1849 / 233 p. 4 (Preußischer Staats-Anzeiger) scan diff

meinden durch Anschlagung derselben an der Kirchthüre und AdA e tdehanse, E von den Ortsvorstehern zu vollführen kommt,

c) rag) selbe, in welcher Ordnung gemeindeweise die Lokal - Köm- missionen am füglichsten vorgenommen werden können, und erstattet

j den Vorschlag ;

d) ibt dieselbe, nachdem von der Landes-Kommission die Anmeldungen und Aufträge herabgelangt sind, die Ordnung kund, in welcher gemeinde- weise die Elbebiucgen und Liquidationen gepflogen werden, und. be- stimmt Tag, Stunde und Ort des Zusammentrittes in der ersten Ge- meinde mit der Weisung au den Gemeinde-Vorsteher, für ein geeig- neles Lokal zur Verhandlung Sorge zu tragen. /

Der zweiten und #\o den nachfol enden Gemeinden kann erst die Lokal-Kommission den Beginn ihrer Verhandlung anzeigen. E Die Bezirks-Kommission macht die Reihe bekannt, in“ welcher die Li- quidirungen mit den Bezugsberechtigten vorgenommen werden z Ausnahmsweise kann die Bezirks - Kommission die vorläufige Abord- nung eines Landgerichts - Beamten an solche Gemeinden veranlassen, bei welchen sich nicht mit hinlängliher Kenntniß zur Abfassung der Anmeldungen begabte Männer finden sollten. - L

§. 44. Da in dem Verfahren über das Grundentlastungs-Geschäft Er- hebungen an Ort und Stelle nothwendig werden, so verstärkt sich die Be- zirks - Kommission zu diesem Behuse mit einem zweiten Sachverständigen aus den Gemeindegliedern, der, wo thunlich, weder zu den Bezugsberech- tigten noch Belasteten gehört, beeidet ihn nah der sür Schäßmänner vor- geschriebenen Formel, und erinnert zugleih den für den ganzen Bezirk bei- gezogenen Sacbverständigen an seinen abgelegten Eid.

§. 45. Die Kommission zieht sodann eînen der höher Belasteten und einen der im höheren Maße bezugsberechtigien Privaten in der Gemeinde zur Kommission mit Stimmrecht bei, wobei vorzüglich auf den Wunsch der Mehrheit der Gemeinde zu sehen i}. i :

Die so gemeindetveise verstärkte Kommission bildet die Lokal - Konmis- sion, und is blos auf jene Erhebungen beschränkt, die gemeindeweise an Ort und Stelle vorgenommen werden müssen, als: die allfällige Berichti- gung der rentämtlihen Ablösungspreise und die Erhebungen über die ver- änderlichen Abgaben. Die Bezirks - Kommission hat sich also spätestens dann zur Lokal - Kommission zu bilden, wenn die Anmeldungen über die veränderlihen Grundabgaben vou der Landes-Kommission herabgelangt sein werden.

§. 46, Der Vorsigende erklärte den am ersten Tage erscheinenden Be- theiligten die Nothwendigkeit und Nüplichkeit der Kaiserl. Verfügung wegen Aufhebung der Grundlastcn, theilt ihnen die Art und Weise mit, wie die Kommission vorzugehen gedenke, und berücksichtigt hiebei die Wünsche der Betheiligten, ob und intwieferne die Kommission denselben ent- sprechen könne, oder aber cine motivirte Anfrage an die Kreis - Kommis- sion nöthig erachte, Die Kommission hat mit vollster Offenheit zu Werke zu. gehen, mit keinen falsheu Hoffnungen zu täuschen und über Alles der strengsten Wahrheit gemäß Aufflärung zu erstatten.

§. 47, Das wichtigste Geschäft der Bezirks- respektive Lokal-Kommlssionen ist die Liquidirung mit den Betheiligten.

Gleich, nachdem sih die Landes-Kommission konstituirt hat, fordert die- selbe mittelst Edikts alle diejenigen, welche sich in dem Bezugsrechte von Leistungen befinden, die der Entschädigung oder Ablösung unterliegen, auf, die Anmeldung der Ansprüche bei veränderlihen Gebühren längstens in einem Monate, bei unveränderlichen längstens binnen zwei Monaten, und für Laudemial-Beträge binnen drei Monaten so gewiß bei der Landez- Kommission einzureicben, widrigenfalls jede später cinlangende Anmeldung nur auf alleinige Kosten des Säumigen, welche er durch Vorschuß sicher zu stellen hat, in Verhandlung genommen werden würde,

. Die Anmeldungsfrist beginnt vom Tage der leyten Kundmachung des Ediktes im Tyroler Boten, imi Messagiere tirolese,

§. 48. Die Anmeldungen sind abgesondert zu verfassen:

a) für ständige jährlihe Giebigkeiten z

b) für veränderliche Giebigfeiten, welhe, wie der Natural-Feldzehent, weder nah Maß uoch Gewicht bestimmt sindz

e) sür BesißvLeränderungs-Gebühren, Die Anmeldungen von Jahres-

Abgaben a und O goneitewee zu enthalten: )

1) das Namens-Verzeichniß der Belasteteuz;

2) die Angabe der belasteten Objekte nah dem Katasträl-Nummer oder den bei Novalien üblichen Bezeichnungen;z

3) genaue Angabe der Giebigkeiten z

4) den Anspruch der Partei, ob die Abgaben nach billiger Ent- schädigung aufgehoben oder blos ablösbar erklärt sct;

5) die Belegung dieser Ansprüche mit dem Erwerbs-Briéfe, mit dem betreffenden Extrakt aus der Adelsfassion und allfälligen weiteren Beweisen über die; Rehtmäßigkeit und Art der Be- züge, wenn nit schon die Ancikennung der Schuldigkeit von Seiten der Verpflichteten vorliegt,

Diíe Formulare A. und B enthalten solche Anmeldungen.

Ueber die Anmeldungen hinsichtlich der Laudemien enthält der §. 102 die näheren Bestimmungen.

g. 49, Die Anmeldungen sind von jedem Bezugsberechiigten entweder selb oder von seinem Bevollmächtigten unter Beilegunz der Vollmacht ein- zubringen: bei Realitäten aber, mit deren Besiß der Bezug zu entschädigen - der oder abzulösender Giebigkeiten verbunden" 1, deren vollständiges Eigen- thum aber dem Besiger nichi zustcht, sind die Anmeldungen zwar von dem bleibenden Nuznießer einzubringen, müssen jedoch noch mitgefertigt sein

a ) bei Fidei - Kommissen von den Fidei- Kommiß-Kuratoreu,

b) bei geistlihen Kommunitäten von drei Gliedern der Kommunität nebst dem Vorsteher,

c) bei Kirchen, Pfründen und Stistungen von den Patronen und Vor- stehern.

