1843 / 21 p. 1 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

le si s S

und er erwartet, wie schon gesagt, daß der General Seoane

A Gta Truppeu zu ihm stoßen werde. Mittlerweile sind aber die Gegner des Regenten nicht unthätig. Der Geueral Aspiroz, der von den Jusurgenten zum General-Capitain von Valladolid ernannt wurde,

hat dort sehr bedeutende Streitkräfte zusammengezogen, mit denen er |

auf hier marschiren will, um den Aufstand nah der Hauptstadt zu verpflanzen. Er hat bereits 7000) Maun Junfanterie und 1000 Maun

Kavallerie besammen, zu denen noch 5000 Maun stoßen sollen. Am 3ten ging die Avantgarde nah Olmedo ab, wo das Haupt-Quartier

aufgeschlagen werden und dann durch den Paß der Guadarrama auf |

Madrid vorgedrungen werden soll. Zu gleicher Zeit rüct ein ande res von Burgos kfommendes Corps auf die Somosierra los. Diese Anstalten fangen an, die hiesigen Behörden und National-Milizen etwas zu beunrubigen, so wie "die sehr zahlreichen Feinde des Regenten mit vielleiht sehr trügerischen Hoffnungen zu erfüllen, Es heißt, Lebterer hätte die Vorschrift ertheilt, die Königin nah Aranjuez und in die Nähe seines Haupt-Quartiers zu führen, sobald eine überlegene Macht Anstalt treffe, in Madrid einzudringen. Vorgestern Abend fand im Palast eine lange Berathschlagung zwischen den Herren Arguëlles, Heros und einigen hohen Beamten statt.

Der General van Halen wollte am 4ten Cordova verlassen, um auf Sevilla zu marschiren, Er verlangte, daß man ihm von Cadix vier Mörser, zwei Haubibßen und ses Vierundzwanzigpfünder schicke, um Sevilla beschießen zu können.

Eine überaus große Anzahl von Offizieren verlangt ihren Ab schied, troß der aufmunternden Dekrete des Regenten,

Unsere Nachrichten aus Valencia gehen bis zum Zten. Nar- vaez war auf Teruel marschirt, um diese Stadt zu entseßben. Ein Bataillon der gegen diese Stadt bestimmten Truppen des Regenten empörte sih in Daroca. Narvaez richtete am Z0sten einen Aufruf an die Offiziere und Soldaten Espartero's, worin er sie auffordert, die- sen, der der Regentschaft entseßt wäre, zu verlassen. „Espartero“, so heißt es in dem Aufruf, „ist von diesem Augenblicke an nichts weiter als ein Verräther und Rebell, und Alle die, welche ihm fer nerhin gehorchen, nehmen an seinem Verbrechen Theil. Die Junta gewährt euch, und ih bestätige es, cinen Zeitraum von zehn Tagen, auf daß ihr die Bahn der Chre und eurer Pflicht betretet. Nach Ablauf dieser Frist werden die Einen ihre Aemter verlieren und die Anderen die Strafe für das Uebel über \ich verhängen, welches die unnüße Verlängerung einer euch verderblichen und von der Nation verabscheuten Sache verursachen kann.“ Serrano erklärt im Namen der „provisorischen Regierung des Reichs“ alle Beförderungen, Aemter, Ehrenzeichen, die Espartero seit dem 23. Mai, als dem Tage des Pronunciamiento?s von Malaga, ertheilt hätte oder noch ertheilen würde, für ungültig und nichtig. Ju einem anderen Dekrete vom Z0sten erklärt er alle von jenem Tage an der Regierung Espartero's zu machende Vorschüsse für ungültig und die an sie bezahlten Steuern für nicht bezahlt. Aus diesen Maßregeln sieht man, daß die an der Spihe des Aufruhrs stehenden Personen gesonnen siud, als eine Macht aufzutreten, vor der sich niht nur die dem Regenten noch treu gebliebenen Truppen und Beamten, sondern auch die fast unzähligen einzelnen Junten zu beugen haben. Die Junta, die fich hier in Madrid am 1. September 1840 einsebte, während alle übri gen Provinzen der Königin Regentin wenigstens sheinbar gehorchten, versuhr auf gleiche Weise. Sie befahl gleich am ersten Tage, daß man der Regentin niht mehr gehorchen solle, und erklärte alle die Beamten, welche der Junta nicht huldigen würden, ihrer Aemter für

verlustig.

Auffallend is der Antheil, den die bisher immer unthätig geblie- bene Geistlichkeit überall an dem Aufstande nimmt, und wozu wohl die Maßregeln des Finanz-Ministers Mendizabal am meisten beitragen mögen. Die Junta vou Valencia hat den Verkauf der Güter der Weltgeistlichkeit und der Nonnen einstellen lassen, cine Kommission zu deren Verwaltung ernannt, uud den Ertrag zum Unterhalt sener bei den Klassen bestimmt. : j

Das von mir gestern erwähute Manifest der hiesigen Provinzial

Deputation und Munizipalität, welches die heftigsten Beschuldigungen gegen die frauzösishe Regierung aufstellt, ist von dem Gefe politico Madrids, dem höchsten Civil-Beamteu der Provinz, zuerst unter zeichnet. Dieser Umstand soll den französischen Geschäftsträger veranlaßt haben, dem interimistishen Minister der auswärtigen Augelegeuheiten eine in scharfem Tou abgefaßte Note zuzustellen, Auch fertigt er heute einen Courier nach Paris ab. Die hiesigen Stadtbehörden und Staatömänner, welhe sich darin gefallen, das französishe Volk gegen seine Regierung zur Empörung zu reizen, und diese dur eine übermüthige Sprache herauszufordern, verhehlen si feinesweges, daß, falls Fraukreich den hingeworfenen Handschuh aufuähme, bei der fast gänzlichen Auflösung der spauischen Armee, und in Betracht der shmählichen Schadenfreude, mit welcher fast alle Volksklassen auf das Verschwinden jedes Schattens einer Regierung blicken, der Ausgang nicht zweifelhaft sein kaun. Sie hoffeu aber, daß englische Streitmächte zugleich mit französischen den Boden der Halbinsel betreten werden, und diese, ihre Heimat, zum Schauplaß eines neuen alles verheerenden Kampfes gemacht zu sehen, wäre für sie der höchste Triumph. zut Heute begeht die hiesige National - Miliz die Jahresfeier des 7 Zuli, An diesem Tage schlugen gerade vor zwanzig Jahren die Milizen Madrids den Angriff der aufrührerischen Garde-Soldaten bis in den Palast des Königs zurück. Das Andenken an diesen blutigen Sieg ift den Patrioten noch immer heilig. i Die amtliche Gaceta verkündet heute in einer außerordent Me WWler Solgendes: „Man versichert, daß sich augenblicklich Gan Bilbao! N vregatte und zwei fleinere Kriegsschiffe der _Riüiste Regierun Wern werden, um die Verfügungen der rechtmäßigen

