen, war selbst für einen so gewandten Diplomaten wie Herr Aston is, von Schwierigkeit, Der Regen schenkte seinen Vorstellungen Gehör, wies aber, so heißt es, dar- auf hin, daß man von gewissen Seiten selbst früherhin einmal geäußert habe, er, Espartero, mútse wenigstens vier- hundert der Verräther vom 7. Oktober erschießen lassen, um als wúrdiger Handhaber der Gerechtigkeit erscheinen zu fonnen. Die Maßregeln des Schreckens haben wenigskens, dem Anschein nach, um nichts nachgelassen. Der Belagerungs-Zustand dauert in den Baskischen Provinzen fort, während er in Barcelona sogleich auf- gehoben wurde. Das hiesige Kriegsgericht fallt nach wie vor seine Todes-Urtheile, das Eco del Comercio fordert Blut und mehr Blut, und der Spanische Gesandte in Lissabon hat den Befehl erhalten, von
O. Madrid, 2. Dej, {
der dortigen Regierung die Aus- lieferung der in die Verschwörung vom 7. Oktober verwickel- ten, nah Portugal geflüchteten Spanier zu verlangen,
Herr Aston soll ebenfalls, wie mit Bestimmtheit be- hauptet wird, dem Regenten die Versicherung ertheilt haben, daß es den Bemühungen des Englischen Kabinets gelun- gen sey, die von einer anderen Seite her in Anregung gebrachte Frage, ob die großen Mächte Europa’s gemein chaftlih den Zustand Spaniens in Betrachtung zu ziehen Men; gleich bei ihrem Entskehen als unstatthaft zu beseitigen. Nichts kann demnach die Sinnesart der Spanischen Regierung deutlicher bezeichnen, als der Jhnen in meinem Briefe vom 30sten v. M, mitgetheilte Artikel des Espectador, in welchem im Namen eben jener Regierung die Drohung ausgesprochen wird, daß auf den Fall einer ZJntervention des Auslandes die moderirte Partei niedergemeßelt und der Thron in Spanien ab- geschafft werden solle, Dieser Artikel erschien nämlich, wie man nun erfährt, gerade am Tage, nachdem der Englische Gesandte dem hiesigen Kabinet die so eben angegebenen beruhigenden Zusicherun- gen ertheilt hatte. Man würde sich indessen sehr irren, wenn man glauben wollte, daß der eigentliche Kern der Spanischen Nation in eine solche hypothetische Abschaffung des Thrones ein- willigen würde Ein Abendblatt, el Castellano, erklârte sich
1593
in schr strengen Ausdrücen gegen die durch das Organ der Re- |
gierung ausgesprochene Drohung, und zeigte niht nur das Ver- ruchte, sondern auch das Thörichte, das in der offenen Verkündi- gung solcher Gesinnungsart liegt, und dennoch beharrte der Espe c- tador vom ten bei seinem Glaubensbekenntniß. „Weit entfernt“, sagt dieses Blatt, „unsere dort ausgesprochenen Doktrinen ver- werflich zu finden, betrahten wir sie heute, so wie wir sie damals niederschricben, als den Schild der Unabhängigkeit und des Spa- nischen Thrones, als eine heilsame Ermahnung und Berufung auf die Weisheit eben jener Monarchen, die man gegen uns aufreizen will.“ Hören Sie dagegen , wie sich ein anderes Blatt, welches zwar die Regentschaft Espartero’'s, aber nicht in allen Punftan den Gang des Ministeriums untersküßt, sich in Betreff eines Kongresses , der die Angelegenheiten Spaniens zu {lichten hâtte, auédrúckt, Der Corresponsal vom 3ten sagt unter Anderem: „Glaubt ihr, daß, wenn in Europa der Wunsch, sich in die Angelegenheiten Spaniens zu mischen, vorhanden wäre, ihr ihn mit Declamationen gegen die Ungerechtigkeit einer solchen Maßregel, mit der Darstellung der Wirkungen des Zorns in einem verzweifelten Lande vereiteln würdet? Wir glauben, daß derglei- chen Anstrengungen die Entwürfe der Mächte nicht im Geringsten erschúttern würden .….. So lange wir elend und ohnmächtig sind, in hundert Parteien getheilt, die einander den Tod ge- \chworen haben; unter einer Regierung, welche die Verbrechen be- straft, je nachdem die Schuldigen zu dieser oder jener Partei ge- hdóren, ist es unmöglich, jenen Enthusiasmus, jenen freiwilligen Aufschwung hervorzurufen, der die Völker entflammt und sie un- besiegbar macht... Wenn ein Volk in unseren Zustand verfällt, wenn es wenigstens eben so viele Unzufriedene und Leidende giebt, als Genießende, dann fann man sich nicht an den Enthusiasmus wenden, ohne sich einer furchtbaren Enttäuschung auszuseßen... Wenn das, was man für Gerechtigkeit ausgab (die Hinrich- ungen in Madrid u. (. w.), alsbald als die Wirkung des Triumphes einer Partei erscheinen mußte, so verlor die Spa-
