1911 / 38 p. 7 (Deutscher Reichsanzeiger, Mon, 13 Feb 1911 18:00:01 GMT) scan diff

Auf Ant Haus in die 100 des Abg. Dove (freis. Volksp.) tritt das ; N o preung der Jnterpellation ein. 2 s Gelegenheit ; Dentr.) : Die Interpellation gibt uns die erwünschte

in Ausigt Le Erörterung der Frage, ob die gegenwärtige und no ling stehende, Belastung des teuts{en Geldmarkts mit E

Leimi ettpapieren mit unserer Fi , ub teNntressen noch in Ea Ei E ildet hat, ie 8 der Zustand, wie er sich allmählich heraus- , die Rer und die „Kreuzzeitung“, die „Deutsche Tages- : Ventrumspressck Ee Heitung“ und das „Berliner Tageblatt“, darin, dae, d, selbst den „Vorwärts“ sehen wir ein- peredt ¡u ‘erhalte diese Verhältnisse für die Zukunft nicht ür, daß eg N sind. Diese Einmütigkeit is ein Beweis Mere ondelt. O ea E Lu A Ra I eren an | deutschen Kapitals in guten bnnen Zeiten p Auland erscheint sogar wünschenswert, denn g Ubland zu besa în denen wir genötigt sind, Geld aus d E Abgabe E R e wind am O L N, N i / einen internationalen Kurs ländische 6 2 uh hier kann Wohltat zur Plage werden, wenn fie: g dazu E Art, unseren A en. Die Fpo, ver auf unfere innere Finanzwirtschaft E V, Frage spigt sih dahin zu, ob die vom Bôörsen- tungen ridtig S allgemeinen Interessen getroffenen Ein- jaue geeiguet find tioniert haben, insbesondere, ob die Börsen- S gu wetter e i Smne Ius use der Si, wird diese e ver die Vorgänge der leßten Monale T, Staats »_ _mele Frage nicht unbedingt bejahen fönnen. : lter N pat war erklärt, der preußische Handels- ee oe Ge m 1 Fa 3 gerade in dem vom Grafen Kaniß- an- r wir e der Kaffcevalorisation Sao Paolos nicht getan hat. E Das ließt e A Bedeutung E e als ein leistunogrels uS, daß wir die, Börse nug Sl elllungsfähiges Objekt der Besteuerung be- nile fe fi E U e E E R e t e Mlt die Art ne Vteden bekämpfen. Zu diesen Aus- Y hen Mert Und Weise, wie die ausländishen Papiere auf ês S E gegeben werden. Unsere Haltung ist nicht ein Gf des deuts mobile Kapital; sie bezweckt im Gegenteil den ren, Die fer Kapitals gegen die vom Ausland drohenden d antlidhe A D e ja A die U nid her eretigt id ruhigt fein, aber der Wink wax sacli 10) habe nur bedauert, daß ein solher Wink Zeit, wo ce Mdelóminister an die Börse ergangen ist, zu thy iese 2 N um die Zulassung der St. Louis - Anleihe über eh Eindruck vurde ja von der Deutschen Bank klanciert. Man ij r als boi rae als ob us der Deutschen N gegen en il n anderen Banken ein, wenn notwendig, au fanten sid prü, Die den deutschen Kapitalisten gebotenen i A daß man die Gutmütigkeit des uy de bekoms, ndern muß. ie Vorzugsaktien haben keine inl eten N O E O O Sen o, 7 Und nah dem Prospekte sind so viel Vor- Siem eaen, 00 Ss O a is g mg 4 le feine Sicherheit bieten. Die amtlichen ie Wimmumg los 5 O Amt, übe, pon Les Falle E S mcckcht gegeben, wie ich überhaupt davon aus- ther utahten nur gehört wird, wenn es sih um staat- Vils wurde dieses Poi also Ge Fragen M Se Met teh issen wollt apier, vou dem man in Amerika se e e, sechsmal überzeihnet. Wie kommt das dienst Mat, Institut der Deutschen Bank dazu, solches Papier ier L sich gen ? Der O N in N eit s St erdings in dieser Höhe bet der Vermittlung l fun al ie, piere e A läßt. S E „eantiucer qs Br Uf die 98 Unsere Banken bei amerikanischen Papieren nich das Putt d Oualität schauen, als auf den Gewinn. Damit hat dudere Je n gewiß niht Börsenfeindlichkeit vorwerfen