karten, Drucksachen, Warenproben und Geschäfts- papiere im Orts- und Na barortisverkehr ein- zuführen, an den seitherigen Tarifen festzuhalten gedenke.
Wie das „W. T. B.“ meldet, erwiderte der Minister von Weizsäcker im Namen der Königlichen Staatsregierung, das diese der Ansicht sei, es könne angesihts der Aenderung der Tarife der Reichspost an den hier in Betraht kommenden Taxen im württem- bergishen Orts- und Nachbarortsverkehr niht in dem Umfange der bisherigen Erleichterungen festgehalten werden.
Deutsche Kolonien.
Aus Deutsh-Südwestafrika werden amtlich vom 20. d. M. folgende Verluste gemeldet :
Nördlih von Warmbad find gefallen: der Reiter Paul Hänsel, eboren am 23. 3. 81 zu Seidau, früher im 6. Königlid Sächsischen Snfanterieregiment Nr. 105, und der Reiter Karl Kirhboff, ge- oren am 4. 11. 83 zu Berlin, früher im Ulanenregiment Nr. 14, zwishen Kalkfontein-Süd-Warmbad als Relaisreiter der Reiter Karl Schurma, e am 4. 12. 81 zu Klein-Zyglin, früher im Infanterieregiment Nr. 51. ;
Der Gefreite Julius Wichmann, geboren am 1. 3. 81 zu Lautern, früher im Jägerbataillon Nr. 1 ift am 22. Juni 1906 in der Krankensammelstelle Kubub an Herzshwäche gestorben.
Oefterreich-Ungarn.
In der österreihishen Delegation wurden gestern die Verhandlungen über das Heeresordinarium fortgeseßt. Nach dem Bericht des „W. T. B.“ trat der Delegierte Delugau für die Unterstüßung der Abrüftungsbestrebungen im Einvernehmen mit den anderen europäishen Staaten ein. Gegenüber dem De- legierten S{hreiter, der für Verwirklihung des Linzer Programms spra, betonte der Fürst Schönburg: die alldeutsWcn Pläne auf Anagltederung “der deutshen Provinzen an das Deutsche Reih würden umso weniger verwirklißht werden, als dadur ein blutiger Krieg zwishen den Germanen und Slaven Europas entbrennen würde und die darauf hinzielendeu Pläne der Alldeutschen bei den maßgebenden Faktoren des Deutschen Reichs keinen Anklang änden. Der Redner gab im Namen seiner Parteigenofsen die Er- ärung ab, daß sie das Kriegsbudget annehmen, unter der Bedingung, daß die Gemeinsamkeit und Einheit der Armee unverändert sowie die Leitung und innere Organisation aus\{ließlich der Krone vorbehalten bleibe. Der Delegierte Stein erörterte sodann eingehend die {weren Schäden des Dualismus und spra fih für die vollständige Trennung beider Reichshälften aus. — Die ungarische Delegation beschäftigte sich in ihrer gestrigen Sißung mit der Beratung des Budgets des Ministeriums des Auswärtigen.
Im Laufe der Debatte wies der Delegierte Hollo, nah dem Bericht des genannten Bureaus, auf die Gefahren hin, denen Ungarn dur den cibund infolge der Expansionspolitik Deuts(lands ausgeseßt set, damit verbundenen bedeutenden Militärlasten. Ueberdies verhindere der Einfluß Deutschlands, daß die Rebhte Ungarns zur Geltung kämen. Deutschland Habe fi nit nur mit der ungeseglihen Regierung Ungarns verbündet und mit ihr Verträge abge}lofsen, sondern einzelne Mit- glieder dieser Regierung seien au nahträglid durch den Deutschen Kaiser ausgezeichnet worden. Deutschland wolle in der Wehrmatht Desterreih-Ungarns eine Reserve seiner eigenen Wehrmaht befißen. Bezügkich der Orientpolitik — Oesterreich-Ungarn verhindern, daß auf dem Balkan eine fremde Mat feften Fuß fafse; ftatt defsen hâtte der Minister des Au3wärtigen die Gefühle der Balkanvölker verletzt. Der Redner brate einen Beschlußantrag cin, wona die Delegation die Antwort des Mirifters des Auswärtigen in der Wappenfrage nit zur Kenntnis nimmt und den Minifter an- weist, den Beschlußantrag des Autshusses durhzuführen. Séhließlih betonte Hollo die Notwerdigkeit, mit dem Glauben zu brehen, als wäre die MonatWhie ein deutsher Staat. Der Minktfterpräfident Dr. Wekerle konstatierte, daß in der Delega- tion bezügli der beiden Kardinalvunkte der auswärtigen Politik, nämli des Festhaltens an dem cinen defenfiven Charakter tragenden Dreibund und der Forderung der freien Entwicklung der Balkanstaaten, kaum eine Meinungsverj\ciedenheit bestehe. Bezüglich der Sprathen- und Wappenfrage verwies der Minifterpräfident auf den bekannten Staridpunkt der Regierung. Der Delegierie Tuskan (Kroate) fritifierte die au8wärtige Politik in China und Marokko und forderte die Loslôfung von dem deutshen Bündnifse.
— Im öfterreihishen Abgeordnetenhau gestern die Fortsezung der Beratung des Bu joriums auf der Tagesordnung.
Der Abg. Sternberg erklärte, für das Budgetprovisorium stimmen zu wollen, da er keinen Grund habe, gegen die beiden dem Kabinett angehörenden böhmischen Minister Mißtrauen zu begen. Der Abg. Placek betonte, daß die Bevölkerung Böhmens zu einem Kabinett kein Vertrauen habe, in dem der deutihe Landêmannminister den Einfluß der tshechischen On a paralyfierte. Der Abg. ager trat für den Schuß der österreihishen Reih2bälfte bei
erhandlungen mit Ungarn ein und verlangte, daß die agrarif{en Interessen beim Abs{luß von Sen mit dem Auslande geschüßt würden. Der Abg. olf führte aus, für ein se{chs- monátlihes Budgetprovisorium um \o weniger stimmen zu können, als dadurch einerseits die Dauer der Mandate des Hauses über- schritten würde und andererseits die Zusammenseßung des Kabinetts, die wobl einen Fortschritt bedeute, doch keine genügende Gewähr für den Schuß des Deutshtums biete, und beantragte die Bewilligung eines dreimonatlihen Budgetprovisoriums; sein Antrag wurde jedo niht genügend unterstüßt.
