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seße beiden Stände- Versammlungen vorzulegen seien, und es würde obne cin dem entsprechendes Verfahren auch kaum ein Feld der Wirksamkeit für die Stände in dem einen oder dem anderen dieser Herzogthümer sih haben erôffnen lassen. Auch noch in der Diät von 1853 wurden der Stände-Versamm- lung allgemeine Geseße, namentlich betreffend die Zolleinheit der Monarchie, die allgemeine Wehrpflicht, das Post- und das Münzwesen, vorgelegt. Wenn daher eine gegentheilige Ansicht, wonach der Wirkungskreis der Stände auf die ausschließlich für das Herzogthum Holstein bestimmten Gesez-Entwürfe nah Maßgabe des Geseßes vom 28. Mai 1831 beschränkt gewesen sein sol, selbst von dem nunmehr abgetretenen Minister für Holstein im Reichsrath aufgestellt worden ist, so hat die Kühnheit einer folchen Vehauptung wohl Verwunderung erregen, gewiß aber feinen Un- befangenen überzeugen können. i Der Vollständigkeit wegen möge auch das noch erwähnt werden, daß es wohl versucht worden ist, aus dem Begriffe eines Gesammtstaates Con sequenzen, namentlich zu dem Zwecke zu ziehen, um den Einfluß der Pro vinzialstände auf Gegenstände von speciellem holsteinischen Juteresse zu be schränken, Es geben aber die Geseße, auf welche es noch ummer bei Be urtbeilung solcher Fragen hauptsächlich ankommt, keinen Anhalt für eine dahin führende Znterpretation, und es hat auch unverkennbar an den wesentlichen Merkmalen eines folchen Begriffs stets gefehlt. „ür die Succession im Negentenstamme der in der dänischen Monarchie vereinigten Landestheile waren bekanntlich Bestimmungen von so zweifelhafter Art borbanden, daß es für nothwendig erachtet wurde, dieselben auf dem Wege eines vöôlkerrechtlichen Traktats zu reguliren. : f i Jm Gegensaß zwischen Dänemark und den Herzogthümern fand eine fast vollständige Verschiedenheit in der Geseßgebung und nur theilweise Uebereinstimmung in der Verwaltung statt. i i E Die Finanzen, die Armee und die Flotte bildeten allerdings eino Ein- beit, aber nit in der Art, daß sie unter der Herrschaft gleichmäßiger Ge fekgebung gebildet waren. Jm Gegentheil, man ließ bis in die neueste Zeit den eigenthümlichen Verhältnissen der verschiedenen Theile der Mo narcie aud in diesen Beziehungen Gerechtigkeit widerfahren. Das Steuer wesen, das indirekte sowohl, wie das direkte, war ein durchaus verschiede nes im Königreiche und in den Kerzogthümern, fo auch die Gosetzgebung in Vetreff der Aushebung zur Armee. Rü@&sichtlich der Flotte wurde die Enrollirung ers im Jahre 1838 in allen Landestheilen auf gleichen Einheit erschienen Finanzen, Armee und Flotte insofern, als fie - derselben fsouveränen Gce- walt unterworfen waren, und daß diese in allen Theilen des Neichs in ungefähr gleicher Weise ausgeübt ward. -Das ZJnstitut der Provinzial- stände änderte an dem Umfange der Souveränetätsrechte im Wesentlichen nichts, wohl aber das Grundgeseß für das Königreich Dänemark vom O. Juni 1849, Durch dieses Grundgeseß hatte das eigentliche Königreich Dänemark sein Verfassungswerk für sich abgeschlossen, und auf diesem Wege war das System der Majorität in der Volksvertretung in die Be rechtigung eingetreten, bei Ausübung der bisher dem Souverän allein ustehenden Gewalt mitzuwirken. Der ge\sammtstaatliche Charakter der Monarchie trat also nicht mehr in der Einheit der souveränen Gewalt bervor, und welche Konsequenzen zum Zweck der Beschränkung der stän dischen Wirksamkeit aus dem gefammtstaatlichen Charakter auch hätten gezogen tverden können — jeßt konnten sie jedenfalls keine Anwendung mebr finden. : 2 Wenn nun die Abgrenzung der provinzialständischen Kompetenz in Holstein nah den Grundzügen der gemeinsamen Verfassung in Frage stand, b war es nicht allein der dem Umfange nach bedeutend verminderte Ein-
Fuß gesetzt. Als n" U Bt Ar
uß auf die Leitung der öffentlichen Angelegenheiten, wodurch sich die Vrovinzialstände für gravirt erachteten, sondern auch die Uebertragung des ibnen entzogenen Theiles ihrer Thätigkeit auf eine Minorität in der gemeinsamen Volksvertretung. Die Konstituirung einer solchen gemein- chaftlien Volksvertretung und die Uebertragung eines Theiles der bis dabin ungetheilten Souverainetät an eine solche hätte, wie schon bemerkt,
im Hinblick auf dic Geseze von 1831 und 1834, auf dem Wege einer ver- fafungsmäßigen Verhandlung mit den Ständen geceben müssen.
