1843 / 12 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

iimmpibcim d

idic erlittenen Verluste vou Frankreich versangen, über- nommen hat. Die Beilegung dieser Angelegenheit M A ei Ms von den Ursachen hinwegräumen, welche die absurden Reibungen der Französischen und Englischen Presse as a das Porto zwischen

Es ist eine Uebereinkunft 1m Werke, 1 E, e wis k Frankreih und England herabzuseßen und überhaupt den Pos iens zwischen beiden Ländern zu verbessern. Das is ganz gut, s Auw wohl in den fommerziellen als in den politischen Kreisen Lon ons ist mau der Meinung, daß der beste und sicherste Weg nach dem Mittelländischen Meere und dem Orient den Rhein hinauf über die Alpen nah Triest oder vielmehr nah Veuedig gehe. Korfu würde dann die Haupt-Station für die Indische Post werden.

Eine andere Uebereinkunft mit Frankreich wegen Auslieferung entflohener Verbrecher ist auch ihrer Abschließung nahe. Dies Alles ist als ein Zeichen des zwischen den Regierungen beider Länder herr= schenden guten Willens und Einverständnisses anzusehen. Es leidet nicht den geringsten Zweifel, daß Herr Guizot die Traktate von 1831 und 1833 mit der ganzen Stärke der Regierung vertheidigen werde,

kade von Porter

———_—— Dänemark.

Kopenhagen, 6. Jan. Dem hier anwesenden Stände- Deputirten P. H. Lorenzen ward das Juteresse, welches man hier an seinem Verhalten in der Schleswigschen Stände-Versammlung ge nommen, unter Anderem durch ein Festmahl bewiesen, welhes man ihm vorgestern auf der Schießbahn gab, und woran ungefähr 200 Personen Theil nahmen. Justizrath Guldberg führte dabei das Prä sidium und brachte nah der Gesundheit Sr. Majestät des Königs einen Toast für den Gast aus, der dafür nicht blos der Versamm lung, sondern auch dem ganzen Volke dankte, bei dem er so viel Sym pathie gefunden, daß man seine persönlichen Verdienste in der Schleswig schen Sache überschäßt habe, da er doch nur den Tropfen in den Becher ge \hüttet, der noch gefehlt habe, um ihn anzufüllen, Hierauf brachte er einen Trinkspruch für „„die natürlihen Rechte“ aus. Auch für die 46 Deputirten in der Jütländischen Stände-Versammlung, die für die Adresse an den König in der Schleswigschen Sprachsache gestimmt und ihren Präsidenten, so wie für die vier Männer, die sih in der Schleswigschen Versammlung Lorenzen angeschlossen, für die Schles= wigshe Presse, für eine nähere Aneinanderschließzing der drei Nordi hen Reiche, für Orla Lehmann 2c. wurden Trinksprüche ausgebracht. Am Schlusse ward ein Vers, „die Muttersprache“ betitelt, abgesun gen, worauf der leßte Toast, abermals zu Ehren des gefeierten Ga stes, ausgebracht wurde.

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Deutsche Bundesstaaten.

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Leipzig, 6. Jan. (L. Tagebl.) Jm Jahre 1842 wurden in Leipzig geboren 1765 Kinder (887 Knaben und 878 Mädchen, darunter 48 Zwillinge, 3 Drillinge, 42 todtgeborne Knaben und 31 todtgeborne Mädchen ; unchelihe 296, unter diesen 20 todtgebornc) ; die wenigsten Geburten (133) fielen in die Monate Februar und November z; die meisten (165) in den Monat Mai. Gestorben sind 1737 (895 männliche, 842 weibliche, darunter 510 unter und von einem Jahre, 174 zwischen 60—70 Jahren, 132 zwischen 70—80 Jahren, 39 zwischen 80 und 90 Jahren, 5 wovon 4 Witt wen über 90 Jahre; 135 Uncheliche bis mit dem 10ten Jahrez 16 Verunglückte, 2 Selbstmörder, und 11, welche in den Gewässern bei Leipzig todt gefunden worden sind; anu den Blattern 81 Per sonen, nämlih 28 Erwachsene und 53 Kinder). Von der QOe jammtzahl (1737) sind die wenigsten gestorben im Januar (101), die meisten im September (186). In diesem Jahre sind demnach 28 mehr geboren als verstorben, und 209 mehr gestorben, 88 mehr ge= boren, als im vorigen Jahre. Getraut wurden 449 Paare, die wenigsten (1) im Dezember, die meisten (67) im April; überhaupt 35 Paare mehr als im vorigen Jahre. Jm Jahr 1642 zählte man in Leipzig 684 Geborene und 1074 Verstorbene, und im Jahre 1742 866 Geborenec und 1260 Verstorbene,

S Pan N

Madrid, 30. Dez. Jm Patriota liest man: „Ein Oppo- sitions-Journal hat gesagt und andere haben es wiederholt, der Han dels-Traktat mit England sey bereits unterzeichnet, als ob der Finanz Minister und die Regierung nicht mit der Wichtigkeit dieser Angele- genheit und den in solhen Fällen zu beobachtenden Formalitäten bekannt wären. Wir können versichern, daß jene Angaben falsch sind,“

9 Paris, 6. Jan. Die durch die Barceloneser Ereiguisse hervorgerufenen Schwierigkeiten zwischen der Französischen und der Spanischen Regierung sind noh keinesweges als erledigt zu betrach ten. Die Abberufung des Herrn Gutierrez von dem Amt des poli= tischen Chefs hat bis jeßt nur den Charakter einer provisorischen

aßregel, und das Madrider Kabinet will augenscheinlich vor deren iert r jt Bestätigung abwarten, ob die Französische Regierung sich ihrerseits geneigt zeigt, auh Herrn Lesseps aus Barcelona zu ent- fernen. „Man glaube ja nicht“, sagt eines der Madrider ministe- riellen Blätter, der Patriota, „daß die Abberufung des Herrn Gutierrez eine Gutheißung des Verfahrens des Französischen Konsuls in sih begreift. Unsere Regierung kann sehr wohl der Meinung seyn, daß der politische Chef von Barcelona in nichts gegen seine Pflichten gefchlt hat, und daß seine Suspension nur dur besondere Umstände rathsam geworden ist. Wir für unseren Theil glauben, daß die Regierung in diesem Falle nur von der Nothwendigkeit bestimmt worden ist, die politische und die militgirische Gewalt in einer und derselben Hand zu vereinigen.“ Aber nicht genug, daß der Pa- triota gegen die Auslegung protestirt, welche die Entfernung des Herrn Outierrez aus Barcelona als eine der Französischen Regie- rung gegebene Genugthuung darstellen könnte, erx sagt auch mit deutlihen Worten, daß die Madrider Regierung es als ihre Pflicht ansehen muß, auf die Abberufung des Herrn Lesseps zu bringe „Wir glauben““, heißt es in der fraglichen Stelle, „daß hon ber Umstand, daß der Französische Konsul in jener Sache so viel von sich reden machen, es writ Regierung als eine Handlung der

