1906
Februar Marktort
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gering
gut
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Bemerkungen. Die verkaufte Menge wird auf volle Doppelzentner und der Verkaufswert auf volle Mark abgerundet mitgeteilt. Der Durchschnittspreis wird aus den unabgerundeten Zahlen berechnet.
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Ein liegender Strich (—) in den Spalten für Preise hat die Bedeutung, daß der betreffende Preis nit vorgekommen ist, ein Punkt (.) in den leßten sechs Spalten, daß entsprechender Beri cht fehlt.
Deutscher Reichstag. 46. Sizung vom 17. Februar 1906, Nachmittags 1 Uhr. (Bericht von Wolffs Telegraphischem Bureau.)
Tagesordnung: Dritte Beratung des Entwurfs eines Geseßes, betreffend die Ausgaben von Reichsbanknoten zu 50 und 20 4, und Fortseßung der zweiten Beratung des Entwurfs eines Gesehes, betreffend die Feststellung des Reich s- haushaltsetats für das e Gua Mane 1906, Spezialetats: Reichsamt des Jnnern, Rehnungshof des Deutschen Reiches und Reichsjustizverwaltung.
Nach Erledigung des ersten Punktes der Tagesordnung dur unveränderte Annahme des Gesehentwurfs seßt das Haus, wie in der vorgestrigen Nummer d. Bl. berichtet worden ist, die Beratung des Etats des Reichsamts des Jnnern mit Kapitel 12 Titel 1 der fortdauernden Ausgaben: „Gesundheits-
amt“ fort.
Abg. Sh mi d - Immenstadt (Zentr.) trägt dem Hause Wünsche der Bevölkerung seines Voralpen-Wahlkreises vor; seine Ausführungen, die von den ihm zunäthst stehenden Mitgliedern zum Teil mit Heiter- feit aufgenommen werden, find auf der Journalistentribüne [{chwer verständlih. Er wünscht im Interesse der Molkereien im Algäu eine strengere Handhabung des Mar arinegesees, da an Stelle der guten deutshen Butter häufig Sioffe, die irgend einer Stiefelshmiere ähnelten, verkauft würden. Die Heeres- und Marineverwaltung möchte weiter beim Bezug von Käse die Produkte der Algäuer Käsereten R
Ab ‘06 ch e (nl.): Der Abg. Hue hat vom Abg. Beumer als von einem Ko es gesprochen, der sih auch manchmal als Arbeiterfreund aufspielt. Der Abg. Beumer und wir sind ebensolche Arbeiter- freunde als diejenigen, die sich hier besonders als folche aufspielen; wir fassen die Arbeiterfreundlihkeit nur von einem anderen Ende an. - Ih. möchte auf die Geheimmittelfrage zurückfommen, die {on früher von dem Abg. Dr. Müller-Metiningen berüh1t worden ist. Die Zustände auf diesem Gebiete werden immer bedenkliher und erheischen dringend Abhilfe. Mit der jeßigen Geheim- mittelliste kommen wir nicht aus. Es gibt eine Menge Mittel, die der Apotbeker vertreiben darf, aber er darf sie nit annoncieren, wenn er nit strafbar werden will. Dahin gehören die Brandtschen Schweizer- pillen, die sogar durch das Mustershußgeses geschüßt ind. Dasselbe gilt aus vom Pain expeller, alles unschädliche Mittel. Man hat si nun zu {hüten gesuht, daß man annoncierte, unser durch Muster geschüßtes Mittel wird nahgeahmt, wir warnen davor. Wenn das Wort „Brandtshe Schweizerpillen“ darin vorkomme, so würde au dagegen eingeschritten. Es ist ein großer Uebelstand, daß mit den Mitteln, die niht auf der Liste stehen, in ellenlangen Annoncen die schwindelhafteste Reklame getrieben wird, während harmlose Mittel niht annonciert werden können. Man sollte sich endli ent- \hließen, zu gestatten, daß diese Mittel annonciert werden können. Nur vom ärztlihen Standpunkt aus \{hädlihe oder betrügerische Mittel sollten ausgeshlossen werden. Im vorigen Jahre habe ih die Frage der Viehseuhe hier besprohen und gebeten, das Reichsviehseuchengeseß endlich zu publizieren. Wir haben in der leßten Zeit in der Bekämpfung der Viehseuchen große Fortschritte gemacht. Die Lungenseuche ist fast ganz verschwunden, die Véaul- und Klauenseuche wurde im Anfang des Jahres nur noch in vier Gehöften gefunden, die Schweineseuhe und De aber noch in 1446 Gemeinden. Hoffentlih wird das Viehseuhengeses auch gegen diese Seuche künftig wirksam sein. 2
