1844 / 110 p. 2 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

ails: V R A E Ez t L U Oa e

Arbeitern bestellt worden, mit Tages-

ig Hülfs - ; : leuten und pon OeP- der Strand nach allen Seiten hin von

6. E Anbruch, am 1 mung der Strand= Polizei beauftragten Steuer-

it Wahrne ) : de ae Labn ict und von diesen, unter Leitung des Strand-

ülfsleistung einer angemessenen Zahl von Stxrand= E b R Zahl von Arbeitern, die Bergung von Gegenständen der Ladung und Schiffsgeräthschaften bis spät auf den Abend betrieben, auf gleiche Weise auch in den folgenden Tagen fort- gefahren. Daß dessenungeachtet es niht mögli gewesen sein mag, jeden Diebstahl am Strandgute zu verhindern, kann zugegeben werden, weil dies der Natur der Sache nah in der Unmöglichkeit beruht und kein Vernünftiger deshalb den Behörden cinen Vorwurf machen wird. i i

Viertens wird den Behörden zur Last gelegt, daß dem Ca- pitain des „Courier“ nah Verlust seines Ruders nicht von Pillau aus der Befehl geworden, einen Theil der Ladung über Bord zu werfen, und daß man niht das Schiff vermittelst eines Dampfbotes in den Hafen geholt, was in den Tagen vor der Strandung, wo der Sturm nicht so heftig war, schr wohl thunlih gewesen wäre, da die Lootsen damals dem Schiffe auf der Rhede Anker gebracht hätten. Hierauf i zunä} zu erwiedern, daß ein Befehl zum Seewurf niht gegeben werden fonnte, weil es an einem geseßlichen Anhalt fehlt, vermöge dessen die Behörde berehtigt wäre, einem Schiffs- Capitain, so lange dieser das Kommando führt, ein solhes Ansinnen zu stellen, Wäre es aber anch gestellt worden, und hätte sich der Capitain derselben freiwillig unterwerfen wollen, so würde die Maß- regel doch nicht haben zur Ausführung gebracht werden können, weil nach der Aussage des geretteten Steuermannes während der ganzen Zeit, wo das Schiff auf der Rhede gelegen hat, immer sol hartes Wetter gewesen is, und die See so stark über das Schiff geschlagen hat, daß die alsdann nothwendige Ocffnung der Schisfsluken fast un- möglich, jedenfalls aber wegen des Eindringens des Wassers tollkühn gewesen sein würde.

Eben so unthunlih war das Einbringen des Schiffes in den Ha- fen mit Hülfe von Dampfböten, da jenes, ohne Steucrruder, wie der Steuermann selbs bekundet hat, nicht zu regieren war,

Der lebte Vorwurf zeiht die Behörden einer zu großen Unvor- sihtigkeit deshalb, weil in jenen Sturmtagen den beiden Rhedeschiffen „Heinrih““ und „Hope“ bei dem heftigsten Seegange das Zeichen zum Einsegeln in den Hafen gegeben worden, einem Wagniß, das sehr leiht mit ihrer Strandung hätte endigen fönnen.

Daß dieser Erfolg leiht möglih war, is den betheiligten Beam- ten bei Ertheilung des Signals keinesweges unbekannt geblieben, Die Lage der Verhältnisse war aber von der Art, daß dieser Weg für deu zweckmäßigsten erkannt werden mußte, wie denn auch die Führer bei- der Schiffe derselben Ansicht gewesen sein müssen, da sie auf das Signal jenen sofort beschritten haben. Der glücklihe Erfolg hat die Zweckmäßigkeit der getroffenen Anordnung vollständig gerechtfertigt, und beweist mehr wie alles Andere das Unbegründete des Vorwurfs,

Jeder Unbefangene mag hiernach selbs beurtheilen, was von je nen Anklagen zu halten i},

N sland.

Deutsche Bundesstaaten.

Bayern. Müncheu, 13, April, (N. K.) Die Kaiserin Wittwe von Brasilien, Herzogin von Braganza, welche sich mit ihrer Prinzessin Tochter schon seit dem vorigen Sommer hier befindet, wird nächsten Mouat nah Lissabon zurückehren. Nach portugiesischem Statut hat dieselbe befanntlih ihre Apanage im Lande zu genießen, und darf uur nah vier Jahren wieder zeitweise ihren Aufenthalt im Auslande nehmen, Der s{chwer kranke General-Adjutant Fürst von Löwenstein-Wertheim wurde bereits gestern mit dem Sakramente der leßten Oelung versehen. Für den Unterricht im Fehten und Volti- giren der Königl, bayerishen Kavallerie sind erneuerte Vorschriften in einem Bändchen gedruckt erschienen, und bereits an die treffenden Abtheilungen erlassen worden.

Baden. Karlsruhe, 12, April, Die hiesige Zeitung enthält folgende vorläufige Anzeige über die Stiftung von Hülfs- Vereinen zur Unterstüßung der nothleidenden schlesischen Weber: „Was thut Baden für die nothleidenden \{lesishen Weber? Baden, das sich nach dem hamburger Brand durh schnelle, willige Hülfeleistung bewährt hat, wird das Elend seiner Brüder in Schlesien nicht un- beachtet lassen. Es wird sich in Karlsruhe ein Ceutral-Verein bilden zu unentgeltliher Besorgung vou hülfeweisen Bestellungen auf sle- sische Leinwand. Sein erstes Geschäft wird sein, sih von dem Verein in Breslau zuverlässige Preislisten zu verschaffen und inzwischen in den bedeutenderen Orten Badens Hülfs-Vereine ins Leben zu rufen, Diese Vereine nehmen die Bestellungen derjenigen auf, welche den Schlesiern durch einen Einkauf, er sei groß oder klein, zu Hülfe kom-

Als Stoff für die Verhandlungen dienen überhaupt solhe Gegenstände

aus allen Zweigen der gcsammien Land - und Forstwirthschaft, die nach ihrem dermaligen Standpunkte wichtig genug erscheinen, um der Berathung einer Versamnilung sahkundiger Männer aus allen Theilen des deutschen Vaterlandes unterstellt zu werden; insbesondere weiden dafür die sowohl von früheren Versammlungen unerledigt gebliebenen, als au neu in An- regung gebrachten Gegenstände und Fragen, die sih nachstehêènv zusammen- geftellf finden, vorgeschlagen. Größere, zu Vorträgen in der Versammlung bestimmte Abhandlungen, welche Vorträge aber, sofern sie niht Gegenstände von besonderer praktischer Wichtigkeit betreffen und Anträge begründen, worüber während der Dauer der Versammlung zu verhandeln und zu beschließen is, möglichst vermieden werden sollen (vergl. Stuttg. Bericht S, 175), sind zur statutenmäßigen Prüfung und um eîne zweckmäßige Neihenfolge derselben bestimmen zu kön- nen, bis spätestens zum 24, September an den Vorstand einzusenden ; da- gegen können fürzere Aufsäße und Vorträge bei demselben auch während der Zeit der Versammlung angemeldet und übergeben werden.

