13) Andreas Buchheim, Schlosser,
14) Max Birkner, Lithograph,
15) Robert Häbler, Mechanikus,
16) Wilhelm Ehrecke, Tischler,
17) Gustav Wienecke, Maurer,
18 Kil Schubert, Tischler,
19) Emil Habs, Bildhauer,
20) Albert Dockhorn, Realschüler, an Willy Dederscheck, Realschüler, 22) Oscar Zieler, Realschüler,
23) Rudolf Ferchland, Realschüler.
Berlin, den 19. August 1882.
Der Senat, Sektion für die bildenden Künste. H. Ende.
Ministerium für Landwirthschaft, Domänen und Forsten.
Dem Rektor Cremer zu Nieder - Emmels, Kreis Mal- medy, is die silberne Medaille für Verdienst um die Land- wirthsckaft verliehen worden.
Königliche Technishe Hohschule zu Aachen.
Im Studienjahr 1882/83 beginnen die Immatrikulationen am 2 die Vorlesungen am 9. Oktober. Eine den preußischen Bergakademien gleiberechtigte Bergbau- Abtheilung mit Berg-Ingenieurprüfung ist im Oktober 1880 hinzugetreten. Im Anschluß an dieselbe kann ein praktischer Kursus durchgemacht werden. Programme sind vom Sekretariat gratis zu beziehen. :
Der Rektor: von Gizycki.
Nichtamtliches. Deutsches Neich.
Preußen. Berlin, 21. August. Se. Majestät der Kaiser und König begaben Sich gestern Vormittag 10 Uhr mittels Extrazuges nah Berlin, nahdem Allerhöchstdièselben auf dem Bornstedter Felde bei Potsdam von 73/4 Uhr an dem Exerzieren beigewohnt hatten.
Se. Majestät nahmen darauf im hiesigen Palais die Vor- träge des Geheimen Ober-Regierungs-Raths Anders vom Ge- heimen Civil: Kabinet, des Ober-Regierungs-Raths von Heppe in Vertretung des Polizei-Präsidenten, und des Botschafters Grafen Haßfeldt entgegen und empfingen den Oberst-Kämmerer Grafen Redern, sowie den Kriegs-Minister General von Ka- meke zur persönlichen Meldung.
Von 121/; bis nah 2 Uhr besichtigten Se. Majestät die
Pergamenischen Alterthümer im Museum, und um 4 Uhr
7
erfolgte die Rücktkehr Sr. Majestät nach Babelsberg.
— Amtlichen Nachrichten aus Port Said zufolge ist während der seit dem 20. d. Mts. si vollziehenden Beseßung des Suezkanals dur englische Streitkräfte der Verkehr auf dem Kanal mit Rücksicht auf das enge Fahrwasser für Handels \chiffe untersagt.
— Der Chef der Admiralität, Staats-Minister von Stosch, hat sih behufs Vornahme von JInspizirungen nah Kiel und Wilhelmshaven begeben.
— Der Remonte: Fnspecteur , General-Lieutenant von Rauch, is von Urlaub aus Tirol hier wieder eingetroffen.
— Als Aerzte haben sich niedergelassen die Herren : Dr. Steinbach in Triebel, Dr. Barz in Gassen, Dr. Weddigen in Liebenau, Dr. Hüntemann 1n Schöppingen, Dr. Wahle in Winterberg und Dr. Lenz in Hofgeismar.
Kiel, 21. August. (W. T. B.) Der Chef der Admi- ralität, Staats-Minister von Stos{, wohnte heute den Uebungen der Matrosen und der Artillerie im Minenlegen bei Friedrihsort bei und inspizirte sodann das hiesige See- bataillon und die 3. Abtheilung der 1. Matrosendivision.
Wiesbaden, 22. August. (W. T. B.) Zhre Majestäten der König und die Königin von Dänemark, der König von Griechenland, Jhre Königliche Hoheit die Prinzesfin von Wales, Prinz Alexander von Hessen, Prinz erriedrich Wilhelm ron Hessen und Prinz Nikolaus von Nassau haben sih heute Vormittag zur Beisezung der Prin- zessin Polyxena, Tochter Sr. Königlichen Hoheit des Landgrafen Friedrih von Hessen, nah Shloß Rumpenheim begeben und werden Abends ‘wieder hierher zurückkehren.
Württemberg. Stuttgart, 19. August. Der König hat sich heute von Friedrihshafen nah Bebenhausen begeben, um dort einige Wochen zu verweilen.
Vaden. Karlsruhe, 21. August. (W. T. B.) Se. Königliche Hoheit der Prinz Friedrich Carl von Preußen traf gestern hier ein, um den Uebungen der Kavallerie des X1V. Armee-Corps beizuwohnen, auf dem Bahnhofe wurde Derselbe vom Erbgroßherzog und von dem Prinzen Wilhelm von Baden empfangen.
Sessen. Darmstadt, 18. August. (Köln. Ztg.) Das jüngst im Regierungsblatt verkündigte neue Regulativ für das Steuermannswesen auf der hessishen Rheinstrecke gestaltet den Gewerbebetrieb als Steuermann (Lootse) oder nige i gle auf der fraglichen Strecke nur solchen Per- onen, welche die dort näher vorgeschriebene Prüfung bestan- den und daraufhin ein Patent erhalten haben. Die Aus- übung des Betriebes ist auf die in den Patenten zu bezeich- nenden Strecken, nämlich für die Steuerleute in Bingen auf die Strecken Bingen bis Caub und bezw. Mainz, für die Steuerleute in Mainz auf die Strecken von da bis Bingen und bezw. Mannheim beschränkt, Die Namen der Patentirten und die Steuermannslöhne werden durch öffentlichen Anschlag befannt gemacht.
