Präsidenten - Wahl noch viel shwächer gezeigt, als man sie in der Regel glaubte. 91 Stimmen waren es, aus denen sie bestand, als sie beim ersten Sfrutin alle ihre Kräfte, die noch dazu aus sehr heteroge- nen Elementen bestehen, auf die Kandidatur des Herrn Odilon-Barrot vereinigte, und als es zum zweiten Skrutin fam, blieben von diesen nur noch 54 Herrn Odilon - Barrot treu, da die Gemäßigteren für Herrn Dupin sich erklärten und mit dem linken Centrum stimmten, während von diesem selbst noch einige Stimmen mehr zu Herrn Sauzet übergingen. Die konservativen Stimmen blieben, während die der Gegner hin und her s{hwankten, unerschütterlih; man darf daraus schließen, daß das Ministerium unter solchen Umständen eben feine große Furcht vor der Opposition haben wird. Las,
Nachdem die Dinge zum Nachtheile des Herrn Dupin ausge- schlagen sind, is dessen Stellung eben auch nicht beneidenswerth, heute shon macht si der Natioual über ihn lustig, nachdem er bisher, wenn Herr Dupin offen als Kandidat der Opposition aufzu= treten eingewilligt hätte, niht undeutlich zu verstehen gegeben hatte, daß er denselben unterstüßen würde. Und andererseits fann sich ein ministerielles Blatt, der Globe, auch nicht enthalten, einige beißende Anspielungen auf Herrn Dupin zu machen, den der Globe allerdings als einen Mann von erprobter Ergebenheit für die constitutionelle Monarchie wie für die herrschende Dynastie zwar bereitwillig aner= fennt, dem er aber eine gewisse Vorliebe für das Paradoxe vorwirft, wobei derselbe sich wenig darum kümmere, ob seine politischen Freunde darunter leiden oder dabei gewinnen. Herr Dupin mache Opposition, meint dieses Blatt, wenn ihn gerade die Lust dazu anwandle, habe solche ganz zu ungelegener Zeit aus Anlaß des Durch= suchungs-Rechtes gemacht, habe sih ohne gegrüudetes Motiv an den alten Kriegswagen des Constitutionnel, als dieser gegen die Jesuiten loszog — es is hierbei zu bemerken, daß der Globe das einzige ministerielle Blatt ist, welches im Widerstreite zu dem Jour- nal des Débats und der Presse des Herrn Emile Girardin die Jesuiten in Schuß nimmt — spannen lassen, werde von der öffent= lichen Stimmung nur unter gewt}en Vorbehalten angenommen; er sei zwar als dem König, der Freiheit und der Ordnung ergeben be- fanut, aber auch als fantastisch, launenhaft, geneigt, Epigramme zu machen und vieles einem Wibworte zu opfern, er sei also unzuver= lässig, und habe außerdem in den leßten Tagen auch als Kandidat der Opposition figurirt, ohne es gerade zu widersprechen, deshalb habe man seine Kandidatur, die unter allen anderen Umständen will- fommen gewesen wäre, nicht unterstüßen fönnen. _
Aus Bordeaux is heute die Nachricht eingetrosfen, daß der dor- tige spanische Konsul, Herr Durou, der seit einer Reihe von Jahren diesen Posten daselbst bekleidet und die allgemeinste Achtung si ge- wonnen hatte, ganz unerwartet von der madrider Regierung seines Postens entseßt worden is. Ein Herr Cañete, der einen Konsular= posten in Portugal bisher eingenommen hatte, wird als Konsul an seiner Stelle nach Bordeaux kommen , wo der Abgang des Herrn Durou allgemeines Bedauern erregt hat.
5 Paris, 29. Dez. Der Sieg gehört Herrn Sauzet. Herr Dupin war zu geschickt und seine Patrone waren es zu weng. Die Versammlung der Konservativen hat dies Resultat herbeigesührk, Als nach dieser von Herrn Fulchiron veranlaßten Versammlung das Ministerium sah, daß die Majorität der Centra sich für Herrn Sau- zet aussprach, so verzichtete es plößllh auf seine bis dahin beobachtete Neutralität und sprach ih für den Kaudidaten gus, der die meisten Chancen für sih hatte, Herr Dupin ist sehr üblen Humors und man sagt, daß die Ernennung des Herrn Sauzet von eimgen hochstehenden Personen sehr ungern gesehen wird. Die Bildung der Buregus und die Ernennung der Präsidenten, Vice-Präsidenten und Secretaire sind zu Gunsten des Ministeriums ausgefallen, Es hat in sechs Bureaus die Majorität. Die Kammer wird sich nun zuerst mit der Entwerfung der Adresse und drr Prüfung des Budgets für 148 beschäftigen. Jn diesem Budget stehen die Ausgaben mit deu Ei- nahmen im Gleichgewicht, und man jagk sogar, daß die leßteren einen geringen Ueberschuß über die ersteren darbieten; aber das giebt noch feine überzeugende Sicherheit, und wenn es erst zur Anwendung fommt, so dürfte bei dem ersten Schritte diese ganze Combination durch die unvermeidlihen Supplementar-Kredite umgestoßen werden.
Die Nation und die Quotidienne sind in Beschlag genom- men worden. Jn der deshalb erlassenen Ordonnanz sind die inkrimi- nirten Stellen nicht angegeben. Beide Blätter waren übrigens gestern weder mehr noch weniger feindlich “als gewöhnlich. Die Quoti- dienne greift die Thron-Rede ziemlich heftig an und dics hat wahr-= \cheinlih die Beschlagnahme veranlaßt. Die Regierung hat in diesem Jahre den Krieg gegen die Presse mit wechselndem Glüe geführt, aber wie gewöhnlih waren die Freisprechungen weit zahlreicher als die Verurtheilungen, und das L r scheint durch die Läuterung
: Rury nicht viel gewonnen zu haben, : N N Die ee Herrn Duchäâtel und des Seine - Präfekten, der Einweihung des dem Andenken Molière's errichteten Monumentes beizuwohnen, bildet nech immer den Gegenstand der Polemik in den Blättern. Die Einmischung der Geistlichkeit bei dieser Gelegenheit scheint ziemlich gewiß zu sein, obglei die minißeriellen Blätter dies leugnen; nur weiß man nicht genau, in welcher Art dies geschehen ist. Die Herren Duchâtel und Rambuteau geben«als Grund für ihre Weigerung die Beschränktheit des Raumes an, so wie die Unmöglich- feit, in einer so lebhaften und shmalen Straße, wie die Rue Riche= lieu is, eine solhe Ceremonie vornehmen zu können. Dieser Grund ist nicht ernstlih gemeint, deun außerdem, daß die Behörden bereits mehrmals Monumente an Puulten eingeweiht haben, wo auch nicht mehr Plaß war, so wäre es leicht gewesen, für die Dauer der Feier lichkeit die Passage in der Rue Richelieu und in den benachbarten Straßen abzusperren. Dies kleine Ereiguiß, so unbedeutend es auch erscheint, beschäftigt doch das Publikum und man sucht es mit den Streitigkeiten zwischen der Geistlichkeit und der Universität in Ver= bindung zu bringen.