Als Gegenstände der Beschäftigung und belehrenden Unterhaltung außer den Verhandlungen und Sihungen werden vorläufig bezeichnet :

1) Die vom General-Comité des landwirthschaftlichen Vereins von Bayern veranstaltete Ausstellung von bayerischen land-, forst- und gartenwirth- schastlichen Erzeugnissen aller Art, von Geräthen, Maschinen und Mo- dellen, von landwirthschaftlich-tehnishen Fabrikaten und den wichtig- sten Viehracen des Landes.

Y Die öffentlichen Sammlungen der Haupt- und Residenzstadt in Bezug

9 Bi issenschäften, Künste und Technik,

; csage nach benachbarten Staats-Domainen, insbesondere Militair-

T Fand dem mit der landwirthschaftlichen Central-Schule verbun- Veranstaltaodule Schleißheim, dann nah einigen Privatgütern, Die esi Aen Ag e getroffen werden, daß Ausflüge nach entfernteren \haftliher Besu von G ayerischen Seen, insbesondere ein gemein- ebungen von Tg n Gebirgs - und Alpenwirthschaften in den Um- Mäh Uhr und gern ee und Kreut mit Abfahrt am 27. September Mitgliedern von Seit éhr am 29stea Nachmittags unter Leitung von e en stattfinden können, die sich bferfúr,

n derjeni wo möglich spätestens bis sten Abends schrisilich oder mündlich

662 men wollen, und geben Auskunft über Güte, Breite und Preis, Sie prüfen die Zahlfähigkeit der Besteller und vermitteln die Uebersendung und Abgabe der Leinwand, so wie deren Zahlung. Dem milden Zweck entsprechend und die Vermittelung sihernd, wäre eine Einzah-= lung von 10 pCt. der Bestellung.

Vom Oberrhein, 12, April. (F. J.) Ju der öffentlichen Meinung zeigt sich in Bezug auf unsere Kammer-Verhandlungen eine wesentlihe Veränderung, welche um so größere Beachtung verdient, als sie das allmälige und darum um o tiefer gehende Ergebniß ruhiger, unbefangener Beobachtungen is. Dem verständigen, geraden Sinne des Vürgers und Landmanns entging die sichtbare Theilnahme nicht, daß die Regierung emsig bemüht ist, mit allen ihr zu Gebot steheuden Mitteln das Wohl des Landes zu fördern und den gerechten Wünschen unserer Stände entgegenzukommen. Schon während der Ergänzungs-Wahlen zum gegenwärtigen Landtag konnte man die Be- merkung machen, daß die Regierung jede Einwirkung auf dieselben zu vermeiden suchte, obwohl sie durch das Benehmen der Opposition dazu Veranlassung genug haben mochte. Dieses System ruhiger Ver= ständigung, friedliher Vermittelung hat sie fortan festgehalten, und sowohl durch die zahlreichen, wichtigen Vorlagen von Gesetz - Ent- würfen, welche eine zeitgemäße fortschreitende Entwickelung beabsich- tigen, als durch die besonnene Haltung bei den bisherigen Verhand- lungen genugsam gezeigt, daß sie alles Ernstes ein freundliches Ver- hältniß mit den Ständen wünscht und eben so die Erwar-= tungen des Landes fkenut, als sie denselben zu entsprechen geneigt is. Mußte \cchon dieses Entgegenkommen, dieser un- leugbare redlihe Wille, in Eintracht mit den Ständen zu wirken, die rechte Anerkennung des Landes gewinnen, so hat da gegen das Benehmen der Opposition in der zweiten Kammer desto mehr Mißfallen erregt. Das shroffe Auftreten einzelner Mitglieder derselben, die oft allzu heftigen Angriffe gegen verdiente Staats- männer, die Verdächtigung verschiedener Kammer=Miktglieder selbst, welche nicht in allen Dingen und unbedingt zur Fahne der Opposition {chwören, mußten nothwendig die Ueberzeugung begründen, daß der Geist vorurtheilsvoller Unzufriedenheit in der Kammer Wurzel gefaßt, daß man eine Opposition um jeden Preis haben will, Das ist aber niht der wahre Ausdruck des vernünftigen Gesammtwillens, welchen darzustellen die eigentlihe Aufgabe der Abgeordneten des Landes ist. Wir sind keineêsweges der Meinung, daß eine Opposition überhaupt etwas Verderbliches seiz im Gegentheil, sie wird und muß nothwen- dig vorhanden sein, so lange es verschiedene Ansichten giebt : aber eine andere Frage ist, ob es heilsam, den Juteressen der Kommitten- ten förderlih sei, wenn man Allem, was von der Regierung ausgeht, eben deswegen Widerspruch entgegenseßt, Dies zu leugnen, nehmen wir keinen Anstand, und diese Ansicht ist es denn, welche allmälig im Volke sich kund giebt,

Freie Städte. Frankfurt a. M,, 12. April. (A. Z.) Eine Kommission, bestehend aus dem preußischen, bayerischen und säch- sischen Gesandten, hat, dem Vernehmen nach, die elektro - magnetische Maschine vou Wagner einer Untersuchung unterworfen und auf deren Grund einen günstigen Vortrag an die Bundes-Versammlung erstat- tet. Ju Folge dessen soll die bereits vor längerer Zeit ernannte teh nische Kommission (die Prof. Ettinghausen, Steinheil und Schubart), ersucht worden sein, im Monat Mai nach Frankfurt zu kommen, um die Wagnersche Maschine in allen ihren Einzelheiten und Leistungen genau zu prüfen,

Srankret h.

Deputirten-Kammer. Sibßung vom 12. April, Als die Minister der auswärtigen Angelegenheiten und der Marine heute in der Kammer erschienen, legten sie das auf die otaheitischen Er- eignisse bezügliche Aktenstück, dessen Mittheilung die Kammer gewünscht hatte, nämlih den von Herrn Reine überbrachten und vom 15, No- vember datirten Bericht des Contre-Admirals Dupetit - Thouars, auf das Büreau nieder, und der Präsident forderte die Deputirten auf, davon Kenntuiß zu nehmen. Herr Ledru-Rollin, der sih vorher über das Ausbleiben der Minister so heftig beschwert hatte, blieb dessen- ungeachtet jeßt ruhig auf seinem Plaß siben. Eine Stimme aus dem Centrum rief: „Also keine Juterpellationen mehr!“/ Andere Stimmen entgegneten : „Nur Geduld, wir sind noch niht am Ende!“ Der Präsident erklärte darauf, daß Herr Billault über die so eben der Kammer gemachte Mittheilung das Wort habe, worauf dieser den Marine-Miuister vorerst fragte, ob der auf das Büreau niedergelegte Bericht sich auf das beziehe, was während des Protektorats und hei der Absetzung der Königin Pomareh vorgefallen,

