1903 / 297 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Fri, 18 Dec 1903 18:00:01 GMT) scan diff

Bayern.

Der Ministerialrat im Ministerium des Aeußern von Frauendorfer ist, wie „W. T. B.“ meldet, zum Verkehrs- minister ernannt worden.

Hessen.

Die Erste Kammer, die heute zu einer kurzen Tagung zusammengetreten ist, beschloß, die ihr zugegangene Botschaft Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs, die den Tod der Prinzessin Elisabeth mitteilt, mit einer Beileids- adresse zu beantworten.

Mecklenburg-Schwerin.

Seine Königliche Hoheit der Großherzog ist heute früh, wie „W. T. B.“ berichtet, zur Teilnahme an der Feier der silbernen Hochzeit Jhrer Königlichen Hoheiten des Herzogs und der Herzogin von Cumberland von Schwerin nah Gmunden abgereist. Von dort wird sih Seine Königliche Hoheit nah Cannes begeben.

Deutsche Kolonien.

Ueber das Jnselgebiet der Karolinen, Palau und Marianen veröffentliht das amtlihe „Deutsche Kolonial- blatt“ den folgenden allgemeinen Bericht.

Lage und Klima. Das Inselgebiet ist zwischen dem 1319 und 165° östlicher Länge und zwishen dem Aequator und dem 21° nôrd- licher Breite gelegen. Zens Moeddes, sind die klimatishen Verhältnisse den Europäern zu- trägliche.

Gesundheitsverhält nisse. Der Gesundheitszustand der Europäer ist ein günstiger. Die typisch tropishen Krankheiten, wie Malaria und Dysenterie, fehlen gänzli, nur auf den Inseln Nuk und Kussaie sollen endemish wenige leichte Fälle von Fieber beobachtet worden sein. Aerzte befinden sich im Regierungsdienst auf den Inseln Jap und Ponape. :

Wohnungsverhältnisse. Als Häuser sind solhe aus Holz mit breiter Veranda üblih; empfehlenswert ist dabei der weißen Ameisen wegen ein steinerner Unterbau. Steine und Mörtel können aus den Inseln bezogen werden. Bei bescheidenen Ansprüchen genügt für die erste Zeit ein aus Inselmaterial errihteter Bau, der sich für einige hundert Mark herstellen läßt. i

Nahrung. Bei einfaher Lebensweise kann der Ansiedler den größten Teil seines Hausbedarfs, wie Süßkartoffeln, Mais, Bohnen, Erbsen, Gurken und Gemüse, fich selbst ziehen, sich auch nugzbare Tiere, wie Rindvieh, Schweine, Ziegen, Enten, Hühner, Tauben und Gâänse, halten. Weitere Nahrungsmittel, wie Fische, Brotfrüchte sowie tropishes Obst (Ananas, Bananen, Orangen, Zitronen u. dergl.), erhält er billig von den Eingeborenen.

Landwirtschaft. a. Auf Westkarolinen und e ppen Zur Anlage von Pflanzungen im größeren Stil ist die Snselgruppe nit besonders geeignet. Troy der wenig zahlreichen Bevölkerung befindet si das wirklich gute Pflanzland unter Bearbeitung der Eingeborenen. Für Pflanzungen kleineren Umfangs kämen die kleineren Inseln Jap und die Palau in Frage. Herren- loses Land is niht vorhanden. Der Grund und Boden muß durch Vermittelung des Bezirksamts erworben werden, das ihn von den Eingeborenen kauft und mit einem kleinen Aufschlag weiter veräußert oder verpachtet. Als Kulturen kommen Kokospalmen sowie Manilahanf, auf den Palau auch Kaffee, Kakao und Indigo in Betracht. Daneben kann noch Viehwirtschaft betrieben werden. Arbeiter sind auf Jap und auch auf den benachbarten kleinen &Fnseln erhältlih. Der monatliche Lohn derselben beträgt etwa 8 M. in Waren, die Verpflegung etwa 10 A Für Manilahanfgewinnung bedarf man geshulter Arbeiter, die auf Jap zu finden sein dürften. Die zur Landwirtschaft notwendigen Gerätschaften sind auf Jap käuflich.

b. Auf den Oflkarolinen. Hier kommen nur die Inseln Ponape und Kussaie, die noch unbebautes Land besißen, in Betracht.

ie Niederschläge sind hier größer als auf den Westkarolinen; au findet stch mehr fließendes Wasser. Auf Ponape find als Kaufpreis für den Hektar unbebauten Landes etwa 10 bis 15 zu rechnen, wozu der mäßige Zuschlag der Verwaltung tritt. Die Eingeborenen \cheiden hier wegen ihrer hohen Ansprüche und ihrer Unzufriedenheit als Arbeiter aus. Solche uen von anderen Inseln des Bezirks bezogen werden. Der Monatslohn be- trägt bei freier, etwa auf 10 A zu verars{lagender Verpflegung 12 bis 14 A Als Kulturen kommen dieselben wie auf den West- farolinen in Frage. Das Anlagekapital für dea Betrieb einer Kok os- pflanzung von 109 ha wird einschließlich des Ankaufs von Zuchtvieh und der Errichtung der erforderlichen Gebäude bei bescheidener Lebens8- haltung auf etwa 60 000 M geschäßt.

c: Auf den Marianen. Von dieser Juselgruppe eignen \ich Saipan und Tinian zum Landwirtschaftsbetriebe. Es befindet fi dort ausreichendes Regierungëland, welches für elwa 2 4 für das Hektar und Jahr vom Bezirksamt verpachtet wird. Arbeiter stehen nur wenig zur Verfügung, da die Eingeborenen selbst alle ihre Felder zu bestellen haben. Für einen Monatslohn von 10 bis 12 M neben freier Verköstigung wird ih aber immerhin die er- forderlißhe Anzahl finden lassen. Dagegen sind Japaner in ausreihender Anzahl, allerdings nur für höheren Lohn, erhältlich. Dafür sind dieselben aber auh geschickter und leistungsfähiger. Die Kulturen find die nämlihen wie auf den Karolinen, dagegen ist hier mit den Taifunen zu rechnen, die sih nicht selten während der von Juli bis Dezember währenden Regenzeit einstellen. Viehwirt- aft ist hier unter der einheimischen Bevölkerung bereits eingeführt. Meideland ist in ausreihender Menge vorhanden; das Vieh ist nicht teuer. Um über die ersten ertragsarmen Jahre hinwegzuhelfen fowie zur gesamten Einrichtung eines Gutes von etwa 25 ha würde es einer Summe von etwa 10 000 # bedürfen.

