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der Wissenschaft zählen darf, bezw. ob und welce geseßliche Mittel me Reiwsregierung zur Unterdrückung der Vivisektion vorzuschlagen gedenkt.
Nachdem diese Frage ohnehin {on gegen Ende des Monat Fe- bruar, in Folge eines Schreiber:s des Fürjten Reichskanzlers, gerichtet an den Vorsitßenden des internationalen Vereins zur Bekämpfung der wissenshaftliben Thierfolter, von Neuem aufs Tapet ge- kommen war, rihten sich die Augen der Humanisten aller Kulturvölker auf den deutshen Reichstag, um baldmöglichst zu erfahren, welches Maß von Verständniß die Vertreter der deutschen Nation der Frage der Vivisektion entgegenbringen, und ob die traditionellen politishen Meinungsverschiedenheiten und Zän- kereien der Deutshen vom Stuvium der eminent wihtigen Vivi- sekiionsfrage denn wirklich fo weit abgedrängt haben sollteu, daß irgend einige oberflählihe Auseinandersetzungen der Anhänger der Vivisektion wieder so wie im Vorjahre hinreihend sein würden, den Reichstag zu bestimmen, den Austrag dieser Frage neuerdings zu ver-
Um den Nothschrei zu begründen, welchen das bumanitäre Ge- fühl dec deutschen Nation an en Reichstag richtet, sei hier die Wiedergabe einer kleinen, viellcicht nur dürftigen Blumenlese ge- stattet aus Verdikten, welhe tie Koryphäen der Wissenschaft seit Dezennien bis auf den heutigen Tag gegen die Vivisektion ges{leu- dert haben. Nèélaton, der berühmte Pariser Chirurg, bewies dem bekannten Vivisektor Claude Bernard, daß alle auf die Erperimentalphysiologie gecründeten Systeme falsch seien. Strauß-Dürkheim, der deutsde Anatom, erklärte, daß aus der ab- scheulihen Methode der Vivisektion nichts zu erlernen sei. Denn im Organismus von Thieren, die in einen so furhtbaren Zustand versetzt find, müssen alle organischen Funktionen gänzlich gestört sein und können folglih nichts rihtiges Neues lehren. Trotzdem quäle man aus Neugierde, aus Gewohnheit, aus Mode.
Der große Jatros sagt, daß für alle die entsetzlichen qualvollen Leiden der Millionen von Thieren, die in den leiten Jahrzehnten über ganz Europa den utopischen Zwecken der Vivisektion und der Eitelkeit so vieler nach einem wissenshafilihen Namen strebender Forscher geopfert worden sind, nicht eine einzige Stunde eines Menschenlebens aufgewiesen werden kann, die dadurch gewonnen oder erträglicher gemacht worden wäre.
Nach einer schon im Jahre 1876 in England geführten großen amtlichen Untersuchung hat sich herausgestellt, daß fich sogar die be- rühmtesten Vivisektoren nicht blos der allergrößten Schandthaten schuldig gemacht, sondern sogar ohne alle zwinaende Nothwendigkeit die allergrausamsten Vivisektionsmecthoden ausgeübt haben. Es find da in vielen tausenden von Fällen ganz unsägliche Greuel, verübt von europäischen Kulturmenschen, ans Tageslicht gezogen worden, die als ein Schandfleck und als ein \{recklid;es Gegenzeugniß auf dec vielgepriesenen Kultur unserer Zeit haften.
Der berühmte Professor Magendie, der nicht das geringste Resul- tat für Liaderung mensclicer Leden aus seinem ruclosen Betriebe der Vivisektion zu bieten hatte, behauptete, daß die Vivisektion allen Werth verliere, wenn sie mit Narkotisiren der Thiere betrieben würde. So nagelte er denn aub cin, nicht narkotisirtes feines nervöses Wachtelbündchen, mit dessen vier Pfotcn und seidecn- weihen Ohren auf den Tish, um scinen Schülern in bequemerer Weise das Durchschneiden der Augennerven, das Aufsägen des Hirnschädels, das Zerschneiden des Rückgrades, und insbesondere das Bloëglegen der verschiedenen Nervenbündel zu demonstriren. Die Narkose, demonstrirte er, würde Faktoren lahm legen, die wir alsdann nicht mehr beobachten könnten.
Claude Bernard erfand einen gut konstruirter. Ofen, um den langsamen Tod warmblütiger Thiere durh Hite zu studiren. Auf Seite 358 seines Buches finden sih die Details von 17 in diesem Ofen gebackenen nicht narkotisirten Hunden und von 22 dergleichen gebackenen Kaninchen. Er beschreibt, daß, falls der Kopf des Thieres sich außerhalb des Ofens gezwängt befand, dasselbe noch manchmal bis zum nächsten Tage leben konnte.
Die Narkose ist nah Ansicht dec Vivisektorcn überhaupt ver- werflich. Professor Brachet suchte die Grenzen der Anhänglichkeit des Hundes dadur festzustellen, daß er seinem Hunde erst die Augen ausgrub, alsdann dessen Gehörorgan zersiörte, und na diesem das Thier noch monatelang mit allen möglichen Martern quälte. Das von ihm berichtete Resultat war, daß ihm das Thier nach allem diesen noch die Hand lecckte. Er bescreibt nit weniger als 200 ähnliche inter- cssante Versucbe an anderen Hunden, und stellt noch das, wie ec meinte, wichtige Faktum fest, daß eine trächtige Hündin, welcher er den Leib aufschnitt, noch s\terbend die zur Welt gefördertcn Kleinen leckte.
Amtsblatt des Reichs-Postamts. Nr. 15. — Inhalt: Verfügungen: Vom 25. März 1883. Uebernahme der Gefahr bei der Porto- 2c. Stundung auf die Postfkasse — Vom 28. März 1883. Eröffnung der Eisenbahnstrecke Kedingen— Teterchen. — Vom 27. März 1883. Eröffnung der Eisenbahnstrecke Marburg (Cölbe) — Laatphe. — Vom 27. März 1883. Verpackung der Druckfachen-Sendungen nah dem Auétlande. — Vom 25. März 1883. Errichtung einer Post- und Telegrapbenanstalt auf tem Ausfiellungsplaße ¿zu Zürich, — Be- sceidungen: Vom 24. März; 1883. Auskunftsertheilurg Seitens der Kaiserlichen Ober-Postdirektionen an Kandidaten der höheren Post- bez. Telegraphen-Verwaltungsprüfung.