Klugheit empfiehlt, dem Kabinet der Tuilerieen eine Note zukommen zu lassen, in welcher sie die freundschaftlihe Bitte um Abberufung

Es i} einleuchtend, daß n allem dem, was vorgefallen, die längere Anwesenheit des Herrn Lesseps in Barcelona nicht Jedermann angenehm seyn kann, ohne daß indessen die Ehre dieses Mannes dur seine Versebung im mindesten zu leiden ätte.“ Ob das Kabinet der Tuilerieen eine solche Forderung gün-=

des Herrn Lesseps ausspricht.

ig aufnehmen werde, steht bei der gegen Spanien obwaltenden

Perstimmun

desselben zu bezweifeln, um sv mehr als die Französische

nisses die öffentlihe Meinung in Frankrei entschieden für sih haben

ürde.

usses die ei der Verweigerung des vou ihr verlangten Zugeständ=

Bei Gelegenheit des Projekts einer neuen Finanz-Operation, bei der die Quesilbergruben von Almaden betheiligt sind, veröffentlicht

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ein Madrider Blatt folgende Notizen über diese oft besprochenen Minen. Die Gruben von Almaden liegen in der Provinz Ciudad Real auf der Gränze der Provinzen Badajoz und Cordoba. Jhre Bearbeitung steigt in ein hohes Alterthum hinauf. Die Griechen fannten {hon 700 Jahre vor Christi den dorther kommenden Zinno ber. Die Römer errichteten zur Beaufsichtigung und Ausbeutung der Gruben von Almaden eine eigene hohe Magistratur, und sie zogen aus denselben an 100,000 Centner Zinnober, der bekanntlich bei der Toilette der Römischen Damen und überhaupt bei den Römischen Luxus-Gebräuchen eine wichtige Rolle spielte. Das Mineral findet sich in mehreren Schichten, unter denen sich zwei auszeichnen, welche in einer mittleren Mächtigkeit von 25 Fuß und in einer Entfernung von 60 Fuß von einander fortlaufen. Während der leßten Jahre wur den die Gruben von Almaven mit 6—700 Arbeitern bebaut, von denen etwa 200 in freier Luft, die übrigen im Junern der Erde ar beiten. Als Durchschnitts-Ertrag liefern dic Minen vou Almaden

* 23,000 Centner Quecfsilber, das auf Lastthieren nah Sevilla gebracht * wirdz denn es existirt keine fahrbare Straße nah dieser Stadt.

Die Arbeit in den Quecksilber-Gruben is der Gesundheit sehr nach theilig, doch finden die von den dadur verursachten Nervenleiden

: angegriffenen Bergleute eine bedeutende Milderung ihres Uebels in Ï dem benachbarten heißen Bade Fuencoliente, wohin sie sich im Mo

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nat Oktober schaarenweise zu begeben pflegen. i Se LDTCU

Von der Serbischen Gránze, 27. Dez. (A. Z) Nach richten aus Belgrad - besagen, daß Petroniewitsch gefährlich erkrankt ist und Wutsitsh sih in großer Unruhe wegen der Zukunft Serbiens und seiner gegenwärtigen Regierung befindet. Man besorgt allge mein, daß Rußland nicht nachgeben und die Wiedereinseßung Michael's durchzuseßen bestrebt seyn werde. Es befinden sich im Lande viele Emissaire, welche von Michael gesandt worden, um das Volk zu sei nen Gunsten aufzuregenz sie haben sich vorzüglich in dem Distrikt von Jagodin konzentrirt, wo täglich eine Explosion erwartet wird. Diese fortgeseßte Bedrohung der kaum hergestellten Ruhe kann übri gens einigermaßen das von der Serbischen Regierung unterm 13. De zember veröffentlichte Dekret entschuldigen, wodurch das Standrecht gegen Alle proklamirt wird, welche ohne Erlaubniß das Gebiet der Stadt Belgrad betreten oder den Absichten der Unruhestifter und Aufwiegler gleichviel auf welche Art Vorschub leisten.

Einigen Anhängern Michael's, die in den Gefängnissen Belgrads saßen, is es gelungen, sih zu befreien'; sie kamen vor einigen Tagen in der Quarantaine von Semlin an, wo sie der Fesseln, die sie noch an ihren Händen trugen, entledigt wurden. E

Die Untersuchung wegen der vorgeblih beabsichtigten Vergif tung des Fürsten Michael in Semlin nähert sich ihrem Endez es sind bereits einige Personen entlassen worden, und die Untersuchung scheint überhaupt die erwarteten Resultate uicht gehabt zu haben.

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Von der Türkischen Gränze, 28. Dez. Die Wahl des Hospodars der Wallachei wird am 1. Janugr stattsinden, und die Nachrichten, die wir aus Bucharest erhielten, machen es wahrschein lid, daß von den vorgeschlagenen Kandidaten entweder Styr Bey oder Georg Philippesco gewählt werdez der Erste gehört der Rus sischen, der zweite der Türkisch-Wallgchischen Partei an.

Nachrichten aus Ja s} y zufolge, soll es zwischen dem Hospoda ren der Moldau, Fürsten Sturdza, und dem Russischen Konsul, Herrn von Koßebue, über die Wiedereinseßung des abgedankten Metropoli ten, die Lebterer verlangt, zu ernstlichen Disferenzen gekommen jeyn. Herr von Koßzebue ist zum General-Konsul, Herrn von Daschkof}f, nach Bucharest abgercist, um mit diesem Rücksprache zu nehmen.