Handel. Personen, die ihren Lebensunterhalt lediglih aus dem Handelsbetriebe gewinnen wollen, ist von einer Uebersiedelung nah dem Inselgebiet abzuraten. Neben der Ausfuhr geringer Mengen von Steinnüssen, Schildpatt, Perlshalen und Trepang kommt als hauptfächliher Ausfuhrartikel Kopra in Betracht, welhe von einigen größeren Firmen durch in ihren Diensten stehende Händler im JInfelgebiet aufgekauft wird. Die Anzahl der an dem Handel beteiligten Personen ift bereits so groß, daß für Neu- ankömmlinge keine Ausficht auf Gewinn besteht, und zwar weder für den Großkaufmann, noch für den Kleinhäntler.

Gewerbe. Für einen europäishen Handwerker is wenig Aus- sicht auf Verdienst vorhanden. Durch sein Handwerk allein würde ein Europäer \{chwerlich seinen Lebensunterhalt finden können, er müßte denn daneben noch Land- oder Gartenwirtschaft betreiben.

Behörden. Das Inselgebiet zerfällt in trei Verwaltungs- bezirke: die Westkarolinen und Palau mit dem Kaiserlihen Bezirks- amt in Jap, die Ostkarolinen mit dem Kaiserlichen Bezirksamt in Fe und die Marianen mit dem Kaiserlihen Bezirk2amt in

aipan. Am Sitze der Bezirksämter befinden sich auch die Bezirks- erihte und Postagenturen. Das Gouvernement und das Obergericht nd in Herbertshöhe.

Schulen und Kir che. Katholische Missionare wirken auf Jap, den Palau, Saipan und Ponape, amerikanishe Lutheraner auf Ponape, Nuck und Kussaie.

Abgaben. Steuern und Zölle werden bis jeßt noch nit er- hoben. Die sonstigen öffentlihen Abgaben sind niht so ho, daß sie in einem Haushalte in die Wagschale fallen.

Verkehrsverhältnisse. Die Verbindung mit der Außen- welt wird durch einen vom Reiche subventtionierten Dampfer unter- halten, welcher auf der Fahrt von Hongkong nah Sydney und zurück die Inseln Jap, Saipan, Ruck, Ponape, Kussaie und Jaluit je drei- mal jährlich anläuft. Ueberdies werden Gelegenheitsverbindungen mit S n unterhalten. Die Reisekosten von Deutschland nach dem

nselgebiet über Hongkong betragen : I. Klasse etwa 1750 4, II. Klasse etwa 1200 M, IIT. Klasse etwa 550

den

Wenngleih hiernach das Gebiet der tropischen

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Schlußbemerkungen. Voraussezung für en Ansiedler ist Nüchternheit, Fleiß und Ausdauer. Er muß energi|ch genug sein, der Gefahr der Verweichli ng und Gleichgültigkeit zu widerstehen und die Pas besigen, si mit. den Eingeborenen, von denen er in jeder Beziehung abhängt, au pen Fuß zu stellen. Er muß sih ferner darüber klar sein, daß erst einige Zeit darüber vergeht, ehe ihm seine Scholle etwas abwirft, und daß er ganz auf sih angewtesen ist, N gr auf weites Entgegenkommen der übrigen Europäer rechnen darf.

Personen, die ohne Unterhaltsmittel sind, auch eine Gelegenheit zum Erwerb ihres Fortkommens nicht nachzuweisen vermögen, kann das Landen und der Aufenthalt im Schußgebiete versagt werden; denn es würde das notwendige Ansehen der Europäer untergraben, wenn

solche mittellosen Existenzen mit den Eingeborenen zusammenleben und f

fh womöglih von ihnen unterhalten lassen.

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Oefterreich-Ungarn.

In der gestrigen Plenarsißung der u ngarishen Delegation wurde, wie „W. T. B.“ berichtet, na kurzer Debatte über die Ge- nehmigung des Protokolls der leßten Sißung, über die Indemnitäts- E verhandelt. Okolczanyi bestritt der gemeinsamen Negierung das Necht, die Indemnität vorzulegen, und wandte ih dagegen, daß die ungarishe Dienste und Kommandosprahe der Cin- heitlidfeit der Armee {aden würde. Die ungarishe Nation sei stets. zu Ovfern bereit gewesen und sei noch - zu Opfern bereit, doch müsse ihre Gefühls- und Gedankenwelt in der von ibr mit eigenem Geld und Blut erhaltenen Armee zum Ausdruck fommen. Die H der Kriegsverwaltung seien angesichts der beruhigenden volitischen Lage übermäßig groß. Die Institution einer gemeinsamen Armee müsse si ändern, wenn die Armee bestehen solle und beide Staaten in gutem Einvernehmen mit einander leben sollten. Der Nedner lehnte die Vorlage, in der er eine Vertrauensfrage er- blickte, ab. Wilczek sprach ih für die Vorlage aus. H odas\y wies das geseßlihe NReht der Regierung zur Einbringung der SFndemnitäï nah. Im weiteren Verlaufe der N wandte M Ugron zum Exposs des Grafen Goluchowski und prach d gegen dessen Balkanpolitik aus, die ihn (Nedner) nicht befriedige. Oesterreih-Ungarn müsse auf dem Balkan die freiheit- lie Entwickelung der Völker, sich selbst aber durh Festigung seiner militärisGen Position die kommerzielle Ausnüßung des Balkans sichern. Er könne ferner kein Vertrauen zu den Beziehungen zum Deutschen Reich hegen, weil vom Deutschen Reich aus ein formeller Feldzug gegen die Katholiken Oesterreihs unternommen worden sei, um sie zum protestantishen Glauben zu bekehren. Der Redner wies darauf hin, daß die deutschen Staatsmänner dahin strebten, den Weg zum Adriatischen Meer zu gewinnen. Es sci das Interesse Englands, daß zwei so große Mächte des Kontinents wie.Deutshland und Rußland nicht aus\chließlich Beherrscher des Meeres würden. Es seien dies wohl entfernte Zukunftsfragen, doch müsse man gegen die Verwirklichung dieser Pläne Stellung nehmen. Schon dies sci ein wihtiger Grund dafür, daß in Ungarn keine Armee mit deutscher Dienst- und Kommandosprache bestehe, sondern daß diese Sprache die ungarische Staats\prache sein müsse. Der Sektions{hef Jekelsalussy wies die egen die Armeeleitung erhobenen Angriffe zurück und erklärte, das trieg8ministerium werde mit größter Loyalität die Grenzlinie zum Ausgleich der bestehenden Gegensäße suchen. Hierauf wurde das ge- meinsame Budgetprovisoriuum angenommen.