, Statistishe Nachrichten.
Das Februarheft der Monatshefte zur Statistik des Deut- \ckchen Neichs enthält außer den regelmäßig für die einzelnen Monate wiede-kehrenden Nachweisungen cinen Aufsaß über die Ent - weihungen von Seeleuten der deutschen Handelsmarine im Jahre 1881 und eine Mittheilvrg über das Ergebniß der montan- statistisch en Erhebungen im Jahre 1882.
— Den Ausweisen des „Bureau Veritas* zufolge sind im Februar 154 Segelschiffe, darunter 16 deutse, 3 österreichische, 9 niederländishe und 2 russische, sowie 21 Dampfer, worunter zwei deutsche, untergegangen.
Kunst, Wissenschaft und Literatur.
Geschichte des Königlichen 3. Thüringiscben Jnfan- terie-Regiments Nr. 71. Zusammengestellt von Marimilian von Loefen, Hauptmann und Compagnie-Chef im 3. Thüringischen Infanterie-Regiment Nr. 7i. Berlin, Ernst Siegfricd Mittler und Sohn. Königlide Hofbuchhandlung. Preis 6 K 50 Z. — Das genannte Regiment gehört bekanntlich zu denjenigen Trupyventhei!en der preußisben Arntiee, welche ihre Formation der Armee-Reorgani- sation vom Jahre 1859 verdanken. Es blickt demna zwar auf cin nur verhältnifmäßig kurzes Alter von kaum 24 Jahren und doch auf eine reie Geschichte zurück, denn es war ihm vergönnt, an den großen friegerishen Ereignissen der Jahre 1866, 1870 und 1871 thätigen und ruhmvollen Antheil zu nehmen Nur eine kleine Zahl derjenigen Kameraden, welhe die glorreichen Feldzüge in den Reihen tes Regiments mitgekämpft, gehört heute noch demselben an, und niht gar so lange vielleicht wird es währen, daß au diese Wenigen aus dem Regimente ausge/chieden sind und die junge Generation die Thaten jener Zeit nur noch aus der Geschichte kennt. Deshalb ist es ein verdiensllihcs Unternehmen des Verfassers, in dem vorliegenden Bu aus der einschlagenden militärischen Literatur und dem bei dem Megimente vcrhandenen Material, welhe er mit großer Sorgfalt und Lust und Liebe zur Sade benutt hat, die Geschichte des Regiments, deren hervor- ragendsten Momenten er selbst thätig beigewchnt hat, in übe: sichtlicher Darstellung zusammenzufassen. Die Andordnung des Jahalts ist sach- gemäß eine chronologishe. Na einem einlcitenden Kapitel, in dem Über die Entstehung des Regiments berihtet wird, ist die weitere Darstellung auf fünf, in ihrem Umfange freilih sehr ungleihe Ak-
schnitte vertheilt, deren erster in gedrängter Kürze von den fünf Srieden8jahren 1861—1865 erzählt. Den Feldzug gegen Oesterreich 1866 behandelt der nächste Abschnitt. Dann folgt ein kurzer Bericht Über die Friedensjahre von 1867 bis zum Sommer 1870, dem si der Haupttheil des Buches, die Darstellung des Feldzuges von 1870/71 anschließt. Die Friedentjahre von 1871 bis 1882 bilden den Gegen- stand des kürzeren leßten Kapitels. Als Anlagen sind dem Buche, welches dem ersten Commandeur des Regiments, dem nunmehrigen Ge- neral der Infanterie und kommandirenden General des IV. Armee- Corps, Hrn. von Blumenthal gewidmet ist, verschiedene Listen und Verzeichnisse sowie Pläne zum Gefecht bei Podol, zur Schlacht bei Königgräß, zum Gefecht bei Preßburg und eine Uebersichtékarte zu der Schlacht bei Königgrätz beigegeben. Land- und Forstwirthschaft.
Vom Rhein wird den „Hamb. Nacbr.* geschrieben: Die We i n- berge sehen troß aeringer Wärme prächtig aus. Vielversprechend sind namentli die Auetsihten in Rüdesheim; Bogreben sind reihlid) vorhanden und dabei sehr engäugig, was erfahrung8gemäß auf eine reibe Ernte schließen läßt. Dic A Kälte in voriger Woche hat bis jeßt nichts geshadet. Auch das Jahr 65 hatte zur selben Zeit \{neidigen Ostwind, es folgte aber ein heißer trocklener Sommer mit feurigem 65 er.
