1905 / 238 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Mon, 09 Oct 1905 18:00:01 GMT) scan diff

NaGweisung der im Rechnungsjahre 1904 für die Landesverwaltung ausgegebenen und nah der Einlösung von der Landes- \chuldenverwaltung in Verwahrung genommenen und mittels Durhlohung entwerteten Schaßanweisungen.

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500 C00 500 000 Summe

Nachweisung der im Rechnungsjahre 1904 für die Staatsdevositen- verwaltung ausgegebenen und nah der Einlösung von der Landesschuldenverwaltnng in Verwahrung ges nommenen undmittelsDurhlochung entwerteten Schaßz- anweisungen.

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Summe

Bekann tm-ach ung; betreffend Genehmigung zur Ausgabe von Schuld- verschreibungen auf den Jnhaber durch die Aktien- gesellshaft Jllkirher Mühlenwerke vormals Bau- mann frères zu Straßburg i. E.

Der Aktiengesellschaft Fllkirher Mühlenwerke vor- mals Baumann frères mit Sig in Straßburg ist auf Grund des § 795 des Büraerlichen Geseßbuhs die Ge- nehmigung zur Ausgabe von Schuldverschreibungen auf den JInhaber Tur eine Hypothekaranleihe von 3 Millionen Mark erteilt worden. Die Schuldverschreibungen sind verzinslich zu 41/2 vom Hundert und eingeteilt in 1500 Stück zu je 1000 M und 3000 Stü zu je 500 # Die Rückzahlung erfolgt vom 1. Oktober 1911 ab innerhalb 20 Jahren durch Verlosung, jedo mit dem Vorbehalte, daß vom 1. Oktober 1911 ab die Anleihe jederzeit mit sechsmonatiger Frist durch öffentliches Ausschreiben pon der schuldnerishen Gesellschaft zur Nückzahlung gekündigt werden kann.

Straßburg, den 6. Oktober 1905.

Ministerium für Elsaß-Lothringen. Abteilung für Finanzen, Gewerbe und Domänen. Der Unterstaaissekretär.

Jm Auftrage:

Keetman.

Königreich Preußen.

Seine Majestät der König haben Allergnädigst geruht:

dem Regierungs- und Baurat, Geheimen Baurat Werner in Berlin, dem Bauinspektor, Baurat Hacker daselbst, dem Kreisbauinspektor, Baurat Mannsdorf in Stettin und dem Wasserbauinspeftor, Baurat Keller in Cassel die nahgesuchte Entlassung aus dem Staatsdienst, den leßtgenannten drei Beamten unter Beilegung des Charakters als Geheimer Baurat, zu erteilen.

Seine Majestät der König haben Allergnädigst geruht: dem bisherigen Kurator der Universität zu Marburg, Geheimen Oberregierungsrat Dr. Heinrih Steinmeß den Charafter als Wirklicher Geheimer Oberregierungsrat mit dem Range der Râte erster Klasse zu verleihen und der Wahl des Oberlehr-:rs an der 6. Realschule in Berlin, Professors Dr. Leopold Bahlsen zum Direktor des Real- ms in Stralsund die Allerhöchste Bestätigung zu erteilen.

Auf Jhren Bericht vom 19. September d. J. will Jh ge- nehmigen, daß die dem Chausseegeldtarif vom 29. Februar 1840 (Gesezsammlung S. 94 f.) angehängten Bestimmungen wegen der Chausseepolizeivergehen auf die im Kreise Teltow, Regierungsbezirks Potsdam, belegenen Chausseen 1) von der Klein-M ¿Gnow-—Stahnsdorf —Glitergou—Scges kei dorfer Kreischaussee bei Gütergoß nah der Trebbin—Drewigter Kreischausscee Sektion IT Station XVII, 4 bei Philippsthal, 2) von der Trebbin—Drewißzer Kreischaussee Sektion Ill Station VII, 7 bei Drewig über Jagdschloß Stern bis zur Gabelung der Teltow—Potsdoamer Kreishaussee und der Sa Meol Deren Provinzialchaussee, 3) von der

roß Beeren—Dahlewiz—Groß-Kienigter Palitnde in Groß- Kieniß bis zur Mittenwalde—Klein-Ziethener Kreishaussee bei

Roßis zur Anwendung kommen, solange diese Straßen haussee- ig unterhalten werden. Die eingereihte Karte folgt anbei zurück. Jagdhgus Rominten, den 28. September 1905. Wilhelm R.

i von Budde. An den Minifter der öffentlihen Arbeiten.

Ministerium der geistlihen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten.

_ Dem Privatdozenten in der philosophishen Fakultät der Friedrich Wilhelms-Universität zu Berlin Dr. Edmund Landau ist das Prädikat Professor“ beigelegt worden.

Königliche Akademie der Künste.

Bekanntmachung.

Der Herr Minister der geistlihen, Unterrichts- und Medi- zinalangelegenheiten hat den Amtsnachfolger des am 30. Sep- tember 1905 aus dem Staatsdienste ausgeschiedenen Ersten Ständigen Sekretärs der Akademie der Künste, Geheimen Regierungerats, Professors Dr. Wolfgang von Oettingen,

den Kunstaelehrten, Professor Dr. Ludwig Justi aus Frankfurt a. Main für die Dauer seines Amtes zum Mitgliede des Senats der Akademie der Künste berufen. Berlin, den 4. OVftober 1905. Der Práâsident. Johannes Oßzen.

