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In Betreff der Schrift, welche unter dem Titel: »Oesterreichs Qukunft. Ein Nachwort zur österreichischen Ministerkrisis« erschienen ist, bemerft die »General-Corresp.« : »Eine flüchtige Einsicht in die Schrift genügt, um sich zu überzeugen, daß die Annahme über den E Ursprung. der Broschüre ganz und gar jeder Begründung entbehrt. «
Nach einer Mittheilung des österreichischen General-Konsulats in Warschau hat sich die russische Regierung bereit erklärt, alle seit Beginn der lehten polnischen Revolution in russishe Gefangen- schaft gerathenen österreichischen Unterthanen an Oesterreich auszu- liefern, in \o fern sie sich keines anderen als blos politischen Ver- gehens schuldig gemacht haben. Jn Folge dieses Entschlusses der russischen Regierung hat das österreichische Staats-Ministerium die nöthigen Verfügungen getroffen, daß die von Rußland zurüctgelieferten Individuen erwähnter - Kategorie an bestimmten Grenzpunkten recht- zeitig von den Behörden übernommen und nach ihrer Nationalität an eigens bezeichnete Kriegsgerichte vertheilt werden.
— 12. November. Der »Wiener Abendpost u. Ztg.« entnch- men wir Folgendes:
Heute, am Tage der Eröffnung des Reichsrathes, wurde Vor- mittags 10 Uhr in der Metropolitankirhe zu St. Stephan durch den Herrn Kardinal Fürst-Erzbischof von Wien cin feierliches Hoch- amt abgehalten, um den Segen Gottes zu den beginnenden Be- rathungen zu erflehen. Ein Bataillon des Jnfanterie - Regiments Herzog von Parma war als Ehrenwache ausgerüt und hatte sich vor dem Haupteingange der Kirche mit der Front gegen dieselbe auf- gestellt, während cine Abtheilung in der Kirche Spalier bildete. Um 115 Uhr fand die Eröffnung der beiden Häuser des Reichs- rathes statt.
Im Herrenhause stellte der Herr Erzherzog Rainer den Präsidenten Fürsten Carlos Auersperg und den Vice-Präsidenten Grafen Kuefstein der Versammlung vor. Präsident Fürst Auersper g richtete cine Ansprache an das Haus, worauf die Ver- sammlung ein dreimaliges begeistertes Hoh auf Se. Majestät den Kaiser ausbrachte. Der Präsident machte dann die Mittheilung, daß der Kaiser die Reichsrathssession in eigener Person Montag, den 1äten, im großen Ceremoniensaale der Hofburg eröffnen werde. (S. telegr. Dep.)
Im Hause der Abgeordneten stellte der Herr Siaatsminister v. Schmerling den Präsidenten Dr. Nitter v. Hasner und die beiden Vice - Präsidenten Ritter v. Hopfen und Comes Konrad Schmidt dem Hause vor. Präsident Dr. 2c. Hasner hält eine längere Ansprache an das Haus, worin er alle schwebenden politischen Fra- gen berührte und schließlich die Ueberzeugung aussprach, daß die gegenwärtige Lage Oesterreichs gebiete, alle Kräfte im Jnnern zu konzentriren. Hier gelte es, ohne Hast, aber auch ohne Rast vor- wärts zu schreiten.
s In der Sitzung waren 137 Mitglieder, darunter 9 Polen, an- wesend. -
— Die »Wiener Ztg.« publizirt heute die bereits telegraphisch angezeigte Bekanntmachung des fommandirenden Generals von Ga- lizien und Krakau vom 10. November über Aufhebung des Belage- rung8zustandes daselbst.
Großbritannien und Jrland. London, 11. November, Der Earl of Stair is, &9 Jahre alt, auf seinem Familiensißze Orxenford Casile jn Mid-Lothian gestorben. Seine Ländereien find die umfangreichsten in Mid-Lothian, und außer diesen hatte er noch bedeutende Besißungen in anderen Grafschaften. Es folgt ihm sein ältester Sohn John, bisher Viscount Dalrymple, früheres Par- samentsmitglied für Wigtonshire und scit 1851 Lord - Statthalter dieser Grafschaft.
In noch höherem Alter is vorgestern Hudson Gurney ver- schieden, er hat 90 Jahre erreicht. Wie er seine Generation überlebt hat, so konnte er in den lehten Jahren auch schon als eine vergessene Celebrität bezeichnet werden j vor Zeiten aber hat er als Parlaments- mitglied für Newport eine wichtige Rolle gespielt; Handels- und Finanzwesen waren seine bevorzugten Felder. Er war ein Theil- haber in der großen Brauer - Firma Barclay u. Perkinsj sein Ver- mögen wird auf 2 Millionen Pfd. St. geschäßt.