— Die \{on erwähnten, von dem Vereine für Sozialpolitik ver- öffentlihten Berichte über „Bäuerliche Zustände in Deutschland“ ent- halten u. A. auch eine Abhandlung über „Die bäuerlichen Ver- hältnisse in der bayerischen Rheinpfalz“ von Hrn. Senats-Präsidenten Petersen in Colmar i. E. Wir entneltmen dieser verdienstlihen Arbeit folgende Ausführung über die Verschul- dung der dortigen Bauerngrundstücksbesitßer, soweit diese Verschuldung niht auf hypothekarisber Haftung beruht: Die Frage, ob die Bauern, abgesehen von der hypothekarishen Verschuldung, noch weiter verschuldet sind, ist bezüglih der Pfalz zu bejahen. Es wird vielfach Geld gegen Nuséstellung cines Schuldscheins aufgenommen, weil die zum regelmäßigen Betrieb der Wirthschaft erforderlichen Mittel viht immer ausreichen. JInébesondere werden nach ungünstigen Ernten oder im Falle unvorhergesehener Aus- gaben sfolche Anleihen gemacht. Neben den QDarlehns\{ulden kommen die in Folge des Ankaufs von Vieh ges{uldeten Beträge in Betracht, welbe im Ganzen cine erhebliche Rolle spielen. Besondere Darlehnékassen für Landwirthe, insbesondere scl%e nah dem System von Naiffeissen, giebt es in der Pfalz nicht. Die in größerer Zahl vorbantenen Vorshuß- und Kreditvereine, welhe dem von Schalze- Delitzsch geleiteten deutschen Genossenschaftsserband angehören, geben vielfa auch Landwirthen auf 3—6 Monate Vorschüsse. Ebenso werden solbe von den sog. Hülfskassen bervilliçt, wo solche bestehen. Aber auch abgesehen davon, ist cs in den meisten Theilen der Pfalz um den Personalkretit niht s{chlecht bc- telt, da aud sädtishe Kapitalisien pnd wollhabende Bauern häufig Geld auf Schuldscheine ausleihen. Aus verschiedenen Gegenden wird beribtet, einem einigermaßen gut beleumundcten Landwirth sei es leiht, von Privatleuten auf einfachen Schuldschein und zum gewöhnlichen Zinétfuß Geld zu erbalten. Dessenungeattet wird die Errichtung von bäuerlichen Darlchenskassen vielfach als wünscher werth bezeichnet, wei maun glaubt, dieselben würden auf die Art und Weise, in welcher der Kredit in Anspru genommen wird, beilsam einwirken und die Landwirthe mehr daran gewöhnen, gegen Vaarzahlung einzukaufen. Besonders wird davon ein günstiger CEinfluz in Beziehung auf den Ankauf von Vich erwartet, der meist unter Jnanspruhnahme von Kredit erfolgt, Ueber dieses Verhältniß. das von mehreren Seiten als ein „Erbübel“ bezeichnet wird, werden vielfahe Klagen crholen. Es unter- liegt keinem Zweifel, daß viele Viehverkäufer das dur die Geschäfte- verbindung begründete Schuldverhöltniß dazn benußen, den Bauer immer mehr von sich abhängig zu macben und dann auszub-uten, und daß in nicht seltenen Fällen dicse Ausbeutung die Verarmung, ja den Ruin des Bauern herbeiführt. Bei dem Verkauf von Produkten, insbesondere bei dem Verkauf von Frucht und Vieh, sind die Bauern häufig von Vermittlern abhängig. Jedoch kann dicses Ver- hâltniß niht lcicht zur Verarmung führen, Wo dagegen die Ab- hängigkeit von ciner bestimmten Pecson begründet wird, wie es bei dem Verbältniß zum Viebhändler häufig der Fall ift, hat diese häufig eine fortdauernd steigende Verschuldung des Bauern zur Folge. Dieser wird dann fort und fort zu neuen, immer vahtheiliger werdenden Geschäften (besonders zu Tausch- händeln) genöthigt, bis die Schuld so hoch gestiegen ist, daß ein weiterer Geschäst2verkehr niht mehr als vortheilbaft erscheint. Darn wird dem arme2 Opfer, wie man in der Pfalz sagt, „der Hals zugzogen“". Gegen derartige Ausbeutungen durch berzlose Blutsauger gewährt das Wuchergeseß, dem sons: vielfach wohlthätige Wirkungen zuge,chrieben werden, häufig keinen Schutz. Fortschreitcnde Einsicht in die Ver- derblihteit derartiger Verbindungen wird die Zahl der Persoren, welche den wucherishen Händlern zum Opfer faller, wohl 10ch etwas mehr vermindern, als es {on geschehen ist. Aber auz in dieser Richtung "würden bäuerlihe Darlehnskasfsen, welche es dex: Landwirth erleichtern, gegen Baarzahlung zu kaufen und si, wean er in die Klauen eines „Blutsaugers“ gefallen ist, noch rechtzeitic, aus denselben u befreien, unzweifelhast wohlthätig wirken.
Gewerbe und Handel.
Vom Berliner Pfandbrief-Institut sind bis Ende März 1883 77100 M 34%, 15438 900 4 4 ’/, 44 323 800 M 41/2 %/n und 9 198 900 MÆ 5%, zusammen 69038 700 M Pfandbriefe ausgegeben, wovon noch 77100 M 32%, 15185 100 M 4%, 36 852 900 MÆ. 41/2%/9 und 6 942 600 M 5 9%/a, zusammen 59 057 700 Pfandbriefe verzinslich sind. Es sind zugesichert, aber noch nicht ab- aehoben 724 200 M.
Mannheim, 3. April. (W. T. B) In der heutigen Ge- neralversammlung der Badischen Bank wurde die Dividente pro 7 d 63 9% oder 19 4 per Aktie, zahlbar vom 1. Mai ab, fest- cesett.
Teplißt, 3. April. (W. T. B.) Die Generalversammlung der Dux-Bodenba cher Bahn hat die Anträge des Verwaltungs- raths wegen Auszahlung einer Dividende von 749/69 genehmigt.
__ Amsterdam, 3. April. (W. T. B.) Die Niederl än- dilscbe Bank hat den Diskont von 5 auf 439% herabgesetzt.
Glasgow, 3, April. (W. T. B.) Das gestrige Glasgow-
Telegrawm is dahin zu becichtigen, daß die Roheisenver- \chiffungen in der vorigen Woche 8500 gegen 10 107 t in der ent- sprechenden Woche des Vorjahres betrugen. __ New-York, 3. April. (W. T. B.) Der Gesammtbetrag der in Folge der jüngsten Bekanntmachung des Schapsekretärs Folger zur Einlösung offerirten Bonds beläuft ih auf 2900 000 Dollars mit Einschluß der vom Staate New-York ofcrirten im Be- trage von 2 265 900 Dollaré, Nach Erklärungen von Schaßbeamten spricht diese Thatsache dafür, daß die Geldknappheit eine mehr künst- siche als wirkliche sei. — Der Werth der in der vergangenen Woche Zier ausgeführten Produkte beträgt 5 753 000 Dollars.
— Verkehrs-Anstalten. Tilsit, 3. April. (W. T. B.) Der Cisgang der Memel hat begonnen ; Uebershwemmungsgefahr ist nit vorhanden. Southampton, 2. April. (W. T. B) Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Rhein®* ist hier eingetroffen.
Berlin, 4. April 1883.
Stand der Saaten in Ungarn.
