1883 / 46 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Thu, 22 Feb 1883 18:00:01 GMT) scan diff

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Nachdem der Gesetzentwurf gestern erledigt worden, restirte noch die Resolution, welhe die Kommission vorshlug und welche folgenden Wortlaut hat :

Das Haus der Abgeordneten wolle beschließen:

Die Königliche Staatsregierung aufzufordern:

1) in der nâbsten Session einen Geseßentwurf vorzulegen, durch welchen die Einkommen- und Klassensteuer unter Beachtung besonders folgender Hauptgrundsäte reformirt wird:

a. die Steuersäße sind derart mit dem geringeren Einkommen fallend abzustufen, daß der Gesammtbetrag der den Steuerpflich- tigen mit einem Jahreseinkommen von nicht mehr als 6000 # zu gewährenden Erleichterungen nicht hinter dem Gesammtbetrage der denselben durch das Gesetz vom 10. März 1881 gewährten Erleich- terungen zurcüdckbleibt ;

b. die Berücksichtigung besonderer, die Leistungsfähigkeit beein- trächtigender Verhältnisse bei dec Veranlagung hat, in weiterem Maße als bisher, mindestens bis zu cinem Einkommen von nicht über 6000 M zu erfolgen ;

e. durch veränderte Veranlagungsformen if die gleichmäßige, dem œwirkliben Einkommen entsprehende Veranlagung in höherem Maße «ils biéher sicher zu stellen und zu diesem Ende vor Allem zu dem Grundsaße der Deklarationëpflicht überzugehen.

2) uf die gleichzeitige böhere Besteuerung des Einkommens aus Kapitalvermögen, entweder im Rahmen der Einkommensteuer oder auf andere Weise Bedacht zu nehmen.

Die Kommission beschloß bezüglih der ihr überwiesenen Petitionen 11. 291. 1 bis 128, 11. 264, II, 273, II. 284, 1I. 308, 47. 330 11, 406. 11.486, 11, 015. 11, 028 I boo, T. 590 II. 567, zu beantragen, dieselben durch die Beschlüsse zu der Vor- lage für erledigt zu erklären.

Hierzu lag ein Antrag der Abgg. Büchtemann, Dr. Hänel und Dirichlet vor, welcher lautet :

Das Haus der Abgeordneten wolle beschließen :

Der Resolution auf Seite 24 des Berichts hinzuzufügen :

3) Der reformirten Steuer ift, unter Anpassung des Gesetzes vom 26. Juli 1880 an die bewirkten Aenderungen, die Beweglich- keit zu sichern, welche die Erhebung bestimmter Quoten derselben nah Maßgabe der Staatsbedürfnisse durch das Budget bewerk- stelligen läßt.

Der Abg. Dr. Hänel führte aus, daß bei einer Reform der Personalsteuern, namentlich in den unteren Steuerstufen eine mehr individualisirende Einshäßung stattfinden müsse ; 3. B. sei eine Berücksihtigung der Zahl der Familienmit- glieder und des Erwerbes derselben wünschenswerth. Diese Berücksichtigung besonderer Verhältnisse müsse noch über den gestern angenommenen Antrag Büchtemann hinausgehen. Dagegen könne er der von der Kommission vorgeschlagenen Veränderung in dem Einshäßzungsmodus nicht zustimmen. Daß der leßtere reformbedürstig sei, werde von Allen anerkannt ; aber der hier vorgeschlagene Weg führe über das Die hinaus, Namentlich; habe er gegen den Grundsaß der

eflarationspfliht die größten Bedenken. Was endlich die veriangte stärkere Heranziehung des fundirten Einkommens be- treffe, so sei dies im Allgemeinen ja etwas Wünschenswerthes , aber ohne eine praktishe Gestaltung dieses Gedankens eine werthlose allgemeine Redewendung. Jn! den Kommissions- beschlüssen vermisse er die Berührung- der Quotisirungsfrage ; deshalb sei von ihm mit den Abgg. Büchtemann und Di- rihlet der Antrag eingebracht worden, welcher eine Anpassung der Quotisirung an die jeßt in Frage stehende Reform der Personal- steuern bezwecke. Zu seinem Bedauern habe der Minister eine Er- wägung der in der Kommission beschlossenen Resolution Sei- tens der Regierung nicht in Aussicht gestellt. Es wäre also diese Resolution eine einseitige Liebeserklärung, die nicht auf Gegenliebe rechnen könne, und durch die sich nur das Haus für die Zukunst binden würde; deshalb würden er und seine Freunde gegen die Resolution stimmen.