Grossbritanien uud Irland.
London, 27, Dez. Die Times bespricht in einem leitenden Artikel ihres gestrigen Blattes die erfolgreihen Bestrebungen der Re- ierungen Englands und Frankreichs, die gegenseitigen freundschaftlichen eziehungen beider Länder, welhe dur die Whig - Politik in Eng- land und das Streben der Opposition in Frankreich eine Zeit lang estört waren, wiederherzustellen, und erweist das glücklihe Cinver= fändniß der beiden Kabinets an ihrer übereinstimmenden Politik in der spanischen und griechischen Frage. „Man hat oft‘, schreibt die Times, „als den größten Fehler der auswärtigen Politik Ludwig Philipp's die Entfremdung bezeichnet, welhe in den leßten zehn Jahren Frank= reich gegen England beobachtete, indem es während der Krisen in Syauien und im Osten von den europäischen Mächten isolirt da- stand oder doch nicht zulänglichen Grund oder genug Entschlos- senheit besaß, den Frieden der Welt seinen vermeintlichen Juteressen zu opfern. Was die französische Opposition fürchtet, Coalitionen fremder Mächte gegen Frankreich, das zu verhindern liegt ganz allein in der Gewalt des französischen Volks und seines Herrschers, indem dasselbe sih enthält, den allgemeinen Juteressen Europa's zuwider zu handeln. Ein so weiser Fürst, wie Ludwig Philipp, weiß auch sehr wohl, daß dergleichen Versuche von einem Mitgliede der Völkerfamilie niht un-
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gestraft unternommen werden können, und der französische Hof hat noch niemals für die von der Opposition angepriesene „isolirte Politik“ eine Vorliebe gezeigt. Wenn zu gewissen Zeiten seit 1836 Frankreich sih von England zu entfernen schien, so geschah dies nicht aus dem Grunde, allein stehen zu wollen, sondern in der Hoffnung, die Gunst der nörd- lihen Mächte zu erlangen, selbst wenn dabei die Freundschaft eines treuen Bundesgenossen geopfert würde. Diese Politik hat sih aber als durchaus fals erwiesen. Wir wollen darüber keine Vorwürse erheben, auch ziemt es uns nicht, über die Ehrenhasftigkeit dieser Po- litif zu entscheiden, welche die beiden Länder England und Frankreich fast zum Bruche geführt hat. Judeß sind die Lehren von 1840 doch nicht umsonst gewesen, und ein König, der seine Krone und die Würde seines Volks hochhält, gestattet nicht zum zweitenmale feinem halsstarrigen Minister, dem ganzen Europa Trob zu bieten. Er ist aufrihtig in der Unterstüßung seiner jeßigen Minister, welche ihren vierten parlamentarischen Feldzug beginnen; und er ist aufrichtig in seinen Befenutnissen von Achtung für eine Verwaltung, welche die Sache des
| Friedens in ihrem Lande vertritt. Diese Bestrebungen von Seiten des Kö
nigs sind unterstüßt worden; und weun wir auf die allmälige Wiederher- stellung des guten Einverständnisses zwischen beiden Lände: n zurüdckschauen, so betrachten wir die Reise der Königin von England nach Eu und die dortigen Konferenzen der Minister beider Kronen als den Schluß= stein der Bestrebungen beider Kabinette und als die förmliche Aner fenuung des Erfolges ihrer beiderseitigen Bemühungen.“ Als die unmittelbaren Folgen dieses „glücklichen Einverständnisscs“/ sieht die Times die Aufrechthaltung der neuen Constitution in Griechenland und die Sicherstellung des Thrones der Königin Jsabella an und {ließt dann mit folgeuder Bemerkung: „Die Handlungsweise und die Politik Frankreichs und Englands, welche in Uebereinstimmung mit einander auf solche weisen, friedlihen und wohlthätigen Zwecke gerichtet .sind, müssen dieselben unfehlbar erreichen, denn was immer für Ereignisse eintreten mögen, dies Bündniß stellt als unübersteigli- hes Hinderniß sich den Uebergriffen jeder auderen Macht entgegen.“
Aus den erst jeßt mittelst der vervollklommneten Taucher-Apparate vom Grunde des Meeres aus wieder aufgefishten Ueberresteu des be- fanntlih bereits im Jahre 1782 während eines Ballfestes durch plöh= lihes Ueberrollen der losgemachten Kanonen nach einer Seite umge- shlagenen und mit sämmtlichen Gästen untergegangenen Linienschisses „Roval George“ hat die Königin sich ein prachtvolles Billard er-= bauen lassen. Auf einer aus den Kupferreifen eines Pulverfasses dieses Linienschiffes aagefertigten Platte ist eine Juschrift an dem Billard angebracht, welche beim Spielen das Andenken an einen der großartigsten und seltsamsten Unfälle dem Gefühle stets gegenwärtig erhält,
London, 29, Dez. Die Botschaft des Präsidenten der Ver einigten Staaten, welche den diesjährigen Kongreß eröffnet, beschäf tigt heute die Organe aller Parteien, Eine wesentliche Verschieden heit in den Ansichten der ministeriellen und Oppositiousblätter läßt die Natur der in jener Botschaft behandelten Hauptfragen nicht aufkommen, über deren Entscheidung das nationale Gefühl der Engländer nicht zweifelhaft sein kann. Mau findet deshalb eine gleih starke Sprache bei allen Parteien gegen die Rede vor herrshend. Die ministeriellen Blätter erklären, daß, wenn der Antrag des Präsidenten, das Oregongebiet durch militairische Posten zu be seßen, vom Kongreß die Bestätigung erhielte, die englische Regierung sich genöthigt sehen würde, selbst auf die Gefahr eines Casus belli hin, energische Maßregeln gegen eim solhes Verfahren zu ergreifen. Man i} indeß der Meinung, und gründet dieselbe auf die überein stimmenden Mittheilungen zuverlässiger amerikanischer Blätter, daß die
| Majorität der Kongreß = Mitglieder sih der Ansicht des * rasidenten
nicht anschließen werden. iede ano
Aus dem Haag, 29. Dez. Heute Mittag is durch einen Courier die Nachricht überbracht worden, daß die Leiche des Köngs Wilhelm Friedri, Grafen von Nassau, in Helvoetsluys angekommen und sogleich nach Rotterdam abgegangen is.