Für Minderjährige, Kuranden und Kridatare haben die Vormünder, Kuratoren, Veimögens-Verwalter, für weltliche Gemeinden, deren Vorsteher und der Gemeinde-Ausschuß (Gemeinderath), für Staats- und Fondsherr- schaften der Borstand jener Behörde, welche in dem betreffenden Kronlaude die Oberaufsicht über deren Verwaltung hat, einzuschreiten,

§. 50, Die Landes-Kommission theilt nah Ablauf des Anmeldungs- Termínes für die veräuderlihen Giebigkeiten sämmtliche eingelaufene An- meldungen gemeindeweise zusammengestellt den betreffenden Krcis-Kommis- sionen mit , welche sie den einschlägigen Bezirks - Kommissionen übersenden, damit leytere die Erhebungen und Liquidationen pflegen.

§. 54. Zur Liquidirung des Naturalzehnts und anderer jährlichen Giebigkeiten hat die Kommission soglcih die Klassifizirung und Ausmitte- lung des Natural-Brutto-Erirages der Grundobjekte zu besorgen, und das Resultat derselben in der Gemeinde zu veröffentlichen.

Dagegen findet keine weitere Berufung statt.

S. 52. Zu diesem Behufe hat die Kommission dur ihre Sachver- ständigen in der Gemeinde:

a) die Grundflächen jeder belasteten Kulturgattung, als: Aer-, Wics- und Weinland in drei Klassen, gute, mittlere und schlechte, nach der natürlichen Beschaffenheit des Bodens abzutheilen ;

b) zu bestimmen, wie viel bei Aeckern und Wiesen 1 Jauch von 1000 Quadrat-Klaster, bei Weingütern 1 Graber oder die ortsübliche Maß- bestimmung, und zwar in guter, mittlerer und s{hlechter Klasse dersel- ben im Mitteldurchschnitte eines Jahres von mittlerer Fruchtbarkeit

an den nach der gemeindeüblihen Kultivirungsart gewöhnlichen Pro- dukten einbringe.

S. 93, J} abwechselude Kulturart gemeindeüblich, so is bei Berech- nung der durchschnitilihen Jahresgiebigkeiten darauf Rücksicht zu nehmen, und vorzüglich bei Zehenten dann, wenn der Anbau mit zehentpflichtigen und geei Früchten wechselt, i

ird 3+ D, zwei Jahre Roggen gebaut, sodann ein Jahr ortsüblich der Grund als Wiese benußt, und besteht in der Gemeinde der Heuzehent nicht, so können auf 3 Jahre nur 2, Fruchtjahre angenommen werden, be- A i gh t „Peuzehent, so sind für 2 Jahre das Getraide, für das

; ¡as-Benußunzy in Anschla il da

hat T S resgiebigfeit zu bten: a E90 nwiefern über das Flächenmaß ein Zweifel entsteht, ist dasselbe dur Vermessungs-Beamte auf eine sichere und Sdentan t. Art zu den worüber der Ministerial-Kommissär die weiteren Weisungen erlassen wird. ____§. 54, Hierauf hat über jede solche Anmeldung nah der Ordnung, in welcher sie bei der Landes-Kömmission überreiht wurde, die Liquidirung vor der Kommission selbst zu erfolgen, Sie hat vie Ermittelung der Ent-

' Débats

- ans Ruder gckommen, würden alle alte Einrichtungen einer Verwaltung,

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\{hädigung zum Zwecke, und erfolgt von der Kommission in Gegenwart A IAR En a die von Tag und Stunde der Verhandlung wénigstens ! 3 Tage früher schriftlich in Kenntniß zu seßen sind. Bestehen mehrere Mit- eigenthümer der Forderung oder des belasteten Objektes, so wird der Erschei- scheinende als von dem Mitinteressenten zur Vertretung berechtigt aner- fannt, obwohl eine gemeinschaftlihe Vollmacht stets wünschenswerth wäre. Ueberhaupt sind zur Liquidirung jene Personen berufen, welchen die Ueber- reihnng der Anmeldungen obliegt 49). Di 2

§. 55, Bei Ermittelung der Entschädigung für die nach §§. 3 und 6 des Geseyes vom 7, September 1848 aufgehobenen, so wie der übrigen entgeltlih abzulösenden Leistungen, ist der Grundsaß zu beobachten, daß der Werth der Schuldigkeit nah dem rehtlich gebührenden Ausmaße Gegen- stand der den Berechtigten zu leistenden Vergütung, sei, i

§, 56. Vor Allem sind namentlich jene Lasten auszuscheiden, welche unentgeltlich ausen haben, j ;

st dieses bei einer bestimmten Abgabe streitig, so wird selbe zwar auch nach den folgenden Grundsägen eiystweilen bewerthet, aber die Zwei- felhaftigkeit derselben angemerlt, und sich auf die zu erfolgende höhere Ent- scheidung berufen. i hs

§. 97. Besteht die Grundlast in einer unveränderlichen jährlichen Giebigkeit, z. B. in Geld, in einem bestimmten Maße von Getraide, Wein 2c., so bildet diese die Schuldigkeit. O )

Jsst die unveränderliche Geldabgabe nicht jährli, sondern nach ciner bestimmten Anzahl von Jahren zu entrichten, so wird der Betrag derselben durch die Anzahl de: Jahre getheilt, und auf diese Art der Jahresbetrag der Leistung ermittelt. : f: and ;

§. 58. Bestand jedoch die Grundlast in veränderlichen jährlihen Gie- bigfkeiten, wie z. B, bei dem Naturalfeltzehnt, so ist für dieselbe vorläufig die durhfchnitilihe bestimmte Jahresgiebigkeit zu berehnen, welche dann die Schuldigkeit bildet. S az ;

§. 59, Die durhschnittlihe Erhebung der Jahresgiebigkeiten der ein- zelnen Belasteien erfolgt dur die Klassirung, d. h. es wird der für das bestimmte Flächenmaß jeder Kulturgattung und, jeder Klasse derselben ent- worfene Tarif auf die cixzelnen Grundflächen jedes Grundbesißers in- der Gemeinde im Verhältnisse des Flächenmaßes, welches tiese Grundstücke cin- nehmen, angewendet, nachdem jedes derselben, nach seiner Eulturgattung der Klasse, die es betri, mit Rücksicht auf die Lage und die Beschaffenheit des Bodes eingereiht worden ist. i ele

§. 60. Zur Erhebung des Werthes der jäh1ulihen Schuldigkeit ist der unveränderliche oder ter nach obigen Grundsäßen ermittelte durchschnittliche Brutto-Jahresertrag in Geld zu bemessen.

Dies erfolgt bei deu gegen billige Entschädigung aufgehobenen Grund- lasten nach den Durchschnittspreisen der Nentämter, wie selbe die Kreis- Kommission mitgetheilt oder berichtigt hat, bei den ablösbaren Giebigfeiten (§, 15 c und d) aber mit einem Zuschlage von zehn Prozent zu den reut- ämtlihen Durchschnittspreisen. :

§. 61, Eiue Schäßung durch die Kommission soll nur dann statt- finden, wenn der Ablösungspreis sich nicht nah den früher aufgestellien Grundsäyen erheben läßt. Bei einem solchen Werthanschlage is aber auf die Qualität der bisher geleisteten Produkie im Verhälinisse zu Marktp1o- dukten, so wie bei Arbeitsleistungen auf das Verhältniß Rücksicht zu nek,- men, in welchem der Werth der Zwangsverrichtung in jenem dcr freien Arbeit steht.