Meckeklenburg-Schwerin. Schwerin, 21. August,
- Anz.) Der Großherzog und die Großherzogin
nd von ihrer Reise gestern Füh in Rabensteinfeld wieder eingetroffen.
esterreih - Ungarn. Wien, 2, August. - Die L ; 4 ist in der Lage heute zu melden : er Kaiser triff Dienstag, den 22. d. Mts., Morgens,
in Penzing ein und begiebt sih vom dortigen Bahnhofe aus nach Schönbrunn. Jn den nächsten Tagen begiebt sih der Kronprinz in das Mnichover Lager, um den Manövern dort anzuwohne#. Am 14. September trifft das Kron- prinzenpaar wieder in Wien ein, um von der Kaiserin, die am 9. September von Zs{l in Schönbrunn eintrifft und e am 16. September nah Gödöllö begiebt, Abschied zu nehmen. :
Triest, 21. August. (W. T. B.) Der Minister-Präsident Graf Taaff e, welcher heute früh hier eingetroffen war, besuchte im Laufe - des Tages in Begleitung des Statthalters die Ausstellung“ und spra dem Ausstellungscomité über die erreihten Erfolge seine hohe Befriedigung und zugleich die Mahnung aus, daß man die Gegenagitation ganz unbeachtet lassen möge. "Der Minister-Präsident is bereits heute Abend nach Wien zurückgekehrt. :
Lemberg, 21. August. (W. T. B.) Jn Galizien haben in den leßten Tagen Uebers chwemmungen statt- gefunden und an vielen Orten großen Schaden verursacht. Die Albrehtsbahn und die Lemberg-Czernowißer Bahn mußten zeitweilig auf einzelnen Strecken den Personen- und Güter- verkehr einstellen. — Die amtliche Zeitung erklärt das Gerücht von einem Ausbruch der asiatishen Cholera in dem an- grenzenden Gouvernement Kaminiec-Podolski für v ollstän- dig unbegzündet.
Serajewo, 13. August. Der „Pol. Corr.“ wird. von
‘hier geschrieben :
Obwohl aus dem und jenem der Punkte in der Herzegowina, welche sih in den érsten Monaten dieses Jahres von der Insurrektion am heftigsten ergriffen gezeigt hatten, die Berichte der Asffsentirungs- kommisfion noch auss\tehen, darf man doch heute {hon getrost von einem glücklicben Verlauf der Affffentirung auch in diesem Wetter- winkel des Okkupationsgebietes und somit von einem befriedigenden Abschlussc des \{chwierigen Werkes in ganz Bosnien - erjegowina sprechen. Ruhe und Ordnung find aus diesem Anlasse nirgends gestört, das vorgeschriebene Kontingent ist überall gedeckt worden, und namentlich in Bosnien haben sich zahlreiche Freiwillige aller Kon- fessionen zum Kriegsdienste gemeldet. Die Kmeten und Mukhtaren zeigten si beflissen, ihre Schuldigkeit zu thun, und fo darf man, ohne Gefahr des Optimismus geziehen zu werden, den ftörungslosen Und programmgemäßen Verlauf der Affentirung als ein gewichtiges Symptom zunehmender | Konsolidirung der Zustände in Bosnien- Herzegowina als eine neue Etappe in der Einbürgerung europäischer Instikutionen in diesen Ländern und als einen bedeutsamen Fortschritt H u Anschlusse an das mit ihrem Schute betraute Staatswesen
egrüßen.
Die Befriedigung über dieses günstige Resultat würde sih ohne Zweifel lauter und allgemeiner äußern, wenn es nicht zugleich manche Mißstände zu beklagen gäbe, die seinen Eindruck zu \{wächen geeignet sind. Ohne daß man von einer Fortdauer der Jasurrektion zu sprechen berechtigt wäre, will die Ruhe in den insurgirt gewesenen Landeëêtheilen, besonders aber in dem an der Doppelgrenze gegen Montenegro und das Paschalik von Novi - Bazar gelegenen Landstrihe nicht wiederkehren. Banden, deren Stärke in der MNegel z¿wishen 10 und 60 Mann \{chwankt, tauchen heute da und morgen dort auf, beunruhigen die Militär- posten, die einsam liegenden Ortschasten und die Feld- und Straßen- arbeiter rauben und plündern, um sich bei Annäherung der Truppen nach etlichen mit ihnen gewech{selten Schüssen gegen die Grenze zurücßzuziehen, in allerle? Schlupfwinkeln zu vershwinden und nah kurzer Zeit an einem andéren |Punkte das gleiche Treiben von vorn wieder zu beginnen¿ Die eichen und „umsichtigen Streifzüge der in ihrer Ausdauer wahrhäf „zu bewunderiden Truppen haben zwar den Erfolg; daß dieser Brigantaggio sicy nirgends einzuniften vermag, allein eine Ausrottung des Unwesens mit der Wurzel ist bis zum da Tage ungeachtet aller angewendeten Mühe und Energie nicht geglückt.
Zwischen Grab und Tientiste hatte ers am 31. Juli ein Streif- kommando unter Hauptmann Malißky vom Infanterie-Regiment Nr. 67 einen seinerseits verl1 losen Kampf mit einer fünfzig Köpfe starken Bande zu bestehen, die cinen Todten und fünf Verwundete hatte und Waffen sowie zahlreiche geraubte Gegenstände in den Hän- den der Truppen ließ. Dann wieder sah \ich ein Posten bei Vardar am 8. Juli einem Angriffe einer \sech8zig Mann starken Bande ausge- seßt, die fih bei der Annäherung der Verstärkungs-Compagnie aus Vilek eilig gegen die Grenzé zurückzog.
Neben diesen verstimmenden Meldungen aus dem ehemaligen In- furrektionsgebiete fehlt es aber auc nicht an besseren. Ab und zu kehren nämlich Schaaren von Flüchtlingen aus Montenegro zurü, um si repatriiren zu lassen. Solch eine Nachricht liegt vom Posten Velenic vor, welcher am 1. d. M. zweiundvierzig rüctkehrende Flücht- linge aus dem Focaer Bezirke mit zahlreichen Heerden wieder in die alte Heimat installirte.