Abg. Burkhardt (wirtsh. Vgg.) beshwert \sih darüber, daß das A auch. auf Dekelkrüge mit Rohzinn angewendet und dadur unsere inländishe Industrie geshädigt werde, Größere Firmen haben sich dadurch geholfen, daß fie die Krüge nah Holland geschickt haben, wo solche bleihaltigen Deckel fabriziert werden dürfen; didurch seien aber eine Anzahl. von Arbeitern arbeitslos geworden. Der deutsche Markt werde nun dur das Ausland mit solhen Deckel- krügen überschwemmt und die helwiide Industrie, namentli die seiner Heimat, des Westerwaldes, ruiniert. Man sollte ‘alles ver- meiden, was Unzufriedenheit erweckt. Der Redner nimmt dann noch seinen
reund Stöcker gegen die Angriffe des Abg. Hue in Shuß. Der Abg.
tôcker habe nur von Uebertreibung von Wirklichkeiten gesprochen. Der Reichstag könne nicht feststellen, in welhem Umfange Mißstände vor- handen seten, das sei Sache der Gewerbeinspektoren. Weder er, der Redner, noch sein Freund Stöcker habe von den Dingen etwas er» fahren, die hier vorgetragen würden. Ueber jedes einzelne Arbeits - verhältnis könne der einzelne Abgeordnete niht unterrichtet sein. Es wäre Pflicht der Arbeiter gewesen, die einzelnen Beschwerden ibm, dem Redner, in einer Versammlung mitzuteilen. Auch dem Abg. Stöcker sei das nicht mitgeteilt worden; er sei darum berehtigt gewesen, von Schauermärchen zu \prehen. Er set allerdings niht Arbeiter, könne aber die Ne sehr wohl beurteilen. Auch stehe er über den Parteien und sage \ih, daß man auch die Unternehmer hören müsse; die Wahrheit liege meistens in der Mitte; die Arbeiter stellten oft Behauptur.gen auf, die si nachher nicht als richtig erwiesen. Jm Grunde genommen richteten sich jene Angriffe gegen die Gewerbe- inspektoren. Im großen und ganzen werde durch . derartige Mtit- teilungen nur. Unzufriedenheit ia die Arbeiterkreise getragen und die Arbeitgeber abgehalten, etwas für die Arbeiter zu tun, Die Christlih-Sozialen bemühten si seit Jahren um das Wohl der Arbeiter. Wenn der Abg. Paasche die betrügerische Anzeige verbieten wolle, so sei es doch fraglih, wer entscheiden soll, was betrügerish sei oder nicht. Man müsse im Gegenteil der Regierung dankbar sein, daß sie in dieser Sache energisch vorgehe. ,
Abg. Dahlem (Zentr): Fch kann mich den Ausführungen des Vorredners übec die Ausführung des Bleigesezes nur anschließen. Es war doch nicht die Absicht der Gesetzgeber, daß die Ausländer besser gestellt werden sollten als die Inländer. Die Deckel, die früher im Westerwalde angefertigt wurden, werden jeßt in Holland und Amerika angefertigt und unsere Industrie dadur lahm gelegt. Durh eine Bundesratsverordnung könnte ab eholfen werden, die bestimmt, daß nur die Teile unter das See allen, die mit dem Munde in Berührung kommen, aber niht die Scharniere und Gebinde- teile. Auf keinen Fall darf eine so blühende und große Industrie lahm gelegt werden. Einem Geseß in dem eben erwähnten Sinne os der Reichstag gewiß zustimmen. Es ist wirklich Gefahr im
erzuge.