Der Abg. Dr. Wagner erkannte an, daß die Resolution rihtige Grundsätze enthalte, aber sie betone diese zu wenig und gebe zu wenig Fingerzeige, wie auch von dem Minister hervorgehoben worden sei. Je mehr er und seine Freunde Werth darauf legten, das System der indirekten Steuern auszudehnen und zum Haupttheil der ganzen Besteuerung zu machen, um so mehr müßten sie sih bemühen, in der Form der direkten Steuern die wohlhabenden Klassen mehr heranzu- ziehen; dies müsse neben der verschärften Veranlagung auch in der Form höherer prozentualer Steuersäße geschehen; außer- dem sei die Einführung der Deklarationspfliht nothwendig. Bei den niedrigen Klassen müßten 80—90 Prozent des Ein- kommens für die nothwendigsten Ausgaben verwendet wer- den, bei den reiheren Klassen nux 30—50 Prozent. Ein Beispiel hiersür böten auch die Berliner Mieths- verhältnisse. Deshalb müsse das höhere Einkom- men zu einem höheren Prozentsay besteuert werden als das niedrige. Das Einkommen aus dem Kapital sei auch unabhängig von dem persönlihen Wohlbefinden und Ge- sundheitszustand des Rentenbeziehers, während das Einkommen des Arbeiters wesentlih von seinem körperlichen Wohlbefinden abhänge. Seine Politik sei allerdings die, mit dem Ueberfluß der Reichen den Mangel der Armen zu. decken; daß sei aber noch kein Sozialismus, und deswegen sei er noch kein Verführer der Jugend, wie er genannt worden sei; er bemühe sich nur, die Jüng- linge auf der Universität mit einem hohen staatlichen Bewußt- sein auszustatten. Mit Phrasen allein werde die soziale Noth nicht geheilt. Die Kaiserliche Botschaft enthalte im Lapidar- styl die großen Grundsätze, die au er zur Geltung zu bringen suche. Auch die Motive zur Unfalloersicherung bestätigten seine Politik. Sozialpolitik sei weiter nichts als das Eingreifen in den jeßigen Zustand. Elend auf der einen, üppiger Luxus auf der anderen Seite: das seien die Konsequenzen der radikalen freien Konkurrenz; diese Konsequenzen zu bekämpfen, sei Sozialpolitik. Niemand von der linken Seite berüdsichtige dieje Konsequenzen; immer wenn die wohl- habenden Klassen herangezogen werden sollten, dann würden, wie bei der Börsensteuer, tehnishe Bedenken vorge- \hüßt. Seine Partei habe die stärkere Heranziehung der höheren Einkommensteuerstufen als freiwilliges Opfer auf dem Altare des Vaterlandes dargebracht. Er predige nicht So- zialdemokratie, sondern Sozialiamus, Die große Jdee, die Erträge des Tabacckmonopols den Armen zuzu- wenden, sei nicht seine Erfindung, sondern ihm vom Fürsten Bismarck mitgetheilt; er bedauere, diese Jdee, die mit Unrecht so mit Hohn und Spott übershüttet worden sei, nicht selbst zuerst gehabt zu haben. Die Finanzpolitik müsse nach Möglichkeit den armen Klassen zur Hülfe kommen; deshalb enthalte die Resolution das Minimum dessen, was seine Partei wünsche. Der Antrag Hänel, Büchte- mann, Dirichlet enthalte einen Punkt, dem er zustimmen müßse. Er wünsche aber eine andere Form, welche die gewünschte Beweglichkeit dec reformirten Steuex mit der nothwendig aufrecht zu erhaltenden verfassungsmäßigen Sicherheit verbinde. Man habe ihm vorgeworfen, ‘as Haus bei seiner bedrängten Geschäftslage durch seine jo.ialpolitishen Erörterungen auf-

zuhalten; diese bedrängte Geschäftslage sei entstanden durh die langwierigen, wenig erfreulichen Berathungen des Reichs- tags, namentlih beim Militäretat.

Der Abg. Dr. Windthorst bedauerte zunächst die zuleßt von dem Vorredner geübte Kritik der Thätigkeit des Reichs- tages; eine solche Kritik in dem Landtage des führenden Staates Deutschlands sei sehr unpassend. Man dürfe niht diejenigen angreifen, die aus wohlthätigen Spar- samkeitsgründen Abstrihe gemaht haben. Glaube der Abg. Wagner die Vertheidigung des preußishen König- thums allein gepachtet zu haben? Bezüglih der von dem Abg. Wagner vorgebrachten Ansihten sei es sehr wünschenswerth zu wissen, in wie weit die konservative Partei mit diesen staatsershütternden Grundsäßen überein- stimme. (Rufe rechts: Kaiserliche Botschaft!) Die Kaiser- lihe Botschaft unterschreibe er vollständig, und sogar ein Manchestermann könne sie unterschreiben. Die soziale Frage könne nur durch die Kirche, nicht durch Professoren der Volkswirthschaft gelöst werden. Auch der Fürst Bismark, auf dessen Autorität sih der Vorredner berufen, habe diese Aufgabe der Kirche nicht erkannt. Die Staatsidee, mit welcher Prof. Wagner die Jünglinge auf der Universität erfülle, sei die der Staatsomnipotenz, daß der Staat alles aus sich selbst regulire. Zu seiner Freude theilten auch nit alle Professoren der Staate- und Finanzwissenschaft die Ansichten des Vorredners. Bezüglich der in der Kommission beschlossenen Resolution bemerkte Redner, daß er es für natur- gemäß halte, daß die Regierung mit Reformen vorgehe; man dürfe derselben niht mit Vorschriften entgegentreten. Jn dem Prinzipe, daß die Wohlhabenderen höher als bisher besteuert werden müßten, zu Gunsten der ärmeren Klassen, stimme er mit dem Abg. Wagner überein. Die Resolution schreibe der Regierung feine Wege vor, sondern weise nur auf die vorhandenen Mängel hin. Er wünsche, daß die Resolution möglichst ein- stimmig angenommen werde. Den von den Konservativen eingebrahten Antrag, den Ausfall durch Zuschläge zu den höheren Einkommensteuerstufen zu decken, billige er der Tendenz nah. Daß dieser Antrag auch poli- tishe Zwecke verfolge, sei erst heute klar geworden durch den Appell des Vorredners an die Massen. Dieser Appell erwede in weiten Kreisen große Hoffnungen, während doch keine Mittel vorhanden seien, diese zu erfüllen. Das Tabacmonopol, welches nach dem Vorredner dazu im Stande wäre, würde eine blühende Jndustrie und unzählige kleine Existenzen vernichten. Eine Börsensteuer, deren Ab- lehnung der Vorredner bedauert habe, würde er in passender Form nicht zurückweisen. Der Abg. Dr. Wagner erwiderte, die Jrstitution des Reichstags werde er nie angreifen, aber dessen Verhandlungen dürfe er do wohl kritisiren. Auf die Mitwirkung der Kirche verzichte er durchaus nicht, aber die vorliegende Steuerfrage sei Sache des Staats. Dafür, daß das Tabackmonopol den Grund- besiß niht s{hädigen würde, dafür sei das Elsaß, von dem die Agitation für das Monopol ausging, ein klassisher Zeuge. Jndem er auf dem Boden der Kaiserlihen Botschaft stehe, wisse er, daß er die Konservativen hinter sih habe; der grundbesißende Adel sei immer der Fahne des König- thums gefolgt. Der Abg. Büchtemann bemerkte, die von dem Vorredner geübte Kritik der Verhand- lungen des Reichstags sei eine Anmaßung. Die von dem Reichstage geübte Sparsamkeit im Militäretat sei für das Volk nothwendiger und wohlthätigec als die unklaren, sozialistishen Jdeen des Abg. Wagner, der den armen Klassen helfen wolle und doch die Zölle auf die nothwendigsten Lebensmittel billigte.

a Bei Schluß des Blattes erhielt der Abg. Hobrecht das ort.