Großbritannien und Jrland. London, 19. August, (Allg. Corr.) Ob in Folge der strengen Handhabung der Gustiz oder aus anderen Gründen ter Geist des Widerstandes in Jrland sih wieder zu regen beginnt, ist {wer zu ent- scheiden; genug, so viel ist aewiß, daß die Gemwaltthaten, die neuerdings eine erfreuliche FRRIe zeigten, in verflossener Woche in bedauernswerthester Weise wieder zugenommen haben. So wurde am Donnerstag Abend eine ganze Pächter- familie, bestchend aus einem gewissen John Joyer, dessen Brau, Mutter und Tochter in Mullaghadruma, Grafschaft
alway, ermordert und zwei Söhne der Familie verwundet. Von den VMördern ist bis jeßt keine Spur ermittelt worden. Fn Crushden, Grafschast Clare, wurde am Sonntag ein Pächter ermordet, und es gelang auch in diesem Falle dem Mörder, zu entkommen. Ferner wurde am Sonntag un- weit Carrick-on-Shannon ein Gutsverwalter, Namens Larkin, der hon seit längerer Zeit unter dem Schutze der Polizei stand, in der Nähe seiner Wohnung dur mehrere Schüsse tödtlich verwundet, und obschon in diesem Falle mehrere der That dringend verdächtige Personen verhaftet wurden, muß- ten dieselben doch wieder freigelassen werden, da keiner der Augenzeugen gegen die Verhafteten auézusagen wagte.
Troß des Befehls des Handelsamtes, die Kanaltunnels arbeiten einzustellen, entdeckte Oberst Yolland bei der in der vorigen Woche vorgenommenen dritten Inspektion, daß seit der leßten Besichtigung die Arbeiten noch um 70 Yards weiter vorgeschritten sind und der Tunnel na der Richtung des Meeres zu jeßt hon eine Länge von 800 Yards hat, «In Folge dieser Entdeckung is die weitere Fortseßung der Arbeiten aufs strengste inhibirt worden und die- selben daher ‘ zum gänzlihen Stillstand gckommen. Mit der Wiederaufnahme der Arbeiten wird es vorläufig gute Wege haben, da die auf das Kanaltunnelprojekt bezüglichen Geseßentwürfe am Dienstag im Unterhause niht einmal zur zweiten Lesung kamen und es zweifelhaft, da die Regierung gegen das Projekt ist, ob dieselben in späteren Sessionen wieder vorgelegt werden.
Der Großherzog und die Großherzogin von Medcklenburg-Schwerin sind nah einwöchigem Aufent- halte in London gestern nah Deutschland zurückgekehrt.
— 21. August. (W. T. B.) General Wolseley hatte noch vor seiner Abreise nah Egypten verschiedene Regimenter designirt, welche event. das egyptisce Expeditionscorps ergänzen sollten. Das Kriegs-Ministerium hat heute mehreren von diesen Regimentern den Befehl ertheilt, sich zur Abfahrt bereit zu halten.
Frankreich. Paris, 19. August. (Fr. Corr.) m heutigen Ministerrath konnte der Konseils - Präsiton Duclerc die Mittheilung machen, daß nach den ihm aus Tunis und Tripolis zugegangenen Nachrichten der gefährliche Häuptling Ali-ben-Khalifa, der sich aus Tunesien nah
Tripolis geflüchtet hatte, für sich und viele andere tunesische
Flüchtlinge um Gnade gebeten hat. Der Ministerrath hat sofort die Bedingungen dieser Begnadigung festgestellt.
— 21. August, Abends. (W. T. B.) Nach einer Mel: dung aus Algier sind 450 Aufständische aus Südoran mit ihren Familien nah Ainsfefra gekommen und haben ihre Unterwerfung angeboten.
Türkei. Konstantinopek, 21. August, (W. T. B.) Bezüglih der Militärkonvention verlangt die Pforte nunmehr, wie verlautet, daß die Ziffer des türkishea Effektiy- bestandes von den Engländern nit limitirt werde; daß die türkishen Truppen in Alexandrien und niht in Abutkix landen, daß jede militärishe Aktion einzustellen sei, so- bald der türkishe Kommandant dies verlange. Was die Unterordnung der Türken unter britishes Ober: kommando betrifst, so soll türkischerseits vorgeschlagen werden, eine gemeinsame, fkombinirte Aktion zu sti- puliren, ohne das Oberkommando zu spezifiziren. Unge- achtet der langen Besprehungen, welhe am Sonnabend und Sonntag zwischen Lord Dufferin und Said Pascha stattge- funden, ist noch keine Entscheidung getroffen. Lord Dufferin fährt fort, einzelnen Punkten der türkischen Forderungen sih lebhaft zu widerseßen und soll sogar erklärt haben, daß es verlorene Zeit wäre, unannehmbare Vorschläge zu erörtern, Die Pforte soll in Folge dessen ihr ursprüngliches Projekt modifizirt haben. «
— 22. August. (W. T. B.) Der russishe Botschafts- verweser Nelidoff hat dem Sultan gestern sein Beglau- bigungsschreiben überreicht. — Eine amtliche Bekanntmachung untersagt alle Anwerbung von Soldaten für Egypten und bedroht die Werber wie die Angeworbenen mit Hast.
Smyrna, 21. August. (W. T. B.) Ein Transport von 700 für die Engländer angekauften Maulthieren ist unter Bezugnahme auf das wegen der Ausfuhr von Pfer- den und Maulthieren ergangene Verbot auf der hiesigen Douane angehalten worden.
Nußland und Polen. St. Petersburg, 21. August. (W. T. B.) Hiesige m-dizinishe Fachblätter bringen die Mit- theilung: von Seiten des Kriegs-Ministeriums sei verfügt worden, daß die Anzahl der jüdischen Militärärzte nit mehr als 5 Prozent der sämmtlichen Militärärzte betragen dürfe. Dieselbe Norm sei auch bei der Aufnahme jüdischer Studenten in die militärish-medizinishe Akademie zu heobahten. Auch folle das Avancement der jüdishen Militär- ärzte nur bis zur fünften Nangklasse unter Beobachtung der- selben Norm gestattet jein.
Aus Tomsk wird gemeldet: General Bobkoff werde sich zur Feststelung der neuen Grenzlinie zwischen Rußland und China in diesen Tagen als bevollmächtigter Kommissar an die cinesishe Grenze begeben.