Der Marine-Minister: Er bezieht sh zum Theil darauf. Als

| zum erstenmale von den otaheitishen Angelegenheiten die Nede war, befan-

den sich einige Berichte von Subaltern-Öffizieren in den Händen des Ma- rine-Ministers, Daß wir diese der Kammer hätten vorlegen müssen, wird man gewiß nit behaupten wollen, Jch glaube vielmehr, daß die Negie- rung vollkommen recht handelte, mit einer weiteren Mittheilung so lange zu warten, bis ihr das Urtheil des Ober-Befeÿlshabers über die unter sei- nen Augen vorgefallenen Erciguisse vorlag. Was that nun die Negierung

4) Den 6, Oktober wird das Central-Landwirthschafts-Fest in München gefeiert, bei welchem die Preise für die vorgeführten Thiere vertheilt werden, Auf die Preisevertheilung folgt ein Pferderennen, und vom 7. bis 13, September finden die übrigen Festlichkeiten und Vergnü- gungen, als : Vogel-, Scheiben - und Hirschschießen, ein 2tes Pferde- rennen u. st, w, statt.

Wer nach §, 9 10 des Grundgeseßes Zusendungen vou land- und forstwirthschaftlihen Gegenständen, als: von Thieren, Wolloließen, Maschi- nen, Ackergeräthschaften, Feld - und Waldprodukten, welche nicht für obige Landes - Produkten - Ausstellung bestimmt sind, zu machen gedenkt, wird er- sucht, davon bis zum 31, August Nachricht an den unterzeihneten Vor- stand zu geben, damit man eine Uebersicht von den einkommenden Gegen- ständen gewinnen, passende Lokale für zweckdienliche Aufstellung ausmitteln und wegen der Kosten für die Ein- und Rücksendung statutenmäßige Vor- sorge treffen könne, *)

Was insbesondere die Einsendung bemerkenswerther Wolloließe an- langt, so werden Alle, welche hierfür thätig zu sein die Gefälligkeit haben wollen, wegen der bevorstehenden Schur ersucht, die Veranstaltung hierzu nicht allzu weit zu verschieben, Die Einsendung der Vlicße müßte eben so, wie în den leßten Versammlungen, in ungewaschenem Zustande, in flachen mit Schreibpapier ausgelegten 4 (] Fuß Grundsläche haltenden Kisten geschehen, und es wären Notizen über Geschlecht, Abstammung und Alter, über Gewicht, Höhe, Länge und Umfang des Körpers des Thieres nach der Schur, über die Art der Haltung und die Qualität der Nahrung im leßten Jahre; endlich über das Alter des Vließes, wie lange dasselbe nämlich über oder unter 365 Tagen auf dem Thiere gestanden, so vollständig wie mög- lih beizufügen, Möchten doch ja auch dicjenigen Besißer hochedler Schäse- reien, welche den früheren Versammlungen verhältnißmäßig nur wenig zu-

*) Während der Versammlung können Geräthschaften u. #. w. in na- türliher Größe oder in Modellen, so wie Abbildungen, Zeichnungen, Bü- cher, besonders Kupferwerke, landwirthschaftliche Erzeugnisse u. #. w. auf-

estellt und vorgelegt werden. Die Einsendung der zur Ausstellung be- fimmten Gegenstände und die Zurücksendung an die Eigenthümer erfolgt auf Kosten der Gesellschaft, falls die Einsendung mit Vorwissen und Ein- willigung des Vorstandes geschehen ist, Siehe §, 9 und 10 des Grund-

gesehes,

damals? (Herr O. Barrot: Sie legte einen Auszug vor.) Kein Aus- zug, sondern den vollständigen Bericht, ohne daß ene Zeile daran fchlte, Das Schreiben des Herrn Dupetit -Thouars vom 10, November, welches damals mitgetheilt wurde, is buchstäblih dasselbe, welches wir empfingen, nnd Sie werden aus dem heute vorgelegten erschen, daß der Contre-Admi- ral sehr beeifert is, sich îm Beginn seines Berichts zu entschuldigen, daß er srüher nicht mchr ins Einzelne gegangen, „Die Ereignisse““, sagt er, „drängtenz ih hatte sehr wichtige Angelegenheiten zu ordnen, und ih war- tete mit der Entwersung des näheren Berichts, den ih Jhnen jeßt vorlege, bis mir weine Ueberfahrt von Otaheiti nah der Küste von Chili dazu Muße gewähren würde,“

Herr Billault: Der Bericht des Admirals enthält also die Detail- Berichte der Offiziere? Dann beantrage ih, daß die Kammer jede Erörte- rung vertage, bis wir von diesen Berichten haben Kenntniß nehmen können.

Herr Ledru-Nollin: So meinte ih es auch.

Herr Guizot, Wenn Sie das Vorgelegte sih werden angeschen ha- ben, werden Sie wisscn, was Sie zu verlangen haben,

Herr Billault: Es darf hier keine Zweideutigkeit staitsinden. Der Minister hat vor zwei Monaten hier, und vor zwei Tagen an einem an deren Ort erklärt, es seien der Negierung Berichte zugelomnen, welche voll- ständige Details über die von der Begründung des Protektorats bis zur Absetzung der Königin Pomarch vorgefallenen Ereignisse enthielten. (Von allen Seiten: So warten Sie doch, bis Sie das Vorgelegte gelesen haben.) Es steht sest, daß die Regierung Berichie von den unter den Be- schlen des Admirals stehenden Offizieren erhalten hat, und deren Vorlegung verlange ih, dcnn es is die Kenntniß der darin enthaltenen Thatsachen thig, um das Ve:fahren des Admirals und seinen Entschluß zu beurtheilen. Berweigert man dies, so wird die Kammer zu erwägen haben, was ihr wei ter zu thun obliegt, E :

Herr Guizot: Der so eben vorgelegte Bericht des Admirals Dupeklit- Tlhouars enthält die Schilderung der Ereignisse, welche von der Begründung des Protektorats bis zur Abseßung vorgefallen sind, Die Darstellung der Thatsachen darín is also vollständig. Niemals hat man verlangt, daß die Berichte der Subaltern-Offiziere an ihre Oberen wörtlich mitgetheilt würden z es is dies zu keiner ¡Zeit geschehen. (Herr Arago: So verlangt man es jeßt.) Die Negierung kann es aber nicht zugeben, Wenn sie unter ihrer Verantwortlichkeit glaubt, daß ciner oder der audere von solchen Berichten sich zur Mittheilung eigne, so kaun sie ihn allerdings mittheilen, aber es von ihr zu verlangen, is man nicht berechtigt, Wenigstens hat sie ihrer- seits das Recht, es zu verweigern, Der Bericht, den wir Jhnen jeyt vor legen, ist das Dokument, welches man schon vor 2 Monaten von uns ver- langte, das wir aber damals nicht mittheilen konnten, weil wir es noch nicht besaßen. Es enthält alle Thatsachen, die der Admiral der Regierung mitgetheilt hat, die Darstellung seines Verfahrens und die Angabe seiner Motive. Hiervon haben wir der Kammer nichts vorentl\alten wollen; was aber zwischen dem Ober-Befehlshaber und seinen Untergebenen vorgegangen, davon dürfen wir nur das mittheilen, was uns z1x Einsicht von der Sache nothwentig scheint.