Abg. Dr. Wolff (wirts{. Bog.) fragt, wie es mit der Behand- lung der Essigessenz im Handel stehe. Der Bundesrat folle die Ab- siht haben, den Verkauf von Essigessenzen und Säuren in einer Konzentrierung über 1509/6 in Flaschen bis zu einem Liter zu verbieten. Den Eifigfapr Tauten gehe dieses niht weit genug angesichts der zahl- reihen Unglücksfälle, die in der leßten Zeit vorgekommen feien.
Abg. F roëli (d. Reformp.): Ich habe hon früher an den Staatssekretär die Frage gerichtet, ob die Regierung die Voraus- \ezungen, unter denen das Impfgeseß im Jahre 1874 erlassen ift, noch für zutreffend erachtet, und welche weitere Folge dem 1896 vom Hause zum Beschluß erhobenen Antrage gegeben ist. Auf die erstere Frage hat mir der Staatssekretär geantwortet, auf die leßtere nicht. enn er au außerordentlich mit Arbeiten überlastet ist, so hätte er do in den 10 Jahren seit 1896 eine Nadyrefuog dieser eiñinent wih- tigen Frage eintreten lassen können, anstatt zum Sprachrohr ‘des Reichsgesundheitsamts zu maren und die Sache mit einer etwas \cherz- haften Wendung abzutun. enjenigen Eltern, welche ihre Kinder
egen ihre bessere Ueberzeugung zur Impfung zu s{hicken gezwungen nd, ist durhaus n L erzhaft zu Mute. Der Zwang wäre noch zu ertragen/ wenn die Impfung nicht notorisch {were Gefahren im Gefolge hätte, Was unter allen Umständen gefordert werden muß, wenn jemand vielleicht zum Krüppel geimpft wird, ist die Entschädi- gungspfliht des Staates. Le cisenbe von Eltern wird ein Ge- wissenszwang ausgeübt, wie er im 20. Fahrhundert, dem Zeitalter des
volle Dergnge: Die Hauptvorausfezung des Gesetzes von 1874 war, daß die Impfung keinerlei Nachteile für die Gesundheit haben könne, und baß die Impfung nit aufrecht zu erhallen sei, wenn es nicht ge- lingen follte, fie zu einem? durchaus uns{hädlihen Eingriff zu machen. Um leßteres zu erreihen, griff man zur animalishen Lymphe. Aber so ganz war man auch von deren Güte nicht überzeugt. Daß sie fehr viel Unheil angerichtet hat, hat selbst die höchste Instanz nicht bestritten. Ih stüße mich gerade auf einen Freund des Impfs- zwanges, den Geh. Medizinalrat Dr. Pfeiffer in Mtimar, der auf eine Anfrage erwiderte, daß sogar Todesfälle bei Verwendung animali- {hen Stoffes vorgekommen sind. Von einem durhaus unshädlihen Eingriff kann also nicht die Rede sein, ur.d damit fallen die Voraus- sezungen, unter denen seinerzeit das Gefeß gegeben ist, fort. Auch die hervorragendsten Impfärzte haben sich in ähnlihem Sinne geäußert, besonders Prof. Kußmaul wollte keinen Impfzwang. Daëselbe trifft auf den eigentlihen Vater des Geseßes von 1874, den Abg. Dr. Löwe zu. Was die Dauer des Impfschußes anbetrifft, so haben verschiedene Autoritäten erklärt, daß er 6 bis 8, andere wiederum, daß er 10 bis 12 Jahre vorhält. Demnach sind ungezählte Frauen und Männer seuhengefährlih, und auch die älteren Herren hier im Hause sind da- nah eine ganz feuchengefährlihe Gejellschaft. Eigentliß müßten wir einen Antrag einbringen, daß sie sih alle noch einmal impfen lassen. Die auf Grund des Beschlusses von 1896 eingeseßte Koms mission bestand aus 18 Mitgliedern, davon 15 Freunden und nur 3 Gegnern des Impfzwanzes. Der objektiv denkende Arzt wird immer der e sein, daß der Impfzwang als solcher zu beseitigen ist. DY möte bitten, den Beschluß von 1896 endlih zur Ausführung zu ringen.