Minifterium für Landwirtshaft, Domänen und Forsten.

Die Leitung der tierhygienishen Abteilung der landwirt- schaftlihen Versuchs- und A e in Bromberg ist dem bisherigen wissenschaftlihen Hilfsarbeiter an der Tier- ärztlichen Hochschule in Berlin, Tierarzt Dr. H. Mießner übertragen worden.

_ Der bisherige Landmesser Paul Heckhausen in Düren ist unter Versezung nah Eitorf zum Königlichen Oberlandmesser ernannt worden.

Ministerium der öffentlihen Arbeiten.

__ Verseßt sind: die Regierungs- und Bauräâte Endell von Düsseldorf nah Berlin und Kreide von Gumbinnen nah Allenstein, der Wasserbauinspektor, Baurat NRimek von Wilhelmshaven nah Nakel, die Landbauinspektoren, Bauräte Saring von Königs- berg i. Pr. und Bergmann von Gumbinnen, beide nah Allenstein, der Kreisbauinspektor, Baurat Heise von Tilsit nah Hannover, : die Wasserbauinspektoren, Bauräte Jken von Nakel nah Erfurt und Witte von Hannover nah Cassel, c der Wasserbauinspektor Kauffmann von Koblenz nah Selle, îtadi der Kreisbauinspektor Groth von Hannover nach Halber- a r? . . - die Wasserbauinspektoren Schaffrath von Wittenberge nah Hannover, Preiß von Münster 1. W. nah Essen, Roeßler von Graudenz nach Magdeburg, Stüwert von &erzdAgen a. O. und RKozlowsfi von Fürsten- venz, der Lañdbüuinipektor Preller von Be Posen und der Wasserbauinspektor Niehren- heim von Stettin nah Schwedt a. O.

- Dem Regierungs- und Baurat Fürstenau in Berlin ist die Stelle des Vorstehers des tehnishen Bureaus der Hohbau- abteilung des Ministeriums der öffentlihen Arbeiten, dem Regierungs- und Baurat Endell eine Mitgliedstelle bei der Königlichen Ministerialbaukommission in Berlin und dem Bau- inspeftor, Baurat Wachsmann eine Lokalbaubeamtenstelle im Bereiche des Königlichen Polizeipräsidiums in Berlin ver- liehen worden.

Die Regierungsbaumeister Quedefeld in Breslau und Theuerkauf in Neustadt O.-Schl. sind zu Wasserbau- inspektoren ernannt worden.

Der Amtssiß_ der Wasserbauinspektion Zölp ist von dort nah Osterode, der Kreisbauinspektion Rössel von dort nah Bischofsburg und des Baukreises Niederung von Kaukehmen nah Heinrichswalde verlegt worden. - Jn den Ruhestand sind getreten:

‘die Kreisbauinspektoren, Bauräte Becckershaus in Greifenberg i. P. und Büttner in Bartenstein sowie der Wasserbauinspektor, Baurat Mehlhorn in Münster i. W.

_ Dem Wasserbauinspektor, Baurat Frenzen if die nach- gesuchte Entlassung aus dem Staatsdienst erteilt worden.

Bekanntmachung.

Gemäß § 46 des Kommunalabgabengeseßes vom 14. Zuli 1893 wird hiermit zur öffentlihen Kenntnis gebracht, daß es R e Bat der A 0M ergeSra nzer

isenbahngese a ür das Rechnungsjahr 190 118 000 M beträgk M f öónigsberg i. Pr., den 4. Oktober 1905. Der Königliche Eisenbahnkommissar. Goepel.

Nichtamfliches. Deutsches Reich.

Preußen. Berlin, 9. Oktober.

Jhre Majestät die Kaiserin und Königin haben der Rentiere Sidonie Scharfe in Zehlendorf das silberne Frauenverdienstkreuz am weißen Bande Allergnädigst zu ver- leihen geruht.

__ Vom 7. bis 8. Oktober Mittags ist im preußischen Staate eine choleraverdächtige Erkrankung neu gemeldet worden. Sie betrifft eine ungarische Feldarbeiterin vom Rittergute

Stolpe, Kreis Niederbarnim, welhe ih bereits im Krs; Barackenlazarett in Oranienburg befand.

Vom 8. bis 9. Oktober Mittags sind keine choler, verdächtige Erkrankungen oder Todesfälle an Cholera gemel, worden. Die Gesamtzahl der Cholerafälle beträgt daber bi jeßt 265, von denen 89 tôdlih verliefen. Y

Der Präsident des Oberlandeskulturgerihts, Wirklig, i s Oberregierungsrat Rintelen ist vom Urlaub zurüg. gekehrt. j

_ Der Großherzoglich badishe Gesandte Graf von Berg. heim is nah Berlin zurückgekehrt und hat die Geschäfte de Gesandtschaft wieder übernommen.

Die Bevollmächtigten zum Bundesrat, A \hmwar; burg-sondershausensher Staatsminister Petersen und Fürstlié {warzburg-rudolstädtisher Staatsminister Freiherr von der Recke sind in Berlin angekommen.

Laut Meldung des „W. T. B.“ ist S. M. S. ,„ am 6. Oftober in Tsingtau eingetroffen und S. M. & „LuUchs an demselben Tage von Tsingtau nah Futschau i See gegangen.

