1843 / 38 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

in diesem Augenblick die Frage irgendwo anders aïs, in dieser Kam- mer, in Konstantinopel, in Beirut, in den Gebirgen des Libanon aufge- stellt würde, die Antwort nicht zweifelhaft seyn könnte. Erlauben Sie mir, Zhnen zu sagen, daß die christlichen Bevölkerungen des Libanon, die aller- dings nit glauben, Alles erlangt zu haben, doch mit erhoß#nen Händen

auf Frankreich blicken, um den ferneren Schuß desselben z#*rflehen ; aber

sie glauben auch jegt schon wichtige Nesultate erlangt zu haben, sie glau-

ben, gegen die muselmännischen Ansprüche und Quälereien gut vertheidigt worden zu seyn; sie glauben endlich, dasjenige erlangt zu haben, was mit vervollständigt werden wird,

Hülfe Gottes und Frankreihs ergänzt und (Lebbafter Beifall im Centrum.) Herr Zules von Lastevrie: Jh muß ein Gefühl aussprechen, wel:-

ches, wie ich glaube, von viclen Mitgliedern dieser Kammer gethcilt wird,

Es if uns peinlih gewesen, so eben zu hören, wie der Minister der aus-

wärtigen Angelegenheiten sih gegen den Vorwurf vertheidigt hat, keine ernstliche Politik zu befolgen. (Murren im Centrum.) Das, was ih sage,

ist so wahr, daß ih nicht wagen würde, auf dieser Nednerbühne die Be- zeichnung zu wiederholen, deren der Minister sich erwehrt hat.

glückliche Resultate erlangt hat, Kommission und für das Amendement stimmen. Herr Dufaure:

Die Dokumente, Einmischung Frankreichs eine thätige warz ich nüßliche gewesen ist. } in liegt, so werde ih dasselbe unterstüßen,

wieder an die Spiße der Syrischen Angelegenheiten gestellt zu schen. Die

ser Wunsch is nicht, wie ih zu meinem Bedauern den Herrn (Guizot habe sagen Jene Familie hat tiefe Wurzeln im

hören, der Wunsch ciner Koterie. Lande geschlagen. Die Kammer kann deshalb nicht sagen, daß die jeßt bestehende Verwaltung den Wünschen der Syrischen Bevölkerungen gemäß sey. (Lebhafter Beifall zur Linken.) Zch stimme daher für das Amende ment des Herrn Berrver, weil es jene Behauptung zurückweist und dennoch dem Cifer der Französischen Negierung Gerechtigkeit widerfahren läßt.

Nach einigen Worten des Herrn Dumont schritt die Kammer zur Abstimmung über das Amendement des Herrn Berryer. Zwei Abstimmun gen durch Aufstehen und Niedersizen blieben zweifelhaft, Das geheime Skrutinium ergab folgendes Nesultat: :

Zahl der Stimmenden 409, Absolute Majorität 205. Für das Amendement 206 Stimmen, (Gegen dasselbe 203 1

Das Amendement is angenommen. Dieses Resultat ward von der lin- fen Seite mit lebhaftem Beifall aufgenommen, alle Deputirte verließen ihre Plätze und die Sizung blieb eine halbe Stunde lang unterbrochen,

Demnächst kam der 6te Paragraph des Adreß-Entwurxfes, der über das urchsuchungs-Recht handelt, zur Erörterung. n Herr Dumont nahm als Berichterstatter der Kommission zuerst das Wort und sagte: „Bei der allgemeinen Erörterung haben mehrere Nedner gewünscht, daß sich die Kommission über den Sinn des Paragraphen aus- spreche. Dies will ih jeßt thun, Seit 25 Jahren arbeiten die Europäischen Mächte an der Unterdrückung des Sklavenhandels. Frankreich hat sich die fem Werke der Menschlichkeit zugesellt, Die Kommission hat von Neuem im Namen Frankreichs erklären wollen, daß es zur Abschaffung des Skla venhandels mitwirke, Ju der leßteren Zeit is von einem neuen Traktat die Rede gewesen, der dem Durchsuchungs - Rechte eine Ausdehnung gab, die die Kammer durch ein Votum gemißbilligt hat. Die Kommission glaubte, daß der Ausdruck dieses Wunsches der Kammer si in dem ersten Theile des Paragraphen befinden müsse, Was die Verträge von 41831 und 1833 betrifft, deren Ausführung die öffentliche Mei uung so lebhaft bewegt hat, so glaubte die Kommission vor allen Dingen erklären zu müssen, daß jene Verträge eristiren, und daß es die Pflicht Frankreichs ist, dieselben getreulich auszuführen. Müssen jene Verträge eine beständige Dauer haben? Dies sagt die Kommission nicht ; sie schlägt der Kammer nur vor, zu sagen, daß dieselben getreulih ausgeführt werden müssen, so lange nicht von ihnen abgewichen wird. Es haben bei der Aus führung der Verträge ernste Mißbräuche stattgefunden. Diese Mißbräuchi fonnten dem Französischen Handel schaden und das gute Einverständniß zwischen England und Frankreich gefährden. Diese Besorgniß hat die Kommission veranlaßt, den Wunsch auszudrücken, daß unser Handel wieder unter die ausschließlihe Aufsicht unserer Flagge gestellt werde, Wir über lassen der Regierung die Sorge, dies zu erlangen, indem wir ihr ihre volle Freiheit vorbehalten. Dies i der Sinn des Paragraphen, den wix der Kammer vorschlagen.

Nachdem sih noch Herr von Valmy gegen den Paragraphen der

Kommission, und der Marquis Delangle für denselben ausgesprochen hatte, ward die weitere Debatte auf morgen verschoben. : j

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Sitzung vom 1. Februar, Heute nahm nach ciner kurzen Nede des Herrn vou Haussonville der Minister der auswärti gen Angelegenheiten das Wort. Die Rede des Herrn Guizot llegt uns uur in einem sehr unvollständigen Auszuge vor, und wir behal- ten uns deshalb, bei der Wichtigkeit dieses Dokumeutes, die Mittheilung derselben bis nah Eingang der Zeitungen vor, i

Paris , 1, Febr. Gestern Abend, nach der Sibuug der De- putirten-Kammer, versammelten sich sämmtliche Minister bei dem Con- seils- Präsidenten. Mehrere Mitglieder des Kabinets sollen geneigt gewejen jeyn, nah dem gestrigen Votum ihre Portefeuilles nieder zulegen; man is aber übereingekommen, jedenfalls das Votum über die Durchsuchungs - Frage abzuwarten. Das Ministerium soll ent- {lossen seyn, dem Paragraphen der Kommission beizutreten und nur die Annahme eines \{chärferen Amendements als eine entscheidende s zu betrachten.