Herr Berryer; Meine Herren, erlauben Sie mir, nur eine Bemer- fung zu machen. Unter gewöhnlichen Umständen, wenn ein Stabs-Offizier im Namen Fraukreihs handelt, und wenn unter seinen Befehlen auf dem Schauplay der Ereignisse sich Subaltern - Offiziere befinden, welche Berichte an ihn erstatten, und ihm über die Thatsache, für welche er verantwortlich ist, allgemeine, die ganze Lage der Dinge darstellende Dokumente úübersen den, so begreife ih, bis zu einem gewissen Punkt, daß zwischen ihm und diesen seinen Untergebenen Beziehungen statifinden können, welche nicht im- mer die Oeffentlichkeit vertragen, Wenn es sih aber um die Beurtheilung von Thatsachen handelt, woraus man sich das Urtheil über das Bersahren des obersten Befehlshabers bilden soll, so is die Kenntniß die- ser Thatsachen von Wichtigkeit; die unier dem Admiral Dupetit- Thouars stehenden Offiziere waren an Ort und Stelle, er aber nicht z sie wurden hierdurch den Ereignissen gegenüber, die Oberen im Kom- mando, und deshalb muß man von Jhnen die Wahrheit erfahren. (Schr gut!) Der Admiral Dupetit-Thouars war nicht anwesend, er konnte also nicht alle zerstreute Dokumente, die von verschiedenen Agenten eingingen, sammeln, und sich einen Gesammt-Ueberblick über das Ganze der Operatio- nen verschaffen, er konnte nichts kontroliren, Die Wahrheit ist also nur aus den Berichten jener Agenten zu entnchmen, welche man unter diesen Um- ständen ungehörig als Subaltern-Agenten bezeichnet. Bei Einsendung ihrer Dokumente nahmen sie auch den Admiral Dupetit-Thouars nicht wie einen Chef, wie einen Oberen, sondern wie cinen Vermittler zur Ueberlieserung der Aktenstücke an die Negierungz da der Admiral, indem er nicht an Ort und Stelle war, über die Ereignisse weder urtheilen, noch sie leiten konnte.

Admiral Ma ckau: Bei aller Macht des Wortes, die der ehrenwerthe

Nedner ausüben mag, werde ih doch niemals zugeben, daß solche Grund- säße für den Kriegsdienst der Marine ausgestellt werden, (Lebhafter Beifall im Centrum.) Auf den Stationen, wo der Admiral sih befindet, übt er sein Kommando über alle seine Offiziere aus, welches auch ihr Grad und ihre Stellung sein mag. Die Offiziere, welche zu Oiaheiti beschästigt wa- rein, sci es zu Lande oder auf unseren Kriegsschiffen, mögen sie sich im Ar chipel der Gesellshasts-Jnseln oder an der Westküste von Amerika befunden haben, hingen Alle von der Autorität ihres Chefs ab und richteten Alle in jenem Augenblick ihre Berichte über das, was unter ihren Augen vorging, au ihn, Der Jhnen vorgelegte Bericht ist nichts anderes, als das Ne= sumá des Contre-Admirals Dupetit-Thouars über alle vou den ihm unter- gebenen Offizieren nah und nah ihm eingesandten Berichte. Herr Billault; Als aber die Kammer im Monat März cine Darle- gung der Ereignisse, welche zwischen dem Protektorat uud der Absetzung vor- gefallen, förmlich verlangte, da antwortete uns der Minister der auswärti- gen Angelegenheiten, er habe keine Kenntniß davon , er besitze keine andere Dokumente, als den aus einigen Zeilen bestehenden Bericht des Admirals, Und doch waren damals in seinen und des Marine-Ministers Händen be reits die Berichte der Subaltern-Offiziere, welche während der Abwesenheit des Admirals zu Otaheiti befehligten, (Bewegung.)

sendeten, diesmal si geneigt fühlen, die Ausstellung von Vließen durch recht viele Pracht-Exemplare vorzüglich glänzend und belehrend zu machen !

Die Weintrauben- und Obstsorten dürsten mit Beifügung ihrer orts- üblichen Namen und mit den etwa nöthigen Bemerlungen über Kultur- Verhältnisse, in möglichst gut und charakteristisch ausgebildeten Exemplaren, die Trauben mit diesjährigem Nebholz und mit Blättern vom unteren

Theile dieses Holzes, einzusenden sein, Die Sendung von Weinproben wünschen wir auf vorzügliche Qualitäten beschränkt zu schen, und es müßten die Namen der Einsender, daun Notizen über das Weingelände, in welchem der Wein gewachsen is, über die Erzeugungsart, das Weinbereitungs- Berfahren und über die Behandlung des Weins im Keller beigefügt werden,

Es wird in Gemäßheit der Verhaudlungen von 1843 (S, R der Wunsch geäußert, daß die Nesultate angestellter komparativer Bersuche

hon im Monate August dem Vorstande mitgetheilt werden möchten, um Prüfung und Zusammenstellung sür die Versammlung rberellen zu fönnen,

Alle Herren Theilnehmer bitten wir, uns ihre U (e R In lung zu besuchen, längstens bis zum 20, September gefü ige Dee, damit wir hiernach alle Einrichtungen bemessen E E Lan der Wohnungen, für welhe mit jener Anzcige dex gewünschte Gelaß zu

H M / “L! Bork rungen treffen können. N Ret IE rien die Herren Theilnehmer alsbalb

; (b Nor of ‘res Namens, Standes und Wohnorts bei ah A eritidien, Une Bürcau im Königlichen Odeon abgeben. Hier wird ihnen die erforderliche Auskunft ertheilt, die bestellte Wohnung, die aber au auf dem Postbürean vorgemerkt wird, angewiesen und das Pro- ramm für die Versammlung und die Aufnahmskarte gegen Erlegung des Ï Kostenbeitrags von 4 Rthlr, oder 7 Fl. eingehändigt werden, N e Sendungen erbitten wir uns unter der Adresse : „An den V E. v111, Versammlung deutscher Land- und Forstwirthe in München.“ orfans Obliegenheiten als Geschäftsführer haben auf unser Ersuchen der Königl. Kämmerer und Regierungs - Rath, Freiherr von Welden, und der Königl. Universitäts-Professor, Dr, Zierl, zu übernehmen si bereit erklärt, München und Gern, im März 1844. von Stichaner, __ Freiherr von Closen, Königlicher Staatsrath, Königl, Kämmerer und Gulsbesißer,