Asien. (Allg. Eorr.) Jm Auswärtigen Amte zu London eingetroffene Depeschen bestätigen die füheren Privat- meldungen von dem Ausbruch eines Aufstandes in Corea:
Der Königlicbe Palaft, sowie die japanische Legation wurden an- gegriffen und außer dem König und der Königin auc ein in Diensten der Regierung von Corea stehender japaniscber Offizier getödtet. Der König war energisch in seinen Anstrengungen gewesen, das Land dem auswärtigen Handel aufzuschliceßen, und dies zog ihm die Feindshaft der Anhänger einer engher- zigen und exklusiven Politik zu. Es heißt, daß in Corea seit ge- raumer Zeit eine von einem höchst einflußreichen coreaniscben Staats- manne geleitete Partei existirte, deren Wunsch es war, die Fremden zu vertreiben und zu dem alten Stande der Dince zurückzukehren. Jn jüngster Zeit scheint diese Partei dur Progressisten, welche dem Verkehr mit dem Auslande günstig gestimmt waren, ver- drängt worden zu sein, und unter diesem Regime wurden au die neuesten Verträge mit den Vereinigten Staaten und Großbritannien ges{lossen. Diese Handlungen müssen den Gefühlen - der Anti-Fremden-Partei unerträglich gewesen sein. Jhre eifersütige Entrüstung hat si jeßt in offenen Feindseligkeiten gegen die Ausländer offenbart, aber insbesondere gegen die Japaner, weil die- selben zuerst das fremde Element in Cerea cingeführt hatten. Die drei dem ausländischen wes geöffneten Häfen in dem Lande sind Tuffan, Genzanshin und Genzin. Die Eingeborenen, welche nur halbcivilisirt sind, stehen, wie man glaubt, in hohem Grade unter dem Einflusse Chinas, mit welchem Reiche ihr Land in direkter Ver- bindung fteht.
Afrika. Egypten. Alexandrien, 21. Augukß. (W. T. B) Jn den Linien um Namleh war in der ver: flossenen Nacht Alles ruhig. — Der Khedive hat nunmehr das Dekret unterzeichnet, durh welches Cherif Pascha mit der Neubildung des Kabinets beaustragt wird. Der Kkhbedive drückt in dem Dekrete seine vollständige Zustimmung zu den von Cherif Pascha entwickelten Jdeen aus und glaubt, daß in der gegenwärtigen Zeit der Verwirrung die direkte Aktion der souveränen Autorität über die Bevölkerung und die Führung der Staatsgeschäste besser bekundet werden mag Er werde daher von dem Rechte Ge- brauch machen, den Ministerrath unter seinem eigenen Vorsiß zusammenzuberufen, um im Verein mit demselben wichtige Fragen der inneren und äußeren Politik zu berathen. Au werde er das dem Khedive verfassungsmäßig zustehende Ober- Kommando über die egyptishen Streitkräfte zu einem wirk: sameren machen, ohne indessen die Befugnisse des Kriegs- Ministers zu beshränken.
— Eine Depesche des Generals Wolseley aus Kantara berihtet, daß bei Jsmailia ein Sharmüßel mit den Enayptern stattgefunden habe und daß die englischen Kriegs- schiffe Nefishe bombardirt hätten. — Berichten aus Ra mleh zufolge jollen die Egypter bis nach Kafrdowar Eisen- bahnzüge vorschieben, es habe den Anschein, als ob sie diese Position aufgeben wollten. — Die Person, welche jüngst wegen einer mit Arabi Pascha unterhaltenen heimlihen Verbindung verhastet wurde, ist Hanafi Effendi, welchen Arabi Pascha als General-Direktor der Eisenbahnen eingeseßt hatte. Aus demselben Grunde dürsten noch mehrere andere Verhaftungen bevorstehen.
— Eine Depesche der Admiralität meldet, daß Nefishe von den englishen Truppen ohne Widerstand beseßt worden ist und daß die Egypter geflohen sind.
Port Said, 21. August. (W. W. B.) Die Stadt ist ruhig, das von Eingeborenen bewohnte Quartier der- selben ist von seinen Bewohnern fast vollständig verlassen. Die bei der gestrigen Beseßung der Stadt gefangen geseßten Personen werden nah Alexandrien gebraht werden. — Heute sind ein französisches, ein russishes und ein hollän- dishes Avisoschiff hier angekommen. — Jn Timsah ist eine Abtheilung indischer Truppen eingetroffen. — Aus Jsmailia wird gerühtweise gemeldet, Lesseps sei ziemli heftig erkrankt.
Suez, 21. August. (W. T. B.) Der Oberbefehlshaber des indishen Truppenkontingents, General Macpherson, ist mit seinem Generalstab heute früh hier angekommen.
— Aus London meldet „W. T. B“:
unter dem 21. August:
Eine offizielle Meldung aus Suez vom 20. d. sagt: Die englische aus Marinetruppen und Infanterie bestehende Truppenabtheilung rüdte auf dem Wege über den Kanal gegen Chalouif und stieß -auf 600 Mann von Arabi Paschas Truppen, welche si hinter der Station stark verschanzt hatten. Die Engländer griffen an, s{hlugen die Egypter in die Fluht und nahmen denselben 1 Geshüß und 45 Gefangene ab. Die Engländer hatten 4 Todte und Ver- wundete. Der Verlust der Egypter an Todten und Verwun- deten beträgt gegen 100 Mann. Die Egypter hatten das Ufer des Süßwasserkanals bei Chalouif abgegraben. Der Schaden ist aber wieder ausgebessert und der Kanal wird jeßt bewacht.
— Ein Regiment Bengal-Jnfanterie ist hier angekommen.
unter dem 22. August :
Offizielle Meldung aus Suez von gestern Abend: Die Verluste der egyptischen Truppen bei dem gestri- gen Zusammenstoß betragen 168 Todte und 62 Gefangene, von leßteren sind 27 verwundet.
Offizielle Meldung aus Port Said von gestern Abend: Die Suezkanalgesell\s{chaft hat die Leitung der Geschäfte bezüglich aller Kanalangelegenheiten wieder übernommen.
Die heutigen (Londoner) Morgenblätter melden aus Js- m'ailia, esseimitder Ausschiffung der englishenTru p- pen begonnen worden, General Wolseley sei bereits gelandet und habe von Nefishe aus eine Rekognoszirung vorgenommen. — Aus Port Said von gestern wird gemeldet, Raschid Pascha, Husni Pascha und Mahmud Famy Pascha ständen bei Tel: el:-Kabir und hätten unter si 25000 Mann, darunter an- geblich 11 000 Reguläre.