“r N u Unkerstüßen.“ Unterdessen hat sich aber Bilbao mit

seiner Besabung q ; ; “9 am 4ten pronunzir * „Regierung ‘““ vo Barcelona unterworfen, pronunzirt, und der „Regierung ‘““ von

ç Abends. Der General Concha fam

Kriegsdampfshiff „Zsabell / o Ia. a I Ges ‘Np | größten Jubel empfangen. L“ in Malaga an, und wurde mit dem

Sevilla abgehen. Schon Tags darauf wollte er nach

ank L in g ufstand gegen die Regierung, \o wie unterbrochen, -+ nsere Verbindung mit Saragossa ist Der General Aspiroz wird mor ih mi

; 1 : gen früh mit 5000 Linientr

iu Guadarrama, acht Meilen von hier, eee. A Sg Den Verstärkung abwarten, und sih dann den Thoren Madrids näl dn Mau glaubt, daß die tapfere National Miliz ihm keinen Widerstand leisten, und daß die Lage der Hauptstadt binnen vier bis fünf

am 3ten auf dem

130

er mit allen Zeichen der Anhänglichkeit und des Wohlwollens empfan- gen wurde, Die städtischen Behörden veranstalteten soglei ein Bau fett, zu welhem alle Sergeanten der Truppen Seoane's und ein Ser geant von jeder Compagnie der Nationalgarde eingeladen wurden. Nach der Beendigung des in der besten Stimmung und unter den loyalsten Toasten abgehaltenen Mahles begaben sich die Gäste mit Musif und Fackeln vor das Haus des Generals, dem sie eine Serenade und ein Lebehoch brachten, für welche Seoane von seinem Balkon herab in einer feurigen Anrede dankte.

Jn den baskischen Provinzen soll nah den neusteu Berichten, jeßt au das kleine Fort au der Brücke der Bidossoa, dem französi hen Dorfe Aldudes gegenüber, der Jusurrection beigetreten sein, und zwar auf das Zureden des Obersten D. Enrique O’Dounnell, Bruders des Generals gleihen Namens, der am &ten Morgens um 3 Uhr mit zwei anderen christinischen Offizieren auf der Brücke erschien, und die Besaßung des Forts, troh des lebhaften Widerstandes des komman direnden Offiziers, für die Sache des Aufruhrs zu gewinnen wußte. Mit diesem Fort wäre der] lebte der festen Punkte auf der P9re näen-Gränze in die Gewalt der Aufrührer gefallen.

Die Festung Jaca in Ober - Arragonien hat sich am 5ten auf |

Beraulassung der National-Garde für den Aufstand erklärt. Nur ein einziger Offizier der Besaßung weigerte sih beharrlich , sich der Be- wegung anzuschließen, und wurde mit cinem Bajonettstiche im Scheukel auf die Citadelle gebracht. An demselben Tage kamen der General Nuiz nud der Schwadrons-Chef Zurbano, die sich bekanutlich nach dem vereitel ten Reactions- Versuche iîn Gerona nach Frankreich geilüchtet hatten, auf der Rückkehr begriffen nah Jaca, wo man sie sogleich auffo1 derte, der Fahne des Aufruhrs zu huldigen. Der General Nuiz verstand sich dazu, zu thun, was man von ihm verlangte, aber dei Sohn des Generals Zurbano war unerschütterlich in seiner Weigerung, und er wurde in Folge derselben mit einer starken Bedeckung über die französishe Gränze zurübegleitet.

Ju mehreren der aufgestandenen Provinzen zeigen sich die deut lichsten Zeichen einer durchaus reactionairen Stimmung. So na mentlich in Sevilla, wo der General van Halen bei der von ibm be absichtigten Belagerung ohne Zweifel leichtes Spiel haben wird, und in den meisten Städten Galiciens, in denen die Verwirrung und die Rathlosigkeit so hoch gestiegen ist, daß es nur einer Gelegenheit zu bedürfen scheint, um deren Rückkehr zum Gehorsam gegen Regierung und Verfassung zu bewirken. Ju Cordela, wo der General van Ha len am 2ten cinrückte, wurden die Truppen der Regierung mit Glok= kengeläute und mit allen Beweisen der lebhaftesten Freude von der sich in den Straßen der Stadt dräugenden Volksmenge empfangen. Die Anstifter und ernstlichen Anhänger des Pronunciamiento, das heißt die Junta und etwa der dritte Theil der National-Garde, hatten bei Annäherung des Generals van Halen das Weite gesucht. Dieser, der Cordela am 4ten wieder verließ, soll sich übrigens am folgenden Tage der Junta mit ihrer bewaffneten Begleitung von 500 Mann und ei= uer Kasse mit 40,000 Piastern bemächtigt haben.

Ueber den Feldzugs- Plan des Regenten is man noch immer in der größten Ungewißheit, doch i man geneigt, zu glauben , daß Espartero beabsichtigt, nah Madrid zurückzukehren, und hier die Trup pen der Generale Seoane und Zurbano an sich zu ziehen, um von dem politischen und geographischen Mittelpunkte des Landes gus nach Zeit und Umständen kräftige Schläge gegen den Aufstand in den Pro vinzen führen zu können, Die Gerüchte, denen zufolge der Regent be reits bald in Occfia bald in Madrid selbst angekommen fein soll, sind ohne Zweifel voreilig. Was den General vau Halen und sein Armee

Tagen entschieden sein werde. Eíniage der Personen, di i „glorreichen“ September = Revolution e E vie EeS gegenwärtig als leßtes Mittel sich mit der Gegenpartei dahín zu verständigen, daß bei dem Regenten auf Einstellung der Feindselig- feîten, Einsebung des Ministeriums Lopez und schleunige Zusammen- berufung fonstituirender Cortes bestanden werden solle. Dieser Ge- danke findet aber feinen Eingang. ;

XX París, 14, Juli, Der General Seoane ist mit einem großen Theíle seiner Truppen am 7ten n Saragossa eingerüdckt, wo

Corps betrifft, so hat Espartero offenbar nicht die Absicht gehabt, denselben zu sih stoßen zu lassen, sondern sie sind bestimmt, auf die Dauer in Andalusien zu operiren. Oh dabei der Zweck zum Grunde liege, sich für den Nothfall den Rückzug nah Cadix offen zu halten, fam nur der Erfolg zeigen; wahrscheinlich ist aber diese von den Gegnern des Regenten verbreitete Angabe keczaenfalls.