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Alexaudrien , 16. Dez. (A. Z.) Die Regierung hat, da sie die Drusen mit Gewalt nicht unterwerfen fonnte, zur List ihre Zuflucht genommen. Mohammed Pascha und Said Pascha vou Beirut wurden von Assaad Pascha zu Schibli Arian und den ande ren Drusen - Schechs gesandt, welche Omer Pascha in Aptedin bela gerten. Mohammed Pascha gab dem Schibli Arian das Versprechen der Rükberufung Omer Pascha's und der Loslassung der seit unge= fähr 8 Monaten gefangen gehaltenen Drusen Schechs, verweigerte aber die nachdrücklich verlangte Rückkehr Emir Beschir's, über die in Konstantinopel werde entschieden werden, Jhrerseits nahmen nun auch die Drusen keinen der ihnen von Mohammed Pascha gemachten Vorschläge an, sondern bewilligten ihm nur nach vieler Mühe und unter der Bedingung, daß ihnen 4800 Maaß Gerste für die Reiterei geliefert würden, einen achttägigen Wasfonstillstand. Reschid Pascha sollte dem Uebereinkommen gemäß an Bmer Pascha?s Stelle für den Angenblick die Verwaltung des Libanon übernehmen und gab Befehl zum Marsch nach Aptedin über Saida, Allein der Türkische Gouverneur ließ hinterlistigerweise an leßterem Ort als Verstärkung für die Garnison von Aptedin 2500 Mann ausrüsten, mit denen Reschid nah Aptedin marschirte. Hesei Aga, ein Ver= wandter Schibli Arian's, verlegte den Weg dahinz er hatte aber nur 900 Mazn und konnte mit diesen Reschid Pascha’s Marsch nicht aufhalten. Die Drusen, an keine Truppensendung glaubend, hatten sich auf mehreren Punkten zerstreut. Dessenungeachtet griff Hesei Aga den Reschid Pascha an und bot ihm fünf Stunden lang, die Spihe z {on wollte Reschid den Rückzug antreten, als Omer Pascha, der mit feiner ganzen Garnison einen Ausfall aus Aptedin machte, über die Drusen herfiel und den. Aga, che noch Schibli Arian eintres= fen konnte, zum Weichen zwang. Reschid und Omer begaben sich, nachdem sie zwei Dörfer verbrannt, nah Aptedin. Die Drujen zo- gen sih nach Harbiea und Rascheia zurück. Schibli Arian ließ die tiren des Ubanon, auf die er großen Einfluß übt, so wie die Ara- ber der Wiiste ‘zum Beistand auffordern, und wird gleih nah ihrer Ankunft die Feindseligkeiten wieder beginnen.

Alexandrien, 16. Dez. ‘Das Sardinische Dampfboot „Tri= poli“, hierher gesandt, um der einem Janitscharen widerfahrenen Beleidigung wegen Genugthuung zu fordern, ist von Beirut, wohin es vor einigen Tagen abgegangen, heute früh mit einigen Nachrich- ten vom Gebirge wieder hierher zurückgekehrt. Reschid Pascha, an der Spihe von 7000 Mann, hat die Drusen so vollständig geschla gen, daß sie A, wahrscheinlich eine Zeit lang ruhig verhalten wer-= den. Omer Bala ist nah St. Jean d’Acre verbannt. (S. den folgenden Artikel.)

Die Preußische wissenschaftlihe Expedition befindet sich noch zu Dschiseh und bei den Zaccara-Pyramiden, wo sie wichtige Entdeckun-= gen gemacht haben soll.

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Vercinigte Staaten vou Uord-Amerika.

O New-Yorfk, 15. Dez. Die Botschaft des Präsidenten ist im Allgemeinen von der öffentlichen Meinung gut aufgenommen wor den. Selbst diejenigen, welche nicht alle Ansichten des Präsidenteu theilen, erkennen das Verdienst der Form, in welcher er sie verthei- digt, ohne Rückhalt an; selbst der Globe von Washington, dieses feuereifrige Organ der äußersten Demokratie, bedauert, daß so große Geschicklichkeit 1m Dienste einer so {lechten Sache vergeudet werde.

Die beiden einzigen Punkte des Dokuments, welche zur Konrtroverse Raum geben, sind der Plan zur Errichtung des „Exechequer““ und die Zurückerstattung der früher von dem Richter Hall dem General Jackson auferlegten Geldbuße. Viele halten den leßteren Vorschlag für unkflug und nicht gerathen; denn werden dergleichen Disfusjionen einmal angelnüpft, so is allerdings eine Niederlage darin eine Art Bakenstreich, und die grauen Haare des Siegers von New = Orleans hätte man auh nicht einmal der Möglichkeit eines solchen aussetzen sollen. Was den „Exechequer““ betrifft, so scheint Herr Tyler über die Resultate, die er davon hot, allerdings etwas zu weit gehende Jllusionen sich zu machen, und die Möglichkeit, daß der Plan, der nur Outes stiften soll, statt dessen vie! Unheil anrihte, is durchaus nicht entfernt. Wenn z, B. ein Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und einer der Europäischen Großmächte ausbräche, könnte da das Kabinet von White House niht durch die Nothwendigkeit dazu gezwungen werden, sich Geld zu machen , indem sie den Markt mit Scheinen über angebliche, aber 11 Wirklichkeit vielleicht nicht vorhandene Depots übershwemmte? Und der Rückkauf dieser Papiere durch die Regierung wäre wenigstens noch keinesweges gesichert. Js nicht der Rückkauf der Schaßnoten durch alle möglichen Versprechungen gewährleistet, und is nicht troh dessen die Bezahlung derselben wiederholt unterbrochen worden? Da her verlieren auch die Schalßnoten stets zwei bis fünf pCt. bei der Esfomptirung, und mit den Billets des „Erxechequer““ wird es kaum besser gehen, Der Staat Pennsylvanien hat sogenannte Gewähn scheine (relief noles) ausgegeben, und der Diskonto dieser Scheine steht jet guf 25 pCt. Michigan hat dasselbe gethan; seine Billets werden bei allen Auflagen an Zahlungsstatt angenommen und andere Vortheile sind denselben gewährt, und doch sehen wir, daß sie 40 pCt. unter Pari stehen. Nach solchen Vorgängen kann man allerdings nur mehr wünschen als hoffen, daß es mit den Papieren des „Cxechequer““ besser gehen möge. E S 7