— Dem „Temps“ 16. August telegraphirt:
Wie ich persönlich vernehme, fühlt sich Arabi, naGdem er von den neuesten englischen Truppensendungen Kenntniß erhalten, außer Stande, den vereinigten Streitkräften des Feindes einen wirksamen Widerstand zu leisten. Er wolle sich auf cine Scbeinvertheidigung be- \hränken und dann bereit erklären, vor einem Vertreter der Pforte die Waffen zu strecken. Der Sultan würde auf diese Weise seine Souzeränetät zwischen aufrührerishen Unterthanen und fremden Truppen ins Mittel legen. Nach den leßten Nachrichten aus Kafr- dowar soll das Lager Arabis von ciner Menge Hungerleider heim- gesucht sein. : ;
— (Allg. Corr.) Einen Begriff von den Kosten des Bombar- dements von Alerandrien kann man fih aus dem von der Admiralität veröffentlichten Berichte über die Zahl der von jedem Scbiffe abgefeuerten Scbüsse bilden. Jeder aus den vier 80 t wiegenden Kanonen des „Inflerible“ abgefeuerte Schuß kostet 25 Pfd. Sterl. 10 Sh. per Geschüß. Aus den 25 t wiegenden Kanonen, von denen die „Alexandra“ zwei, der „Monar“ und „Temeraire“ je vier trägt, kostet der Schuß 2 Pfd. Sterl. Jeder Schuß aus den 18 t {weren Kanonen, von denen die „Alerandra“ zehn, der „Sultan“ acht, der „Superb“ 16 und “der „Temeraire“ vier trägt, kostet 5 Guineen, und aus den 12 t, \chweren Kanonen, von denen der „Invicible“ zehn, der „Monar“ zwei und der „Sultan“ vier hat, 3 Pfd. Sterl. 12 Sh. 6 D. Die „Peneloye“* ift mit 8—9_t s{chweren Kanonen armirt, deren Schüsse .je 22 Pfd. Sterl. kosten. Der , Monar“ und der „Bittern“ feuerten aus je nur 63 t wiegenden Kanonen Schüsse, welche je 13 Pfd. Sterl. kosten. Die Kanonenboote „Leaton“, „Cygnet* und « Penelope“ sind mit zwei 64:Pfündern und sieben 40-Pfündern armirt, deren Schüsse je 18 resp. 12 Scillinge kosten. Zu diesen Kosten gesellt sib noch eine Summe für das Abfeuern der kleineren Geschüße der Kanonenboote „Cygnet“, „Condor“ und » Decoy“.
— Aus Alexandrien, 8. August, wird der „Köln, Ztg.“ geschrieben :
Von - Marseille, Neapel, Messina und Port Said kehren die Flütlinge shaarenweise hierher zurück. Die meisten sehen einer Landung türfkisher Truppen mit Schrecken entgegen ; sie hoffen auf eine dauernde Besezung Egyptens dur die Engländer, weil diese ihren materiellen Interessen am besten entsprechen würde. Die Eng- länder, so sagen sie, werden uns vielleicht für unsere verbrannten Häuser und Waarenlager ertschädigen, Wer vom Meere her nach Alexandrien kommt, gewahrt nur wentg von Beschießung, Brand und Zer- stôörung. -Die Festungswerke in der Nähe des Leuchtthurms zeigen einige Löcher und Risse, die Paläste von Mex und Ras-el-Tin ebensowohl, wie die dem Hafen zunächstliegenden arabischen Stadtviertel sind dagegen gänzlih unversehrt. Erst wenn man zum Mehemed-Ali-Platz (au Konsuln-Plaßtz genannt) vordringt, vermag man den Umfang der Zer- störung zu ermessen. Merkwürdigerweise sind nit etwa ganze Stadt- viertel abgebrannt. Auf Schritt und Tritt erblickt man deutlich die Thätigkeit ter Mordbrenner. Neben drei oder vier in Trümmern liegenden Häusern - erhebt \ich allemal unverleßt ein viertes, \ei es, daß der Besißer ein Araber war, sei es, daß die Anlage des Hauses der Brandstiftung troßte. Im Großen und Ganzen, \o darf man wohl sagen, ist von Alexandrien weit weniger zerstört, als die ersten Zeitungsberihte es glauben maten. Am wenigstey haben die arabishen Stadtviertel, am meisten hat der Mittelpunkt des europäischen Viertels, der Mehemed Ali-Platz, gelitten, Allenthalben Ut man mit dem Aufräumen der Trümmer beschäftigt, keine einzige Straße ist ungangbar. Da aber ganz Alexandrien noch immer in eine einzige Staubwolke gehüllt und dieserhalb ret ungesund ist, so ziehen es manche Leute vor, nah wie vor an Bord jener im Hafen ankernden Dampfer zu verbleiben, die ihnen während der Beschießung Scbuß verlieben. Nebrigens find \ch{on wieder etlide Gastböfe dem Publikum geöffnet, Auf dem von Trümmerhaufen ceingefaßten Mehemed-Ali-Plate betreiben in improvisirten Holzbuden Pasteten- bâcker, Kaffeewirthe und Haarschneider ihr H-.ndwerk. Die englischen Soldaten sind in Ermangelung von Kasernen in einer Anzahl kleinerer Gebäude dur die ganze Stadt vertheilt. Beim Zollgebäude halten englisbe Rothröcke mit aufgepflanztem Bajonnet Wache, während egyptishe Beamte den Dienst versehen. Aehnlich ift es überall.