__ Königsberg i. Pr., den 8. Oktober. Jhre Kaiser: lihen und Königlichen Majestäten trafen gestern nad: mittag gegen 121/2 Uhr hier ein. Seine Majestät besichtigten die Freilegungsarbeiten am Königlichen Schlosse und nahmen das Frühstück bei dem Offizierkorps des Grenadierregiment: König Friedrih Wilhelm I. Nr. 3 ein, während Jhre Majestät den Moskowitersaal des Schlosses, die Schloßkirhe und das Krongut Luisenwahl besuhten. Später begaben Sich die Kaiserlihen Majestäten an Bord der im Satenbafen von Pillau liegenden Kaiserlihen Jacht „Hohenzollern“, die heut: nachmittag gegen 2 Uhr nah Glücksburg in See ging.

Deutsche Kolonien.

Zu einem von den „Windhuker Nachrichten“ gemeldeten Burenkomplott, mit dem sih auch die Presse in Deutsch: land befhäftigt hat, berihtet, dem „W. T. B.“ zufolge, daz

afrika, daß die von den „Windhuker Nachrichten“ gegebene Dar: stellung stark übertrieben sei. Ein junger Bur habe der Polizei die Mitteilung gemacht, daß einige beim Militärfuhrwesen an- gestellte Ausländer aus der Kapkolonie sih verabredet hätten, Frachtwagen und Proviantkolonnen zu überfallen, Vieh zu stehlen und sodann mit dem Ertrage ihrer Räubereien in der Nähe von Gobabis über die englishe Grenze zu gehen. Vier Rädelsführer seien in gerichtlihe Untersuchungs: haft genommen worden. Für die Annahme, daß eine Auf- wiegelung der Eingeborenen oder gar ein Handstreih auf Windhuk geplant gewesen sei, seien dem Gouvernement bisher Anhaltspunkte nicht bekannt geworden.

_Im oberen Tsa ob- Revier is der Wachtmeister Julius Göbelsmann, geboren am 26. Mai 1874 zu Haßlinghausen, früher im Ulanenregiment Nr. 5, leiht verwundet worden

(Fleishshuß in rehte Schulter).

Oesterreich-Ungarn.

Jn Olmüßz und Prag befürhtete man für gestern deutshfeindlihe Kundgebungen. Sie sind, wie ,W. T. B.“ meldet, verhältnismäßig ruhig verlaufen. Jn Prag wurde ein Umzug der Tschehen nah dem Graben durch die Absperrungsmaßregeln der Polizei verhindert, die fünf Verhaftungen vornahm. Ein Couleurstudent wurde von Tschehen gemißhandelt. Jn Olmüßt erwiderten die Deutschen eine Demonstrationsversammlung der Tschehen mit einem großen Umzug, doh wurden au hier größere Zusammenstöße

urch rechtzeitiges Einschreiten des Militärs verhütet. Bei E kleineren Zusammenstößen wurden mehrere Personen verleßt.

Frankreich.

Auf Anordnung des Polizeipräfekten sind in der Nacht auf Sonntag in Paris mehrere antimilitärische Plakate entfernt worden. Fünf Personen, die solhe angeschlagen hatten, wurden, „W. T. B.“ zufolge, verhaftet, ebenso zwei Den, die bei der Abfahrt der Rekruten vom Nordbahnhofe Schmährufe auf die Armee ausbrahten. Gegen mehrere Unterzeichner eines antimilitärishen Aufrufs is} die strafrecht- liche Untersuhung wegen Aufreizung zu Mord und Jnsubordi- nation eingeleitet worden.

Rußlaud.

__ Die Leiche des Generals Kondratenk o traf gestern in St. Petersburg cin. Auf dem Bahnhofe waren, wie „W. T. B.“ meldet, die Großfürsten Wladimir, Peter Jufolajewiisch, Nikolaus Nikolajewitsh, Sergius Nikola- jewitsch und andere Mitglieder der Kaiserlichen ln ferner die Witwe des Verstorbenen, General Trepow, eine Anzahl von Offizieren, die in Port Arthur mit- gekämpft haben, hohe Offiziere der Armee und Marine und Vertreter der Zivil: und Militärbehörden von St. Petersburg anwesend. Nachdem Kränze auf den Sarg niedergelegt waren, wurde eine kurze religiöse Trauerfeier abgehalten und darauf der Sarg auf die Lafctte einer Kanone geseßt. Dann seßte sich der Zug nah dem Alexander Newsky-Kloster in Be- wegung, geleitet von Gendarmen zu Pferde und Abordnungen der in St. Petersburg garnisonierenden Regimenter und der Militärshulen. Jm Kloster wurde die Leiche von dem Metropoliten Antonius und der Geistlichkeit empfangen, die einen feierlihen Gottesdienst abhielten. Nach der Bestattung pries der Metropolit in einer kurzen Ansprache die Verdienste des Toten. Auf dem ganzen Wege, den der Zug nahm, war eine bedeutende Menschenmenge versammelt.