E

Lín teur Se S Orr I baa esnigs g L e fue M oi! e! J E : u G, Nein! Nein!) Jch sage, wir besaßen einige Berichte von Subaltern-Offi- zieren in dem Augenblicke, wo diese Frage vor die Kammer gebracht wurde, Folgte aber daraus, daß wir dieselben mit dem Bericht des Ober-Besehls- habers auf das Büreau niederlegen mußten ? j 2 Herr Billa ult: Es folgt daraus zweierlei : Erstens, das man am 29, Februar, als wir das Ministerium interpellirten, Berichte über die Er- cignisse zu Otaheiti besaß ; zweitens, daß man cs damals leugnete, Der Minister der auswärtigen Angelegenheiten sprah von den Jntriguen der englischen Missionaire, von dem Benehmen cines englischen Offiziers und als ich ihn fragte, woher er dies wisse und ob er also nähere Berichte hätte autwortete er, er habe deren keine; der Marine - Minister aber wollte die näheren Details sogar von einem Offizier erfahren haben, der eben ange- kommen sein sollie, und mit dem er am Morgen des Tages, an welcem ich ihn befragte, eine Unterredung gehabt haben wollte. Warum sagte man damals nicht glei offen und freimüthig die Wahrheit? Warum erklärte man nicht: „Wir haben Dokumente, wir sind vom Stand der Dinge un- terrihtet, wir wollen aber diese Dokumente nicht vorlegen.“ Das wäre konsequent, das wäre loyal und muthig, vielleicht sogar edelmüthig gewesen ; aber man wollte lieber cine Diskussion sih entspinnen lassen, welche die Chre eines Admirals, die Würde des Landes, die Ehre der Flagge, die Lage des Kabinets berührte. Sie wollten die Frage lösen, ohne Dokumente mitzutheilen ; das ist feine Repräsentativ-Negierung. (Gelächter und Mur- ren 1m Centrum.) i

Nachdem der Redner diese Beschwerden noch weiter ausgeführt und unter Anderem behauptet hatte, man hätte den Admiral Dupetit- Thouars vor ein Kriegsgericht stellen sollen, wenn man glaube, daß er seine Justructionen überschritten habe, oder das Ministerium selbst hätte, wenn dies nicht der Fall sei, in Anklagestand versetzt, oder we- uigstens mit einem Tadels-Votum bestraft werden müssen, weil es den Admiral Dupetit-Thouars desavouirt habe, nahm Herr Guizot das Work, um aufs energishste gegen deu Grundsaß zu protestiren, als ob man das Verfahren keines Staatsdieners mißbilligen und keinen von seinem Plab abberufen dürfe, ohne ihn vor Gericht zu stellen, weil unter solchen Unständen jede Verantwortlichkeit der Regierung ein Ding der Unmöglichkeit sein würde, Eben so energisch wies der Minister den anderen aufgestellten Grundsaß zurü, als ob jemals die Regierung gehalten sein könnte, alle Aktenstücke, welche sie über ein Ereigniß oder eine Thatsache empfangen hätte, der Kammer mitzu- theilen, Die Opposition beruhigte sich indeß noch nicht, fondern Herr Billault wiederholte seine Vorwürfe und die Herren Odilon-Barrot und Ledru-Rollin stimmten ihm darin bei, Lebterer {loß mit der Erklä- rung, daß das Verhältniß des Ministeriums zu den Kammern weder aufrichtig , noch loyal sei, wofür er zwar vou dem Präsidenten zur Ordnung gerufen wurde, was ihn indeß nicht hinderte, zu erwiedern, wenn seine Worte nicht parlamentarisch seien, so seien sie doh wahr. Hie Sibung wurde dann unter lebhafter Bewegung aufgehoben, ohne daß die Debatte ein bestimmtes Resultat gehabt hätte, S

Paris, 14. April. Die Pairs-Kammer hat in ibrer aestrige Sihung sämmtliche Artikel des Patentsteuer Gesebes, so U bileiten von der Deputirten Kammer angenommen worden, der Reihe nach genehmigt, die Abstimmung über das ganze Gesetz mußte indeß noch bis zur nächsten Sißung aufgeschoben werden, da die Versamun:lung nicht mehr zahlreih genug war. :