Bestern Abend sah man in den Straßen St, Honor6, Richelie St. Denis und auf e Boulevards A S ade aa Zeichen der Freude über das Votum der Deputirten-Kammer.

Börse vom 1, Februar. Die Rente war heute in Folge der leßten Abstimmung in der Deputirten - Kammer anfänglich sehr gus= geboten. Da aber die Liquidation Bedürfnisse erzeugte und deshalb uier auftraten, so gingen die Course zu Ende der Börse wieder esser,

© Paris, 1. Febr. Um die Wichtigkeit des gestrigen Votums der Deputirten-Kammer zu ermessen, müssen die Um- stände, unter welchen dasselbe abgegeben wurde, näher beleuchtet werden. Das Kabinet hatte versucht, nah der vorgestrigen Rede des Herrn Janvier sogleih zur Abstimmung über das Amendement des Herrn David schreiten zu lassen. Die Minister hofften, daß unter dem Eindrucke der talentvollen Vertheidigung der Politik des Herrn Guizot durch Herrn Janvier die Kammer jenes Amendement ganz gewiß verwerfen werde. Allein der Plan des Kabinets wurde durch die Linke vereitelt, welche, als die ministeriellen Bänke „aux voix” zu rufen anfingen, von ihren Sißen si erhob und der vor= erlickten Stunde wegen den Sibßungs-Saal verließ, so daß der Präsident fd genöthigt sah, die vom Kabinet gewünschte Abstimmung des Amendements auf den folgenden Tag zu verschieben, Herr Guizot begriff soglei, daß die Opposition aus dem Amendement des Herrn David sih eine Waffe gegen das Kabinet machen wolle. Um dies zu verhindern, ermächtigte er die Adreß - Kommission, in den Entwurf der „Adresse eine Phrase aufzunehmen, die dem Geiste nah die Ab- cht des Amendements David’s ausdrücke, jedoch der Form nach für das Kabinet nichts Verbindendes enthielt. Von Seiten des Ministe- riums war die umge Aufnahme einer solchen Phrase unstreitig eine bedeutende Konzession. Herr David erkannte die Wichtigkeit

; / P OLEN, 6 der Peiumjter } Da es mir übrigens nicht erwiesen ist, daß die Einmischung der Regierung in die Syrischen Angelegenheiten eine sehr bedeutende war, und daß ihre Politik | jo werde ih gegen den Paragraphen der |

r Wenn das Amendement des Herrn Berryer zum Zweckck hätte, wie Herr Guizot so eben behauvtet hat, den Nutzen der Ein- mischung Frankreichs zu bestreiten, so würde ih demselben nicht beistimmen., welche ih zu Rathe gezogen habe, stellen fest, daß die _ eine that glaube auch, daß sie cine Da dies in dem Amendement des Herrn Berrver j e Meines Erachtens i} es gewiß, daß die christlichen Bevölkerungen wünschen, die Familie des Emir Beschirx

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| einer solchen Konzession und gab daher aus freien Stücken sein Amen- | dement auf, und erklärte, er finde sh durch den Zusaß, welchen die | Kommission in den Adreß =- Entwurf eingerückt habe, vollkommen zu- | friedengestellt. Der Zusaß lautete: „Wir wünschen uns Glück zu | den günstigen Resultaten, welhe die Jutervention unserer Regierung | in Syrien erzielte, und wir hegen das Vertrauen, daß, indem dieselbe den Syrischey Völkerschaften jenen Schuß angedeihen lassen wird, welchen die Traditionen und die Verträge deuselben zusichern, fie die alten Bevorrechtigungen und den Einfluß Fraukreihs zu erhalten fortfahren wird.“ | Zufolge des Beifalls, welchen dieser Zusaß, sobald er vou Herrn Dumont abgelesen wurde, erhielt, glaubte das Kabinet, den parlamentarischen Sturm beschwichtigt zu haben. Aber Herr Berryer | begehrte -das Wort, um nachzuweisen, daß Frankreich sich in den Augen | | wünschen wollte, zu einer Ausgleichung der Syrischen Angelegenhei | ten die Haud geboten zu haben, welhe weder von den Maroniten noch von der Pforte, weder von dem Baron Bourqueney noch vom | Herrn Guizot selbst, als den Wünschen und dem Glauben der Syri | schen Völkerschaften entsprehend, gebilligt worden sey, Zu diesem | Zwecke las Herr Berryer mehrere Stellen aus den im Archiv der | Kammer niedergelegten Depeschen vor, woraus er den Schluß zog, | daß Herr Guizot nur darum die doppelte Administration in Syrien | zugegeben habe, weil das Britische Kabinet, welches den Emir Beschir uicht | nach Syrien zurückkehren lassen wolle, es so und nicht anders wünsche. | Die Rede des Herrn Berryer fachte das Feuer der Diskussion noch | mehr an, Herr Guizot bestieg die Tribüne, um sich zu rechtfertigen. | Auch Herr. von Lamartine bestieg die Tribüne und entwarf mit | lebhaften Farben cin Bild der Lage der Syrischen Christen. Herr von Lamartine bestaud darauf; die Ausschließung des Emir Beschir als einen großen Fehler zu betraten, indem er versicherte, daß fein auderer als dieser 54 Jahre in Syrien herrschende Patriarh im Stande wäre, die für die Ruhe des Orients so nothwendige Harmonie unter den Drusen und den Maroniten zu erhalten, | Herr Guizot bestieg abermals die Tribüne, Der Ausdruck: „ma politique n’est pas celle d’un charlatan”, dessen er sich bediente, wird Jhnen einen Begriff von der Aufregung geben, in welcher er sih befand. Herr Dumont, der Berichterstatter der Adresse, glaubte Herrn Guizot zur Hülfe eilon zu müssen, und suchte das Coutre-Amen dement des Herrn Berryer zu widerlegen, als Herr Dufaure ganz unerwartet sich auf Seiten des Herru von Lamartine und Berryer gegen das Kabinet schlug, um die Politik des Herrn Guizot in Sy rien als s{chwadch und unschlüssig zu schildern, und zu verlangen, daß die Kammer wege der vermeintlih&® Resultate der Französischen Politik im Oricut der Regierung nicht Glück wünsche.