nische Regierung die festeste Stúße ihrer Macht, und Europa
hat nur einen Grund mehr, um nicht zurückzuweichen. Die Lage, in welche die Regierung uns versest hat, die weder als solche, noch als Partei Kraft haben kann, und fich selbst mit dem Brandmahle der Ohnmacht, der Jnkonsequenz und der Schwäche sctändet, fürchten wir, aber feinesweges “Jntriguen des Auslandes ; denn die Mächte können eine gerechte und starke Regierung fürchten oder achten; oder sie fönnen eine entfesselte Revolution fürchten oder achten, oder cine Partei, welche eine solche ins Werk zu seßen fähig ist; aber eine Nation, in welcher die Regierung in einem Journal die richtigen Grundsäße verkündigt, und diese nur dann aufrecht halten kann, wenn sie mit den Jnteressen einer Partei im Einklange stehen, werden die Mächte weder fürchten noch achten.“
Zu dieser Schilderung der Lage, in welcher sich die Regie- rung den Parteien gegenúber befindet, liefern die Ereignisse von Barcelona fortwährend den besten Beleg. Von allem, was ich Jhnen úber die Entwickelung, welche die dortige Krisis nehmen würde, seit länger als einem Monate schrieb, hahe \© kein Wort zurüdck- zunehmen, Die Proclamation Esparterv's, Belagerungs-Zustandes war darauf berechnet, den wahren Stand der Dinge im Dunkel zu lassen.
E K di, Verhängung des G ‘ e d8& Ausland über Der Bela-
gerungs-Zustand wird mit höflich entschuldigenden Worten zurúdck-
t
genommen und Alles wieder in die vorige Anarchie verseßt.
Das
Ayuntamiento von Barcelona erklärt unter demBelagerungs-Zustande alle Handlungen der rebellischen Junta für rechtmäßig und ruhmwür- dig, und die Proclamation Espartero’s fúr ein widersinniges, auf nichts
beruhendes Machwerk. „Jn Barcelona“, sagt der Correspon- sal von gestern, „erhob man die Fahne des Aufstandes, verwei- gerte man der Regierung den Gehorsam, seßte man rechtmäßige Behörden ab, maßte man sich die geseßgebende Gewalt an, riß man die Verfassung der Monarchie in tausend Stücke, verlekte man die Sicherheit der Bürger, woarf man eine Menge Unschul- diger ins Gefängniß, legte man Steuern auf, und schasste andere von den Cortes votirte ab, schleifte man eine Festung, die Staats- Eigenthum war, rief man zu den Waffen gegen die Regierung, und ein General sah alles dieses von einem benachbarten Flecken aus mit an, ohne gegen den Aufskand einzuschreiten!“ Die erste Folge der Aufhebung des Belagerungszustandes war ein Faustkampf des abgetretenen Ayuntamiento?’s mit dem von dem General Van Ha- len eingeseßten; eine zweite das offene Aufstehen der rein republi- fanischen Partei, und deren Vereinigung mit der furchtbar or74- nisirten Association der Fabrifk-Arbeiter, welche bereits die M«. ¡chi nen ihrer GBewerbsherren zertrümmern, und diese mit ihren Kapi- (alien ins Ausland zu flüchten zwingen. Diese Vereinigung wird dazu führen, daß das neue Ayuntamiento von Barcelona, das in diesen Tagen zusammentreten mußte, ganz aus Republikanern bestehen wird, so roie auch hier in Madrid die Republikaner dei den Wahlen für das neue Ayuntamiento den Sieg davon trugen. Aehnliches ist in der Mehrzahl der übrigen Städte zu erwarten, und man bedenke wohl, daß es feine mächtigeren, dent Volke nàä- her stehenden, gegen jede Negierung feindlicher gesinnten, durch sär-
fere wechselseitige Bande mit einander verknüpften Behörden giebt, | ( L g
als die Ayuntamientos. Alle, welche die Zukunft dieses Landes ergründen wollen, dürfen es nicht verschmähen, die Ereignisse von Barcelona und die von der Regierung ihnen gegenüber an- genommene Haltung mit einiger Aufmerksamkeit und in ihren Einzelnheiten zu prúfen!