Bei lata ist als Grundsay festzuhalten, daß in keinem Falle der Werth der Zwangsaibeit höher, als mit dem Drittheile des Werthes freien Arbeit berechnet werden dürfe. : |

Wo zwischen den Parteien {hon dermal hinsichtlich der Noboten ein

die Uebertreibung der

geringerer Reluitions- oder Abolitions Preis besteht, als na ber eben be- zeichneten Werthbemessuug enificle, hat der geringe Ablösungspreis als Grundlage für tas Ausmaß ter Entschädigung zu dicuen,

Die sogenannte gem-ssene Rotot besteht im Kroulande Tyrel und Vor- arlberg nicht. 5

§. 62, Sind für Zehent oder andere Leistungen unveränderliche Geld- Abgaben vertragsmäßig bleibend bestimmt, so bilden diese Geld - Abgaben

den Brutto - Ertrag. i s Zeitweise bestaidene Geld - Reluitionen bilden niht den Werth der

Schuldigkeit, sondern es ist der Werth der eigenilichen Grundlast nach obi-

gen Grundsäßen zu erheben.“ 4 5 §. 63, Die in Tyrol in Reichs -, in Tyroler oder in abusiver Wäh-

rung erfolgten Leistungen sind auf Wiener-Währung Conv, Münze zurück- uführen. M E 64. Von dem Werthanschlage aller durch das Geseß vom 7. Scp- tember 1848 aufgehobenen oder zur Aufhebung bestimmten Leistungen (au- ßer den Veränderungs-Gebühren) wird der Werth der Gegeuleistungen, tie von dem Berechtigten an deu Verpflichteten bei der Erfüllung der Schul- digkeit zu entrichten waren, iu Abzug gebiaht. Die Ermittelung des Wer- thes der Gegeuleistungen hat auf derselben Grundlage, wie jene des Wer- thes der Leistungen zu erfolgen, und es findet in keinem Falle, selbst wenn der erstere den leßteren übersteigen sollte, sür den Uebersc:uß cine Vergütung ait, s §. 65. Von tem auf solhe Weise ermittelten Werthe der aufgcehobe- uen Leistungen nah der jährlihen Schuldigkeit is ein Drittheil für die Steuer, für Zuschläge zu selber, für die Kosten der Einhebung und für die sich ergebendeu Ausfälle als cine Paus.hal - Ausgleichung in Abzug zu bringen.

L 66. Der nah Abzug der obgetahten Pauschal - Ausgleichung mit zwei Drittheilen verbleibende Betrag bildet das Maß der den Bercchtiglen gebührenden jäh1ulihen Entschädigung. ; ;

§. 67, Ob diese Entschädigung ganz oder zum Theile von den bisher Belasteten, ob sie aus Landesmítteln oder vom. Staatsschatze zu entrickt:n fomme, ist iu dem Liquidations - Erkenntnisse ersichtlich zu machen, und es gelten hierbei dic in die nachfolgenden Paragraphen aufgenommenen Bestim- mungen, :

§. 68. Leun diesen zwei Drittheilen des Werthanschlages hat für Schuldigkciten, welche durch die §§. 3 unv 6 des Gesches vom 7. Septem- ber 1848 gegen Entgelt ausgehoben wurden, und welche sich nicht in die Kategorie der §§, 19 und 20 reihen, der Ve1pflichtete nur das eine Drittel zu eurihten; das andere Drittel ist als einc Last des Kronlandes zu be- handeln, unter Vorbehalt der Zuweisung dieser Last an die seiner Zeit zu bildenden Kreise nah Maßgabe der Bestimmungen des nächsten Landtages

¿::445), (6 ) (Schluß folgt.)

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Ansland.

Paris, 21. Aug. Das Journal des daß der Papst bald nah Rom komme, denn die bei der Pacifiziung Italiens am meisten bethei- ligte Macht sei mit Frankreihs Plänen einverstanden, und komme dcr Papst sell nach Rom, so würde er in einem ganz andc- ren Sinne handeln wie seine Regierungs-Kommission. Sritdem lebtere

Frankreich. wünscht,

die verschrieen und verurtheilt sei, ras Generalvikariat, so wie die JInqui- sition und tie geistliche Gerichtsbarkcit, wieder cingeführt. „Dex Papst“, sagt das genaunte Blatt, „ist nicht in Rom, aber wir, und wir lönncn nicht die Hand zu solchem Spiele bieten. Wir sind für das vcrantwortlih, was in dem Gebiete, das wir militai- risch beseßen, vorgeht. ; | / Zuschauer abgeben und solches Treiben durch unser Schweigen und unscre Gegenwart \s{hüycn. Frankreih hat seine Pflicht, so glauben wir, gegen das Papstthum gethan, cs hat auch andere gegn die Römer, gegen die Meinungder ganzen Halbinsel, des ganzen freisinnigen Europa’s und, wir fügen hinzu, gegen si selbst. Wir haben sicherlih die größte Achtung vor der Souverainetät des Papstes

Wir können also nicht einen indiffcrenten

und seiner Unabhängigkeitz beite waren jedo ohne uns krank

Die Presse meldct aus

Frage einen Schritt gethan, aber rückwärts. Die französische

Diplomatie wolle Rossi’'s System fortgeseßt wissen. Doch man achte Frankreihs Stimme wenig. Der Papst scheine entschlossen, nach Bologna zu gehen. Der Aufenthalt ju Gaeta jei nit angenehm, Pius 1X, befinde sich wie in einer Art von Festung. Die Kirchenfürsten bewohnten alle nur irgend be- wohnbare Häuser, und die Gesandten seien am Bord ihrer Schiffe zu Mola di Gaeta. Der Papst habe nah Benevent gehen wollen, do dieser Ort sei shlechter als Gacta, das do wenigstens eine leichte Verbindung mit tem- Meere habe. „Unsere Armee“, sagt das Schreiben ferner, „ist! unwillig, sie war antirömisch, so lange der Ehrenpunkt im Spiele war, jeht ist?s anders. Sobald man hier ist, wundert man sich über die Härte der Geistlichkeit und sieht zu gs Zeit, daß das Volk um keinen Preis die Priesterherr- aft will.‘

es l iere Fain, Secretair Ludwig Philipp?s, und Herr Vavin zeigen heute an, daß sie der gcstern im Journal des Debats mitge- theilte Noten úber Ludwig Philipps Aktiva und Passiva sremd seien. Sie erklären die Angaben für ungenau. Herr Fain hebt vor Allem Vermögens - Angabe auf 250 Mill. ‘Fr. hervor. i