kann, Prosyerz elt een. Es ist die Frage aufgeworfen, ob eine aetluste f Mang e L Haft Be ugs L E ties P Wie x lr t bätte. Das würde nit gesehen. Die Kurs- R leichtgläubige deutsche Publikum find unvermeidlich. Verb Papier G überhaupt dazu, sich solhe minderwertigen Bote u aufhängen zu lassen? Man muß die Art der ufig slehende cttolgen. Die Bank versucht mit allen thr zu p C ie geetteln, diese M den N E n at eine große Anzahl von Depositenkassen, terung den le fie das Papier an das Publikum gebracht hat. Bei V erli {rauensfeligkeit unserer Kapitalisten ist es nicht Ey, ueenügt ey ihnen «die Empfehlung der Deutschen M Dollar aen atel men i bu Ute Mit eri [en arbeiten, ar i ) ine -St, wissen Bankiers. Die apiere der Chicago——Mil- ali r Aeoul « Eisenbahn sind e Spekulationspapier aller- Selb isten R e Publikum trägt cin großes Nisiko. Den deutschen n Direkt ede Kontrolle über den Betrieb dieser Bahnen. deut, tine U „der Deutschen Bank wird nicht behaupten, daß schen Sn u Schiene für den Ausbau dieser Bahnen von y'vünsgg Dein E ote, R L im jebigen n E, s e. Belastung des deutschen PVarktes m ißt dunfrei O unserer Diskontverhältnisse mit England r A He ih bei; aber ein vollständiges Bild wird tbnen M tir Tad en Q E D ¿20 nus Uuffals; de8üblihen Zinsfuß der einzelnen Staaten thâst und undg bleibt, daß unsere Diskontherabsezungen fo r isl ind he; Men denen von England folgen. Die Geldmarkt- get Mi die Vorsicht uns noch immer ungünstig. Der beste Beneis f Polit;clstand d der Reichsbank bei den Diskontermäßigungen. i de ae r Émiffi den höheren Diskont zu zahlen hat, und der i lange Uschen y onöbanken am eigenen Libe \pürt, mag sh v Qa Zeit 1 91d den anderen Banken bedanken, daß er no Mi U der amer mehr bezahlen muß. Dazu kommt, daß Gitung dillar ist anischen Cisenbahnunternehmungen gegenwärtig tinhr e: amerikani as ist ja au die Ursache für die Zurück- E unsere virtschastlihen Bagictben M fen Wie “¿aaten fiiriv: aftlihen Beziehungen zu den Ber- f de ist, ‘desto fustlich „noch zu erweitern, denn je enger dieses Ver E erika ster ist die Nückwükung der Erschütterungen Wen Le nicht et Markte, und an solchen hat es in leßter inbalh ht die t chit. Diese leßten amerikanischen Emissionen begrüßen R Ueberrashungen für dieses Jahr bleiben. A8 area Villen N Freunde die Interpellation, damit wir É N L Gs h ausländische e E A T l eri ind ; n Papieren schon jeßt Ausdruck verleihen ider nere nur q „auf diese Weise Unsummen “verloren gegangen. peutsche Publikum ugen A E D A die n über j nicht vorsihtiger gemacht haben. Den mich le Unzulänglichkeit unserer Emissionéstatistik Zeir en aus an, Die amtlichen Ziffern, die der Staats- Gend veröffentlichten A8 M 2 R E ot : i s le berechnet den Prozent|a D if leihen Ra en 1910 a N g In welch Ie retar ommt nur, au 0. en ver Relation die ausländishen zu den Od für e Gegen, 41s nicht entscheidend. Entscheidend ist viel- t bung sich i arft durch die Gesamtausgabe von Papieren [que bewiesen ¿U stark in Anspru genommen ist. In der lud über, der M „doh die Ausführungen des Staatssekretärs, | n glomme einung ist, wir haben uns mit Anleihen etwas ey ut dedstagt Dafür spricht ja auch die Zurückhaltung der bein C tigfeit d en und des Reiches in der Anleiheaufnahme. te id itge enom, deutschen Kapitalisten findet ihr Gegenstück in mich hier zen gegenüber dem Auslande. Ausnahmsweise in Uebereinstimmung mit dem Präsidenten des