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Berlin - Potsdamer Eisenbahn. In der Woche vom 14. bis incl. 20, Dezember e. sind auf der Berlin - Potsdamer Eifenbahn 6300 Personen gefahren.
Meteorologische Beobachtungen.
Nach einmaliger
¿O 20 De |
Abends 10 Uhr.
Morgens | Nachmittags G2 Ubr,
Beobachtung.
Luftdruck... | 331 0E Par. 331/49 ‘Par. | 331,62 ‘Par, | Quellwärme 8,1° R. Luftwärme ... | 4 09° R. | + So N. + Lo B Thaupunkt ... | + 1,4 R. | 1 27° R. | + 0,/,9°R. Dunstsättigung | 91 pCt. 84 pCt. 84 pCt. Wetter | trübe heiter, trübe. | A C | SO. S0, | S0. | Wärmewechsel + 32°, Wolkenzug... | eum | S0. | — | - O: Tagesmittel: 331,37 Par... + 2,/,0° R .. +41,/5° R... 86 pct. S0.
| Flusswärme A R, | Bodenwärme 4,1° R. | Ausdünstung 0/029 Rh.
| Niederschlag 0/011 Rh
Auswärtige Börsen.
Amsterdam, 17. Dez. Niederl. wirkl. Schuld 51g. 5% do. 993, Kanz. Bill, 257. 55 Span, 2E. Pass. —, Ziosl, —. Präm. Sch, —. Pol. —. Oesterer. 1057.
Antwerpen, 16. Dez. Zinsl. 5%, Neue Anl. 218.
Frankfurt a. M., 18. Dez. Oesterr. 52 Met. 108 6. 45 1005 6, 21% 56 G. 12 24! Br. Bank-Aect. 1966. 19641. Loose zu 500 Fl. 1445. 1443 Preuss Präm. Sch. 80% G. do. 43 Anl. 102% Br, Poln, Loose 76% G. 954 Spau, Anl, 243. 244. 237 Woll, 60ÿ. 504.
Ausg. —. Preuss
| | | |
Eisenbahn- Actien. Leipzig- Dresden 1017 G. Köln- Aachen 98: 6.
Paris, 16. Dez. 5% Reute fin eour. 116. 65. 32 Rente fin cour. 78. 30. Aul. de 1841 fin eour. 78. 90. 52 Neapl. au compt. 105. 60. 5% Span. Rente 245. Passive 57.
Wien, 16. Dez. 52 Met. 106%. 42 995. 3; —. 1% —. Bank-Actien 1619. Anl. de 1834 1423. de 1839 1083.
25% —-
B Trr T Den 21. Dezember 1841.
. Cour. Geld.
s Pr. Cour. * me l GuL
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Fonds. Actien.
St. Schuld - Scb. | 4 | 1047 104 Pr. Engl. 0b1.30./ 4} 1023 1015 Präm. Sch. der |
Seehandlung. |— S S007 Kurm. Scbuldy. 32 103 | 1023 Berl. Stadt - Obl. 4 | 103% 1037 Elbinger do. 33 — ai Danz. do. in Th. 47 — Westp. Pfandbr. : 1027 101% Grossb, Pos. do. | « —— 104”
Ostpr. Pfandbr. |37 | — 101% G “aéradidugd «A 21 102! Gold al marco
Kur- u. Neum. do. |'- s 102% 161 L Fabdeiehad'és. : E 13 Seblesische do. I — 1003 pldans GnlimSa- | / 9 zeu à 5 Th. | A 85 Discouto 3 i 4
Brl. Pots. Eisenb. do. do. Prior. Act. Mygd. Lpz. Eisenb. do. do. Prior. Act Berl. Aub. Eisenb. do. do. Prior. Act. | | ns Düss Elb. Eisenb. 5 | l BFT do. do. Prior. Act. | È | | — Rhein. Eiseub. | 945 | — do. do. Prior. Act. | -—
1024 108 1022 1047
Pr. Cour. Thlr. zu 30 Sgr. Brief. | Geld.
250 F. (urz -— | 138% . 250 x1. | 2 Me. — 1 138; 300 Mk. — | 1495 300 Mk. 148; 148% l 186. | 3 M 6 19; — 300 Fe. 79 — 150) y1. 10:37 —_ 150 F1. 102% 107 100 Tulsr Mt. 99; | 99% 100 Thule. Taxe 100 — 100 F1. Mt. 2, L AOER L Rb 3 Weh. W1
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Amsterdam Ia do,
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Loudon Paris G Wien in 20 Xr Auzxgsburz Breslau N d E Leipzig in Courant im 14 Tbl. Fass Frankfurt a. M. WZ.