Die Stelle der Botschaft, welche wohl am meisten die Europäi! hen Mächte interessirt, ist die, wodurch ihnen jede Einmischung in die Angelegenheiten der neuen Welt untersagt werden soll. Ju dem gegenwärtigen Augenblicke scheint darin nux eine Art Protesta tion gegen die angekündigte Jutervention Englands und Frankreichs in dem Streite zwischen Mexiko und Texas zu liegen. Das Faktum muß hier aber vor dem Grundsatze gänzlich in den Hintergrund tre ten. Dieser Grundsaß aber wurde zuerst von dem Präsidenten Monroe aufgestellt, und Herr Tyler ruft ihn nur von neuem zurück. Oh Europa demselben beitreten und dadurch seinerseits der Amerika nischen Union eine Suprematie zugestehen wird, die unter gewissen Umständen seinen Juteressen gefährlich werden könnte, muß die Zeit lehren. Die Politik i} eigentlich nichts anders, als die Wissenschast der nationglen Juteressen, und was diese Juteressen unter gewissen Breitegraden als legitim erklären, das lassen sie als legitim auch un ter anderen zu. England z. B. isst eben o gut Europäische als Amerikanische Macht und hat eben so viel Juteresje und folglich auch Recht, Mexiko gegen die Amerikanische Juvasion zu vertheidigen, als die Vereinigten Staaten haben, dieses selbe Land gegen Englische Eroberungs=-Versuche zu schüßen. -

Nach der Verkündung der Botschaft des Präsidenten haben all mälig auch die verschiedenen Mitglieder des Kabinets ihre Rechen chafts= Berichte und daran gekuüpften Anträge dem Kongresse vor gelegt. Der des Geueral - Post - Direktors war einer der ersten und wie {on der Präsident angekündigt hatte, er weist Ergebms|je aus, die der Verwaltung des Herrn C. A. Wickliffe zur Ehre gereichen. Seit mehreren Jahren hatte das Departement der Posten gegen eime der Grundlagen seiner Constitution, gegen eine der Bedingungen sei ner Existenz fich verfehlt: es hatte die Verpflichtung, die Zisfer sei ner Ausgaben mit der Ziffer seiner Einnahmen ins Gleichgewicht zu seßen, nicht eingehalten. Jährliche Defizits hatten sih regelmäßig angehäuft, und die Bundes-Kasse hatte der Post-Kasse zu Hülfe kom men müssen, obgleich der Grundsaß aufgestellt worden war, daß die eine der anderen vollkommen fremd bleiben solle. Was nun sein Amtsvorgänger während einer langen Geschäftsführung nicht hatte zu Stande bringen können, das hat Herr Wickliffe durchgeseßt, nach- dem er kaum in sein Amt eingetreten war. i

Während des mit dem 1. Juli 1841 beginnenden und mit dem 30. Juni 1842 endenden Jahres hatte die Gesammtzahl der vom Postdienste überhaupt durchlgufenen Meilen 34,835,991 betragen, mit einer Ausgabe von 3,087,799 Dollars. Es wurden also im Ver gleiche mit den Ziffern des Vorjahres 160,534 Meilen weniger zurückgelegt und auch 71,579 Dollars weniger ausgegeben. Für die beiden Jahre war der Mittelpreis der Kosten per Meile derselbe, nämli 4114 Dollars *- Cts, Die Verminderung in der Zahl der durhlaufenen Meilen geschah übrigens nicht blos aus Ersparungs- Rücksichten: sie is vielmehr das Resultat einer sehr beträchtlichen Umgestaltung in den Straßenlinien, vermöge welcher, ungeachtet einer Vermehrung der Punkte, wohin die Postwagen abgehen, die Aus delbuung des Weges, den sie durchlaufen mäßten, abgekürzt wurde. Die durch Unterdrückung des Postdienstes an gewissen Lokalitäten er langte Ersparniß würde eine verhältuißmäßige Verminderung des Cinfommens zum unausbleiblichen Resultate gehabt haben. Der Beweis aber, dasz das neue Straßeneß, obgleich weniger zusammengedrängt, deswegen nicht minder gut die ganze Oberfläche des Landes bedeckt, liegt darin, daß der Ertrag sih vermehrt hat. Während des Jahres 1840— 41 hatten die Gesammt-Einnahmen sih auf 4,379,317 Doll. belaufen; 1841 42 betrugen sie 4,546,246 Doll., was eme JZu- nahme von 166,928 Doll, gegen das Vorjahr ergiebt. Die _Ge- sammt - Ausgaben von 1841 42 beliefen sich auf 4,027,710, Doll, was gegenüber von den Einnahmen ein scheinbares Desizui von 81,470 Doll, ergießt. Aber in diesen Ausgaben ist eine Summe von 392,634 Doll. für Rückstände des Vorjahres begnisen, und wenn man diese abzieht, so betragen die. laufenden Ausgaben von 1841 42 nur noch 4,235,052 Doll. , woraus sich also nicht M fein Defizit, sondern im Gegentheile ein Ueberschuß von 311,19 Doll. ergiebt, Dieser Ueberschuß wird übrigens großentheils durch Bestreitung von Ausgaben verschlungen werden, die noch nicht geregelt verd 5 n.

° P "WidlifFe macht auf sehr große Mißbräuche aufmerksam in dem den Postmeistern verliehenen Privilegium, Briefe portofrei zu be- fördern, indem sie ihre Unterschrift darauf seßen. Dieses Privilegium war anfangs nur für die Bedürfnisse des Dienstes gewährt worden, dann um den Journalen das Sammeln von Abonnenten zu erleich= tern. Allein eine große Zahl von Postmeistern stellen ihre Unter= {rift förmlich zur Verfügung ihrer Verwandten und Freunde, und die Zahl der so portofrei laufenden Briefe wächst mit außerordent- s Schnelligkeit, so daß sie bereits die Ziffer von drei Millionen jährli überschreitet, Da nun der mittlere Post-Tarif etwa 15 Sous

Wilden gleichsam eine ganze Reihe von Judustrie leinen. Sachen dem Publikum vortheilhaft darzustellen, erhöht noch die Kunst

per Brief beträgt, so ergiebt das einen Verlust von 450,000 Dollars. Das is aber noch uicht Alles: von diesen drei Millionen Briefen zahlt die Post- Kasse den Postmeisteru wie von den nicht frankirten Briefen eine Kommissions-Gebühr von 2 Sous, was von vornherein schon den Mißstand erzeugt, daß dic Beamten bei Vermehrung dieser Art vou Briesen interessirt und der Kasse eine Ausgabe von etwa 600,000 Dollars auferlegt wird, wofür sich zur Ausgleichung kein Ein fommen ergiebt.

Zu bemerken ist noch, daß Herr Wickliffe den von der Franzö sischen Regierung der Amerikguischen Regierung vorgeschlagenen Plan zu einer Vereinigung für gemeinschaftlihe Herstellung einer Franzö sisch - Amerikanischen Dampfbootlinie zwischen Havre und New - York aufs lebhafteste unterstützt,

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La Plata-Staaten.