7 Aus dem Limburgischen, 27. Dez. Zu Anfang des Herbstes meldete ih Jhnen, daß ein Theil der General-Staaten des holländischen und des belgischen Limburgs beschlossen hätte, einen Plan zur Trennung des Herzogthums Limburg von Holland zu bearbeiten, um später einerseits den Verkauf, andererseits den Ankauf desselben Herzogthums durch Belgien zu bewirken, wenn es durch die Trennung in eine noh s{wierigere Lage, als die gegenwärtige 1st, verseßt sein würde, oder, selbs mit dem deutschen Bunde unterhandeln zu fönnen, Einige belgische Blätter behandelten dies Unternehmen als Fabel und die holländischen sprachen nur wenig oder gar nicht davon. Vas Journal , welches diese große Mission übernehmen sollte, if endlich zu Mastricht ans Licht getreten, nachdem vor etwa vierzehn Tagen ein kurzer Artikel im Précurseur erschienen war, einem belgischen Blatte, dessen Mitarbeiter damals derjenge Publizist war, der sth jeßt den Gründeru jenes Journals, welches die Trennung predigen soll, zur Disposition gestellt hat. ‘ N L
Diese neue Sonne hatte kaum ihren Prospektus erscheinen lassen, als das Journal des holländischen Limburgs bereits dasselbe angriff und einen Kampfplabß eröffnete, wo die beiden Parteien sih herum- tummeln werden. Aber mit einer sonderbaren Taktik erklären die Se- paratisten in dem zweiten Probeblatte, daß man nicht die Trennung verlange. Was verlangen denn die Actionaire dieses Unternehmens, dessen erste Elemente selbst im Schoße der Generalstaaten des hollân- dischen Limburgs o offen dargelegt worden sind? Gehen jene Her- ren, wie man zu sagen pflegt, zurü, um einen besseren Anlauf zu nehmen? Jst diese Art von plöblichem Rückzuge elne Frucht der Ucberlegung und steckt dahinter ein neuer Plau, da der erste im Voraus vereitelt worden is? Die Zukunft wird es lehren. Bis jebt weiß Jedermann, daß die Treunung das erste Motiv zu dieser neuen Publication war, indem man sich der Hossnung hingab, den deutschen Bund und Holland für einen pecunmairen Vergleich zwischen Belgien und dem Herzogthum Limburg zu gewinnen. .
“Wie dem auch sei, wir haben hier das Journal de Lim- bourg vom 26. Dezember erhalten, welches die Versicherung giebt, daß cin heftiger Kampf mit dem Organ der Trennung eröffnet wor- den sei. Von dem 1. Januar 1844 an wird das Blatt täglich er= scheinen. Die ersten Probe-Nummern geben feine hohe Jdee von den polemischen Talenten seiner Mitarbeiter. Alle diese Federkämpse wür= deu nur eine unterhaltende oder lächerliche Seite haben, wenn sie nicht zuleßt dazu führten, Parteien zu bilden, wodurch Haß und Unfrieden unter Mitbürgern erzeugt wird, die sich klüglich den unwiderruflichen Verträgen der großen Mächte unterwerfen und ihre Kräfte für das allgemeine Beste vereinigen sollten.
Sell g 1.e0,
7% Brüssel, 28, Dez. Die Kammern sind in der Diskussion der verschiedenen Budgets kaum zur Hälfte vorgeschritten, da von sie- ben ers drei angenommen sind. Es ist dies immer ein großer Uebel- stand und mit der Coustitution kaum vereinbar, welche für jedes Gre- gorianische Jahr die Votirung der Budgets verlangt. Die öffentliche Stimme hat Fh schon häufig gegen diescs mit einem guten Finanz-
Systeme in Widerspruch stehende Verfahren ausgesprochen, allein das cingewurzelte Uebel fönnte nur durh ein tüchtiges Zusammennehmen aller moralischen Kräfte unserer Deputirten geheilt werden. Unter den noch zu votirenden Budgets befindet sich das auf 29 Millionen veranschlogte des Kriegs - Ministeriums. Wie man vernimmt, wird dieses Budget \{hwerlich angenommen werden, die Majorität verlangt durchaus eine Reduction auf 25 Millionen.
Mit der diesjährigen Session scheint aber eine bemerkenêwerthe Aen derung in dem Benehmen der beiden Haupt-Parteien cingetreten zu sein, welches in der allgemeinen Stimmung eine tiefere Grundlage hat und von derselben nur der sihtbare Wiederschein ist. Die größere Ruhe, welche in den Gemüthern sihtbar is, darf man nicht blos dem Unrstaude zuschrei= ben, daß die meisten Fragen, welche die Partei-Leidenschaften aufreg- ten, erledigt sind, sondern auch der sich immer mehr kundgebenden öffentlihen Meinung, welche den Streitigkeiten, wo meistens nur Per- sonen und Portefeuilles im Spiele sind, immer abholder wird. Man fängt an, zu begreifen, daß die Schlagworte, die scit Jahren von den Lippen der Parteiführer wiedertönten und von den nachtretenden Hau fen als Zauberformeln angesehen wurden, mächtig genug, um bei ihrer Anwendung alle Schäbe politischer Weisheit zu heben, an sich leer und bloße Äbschattungen von an sih wichtigen Lebens-Prinzipien sind, die jedo, um sich wirksam zeigen zu können, einer weit tieferen Entwickelung und Durchbildung bedürfen.
