fie si noch binnen dreißig Jahren nah eingetretener Fälligkeit melden und verjähren diese demnächft zu Gunften der Stadtkommune.
19) Der Stadtgemeinde bleibt das Recht, den Tilgungsstock zu verstärken. i
11) Wenn die Stadtgemeinde es vorziehen sollte, die zu tilgenden Anleihescheine statt der Ausloosung aus freier Hand zu erwerben, so werden die auf diesem Wege getilgten Nummern jedesmal durch die unter Nr. 7 bezeichneten Blätter öffentlih bekannt gematt.
12) Den Gläubigern steht kein Kündigungsret zu.
__ 13) Die getilgten Anleihescheine werden in Gegenwart des Ma- ges unter Zuziehung einer Geritéperson oder eines Notars, ver- nichtet.
14) Die fälligen Zinsscheine werden von der Stadtkasse an Zah- lungéstati angenommen.
15) Der Betrag der fälligen Zinesch{eine wird an jeden Vorzeiger gegen Ausélieferung derselben zu den festgeseßten Terminen und au in der nab dem intritt dieser Fälligkeitätermine folgenden Zeit aus der Stadtkasse gezahlt.
16) Die rückständigen Linsen verjähren zu Gunsten der Stadt- kommune, wenn fie nit in den nästen vier Kalenderjahren nab dem Fälligkeitsjahre bei der Stadtkasse abgchoben werden.
17) Das Aufgebot und die Kraftloserklärung verlorener oder vernichteter Anleibescheine erfolgt na Vorschrift der 88. 838 und ff. der Civilprozeßordnung für das Deutsche Reih vom 30. Januar 1877 (Reicbs-Geseublatt S. 83), bezw. na §. 20 des Ausführungsgesetzes zur Deutschen Civilprozeßordnung vom 24, März 1879 (Ges.-S. S. 281).
Zinsscheine können weder aufgeboten, noÞ für kraftlos erklärt werden, doch foll Demjenigen, welcher den Verlust von Zinsscheinen vor Ablauf der vierjährigen Verjäbrungéfrist bei der Stadtverwaltung anmeldet und den stattgehabten Besiy der Zinsscheine dur Vor- zeigung des Anleibesceins oder sonft in glaubhafter Weise darthut, nach Ablauf der Verjährungéfri|t der Betrag der angemeldeten und bis oh nit vorgekommenen Zinsscheine gegen Quittung ausgezahlt werden.
18) Das gesammte Vermögen und die Steuerkraft der Stadt- gemeinde Gumbinnen haftet den Gläubigern für diese Schuld.
Dessen zu Urkunde haben wir diese Ausfertigung unter unserer Unterschbrift ertheilt.
G
Der Magistrat.
(Eigenhändige Unterschrift des Magistrats-Vorsitenden und ¿weier Magistratë-Mitglieder unter Beifügung der Amtstitel.) Die Stadtkaÿe. Eingetragen in die Kafsen-Kontrole S S. (Unterscbrift.)
Hierzu find zehn Zins\ch{eine Reibe I Nr. 1 bis 10 nebst An- weisung ausgereicht.
Provinz Ostpreußen. Regierungsbezirk Gumbinnen,
Mehe .«+ Bingen E ¿um Gumbinner Stadt-Anleihesbein ... . Ausgabe, Bubstabe . M e. u, Prozent Stisen r. A... P Der Inhaber dieses Zinssceines empfängt gegen dessen Rückgabe i E Sni ab die Zinsen des vor- benannten Stadt-Anleibeseines für das Halbjahr vom 1. ..….... E MiT geschrieben Mak... Bienig bei der Stadtkasse zu Gumbinnen. Unn M, Der Magistrat. . (Unterscriften.) Eingetragen Dieser Zinsschein ift ungültig,
Kontrole Seile...
‘ole . wenn defsen Geldbetrag nit inner- Die Stadtkafse.
halb vier Jahren na Ablauf des S Kalenderjahres der Fälligkeit er- (Unterschrift.) hoben wird, i Anmerkung. Die Namensunterschriften des Magistrats-Vor- fißenden und der beiden Magistrats-Mitglieder können mit Lettern eder Facsimilestempeln gedruckt werden, doch muß jeder Zinsschein bezw. jede Anweisung mit der eigenhändigen Namenëtunterschrift eines Kontrolbeamten versehen werden.
Provinz Ostpreußen. Regierungsbezirk Gumbinnen.
: - Anweisung ¿um Gumbinner Stadt-Anleibhesbein . . . Ausgabe, Bubstabe .... Mm V c q N; Uer... Mart zu. , Prozent Sinsen, Der Inbaber dieser Anweisung e F; 000 ron R Ver Inhaber dieser Anweisung empfängt gegen deren Rückgabe
zum obigen Gumbinner Stadtanleibescheine die... Reibe von SiSlWeiuien für die ünf Zahre vom 1... bs... be dex
Stadtkasse zu Gumbinnen, sofern nit rebtzeitig von dem als solcen ib auêweisenden Inhaber des Anleibescheines dagegen Widerspruch erboben wird. j
Sn A
Der Magistrat. (Unterschriften.) Eingetragen Kontrole Seite . Die Stadtkasse. (Unterscbrift.)
_Anmerkung. Die Namensunterschriften des Magistrats- vorsißenden und der beiden Magistratsmitglieder können mit Lettern oder Facsimilestempeln gedruckt werden, dod muf jeder Zinsschein bezw. jede Anweisung mit der eigenhändigen Namensunter chrift eines Kontrolbeamten versehen werden.
Finanz-Ministerium.