Montevideo, 3. Nov. (B. H.) Die Nachricht, daß Buenos - Ayres die Vermittelung Englands und (Frankreichs in sei nem Streite mit Montevideo abgelehnt hat, bestätigt sich vollkommen.

Jnland.

Berlin, 11. Jan. Se. Majestät der König haben Aller gnädigst geruht, die Annahme: dem Major Grafen von Lüttichau des Sten (gen. Leib-) Jufanterie - Regiments, Commandeur des 3ten lombinirteu Reserve - Bataillons, des Ritterkreuzes der Königl. Fran zösischen Ehren =- Legion, so wie dem Sattler Johaun Seemann | zu Alt-Sommersdorf, Kreises Demmin, der Großherzoglih Mecklen

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burg-Schwerinschen Krieges-Denkmünze zu gestatten. Posen, 9. Jan. (P. ZZ Vom 1. zember 1842 wurden unter dem christlihen Theile der Bevölkerung

Y , E a | cFanuar bis zum Zl. De=- | |

/ | Kinder | |

der Stadt Posen und deren Vorstädten geboren: 1481 (15841: 1450)3 es starben 1207 Personen (1841: 1173)§ mithin wurden 264 Jndividuen mehr geboren als starben, (1841 wurden

277 mehr geboren, als starben). Dieser Ueberschuß is sehr bedeu tend und spricht für eine bessere Gesundheitspflege, als früher, wo | der Ueberschuß mit Ausnahme der Cholera - Jahre durchgäun- | gig nur etwa 200 betrug. Getrgut wurden mit Einschluß einer | goldenen Hochzeit 439 Paare (1841: 420 P.). Unter den Ge= | borenen befanden sih: 756 Knaben und 715 Mädchen (1841: 712 | Knaben und 738 Mädchen). Der Ueberschuß der mänulihen Ge burten über die weiblihen beträgt 7 der sämmtlichen Gebur ten und kömmt dem Normal - Verhältniß nahe; in früheren Jahren ist in Posen {on mehrmals die Abnormität vorgekommen, daß die weiblichen Geburten die männlichen an Zahl überwogen. Unter den Gestorbenen waren 675 Personen männlichen und 532 weiblichen Geschlechts (1841 : 621 männliche und 552 weibliche); es starben also 143 mänuliche Personen mehr als weibliche (1841 : 69). Das diesjährige Uebergewicht der mänulichen Todesfälle is fast ";z der Norm nach pflegt es *, zu seyn. Der Konfession nah (etwa % «ller christlichen Einwohner sind katholisch, " evangelisch) wurden ge boren: 914 Kinder katholischer (1841 : 898) und 5957 evangelischer Konfession (1841 : 552). Das Mortalitäts-Verhältniß stellt sich ziemlich ungünstig, indem der Tod genau 4 pCt. der gesammten christlichen Bevölke rung abgefordert hat, während sonst in den Städten in der Regel nur 37 pCt. sterben, Sehr verschieden stellt sich das Sterblichkeits Berhältuiß nach den Konfessionen heraus, wie das in Posen noch fast alljährlich der Fall gewesen —, denn während von 18,600 Katholi ken nur 675 gestorben siud, hat der Tod von 12,400 Evangelischen 932 weggerasstz; bei Jenen kam also cin Todesfall auf 27%, Perso nen (1841: 265), mithin 32 yCt. 4 bei diesen hon auf 237 Perso nen (1841: 245), nithin 47 pCt. (1841: 4 ck- pCt) Getraut wurden: 267 Paare katholischer (1841: 241 Paare) und 171 Paare evangelischer Konfession (1841: 179), mithin 26 fatlzolische Paare mehr und ® evangelische Paare weniger als 1841. Dag die Zahl aller gescchlosse non Chen 438 beträgt, so fommt durchschnittlich eine Ehe auf 704 Perso nen, ein überaus günstiges Verhältniß, indem man in der Regel nur eine Ehe auf 120 bis 130 Einwohner zu rechnen pflegt; dasselbe bietet zugleich den augenfälligsten Beweis von dem wachsenden Verkehr und der zunehmenden Betriebsamfkeit in unserer Stadt.

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Yariser Judustrie-, Kunst- und Luxus-Gegenfstáände.

21 Paris, Anfang Jan. Was bei uns der Weihnachts-Abeud, it hier der Neujahrs-Abend, Alle Läden sind prächtig ausstaffirt und / Ausstellungen im Den äußeren Glanz und Geschmack, um die ausgelegten

Der Verkäufer in der Entwickelung und Gruppirung ihrer Waaren; Fine Kunst, worin die Französischen Boutiquiers Meister sind, wie man Mch zu jeder Jahreszeit in jeder Gasse von Paris, besonders aber jetzt m die Neujahrszeit im Passage des Panoramas, in der Rue Vivieune und auf den Boulevards davon überzeugen kann. Jede Bude strahlt Nachts in einem Feuermeer von tausend Lichtern, die in hun dert Wandspiegeln wiederstrahlen. Dieser sonnenhelle Lichterglanz, dieses magishe Strahlenspiel und bunte Farbengemisch von (Gold, Silber und Seide, von Kaufmaunsweibern, Krystall und Blumen, und das Alles so reizend, so verlockend angeordnet und aufgepußzt, daß zuerst das Auge trunken wird und die übrigen Sinne demselben über eilt nachfolgen, giebt einen Anblick, dessen Reichthum, Glanz, Schön-= heit und Schimmer selbst diejenigen bezaubert, welche das Kostbarste aller Art zu sehen und das nil admirari praftisch zu üben gewohnt sind. Es is gefährlich, hier Abends über die Straße zu gehen; es ist, als wenn Räuber, die Pistole auf der Brust, uns unser Geld ab- forderten. Man kann keine hundert Schritte thun, ohne zu erschrecken, und während des Erschreckens hat man schon die Hand an die Börse gelegt, vielleicht eben so oft, um sie freiwillig herzugeben, als um sie vor spißbübischen Angriffen verwahrt zu halten. Die Pariser lassen sich deshalb nicht abschrecken; man bringt den ganzen Tag und den Abend, d. h. die halbe Nacht, in dem bunten Gewimmel zu, aus einem Laden in den anderen \hlendernd. Am vollsten sind die Konditor= läden z besonders sammelt sich die Menge der Kauf- und Schaulusti- E dem großen Gewölbe des Chofoladenhändlers Marquis im Passage des Panoramas, dessen neue geshmackvolle Ausstaffirung mit gefirnißtem Schnibwerk in Eichenholz selbst dem feineren Kunstsinn, der alle grobe Jllusion und grelle Pracht zurückweist, eine angenehme Unterhaltung und Befriedigung gewährt, um so mehr, da außer Cho- FoladesaWen und Pastillen, auch Tafel-Aufsäße, Thee-Service, Japa- nisches P orzellan iu, st._w. in das Fach dieses Häudlers gehören, und daß diese Unge mit Sinn und Kunst in mannigfaltiger Weise gleich- sam zur Ausmöblirung seines hellen und bohen Magazins verwe