Das Ansuchen des finnländishen Senats um Ein- berufung einer außerordentlichen Landtagssession im Zahre 1905 is dem „Rigzauschen Bureau“ zufolge vom Kaiser abschlägig beschieden worden. Der Kaiser hat aber dem Ansuchen des Senats seine Zustimmurg gegeben, daß die in den Jahren 1906 und 1907 notwendig werdenden Mittel für das Stempelbureau, die Branntweinkon- trolle, das Volksschulwesen, die Amortisation der Staats\chuld

und den Kommunikationsfonds im Betrage von 3 366 670

Kaiserlihe Gouvernement zu Windhuk in Deutsh-Südwest Þ

für beide Jahre vorshußweise der Staatskasse entnommen werden und daß der Senat im nächsten Jahre cinen Geseßz- entwurf, betreffend die Nückerstattung des Vorshufses, vorlegt.

Die russishe Sprachenverordnung für Finnland vom Jahre 1900 ist von der russishen Regierung dahin ab- geändert worden, daß alle Schreiven des Dekonomiedeparte- ments des Senats an Private und Kommunen in finnischer Sprache abgefaßt werden und daß die Schreiben an die amt- lichen Bureaus, die die russishe Sprache niht anwenden, Finnish oder Schwedisch abgefaßt werden dürfen.

Im Judenviertel zu Warschau kam es am Sonn- abend zu einem blutigen Zusammenstoß zwischen Arbeitern und einer Bande, die die Ermordung eines der Spionage verdächtigen Genossen rächen wollte. Drei Personen wurden getötet, vier chwer verwundet und acht leicht verleßt.

Jn der Naht zum S ae auf dem Twerskoi- Boulevard in Moskau cine Versammlung abgehalten. Die Truppen feuerten, wie „W. T. B.“ meldet, blinde Schüsse ab, worauf die Menge mit NRevolver- schüssen antwortete. Den ganzen Tag über zogen Arbeiter durh die Saupllicalen, doch fam es nur bei einer Bäckerei in der Twerskaja zu Unruhen. Die Bäcker warfen vom Dach aus Ziegelsteine auf die Kosaken; diese feuerten. Nachdem die Twerska abgesperrt worden war, wurden 200. Personen verhaftet. Ueber diese Unruhen be- richtet. die Zeitung „Russ“ des weiteren: Bei dem Zu- sammenstoß zwishen Bäckern und Kosaken wurden acht Bäcker getötet und zwei verwundet, außerdem wurden ein Schuzmann, ein Revieraufseher und ein Kosak getötet. Viele Polizisten und Privatpersonen stnd mehr oder weniger {wer verleßt. Ein vorübergehender Professor namens Chorulsfi wurde dur einen Nagaikahieb verleßt. Die Haupt- siraßen und -Pläye sind durch Polizisten, zwei Regimenter Grenadiere, eine Schwadron Dragoner und aht Sotnien Kosaken beseßt. :

In Tiflis wurden gestern nahmittag mehrere Bomben - anshläge gegen Kosaken verübt.

Angreifer eröffneten. Allgemeine Panik entstand, zahl: reiche Personen wurden getötet oder verwundet. Türkei.

Nach einer Meldung des „Wiener K. K. Telegr.-Korr.- Bureaus“ sind am Freitag in Konstantinopel im vornehmsten Klub, dem Cercle d’Orient, bei armenishen Dienern zwei Dynamitbomben gefunden worden. Die Diener wurden verhaftet. Jn den lezten Tagen sind auch bei einigen armenishen Kaufleuten Haussuhungen vorgenommen, die jedoch scheinbar erfolglos waren. Die Verhaftungen dauern fort. Der österreichisch - ungarishe Botschafier Freiherr von Calice überreihte am Sonnabend dem Minister des Aeußern eine von fünf Botschaften und dem französishen Ge- schäftsträger unterzeihnete gemeinsame Note, in der unter

inweis auf die Beschlüsse der Regierungen die Schluß- Dié der lehten Note aufreht erhalten werden und mitgeteilt wird, daß die Finanzvertreter Befehl erhalten haben, sih sogleich nach Uesküb zu begeben, um dort mit den n die in der Note vom 8. Mai vorgesehenen rbeiten zu beginnen.

Schweden und Norwegen.

Das norwegishe Storthing begann am Sonnabendvormittag die Beratung über das Karlstader Uebereinkommen. Die Debatte eröffnete der Präsident des Sonderausshusses Preben sen, der, wie ,W. T. B.“ meldet, ausführte, daß man gewiß in mancher Hinsicht einen anderen Autgang hälte wünschen können, daß man aber

fiher den wahren Interessen des Vaterlandes diene, wenn man das | vorgeschlagene Uebereinkommen annehme. Der Wortführer der Minderheit |

Konow verteidigte deren Standpunkt; er sagte: „Würden die Be-

festigungen niedergelegt werden, fo könnte Schweden seine Armee zur |

Entwickelung bringen, während wir nichts unternehmen Tönnten. Wir hofften, daß wir unsere volle Selbständigkeit erreichen würden. Durch das U-bereinkommen is diese aber so beshnitten, daß wir

lieber die Union behalten, als auf diese Bedingungen eingehen.“ Der |

Staat3minister Michelsen führte aus, daß er Konow nit so

ausführlich antworten fönne, wie er wünsche. \{lafen laffen. Die norwegische Politik sei darauf ausgegangen, diesen Liberalen dankbar, weil sie den Chauvinismus in diesem Lande be- fämpften. „Alle Mätte,“ fuhr der Staatêminister fort, „rieten uns, erst unser Verhältris zu Schweden zu regeln, und darauf arbeitet die Regierung hin. Ein unparteiishes Urteil über die Frage der Grenzbefestigungen is s{chwierig, da diese Frage vor

tändigen hat ih nur der Generalstabshef für die Beibehaltung der Befestigungen ausgesprohen, alle anderen waren der Meinung, daß ihre Beibehaltung nicht eine Frage vitaler Art bilde.“ Im weiteren Verlaufe der Debatte rihtete Castberg sehr scharfe Angriffe gegen Staatsminister Michelsen.