Aus dem im „Közgazdasági Ertesitö“ (,Volkswirthschast- licher Anzeiger“) vom 22. Mär; 1883 Nr. 12 enthaltenen amtlichen Berichte über den gegenwärtigea Stand der Saaten in Ungarn theilen wir folgenden Auszug in der Ueber-
segung mit:
‘Laut den in der Zeit vom 6. bis 18, d. M. im Handels- Ministerium eingelangten Berichten haben trockene Fröste und nördlißke Winde die Saaten an mehreren Orten \{ädlich beeinflußt ; an manchen Orten haben die Saaten die grüne Farbe verloren und vergilbten, an manchen Orten sind sie shütter E und theils erfroren dieselben. Der \{äd- liche Einfluß der Kälte macht sich insbesondere bei den zarten Repspflanzen bemerkbar. Der vorwöchentlihe Schneefall hat die Saaten zumeist günstig beeinflußt. Jn Folge dicses Schnee- falles waren die Landwirthe genöthigt, die bereits begonnenen FFrühjahrsarbeiten zeitweilig einzustellen; seither ist milderes Wetter eingetreten und die Arbeiten konnten wieder aufge- nommen werden. Ueber Mangel an Futterstoffen laufen be- ständig Klagen ein.
Preußische Klassenlotterie. (Ohne Gewähr.) Bei der heute angefangenen Ziehung der 1. Klasse 168. Königlich preußischer Klassenlotterie fielen: 1 Gewinn von 9000 auf Nr. 76 825. 1 Gewinn von 3600 46 auf Nr. 87 865, ui E Gewinne von 300 Æ auf Nr. 1982. 59 216. 76 141.
Die beiden Kinderasyle des „Berliner Krippenvereins“ waren auch während des abgelaufenen Quartals cecht stark besucht. Die Frequenz betrug in Krippe 1 (Anklamerstraße 39): Januar 533, ¿ehruar 600, März 601, Summa 1734 Kinder; in Krippe Ik (Fruchtstraße 31): Januar 404, Februar 482, März 464, Summa 1350 Kinder, in beider Krippen zusammen also 3084 Kinder, d. i. pro Tag (die Sonn- und Festtage abgerechnet) 41 Kinder, wovon 23 auf Krippe T, 18 auf Krippe 11 entfallen,
, Der 12, Kongreß der deutshen Gesellschaft für Chirurgie hat heute unter Vorsiß des Wirklichen Geheimen Raths von Langenbeck in der Aula der Universität seine Sißungen begonnen. Die Mitglieder der Gesellschaft hatten sih aus allen Theilen Deutschlands zahlreich eingefunden. Der Vorsißende beribtete über das Ergebniß der auf Veran- lassung Jhrer Majestät dec Kaiserin erlassenen Preisaufgabe über die Diphtheritis. Nach langen Berathungen und nach wiederholten Ausschreiben sei die Jury s{lüssig geworden, ver Arbeit mit dem Motto „Was man nicht weiß . . .“ den Preis zuzuerkennen. Als Verfasser der Schrist habe sich der Professor Dr. Heubner in Leipzig erwiesen. Der Vorsißende widmete sodann dem verstorbenen Pro- fessoc von Bruns-Tübingen Worte ehrender Anerkennung, denen sich die Versammlurg durch Erheben von den Sitze an- \{loß. Auf Vorschlag de3 Geheimen Ober-Medizinal-Raths Dr. Bardc- leben wurde sodann unter allscitiger Zustimmung Hr. von Langenbeck von teuem mit dem Präsidium betraut; zum stellvertretenden Vorsitzenden wurde Dry. Thiersch-Leipzig, zu Schriftführern Prof. Dr. Gurlt- Berlin und Prof. Dr, Schönborn-Königsberg und zum Kassenführer Prof. Dr. Küster-Berlin ernannt. Alsdann trat die Versammlung in die wissenschaftliwe Tagesordnung ein, in der zunächst über Kropf- exstirpation verhandelt wurde.
__ Dec Elsässische Verein für Geflügel- und Vogelzucht veranstaltet im Tivoli zu Straßburg i. E. ia der Zeit vom 26. bis 29. April 1883 eine allgemeine Geflügel- und Vogelausstellung, die mit einer Verloosung verbunden sein wird. Zur Ausstellung werden zuge- lassen: Hühner, Perlhühner, Fasanen, Truthühner, (Enten, Gänfe, Tauben, tin- und ausländische Sing- und Ziervögel, ferner ausgestopfte Vögel, geschlachtetes, gemästetes Geflügel, Geräthschaftea, (z. B. Brutapparate, künftlihe Glucken) sowie Produkte, die zur Zucht dienen, cndlich dic Fachliteratur. Die zur Ausstellung bestimmten Thiere und Gegenstände müssen längstens bis zum 15, April bei dem Vereins- Präsidenten Frhrn. von Berg in Straßburg i. E., Lazarethwallstraße 1, angemeldet werden. :
Nizza, 3, April. (W. T. B,) Während des Gottesdienstes brach heute in der Kirche Feuer aus, wodurch eine große Panik entstand. Beim Herausdrängen aus der Kirche wurden 20 Perfonen verwundet, darunter mehrere tödtlich; cine Person kam bei dem Unfall ums Leben.
Poltawa, 3. April. (W. T. B.) Die Uebers{hwemmung in der Umgegend nimmt einen besorgnißerregenden Charakter an. Die Verbindung mit Charkow ift seit 4 Tagen, die mit Krements{ug seit aht Tagen unterbrochen. Die zwei Werst von Poltawa befind» liche eisecne Brücke ist durch das Wasser beschädigt worden. Viele Passagiere befinden sich in Kobeljak.