Jm Auswärtigen Amt ist auch für Lieses Jahr ein Verzeichniß der Kaiserlih deutshen Konsulate bearbeitet worden, welches, nah alphabetischer Reihenfolge der Staaten, die im Auslande fungirenden deutshen Konsulate und deren Beamte namhaft macht ; dasselbe ist von der König- lihen Hof-Buchhandlung von E. S. Mittler u. Sohn in Berlin, Kochstraße 69, für 1 M6 zu beziehen. Ebenda erschien gleichzeitig und in derselben Weise redigirt ein. Verzeichniß E Konsuln im Deutschen Reih (Preis 8 i

Die Verlegung der Bureaux des Reichs- Schaßamts aus den Häusern Wilhelmstraße 74 und 75 in das für diese Behörde bestimmte, bisher vom Auswärtigen Amte benußte Dienstgebäude Wilhelmplat 1, mit welcher zu Anfang der laufenden Woche begonnen worden war, ist be- endigt, Da der Staatssekretär Burchard bereits im vorigen Herbst die in demselben Hause vorhandene Dienstwohnung be- zogen hatte, so ist nunmehr daselbst der gesammte Geschäfts- betrieb des Reihs-Schaßam*s konzentrirt. Nur das Zoll: und Steuer-Rehnungsbureau des Reihs-Schatamts ist noch in dem Gebäude des Königlichen Finanz-Ministeriums verblieben.

Bei mehreren Kategorien von Beamten der Eisen- bahnverwaltung ist die Beförderung in eine höhere Stelle, insbesondere die Ernennung der Eisenbahn-Bau- und Betriebs-Fnspektoren und der ständinen Hülfsarbeiter zu Be- triebs-Direktoren resp. Mitgliedern der Eisenbahn: Direktionen, der Eisenbahn-Betriebssekretäre zu Eisenbahnsekretären, der Stationsassistenten zu Güterexpedienten 2c., vielfah mit einer Reduktion des Gehalts der betreffenden Beamten auf den das Maximalgehalt der bisherigen Stelle nicht erreihenden Minimal- gehaltsjsaß der höheren Stelle verbunden. Soweit in diesen Fällen die Beförderung aus dienstlichen Nücksichten, wenn auch mit Zustimmung der Beamten erfolgt, unterliegt es, nah einem Cirfularerlaß des Ministers der öffentlihen Arbeiten, vom 15. d. M., in Gemäßheit des §, 11 des Pensionsgeseßes vom 27. März 1872 keinem Zweifel, daß bei eintretender Vers seßung in den Nuhestand die Festsezung der Pension und dementsprechend eventuell auch die Berehnung des den Hinter- bliebenen zu gewährenden Wittwen- und Waisengeldes unter Zugrundelegung des früheren höheren Diensteinkommens stattzufinden hat. Dagegen sind die Wittwen- und Waisen- geldbeiträge nah Maßgabe der Bestimmungen in den 88. 1 und 3 des Geseßes vom 20. Mai v. J. nur von dem niedri- geren pensionsbverehtigten Einkommen des neuen Amts zu erheben.

___— Der Bevollmächtigte zum Bundesrath, Königlich baye- rishe Ministerial-Nath Herrmann ist nah München ab- gereist.

Bayern. München, 21. Februar. (W. T. B.) Der König hat das Abschiedsgesuch des Jnspecteurs der Artillerie und des Trains, Generals Grafen Both mer, genehmigt und

an dessen Stelle den bisherigen Stattkommandanten, General - Major Ritter von Muck ernannt. An Stelle des Leßteren tritt General-Lieutenant von Heckel.

22. Februar. (W. T. B.) Prinz Thomas von Savoyen, Herzog von Genua, ist heute über Dresden, wo er einige Tage am Hofe verweilen wird, nach Berlin weitergereist, um im Auftrage des Königs von Ftalien an den S bei den Kronprinzlihen Herrschaften theil- zunehmen.

Mecklenburg. Schwerin, 21. Februar. (Meckl. Anz.) Nach Mittheilungen aus Mentone macht die Besserung in dem Befinden des Erbgroßherzogs die erfreulihsten Fortschritte. Se. Königliche Hoheit unternimmt neben regelmäßigen täg- lihen Ausfahrten auch {hon längere Spaziergänge, ohne \ih dadurch angegriffen zu fühlen.

Anhalt. Dessau, 2. Februar. (Leipz. Ztg.) Die Eröffnung des Landtages durch den dazu beauftragten Staats-Minister von Krosigk hat gestern Vormittag statt- gefunden. Die Thronrede wurde von der Versammlung mit einem dreimaligen Hoh auf den Herzog beantwortet. Nach derselben ist au in diesem Jahre die Finanzlage eine sehr günstige, indem aus dem Rehnungsjahre 1881/82 troß der sehr bedeutenden Ausgaben \sich Uebershüse von ca. 11/2, Million ergeben. Auch in dem neuen Etat sind wie- der recht ansehnliche Ausgaben vorgesehen, darunter 600 000 6 für ein neues Justizgebäude.

Samburg, 21. Februar. (W. T. B.) Die Bürger- schaft hat heute in definitiver Abstimmung das bekannte Vermittelungsprojekt in der Zollanshlußfrage mit 134 gegen 13 Stimmen angenommen. Senator Petersen gab die Erklärung ab: es sei Grund zu der Annahme vor- handen, daß der Senat dem Beschlusse der Bürgerschaft seine Zustimmung ertheilen werde.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 21. Februar. (W. T. B.) Wie der „Polit. Correspondenz“ aus Konstantinopel gemeldet wird, hat das österreichish-ungarishe Kabinet seine Zustim- mung zu der Ernennung Sadullah Paschas zum Bot- schafter in Wien ausgesprochen.

Niederlande. Haag, 21. Februar. (W. T. B.) Die Zweite Kammer hat heute den Geseßentwurf, betreffend die Aufnahme einer Anleihe von 60 Mill. Fl., mit 59 gegen 18 Stimmen angenommen. Zu demselben war ein Amende- ment gestellt worden, dahin gehend, daß die Anleihe eine vier- prozentige sein solle wit einer jährlihen Verloosung und Amortisirung von 1/2 Proz. al pari, Der Gesegzentwurf, be- treffend die Demonetisirung von 25 Mill. Silbergulden, wurde heute eingebraht. Die Kosten für die Demonetisirung werden auf 5 Millionen geschäßt und sollen durch eine Emission von Papiergeld gedeckt werden.