Festungêwerke. ; - : -

In der NachGmittagssißung {lug der Pastor Eriksen (Sojzialist) vor, die Frage der Berechtigung der [{chwedischen Be- dingungen dem Haager Swied2gerichtshof vorzulegen. Der Minister des Aeußern Lövland sprach aegen diesen Vorschlag. An der Debatte beteiligten sh ferner der Verteidigun:sminister Ol sson und der Staatsrat Arctander. Um 10 Uhr Abends wurde die Sitzung geshloffen und auf heute vormittag vertagt.

* Afffien. Nach einer Meldung des „Reutershen Bureaus“ aus

„Carl“ beschlagnahmt worden. Afrika.

Der „Standard“ meldet aus Tanger unter dem gestrigen Datum: Der Sultan hat den Oberbefehlshaber seiner |

Truppen angewiesen, si Raisuli zur Verfügung zu stellen, falls dieser Unterstüßung in der Unterwerfung

er Kabylen, die gegen ihn aufständig sind, brauchen sollte. | Raisuli hat fünfzig Mann vom Stamme der Beni Msuar ge- Sizzungssaale des Königlichen Statistishen Bureaus (Lindenstraße 28)

| Dr. E. Leß über „die Vorauétbestimmung des Regens“.

fangen genommen und in Fesseln nah Fez geschickt.

Statistik und Volkswirtschaft. Zur Arbeiterbewegung.

Wie die „Aachener Aligeinaine Zeitung“ ne lelRaen, die j un e |

arbeitgeberverband, die für die Aachener Textilindustrie |

christlihe Textilarbeiterorganisation

brennenden Fragen des Doppelstuhls und allgemeinen Lohntarifs einem Schiedsgericht zu unterbreiten,

Es wurden sofort | l : Di N S andere Truppenteile aufgeboten, die ein Gewehrfeuer auf die | Aegypten ausgedehnt werden. Die neue Linie, deren Passagier-

Der Lorbeer der |

s int i veaishen Chauvinisten nit | Bei der Gestalt des ehemaligen Zuchthäuslers Binder ist ihm sGwedisten Chauvinisien habe die norwégiiüe ó N | eine tiefer angelegte Charafteristifk, namentlich in den ersten Akten,

Chauvinismus niederzuschlagen. Ganz Norwegen sei den s{chwedischen |

' und vsychologisch unklar und verworren bleidt.

Er warf ihm vor, daß er sih zu rah- | sichtig gezeigt habe und daß er die nationale Ehre des Landes vom | Geschäftsstandpurkt aus ansehe. Der Generalkriegskommifsar Bratlie bekämpfte die Ansicht der Minderheit, betreffend die Bedeutung der |

Die Hannovershe Maschinenbau - Aktiengesellschaft

vorm. Egestorff hat, wie „W. T. B.“ meldet, heute morgen ibren Betrieb vollständig eingestellt. Es feiern jeßt rund 2000 Arbeiter (vgl. Nr. 235 d. Bl). :

In Bielefeld sind, wie die „Köln. Ztg.“ erfährt, die M öbel- volierer der Bielefelder Maschinenfabrik Dürkopp in den Ausstand getreten, weil eine von ihnen geforderte Lohnerhöhung abs gelehnt worden ist. O f

In der Dunlop-Pneumatikreifenfabrik in Hanau ift, nah demselben Blatte, ein Ausftand ausgebrochen, weil angeblich Arbeiter gemaßregelt wurden. O

Der Ausftand des Personals der Shiffahrtsgesellschaft „La Veloce“ in Genua ist, der „Frkf. Ztg.“ zufolge, beendet, nahdem die Würsche der Streikenden erfülit worden find (vgl. Nr. 237 d. BL.).

Verkehrsanftalten.

Vom 15. Oktober d. I. ab sind im Verkehr mit den Po st- anstalten Anecho und Lome (Shußzgebiet Togo) Briefe und Kästhen mit Wertangabe bis zum Betrage von 8900 M ju- gelassen. Die Wertbriefe unterliegen dem Porto und der festen Gebühr für Einschreibbriefe von gleihem Gewichte, die Wertkästchen einer Gebühr von 1 X 60 &§; außerdem wird für beide Gattungen von Sendungen eine Versihzrungsgebühr von 16 4 für je 240 M der Wertangabe erhoben. L S

Vom gleichen Zeitpunkt ab ist au bei Postpaketen bis 5 kg und bei Postfrachtstücken von mehr als 5 bis 10 kg im Ver- kehr mit Togo Wertangabe bis zum Betrage von 8000 #4 zu- gelassen. Außer dem bisherigen Porto wird für Postpakete eine Ver- sicherung8gebühr von 16 4 für je 240 4, für Postfrahtstücke neben der inneren deutshen Versicherung8gebühr eine solhe von 12 4 für je 240 Æ der Wertangabe erhoben. :

Sämtliche Wertsendungen können mit Nachnahme bis zum Be- irage von 899 Æ belastet werden. - i

Ueber die näheren Versendungsbedingungen erteilen die Post- anstalten Auskunft.