So steht es hier in der That mit den Begriffen von Liberalismus und Katholizismus, wie sie von den meisten ihrer Vertreter aufgefaßt werden, Als bloße Waffe der Opposition zeigt sih der erste ohne alle Lebenskraft, auflösend statt bindend, als eine Form, die in ihrer Abstraktheit Alles in der Staats-Gesellschaft über einen Leisten zu schlagen trahtet. Der Katholizismus seinerseits, auf einer traditionellen Grundlage ruhend, hat freilich einen festeren Stüßpunkt und zeigt sih als cine kompakte, das konservative Element repräsentirende Macht. Auf den ersten Blick scheint daher seine Stel lung fester, seine Aufgabe leichter, da scine Mittel, im Grunde stets dieselben, weniger von der Zeit und den Verhältnissen abhängen. Festigkeit, Sicherheit , Einigkeit scheint ihn vor dem Schwanken und der Zerfahrenheit des Liberalismus auszuzeihnen und gewinnt ihm diejenigen Gemüther, welhe mehr das Bedürfniß eines festen Anhal tes und eines höheren gesellshaftlihen Bandes fühlen, und welche, gemeiniglich selb| mit geringerer Streb=- und Productions fraft begabt, und mit einer gewissen Scheu vor aller weiter= strebenden Bewegung, die Zukunft niht dem Spiel der oft chaotisch aufgeregten Kräfte überlassen wollen. Sieht man jedoch von diesen gemüthlihen Beziehungen ab und frägt das Leben selbst, so giebt dieses offenbar, wie die ganze neucce Geschichte und selbst die vieldeutbare Gegenwart beweist, dem Liberalismus Recht, worin der Grund auch leiht zu erkennen is. Die Gesellschaft enifaltet sich wie ein großer organischer Körper, in welchem fortwährend Kräfte, die vorher \{chlummerten, zum Vorschein kommen. Lebens-Functionen, die früher eine untergeordnete Stellung einnahmen, erhalten eine vor waltende Wichtigkeit; andere Maßverhältuisse, audere Proportionen treten ein unter den gesellschaftlihen Elementen, Kräften, Klassen, Ständen, und fortwährend if diese Bildungskraft, die zugleich zer scßend und assimilirend verfährt, auf eine unhemmbare Weise im Staatskörper thätig und strebt, für die neuen Verhältnisse auch neue Formen zu gewinnen. Dieser Bewegung is nun der Libe- ralismus stets förderlih gewesen, nicht positiv und produktiv, indem er selbst die Kräfte geweckt und geleitet hätte, sondern dadurch, daß er durch sein blos negativ aufgefaßtes Prinzip der Freiheit die äußeren Hindernisse wegzuräumen suchte. Ohne eigene Zeugungskraft hat er daher den Dienst der Hebamme versehen. Allein wenn dgs Kind die Welt erblickt hat und sein Bestehen äußerlich ge sichert ist, fragt es sich um die Erziehung und die Richtung, die ihm zu geben ist, damit es sih als Glied in den Gesammt -=Organismus einzufügen und seine Kräfte zum Besten des Ganzen gebraucheu lerne. Diese Richtung weiß nun abex der negative Liberalismus, der hier wie fast überall herrscht, keine Lebensfraft zu geben. Sein laissez- faire, laissez-passer, welches ihm nicht blos für Judustrie und Han del, sondern für alle Lebensthätigkeit als Hauptgrundsaß gilt, ist in seiner ausshließlihen Durchführung nur die Quelle der Verwirrung, und führt die verschiedenen Kräfte, die sich selbs nicht zu begränzen wissen, zu immer heftigerem Kampfe. Bei diesem Zustande, wo un geordnete Massen sich bestreiten, vermehrt sih die Unsicherheit überall, heftige Schwankungen und Krisen sind an der Tages-Ordnung, die so bedeutend zunehmende Verarmung in den Untoren Kretjen ruft das ernsteste Nachdenken hervor, kurz, das Staatsschiff scheint immer weiter auf ein Meer getrieben zu werden, wo die bekannten Fährten verschwinden z und doch ist das Bedürfniß, die neuen Bahnen zu verfolgen, größer, als in die alten Häfen zurückzukehren. So bildet sich allinälig ein Zustand heraus, in welchem Kräfte zur Herr haft streben, welche von dem alten Prinzipe, welchen Namen es auh haben mag, Couservation, Katholizièmus u. st. w., nicht begriffen und von dem anderen, welches Liberalismus heißt, keine Richtung und Leitung erhalten.
Dieser Zustand i} in den constitutionellen Staaten, wo si Alles mehr herausstellt, am sihtbarsten. Während das |kon-= servative Élement dagegen zu reagiren sucht, zeigt sich der Liberalis- mus meistens als ruhiger Zuschauer. Kommt auch in manchem seiner Verehrer eine ernste Besorgniß über die Zukunft auf, ruft auch die Rathlosigkeit, deren sie sich wohl bewußt sind, ein merkbares Unbe hagen hervor, so befreundet sie doh eine innere Sympathie, wie sie wohl die Amme an das aufwachsende, wenn auch ungezogene Kind fesselt, den neueren Richtungen, welhe unter dem Schuße des Freiheits - Prinzips hervortreten, und sie erwarten die Ordnung der wogenden Kräfte dieses schwankenden Zustandes von, man weiß nicht welchem, günstigen Geschick. So zeigt sich fast in allen Staaten unter den verschiedenen Namen, welche das konservative und progressive Element qusdrücen, eine Spannung, die einen tiefen inneren Grund in der Gesellschast hat. Und doch fann dieser Zustand nicht ohne Gefahr lange andauern. Ein höheres, einigendes organisches Prinzip, welches dem fonservativen wie progressiven Elemente sein Recht wie derfahren läßt, muß aufgefaßt werden, wodurch die Bedürfnisse des gesellschaftlichen Zustandes tiefer ergründet, alle Hauptrichtungen ver- einigt und die Formen nah dem Gehalte bestimmt werden, Mit bloßem Zusehen, Abwarten is es nicht gethanz durh Skreitigkei- ten in der Presse oder in deu Kammeru über den „Vorzug des einen oder des anderen Prinzips kann man wohl noch Leidenschaften aufregen, die Worte zerpralleu aber als ohnmächtiger Schall au der Wirklichkeit. Ein Uebergang zum Besseren, is es aber, wenn man die Ohnmacht der bloßen Abstractionel, die Leere der gewöhnlichen Schlagworte zu begreifen anfängt, und ieser Uebergang scheint sich hier in den Gemüthern vorzubereiten. Ob er sih_ glücklich vollbrin- gen, ob er zu einem umfassenderen politischen Systeme überleiten wird, müssen wir von der Zukunft erwarten. Eines aber steht fest, daß die Politik, die deni Lande noth thut, sich wirklich über den bei- den Parteien halten und, die Befriedigung der ‘positiven immer drin- gender werde, den materiellen wie geistigen Bedürfnisse sich zur Haupt- aufgabe machen muß. Der Gedanke einer solchen Politik is in den lezteren Jahren immer reifer, die Ausführung au theilweise ver= sucht worden, Die öffentliche Stimmung bahnt den Weg zur Aus=
führung. Möge eine solhe Politik im bevorstehenden neuen Jahre
um einen bedeutenden Schritt näher zum Ziele geführt werden,
IL' G b 0-4.