Großbritannien und JFrland.
Jn Beantwortung einer gestern im Unterhause gestellten Anfrage, betreffend den Besuch der englischen Flotte in der Ostsee, und einer Anregung, daß sie die russischen Häfen nit anlaufen solle, weil ein solcher a s als eine der kon- stitutionellen Bewegung in Rußland feindlihe Kundgebung ausgelegt werden würde, gab der Staatssekretär des Aus- wärtigen Sir Edward Grey nach dem Bericht des „W. T.B.“ folgende Erklärung ab:
Die Flotte werde nach den bisherigen Bestimmungen im Laufe ihrer Kreuzfahrt in der Ostsee vier russishe Häfen besuhen. Genaue
aten seien noch niht festgeseßt worden, aber sie würden in die Zeit von Ende Juli oder Anfang August fallen. ersheîine ihm, dem Staatssekretär, ganz ausgeschlossen, daß der Besuch der Flotte, der dort eine Zeitlang vorher {on vorbereitet worden sei, so ausgelegt werden könne, als habe er irgend eine Beziehung auf die inneren Angelegenheiten Rußlands oder irgend ‘wélhen ' Einfluß auf sie. Derartige Besuche während der Sommerkreuzfahit der Flotte seien bis heute stets als ein eins facher ‘Akt der Höflichkeit gegenüber dem Lante und dem Volke an- esehen worden, in dessen Nachbarschaft sih die Flotte begeben babe.
enn eine weitergehende Erklärung gewünsht werden sollte, fo \{hlage er vor, daß dies bis zur Beratung des Ctats des Auswärtigen am 5. Juli vershoben werde.
Das Haus seßte im weiteren Verlaufe der Sißung die Beratung des vierten Artikels der Unterrichtsbill fort. Es lag hierzu ein weitgehender Abänderungsantrag der
sowie auf die
Opposition vor, der aber bei der Abstimmung mit 340 gegen 237 Stimmen grn wurde. Die Nationalisten, 19 Arbeiter- vertreter und 27 Liberale stimmten mit der Opposition.
Frankreich.
a dem Budget für 1907 werden, „W. T. B.“ zufolge, ur Bestreitung von 150 Millionen dauernder Mehrausgaben olgende Maßnahmen vorgeschlagen : 1) Dreißigprozentige Er- öhung der Erbschaftssteuer auf Nachläfse von mehr als 10 000 Fr., 2) Slenmgushina auf Absynth und Likörweine sowie Erhebung einer abe von Mineralwässern, 3) zehn- rozentige Erhöhung der Besizwechselabgabe von auf den Jn- aber lautenden beweglichen en, 4) Vorgehen gegen die Unterschleife im Verkehr mit Branntwein.
Rußland.
Zur Beleuchtung der finanziellen und öko nomischen Lage Rußlands werden von der „St. Petersburger Tele- graphenagentur“ folgende Angaben verbreitet :
Die ordentlihen Staatseinnahmen in den ersten vier Monaten des Jahres 1906 weisen eine Vermehrung um 61,2 Millionen Rubel gegen den gleichen rama des Vorjahres auf. Ueber die Eisenbahneinnahmen liegen Angaben für fünf Monate vor; danah haben diese nach der durch den Ausstand hervor- gerufenen Verminderung während des Januar und Februar gegen das Vorjahr im März um 5,5, im Aptil um 7,4, im 2 ai um 3,3 Millionen Rubel gehoben. Außerdem waren die Güter- anbäufungen am Plate, die im eune i auf 211433 Waggons beliefen, am 16. Juni 76 623 ggons zurückgegangen; die ent- \sprehende Zabl des bres war 103 119 Waggons. Die Be- wegung des auswärtigen Handels in der Zeit vom 14. Ja- nuar bis zum 10. zeigt einen Uebershuß des Aus- fubrwerts über den rwert von 131287 000 Rubel; im Vorjahre hat dieser eris 164 300 000, im Jahre 1904 64 734 000, im Jahre L 111 543 000 Rubel betragen. Die gegenwärtige Einfuhr Biidet dem Werte nach 225 830 000 Rubel egen 201 890 000 Rubel im Vorjahre und die Ausfuhr 357 117 000 Rubel gegen 366 119000 Rubel im Vorjahre. Die Zollein- nahmen betrugen in dén ersten fünf Monaten dieses Jahres 90 903 000 Rubel 74 889 000 Nubel des Budgetans{lags, 76 909 0009 im Vorjahre úünd 87 515 000 Rubel im Jahre 1904. Die Zunahme der Geldeinlagen in die Sparkassen in den ersten fünf Monaten des Jahres betrug 114,9 Millionen Rubel gegen 248 Millionen im Zeitraum des Vorjahres; ihre gegenwärtige starke bildet cinen gien Ausgqleih des in jüngster Zeit Abflusses der Einlagen, die jeßt wieder in die Kassen zu . Der leyte Staatsbankausweis vom 21. Juni stellt fest, der Aktivbestand f infolge des Zu- fAufses von den aus dem kommenden Geldzeihen noch gestärkt hat. Ein anderes Zeichen des Aufhörens des akuten Geldbedarfs be- ftebt in dem fortdauernden Zurückgehen der Aktivausgaben der Bank trop der B, Der Goldbestand erreichte 1 107 350 000 Rubel, f er fast vollständig 100 °%/% des Noten- umlaufs darstellt.
— Die m der aan der gestrigen Sißung der Reichsduma stehende Jnterpellation, betreffend die Unter- drückung der Presse, rief eine lan e Debatte hervor, in der eine große Zahl von Rednern heftige Angriffe gegen die Re- gierung rihtete. Desgleichen gab eine Jnterpellation, die darüber Beschwerde führt, daß Kosaken im ganzen Lande als Polizisten verwendet würden, Anlaß zu längeren Ausführungen, von denen namentli diezenigen des Abg. Arakanzew tiefen Eindruck machten.