Nach einer zweimaligen zweifelhaften Abstimmung, mittelst Auf stehen und Sißen, wurde zum geheimen Votum geschritten, und das Contre -=Amendement des Herrn Berrzer mit 206 gegen 203 Stim men augenommen, Die relative Majorität der Opposition beträgt freilich nur eine Ztimme, aber man muß näht übersehen, daß das Vo tum der Kammer im Grunde eine ganz ministerielle Frage enthält, nämlich die indirekte Mißbilligung der im Orient befolgten Politik.

x“« Paris, 1. Febr. Das gestrige Votum der Deputirten Kammer läßt das Schicksal des Paragraphen über das Durchsuchungs Recht voragus\ehen und die Annahme desselben scheint kaum zweifelhaft. Jn Folge der Debatten * über diesen Gègenstand hatte die Kommis sion eine andere, fast bem Amendement ähnliche Abfassung ihres Paragraphen vorgefthlagkèn. ' Hérr “David batte daher eingewilligt, sein Amendement zurückzunehmen, Die von der Kommission vorge nommene Modification hatte. indeß in den Augen vieler Deputirten den Nachtheil, daß fie die Versicherung der Thron - Rede in Bezug auf die Wiederherstellung einer mit dem Glauben und den Wünschen der christlichen Bevölkerung Syriens übereinstimmenden Verwaltung wiederhole. Da in der Kammer offenbar eine Stimmung gegeu diese Versicherung herrschte, so beantragte Herr Berryer eine Aenderung in der Abfassung der Kommission und man sebte statt der Worte der

Thron-Rede: „Eine mit ihrem Glauben und ihren Wünschen über | einstimmende Verwaltung“ die Worte: „Eine geordnetere Verwal | tung.“ Herr Guizot befämpfte diese Aenderung mit Hartnäckigkeit | und bestieg dreimal die Rednerbühne. Herr Dumont, der Bericht

erstatter der Adreß=Kommission, unterstüßte ihn, aber ohne Erfolg.

Herr vou Lamartine bekämpfte die ministeriellen Argumente sehr

lebhaft, und zeigte, daß von dem Augenblicke an, als Emir Beschir vor etwa funfzig Jahren sih der Regierung bemächtigte, alle Zwistig keiten und Bürgerkriege aufgehört hätten, und daß zwei absebbare

Abgeordnete, die an der Spiße der beiden einander feindseligen Völ- | kerschaften ständen, wohl niemals dem Lande wahrhaft nüßlich seyn | könnten. Auf diesen leßteren Punkt erwiederte Herr Guizot nichts, | sondern suchte seinerseits zu beweisen, daß die Regierung die Wieder herstellung der ehemaligen Verwaltung erlangt habe, was ein sehr wichtiges Zugeständniß sey. Die Verwerfung des Paragraphen der Kommission hieße, nach seiner Ansicht , erklären, daß die Regierung absolut nichts für die christlihe Bevölkerung Syriens gethan habe. Das Resultat der Abstimmung werden Sie aus den Blättern ersehen. Dies Resultat is von Wichtigkeit und läßt, wie gesagt, das Votum über den Paragraphen in Bezug. auf das Durchsuchungs-Recht, vor aussehen, denn es handelt si dabei offenbar um denselben Gegen- stand: die Kammer hat nämlich unsere auswärtige Politik in Bezug guf Engl{¿ud mißbilligen wollen. S

Nach den orientalishen Angelegenheiten begann die Dislussion des Durlhsuchungs - Rechts. Die von dem Berichterstatter Herr Dumont gegebenen Erläuterungen über den Sinn des Paragraphen waren sehr doppelsinnig, denn“ er is in Betreff dieses Gegenstandes völlig einerlei Meinung mit dem Ministerium. Als Organ von Ge-= sinnungen und Ansichten, die nicht die seinigen stud, waren die vou ihm gegebenen Erläuterungen nicht frei von Zweideutigkeit. Be= kanntlich haben sich die ministeriellen Blätter der Phrase bemächtigt, welche die loyale und strenge Ausführung der Conveutionen anempfichlt, und sie erklären, daß diese Phrase durchaus nichts enthalte, was dem Gedanken des Minisleriums entlich entgegen sey. Um jede Art von Doppelsinn zu entfernen, wurden mehrere Amendements vorgeschlagen. Das erste, von Herrn Chasseloup=Laubat, war eine fast ganz neue Abfassung des Paragraphen und weit klarer, als die der Kommission; das zweite, vou Herrn Hello, lautete: „Wir wün- schen sehulihst den Augenblick herbei, wo durch die thätige Be- mühung Jhrer Regierun g unser Handel unter den ausschließlichen Schub unserer Flagge gestellt seyn wird. Das dritte Amendement endlich ist von dem Obersten Lespinasse z die Annahme desselben würde ebenso wie das des Herrn Hello jeden Doppelsinn beseitigen, _wäh- rend das des Herrn Chasseloup -Laubat die Personen mit iu die Sache hineinzuziehen scheint. i ;

Die Diskussion des 6ten Paragraphen begann mitten unter der Aufregung, welche die Abstimmung in der Kammer hervorgebracht

atte. Der Herzog von Valmy hat die Frage ziemlich klar hingestellt,

hne sich bei den von dem Berichterstatter der Kommission gegebe- nen Erläuterungen s A daß es von Seiten der Kammer un-= klug und unvorsichtig seyn würde, durch. eine schüchterne Darlegung ihrer Wünsche, den Vortheil des Englisch - Ametikanischen Vertrages von sich zu weisen, Welches auch das Schicksal der verschiedenen

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der Welt lächerlih machen würde, wenn es in der Adresse sich Glück |

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Amendements seyn mag, wir glauben nicht, daß der Minister der auswartigen Angelegenheiten sich dadurch bestimmen läßt, die Frage über das Durhsuchungs-Recht zu einer Kabinets Frage zu machen.

Herr Molé is} in diesen Tagen der Gegenstand einer Mystifica

tion gewesen. Man erzählte, er habe sih in einem Schreiben an einen Englischen Publizisten zu Gunsten des Durchsuchungs - Rechtes ausgesprochen, und man theilt sogar sehr umständliche Details über Herren Thiers und Passy ver

diesen Gegenstand mit, die von den Als Herr Molé dies erfuhr, ließ er sich eine

breitet worden waren, beglaubigte Abschrift seines Briefes aus England chicken und begab sich mit derselben eines Abends zu dem Präsidenten der Deputirten Kammer, wo er in Gegenwart des Herrn Sauzet eine lebhafte Erörterung mit Herrn Passy hatte. Herr Molé erklärte, daß er gegen die Expedition von Ancona gewesen, und daß er deshalb ein Vertheidiger der Räumung dieses Platzes gewesen seyn müsse; daß er sich der Abschließung dei Verträge von 1831 und 1833 förmlich widerseßt und daß er des halb auh ein Gegner des Durchsuhungs=Rechts seyn müsse und auch in der That sey. Herr Passy sagte, daß er allerdings Gele genheit gehabt habe, von dem Briefe zu sprehen, den man dem Grafen Molé zuschreibe, und daß die Details, die ihm über diesen Gegenstand mitgetheilt worden seyen, aus einer Quelle kämen, die ihre Authentizität zu verbürgen schiene. Dieser kleine Vorfall hat Herrn Molé neue Thätigkeit verliehen und er wird sih gewiß an den Urhebern dieser Mystification zu rächen suchen. I Grossbritanien und Irland.