Herr Berryer und seine Reisegefährten kehren heute nach Paris zurück; Lord Brougham begleitet seine bisherigen Gâstè.
Die preußische Schraubenkorvette »Vi neta «, von Kiel kom- mend, ist gestern in Spithead vor Anker gegangen. Sie tauschte mit der Bastion von Portêmouth und dem Königlichen Schiffe »Victory«, Flaggenschiff des Hafenadmirals, die üblichen Salutshüsse aus.
Das Comité des deutschen-Recht8\ch uy vereins zeigt in den heutigen Blättern an, daß es, bis die Antwort Sir George Grey s auf die ihm übersandte Petition in Sachen Franz Müller's ein- treffe, in permanenter Sihung in dem Seyd’shen Hotel versammelt sein werde, und richtet an alle Personen, welche noch eine auf die Müller'she Angelegenheit bezügliche Mittheilung zu machen wüßten, die Bitte, sich mit dem Comité in Verbindung zu segen. Außer der Denkschrift nebst Beilagen is an. den Staatssecretair des. Jnnern noch ein Schreiben des Geistlichen Battiscombe von Blackheath ab-
gegangen. den Verurtheilten mehrmals in der Gefängnißzelle besucht, um ihn wo möglich zu cinem Geständnisse zu vermögen. Die Unterredungen mit dem Unglücklichen haben jedoch den entgegengeseßten Erfolg ge- habt, sie haben dem Geistlichen die volle Ueberzeugung von des Ver- urtheilten Unschuld eingeflößt.
— 12. November. Wie bereits telegraphisch gemeldet, ist laut »(Gazette« Peter Scarlett, bisheriger außerordentlicher Gesandter und Bevollmächtigter beim König der Hellenen, in derselben Eigen- haft am Hofe des Kaisers von Mexiko beglaubigt. — Henry Haughton isst als Konsul für die freic Hansestadt Hamburg in. Otago in Kanada bestätigt.
Gestern fand im Hause der Lords unter den üblichen Förmlich- keiten die weitere Vertagung des Parlaments statt. Das Parlament wurde bis Freitag, den 13. Januar 1565, prorogirt. Da die bezeichnenden Worte »zur Erledigung verschiedener dringen- der und wichtiger Angelegenheiten « in dem Prorogations - Erlaß fehlen, so werden der Lordkanzler und die andern Kommissarien am 13. Januar wieder nur pro forma zusammenkommen, und das Parlament wird wie gewöhnlich an einem der ersten Februartage zusammentreten.
Die Offiziere der Royal Engineers gaben gestern Abend im Conzertsaal Willis's Room dem General Todleben ein glänzendes Bankett. Mehr als 100 Offiziere und Generale haben sich an der Demonstration betheiligt. Den Vorsiß führte General Sir John Fox Burgovne, bem zur Linken - Admiral Bour akgif und zur Rechten General Todleben saß.
Am Donnerstag starb in Edinburgh nah längerer Krankheit der Admiral Sir Montagu Stopford. Er war der vierte Sohn des Earl von Courtown und im Jahre 1798 geboren. Jm Jabre 1810 trat er in den Dienst der Flotte auf dem Flaggenschiff seines Ohcims , des verstorbenen Admirals Sir Rob. Stopford, und im nächstfolgenden Jahre machte er die Eroberung Java's mit. Später diente er auf der »Alceste« und begleitete Lord Amherst's Gesandt- haft nah China, und litt auf der Heimkehr im Jahre 1817 Schiff- bruch. Ju Jahre 1855 nahm er endlih am Kricge gegen Rußland im Schwarzen Meere Theil. Den Admiralstitel erlangte er erst inr November 1863.
Der »Globe« meldet, daß der Staatssecretair des Jnnern, Sir G. Grey, nachdem er die Richter, welche den Prozeß gegen Müller geleitet haben, zu Rathe gezogen, keinen Grund gesehen habe, der Königin ein Einschreiten gegen den Gang der Justiz zu empfehlen, und daß folglich die Hinrihtung Franz Müllers am Montag Morgens um 8 Uhr stattfinden werde. (S telegr. Dep.)