Inzwischen ist folgende Resolution von Dr. Burck- hardt, Dr. Dahlem und Genossen eingegangen:
Der Reichstag wolle beschließen, die verbündeten Regierungen zu ersuchen, s{leunigst anzuordnen, daß die Herstellung und der Vertrieb von Bierkrugdeckeln aus einer Legierung von Zinn von mehr als 109/66 Bleigehalt nicht als unter das Geseß vom 25. Suni 1887 fallend betrachtet werden, wenn die Deckelkrüge nahweislich zur Ausfuhr nah außerdeutshen Ländern bestimmt sind.
Abg. Dr. Müller-Sagan (fr. Volksp.): Jch Laube nicht, daß'es nôtig ist, die Ausländer mehr zu s{chügen, als sie felbst für nötig halten. Der Abg. A hat sich gefallen als rabikaler Gegner des Impfzwanges. Er hat gemeint, aus Einzelfällen Schlüsse ziehen zu können, die das Jmpfen als eine Gefahr für die Voksgesundheit kenn- zeichnen. Ih möchte ihn aber doch bitten, einen Vergleich zwischen den- jenigen Völkern zu ziehen, bei denen der Impfzwang herrscht, und denen, wo er nicht besteht, oder eine grPere Freiheit zugelassen ist. Wir haben Gelegenheit gehabt, vor ver ältnismäßig kurzer Zeit, während des Krieges gegen Frankrei, in unserem Lande selbst in dieser Be- ziehung Veitgrbentie Erfahrungen zu machen. In Glogau waren 1870 zahlreiche französishe Krieg8gefangene. Von einem alten, erfahrenen zuverlässigen Arzte wurde mir wiederholt erzählt, wie schr die Poken unter ihnen gewütet haben. Jeßt, wo wir zu unseren deutschen Landesbrüdern auch die Schwarzen in den Schußgebieten rehnen, fönnen wir uns auch die Erfahrungen zu nuße machen, die dort jenseits des Meeres gemacht worden sind. Ein Kollege, der kürzli eine Reise nah Afrika gemacht hat, berichtet, daß die Neger geradezu zum Impfen drängen und fröhlih sind, wenn sie geimpft werden. Die Frage des Impfzwanges ist so oft und so eingehend und erschöpfend von allen möglichen Körperschaften durhberaten und aufs gründlichste erwogen worden, daß der Reichstag gut täte, sich nicht noch wieder damit zu beshäftigen und die Regierung zu einem Beschlusse zu drängen. Auch für andére Krankheiten hat sich die Impfung als fo segensreih erwiesen, daß eine Auffassung, wie sie vorhin vertreten ist, \sich heutzutage nicht mehr halten läßt. Ih möhte mi vor allem gegen die Ausführungen des Abg. Dr. Burkhardt über das Geheimmittelwesen wenden. Ich kann mich in meinen Ausführungen beschränken, da {hon der Abg. Dr. Paasche den Standpunkt vertreten hat, den auch ih in biéer Frage ein- nehme. Ueber die bestehende Geheimmittelliste hinaus werden von Jahr zu Jahr noch neue Verbote erlassen in den ein- zelnen Bundesstaaten, die eine einheitlihe Handhabung für das ganze Reich vermissen lassen. Von dem Berliner Polizeipräsidium gebt den Zeitungsexpeditionen eine Mitteilung zu, daß _z. B. das
ntipositin nicht mehr angekündigt werden darf. Soviel mir bekannt, ist dies ein sehr wirksames Mittel zur Entfettung. Ich habe es allerdings niemals selbst nôtig gehabt. Hier darf es. also niht inseriert werden, in Münchener und anderen Blättern \ da- gegen findet man fünf, \sech3 Inserate. Ein Mittel, wie Ulrichs Kräuterwéin, wird ebenfalls vom Berliner Polizeipräsidium verboten. Auch dies wird also in den einen Blättern annonciert, in den anderen niht, Die Tagespresse ist hier vollkommen der Willkür der Ver- waltung preisgegeben. Damit drängen Sie die Leute zu den Kur- pfushern und Gesundbetern. (Zuruf des Abg. Dr. Burchardt.) Das Gegenteil ist die Folge, sagt der Abg. Dr. Burckhardt. Sie glauben gar nicht, was für N S Unge ih, als ich kürzli frank war, bekommen habe, selbst solche von Gesundbetern, und es ist merk- würdig, daß alle U Mittel, die niht inseriert werden, eine viel höhere Preislage haben, von 10 A an, Heilung garantiert ! Nach meinen Grfahrungen wäre es an der Zeit, daß diese Rute polizeilicher Willkür beseitigt wird. Es erweckt den Anschein, als ob die Organe der einen Presse anders behandelt werden als diejenigen der anderen.