Seheimrat Rießer, der in dem Werke „Die Groß- ves sich die E von Kapital an das Ausland stets Man wendet ein, wir würden n mit der Nichtzulassung der ausläudischen gar niht unsere Absicht, die Amerikaner zu es handelt sich darum, Maßregeln zu suchen, die das gen die verstärkte ausländishe Geldanforderung sen des Geldmarktes und des Publikums scheinen einzelner Emissionshäuser“ hinauszugehen. cs entspriht nit den Eitten, cht diese unangenehmen Maßregeln Vereinigten Staateu hat sih aber In Frankreich kehrt man t; ein Senatsmitglied

in den nationalen Dienst stellen müsse. nur die Banken treffe

deutsche Publikum ge

mir doch über diejenigen Man könnte einwenden, L Staat gegen eine befreundete Ma ergteift. Unser Export nah den V {hon schr viel gefallen lassen müssen. J ¡h an die Intercssen der anderen Staaten nit; l at eine schr hohe Besteuerung der ausländishen Wertpapiere

Bei uns trifft die Steuer do eigentlich nur die Papiere, sodaß uA ane Prägravation des deutschen Kapitals gegenüber dein ausländische y ( / Gen Papiere von der Börse hindert allerdings das Kapital nicht, im Ausland darin zu spekulieren. ein großer Unterschied, ob dies im Au

Die Ausschließung

1sland oder im Inland geschieht. rd das deutsche Kapital nur insoweit engagiert,

den Autgleih der Interessen handelt, während Wir suchen mit allen Mitteln und Staatsanleihen hin-

Im Ausland wi als es si um ; im Inland das Geld voll bezahlt wird. auf eine Hebung des Kurses unserer NReichs- u t em Augenblick, wo wir unseren eigenen Geldmarkt sionsbank Hunderte von Millionen amerika- Mir legen uns doch nicht um unseren Geld-

zuwirken. In diefem A sonen, wirst die Enis nischer Papiere auf den deutshen Markt. in unserem eigenen Haushalt Beschränkungen auf, E markt zum Tummelplaß für amerikanische Papiere machen zu lassen. Auch im Berliner Tageblatt wird zugegeben, daß die verstärkte In- anspruchnahme des Geldmarktes mit ausländischen Emissionen nicht nur bei uns, sondern auch in England ungünstig auf den Kurs der Die Banken haben auf eine Anfrage der ldmarkt für der Schonung bedürftig erklärt. man uns wieder mit dem Hinweis auf die Teuerung aller Lebensverhältnisse begegnen, die den Nentner veranlasse, ih nah Diese Teuerung ist keineswegs auf

Staatspapiere zurückwirk Negierung selbst den Ge

böherer Verzinsung umzuschen. [ Deutschland beschränkt, wir finden fie in allen Ländern. Z haben wir doch auh bei uns Papiere, die höhere Zinsen bringen, wenn auch auf Kosten der Sicherheit. hat ( Gelegenheit, weniger sichere, aber höher verzinsliche Papiere zu kaufen. Zudem kann der Käufer die Lage der Gesellschaften wenigstens Was die Abhilfemaßregeln betrifft, \ hat der Staatssekretär ja {on Maßnahmen des Handelsministers Aber auch die Zulassungsstellen sollten von vornherein dem Allgemeininteresse mehr Augenmerk \c{enken. Dazu sind sie befugt. (Zuruf des Abg. Frhrn. von Gamp: Sie sind dazu verpflichtet )) Gewiß find sie nah den Börsenordnungen auch dazu verpflichtet. Die Zulassungsstellen und die Aufsichtsbehörden wären sehr wohl in der Lage, die Nichtzulassung zu verfügen oder die Zu- sobald die Vorausfeßzungen der Börsen- zu erwägen sein, ob