Im Opernhause kamen gestern neu einstudirt „Die Kren- diamanten“ von Auber nah 12jähriger Unterbrehung wieder zur Aufführung, vermochten jedo das mit großen Erwartungen zahlreich erschienene Publikum nicht so recht zu erwärmen. Das Werk stammt aus der späteren Schaffenszeit des liebenswürdigen franzöf:schen Meisters und trägt deutlih die Spuren des Alters an sih. Der Fluß der Melodien is \chwerer, ihre Erfindung nit so reih und anmuthig wie in den früheren Werken, ja häufig geradezu trivial. Das E, Textbuch aber ist von einer romantischen Äbenteuer- lihkeit, welhe vor dem modernen Skepticismus einen {weren Stand hat. Gleihwohl würde das zterliche Werk, mit der rechten Verve, welche die französische Spieloper verlangt und von einem flotten N gespielt, gewiß seine Wirkung nicht verfehlt haben ; indessen trafen in dieser Beziehung eigentlich nur Hr. Salomon (Bazano), der sih auch um die Inscenirung verdient gemacht hat, und Hr. Ernst (Enriquez) den angemessenen leihten Ton. Frl. Tagliana, die Trägerin der Hauptrolle der Theophila, erschien niht günstiz disponirt oder hat an ihrem Organ starke Einbuße erlitten. Als technisch durchgebildete Koloratursängerin fand fie jedoch mit einer italienisch gesungenen Einlage wohlverdienten Beifall. Sehr anmuthig war Frl. Pollack als Diana, welche namentlich in dem Duett mit Theophila im zweiten Akt excellirte. Auch Hr. Krolop nahm die gesanglich nicht eben be- deutende Partie des Rebolledo etwas zu schwer und gewichtig, zeichnete si aber im Dialog durch eine besonders sonore und deutiiche Aus- sprache aus. — Ob die Oper sih auf dem Repertoire erhalten wird, läßt sih nach der lauen Aufnahme {wer vorauss\agen.
Am Montag, dea 9. d. Mts., Abends 7x Uhr, findet im Saale der Sing-Akademie das s. Abonnements-Concert des Phil- harmonishen Orchesters unter Direktion des Prof. Joacbim statt. Zum Vortrage gelangen: 1) F. S. Bac, Concert für Violine (A-moll), Prof. Joachim. 2) Mendelsfohn, Sinfonie (A-moll). 3) Brahms, Akademische Fest Ouverture. — Scumann, ae (B-dur). Billets zu 3 und 2 A sind in der Sing-Akademie zu haben.
Redacteur: Niedel.
Verlag der Erpedition (Kessel). Druck! W. Elsner. Vier Beilagen (eins{ließli4 Börsen-Beilage), und das Postblatt Nr. 2.
Bexclin:
A 79. Nichtamklickes.
Preußen. Berlin, 4. April. Jm weiteren Ver- laufe der gestrigen (56.) Sißung des Reichstags trat das Haus in die erste Berathung eines Gesetzes, betreffend die Abänderung des Zolltarifs (Holzzöle) ein.
Die Zollsäße betrugen bisher seit dem 1. Oktober 1879 für Bau- und Nugzholz roh oder nur mit der Axt bearbeitet 0,10 V für 100 kg, für Bohlen, Bretter, Faßholz 0,25 M für 100 kg. Geschnittene Fourniere 6 #4 für 100 kg, Korb- Walden und Reifenstäbe ungeschält 0,25 #, geschält 3 M für
00 kg.
Der 8. 1 des neuen Gesetzes lautet :
„An die Stelle der Nr. 13e. des Zolltarifs treten folgende Bestimmungen: :
Bau: und Nutßholz wird verzollt: 1) roh oder blos mit der Art vorgearbeitet 100 kg 0,30 4 oder 1 fm 1,80 A, 2) gefägt oder auf anderem Wege vorgearbeitet oder zerkleinert ; Faßdauben und ähnlihe Säge- oder Schnittwaaren, auch ungescälte Korb- weiden und Reifenstäbe : 100 kg 0,70 4, oder 1 fn 4,20 M.
Anmerkung zu c. 1 und 2. Mengen von nicht mehr als 50 kg, niht mit der Eisenbahn eingehend, für Bewohner des Grenz- bezirks, vorbehaltlih der im Falle eines Mißbrauchs örtlih anzu- ordnenden Aufhebung der Beschränkung dieser Begünstigung frei.“
Demgemäß soll also der Zoll für rohe oder mit der Axt bearbeitete Hölzer auf das Dreifache, der für Bohlen, Bretter, Faßdauben und ungeschälte Korbweiden von 0,25 #4 auf 0,70 M erhöht werden, dagegen die höheren Zollsäße für Fourniere und geshäàlte Korbweiden bestehen bleiben.
Der Kommissar des Bundesraths, Ober-Forstmeister Dr. Dantdckelmann, erklärte, der Gedankengang, welcher die Regie- rung zu dieser Vorlage geführt habe, lasse sih kurz in Fol- gendem zusammenfassen : Die deutsche Waldwirthschast befinde sih in einer Nothlage, hauptsächlich in Folge von Einfuhr ausländischen Holzes. Die bisherigen Holzzölle hätten keinen wesentlihen Nutzen gebracht, dagegen werde ein solcher Nutzen von der hier vorgeshlagenen Erhöhung der Zölle erwartet. Die durch den Zoll belasteten Erwerbsklassen seien im Stande, den erhöhten Zoll zu tragen. Es handle sih in der That hier um die Frage, ob die deutsche Waldwirthschast mut ihren 14 Millionen Hektaren intakt bleiben solle oder niht. Die Waldreinerträge aus Nugtholz seien in Deutschland vielfach bis unter den Nullpunkt gesunken, so daß der Betrieb der Wald- wirthschaft stellenweise mehr koste als einbringe. Man dürfe hier nur nicht den überspannten Maßstab der sogenannten Gründer- jahre anlegen. Wenn man aber die heutigen Verhält: nisse mit denen der Jahre 1862—65 vergleiche, wo auch Holz- zölle bestanden hätten, so sci das Ergebniß geradezu entmuthi-