Großbritannien und Frland.

Dem „W. T. B.“ zufolge sind die Namen von 23 Per- sonen veröffentlicht worden, die sih bereit erklärt haben, Mit- glieder der Zolltariffommission zu werden. Es sind ausshließlich Vertreter der größten Handelshäuser und industriellen Unternehmungen. Die Kommission wird Mitte Januar zusammentreten. Das der Kommission von zahlreichen Sachkundigen zugestellte Material wird später veröffentlicht und im ganzen Reiche verbreitet werden.

Der „Standard“ ist zu der Erklärung ermächtigt, daß die Nachricht, die Regierung beabsichtige die Errichtung von 26 neuen Freiwilligenregimentern (f. die gestrige Nr. d. Bl.), grundlos sei.

Frankreich. Das Panzerschiff „Patrie“ ist gestern in Toulon vom Stapel gelaufen.

Rußland.

Nach einer dem „W. T. B.“ zugegangenen Meldung veröffentliht das Kopenhagener Blatt „Politiken“ eine Erklärung des früheren russishen Finanzministers Witte, wonach er im russishen Reichsrat im Januar 1901 einem vom Kriegsminister gestellten und vom Reichs- sekretär, jeßigen Minister des Jnnern Plehwe unter- stühten Vorschlag zum finnishen Wehrpflichtgeseß wider- raten habe. Die Argumentation Wittes habe die Frage vom politischen, ökonomischen, finanziellen und nationalen Stand- punkt überall zu Gunstcn Finnlands behandelt. Diese Er- klärung habe dazu beigetragen, daß die Mehrheit des Reichs- rats, darunter alle Großfürsten mit einer Ausnahme, gegen den Kriegsminister und Plehwe gewesen sei. Der Hauptinhalt der Erklärung ist folgender:

Zuerst kommt die bestimmte Behauptung, daß der Entscheidung der Frage nicht durch Kaiserlihe Resolution prinzipiell präjudiziert sei, sondern daß der Reichsrat sie in vollständiger Freiheit be- raten könne. Dann folgt eine eingehende Widerlegung der Beschuldigung des Kiiegsministers gegen Finnland wegen Sepa- ratismus, beabsichtigten Abfalls und Illoyalität gegen den Kaiser aus Anlaß des Erlasses, betreffend die Aufhebung des bis dahin geltenden Webrpflichtge|eßes ; weiter kommen sachlihe Beweise für die Unrichtigkeit der Behauptung des Kriegsministers, Finnland blühe auf Kosten der russishen Staatsfasse, sowie Vergleiche mit den Opfern, die andere Teile des russishen Reichs von der Staatskasse erheishten, während Yar auf eigenen Füßen stehe. Zum Schluß wird eine eindringlihe Warnung gegen den Umsturz der Jahrhunderte alten Gesellshaftsordnung i

nnlands ausgesprochen und geraten, das finnische Heer beizubehalten. :

Griechenland. Theotokis hat, wie „W. T. B.“ erfährt, den Auftrag 20A Bildung des neuen Kabinetts angenommen und wird heute em König die Ministerliste überreichen.

Bulgarien. Das Kriegs budget für 1904 beläuft sich, wie „W. T. B.“ meldet, ves 26 283 468 Fr., d. i. 2973 106 Fr. mehr als für das laufende Jahr.

Amerika.

Aus Washington meldet das „Reutersche Bureau“, der Präsident Roosevelt habe gestern den Gegenseitigkeits- vertrag mit Cuba U der am 27. d. M. in Kraft treten werde. England habe dem Staatsdepartement bekanntgegeben, es erwarte, daß nah der Meistbegünstigungs- flausel Zucker aus British- Westindien in den Vereinigten Staaten unter denselben Bedingungen zugelassen werde, wie cubanisher Zucker. Es werde auch nicht bezweifelt, daß

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Deutschland, Frankreich, Oesterreih und die anderen Ce produzierenden Länder denselben Anspruch erheben würden.

Im Senat wurde gestern eine Bill eingebracht und an- genonimen, die Bestimmungen über den Schuß augs- ländisher für die Weltausstellung in St. Louis bestimmter Ausstellungsgegenstände künstlerischer, musikalischer und literarisher Art enthält.

Von Was N aus ist der Befehl erteilt worden, daß amerikanishe Marinetruppen im Golf von Darien lies in der San Miguel-Bucht Stellungen einnehmen ollen, um einem etwaigen Eindringen columbischer Streitkräfte nah Panama entgegenzutreten.

Asien.

Das Ergebnis der vorgestrigen Staatsmänner- konferenz in Tokio war, wie dem „Neuterschen Bureau“ von dort mitgeteilt wird, auch gestern noch nicht bekannt geworden. Dasselbe Bureau erfährt weiter, die Antwort Rußlands an Japan werde nicht das Ergebnis haben, daß die An- gelegenheit ohne weitere Verhandlungen erledigt sei. Wenn auch für eine Verständigung über einige minder wichtige Punkte: sih keine Schwierigkeiten mehr bieten dürften, blieben doh dem Vernehmen nah noch wichtige grundsäßliche Fragen zu erwägen.

Afrika.

Nachrichten aus Aden zufolge kam, wie die „Agenzia Stefani“ meldet, das italienishe Kriegsschiff „Galileo“ am 13. d. M. in Durbo (Somaliland) an, bombardierte dic fleinen Forts und die Moschee, die das englishe Schiff „Mohawk“ unversehrt gelassen hatte, und feuerte auf Gruppen von Bewaffneten, die sih in den benahbarten Räumlichkeiten befanden. Das Schiff fuhr dann nah Burgal.

Auftralien.

Bei den Wahlen zum Bundesparlament hat si, wie dem „W. T. B.“ aus Melbourne mitgeteilt wird, ein großer Erfolg der Arbeiterkandidaten ergeben. Es gelte fast als sicher, daß sie zwischen den ministeriellen Schuß- zöllnern und der freihändlerishen Opposition den Ausschlag geben würden. Das Ergebnis werde zum großen Teil auf das Frauenstimmrecht zurückgeführt, da die wahlberech- tigten Frauen die Arbeiterkandidaten unterstüßt hätten.