Man hat also auch h

aus der Nähe verfolgen. in Aussicht gestellt.

lassung zurückzunehmen, 1 ordnungen hierfür gegeben find. Es wird au nicht in bezug auf das Beschwerdereht im Börsenges Das Publikum hat gar keinen ) D was innerhalb der Zulassungsstelle vor sih geht, die Privatbankiers wohl, aber man weiß, daß fie zu abhängig von den Großbanken sind, als daß von ihrer Seite ein ernstliher Wi Y Gerade in leßter Zeit kann man wieder beobachten, mit welhen Mitteln die Großbanken gegen die kleinen Bankiers vorgehen. Einem Berliner Bankier, der verdähtigt wurde, mit dieser Interpellation in Ver- bindung zu stehen, wurde in einem Blatte ganz offen damit gedroht, daß ihm das Ultimogeld nicht mehr zur Verfügung geitellt werden würde. Bei dem jezigen Beshwerderecht laufen die Interessen der Beteiligten viel zu sehr zusammen, als daß wirklich eine Ausübung desselben statt- finden könnte. Man jagt, daß bei Zulassung der St. Louis-Cisenbahn eine Opposition innerhalb der Berliner Zulassungsstelle vorhanden ge- Aber man hat nichts davon gehört, da Den Gedanken des einheitlichen Vor bei der Zulassung durch Schaffung einer obersten Zentralzula behörde möchte ich lebhaft unterstüßen. Eine ehört allerdings auch die Garantie bieten, daß sie nicht einseitig die Inter- _effsen der Emissionsbanken, sondern die allgemeinen wirtschaftlihen Ge- sichtspunkte genügend berüdsichtigt.

vorzunehmen seien.

iderstand zu erwarten wäre.

nach der Zulassung Beschwerde eingelegt wäre.

Eine solche Bebörde müßte

Ich gebe zu, daß ein Eingreifen Stelle insofern Bedenken unterliegt, als die Ent- scheidung eine gewisse amtliche Abstempelung der zugelassenen Papiere nah außen hin bedeuten könnte, und daß damit dem Papier ein thm nicht zukommender innerer Wert beigelegt wird. denken wird durch irgendeine Form beseitigt werden können. hoffe, daß eine Aenderung des Börsengese wenn ih auch vor dieser äußersten Konsequenz niht zurückscheuen würde. Hoffentlich lassen die beteiligten Kreise es fich genug sein an der Erörterung der Frage in der Oeffentlichkeit und hier im Neichs- tage und ziehen daraus die Lehre, daß sie künftighin bei Zulassung solcher exotishen Werte etwas mehr Vorsicht anwenden müssen. Sollte dies der Erfolg der Interpellation sein, so könnten die Interpellanten damit wohl zufrieden sein.

Abg. Dr. Frank -Mannheim (Soz.): Wenn behauptet ist, daß die Einbringung der Interpellation einer Handelskrisis vorzubeugen im stande it, so ist dies eine Illusion. Handelskrisen und das Steigen und Fallen des Bankendiskonts hängen von ganz anderen

2 der Landwirtschaft und Industrie ist gleihmäßig vaterlandslos, cs kennt keine Landes- der Ostpreußischen Landwirtschaftskammer Beschäftigung

von amtlicher

Aber dieses Be-

es nicht nötig sein wird,

JInterpellationcn, Das Kapital

Eisensyndikate | : süddeutsher Industrieller in Mannheim ge- Üebershwemmung „deuts mit der ganzen fkapitalistishen Entwicklung. elt sih vom Agrarland zum Jndustrieland. Wie ist, wissen wir niht. Die Ne- Ï sollte darüber eine Denkschrift veröffentlichen. Unser Ver- 8 zu Amerika ist nicht so. cinseitig, wie man es vielfa darstellt. Amerika hat au mehrfach bei uns gekauft. fann unter Umständen friedenfördernd fein. Niemand bekümmert sich cine Kavaliere, wie ihre Gläubiger; Ob deutsches

