welches aus pr angesehensten s as e
Thäftigt sich unausgeseßt mit seinen „Znkere}sen e a ges R bels, Uebereinkuuft mit fremden Mächten abgeneigt. Dadurh werden wahrscheinlich alle Projekte, mit denen man sich gegenwärtig beschäftigt, scheitern, wenn man sih überhaupt mit den Projekten, von denen man spricht, wirklich beschäftigt. Das Comité der Judustriellen behauptet, daß nichts das gegenwärtige Zoll- System besser rehtfertige, als die Fortschritte, welche unsere Haupt Fabrikzweige seit 25 Jahren gemacht hätten. Wenn man dies Sy stem antaste oder modifizire, so kompromittire man dadurch, nach ihrer Ansicht, unsere Judustrie und die Mitglieder des Comités exrfláren sih mithin für die Unbeweglichkeit und den status quo. Bei solchen Gegnern wird die Regierung s{werlich zu ihrem Ziele gelangen und die Zustimmung wird mindestens zweifelhaft. s ——— —
Grossbritanien und Irland.
Loudon, 20, Jan. Baron von Talleyrand, der zum Attaché der Französischen Gesandtschaft am hiesigen Hofe ernannt ist, ist vorigen Sonuabend hier in Manchester - House angelangt.
Das Verhör, welches gestern mit Mac Naughten vorgenommen wurde, hat aus diesem anfangs, nachdem die Zeugen seines Atten-= tats und die Wundärzte, welche Herrn Drummond’s Wunde unter sucht, ihre Aussageu abgegeben hatten, guf die an ihn gerichteten Fra gen, ob er dagegen etwas einzuwenden habe, nichts als fortwährende Berneinungen herausgebracht. Nur als ein Zeuge behauptete, dor Gefangene habe sich gegen den Polizeibeamten gewehrt, der ihn vo: dem zweiten Schuß ergriff, wollte er dies nicht zugeben und erklärte er habe gar feinen Widerstand geleistet. ) Po
dustriellen ,
Nuf die u I C 0L lizeibeamten, daß er den Gefangeueu ein paarmal au de
Gebäuden habe sprehen wolle,
herunistreihen jeben und du gefragt, ob er Jomaud
was J betadt dade vdne wm die Per son zu nennen, erwiederte Mac Naughten in dem Berhör, er erinnere sich dessen niht, es könne seyn oder auch nicht, Das Verhör war schou eine Weile geschlossen und dem Gefangenen angekündigt, daß er in vierzehn Tagen wieder vernommen werden solle, als derselbe den Wunsch äußerte, sogleich noch einige Bemer-= fungen machen zu dürfen. Er wurde wieder vorgeführt und erklärte nun in wildem Ton: „Ja, die Tories haben mih aus meiner Vater stadt vertrieben; sie haben mich vou Ort zu Ort gejagt und mein Verderben beschlossen. Mein Gemüth is zerstört, ih kann bei Tag und Nacht nicht Ruhe finden. Sie verfolgten mih nah Fraukreich und zu anderen Nationen, nah allen Läudern, und daun bis in meine Vaterstadt. Jch kann niht zum Schlaf kommen, so gehen die Tories mit mir um, Jh verzehre mih, Soust war ih gesund, nun aber leide ih anu der Schwindsucht, uud Sie werden dies Judividuum nicht wiederschen. Jch bin mehrmals nuie begangener Verbrechen angeklagt und wie ein Delinguent verfolgt wordeuz ja, ja, sie morden mich, Das i} Alles, was ich zu sagen habe, und ich kann es durch Zeugen bekräftigen.“ Nach einer Pause fügte er hinzu: „Jh bin jeßt ein ganz anderer Mensch, als vordem, ehe man mir so zugeseßt hat, wie in der leßten Zeit.“ Dies wurde zu Protokoll gebracht, und der Gefaugene unterzeichnete es ohne ir- gend eine sihtbare Nerven - Aufregung. Ob er nu wirk= lih sinuverwirrt is oder sich nux so stellt, dies zu entscheiden, wird wohl eine längere Beobachtung des Gefangenen erforderlich seyn, der vorläufig in das Gefängmß in Tothill - Street gebracht worden is. Der Wundarzt Bransby Cooper hat bei dem Verhör zwar erklärt, daß die Kugel, von welcher Herr Drummoud durch= schossen worden, den bereits angegebenen Weg genommen und keine edlen Theile verleßt habe, so daß sich also der Verwundete nicht in augenblicklicher Gefahr befiude, aber er konnte do die Besorgniß nicht zurückhalten, daß der zu erwartende Eiterungs=Prozeß sehr ge- fährlih werden könnte.
Die Besserungs-Symptome, welche der Handel kürzlich, in Folge des Friedeus mit China, zeigte, haben sich leider wieder verloren ; man hatte die augenblicklihen Folgen dieses Ereignisses zu hoch an geschlagen und sieht jeßt ein, daß der Einfluß sich nur nach und nah äußern wird. Der Aufschwung des Baumwollen - Markts in Liverpool hat, nah den aus Amerika erhaltenen Zufuhren, auch wie der abgenommen, und die Preise sind um % Pce. zurückgegangen.