Das Verbot, die Oppositions-Blätter dur die Post zu versen= den, hat die Junta in Burgos zu Repressalien veranlaßt, die den Charakter eines fiudischen Unverstaudes und einer wahrhaften Bruta lität tragen. Die Junta von Burgos befiehlt, alle Exemplare der ministeriellen Blätter, der Gaceta, des Espectador, des Pa triota und der Ceutinela, festzuhalten und sie durch Heukers hand verbrennen zu lassen. Wer die genannten Blätter zugeschickt erhält und sie n‘cht sofort dem politischen Chef einhändigt, soll den Strafen verfallen, welche das Geseß gegen die Verfasser vou auf rührerischeu Schristen ersten Grades feststellt. Auf diese die drei er sten Artikel des fraglichen Bando bildenden Bestimmungen folgt dann unglaubliherweise ein vierter Artikel in folgender Fassung: „Die Junta nimmt, in Gemäßheit der bestehenden Gesehe, die Preßfrei heit unter ihren ganz besonderen Schub.“

Die Junta von Valencia i auf die Auträge eiugegangen, die ihr gleih in den ersten Tagen ihrer Wirksamkeit dahingestellt wur den, daß sie dem Verkauf der geistlichen Güter Einhalt thun und den Ertrag derselben zum Unterhalte ihrer vormaligen Eigen thümer verwenden möge. Cine vom Zten d. M. datirte Verordnung der Junta von Valencia befiehlt, daß die ursprünglich der Weltgeist lichkeit und den Nonnen-Klöstern gehörigen Grundstücke nicht weiter veräußert, sondern unter die Verwaltung einer besonderen Kommission gestellt werden sollen, bis die Cortes eine Entscheidung in dieser Sache treffen können. Die fragliche Kommission soll aus neun Mit- gliedern bestehen, von denen je drei von der Weltgeistlichkeit, vou den Nonunen=Klöstern, und aus der Mitte der gegenwärtigen Ver waltung der zu Handen des Staats emgezogenen Kirchen- und Kloster-Güter zu wählen sind. Die Tendenz zu einer ähnlichen Reaction zu Gunsten des kirchlichen Juteresse, begünstigt durch den fast allgemeinen Widerwillen gegen die Kultus- und Klerussteuer, ist auch an vielen anderen der aufrührerischen Punkte bemerklich.

Von Valladolid gus wird unterm 5ten geschrieben: ,„Die Streit= kräfte, welche sich unter den Befehlen des Generals Aspiroz (gegen Madrid) in Bewegung seben sollen, sind schon vollständig organisirt, Der Vortrab , aus mehreren Compagnieen Voltigeurs bestehend, hat sich gestern nah Olmedo in Bewegung gesebt, wo sih alle Truppen vereinigen werden, die zu dem Marsche auf die Hauptstadt bestimmt sind, und die zunächst deu Paß von Guadarrama beseßen sollen. Eine Geld-Batterie wird morgen nach derselben Bestimmung abgehen. Von Burgos erwarten wir vier Batterieen Gebirgs- Kanonen,“ Während diese Demonstration gegen Madrid von Alt- Castilien her vorbereitet wird, rückt von Valencia herauf der General Narvaez mit feinem Expeditions = Corps gleichfalls in der Richtung von Madrid vor, so daß es, allem Anscheine nah, bald in der Nähe der Hauptstadt zu wichtigen kriegerishen Ereignissen fonunen wird.

Ein lissaboner Blatt, o Portugal velho, will wissen, daß Espartero, mit Berufung auf defi Vertrag der Quadrupel-Allianz, Hülfstruppen von Portugal verlangt habe, daß aber dieses Ansinnen nah mehrmaliger Berathung im Minister-Conseil unter dem persöu- lichen Vorsiße der Königin, zurückgewiesen sei.

Der General Serrano, dem seine sechs oder sieben Portefeuilles doch etwas lästig zu werden anfangen, und der noh immer vergebens auf das endliche Eintreffen seiner vormaligen Kollegen vom Ministe- rium Lopez wartet, um die Last der provisorischen Regierung mit ihnen zu theilen, hat si dazu entschlossen, einstweilen einige Ünter-

D

staats-Secretaire zu ernennen, die ín ihren Bestallungs-Dekreten „erste Beamte des Ministeriums“ genannt werden.

Portugal.

_A Lissabon, 3. Juli, Die Aufstände in Spanien haben die vollste Aufwerksamkeit der Regierung um so mehr erregt, als die portugiesischen Oppositionsblätter offen für die Sache der Insurrection Partei nehmen, und unverhohlen von Abschüttelung des Joches Costa Cabral’s sprechen, wobei síe die Erhebung der Spauier gegen Espa1 tero als Muster aufftellen und zur Nachahmung empfehlen. So lauge die spanische Regierung aber nicht gestürzt ist, wird man in Portugal feinen Versuch zu machen wagen. Träte aber der Fall des Sturzes der Regierung zu Madrid ein, dann dúrfte die hiesige Regierung ihre vollste Wachsamkeit und Kraft zusammennehmen müssen, um dem auch sie bedrohenden Sturme die Spitze zu bieten. Vorläufig ist noch vichts zu fürchten, zumal die Regierung nach einem lebten Mittwoch gehalteuen