Der zur Zeit zwishen Conftanßa, Konstantinopel, Smyrna und Piräus bestehende Dienst der rumänischen Schnellvostdampfer wird von Oktober näthsten Jahres ab bis

dienst unter Mitwirkung des Norddeutschen Lloyd in Bremen eingerihtet werden wird, wird, wie „W. T. B." meldet, die Verbindung zwishen Berlin und Aegypten auf 44 Tage abfürzen und gleichzeitig cine neue {nelle Anschluß- verbindung zwis{chen Zentraleuropa und den Reichêpostdampfer- linien des Norddeutshes Lloyd nah Ostasien und Australien über Port Said herstellen. Der Norddeutsche Lloyd übernimmt die ge! samte Vertretung der rumänischen Postdampferlinie außerhalb Rumäniens. Die Verhardlungen zwischen der rumänischen Negierung und dem Norddeutschen Lloyd sind bereits abgeshlofsen.

Der Verk ebr im Suezkanal ist wieder freigegeben.

Theater nnd Musik.

Lessingtheater.

Hermann Sudermann is am Sonnabend nah zweijähriger Pause an der Stätte seiner ersten Triumphe mit einem neuen _vier- aftigen Schauspiel vor das Publikum getreten. Er hat es „Stein unter Steinen“ genannt: die Herzen der beiden Hauptperfonen droben unter dem Druck eines harten Geshikes zu Stein zu er- starren, zu hartem Stein, wie er sie täglich auf dem Steinmeßz- hof umgibt, wo sie ihr Leben führen, wenn die Liebe sie nicht zusammenfübrte und wieder lebenswarm machte. Im Mittel- punkt der Handlung steht Jakob Binder. Er hat wegen Totschlags im Zuchthaus gesessen; bei dem gutmütigen Steinmegmeister hat er Aufnahme und Arb-it gefund-n, und bereits beginnen fi ihm feine Mitarbeiter, die ihm anfangs argwöhnisch aus dem Wege gegangen sind, zu nähern. Da fommt durch die Ungeschicklichkeit eines Kriminal- beamten Biegers Vorleben an den Tag alle Kameraden ziehen si von dem Unglücklichen zurück, nur Lore, die Tochter des Kantinen- wicts, ergreift für ihn Partei. Schon will der Verfemte die endlich gefundene Arbeitsstätte verlassen und wieder hinaus in das Elend ziehen, als sich die Herzen beider begegnen, denn auch

| Lore ist im Elend. Vor der Brutalität ihrer Verführer findet sie

bei Binder Schutz, und nahdem dieser einem Mordansclag feines Rivalen glücklich entgangen ist, kommt für die beiden Vielgeprüften alles zu gutem Ende. Sudermann hat, mehr als in feinen früheren Dramen, versucht, diesen etwas sentimentalen Stoff zu verinnerlihen.

auch gelungen. Ale übrigen Figuren find aber Typen mit einzelnen gut beobahteten Zügen, aber ohne individuelles Gepräge, geblieben. Dabei ist in dem Stück keine rechte Abtönung, alles ift aufdringlih

| und grob gezeihnet. Die Theatertechnik galt bisher als Suder-

manns Hauptstärke; in diesem Stück hat er ihre Beherrschung aber niht gezeigt. Zwar fehlt es niht an allerlei wirksamen Ceoups, an

i j if war. Unter den Sa(ver- | Effekten und sogenannten guten Aktschlüssen, aber sie machen einen ge- än Targer ett uod . Que PartSQirage ves ) G | wollten Eindruck und verfehlen fo ihre tiefere Wirkung. Dazu

kommt, daß die Exposition breit und s{chleppend, der Schluß mit seinem an Hintertreppenromane gemahnenden Endcoup dagegen übereilt ift Wenn das Stück am Sonnabend einen - recht lebhaften Beifall fand, fo ist dieser in erster Linie auf Rehnung der ausgezeihneten Wieder- gabe zu setzen: Else Lehmann, Otkar Sauer, Emanuel Reicher, Rudolf Rittner urd Albert Bassermann gaben ihr Bestes, und mit einem solchen Enfemble läßt sfich vieles retten. Das Publikum gab auch in unzweideutiger Weise zu erkennen, wem es den Genuß des

| Abends zu verdanken glaubte. Es rief nicht Sudermann, sondern | | Bassermann stürmisch vor die Rampe.

Im Königlichen Opernhause wird morgen, Dienstag, „Die | t Ge r i | Walküre*, erster Tag des Bühnenfestspiels „Der Ring des Nibelungen“, | unternahm Seine Majestät einen längeren Rundgang durch die von R. Wagner in der neuen Einstudierung zum ersten Male wieders | holt. Die Herren Grürirg, Bachmann, Mödlinger. die Damen | Plaickinger, Hiedlker, Eee M rige S e n T 2 Eri L: | der Walküren find die Damen Deftinn, Herzog, von Scheele-Müller, Tokio ist der nach Nikolajewsk bestimmte deutshe Dampfer | Rotbauser u. L beschäftigt. (Anfang 7 ute) i : m Königlichen Schauspielhause wird morgen und am | fange j 1 er 5 O | bürgermeister Dr. Tröndlin die Festrede, in der er die Vor-

Mittwoch „Der Schwur der Treue“ wiederholt.