Auch die Morning Post enthält abermals einen Artikel über die Durhsuchungs-Verträge, der ihren gestrigen Aeußerungen an Hef- tigfeit niht nachsteht; sie versichert, ein einseitiger Bruch der Ver träge würde eine Beleidigung seyn, die nur mit Blut würde abge waschen werden können; der Krieg sey zwar eine schlimme Geißel; es fehle aber in England uicht an Leuten, die einen Krieg, wenn er nur gerecht, als einen großen Vortheil für das Land betrachten wür= denz Englands Flotten würden im Kanal und im Mittelländischen Meere die Französische Handels - Marine mit einem einzigen Schlage vernichten und die Französische Armee in Algerien dem Hunger und alleu Entbehrungen überliefern; es würde Fraukreih fein anderes Hülfsmittel bleiben, als den Rhein, die Bidassoa, die Alpen und die Pyrenäen zu überschreiten und zu suchen, den ganzen Kontinent zum Kriege gegen England zu bringen; allein was diesen Punkt anbe- lange, sv b f Frankreich erst gehörig nachdenken ; Englands heiße- ster Wunsch sey es, mit Frankreich aufrichtige Freundschaft zu psle- Me es sey dies quch das gemeinschaftlihe Juteresse der beiden
Ni : ' t
Morüita Pos C eAer als der neulich mitgetheilte Artikel der gende Bemerkungen T Me. Verträge von 1831 und 1833 lauten fol- nen Neacon 1 Times über denselben Gegenstand: "Die rung des Könt gen, we he jeßt vorliegen, siud diese: Jst die Regie- rung des Aougs oder die Deputirten-Kammer, die Exekutiv- oder die Legislativ = Gewalt , die wahre Leukerin der di if Bezie gen Fraukreihs? Und zweitens O der iplomatischeu Beziehun- präsentantin des Volkswillens E d i Oere A ren, welhe Traktate gehalten, welche aufgeloleg o s Milenabt, welchs deus , welche aufgehoben werden sollen, eine t, )e dem Rechte beliebiger Kriegs-Exklär R O Staat gleihkommen würde, mit M ean ate eingegangen is, die es ver ; ï Blatt Geme M, ‘die ‘Durd ehen will. « Das genannte erwei ) )\uchungs = Traktate in die Kateaor der gewöhnlichen Auslieferungs =- Traktate, die eben so a b ; Ie venig wie jene an sih vou politischer Bedeutung seyen und sich uur in d Punkte von ihnen unterschieden, daß sie ein Humanitäts- Prinzip dur großartige Mittel schüßen sollten. „Aver“, \o ließt dies Blatt seine Auseinandersebung, „mag ihr Zwet groß oder klein seyn, mag er in Menschlichkeit, Gerechtigkeit oder in einem tiefverborgenen Plane, die Afrikanischen Gewässer zu beherrschen, seine Begründung aben, ein Zweck liegt vor, wichtiger als alle übrigen, und der be- feht darin, unsere Staats-Verträge mit fremden Nationen über den Bereich ephemerer Täuschungen zu stellen, mögen sie nun einhei- wae oder fremde seyn, sie frei zu halten vou den Augriffen der Volksleidenshast und sie als unverleßbbare Dokumente zu \{chüßen, denn sonst würde Treu und Glauben unter den Völkern und die Vereinbarung der Staaten unter einander alle Kraft, Festigkeit und Dauer verlieren.“
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H London, 20. Jan. Der ungewöhnliche und allgemeine Unwille, welcher sich in den Französischen Kammern in Bezug auf die
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Durchsuchungs= Verträge von 1831 und 1833 kundgegeben, hat hier Engl ann _ nig. Jch will Sie nicht | mit Erörterungen dieser Frage belästigen; denn es bedarf wohl keines | Behörden betreffend.
in England Jedermann nicht wenig überrascht.
großen Scharfsinnes, um in Deutschland zu beweisen, daß jenes Ge rei nur eine
und die Verträge von 1831 und 1833 wirklich den Juteressen und der Würde Frankreichs zuwider wären, sie nichtsdestoweniger do un- verwerfliche diplomatische Aktenstücke sind, die man vergebens angreift. Im Wesentlichen is das Durchsuhungs- Recht der Auslieferung von Verbrechern sehr analog. Die National - Flagge eines Kauffahrtei- Schiffes macht dasselbe unverleblich, aber nicht uuverletlicher als das Gebiet eines Landes. Durch gewisse Conventionen und zu einem gewissen Zwecke (dieser Zweek is entweder die Verhaftung cines Ver brechers oder die Verhinderung eines Verbrechens zur See) kann ein Staat seine Schiffe und seine Gränzen den Durchsuchungen von Seiten eines anderen unterwerfen, Es fällt Niemanden im Traume én, ernte, nichts weiter ijt, als eine Vorsicht und ein Zugeständniß zur Beför derung der Gerechtigfeitspflege.
Die Englische Regierung fühlt sih durch die absurden Auslegun-= gen, welche ihr Benehmen in Bezug auf die Verträge uicht nur von den gewissenlosen Organen der Französischen Opposition, sondern auch von weit verantwortlicheren Persouen erfährt, sehr gekränkt. So er- flärte z. B. das Amerikanische Kabinet während Lord Ashburton?s Anwesenheit in Washington, daß es die Broschüre des Genefals Ca}} nit billige Alles aufbieten werde, um die Schwierigkeiten, welche sid erboben bátten, aus dem Wege zu räumen, Dessenungeachtet
dor Prósidenk în seiner leßten Botschaft uicht nur seine voll
è Vistigung in Bezug auf den General Cass aus, sondern er
dert auch noch die Franzosen auf, sih ihren feierlihen Conventio
zu entziehen und bestreitet esì mplicite, daß von Seiten der Ame
rifanischen Regierung Konzessionen irgend einer Art gemacht worden
seyen. Lord Aberdeen hat diesen Gegenstand, und wie ich glaube,
auf angemessene Weise aufgenommen und seine Ansicht vou dieser Sache unverweilt Herrn Taylor mitgetheilt.
In einigen Staaten der Amerikanischen Union giebt sich der Wunsch zu erkenuen, ihren Kredit wiederherzustellen und ihre Zahlun gen wieder aufzunehmen. Jch erwarte diesmal etwas von der Nothwendigkeit. Es i} vorgeschlagen worden, in London eine Association zu bilden, welche die Juteressen der Jnhaber der verschiedenen Amerikanischen Papiere in Europa, deren Ver luste, mit Ausschluß der Bank der Vereinigten Staaten und anderer Privat-Unternehmungen, auf 75 Millionen Dollars geschäßt werden, repräsentiren soll. Was jedoch nöthiger is als eine Association der Kreditoren, das i} irgend eine bestimmte Erklärung, wer und was die Schuldner sind — wonach wir wahrscheinlih vergebens verlangen werden.
Die Berathungen der Parteien werden so geheim gehalten, daß bis jeßt über die Pläne der Regierung oder der Opposition in Be= zug auf die nächste Session uichts verlautet. Jch bin geneigt, zu glauben, daß eine Modifizirung der Zukerzölle die wichtigste Finanz- Maßregel der Session seyn wird; doch hängt dies in gewisser Be- ziehung von den nächsten Berichten des Herrn Ellis aus Brasilien ab. Aus der Stimmung der Französischen Kammern in Bezug auf den Runkelrüben - Zucker ergiebt sih, daß Fraukreich in jenem Lande fein furchtbarer Nebenbuhler Englands seyn wird, wenn es nicht von Brasilien etwas verlangt, das mit der Größe seiner Ansprüche im Verhältnisse steht. ;
Bei der gegenwärtigen Stimmung in Fraukreich kanu man uicht wissen, was der nächste Tag bringen wird, sonst würde ih Jhnen sagen, daß der Handels - Vertrag sehr weit vorgerüdt is und alle Hauptgegenstände des Anstausches zwischen beiden Ländern enthält. Die Franzosen weigern sich in der That, die Zölle auf Linnenu-Twist auf denselben Fuß herabzuseßen, wie sie vor der Ordonnanz vom vorigen Jahre bestanden; aber diese Maßregel hat auf die Produc tion oder die Ausfuhr des Britischen Linnen - Twist durchaus keinen Einfluß gehabt. Es hat dadurch Niemand etwas verloren, als das Französische Zoll- Amt und Niemand gewonnen, als die Schmuggler.