— Die britisch-amerikanische Conföderation ist fertig, wie neulich schon in Nr. 262 mitgetheilt wurde. Die sechs Colonieen, Ober- und Unter-Canada, Neu-Braunschweig, Neu-Fundland, Neu- Schottland und Prince Edwards Jsland bilden jegt eine nationale Einheit, wenn das englische Parlament und die Krone nichts dagegen haben. Den General-Gouverneur ernennt die Krone, die Licutenant- Gouverneure in den vereinigten Colonieen ernennt der General- Gouverneur. Die Mitglieder des Oberhauses werden von der Krone auf Lebenszeit ernannt, die des Unterhauses auf 5 Jahre gewählt. Der General - Gouverneur (Vicekönig) wird von einem Kabinet mit der englischen parlamentarischen Form berathen. Auf etwa 27,000 Einwohner kommt ein Abgeordneter. Um wäblbar zu scin, bedarf es cines Besizthums zum Werthe von mindestens 1000 Doll. in liegenden Gründen. Die Verfassungen der einzelnen Colonieen sind an feine Einförmigfkeit gebunden. Die Befugnisse der Centralregierung sollen dem Muster der Vereinigten Staaten angepaßt werden. Den übrigen englischen Colonicen auf dem Continente ist eventuell der: Beitritt vorbehalten.
Frankrei. Püris, 12. November, Der »Moniteur« erklärt; daß die »Patrie« Übel unterrichtet war; als sie Über die Bautenkasse Einzelnheiten brachte , und fügt hinzu, es s)sei nody fein Entwurf dieser Art von der Regierung angenommen worden.
Von Compiègne aus hat der Kaiser eine Reihe von Marine- Offizieren und Schiffs-Chirurgen der mexikanischen Expedition mit: Ehrenlegions-Kreuzen bedacht.
Nach einer Verfügung des General-Gouverneurs von Algerien» Marschalls Mac-Mahon, hat der »Moniteur de l’Algérie« mit dem 31. Oktober aufgehört, ein von der Administration direkt ver= öffentlihtes offizielles Blatt zu sein. Es behält immer noch einen offiziellen Theil, erscheint jedoch fortan auf Verantwortung scines Eigenthümers und Druers.
Die «Patrie« versichert, daß das englische Kabinet beabsichtigt, die verschiedenen Mächte aufzufordern, auf diplomatischem Wege bei der Regierung von Washington gegen das Verfahren zu protestiren» dessen Opfer die »Florida« geworden. |
Der Prinz Latour d’'Auvergne ist heute Abend nach Lon-
don auf seinen Posten zurückgekehrt. : Die »Opinion nationale« meldet, daß Thouvenel bedenklich
erkrankt ist.
Derselbe hat, in vollem Glauben an Müller's Schuld,
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Spanien. Madrid, 3. November. Die »General-Corresp.« | meldet: »Zwischen der spanischen und dex französischen Regierung soll ein förmliher Vertrag zu Stande gekommen sein, der genau feststellt, in welcher Weise und bis zu welchem Maße Frankreich in dem fest beschlossenen und auch unvermeidlich gewordenen Kriege mit Peru Beistand leistet. Bekanntlich weigert sih die peruanische Re- gierung auch Frankreich gegenüber die geforderte Genugthuung für die Beleidigung und Verleßung französischer Regierungsorgane und Unterthanen zu leisten. Spanien und Frankreich sind der strikten Neutralität Englands sicher. Die Washingtoner Regierung hat sich zwar die Freiheit ihrer Entschlüsse vorbehalten, scheint aber feines- wegs gencigt, für Peru, jo lange wenigstens dessen Selbstständigfeit nicht bedroht ist Partei zu ergreifen. Die Nachbarstaaten von Peru fürchtet man nicht, und was Brasilien anbelangt, so zeigt dessen Regierung so eben in dem Streit mit Uruguay deutlich genug, daß sie weit entfernt davon ist, das tumultuarische Treiben der Mehrzahl dieser central- und südamerikanischen Republiken irgendwie zu be- günstigen oder zu beschühen.« A
Der in Madrid erscheinenden »Epoca« vom 12. November zu- folge hat die Regierung den Demokraten die Ermächtigung, sich zu versammeln, verweigert. Die peruanishe Frage wird in den Cortes zur Sprache gebracht werden. Die in der Nähe von Valencia stattgehabten Ueberschwemmungen haben zahlreiche Opfer gefordert
und die Benässerungs-Kanäle zerstört, welche 27 Dörfer mit Wasser versahen. Herr Barrot wird am 16. November abreisen.