Aus diesem Grunde bat au cin wesentliher Tbeil der aus den Herzogthümern zur -gemeinschaftlichen Volksvertretung Berufenen sich jedes Aktes ausdrü&cklicher Anerkennung der Gesammtverfassung enthalten, da-
ngegen die dargebotene, den Vrobinzialständen bisher entzogene Gelegen-
{t zum Remonftriren wider den rechtlicen Bestand der Gesammtverfassung der erften Versammlung des auf Grund der Verordnung vom 2, Ok- 1859 berufenen Reichsraths benußt.
Es folgt bieraus, daß die Stellung des Herzogtbums Holstein in einem zu bildenden Gesammtftaat, bei rebtliber Fortentwickelung der be- stebenden Verhältnisse, niht ohne Mitwirkung der Stände bestimmt werden konnte, und es ift die gemeinsame Verfassung im Ganzen und die Sonder- verfassung von 1854, insoweit fie die ständische Kompetenz vermindert, auf cine den Geretsamen des Landes nit entsprechende Weise entstanden.
Der Artikel 56 der wiencr Schlußakte vom 15. Mai 1820 {ütt Verfas- sungen, die in anerkannter Wirksamkeit bestehen, und es werden in GBe- mäßheit dieses Artikels die auf nicht verfafsungêmäßigem Wege ent®an- denen Veränderungen in olen Verfassungen , so wie die faktisch an die Stelle derselben getretenen Anordnungen, mitbin das Verfassungsgeseh für die besonderen Angelegenbeiten vom 11 Juni 1854 in seinen §§. 1 bis 6, ferner die Allerböfte Bekanntmachung vom 23. Juni 1856, be- treffend eine nähere Vestimmunga der besonderen Anaelegenheiten, endlich das Verfassungsgesez für die aemeinschaftlicen Angelegenheiten vom 2. Oktober 1855 und das Wablgesez von demselben Dato , rücksi{tlih des Herzogthums | RNecbt bestehend nit éetrahtet werden tönnen.
Wenden wir uns nun zur zweiten der im Eingange unseres Berichts aufgestellten Fragen, so glauben wir mit Sicherbeit von der Borauésezung ausgehen zu dürfen, daß sämmtliche Mitglieder der Versammluna mit uns darin einverstanden sein werden, daß, wenn diese Frage fich dabin beant- worten ließe, daß die Jnteressen des Herzogthums Holstein in seiner jeßi- gen Stellung zur Gesommt - Monarchie auf befriedigende Weise wahrge
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nommen und gefichert seien, von der Art der Entstehung der, wenn auch nicht auf verfasfungömäßigem Wege, ins Leben gerufe nen Anordnungen abgesehen werden müsse. Denn gewiß wird Niemand in der Versammlung auf ein Recht bestehen wollen, lediglich weil er es als solhes- erkennt, sondern Jeder wird uur dann den Rechtspunkt als einen wesentlichen her- vorzuheben geneigt sein, wenn er sih durch die Jnterefsen des Landes, welchem er angehört und welches er zu vertreten hat, dazu verpflichtet er- achtet. Bei solcher Erkenntniß wird aber auch Jeder sih um so dringen- der dazu aufgefordert finden, je lebhafter in ihm das Bewußtsein wach ift, daß durch das Wohlsein jedes Landestheils, welcher der Monarchie- ange
hört, das Wohlsein der übrigen Theile wesentlich bedingt ist. Es ist ferne von uns, bei diesen Betrachtungen auf Verhältnisse zurückzugehen, welche einen tief eingreifenden Bruch haben erdulden müssen, und zu deren Auflösung, wie solches die Ständeversammlung von 1833 ausgesprochen hat, so auch wohl jeßt kein Mitglied der Versammlung die Hand hätte bieten mögen. Wir müssen es der Zeit überlassen, ob und wann sich ein
mal vorurtheilsfreie Vorstellungen die Bahn wieder brechen und es ge
statten werden, daß einer natürlichen Entwickelung ihre Berechtigung wie
der zu Theil werde, daß es namentlich erkannt werde, daß das, was sich unter dem Vorherrschen gleicher Nationalität und gleicher Verhältnisse in den ver
\chiedenartigsten Lebensbeziehungen der Völker natürlih entwickelt hat, auch das Zweckmäßigste, und daß gerade in solcher Anerkenntniß das beste Mittel zu finden sei, um die verschiedenen in der dänischen Monarchie vorhandenen Elemente zu einem gemeinsamen, auf die Wohlfahrt des Ganzen gerichteten Streben zu vereinen. Wir dürfen uns nur erlauben, der Versammlung zu empfehlen, daß sie diejenigen Gesichtspunkte ins Auge fasse, welche auch bei der jeßigen Sachlage unbestrittene Anerkennung finden müssen.