Großbritannien und Jrland. London, 21. Februar. (W. T. B.) Fn der heutigen Sißung des Unterhauses kündigte Ferrières (Liberaler) ein Amendement zu der parlamentarischen Eidesbill an, welches dahin geht, daß dieselbe nur auf Deputirte anwendbar sein soll, die nah erfolgtem Geseßeserlaß gewählt werden. Die betreffende Bill hat nur einen Artikel, nah welhem es dem Ermessen der Mitglieder beider Häuser überlassen sein soll, anstatt des bis- herigen Eides eine Erklärung an Eidesstatt abzugeben, in welcher an Stelle des Eides: „ih s{hwöre“, die Worte: „ih erkläre feierlich, aufrihtig und wahrhaft“ treten und die Worte: „so. helfe mir Gott“ ausgelassen werden sollen. Mayrxwell seßte hierauf die Diskussion über Gorsts Amendement zur Adresse fort. Parnell betheiligte ih an der Debatte nicht, was mehrfah von Rednern hervor- gehoven wurde. Jm Laufe der Debatte rihtete O'Brien jehr heftige Angriffe gegen die „tyrannishe Verwaltung“ in «rland und bezeichnete diese und die Verhütungsakte als die Ursachen der Verbrehen in Jrland. Die weitere Dis- fussion der Adresse wurde schließlich auf morgen vertagt.

22. Februar. (W. T. B.) Von Seiten des Aus- wärtigen Amts wird der Wortlaut der am 19. Februar zwischen der englishen Regierung und der mada- gassishen Gesandtschaft unterzeihneten Deklaration veröffentliht. Durch leßtere wird der Artikel 5 des Vertrages vom Juni 1865 abgeändert und erklärt, daß den englischen Unterthanen dieselben Rechte gewährt werden sollen, welche die Unterthanen der am meisten begünstigten Nationen ge- nießen, Ländereien, Gebäude oder andere Besißungen in Madagaskar zu pachten oder zu miethen. Der vollständige Verkauf von Ländereien an Ausländer ist jedoch verboten. Dagegen soll es englischen Unterthanen frei stehen, auf ge- mietheten Grundstücken Gebäude zu errihten und Eingeborene in Dienst zu nehmen, vorausgeseßt, daß dieselben weder Sklaven noch Soldat:n sind.

Frankreih. Paris, 22. Februar. (W. T. B.) Das „Journal officiel“ veröffentliht heute das neue Ministerium. Dasselbe ist zusammengeseßt wie folgt : Ferry, Präsidium und Unterricht; Challemel-Lacour, Aeußeres ; Wal- deck-Rousseau, Fnneres ; Martin Feuillée, Justiz; Thibaudin, Krieg; Charles Brun, Marine; Tirard, Finanzen; Raynal, öffentlihe Arbeiten ; Méline, Ackerbau; Cochéry, Postwesen!; Hérisson, Handel.

22. Februar. (W. T. B.) Die Zeitungen der opportunistishen Parteien sprechen sih äußerst günstig über die Zusamniensezung des neuen Kabinets aus.

Italien. Rom, 21. Februar. (W. T. W) Wie der „Ugenzia Stefani“ aus Tripolis gemeldet wird, hat der Apellationsgerichtshof gestern das Erkenntniß erster Jnstanz, dur welches die beiden der Beleidigung des italien i- schen Konsulats angeklagten Personen zu 5 resp. 7 Tagen Hast verurtheilt worden waren, abgeändert und gegen den an- geflagten Kapitän Giamil auf eine 45tägige, gegen den mitschul- digen Telegraphenbeamten auf eine 3monatliche Gefängnißstrafe erkannt. Der italienische Botschaster, Graf Corti, hatte, wie der „Ägenzia Stefani“ aus Konstantinopel berichtet wird, ent- sprechend den an ihn ergangenen Weisungen auf Bestrafung der an den leßten Vorfällen in Tripolis Betheiligten und auf einen Aft öffentliher Genugthuung gedrungen. Die Pforte hat die Billigkeit dieses Verlangens anerkannt und den Ge- neral-Gouverneur von Tripolis telegraphish angewiesen, in Person dem italienischen Konsul einen offiziellen Besuh ab- zustatten und demselven über das Vorgefallene sein Bedauern auszusprechen.

Türkei. Konstantinopel, 21. Februar. (W. T, B.) "ahdem die Zwischenfälle in Tripolis durch die Bestrafung xc Schuldigen beigelegt sind, wird der italienishe Botschafter Graf Corti am Freitag seinen Urlaub nach Rom antreten.

Amerika. Washington, 21, Februar. (W. T. B.) Die von dem Senat angenommene Bill bestimmt die Re - duktionder internen Einnahmen. Der Ausfall wird auf durchschnittlich 25 Millionen Dollars per Jahr veran-

lagt. id New-York, 21. Februar. (W. T. B) Aus Hong- kong hier eingegangenen Nachrihten zufolge hat das ame - fanishe Kriegsschiff „Ashuelot“ in den dortigen Gewässern Schiffvruch gelitten, wobei 11 Mann der Besaßung umgekommen sind.

Zeitungsftimmen.

Die „Elberfelder Zeitung“ sagt zur Kanalvorlage:

Wir boffen bestimmt, daß es in der g-geuwärtigen Session zu einer Verständigung über diesen ersten großen Schritt zum Ausbau unserer Wasserstraßen kommt. Daß Deutschland in dieser Art des Verkehrs hinter anderen Ländern zurückgeblieben ist, daß seine natürlihen Verhältnisse eine größere Ausdehnung des Wasser- verfehrs recht wohl zuließen, daß ein planmäßiges System \hiffbarer Flüsse und Kanäle auch neben einem hoch- entwickelten Eisenbahnnez noch einen sehr großen Werth und außer- ordentliche wirthswaftlide Bedeutung hat, daß der Mangel solcher für die Beförderung großer Massenartikel {wer entbehrlicher Ver- fehrêwege von der deutscben Industrie und Landwirthschaft oft s{merzlich empfunden worden ist, das sind Wahrnchmungen, die wohl von keiner Seite bestritten werden. Wir hoffen, die Vorlage, die das Abgeord- netenhaus jeßt beschäftigt, wird zum Ausgangêpunkte einer energischen Förderung der bisher vernacläfsigten Kanalfrage werden.