Die Assemblee Nationale set ihre Angriffe auf den Minister Dufaure sort. Jn einem längeren Artikel, worin sie ihm Schwäche, Unfähigkcit oder Verrath vorwirft, sagt sie, es werde an einer Vershmelzung der Partci -Ledru-Rollin?s mit der Partei des National oder ter Verfassungsfreunde auf das eifrigste ge- arbeitet, und erst ganz fkürzlih sei ein geheimer Abgesandter der Leßteren nah Loudon abgegangen, um das Widerstreben Ledru- Rollin's zu besiegen. Auch stehe binnen kurzem ein großer revo- lutionairer Kongreß in London bevor, bei tem die demokratischen und sozialistischen Notabilitäten von ganz Frankreich erscheinen wür- den. Die Assemblee verlangt energisch dey, Sturz der Partei Dufaure's oder des Ticrs Parti, wie ste dieselbe nennt, weil die= selbe in sträflicher Uncntschlossenhcit den Umtricben der revolutio- nairen Partei zusche. Dasselbe Blait sragt, ob es wahr sei, daß Ledru-Rollin auf den Ausgang des Prozesses vor dem hohen Ge- rihtshofe wenig Vecrtraucn sche und eine Verurtheilung erwarte z ob ferncr wahr sci, daß Letru-Rollin von London die nöthigen Vollmachten cingescickt habe, um Alles, was cr in Frankreich be- sie, cincm verirautcn Freunde als Eigenthum Ubertragin zu lasscn.

Die Sitzungen des Kongresses der Frcunde Dcs Friedens wer= dcn am 22., 23. und 24. August stattfinden. Der Minister der auêwärtigen Angelegenheiten hat die zwei Sccritaire des Kongresses, cinen Engländer und einen Amerikauer, welche sich zu ihm begaben, auf das zuvorkommendste (mpfangen. Lamartine, der die ihm an= gebotene Präsidentschaft wegen scines Gesundheitszustandes ablehnen mußte, hat zuglei hoffen lassen, daß er in einer der Sihungen das Wort nehmen werde.

Der Ministcr der Justiz zeigt im Moniteur drei Verurthei- lungen in Preß-Angelegenheitcn an. Der Gecrant und der Redac= {cur des Bürger zu Dijon sind wegen einer Veröffenllichunghzweier Bricfe, die sie sich nur turh eine Wegnahme auf der Post ver- schaffen konnten, verurtheilt worden, der Erste zu 6 Mvnat Ge- sängniß, der Zweite zu 3 Monat, Beide zu 200 Fr. Strafe und einer sünfjährigcn Untersagung aller öffentlichen Stellen oder Aem- tcr. Das Urtheil ist vom Polizeigeriht gefällt. Herr Laforie, Rcdactcur des Journals Republicanishe Solidarität, ist durch das Geschworenengeriht von Loir ct Cher zu 3 Monat Ge=- fängniß und 300 Fr. Geldstrafe wegen Angriffs auf die republika- nischen Einrichtungen und die Constitution verurtheilt worden. Derselbe Gerichtshof hat die Herren Cachet und Racouillat zu 14 Tagen Gefängniß und 50 Fr. Geldstrafe verurthcilt, wcgen Be= leidigung des Präsidenten der Republik durch Anheflung cines An- \chlagzettels. E

Zahlreiche Petitionen gegen Beibehaltung der Getränksteuer laufen hier cin. Sie wird als bedrückend für den Weinbauer, un- billig gegen die Massen und gehässig in ihrer Eintreibungsweise bezeichnet. Auch wird angeführt, daß sie durchaus dcm Artikel 15 der Verfassung widerspreche, wonach jeder Staatsbürger im Ver- hältnisse seiner Fähigkciten und scines Vermögcns zu den öffent- lichen Lasten beitragcn soll. i : E

Auf das Gesuch des Generals Oudinot hat tas Kriegs - Mi- nislerium die zur Einrichtung eincs Militair - Hospitals erforter= lichcn Gegenstände nach Mola, eincm dur sein gesundes Klima bekannten Städlchen Italiens, gesandt.

Der Pater Veuntura, ‘der bekannte Chi f der Theatiner, der sich gegenwärtig in Montpcllier aufhält und zu eincr Reise nach Paris feinen Paß erhalten kann, soll si entslossen haben, in Gesell- haft mit mehreren seiner Brüder nah Amerika auszuwandern und dort in der Nähe Philadelphia's eine Niederlassung zu gründen.

Die Jnfantcrie-Rcgimínter der so cuanntén Armce von Paris sollin neu organisirt wrden, so daß künstig jedes Regimént 3 Kriegs= Bataillone zu 8 Compagnieen bilden wird. :

Unter den Hafcn - Arbeitern zu Rvchefort sind aus Anlaß der Verheerungen, welche die Cholera unter ihncn anrichtete, Unruhen ausgebrochen, die jeroch {nell unterdrückt wurt en. )

Gestern ging abermals ein Schiff von Havre nach Kalifornien mit 130 Kolonisten. Doch ticsmal waren es nicht allein Aben- tcurer, die Gold suchen, cs waren auch Handwerker darunter, die im goldreichen Lande ihre cinfache Hände-Arbeit anwenden wollen.

Herr Falleux, Minister des Unterrichts, isst gestern in die Bä= der von Neris abgercist. ;

Die Frage, ob die Befestigung von Havre jeßt beendet werden soll, wird im Kabinet eifrig verhandelt. Sie soll nächslens eine

Lösung erhalten. N 'În P bildet sich eine Gesellschaft, um deu Armen für einen

Sous ein Nachtquartier zu geben.

Jerome D f vor einigen Tagen nach dem Schloß Montfermeil, 5 Stunden von Paris eutfernt, abge1eist. Er gedenkt es zu kaufen.

Van rier soll jeßt eine großartige Arbeit unternommen wcr- den. Eine unterirdische Eiscubahn soll zwischen den Steinbrüchen Bab-el-Oued und dcm Quai angelegt werden. Zur Anlegung des ncuen Hafens bcdarf man der großen Steine aus den Steinbrü- chen von Boudjarreah und Bab-cl-Oued. Der Transport geschieht bis jeyt turch die Stadt und hemmt die Circulation. Um dies zu vermeidcn , ist der erwähnte Plan gefaßt. Die Bahn wird nah cinem englischen Plane angelegt werden, so daß die lecren Wagen turch das Gewicht der belasteten, die herabkommen, herausgezogen werden. Die Kosten sollen höchstens 1,200,000 Fr. betragen. Die gewonnene Zeit und Mühe würden das verausgabte Gcld erseßen.

Die Mordthaten häufcn sich seit cinigcr Zeit auf eine ershreck- liche Weise in Paris. Jm Justiz - Palast selbst fiel dieser Tage eine vor.