Unbestritten aber ist es, daß dem Herzogthum Holstein eine Selbst- ständigkeit, den übrigen Theilen der Monarchie gegenüber, und (Hleicbbe rechtigung mit denselben gebührt, Wenn wir es nun einer Erörterung unterziehen, ob diesen Forderungen Genüge geleistet sei, so werden wir zunächst dem Einwande begegnen müssen, als ob dadurch auf ein der Bersammlung unbeikommendes Gebiet hinübergegriffen werde.
Beabsfichtigten wir, auf die Veränderung von Zuständen hinzuwirken, welche sich in andern Theilen der Monarchie auf der Bahn des rechtlichen Fortschritts entwickelt haben, käme es uns in den Sinn, die Schmälerung von Nechten und Befugnissen zu beantragen, auf deren wohlerworbenen Bosiß die Entwickelung des staatsbürgerlichen Lebens in andern Theilen der Monarchie basirt ist: dann allerdings würden wir bex das Ziel un ferer Aufgabe und Befugniß hinausgehen. Es ist dies aber nicht die Absicht. Es ist nur unsex Zweck, gegebene Thatsachen als solche hinzu- stellen, in die Augen fallende Verschiedenheiten hervorzuheben, um daraus die Bedingungen für ein harmonisches Ganze herzuleiten, und dieses Ver- fahren erscheint durch die innere Nothwendigkeit gerechtfertigt.
Schon bei früheren ständischen Berathungen und im Eingange diefes Berichts ist darauf hingewiesen worden, daß ein Verfassungsgesehz für die besonderen Angelegenheiten eines Landes ohne Nücksicht auf die übrigen Verfassung8-Verhältnisse desselben nicht eingehend und erschöpfend geprüft werden könne. Die Megelung der wichtigsten Berwaltungszweige, wie z. B. des Finanz-, Heer- und Münzwesens, äußert mit Nothwendigkeit ihren Einfluß bis zu den äußersten Grenzen jeder speziellen staatsbürger- lichen Thätigkeit und amtlichen Wirksamkeit. Es ist daher eine höchst schwierige Aufgabe, aus mehreren, in verschiedener Berechtigung und Geseßgebung dastehenden Staatstheilen Verwaltungs - Gegenstände von solcher Bedeutung, wie beispielsweise oben angeführt wurden, zu einer gemeinsamen Behandlung und Erledigung zu verweisen, ohne dadurch die Selbstständigkeit Desjenigen zu gefährden, was zur separaten Existenz und Fortentwickelung verbleiben soll. Eine solche Aufgabe kann in befriedi- gender Weise gelöst werden, wenn entweder vermöge einer gleichen oder ähnlich gearteten Volksthümlichkeit die Jnteressen im Wesentlichen in ein- ander laufen, oder sich ein gehöriges Gleichgewicht unter den einzelnen Trägern der Gemeinsamfkeit herstellig machen läßt, oder endlich ein Aus- gleichung8mittel für etwaige Divergenzen in unabhängiger und daher Ver- trauen erweckender Weise vorhanden ist, Aber schon ein flüchtiger Bli auf die Verhältnisse in den verschiedenen Theilen der dänischen Monarchie, wie sie jeßt zu einander stehen, führt zu der Wahrnehmung, daß von diesen Voraussetzungen keine einzige bisher vorhanden ist.