Stellvertreter des Reichskanzlers, Staatssekretär des Jnnern, Staatsminister Dr. Graf von Posadowsky-Wehner:
Meine Herren! Es ist die Frage an mih gerichtet worden, wie es mit der Bekämpfung der Genickstarre stehe. Das Reichsgesund- heitsamt und das Reichsamt des Innern verfolgen die Entwicklung dieser äußerst gefährlihen Krankheit mit der größten Aufmerksamkeit; aber die Bekämpfung der Krankheit ist Sache der Einzelregierungen, und ih nehme an, daß die preußishe Regierung alles tut, was in ihren Kräften steht, um einer weiteren Verbreitung der Krankheit Einhalt zu tun.
U-ber die Wurmkrankheit wird dem Reichstag morgen oder über- morgen eine umfassende Denkschrift zugehen. Ich hoffe, daß die Herren aus dieser Denkschrift manches Neue ersehen und finden werden, daß wenigstens die Erforshung der Natur der Krankheit mit dem größten Ernst betrieben worden ist.
Das bakteriologishe Institut, von dem der erste Herr Vorredner
spra, ist ledigli eine Einrichtung in Preußen; das Reich kann in -
der Saße nichts tun; es muß der preußischen Medizinalverwaltung überlassen werden, die Wünsche, die hier geäußert worden sind, zu er- wägen. Jh werde aber die Erklärungen, die heute zu dieser Frage abzegeben worden sind, noch ausdrücklich dem preußischen Herrn Medizinalminister mitteilen.
Wenn die Verordnungen über die Zinkhütten und über die Thomas- {lade nicht ausgeführt werden, fo bedaure ih das ; die Ausführung [liegt ebenfalls in der Hand der einzelstaatlichen Verwaltungen. Ich werde auch hier Gelegenheit nehmen, den betreffenden Einzelstaaten von dem Inhalt der Verhandlungen Mitteilung zu mahen.