Nah dem Beritt des „W. T. B.“ hob der Redner hervor, die Kosaken hätten chemals die Freiheit geliebt, allein die Regierung bâtte jedes menshlihe Gefühl in den Kosaken ausgetilgt und hätte ibnen Verahtung und Haß gegen die Rufsen beigebraht. Die Kosaken sagten, fie seien keine Ruffen, sondern cine befondere Nationalität, fie scien Koïaken. Wan dürfe aber, saate der Redner, die Kosaken riht hassen, man müsse fie be- flagen. Dice Abgeordneten aus dem Dongebiet Wasfiliew und Savostianow beantragten den SW{luß der Debatte, da der Duma niht das Recht zustehe, die Verabschiedung der Kosaken zu verlangen; dieses NReht komme allein dem Monarchen zu. Der Präsident rief den Redner zur Ordnung, da ein \oldes Verlangen unzulässig sei, nahdem er die Diskussion zuge- laffen habe. Die Abgg. Borodin, Sedelnikow und der Pricsier Afanassiew, die alle Kosakenwahlkreise vertreten, wicien die Ausführungen der Abgeordneten Wassiliew und Savostianow zurück und erhoben gegen fie den Vorwurf, Re feien nur durch dic Unterstützung der Regterung gewählt worden; die Sosaken wünshten mit dem russishen Volke in Frieden zu leben. Der Abg. Borodin verlas Briefe von Kosaken, deren Schreiber am liebsten zu den Ihrigen zurückehren möten, und die ihrem Unwillen Ausdruck geben über den Polizei- dienst, den man ihnen aufiwinge; fic wollten niht reihe Leute bewachen, unter deren Einfluß Rußland leide. Borodin spra die Vermutung aus, daß die beiden Abgeordneten aus Kojakenwahl- freisen, die von der Ergebenheit der Kosaken gegen ihre Führer und von ihrem Hafse aegen die Revolutionäre gesprochen hatten, ihre Reden im Etnverständris mit hohen Offizieren ausgearbeitet hätten. Der Priefier Afanas\sirw meinte, derartige Reden seien die FruŸt einer falschen Auffafung von Patriotismus. Der Abg. Sedelnikow fagte, die Kosaken seien ete Diener des Kaisers und des Vaterlandes, aber der Kaiser selbît sei der erfic Diener des Vaterlandes und das durch die Duma vertretene Vaterland verlange die Freiheit. Also hätten die Kosaken fein edt, dem Willen des Parlaments cntgegenzuhandeln. Der Abg. Roditshew legte Verwahrung ein gegen den Miß- brau des Namens des Kaisers Dieser könne nit {let bandeln. Es seien nur die Behörden, wel(he die Exekutiv- gewalt auSübten, die Mißbräuhe im Namen des Kaisers begingen. Es sei nit nur ein Ret, sondern aub die Pflicht der Duma, solle Verbrehen der Verwaltung aufzudecken. Der Abg. Aladjin wies darauf hin, daß tas Bild von dem freien untd tapferen Kofaken, das fröhzr in der Vorftellung der Ruffen gelebt habe, voll- fommen verschwunden jei. shmuktzigen, \himpslihen Dienjt.
Das Haus nahm hierauf die Dringlihkeit der Jnter- pellation bezüglih der Kosaken einstimmig an.
Jet verrihicten die Kosaken inen
die Thronfolge des Sohnes von Jbn-Reschid gegen die Aspi- rationen des Sultans von Koweit Mubarek 2 fbern. ie Expedition wird von dem General Bar 1am a geleitet Es e zu diesem Zweck jezt nah Bagdad verseßt worden ist.
Kunst und Wissenschaft.
Nah den Amtlichen Berichten aus den Königlichen Kun st- (am itect für das erste Vierteljahr 1906 erhielt das Museum ür Völkerkunde u. a. für die asiatishen Sammlungen als Eten von dem Hofrat Dr. Noetling in Baden-Baden : Eine große
mlung von Ausgrabungsergebnissen aus L EE A tRsiün, Stein- und Bronzegeräte, Lauptsähli aber bemalte Topfs(erben, und von Heren W. Rickmer Rickmers in Radolfzell : 70 ethnographishe Gegens tände, vorwiegend alte Metallkannen aus Buchürü.
Vie afrikanish-ozeanishen Ba Cnt erhielten als Ueberweisung von dem ratorium der Rudolf Virchow-Stiftung eine 118 Nummern umfassende, von Professor Rosen in Breslau berrührende Sammlung aus Abessinien. Der westafrikanishen Abteilung schenkte der Kaiserlize Bezirksamtmann Dr. Mans- feld: Eine außerordentlich wertvolle, besonders auf das Fetisch- wesen Ae Sammlung von 130 Nummern aus dem Bezirk Ossidinge ( ed wtitktnmerun). Der Leutnant Gans Edler Herr zu Putliß \{enkte eine Sammlung aus Nordkamerun, besonders aus- gezeihnet durch \{chöne Schnißwerke, der Hauptmann Langheld fünf
ongefäße aus dem Benuegebtet, der Kaufmann Glücksmann in Breslau: Mehrere Bronzegegenstände aus Benin, “darunter zwei prachtvolle Stühle und eine größere Sammlung von Schnitereien ufw. aus Kamerun. ;
Angekauft wurden vier kleinere Sammlungen aus Kamerun (zu- sammen 89 Stü), einige Gegenstände aus Togo und fünf Elfenbein- \{nitzereien aus Loango.
ür die Ostafrikanische Sammlung wurden eine große Sammlung aus Usambara und einige Gegenstände aus dem Zwischen- seengebiet angekauft.
Der \südamerikanishen Abteilung schenkte der Dr. Th. Ko, bier: einen großen, über 7 m langen Einbaum der Baraindianer im Quellgebiet des Rio Tiquié (Rio-Negro-Gebiet) aus dem sehr harten Stamme des Laubbaumes „Mirátauá“ (in der „lingoa G) ge- arbeitet, nebst zwei Paddelrudern, wie sie am ganzen Rio Negro und seinen Nebenflüfsen gebräu(hlih find. /
Der Sammlung aus Meriko und Mittelamerika \{henkte der Konsul Heinze in Wilmersdorf: Ethnographika (alte Steingeräte und Tonfiguren sowie moderne Lanzen, Pfeile und Bogen) aus Costa Rica. Besonders hervorzuheben sind eine prächtige Steinaxt mit Griff, aus cinem Stück gearbeitet, und ein dreifüßiger, steinerner Maisreiber in Gestalt eines Tieres. Die Altertümer sind Gräberfunde und stammen teilweise aus der Sammlung Troyo. :
Für die Sammlung aus den Antillen wurden 110 Steingeräte von der Insel St. Vincent von teilweise neuen und merkwürdigen Formen nebs 25 Muschelbeilen von Barbados angekaukt. Á
Frau Geheimrat Virchow \{henkte dem Königlichen Museum für Völkerkunde cine reihhaltige und umfangreihe Sammlung von Altertümern aus Deutschland und außerdeutschen Gebieten, die der verstorbene Geheimrat Rudolf Virchow zusammengebracht hat.