London, 1. Febr. Morgen wird das Parlament eröffnet. Schon seit einigen Tagen is es entschieden, daß die Königin die Thron - Rede nicht selbst halten, sondern durch eine Kommission wird verlesen lassen, Jhre Majestät soll zwar den lebhaftesten Wunsch

| geäußert haben, in eigener Person vor dem Parlament zu erscheinen, | aber ihr Leibarzt, Sir James Clark, hat ihr davon abgerathen, Ju | |

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einem vorgestérn gehaltenen Kabinets - Rath is die Thron-Rede ent worfen worden, und heute foll dieselbe in einer Geheimeraths-Sißzung zu Windsor der Königin zur Genehmigung vorgelegt werden. Ju Oberhause wird der Graf von Powis die Antworts - Adresse bean tragen und der Graf von Eglintoun sie unterstüßen. Ju Un terhause haben Lord Courtengy und Herr Philipp Miles diese Functionen übernommen. Der Herzog von Wellington giebt | heute den beiden obengenanuten und 30 anderen ministeriellen Pairs eín Diner. Graf Stanhope will, dem Veruehmen nah, im Oberhause ein Amendement zur Adresse beantragen, wodurch das Haus erflären soll, daß es die gegenwärtige Lage der arbeitenden Klasseu unverzüglich in ernsthafte Erwägung ziehen werde, um für deren nüt liche Beschäftigung und für eine angemessene Belohnung ihres Ge werbfleißes zu sorgen. Dagegen wird im Unterhause die Beautra gung eines Amendements von Seiten der Whigs nicht mehr erwar tet, da das Cirkular Lord John Russell’s, wodurch die liberalen Nit glieder aufgefordert wurden, si zeitig auf ihren Posten einzufinden, und an dessen Echtheit sogar gezweifelt wurde, weun es guch jeßt als authentisch betrachtet wird, doch mit großer Lauheit und Nach lässigkeit, ohne Beobachtung der sonst dabei üblichen Formen, an seine Adressen soll befördert worden seyn.

Der Fürst von Thurn und Taris is am Sonntag von Brüssel hier angekommen und im Clarendon Hotel abgestiegen, wo ihn bereits mehrere Mitglieder des diplomatischen Corps besucht haben.

Der Prozeß gegen Mac Naughten is bereits auf die Rolle des Central-Kriminal-Gerichtshofes gebracht, welcher vorgestern seine 100fte Session eröffnete. Dem gewöhnlichen Lauf der Dinge zufolge, würde der Prozeß am Lten oder 4. Februar zur Verhandlung kommen; da indeß, wie man glaubt, für den Angeklagten die Einrede des Wahn sinnes geltend gemacht wird, so dürfte die Sache, um inzwischen Zeugen aus Glasgow herbeizuscaffen, bis zur nächsten Sessiou des Gerichts vertagt werden, Bei Eröffnung der vorgestrigen Gerichts Sibung sprach sih der vorsibende Richter, der Recorder von London, ausführlich über die bei der Sache in Betracht kommenden Rechtspunkte aus. Er machte zunächst bemerklich, daß die große Jury, welche nur dar über zu entscheiden hat, ob der Thatbestand die Verweisung der Sache vor die Jury rechtfertige, nicht auf den Punkt Rücksicht zu nehmen habe, ob der Angeklagte wahnsinnig sey, oder nichtz diese Frage sey von der gewöhnlichen Jury zu entscheiden, und zwar habe dieselbe auch uicht darüber sih zu erklären, ob der Angeklagte im Allgemei nen dem Wahnsinne verfallen sey, soudern uur darüber, ob derselbe im Augenblicke der That außer Stande gewesen, Recht vom Un recht zu unterscheidenz denn nur in leßterem Falle werde der Ange flagte als des Mordes uicht schuldig betrachtet. : Schließlich berü sichtigte der Recorder auh den Fall einer möglichen Verwecchselung der Personen von Seiten des Mörders, welche, wie er bemerkte, das Verbrechen des Mordes rechtlich niht aufheben könne. Aus der Aeußerung Mac Naughten's in Betreff Sir Robert Peel's will man schließen, daß er wirklih Herrn Drummond für den Premier-Minister angesehen habe, und man erinnert sih, daß auf der vorjährigen Reise der Königin in Schottland bei einer Gelegenheit Herr Drummond vom Volke wirkli für den Minister gehalten worden. Dagegen wird indeß bemerkt, daß Mac Nanghten, wie gus früheren Mittheilungen an seine Bekannten hervorgehe, bei seiner mehrfachen Auwesenheit in London den Premier-Minister wiederholt ivi Unterhause gesehen und sprechen gehört, und daß daher bei der großen Verschiedeuheit in der äußeren Erscheinung der beiden Männer an eine Verwechselung wohl \s{werlich gedacht werden könne,

Zu Manchester wurde vorgestern der Anfang mit einer Reihe von Versammlungen gemacht, welche der Verein gegen die Korn gesebe in tägliher Folge in dem dortigen Stadthause zu veran- stalten beabsichtigt. Nicht weniger als 500 Geistliche sollen ihre Theilnahme zugesagt haben, und gleih der vorgestrige Tag brachte eine nicht unbedeutende Anzahl von Briefen hochgestellter und einfluß reicher Pérsonen, wie der Lords Ducie, Westminster, Kinnaird, Carlisle, Clarendon, Radnor und Anderer, in welchen ste sich zwar auf die eine oder andere Weise entschuldigten, daß fie an den Ver- sammlungen selbst nicht theilnehmen könnten, zugleich aber ihre eifrige Mitwirkung zu den Zwecken derflben versprachen, Ler Vorsibende, Herr Grey, theilte unter Anderem mit, daß der Verein jeßt von neuem beschäftigt sey, Traktätchen über die Nachtheile der Korngesebe an sämmtliche Stimmberechtigte 1m LandÞ zu vertheilen, und gab die Masse dieser Traktätchen auf anderthalb Tonnen wöchentlich an,

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niederlande.