Kabinetsrathe, zu welhem auch der König und die Königin von Cintra hierhergekommen waren, die sahgemäßen Befehle und Auf träge nach allen Richtungen abgegangen sind. Namentlich werden an der nördlichen und östlichen Gränze in allen Plätzen die geeigneten Vorsichts maßregeln getroffen. Die Ausweisung Romarino's, eines Abentheuerers der seiner Zeit in Paris vom Kaiser Dom Pedro viel Geld erhalten, aber vergeudet hatte, ohne etwas im Dieuste der Sache Donna Paria's gethan zu haben, bis endlih der Oberst Schwarz mit ciner Anzahl Leuten, der sogenaunten französischen Legion nah, Portu gal kam und dort wirkli bedeutende Dienste, namentlih in Alga1 vien, leistete, steht mit den getroffenen Vorsichtsmaßregeln in Verbin dung. Er war schon einmal weggewiesen worden, aber wieder er schienen und hat uun die bestimmte Weisung erhalten, das portugie sijhe Gebiet zu verlassen. Ju der Pairs-Kammer erhob eiu mit demselben befreundetes Mitglied vergeblih die Stimme, um gegen diese Maßregel zu reklamiren. Die Regierung soll die bestimmtejten Zndizien gehabt haben, daß die Septembristen, sci cs mit oder ohne Konnivenz, seinerseits auf ihn rechneteu für den Fall eines zu wa genden Unternehmens, Die Regierung hat also sicherlich klug ge than, gleih von vorn herein allen derartigen Hoffnungen oder Jllu sionen ein Ende zu machen,

F

Zugekommene Fremde.

von Schreibershofen, Königl. sächs. General von Gerstenberg, Königl.

Drit) Doe, Lieutenant, nebst Familie, aus Dresden, sächs, Oberst-Lieutenant, aus Dresden.

Hotel de Brandebourg. von T eßloff, Geh, Regierungs Stralsund. Barkow, Justizrath, aus Stargard.

Hotel de Prusse. von Gordon, Rittergutsbesitzer, ncbst Gemahlin, aus Laskowiy. von Löschbrand, Nitimeister a. D. und Nitterguts- besißer, aus Saarow. von Burgsdorff, Nittergutsbesiter, aus Frank Utt ai 0. D,

König von Portugal, von Wißmann, Nittergutsbesit er, aus Fal fenberg. Baron von Maltyahn, Gutsbesißer, aus Schmachow. Simon, Konsul, aus Stettin,

Holel de Nussie. von Basilewskji, Kaiserl, russischer Kammerher1 und Kollegien-Nath, aus St, Petersburg,

Hotel du Nord. G. Pagnvy, General Norwegen, aus Stockholm.

Meinhardt’'s Hotel: Graf Stach wiß, Gutsbesißer, aus Schlesien,

Hotel de St. Petersbourg: von der Hor st, Major und Gutsbe sizer, aus Petersdorf. Baron von Arnim, Königl. Kammerherr und (Gutsbesißer aus Suckow, von Diringshofen, Gutsbesißer, aus Frankfurt a. O. von Kruse, Nittergutsbesizer, aus Negzow.

Nother Adler: Graf von Bredow, Nittergutsbesizer, aus Görne.

Stadt London. Frau Hauptmann Nichel sky aus Landsberg a. W, Gebser, Professor, aus Königsberg,

Zn Privathäusern. Loeffer, Land- und Stadt - Gerichts - Direkto1 aus Wreschen, bei Loeffer, Potsdamerstr. Nr. 5, Wittke, Hauptmann nebst Gemahlin, aus Minden, bei Wittke, Spittelbrücke Nr. 14.

Meteorologische Beobachtungen.

Nath, aus

Konsul von Schweden und

Abeuds |

IO Uhr. |

Morgens | Nachmittags | Nach einmaliger 18, Juli. 6 Uhr. | 2 |

1843,

Beobachtung.

. [33 b, 9 ar.1333/ 52” ar. 332 V - Par. Quellwärme R, -+ l: F 17,4® R.| Flusswärme O3 R -+ é -t- - R. Bodenwärme R.

Luflidruck ... Luflwärme . Thaupunkt .

| Ausdünstung - Rh

|

j

|

| 2 . | =— Ct. | halbheiter. | windstill, | SW.

Dunstsättigung 411 E Wind | Wolkenzug...

halbheiter. | Niedersechlag Rh. Wüärmewechsel R.

halbheiter.

Wee

Tagesmittel: 338,54 Par... +17,s° R...

SW.

-1- F aiié pCt. Börsen.

wirkl, Sch, 541. 5% do. 1007. Pass. —. Ausg. —. ZiusIh. Oesterr. 4% Russ. Hope 895.

Antwerpen, 14. Juli. Ziusl. 5. Neue Anm. 18.

Hambu e 17. Juli. Bank - Actien 1650. Engl. Russ. 1117.

London, 14. Juli. Cons. 3% 94. Belg. i037. Neue Anl. 187. Pas- cive 453. Ausg. Sch, 107. 25% Holl. 537. 5% 100%. 5% Port. —. 3% Engl. Russ. 1147. Bras. T1 Chili 94, Columb. 23. Mex. 29. Peru 16.

Paris, 14. Jul. 5% Rente fiu cour. 121. 80. 3% Rente fin cour. S0, 30. 5% Neapl. au compt. 106. 15. 5% Span. Rente —.

Petersbu Ne, 1 L. Juli. Lond. 3 Met. 37 E Hamb. 345. Paris 404,

Wien, 14. Juni. 5% Met. I. 4% 101. 3% 76k. Bank Actien 1624. Anl. de 1834 142%. de 1839 1115.

tomgliche Schauspicle.

Donnerstag, 20, Juli, Jm Opernhause: Dramatisch-musilalische Akademie in 3 Theilen, unter Mitwirkung der Madame Pauline Biardot-Garcia, welche bei ihrer Durchreise nur einmal hier auftreten wird, Erster Theil. Ouvertüre aus dem Barbier von Sevilla, von Rossini. Arie und Duett aus derselben Oper, in italienischer Sprache und im Kostüm vorgetragen von Mad. Viardot-Garcia und Herrn Fischer. Zweiter Theil. Ouvertüre aus der Zauberflöte, von Mozart. Arie aus derselben Oper, gesungen von Herrn Shmebzer, Cavatin- aus der Oper Tancred, von Rossini, gesungen von Mad. Viardot-= Garcia, Fantasie über Thema's aus: Robert der Teufel, vou Meyerbeer, für das Violoncelle, fomponirt und vorgetragen vom Königl, Konzertmeister Herrn Moriz (Banz. Rondo aus der Oper Cenerentola, gesungen vonMad. Viardot-Garcia. Das Lied von der Glockte, von Schiller , vorgetragen vom Regisseur des Hamburger Stadt=Theaters Herrn Grunert. Dritter Theil, Dritter Akt au? der Oper „Othello ‘‘, von Rossini. (Ju italienischer Sprache.) Personen: Desdemona, Mad. Viardot-Garcia. Emilia, Dlle. Hof- kunb, Othello, —, (Herr Schmeßer beschließt als Othello sein Gastspiel.) :

Freitag, 21. Juni. Im Schauspielhause: (Herr Grunert : Marinelli, als Gastrolle.) j Sonnabend, 22. Juli, Jm Schauspielhause: Das Solo=-Lust spiel, Hierauf: Die Einfalt vom Lande. i |

Sonntag, 23. Juli. Jm Schauspielhause: Voltaire's Ferien. Hierauf: Robert und Bertrand.