Nr. 50 der „Veröffentlihungen des Kaiserlihen Ge- sundheit?amts" vom 16. Dezember hat folgenden Inhalt: Ge- sundheitsstand und Gang der Volkskrankheiten. Zeitweilige Maß- regeln gegen Pest. Desgl. gegen Cholera. Sanitätswesen in Oesterreich, 1900. Mitteilungen aus British-Ostindien, 1900/02. Gesetzgebung usw. (Deutsches Reich.) Annahme von Praktikanten in Krankenhäusern. Arfenhaltiges Fliegenpapier. (Preußen. Berlin.) Fleisch. (Reg.-Bez. Frankfurt.) Trichinenschau. Notgeschlachtete Tiere. (Reg.-Bez Cöln.) Medizinalpersonen. (Hessen.) Arsen- haltige Säuren. (Anhalt.) Apothekenbetriebsordnung. -- (Ham- burg.) Gifthandel. (Rußland.) Cholera und Pest. (Queensland.) Nahrungsmittel. Gang der Tierfeuchen in den Niederlanden, 3. Vierteljahr 1903. Desgl. in Schweden. Desgl. in Canada, 1901/02. Zeitweilige Maßregeln gegen Tierseuhen. (Preuß. NReg.-Bezirke Stettin, Köslin, Cöln, Schweiz.) Verhandlungen von gesetzgebenden Körpershaften. (Frankreich.) Butterhandel und Margarine. Vermischtes. (Cbina.) Gesundheitê- stand in Schanghai, September 1903. Geschenkliste. Wochen- tabelle über die Sterbefälle in deutschen Orten mit 40 000 und mehr Einwohnern. Desgleichen tin größeren Städten des Auslandes. Erkrankungen in Krankenhäusern deutscher Großstädte. Desgleichen in deutshen Stadt- und Landbezirken. Witterung. Beilage: Gerichtliche Entscheidungen, betr. den Verkehr mit Nahrungëmitteln 2c. (Fruchtsäfte.)

Statistik und Volkswirtschaft.

Zur Sparkassenstat istik Braunschwei gs.

__ Während in den anderen deutshen Staaten die Sparkaffen die einzelnen Einlagen und Rücknabmen des Sparers fortlaufend in ein meist auf den Namen lautendes Sparkassenbuch eintragen, werden die braunshweigisc(en Spalkassenbücher mit bestimmten eingedruckten und nicht zu ändernden Werten lediglich auf den Inhaber auégestellt. Sie lauten über die festen Beträge von 2 , 4246 C M 80M, 106,20 4, 30.46, 40 4, 60 #6 60 M, 70 M, 80 M, 90 A, 100 M, 150 A und 200 Der Sparer erhält so viel Sparkassenbücher, als seine Einlage nach ihrem jeweiligen Einzelbetrage erfordert, also z. B., wenn er 12 M einlegen will, zwei, eins zu 2 und eins zu 10 M; wenn er 122 4 eîn- legen will, drei, eins zu 100 #, eins zu 20 #4 und eins zu 2 M So oft er eine Einlage macht, erhält er mindestens ein e Mer buh; er kann aber auf Wunsch auch eine beliebige Zahl kleinerer Sparkassenbüher bekommen, fo bei einer Einlage von 50 «6 fün! 10 Bücher. Sollen auf Spareinlagen gezogene BZinfen dem Kapital zugeshlagen werden, so kommen über den zuzushlagenden Betrag neue Sparkassenbücher zur Ausgabe. Bei Teilzahlungen wird rehnung8mäßig der volle Buchbétrag zurückgenommen, und über den als Spareinlage bestehen bleibenden Betrag werden neue Bücher ausgegeben: will z. B. jemand von 100 46. 10 M zurüdhaben, so erscheinen, da das Buch über 100 4 zurück- zunehmen ift, 100 6 unter den Rückzahlungen und 90 A unter neuen Einlagen, weil für diese ein neues Buch ausgegeben wird. Bei Zins- zahlungen auf die Spareinlagen werden entweder neue Bücher aus- egeben, oder es wird der gezahlte Zins in den Büchern vermerkt. tach einem gewissen Zeitraume muß jedoch immer eine Einlösung und

Neuausgabe bei Zinsenzahlungen erfolgen.

__ Vor Erlaß des Gesetzes von 1892, durch welches die Verhältnisse der hier allein in Frage kommenden staatlichen Sparkasse in der geschilderten Weise neu geregelt wurden, konnten Spareinlagen auf Sparkassenbücher, die wie die sonst in Deutschland üblichen eingerihtet waren, nur bis zu dem Betrage von 99 4 gemacht werden; wurde dieser Betrag über- schritten, so wurden von der verzoglichen Leihhausanstalt, an deren Stelle die Sparkasse getreten ift, eiLhaus\chuldver] reibungen, über den ke- treffenden O lautend, ausgestellt. Der Gebrauch der Leihhausshuld- verschreibungen für größere Spareinlagen war dadur sehr eingebürgert und hat sich, da solche Leihhaus\chuldvershreibungen noch unverändert weiter ausgegeben werden, auch jeßt in einem beahtenswerten Umfange erhalten. ieviel nun aber von den Leihhaus\{huldverschreibungen, die auch anderen Zwecken dienen, auf Spareinlagen entfallen, läßt 8 nicht übersehen und niht nahweisen.

Bei der unmittelbaren Berbindung der Herzoglihen Sparkasse mit ‘dem Landeskreditinstitut der Herzoglichen Leibhausanstalt wird weder ein Aktivvermögen noch ein Reservefonds für die Sparkasse besonders ausgewiesen, auh kommen Ueberweisungen für kommunale und andere Zwecke nicht in Frage.

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/ Zur Arbeiterbewegung.

Zur Lage des Ausstands der Textilarbeiter in Crimmitschau (vgl. Nr. 283 d. Bl,) wird der „Frkf. Ztg.“ telegraphiert, ai in den Fabriken etwa 1700 Mann arbeiten, unter ihnen rund 400 Streikbrecher.

Die Arbeitgeber der Antwerpener Diamantindustrie ver- warfen, demselben Blatt zufolge, einstimmig den von den Arbeitern laut Beschluß des Pariser internationalen Kongresses geforderten Neun- ftundentag. Man erwartet für Anfang Januar den allgemeinen Aus- stand. (Vgl. Nr. 274 d. Bl.)

Kunft und Wissenschaft.

Die Akademie der Wissenschaften hielt am 3. Dezember unter dem Vorsiy ihres Sekretars Herrn Waldeyer eine Gesamt- sizung ab. Herr Landolt las über den Fortgang seiner Unter- suhungen über die fraglichen Aenderungen der Gesamtmasse chemisch sih umseßender Körper. Es wurden im Anschlusse an frühere Arbeiten neue Ver]uchsreihen mitgeteilt, welhe ergeben haben, daß die bis dahin bei vielen Reaktionen heobahteten Gewichtsabnahmen nit mehr eintreten, wenn die betreffenden Substanzen in Gefäßen aus Quarz

befinden oder in Glasapparaten, deren Jnnenflähe mit einer Paraffinschict überzogen ist. Die Untersuhung soll noch fortgeseht werden. Die Akademie hat „ihrem Mitgliede Herrn Landolt zu seinem 50 jährigen Doktorjubiläum eine Adresse gewidmet. Herr Brunner überreichte Fasc. 4 des von der Savignystiftung unters nommenen Vocabularium iurisprudentias Romanao und Herr van’t Hoff die französische Ueberfeßung seiner in Chicago gehaltenen Norträge: La chimie physique et ses applications. Ouvrage traduit de l’allemand par A. Corvisy.