__ Dem Provinzial-Steuer- Direktor, Geheimen Finanz-Rath Schulze is die Stelle des Provinzial-Steuer-Direktors für die Provinz Schlesien in Breslau,
dem Regierungs-Rath Dirksen zu Breslau ist die Stelle eines Mitgliedes der Provinzial-Steuer-Direktion zu Berlin und
dem Regierungs-Affsessor Bonnenberg zu Cöln die Stelle eines Mitgliedes der Provinzial-Steuer-Direktion da- jelbft verliehen worden.
Ministerium der geistlihen, Unterrihts- und Medizinal-Angelegenheiten.
Der Provinzial-S{ulrath Menges is dem Provinzial- Schulkollegium zu Berlin überwiesen worden. E y Der Privatdozent an der Universität zu Leipzig, Dr. Hermann Oft ift zum Dozenten für Chemie an die Tech- nische Hochshule zu Hannover berufen worden. _ Der ordentliche Lehrer Schmidt vom Scullehrer- Seminar zu Usingen is in gleiher Eigenschaft an das Scul-
lehrer-Seminar zu Osterburg verseßt worden.
Kriegs-Minister im. Bekanntmachung.
Für die Sommermonate vom 1. Mai bis zum 31. Okf- tober einshließlich ist das Zeughaus an den Besuchstagen von 10 Uhr Vormittags bis 3 Uhr Nachmittags geöffnet.
Berlin, den 29. April 1884,
Königliche Zeughaus-Verwaltung. Jng. J: D. SQUIleL.
Angekommen: Se. Excellenz der General-Jntendant der Königlichen Schauspiele, von Hülsen, von Hannover.
ODeffentlihe Bekanntmachung.
__ Von den zuständigen Staats- und Kirchenbehörden wird die Errichtung einer neuen evangelischen
e Parochie der Dankeskirche hierselbst beabsichtigt, welcher der unten beschriebene Sprengel unter Auspfarrung der darin wohnenden Evangelischen aus ihrem jeßigen Parochialverbande mit der Nazareth- bezw. St. Paul- und Jnvalidenhaus - Civilgemeinde zugewiesen werden soll.
Die Grenze der neuen Parochie wird im Nordwesten ge- bildet durch die Berliner Ningbahn von deren Kreuzungs- punkte mit der Hamburger Bahn ab bis zur Reinickendorfer- ftraße, durch die Hamburger Bahn von demselben Kreuzung3- punkte ab bis zur Zweigbahn nach der Gatanstalt und durch die Zweigbahn na der Gasanstalt. Die leßtere einschließend Pte die Parochie folgende jeßt vorhandenen Straßen und
äße:
1) das Südufer zwishen der Ringbahn und der Perle- bergerstraße,
2) die Perlebergerstraße zwischen und dem Südufer,
3) die Heidestraße zwischen der Perlebergerstraße und der Zweigbahn nach der Gasanstalt,
4) den Play am Nordhafen,
5) die Liesenstraße,
6) die Grenzstraße einshließlich der Nummern 6 und 5 (83 beziehungsweise 84 der Gartenstraße),
7) die Hochstraße zwishen der Neuen Hochstraße und der E auss{ließlich der Nummer 37 (Ecke der Wiesen-
raße),
8) die Kolbergerstraße aus\chließlih der Nummern 16 und 17 (Egrundstüke der Wiesenstraße),
9) die Pankstraße zwischen der Reinickendorferstraße und Wiesenstraße, aus\{ließlich der Nummern 12 und 46 (E- grundstücke der Wiesenstraße),
10) die Köslinerstraße, ausschließlich der Nummern 10 und 11 (Eckgrundstücke der Wiesenstraße),
11) die Weddingstraße ausschließlich der Eckgrundstücke der Reinickendorfer- und Weddingstraße,
12) die Gerichtsstraße zwischen der Pankstraße und der Grenzstraße,
13) die Reinickendorferstraße zwischen der Pankstraße und Schulzendorferstraße,
14) die Dalldorferstraße,
15) die Shulzendorferstraße,
16) die Neue Hochstraße, -
17) die Müllerstraße von der Chausseestraße bis zur
Ringbahn, 18) die Fennstraße, 19) die Sellerstraße, 20) die Tegelerstraße von der Fennstraße bis zur Ring-
der Hamburger Bahn
bahn, 21) das Nordufer von der Fennstraße bis zur Ringbahn. Wenn jedoch im Laufe der Zeit die Abtrennung eines Theils diescs Parochialsprengels erforderli werden sollte, so soll dieselbe erfolgen können, ohne daß die Gemeinde, der Pfarrer oder die Kirchenbedienten deshalb auf Entschädigung Anspruch haben.
Neben den Taren der Tauf-, Trauungs- und Attest- gebühren, wie solhe durh Beschluß 1T der vereinigten Kreissynoden bestätigt unter dem 8/18. Juli 1881 für ganz Berlin endgültig festgeseßt sind, sollen bis auf Weiteres für die Angehörigen der neuen Parochie, je nah ihrer bisherigen Zugehörigkeit zu Nazareth oder St. Paul oder Jnvalidenhaus auch die Begräbnißstolgebühren - Taxen je dieser Kirchen in fortdauernder Geltung bleiben ; und sind die Gemeindeorgane von Sophien bereit, die Mitbenußung des III. Sophienfirch{- hofes zunächst auf ein Jahr und fortan mit halbjähriger Kündigung auf je ein weiteres Jahr den sämmtlichen Ange- hörigen der neuen Parochie zu denselben Bedingungen zu ge- statten, wie bisher schon den Gemeindegliedern der JInvaliden- haus-Civilgemeinde.