Der zweite Artikel der „deutschen volkswirth- shaftlichen Korrespondenz“ über den Außenhandel Deutschlands im Jahre 1882 lautet :

Daß die neue Wirthschaftspolitik für die Eisenindustrie segens- reie Folgen gehabt, wenigstens wesentli mit zur Festigung des Eisenmarktes beigetragen hat, ist von uns des öfteren nachgewiesen worden und wird überdies selbst auf freihändlerisher Seite nichi ge- leugnet. Fast noch deutlicher treten diese Folgen aber in der ge- sammten Textilindustrie hervor, welche sich im vergangenen Jahre eines ungewöhnliden Aufshwunges zu erfreuen gehabt hat. Die bis- her in die Oeffentlichkeit gedrungenen Nachrichten über die Geschäfts- ergebnisse verschiedener Spinnereien und Webereien aus allen Branchen der Textilindustrie lauten so überaus güstia, daß es eines Beweises obiger Behauptung eigentlich nicht erst bedarf. Vielleicht lohnt es si aber doch, auch offizielle Zahlen sprechen zu lassen, um jeden Zweifel in diesem Punkte ein für allemal zu beseitigen.

Die deutschen Handel8ausweise für das Jahr 1882 ergeben zu- nächst durgängig eine günstige Entwickelung der Rohstoffbezüge, günstig namentlich, wenn man die Konjunktur in den einzelnen Artikeln mit in Betracht zieht.

Wenn wir die Differenz zwischen Einfuhr und Ausfuhr für die einzelnen Rohstoffe ziehen, so ergiebt si

Mehreinfuhr

1881 1882

Tonnen Tonnen

Baumwolle . 89267 138 965 A u 18 388 21 528 S 19 928 14 893 Dee a N 5 028 5 637 C L400 23 346 V A N 2319 2 496

Wle... C0208 O0868

Obige Ziffern veranscbaulichen den theilweisen Robstoffverbrauch

der einzelnen Industrien, sowcit nämlich nicht Deutschland selbst das betreffende Rohmaterial liefert und es ift sehr bemerkenswerth, daß dieser Konsum bei Welle, Nohseide, Flachs, Jute und Werg ganz bedeutend zugenommen hat. Es berechtigt dies unbedingt zu der Sclußfolgerung, daß in den betreffenden Industrien im verflossenen Jahre eine erhöhte Thätigkeit Plaß gegriffen hat, die übrigens auch dur anderweitige Thatsachen bestätigt wird. Wenn demgegenüber die Baumwollbezüge ein wenig zurückgeblieben sind, fo kann dies nicht auf einen Rückgang dieser Industrie gedeutet werden, da zu erwägen ist, daß im verflossenen Jahre in Folge der geringen amerikanischen Baumwollecnte überhaupt kleinere Quantitäten amerikanischer Waare nach Europa gekommen sind, als im Vorjahre. Die größeren ost- indischen Zufuhren haben allerdings einen gewissen Ausgleich herge- stellt, aber dessenungeactet ist es unter den geschilderten Verhältnisjen immer ein gutes Zeichen, daß die deutshe Baumwollindustrie im Na gegen das sehr günstige Vorjahr nicht zurückge-

ieben ift. D aua im au8wärtigen Garnhandel war folgende :

Tonnen Einfuhr Auéfuhr 1881 1882 1881 1882 Baumwollgarn 16475 18076 10371 10660 Leinengarn 12589 13718 1932 2174 Wollengarn 15593 15 998 4 487 5035

Die Zunahme des Imports an Baumwoll- und Leinengarn ist zwar feine sehr bedeutende, aler der Umstand, daß fie insbesondere in den werthvollsten feinen Nummern eingetreten ijt, macht dieselbe doh zu einer einigermaßen bedenklichen Erscheinung. Soviel hat sich seit Grlaß des neuen Zolltarifs schon als sicher herausgestellt, daß die Tarifsäte für die feinsten Nummern zu niedrig bemessen worden sind und daß unsere Industrie in diesem Punkte vorläufig gegen die eng- lishe Konkurrenz nicht aufkommen kann, weil eben bei den ungenügen- den Zöllen Niemand den Muth findet, scin Geld an die Errichtung einer Feinspinnerci zu wagen. Die Garnausfuhr ist ausweislich obiger Ziffer im Ganzen stetig fortgeschritten. _

Für die Gewebe liegen endlich folgende Ziffern vor:

Tonnen : Einfubr Ausfuhr V 2 Va R Baumwecllwaaren 1392 1476 22193 922891

Leinenmaaren 8189 8327 3 525 36 12 Seidenwaaren 999 9217 387 363 Halbsceidenwaaren 217 222 4 361 4 774

Wollenwaaren 29554 1923 22514 23503 Auch hier macht die Exportbewegung, insbesondere in Seiden- und Wollenwaaren einen sehr günstigen Eindruck, der bei Baumwollen- waaren allerdings ein wenig abgesbwächt erscheint, zumal für dichte Gewebe hier sogar ein kleiner Erportnachlaß zu konstaticen ist. Der Import hâlt si wie bisher in mäßigen Grenzen. L Von besonderer Einwirkung auf die Lage einzelner Zweige der Textilindustrie ist im verflossenen Jahre das günstige Preibverhältniß zwischen Rohstoffen und Fabrikaten gewesen. Beispielsweise haben Baumwollgarne nach der in“ Rohbaumwolle eingetretenen Hausse einen hohen Preisstand aub noch behauptet, als mit der neuen reichlichen Ernte die Robstoffpreise zurückgingen. Dies wäre nicht möglich ge- wesen, wenn unser binnenländisher Garnmarkt nicht gefestigt und gegen die ausländische Konkurrenz nicht geschüßt wäre. Cin gleiches dürfte in der Leinenindustrie und wobl auch in cinigen Zweigen der Wollspirnerei stattgefunden haben. Daß diese Industrien nicht von jeder Shwankung der Konjunktur abhängen, sondern die Ungunst der einen dur die Vortheile der anderen Konjunktur ausgleichen können, daß ihnen diese Vortheile nicht von der ausländischen Konkurrenz ent- rissen werden können, das ist eine der wichtigsten Folgen der rationellen Zollpolitil, die im vorigen Jahre in die Erscheinung getreten ift.