Die philosophisch-historische Klasse hielt am 10. Dezember unter dem Vorsiß ihres Sekretars Herrn Vahlen eine Sigzung, in der Herr Sach au über das Berliner Fragment des Mus Ibn ‘Ufba las. Es ist ein Beitrag zur ältesten Arabischen Historiographie. Die ltesten nationalarabischen Quellen über die Geschichte Muhammeds und des Islamischen Reiches, die wir zur Zeit benußen können, find die Werke von Ibn Ishâk und Wükidî, da diejenigen ihrer Vorgänger verloren gegangen find. Zu dieser Schicht der ältesten Geschichts- überlteferer, welhe in Medina ihren Sig hatten, von denen wir nur die Namen und Zitate in späteren Schriften kennen, gehört der Freigelassene Müsà Ibn ‘Ukba, von dessen Geschichtswerk eine Handschrift der Königlichen Bibliothek auf vier ein- zelnen Blättern einen Auszug erhalten hat. Dies Bruchstük wird hier im Original und in deutscher Uebersegung zuerst bekannt gemacht, und an diese Edition \{licßt sih eine Untersuchung über die Gewährs- männer des Verfassers, welche bis in die Zeit Muhammeds und der ältesten Chalifen zurückreihen, an. Vorgelegt wurden die mit Unterstüßung der Akademie herau8gegebenen „Sammlungen alter arabisher Dichter“ von W. Ahlwardt, Bd. 11. |

In der an demselben Tage unter dem Vorsiß ihres Sekretars Herrn Walde yer abgehaltenen Sitzung der physikalisch-mathe- matischen Klasse las Herr Waldeyer über den Processus retro- mastoideus, eine besondere Bildung an der Hinterhauptshuppe. Herr van't Hoff legte eine Abhandlung der Herren Professoren Nicharz und Dr. Rudolf Schenck in Marburg über O zwishen Nadioaktivität und dem Verhalten des Ozons vor. Die Ab- handlung cnthält die Mitteilung, aE an Ozon, u. a. mit Hilfe der Sidotschen Blende, Nadioaktivität beobachtet wurde. Anschließend daran, wird eingehend auf das analoge Verhalten von Ozon und Ra- dium hingewiesen. e

Die Jubelfcier des hundertjährigen Bestehens der StWlesishen Gesellschaft für vaterländische Kultur be- gann gestern mittag, wie ,W. T. B.“ aus Breslau meldet, mit einem Festakt in der Aula der Leopoldina-Universität. In der überaus zahlreihen Versammlung befanden n U a. Der Minister der geistliden 2c. Angelegenheiten Dr. Studt, der Kardinal Kopp, der Oberpräsident Dr. Graf von Zedliß und Trüßschler, ferner der Fürst von Haßfeld-Trachenberg, der kommandierende General mit dem Chef des Gencralstabes, die Spißen der staatlichen, provinziellen und städtishen Behörden, der Rektor und Senat der Universität, der ständige Sekretär der Akademie der Wissenschaften in Berlin, Geheime Medizinalrat, Professor Dr. Waldeyer, der Präsident der Königlichen Akademie der Wissen- haften in Stockholm Dr. Toerneblat als Vertreter der \chwedishen Akademie für \{chöne Wissenschaften, Geschichte und Altertümer, Professor Dr. Montelius und Professor Dr. Salmonsen - Kopenhagen und viele andere Vertreter gelehrter Körperschaften. Nach der Pee des Prôäsidenten, Geheimen Regie- rungsrats Dr. Förster über“ die Geschichte der Gesellschaft über- brate der Minister der geistlichen 2c. Angelegenheiten Dr. Studt die Glückwünshe Seiner Majestät des Kaisers und Königs und teilte mit, Seine Majestät habe der Gesellschaft zum Bau eines cigenen Hauses 30000 4 aus dem Allerhöchsten Dispositionsfonds bewilligt.

Dechnik.

Eine Schule für Telephoningenieure. Bei der Purdue Univerfität in Indiana (Vereinigte Staaten) ist, wie „The Electrician“ berichtet, cine Schule für Telephoningenieure eingerichtet worden. An dem Unterricht nehmen sol&e Universitätshörer teil, die sih bereits ¡wei Jahre mit allgemeiner Elektroingenieurkunde beschäftigt haben. Dieses Studium wird in der JIngenieurschule fortgeseßt, doch tritt an die Stelle der mechanisGen Disziplinen, wie Thermodynamik, Dampfmaschinenkunde usw., die Lehre von den Telephon- und Mikrophonstrômen. Der Hörer schreitet von den einfachsten zu den verwickeltsten Stromläufen fort; es wird ihm Gelegenheit gegeben, die vershiedenen Arten von Betriebsstörungen und die Vittel zu threr Auffindung und Beseitigung theoretisch und praktis kennen zu lernen. Die Lehre vom Schall und ihre Beziehung zu den telephonischen Vorgängen erfährt eine sorgfältige Pflege; in etnem besonderen afustischen Laboratorium finden praktische Uebungen stait. Nach einem Jahre ist der Hörer mit den Grundlagen der Telephonie durhaus vertraut. In einem weiteren Jahre widmet er sich dem Studium des Baues und der Unterhaltung der Linien und Vermittelungs- anstalten, des Betriebs und der Apparatkunde. Die Ausführung der vershiedenen Messungen, die Anwendung der Kondensatoren und Veber- trager, das Entwerfen und die Ausführung von Apparaten, die Auf- stellung von Kostenanschlägen usw. sind bevorzugte Gegenstände der Lhrtätigkeit, an der außer Professoren der Universität auch hervor- ragende Fahmänner aus der Telephonpraxis teilnehmen. Unter ihrer Litung besuhen die Studierenden NBermittelungsanstalten in be- nahbarten Orten und Apparatfabriken. E l

Das Telephonlaboratorium der Universität ist, dank der Frei- gebigkeit ter Fabriken, reih ausgestattet. Unter anderem befindet sich dort ein 300 Fuß langes, 100- paariges Fernsprehkabel, an dem eleftrishe Messungen und Versuhe zur Eingrenzung von Fehlern vorgenommen werden, ferner ein 500 Fug langes, 20-paariges Kabel aus einem Kellogg-Umschaltesystem zur Anstellung von MWecck- und Sprehversuchen. Mehrere Dynamomaschinen liefern Wechselstrom und intermittierenden Strom, während eine große Sammlerbatterie Gleich- strom von 2 bis 110 Volt Spannung hergibt. Betriebsfähig auf- gestellte Typen von Vielfahumschaltern ermöglichen praktische Ver- gleihe zwischen den vershiedenen Systemen. Die neueste Erwerbung des Laboratoriums ist die von der Automatic Electric Co. geschenkte Einrichtung eines automatischen Vermittelungsamts für 1000 Teil- nehmer. Der durh eine Sammlerbatterie von 50 Volt betriebene Mechanismus wird dur tie vorgeschritteneren Hörer studiert.