Indem wir diesen Parochial - Regulirungëplan hiermit zur öffentlichen Kenntniß bringen, fordern wir alle dabei be- theiligten Gemeindeglieder auf, etwaige Einwendungen dagegen bis zum 20. Mai d. F. während der werktäglihen Geschäfts- stunden von 10 Uhr Vormittags bis 2 Uhr Nachmittags in dem Amtszimmer Nr. 9 unseres Geschäftslokals Schütenstraße Nr. 26 1 bei dem Konsistorialsekretär Herrn John unter ge- eigneter Legitimationsführung fchriftlich einzureichen oder mündlich zu Protokoll zu erklären.
Berlin, den 26. April 1884,
Königliches Konsistorium der Provinz Brandenburg. (L. S8.) Hegel. i Bei der am 2. d. Mts. stattgefundenen Ziebung der pro
1884/85 einzulösenden Partial-Obligationen des vormals Land - gräflich hessischen, dur6 Vermittelung des Bankhauses A. Reina in Frankfurt a. M. negociirten 5%/%igen Staats anlebhens von 150000 FL. vom 1. August 1859 find dur das Loos zur Nü ck- ung am 1. August 1884 folgende Nummern bestimmt worden :
Vir, 2 20 26 40 47 65 74 75 92 100 106 120 121 189 = 14 Stck. à 500 Fl. = 85714 A = 11 999,96 M,
Nr. 217 232 293 265 274 283, je A., B., U, D, E. = 30 Sie. à 100 Fl. = 171,43 Æ = 5142,90 A, Eumma 44 St&. im Werthe von 17 142,86 M
Die Inhaber dieser Olligationen werden hiervon mit dem Be- merken benacridtigt, daß sie die Kapitalbeträge, deren Verzinsung nur bis zum Rückzahlungstermine stattfindet, bei dem genannten Bankhause, bei jeder Königlihen Regierungs- und Bezirks- Hauptkasse, der Königlichen Staatssc{ulden- Tilgungskasse in Berlin, der Königlichen Kreiskasse in a Ae @ a. V und der Königlichen Steuerkasse in
omburg v. d. Höhe gegen Rückgabe der Obligationen nebst den
dazu gehörigen Zinsscheinen Reihe IV. Nr. 5—8 erbeben können. Der Geldbetrag der etwa fehlenden, unentgeltli zurückzugebenden Zins- scheine wird am Kapitalbetrag der Obligation zurückbehalten. Soll die Einlösung von dergleichen Obligationen weder bei dem vors bezeichneten Bankhause, noch bei Königlicher Regierungs-Hauptkafse bier, bei der Königlichen Kreiskc}e in Frankfurt a. M.,, oder der König- lichen Steuerkafse in Hombkurg, sondern bei einer der anderen Kasen bewirkt werden, so sind die betreffenden Obligationen nebst Zins- s{einen 14 Tage vor dem Verfalltermine kei leßterer Kasse einzu- reichen, von welcher dieselben vor der Auszahlung dem Unterzeichneten
Rüdständig sind noch aus der Verloosung:
pro 1. Auguft 1883: Nr. 115, Nr. 254 A., Nr. 239 B,, Nr.
280 C,, Nr. 235 D., Nr. 280 E. __ Die Inhaber dieser Obligationen werden wiederholt zu deren
Einlösung aufgefordert.
Wiesbaden, den 4. April 1884.
Der Regierungs-Präsident. von Wurmb.
Nichtamtliches.
Deutsches Reich.
Preußen. Berlin, 1. Mai. Se. Majestät der Kaiser und König nahmen gestern den Vortrag des Staats-Ministers von Puttkamer entgegen.
_ Heute empfingen Se. Majestät die Commandeure der Leibregimenter zum Rapport und hörten die Vorträgè dee Kriegs-Ministers und des Chefs des Militärkabinets.
Um 5 Uhr findet im Palais ein größeres Diner statt.
_— Der Bundesrath zusammen.
— Der Bericht über die gestrige Sißung des Reichstages befindet si in der Ersten Beilage. E
— 0 der beutigen (9) Sißung des auses der Abgeordneten, welcher der Minister der A deS Arbeiten Maybach, der Justiz-Minister Dr. Friedberg und der ¿Finanz-Minister von Scholz nebst zahlreichen Kommissarien beiwohnten, stand auf der Tagesordnung: die nochmalige Abstimmung über die Anträge der Abgeordneten Kleist von Bornstedt, Dr, Köhler, von Rauchhaupt und Stengel zu dem Entwurf einer Jagdordnung und Scthlußabstimmung über den leßteren Entwurf selbst.
Es wurde demnäthst abgestimmt über die Anträge, die in E vorigen Sißung schriftlih eingereiht worden. Dieselben
iten :
I. Das Haus der Abgeordneten wolle beschließen :
1) In §. 44 die Worte „mit Windbunden und“ zu streichen
und den Paragraphen fo zu faffen:
__ Die Jagd mit jagenden Hunden (Bracken) außerhalb ein- gefriedigter Wildgärten kann dur Polizeiverordnung verboten n u Le s Hi B
2 n S. 45 aß 2 binter „(Vorste s
„Und Windhunde“, S E
trat heute zu einer Sizung
einzuschalten
Kleist von Bornstedt. II. Unterantrag zu dem Antrage des Abg. Diricblet — Nr. 230 der Drucksachen ad 8. Y Ga Das B Dedeo lesen Wn beschließen : Im zweiten Saß des §. 44 hinter „Halmfrücbte“ zu seten „Oder Buchweizen“. 7 9 d as Dr, Köhler.
IIT. Das Haus der Abgeordneten wolle besließen :
Im 2, Alinca dés §. 93 ftatt „der Provinz“ F seßen „von“.
von Kauchbaupt.
IV. Das Haus der Abgeordneten wolle vis E
S S, va Binden
le vor dem Inkrafttreten dieses Gefctes gelösten Facds&et haben nur bis zum 31. März 1885 Gültigfeit. N Salza . - Stengel.