Eisenbahn-Verordnungs-Blatt. Nr. 4. Inhalt: Erlasse des Ministers der öffentlihen Arbeiten: vom 29. Januar 1883, betr. Verrechnung des Erlöses für solde Materialien, welte bei der Außerbetriebsezung von einzelnen Bahnstrecken oder Geleisen sowie bei der Umgestaltung von Bahnhöfen gewonnen werden und diéponibel bleiben; vom 2. Februar 1883, betr. Statistik der Güterbewegung ; vom 6. Februar 1883, betr, Statistik der Güterbewegung; vom 15. Februar 1883, betr. Entrichtung der Wittwen- und Waisengeld- beiträge, nah dem Gescte vom 20. Mai 1882; vom 15. Februar 1883, betr. die Filialen dezs großen Militär-Waisenhauses in Pots- dam; aom 15. Februar 1883, betr. die in Ermangelung von Militär- anwärtern für die auf Kündigung anzustellenden Beamtenkategorien angenommenen nibtanstellungsberechtigten Personen ; vom 15. Februar n Ss der Desinfektionsgebühr bei Einzelviehsendungen. Nathricbten.

Statistische Nachrichten.

Das „Journal officiel de la République francçaise“ veröffent- lichte fürzlih eine Statistik der Bevölkerungsbewegung Frankreichs während des Jahres 1881, welche im Verglei mit den vorhergegangenen Jahren weit günstigere Resultate aufweist. Die Zabl der Eben hatte sich scit 1877 erheblich vermindert, infolge des Verlustes an jungen Männern im letzten Kriege. Diese soweit zurück- reibende aber deutliche Nacwirkung \ceint nun allmählih abzu- nehmen; fo ‘betrug nochþ im Jahre 1880 die Zahk der Eben nur 279 146, im Jahre 1881 aber bereits 282 079, alfo etwa 3000 mehr. Entsprechend ist die Zahl der unehelichen Geburten zurückgegangen, denn im Jahre 1880 wurden eingetragen 69 979, 1881 aber nur 66 217. Das bemerken8wertheste Ergebniß der Statistik des Jahres 1881 aber ift der Uebershuß der Geburten über die Todesfälle. Jene ersheinen darin nämli in Höhe von 937 057, diefe mit der Zahl 828828, was also zu Gunsten der Geburten ein Mehr von 108 229 ergiebt, wogegen der Ueberschuß im Jahre 1880 nur 61 940 betragen hatte.

Schwedens Ein- und Ausfuhr im Jahre 1882 an gewissen hauptsächlihen Waaren bezifferte sich wie folgt: Einfuhr: Branntwein (Genever 2c.) 58090 1 à 50/9 (gegen 68000 1 im Sahre 1881), Arrak 820000 1 (849000 1), Rum 130000 1 (186000 1), Traubenbranntwein, in Frarkreich fabrizirt und seewärts von dort direkt eingeführt, in Fässern: 970 000 1 (1 700000 1), in Flaschen: 99009 1 (136 000 1), in anderen Ländern produzirter Traubenbranntwein 38 000 1 (14000 1), Wein in Fässern 2750000 kg (2859 000 kg), in Flaschen 650090 kg (5241 005 kg), Fleisch 1 650 000 kg (1 544 000 kg), Spe 4 800 009 kg (12100000 kg), Butter 2300000 kx (2202 000 kg), Talg 1000000 kg (1248090 kg), Käse 809000 kg (536 000 kg), Zuer, raffinirten 11400000 kg (11073000 kg), unraf- finirten 25000000 kg (23204000 kg), Syrup 8000000 kg (6930000 Kg). Salz 80000 cbm (764009 cbm), Kaffee 14 259 000 kg (14 497 000 kg), Mehl: Weizen- 23 009000 kg (18 700 000 kg), Roz7gen- 15 000 000 kg (11 060 0090 kg), Baum- wolle 10500000 kg (10450000 kg), Wolle 1600000 kg (1620 000 kg), Gewebe: ganze und halbseidene 62 900 kg (63 600 kg), baumwollene 900000 kg (884 000 kg), ganz- und hbalbwollene 2 000 000 kg (2094 000 Eg), leinene und hanfene 700000 kg (977 000 kg), Taba 2 700 000 kg (3 207 000 kg), Häute und Felle 2750 000 kg (2500090 kg), Maschinen im Werth von 7 900 000 Kronen (s 000 009 Kronen), Ausfuhr: Eisenerz 20 200 000 kg (24 232 000 kg), Guß: und Ballasteisen 55 509 009 kg (55 489 000 kg), Stangeneisen 154 000 000 kg (136 556 000 kg), Manufaktureisen 56 000000 kg (52000000 kg), Scchmelzstückte 8000000 kg (8 802 000 kg), Eisenblech, verzinnt und unverzinnt 2200000 kg (2362000 kg), Stabl 9800000 kg (7165000 kg), Kupfer 450 000 kg (690 000 kg), Sinfblende 22200 000 kg (15 422 000 kg), Holzwaaren: Balken und Latten 450 000 cbm (380 000 cbm), Bretter und Planken 3 370 000 cbm (2 855 000 chm), Holzmasse 9 200 000 kg (9 000 000 kg), Zündhölzer 10 500 000 kg“ (10 676000 kg), Theer 7 100 000 kg (6550 000 kg), Papier 6 000000 kg (5 241 000 kg), Hafer 516 000 cbm (420 700 cbm), Gerste 60 000 cbm (30 300 cbm), Rindvieh 26 500 Stück (19000 Stück), Schafe 290/00 Stück (21 000 Stück), Schweine 26 200 Stück (24300 Stück), Butter 5 800 000 kg (5 107 009) kg).