Der Bibliothek des Kunstgewerbemuseums schenkte Herr Gustav Jacoby in Berlin eine Auswahl hervorragender Blätter der älteren Meister, die in der Absicht zusammengestellt worden find, Lücken des Bestandes zu schließen und die Sammlung mehr und mehr künstlerisch abzurunden. sind folgende Blätter, nah Erfiadung und Grhrheng va ersten Nanges: Kiyomitfu, Tänzer; Masanobu, Hahn auf nnenrand ünd el mit Blumeu; Harunobu, een auf ciner Blumenwtiese gr erat L Koriusfai, [lt eines
oki; Buntscho, Edelmann in Hoftra@t; Schigemasa, Zirkusritt und Kinder beim Ubellenfang ; uns@o, Gespenst; Schuntscho,
ächerblätter mit Figuren: unsan, Affentanz; Kiyonaga,
rauen am Morgen; Scharaku, Schauspieler mit Tee- esirr; Veschi, Spaziergang im Regen; Toyokunt, Lautentspielerin; pee t mah Blumenschale mit Narzisse, Pilger vor einer Tempelwand, Marionettenspiel; Ütamaro, Enten im Schilf, Schmetterling mit Blumenvase, ein Tiger; Masayoschi, Kiefernzweig mit Vögeln.
Eine zweite wertvolle Ergänzung geben folgende, von Herrn James Simon in Berlin überwiesenen erlefenen Blätter: Kiyomitsu, Frau und Krieger; Harunobu,_ Dichterin ; Jakutshu, Blütenzweig ; Kiyonaga, Veranda im Schnee; Shun\ho und Schigemassa, 26 Blätter, Bilder aus dem Frauenleben; Schunsho, Mädchen vor Bambushecke; Art des Shigemaja, Kinder wit Fishbecken; S{huntscho, Spaziergang im Chryjanthemumgarten; Utamaro, Pfau; Toyokuni, Schauspieler; Senlayoi Bögel auf Baumiweig ; Hokjai, Kintoki ; Hokkei, Brü;
uniyoshi, Vifion.
Der Plan, eine internationale Vereinigung ¡ur Er- forschung der Polargebiete zu bilden, der auf dem Kongreß vor Mont im vorigen Jahre angeregt wurde, geht seiner Verwirklichung entgegen. Damals hatten verschiedene Polarfors{er, es fcien nur der
zog der Abruzzen, Gerla&e de Gomery, Greelv. Nordensfjöld,
verdrup genannt, die Annahme eines Beschlufses durch dex Kongreß herbeigeführt, wonah im Jahre 1906 durch ein? vorläufig zusammenberufene allgemzine Versammlung der wTt}en- \chaftlien Teilnehmer und Schiffsoffiziere der baupt\sä&liîten bisher unternommenen Polarexpeditionen die Grundlagen zu et internationalen Vereinigung zur Erforschung der Polargebtete festgestellt werden sollten. Gleichzeitig forderte man die bel cise Regierung auf, bei den übrigen Staaten die vorbereitenden Scpritte zu tun. Die erste internationale Polarkonferenz wird nux, wie die „Voß. Ztg.“ meldet, vom 7. bis 11. September einslicilid in Brüfiel im „Palais des Académies“ tagen. An fie wird sib eim Reiïse na Paris urid von dort nach Marseille zum Besuch der Mar- seiller Ko!ontalausftéllung und besonders des „Palais de Ta Mer ihließen. Aus der reihaitigen TageZordnung feien die folgenden Punkte hervorgehoben : Entwurf eines Planes der Entdeckungsreten und andere Maßnahwen, die fich zur Vereinheitlihung der Polar- iorshung eignen, Feftscßung wifsenshaftliher Programme und Prinzipien der Organisation. Man will Celaivene Ab- teilungen für Astronomie, Geodäfie, Hydrographie und _Topvo- graphie, ferner für Mekeconlogie, Erdmagnetiémus, EGrditro0, atmosphäristhe Elektrizität, Erforihurg der oberen Luftshichten, 1! Geologie und Erdbebenkunde, für Ozeonographie, für Biolog?e,
| Zoologie und Botanik, für Ausrüftung, Nerproviantierung, Tran! potl-
3 # S | material, Zugtiere, aëronautishe Ausrüstung der festen HBeobadhtungf®- — Die Ausftands bewegung dehnt fih nah Meldungen ;
pofien und der Forshungsexpeditionen bilden. Jede dieser \cchs Ab-
des „W. T. B.“ überall im Reiche aus. Jn St. Peters- ¡ teilungen wird später im besondern festzustellen haben : die jeder Exped
burg dauert der Bäuterstreik ungeshwäht fort; dem Streik der Lastfuhrleute und Lastträger auf dem dortigen Nikolaibahnhof ift ein gleither Streik auf den anderen Bahn- höfen gefolgt. Die unterbrochene Abfertigung von Frachten erzeugt Mangel an Lebensmitteln in den an den St. Peters- burger Bahnen gelegenen Sommerfrishen. Zwischen Last- trägern und Polizei und Kosaken ift es gestern mehrfach zu einem Handgemenage gekommen. Die Streikenden warfen Steine gegen die Polizei und die Kosaken und rifsen leßtere von den Pferden. Türkei.
Die Pforte rüstet, nach einer Meldung der „Frank- furter Zeitung“, 26 Bataillone, die dem erften und zweiten Aufgebote der mazedonishen Redifs entnommen werden, zu einer Expedition nah dem Sul!toanat Nedjd aus, um
und jedem Beobatungsposten zufallenden wissenfshaftlichen Unter- iu&ungen, die eurpfoblenen Beobahtungsmethoden und Instrumente, dit a7 den ständigen Observatorien während der Dauer der gleidzeitigen Ep“ ditionen auszuführenden Beobahtungea. Vor allem soll die Konsfereni selbstverftänblih zur Grüntung ciner inte1nationalen Vereinigung 3E Erforschung der Polargebiete führen, die neben der Svftematifizruns der Polarforsungen fih mit der Untersuhung und Beröffentlihung der Polarerpeditionen zu besafsen und alle Unternehmungen, die aus wifenshaftlithe Erforshung der Polargebieie hinzielen, dur mat Beihilfe und Ratsläge zu unterstützen hat. Nähere Auskunft ertei der wissenshaftlihe Direktor des Belgischen Observatoriums in U Lecointe, der alé ¡weiter Kammandant an der belgischen Südpolar- erpedition teilgenommen hat.