Nom, 23. Dez. (A. Z.)
Grafen von Nassau. in den Alpen und Appeninen die Reise in aht und einem halben Tage. Die betrübende Nachricht von dem Tode ihres Königlichen Vaters hat die Prinzessin Albrecht bestimmt, ihren Vorsatz, die Saison über hier zu verleben, ungesäumt aufzugeben, Sie hat demuach entschieden, Rom schon in den nächsten aht Tagen zu verlassen und nach Berlin zurückzukehren. i
Die hiesige Regierung, vorsichtig gemacht dur die leßten Er eigmisse in den Legationen, hat nun befohlen, le Bataillone des Unten - Militairs vollständig zu machen, um, im Fall die Ruhestörer das Haupt wieder erheben sollten, wohl gerüstet dazustehen. Der General Zamboni, früher in österreichishen Diensten, bekannt durch
Revolution von 1831, hat die Weisung erhalten, zu diesem Zwecke fürs erste eine Werbung von 1800 Mann im Lande selbst vorzuneh- men. Auch soll unter seiner Leitung eine mobile Kolonne von 500 Mann Zäger organisirt werden. Man beabsichtigt, später die Wer- bung bis auf 5000 Mann auszudehnen. Vielleicht wird dann das zweite Fremden-Regiment, welches nie vollständig war und jeßt ohne Oberst und Hauptleute is, verabschiedet. Die päpstlichen Freiwilligen sind, als zu kostspielig, bereits bis auf einige hundert Maun in ihre Heimat entlassen, Jun unseren Zirkeln erzählt man sich, man habe der Regierung auf Ertrag der Zölle §00,000 Skudi unter annehm baren Bedingungen vorzustrecken angeboten.
__ Monsiguore di Pietro, Nuncius in Neapel, hat sich dort be kanntlich um den heiligen Stuhl die größten Verdienste erworben, indem er, was feinem seiner Vorgänger gelungen, durch unermüdlichen Eifer und fortgesebte Unterhandlungen die Bestätigung bei den Wahl= stellen aller Kathedralen des vereinten Königreichs wiederum unter den Papst gebracht; von mehreren Seiten wird wiederholt versichert, er werde als Nuncius nah Lissabon gehen. y
Aeu 6 Madrid, 23. Dez. Das neue Ministerium, welches man mit vollem Recht ein in der Eile zusammengerafsftes nennen kann, ist dennoch mit größerer Entschiedenheit und Kraft aufgetreten, als ù gend ein anderes seit dem Tode Ferdinands V1Il. Die dermaligen Minister sind sich vollkommen bewußt und verhehlen es keinesweges, daß sie, der Auarchie gegenüber , ihre Köpfe aufs Spiel seßen, um, so viel es an ihnen liegt, zur Befestigung des Thrones beizutragen. Sie haben den Einfluß auswärtiger Diplomatie, der \ich geltend machen wollte, zurückgewiesen , einmal, indem sie auf die Vorbehalte und Unterhandlungen des Prinzen Carini nicht eingingenz daun, in dem sie, troß der Bemühungen des französischen Botschafters, der die förmliche Aufstellung der Anflage Olozaga's zu verhindern wünschte, sih entschlossen zeigen, diese Angelegenheit durch den Ausspruch bei der Kammern entscheiden zu lassen. Diese Minister haben es gewagt - denn es gehört Muth dazu — die vertriebene Mutter der Köni gin zur Rückkehr an die Seite ihrer Tochter einzuladen, obgleich sie sich nicht verhehlen können, daß eben diese Rückkehr ihre Verdrängung von den Minister - Sesseln zur Folge haben wird. Sie haben die ver= schiedenen Zweige der Verwaltung von Beamten gesäubert, deren Mehrzahl ohne andere Verdienste, als die ihnen von revolutionairen Junten beigelegten, emporstiegen, um anu der Auflösung des Staates zu arbeiten, Sie haben den Cortes so eben denselben Geseß = Ent- wurf über die Munizipalitäten (mit Ausschluß des die Ernennung der Alkalden betreffenden Artikels) zur s{leunigen Annahme vorgelegt, der im Jahre 1840 einer weit früher angelegten Empörung zum Vorwande diente. Sie haben vermittelst eines gestern veröffentlich ten Dekretes die alleinige Leitung der National - Milizen den Hän= den völlig unabhängiger , stets gegen die Regierung sich auflehnender Civil-Behörden entzogen und dem Kriegs-Minister, so wie den Ge neral-Capitainen der Distrikte, übertragen, so daß die National=Miliz ihren bisherigen Charakter einer selbstständigen bewaffneten Macht cinbüßt,
Diese Verfügungen sind in wenigen Tagen getroffen worden, und bald muß sich zeigen, ob die Nation ihnen durch Gehorsam hul- digt, Die Freunde der Anarchie hofften, daß nah hergebrachter Weise, die Provinzial = Deputationen und Munizipalitäten drohende Adressen an den Thron richten würden, um für Olozaga Partei zu ergreifen und über Verleßung des Grundgeseßes zu schreien, Durch- aus das Gegentheil ist erfolgt. Die Gaceta is Tag für Tag mit Adressen überfüllt, in denen die loyalsten Gesinnungen und der tiefste Unwille über die der Königin zugefügte Gewaltthat mit einem Nach druck ausgesprochen werden, der selbst die eifrigsten Freunde der Mo- narchie überrascht, An keinem Punkte Spaniens hat sich bis jebt in dieser Hinsicht die geringste Meinungs-Verschiedenheit geäußert, Sogar die gufrührerische Presse fängt an, sich ihres bisherigen Tones zu \{hämen, und öffentlich Buße zu thun. Der E spectador hat neue Redaktoren erhalten, und ein neues, sehr bescheidenes Gewand ange- legt. Das Eco del Comercio is heute wieder erschienen, und sagt sich von dem schändlichen gegen die Königin Christine gerichteten Artikel los, indem es zugleich dieser vielfah gemißhandelten Fürstin volle Gerechtigkeit widerfahren läßt, :
Ju der heutigen Sißung des Kongresses weigerte sich der Mi- nister - Präsident für jeßt Auskunft über die Maßregeln zu geben, durch welche die Urheber des in den Büreaus des Eco del Co- mercio verübten Frevels zur Verantwortung gezogen werden sollen. Der Minister erklärte, in Folge einer Anfrage, nicht auf amtlichem Wege zu wissen, daß Olozaga das Land heimlich verlassen habe. Die Kommission, welche über den Antrag, Olozaga in Anklagestand zu verseßen, zu berichten hat, erklärte heute, demnöchst ihre Arbeiten be- ginnen zu wollen.