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Würzb urg, 22. Februar. (W. T. B,) Der Psychiater Prof. Geheim-Rath Rinecker ist gestorben. i :

Jm Verlage von M. Heinsius in Bremen erschien soeben: „Ich bau auf Gott“, eine Festgabe, neue religiöse Dichtungen, von SFulius Sturm (3 A 50 4, clegant gebunden mit Goldschnitt 4 M 50 A). Diese neuesten Dichtungen und gereimten Sprüche, die tief religiöser Empfindung und sittlihem Ernst entquollen sind, reihen sich den früheren Werken des gefeierten Dichters würdig an; sie sind um so wirkungêvoller, je knapper ihre Form ist. Das Buch eignet sich besonders zur Konfirmationsgabe. :

Die Buchhandlung von Richard Preyß in Augsburg hat ihren Verlag religiös-erbaulicher Schriften um eine neue kleine Erzählung : „Im Akkord“, von Hermann Lang, vermehrt, Die populär ge- haltene, spar nende Geschichte zeigt, wie Arbeit aud auf Herz und Geist wohlthätig einwirkt und wie der, der scine Missethat bekennt und läßt, Barmherzigkeit findet. Der Preis der Schrift beträgt 50 S.

Bon den in demselben Verlage erscheinenden „Evangelischen Haus-Andachten, zur Ergänzung und Fortseßung der Evan- gelischen Hausagende“, von G. Chr. Dieffenbach, erfier Band: „Die Summe der christlichen Lehre nach dem Katechismus“, liegt das zweite Hest: „Das heilige Gesetz des Herrn“ vor (Preis 1 M.) Das Heft enthält 31 Andachten über die 10 Gebote, mit Bibelterten, Auslegung, Gebeten und Liederstrophen. Der Verfasser ist dur seine Evangelische Hausandacht als ein dem Bekenntniß treuer Geistlicher in weitesten Kreisen bekanni, denen auch dieses neue Zeugniß seines Glaubens willkommen sein wird. : .

Im Verlage der N. Elwertschen Universitäts- Buchhandlung zu Marburg a. Lahn. ist seit 1881 cin an ti- quarischer Katalog, enthaltend Werke über die Provinz Hcssen- Nassau und das Großherzogthum Hessen erscienen, dessen Jahalt manchem wissenschaftliden Arbeiter auf dem bezeichneten Gebiete erwünscht sein dürfte. Die 1881er Ausgabe enthält auf 62 Seiten 1120 Nummern. Bei Gelegenheit dieser Hinweisung mag noch aus dem Jahre 1879 das Erscheinen von zwei Schriften in demselben Verlage er- wähnt werden: Wilh. Kolbe (Pfarrer): Marburg im Mittelalter mit einer Ansicht von Marburg nah einem Merian'shen Stich von 1646, und die zweite Auflage von A. F. C. Vilmagrs Handbüchlein für Freunde des deutschen Volksliedes. Es handelt sich in der leßteren Schrift um die gescbichtliche En1wickelung einiger historischer Volks- lieder, Liebeslieder und Lieder der Geselligkeit mit einem Register der Lieder. Kolbe's Abhandlung erstreckt ih über die frühesten Zeiten Marburgs bis gegen Ende des 16. Jahrhunderts. |

Otto Harrassowigz, Inhaber einer Buch- und Anti- quariatshandlung in Leipzig und vorzugsweise mit dem Vertrieb von Werken aus den Gebieten der flassischen Philologie, vergleicen- der Sprachwissenschast, sowie europäischer und orientalischer Linguistik beschäftigt, hat soeben einen auntiquarischen Katalog (92) unter dem Titel „Theodor Benfey's Bibliothek. 1. Abth. Alge- meine und vergleichende Linguistik. Jndogermanisbe Sprachen. Sagen-, Märchen- und Mythenkunde“ veröffentlicht. Derselbe ent- hâlt cin Verzeichniß von 3618 Schriften, die unter folgende 9 Ru- briken vertheilt sind: 1. Allgemeine Schriften und linguistische Hülfs- wissenschaften: 1) Linguistishe Zeitschriften und Sammelwerke (98 Nru.), 2) Linguistishe Bibliographie (27 Nrn.), 3) Hand- schriftenkataloge (43 Nrn.), 4) Biographisches (8 Nrn.), 5) Entstehung der Schrift, Alphabe!ik, Paläographie (im Ganzen 26 Nrn.), 6) Mythologie und Neligionssysteme, spez. Buddhismus (im Ganzen 195 Nru.), 7) Märchen- und Sagenkunde und Verwandtes, |pez. Sagenwanderungen 2c. (im Ganzen 35d Nrn.), 8) Ethnologie und

Verwandtes (33 Nrn.); I1. Allgemeine und vergleihende Spra- wiffenshaft (274 Nrn., darunter 22 über Polyglotten); II1. Arische Sprachen: 1) Allgemeines (6 Nrn ), 2) Sanséfrit, Prafrit und Pali, nebst Scbriften über Indien (im Ganzen 542 Schriften, davon 85 die Vedas betr.), 3) Neuindisbe Sprachen (Urdu, Bengali, Sindhi, Gu- 4) Zigeuner-

zarati, Marathi 2c. ; sprahen (19 Nrn.); 4) schrift, Zend, Altpersish, 102 Schriften. B. Uebrige Afghanisch, Ofsctisb, Kurdis,

im * Ganzen 23 Nren.), Eranische Pehlevi, Parfsi; eranisce Armenisch, im Ganzen 84 Nrn.); IV. Griedbisber Sprachstamm:

Sprachen

im

Neupersisch{, Phrygisc;

Sprachen: Lyfiscb,

(A. Keil-

Ganzen

1) Alt-

griechis{ (74 Nrn.), 2) Neugriechish (26 Nrn.), 3) Albanesish (12 Nren.); 1) Allgemeines 2) Altitalisch (8 Nrn.) und Lateinis (51 Nren.), 3) Ftalienish mit den Dialekten (48 Nren.), 4) Rumänish (22 Nrn ), 5) Rhätoromanisch und Ladinisch (6 Nrn.), 6) Alt- und Neu-Prevençalisch, sowie Waldensisch (im Ganzen 81 Nrn.), 7) Französisch mit seinen ] i (158 Nrn.),

V. Lateinisw-Romanishe Spracben:

Dialekten und den älteren Literaturerzeugnissen 8) Spanisb, Catalanisch, Mallorquinish

(im Ganzen

(17 Nren.),

72 Nrnu.),

9) Portugiesis{ch (16 Nrn.); VI. Celtiswe Sprachen (Jrish, Welsh,

Bretonnisch, Cornish, im Ganzen 96 Nren.); 1) Allgemeines und

Sprachen :