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ted ex lade
Aus dem Haag, 24. Jan. Jn der heutigen Sißung der zweiten Kammer der Generalstaaten entwickelte Herr Luzac die An-= sicht, daß die bekanute Beschwerdeschrift der Amsterdamer Kaufleute gegen den zuleßt mit Belgien abgeschlossenen Vertrag uicht den Ge- neralstaaten, sondern der Regierung hätte eingereicht werden müssen, da die Ersteren nicht den Vertrag selbs, soudern nur den darin an- geordneten Gebietstausch zu prüfen und zu genehmigen hätten. Der
Redner bezeichnete bei dieser Gelegenheit die ganze Vorlegung des |. Wahl
Vertrages als eine unnöthige Formalität, da man der Kammer doch nicht gestatte, etwas Wesentliches daran zu verändern. Dieses lebtere zugebend, stellte jedoch der Finanz-Minister in Abrede, daß die ganze Vorlegung des Vertrages eine Absurdität sey, vielmehr sey dieselbe durch Präzedenzen vollkommen gerechtfertigt.
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Brüssel, 22, Jan. Die Repräsentanten-Kammer hat gestern die Schliesung der allgemeinen Diskussion über das die Cisen- bahn betreffende Kapitel des Budgets ausgesprochen und hierauf den 1sten Artikel, nah Verwerfung des Amendements des Herrn David, welcher eine Verminderung von 50,000 Fr, verlangte, angenommen,
et dln A E — Deutsche Bundesstaaten.
Dresden, 25. Jan. (Leipz. Z) In ihrer Sißung am 24. Januar beschäftigte sich die zweite Kammer zuvörderst mit der Berathung des Berichts ihrer ersten Deputation über das von der ersten Kammer (wie auch in dieser Zeitung mitgetheilt) bereits bera- thene Königl. Dekret, die Einreichung von Petitionen an den Landtag betreffend. Ohne Diskussion wurden die Anträge von der Deputation einstimmig angenommen: 1) die materielle Berathung dieses Dekrets bis zur Berathung der Landtags-Ordnung zu vertagen, und 2) in- mittelst die bisherige Praxis beizubehalten, nah welcher die Kammer die Befugniß ausgeübt hat, Petitionen, wenn sie au uicht von einem Kammer-Mitgliede bevorwortet werden, irgend einer Deputation zur Berathung zu übergeben oder auch als ungeeignet zurückzuweisen.
SHaunover, 25. Jan, (H. Z.) Das Hof- und Staats-Handbuch vom Jahre 1843 enthält die Nachweisung von dem Resultate der am 1. Juli 1842 vorgenommenen ählung der Wohnungen und Ein= wohner, nach welcher im Königreiche Hannover die Zahl der Woh- nungen auf 290,054 und diejenige der Einwohner auf 1,755,992 sich beläuft. Bei Vergleichung mit der vorleßten, am 1, Juli 41839 ein= getretenen Zählung ergiebt sich, daß die Zahl der Wohnungen um 4001 und enge der Einwohner um 33,485 in dem Zeitraume der leßten 3 Jahre sich vermehrt hat.
Täuschung i} und daß, selbst wenn dies nicht der Fall
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politische Folgen an eine Uebereinkunft zu knüpfen, die |
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L Karlsruhe, 18. Jan. Das Staats- und Regierungs- Blatt enthält eine Verordnung, die Errichtung zweier neuen geistlichen den b « Der Haupt-Juhalt is folgender:
„ eopold, von Gottes Gnaden, Großherzog von Baden, Herzog von Zähringen. Wir finden Uns bewogen, über vie Stellung und den Ge s{ästskreis der beiden Kirchen - Ministerial - Sectionen zu verordnen, wie folgt: §. 1. Die beiden Kirhen-Ministerial-Sectionen treten in die Neihe der Central Mittel - Behörden, untergeordnet unter das Ministerium des Znnern, unter der Benennung: Evangelischer Ober-Kirchen-Nath, Katho lischer Ober Kirchen - Rath. Die Kollegialglieder derselben erhalten den Titel ; Ober Kirchen -Räthe und Affessoren. §. 2, Beide Behörden ver bleiben, so weit sie die Nechte des Staats gegenüber der evangelischen und katholischen Kirche zu wahren haben, in dem ganzen Umfange ihrer bishe rigen (Geschäfts Kompetenz. §. 5. Der evangelische Ober - Kirchen - Nath hai, außer den in §, 2 gedachten Obliegenheiten, die innere Regierung Unserer evangelischen Kirche nah Maßgabe der eoangelischen Kirchen Verfassung selbstständig zu verwalten.“ |
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Altoua, 15. Jan. Der König von Dänemark hat unterm 17. Dezember zwei offene Briefe an die Bewohner derjenigen Orte erlassen, welche durch den die Gränze zwischen dem Herzogthum Holstein und dem Fürstenthum Lübeck betreffenden Vertrag zwischen Sr. Majestät und dem Großherzog von Oldenburg, vom 1. Januar 1843 an, den Herrn zu wechseln haben. Den Bewohnern der bisher zu den Aemtern Ahrensboek und Steinfeld in Holstein gehörigen Ortschaften (Ratekau, Gleschendorf, Schürsdorf, Fassensdorf, Gothen dorf, Baßhagen, Scharbeuß, Wulfsdorf und Röbel — theils gauz, theils nur in Betreff einzelner Gehöfte 2c.) wird darin angekündigt: daß sie, vom 1. Januar an, den Großherzog von Oldenburg (und dessen Nachfolger) als ihren alleinigen Landesherrn anzuerkennen ha ben und deshalb aller bisher dem König schuldigen Pflichten 2c. ent bunden seyen; dagegen wird den Einwohnern der bisher zum Für stenthum Lübeck gehörigen Ortschaften (Ratlzjensdorf, Naundorf, Alt galendorf, Techelwitz, Teschendorf, Klein - Wesseck, Rellin, Hamberge, Hausfelde, Groß - und Klein-Barnit, Taukeurade, Travenhorst und Giesselrade) eröffnet, daß von genanntem Tage an der König von Dänemark ihr alleiniger rechtmäßiger Landes- und Oberherr sey.