Aus dem Haag, 1. Febr. Die zweite Kammer der Ge- neralstaaten hat heute, nachdem sie drei Sibungen bei verschlossenen Thüren gehalten, den mit Belgien abgelcilalenen Vertrag vom 5. November mit 38 gegen 18 Stimmen angenommen, Der Bericht der Central-Section soll sih sehr entschieden gegen die An nahme ausgesprochen haben, doch wird hinzugefügt, daß die Reden des Justiz- und des Finanz-Ministers zu Gunsten des Traktats einen ehr tiefen Eindruck gemaht und das obige Resultat herbeigeführt, indem sie auf die unglückseligen Folgen aufmerksam gemacht, die aus der Verwerfung des Vertrages hervorgehen können, Der betref

fende Gesebß-Entwurf is unn bereits an die erste Kammer gesandt worde. I

Gegen

Kammer

Brüssel, 1 Febr, Gestern hat die Repräsentanten umme die Diskussion über den Vertrag mit den Niederlanden bei verschlo} senen Thüren fortgeseßt. Die allgemeine Diskussion wurde geschlosseu, und der Artikel 1 des Geseß-Entwurfs, welcher die Annahme des Vertrags nah sich zieht, wurde durch Sibenbleiben und Aufstehen aïigenommen,

Brüssel, 2. Febr. Die Annahme des ganzen, aus zwei Arti feln bestehenden Geseß Entwurfes in Bezug auf den Niederländischen Vertrag is durch 77 Stimmen gegen § erfolgt. Vier Mitglieder haben sich der Abstimmung gäuzlich enthalten. Die Majorität ist fouach hier eine viel bedeutendere, als die in der zweiten Kammer der Niederländischen Generalstaaten.

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Deutsche Buñdesstaaten.

Munchen, 90,.Jan. Bayer Bl) J der Kammex der Reichsräthe wurde von einem einzigen Mitglied derselben bezüglich des Geseß Entwurfs wegen Wiedereinführung der vormaligen Crbamter in Bayern ein Vortrag gehalten, nah welchem die An nahme desselben ohne weitere Diskussion erfolgte. Der zur Berathung ausgeseßte Negierungsvorschlag, so wurde geäußert, wolle ein Justitut wiedererwecten, welches, nach altdynastischen Gesichtspunften aus dem alten Wechselverhältuisse zwischen Landesherren und Ministerialen ent sprossen, allmälig aber zu feudaler Bedeutsamkeit höherer Ordnung erwachsen, sich innig verzweige mit den Partikfulargeschichten unseres jeßigen Gesammtstaats. Diese Wiedererweckung widerspreche keines weges dem Geist unseres Grundgeseßes, welches anerfanntermaßen Boden „fuße und fußèn wolle, und das déên Fortschritt nicht in rücksihtsloser Zerstörung, sondern in zeit gemäßer Entwickelung und Umgestaltung des rechtlich Begründe ten suche. Sie stehe eben so wenig im Widerspruch mit den positi= ven Bestimmungen des erwähnten Grundgeselzes, indem der füuste Paragraph des vierten Verfassungs-Titels wohl gleichen Anspruch der ldeligen und Nichtadeligen bezüglich aller Civil-, Militair- uud Kir chen-Aemter begründe, bezüglich der Hofbedienstungen aber das alte Herkommen unberührt lasse. Sie schaffe nicht nur keine neue finan zielle Last, sondern sogar vermöge der Lehu=-Taxen eine nicht unbe trächtliche Mehrung des Staats-Einfommens. Sie reihe sich endlich an die von beiden Kammern dankbar begrüßte geschichtliche Kreis (Fintheilung. Mit Fug trügen daher di? vereinten Ausschüsse auf ngte Gutheißung an. Ja, die ständische Gutheißung werde um sv minder eine Schwierigkeit zu erfahren haben, als die Wie dereinführung der Erb-Aemter an und für sih von der Krone ohne alle ständische Mitwirkung durchgeführt werden könne, den le gislativen Bereich nur oh der diesen Aemtern zugedächten Lehen - Qualität berühre, gerade diese Qualität aber sey es, worauf die Maßregel ihr historisches Moment vorzugsweise auspräge und zugleich zur Quelle vermehrten Staats - Einkommens werde, Jhm ibrigens scheine der Geseß=- Vorschlag lein isolirter Schritt. Er er blickte vielmehr in ihm das erste Wort eines für Krone und Land gleich heilsamen Gedanfens. Unter allen Klassen des Bayerischen Bolks habe keine so gewaltsame und tiefeingreifende Verluste erfahren, als der Adel, Jn dem verhältnißmäßig kurzen Zeitraum absoluter Regierungsform (1806 bis 1818) sey ihm eutzogen worden, was irgend die Blicke auf sich gezogen. Ein Federstrich habe seine lerri toria clausa, ein anderer seine alten Standschaftsrechte zerstört, ein dritter das civilretlihe Wechsel-Verhältniß zwischen Grund-Eigen thümer und Ne ßnilesier «von Grund gus umgemod-lt, ein vierter endlich di e¡teu Zaumilien - Fie?iforaufe vernichtet, deren Um wandlung in Majerate von vorgäng®cc Wioderabfindung längst ab gesunden gewesezrr Agnaten und FXÆognaten abhängig gemacht und durch eigent uliche Cert Fen zahlreiche adelige Familien an den Betktelstal die reiqtèa um ¿a Wohlstand gebracht und einen großen Theil Adelsgütei