L i © I ohen Magazins verwendet sind. Die Bonbons und Dragées, welche die Kunst der hiesigen Confituriers willkürlich wie Ananas, Orangeublüthe, Veilchen, Rosen, Erdbeeren, Kaffee u. \. w., {mecken läßt, sind von ausgesuchter Fein-

| nier, Destouches, Duval-le-Camus ;

und man verfertigt daher sehr prächtige Stücke in dieser Art. Der in brennenden Farben, s{öner Zeichnung und geschmackvoller Arabes- seinem Magazine auf dem Boulevard Bonne =- Nouvelle bewunderte

ich einen Zimmer =- Teppich zu 6000 Fr., mit einem radschlagenden Pfau in der Mitte und woran die tausendfältig shiminernden Farben

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heit, und die Kästchen, Körbchen, Dosen und Schachteln, worin man

dergleichen den Damen zu überreichen pflegt, von größter Mannig

faltigfeit und zierlihster Ausschmückung mit fkolorirten Kopieen nach

den Bildern, die auf der leßten Kunstausstellung am meisten gefallen

haben.

Starken Zuspruch haben die Herren Giroux und Susse, deren sogenaunte Papierhandlungen in der Rue du Coq und am B senplaße Kunst- und Luxus=-Gegeustände aller Art in prächtigen und weitläuftigen Lokalen einschließen. Jun höchster Mannigfaltigkeit und reihster Auswahl findet man hier Spielzeug für Kinder, gute Pa piere, geschlisfene Krystalle, gemaltes altes und neues Porzellan, Bron | zen, Gold= und Silber=-, Holz- und Knochen-, Alabaster= und Elfen | bein-, Papier- und Papp- Arbeiten, Bijouterie - und Mode - Artikel, | Nähkästchen, Nadelkissen, Briefbeschwerer, Dintenfässer, Visitenkarten, | nachgeahmte Ouyxe und andere kostbare Steinarten aus der Porzellan Manufaktur von Sèvres, Mosaikplatten, Cameen, Pasten, prächtig | gebundene Gebetbücher mit modernen Miniatur-Malereien, Kecepsakes | mit den herrlichsten Kupferstichen, musikalische Albums, große Stöße | Aquarellbilder von den namhaftesten neueren Malern, ganze Mappen | voll Handzeichnungen von alten Meistern, reihe Vorräthe von Ge |

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mälden todter und lebender Künstler, Blumenstücke von Redouté, Van dael und Jacobber, Pferdesticke von Alfred de Dreux, Landschaften von Flers, Cabat, J. Düprez, Rousseau, Jeanronz; Geures von Gra

D Conversationsstücke à la Watteau von Noqueplan, Bronzen nach den Modellen der beliebtesten Bild hauer, Thiergruppen von Barye und Fratin, Statuetten von Pradier,

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| j | Seurre, Vuret und Marochetti, Gefäße uud Geräthe im Geschmack |

der Renaissance nah den Compositionen Triqueti's, Engel-Figuren und Medaillons im Gothischen Styl von Antonin Lemoine, und tau seud andere Dinge für die Laune eines Krösus und das Bedürfniß einer Millionair-Eitelkeit. Ein Hundert Bankbillets würden in diesen Läden bald verthan seyn, ohne daß man große Lücken spürte. Nur glaube man nicht, daß diese Kaufleute ihre reih beseßten Magazine ganz mit eigenem Gelde oder auh nux durch Kredit zusammenge bracht hätten; sondern Künstler, Handwerker und überhaupt Leute aller Art, die ein prächtiges Möbelstück, ein neues oder altes Kunst oder Luxuswerk, oder sonst etwas Merkwürdiges, Kokettes und Zier liches zu verkaufen haben, bringen diese Sachen hierher, wo die ein gelieferten Stücke ins Buch geschrieben und für den Fall des Absatzes gewisse Prozente verrechnet werden. Diese Gewölbe sind daher für Artisten aller Art sehr bequem und förderudz denn manches herrliche Produkt des Kunstfleißes und Erfindungsgeistes würde man vielleicht in einem Dachstübchen aufsuhen müssen, statt daß es jeßt unter an deren seines Gleichen einen glänzenden und nüßzlichen Rang einnehmen und früher und bequemer an den Mann gebracht werden kann, als es sonst möglich gewesen wäre. Die Musterung dieser seltenen Ma- gazine gewährt dem Verstande, wie den Sinnen volle Nahrung, und der Andrang des Publikums is} \so groß, daß an den Eingang zwei Munizipal-Gardisten postirt sind, die den anfahrenden Equipagen ihren Standort anweisen und das Gewühl der Gehenden und Kommenden zn Ordnung halten.