Cat t M GG a ei eei Verantwortlicher Redacteur Dr. J, W, Zinkeisen,

Gedrudt in der Dedcker schen Geheimen Ober-Hosbuchdruerei. Beilage

Auswärtige Amstcrdam, 15. Juli, Niederl 5% Span, 175. 3% do, 26. Prenss. Präm. Sch. —. Pol.

Kanz-Bill, —.

Pass. 4 L.

Emilia Galötti.

Das Abonnement beträgt: 2 Rihlr. sär { Jahr. 4 Ülhlre, - # Jahr. 8 Rihlr. = I Jahr. in allen Theilen der Monarchie ohne Preiserhöhung. Insertious-Gebühr für den Raum einer Zeile des Allg. Anzeigers 2 Sgr.

Ä E Ä E Ä E Ä E E E E E I Ä E E T E E S Darm t ——

In hal t.

Anttlicher Theil. i ;

Inland. Landtags-Angelegenheiten. Rhein-Provinz. Ver- handlungen über Kultuskosten auf dem linfen Nhein-Uferz die kcefelder und düsseldorfer Polizei, Koblenz. Ueber die angebliche Bitte der rheinischen Provinzialstände um Abhülfe gegen die Getraide Theuerung zu Anfange d. M. Potsdam, Louisen - Stiftung. Stettin, Cisenbahn zwischen Stettin und Angermünde. Merseburg. 300jäh- iges Zubelfest der Einführung der Reformation.

Deutsche Bundesstaaten, Bavern. München. Kammer - Ver- handlungen über den Staats - Haushalt. Baden, Karlsruhe. Reise des Großherzogs. Breisach. Demolirung der alten Festungs- | werke, Kurhessen. Marburg. Professor Jortan's Verurthei- | lung. Grh., Hessen. Darmstadt. Besuh des Prinzen Wilhelm | vou Preußen in Aschaffenburg. (Getraidemarkts-Verhältnisse, Freie | Städte. Von der Elbe, Die deutsche Flagge. |

Desterreichische Mouarchie. Wien. Abreise des Fürsten Licven, | Post-Unterhandlungen mit Sardinien und Nußland.

Frankreich. Paris, Hof- Nachrichten. Vermischtes.

Großbritanien und Jrland. Oberhaus, Debatte über einen Antrag des Marquis von Clanricarde hinsichtlih der Abseßung der Be- amten in Jrland.

Belgien. Brüssel, Hofnachrichten.

Spanien. Paris. Telegraphische Nachrichten aus Spyauien, Das Zourn. des Déb, über das Manifest der Madrid. Corporationen. Briefe aus Madrid. (Nachträgliches aus Catalonien und den südlichen Pro- vinzen.) und Paris, (Stellung der Operations - Truppen bei Le- rida und in Catalonien; fortdauernder Zwiespalt unter den Jusurgenten zu Barcelonaz Verschiedenes aus dem Südenz der Eniführungsplan den Christinos zugeschrieben.)

Beilage, Frankreich. Paris. Kommission zur Herausgabe römischer Zuschriften. Großbritanien und JFrland, London, Die Times uber die spanischen Angelegenheiten, Spanien, Madrid. Mani- fest der Provinzial-Deputation und des Ayuntamiento, Portugal. Schreiben aus Lissabon. (Nückblick auf die Arbeiten der Kammer; das Straßengeseßz das Duro -Weingesezz neue Distrikts - Eintheilung ; Neglement der Kammer u, st. w.,). Afrika, Capstadt. Vertrag mit den Boers bestätigt, Port Natal zu einer besonderen Kolonie fonstituirt,

f7umntlicher Theil.

Se. Majestät der König haben Allergnädigst geruht : 1 Dem Kammergerichts = Secretair, Ober - Landesgerichts - Assessor Burchardt, und den Kammergerichts - Secretairen Jordan und Moll hierselbst den Charakter als Justizrath; und Den Kaufleuten Herrmann und Benny Gerson für die unter der Firma: Gebrüder Gerson hierselbst bestehende Handlung das Prädikat als Hof-Lieferanten zu verleihen,

Der Graf und die Gräfin von Stargard (Jhre Königl. Ho- heiten der Erbgroßherzog und die Erbgroßherzogin von Meccklenburg=-Strelih) sind, von Magdeburg kommend, nach Neu-Streliß hier durchgereist.

Wohlthätigkeit,

Der in Frankfurt a. M. bestehende Verein zur Unterstübung der in der Schlacht vou Belle - Alliance invalide gewordenen Krieger hat zur Erinnerung an den für Deutschland so erfolgreichen Tag in die- sem Jahre eine Summe von

Zweihundertachtzig Thalern zur gleichmäßigen Vertheilung an nachbenannte Jnvoaliden des preu ßishen Heeres bestimmt, nämlich :

Martin Woiderra, in Tarowken bei Hohenstein,

Gottfried Gabbert, in Konseliy bei Pyriß,

Johann Martin Brederloh, in Pyriß,

Gottlieb Krumpff, in Bartow, Demminer Kreises,

Friedrich Schewe, zu Friedrichsthal bei Pyriß,

Gottlieb Lauke, in Rampißt,

Karl Pahl, in Pyrib,

&riedrih Hennig, in Beyersdorf,

Ernst Hiller, in Bahrenbusch,

Johann Schulz, in Breslau,

Gottfried Troschke, in Brenkenhofsfliceß bei Landsberg a. W.,

Gustav Franke, in Potsdam,

August Sattler, in Köln, und

Wachtmeister Sch midt, in Kriblowib, welche den genannten Leuten heute von der unterzeichneten Abtheilung durch die betreffenden Behörden überwiesen worden sind.