ist \{ließlich

eckman _ Patriotismus. Fall handelt es sich zicht um die Interessen der m Provisionen der Banken. Wir glauben mit hen Kapitals nah dem } 1 werden kann. amtlich niht befördert werden. daß so kurze Zeit n die Morgengabe zurückford könnte allein {hon einschreiten, wenn sie glaubt, Interessen zu hüßen wären. Nur ein Punkt scheint bei den St. Louis-Aktien, wo rage kam, die preußische Regierung, die gen die Zulassung getan hat. Die ein des Vorwurfs auf sich, als ob : politischen, wirtshaftlihen Welt “Man würde nicht wissen, wer die die Neichsregierung oder die Deutsche Bank. Jn Milliarden angelegt, in den o E i ss 4 m reden. ir haben au on früher dem Aufsichtsamt für das Privat- samt für das Bankwesen errichtet werde. eihskanzler und seine Organe eine besondere Befähigung

Verbandstage

eng verknüpft Deutschland entwick er Abfluß aus Deutschland

Der Kapitalexport

2 lih so zärtlih um | i bekanntli so zärtlich Frankreichs für ins Ausland geht

ob ausländishe Arbeiter h [ internationalen

Im vorliegenden Industrie, sondern u dem Staatssekret Auslande mit künf Dieser Abfluß darf aber

des Blocks die Konservative preußische Negierun

daß wichtige öffentliche: dagegen zu sprechen, .die T die Deutsche Bank in_ Fr Neichöregierung keine Schritte Negierung ladet mindestens den die Deutsche Bank innerhalb der eine Ausnahmestellung einnimmt,

Aufsichtsbehörde ist, den deutschen neun Berliner b man von privatem Kapital kau vorgeschlagen, swesen ein Aufsi

c Abfluß deut

tär, daß de i Lf nsttichen Mitteln nicht

ßbanken sind 8

zur Beaufsichtigung haben, glauben wir nit, wir glauben, daß er sehr oft von den deutshen Banken übers Ohr gehauen werden wird. Wir haben erlebt, daß der Kanzler sih den Banken sehr willfährig erwiesen hat, ohn? Dank zu ernten. Aber wenn nicht dieser Kanzler der richtige gewesen ist, so findet sih vielleiht {hon in der Stille einer Bank das notwendige Talcnt, das das Neichskanzleramt ver- walten kann. Es muß eine Stelle vorhanden fein, die dem Volke gegenüber für etwaige Schädigung verantwortlich ist.