Die Jahrhundertaus tellun g in der Königlichen National“ galerie wird nah seh8monatiger Dauer am legten d. M. geho werden.
Statistik und Volkswirtschaft.
Die Brände und Brandschäden in regen, bezogen auf Einwohner- und Gebäudezahl 1881— 1904.
Wiederholt i} an dieser Stelle über die Ergebnisse der seit 1881 bestehenden preußishen Brandstatistik Mitteilung gemacht, zuleyt in ver Nr. 133 v. J. Der Abschluß dieser vom Königlichen Statistischen Landesamt que hreven rbeiten erfährt, wie die „Stat. Korr." mitteilt, noch immer dadurch eine erheblihe Verzögerung, daß die seitens der Ortspolizeibehörden agel von den Kreisbehörden bezw. den Magistraten der kreisfreien Städte zu sammelnden und vierteljährlich an das Königliche Statistische Landesamt einzusendenden Brandzählkarten bei leßterer Behörde vielfa sehr spät eingeben, und die Erledigung der häufig notwendig werdenden Rückfragen gleichfalls
manche Zeit erfordert. So hat dcnn die Prüfung und Zu- fammenstellung des brandstatistishen Urstoffes für 1904 erft vor wenigen Monaten beendet werden können. Auf Grund des nunmehr vorliegenden Gesamtergebnisses der Brandstatistik bringt die genannte Korrespondenz in der unten folgenden Zusammenstellung die Zahl der während der Jahre 1881 bis 1904 im preußischen Staate vorgekommenen Schadenbrände!) nebst der Höhe der durch sie entstandenen Verluste, beide in Bergleis gestellt mit der Zahl der Bewohner und Gebäude des Staates în den betreffenden Jahren bezw. im gesamten Beobachtungszeitraume. Die Einwohnerzahlen für Preusen in den zwischen den Volkszählungen liegenden Jahren sind in ergebrachter Weise fortgeschrieben, die Zahlen der Gebäude aber den jährlichen amtlihen Nahweisen über den Bestand der Liegenschaften und Gebäude entnommen.
Die Brände und Brandschäden in Preußen 1881—1904.
Schaden-
Schaden- brände
wert M.
Einwohner
Es fielen auf 1000 Es traf auf 1000 Bewohner | Gebäude | Bewohner | Gebäude _
ein Schadenwert von
Gebäude Brände
2 3 4
5
o
14 623 54 055 7824 27 486 982 13 467 53 735 388] 27 694 854 16 103 64 906 381| 27 902 726 16 738 60 851 380] 28 110 598 17 952 64 297 440] 28 318 470 18 790 61 674 485] 28 645 832 19 284 64 256 736] 28 973 194 18 753 55 199 799] 29 300 557 20 061 56 950 217] 29 627 919
21 017 58 726 018] 29 955 281 23 214 64 428 1591 30 336 918 27 546 82 274 630} 30 716 469 28 999 88 157 374| 831096 021 28 483 70 313 7114 31475 572 33 524 90 486 589] 831 855 123 33 105 73 568 898] 832 378 600 36 171 83 215 420) 32 902 077 36 902 76 233 170} 33 425 554 42794 94 102 7604 33 949 031
46 229 96 675 078] 834472 509 53 971 92 021 428] 35 034 594 96 799 76 108 5001 35 596 679 60 215 90 136 7661 36 158 764 68 030 | 105 064 491] 36 720 849
Zusammen: a. 1881—1892 b. 1893—1904 c. 1881—1904 18 962
Im Durchschnitte a. . Die 43 765 86 340 266} 33 755 448 O 31 364 74 059 942] 31 338 965
Wir Lrt aus der Zusammenstellung, daß die Zahl der Schadenbrände während der in Betracht kommenden vierund- zwanzig Jahre in viermal mäßig unterbrohener Krümmungélinie um mehr als das Vierundeinhalbfahe, nämli von 14 623 auf 68 030, gestiegen is. Diese Zunahme ist zum Teil auf die im Laufe der Jahre immer vollständiger gewordenen Meldungen der fleinen Brände mit gean hadenbetrage zurückzufühen. Dem gegen- über haben sich bei der gro ßen Zahl kleinerer Brände die Schaden- werte im Beobachtungszeitraume nur annähernd verdoppelt, indem sle in neunmal, während der Jahre 1888, 1894, 1896 und 1902 besonders stark unterbrochener Krümmungslinie von 541 auf 105,1 Millionen Mark angewachsen sind. Die orts- anwesende Bevölkerung Preußens, die fih am 1. Dezember 1880 auf 27 279 111 Köpfe stellte, ift für 1881 auf deren 27 486 982, für 1904 auf 36 720849 berechnet und zeigt hiernach eine Zu- nahme von 9233 867 Personen, d. h. um 33,6 v. H., während ih die Zahl der Gebäude, der zweiten mitwirkenden wichtigen Ursache für die Zunahme der Brände, von 7 660 279 auf 98361 781, d. h. um 3 201 502 = 28,7 v. H. erhöht hat.