Die seit jener denkwürdigen Zeit unausgeseßte Wirksamkeit des Vereins in threm vollen Werthe anerkennend, säumt die Abtheilung nicht, den erneuten Beweis von der Theilnahme des Vereins an dem Geschicke der hülfsbedürftigen Vertheidiger unseres Vaterlandes hier- durch zur allgemeinen Kenntniß zu bringen und dem Verein für diese Gabe im Namen der Empfänger ret herzlich zu danken,

Berlin, den 12. Juli 1843.

Kriegs= Ministerium, Abtheilung für das Juvalidenwesen,

Hallervorden.

Bei der heute angefangenen Ziehung der 1sten Klasse 88ster Königl, Klassen - Lotterie fiel der Haupt Gewinn von 5000 Rthlr. auf Nr. 30,203; 2 Gewinne zu 1000 Rthlr. fielen auf Nr. 19,628 und 79,245; 2 Gewinne zu 500 Rthlr. auf Nr, 594 und 42,358; 4 Gewinne zu 200 Rthlr,“ auf Nr. 53,088. 59,000. 75,801 und 80,373z und 2 Gewinne zu 100 Rthlr. auf Nr. 17,080 und 47,338.

Berlin, den 20, Juli 1843.

Königl. General-Lotterie-Direction,

Dem L. Tischler zu Sudenburg bei Magdeburg is} unter dem 15. Juli 1843 ein Patent auf ein für neu und eigenthümlih erachtetes Verfahren, den Rübensaft behufs der Zucker-Fabrication zu läutern,

Allgemeine

Preußische Zeitung.

Berlin Frettas: deu

auf fünf Jahre, von jenem Tage an gerechnet, und für den Umfang der Monarchie ertheilt worden.

Angekommen: Der Fürst Wladimir Galitzin, von Dresden.

Se. Excellenz der Königl. Sächsische General - Lieutenant vou Schreibers hofen, von Stralsund,

Abgereist: Se. Excellenz der General der Jufanterie und Gouverneur von Berlin, Freiherr von Müffling, nah Halle.

Uichtamtlicher Theil.

Inlaud. Landtags =- Angelegenheiten.

Mbein-Provinz.

Düsseldorf, l. Zuli, Dreiunddreißigste Plenar -Sigzung. Nach Eröffnung der Zißung und Verlesung mehrerer Adressen veranlaßte der Herr Landtags - Marschall die Erledigung eines rücständigen Gegen- standes, den bereits debattirten Geseß-Entwurf ciner Strom- und Uferpoli zei betreffend,

Der Referent berichtet ; Es sei bei der Berathung des beregten Gesez zes vorbehalten worden, zu §, 44, den Leinpfad betreffend, einen Zusatz zu machen, Der Ausschuß sei dieserhalb gestern versammelt gewesen und habe 1m Cinverständnisse mit dem Antragsteller folgende Einschaltung desselben angenommen ;

ZU §. 44; „Wo statt einer bloßen Servitut der Uferbesißer eine voll- ständige Entäußerung seines Eigenthums erleidet oder demselben dic NONIBUIE der mit dem Leinpfade belegten Uferstüke gänzlich entzogen O, U), 0,

Dieser Zusay ward von der Plenar-Versammlung angenommen.

Hierauf erbittet sih ein Abgeordneter der Städte das Wort und erklärt : Er habe in der vorigen Sipung die Ehre gehabt, ven Bericht des 6. Aus- schusses über den Antrag eines Abgeordneten der Landgemeinden, betreffend „vie Versezung der Stadt Mülheim a, Nh, aus der 2, in die 3, Abthei- lung der Gewerbesteuer“, vorzutragenz es sei in jener Sihung aus dem runde fein Beschluß gefaßt worden, weil nicht nachgewiesen war, daß der Znstanzen-Zug erschöpft worden sei; diese Nachweise seien jet erfolgt; er beehre sich , dieselben der hohen Stände- Versammlung vorzulegen und den Herrn Landtags-Marschall zu bitten, einen desfallsigen Beschluß veranlassen zu wollen. Der Herr Landtags - Marschall bríngt die beregte Frage zur Abstimmung, und da sich kein Widerspruch ergiebt, so wurde der gestellte Antrag, den Wunsch der Stadt Mülheim bei Sr. Majestät dem Könige zu befürworten, einstimmig angenommen,

Der Herr Landtags - Marschall veranlaßt hierauf die Fortseßung des gestern abgebrochenen Berichtes, die „Kultusfosten auf dem linken Rhein- ufer“ betreffend,

Der Referent nimmt das Wort und berichtet: Da der Schluß Passus des Geseß-Entwufes ausfallen solle, so habe sih der Ausschuß einstimmig über folgende Fassung geeinigt:

„Tritt dagegen künftig das Bedürfniß neuer oder erhöhter Ausgaben zu kirhlichen Zwecken ein, so wird, insofern die Mütel der betreffenden Kirchen-Fabrik nicht ausreichen, zunächst das vorhandene Gemeinde-Ver- mögen und in dessen Ermangelung die Steuer Pflichtigkeit der Einwoh- ner, beides nah Maßgabe der in dem Pfarrbezirke wohnenden Kon- fessions-(Genossen, in Anspruch genommen,“

Hiergegen bemerkt ein Abgeordneter der Landgemeinden: Er fönne sich mit diesem Vorschlage nicht einverstanden erklären, dadurch würde eine große Hauptreparatur oder ein Kirchen - Neubau niemals möglih werden. Die Forensen und größeren Gutsbesißer seien hiernach von allen Beiträgen be- freit, die Pächter zahlen in der Negel nur die Klassensteuer, und die Last würde auf die nur wenig begüterten Einwohner fallen. Jn solchen Fällen ziehe er das französishe Gesey vor. Geschehe die Vertheilung nach der Grundsteuer, so werden alle jene, welche ein Jnteresse am (Gemeindewohl haben, gleichmäßig herangezogen. Der Referent: Das vom Ausschusse vorgeschlagene Amendement schließe nicht aus, daß auch die Grundsteuer herangezogen werden fönne, Nur da, wo ein Gut ohne Haus sei, trage der Forense nicht bei; allerdings aber werde er mit herangezogen, wo sein Ackerland mit einem Hause verbunden sei, denn in diesem Falle sei der Pächter dazu verpflichtet.