Der Maire zu Marseille ist auf den Antrag Dufgure's vom

Amte suspendirt worden. j 0 h Moniteur meldet über eine im März von den Milizen

genug, und nahdem man Frankreihs Degen angenommen, wäre | der Republik Liberia mit Unterstüpung eines französischen Kriegs-

es wohl keine Erniedrigung, auch einige Rathschläge anzunehmen.“ | j Î om vom 14. August, daß die römische

iffes und seiner Mannschaft unternommene Expedition gegen drei M Gabizie dieser Republik bisher befindlihe Sklaven-Fakto- reien, die nach kurzem Kampfe cingenommen wurden. Den Haupt-

m. man; gefangen, und. 44 in. Fesseln vorgesun- Sflapen hun er e ihre Hreiheit Der: Yr deut von: gesun vankte darauf dem französischen Capitain und, seiner Mannschaft \hriftlich sür den ge eisteten Beistand. a

zem wird ein in der Vorstadt St, Antoine nach

pennsemischem System erbautes Mustergefänguiß, in Gebrauch. ge-

noi o U am 16. August der Präfektur ausgeliefert worden,

j i j L: der nach bastian Seiler, Redacteur einer deutschen Korrespondenz, d ( en M elldrigen Juni-Ereignissen eingezogen wurde, is jebt in Frei= heit geseßt worden, mit der Weisung, einem ihm son früher zu-

ar T aucher, der uur sus= gekommenen Befehl. unter dem Miner es Ste oli ¡n Tasten.

i 1, daß cr Fraufreich verlassen Seiler bat sid n den Vini um Zurücknahme dieser Maßregel gewendet. S il Gevcibaraul

i fanden zu Angers in der unst- und, Gewerbeschule Wed ori u Vis Auslösung der Schule und die Verhaf- tung von 10 der angeblichen Rädelsführer des Tumultes zur Folge hatten, Nur 5 derselben waren Zöglinge der Schule, die anderen aber Handwerks - Gesellen und Bürger, Dicscr Tage erschienen die 10 Angeklagten vor den Assiscn zu Angers; auf dcn Antrag des General - Prokurators aber, welcher die Auslagen des abwesenden Adjunkten für nothwendig erklärte, wurde die ache. bis zur näh- sten Assisen-Session vertagt, worüber cin Theil des Publikums in Pfeifen und-Murren ausbrach. Die Angeklagten wurdcn bei. ihrir Rückehr ins Gesängniß von einem Volkshaufen. mit lauten Bra-

vo's begrüßt.

Großbritanien und Jrland. London, 21. Aug. Seit der Beschränkung der körperlichen Züchtigungen - bei dem englischen Militair hat die Frage der Militairgefängnisse mehrfach die Aufmerksamkeit des Parlaments und der Regierung auf sich gezogen. Die Frage wurde zuerst 1835 und 1836 gründlich un- te. suht und 1837 ter erste Grund zur Organisation eines Mili- tair-Gefängnißsystems gelegt. Im Jahre 1844 wurde eine außer- ordentliche Kommission niedergeseßt, welche in Militair-Gefängniss;n gemeinsame Arbeit, das Schweigsystem und eine Classification, nicht nah dem Verbrechen, sondern nah dem Charakter, empfahl. Die Gefangenen wurden zu diesem Zweck in drei Klassen getheilt, um die noch unverdorbenen von den vcrderbteren Sträflingen zu tren- nen und in der Furt vor Slrafe oder der Hoffnung auf Beloh- nung turch Verseßung in eine niedere odcr eine höhere Klasse ein

utes Disziplinarmittcl zu haben. Um das Ehrgefühl nicht allzu Fehr abzustumpfcn, verwarf man die Tretmühle und die Arbcit au- ßer dem Gefängnißhause. An die Stelle derselben seßte man Auf- häufen \{hwerer Kugeln, Exerzieren mit Gepäck und mit s{werem Geschüß. Die längste Dauer der Gefangenschaft ist scchs Monate. Nach diesem System wurden noch unter Sir R. Pcel’s Ministerium vier Militair - Gefängnisse in England, eines in Schottland und vier in Jrland angelegt. Sie bestehen jeßt drei Jahre, und die Resultate der neucn Disziplin geben Anlaß: zur Zufriedenheit, in- dem die Anzahl der Gefangenen gegen früher um die Hälfte, von 2 auf 1 pEt., gesunken ist.

Lord Lincoln, eines der angesehensten jüngeren Mitglieter der Peelschen Partei und Eigenthümer der Morning Chronicle, hat, da er an der Gicht leidet, zu seiner Erholung so eben eine Reise nah dem Mittelländischen Meere, Aegypten und Syrien an- getreten, die neun Monate dauern wird. Er wird daher an der nächsten Session des Parlaments nicht Theil nehmen.

Wie der Builder, cin Blatt für Architektur, meldet, hat man den Plan, deu berühmten uralten Druiden-Tempel Stonehenge in Wilishire, vou den Römern Gigantum Chorea genannt, inso- fern zu restauriren, daß die umgefallenen Steinblöcke wieder aufge- richtet und andere, die den Einsturz drohen, festgestellt werden sollen.

Zu Liverpool ist man mit dem Bau dreier großen Dampfschiffe beschästigt, welche in Zukunft zwischen Galway an der Westküste von Irland und Halifax fahren sollcn. Sind sie cinmal im Gange, so wird die Fahrt von und nah Nord - Amerika in 6 Tagen bei günstigem Winde zurückgelegt.

L Türkei. (Wan b.) Von Fcuersbrünsten giebt es abermals zu cr- zählen, Am Dten bra Abends um 10 Uhr Fruer in Psamalia aus. Man kam nodh zeitlich zu Hülfe, und doch wurdcn trei Häuser in Asche gilegt. Bon Salonichi aus berichtet man zu Anfang August, daß in Tri-

cala das Feucr 640 Kaufläden, 320 Häuser und das ganze Ju- denquartier verzehrt habe. Man geräth bercits auf dcn Vertacht, daß es eigene Banden gebe, welche die volkreichsten Handelsstädte der Türkci niederzubreunen suchen, und nicht etwa blos um des Raubes willen, sondern aus anderen wohl noch niederträchtigeren E verbrecherischeren Absichten. Man hat ein \harfes Auge auf Nen I fee gExistenzmittel, Auch in Salonichi selbst wurde er Waleid I gounen in der Nähe des Zollhauses, doch us Beirut wird der Tod des Bahri Pascha gemeldet. Das Ls 0 n schr ruhig, Der größte Theil der Konsuln und heißen Mo1 erouy ist nah den Gebirgen gegangen, um dort die nen onate zuzubringen. Jm Dorfe Zahle am Libanon waren e a nnd Zwistigkeiten unter den Bewohnern sclbst ausgel.ro- Beie ee es 5 Totte und 28 Verwundete gab. Man sandte von Tbe ruppen dahin. Der gestürzte und gefangen gcseßte Said Fe ha a die Erlaubniß, den Ramasan in seinem Hause zuzu- : gen. ,Zr wird von 3 Offizieren bewaht, Jn Beirut ging as Gerücht, Sir Moses Montefiore wäre auf der Straße von Damaskus nah Jerusalem ausgeraubt worden.