Fene absoluten Zahlen der Shadenbrände und Brandschaden- werte erfahren nun erst durch die Beziehung auf Einroohner- und Gebäudezahl in den Spalten 6 bis 9 der Uebersicht ihre rihtige Be- leuchtung. Nach der Spalte 6, deren Kcümmungélinie — mit nur dreimaliger unerbebliher Senkung — ziemli gleihmäßig ansteigt, ift die Zahl der während des Ua Beobachtung3zcitraumes auf 1000 Bewohner entfallenden Brände von 0,53 auf 1,8%, d. h. auf das Dreiundeinhalbfache, nah der Spalte 7 die Zahl der auf 1000 Gebäude entfallenden Brände in ähnlich unterbrcchener Krümmungs- linie von 1,90 auf 6,89, b. h. annähernd auf den gleichen Hunderlsaß, gestiegen. Anders gestaltet sich das Bild nah den Spalten 8 und 9 der Uebersicht. Der Betrag des auf 1000 Bewohner treffenden Brandschadens stieg von 1967 4 im Jahre 1881 auf 2861 „6 im Jahre 1904, d. h. um 45,4 Hundertteile. Die Krümmungslinie steigt und fällt wiederho!t (lark und hat mit 1834 4 im Jahre 1888 ihren tiefîten Stand erreiht; das Jahr 1904 zeigt jenen wvor- angegebenen Höchstbetrag, der annähernd noch in den Jahren 1893, 1895, 1899 und 1900 erscheint. Wie naheliegt, folgen die Zahlen der Spalte 8 dem Steigen und Fallen der Schadenwerte_ in der Spalte 3. Die Verhältniszahlen für die Gebäude in der Spalte 9 endli entsprehen im allgemeinen denen für die Bevölkerung. Die Höchstzahl findet ih mit 10 654 4 Schadenwert für 1000 Gebäude au hier im Schlußjahre des Beobahtungszeitraums; diesem reihen ßch an mit 10 311, 10 328 und 10345 4 die Jahre 1895, 1900 und 1893. Die Mindestzahl fällt mit 6815 6 wi-der auf das Jahr 1888, dem sih die Jahre 1882 und 1889 mit 6961 bezw. 6967 #6 an- \chließen.
Die Gesamtzahl der Schadenbrände in den Jahren 1881 bis 1904 übersteigt } Millionen, der gesamte Schadenwert 1} Milliarden Mark. Von diesen Summen entfallen auf den ersten ¡wölfjährigen Bm 227 548, auf den zweiten 625 178 Brände mit einem Schaden ton rund 741 bezw. 1036 Millionen Mark. Im Durchschnitt der gesamten Beobachtungszeit kamen in Preußen jahrlih 31 364 Brände mit einem Brandschaden von rund 74 Millionen Mark vor; in der ersten (zweiten) Hälfte dieses Zeitraums stellen ih diese Zahlen auf jährli 18 962 (43 765) Brände mit einem Schaden- betrag von über 614 (864) Milltonen Mark. Es entfielen in der gesamten Beobachtungseit in Preußen jährlih auf je 1000 Be- wohner (Gebäude) 1 (3,65) Brände, auf je 1000 Bewohner E zin Brandschadenbetrag von 2363 (8618) 4, deren Vertellung au RLAT Er Bais der beiden Jahrzwölfte die Uedersicht ersichtlich
at. Ï Immerhin g ener Gesamtschaden von mehr als 1} Milliarden Mark, den die Beyöl erung Preunes in jenem vierundzwanziglährigen Zeitraume erlitten hat, bei etner ta den legten Jahren immer mehr bervortretenden Neigung zum Steigen ernstlich zu deukea; er mahnt uns, da drei Viertel aller Ursachen von Schadenbränden bei uns auf die Gleihgültigkeit, den Leichtsinn und die Fahrlässigkeit der Bevölkerung zurückzuführen sind, zur Gin- und Umkehr, Wenn das gesamte brennbare Volksvermögen in Preußen auf 82 bis 9 Milliarden Mark zu s{häyen 1, so sind in noch nicht einem veertellahrhundert über zwei Hundertteile dieser Werte überhaupt
In sechs weiteren Uebersichten werden dann die Ursachen der im Jahre 1904 entstandenen Bräude und der auf sie zurück- führenden Brandshädenbeträge an Mobiliar und Jmmobiliar für
227 548 925 178 752 726
741 355 415 1 036 083 195 1 777 438 610
61 779 618] 28 922 483
7 660 279 7719 027 7 777 963 7 335 801 7 895 174 7 961 222 8 028 320 8 099 289 8 173 762
8 247 735 8 3295 129 8 408 354 8 521 822 8 576 307 8 775 499 8 880 267 8 992 389 9 102 957 9 226 109
9 360 259 9 486 348 9 604 398 9 731 391 9 861 781
1 967 1940 2 326 2164 2270 2 153 2218 1884 1 922
1960 | 2124 | 2679 | 2835 | 2234 | 92 841 | 92 272 | | | j | | | | |
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8 993 826 1,00 3,69 2 363 8618
den Gesamtstaat, die Stadt Berlin, die übrigen größzren Städte, die kleineren Städte, die Landgemeinden und Gutsbezirke behandelt.
_ Was den Gesamtstaat anlangt, so findet man, wie auch in früheren Jahren , die unbekannten Ursahen mit den höchsten Schadsummen, und zwar mit 40,398 Millionen Mark oder. mit 38,9 v. H. des gesamten Schadenbetrages von 105,06 Millionen Mark eaige, Die Anzahl der Fälle, deren Ursache unbekannt geblieben ist, belief sich indessen nur auf 3579 oder 14,1 v. H. Es ist um fo bedauerlicher, s gerade auf die unbekannten Brandursachen, sowohl absolut wie verhältnismäßig, der höchste Schadenbetrag entfällt, und zwar ein d nitts\haden von 4217 „Æ, während si auf alle Brände nur ein durchs{nittliGer Brandschaden von 1543 A errechnet. An zweiter Stelle _als Brandursache erscheint die Brandstiftung mit 3357 Fällen und mit 23,584 Millionen Mark Schaden, also sogar mit einem Betrage von 7025 Mark auf jeden Brand. Freilih sind weitaus die meisten dieser Brandstiftungsfälle nur gemutmaßt; wirk- lich erwiesen wurden nur 399 Fälle, durch die ein Schaden von 2,104 Millionen Mark verursaht war. Die übrigen 2958 Fälle mit 21,480 Millionen Mark Schaden find also im Zweifelsfalle auch ten „Unbekannten" Brandursachen zuzurehnen. Höhere Gewalt als Brandursache tritt bei Blißschlägen in die Erscheinung; in- dessen haben 698 erwiesene und 16 gemutmaßte Fälle von zündenden Blißshlägen als Brandursahe nur einen Gesamtshaden von 3,904 Millionen Mark, oder von 3,72 v. H. verursacht ; daneben haben aud noch 489 „falte" Bliyschläge 104 962 4 Schaden ge- braht. Eine jehr wichtige Brandursahe bildet die Selb |t- entzündun g von Stoffen, eine Gruppe, die 922 Fälle mit 8,232 Millionen Mark Schaden umfaßt. Nachgewiesen if allerdings auch die Selbstentzündung nur in 465 ällen mit 1,424 Millionen Mark Schaden; in den wichtigeren 457 Fällen mit 6,809 Millionen Mark Schaden konnte sie nur gemutmaßt werden. Immerhin ist die Kenntnis von den Ursahen und Bedingungen der Selbstentzündung erheblich gewachsen, sodaß man eine ganze Zahl von Fällen, bei denen früher Brandstiftung gemutmaßt wurde, jeßt mit großer Wahrscheinlichkeit auf die Rechnung der Selbstentzündung setzen kann. Ein bedenkliher Belag für die Sorglosigkeit weiter Kreise ist in den 8234 Fällen zu erblicken, als deren Ursahe „Fahrlässigkeit im Umgange mit Streichhölzern“ angegeben ist. Diese 8234 Fälle haben im Jahre 1904 einen Schaden von 6,170 Millionen Mark herbei- geführt. Sehr wahrscheinli if au noch ein erheblicher Teil der „un- bekannten Brandursachen* auf Rehnung des leichtsinnigen Umgehens mit Streihhhölzern zu segen. Als Fälle „f onstiger Fahrlässigkeit“ sind 25 679 Brände bezeichnet, die einen bte! vei 430A von 8,024 Mil- lionen Mark verursacht haben. Mangelhafte Feuerungs- anlagen haben zu 2250 Brandfällen geführt und 5,417 Millionen Mark Schaden zur Folge gehabt. Dur Beleuchtungsgegen- stände find 12206 Brände veranlaßt mit einem Schaden von 2,934 Millionen Mark. Elektrishe Leitungen waren in 195 Brandfällen mit 857 266 4 Schaden Ursache, Petroleum in 1710 Fällen mit 1,716 Millionen Mark Schaden. Durch ver- Ne Gase endlich ist ein Schaden von 1,293 Millionen Mark entstanden.