neue Hände geliefert, All diese Prü fungen hz2be de Adel mit beifpielloser Resignation entgegen genom men. Sein Blut Feÿ ije vor für die Sache des Thrones und des Vaterlandes geflossen, Später hate dié Berfassung auch für dies: (lasse einen Rechtszustand geschaffen, aber dieser Rechtszustand nas sey er streng genommen? Von dei früheren Justitutionen sey uur jene der Fideikommisse eigentlich wieder herstellbar gewesen und in wirk samer Weise wieder hergestellt worden. Von der früheren Geschlossen hoit der Hofmarken, von der früheren politischen Vertretung der Holden sey begreiflihermaßen keine Rede mehr, Die adeligen Jurisdictions und Polizei -Gerechtsamen involvirten bloß die Befugniß ohne allen reellen Einfluß auf die Geschäfte blind gehorchende Organe der Ztaats-Behörde zu besolden, welchen überdies in der Regel wegen ihrer mehr juridischen als administrativen Vorbildung die nöthigen Kenntnisse zu fruchtbringenver Verwaltung des gutsherrlichen Grun des und Bodens abgingen. Die Kolonen seyen aus dem alten Nut nießer - Verhältuisse übergetreten in die unbestreitbare Eigenthümer Qualität, und das domiuium directum repräsentire nur noch ein ausgedehuteres Hypotheken-Recht, Kurz von der früheren Feudalität sey mit alleiniger Ausnahme des oben erwähnteu Fideikfommiß-Ver hältnisses verschwunden, was Macht und politischeu Einfluß gegeben, geblieben was die pefuniären Kräfte absorbire, die tüchtige Ausbeu tung des fundus hemme und die Klasse den übrigen quasi hostil ge genüber stelle, Und gerade des eigentlichen Lebensprinzipes alles Kol [eftivlebens eutbehre der Adel gänzlich, Wohl sey derselbe verfassungs mäßig als eigener Staud (Klasse) anerkannt; wohl sehe er sich, wie in den Kammern, so auch in den Landrathsgremien, repräfentirt, aber der repräsentirte Stand sey in sih selbs unorgauisirt, also auch un lonstituirt, Während Alles im Staate gruppirt und assocürt dastehe, während der Klerus in Dekanats=Versammlungen und Synoden, der Städtebewohner und der Landmann in Lokal=-, Distrikts - und Kreis= gemeinden, der Gewerbsmann in Junungen sich versammle, das ge- meinsame Juteresse zu erkennen und zu berathen, während der Adel anderer Deutschen Staaten, und namentlich solcher Länder, deren BeFgAung aus freiem Uebereinkommen zwischen Krone und Volk her= egaligen is, Corporationen im wahren Sinne des Wortes bilde, Bayerische Adel noch immer e Aggregat einander durchaus *genüberstehender Kategorieen und Persönlichkeiten, Und SOL forporatiz.u Gestaltung liege dasjenige, was dem hem, - wié im Ganzen, fromme. Eine Corpora= Ideen = Austausch zu Ansichten und Uceberzeu- erfenne nit uur si, \soudern auch ihre Be- und ihre- Beziehungen zu leßterem, eine Zeit, sey sogar zu Opfern bereit, wo das fordere, während der Einzelne, theils in seine über diese hinauszublickeu verschmähe, theils bei wei. «ustchten der Möglichkeit einer Mittheilung, also auch Subsidien zu Geltendmachung seiner besseren Ein-= sichten env. und während die Repräsentanten der Klasse auf ei= gene Verantwv, lichkeit hin nie Zugeständnisse machen fönnten, welche

auf historischem

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der Gesammtheit vielleicht freudig entquellen würden, einer solchen großartigen, dem Geist unjerer Verfassung entsprechen= den Maßregel erbliten sie aber im vorliegenden Geseß-Entwurf, und darum freuten sie sih desselben nicht nur als Judividuen und als Standesgenossen, sondern auch im Juteresse des gesammten Va terlandes.

Den Anfang | |

IKeimar, 4. Febr. Die hiesige Zeitung sagt: „Wenn das Geburtsfest eines Staats - Oberhauptes unter allen Umständen von Bedeutung is, \o wird diese Bedeutung um so größer, wenn, | wie bei uns, von Jahr zu Jahr die Spuren einer jegensreichen Re gierung immer mehr hervortreten. Denn es bedarf nur eines Blicks auf die zurückgelegten funfzehn Jahre der Regierung Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs, um die den Bedürfnissen angemessenen Fortschritte in allen Theilen der Verwaltung, jo wie eie allseitige Entwickelung der Volksfkräfte zu bemerken. Vie Glückwünsche, welche sich am 2, Februar erneuern, sind daher feine bloßen Formen oder Ergüsse eines augenblicklich aufgeregten Gefühls, sondern sie sind zu gleich Aeußerungen der Ueberzeugung und der wahren Vaterlands liebe, Die Wünsche für unseren ckguten Landesfürsten sind zugleich Wünsche für uns selbs und haben in der glücklichen Vermählung

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Sr. Königl. Hoheit des Erbgroßherzogs eine andere freudige Bele bung erhalten. i: Die Festlichkeit wurde durch die Gegenwart des regierenden Her zogs von Sachsen-Koburg -Gotha, des regierenden Fürsten vou Schwarz burg-Rudolstadt und des Prinzen Ernst von Württemberg, so wie durch die Anwesenheit anderer Personen von Auszeichnung, erhöht. Die öffentliche Feier begann hier am Morgen mit einem Rede Akf im Großherzoglichen Gymnasium. Nachdem um Mittag die obersten Behörden des Landes die Ehre gehabt hatten, ihre Gefühle | auszudrücken, war ein gläuzender Kreis bei der Tafel versammelt, | nach welcher am Abend im Großherzoglichen Hoftheater sih die lau- | ten Zeichen der freudigsten Theilnahme an dem Feste äußerten. Am Abend des 3, Februars folgte im Großherzoglichen Residenz-Schlosse ein Maskenball mit Festaufzügen, an welchem auch ein großer Theil | der hiesigen Bürgerschaft Theil zu nehmen die Auszeichuung genoß, | f X Frankfurt a. M., 3. Febr. Der Aufschwung, welchen | die Holländischen Fonds an der einheimishen Börse nahmen, hatte | auf unsere Börse auch einen sehr günstigen Einfluß geübt, der noch | dadurch gehoben worden, daß von den übrigen Börsen auch höhere | Course eingetroffen waren, Gestern und heute trat in dem weiteren Steigen der Fonds vorerst eine Pause ein, und zwar in den Hollän dischen, weil zu Amsterdam eine Reaction einzutreten scheint. Die Amsterdamer Briefe sprechen sich aber über die Ursache nicht bestimmt | aus. An der Annahme des Traktats i} kaum zu zweifeln, wenn | auch die Bestimmungen desselben Holland wenig genehm sind, da die | Sache mit Belgien doch einmal zu Ende kommen muß. D

Vann un= | terliegt es feiner Frage, daß die Berweigerung der Ratification Hol lands lockeres Finanz-Gebäude noch \chwankender machen würde. Die Holländische Regierung soll aber entschlossen seyn, die Konversion der | 5proc. Papiere durchzusetzen, wodurch allerdings dem Staate eine | namhafte Ersparniß zu Theil werden muß. Die - Oester | reichischen Fonds hielten sich in den lehteren Tagen gleichfalls | zu höheren Preisen gesuht. “Heute war aber allgemein die | flauere Stimmung vorherrschend, besonders durch die niedrigeren | Course von Berlin, welche dem Gerüchte, die Seehandlung wolle | ein neues Lotterie-Anlehen kontrahiren, zugeschrieben werden. Des- | halb sind auch hier die Preußischèn Loofe fühlbar gewichen. Aly den Spanischen Fonds zeigt sih fo wentg Besserung, wie in den po- | litischen Verhältnissen Spaniens, Mehr Vertrauen genießen die Por- | tugiesischen. Ueberaus fest halten sich die Taunus-Cisenbahn-Actien, | die wieder 388 Fl. (138 Fl, Agio) \tehen. Die Einnahme der Tau- | nus = Eiseubahn im Monat Januar (15,925 Fl. 26 Kr.) genügte. | Das Geld is anhaltend sebr flüssig. Die Main =- Schifffahrt hat noch nicht wieder beginnen fönnen, da der Fluß sehr gestiegen ift,

Die Bundes-Versammlung hielt statt gestern heute ihre dieswöchent liche Sibung.