X Paris, 29, Dez. Der neue General-Capitain von Ca- talonien hat, dem Herkommen gemäß, kurz nah feinem Amts-Antritte zwei Proclamationen an die Bevölkerung des Fürstenthums und gau das Heer gerichtet, von denen die lehtere die folgende bemerkens-= werthe Stelle enthält :
„Laßt nie in eure Reihen Das eindringen, was die gesunde Politik der Cortes und der übrigen verfassungsmäßigen Gewalten der Monarchie vorbehalten hat. Seid einig in den strengen Grundsäßen eures Standes und seid eben so einig in der Neinheit eures Willens, und laßt euch nicht einen Augenblick durch Diskussionen und Zwecke, welche dem Waffen-Hand- werke fremd sind, von der Beobachtung der Pflichten ablenken, welche in den A E O strenge Befolgung ih euch empfehle, (t » 1 D nre " - 0 1 F P Ma E bal Lte ad der Chre führt, welche den edelsten Theil un-
Ein barcelonaer Blatt versichert, daß der General Sanz durch= aus wider seinen Wunsch und wider seine Erwartung aus Barce= lona abberufen sei, und daß er seinem Unmuthe über diese Maßregel
i L ) Vor einigen Stunden traf der E des Prinzen von Preußen, Graf von Manteuffel, als außerordentlicher Kabinets-Courier von Berlin hier ein. Er überbringt C V ‘ , , Ta A , -- G
ihren Königlichen Hoheiten der Frau Prinzessin Albrecht und dem | lich der Citadelle und des gefürhteten Schlosse jr:
M, E S i - + / i ¡to ( Schlo]ses Monjxich, an dene! Prinzen Heinrih von Preußen die Nachriht von dem Ableben des s Ee E Der Courier machte troß des hohen Schnees
25 des Großfreuzes des Ordens Karl's [[l, Luft gemacht habe.
Stadtmauern zu schreien, welhe den
sich der Aufstand bisher fast immer gebrochen hat.
Man eröffnete dessen Erfolg
damals, zur allerdings von der
| Hauptstadt. | Unternehmens ,
gen das Gelingen des
| Planes; * nur die | von 500 Realen eintrug.
lächerliche
hatte, zwei Monate lang, freilich mit geringem Eifer und mit gerin gen Kräften, an der Abtragung der Stadtwälle gearbeitet. T
| von neuem gegen die Regierung erhob, wurden die Demolirungs
Arbeiten niht nur eingestellt, soudern man baute auch den bereits eingerisscuen Theil der Festungswerke nach besten Kräften wieder auf, um deu heranrückenden Truppen der Regierung die Spiße bieten zu
fönnen. Obgleich nun aber der jeßige Zustand der Festungswerke von Barcelona viel zu wünschen übrig läßt, so wird das madrider Kabinet doch ganz gewiß nicht darin willigen, daß durch die Nieder-
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reißung der Stadtmauer einer der festesten Pläße Spaniens vollends
| wehrlos gemacht werde.
Als ein Beweis von der unglaublich raschen Wiederbelebung Verkehrs in Barcelona mag angeführt werden, daß es in : | wenigstens an 600 Schuhmachern und Schncidern fehlt, u | handenen Bestellungen zu genügen. | Der General | jeinem Generalstabe nah Figueras auf.
P0014 9a 1. A Lissabon, 19. Dez. i
j | | |
Die Kammer- fährt fori, die Vor
schläge des Finanz - Ministers zu berathen, und es i! nun sicher, daß
| dieselben von Seiten der Majorität eine entschieden günstige Auf | nahme finden. f 1 | worden, ist nun auch jene auf die verschiedenen Fleisharten angenom | men worden, jedoch hat die Kammer die vom Minister verlangte Aus | nahme vou derselben für Lissabon auch aufden ganzen Distrikt der sogenann f
ten Sete Casas ausgedehnt. Man kaun dieser Auflage nur Beifall
| zollen, indem sie den ärmeren Theil der Bevölkerung, dessen Nahrung | nur selten oder gar nicht in Fleischspeisen besteht, fast gar nicht be |
rührt, also lediglih die wohlhabenderen Klassen trisst, welche leicht dieselbe tragen konnen.
È | Es wird dadurch zugleich eine bisher be standene Ungerechtigkeit
di gut gemacht, indem bisher die ärmeren Klassen gerade für die ihnen gewohnten Nahrungsmittel eine Steuer zahlen mußten, während die reicheren fast leer ausgin- gen. So mußte und muß der Arme für jedes Pfund Sto sis, der eines der Haupt - Nahrungsmittel dieser Klasse ausmacht, die verhältnißmäßig sehr hohe Auflage von 12 Reis bezahlen, und da der Zustand des Staatsschabes die Aufhebung dieser Besteuerung nicht gestattet, so war es sicherlich nur dem Geseße der Billigkeit entsprehend, auch die Wohlhabenden zur Theilnahme an den Lasten herbeizuziehen. Hier selbst tritt sonach in Folge des von der Kamme angenommenen Amendements im bisherigen Zustande durchaus keine Ausnahme ein.