Die Frage der Essigsäure ist ja ein alter Bekannter in diesem hohen Hause. Es ist im Reichsamt des Innern der Entwurf einer Verordnung ausgearbeitet und den verbündeten Regierungen mitgeteilt worden, dahin- gehend, daß int Einzelvetkauf Flaschen unter einém Liter nit verkauft werdén dürfen, und daß der Inhalt dieser zum Verkauf gelangenden Flashèn nur auf 100 Gewichtsteile Wasser 15 9/6 reiner Essigsäure enthälten dürfe. Jh muß aber heute {on bemerken, daß die Auf- fassuigen der verbündeten Regierungen, soweit fie mir bekannt ge“ worden sind, auseinandergehen, daß einzelne Regierungen der Ansicht
Porshrits und der Toleranz, nicht mehr für mögli gehalten werden, ollte. Von allen Seiten hôrt man unheilvolle Gerüchte über unheil-
sind, eine solhe Verordnung sei nit so notwendig, es würde genügen,
den Flaschen eine besondere äußere Gestalt zu geben und sie mit gewissen warnenden Etiketten zu. versehen. Ich hoffe, der Bundesrat wird sich in nähster Zeit zu dieser Frage endgültig {chlüssig machen können. Was das Geheimmittelwesen anlangt, meine Herren, so habe id ja ausdrücklich zugesagt, daß von Zeit zu Zeit eine Nachprüfung der Geheimmittelliste stattfinden soll. Es sind infolgedefsen, weil au beim Reich8amt des Innern zahlreiche Anträge eingegangen waren, die Geheimmittelliste zu ergänzen, d. h. eine Anzahl Geheimmittel, die jeßt noch im Verkauf frei sind, auf die Geheimmiitelliste zu segen und so den Beschränkungen zu unterwerfen, die der Bundesratê&- verordnung zu Grunde liegen, Aeußerungen der verbündeten Res gierungen eingeholt worden; hierauf sind 600 verschiedene Geheim- mittel vorgeschlagen worden, die eventuell auf die Liste zu fezen wären. (Hört, hört!) Selbstverständlih wird eine eingehende Nach- prüfung dieser Vorschläge erfolgen. Für die ges ebli ch e Regelung des Geheimmittelwesens is im Reichsamt des Innern ein Gesetzentwurf ausgearbeitet worden. E war der Wunsch des hohen Hauses, daß im Wege des MNeichsgeseßes, und nicht im Wege eines übereinstimmenden Bundesratebeschlufses, wie es jeßt der Fall ist, das Geheimmittelwesen geregelt werden sollte. Dieser im Jahre 1904 im Reichsamt des Innern aus- gearbeitete Entwurf unterliegt noch der Beratung der zuständigen Ressorts. Jch würde mich sehr freuen, wenn dieser Geseßentwurf zu stande käme; denn donn wird die Verantwortlichkeit der Verwaltungs- behörden wesentlih entlastet werden, und der Reichstag selbst kann si zur Sache {hlüssig mahen. Ich halte es aber für meine Pflicht, darauf hinzuweisen, daß eine strengere Bekämpfung des Geimmittek- wesens — besser des Geheimmittelunwesens — gerade auf Ver- anlassung verschiedener dringliher Anträge des Reichstags erfolgt ist. Meine Herren, wenn behauptet ist, es würden von seiten der Re- gierungen oder Polizeibehörden einseitig neue Mittel auf die Geheim- mittelliste geseßt, so wäre ein solhes Verfahren meines Erachtens un- zulässig; ih werde sofort feststellen, wie sich die Sache tatfählih ver- bält; der Bundesrat hat seinerzeit ausdrücklich beschloffen, die verbündeten Regierungen zu ersuchen, „Ergänzungen der dem Entwurf beigefügten Verzeichnisse A und B nur nach den hierüber im Bundesrat zu treffen- den Vereinbarungen vorzunehmen.“ (Hört, hört!) Also nur auf Grund übereinstimmenden Beschlusses des Bundesrats können neue Mittel auf die Geheimmittelliste geseßt werden. Ih fann aljo dem Herrn Vorredner die Versicherung geben, die Sahe wird eingehend untersucht werden. Wenn er sich weiter dafür inter- essiert, will ih ihm sehr gern in einer persönlichen Unterhaltung den Grfolg dieser Untersuhung mitteilen.
Das Viehseuchengeset ist fertig ausgearbeitet und könnte noch in dieser Tagung dem hohen Hause vorgelegt werden, wenn dasselbe niht hon ohnedies außerordentlich überlastet wäre. Ich würde es bei diesen Verhältnissen für praktischer halten, den Geseßentwurf niht {hon jeßt einzubringen, sondern ihn erst in der nächsten Tagung dem Reichstag zur Beschlußfassung vorzulegen. Dem Herrn Abg. Dre Paasche kann ih versichern, daß bei diesem Gesetzentwurf die neueren Erfahrungen der Wissenschaft volle Berücksichtigung gefunden haben.