Des schönsten Besuchs erfreuen sich die Gewölbe oder viel melr Salons, worin Pußmacherinnen und Modehändlerinnen ih ren Thron aufgeschlagen haben. Alles was s\{ch aus Band und Seide, Flor und Federn, Blonden und Blumen, Mousselin und Spißen bauen läßt, bietet \\ch hier unseren Blicken dar. Von Spißen wird man gewiß nirgends etwas Feineres sehen, als hier, Dieser sonst etwas gesunkene Judustriezweig hat sih in den leßten Jahren wieder bedeutend gehoben. Die jährrlihen Er zeugnisse dieser Fabrication, die in Paris, Nancy, Alencon, Tarrare, Saint - Quentin und Caen ihre Hauptsiße hat, werden jeßt auf 13 Millionen geschäßt. Die gröbere Stickerei allein beschäftigt in und um Nancy 25,000 Menschen. Tarrare ‘liefert nur noch gehäkelte Stickerei, wie Saint-Quentinz doch thut die Konkurrenz der Schwei zer Fabriken diesen beiden Städten darin bedeutenden Abbruch. Jn sehr blühendem Zustande befinden sich dagegen die feinen Mousselin Fabriken zu Tarrare, welches vor zwanzig Jahren noch ein armes Dorf von einigen Hundert Einwohnern war und jeßt eine reiche Stadt mit 25,000 Seelen is, Die Herren Estragnat, Leutner, Calmon, ion und Lucy-Sedillot haben dort die stärksten Fabriken, aus denen jene graziösen, leichten, wie aus Luft gewebten weißen und rosigen Stoffe hervorgehen, die ganz für flatterhafte Wesen gemacht sind. Die Blonden von Caen behaupten noch immer ihre alte Vortrefflich feit und werden denen von Chantilly als eleganter und stoffiger vor gezogen. Nichts kommt au Geshmak und Feinheit den hiesigen Stickereien bei, unter denen einige wahre Kunst - und Meisterstücke von jo vollkommener Ausführung, daß sie wie aus Elfenbein ge \chmbt scheinen. / ich ein gold- und silbergesticktes Chorhemd von herrlicher Arbeit zu dem Preise vou 1500 Fr.z ein s{chönes Christgeschenk für einen fashionablen Kanonikus der fashionablen Kirche unserer lieben Frau von Lorctto, Jn eben diesem Laden waren sehr fein gestickte Schnupftücher, das | Stü zu 500 Fr., 60090 Fr. das Dußend, dafür aber auch die Stickereien bewundernswürdig. Bei alledem haben nur unter der hier in unzählbarer Menge ausgestellten Damenpußwaare, an der ich mich durch eine vielleicht zu gewagte Beurtheilung nicht gern ver sündigen möchte, die fünstlih nahgemachten Blumen vorzüglich gut gefallen. Einige Läden, wie der Konstantinus in der ruce= neuve= | Saint - Augustin, sind so eingerichtet, daß jedesmal bei der künstlich | nachgemachten Blume, wenn irgend möglich, eine natürliche derselben | Art steht, damit man vergleichen fann, Man muß sehr nahe gehen, | um unterscheiden zu können, welhe von beiden die natürliche oder

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die nachgemachte ist. Der berühmte Löwenzahu, der manchem Leser unter dem allgemeinen Namen der Kuhblume bekannter seyn möchte, und die rothblühende Akazie waren so täuschend natürlich nachgemacht, daß ich sie noch in der Hand für echt hielt, i Nicht weniger dichte und schaulustige Schaaren von Käu- | fern drängten sich in den weitläuftigen Mayasins de nouveautés, | wo in der kunstreichsten Entfaltung und im buntesten Gemisch die Baumwollen-, Wollen- und Scidenstoffe aus Rouen, Mülhausen, Colmar, Avignon, Nismes, Lyon 2c. zur Schau gelegt waren, von | denen namentlich die Schärpen, Shawls und Foulards sich durch ge- s{chmackvolle Muster und treflihe Farben und Schattirungen gus zeichneten. Diese Gewölbe fassen theilweise, wie die „Stadt Paris“ in der Straße Montmartre, unermeßlihe Vorräthe von den aller- neuesten und \{önsten Fabrikaten der Französischen Baumwollenspin- nerei, Weberei und Färberei, die verschiedensten Arten Kattun, Zite, Mousselin, Weißzeug, kurz Alles in sich, was eine modische oder gründ- liche, eine prächtige oder reinlihe Garderobe, in welcher Einschrän- fung, für welchen Beutel, für welchen Geschmack und in welchem Umfange man will, in wenig Augenblicken füllen kann. , _Oroßes Vergnügen machte mir das Besehen mehrerer Teppich-Ma- gazine. Der Luxus mit Teppichen hat hier einen sehr hohen Grad erreicht,

Fabrifant Sallandrouze-Lamornais liefert sammetartige Fußdecken, die

ken-Verzierung mit denen der Gobelins-Manufaktur wetteifern. Jn

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| n einer Modehandlung auf den Boulevards \ah | I l |

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des ausgespreizten Gefieders sich in glänzenden Nüancen brehen und zu einer wundervollen Gesammtwirfung vereinigten. Jn einem an- deren Magazine auf dem Boulevard des Jtaliens, am Eck der Straße Lepelletier, sah ih herrliche Teppiche mit Zeichnungs - Mustern im Geschmack der Renaissance und mit goldenen und silbernen Arabes- fen - Decorationen e, grünem, rothem oder dunkelblauem Grunde, und besonders s{öne, effektvolle Thür-Vorhänge von guter Zeichnung und vortreffliher Ausführung. Ein Kapitalstück darunter war ein Thür-Vorhang im Rococogeschmack, mit einer Blumen=-Guirlande ein- gefaßt und in der Mitte zwei Blumenkörbe tragende Engel à la Boucher auf shwarzem Grunde. Dieses Stück, aus der Fabrik von Aubusson hervorgegangen, wirkte so harmonisch wie ein Oelgemälde; in einiger Entfernung verschmolzen sich die Töne und erhöheten die Täuschung. Die Fabrifen von Sallandrouze-Lamornais und Aubusson arbeiten ganz in der Weise der Gobelins Manufaktur. Man webt mit Wolle allein, und zu den Lichtpartieen wird keine Seide mebr genommen. Die hellen Farben -Nüancen in Wolle sind zarter, viel- facher, und ihre Wirkung in den lichten Theilen selbst is} kräftiger als die in Seide. Das \chöóne Spiel dieser Farben, die sanften Uebergänge und Abstufungen ihrer Schattirungen, muß man in den großen Magazinen dieser Manufakturen sehen, wo die in einzelnen Bündeln gewickelte Wolle reihenweise aufgeschichtet sind, Die Ansicht dieser tauscndfah folorirten Massen fesselt das Auge wie ein s{önes Bild. Die Königl. Manufakturen der Gobelins und von Beauvais haben an den genannten Privat - Fabriken starke Nebenbuhlerinnen in der Schönheit der Zeichnung, in der Glut der Farben, im Geschmack der Grotesfen- und Arabesfen=- Decorationen und erfinderischen Ver

und herrlichsten Fabrication sind die Kostbarkeiten zu Kanapées, Lehnstühlen, Lichtschirmen, Tapeten u. #. w. Ueberhaupt ist

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| | besserungen, worin sie jene überfliegen. Von der prächtigsten Eleganz | |

der Pariser Kunstfleiß in allem, was auf Zimmer - Verzierung aller Art Bezug hat, unermüdlich thätig, und die zu diesem Behuf rastlos angestellten Versuche führen zu allerlei Neuerungen. So scheint das Reich der Papier-Tapeten mit schnellen Schritten seinem Verfall entgegenzugehen; denn in der leßten Zeit sind gefähi liche Mitbewerber aufgestanden, die um den Preis der Kundschaft