Abg. Dove (fortshr. Volksp.): Wenn man vorher die konfer- vativen Preßerzeugnisse gelesen hat, so wird man einigermaßen enttäuscht sein über den Verlauf der heutigen Sißung. Wan hat den Eindruck, als wenn wir einer Justizberatung bei- wohnten, so leer it das Haus. Aus der - Fanfare ist eine Chamade geworden. Der Staatssekretär hat an der Rechten den Grafen Kaniß und an der Linken die „Frankfurter Zeitung“ gehabt: das war das Bild. Graf Kaniß und Dr. Frank haben sich für das Aufsichtsamt ausgesprochen, die Extreme berühren sich. Die Nicht- linien für die Zulassung fremder Wertpapiere sind vom Grafen Kaniß und dem Geheimrat Rießer ziemlih übereinstimmend gezogen worden. Daß auch das Bedürfnis des inländischen Kapitalmarktes zu berücksichtigen ist, wird von keiner Seite bestritten. In dem Kommentar zum Börsengeseß, herauëgegeben auf Veranlassung deutscher Banken, wird auf die Interessen des Reiches und der Einzelstaaten besonders bin- gewiesen; die ungünstige Lage des hbeimatlihen Kapitalmarktes kann die Zulassung fremden Kapitals auss{hließen. Der Ver- fasser dieses Kommentars is der Abg. Dove. Geheimrat Rießer i} aber nur zum Teil zitiert worden; er hat auh die Kehrseite hervorgehoben, indem er auf die Kriegsbereitschaft hinwies u. a. Der Besiß E Papiere ist in mancher Beziehung von volkêwirtschaftlihem Wert. Unter diesem Gesichts- punkt waren die Kämpfe um die Börsensteuer niht ohne Wert. Ich \häße Graf Kaniß als einen außerordentlich tüchtigen und be- lesenen Gelehrten auf wirtschaftlihem Gebiet; aber ih möchte ihn seiner Richtung rah als wirtschaftlichßen Präraffaeliten bezeichnen. Die Umwälzung unseres gesamten wirtschaftlichen Lebens dur die Entwicklung der Verkehrsmittel entgeht ihm; er hält den geschlossenen Handelsstaat noch immer für existent; was im Lande vorhanden ist; ist nur für das Land vorhanden. Ich verweise auf das Zustandebringen der ungarischen und türkischen Anleihe, darauf, wie wir Deutsche uns gefreut haben, daß es gerate uns Ses ist, diese Anleihen zu stande zu bringen. Die türkischen Bahnen haben 60—70 Millionen deutsches Kapital in Anspruch genommen, um deutsche Industrieprodukte nußbar zu machen. Diese Beispiele lassen fich beliebig vermehren, Die wirtschaftliche Kraft eines Volkes wächst auch dadur, daß es sih auch im Auslande wirt- schaftlich betätigt. Gewiß wird auch Geld verloren, aber auch an inländischen Papieren ; gäbe es ein Mittel dagegen, ih wäre sofort bereit, es in Paragraphen zu fassen. Im allgemeinen ist es aber mit diesen Verlusten nicht so gefährlih. Ich erachte es übrigens nicht für nüßlich, wenn man einzelne Papiere nah dieser Nichtung so, wie ge- schehen, vor der Volksvertretung verhandelt und so do vielleicht wu eine einseitige Urteilsbildung hinwirkt; in dieser Bezi-hung ift au der Staatssekretär in seinem Hinweis auf die Warnung des preußischen Handelsministers entschieden zu weit gegangen. Wenn ih über Papiere spreche, dann geschieht es immer nur mit meinen Parteigenossen, und die \ind immer gut dabei gefahren. Wenn man gerade die ausländishen Wertpapiere als das Gefährliche bezeichnet, so möchte ich doch nur ganz nebenbei auch an inländische wie die Leipziger Bank oder an ein sich „Hofbank“ nennendes Institut erinnert haben. Unfer beutiges System s{chüßt das Publikum wenigstens bis zu einem gewissen- Grade, und es is das Werk gerade des Berliner Börsenkommissariats, insbesondere hinsicht- lih der Prospekttheorie. Die Gescßgebung hat ja diese Entwik- lung im Börsengeseß anerkannt und acceptiert. Die Zulassungs- stelle hat fich organisch aus dem Börsenkommissariat entwidckelt. Sol@e Institutionen können richtig und können fehlerhaft gehandhabt werden; aber Tatsache is, daß die Zulassungéstelle mit einer Obj-ktivität, Gewissenhaftigkeit und Gründlichkeit arbeitet, wie faum irgendwo in staatlihen oder kommunalen Behörden gearbeitet wird. (Zuruf rets.) Der Stgatsfommissar würde dieses Urteil un- zweifelhaft vorbehaltlos unterschreiben. Der Kollege Speck fragte nah der Beschwerdeinstanz und wunderte sih über ihre mangelhafte Arbeit. Der Abg. Speck is da nicht genügend orientiert. Die Be- \{hwerde steht nur demjenigen zu, der abgewiesen worden ist mit seinem Zulassungsantrage. .Es werden aber im Verhältnis viel mehr Beschlüsse der Zulassungsstelle ‘in der Berufungsinstanz abgeändert als richterliche Urteile. Die öffentlichen Interessen find Interessen, die auch der Bankwelt und den Börsen niht fo fern liegen, außerdem ist der Staatskommissar da, der den Sitzungen beiwohnt, und unter dessen Augen alles vorgeht. Ich vertrete mit der „Frankfurter Zeitung“ den Standpunkt, daß ein Ein- griff durch eine Aufsichtsinstanz niht stattfinden kann, weil der Beschwerdeweg geseßlich geordnet ist; aber deswegen steht die Staatsregierung nicht wehrlos da, denn sie kann die ganze Börse beseitigen. Doh muß auch die Staatsbehörde sich fragen, ob wirkli ein allgemeines Interesse in Frage kommt. Denn es gibt auch Grenzgebiete; die öffentlichen Interessen sind auch Interessen des Fiskus und kommen so mit anderen Interessen in Gegensatz. Ich verweise auf die Vorgänge bci der Verstaatlichung der Hibernia, ih verweise auf das Kaligesez. Graf Kani will eine allgemeine Instruktion, die sih mit den Richtlinien des Geheimrats Nießer deckt. Ich habe nichts dagegen; aber diese Richtlinien sind zu allgemein gehalten, als daß man sie ausgestalten könnte. Zunächst will der heimatlihe Kapitalmarkt befriedigt werden. Wie ist das zu machen? Wir erleben gerade jeßt die Herabse uns des Bankdiskonts. Billiges Geld kann man nicht mit Gewalt schaffen, das richtet sich ganz nah Angebot und Nachfrage. Der Staatssekretär hat schon auf die mannigfachen Feblerquellen der Statistik hingewiesen. Eine aus- ländische Anleihe wird in ihrem ganzen Betcage hier zugelassen, aber doch keineswegs in diesem Umfange mger, vielleicht ist es bloß ein kleiner Teil, der hier wirklih gehandelt wurde. Es ist auch bereits der Konvertierung Grwähnung getan. Das Börsen- geseß_hat in einer bisher durchaus fi bewährt habenden Weise die Zulassung geördnet. Der Staatssekretär hat das au anerkannt und die bestehenden Institutionen für ausreichend erklärt. Der Kollege Speck hat sih gegen die Großbanken gewendet. Die Machtstellung unserer Großbanken ist tatsählich gewaltig, und da ist es notwendig, auch cinmal die Shwächeren zu stärken; aber haben Sie diese Politik gefördert? Das Börsengeseß hat gerade diese Machtstellung der Großen begründet, und wir haben mit der Novelle gerade den breiten Markt der mittleren und kleinen Bankiers wieder herstellen wollen. Schon neulich hat ja der Kollege Kreth von der Rückgabe der Ver- lobungsringe aus der Bloczeit gesprochen. Vielleicht kommen wir einmal zu dieser Abrechnung; aber wir vertagen fie wohl bis zum nächsten Reichstag.