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üonigliche Schauspiele. : Mittwoch, 22. Dez. Jm Schauspielhause: Das Glas Was- fer, Lustspiel in 5 Akten, nah Scribe, von A. Cosmar.
Donnerstag, 23. Dez. Jm Schauspielhause; Zum ersten- male wiederholt: Der alte Herr, Lusispiel in 2 Abth., vom Ver- I a e - - “bed L fasser von „Lüge und Wahrheit“, Hierauf: Ein Herr und eine Dame, Lustspiel in 1 Aft, frei nah dem Französischen, von C, Blum.
Freitag, 24, Dez. Kein Schauspiel.
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Das Billet - Verkaufs-Büreau bleibt an diesem Tage bis 2 Uhr Mittags geóffnet. :
Sonnabend, 29, Dez, Jm Opernhause: Der Feensee, grofe Oper in 5 Abth.,, Mußk von Auber. Ballets von Hoguet.
C Ls ( « E gue s
Preise der Plaße: Ein Plas in den Logen des ersten Ran- ges 41-bit, 40 Sgr: 20 ic:
Im Schauspielhause: Werner, C, Gußkow,
S onntag, 20. D0 Im Opernhause: Der reisende Student; und: Robert und Bertrand, pantomimisches Ballet in 2 Abth., von Hoguet.
im Schauspielhause : Das Glas Wasser, Lustspiel in 5 Abth., von A. Cosmar. ;
Schauspiel in 5 Abrh., von
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Löonigstädtishes Theater.
Mittwoch, 22. Dez. (Ztalienische Opern-Vorstellung.) L'Ita- liana in \lgeri, Opera buffa in 2 Atti. Musica del Maestro (Signora Carmela Marziali: JZsabella.)
Donnerstag, 23, Dez. Leßtes Konzert des Herrn H. W. Ernft vor seiner Abreise von Berlin, 1) Ouvertúre, komponirt vom Konzertmeister Herrn Leon de Saint Lubin, 2) Konzertino, (Allegro brillante, Andante ecspressivo und Rondo-Valse) fúr die Violine mit Orchester - Begleitung komponirt und vorgetragen, von Heren H. W. Ernsk. 3) Arie aus der Oper: „Nobert der Teufel“, von Meyerbeer, gesungen von Fräulein Elise Meerti i) Fest-:Variationen über ein Holländisches Nationallied, für die Bioline mit Orchester-Begleitung komponirt und vorgetragen, von Herrn H. W, Ernst, 5) Arie von Beethoven, gesungen von Frâu- lein Elise Meerti, 6) Auf vieles Begehren: Caprices über ein Thema aus der Oper: „der Pirat“, fúr die Violine mit Orchester- Begleitung komponirt und vorgetragen, von Herrn H. W, Ernft. Zum Schluß: Der Karneval von Venedig, komponirt und vor- getragen, von Herrn H. W. Ernsk. Vorher: Endlich hat er es
doch gut gemacht, Lustspiel in 3 Akten, von Albini,
Rossini.
Vorlesungen,
Da die Zahl der Meldungen zu den Vorträgen des wiss\en- schaftlichen Vereins bereits vor etlichen Tagen die Zahl der vorhandenen Pläße um mehrere hundert überstieg, o is es \chlech- terdings unmöglich, allen Wünschen zu genúgen. Die vertheilten Karten werden den Empfängern ins Haus geschickt,
An die Lefer.
Die vierteljährliche Pränumeration der Staats- Zeitung beträgt 2 Rthlr. Preuß. Cour. für das Jnland. — Bestellungen fúr Berlin werden in der Expedition selbst ( Friedrichs - Straße Nr. 72) gemacht und jeder innerhalb der Ringmauer der Stadt wohnende Pränumerant erhált das Blatt durch die Stadtpost, schon den Abend vor dem ange- gebenen Datum, frei ins Haus gesandt. — Aus- wärtige, des Jn- oder Auslandes, bewirken ihre Be- stellungen rechtzeitig bei den resp. Post- Aemtern; wer dies versäumt, kann nicht mit Gewißheit die Num- mern erwarten , die vor der hier eingegangenen Anmel- dung erschienen sind.
Für einzelne Nummern des Blattes is der Preis A Sgr.
Verantwortlicher Redacteur Dr. F, W. Zénkeisen.
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Gedruckt in der Decke rschen Geheimen Ober-Hofbuchdruckerei.