Der Herzog von Broglie sagt zwar in seinem Kommissions- Bericht über den Geseh - Entwurf hinsichtlich des Sckundär = Unter= richts, daß seine Arbeit nur in einigen Nebenbestimmungen abändere und der allgemeine Geist und Charakter des Entwurfs dadurch un- beeinträchtigt geblieben, bringt aber dennoch einige Aenderungen des ministeriellen Projekts in Vorschlag, welche sehr wichtig sind und nur als Zugeständnisse auf die Forderungen des Klerus betrachtet werden können, So heißt es in dem Berichte des Herzogs von Broglie: „Die Kommission kann sih bei dieser Gelegenheit nicht enthalten, die Bemerkung zu machen, daß die in unseren Colléges für den Neli gions - Unterricht bestimmte Stundenzahl niht zureihend erscheint. Man beschwert sich allgemein darüber, daß dieser Unterricht uicht über die Gränzen des gewöhnlichen Katehismus hinausgehe, und nicht blos die blinden Verleumder der Universität, sondern die berülm- testen Professoren sind es, welche dieses Bedauern viel und oftmals ausgedrückt haben,“ Dieser Ansicht zufolge, beantragt die Kommission einen Zusaß-Artikel, welcher folgende Fassung erhalten würde: „Der Religions-Unterricht, insoweit er die Lehre über das Dogma und die Religiousgeschichte betrisst, wird in den Privat- oder öffentlichen An- stalten dur einen Geistlichen eines jeden Kultus abgesondert ertheilt. Die Familienväter können, wenn sie es für dienlih erachten, diesen Unterrricht ihren Kindern in diesen Anstalten dur einen Geistlichen oder Religionslehrer ihrer Wahl ertheilen lassen,“ Ferner verlaugt der Herzog von Broglie eine Ausscheidung der philosophischen Studien gus dem Unterrichtsplane der Collégesz die Kommission ist der Meinung, daß die philosophischen Studien lediglih auf den Universitäten betrieben werden sollten, Bei dieser Gelegenheit bemerkt der Berichterstatter, daß der philosophische Unterriht nah Descartes, dem man bis jeßt den Vorzug gegeben, einige Gefahr darbieten könne, denn diese Lehre gehe vom Zweifel als erstem Prinzip aus und stelle eine vollständige und gegenseitige Unabhängigkeit der Philosophie und Religion auf; dafür seien Zuhörer von 15 oder 16 Jahren noch nicht reif, zudem wenn ihnen Lehrer gegenüberständen, die selbst häufig noch sehr jung seien und die Unterrichts - Laufbahn kaum betreten hätten, Der Be- richt ist bis jeßt von den öffentlihen Blättern noch wenig besprochen worden, „Wir müssen“, sagt das Journal des Débats, diese große und vortreffliche Arbeit studirenz für jeßt begnügen wir uns, zu sagen, daß sie uns des berühmten Berichterstatters würdig geschienen hat. Der Bericht schließt mit allgemeinen Betrachtungen, welche die Kam= mer lebhaft ergriffen haben z dieser Schluß, eben so edel gedacht als edel geschrieben, is an die Familienväter gerichtet, und sie missen über denselben nahdenken, Alle Beschlüsse der Kommission sind ein- stimmig gefaßt worden, Das bedeutendste der in den Entwurf eín- geschalteten Amendements hat den Zweck, den zweiten Paragraphen des Artikels 17 zu unterdrücken, Bekanntlich bewilligte dieser Pa- ragraph den kleinen Seminarien das Recht, die Hälfte ihrer Zöglinge zum Bakkalgureat vorzuschlagen, ohne daß er diese Anstalten verpflich- tete, sich den Bedingungen zu unterwerfen, welhe das Gesetz den weltlichen Anstalten auflegen wird.“ Der Constitutionnel sagt über den Bericht: „Wir haben in dieser langen und gelehrten Arbeit einige der Eigenschaften wieder gefunden, welche den Herzog von Broglie auf eine glänzende Weise auszeichnen, Aber mit Erstaunen haben wir ge-= sehen, daß der ehrenwerthe Berichterstatter seine Bli(ke von allen großen Än- sichten der Frage abzuwenden scheint, Herr von Broglie hat nicht ein einziges Wort über die Beziehungen der Kirche zum Staate, über den religiösen und weltlichen Unterricht, über die politischen Probleme gesagt, welche seit einiger Zeit der Klerus in seiner Polemik gegen das Jnstitut der Universität aufgestellt hat. Der Bericht hält sich beständig an die Artikel des Entwurfs und prüft sle an sih selbst ohne auf die Stimmung der Gemüther, auf den Zustand der Gesell haft, auf unsere neuere Geschichte und auf alles das Rücksicht zu nehmen, was auf die Resultate eines neuen Gesebßes einwirken fann, Nirgends haben wir jene philosophische Erhabenheit, jenen Umfang des Gedankens bemerkt, welche die Pairs-Kammer in dem Berichte über die R und in anderen nicht minder wichtigen Arbeiten des Herrn von Broglie bewundert hatte. Aber wir erklären uns sehr leicht, wie es gekommen, daß der ehrenwerthe Berichterstatter über das den Sel'undär-

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Unterricht betreffende Geseß einer engen und beschränkten Bahn ge- folgt ist, Er war weniger das Organ seiner eigenen Meinungen, als derjenigen einer Kommission, in welcher die Meinungen sehr getheilt waren und wo ein den Neigungen seines Geistes und den Sympa- thicen seines ganzen Lebens entgegengesebter Einfluß das Uebergewicht hatte. Dieser Zwang hat Herrn von Broglie in eine traurige Lage verseßt: er is unparteish zwischen der Universität und ihren Geg- nern, zwischen der Freiheit der Prüfung und den Forderungen einer unduldsamen Behörde geblieben. Er berichtet zum Beispiel mit den ausführlihsten Entwickelungen über die Einwürfe, welhe gegen den philosophischen Unterriht gemacht worden sind; er läßt \sich zwar niht ganz von diesen CEinwüirfen überreden, aber wenn er die gänzliche Unterdrückung des philosophischen Unterrichts nicht zugiebt, so räth er doch an, ihn auf die Logik und höchstens auf einige Ele- mente der Psychologie und Moral zu beschränken. Die durch Bossuet und Fenelon geschriebenen klassischen Bücher, scheinen ihm gefährliche Fragen anzuregen, die man nicht vor der Jugend der Colleges des lten Jahrhunderts erörtern müisse. Auf diese Weise ist der Klerus feierlih ermächtigt, den philosophischen Unterricht herabzuwürdigen;z die Bewcisgründe, die er geltend macht und die man sanctionirt, ha- ben eben so viel Kraft gegen den geschichtlihen Unterricht und so fort, Er weiß dies, und er wird guten Gebrauch davon machen.“ Die Gazette de France äußert sich folgendermaßen: „Wir haben Herrn Odilon Barrot und den Leuten seiner Partei oft vorgeworfen, sie hielten lange Reden, ohne einen bestimmten Antrag zu stellen; der Herr Herzog von Broglie macht es in seinem Bericht noh {lim

mer: er spricht in einem Sinn und {ließt daraus in einem an = deren, Es ist unmöglich, dem-Prinzip der Freiheit des Unterrichts eine gläuzendere Huldigung darzubringen, als die, welche sich im Eingang des Berichts findet; man kaun uicht entschiedener die Nothwendigkeit, die- sem Prinzip eine praktische Anwendung zu sichern, anerkennen, als Herr von Broglie es gethan hat. Und do geht der ganze Auf- wand von Beredsamkeit auf folgende Shlußfolgerung hinaus: „,„Der Staat übt uicht allein das Recht aus, zu unterrichten ; Privatper= sonen, einfahe Bürger sind eben so dazu qualisizirt; was der Staat thut, jeder Franzose mag es thun, wenn er sich dazu würdig zeigt

durch Sitten und Kenntnisse.‘ Da nun aber der Staat darüber

zu entscheiden hat, ob eiu Staats - Angehöriger moralisch und scien-

tisish zum Jugend-Unterricht taugt, so folgt daraus, daß jeder Fran=-

zose das Recht hat, eine Lehr - Anstalt zu errichten, falls es dem

Staat gefällt, ihm dieses Recht einzuräumen. Das ist die Quint-=

essenz des Geseß-=Entwurfs und des Berichts,“ Es heißt, der

Erzbischof von Paris bereite eine Denkschrift vor gegen den Bericht

des Herzogs von Broglie, Bis jeßt haben sich als Redner für den

Geselz Entwurf über den Sekundär - Unterricht die Herren Graf

Alexis von Saint = Priest, die Herren Ch, Dupin, Rossi, Merilhou,

Lebrun, Keratry und Bourdeauz gegen denselben die Herren Cousin,

Vicomte von Villierts du Terrage, Baron vou Freville, Graf Beugnot,

Baron von Brigode und Graf von Montalembert einschreiben lassen,

Herr von Barante wird blos über den Artikel 17 sprechen.

Die Gazette und die Nation haben ihren Prozeß noh- mals verloren ; der Geschäftsführer des ersteren Blattes wurde gestern zu 6 Monat Gefängniß und 8000 Fr. Geldbuße, der des lehteren zu 4 Monat Gefängniß und 6000 Fr. Geldbuße verurtheilt.