Nekrolog. I. A. Eytel wein, (Eingesandt.)

Schon wieder berichten wir über den Tod eines jener Männer, welche

die wich:igsten Abschnitte i "i 1 Mitwirkun tut haben, Eutwvicfelung unsers Vaterlandes in regster

Johann Albert Egot i f vtelwein, den 31, Dezember 1764 Lebinds s geboren, hat scinen an Ereignissen Iun Wechselfällen. E: wurde er durch t 4 Bugus d. F: vollendet, chon im zarten Lebensalter auf sich selbst ‘au ehe, Berhälinisse in ‘die weite Welt hinausgedrängt und die Energie seines Can Ee Jatte jedoch das Glück, daß Pierdurch nur Schon in seinem 15ten

unter der Regie schen Staatsdien} aufgenonmen Großen, in den preußi-

die seinigen zu den Seltenbei er sih, da Talente wie a O, anfänglich beide von einem Lade din naGiabin Et au-Direktor erlangte er dén bedeutenbdén no jet achwirkenden Einfluß auf das preußische aitwese edeutendsten noch jeyt zelnes hervorzuheben, auch in der ‘Gründung Lea der sih, um nur Ein- Berlin, die so viel Segendsreiches und Großes gewirkt % n lge emie zu d Doch nicht allein als Staatsmann war ex aus m ac Abuat ieren in ihm auch einen Patrioten von elhtem S gezeichnet; wir ver- treuen Diener seines Königs. : rot und Korn, den Die Lasten und Mühen der großen Freiheits-

redlich mit seinen Mitbürgern, gab sein mühsam ex Kriege theilté er

worbenes Vermögen

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willig d und scheute für die Sache des Vaterlandes kein Opf

dig. rüstete er seine Söhne für den Streit-aus, an v s N Lide richméa ihn selb} sein L ier Beruf verhinderte. ‘ersönlich Theil zu er auch sonst für den- Kampf, . Er sorgte für Karten, war bei Vesestigungs=- werken thätig, und verwahrte, unter großer Verantwortlichkeit. und unter steter Gefahr der Entdeckung Seitens des Feindes, im Jahre 1813 Gelder für den Staat. Endlich vbürfen wir auch nicht vergessen, in Eytel- wein den G id R zu feiern. Er wollte die hohe Stellung, zu welcher er berufen worden, in jeder Hinsiht ausfüllen und ein würdiger Vertreter seines Faches sein. hen Keinem je so gelungen, wie ihm, gewiß hat es aber Niemand mit so großen Opfern erkauft, wie er, Deun durch den Eifer, mit welchem er bei Tage séinen Amtsgeschästen, bci Nacbt seinen Studien oblag, wurde

zen abgehärteien Körpers vermindert, und dadurch seinem rüstig fortarbeitenden Geiste manche Beschränkung auferlegt. Ju jeder Wisseuschaft hatte er sich heimisch zu machen gesucht, wie wir aus vieljährigem Umgange mit dem theuren Manne und aus den seine Arbeiten bezeichnenden Tagebüchern, Notizen und wissenschaftlihen Sammlungen wissen, Besonders liebte er unsere deutsde Literatur, und sah es gern, wenn im häuslichen Krise von den

schaftlich gelesen wurden, Eben so aufmerksam folgte er dem Wechsel der

Suchte er Ruhe nach anstrengenden, und nicht selten na verdrießlichen Arbeiten,

seine Freistatt, Sie durchforshte er in allen ihren Richtungen, bewunderte und sammelte ihre Erzeugnisse mit kindlih frommem Gemüthe, und entwarf selbst in seinen legten darh fortwährende Kränklichkeit und beginnende Erblind:ng getrübten Lebensjahren die er bald nah seinem Dieust- Jubiläum in großer Zurückgezogeuheit verlebte cin frystallographi- \ches System.

__ Was er in der Mathematik geleistet, und in zahlreichen selbststän- digen Werken und gelehrten Abhandlungen, besonders der berliner Akade- mie der Wissenschaften , herausgegeben hat, ist über die Gränzen seines Fachs hinaus genugsam bckannt geworden. Seine h vdr odynamischen Arbeiten haben durch die ganze gebildete Welt die Runde ge- gemacht, und seine reine Analysis wird noch den kommenden Geschlech- tern zu thun geben, Ein Zeuvgniß von solcher Thätizkeit gewährt unter anderen der Umstand, daß Eytelwein auh die Wüden eines Doktors der Philosophie, eines Professors bei der Universität und eines Mitgliedes der Akademie zu Berlin erwarb, und von in- und ausländischen gelchrtciu Gesellschaften, so wie von verschiedenen Regenten, mit Ehren aller Art über- häust wurde,

Epgtelwein’s Name ist in jedem guten Conversations-Lexikon zu finden, aber es stcht Manches, was die Bescheidenheit dem großen Manne in wei- tere Kreise zu verbreiten verbot, nicht darin, uud nur kirz sonnten wir hier Einzelnes davon andeuten. Doch“ auch dics gelte, als Andenken an den geliebien Dahingeschiedenen, seinen zahlreihen Kindern, Enkeln und Ur- enkeln, welhe aus größerer oder geringerer Ferne trauernd auf sein Grab blidenz cs wecke die Erinnerung in den Männern und Jünglingen, welche in dem BVerblichenen einen Kollegen hatten oder einen Lehrcr und Freund erkaunten zes leuchte als ausmunterndes Beispiel für solle, welche sich noch später dem Baufache oder überhaupt einem auf Wissenschaft gestüßten Geschäfte widmen. Mögen sie bedenken, was ein Mann leistete, dessen Bildung fast allein „auf der Kraft seines unermüdlichen Strebens gegründet war, und was sie leisten können, denen alle möglichen Unterrichtsmittel eines erleucdh- teten Staats jiyt zu Gebote stehen!

Wissenschaft und Kunst.

Wissenschaftlicher Kunst - Verein.