Land- und Forfstwirtschaft.

Eingeborenenkulturen in Deutsh-Ostafrika. Die diesjährige Versammlung der Bezirks- (Akiden) und Ge- meindehäupter (Jumben) fand, wie die „Deutsh-Ostafrikanische Zeitung“ berichtet, am 6. November zu Daressalam statt. In

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anderem die auf den einzelnen Dorf- Ernteergebnisse festgestelt und den einzelnen Sumben ihre Anteile am Ertrage (4) ausgezahlt. Je nah der Zahl der ODorfinsassen und der Tüchtigkeit der Gemeindevorsteher belief sich der Anteil des einzelnen auf 1 Rupie 16 Pesa bis hinauf zu 290 Rupien. Anteile von mehr als 100 Rupien waren keine Seltenheit. Im ganzen kamen über 6000 Rupien zur Verteilung. Die Jumben erklärten si bereit, vom nächsten Jahre ab zu Gunsten ihrer Eingesessenen mit {_ der Erträge vorlieb zu nehmen und zu versuchen, durch Vergrößerung ihrer Schamben denno denselben oder einen größeren Gewinn zu erzielen. Auch stimmten sie dem Vorschlage des Gouvernements zu, im nächsten Jahre einen Teil jeder Shambe mit Baumwolle zu bebauen. Zwecks Be- förderung des Anbaues wertvoller Früchte liefert die Kommune Sesam-, Erdnuß-, Baumwoll- und Reibsaat. Mais- und Mtamasaat müssen sich dagegen die Jumben selbst beschaffen. Auf diese Weise dürfte es gelingen, durch Inslebenrufen von Eingeborenenkulturen Ausfuhrwerte für die Kolonie zu erzeugen.

ihr rourden unter

Ausbreitung des Baumwollbaues nach Oberägyten.

Der ägyptische Baumwollbau war bisher auf den unteren Nil- lauf beschränkt, doch macht sich, Nachrichten des deutschen land- wirtschastlihen Sachverständigen für Aegypten in den „Mit- teilungen der Deutschen Landwirtschafts- Gesellschaft“ zufolge, das Bestreben zur weiteren Ausdehnung des Anbaues geltend. Früher war die in Oberägypten in vers{windend eringer Menge erzeugte Baumwolle bei den Ausfuhr- ändlern wenig beliebt. „Unterägypten für die Baumwolle, Ober- ägypten für das Zuckerrohr“, dieser Grundsaß wurde als einmal be- stehend angenommen und keine Aenderung tarin versuht. In den lezten Jahren jedo werden Zukerrüben im Delta und mit aus- gezeichneten Ergebnissen wird Baumwolle im Süden angebaut. In ten Provinzen Gizeh, Beni-Suef, Minieh und Fayum nehmen die mit Baumwolle bestellten Flächen alljährlih zu, und manches frühere Zuckerrohrfeld wird jeyt zu dieser Kultur benugt Die Wahl wertvollerer Varietäten und die stetig verbesserten Bewässerungs- verhältnisse find wohl in erster Reihe als Gründe dieser Ausbreitung des Baumwollbaues zu nennen. Die in Oberägypten im Sommer sehr hohe Lufttrockenheit scheint die Baumwollpflanze nicht zu schädigen.

Ueber den Absatz von Kartoffeln nah Neusüdwales.

Da das subtropishe Klima von Neusüdwales dem Kartoffelbau nicht besonders günstig ist, so muß der Bedarf des Staats teilweise dur die Einfuhr gedeckt werden. Die auptlieferanten find natür- lih die Südstaaten des australishen Bundes, doch steigt der Preis, namentli unter dem Einfluß einer trockenen Witterung, manchmal so hoh, daß auch eine Kartoffeleinfuhr aus dem Auslande sich be- zahlt macht. ; i L .

Der gewöhnliche Preis der Kartoffeln beträgt in Neusüdwales 6 bis 7 Pfd. Sterl. pro Tonne, während 12 Pfd. Sterl. als ein aus- nahmsweise hoher und 5 Pfd. Sterl. als ein ausnahmsweise niedriger Preis bezeichnet werden. | : |

Im laufenden Jahre ist die Kartoffelernte Tasmaniens, die anfangs auf 125 000 Tonnnen geshäßt wurde, durch den Regierungs8- ausweis vom 30. Suni d. J. auf 173 000 Tonnen angegeben worden. Wäre die erstere Schäßung richtig gewesen, so würde in Neusüd- wales allein Raum für den Absaß von 8000 bis 10000 Tonnen fremder Kartoffeln gewesen sein. Die neuere Os läßt auf eine Veberproduktion von Kartoffeln für das laufende Iahr [Ee In zweiter Linie haben die seit Juni d. I. herrschenden außer- ordentlih günstigen Witterungsverhältnisse die junge Kartoffelsaat derartig herangebraht, doß die Kartoffel bauenden Bezirke Süd- Queenslands und Neusüdwales hon im November die Frühfkartoffeln auf den Markt bringen werden. ;

Dieser Umstand wird zusammen mit dem Ueberfluß an alten Kartoffeln für dieses Fahr eine Steigerung der Kartoffelpreise, welche die Einfuhr aus Deutschland bezahlt machen könnte, ‘vereiteln. Für Konsignations\endungen find die Kartoffeln nicht geeignet; derartige Sendungen empfehlen fich nur, wenn es sih um einen neuen Artikel handelt, und selbst dann nur in kleinerem Umfange. (Nach Berichten des Handelssachverständigen bei dem Kaiferlichen Generalfkonsulat in

Sydney.)

Gesundheitswesen, Tierkraukheiten und Absperrungs- maßregeln.

Gesundheitsstand und Gang der Volkskrankheiten.