A Paris, 14, April, Eines der heutigen Blätter bringt endlich den ausführlichen Bericht des Admirals Dupetit-Thouars über die Ursachen der Abseßung der Königin von Otaheiti zur öffentlichen Kenntniß, Beim Uceberblickte des Juhalts dieses vom 15. Novem- ber v, J. datirten Schreibens überzeugt man sih, daß dasselbe zu den bereits bekannten Thatsachen im Wesentlichen nichts Neues hinzufügt, wie der Admiral Mackau denn dies auch schon vor ein paar Tagen auf der Rednerbühne der Deputirten-Kammer erklärt hatte, Der Admiral Dupetit -Thouars wiederholt, daß der eigentlich bestimmende Grund zu seinem Gewaltstreiche gegen die Königin Pomarceh die Auf- pflanzung der neuen otaheitishen Fahne gewesen, welche Beseitigung er durch alle seine Vorstellungen und seine Drohungen mit der An- wendung von Gewalt - Maßregeln nicht zu erlangen vermoht. Den Umtrieben und Einflüsterungen der Engländer, und namentli des Missionairs Herrn Pritchard, wird von dem französischen Admiral die ausshließlihe Verantwortlichkeit für die Schwierigkeiten zuge= schrieben, auf welche das französische Protektorat auf Otaheiti ge- stoßen, und die ihn zuleßt genöthigt haben, diese Jusel im Na- men Frankreichs in Besiß zu nehmen. Herr Dupetit = Thouars sucht den Leser seines Berichtes zu überreden, daß die Auru= fung des französischen Schußes von Seiten der Königin Pomareh cine durchaus freiwillige Handlung gewesen, und daß das französische Protektorat die Bevölkerung der Gesellschafts=Juselun, die Königin und die Chefs einbegriffen, die ersten drei oder vier Monate hindurch mit der größten Freude und Dankbarkeit erfüllt habe, weil dadurch Ord nung und geseblihe Sicherheit an die Stelle der bis dahin obwal- tenden Anarchie gesebt worden sei, Erst nah der Ankunft des Ca pitains Trup Nicholas und des Herrn Pritchard, sagt der Admiral Dupctit - Thouars, begann die Opposition der Königin Pomarch ge gen die s{hußherrliche Gewalt Frankreichs gleichzeitig mit den Umtríe- ben der Engländer, welche darauf abzwekten , den sranzbsishen Ein- fluß nah und nah dur unmerkliche Uebergriffe von Otaheiti zu ver= drängen, Einige Einzelnheiten, welhe Herr Dupetit - Thouars als Belege für seine Darstellung von der Lage der Verhältnisse auf Ota-= heiti beibringt, enthalten wenigstens den Beweis, daß die Stellung des Gewaltträgers Frankreichs, den Agenten der britischen Macht gegenüber, eine ziemlich {wierige gewesen, wenngleich dies die cigenmächtige Ver= nichtung des Schuß-Vertrages durch die Abseßung der Königin Pomareh uicht rechtfertigt, Die Opposition wird jedenfalls in dem Berichte des Admirals Dupetit- Thouars neue Waffen gegen das Ministerium zu finden wissen, mit denen sie ihre gestern gemachten Angriffe auf die n der otaheitishen Angelegenheit befolgte Politik in einer der nächsten Sibungen der Kammer mit verdoppeltem Nachdruck wieder aufnehmen wird, Die Heftigkeit des Tones, in welchem die gestrigen Verhandlungen gepflogen wurden, läßt auf die Leidenschaftlichkeit ließen, mit welcher die Opposition den Kampf erneuern wird, nach= dem sie von dem Berichte des Admirals Dupetit - Thouars Kenntniß genommen. Ueber die Zerwürfnisse, welche, dem Journal du Havre zufolge, unter den Franzosen auf Otaheiti selbst ausgebro- chen sein sollen, enthält der Bericht des Admirals Dupetit- Thouars und enthalten allem Anscheine nah auch die übrigen vom Lieutenant Reine mitgebrahten Nachrichten noch gar keine Andeutungen. Dies erklärt si sehr leiht, wenn man sich vergegenwärtigt, daß die Nach- richten des Journal du Havre um etwa einen Monat jünger sind, als die des Lieutenants Reine, i

x Paris, 14. April. Der Minister des Ackerbaues und des Handels hat der Deputirten - Kammer einen Geseß= Entwurf über die Douanen vorgelegt, der seit längerer Zeit {on mit Ungeduld erwartet wurde, und demnächst zur Diskussion kommen wird. Unter den verschiedenen Modificationen, welhe an den bestehenden Zöllen vorgenommen werden sollen, bemerkt man vorzugsweise den neuen Ta=- rif der Maschinen und mechanischen Arbeiten überhaupt, der auf ganz neuen Grundlagen gefußt is. Jun dem früheren Geseße war das System der Erhebung der Zölle ad valorem angenommen; künftig

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sollen dieselben nah dem Gewichte erhoben werden. Die französischen Maschinenbauer hatten, in der Ueberzeugung, daß die frühere Methode zu beträchtlihen Defraudationen Anlaß gab, weil es den Zoll-Beam- ten fast unmöglih war, die Richtigkeit der gemachten Declarationen zu konstatiren, aufs lebhafteste die Regierung angegangen, diesen neuen Weg einzuschlagen, der zu gleiher Zeit die Junteressen des Schaßes und der inländishen Maschinen-Jndustrie zu wahren bestimmt ist. Bis zum Jahre 1837 hatten die Lokomotiv - Maschinen, die ín Frankrei eingeführt wurden, gleih den firen Dampfmaschinen einen Zoll von 30 Prozent ad valorem bezahlt, und unter dem Einflusse dieses Schußes wurde die Mehrzahl der Lokomotiven französischen Ursprungs, welche das Land jebt besibt, fabrizirt, Aber zu jener Zeit, und um die Einfuhr der ausländischen Maschinen zu begünstigen, mit welchen die damals sich organisirenden Eisenbahn - Gesellschaften si versehen wollten, wurden die Lokomotiven fraft der Ordonnanz vom 15. März 1837 in die Klasse der machines à dénommer gereiht, und mit cinem Zolle von nur 15 Prozent belegt. Diese Zoll - Her=- absebung that indeß dem Aufshwunge des französisheu Maschinen- baues feinen Einhalt, und mehrere Werkstätten organisirten sich ganz besonders für den Bau von Lokomotiven; indeß kamen die Aufträge nicht in der hinreichenden Zahl, um diese Anstrengungen zu unter= stüßen, und die englishen Werkstätten wurden die Hauptlieferanten für die französischen Eisenbahnen. Jm Jahre 1843 waren in Frankreich auf den verschiedenen Eisenbahnen 234 Lokomotiven vorhanden, von welchen 119 im Auslande, und 115 in Frankreich gebaut waren. Diese leßtere Ziffer begreift aber fast nur Maschinen, die vor der Herah- seßung des Einfuhr = Zolles auf die ausländischen bestellt worden wa- ren, wie die 21 Maschinen der Eisenbahn von St. Etienne nah Lyon, die 12 französischen Maschinen der versailler Eisenbahn (rehtes Ufer) und andere Maschinen, die in den besonderen Werkstätten der Gesell=- schaften gebaut wurden, wie die 22 Maschinen der Eisenbahn von Straßburg nah Basel, die 24 Maschinen der Eisenbahn von Paris

nah Rouen u. st. w.