Seit gestern spricht man vielfach davon, daß der Direktor des Städelschen Kunst - Justitutes, Ph. Veit, seine Demission eingereicht | habe, weil die Administration des Justitutes das große Gemälde von | Lessing „Huß vor dem Kostuißer Konzilium““ für dessen Gallerie an- | getauft habe, Herr Veit soll gegen die kirchliche Bedeutung des Ge-= | mäldes eingenommen seyn. Das Gemälde wird Sonntag ausgestellt. |

Der Plat, auf welchen das Göthe - Monument hier aufgestellt werden joll, is gewählt, wenn ihn die Behörde genehmigt. Das Comité gab von den drei in der Stadt vorhandenen Plätzen, dem | vor dem Theater“ den Vorzug. |

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| | A Lissabon, 19, Jan. Die Verhandlungen unserer Depu= | tirten-Kammer boten in den lebtverflossenen Tagen ein allgemeineres | nteresse. Der Präsident des Kabinets verlangte in der Sibung | vom 16ten im Namen der Regierung ,, daß die Kammer den in der | Hauptstadt öffentliche Aemter bekleidenden Deputirten gestatten möchte, | die Geschäfte derselben zuglei neben“ ihren Functionen als Depu- | tirte fortzuseßen, weil dies im Juteresse des öffentlichen Dienstes liege. Herr Castello Branco widerseßte sich diesem, indem er be hauptete, der Artikel Zl der constitutionellen Charte sey dem Vor schlage entgegen. Herr Silva Cabral. bekämpfte aber die Argumente des Herrn Castello Branco, vertheidigte den Antrag der Regierung als zweckmäßig und zeigte deu Unterschied in dieser Beziehung zwi | hen der jeßt geltenden Charte und der früheren Constitution von 1818, welche leßtere jedem Deputirten ausdrücklich verbot, ein öffent liches Amt zu bekleiden, während die Charte nicht so bestimmt dar über sih ausspricht. Auch andere Deputirte nahmen noch das Wort, und endlich wurde der Vorschlag der Regierung angenommen.

Dann begann die Debatte über die Antworts-Adresse auf die Thron-Rede. Herr Rebello Cabral beantragte, es solle nur eine einzige Abstimmung und auch uur eine Diskussion, nämlich über die Gesammtheit des Entwurfs, stattfinden, worauf die Kammer auch einging. Herr Musiño griff nun die Politik des Ministeriums an, dem er vorwarf, die constitutionelle Charte verleßt zu haben. Alles, vas auf eine Abänderung der constitutionellen Charte der Monarchie hinauslaufe, würde die Abänderung auch dur geseßliche Mittel vor genommen, sey eine wahre Revolution, und unglücklih sey die Regie rung zu nennen, die si auf diesen Weg einlasse, in dem Vertrauen, nachher eine Judemnitäts-Bill dafür zu erhalten. Jn dieser Weise fuhr der Redner in seinem Tadel gegen das Kabinet fort, und endigte mit Vorlegung eines neuen Entwurfs zu einer Adresse, den er verlas. Auch Herr Kilgueiras tadelte das allgemeine System der Regierung, und namentlih hob er den verwahrlosten Zustand hervor, in welchem sie den so wichtigen Duero-Strom lasse. Herr Miranda dagegen vertheidigte den Adreß-Entwurf der Kommission, und da kein Depu- tirter nah ihm mehr das Wort verlangte, \o schritt man zur Ab- stimmung, welche die Annahme des Kommissions-Entwurfs ergab. Mehrere Mitglieder der Opposition verlangten nun abermalige Ab-

{lossen wurde, und abermals die Annahme des Kommissions-Ent= wurfs mit 69 Stimmen gegen 21 ergab.

Jn der Sißung vom 17ten war die Diskussion des Gutachteus der Kommission über die dem Ministerium zu bewilligende Jndemui- täts - Bill an der Tagesordnung. Dieselbe bezieht sich auf die An- wendung der legislativen Befuguisse, welche die Regierung kraft des Art, 13 der Charte gemacht hat. Bei der Debatte flagte der De- putirte Estevao über die traurige Lage des Landes am Duero und äußerte, dasselbe werde nie wieder auf seinen früheren Flor zurück- fommen. Er votirte gegen das Kommissions - Gutachten, welches die FZndemnitäts-Bill bewilligen will. Der Minister des Junern wider= sprah der Schilderung des Zustandes jener Provinz und glaubte ihr eine große Prosperität verheißen zu können, wenn der Haudels=-Trak tat mit England auf den von der Regierung gewünschten Grundlagen zu Stande komme. Auch vertheidigte er die Regierung gegen den Vorwurf, jeden Augenblick die Charte verleßen zu wollen. Habe sie vielleicht in etwas ihre Befugnisse überschritten, so habe dies nur in der Absicht, der Nation einen großen Dienst zu leisten, stattgefunden. Herr Albano vertheidigte auh das Gutachten der Kommission. Die Majorität is} fest und einig, und die Opposition wird daher nichts gegen sie vermögen,

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Vereinigte Staaten von Uord - Amerika.

New-York, 15. Jan. Jun Philadelphia sieht es sehr unru hig aus, Zu Kensington (dem nördlichen Theile der Stadt) hatten sich die Weber mit Keulen, Steinen und sogar Feuergewehr bewa} net; der Sheriff sammelte etwa 2—300 Bürger, die aber überwäl tigt wurdenz er selbst wurde {wer verwundet. Man sprach davon, daß das Militair ausrücken solle.

Zu (Columbus, in Georgien, hat ein General Mac Dougald einem Obersten Hepburn, als dieser in sein Haus kam, mit einem Pistol durchs Herz geschossen, wie es scheint, in Folge eines anony men Briefes, wonach der Oberst ihn erschießen wollte. Der General hat sich freiwillig gestellt, und das Verdikt der Jury lautete auf: „zu rechtfertigenden Todschlag.““ Ein hiesiges Blatt meldet, 500 Sklaven am 4. November von einem Britischen Sierra Leone aufgebracht worden ift.