Mannigfaltiges. Berlin, den 9. Oktober 1905.

Im Berliner Zweigverein der Deutshen Meteoro- logishen Gesellschaft sprihi morgen, Abends 73 Uhr, im

Der Verein zur Förderung der Kunft veranstaltete am

| 4. Oftober seinen ersten Rathausabend, an dem der Schriftsteller ! : Erich SgŸhlaikjer über

„Die Faktoren des Berliner Theaterlebens* sprach. Er wies zunächst darauf bin, wie die

| alte Berliner Posse mit ihrer Verherrlihung des Bürgertums aus dem

Geist damaliger Zeit, aus dem beharrlihen Bürgerstolz der Berliner, aus dem noch naiven Zustand der Industrie und der Blüte des Mittelstands

Fer Gründerjabre die altväterishe Moral und die künstlerishe Gewifsen-

l ' Wald der erste Schnee. s und Handwerks hervorgegangen sei, wie dann die veränderte Anshauung | Anblick einer herrlißen Winterlandshaft. Um 2 Uhr lag der Schnee

; | am Dreibherrenberge noch 2 Zentimeter hoh. aftigkeit verdrängte, nur nah Unterhaltung strebte und die Aus- i

stattung?pofse {uf. Auf die großen industriellen Unternehmungen seë dann eine Zeit der Nückscläge gefolgt; die Arbeiterbewegung griff um si, die soziale Frage wurde brennend, und es kam eine Periode des Unbehagens und kritisGer Tendenzen. Aus ihr sei der Naturalis- mus geboren worden, der eine Weile die Bühne fast völlig beherrste. Die dann plöglich aufsprießende „Ueberbrettelei" sei ein Beweis des Bedürfnisses nach Erweiterung der im Naturalismus eingeengten Kunstbetätigung gewesen, gleidzeitig der Ausdruck der Verzweiflung über das nit erschienene große Drama, ein Versuch ferner, das Theater zu reorganifieren. Im unmittelbaren Ans{luß an das „Ueberbrettl“ entstand in diesem legteren Sinne die Reinhardtbühne. So seien es, folgerte der Redner, nit einzelne Männer, die das Theater gestalten, vielmehr dieses folgte nur den Zeitläuften und nußte die Konjunkturen aus. Dem Vortrag fügte Schlaikjer eine Vorlesung aus eigenen Dichtungen an, von denen besonders die Skizze „Mein Freund Niel3*, als ergreifend in der Unmittelbarkeit der knappen, lebensvollen

Sgilderung, hervorgehoben sei.

Die Neihe der vom Verein junger Kaufleute von Berlin veranstalteten wissenshaftlihen Vorträge eröffnet am 16. Oktober Dr. phil. Gustav Manz. Er s\priht über das Thema: „Die Brüder Hauptmann“. (Unbekanntes und zum Teil Ungedrucktes von Gerhard und Karl Hauptmann.) Hieran reiben sh die Vor- träge der Herren Geheimer Medizinalrat, Professor Dr. med. Martin Kirchner, Stadtrat, Professor Dr. phil. J. Jastrow, Medizinalrat Dr. med. A. Leppmann, Geheimer Justizrat Dr. Nießer, Chef- redakteur Adolf Damaschke, Lic. Dr. phil. Paul Schubring, Dr. Lecpold Hirschberg, Professor Dr. Adolf Harnack, Obersi a. D. Gädke, Profeffor Dr. Mor Friedländer, Dr. Friedrih Naus- mann, Geheimer Regierungsrat, Professor Dr. Erih Schmidt, Rechtsanwalt Arthur Schindler, Bürgermeister Dr. Reie, Marcell Salzer, Gerichts{hemiker Dr. Paul Jeserichß, Geheimer Hofrat, Generalkonsul Ernst von Hesse - Warteag aus Luzern, Professor Dr. Schmid aus Aachen, fowie eine Sonder - Vereinsvorstellung im „Urania“ -Theater. Der Verein, der nunmehr auf ein sech8und\seckzig- jähriges Bestehen zurückblickt, zählt über 5000 Mitglieder.

Cöln, 7. Oktober. (W. T. B.) Die „Kölnishe Volkszeitung“ berihtet aus Gummers8bah: Bei Ründeroth überfuhr ein Güterzug den Wohnungswagen einer Kunfstreitergesell- \chaft. Der Wagen wurde zertrümmert, ein Kind durch den um- stürzenden Ofen verbrannt, ein Mädchen \chwer, die übrigen Insassen leichter verleßt. Außerdem wurden zwei Ponies getötet.

Aachen, 9. Oktober. (W. T. B.) Bei dem gestrigen Fe f - mahl aus Anlaß des goldenen Jubelfestes der Tatbotiiden Kongregation jüngerer Herren besserer Stände brachte der Erzbischof, Kardinal Fischer-Cöln einen Trinkspruhß auf Seine Majestät den Kaiser aus. Er erinnerte an Karl den GBroßen, den Gründer des ersten deutshen Kaiserreihßs, und führte dann aus, daß nach dem Uniergang des alten deutschen Reis der alte Barbarossa wieder in den Mitgliedern des erhabenen Hauses der Hohenzollern erwaht sei. Das neue Reich sei anders geartet al8 das alte, es sei ein der neuen Zeit entsprehendes Kaisertum, dem alle zujubelten, die ein Herz für Deutshlands Größe und Herrlichkeit hätten, au die deutshen Katholiken. Er erinnerte dann an die bekannte Aachener Kaiserrede und nannte Kaiser Wilhelm II. einen wahrhaft herrlihen Kaiser, dem alle von Herzen j¡ujubelten.