end für Jeden, der den engen Zusammenhang zwischen der Wohlfahrt des Waldes und des Landes kenne. Die Wald- reinerträge seien nämlich seit jener Zeit gesunken, in den Staatsforsten Preußens von 100 auf 89, in Bayern auf 83, in Baden auf 77, in Württemberg auf 66, in Gotha auf 60, in Hessen auf 54. Jndessen wolle er das Haus mit diesen Spezialverhältnissen nicht länger in Anspruch nehmen. Er wiederhole ausdrüElich, unter dec Zusammenwirkung der tief gesunkenen Nußholzpreise einerseits, der stets gestiegenen Witrthchaftskosten andererseits sei in vielen Gegenden Deutsch: lands die Waidwirthschaft eine Verlustwirthschaft geworden. Der Waldboden trage dort niht nur keine Rente, son- dern decke sogar niht einmal mehr die Wirthschafts- Losten. Der einer Gemeinde im Osten gehörige Stadtwald, der an zwei Chausseen und zwei Eisen- bahnen und an der großen Wasserstraße licge, auf der jährlich 200 000 fm galizishen Nußzßholzes in die waldreihe Mark Brandenburg eingeführt würden, dieser Wald koste der Gemeinde pro Hektar bereits 30 # Zubuße. Derselbe sei allerdings auf nur mittelmäßigem Boden gelegen. Troßdem pflege die Gemeinde den Wald auch jeßt noch, obgleich sie 200 Proz. der Staatssteuern an Kommunalsteuern zahle, unter dem Zwange des Gemeindewaldgeseßes und in der Hoffnung auf bessere Zeiten. Die jeßige Forstwirthschaft lebe ja Überhaupt nur noch von den Errungenschaften der Ver- gangenheit und der Hoffnung auf die Zukunft. Der Nothstand, an den! die deutshe Waldwirthschaft kranke, hänge mit verschie- denen theils vorübergehenden, theils dauernden Ursachen zu- sammen. Zu den vorübergehenden gehöre die allgemeine wirth- schaftliche Krise; sie sei deshalb hier weniger von Bedeutung, weil die Waldwirthschaft der Spekulation nicht sehr zugänglich ei. Dauernde und tief eingreifende Ursachen des Nothstandes eien aber die steigende Verwendung der Mineralkohle als
rennmaterial und des Eisens für baulihe Zwecke, wodur Brennho!z und Nuzholz immer mehr zurückgedrängt würden. Hiergegen könne Seitens der Verwaltung Nichts gethan werden. Dagegen müsse das Haus um so entschiedener den Hebel an dem Punkt ansetßen, wo es wirklih zur Beseitigung der Noth beitragen könne; man müsse Maßregeln treffen gegen die Ueberfüllung des einheimischen Marktes mit ausländishem Nugzholze. Diese starke cane i entspringe nicht einem volfkswirthschaftlihen Bedürfnisse, sondern sei großentheils künstlih dur Spekulation und durch ausländishe Raub- wirthschaft herbeigeführt worden. Noch vor 20 Jahren sei die Ausfuhr an Nugzholz aus dem deutschen Zollgebiet größer als die Einfuhr gewesen. Seit der fast gänzlihen Beseitigung der Holz- zólle im Jahre 1865 sei die deutshe Waldwirthschaft im Rückgange. Der Holzzoll, den man im Jahre 1879 zur Erhaltung der Wälder eingeführt habe, habe wenig oder nichts genügt. Der Widerspruch, der si von freihändlerisher Seite gegen jenen
oll erhoben have, sei denn auch mehr gegen das Prinzip an ih, als gegen die Höhe des Zolls gerichtet; und wenn die Regierung nicht {hon damals einen höheren Zollsay in Vor- \hlag gebracht habe, so habe sie dies nur in der Hoffnung gethan, die in Verbindung mit der Zollreform durchgeführte Befoitigung der Differentialtarife und der Refaktien auf den Eisenbahnen würde auch jenen niedrigen Zoll wirksam machen. Jn dieser Hoffnung habe man sih getäuscht. Alle sachverstän- digen Fachleute seien darin einig, daß der Holzzoll von 1879 zu niedrig gewesen sei, um die übermäßige Holzeinfuhr etwas zurücckzudrängen. Das beweise das fast einstimmige Votum der Versammlung deutsher Forstwirthe am 31. August v. J. Die Regierung sei daher zu der Ueber-
Erste Beilage zum Deutschen Reihs-Anzeiger und Königlih Preußischen Staats-Anzeiger.
Berlin, Mittwoch, den 4. April
zeugung gelangt, daß das einzig wirksame Mittel gegen den Noth- stand der Waldwirthshaft die Zollerhöhung sei, Selbst wenn man den Zollgegnern zugestehe, daß, Zölle an si ein Uebel seien, würde es sih hier doch nur darum handeln, ein geringeres Uebel zuzulassen, um ein weit größeres, nämlih den Verfall des Waldes und das Versiegen der im Walde liegenden Quellen des Volkswohlstandes zu verhüten. Jn Rußland, Oesterreih, Schweden und Norwegen, überall hätten die Einnahmen aus den Forsten gewaltig zugenommen. Die betreffenden Ziffern ließen auch keineswegs die Erwartung aufkommen, als ob die ausländische Einfuhr in Folge des Ruins der dortigen Wälder sih in absehbarer Zeit ver- mindern werde. Ganz entschieden müsse er b: streiten, daß der Zoll zur Waldverwüstung beitragen werde. Wann würden denn die Wälder verwüstet? Nicht bei angemessenen Holz- preisen, sondern be: Schleuderpreisen, wenn die Besitzer ge- nöthigt seien, um bestimmte Geldsummen zu erlangen, große Waldpartien auszuroden, und wenn die Ertraglosigkeit des Waldes zur Unterlassung des Wiederanbaues führe. Db nun die vorgeshlagenen Zölle ge:üzen wür- den um dem Absag des inlänzishen Nutholzes Naum zu schaffen, ohne mehr wie nöthig das ausländische zurück- zudrängen, das zu prüfen, werde Sache der Spezialdiskussion jein. Er bemerke nur, daß die vorgeshlagenen Zollsäße 10 Proz. niedriger sien, als diejenigen, welhe von den be- treffenden Jnteressenten im Jahre 1879 als angemessen be- zeichnet seien. Auch in Dänemark, Belgien, den Vereinigten Staaten scien die Holziölle viel höher, als die Reichsregierung sie jeßt beantrage. Man könne daher den vorgeschlagenen Zollsaß als einen sehr mäßigen ansehen. Die Negierung sei fich voll bewußt, daß nit blos die Nothlage der Waldwirth- schaft, sondern auc die Rückwirkung der Zölle auf die übrigen Zweige des Lebens und Erwerbs sorgfältig zu berücksichtigen sei, Welche Jnteressentengruppen träten aber gegen und welche für die Holzzöôle ein? Gegen die Holzzölle wende sih nur eine kleine, aber mächtige Partei ; Vertreter des Großkapitals, des ausländishen Hoalzhandels und der See:Fndustrie, so- wie die Besißer der großen Dampfsägewerke an den Wasserstraßen, welche das ausländische Holz passire. Diesen gegenüber ständen die weit zahlreiheren Vertreter des Handels und der Jndustrie mit inländishem Holze. Eine Petition dieser Juteressenten aus dem bayerisczen Walde verlange sogar einen noch weit über Vorschläge ver Reichs-