{önsten Papier - Tapeten, selbst die sammetartigen mit aufgehöheten Palmblättern und Goldmustern, die seither für das non plus ultra der Fabrication galten, an Glanz, Reichthum und Dauerhasftigkeit bei weitem übertreffen. Dahin gehören die Tapeten von gepreßtem Le- der oder Leinenpappe mit getriebenen Relief - Figuren und reichen Vergoldungen und Arabesken = Verzierungen , im Geschmack der Re= naissance, und da dieser Geschmack gegenwärtig im Ameublement der Staatszimmer vorherrsht, so is zu erwarten, daß diese neue Art Tapeten schnellen Eingang finden wird. Der Erfinder derselben, Herr Labourian, hat seine Entdeckung auh auf Möbel-Verzierungen, Thür - Decorationen, Bücher = Einbände, Nachahmungen von Waffen stücken, Holzskulpturen u, \st. w. ausgedehnt; und in seinem neu eröff= neten Magazin auf dem Boulevard des Capucines waren vielerlei recht gelungene Probestücke dieses neuen Judustriezweigs ausgestellt.

Eine andere merkwürdige Neuerung sind die aus Glas gewebten Tapeten, wovon ih auf dem Boulevard Bonne-Nouvelle interessante Muster sah. Die Herren Dubus und Bonnel haben es nämlich jetzt so weit gebracht, daß sie Glas in so feine Fäden spinnen, als die feinste Seide, und damit fabriziren sie reizende Stoffe, die in Anse hung des Glanzes, der Geschmeidigfeit und Eleganz es mit den \{chönsten gewirkten Gold= und Silberstoffen aufnehmen können. Zim mer-Tapeten aus diesem Stoffe sind bei weitem glänzender, als die von GHold- und Silbersammet, und haben noch dazu den in unserer öfonomischen Zeit sehr hoh anzuschlagenden Vortheil, daß sie viel weiiiger fosten. Eine Elle Goldsammet fann man z. B. nicht wohl unter 300 Franken anfertigen, und diese Glasstoffe werden höchstens mit 30 bis 40 Franken die Elle bezahlt; es giebt sogar Borten fün SZammetstoffe, die nur auf 14 Franken kommen. Um das trockene Verzeichniß der feinen Pariser Judustrie- Gegenstände nicht zu sehr zu verlängern, brehe ich ab und verschiebe auf ein ander Mal die weitere Uebersicht über die wichtigsten hiesigen Luxus-Artikel.

Wissenschaft, Lunst und Literatur.

Zur vaterländischen Geschichte.

: Von lter und 2ter Band.

Wendische Geschichten von den Jahren 780 bis 1182. L. Giefebrecht. Berlin, 1843.

Der vierhundertjährige Kampf zwischen der Deutschen und Slawischen“ Nationalität in unseren (Gegenden is nicht nur für die Spezial-Geschichte sondern auch für die allgemcinen Deutschen, ja selbst die Europäischen Ver- hältnisse so wichtig, daß er cine gründlichere und genauere Beachtung ver- dient, als ihm bisher meist zu Theil geworden ist. Es scheint uns überdies cine der würdigsten Aufgaben Deutscher Geschichts\chreibung, die Erinnc- rung an jenen großen Sieg zu bewahren, den dieses Volk in diesem Kampfe über eine andere Nationalität davon trug. Wir fönnen das Andenken daran um o weniger verlieren, als das Ringen zwischen dem GBermanismus und Zlawismus sich im Laufe der Jahrhunderte stets wiederholt, und im ferne- ren Osten zu immer neuen Erscheinungen und Entwicfelungen geführt hat, deren letztes Resultat noch Niemand abzusehen vermaa. i

Bon wie allgemeinem Interesse dieser Gegenstand aber auch is, so muß er doch vornehmlich die Theilnahme aller derer in Anspruch nehmen , die, wie wir im Nordosten Deutschlands, auf dem Boden leben, den damals un- ser Volk sich erwarb. Jene Ereignisse sind unsere Vorgeschichte, hier liegen vie Keime zu Allem, was sih groß und bedeutend aus den Theilen unseres Landes, die wir bewohnen, erhoben hat. Aber es isst nicht leicht, sich das Bild jener Zeit zu vergegenwärtigen, wo in unscren Gegenden der Deutsche mit dem Wenden stritt. Die Quellen jener Zeit fließen ziemli spärlich und liegen so weit zerstreut, daß selbst der Gelehrte nur mit Mühe sie auf- zufinden vermag.

Um so dankbarer müssen wir jede Arbeit aufnehmen, die Strahlen des Lichtes in jene dunkele Zeit wirft, um so größere Anerkennung verdienen die Bestrebungen sowohl der historischen Vereine, die sich neucrdinas auch in unseren Gegenden überall gebildet haben, wie einzelner Forscher für die Aufhellung unserer Vorgeschichte. Aber wieviel auch im Einzelnen {on geleistet war, so fehlte es doch bis jeßt an einem Werke, das die Resultate der einzelnen Forschungen zusammenfaßte, und das, indem es die ganze Entwickelung jencr Zeit verfolgte, cinen klaren Blick gestattete in jene denk- würdigen Ercignisse, Diesem Mangel wollen die Wendischen Geschichten abhelfen, von denen fürzlih zwei Theile erschtenen sind, denen der dritte und leßte Theil bald folgen soll. Die vor uns liegende größere Hälfte des Werkes läßt über Plan und Ausführung desselben schon hinreichend urthci- len, und wir zweifeln nicht, daß es die größte Theilnahme und Anerkennung nicht nur in der gelehrten Welt, sondern aub bci der großen Zahl der Geschichtsfreunde finden wird. H

„Die Wendischen Geschichten“, sagt der Verfasser in der Vorrede, „suchen ihre Stelle in einer bereis fröblih aufblühenden Literatur histori- scher Erforschungen des Deutschen Mittelalters. Sie haben mit dem Kreise,

in den sie eintreten, den Willen gemein, durch sorgsame Erwägung des Besonderen und Einzelnen, obne Scheu vor dem Vortourfe der Mifrologic,

zum Aufbau eines Ganzen zu helfen, der Nation zu cinem klaren Bewußt-

sevn ihrer Vergangenheit förderlich zu scun. Sie werden mehr oder min-

der, wissentlich, ja unwissentlih von allen verwandten Arbeiten getragen,“

Der Verfasser hat unseres Bedenkens den Weg eingescagen, ver bei cinem enn

solchen Unternehmen allein p Zicle führen fann. end Se: Gemeinsamelt der

Wissenschaft, so is in der historischen eine gewisse

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