Die Tätigkeit der allgemeinen Arbeitsnahweisestellen in Preußen.
Das „Ministerialblatt dex Handels- und Gewerbever waltung“ veröffentlicht eine Uebersicht über die in Preußen vorhandenen kom- munalen oder mit kommunaler Unterstüßung betriebenen allgemeinen Arbeitsnachweisestellen nah dem Stande vom 1. Januar 1906. Hier- naÿ hat sih die Tätigkeit dieser Nahweisestellen im Jahre 1905 weiter in erfreuliher Weise entwickelt. Es wurden nämlich Stellen :
angeboten gesucht vermittelt
im Jahre 1902 294 418 500 382 208 700
Ÿ e 1903 380 505 559 700 272 262
1904 457 927 602 545 322 854 v 2 LOVO 571 067 698 182 393 633.
Demgemäß hat ih die Zahl der Vermittlungen, die in den Fahren 1897: 104 307, 1898: 122 120, 1899: 160 643, 1900: 185 681
und 1901: 189215 Stellen betrug, in den legten vier Jahren mehr
1) Für unschädlih verlaufene Rußbrände in S{hornsteinen und sonstige Brände, bei denen weder ein Mensch getötet oder verleßt, nochch ein Verlust von mindestens einer Mark Wert hervorgerufen ist, sind keine Zählkarten auszufüllen.
als verdoppelt. Mehr als 10000 Stellen haben im abgelaufenen Fahre vermittelt die 8 Arbeitsnahweise in Berlin (90 058), Frank- furt a. M. (34 050), Côln (28 841), Düsseldorf (19556), Breslau (12 960), Fa (10 968), Schöneberg (10 820) und Caffel (10 486), mehr als 5000 bis 10000 Stellen die 12 Arbeïtsnahweise in Kiel (9370), Erfurt (9179), Magdeburg (8944), Barmen (8075), Chax- lottenburg (7663), Dortmund (7205), Wiesbaden (6993), Hannover (5970), Bielefeld (5759), Efsen (5472), Aachen (5038) und Flensburg 4029). Die Zahl der bestehenden Arbeitsnahweifestellen ift im eßten Jahre N, und zwar von 276 am 1. Januar 1905 auf 288 am 1. Januar 1906, gewahsen. Während einige kleinere Nachweisestellen eingegangen sind, wurden u. a. in Hannover, Kleve, Emmeriß, Schwelm, Paderborn, Greifswald und Lüneburg Arbeitsnahweisestellen neu begründet. In Danzig und Osnabrück sind die bisher bureaukratisch verwalteten städtischen Arbeitsnachweisestellen in solche mit kollegialer Verwaltung a wandelt worden. Für eine Reihe weiterer Gemeinden ist die Gr- richtung eines f\tädtishen Arbeitsnachweises in Aussiht genommen. Von den am 1. Januar d. J. nachgewiesenen 288 Nachweisestellen sind 198 kommunale Arbeitsnahweise; die übrigen 90 Nachweife- stellen werden mit kommunaler Unterstü ung betrieben. Unter Be- teiligung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern wurden 62 Arbeits- nachweisestellen verwaltet.
Zur Arbeiterbewegung,
Am 23. Juni ist in Berlin unter der Leitung und Geschäfts- führung der Hauptstelle Deutscher Arbeitgeberverbände ein Schuyzverband gegen Streiklshäden begründet worden. Dieser Schußverband zählt, wie die Hauptstelle mitteilt, zu seinen Mitgliedern diejentgen Arbeitgeberverbände, die im Falle von Aus- ständen ihren Mitgliedern bestimmte Streikentshädigungen auszahlen, und er will die finanzielle Wirksamkeit diefer Verbände dadurch er- höhen, daß er unter bestimmten Voraussetzungen die Weiterzahlung dieser Streikentshädigungen übernimmt. Dem neuen Verbande traten sofort 53 Bezirks- und Ortsverbände, deren Mitglieder in ihren Be- trieben etwa 285 000 Arbeiter beschäftigen, bet. er Beitritt weiterer Verbände fleht zu erwarten.