Ein Abgeordneter der Städte: Er müsse sch wiederholentlih dagegen aussprechen, daß das Gemeinde-Vermögen, insofern es das Kapital-Vermö- gen betreffe, angegriffen werden dürfe. Er habe aber nichts dagegen, wenn z. B, Ertra-Holzschläge u, dergl, verwendet würden z im ersteren Falle würde das Gemeinde-Vermögen ganz absorbirt werden und die Gemeinde ihre Re venüen verlieren, Der Referent: Er bemerke, daß dieser Fall häufig vorgekommen sei; wolle man sich bei großen Haupt-Neparaturen oder Neu- bauten auf die Revenüen beschränken, so würde es unmöglich sein, sie aus zuführen z daher werde man immer genöthigt sein, entweder Kapital-Anleihen zu machen oder das Kapital-Vermögen anzugreifen, um dergleichen großen Bedürfnissen genügen zu können. Ein Abgeordneter der Landgemeinden : Es fönnen Fälle eintreten, wo durch den Neubau einer Kirche oder eines Schulhauses das ganze Vermögen der Gemeinde absorbirt werdez in diesem Falle würde aber für spätere derartige Bedürfnisse, welche die Gemeinde zu bestreiten habe, nichts Angreifbares mehr vorhanden sein, und es werde dann schr unwahrscheinlich, das Erforderliche durch Umlagen beizubrin- gen. Der Referent; Auf Schulen könne hier keine Anwendung gemacht werden, diese gehören in das Gemeinde-Budget.

Ein Abgeordneter der Ritterschaft: Das Finanzgeseß von 1809, dessen Beibehaltung beantragt wird, habe bereits faftish eine vielseitige Deutung in den Regierungs-Bezirken Aachen, Düsseldorf und Koblenz gefunden und sei namentli im Regierungs-Bezirke Aachen niemals als allein maßgebend angenommen worden, Die verschiedenartigen Jnterpretationen dieses Ge- seßes scien die Veranlassung, daß jeßt mehrere Prozesse an den betreffenden rheinischen Gerichten s{hweben, um dies 00 U in seiner faktischen Anwen- dung zu beurtheilen! Das Gesez von 1809 führte eigentlich in Frankreich einen firhlihen Zustand wieder ein, den das merfwürdige Dekret von 1792 genommen. Die in ihrem ganzen Jnhalte und Zusammenhange merkwür- dige Rede, welche die Motive zu dem Dekret enthalte , thue dar, daß man namentlih die Wiederherstellung der früheren Kirchen, die während der Revolution zu anderen Zwecken benußt wurden, beabsichtigte. Er halte die in den Motiven zu dem vorliegenden Geseß-Entwurfe gemachte Andeutung begründet, daß eine größere Bestimmtheit und Klarheit durchaus nothwendig erscheine, was so manchen betrübenden und unangenehmen Konflikten be-

egnen würde, finde diese eben so wenig in den bis heute bestehenden Ge- siven, als in dem Amendement, wie der Ausschuß den neuen Geseß-Vortrag zur Annahme beantragt, und stimme deshalb für die ursprüngliche Fassung und Annahme des Entwurfes selbst.

Der Referent erwiedert dem Redner von der Ritterbank, daß die alle- girten französishen Geseße theilweise die Verpflichtung anerkennen, welche

Allen J ul i

Alle Post - Austalten des In- und Auslandes nehmen Sestel- lung auf dieses Blatt an, sür Berlin die Expedition der Allg. Preussischen Zeitung: Friedrichsstrasse Ur. 72.

1843.

den Gemeinden obliegt, für die Kultusbedürfnisse zu sorgen. Zur näheren Aufllärung finde er es jedoch nothwendig, der hohen Versammlung eine fleine historische Uebersicht über die früher auf dem linken Rheinufer be- standenen Verhältnisse bei Erlassung der verschiedenen Kultusgeseße zu ge- ben, Die französishe Gesetzgebung, als sie unterm 4. November 1789 die Güter der fatholishen Kirche und der Geistlichkeit zur Disposition des Staates stellte, den Zehnten und die Patronatrehte aufhob, überwies zu- gleich dem Staate die Pflicht, die Mittel zur Erhaltung des Kultus zu beschaffen und für die anständige Besoldung der Diener der Kirche zu sorgen, Hierin lag vor wie nah der rechtliche Grundsaß, aus welchem man jene Säcularisations- Geseße als einen Vertrag zwishen Staat und Kirche betrachtete und noch ansehen müsse, nachdem die vorübergegangene Nevolution eine spätere Gesehgebung des National-Konvents, welche jenen Bertrag durch die Erklärung, daß Niemand zu einem Kultus beizutragen habe, zu brechen wagte, ja allen Kultus aufhob, ihre verdiente Verwer- fung gefunden hatte. Auf jenem Nechtsgrundsaße, daß, wer ein Eigen- thum erwirbt, auch die darauf ruhenden Lasten übernimmt, beruhe unver- kennbar auch die Ausführung der Säcularisation in den Departements und (Gebietstheilen, welche heute die preußishe Rhein - Provinz auf dem linken Nheinufer bilden, Die Aufhebung des Zehnten, woraus früher auf der linken Nheinseite größtentheils die Kultusbedürfnisse bestritten wurden, entriß der Kirche das bedeutende Mittel zur Erhaltung des Gottesdienstes und der Kirchengebäudez der Geseßgeber, indem er sein neues Steuer - System ein- führte und die chemals entweder steuerfreien oder do sehr gering besteuer- ten zehntpflichtigen Grundstüce nun zu einer geregelten und gleichförmigen (Hrundsteuer heranzog, übernahm hierbei die Sorge, den Verlust der Kirche

insoweit zu erseßen, als die Nothwendigkeit der Erhaltung des Gottesdien-

stes solches erforderte und der Staat durch diese allgemein gleihmäßige Besteuerung gewonnen hatte. Es geht aus dem Gesagten hervor, daß der Staat aus dem doppelten Grunde zur Sicherstellung der Kultus-Bedürfnisse verpflichtet sei, einmal, weil er in dem Vertrage, der sich vermöge des Ge- seßes bildete, worauf hier die Säcularisation der geistlichen Güter gegrün- det ist, positiv diese Verpflichtung als eine mit den Gütern ihm übersom- mene Last auch feierlich übernommen hat, und dann, weil er durch die nach Aufhebung der Zehnt - Abgaben möglich gewordene Einsührung ciner allge-