Die Anträge wurden ohne Debatte vom Gau ange-
teaatie s
__ Die S@hlußabstimmung über die Jagdordnung selbst war eine namentlihe. Die Vorlage wurde mit 194 gegen 138 Stim- men angenommen.
_ Es folgte die zweite Berathung des Gesezentwurfs, be- treffend Ergänzung und Abrundung einiger Bestimmungen über Erhebung der auf das Einkommen gelegten direkten Kommunalabgaben.,
F. 1 lautet nah den Beschlüssen der Kommission: Attiengesellsbaften, Kommanditgesellsbaften auf Aktien, Berg- gewerkscaften, eingetragene Genossenscaften. deren Geschäftsbetrieb
Uber den Kreis ibrer Mitglieder hinausgeht, Konsumvereine jeder
Art, insofern dieselben Gewinne für ihre Mitzlieder verrechnen
und juristishe Personen, insbesondere aub Gemeinden und
weitere Kommunalverbände unterliegen in Gemeinden, in wel@&en fie
Grundbesiu, gewerblide Anlagen, Eisenbahnen oder Bergwerke
haken, Pachtungen, stehende Gewerbe, Eisenbaßnen oder Bergbau
betreiben, binsiÞtlib des ibnen aus diesen Quellen in der Gemeinde zufließenden Einkommens, den auf das Einkommen gelegten Ge- meindeabgaben. Als Besitzer von Eisenbahnen gelten diejenigen
Eisenbahn- Aktiengesellschaften nit, die ihr Unternebmen dem
Staate gegen eine unmittelbar an die Aktionäre zu zahlende Rente
übertragen haben.
__ Bis zur anderweiten Regelung der Heranziehung des Staats-
fisfus zu den auf das Einkommen gelegten Gemeindeabgaben in
Verbindung mit der Ueberweisung von Grund- nnd Gebäudesteuer
an die Kommunalverbände unterliegt der Staatsfiskus diesen Abe
gaben bezügli des Einkommens aus den von ibm betriebenen Ge- werbes, Eisenbahn- und Bergbauunternehmungen, den Domänen und Forsten, fowie von allen übrigen nicht einem öffentlichen
Dienste oder Gebrauche gewidmeten, dem Staate gehörigen Anlagen,
Grundstücken und Gebäuden, insofern dieselben nit als zu den
Betriebsverwaltungen des Staates gehörig bereits zur Steuer her-
angezogen sind. :
_ Der in Abfaz 1 gedadbten Abgabepflicht unterliegen au phv-
ice Personen, welc%e in Gemeinden, obne daselbft einen Wohnsit:
zu haben, oder sich länger als drei Monate aufzuhalten, Grund- besi, gewerblide Anlagen, Eisenbahnen oder Bergwerke haben,
Pacbtungen, stehende Gewerbe, Eisenbahnen oder außerhalb einer
Gewerksbaft Bergbau betreiben (Forensen).
_Der Abg, Zelle wünschte, daß eingetragene Genossen- schaften und Konsumvereine in allen Fällen von der Gemeinde- steuer frei zu lassen seien.
Der Abg. Smidt (Sagan) trat für die Beschlüsse der Kommission ein.
Der Regierungskommissar, Unter-Staatssekretär Herrfurth bat, den Zusaß, welchen das erste Alinea des 8. 1 in der Kommission erhalten, zu streihen, ebenso den Zusatz des zweiten Alinea von den Worten „sowie von allen“ bis „heran- gezogen sind“. i
Der Abg. Dr. Langerhans hielt es für ungereht, wenn die Genossenschaften und Konsumvereine zur Gemeindebesteue- rung herangezogen würden, und bat, im ersten Absaß des §. 1 nach den Beschlüssen der Kommission die Worte „eins getragene Genossenschaften“ bis „verrechnen“ zu streichen. Der Abg. Lehmann hob hervor, daß der Umfang der von den Genossenschaften und Konsumvereinen gemachten Geschäfte so gewachsen sei, daß sih eine Heranziehung derselben zur Gemeindefteuer wohl rechtfertige. Dieselben dürften steuerli
¿ur Prüfung einzusenden sind,
nicht anders behandelt werden als die fleinen Gewerbe.
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Der Abg. Parisius hielt es sür gewagt, in ein Nothgeseß die Frage der Genossenschaften aufzunehmen. Dieselben hätten sih überall als ein wirksames Mittel gegen die Sozialdemo- kratie erwiesen, . — e
Der Abg. Meézner trat für die Kommissionsbeshlüfse ein. Durch die Genossenschaften sei ein fremder Theil in das Ge- schäft hineingeshoben, der im Jnteresse des Handwerks wieder beseitigt werden müßte.
Bei S&luß des Blattes sprah der Abg. Dirithlet.
— Jm Falle des Vorhandenseins einer Schadenersaß- pfliht aus dem Reihs-Haftpflihtgeseß vom 7. Juni 1871 kann nah cinem Urtheil des Reihsgerihts, III. Civil- senats, vom 28. März d. J., niemals die Zahlung eines Schmerzensgeldes beanspruht werden.
— Der kommandirende General des Ill. Armee-Corps, General der Jnfanterie von Pape ist zur Besichtigung der Truppen des Corps abgereist.
Baden. Karlsruhe, 30, April, (W. T. B.) Die Zweite Kammer hat die Braumalzsteuer-Vorlage, entgegen dem Antrage der Kommission, welhe die Ablehnung des Gesetzes ohne jedes Eintreten in die Einzelberathung vor- geschlagen hatte, zur detaillirten Berichterstattung an die Kommission zurückverwiesen.