Die im „Zentralverbande deutscher Braueretarbeiter“ organi- sierten Brauereigehilfen Groß-Berlins waren, der „Vos. Ztg.“ zufolge, am Sonntagnachmittag in großer Zahl im Berliner Gewerk- \chaftshause versammelt, um zu den von der Lohnkommission und dem Vorstand aufgestellten Abänderungsvorshlägen zu etnem neuen Tarif- vertrag Stellung zu nehmen. Vor Eintritt in die Beratung beschloffen die Versammelten einstimmig, den noch bis zum 31. Dezember 1906 geltenden, mit dem Verein der Brauereien Berlins und Umgegend im Jahre 1904 abgeschlossenen Tarifvertrag am 1. Juli zu kündfgen. Nach längeren Verhandlungen einigten \fih dann die Versammelten fn ihrer großen Mehrheit über die vorgeschlagenen Abänderungen, deren haupt- sächlichste Vestimmunzen find: Verkürzung der Arbeitszeit von 24 auf 9 Stunden am Tage und von 8# auf 3 Stunden in der Naht. Die Tarifdauer soll nur zwei Jahre betragen bei dreimonatliher Kün- digungsfrist, während der bestehende eine dreijährige Dauer bei sehs- monatlicher Kündigurg aufweist. Das Bureau wurde beauftragt, den Beschluß der Kündigung des Vertrags sowie die neuen Forderunge:r dem „Verein der Brauereien Berlins und Umgegend“ zu unterbreiten und zwecks Abschluß eines neuen Tarifveztrags in Unterhandlung zu treten.— Die dem Holzarbeiterverband angeshlofsenenEinsezer (Bautifchler) inBerlin und Umgegend nahmen na demselben Blatte am Sonntag in zahlreich befuchter Versammlung Stellung zur Werkzeugfrage, die bereits feit etwa cinem Jahre in Arbeitnebmer- kreisen aufgeworfen worden ift. In vielen Werkstellen follen sich die Meister darauf verlaffen, taß die Arbeiter 2as nôtige Werkzeug mit- bringen. Diejenigen Gefellen, die das meiste Handwerkzezug besitzen, würden von den Arbeitgebern bevorzugt. Um diesem Uebelstande ab- zuhelfen, wurde beshlofsen, vom 1. Oktober d. J. ab die Beschaffung genügenden Hantwerkszeugs vom Meister zu verlangen und wo diefer Forderung niht nachgekommen wird, fol biese mit Hilfe der Organi- sation oder durch Arbeitsnieverslegung erjwungen werden. Di BerlinerMilitäreffektenfattler bes{lefen ineiner az abend abgehalteren Versammwlung, den im Iakrz 120 Fabrikanten abgeshlofsenen Tarifvertrag zu Tündigen, te 31. Dezember 1908s gilt, da die S ux- gergens erklärt werden. Die Kündigung muß, wie die „Vof. Ztg.“ erihtet, spätestens am 31. Juni erfolgen, da im Vertraze eine sechsmonatige Frist vorgesehen ist. Die Kündigung foll jedem einzelnen Fabrikanten unterbreitet werden. Autges{lofjen ift davon die Firma Tippelskirh u. Co.,, mit der ein besonderer Vertrag ab- geschlossen ist, der noh bis zum 1. April 1907 Geltung hat.
__ Aus Wien wird dem „W. T. B.“ telegraphiert: Die Ver- einigung der Arbeitgeber Oesterreichs hielt gestern abend eine Versammlung ab, in der beschlossen wurde, daß, falls der an- gekündigte dreitägige Massenausstand der Arbeitershaft Tatsache wird, die Arbeitgeber mit der Verkündigung einer eine entsprechende Zeit währenden Arbeiteraus\sperrung antworten follen.
Jahre
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S —- l - _— gau ]h s
L L ZYE 27 E an Lobnverhältzifse als
Land- und Forstwirtschaft.
Saatenstand und Getreidehandel in Serbien.
Der Kaiserliche Konsul in Belgrad berihtet unterm 20. d. M.: In den leßten vier Wochen is in ganz Serbien fast tägli reihlicher Negen niedergegangen. In manchen Gegenden sind die Getreide- saaten infolge der anhaltend kühlen Witterung gegen die Durschuitts- jahre in ihrer Entwicklung zurückgeblieben und haben durch den starken Regen gelitten. In vielen Gegenden Serbiens sind in der Zeit vom 11. bis 16. Juni d. J. Hagelshläge nicdergeganzen, diz Saaten, Weinberge und enen \hädigten. Ungeachtet dessen sind den amtlichen Berichten zufolge Aussichten für eine gute Mittelernte sowobl bei den Getreidearten wie in den Obstgärten und Weinbergen vorhanden. Weizen und Roggen blühen zur Zeit, die Gerste ist in der Reife. Wenn die jeßt eng eatetene warme, trockene Witterung einige Wochen anbält, so kônnen ih die bezüglih der Ernte gehezten Hoffnungen erfüllen. Den Maisfeldern hat die kühle Negenwittecung am wenigsten geschadet; nur sind die Kulturen in der Entwickelung zurückzeblieben. In den Niederungen der Morawa besteht die Gefahr der Ueber- \{chwemmung. Die hiesigen Me R D EPr ale Lud zur Zeit folgende : Weizen : 13,00 bis 13,20 Dinar für dz, Noggen : — Gerste: 13,50 bis 1400 , L Safeet 10 E O Mais: 10,50 Í Cs Die Preise sind gegen ten Vormonat gestiegen.
Gesundheitswesen, Tierkrankheiten und Absperrungs- maßregeln.
Das Ministerium für Landwirtschaft hat behufs Ermittlung einer Uebertragbarkeit der Rindertuberkulose auf den Menschen durch den Genuß von Milch eutertuberkuloser Kühe folgendes Rundschreiben erlassen: Die wenigen infolge des Erlasses vom 5. Januar v. I. zur Kenntnis des Kaiserlihen Gesundheitsamts gebrahten Fälle des fortgeseßten Genusses von Mil euter- tuberkulosekranker Kühe durch Menschen haben niht aus- gereiht, um über die Frage der Uebertragbarkeit der Rinder- tuberkulose auf den Menschen zu einem sicheren Ergebnise zu gelangen. Dem Kaiserlichen Gesundheitsamt erscheint es von Wert, au von solhen Fällen Kenntnis zu erhalten, in denen die Personen, welche die ungekochte Milch einer eutertuberkulosen Kuh längere Zeit genossen haben, bei der Untersuhung als vollkommen gesund befunden worden n während bisher eine Mitteilung nur vorgesehen war, wenn bei einer der untersuhten Personen Tuberkulose festgeste0t werden konnte. Hiernah sind die mit den Ermittelungen betrauten
beamteten Aerzte und Tterärzte mit Anweisung dahin zu versehen, daß das Ergebnis der Untersuhungen auch dann dem Kai erlihen Gesund-