Alles zusammengenommen, und seit der Herabseßung des Einfuhr= Zolles auf die ausländischen Maschinen auf 15 pCt., haben die nicht zu Eisenbahnen gehörigen Werkstätten kaum 15—30 Maschinen für die Gesellschaften zu bauen gehabt, die im Gegentheile ihren Bedarf daran aus England bezogen.

Ein derartiger Stand der Dinge war und is nicht blos den

einheimischen Werkstätten ungünstig, sondern auh der Sache der Eisen- bahnen selbst hädlich. Sicherlih nicht auf den Eisenbahnen selbst, auf dên Schienen verbessern sich die Lokomotiven \o wenig als die Webstühle in den Spinnereien sich verbessern. Nur in den Werk- stätten, und besonders in den großen, kann man Versuche anstellen, neue Verfahren anwenden und zur Vervolllommnung gelangen. Das ist eine Wahrheit für die Lokomotiven noch mehr, als für jede andere Maschine, denn Jedermann, der mit der Sache nur einigermaßen vertraut is, wird anerkennen, daß die gute Ausführung der Lokomo=- tiven hauptsächlih von der Organisation der Arbeit nah einem großen Maßstabe abhängt: die Werkstätten von Stephenson, von Shorp und Robert, welche in England am meisten Maschinen bauen, sind auch diejenigen, welche die besten liefern. Wenn daher die Ausbeutung der französischen Eisenbahnen vervollkommnet werden soll, ohne dabei immer, so zu sagen, im Schlepptaue des Auslandes hängen zu bleiben, so muß Frankreich große mit allem Nöthigen wohl ausge- rüstete Werkstätten haben, und zumal solche, die kraft eines wirksamen Schubes auf sichere Bestellungen rechnen können. An der Geschif= lichkeit der französischen Mechaniker, an ihrem Erfindungsgeiste und ihrem Streben, sih noch immer mehr zu vervollkommnen, kann nicht gezweifelt werden, Sie haben davon glänzende Beweise gegeben, denn die fixen Dampfmaschinen, deren Bau stets durch einen Zoll vot 30 pCt. geshüßt war, werden in Frankreih mit eben \o hoher Bollendung und mit größerer Ersparniß an Material gebaut als in England, und selbst die Lokomotiven haben für die Anwendung des Dampfes in den franzbsischen Werkstätten Vervollfomnmnungen erfah- ren. Aber die Preise derselben müssen scin und sind natürlich in grankreih höher als in England, weil die Rohstoffe diesseits des Kanals höher zu stehen kommen; indeß wird die Konkurrenz, die seit zehn Jahren den Preis der fixen Maschinen so ansehnlih vermindert hat, ihren Einfluß au auf den der Lokomotiven zu äußern nicht verfehlen. |

Diese Gründe und so manche andere von noch allgemeinerem Interesse, welche der Handels - Minister in seiner Auseinanderseßung der Motive zu dem vorgelegten Gese = Entwurfe auseinandergesebt hat, zeigen klar, daß es eben so unumgänglich nothwendig als gerecht war, den Zoll auf die Lokomotiven wieder auf den Stand von 1837 zu erhöhen. So raisonniren die französishen Maschinen-Fabrikanten. Sehen wir nun, wie der Geseß-Entwurf deren Wünschen entspricht.

Die Lokomotiven und Tenders sollen künftig, die ersteren 65 Gre die zweiten 45 Fr. pro 100 Kilogramme Gewicht bezahlen, d. i,

für eine Lokomotive von 14 Tonnen 9100 Fr. für einen Tender von 55 Tonnen... ¡2475 Gesammtzoll.…….. 11575 Fr,

Eine englische Lokomotive dieses Gewichts, nah dem System Stephenson gebaut, kostet mit ihrem Tender in einem der französischen Häfen ungefähr 40,000 Fr,; nah dem Zolle von 30 Fr. hätte sie also 12,000 Fr. bezahlt, demnach etwa die gleiche Summe, die sie nah dem neuen System zu bezahlen hätte. Die Tarife sind also im Grunde nicht erhöht, sie sind nur auf ihren Stand zurückgeführt, den sie vor 1837 eingenommen hatten, und der für alle Dampfmaschinen derselbe geblieben iff.

Die Ausbeutung der französischen Eisenbahnen wird unter die- sem neuen Zustande der Dinge nicht zu leiden haben; das von der Cisenbahn-Gesellshaft von Rouen gegebene Beispiel, welche troß des geringen Schuß - Zolles von nur 15 pCt, alle ihre Maschinen in Grankreich gebaut hat, beweist, von welcher Wichtigkeit es ist, in der Nähe der großen Eisenbahnlinien große Bau = und Ausbesserungs- Werkstätten zu haben: der neue Tarif giebt allerdings ein wirksames Mittel, um sie ins Leben zu rufen und ihr Emporkommen zu sichern. Es fragt sich nur, ob die französischen Maschinen-Fabrikauten nicht auf den ihnen gewährten bedeutenden Schub-Zoll sich verlassend, den- selben mißbrauchen, um durch ein gemeinsames Einverständniß die Preise der Maschinen und Lokomotiven auf einer Höhe zu erhalten, die mit dem, was sie billigerweise an Gewinn in Anspruch zu nehmen berechtigt sind, außer allem Verhältnisse stünde. Die Erfahrung hat nur zu oft gezeigt, welche Folgen und Mißbräuche allzu hohe Schuß=Zölle her= beizuführen pflegen, und wenn von manchen Seiten dasselbe in dem vorliegenden Falle besorgt wird, so sind dergleichen Bedenken jeden- falls nicht aus der Luft gegriffen: um so besser und erfreulicher, wenn sie sih in der Folge als ungegründet erweisen.

Uiederlande.

«“+ Aus dem Haag, 13. April. Das unüberlegte Betra- gen der limburger Separatisten und ihr ganzes, den Umsturz der be= stehenden Ordnung beabsihtigendes Treiben fangen bereits an, herbe Früchte für diejenigen Bewohner des Herzogthums zu tragen, die sich zur Theilnahme an dem thörihten Unternehmen, dies Land von dem Königreiche Holland zu trennen, haben verleiten lassen. Es ist näm- lih ein Bewohner der Gemeinde Heerlen wegen Shmähung des Kö- nigs und der Regierung vor das Corrections - Tribunal zu Mastricht