Berlin, Jn der Versammlung des wissenschaftlichen Kunst - Vere'ns am 15, d. erstattete Prof. W, Stier Bericht über die Kunst-Ausstellung in Dresden, von . deren Besuch er denn zu einer Reise nah dem schönen Elb - Atven braucht man gegenwärtig nicht viel mehr Stunden, als soust Tage eben zurückfchrte. Als besonders sih geltend machend bezeichnete der Berichterstatter: das Standbild Lessings von Rietschel und „nächtlicher Zug von Amorinen,“ Oelgemälde vou Genelli. Die Arbeit Nietschels reiht sih in würdiger Weise an die Standbilder Jean Pauls von Schwantha- ler, Justus Möser von Drake, Winkeluann von Wichmann an und wird demnächst für Wolfenbüttel in Bronze gegossen “werden, Jn Geunelli's Bilde rühmte der Berichterstatter die Kühnheit ter Composition, die Kor- rcftheit der Zeichnung und das gesättigte, sastige Kolorit, Daß das Por- trait der Lind von Magnus die größte Anzichungskrast austibt, beda1f faum der Erwähnung; weniger einverstaudcu schien das Publikum der faum von dem Barrikadenkampfe erlösten Stadt mit ter Auffassung des goldenen Zeitalters von Hübzerz; ‘man fand sie, im Vergleich zu der be- wegten Gegenwait des bleiernen Zeitalters, sehr langweilig. Dr. F. För- ster erstattete Bericht über einen neuen Karton Kaulbach's : „Griecheuland,“ in der Reihenfolge der ses Bilder, welche das Treppeuhaus des neuen Museums s{chmücken werden, das zweite; doch wird das dritte: „die Zerstö- rung Jerusalems,“ welche jeßt fleißig in Angriff genoumen wurde, früher vollendet werden. Der Künstler befindit sih gegenwätig wieder unler uns, Au Kunstgegeuständen befanden sich ausgelegt: 1) Ein allegorisches Zueig- nungsblait von Henning: „Borussia,“ dem heimkehrenden Sieger den Kranz reichend; eine zeitgemäße, sehr anspreheude Composition, 2) Eine vou Lütike geferligte Lithographie: Türken in den Ruinen des Ammonstempels in Theben, nah Robert, Farbendruck von Gutschmidt in dem Königl. litho- graphischen Justitut, eine sehr gelungene Arbeit, 3) Meleager und Ata lante, Wandgemälde aus Pomprji, Kopie von Zahn, eines der größten Bilder aus jener Zeit.

Iohanu Fischart.

Johann Fischart's, genannt Menbvers, geistliche Lieder und Psalmen aus dem straßburger Gesang- büchlein von 1576, auch dessen Anmahuung zu christlicher Kinderzucht, und ein artliches Lob ter Lauten besonders herausgegeben. Berlin, 1849, Gedruckt, während des Be- lagerungs=-Zustandes, bei den Gebr. Unger und zu haben bei Alexander Dunder, Königl. Hofbuchhändler. 136 S, kl. 8. (15 Rthlr.) i

Als mit dem Ausgange des 16ten Jahrhunderts auch des römischen Neiches alte Herrlichkeit und seine Literatur - ihrem Ende sich zuneigten , er- schien ein Dichter, der, wie zum Abschiede, gleihsam das gesammte Erbe der Vergangenheit noch einmal in si vereinte, Johann Fischart. Aus- gestattet mit den reichsten Gaben, mit durhdringendem Verstande, lebendiger Phantasie , gefühlvollem Herzen , tiefer Religiosität, heißer Vaterlandsliebe, eutschiedenem Charakter , strengem Ernste , trefcndem Wiye und gefälligem Scherze, führt er alle Verhältnisse des menschlichens Lebens in Familie und Gesellschaft, Staat und Kirche, in einer eben so mannigfachen und wüun- derlichen, und doch bis ins kleinste von lebendigem Leben durchdrun- genen Formenfülle, als die einzelnen Gliederungen des alten Rei- ches ausgezeichnet hatte, an uns vorüber, Aber der Umschwung in Leben uud Literatur erfolgte auf dieser Gränzscheide der deutschen Geschichte so rash, daß schon das nächste Menschen- alter keinen Maßstab für diese Größe mehr besaß, daß schon dreißig Jahre nach des Dichters Tode, noch ehe der dreißigjährige Krieg wie eine Sünd-

fluth alle Erinnerung an das Gewesene, alle Brücken zur Vorzeit hinwegge-

shwemmt, noch ehe der westfälische Friede die Knechtschaft des deutschen Volkes auf Jahrhunderte besiegelt hatte, die meisten Werke A großen enn nes in ihrer Form veraltet; und dem einer feineren Bildung sich anmaßlich rühmenden Geschlechte ungeuießbar erschienen; von einem Begreifen ihres Geisles war nicht mehr die Rede. Erst die neuere Zeit hat den sprachlichen und. dichterischen, erst die neueste auch den großen sittlichen Werth jencr Werke wiederum anerkannt; und je mehr nun endlich die Freiheit. oon Wor- ten zu Thaten, vou Theorieen und Phantasieen zu lebendigen Gestaltungen fortschreiten, aus Regier-, Studir -, Dozir- und Moitveir » Simmern ins

Unermüdlich arbeitete |

e f | drucke zu crh-lien, schon früh die Vollkraft seines von Natur starken und durch frühe Strapa- | / l

! einen Vertrag mit der Staats = Verwaltung abzuschließen.

Leben übertreten und dieses durchdringen und umwandeln wird, je höher Fil ve Verständniß und die Anerkennung und Schäßung Fischart's Freiherr von Meusebach, der größte Kenner unseres Dichters , ist

| heimgegangen , che er seine von Vielen sehnlich erwartete Ausgabe, welche

ein unsterbliczes Muster geworden wä: 1 t ÿ / re, vollendet hatte, i e E ist zunächst bedingt durch den Bertiele “ei ane Es iothek. und seines eben so vuschägbaren handschristliczen Nachlasses.

Z / | Junzwischen wird es d Di VielleiGt i dies zu errei- | zwisch en Verehrern des Dichters und den Freunden der

deutschen Literatur überhaupt angenehm s\cin , einige dcr

Fischar!'s , welche ihn Lee e einer uber ves Seite der religiösen und gefühlvollen, zeigen , wenigstens in getreuem Ab- t e Es bietet das obengenannte Büchlein, welches, dem Andenken des Herrn von Meuscbach gewidmet, auch zum großen Theile aus den gedrucfteu und handschriftlichen Schäten seiner Bibliothek hervorge-

| gangen is, i gefälliger, der alten Jobinschen sich möglichst annähernder

Ausstattung 1) sämmtliche echte Psalme und geistliche Lieder Fischart's (von

denen bisher nur ein sehr kleiner Theil mit halb so vicl unechten vermengt

in selicuen älteren Gesangbück; ern zu lesen war) aus dem einzigen bis jezt

‘ali bekannt i ibli t E Mitgliedérn der Familie die bedeutendsten Arbeiten unserer Kassier gemeine | untey, iun der Bibliothek des britischen Museums zu London befindlichen

Exemplare des straßburger Gesangbüchleins von 1576 (S. 1—89), 2) Die

; 2 7 JN MLME , [Dig | Anmahnu istli Ki T 1G f philosophishen Systeme seiner Zeit, in die er sich {hon in früher Jugend | 1ahnung zu christliher Kinderzuht aus dem straßburger Katehismus dur Euler's, Mendelssohn's und Anderer Sch1iften hatte cinführen lassen, |

(S. 90—96), 3) Das Lob des Laules, unter deu bis jeyt bekannten Dich- tungen Fischart's der Zeitfolge nach die vierte, und die erste, in welcer seine

' y k Eigenthümlichfei j i obi ¿ die auch ihm als Staatöbeamten nicht erspart waren, dann war die Natur | tur : E I0 Tage tritl Aus: dis Moinschen Tabilla

turbuche von 1572 (S. 97—122). 4) Eine gedrängte, aber möglichst cr- s. Öpfende Geschichte der Fischartshen Psalmen und geistlihen Lieder, nebst den nöthigsten literarhistorishen Bemerkungen über die beiden anderen Stücke (S, 124—136).