In diesem Augeublicke is die Kammer mit der Berathung über die beantragte Besteuerung des Salzes beschäftigt, und allem An- | scheine nah wird auch diese mit derselben Majorität durchgehen, | welche bis jeßt die beiden auderen Auflagen auf Wein und Fleisch votirt hat. ]
Die Hoffnung der ehemals miguelistishen Offiziere, deren sehr viele in der größten Noth sich befinden, auf eine Verbesserung ihres Looses durch Gewährung einer kleinen Pension für jeden, wie ein be tresfender Antrag dazu gestellt worden war, is so ziemlich wieder vershwunden. Dieser Autrag is in der Pairs-Kammer mit ziemlich
starker Majorität verworfen worden. i
Im Allgemeinen aber macht sich in der Deputirten-Kammer bei der großen Mehrheit eiu sehr guter Geist, eine der Regierung ent= schieden freundlihe Gesinnung bemerkbar, die nur die günstigsten Fol gen haben kann, sowohl für die Befestigung der moralischen Kraft der
Verwaltung und für deren Dauer, als für Beförderung der Arbeiten der legislativen Körper. Die dem Ministerium ergebene Majorität in der Deputirten - Kammer steht fortwährend fest uud kompakt der demselben feindseligen Minorität gegenüber und je heftiger und unge messener die Angriffe von Seiten dieser werden, je systematischer die VDpposition wird, welche dieselbe jeder von den Männern der Regie rung ausgehenden oder beantragten Maßregel entgegeuseßen, desto enger schließen sich die Mitglieder der konservativen Partei an ein ander zu einem Phalaux, welchen die Widersacher nit so leicht zu durchbrechen vermögen werden. Unter diesen Umständen is gegründete Aussicht vorhanden, daß in dieser Session endlich die in der leßten vertagten umfassenden Finanzpläne des Barons Tojal zur Schlußfassung gelangen werden, Die Verwaltung dieses Ministers wird sich ein chrendes | Monument im Lande durch die Wohlthaten gründen, die dieses ihr bereits zu verdanken hat und noch ferner zu bringen verspriht. Jm Personale der Zollstätten und der Accise -= Büreaus sind mancherlei Veränderungen bereits getroffen worden, und dasselbe wird überhaupt ciue andere verbesserte, die Kontrolle erleichternde Organisation erhal ten, wenn dex vom Baron Tojal vorgelegte Plan dazu die Zustim mung der Kammern erhalten haben wird, Ju der Erwartung, daß dies bald der Fall sein werde, hat der Minister beschlossen, einstweilen keine etwa sich erledigenden Stellen in diesen Verwaltungszweigen wieder zu beseßen, sondern damit zu warten, bis die neue beabsichtigte Organisation ins Leben treten kann. Das Haupktstreben des Finanz= Ministers geht dahin, die dem Staate geöffneten Einnahme - Quellen \o ertragreih als möglich zu machen, ohue dadur in irgend einer Art den Druck der dem Volke auferlegten Lasten allzuschwer zu machen, oder dem Handel, der Judustrie, der Entwickelung des Ackerbaues hindernde Schranken in den Weg zu legen. Eine gleichheitlichere, billigere Vertheilung der Staatslasten auf alle Klassen der Bevölke rung mit gerechter Würdigung ihrer Tragfähigkeit thut dein Lande noth, und darauf sind auch alle von dem Finanz = Minister bereits getroffenen oder noch beabsichtigten Maßregeln berechnet.
Außer den bereits erwähnten, soll auch der Ertrag des Stems-= pels vermehrt werden durch Ausdehnung des Stempels auf alle legale Dokumente und sonstige Papiere ähnlicher Art, nameutlich auch auf die Lotterie - Zettel, deren Zahl außerordentlich groß ist, und die da= her eine nicht unbeträchtlihe Summe eintragen werden, während durch die eintretende Vertheuerung derselben noch der gewiß auch niht zu verachtende Vortheil erzielt wird, daß vielleicht gerade von den ärmeren Klassen mancher von der Theilnahme an diesem Spiele
durch die Ablehnung der General - Capitginerie von Granada, und
us Jer l Als in dem ver- gangenen Sommer die Junsurrection gegen die Regierung Esyartero's 4) ) P P M r ooln d 5 . 0 l wo a m L G
Meister 111 Barcelona wurde, war eine 19rer ersten Handlungen, die Dekfretirung der Schleifung der Mauern und Wälle der catalouischen Beschleunigung dieses i / ( ! Schnelligkeit | abhing, mit welcher es betrieben wurde, eine Subscriptiou, die | indessen, bei dem instinktartigen Mißtrauen der Bevölkerung ge- ' l i Summe | v: Nichtsdestoweniger wurde, ohne daß | die Regierung es zu hindern wagte oder zu hindern die Macht
4) p S E u : \ | Uls jich Errichtung der päpstlihen Jäger und der leichten Kavallerie nah der | Barcelona aber im September d. J. zu Gunsten der Central-Junta
Capitain von Catalonien brach am 22\tecn mit
Nachdem die neue Auflage auf jungen Wein votirt
Man fängt in Barcelona von neuem an, nah der Niederreissung der 5 uer 1 L friedlihen Bürgern verhaß sind, weil sie dem Aufruhre so oft als Bollwerk gegen die Staats gewalt gedient haben, und deren Abtragung auch die revolutionair Gesinnten verlangen, weil sie in derselben den Anfang zu der Schlei= fung der» sämmtlichen Festungêwerke vou Barcelona sehen, nament-
Griechenland.
t __ Ancona, 22. Dez. (A. Z.) Die zur Entwerfung der Adresse auf die Königliche Throu -= Rede von der griechischen National = Ver= sammlung crnaunte Kommission beschäftigte sih in ihrer ersten Siz- zung mit der Frage, ob der 15. September als ein für die Nation glorreicher Tag in der Adresse erwähnt werden solle oder nicht. Die Meinungen waren getheilt; es siegten jedo diejenigen, welche be- haupteteu, der 15. September, obwohl nicht zu zweifeln, daß er dem König eben so heilig wie der ganzen Nation, euthalte doch Erinue= rungen an Ereiguisse, welhe niht in ihrem ganzen Umfange von jedem Vorwurf freizusprehen seien; es eigne sih daher jene Erwäh= nung nicht ganz für eine Autworts-Adresse auf die Königliche Thron= Rede. ;
Die in der National-Versammluug abgehaltene Rede des alten Palifaren - Chefs Riga Palamides hat uicht nur auf einen großen Theil der Versammlung, soudern auch außerhalb derselben vielfach einen ungünstigen Eindruck gemacht. Denn die Rede griff mit har= ten Worten alle Phanarioten an und Maurokordatos, das Haupt der englischen Partei, ward dadurch vorzüglich verleßt. Riga Palamides erflärt alle Phanarioten für Fremde, nennt sie Rajah und ftreitet ihnen nmcht nur das Recht ab, in der gegenwärtigen kopstitui= renden Versammlung als Mitglieder zu sien, sondern möhte iónen für alle Folgezeit jede Wahlfähigkeit, sei es zu Deputir= ten oder Secnuatoren absprechen. „Diese Fremden“, sagt er, „stell- ten sh crstt daun ein, als die Unabhängigkeit Griechenlands mit dem Blute seiner Landesfinder bereits faktisch errungen war“, was, wie Sie wissen, wenigstens in Bezug auf Maurokordatos eine Unwahrheit is. Aus dieser Rede ging jedoch hervor, daß Palamides ein Anhänger des Zweikammer= Systems is, welches System über= haupt die meisten Anhänger zählt. Die zum Entwurf der Constitu= tion aufgestellte Kommission soll, ihrer Mehrheit nach, gesonnen scin, das Königliche Veto unumschränkt zuzugestehen, aber die Verantwort= lichfeit der Minister, so "wie die Kontrolirung der ausübenden Gewalt durch den geseßgebenden Körper als Grundsaß aufzustellen.