(Schluß folgt.)
Sachsen. Weimar, 3. September. Heute fand die Grundstein- legung zu Karl Augusts Denkmal statt. Die Grundsteinlegung nahm der Großherzog persönlich vor und führte die üblichen Hammer- schläge; ihm folgte der Erbprinz, Herzog Bernhard, Herzog Herr- mann, Die Großherzogin, die Prinzessin von Preußen, die ver- wittwete Großherzogin, Prinzessin Anna wohnten dem schönen Akte bei, der von Choralmusik eröffnet und geschlossen, durch Fest- reden vom Superintendenten Stier, dem Sprecher des Comité, und dann von dem Staatsminister v. Waßdorf begleitet war.
— 4. September. Heute Mittag ist die Feier der Enthül- lung der Dichterdenkmäler vollzogen worden. Bei der Wieland's-Statue hielt Hofrath Schöll, bei der G öôthe- Schiller-Gruppe der Gymnasial-Direktor Heiland eine auf die Festlichkeit bezüglihe Rede. — Jhre K. Hoheit die Groß - herzogin hat zur Erinnerung an den gestrigen Festtag die Summe von zehntausend Thalern als Grundstein einer Anstalt für Vlinde und Taubftumme des Landes bestimmt,
Großbritannien und Jrlaund. London, 3. Septem- ber, Neuerdings haben 11 Regimenter — 7 Infanterie und 4 Kavallerie-Regimenter — Ordre bekommen, sich zum Abmarsch nah Zndien bereit zu halten, Ju den leßten Tagen sind täglich durch-
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shnittlich 500 Mann von England abgegangen; 400 M. schiffen sih morgen in Portsmouth ein.
Der „Globe“ weist die heute von „Daily News“ ausge- sprochenen Besorgnisse, daß die Minister ihre Pflichten während der Ferien verabsäumen könnten, eben so wie die gegen den Hof gerichteten Vorwürfe zurück. Es sei geschehen und geleistet worden, was nur menschenmöglich sei, und wenig würde es nüßen, wenn die Königin und die Minister sih niht von der Hauptstadt ent- fernen wöllten.
Frankreich, Paris, 3. September. Der Kassationshof hat heute die Eingabe von Charpentier und den übrigen Mithbe- shuldigten in Betreff des Nordeisenbahnactien - Diebstahls verwor- fen, — Marschall Randon ist hier eingetroffen. Jn Cherbourg wird die Ankunft einer russishen Schiffs - Division erwartet, die bereits den Sund zu Anfang dieses Monats passirt hat. — Der Generalrath des Herault-Departements hat unter Michel Chevalier's Vorsiße auch in diesem Jahre wieder seine Wünsche für die Han- delsfreiheit kundgegeben, Mehrere Generalräthe haben über das Drainirungsgeseß Klage erhoben; für Drainirung sind 100 Mil- lionen bewilligt, aber das betreffende Gesetz ist bis jeßt noch ein bloßes Stück Papier, auc ist durchaus noch kein Berwaltungs- Erlaß zur Beschleunigung der durch das Gesch verheißenen Segnun- gen erfolgt.
Türkei, Konst antinopel, 29, August. in der Moldau sollen binnen 14 Tagen erfolgen. Widdin soll neu befestigt und bewehrt werden; die Bildung einer türfischen Donau-Dampfschifffahrts-Gesellschaft wird beabsichtigt. Der Schach von Persien hat die völlige Gleicftellung muhamedanischer, christ- lier und jüdischer Staatsangehöriger und deren Zulassung zu allen Staatsämtern proklamirt. Herat ist noch immer nicht ge: räumt. Jn Khorassan liegen 50,000 Mann. Eir Muxray wurde vom Schach in dessen Sommerlager im Gebirge empfangen.
— Fn Marseille sind am Zten September Berichte aus Konstantinopel vom 26, August eingetroffen, Am 25, hatten Lord Stratford de Redcliffe und Baron Prokesch der Pforte das zwischen ihren Regierungen und den vier anderen Mächten in Be- treff der Nichtigerklärung der Wahlen in der Moldau eingetretene Einvernehmen angezeigt. Der Divan ertheilte hierauf dem Kai- makam auf telegraphischem Wege die Weisung, das Wahlgeschäft von Neuem zu beginnen,
Schweden und Norwegen. Stockholm, 31. August. Vorgestern wurde die etwas über 5 s{chwedische Meilen lange Eisen- bahnstrecke von Oerebro nach Arboga, die einen Theil der projef- tirten Linie von Köping nach Hult bildet, im Beisein der drei Königlichen Prinzen und von etwa 100 Reichstags - Ubgeordneten feierli eingeweiht.