eußerlich herrschen die Beamten des Khedive, in Wahrheit herrschen aller Orten die Engländer. Die Sicherheit in den Straßen Alexandriens äßt zur Zeit nit das geringste zu wünschen übrig, man kann eben so frei dort einhergehen, wie in Köln oder Berlin. i
— Von militärischer Seite geht der „Polit. Corresp.“ eine Darstellung der bereits mobilisirten und der noh zur Ver- fügung stebenden englischen Streitkräfte zu Wasser und zu Lande zu, der wir im Nachstehenden Naum geben :
, Die Landmacbt, des britisben Reiches kann mit Eins{luß In- diens und der Kolonien auf das Maximum von 800 000 Mann ge-
wird aus Alexandrien vom
brabt werden. Hiervon sind gebunden: 1) in Indien 192000 Mann; 2) in den Kolonien 23 000 Mann ; 3) im Mutterlande 25000 Mann (und zwar in Irland als Besatzung wegen der dortigen Unruhen), ferner 433 000 Mann Freiwilliger und Miliztruppen. Folalih bleiben im äußersten Falle rund 125 000 Mann zur Ver- fügung, um sie als Operationsarmee zu verwenden. Hierbei ist {on auf alle Truppen Rücksicht genommen, die aus Indien und aus den Kolonien herbeigezogen werden könnten. Von diesen 125000 Mann sind nur zwei Armee-Corvs, 72000 Mann, aus folchen Truppen organisirt, welche aus- \{ließlich der regulären Armee angehören. Andere regulären Truppen müßten erft aus dem Verbande mit der Miliz und den Freiwilligen gelöst werden, um no ein Armee-Corps mobilisiren und außer Land bringen zu können, weil die Milizen und Freiwilligen nicht verpflichtet find, aus dem Mutterlande zu marschiren. Jn diesem dritten auf- stellbaren Armee-Corps sind schon die 11000 Mann inbegriffen, welche die Besaßzungen im Mittelmeere bestreiten. Aus Indien könnten höchstens 20000 Mann außer Landes verwendet wer- den. Als der Ernst der Lage in Egypten die Mobilisirung eines Theiles der Landarmee nothwendig machte, besbloß die englische Regierung, 25000 Mann nah dem Nillande zu fenden. Am 11. Juli — dem Tage des Bómbardements von Alexandria — begann die Mobilisirung der Truppen im Mittelmeere und zum Theil deren Tranêport nah Egypten. Diese Truppen hatten seit den reorganisatorischen Verfügungen des Jahres 1881 den Kriegs\tand hon im Frieden angenommen. Bis zum 15. Juli waren von den 7 bestimmten Bataillonen der Mittelmeerbesaßzungen 4 Bataillone in der Stärke von 3000 Mann ausgeschifft. Der Rest traf eine Woche später cin; dies bildete zusammen etwa 5000 Mann. Der Rest von 6000 Mann blieb in den Mittelmeerstationen zurück. Die Einberufung der Neservisten erster Klasse (bis zum 7. Dienstjahre) begann am 22. Juli und wurde in England auf 10 000 Mann aus- gedehnt, so daß die durch sie auf Kriegsstand gebrachten Lruppen im Mutterlande die Höhe von 24 0009 Mann bis jeßt schon erreiht baben. Hierzu treten noch aus Indien 10000 Mann.
Von diesem Aufgebote an Kräften wurden aus England bis zum 13, August 11 (00 Mann und aus Indien 5000 Mann abge- sendet; gegen Mitte August werden sich in Egypten etwa 21 000 Mann befinden. Diese Heereskraft wird in 3 Jafanterictruppen- Divisionen, jede zu 2 Brigaden, gegliedert sein. Zwei Divisionen à 10, re- spektive 11 Bataillone kommen aus England und dem Mittel- meere, eine Division à 10 Bataillone | wird aus indischen Eingeborenen und aus Linientruppen gebildet. Kavallerie und Artillerie stehen nicht im Verbande dieser Divisionen. Beide Waffen treten als Reservekörper auf, und zwar: eine englishe Linien-Kavalleriebrizade 4 Regimenter mit zusammen 11 Eécadronen, und eine indische Kavallerie-Brigade 3 Regimenter mit im Ganzen 12 Escadronen. Die Artillerie, in einer englischen Linien-Brigade formirt, ist 11 Batterien mit 66 Geschützen stark; aus Indien kommen 3 Linien-Batterien mit 18 Geschüken. An tech- nischen Truppen sind 8 Compagrien bestimmt. — Diese Streit- kräfte: zusammen 26 Bataillone, 27 Escadronen, 14 Batterien, welwe 19 000 Gewehre, 3700 Reiter, 84 Geschüte repräsentiren, bilden ein Armee-Corps unter Kommando des Geaeral-Lieutenants Sir Garnet Wolseley. Chef des Gereralstabes, zugleich Stellver- treter des Corpskommandanten, is General-Lieutenant Sir John Adye. General-Quartiermeister ist Oberst Methuen (bis vor Kurzem Militär-Attaché in Berlin). Divisionäre sind: bei der I. Divifion General-Lieutenant Willis, bei der IT. Division General-Lieutenant Hamley, bei der II1. Division, der indischen, General-Lieutenant Macpherson. Der Herzog von Connaught (dritter Sohn der Köni- gin) kommandirt die Garde-Brigade in der I. Division. Die Linien- Kavallerie-Brigade kommandirt General-Major Drury-Lowe, die in- dische Kavallerie-Brigade Oberst Wilkinson. Die Lnien-Artillerie- Brigade steht unter dem Kommando des Obersten Goodenough (vor- mals Militär-Attaé bei der Botschaft in Wien). Die indische Artillerie-Brigade führt Oberst-Lieutenant v. Straubensee. Den für eine englishe Armee besonders wihtigen Posten eines Armce-Inten- danten bekleidet General-Major Morris...
Von der Flotte sind bis Anfangs August 44 Schiffe, darunter 22 der größten Panzer, welck&e England“ besißt, eingetrofféên. Sie haben eine Bemannung von 14 500 Mann an Matrosen und Marine- Infanterie und führen 345 \ch{chwere Geschütze. Jeder Panzer hat einen Apparat zum Schleudern der Torvedos und cine gewisse Anzahl Gatliag- und Nordenfield-Geschütze (Mitrailleusen). Diese Streit- kräfte stehen unter Kommando des Vize-Admirals Sir Friedrih Sey- mour und werden in 4 Flotten gegliedert. Die erste, welbe an der Küste Egyptens eintraf, war die , Mittelmeer-Flotte“,9 Panzer, 18 kleinere Schiffe. Die „Kanal-Flotte“, welhe Mitte Juni dazu stieß, hat 5 Panzer und 1 Aviso-Schiffe; die „Reserve-Flotte*, welche theils aus den in den Häfen Großbritanniens stationirten, theils aus den in den nordisben Meeren Europas kreuzenden Scbiffen zusammengeseßt wurde, befindet sich — 8 Panzer und 1 Aviso-Sciff stark — seit 1. Juli in Malta. Die „detacirte Flotte“ — 3 Schiffe — liegt theils in Malta, theils in Cypern. Die „Reserve-Flotte“ \teht unter dem Kommando des Contre - Admirals Herzog von Edinburg (zroeitem Sohne der Königin). — An der Beschießung von Alexandria haben theilgenommen: 7 Panzer der „Mittelmeer-“ und je einer der „Kanal-“ und der „Reserve-Flotte“, ferner 5 Kanonenboote. — Von den 250 Schiffen, welche Anfangs des Jahres das britische Reich ausgerüstet hatte, ist somit ctwa der fünfte Theil zur Expedition nah Egypten verwendet worden. Da um jene Zeit ungefähr 200 „in Dierst gestellt“ waren, so sind gegenwärtig no etwa 7 der leßteren und 4; der „ausgerüsteten“ zur Verwendung be- reit. Von dieser Zahl stehen von der „Kanal-*“ und von der „Mittel- meer-Flotte“ keine Schiffe zur Disposition. Die näcbstgelegenen Flotten können an dienstberciten Schiffen folgende Kontingente bei- stellen: die Flotte in Indien 12 ungepanzerte, jene von der Ostküste Afrikas 3 und jene von der Westküste, sowie vom Kay 10 Scbiffe. An Panzern sind von den 18, welche sich in den Kriegsbhäfen Chatham, Dortamouth, Devenport und Plymouth befinden, sieben 1. Klafse in
ienst gestellt worden und bereit, abzugehen. Sie würden eine Ver- stärkung von etwa 40 Geschützen größten Kalibers ergeben.