Hessen. Darmstadt, 30, April, (W. T. B.) Heute Nachmittag 5 Uhr fand in der hiesigen Hofkirche die Ve r- mählung der Prinzessin Victoria mitdem Prinzen Ludwig von Battenberg statt, Der Trauung, welche von dem Ober-Hofprediger Bender vollzogen wurde, wohnten außer den Mitgliedern der Großherzoglihen Familie Fhre Majestät die Königin von Großbritannien, Jhre Kaiserlihen und Königlihen Hoheiten der Kronprinz und die Kronprinzessin mit Fhren Königlichen Hoheiten den Prinzen Wilhelm und Heinrich, der Prinzessin Victoria und der Erbprinzessin von Sachsen-Meiningen, ferner Fhre König- lichen Hoheiten der Prinz und die Prinzessin von Wales nebst Kindern Albert Victor, Luise, Victorie und Maud, die Prin- zessin Beatrice, der Landgraf und die Landgräfin von Hefsen, der Erbprinz von Anhalt und der Fürst Alexander von Bul- garien bei. Bei dem Jawort ertönten von einer im Schloß- garten aufgestellten Batterie 136 Salutshüsse. Der Trauung folgt eine Cour vor den Neuvermählten und sodann ein Gala- diner.
Oesterreich-Ungarn. Wien, 29, April, (Wien. Abdpst.) Jn der heutigen Sißung des Abgeordneten- hauses gelangte das Uebereinkommen mit der Nordbahn jammt Motivenbericht zur Vertheilung.
Pest, 29, April. (Wien. Ztg.) Das Abgeordnete n- haus nahm die Gewerbenovelle in dritter Lesung an und seßte sodann die Generaldebatle der Strafhausvorlage fort, Läzár fkritifirte die Vorlage in abfälliger Weise.
Großbritannien und Jrland. London, 30. April, (W. T. B.) Das Unterhaus hat die auf Legalisirung der Leichen verbrennung gerichtete Bill, gegen welche sich auch die Regierung ausgesprochen hatte, mit 149 gegen 79 Stim- men abgelehnt.
Portsmouth, 30. April, (W. T. B) Der Tran s- portdampfer „Crocodile“ ist heute in den Hafen ein- gelaufen. Aus den angestellten Ermittelungen hat sich ergeben, daß die Cholera bereits einige Tage nah Abgang des Schiffes von Bombay an dessen Bord ausbrach, und 8 Sol- daten daran erkrankten, von denen 6 außerordentlih rasch, zum Theil in weniger als einer Stunde nah der Erkrankung, der Krankheit erlagen. An Bord hatte das Schiff im Ganzen 1242 Personen. S
Toronto (Kanada), 1, Mai. (W, T. B.) Unter dem Bureau der Verwaltung der Kronländereien im Parla - mentsgebäude wurden gestern mehrere größere Dynamit - patronen aufgefunden und bei weiteren Nahsuhungen eine andere Patrone unter der zu dem Zimmer des Sprechers führenden Treppe entdeckt. Die Patronen, welche anscheinend gestern dort hingelegt und mit Zündern versehen worden waren, wären geeignet gewesen, einen großen Theil des Ge- bäudes in die Luft zu sprengen.
Calcutta, 27. April. (A. C.) Die Genehmigung des Ministers für Jndien zum Bau der Eisenbahn nah Quetta ist eingegangen. Die Bahn wird jeßt rash in An- griff genommen werden, und man hofft dieselbe in zwei Jahren fertig zu stellen. Die Gerüchte bezüglich der beabsichtigten Wieder- besezung von Kandahar durch britishe Truppen und der Errich- tung einerbritishen Agentur in Herat erhalten si ; allein es ist ganz gewiß, daß keiner der beiden Schritte von der Regierung ernsilich in Aussicht genommen worden ist. Die Feststellung
der persish-russish-afghanishen Grenze befindet sh noch immer im Zustande der Ungewißheit. Man hofft, die indishe Regierung werde dem Ministerium in
London die Wichtigkeit der sofortigen Anknüpfung von Unter- handlungen mit Rußland über diesen Punkt nahelegen.
Frankreih. Paris, 1. Mai. (W. T. B.) Die „Agence Havas“ meldet: Der Botschafter Waddington begiebt sih heute Vormittag nah London zurück, um dem englischen Kabinet die Antwort der französishen Re- gierung in Betreff des Konferenzvorschlages zu über- bringen. Die Antwort erklärt, daß die französishe Regierung die Konferenz im Prinzip acceptire, und giebt die Gründe an, welche die französishe Regierung veranlassen, anzunehmen, daß die Konferenz nicht auf die Berathung der finanziellen ¿rage beshränkt sein solle, sondern sich auch mit der allge- meinen Situation in Egypten zu beschäftigen haben werde. Die Antwort Frankreihs wird vorausfihtlich eine neue Er- klärung des englishen Auswärtigen Amtes zur Folge haben.
— (Fr. C.) Dér Kriegs-Minister hat die Ent- scheidung getroffen, daß die großen Artilleriemanöver auf dem Felde zu Chalons in den ersten Tagen des Juli stattfinden sollen. Die 2. und 6. Artillerie-Brigade, die berittenen Batterien, welhe in Toul, Lüneville und Nancy stationiren, werden an diesen Manövern theilnehmen, welche von dem General de La Jaiile geleitet werden. Demselben werden auch die Divisions-Generäle dchs Artillerie-Comités und General Lavosat, Direktor im Kriegs-Ministerium, bei- wohnen. Auch der Kriegs-Minister wird sih auf einige Tage nah Chalons begeben.
Spanien. Madrid, 30. April. (W. T. B.) Das amtliche Blatt zeigt an, vaß die Offiziere, welhe das
Depot von Santa Coloma in Catalonien verlassen hatten,
um den Versuch zu machen, das Land zum Aufstande zu bringen, heute Vorgen gefangen genommen, daß Man- gano getödtet und seine Bande zerstreut worden ist.