Eisenbahu : Verkehr.

Rheinische Eisenbahn. Bau- und Betriebs-Rechnung.

In der unterm 1. Januar 1846 vem Verwaltungs-Rathe gea gebencn Uebersicht der Finanzlage der Gesellschaft war zur Vollen= dung der Doppelbahn und des Bahnhofes bei Köln sammt Ergän- zung des Betriebs - Inventars cin Restbedarf nachgewiesen von 1,856,310 Rthlr. 20 Sgr. 5 Pf. Dagegen waren Aktiva vorhan= den für 1,505,310 Rthlr. 24 Sgr. 5 Pf. Es blieb mithin damals cin Minus nah den Voranschlägen von 350,000 Rthlrn., dessen Deckung successive aus den sich ergebenden Ueberschüssen des Bcetrie= bes zu bewirken war. Die zu jener Zeit vorgelegenen Kostenau- schläge für die Doppelbahn sind, so weit dieselben ausgeführt, uicht überschritten worden. Das nach dem Jahres-Berichte pro 1848 sich gegen den Voranschlag ergebende Plus von 35,314 Rthlr. 22 Sgr. 6 Pf. wird dmch trie Annahme cincs um mehr wie 25 pCt. s{wereren Schienen-Profils motivirt. Wenn demnach nach gegenwärtiger Lage des Unternehmens zur gänzlichen Fertigstellung der Beeyn noch die Beschaffung von 1 Million Thaler in Aussicht genommen werden muß, fo rührt dies daher, daß 430,000 Rthlr. 35 pCt. Prioritäts - Obligationcn zur Zeit noch nicht ausgegeben sind und nur zu einem Course von höchstens 70 pCt, ausgegeben werden können, während dieselben in dcr damaligen Balance mit 97 Ct. 417,000 Rthlr. figuriren. Der Ausfall auf diesen Posten beträgt demnach 116,100 Rthlr. Aus dem Verkaufe überflüssiger Grundstücke waren in Aussicht gestellt 161,063 Rihlr. 19 Sgr. 11 Pf. Dieser Verkauf kann jedoch bei den jehzigen Verhältnissen nicht realisirt werden. Der Bahnhof zu Köln war ursprünglich veranschlagt zu 300,000 Rthlr., in der Uebersicht vom 1. Januar 1846 aber zu 470,000 Rthlr. Die Direction hat jedoch schon in früheren Sißungen dem Verwaltungs-Rathe erklärt, daß erst nah ciner genauen Revision wird beurtheilt werden können, inwiefern diese Summe ausreichend scin wird, Die gesteigerten Anforverun- gen der Fistungs-Behörde sowohl, wie die mittlerweile hervorgetre- teuen größeren Bedürfnisse des Betricbes haben bei der Nevision eine Erhöhung der Summe von 470,000 Rthlr. auf 674,00) Rthlr. herbeigeführt, also ein Plus von 204,300 Rthlr. Das bei der er- sten Borlage schon vorhandene Minus von 350,000 Rthlr. hat aus tem Reserve - Fonds seither nicht gedeckt werden können, da aus dem Reserve-Fonds die bei weitem die früheren Anschläge überstei= gende Vermehrung des Betriebs-Materials, so wie die Auswechse= lung schadhaft geworrener Schienen in der Hauptbahn, hat bestrit- ten werden müssen. Die vorberührten Ausfälle ergrben zusammen eine Summe von 481,463 Rthlr, 19 Sgr. 11 Pf. Eine weitere Summe von ca, 100,000 Rthlr. muß noch für fernere Schienen- Auswe{felung in der Hauptbabn in Aussicht genommen erden.

Die Direction hatte, sobald sie si von dem Vorhandensein cincs Mehrbedarfs überzeugt hatte, in vielfahen Eingaben an die hohe Staats - Regierung sih dahin gewandt, daß dieselbe dem für die Rhein - Provinz so «wichtigen Unternehmen diejenige finanzielle Unterstüßung möge zu Theil werden lassen, die für dasselbe um so mehr mit Rücksicht auf die in den úbrigen Provinzen des Staats in so bedcutendem Umfange geleisteten Garanlicen beausprucht werden fönnte. Lange Zeit hat es niht gelingen wollen, diesen Anträgen Gehör zu verschaffen. Es is jedoch-gelungen, durch per- sönliche Verhandlung des Directors Herrn Oppenheim mit den Mi- nistern des Handels und der Finanzeu folgenden Bescheid zu er- wirken: Die Regierung kann dem Autrage, zur Vollendung der Anlagcn der rheinischen Eisenbahn für cine Million Thaler neu zu freirende Stamm - Actien zu übernehmen, wegen Mangels an ver- fügbaren Fonds uicht entsprechen, dagegen die Gewährung des eventuellen Betrags auf Bewilligung einer Zins - Garantie des Staates für cine Anleihe zum gedachten Betrage zu befürworten, wenn die Gesellschaft das Bedürfniß der nochmaligen Erhöhung des Anlage-Kapitals durch eine übersichtlihe Zusammenstellung ihrer gesammten Bau - Einnahmen und Ausgaben näher nachweist und sich damit cinverstanden erklärt: „daß der Zinsfuß der Bestimmung des Staates vorbehalten bleibe, der Direction ein vom Staate zu ernennender Direktor hinzutrete und, im Falle die Zins - Garantie in Anspruch genommen würde, die Verwaltung der Bahn alsdann unwiderruflich unter Aufhebung aller entgegenstehenden Statut=Be- stimmungen auf den Staat übergehe. Auch würde die Gescllschaft sich zu verpflichten haben, die Verbindung ihres Bahnhofes zu Köln mit der in Aussicht stehenden festen Brücke über den Rhein gleih- zeitig mit der Vollendung der leßteren auf ihre Kosten herzustellen.“

In der lebten, vor einigen Wochen abgehaltenen General- Versammlung, in welcher der Bericht über den Stand des Unternehmens vorgelegt war, wurden auf Grund des vorer wähnten Bescheides von Seiten der Direction nach reifli- her Erwägung folgende Anträge gestellt: 1) „die Direction zu er- mächtigen, zur gänzlichen Fertigstellung der rheinischen Eisenbahn eine dritte Anleihe von einer Million Thaler, in 5000 Obligationen zu 200 Rthlr. und 5 pCt. Zinsen tragend, unter Genehmigung und Zinsen-Garantie des Staates zu kontrahiren und dae Ausgabe dieser Anleihe bleibt einer weiteren Ermächtigung der General - Versammlung vorbehalten. 2) „Die General ns sammlung erklärt sich damit einverstanden, daß, im Falle der dr: für die von demselben zu übernehmende Garantie einer dritten An-