Zeitungsstimmen.
Der „Bonner Zeitung“ wicd vom Rhein unter dem 15, August ge!chrieben : I
Auch die Handelskammer zu Düsseldorf steht auf Seiten der neuen Wirthschaftépolitik, was in Anbetracht des Aufschwungs, welchen in Folge des neuen Zolltarifs Handel und Industrie vorzugéweise in dem dortigen Bezirk genommen haben, vorauszusehen war. „Wir können mit Befriedigung konstatiren", beribtet die Kammer, „daß im verwichenen Jahre unsere früher ausgesprochene Ansicht über die im Großen und Ganzen wohlthätige Einwirkung des neuen Zollsystems si als begründet erwiescn hat.“ Die Vermehrung der Arbeiterzahl hat in dem dortigen Bezirk seit März 1879, also einem eitpuntt vor dem Inéslebentreten des Zolltarifs, bis zum März 1882 in der Eisen- industrie 32,95% und in der Glasindustrie 50,779/6 betragen. Jn der Textilindustrie nur 0,35%, aber es ist hier ei, wie der Bericht bemerït, zu beachten, daß die größere Thâtigkeit der Arbeiter und zum Theil auch die Vervollkommnung der maschinellen Einrichtun- gen (in diesem JIndustriezwcig) dennoch eine Steigerung der Pro- duktion ermögliht baben, ohne daß die Arbeiterzahl zugenommen hätte. Von Interesse sind die Aeußerungen der Handelskammer über den Einfluß des Zolles auf die Preise der Waaren. Um nur ein Beispiel anzuführen, so bemerkt der Bericht, der Zoll auf rohes Holz habe die Preise nit gesteigert. »Dente ist der Preis des Holzes geringer als er früher und selbst zu der Zeit war, als der Zoll nit bestand.“ Dagegen ist dieser Zoll dem Tiscblerhandwerk von größtem Eden gewesen. Er hat die Wirkung gehabt, daß gaehobelte Bretter nit mehr importirt werden, so daß in Benrath, Duisburg und anderen Orten größere Etablissements zum Hobeln der Bretter entstanden
sind. Früher wurde eine Menge fertiger Thüren und Fenster, insbe- sondere von Norwegen, eingeführt. Dieser Import hat infolge des Zolles sfih nicht unerbeblih verringert und Parquetböden werden fast gar nidt mehr eingeführt. Dies ist gewiß cin recht eklatantes Bei- spiel von dem Segen, welen die nationale Arbeit von dem ihr zu Theil gewordenen Schutz erfährt.
— In der „Augsburger Abendzeitun g“ lesen wir:
Es ift {on seit längerer Zeit bekannte Thatsache, daß sich die ges{chäftlibe Lage ver meisten hiesigen industriellen Etablissements, insbesondere der Tertilbrancbe, wesentlich und forts{reitend gebessert hat, so daß nit nur auf Grund der bisher erzielten Resultate, fon- dern auch mit Rücksicht auf die für die zweite Jahreshälfte bereits zum großen Theile gesicherten reihlihen und lohnenden Arbeiten ein gutes Ergebniß erwarten läßt.
— Die „Neue Preußische Zeitung“ berichtet :
„In der Provinz Brandenburg haben sich in diesem Jahre die meisten Industrien einer zunehmenden Besserung zu erfreuen gehabt. Nicbt unerheblihe Erweiterungen sind bei mehreren Tuchfabriken in Luckenwalde und Brandenburg a. H. eingetreten. Ueberhaupt ist der Aufshwung in der Tucbindustrie ein sehr wesentlicher: sie vermag wieder die auêländishe Konkurrenz im Inlande zu lagen; das Er- portgeschäft liegt jedoch weniger günstig in Folge der eigenen Ueber- produktion oder in Folge des Zollshutes der Länder, wohin erportirt werden Tönnte.
— Das „Déutsche Tageblatt“ schreibt:
D Bericht der Handelskammer zu Stolberg pro 1881 konsta- Urt für einige Zweige der dortigen industriellen Thätigkeit die er- freuliche Thatsache, daß eine wesentliche Besserung in den Geschäften sich Bahn gebrochen, wobei es um so erfreulicher sei, daß gerade dieser Aufschwung in den Geschäften wesentli unserer jebigen natio- nalen Wirthschaftspolitik zu danken sei, die der heimischen Arbeit dur entsprechende Zölle zu Hülfe gekommen.
— Wie die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung“ meldet, hat die am 18, d. M. zu Eisena versammelt ge: wesene, zahlreich besuchte 19. ordentliche Generßtlversammlung des Vereins deutscher Eisengießereien nachstehende Resolutio- nen beschlossen :
1) Der Vercin deutscher Eisengießereien spricht sein Bedauern darüber aus, daß die öffentlihe Meinung durch einseitige und tenden- zióse Angriffe in der Presse und in einzelnen Handelskammerberichten in Bezug auf die Wirksamkeit und die Folgen des neuen Zolltarifs beständig beunruhigt und dadur das der Industrie vor Allem noth wendige Vertrauen in die Stetigkeit der bestehenden geseßlichen Jn- stitutionen erschüttert wird.