regierung hinausgehenden Holzzoll. Gänzlih unbegründet fei
die Behauptung von der Unzulänglichkeit der deutsch-n Wald- wirthschaft und der Nothwendigkeit des großen Jmports. Nur völlige Unkenntniß des Waldes und der Erwerbs- verhältnisse des Landes mache jene Behauptung möglih. Auf diesem Gebiete tönne leiht der vorgeschlagene Schußzoll ein Belehrungszoll für nationale Vorurtheile werden. Denjenigen, welche Deutschland zumutheten, den Nothstand ruhig weiter zu ertragen, sage er noch, daß die deutshe Holzindustrie kein shwererer Sehlag treffen könnte, als wenn die Waldeigen- thümer genöthigt würden, ihren Forstbetrieb einzu- stellen. Es werde ferner behauptet, der Holzzoll sei ein bloßes beneficium für die Großgrundbesißer, und eine Last für die Gesammtheit. Diese Behauptung habe mit manchen anderen das gemein, daß ihre Wirkung zunehme mit der All- gemeinheit der Fassuna. Solche Behauptungen könne man nur mit Zahlen und Thatsachen widerlegen. Nach der Sta- tistik des deutschen Fabrikbesizstandes gehörten von den ze- sammten Forsten Deutschlands dem Staate 32 Proz., den Ge- meinden 19 Proz., dem Kleingrundbesiß 28 Proz. Es ver- blieben somit für den Großgrundbesiß nur 21 Proz. aller Forsten. Gerade für den Wald der Bauern und kleinen Leute sei der Holzzoll imi höchsten Grade wichtig. Der Wald gebe dem Kleingrundbesiger sehr oft die Mittel, um Verluste auf anderen Gebieten auszugleihen. Daher denn auch die vielen Petitionen von Kleingrundbesizern zu Gunsten der Holzzölle. „Die Noth babe die Kleingrundbesißer beredt gemacht“, heiße es in einer dieser Petitionen; und in der That werde darin klar und deutlih bewiesen, wie einerseits durch das Aufhören der Ho!zkohlenindustrie in vielen Bezirken, andererseits dur die Einfuhr fremden Brenn- und Nuyholzes viele kleine Waldkesißer dem Ruin entgegengeführt würden, wenn ihnen niht Hülfe komme. Man verweise auf die Vertheuerung des Holzes für den Konsumenten durch den Zoll. Brennholz scheide hier ja aus; für Brennholz wolle die Reichsregierung keinen höheren Zoll. Der Zoll auf Nugholz aber könnte den Miethswerth einer Arbeiterwohnung äußerstenfals um 2 M jährlih steigern, und auch der Preis für das Mobiliar einex Arbeiterwohnung könnte höchstens um zwei Mark im Ganzen dadur erhöht werden. Die Hauptsache aber bleibe doch, daß der Wald der Träger von Arbeit sei, auch der Wald der Großgrundbesizer. Der deutshe Wald liefere einer Million Menschen das tägliche Brot ; derselbe gebe zahlreichen kleinen ländlichen Besißern die Möglichkeit einer selbständigen Fort- existenz; derselbe trage allenthalben zur Milderung der Armuth bei. Nach den Rehnungen, welche in den Staatsforsten von Preußen, Bayern, Sachsen, Elsaß-Lothringen, Württemberg und Baden in den leßten Jahren geführt worden seien, lasse sih der Arbeitsverdienst der Waldarbeiter in diesen Forsten veranschlagen für Holzfällung u. \. w. auf 57 Millionen Mark, für Holzanbau und Wegebau auf 34 Millionen Mark, im Ganzen für Waldarbeit auf 91 Millionen Mark, Dazu komme der Arbeitsverdienst für Waldnebennußzungen mit min- destens 20 Millionen Mark und verschiedene andere Vortheile, die der Wald den Tage- und Handarbeitern gewähre. Jm Ganzen werde man nicht zu hoh gegriffen haben, wenn man die Gesammtleistung des Waldes für diese Leute auf jährlih 189 Millionen Mark shäße. Drei Viertel dieser Arbeit falle dabei in den Winter hinein, wo sonst auf dem Lande der Er- werb großentheils ruhe. Was bedeute dieser sozialen Leistung des Waldes gegenüber der Nutzen, den die arbeitenden Klassen etwa aus dem Engroshandel mit ausländishem Holz ziehen könnten? Welche Aussihten eröffneten sich für Deutschland, wenn durch den Verfall der Waldwirthschaft ein großer Theil deutsher Urbeiterbevölkerung brotlos werde? Wenn man die Gerechtigkeit einer Last nah ihrer Nothwendigkeit, der Art ihrer Vertheilung und ihrer Gemeinnügßigkeit abmesse, so müsse
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man sagen, kein Zoll sei gerechter als der Holzzoll. Derselbe ver- theile sich, so weit ihn überhaupt die Nation trage, auf eine große Gesammtheit; der Zoll sei nothwendig für die Erhaltung des Waldes, und von den Gütern der Nation sei gerade der Wald vielleicht das gemeinnügzigste; der Wald als nationaler Arbeitgeber, als Schug vor der verheerenden Wirkung der Hochwasser. Den Vortheilen gegenüber, welche den Deutschen die Erhaltung des Waldes bringe, vershwinde das Opfer der vorgeschlagenen Zollbelastung geradezu als winzig. Die Holz- z¿ôlle seien in der That besser als ihr Ruf; sie nüßten dem Walde und dadurch der Gesammtheit, und könnten von der Holzindustrie und dem Holzhandel sehr wohl getragen werden. Die Holzkonsumenten würden durch den Zoll nicht fühlbar belastet ; die Arbeiter aber bedürjten seiner. Es sei die Noth der Gegenwart, welhe den Vorschlag des Nußtholzzoll-s ins Leben gerufen habe. Er könne das Haus zum Schluß nur darum bitten, indem er sich an den von Parteistellungen un» abhängigen Sinn für den Wald wende, die Zollerhöhung zu bewilligen und dadurch für die Zukunft der gesammten Nation einen wesentlihen Schritt zum Besseren zu thun.