| meinen Grundsteuer nicht nur die Früchte zu genießen hatte, sondern auch

billigerweise für einen Ersay an die Kirche sorgen mußte, welche Sorge eben so positiv feststehen mochte. Das französische Gouvernement scheint diese Verpflichtung auch sehr wohl erkannt zu haben, und ohne allen Zwei- fel wurde dadurch das Dekret vom 22. August 1810, welches die Gemein- den von allen Schulden und Lasten, so dieselben gegen die Domainen, auf- gehobenen Corporationen und geistlichen Stiftungen hatten, entbindet, her- vorgerufen. Es war damit aber nur ein kleiner Theil der dem Staate ob- liegenden Verpflichtungen erfüllt, indem es von nun an den Gemeinden allein überlassen war, für ihre Kultus - Bedürfnisse zu sorgen. Wenn nun in Folge davon auf die Anspruchsrechte auf Unterstüßung aus Kommunal- Nevenuen Nückfsiht genommen werde, so dürften in diesem Falle die katho- lischen Kirchen wohl voranstehen, Auch bedarf es wohl einer weitläufigen Darlegung der Motive, warum die Kirchen einen vorzugêweisen Anspruch auf Deckung haben, nicht; die kirhlihen Zweckc scien eine Angelegenheit der ganzen Kommune es müsse ein allgemeines Junteresse an dem Be- stehen und Gedeihen dieser Anstalten vorherrschen, weil sie Beförderungs- mittel des allgemeinen Wohles sind, an dem sogar derjenige Theil nimmt, der sich der Mitfel dieser Anstalten nicht oder nit in der eigentlichen Art bedient. Dann seien die Ansprüche auch in der positiven Geseßgebung, wo- von nur die Dekrete vom 11, Prairial Jahr X11, und 14, Februar 1810 angeführt zu werden brauchen, begründet, :

Ein Abgeordneter der Ritterschaft: Jm Allgemeinen müsse er - bei- stimmen; er halte den Angriff des Gemeinde - Vermögens für nothwendig und wünsche, daß jede Bedürfnisse für sich aufbringen möge. Auch die evangelischen Kirchen können ín den beregten Fall kommen, daß auf das vorhandene Vermögen Anspruch gemacht werden müsse, dann würde eíne ratirliche Theilung desselben nothwendig werden. Was die Sache betrifft, daß bei Mangel an Kirchen - Vermögen das Gemeinde - Vermögen in An- spruch genommen werden könnte, erlaube er si, zu bemerken, daß hierdurch in Gemeinden, wo eine gemischte Bevölkerung sich befinde, leicht Reibungen entstehen könnten, Er werde zu dieser Bemerkung durch die Verhältnisse seines Wohnortes veranlaßt, wo in wenigen Jahren die Vergrößerung der evangelischen Kirche und der Neubau eines Pfarrhauses nöthig sein werde; da fast kein Kirchen-Vermögen vorhanden sei, so würde zuerst das vorhan- dene (Gemeinde - Vermögen in Anspruch genommen werden, welches, da die evangelische Gemeinde im Verhältniß zu der katholischen in großer Mino- rität sei, auf leytere einen unangenehmen Eindruck machen würde, weshalb es zwemäßiger wäre, in solchem Falle jeder Konfession ihren ratirlihen An- theil an dem Gemeinde-Vermögen zu überweisen,

Ein Abgeordneter der Städte: Man sei zu besorgt in Bezug auf das Vermögen der Gemeinden, dessen Verlust man möglicherweise mit einemmale befürchte; er erlaube sih jedoch, zu bemerken, daß in allen be- treffenden Fällen die Königlichen Regierungen, denen die Ober-Aussicht des Gemeinde - Vermögens zustehe, einschreiten, und daß gewöhnlich nur vor- übergehende Gemeindebelastungen, von denen die Gemeinden allmälig wieder liberiren müssen, zugestanden werden. Jm Uebrigen verbleibe er bei seiner früheren Aeußerung, daß die Beibehaltung der jeßt bei uns bestehenden Gesege wünschenswerth und jeder Abänderung vorzuzichen sei,

Ein Abgeordneter desselben Standes: Er müsse sich für die Annahme des Entwurfes aussprechen, der dadur hervorgerufen worden sei, daß un- aufhörlich Streit und Uneinigkeit zwischen den verschiedenen Konfessions- Genossen vorgefallen sei, wenn dieser Gegenstand in Frage gekommen. Die Evangelischen weigerten si, für die Bedürfnisse der kfatholishen Kirche bei- zusteuern, und eben so umgekehrt. Dieser Entwurf aber werde wesentlich zur Einigkeit beitragen, und aus diesem Grunde stimme er dafür, daß die Kirchenbedürfnisse nibt aus Gemeindemitteln, sondern von den betreffenden Konfessionen aufgebracht werden.

Der Neferent : Es sei shwierig, das französishe Gesez und den Ent- wurf in Einklang zu bringen, Die französische Geseßpgebung gehe von ganz anderen Prinzipien aus, als der Entwurf. Jene habe von feiner Konfes- sion Notiz genommen, weil sie von dem Grundsaze der bürgerlihen Ge- meinde ausgegangen sei, zu dem gemeinsamen Bedürfnisse müße auch jedes Glied der emeinde beitragen. Rur um der Sache ein Ende zu machen, babe er sih für den jezt amendirten Entwurf geäußert, das in der Rhein- Provinz bestehende Prinzip würde er aber jcdenfalls vorgezogen haben,

Ein Abgeordneter der Landgemeinden: Er müsse sich erlauben, auf die Jnkousequenz aufmerksam zu machen, die hier herbeigeführt werden könne. Wenn na dem Vorschlage des verehrlichen Abgeordncten aus dem Ritter- stande nah Maßgabe der Konfessionen das Kirchenvermögen ratirlih ge- theilt werde, so fönne der Fall eintreten , daß z- B. ein Fünftheil des Ge- meinde-Vermögens der cinen Konfession Behufë eines Kirchenbaues zufallez biernach müsse nun also dieses Fünftheil der Gemeinde die übrigen vier Fünftheile des Baubedarfs aufbringen, was offenbar unmöglich sein würde.

Ein Abg. der Städte: Ein Vergleich des -Entwurfes mit Amendemeut des Ausschusses ergebe nur in E und dieser Punkt betrefe das Gemeinde-

C usgaben zu kirchlichen ü bret werden sollen, insofern die gewöhnlichen