Die Geld-Verhältnisse in den Vereinigten Staaten sind noch immer in s{chlimmem Zustande. Die Jahres-Versammlungen der ehe- maligen Unions-Bank hat einen Bericht erstattet, der etwas günstiger lautet. Die Masse war um etwa drittehalb Millionen Dollars vLer= ringert worden, Man hoffte vorläufig eine Dividende von etwa 10) pCt. zu bezahlen. Der Gouverneur von Pennsglvanien schlägt die Schuld dieses Staates zu etwa 38 Millionen Dollars an, \chlägt - aber feine Mittel vor, die. Zinjen zu deen, Et= was besser steht es im Staat Maine, der 200,000 Dollars jährlich für die Tilgung seiner Schuld ausgeseßt hat. Auch Michigan will bezahlen, fann es aber nicht ; seine Staatsschuld beträgt jeßt über 37 Millionen D Am besten geht es noch dem Staate

daß ein Portugiesisher Schooner mit Kreuzer

nach

Oollars. Ohio, wo die Schuld 16,363,000 Dollars beträgt, für die Zinsen aber einigermaßen gesorgt is, Die Amerikanischen Blätter zählen gegen 700,000) Dollars an Defekten auf, die in verschiedenen Staats fassen und Banken verübt worden.

O New-York, 7. Jan. Der im Senate gemachten De- monstration in Bezug auf die Frage des Oregon=-Gebietes folgte eine weit bezeichnendere von Seiten der Regierung der Vereinigten Staa- ten. Demselben Antrieb und derselben nationalen Pflicht folgend, richtete der Präsident am 31. Dezember an das Repräsentantenhaus eine besondere Botschaft, in welcher er, mit Hinweisung auf die Ausdehnung, welche die Englische Macht in China so eben gewon= nen hat, und in der unverkenubar durchscheinenden Besorgniß, daß diese Macht auch nah den Sandwich-Juseln Gelüste beklommen oder {hon haben fönnte, erklärt, daß die Amerikanische Regierung nicht daran denke, sich eine überwiegende Kontrolle über diese Jnseln an- maßen zu wollen, troß ihrer Nachbarschaft an den Küsten der Union und des bedeutenden Handelsverkehrs, der zwischen beiden Ländern stattfindet, daß sie aber andererseits auch entschlo}sen i}, deren Unab= hängigkeit zu sichern, wenn irgend eine andere auswärtige Re- gierung derselben zu nahe treten wollte. Herr Tyler yver= langte demzufolge vom Kougresse eine Anweisung, um nah diesen Jnseln einen Konsul zu schicken, welcher über die Jnteressen des Handels und der Amerikanischen Marine wachen könnte, deren Schiffe fünf Sechêstheile von denen bilden, die mit jenen Gegenden Handels=Verkehr treiben. Das Juteresse und das Recht, welches die Vereinigten Staaten zu Ergreifung dieser rein erhaltenden Maßregel haben, sind klar. Für die Zukunft, die ihnen im Westen, diesem Lande der Verheißung für sie, eröffnet ist, is es von hoher Bedeu- tung, England zu hindern, eine Stellung mehr im Stillen Ocean zu nehmen, und so für seine Macht Anhaltspunkte von Hong Kong, sei nem neuen Gibraltar, an bis zum Columbia-Flusse zu gewinnen. Der Gedauke der Vorsicht, der in dieser Beziehung in dem Dokumente des Herrn Tyler, wenn auch etwas verdeckt, zu Grunde lag, wurde durch Herrn Cufhiug seines diplomatischen Schleiers, in den er ein- gehüllt war, entfleidet und ans Tageslicht gezogen. Mit Recht nennt man Herrn Cushing den ersten Minister des Präsidenten im Kon gresse, denn er is es thatsächlich durch die fast offizielle Bedeutung, die man seinen Worten beilegt. :

„Die Botschaft, die #\o cben verlesen worden is“, sagte Herr Cushing, „bezielt zweierlei, 4) daß die Regierung der Vereinigten Staaten die Thatsache der Unabhängigkeit der Sandwich-Junseln anerkenne; und 2) daß sie mit der Regierung des Chinesischen Reiches in kommenzielle Unter handlungen eintrete. Was den ersten der beiden Zielpunkte betrifft, so will ich nur bemerken, daß Ereignisse, die neuerlih verlautbarten, vereinigt mit den Beziehungen der Vereinigten Staaten in diesen Meeren zusammenstim men, der vorgeschlagenen Anerkennung Bedeutung zu geben. Die Gruppe der Sandwich-Jnseln ist in der That eine Art Herberge oder Absteigequar tier auf der Hälfte Weges von den östlichen Küsten Ämerika's zu den west- lichen Küsten Asiens. Da es England durch den Erfolg seiner Operatio- nen im Chinesischen Neiche gelungen is , verschiedene Häfen dieses Reiches seinem Handel zu öffnen, so erlangt die Frage der Unabhängigkeit der Sand- wich Jnseln eine hohe Bedeutung für die Interessen der Vereinigten Staa ten, und besonders für den am Columbiaflusse gelegenen Theil ihres Ge- bietes. Da eine ziemlihe Anzahl unserer Kollegen geneigt sind, ein Ver- dammungs - Urtheil gegen den neuerlich mit Großbritanien abgeschlossenen Vertrag auszusprechen, weil er feinen Artikel zur Lösung der Frage des Oregon-Gebietes enthält, so zweisle ih nicht, daß alle diese Herren bereit sind, die in dem ersten Theile der Botschaft des Präsidenten enthaltene An- empfehlung günstig aufzunehmen.“ i

Jn der That is es wahrscheinlich, daß diesmal die patriotische Klugheit des Herrn Tyler im Kongresse einen Wiederhall finden wird. Nachdem der Präsident so seine Hand über die Bewohner der Sand- wich-Jnseln, deren Regierung, seiner Versicherung zufolge, \{chwach, aber von gerechter und billiger Gesinnung beseelt, friedliebend und eine Freundin des Fortschrittes ist, ausgestreckt hat, lenkt er die Auf- merksamkeit des Kongresses auf die leßten Ereignisse in China.

„Es fann nur interessant sevn für unseren Handel (sagt der Präsident), der bereits mit dem einzigen Hafen von Canton #o beträchtli

stimmung mit Namens-Aufruf, welche von der Kammer auch be-

„_zu wissen, ob die anderen, gegenwärtig dem Englischen Handel geöffneten v- fen, dem Amerikanischen Handel verschlossen Vleiben werden, Der Vertrag