Aus den „Veröffentlichungen des Kaiserlichen Gesundheitsamts*, Nr. 50 vom 16. Dezember 1903.)

Pest.

Tür kei. Am 3. Dezember starb in Smyrna ein 18jähriger Bewohner der Stadt unter Krankheitserscheinungen, welche in hohem Maße pestverdähtiz waren. Alle Vorsihtsmaßregeln zur Verhütung ciner Krankheitsausbreitung wurden nachträglih getroffen; doch war, da die Krankheit 8 Tage gedauert hatte, eine bereits stattgehabte Uebertragung niht auszuschließen. E A

Aegypten. Vom 28. November bis eins{ließlich 4. Dezember sind 3 Cikrankungen an der Pest im Distrikt Minieh und 3 Pefsl- todesfälle, davon 2 im Distrikt Minieh, 1 im Distrikt Samallut

zur Anzeige gekommen. i

Brit ish-Ostindien. Während der am 21. November ab- gelaufenen Woche sind in der Präsidentschaft Bombay 12 634 Erkrankungen (und 9846 Todesfälle) an der Pest zur Anzeige elangt, davon 5b (47) in der StadtBombay, 7 (8) im Stadt- und Hafengebiet von Karachi, 390 (353) in demjenigen von Bhav- nagar und 17 (17) im Hafengebiet von Broach. i :

Philippinen. Im Oktober sind an der Pest 3 Personen er- krankt und 2 gestorben. i j

British-Südafrika. In der Kapkolonie wurde während der zweiten Novemberwoche in Cast London bei einem Kinde, welches am 1i. November gestorben ist, die pest festgestellt. In Port Eli- zabeth und Knysna wurden noch Pestratten gefunden; ferner ergab die bakteriologishe Untersuhung der von einer auffälligen Sterblichkeit heimgesuchten Ratten in einigen Eisenbahnspeihern bei Lady Grey Brid ge, -daß diese Tiere an der Pest gelitten hatten. Kapstadt, woselbst seit dem 19. Januar v. J. kein Pestfall mehr sich ereignet hat, q Be dem zugehörigen Bezirk am 31. Oktober amtlih für estfrei erklärt worden. x V Bereinikte Staaten von Amerika. Bei den Leichen der am 4. und 7. November nah vorläufiger Feststellung an Pest ia San Francisco verstorbenen Personen ist nachträglich bakteriologish Pest als Todegursahe nachgewiesen worden ; ferner starb dort am 12. November eine Person nah vorläufiger Feststellung an Pest.

Cholera.

Türk ei. Nah dem Wochenausweise Nr. 37 vom 30. November über den Stand der Cholera in Syrien und Mesopotamten sind dort weitere 89 Erkrankungen (und 85 Todesfälle) an der Cholera voraekommen, davon 51 (56) in Anah, 32 (22) in Aleppo, 1 (4) in Tripolis. ) : L

Die Dalentadt Alexandrette in Syrien ist im Monat Oktober ebenfalls von der Seuche betroffen gewesen. : l

Philippinen. Im Oktober sind an der holera in Manila 132 Personen ezfrankt (und 122 gestorben), in den Provinzen 2429 (1887). Mit Abnahme der sommerlichen Hitze hat auh die Seuche erheblih abgenommen.

Gelbfieber.

Mexiko. Nah Mitteilungen aus Re Bua ano, woselbst seit 1884 das Gelbfieber regelmäßig mit Beginn der Regenzeit auftritt,

L Le diesjährige Zeit der Gelbfiebererkrankungen seit Mitte Oktober orüber.

Im Staate Texas gelangten zur Anzeige in Cannel vom 11. bis 17. November 8 und in Minera vom 11. bis 16. November 17 Erkrankungen, in Laredo ‘vom 11. bis 17. November 179 Er- krankungen (und 13 Todesfälle), in San Antonio vom 11. bis 15. November 3 (3). Es wurden ferner gemeldet in Maracaibo vom 12. Juli bis 24. Oktober 1 (1) und innerhalb Merikos in Salina Cruz vom 27. September bis 24. Oktober 8 Erkrankungen, in Citas vom 11. bis 24. Oktober 1 Erkrankung (und 2 Todesfälle), in Linares und Merida in der gleichen Zeit 412 (36) bezw. 20 (7), in Neu-Laredo vom 31. Oktober bis 15. November 2. (2), in Proareso vom 12. bis 24. Oktober 1 (1), in Vera Cruz vom 18. Oktober bis 7. November 99 (36), endlich in Ciudad Viktoria und Tehuantepec vom 11. bis 24. Oktober 18 bezw. 4 Todesfälle.

Verschiedene Krankheiten.

…_ _Pocken: Glasgow 2, Warschau 10 Todesfälle; London (Kranken- häuser) 3, New York 4, Paris 12, St. Petersburg 7, Warschau (Krankenhäuser) 6 Erkrankungen ; Varizellen: Budapest 66, Kopen- hagen 7, New Vork 82, St. Petersburg 34, Prag 20, Wien 166 Erkrankungen; Rückfallfieber: Moskau 4 Todesfälle; St. Peters- burg 28 Erkrankungen; Ruhr: Warschau (Krankenhäuser) 3 Er- frankungen; Brechdurchfall: Hamburg, Nürnberg je 8 Er- frankungen; Rotlauf: London (Krankenhäuser) 5, Moskau 4, St. Petersburg 3 Todesfälle; Nürnberg 8, Budapest 23, Christiania 3, Edinburg 10, Kopenhagen 9, Stockholm 3, Warschau (Krankenhäuser) 11, Wien 27 Erkrankungen; eyidemishe Ohrspeicheldrüsen- entzündung: Wien 61 Erkrankungen; Influenza: Berlin 10, London (Krankenhäuser) 11, Moskau, New York je 3, Paris, St. Petersburg je 4 Todesfälle; Hamburg 4, Nürnberg 11, Kopenhagen 43, Stockholm 14, Warschau (Krankenhäuser) 10 Erkrankungen; Keuch- husten: Nürnberg, Brüssel, Glasgow, Paris, Wien je 3, Moskau, Warschau (Krankenhäuser) je 2, Liverpool 17, London (Kranken- häuser) 20, St. Petersburg 7 Todesfälle; Neg.-Bez. Schleswig 16, Hamburg 23, Nürnberg 18, Budapest 7, Kopenhagen 50, New Vork 8, Prag 5, Wien 32 Erkrankungen; Lungenentzünbung: Neg.-Bezirke Marienwerder 3, Schleswig 36, Nürnberg 8 Er- krankungen; fontagißse Augenentzündung: Reg.-Bezirke Arns- berg 3, Marienwerder 9, Wien 3 Erkrankungen; Krebs: Altona 3, Berlin 54, Danzig 5 Todesfälle; Ankylostomias is: Reg.-Bez. Arns- berg 147 Erkrankungen. Mehr als ein Zehntel aller Gestorbenen starb an Masern (Durchschnitt aller deutshen Berichtêorte 1886/95: 1,15%): in Freiburg i. B, Fürth, Hagen, Heidelberg, Königshütte, Mülheim a. d. E Erkrankungen wurden gemeldet in Breslau 64, in den Reg.-Bezirken Aachen 107, Arnsberg 238, Düsseldorf 256, Son 74, Königsberg 244, Liegniß 124, Posen 164, igmaringen 15, in Nürn- berg 98, Hamburg 38, Budapest 87, New York 307, Paris 114 St. Petersburg 149, Prag 33, Wien 77; deëgl. an Scharla (1886/95: 0,91 9/0): in Heilbronn, Odessa Grfkrankungen wurden gemeldet in Berlin 22, Breslau 23, in den Reg.-Bezirken Arns- berg 88, Düsseldorf 108, in Nürnberg 14, Hamburg 30, Budapest 63, Edinburg 23, Kopenhagen 52, London (Krankenbäuser) 161, Newo York 171, Paris 51, St. Petersburg 60, Wien 25; desgl. an Diphtherie und Krupp (1886/95: 4,27 9/0): in Görliß, Osnabrück Erkrankungen wurden gemeldet in Berlin 45, Breslau 20, in den Neg.- Bezirken Düsseldorf 99, Königsberg 144, in Hamburg 33, Budapest 45, Christiania 28, Kopenhagen 18, London (Krankenhäuser) 96, New York 284, Paris 82, St. Petersburg 91, Wien 87; ferner kamen Erkrankungen an Unterleibstyphus zur Anzeige in London (Krankenhäuser) 39, New York 68, Paris 38, St. Petersburg 35, Warschau (Krankenhäuser) 14.