——G— — Se Velgrad, 10. Jan. (A. Z.) Unsere gegenwärtige Regie
rung, die, dur ihre ungewisse Lage gedrängt, eine seltene Thätigkeit, besonders in ihren auswärtigen Beziehungen entwickelt und von Lon
| don, Paris und selbst aus Petersburg regelmäßige Berichte über die
Stimmung der Kabinette erhält, weiß, daß man in der Russischen Hauptstadt höchst ungünstige Ansichten über sie hegt, daß dagegen das Kabinet von St. James mit vieler Festigkeit zu ihrer Erhaltung aufgetreten is. Frankreich selbs hat in leßter Zeit neuerdings seine
| Meinung dahin ausgesprochen, daß die durch die Serben mit Billi
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gung der Pforte bewirkte Veränderung als eine vollbrachte Thatsache anzusehen sey, an deren Stelle man nicht mehr, ohne unser Land den größten Gefahren preiszugeben, eine in Serbien von Wenigen go wünschte Vergangenheit zurückführen könne.
Fürst Michael befindet sih noch im Banat und unterhält sich mit der Sade
Die Wahl des Groß-Logotheten Georg Bibesco zum Hospodar der Wallachei hat hier Sensation gemacht; man kennt ihn nämlich als einen eifrigen Russenfreund. Am 13ten d., dem Griechischen Neujahrstag, war Aufwartung im fürstlichen Schloß; sämmtliche Minister, die Senatoren, der Großbritanische Konsul, so wie der Fran zösische brachten ihre Wünsche dar, der Russische erschien nicht.
So eben verbreitet sich das Gerücht, daß die Pforte an Kiamil Pascha die Aufforderung habe ergehen lassen, scine über den Fürsten Michael und den Zustand Serbiens nah Konstantinopel erstatteten Berichte zu rechtfertigen; die Bestätigung dieses Gerüchtes muß ab gewartet werden,
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Moldau und Wallachei.
Ueber die bereits gemeldete Wahl des Fürsten der Wallachei berichtet cin in der Wiener Zeitung enthaltenes Schreiben aus Bucharest vom 31, Dezember: „Vorgestern hat der Metropolit Neophit mit Sr. Excellenz dem Commissair der hohen Pforte, Saphet Efendi, und dem Russischen General-Konsul Va)chkoff etne Konferenz gehabt, deren Resultat die Entwerfung eines Programms der Fürstenwahl war. Dieses von dem Metropoliten verfaßte Pro gramm is} in Folge einer an die Kaimakame gerichteten Adresse an demselben Tage dem Drucke übergeben und Lages darguf unter die Deputirten vertheilt worden. Dasselbe besagt unter Anderem:
Sonntag, den 20. Dezember (a. St.), als am Anfangstage der Für stenwahl, sollen die Glocken aller Kirchen der Hauptstadt von 7 Uhr Mor gens geläutet werden, damit dieser wichtige Tag dem Lande verkündet werde. Um 72 Uhr sollen alle Wähler, Mitglieder der Versammlung, sich in die Metrovolie begeben, und um 8 Uhr die heilige Messe gelesen werden, Che Se. Eminenz der Metropolit die Wahl - Deputirten auffordert, den vom 21. Art. des organischen Negulamentes vorgeschriebenen Eid zu leisten, wird erx durch ein kurzes Gebet die Wähler von jedem Schwure, den he früher aus Furcht oder Unbesonnenheit geschworen haben dürften, los|pre hen; die Glocken werden ohne Aufhören geläutet werden, so lange die Lei stung des Eides dauert, und in allen Kirchen , die den ganzen Tag offen stehen bleiben, werden Gebete gelesen. Í i
Bevor die Ballotirung beginnt, wird Se, Eminenz der Metropolit die Namen derjenigen bekanut machen, die sich des Rechtes der Kandidatur begeben haben, und alle diejenigen, die darauf verzichten wollen, auffordern, ihre Willensmeinung auszusprechen, welche dann zu Papier gebracht und vou Sr, Eminenz dem Metropoliten und den S ecrcetairen nebst deren Supplenten unterschrieben wird; hierauf wird die Liste der übrig bleibenden Kandidaten verlesen. « i
Die Anzahl der Kandidaten, die der Stimmenwahl sich unterziehen, wird ín mehrere Serien getheilt, deren jede fünf Namen umfaßt, beginnend bei dem, der den höchsten Rang hat. Die leßte Serie kann auch vier Namen begreifen, wenn nur vier Kandidaten übrig bleiben z falls aber weniger als vier übrig bleiben, soll jede der zwei, oder dre! legten Serien je sechs Namen umfassen. - Auf diese Art kann feine Serie mehr als sechs Kandidaten, auch nicht weniger als vier in si fajens S
Jm Saale werden sechs Tische aufgestellt sevn, vvan jeder eine andere Nummer trägt; auf jeden dieser Tische kommt eine weiße Vase zur Auf- nahme derjenigen Kugel der Wahl - Deputirten, welche ihre Meinung be- zeichnet, zu stehen z die E Kugel aber wird in die andere Vase gelegt, die sich tiefer neben demselben Tische befindet, : : ;
Keinem Wähler, ausgenommen 1m Falle einer dringenden Nothwendig- feit, ist es gestattet, cher von seinem Plabe sich wegzubegeben, als bis er in der Neihe von dem Präsidenten der Versammlung gerufen wird, welcher jedem Wähler zwei Kugeln reicht, nämlich eine weiße und eine schwarze. Der Präsident oder einer der Secretaire oder Supplenten, der von Sr. Em1- nenz beauftragt wird, is verpflichtet, jedem einzelnen Wähler den Namen des Kandidaten zu neunen, dem er seine Stimme zu geben aufgerufen ward, ihm die Heiligkeit des geleisteten Eides in Erinnerung zu bringen und ihm darzuthun, er müsse die weiße Kugel in die auf dem Tische befindliche Vase legen, wenn der Kandidat, welchem er seine Stimme geben sollte, derjenige sev, den seine innere Ueberzeugung für den würdigsten halte, zum Fürsten gewählt zu werden z im entgegengeseßten Falle habe er die s{warze Kugel in die auf dem Tische befindliche Vase zu thun, und die weise in die untere Vase zu werfen,