Das definitive Resultat der Corteswahlen ist: 329 Anhänger der Regierung, 98 Oppositionelle aller Schatti- rungen.
— 30, April, Abends. (W. T. B.) Die republika- nishe Bande, die unter dem Oberbefehl Mangado's ftand, ist in Navarra völlig vernihtet worden. Außer Mangado find noch 7 andere Mitglieder der Bande getödtet und 4 mit Waffen und Pferden gefangen worden; 8 Ver- wundeten ift es gelungen nach Frankrei zu entkommen. Die Soldaten und Offiziere, welhe von Santa Coloma entwichen waren, sind sämmtlich von den Truppen bei Castell Florit gefangen genommen worden.
Amerika. Washington, 26. April. (Allg. Corr.) Die Bill zur Förderung der amerikanishen Schhiff- fahrt ist von dem Repräsentantenhause mit dem Zu- faß angenommen worden, daß jeder Bürger Eisen- und Stahl- chiffe von wenigstens 4000 t Gehalt zollfrei einführen darf, Die in das amerikanische Register aufgenommen werden und zum Küstenhandel niht verwendet werden dürfen.
Die republikanische Konvention von Ohio war der Schauplaß eines heftigen und zeitweilig erregten Wahl- kampfes zwischen den Anhängern der Präsidentschafts- Kandidaten Mr. Blaine und General Sherman; die Let- teren drangen schließlich mit der Wahl dreier Delegirten für die Konvention von Chicago dur, während auf Blaine ein Delegirter entfiel. Die Delegation von Ohio wird im Ganzen 28 Delegirte für Vlaine und 18 für Sherman zählen. — Michigan, Maryland und Dakota senden fast durc- gehends Delegirte für Blaine nah Chicago. Die Demokraten von Jowa haben Mr. Tilden zu ihrem Kandidaten erwählt. Die Greenback-Konvention nominirte General Butler für den Präsidentenposten.
Afrika. Egypten. (Allg. Corr.) Die Lage im Sudan wird immer bedenklicher. So wird der „Times“ unterm 27, v. M, aus Alexandrien gemeldet: „Ein heute ein- gegangenes Telegramm aus Berber besagt, daß es unmög- [ich sei, Jemand zu finden, der sih um irgend einen Preis na Khartum begeben will. Berber wird in wenigen Tagen geräumt sein, da Alles flühtet. Vier Compagnien, in einer Gesammtstärke von 500 Mann, sind zu den Rebellen über- getreten. Drei Compagnien Baschibozuks sind von Khartum in Berber angekommen. Der Dampfer „Morsalima“, der in Shendy war, ist arg beshädigt worden. Die Lage wird als ver- zweifelt bezeihnet.“ — Ein Telegramm aus Suakim, vom 27. d., meldet: „Ein Spion, der aus dem Rebellenlager zu- rüdckgekehrt, wo er zehn Tage zurückgehalten worden, berichtet, daß Osman Digma mit 2000 kampffähigen Männern, außer den Greisen und Kindern, in Hashertin steht. Die- jelben wollen sofort nah Handuk kommen, den Verkehr auf Der Straße unterbrechen und wenn die Egypter die Forts von Suakim besetzen, dieselben angreifen. So lange die Engländer in Suakim bleiben, ist ein Angriff nicht zu befürhten. Mah- mud Ali verspricht 2000 Mann nah Dabaret zu führen und die Rebellen anzugreifen, aber ob er fähig und gewillt ist, das zu thun, wird stark bezweifelt. JFnzwishen verlangt er Waffen, Pferde und Proviant.“ — Einen Lichtstrahl in die Düsterheit der Lage wirft die Meldung, daß es dem Obersten Duncan gelungen ist, über 1000 Flüchtlinge aus Khar- tum und dem Süden des Sudans nah ihren Dörfern in Unteregypten überzusiedeln. — Jn Dongola if Alles ruhig. Der Gouverneur bat um Urlaub zu einer Pilgerfahrt nach Mekka.
Der Correspondent des meldet Kairo unter dem 28, April:
Der leute Aft der Sudan- Tragödie ist augen*ceinlich beror- \stebend. Mr. Egerton empfing gestern Abend spät ein Telegramm von Berber, welches meldet, daß keine Geldsumme die Beförderung irgend einer Botschaft nab Khartum verbürgen könne. Die Ein- wohner dieser Stadt seien jeßt gänzlih auf die Gnade der Rebellen angewiesen. Vier Sanjaks oder Abtheilungen von Shagiyah-Beduinen find sammt 500 Soldaten zu den Rebellen übergetreten. Sie verließen Khartum in hülflosem Zustande. Der Gouverneur von Berber, welcber inftruirt wurde, die Stadt wenn mögli zu räumen, begnügte si mit der Kundmachung dieser Weisung, was zur Folge hatte, daß die Einwohner nach Norden flüchteten, während die Truppen in \üd- [licber Ricbtung auêmarschirten, um sich den Insurgenten anzusbließen. Das Land darf bis Wady Halfa binunter als verloren betrachtet werden. Ib habe ein Telegramm aus Afsuan empfangen des Inhalts, daß zwei Araber dort von Suakim ankamen und meldeten, daß Osman Digma beabsictige, sofort auf Afuan zu marschiren. Zu gleicher Zeit waren dort Briefe vom Mahdi eingegangen, in denen alle Europäer und Christen mit \{leuniger Vernichtung bedroht werden, Baker Pascha trat beute mit dreimoratlichem Urlaub die Meise nach England an.
In Alexandria ist von Berber das nachstehende Telegramm eingelaufen: „Es is unmöglih, mit General Gordon in irgend einer Weise zu korrespondiren. Das ganze Land befindet sih im Zustande der Rebellion, Berber wird von den benachbarten Stämmen bedroht. Alles flüchtet nach Kairo.“
Jn Korosko sind Soldaten aus Schendy angekommen. Die Meldungen von der totalen Niedermetßelung der Garnison waren übertrieben ; fie verloren nur 55 Mann.