Harburg a. d. Elbe, 7. Oktober. (W. T. B.) Das in der Harburg-Wiener Gummiwarenfabrik ausgebrochene F euer (vergl. 237 d. Bl.) fam um 6 Uhr früh zum Stillstand. Es war nit, wie zuerst gemeldet, in der Ballabteilung, fondern in dem Trockenraum ausgebrochen. Das alte Hauptgebäude mit der Schuhabteilung ist vernichtet worden, ebenso die Pneumatik- abteilung. Die Ballabteilung und die Abteilung für technische Artikel sind erhalten worden. Das Feuer ift, wie die Direktion mit- teilt, vermutlich durch Kurzsbluß entstanden. Etwa 1009 Arbeiter und Ar- beiterinnen sind dur den Brand beschäftigungsios geworden, die Männer sollen jedo möglichst bei den Aufräumungsarbeiten verwendet werden, während die weiblihen Arbeiter in anderen Werkstätten untergebraht werden follen. Ueberdies bofft die Leitung, die Fahrradreifenfabrik in einem Zeitraum von 6—8 Wochen wieder in vollem Umfange in Betrieb zu seßen. Die Fabrik für Gummis{uhe wird aber in vollem Umfange nicht vor Anfang nächsten Jahres in Gang kommen können. Die Fabrikation \ämtliher anderer und chirurgisher Artikel sowie von Bällen, Ballons und Gummishuhen erleidet keinerlei Störung. Durch das Eingreifen der Werke in Wien und Hannover wird die Fabrik in die Lage geseßt, die Aufträge in Gummis- \{huhen und Fahrradreifen nah Möglichkeit zu erledigen. Der Schaden, der aber durch Versicherung gedeckt ift, dürfte etwa 2 Millionen Mark betragen.

Leipzig, 7. Oktober. (W. T. B.) Der feierlihen Ein - weibung des neuen RNathauses ging beute vormittag die Schlüsselübergabe seitens des bauleitenden Architekten, Baurats Professors Licht, und die Eröffnung des Hauses mit einer An- \prahe des Oberbürgermeisters Dr. Tröndlin voraus. Von auswärtigen fä4fishen Städten batten Dresden, Chemniß und

lauen ihre Oberbürgermeister und Stadtverordnetenvorsteher ent- andt, außerdem waren viele Vereine, Gewerke und Innungen vertreten. Der Kreishauptmann Dr. von Ehrenstein gab den Glüdwünshen der sähsishen Staatëeregierung beredten Ausdruck. Er feierte Leipzig als eine Stadt der Arbeit und von reichem geistigen Leben, gedahte der Fürsorge, die die \ächfishen Fürsten von jeher der Stadt Leipzig gewidmet haben, und {loß mit einem Hoh auf Seine Majestät den König Friedrih August.

Mittags 12 Uhr traf Seine Majestät der König Friedri August in Begleitung der Staatsminister von Meßsh, Dr. von Seydewit und Dr. Otto und des Generals der Infanterie Freiherrn yon Hausen auf dem Dreédener Bahnhofe ein, von wo sich Seine Majestät zunähst nach dem Krystallpalast zur Besichtigung der Motorfahrzeugausstellung begab. Nah Bewillkommnung des Königs durch den Generalfekretär und Leiter der Ausftellung

| Ausstellung. Vom Krystallpalaft begab er fich gegen 1 Uhr nach dem

neuen Rathaus. An dem Haupteingang wurde er vom Ober-

| bürgermeister und den Mitgliedern des Festausshusses empfangen und | durch die prächtigen Haupttreppen in die festlibd ceschmüdckte Wandel-

halle geleitet, wo ihn Fanfaren und ein dreifahes Hoch empfingen. Nah dem Gesange der Thomaner hielt der Odber-

geschihte des Rathausneubaues schilderte. Das neue Rathaus, führte

| der Redner aus, sei auf dem Plate errihtet worden, auf dem 350

Jahre lang die alte Pleißenburg gestanden; diese und das alte Rat- haus, fast gleichzeitig erbaut, seien die Hauptgebäude in Leipzig ge-

| wesen; nun sei in dem neuen Rathause E den verschwundenen

mächtigen Bau der Pleißenburg erstanden. „Möge das Haus“, fo {loß

| der Redner, „Jahrhunderte hindurch dauern als Burg des Friedens, | als Stätte und zum Schutz treuer gesegneter Arbeit.“ ! der Stadtverordnetenvorsteher Dr. Junck eine Ansprade, in der er | im Namen der Stadt das s{chöône Laus begrüßte, das als Herz Leipzigs | reines, frishes Blut in alle Adern der Stadt strömen lassen möge.

Sodann bielt

Nah S@luß des Weiheakts folgte die Besichtigung des Baues durch

| Seine Majestät den König und die Herren des Gefolges, an die sich unmittelbar das Festmahl anf{loß.

Ruhla, 7. Oktober. (W. T. B.) Heute fiel im Thüringer Der Infelsberg bot Mittags den