Nachdem der Wähler auf diese Art seine Stimme einem Kandidaten gegeben hat, wird er zum Präsidenten zurüfehren, um andere 2 Kugeln zu nehmen, und seine Stimme dem zweiten Kandidaten zu geben ; solcher gestalt wird verfahren bis zur vollen Zahl der in diese Serie gehörenden Kandidaten, ¿H \
Kenn alle Wähler der Reihe nah ihre Stimme allen Kandidaten der ersten Serie gegeben haben, werden die Vasen, in (Hemäßheit der Berfü- gungen des 38sten Art, des organischen Regulamentes geöffnet, indem man bei demjenigen Kandidaten beginnt, der nicht nur den höchsten, sondern auch den ältesten Nang hat.“
Vom 1. Januar. Durch die ganze Hauptstadt tönt das Geläute der Glocken. Mit gespaunter Erwartung verweilt man in den verschiedenen Salons bis tief in die Nacht. Endlich um 17 Uhr nach Mitternacht wird die Nachricht: „Georg Bibeôco is mit 131 Stimmen gegen 49 (es hatten sich nur 180 Wahl Deputirte cin gefunden) zum Fürsten erwählt worden“ aus den Fenstern den unter den Ringmauern stehenden Neugierigen zugerufen Und durchläust mit Niesenschritten die ganze Stadt. Am Morgen bringt „man in Er fahrung, daß die Versammlung erst gegen ünf Uhr die Metropolie verlasseu, nachdem sie den Neuerwählten mit tobendem Hurrah und oft wiederholtem Lebehoh im Sibungssaale als ihren künstigen Fürsten begrüßt haben.
Fa}y, 7. Jan. (A. Z) Däs etwas stürmische Benehmen des hiesigen Russischen Konsuls, der wegen Rehabilitirung des eme ritirten Erzbischofs Benjamin einige auffallende Scenen im eigenen Palast des Hospodars hervorgerufen hatte, {eint von dem Russischen General-Konsul in Bucharest, Herrn Daschkow, mißbilligt worden zu seyn. Wenigstens verhält sich Herr vou Koßebue ruhig seit seiner Rückkehr aus der Wallachei, wohin er sich begeben hatte, um si fer nere Jnstructionen in der Frage der Wiederbeseßung des Moldaui chen Metropolitansißes zu holen,
Jul atnd.
Verlin, 24. Jan. (Gerichtswesen.) Es is hin und wieder geäußert worden, wie darauf Bedacht zu nehmen seyn möchte, den Justiz - Behörden neben prompter und gründlicher Bearbeitung ihrer zahlreichen und wichtigen Geschäfte, die wissenschaftliche Fort bildung und tiefere Nechtsforschung möglichst zu erleichtern. Zu die- sem Zwecke hat man es für wünschenswerth erklärt, daß die Gerichte vou denjenigen Geschäften befreit werden, welche ihrem eigentlichen Berufe fremd sind, namentlich von der des Stempel=, Sportel- und Depositalwesens. Die Haupt - Schwierigkeit der Sache, welche auch die Aufmerksamkeit der Behörden seit längerer Zeit schon in Anspruch genommen hat, liegt indessen darin, daß die Abgabe der S portel und Stempel - Verwaltung für die Justiz nur daun ersprießlich seyn wird, wenn gleichzeitig die richterliche Einwirkung bei dem Anjaße der Kosten und Festseßung der Soll-Einnahme, so wie bei der Aus gabe, gänzlich wegfällt, die Unterordnung der Gerichte unter die 31 nanz Behörde ganz vermieden und das Juteresse der Parteien gehörig sicher gestellt werden kann. Wenn übrigens die in Rede stehende Einrichtung durch eine Erleichterung in der Berechnung der Sporteln gefördert werden kann, so ist sie hinlänglich durch den bereits ange fertigten Entwurf einer neuen Sportel Taxe und dadurch vorbereitet, daß bereits Erörterungen darüber veranlaßt sind, ob es uicht thun lich sey, in allen Prozeßsachen, statt der Gebühren für einzelne Ge \chäfte, uur Pauschquanta zu erheben.
Dasjenige, was als die Hauptschwierigkeit bei der Abgabe der Sportel- und Stempel - Verwaltung eben bezeichnet wurde, E t ähulicher Art bei der Deposital-Verwaltung ein, bei welcher eine Ein wirkung des Gerichts auf die Verwaltung und demnach ein vielfacher Borkehx mit den Finanz - Behörden noch schwerer zu vermeiden seyn mochte.
Die Erwartung dürfte aber s{hwerlich gerechtfertigt scyn, daß die Entbindung von der Stempel=-, Sportel- und Deposital= Verwaltung eine erh eblihe Ersparung der Arbeitskräfte herbeiführen werde. Die desfallsigen Geschäfte nehmen, selbst bei den größten Ober=Lan desgerichten, faum die Kräfte Eines Mitgliedes in Anspruch, Das Meiste geschieht durch die Subalternen. e
Von wesentlichem Cinflusse auf die Justiz Verwaltung kann es nur seyn, wenn die Obergerichte möglichst auf ihre Bestimmung, Necht zu sprechen, zurückgeführt und daher von einem großen Theile ihrer sogenannten Memorialien-Vorträge befreit würden,
Dies wird uur geschehen können durch die Bildung besonderer Behörden für die Vormundschasts- und Verlassenschasts\sachen, für die Hypotheken - Buchführung und durch die Einführung des öffentlichen Ministeriums,
Halberstadt, 26. Jan. Gestern Abend um 9 Uhr trafen Se. Majestät der König und Se. Königl. Hoheit der Kronprinz von Hannover, so wie Se. Durchlaucht der Fürst Bernhard zu Solms Braunfels, von Altenburg kommend, hier ein, übernachteten im Ho tel „zum Prinz Eugen“ und sebten heute früh gegen 10 Uhr die Reise nach Hannover fort.