Die Neuwahlen
Srankfurt a. M. Freitag, 4. September. (Wolff's Tel. BUr) Das „Frankfurter Journal“ enthält einé Depesche aus Bern vom Donnerstag, nah welcher der Waadtländishe Staats- rath Truppen aufgeboten hatte, um die Eisenbahnarbeiten an der Oronlinie zu verhindern. Der Bundesrath hat nun das Verbot des Staatsraths, die Arbeiten fortzuführen, aufgehoben und den Staatsrath für alle Folgen verantwortlih gemacht.
Paris, Sonnabend, 5. September, Morgens. (Wolff's Tel, Bur.) Der heutige „Constitutionnel“ fieht die Zusammenkunft der beiden Kaiser in Stuttgart als gewiß an, sagt, daß Kaiser der Franzosen in Begleitung der Kaiserin am 25. d. erwarte und daß die Ankunft des Kaisers und der Kaiserin von Nußland bereits am 24sten daselbs erfolgen werde. Der König von Württemberg ist nach Stuttgart zurückge
Gestern Abend wurden die Z3proz. auf dem Boulevard zu 67 gehandelt.
Landwirt bschGaft
— Jn einem aus den nördlichen Elbgegeuden der „Pr. Wn zugegangenen Erntebericht wird die Meinung, daß schönes, dem Ein- bringen der Ernte günstiges Wetter in der Regel auf eine große Ernt schließen lasse, nah den diesjährigen Erfahrungen für nicht begründet klärt, Das Ernte - Ergebniß im deusshen Nordwesten ist im L lgemeinen tein außergewöhnlich reiches, indem die anhaltende Trockenheit auf die Entwickelung der Saaten nicht wenig ungünstig eingewirkt bat. Der Er- trag des Weizens läßt sih im Ganzen auf 5, des Roggens auf K bis 5 der Gerste und des Hafers auf £, der Erbsen und Bobnen auf nur 7 einer Durchschnittsêrnte annehmen, Wegen der besseren Qualität des dies- jährigen Korns im Verhältniß zu der vorjährigen Ernte is indessen für
den größeren Mehlgehalt den diesjährigen Erträgen ein Zuschlag von F bis 10 pCt. anzurechnen. Wenn sonach Weizen und Roggen keine8weges \chlecht gediehen sind, so läßt ch doch ecaridiclea daß die Ausfälle an Gerste, Hafer und Hülsenfrüchten so wie namentli auch an ¿zuttergewächsen einen vermehrten Konsumo der beiden ersten Ge- treidearten herbeiführen und dadurch auf deren Preise wirken werden, Was spe- ztell dieErntein dem ha mburger Distrikteder Unterelbe und in den holítei- nischen Marschen betrifft, so ist der Weizen seit langen Jahren nicht so schön ge- rathen, als in diesem Jahre. Derselbe lieferte dort reihli eine Dnrch- schnittsernte. An der Ostküste Holfteins wird der Ertrag bei untadelhaf- ter Qualität auf 4% einer guten Durchschnittsernte ges, äßt. Das Gewicht stellt sih auf 91 bis 94 Pfund für den berliner Scheffel, Noggen wird in Holstein wenig gebaut und ist fast alljährlich Einfuhrartikel. Man erachtet den diesjährigen Ertrag für weniger, als eine Durchschnittsernte Das Gewicht beträgt 85 bis 88 Pfund für den Scheffel. Gerste qiebt in Holstein kaum eine halbe Ernte. Die Qualität ist aber s{chön und das (ewicht beläuft sich auf 77 bis 78 Pfund pro Scheffel. Hafer fällt eben- falls s{chön im Korn aus, giebt aber auch faum eine halbe Ernte. Bei Erbsen und Bohnen stellt sih eine Mißernte heraus. Nappsaat ist viel gebaut und außerordentlich gerathen. Man {äßt die Ernte in Holstein auf 7000 Last, Der Ertrag an Stroh ist höchstens