_ Abg. Freiherr von Gamp (Rp.): Dem Abg. Dove kann man es wirkli nit reht machen. Ist Graf Kaniß lebhaft und temperamentvoll, so nennt er ihn einen Heißsporn, spricht er ruhig und fahlich, so ist es ihm auch wieder nit recht. Auh ih bedauere fehr, daß eine fo wichtige Materie am Sonnabend und auch hier im Hause geradezu unter Ausschluß der Oeffentlichkeit behandelt wird. Es ist sehr traurig, wenn während einer Nede die Mitglieder der anteren Fraktionen sih absentieren. (Zuruf von den Sozialdemokraten.) Als Ihr Retner spra, war nur ein Mitglied Ihrer Fraktion hier. Vielleicht könnten wir mit dem Präsidenten überlegen, ob wir nicht am Schlusse der heutigen Sißung eine namentlihe Abstimmung vornehmen wollen. E würde dadur eine erheblide Summe an Diäten gespart, und es würde ein eindringlihes Warnungsavis sein. (Bepräsident Schulß: Herr Abgeordneter, eine nament- ihe Abstimmung kann nur auf s vorgenommen werden.) Es bestehen Zweifel, ob wir überhaupt am Sch{luß der Sißung noch 50 Stimmen für einen solhen Antrag aufbringen werden. Nun hat man davon gesprochen, daß man erwägen müsse ob die Zulassungsstellen anders zu gestalten seien. Mit solchen platonischen Aeußerungen kommt man über die Sache nicht hinweg

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