Fraukfurt a. d. O., 26. Jan. Die beiden Berli ner Zeitungen von heute enthalten eine Privat - Mittheilung vom 21sten d. M. aus Freienwalde a. d. O., nach welcher ein hon vor drei Jahren entworfenes Projekt zur Entwässerung des uiederen Oderbruchs seit jener Zeit sich noch bei der hiesigen Regierung be fiuden soll, wodurch also der Vorwurf ausgesprochen wird: es habe diese Behörde um \o lange Zeit das „Glück von Tausenden von Fa milien“ verzögert, welche „jeßt in Kummer und Elend ihr trauriges Leben fristen.“
Die Uebertreibung des Ausdrucks, sowohl bei dem zu erwarten den Glück, als in Rücksicht des gegenwärtigen Kummers und Elends, mag der Freude nachgesehen werden, welche bei der Anwesenheit Sr. Majestät des Königs empfunden is, sollte aber der Erkenntniß der Wahrheit, welche den Bekümmerten nicht fremd bleiben konnte, auch nicht bis zu jenem Vorwurfe entgegentreten.
Das sehr verwickelte und weitläuftige Projekt jener Entwässerung des unteren Oderbruhs war allerdings vor drei Jahren bereits als ein vielleicht mögliches aufgefaßt, aber noch so wenig in den Grund-= lagen erwogen und durch zuverlässige Beobachtungen und Berehnun= gon erwiesen, daß diese durch große und mühsame technische Arbeiten erst nahgeholt werden mußten. Sie sind unausgescßt im Gange ge- wesen, und mehrmals mußten immer wieder entdedte Jrrthümer zur Lösung des Problems berichtigt werden, was, wie jedem Sachverstän digen einleuchten wird, in kurzer Zeit nicht geschehen kann.
Jett befindet sich das Projekt nicht mehr bei der hiesigen Re- gierungz jene s{wierigen und weitläuftigen Arbeiten sind bereits im vorigen Jahre vollendet und liegen zur höheren Prüfung mit dem Resultat vor, daß das dreijährige Projekt nur einen geringeren Nutzen gewähren fann, als erwartet wordenz zuglei aber ‘einen viel höheren Kosten - Aufwand erfordern wird, als man früher berechnet hatte. Sollte auch „ein Allerhöchstes Wort der Gnade Sr. Königl, Majestät‘ diese Kosten, von beiläufig einer Million Thaler, bewilligen, so wird es demnächst noch darguf aufkommen, ob die betheiligten
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m 117 Bruchbewohner die s{hwierige Unterhaltung der großartigen und kost- baren Werke zu übernehmen geneigt oder im Staude seyn werden.
Die zweckmäßigste Richtung der Eisenbahn - Verbindung zwischen Berlin und Königsberg und deren Verzweigungen nach Danzig und Posen. (Hierzu ein Ucbersichtsblatt von den verschiedenen Richtungen.)
Nach der den ständischen Aus\chüssen im Allerhöchsten Auftrage vorgelegten Denkschrift soll: eine Eiseubahu-Verbindung, m1k Benußung einer der von Berlin zur Oder führenden Ei senbahnen, nach Königsberg geführt, unter Umständen auch bis zur Russishen Gränze fortgeseßt und Vanzig so wie Posen mit dieser Bahn durch Zweigbahnen ver bunden werden. :
Für diese Hauptverbindung sowohl, wie für deren Berzweigungen mit Posen und Danzig, sind mehrere Richtungen, theils in den Num= mern 299, 307 und 315. der Staats=Zeitung, theils in_ den Nummern 83. 87 und 93. der Börsen-Nachrichten der Ost see, besprochen worden, von denen die in den leßteren und in Nr. 307. der Staats-Zeitung enthaltenen Artikel die von Stettin aus gehenden Richtungen, dagegen die in Nr. 299 und 315. der Staats Zeitung enthaltenen die Eisenbahn von Frankfurt a. d. O. nach Preußen und deren Verzweigungen vertreten. Mit keinem unserer Herren Vorgänger in dieser Beziehung ganz einverstanden, nehmen wir diesen Gegenstand ebenfalls auf, um einestheils zu versuchen, die von beiden Seiten geltend gemachten Ansichten zu vermitteln, andererseits noch Einiges beizubringen, was bei dem gegenwärtigen Staude dieser zur Zeit uoch nicht gründlich erörterten Frage der Berücksichtigung mcht unwerth erscheint. E
Es soll hierdurch keinesweges ausgedrückt werden, dasz die nach- stehenden Zeilen darauf Anspruch machen, selbst für eine nur entfernt erschöpfende Erörterung gelten zu wollen. Eine solche fann erst nach Untersuchungen eintreten, wie wir sie bisher aus den veröffentlichten Akten Belgiens und Englands keunen gelernt, wie sie in neuerer Zeit selbst in unserem Vaterlande stattgehabt haben und unbezweifelt auch für die hier besprochenen Hauptrichtungen stattfinden werden, Wir sind überhaupt von der Ueberzeugung durchdrungen, daß es erst nach solchen sorgfältigen Untersuchungen möglich sey, ein völlig begründe tes Urtheil über die beste Linie zu fällen, daß dies zur Zeit hinsicht lich der Eisenbahnen aber noch \chwerer sey, als es im ersten Augen-= blick erscheinen mag, indem der ganze Eisenbahn-Betrieb noch jo neu is, daß über die Neignngs=, Betriebs - und Verkehrs Verhältnisse derselben sich noch keme so begründeten Ansichten in der Meinung eines im übrigen einsichtigen Publikums festgestellt haben, wie dies 1n vielen anderen Dingen geschehen i, wo man, ohne genv=- thigt zu seyn, jedesmal zu den Details hinabzusteigen, aus den allgemein herrschenden Ansichten {hon das Rechte herausfühlen fann, Eben dieserhalb glauben wir aber, daß es nüßlich sey, den Gegenstand von mehreren Seiten, wenn auch noch nicht zu ergriin den, so doch zu beleuchten, und daß ein jeder Beitrag hierzu, aljo auch der nachstehende, dem betheiligten Publikum erwünscht seyn werdez eine Ansicht, welche mit der unserer Herren Borgänger in Der Disfussion über diesen Gegenstand übereinstimmt, denen es ebenfalls nur darum zu thun is, der Wahrheit durch eine mehrscitige Be sprechung näher zu treten. i O