Vercinigte Staaten von Uord-Amberika. New - York, 8. Dez. 11d d
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b Der Kongreß is am 4ten d. M. er= ie an denselben gerichtete Botschaft des Präsidenten Tyler olgenden Tage durch die hiesigen Blätter veröffentlicht
| as Dokument ist weniger weitshweifig als gewöhnlich, und wie es den Anschein hat, zeigt man sih mit den darin ausge= prochenen Gesinnungen im Allgemeinen zufrieden. Eine andere Wir= fung muß die Nede in England haben.
Cs hat vielleicht noch keinen Präsidenten der Vereinigten Staa= ten gegeben, dem sein persönlicher Eirfluß weniger zu Hülfe kam, um seine Botschast an den Kongreß von einiger Bedeutung erschei= nen zu lassen, als Herrn Tyler. Ohne Ansehen und Einfluß bei ir= gend einer der Parteien des Landes, weil feiner Partei eigentlih an= gehörend, am Ende einer Präsidentschaft, hat derselbe darum zur Er= haltung jeiner Würde keinen anderen Weg, als solche Fragen anzu= regen, welche am stärksten guf die nationalen Leidenschaften wirken, und seine diesjährige Botschaft konte nur von einiger Wirkung sein, wenn die Fragen hinsichtlich der Einverleibung des Oregon = Gebiets und der Republif Texas darin eine Stelle fanden, Diesen Er= wartungen hat Herr Tyler entsprochen. Nachdem zuvörderst die gewöhnlichen Glückwünsche zu der Wohlfahrt und dem Gedeihen des Landes die Rede eingeleitet hatten, geht der Redner unmittelbar zur Besprechung der diplomatischen Beziehungen Amerika?s zu Eng= land über und erörtert nah kurzer Anspielung auf den Ashburton ¡ Vertrag jogleih die Oregon - Frage. Herr Tyler beansprucht den
ganzen Strich am stillen Meere zwischen dem 42sten und 54ften Grad nördl. Br, für Amerika und erklärt, daß bereits „amerifanische Bür ger auf dem Wege dorthin begriffen scien, um daselbst Niederlassun= gen zu gründen.“ - Die Unterhandlungen, welche er darüber mit dem Kabinet vou St. „ames angekuüpft habe, hätten zu keinem Resultat geführt, und cs sei deshalb nöthig, daß militairishe Posten zum Schube der amerikanischen Ansiedler in seuem Gebiete bestellt würden Das amerikanische Geseß muß den amerikanischen Bürgern folgen und die republikanische Regierung jenseits der Rocky Mountains her= gestellt werden. Noch stärker ist die Sprache des Präsidenten über die Angelegenheiten von Texas, obschou die Frage über die Einver= leibung der Republik mit den Vereinigten Staaten nicht in bestimmter Weise beantwortet wird. Herr Tyler giebt zu, daß Meriko die Herr= schaft über Texas mit Recht beanspruchen könne, wenn es dieselbe de facto herzustellen im Stande wäre, aber gleih darauf heißt es in einem anderen Paragraphen, „daß Teras in der Meinung sehr Vieler einen Theil des Territoriums der Vereinigten Staaten bilde.“ Wir kommen auf diese Stellen noch ausführlicher zurück. Die
Angelegenheiten der inneren und Handels=Politik werden in der Bot= schaft ausführlih besprochen, sind indeß, bis auf den Vorschlag zu cinem Handels - Traktate mit dem deutschen Zoll - Verein, von gerin gerem Jnteresse. Die Tarif -Frage wird nur kurz erwähnt und eine Revision dem Kongresse anheimgestellt, bei welcher die Feststellung mäßiger Zölle das leitende Prinzip sein soll, indem dadurch Stetigkeit in der Geseßgebung erreiht und die Juteressen eines Theiles der Union uicht denjenigen eines anderen geopfert würden. Ueber den mit dem deutschen Zoll-Verein abzuschließenden Handels-Traktat sagt Herr Tyler : : Der deutsche Zoll- und Handels-Verein, der seit seiner Errichtung int Jahre 1833 fortwährend anu Macht und Ansehen zugenommen hat und ge- genwärtig aus mehr als 20 deutschen Stagten mit einer Bevölkerung von 27 Millionen Seelen besteht, die sämmilich unter sich und mit anderen Nationen ein und dieselben Handelszwecke erstreben, bietet den legteren ei- nen höchst schäßbaren Verkehr, weil demselben die liberalsten Prinzipien wie sic kein auderes Fiskal - System einer europäishen Macht bietet zum Grunde liegen. Von seinem ersten Entstehen is dic Wichtigkeit des deut- schen Vereins von Seiten der Vereinigten Staaten niemals aus dem Auge gelassen worden. Die Betriebsamkeit, Rechtlichkeit und andere \chäßbare Eigenschaften der deutschen Nation hai man bei uns immer gekannt und gewür- digt. Jch ersuche deshalb den Kongreß, in Bezug auf diesen Gegenstand seine Aufmerksamkeit auf den Bericht des Staats-Secretairs zu richten, aus welchem hervorgeht, daß, während unsere Baumwolle schon zollfrei eingelassen wird und der Zoll auf Neis um ein beträchtliches herabgeseßt worden ist, was bereits zu einer bedeutenden Zunahme der Consumtion geführt hat y jener große Verein kürzlich scine Bereitwilligkeit zu erkennen gegeben hat / unter gewissen Bedingungen auch den gegenwärtigen Zoll auf Taba herunterzu- seßen. Da dies die erste von einer europäischen Macht ausgegangene An- deutung ist, eine Konzession in diesem Artifel zu gewähren, so sehe ich die- selben als einen Willensausspruh an, das einzige Hinderniß aus dem Wege räumen zu wollen, welches bis jeßt dem freisten kommerziellen Verkehr zwischen uns und ihnen entgegenstand. Ju diesem Sinne is unser Mini- ster in Berlin, welcher stets mit dem größten Eifer diesem Gegenstande ob- gelegen hat, instruirt worden, Unterhandlungen über einen Handels-Traltat anzuknüpfen, der kein bestehendes Juteresse der Union benachtheiligen wird während er neue Vortheile unseren Agrikultur-Juteressen, und cin freieres und ausgedehnteres Feld unseren Handels-Operationen eröffnet Sollten die Unterhandlungen mit Erfolg gekrönt werden, so wird beiden Häusern des Kongresses die betreffende Mittheilung zugehen,“
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abgehalten wird,