2) Der Verein erklärt sich. wiederholt dazu bereit, die Bestre- bungen des Herrn Reichskanzlers, welche darauf abzielen, die Arbeiter gegen die Gefahren des industriellen und gewerblichen Betriebes zu schüßen, nah Kräften fördern zu helfen, und bittet Se. Durchlaucht den Herren Fürsten Bismarck, seinen ganzen Einfluß dafür aufzu- wenden, daß die Kränkei- und Unfallversicherungsvorlagen, mit deren Grundgedanfen der Verein — von verbesserungsbedürftigen Einzel- heiten der Entwürfe abgesehen — durchaus einverstanden ist, noch in dieser Reichstagsse\sion zu Stande komme.
3) Der Verein deutscher Eisengießereien glaubt die Ern-artung aus§- sprechen zu dürfen, daß die Frage der Korrektur des seit dem Jahre 1877 eingeführten Reform-Tarifschemas durch Einführung einer zwei- ten ermäßigten Stückgutklasse, im Sinne der vom Ausschusse der Verkehrsinteressenten der ständigen Tarifkommission der deutschen Eisenbahnen gemachten Vorschläge nur einstweilen vertagt worden ist, weil die maßgebenden Behörden des Reichs zur Zeit durch dring- lichere wirtbschastspolitische Aufgaben in Anspruch genommen sind.
Er wiederholt daher in Uebereinstimmung mit zahlreichen fom- petenten Vertretungen wirthschaftliher Interessen Deutscblands und speziell unter Bezugnahme auf die zuleßt im Dezember 1881 gefaßten Resolutionen des Centralverbandes deutscher Industrieller die Er- klärung: daß die Einführung einer zweiten ermäßigten Stückgutklasse als unabweislihes Bedürfniß für die Interessen der gesammten bei- mischen Produktion zu erachten sei, dessen baldigste Befriedigung daher dringlih wünscenêwerth erscheint.
— Aus Chemniß, 19. August, wird der genannten Zeitung geschrieben : ;
Die hiesige Handels- und Gewerbekammer hat beschlossen, bes sonders dur persönliches Einwirken der Kammermitglieder, für die Bildung neuer Innungen nach dem Normalstatut einzutretea und dabei den DODreédener Normal-Lehrvertrag zu empfehlen. Man müsse durGaus — fo begründete der Referent fscinen An- trag — mit der jeßt gewährten Geseßgebung eine ernstliche Probe machen, bevor man abermals Neues anstrebe. — Die Spigenindustrie im sächsischen Erzgebirge, die in früherer Zeit der Regierungs- und Privatunterstüßung bedurft hatte, nur um zu vegetiren, erfreut \ih jeßt eines stetigen Aufshwunges. Fn S{bwarzenberg und Swneeberg sind fo viele Aufträge eingegangen, daß die Klöpplerinnen kaum genug liefern können. Bei einigen vielbegehrten Spitenmustern ist in Folge dessen auch eine Lohnsteigerung eingetreten.
Centralblatt der Bauverwaltung. Nr. 33. — Inhalt: Amtliches: Personalnachrichten. — Nichtamtlices: Altgriechischer Bauvertrag. — Wasserbedarf beim Durbschleusen der Schiffe. — Ueber die Verwendung des elektrischen Lichts für Leuchtthürme. — Temperatur, Zustand, Bewegung der Luft im Gotthardtunnel. — Vermischtes: Der Sciffahrtskanal Zehdenick-Liebenwalde. — Aus- stellung für Hygiene und Rettungswesen in Berlin 1883. — Kon- furrenz um Entwürfe zu einem Mustertheater. — Der Entwurf für die Errichtung eines Krystallpalastes. — Französische National-Aus- stellung. — Der Mittelrheinische Arcitekten- und Jngenieurverein. — Zulâsfige Höhe der Häuser in Paris. — Die technische Hochschule in Varmitadt.
Central-Blatt der Abgaben-Gesetzgebung und Ver- waltung in den Königlich E RRLEN Staaten. Nr. 17. — Inhalt : Allgemeine Verwaltungsgegenstände : Uniformséreglement für die Steuerbeamten vom Ober-Jnspektor abwärts. — Wittwen- und Waisengeldbeiträge der wieder angestellten Pensionäre. — Verände- rungen in dem Stande und in den Befugnissen der Zoll- und Steuer- stellen. — Formular zu Beitreibungsregistern über einzuziehende Ge- rihtskosten. — Form der Ersuchungsschreiben um hypotbekarische Ein- tragung von Gerichtskostenforderungen — Indirekte Steuern: Ta- rifirung von Hornplattenabfällen. — Personalnacricten.
Statistische Nachrichten.
._ Gemäß den Veröffentlihungen des Kaiserlihen Gesund- heitsamts sind in der 32. Jahreswocbe von je 1000 Bewohnern auf den Jahresdur{s{nitt berechnet als gestorben gemeldet: in Berlin 30,9, in Breslau 32,2, in Königsberg 45,4, in Köln 32,2, in Frankfurt a. M. 18,2, in Hannover 29,7, in Cassel 21,4, in Magdeburg 25,2, in Stettin 24,9, in Altona 26,0, in Straßburg 21,9, in Mes 17,9, in München 26,0, in Nürnberg 226, in Augsburg 32,2, in Dres- den 27,0, in Leipzig 19,7, in Stuttgart 18,8, in Brauns weig 26,3, in Karlsruhe 24,0, in Hamburg 23,4, in Wien 21,5, in Budapest —, in Prag 23,9, in Triest 374, in Krakau 28,2, in Basel 18,7, in Brüssel 25,8, in Paris 21,0, in Amsterdam 22,5, in -
agen 28,5, in Stockholm 28,6, in Christiania 32,4, in St, urg 32,0, in Warschau 51,8, in Odeffa 50,7, in Bukarest 305, in Rom 24,6, in Turin —, in Madrid 39,3, in London 19,0, in Glas- ow 21,2, in Liverpool 23,8, in Dublin 23,5, in 15,9, in exandrien (Egypten) —. aus frü : in in Chicago 29,0 St.
Ferner biladelphia 30,4,
Cincinnati —, in San Fran isfo 17,6, ín alfutta 21,3, in Bombay 20,3, in Madras 28,6. Es N
New-York 42,5, in Louis —, in