Indem die Eingangs gedachte Denkschrift ausspricht: „daß die politische, militairishe und kommerzielle Wichtigkeit der von ihr angegebenen, also auch der in Rede stehenden, Verbindungen feinem Zweifel unterliege“, bezeichnet sie die allgemeinen Prinzipien, welche für die Richtung der vom Staate zu unterstüßzenden Eisenbahnen bestimmend seyn sollen, so klar und ein fa, daß in dieser Beziehung nichts hinzuzufügen bleibt. Schon durch den Beschluß, die in der Deukschrift angegebenen Bahnen ins Leben zu rufen, und die Nücksiht, welche dabei im Großen auf die jenigen Richtungen genommen worden, die vorzugsweise geeignet er scheinen, „die politishe Verschmelzung der verschiedenen Provinzen der Monarchie‘ zu befördern, sind die Bedingungen gegeben, welche in politischer Beziehung auf die Richtung der Eisenbahnen rets der
Oder influiren könnten. Alle {hon früher in der Staats- Zei
Verkehrs wird daher die gewerbliche Entwickelung des Landes nicht erheblich begünstigt werden fönnen, So vortheilhaft eine Eisenbahn auch auf die städtischen Gewerbe einwirken mag, das Hauptgewerbe rechts der Oder is der Landbau; die Belebung desselben dur die Erleichterung des Abflusses seiner Erzeugnisse wird also am meisten die gewerbliche Entwickelung unterstüßen, indem au der Handel sich dort vorzugsweise mit jenen Erzeuguissen beschäftigt. Bei Anlage der Eisenbahnen auf dem rechten Oder -Ufer wird daher besonders der Güter-Verkehr ins Auge gefaßt werden müssen, wie denn überhaupt dieser Verkehr derjenige ist, welcher vorzugsweise die Staats-Unter= stüßung in Anspruch nehmen dürfte, indem hierfür fast alle vorhan=- denen Privatbahnen verhältnißmäßig noch wenig leisten, für den Staat sih aus der Erleichterung des Güter-Verkehrs aber am ein- fachsten und sichersten die Erhöhung des National-Reichthums nach- weisen läßt, was natürlich in desto höherem Maße stattfinden wird, je mehr Produkte eine von einer Eisenbahu durchschnittene Gegend erzeugt, oder je mehr Güter sie zur Consumtion bedarf. Der Boden in den Provinzen rechts der Oder i} aber weder gleich fruhtbar, noch gegenwärtig in gleih hohem Kulturzustande. Ju höherem Maße wie in den übrigen Gegenden zwischen Oder und Weichsel findet Beides längs der Oder, der Warte, der Neve und der Weichsel statt.
Eine von Stettin über Koniß führende Bahn würde unter an- deren die Kreise Neu-Stettin, Dramburg, Schlochau und Koniß durch- \{hneiden, woselbst resp. nur 1240, 1288, 937 und 886 Menschen auf der Quadratmeile wohnen, der Gesammt-Durchschuitt der Bevölkerung in den von dieser Richtung berührten Gegenden zwischen Oder und Weichsel wird daher auh nur 1290 Einwohner auf die Quadratmeile betragen. Eine von Stettin über Schneidemühl führende Bahn würde durch ein Land geführt werden, wo zwischen diesen Flüssen im mittleren Durchschuitt 1573 Menschen auf der Quadratmeile wohnen. Eine von Küstrin über Schueidemühl in die vorstehende Bahn übergehende würde dagegen Kreise durchshneiden, in denen im Durchschnitt 2102 Menschen auf der Quadratmeile leben. Vergleicht man speziell aber in diesen beiden lebteren Nichtungen den jeder eigenthümlichen Theil zwischen Stettin und Schneidemühl und zwischen Küstrin und Schneidemühl, so findet sich, daß der mittlere Durchschnitt der Einwohnerzahl in der ersteren 1380 und in der leßteren 2356 Menschen auf die Quadrat- meile beträgt, also der Unterschied zwischen diesen beiden Linien sich noch bedeutender herausstellt, als wenn man sie in ihrer ganzen Länge betrachtet. Die dichtere Bevölkerung kann aber in diesen Gegenden, die unter denselben Geseben und Verhältnissen stehen, und die über= haupt noch lange uicht die Bevölkerung erreicht haben, welche fie zu ernähren vermögen, einen sicheren Maßstab sür ihre Fruchtbar= keit und ihren Kulturstand abgeben. Durch die verbesserte Commu= nication wird daher in der Richtung längs der Warte und der Neße wahrscheinlich der Austausch fast doppelt so vieler Produkte befördert werden, als in der von Stettin direkt nach der Weichsel führenden. Es wird dadurch also auch die Gewerbthätigkeit fast doppelt so vieler Menschen erhöht werden, während das von dem Staate zu bringende Opfer uach Maßgabe des höheren Kulturzustandes der von einer Bahn durchlaufenen Gegend sih vermindern muß, indem sie eine größere Frequenz nicht nur an Güter-Verkehr, sondern auch durch die hier zahlreichere städtische Bevölkerung an Personen-Verkehr aufneh- men würde. Man kann sih nämlich niht oft genug ins Gedächtniß zurückrufen, daß aus den Erfahrungen über den Eisenbahn-Betrieb in allen Ländern, besonders in Belgien, wo dieselben aus den sehr speziellen Regierungs-Berichten am zuverlässigsten zu übersehen sind, ih herausstellt : daß, sowohl hinsichtlich des Personen- als des Güter- Verkehrs, der innerhalb eiuer langen Bahn aufkommende oder endende bei weitem den die ganze Bahn durchlaufenden Verkehr überwiege. Aus dieser Erscheinung folgt umgekehrt, daß große Eisenbahnen überhaupt in höherem Grade den inmeren Verkehr als den durh-= gehenden befördern. Da die Belebung dieses inneren Verkehrs aber vorzüglich zur Erhöhung des National-Reichthums beiträgt, da dieser ferner auch die politische Verschmelzung im Jnneren am sichersten bewirken muß, so folgt daraus, daß bei Anlage von Eisenbahnen, die Staatszwecken zu dienen bestimmt sind, vorzugsweise darauf Be-= dacht zu nehmen sey, solche Richtungen zu wählen, in denen si die zahlreichsten Elemente für die Belebung des inneren Verkehrs finden, was zwischen Oder und Weichsel, wie wir gezeigt haben, in der Richtung von Küstrin über Landsberg und Schneidemühl auf Brom- berg geschehen würde.