Kairo, 30. April. (W. T. B.) Von dem Gouver- neur von Berber is heute Vormittag eine Depesche eingelaufen, worin derselbe sein Ansuchen um Verstärkungen wiederholt und die Regierung dringend bittet, ihn nicht im Stich zu lassen. Seitdem ist keine weitere Depesche aus Berber hierher gelangt, fo daß angenommen wird, die Teleg.aphen- beamten hätten die Stadt verlassen.
„Standard“ aus
Zeitungsfstimmen. „Der Deutsche Leinen-Fndustrielle“ sagt in seiner Umschau: s S Wenn man vom Tage aus einen Rüdblick auf die wirthschaft-
lichen Verhältnisse der Länder und Völker wirft, welche vor einem Decennium bestanden, so wird man eine wunderbare Wendung der- selben nit verkennen können. Das damals fo mifßachtete industrielle Deutscbland fteht heute mit in der vordersten Reihe der auf dem Weltmarkte mit Erfolg kämpfenden Mächte und seine Leistungen auf dem Gebiete der internationalen Produktion haben längst die Ueberhebung verstummen gemat, mit welcher England und Frank- rei früher auf dieselbe herabsahen. Damals verhöhnt und gering gescägt, beginnt die deutshe Industrie zur Zeit respektirt und an einzelnen Stellen sogar gefürchtet zu werden. Haben wir doch noch soeben dem fonderbaren Schauspiel beigewohnt, daß unsere französischen Nachbarn den Nicdergang ihrer gewerblichen Größe im Wesentlichen
der deutshen Konkurrenz und die fkritisbe Lage des inneren franzö- sischen Arbeitsmarktes dem Mitbewerbe des deutschen Arbeiters auf demselben zuschrieben.
Derartige- Erscheinungen sind ja gewiß geeignet, verführerish auf den Charakter eines Volkes einzuwirken. Wir wollen daraus nur die Erkenntniß \{chöpfen, daß wir uns sowohl mit der beimischen Wirtbscbhaftspolitik als auch mit dem dur dieselbe neu belebten selbstthätigen Streben der deutschen Arbeitskraft auf dem richtigen Wege befinden, und daß das Ziel, welches erreiht werden muß, wenn es dazu aub noch mancher Anstrengungen bedarf, nur dann unser wird, wenn wir dasselbe unbeirrt von theoretischen Doktrinen nationals- ôökfonomisber Weltverbesserer und von den Eifersücbteleien autländi- ser Konkurrenz mit nationalem Selbstbewußtsein verfc O
— Der „Norddeutshen Allgemeinen Zeitung“ wird aus Bayern geschrieben :
Wenn es aut unsere Manhestermänner nit zugeben wollen, so ist es doch Thatsache, daß sich die kompetenten Berichte mehren, welce aub für das Jahr 1883 eine fortschreitende Besserung unserer wirtk- \caftliden Verhbältnifse konstatiren.
Das leßtere thun 3. B. die unlängst im Auftrage des Königlich bayerishen Staats-Ministeriums des Innern, Abtheilung für Land- wirthschaft, Gewerbe und Handel, veröffentlibten Fahresbericbte der drei bayerischen Fabrikinspektoren für das Jahr 1883, und zwar sind die bezüglichen Aeußerungen um so werthvoller, als die Fabrik- inspektoren dur keinerlei wirthscaftlibes Partetinterefse in ihrem Urtheil beeinflußt werden.
Der Fabrikinspektor für die altéaveris&en Regierungébezirke und für Schwaben und Neuburg berichtet, daß für die Industrie des Aufsichtsbezirks das Jahr 1883 wie das Vorjabr im Ganzen günftig gewesen sei. Eine Besserung der Ges&äftélage trat unerhoft sogar in den Tafelglas-Hütten ein.
In fast allen Gießereien, Kessels{micden, Mascbinenfabriken, wie Arbeit
aub in einer Eisenbahn - Waggonfabrik war lohnende in Fülle vorhanden und äußerte man sich meist befriedigt über den
Gang der Geschäfte. Dafselke gilt für die Textilindustrie, wenn aub weniger für Webereien als für Spinnereien. Durcþ die letzten guten Jabre sind mehrere Webereicn zu Betriebévergrößerungen veranlaßt worden, welche theilweise jeßt {on wieder als übereilt beklagt werden. In der Papierindustrie berrscht dasselbe Leben wie in den Vorjahren. Neue Fabriken für Surrogate (Holz- und Strobstof und Cellulose) entstehen, und alte Papicrfabriken erweitern und ver- bessern ihre Betriebe von Jahr zu Jahr. Der Bericht des Fabriken- Inspektors für die fränkiswen Provinzen äußert fc dahin: Die Lage der Industrie bat im abgelaufenen Jahr gegenüber dem Vorjahr keine merkbare Veränderung, im großen Ganzen aber eher einen Fort- schritt als einen Rückgang erlitten; nit selten fanden ch Betriebs- erweiterungea und Neueinrihtungen und im Zusammenhange damit eine Vermehrung der Arbeiterzabl. Allgemein war jedobd immer noch die Klage über {malen Gescbäftégewinn und bävfiz das Bestreben wahrzunehmen, dur Vergrößerung der Produktion hierin eincn Aus- glei zu \{baffen. Unter den mehr oder weniger prosperirenden Industrize- weigen führt der gcnannte Bericht die Eisenindustrie an: die Porzellan- fabrikation, die Glashütten, die Spiegelfabrikation, die Fabrikation von BVlattmetall, Blattgoeld und Bronzefarben, von Metal- und Spiel- waaren, die Textilindustrie einschbließlich der Handweberei, die Fabri- kation von Bunt-, Gold- und Silberpapier, die Möbel- und Holz- galanteriewaaren-Fabriken , die Kamm-, Bürsten- und Pinsfelfabriken, die Bleistiftfabriken und die Korbwaaren-Hausindustrie.