Verkehrsanfstalten.

Heliographen dienst in Deutsh-Südwestafrika.

Nachdem im August 1901 durch Fertigstellung des Telegraphen Swakopmund—Windhuk der Gouvernement direft mit der Heimat verbunden war, stellte sich immer mehr die Notwendigkeit heraus, auch die wichtigsten Stationen im Norden und Süden des Schutzgebiets telegraphisch an Windhuk anzuschließen. Mangels der erforderlichen Mittel zum Bau dieser Linien griff man, wie das „Deutsche Kolonial= blatt" berihtet, zum Notbehelf kes heliographischen Nachrichtendienstes. Mit dieser Einrichtung hatten die Engländer in Nordindien und be- (oes während des leßten Krieges in Südafrika gute Erfahrungen emacht.

: Der meist wolkenlose Himmel und die klare Luft Südwestafrikas bieten günstige Bedingungen für heliographische Beobachtungen. Bis Mitte des Jahres 1902 wurden durch die Linie Windhuk— Rehoboth— Gibeon—Keetmanshoop der Süden und dur die Linie Karibib— Omaruru—Outjo der Norden mit dem Negierungssiß verbunden. Diese beiden Linien wurden durch 18 Stationen bedient, welhe mit je einem bis zwei Mann der Schußtruppe besetzt sind. Die Zahl der heliographishen Apparate beträgt 20. N

Menn auch die Einrichtung in erster Linie für Verwaltungs- und militärishe Zwecke bestimmt ist und auch vorwiegend im Verkehr zwischen den Behörden Verwendung findet, so steht sie doch au dem Publikum gegen mäßige Gebühren zur Verfügung und wird von ihm fleißig benugt. Bei einer Mindesttaxre von 2 beträgt die Wortgebühr 20 „S. i i ;

Bei seiner Abhängigkeit von technis{ch unausgebildeten Mann- schaften der Schußtruppe konnte der Heliographendienst bisher nur in den einfachsten Formen gehalten werden. Die Dienststunden eines Heliographisten sind in der Regel von 6 bis 10 Uhr Vormittags. Es passierten im Winter 1902/03 monatlich etwa 200 Heliogramme die Stationen. Welche Zeitdauer eine Nachricht z. B. von Windhuk nah Keetmanshoop (etwa 500 km Luftlinie) beansprucht, hängt von der Witterung ab. Unter günstigen Verhältnissen kann fie auf dieser Entfernung in fünf bis sechs Stunden befördert werden. In Anwendung gelangt das Morsealphabet. Dutch längeres oder kürzeres Lichtgeben werden dana die einzelnen Buchstabenzeichen übermittelt. Dienst- telegramme werden vor Privattelegrammen, Kriegstelegramme vor allen übrigen befördert. j : i i i

Wenn auch schon die heliographische Einrichtung einen erfreulichen Fortschritt gegen früher bedeutet, wo selbst bei größter Ausnußzung von Menschen und Pferdematerial Nachrichten von Keetmanthoop und Outjo bis Windhuk sieben bezw. fünf Tage bedurften, fo kann doch der von den verschiedensten Einflüssen abhängige Heliograph nur als ein Notbehelf für den Telegraphen gelten.

Theater und Musik.

Konzerte.

Das Programm des fünften Philharmonischen Konzerts das am Montag unter Leitung von Professor Arthur Niki\ch stattfand, bot ein ziemlich buntes Durcheinander der verschiedenartigsten Stile. Die Leonoren-Ouvertüre Nr. 2 von Beethoven leitete den Abend ein; ihre feinsinnige Wiedergabe trug dem Dirigenten wie den Ausführenden die gebührende Anerkennung ein. Darauf spielte Frau Berthe Marrx- Goldshmidt als Solistin des Abends das Konzertstück in F-Moll für Klavier und Orchester (Op. 79) von Weber, bereitete damit aber den Zuhörern eine gelinde Enttäushung, indem sie das Werk so oberflählich herunter- hastete und so wenig geschmackvoll arin 4 daß von einem Genuß nicht die Rede sein konnte. Als Neuheit folgte im Mittelpunkte des Programms „Das Herenlied" von Ernst von Wildenbruch mit be- gleitender Musik für Orchester (Op. 15) von MarSqhillings unter des Komponisten persönlicher Leitung. Den rezitierenden Teil hatte err Ernst von Possart übernommen, der seine g mit is dramatisher Gewalt und in so fesselnder Weise lôste, daß zum Schluß ein begeisterter Beifall durh den Saal brauste, der offenbar den beiden Künstlern in gleicher Weise galt und noch an Begeisterung zunahm, als man des im Saale anwesenden Dichters

ansichtig geworden war. Die Komposition darf unbedenklih zu den