Daß in diesen Gegenden bereits Straßen und Kanäle bestehen, während die weniger entwickelten Landstribe zwischen Stettin und
| Konib, oder zwischen Stettin und Schneidemühl, solcher Verbindungen
tung besprochenen eventuellen Richtungen dieser Bahnen, gehöre |
der großen Linie von Ost nach West an, welche die entferntesten, der Annäherung am meisten bedürftigen Punkte der Monarchie mit ein ander verbinden soll; derjenigen Linie, auf welcher ohne eine Eisen bahn die Konzentrirung der Kräfte am \{hwierigsten zu bewirken seyn wiirde, und die daher politisch und militairisch die wichtigste für den Preußischen Staat ist. Politische Rücksichten werden also für die spezielle Richtung der Hauptbahn füglich niht mehr geltend ge- macht werden können. Nur in Hinsicht auf die Verzweigun gen, insofern über deren Richtung verschiedene Ansichten stattfin- den, würde für unsere Untersuchung in politischer Beziehung der Grundsaß festzuhalten seyn: daß die Bahnen rechts der Oder die möglichst bequemste und kürzeste Verbindung zwischen den Hauptorten der östlihen Provinzen und vorzugsweise mit der Hauptstadt aufzusuchen haben, \o weit solche Verbindungen überhaupt die kürzesten Linien wählen dürfen, ohue ihrem Hauptzwedck, guf die gewerbliche Entwickelung des Landes in so weitem Um fange als möglich zu wirken, zu widerstreben. :
Untersuchen wir daher zunächst, in welchen speziellen Eisenbahn Richtungen „die gewerblihe Entwickelung des Landes“ auf die umfassendste Weise gefördert werden kann, und inwiefern die militairischen Juteressen hiermit zusammenfallen oder etwa eine Mo dification jener Richtungen bestimmen, Eine solche Modification kann ferner durch tehnische Rücksichten bedingt werden, und auch diese müssen, so weit sie sich zur Zeit übersehen lassen, ihre Stelle finden,
Was zunächst die gewerbliche Entwickelung des Landes durch Belebung des Verkehrs betrifft, so durchziehen zwischen der Oder und Weichsel sämmtliche der hier zu besprehenden Richtungen Landstriche, in denen zur Zeit die städtische Bevölkerung noch so wenig zahlreich *) ist, daß der Personen-Verkehr, welcher nah der Erfahrung vorzugs weise von dieser Bevölkerung ausgeht, dadurch in keinem entscheidend überwiegenden Verhältnisse befördert werden kann, wenn dies gleich in einer oder der anderen dieser Richtungen, und natürlich in derje- nigen, wo diese städtishe Bevölkerung die zahlreichere is, in einem höheren Maße stattfinden möchte, Durch Belebung des Personen
*) Dieselbe würde zwischen der Oder und Weichsel, auf einer von Stettin über Koniy zur Weichsel führenden, circa 42 Meilen langen Bahn 32,700 Einwohner, auf einer von Stettin über Schneidemühl zur Weichsel führenden, circa 36 Meilen langen Bahn 31,250 Einwohner, auf einer von Küstrin über Schneidemühl in die vorige übergehenden, circa 37 Mei- len langen Bahn 45,000 Einwohner betragen,
theilweise noch entbehren, fann aber fein Motiv dafür seyn, die Eisen= bahn durch letztere zu führen und von den ersteren entfernt zu hal= ten. Die naturgemäße gewerbliche Entwickelung eines Landes geht wie jede andere stufenweise und erfordert in jedem Stadium andere Beförderungsmittel und namentli andere Verbindungen, wie dies der Kulturgang in allen Zeitaltern nachweist, wo dem Saumpfade der Fahrweg, diesem die gebaute Straße, sey es ein Römerweg, eine Chaussee oder ein Pavé, und Lebteren die Eisenbahn folgt.
Daß in jenen dünn bevölkerten Strichen längs der Gränze von Hinterpommern und Westpreußen bisher noch wenig Straßen bestan- den, is feinesweges zufällig; es is vielmehr eine natürliche Folge ihrer geringen Fruchtbarkeit. Denn obgleich die große Verkehrsstraße zwischen Ost und West diese Landstriche in den Kreisen Schlochau und Konihz seit 16 Jahren durchschneidet und dort also eine vortreffliche Verbindung mit der Oder und Weichsel besteht, so hat doch eben die Unfruchtbarleit des Bodens es verhindert, daß sich die Bevölkerung in den gedachten Kreisen“ resp. über 856 und 937 Seelen auf die Quadratmeile erhob. Wenn aber durch eine gute Steinstraße, welche für das gegenwärtige Stadium der Entwickelung jener Landstriche ge wiß das geeignetste Communicationsmittel ist, noch nicht mehr erreicht werden fonute, so lag dies unfehlbar in deren Unproduktivität, und eine Eisenbahn wird hier eben so wenig zu helfen vermögen. Zur Belebung des Verkehrs in deu bisher noch von keiner gebauten Straße durchschnittenen Kreisen Neu - Stettin und Dramburg wird aber die bereits begonnene Chaussee vou Stargard nah Ruschendorf mehr beitragen, als eine Eisenbahn, und für die nächsten Jahrzehende noch das wirksamste Mittel hierfür seyn, indem auf derselben der Land- mann mit seinem eigenen Angespann, und ohne Dazwischenkunft eines Unterhändlers, dessen er bein Eisenbahn-Transport niht entbehren fann, seine Produkte auf den Markt nah Stargard oder Stettin zu schaffen vermag.
Daß die Wasser=Verbindung zwischen Weichsel und Oder dieselbe Richtung hält, wie die uah unserer Meinung günstigste Eisenbahn zwischen diefen Flüssen, wird bei der Beschaffenheit der ersteren als ein großer Vortheil zu erachten seyn, denn es erhält die Hauptstraße für den Produkten-Austausch zwischen der Weichsel und Oder in der dieselbe nöthigenfalls ergänzenden Eisenbahn die ihr so lange ge- wünschte größere Zuverlässigkeit. Die Länge des Winters in un- sereu Gegenden, die Nothwendigkeit der Herstellung der Kanalschleusen beschränken schon gegenwärtig die zur Schifffahrt zu benußende Zeit in so hohem Grade, daß nicht selten Getraide, Holz, Metalle, Torf 2c., die aus den Nete- Gegenden oder von der Weichsel herkommen und nah dem Westen vertrieben werden, oder Kolouial- und Ma- nufakturwaaren, Kalk= und Hausteine 2c, wolhe. den gengeseßten Weg einschlagen, überwintern muß und