Runen (22

VII,

und

Germanise 8 Nren.),

2) Gothisch (34 Nrn.), 3) Altsähsish und Angelsähsis{ (42 Nrn.), 4) Anglonormannisch (6 Nrn ), 5) Alt- und Neuenglish und enalische Dialefte (im Ganzen 101 Nrn.), s) Skandinavische Svrawben (139 Nrn.), 7) Niederdeutsch, Mittelniederdeuts{ch, Mittelniederländisc, Friesis, Holländisch (im Ganzen 112 Nen ). 8) Alt-, Mittel- und Neuhoch- deutsh (im Ganzen 120 Nrn.), 9) Deutsche Munrdarten (51 Nrn.); VIII. Slavisch-lettishe Sprachen (hauptsächlich aus der Bibliothek

des Profeffor C. W. Smith in Kopenhagen):

1) Allgemeines und

alt\slavishe Literatur (86 Nrn.), 2) Nuffish (78 Nrn.), 3) Polnisc, Kassubish, Czechisb, Slowakish (im Ganzen 75 Nrn.), 4) Wendisch (18 Nrn.), 5) südslavise Sprachen (71 Nrn.), : (17 Nrn.), 7) Lettiscb, Littauisch, Altpreußish (im Ganzen 30 Nrn.);

IX. Nachträge (35 Nrn.).

Land- und Forstwirthschaft.

NaGwetitng der in der Zeit vom 1. August 1881 bis 31. Juli 1882

im preußisben Staate ausgegebenen Jagdscheine.

6)

Bulgarish

N 20 2 Zahl der 2 Bezeichnung gegen Man us E des Geld geltli s A = K êgeachbe Faqd- | 1ammen. S Verwaltungsbezirfs. E Vag 1 | Regierungsbezirk Königsberg 5 655 424 6 079 2 i Gumdbin- Nin 4 258 | 285 4 543 3 E Danzig . 2016 | #22 92 238 4 L Marien- | werder . . 4 029 445 4 474 (0) Ï Potsdam . 7159 439 7 598 6 ï Frankfurt . 7 579 353 7932 7 | Polizei-Präsidialbezir® VBer- M. 1973 1 1 974 8 | Regierungsbezirk Stettin . . 3819 225 4 044 9 f Coeslin . . 2950 | 138 3 088 10 ; Stralsund. 1353 119 1 472 11 5 De 5 548 186 5 734 12 i Bromberg. 3 339 152 3491 13 Ÿ Breslau. . 7 179 314 7 493 14 s Liegniß 6 638 178 6 816 15 Oppeln 4 825 270 5 095 16 u Magdeburg 7 881 179 8 060 17 5 Merseburg. 8 674 130 8 804 18 i Gu. 2/5759 87 2 662 19 j Scbleswig . 10 166 147 10 313 20 } Landdrosteibezirk Hannover . 1 889 1 889 M y Hildesheim. 2 250 2 250 22 x Lüneburg . 2 844 2 844 23 y Stade . 1 789 -— 1 780 24 h Osnabrück. 2145 2145 29 i Aurich. .. 1484 11 1495 26 | Regierungsbezirk Münster. . 6 151 24 6 175 27 ÿ Minden 2 807 105 2912 28 7 Arnsberg . 6 324 134 6458 29 y Caffel .…. » 065 303 3 368 30 h Wiesbaden. 3 761 352 4113 31 Y Coblenz .. 5 756 166 9/922 32 N Düsseldorf. 7 097 82 7179 33 y Gn 3 903 94 3 997 34 l Ra }) 044 290 3 334 39 V Aachen. » 159 51 3210 36 7 Sigmarin- Ce 221 81 302 Wiederholung. 1 | Provinz Ostpreußen 9913 709 10 622 9 5 Westpreußen . . 6 045 667 6 712 3 Brandenburg 14 738 792 15 530 4 ü Ben, i 1973 1 1 974 5 " Pommern .…... 8 122 482 8 604 6 x Pon i 8 887 338 9225 7 S 18 642 762 19 404 8 Sen 19 150 396 19 526 9 s Schleswig-Holstein 10 166 147 10 313 10 s DAannoveL 12 392 11 12 403 11 x Westfalen ..... 15 282 263 15 545 192 5 Hessen-Nassau 6 826 699 7481 13 J Rheinprovinz . 20 959 683 21 642 14 | Hohenzollernsche Lande . 221 81 302_ zusammen . . 153 296 9987 | 159 283 1880/81 find ausgegeben .. 149 003 6091 155 094 mithin 1881/82 mehr 4 293 | 4 189 weniger 104 A

Gewerbe und Handel. Die nächste Börsenversainmlung zu Essen findet am

26. Februar ftatt.

Von dem „NRepertorishen Assecuranz-Almanach“, der sich scit Jahren in den fahmännischen Kreisen des Versicherung8- wesens allgemeinster Anerkennung crfreut, ist der 16. Band (1583) im Selbstverlage des Verfassers, Dr. A. F. Elsner in Berlin, soeben erschienen. Der neue Jahrgang des Handbuchs entspricht in der An-

ordnung und Eintheilung des gängen. Wiederum sind die gesichtspunkten zusammengestellt :

Materien nach Allgemeine

Stoffes den früheren den Prafttika,

Prafktika, Brandursachen, Medizinisches, Gesetzgebung.

die mittleren Rubriken fast leute des Versicherungswesens

aussclteßlich ein

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Haupts-

Svpezielle Während die Fah-

haben,

finden fich unter den Nubriken „Allgemeine Prafktik und Medizinisches* zahlreiche Artikel, welche für weitere Kreise des Ha»dels und der In-

dustrie wissens8werth und wobl auch auf sie berednet sind. Die Mehr- zahl der in die erste Abtheilung des Handbuchs aufgenommenen Artikel stüßen sich auf gerihtli endgültig zum Au®trag gebrachte Recbtsfragen, die bereits dur die Ueberschriften charakterisirt werden: Begriff des red- lichen Erwerbes, Begriff des Wohnorts, Besteuerung der Bersicherungs- Vereine in Oesterreich, Beurkundung von Sterbefällen (auf Sce), Exekutionsbewilligung (cines österreichischen Gerichts gegen einen in Deutschland domizilirenden Kausmann), Mielther und Vermiether