Ein sicheres Zeichen dafür, daß zum mindesten die Produktion nit zurückgegangen ift, ist die von beiden rechtsrbeinishen Fabrif- inspeftoren konfstatirte Zunahme der Arbeiterzahl. Nach dem Berit des Fabrifinspektors für die altbaverisben Provinzen und Sweaben beträgt tie Zahl der männlichen Arbeiter in den Fabriken und ge- werblihen Anlagen seines Aufsictsbezirkes etwa 35 600 und die Zunahme gegen das Vorjahr in den revidirten Fabriken 1238. Die Zahl der Arbeiterinnen betrug im Berichtsjaßhr 14 400, Uno rale N Vie im Verglei zu dem Vorjabr, eine Zunahme von 763 Personen. Vemerken8werth ist hierbei, daß die Zahl der beschäftigten jugendlichen Arbeiter in einem stärkeren Maß zugenommen hat, als die dec erwacbsenen. Dieselbe Beob- achtung erwähzt der Beriht des fränkishen Fabrikinspektors. Nach demselben waren im Dezember des Berichtsjahres 1978 männlice und 1126 weibliche jugendlihe Arbiiter vochanden, und zeigt si gegenüber dem Vorjabre eine Zunahme von 807 oder 26,7 °/6. Die Zahl der Betriebe mit jugendlichen Arbeitern betrug 97 oder 24 9/0 mehr als im Vorjahre. „Wenn nun auch“, bemerkt der Be- ridterstatter bier, „ein Theil dieser Zunahme zweifellos auf die im leßten Jahreëmonate vorgenommene sorgfältigere Erhebung zurück- zuführen ist, so ist dieselbe doch ebenso sicher durch das ükterbaupt stattgehabte Wachsen der Gesammt-Arbeiterzahl bedingt; denn es zeigt sich die Zunahme der Zahl jugendlicher Arbeiter bervorragend namentli in jenen Induftriegruppen, in welchen die zugehörigen In- dustriezweige im Lauf des Berichtsjahrs in blühendem Betriebe anon
Amtsblatt des Reihs-Postamts. Nr. 19. — Inhalt: Verfügungen: Vom 24. April 1884, Neue Ausgabe der Portotare ; — Uebersicht -zur Ermittelung der Zonen-Nummern (Tarqguadrat- Tabellen), — Vom 25. April 1884. Post-Dampfschiffverbindung auf der Linie Stralsund-Malmsös.
Statiftische Nachrichten.
Der Landes-Direktor von Ostpreußen hat über die Ergeb- nisse der Tommunalen Provinzial-Verwaltuna tin der Provinz Ostpreußen in dem Zeitraum vom 1, April 1878 bis 1. April 1884, d. h. in den ersten 6 Jahren des Be- ftebens der selbftändigen Provinzial-Verwaltung einen Bericht ver- öffentliht, dem wir Folgendes entnehmen: Die Gesammtlänge der auf Grund der vom Staate übernommenen Verpflihtungen inner- halb der Regierungsbezirke Königsberg und Gumbinnen auszubauen- den Chausseen betrug ca. 332 km, wovon am 1. April 1878 ca. 192 km fertigt gestellt waren, so daß noch 140 km auszuführen waren, die bis auf 7 km, die wahrscheinlich überhaupt nicht zum Auébau gelangen werden, vollendet sind. An Chaufseebau- präâmien hatte die Provinz Ostpreußen auf Grund des Geseßecs vom 8. Juli 1875 1040000 A zu übernehmen. In der Berichtsperiode sind für Ost- und Westpreußen gemeinsame Chausfseeverpflihtungen in der Provinz Ostpreußen 2925 977 A auf- gebraht worden. Auf Grund des Regulativs vom 1. Juli 1854 wurden in den Jahren 1879/84 2311732 #Æ Chaufsscebauprämien gezahlt, 682 145 M waren noch bewilligt, aber no% nicht erboben. Im Jahre 1882 hat der Provinzial-Auësschbuß weitere 1 688 500 4. zu gleidem Zweck bewilligt. Die Gesammtlänge der Chausseen in der Provinz Ostpreußeu beträgt 1863 km, von denen 1137 km von Kreisen gegen ein Pauscquantum, 413 km von Kreisen für Rec- nung gegen Vergütung und 313 km von der Provinz unterbalten werden. Zur Unterhaltung der Provinzialhaufseen sind in der Be- rihtsperiode 6 094 254 Æ verausgabt worden. An Prämien für Kieschaufseen find in derselben Zeit 141 833 M bezahlt worden, an Unterstützung des Gemeindewegebaus 739 050 M
Die Landarmen- und Korrigendenanstalt zu Tapiau hatte im Durwbscbhnitt eine Frequenz von 693 (1878/79), 715 (1879/80), 822 (1880/81), 817 (1881/82), 700 (1882/83), 689 (1883/84). Das Sinken im vorleßten Jahre war eine Folge der Auflösung der Pfleglingsabtheilung.
In der Provinzial-Irren-Heil- und Pflegeanstalt zu Allenberg befanden sich Ende 1878 153, 1879 161, 1880 127, 1881 134, 1882 154, 1883 155 zu hbeilende und 359 bezw. 317, 418, 457, 464 und 474 Pfleglinge. Im Sommer 1880 wurde der Anstalt noch eine landwirtbschaftlihe Kolonie beigegeben, dem immer wasenden Bedürfniß mußte aber durch Begründung einer zweiten Anftalt (in