halb so groß, als in gewöhulichen Fahren und der von Heu und Klee sehr \{lecht ausgefallen. Bon Den Kartoffeln verspricht man si eine gute Durhshnittsernte. n Hannober stellen sich im Ganzen die gleichen Ergebnisse heraus. Der Weizen in den Marschen liefert einen guten Durchschnittsertrag bei treffliher Qualität. Roggen ist \{ôn von Qualität und auf ck einer Durchschnittsernte anzunehmen, Hafer und Gerste geben bei guter Qua- [ität einen geringen Ertrag. Bohnen und Erbsen wurden wenig gebaut. Der Rapps ift außerordentlih gediehen, Man {äßt seinen Ertrag in Hannober und Oldenburg auf 8000 Last. :
VGewerh e-
Un9, HandelsuaPrichten
13 s) T7 j M M Li A M
Die Salpeter-Ausfuhr aus- dem Hafen (im südlichen Peru ) betrug im ersteu Viertheil des laufenden tabres 15,282 Zonnen, welche nach den zur Zeit marftgängigen Preisen einen Werth von etwa 1,300,000 Thlen. darstellen. Jn den Ebenen, welche dem Hafenplaße nahe liegen, sind seit einiger Zeit reiche Boraxlager aufgefun- den worden; die Regierung hat jedoch bis jeßt noch die Ausfuhr dieses wichtigen Artikels verboten, vermuthlich weil fie daraus ein Monopol zu machen beabsichtigt. (Pr. C,) : :
Harktpreise. ckerlin, den 5. Sentembe1 Zu Lande: Weizen 3 Thlr. 7 Sgr. 6 Pf. auch 2 Tie 19 Ser. Dr Bonten 2 Thile 3 Sor. 9 P! zue f Tüls 25 Sgr (Grosse Gerste 2 Thile 2 See. 6 Pt aueh ¿2 Iuir,. 1 Sor 3 Pf Kieine Gecste 2 Thie, auch 1 Thlr. 25 See Hat 1 Thie. 16. Ser. 3 Pf.
auch { Tbir, 10 Sgr.
Leipzig-Dresdener 314 Br. Löbau-Zit-
Leipzig, 4. September. E I. Emis-
tauer Lab, A Do Br: do. Lit, Be —. 5 7 s1on 2722 G.; do. IL. Emiss. 2455 G. Berlin - Anhaltisc Berlin- Stettiner —. Cöln - Mindener —. Thüringische 1272 G. Friedrich- Wilhelms - Nordbahn —. Altona-Kieler —. Anhalt-Dessauer Landes-
e —,
bank-Actien Litt. A. u. B. 1174 Br.; do. Litt. C. 115 Br. Braunschw. Bank - Actien —. Weimarische Bank - Actien 1087 G. Oesterreich. Dproz. Metalliques 795 G. 1854er Loose —. 1854er National- Anleihe 82 Br. Preussische Prämien-Anleibe —.
Hamburg, 4. September, Nachmittags 2 Uhr 35 Minuten Credit und Stieglitz lebhaft.
Stieglitz de 1855 101%, 3proz. Spanier 354, 1proz. Spanier 29 National-Anleihe 8024. S5proz. Russen 104% G. Mexikaner 8% Br. Dis- conto Is DUi. : 2 7
London ane 15 Mk © Sh, noi 4 O 1 E Z London kurz 13 Mk. 32 Sh. not., 13 Mk. 44 Sh. bez. Amsterdain 6. 35 Wien 79% _
Getreidemarkt. Weizen loco preishaltend, ab auswärts fes Roggen loco unverändert, ab auswärts flau Vel Loeg I N Herbst 29%, pro Frühjahr 287. Kaffee Rio 1 *ainschmeckende Kaffees fest. i
Frankfurt a. M., 4. September, Nachmittags 2 Uhr 26 M Lebhafter Umsatz zu etwas höheren Coursen. :
Schluss - Course: Neueste preussisehe Anleihe #1153 reussische Kassenscheine 105. Cöln-Minden« r Eisenbahn-A ctien — Ee Ae Wilhelms - Nordbahn —. Ludwigshafen - Bexbach 1463 : : Hanau —. Berliner Weehsel 105. Hamburger Wechsel S812 doner Wechsel 1172 Br Pariser W echzel Zt (ms se] —. Wiener Wechsel 1134 Frankfurter Bank - À — 3proz. Spanier 374. f1proz. Spanier 25H K SSÏS e Ÿ Badische Loose 91 »proz. Metalliques T6 4 i Jues
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