Der Abg. Dechelhäuser wandte sih gegen die Ausführungen des Kommissacs. Die Rede desselben sei mehr ein Plaidoyer für die Waldbesiger, als für die Holzkonsumenten. Bei einer gerehten Beurtheilung der Sahe müsse man doch aber die einander gegenüber stehenden Jateressen abwägen. Der Koni- missar behaupte einen Nothstand. Er werde sich an die Zahlen der Dandelmannschen Broschüre halten, denen er allerdings eine andere Würdigung angedeihen lasse, als der Kommissar. Wenn die Vorlage lediglih an die preußishen Verhältnisse anknaüpfe und es sür zulässig erkläre, von den preußischen Waldretinerträgen auf diejenigen der übrigen Staaten des deutschen Neiches zu shließen, so sei das eine vollständig un- rihtige Auffassung. Denn während 1880 der Reinertrag pro Hektar sih in Preußen auf 9,24 A gestellt habe, habe der Reinertrag in Brau-shweig 13, Hessen 16, Baiern 19, Elsaß - Lothringen 23, Baden 24, Würt- temberg 27, Gotha 29, Sachsen 40 # crgeben, also Erträge, die um 38 bis 360 Prozent höher seien, als in Preußen. Ueberhaupt seien durchschnittlich in den übrigen deutschen Staaten die Neinerträge 120 Prozent höher als in Preußen. Er sei kein Partikularist, aber er müsse do sagen, daß der Holzzoll, lediglih im Junteresse Preußens eingeführt, eine unnöthige Belastung der übrigen deutshe.n Unterthanen herbeiführen würde. Die Broschüre des Kommissars nehme das Jahr 1865 als- Wendepunkt, als den Abschluß der Schuh- zollperiode an. Das Jahr 1865 sei aber nicht das legte Jahr der Schutzollperiode, fondern [das erste der Freihandelsperiode. Mit dem 1. Juni 1865 feien dic neuen Zolsäge in Krast getreten und die Einfuhr im ersten Halbjahr sei cine ganz geringfügige gewesen. Ueberhaupt sei der Holzzoll damals kaum ein Schuß- zoll zu nennen gewesen. Das Erträgniß des Jahres 1865 sei auch ausnahmsweise hoh. Die Differentialzölle zwischen Eng- lanò und Kanada hätten aufgehört, deutsches Z9!z sci massenhast nah England geströmt, so daß der Unterschied-.in der Aus- fubr preußischen Nuzßholzes nah England gegen früher 85 Pro- zent betragen habe. Außerdem falle in diese Zeit die Bauperiode der Eisenbahnen. Darin und nicht in den Schußzöllen titge das hohe Erträgniß des Jahres 1865. Jm Jahre 1864 habe der Ertrag 9,02 A betragen, während derselbe 1881/82 sich auf 10,05 M gestellt habe, also um mehr als 11 Proz. höher. Die sogenannte Freihandelsperiode habe gleich mit dem Kriegsjahre 1866 begonnen, dann sei der deuts(-französische Krieg gefolgt. Hierauf sei allerdings der Aufschwung der Gründerjahre gekommen, die man jeßt niht genug mit S&mußtß bewerfen zu können glaube, während man andererseits eine große Neigung habe, die Preise jener Zeit wieder hervorzu- rufen. Die Behauptungen des Kommissars von dem Nück- gange der Erträgnisse sei nur dann richtig, wenn man die hohen Erträge der Schwindeljahre, namentlich 1876 mit 11,56 / zum Anhaltspunkt nehme. Wolle man die Frei- handelszeit mit richtigen Durchschnittszahlen würdigen, dann tichme man den Durchschnitt dieser 15 Jahre, welcher einen Reinertrag von: 9/6 ergebe, während die 15 Jahre der Schutzollperiode 6,23 (6, ergeben, also eine Steigerung um 2,77 Á6 oder 44 Prozeat. Wie sih damit die Behauptung vertrage, daß die Ertrëgnisse des Waldes in der Freihandels- zeit zurückgegangen seien, sei unbegreiflich. Es habe also eine Steigerung stattgefunden gegen 1879 um nicht weniger als 2,32 s oder 30 Proz., in Preußen und Bayern zusammen- genommen, welche ?/, des deutschen Waldes besäßen, stelle sih der Fortschritt auf 27 Proz., auh in den übrigen Staaten habe sich ein bedeutender Fortschritt ergeben, der sih zwischen 20 und 70 Proz. bewege; nur in Elsaß-Lothringen und in Hessen habe ein Rückgang stattgefunden, dex aber nit durch die Konkurrenz des Auslandes, fondern durch die Bayerns und Badens bedingt sei. Wenn man die von ihm angeführ- ten Zahlen annehme, und das arithmetische Mittel ziehe, fo fomme man darauf, daß von 1879 bis 1882 ein durhshritt- lihes Steigen von 25 Proz. stattgefunden habe ; diese Zahlen seien aus der Syrift des Kommissars entnommen. Wenn der Regierungskommissar andere Zahlen ansühre, so fomme das nur daher, daß derselve niht das Jahr 1879, sondern ein früheres als Abschlußjahr ange- nommen hade, namentlich das leßte Gründerjahr, wo der Reinertrag 11,56 # betragen habe; man habe aber 1882 einen Reinertrag von 10,02 # gehabt, der nur în den vier Schwindeljahren von 1873 bis 1876 und einmal im Jahre 1856 übertroffen worden sei. Wenn man daraus eine stei- gende Noth herleiten wollte, so müßte diese {on scit 20 Jahren gemerkt worden fein — troßdem sei ter Ertrag des deutschen Waldes immer gestiegen. Wenn bei 5, 6, 8 M von einer Nothlage nicht die Rede gewesen sei, wie fönne bei 10 M eine solche existiren? Jn den Motiven fei mit dankens- wert)er Offenheit gesagt worden, die Zölle von 1879 hätten nicht prohibitiv genug gewirkt, der Zou habe weder eine Verminderung der Einfuhr, noch eine Erhöhung der Rente herbeigeführt, es würden zum Beweise die Zahlen der Mehr- einfuhr angeführt; wenn man aber die Mehreinfuhr mit der
esteigerten Produktion in Beziehung bringe, \o stelle si die- elbe auf ungefähr 12 Proz. Vergleihe man aber mit dem