Die Bestimmung über den Bleigehalt der Krugdeckel beruht auf einem eingehenden Gutachten des Reichsgesundheitsamts. Ich und die ver- bündeten Regierungen sind verpflichtet, das Nahrungsmittelgeseß in der Weise auszuführen, wie es unsere oberste technische Reichs- behörde im Interesse der Gesundheit der Bevölkerung für notwendig hält. Ob es mögli sein wird, für das Ausland andere Grundsätze festzulegen als für das Inland, das will mir sehr zweifel- haft erscheinen; diese Frage, die ihre weittragenden Rück- wirkungen haben könnte für unseren Verkehr mit dem Auslande, und insbesondere auch für unsere Einfuhr aus dém Auslande, muß jedenfalls eingehend geprüft werden, ehe ih irgend eine festlegende Erklärung abgeben kann. (Zuruf.) — Wenn es seit 10 Jahren geschieht, daß Krüge mit geringerer Legierung hergestellt werden, dann geschieht es wahr- \heinlih geseßwidrig. Es geshieht manches, was mit dem Geseß niht übereinstimmt. (Sehr richtig)) Aber wenn geseymäßig ge- handelt wird, dürfen die Zinndeckel und Scharniere nur die Le- gierung haben, die vom Bundesrat als zulässig erkannt ist. Sonft geschieht die Herstellung eben per nefas. Sie haben aber jeßt auch die Beshwerden gehört, daß die Verordnungen über die Thomas- \{läckenmeblfabrikation und über die Zinkhütten niht genügend aus- geführt würden. * Ih glaube, es muß der Wunsch jedes Staats- bürgers sein, daß Geseße und Verordnungen, die einmal erlaffen find, wirklich auch durchgeführt werden. (Sehr richtig !)
Was \cließlih die Debatte über das Impfgeseß betrifft, so liegt ja auch eine Petition vor, die in der Petitionskommission erörtert werden wird. Ich bin selbstverständlih der Ansicht, daß alles gesheben muß, um das Impfverfahren so vollkommen auszugestalten und alle neuen Erfahrungen der Wissenschaft und der Praxis o auszunußen, daß jeder Gefahr einer Schädigung der mensch- lihen Gesundheit durch das Impfen so weit vorgebeugt wird, wie das irgend möglich ist. (Bravo!) Aber, meine Herren, daran ift nit zu denken, wenigstens soweit ih die Stimmung der verbündeten Regierungen kenne, daß man jemals den Impfzwang, der sich fo ausgezeihnet bewährt hat, aufgeben könnte.
Fn England hat man die sogenannte Gewifssensklausel, wie Sie wissen, d. h. die Klausel, daß, wenn jemand unter Eid oder an Eidesstatt versichert, daß es \sih mit seinen Gewissensauffassungen nit vertrüge, die Impfung an seinen Kindern zu gestatten, er von der Impfung befreit werden muß. Infolgedessen hatten wir vor mehreren Jahren in England und besonders in London eine Poden- epidemie, die eine wahre Panik im Lande hervor- rief und auch auf die wirtschaftlichen Verhältnisse eine Zeitlang einen sehr nahhaltigen Einfluß ausübte. Die Erfahrungen, die man in Frankceich während des Feldzuges gemacht hat, sind ja bekannt. Es ist bekannt, wie shrecklich die französische Armee im Jahre 1870 bis 71 unter den Pocken gelitten hat, und daß unsere Truppen, die in dieselben Lager kamen, wo von den Poten infizierte französishe Truppen- teile gelegen hatten, von den Poden fast gar niht berührt worden sind; daß die verbündeten Regierungen den Standpunkt der Zwangs- impfung jemals aufgeben sollten, halte ih für vollständig ausges&loßen.
. Liebermann von Sonnenberg (wirtsch. ): Ih aube Metüétfeltd: daß im Punkte der enera C Wissen\ dit 28 sortschreiten und uns auf einen höheren Standpunkt bringen wird, als
hn gegenwärtig die Regierung einnimmt. Wenn rr Müller- Sadla uns die Neger als Beispiel für die segensreihe Wirkung
des Impfzwanges vorführt, fo erwidere ih: die Neger beten
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