Ftalien, Turin, 12. November. Jn der heutigen Sihung der Deputirtenkammer bedauerte Lamarmora nah Mittheilung des »Wolff’schen Büreaus« die in der Debatte über die Convention gegen Frankreihs Absichten _geäußerten Verdächtigungen und kon- statirte, was der Kaiser für Italien gethan habe. Er meinte, daß der Kaiser, wie mehrere Jtaliener selbst, vielleiht früher Über die Möglichkeit der Einheit Ftaliens in Zweifel gewesen sei; heute aber sei er fest Überzeugt, daß der Kaiser die Einheit Jtaliens als un- widerruflich betrachte." Die italienische Regierung werde keinen Schritt rückwärts thun, vielmehr bedächtig und langsam, aber ohne Rast, vorwärts schreiten. Die rômische Frage sci noch nicht vollstän- dig flar in allen Gemüthern, darum sei es gut, daß man noch Zeit vor sich habe. Er habe großes Vertrauen zum Kaiser, der die römische Frage genau kenne und glaube auch, daß der Kaiser in der venetianishen Frage Ätalien unterstüßen werde. Lamarmora hob ausdrücklich hervor, daß er hierbei nur seine Privatansicht ausspreche. Welche Lösung, meinte er, in Bezug auf Venedig auh möglich werde, er glaube, daß der Kaiser von Oesterreich dazu bewogen 1ver- den fönne, in dieser Angelegenheit neue Entschließungen zu fassen.
Die Rede Lamarmora’s wurde mit vielem Beifall aufge- nommen. Bei Abgang der Depesche sprach Musolina gegen die Convention. :
Die päpstliche Regierung hat in der Bank der Gebrüder Rothschild 35 Mill. Fres. zur Zahlung des halbjährigen Coupons der römischen Schuld, der am 1. Dezember fällig is , nieder-
legen lassen.
Das Beispiel, das der König von Jtalien durch Verzichtleistung
auf 34 Million von der Civilliste zu Gunsten des bedrängten Staats - Budgets gegeben, findet in andern Kreisen Nachahmung : die Generale und Ordonnanz - Offiziere des Königlichen Hauses und des Thronfolgers haben, jene auf die 4000, diese auf die 2000 Fres. Jahresgehalt, die sie von der Civilliste bezogen, verzichtet. — Rom, 5. November. Der » General - Corresp.« \chreibt man : Für eine sehr entschiedene Besserung unserer Beziehungen zu Ruß- [and sprechen vicle Anzeichen. Der russische interimistische Geschäfts- träger Baron Meyen dorff verkehrt häufig im Vatikan, und über die Verhältnisse der katholischen Kirche im russischen Reiche haben die Congregationen der Bischöfe und der Riten neue Erhebungen einzuleiten, die zu Vorlagen an das Staatssekretariat zu verarbeiten sind. Gewiß ist, daß der Besuch des Großfürsten-Thronfolgers dem h. Vater in einem eigenhändigen Schreiben des Kaisers Alexander angekündigt wurde und daß der Papst sich beeilte, in seiner Erwie- derung der großen Freude, welche ibm dieser Besuch verursachen würde , Ausdru zu verleihen. Wenn gleichwohl in den leßten Tagen verlautete, die Hieherkunft des russischen Kronprinzen sei wie- der zweifelhaft geworden so wird doch auch hinzugefügt , es sei der Grund hiervon lediglich in dem Umstande zu suchen, daß der Groß- fürst nicht wobl den Boden Ätaliens betreten könne, ohne auch am Turiner Hofe sich zu zeigen, während doch der Besuch von Rom und der von Turin gerade im gegenwärtigen Augenblíick sich nicht wohl mit einander vereinigen ließen.
Griechenland. Das neue Staatsgrundgesey des Königreichs Griechenland ist zu Stande gekommen und tritt, sobald der König es bestätigt hat, in Kraft. Die Grundzüge sind: Der König, {selber unyerlehlih, regiert durch verantwortliche Minister unter Mitwirkung einer einzigen aus allganeinen Wahlen hervor- gegangenen Kammer. Die Prärogative der Krone sind dieselben wie in Belgien. Die Thronfolge steht den direkten und legitimen
Descendenten des Königs Georg zu,/ nah der Ordnung der“ Erstge-
burt; doch gehen männliche Descendenten den weiblichen stets vor. Der Erbe der Krone muß sich zur griechischen Religion bekennen. Die Kammer und deren Mitglieder haben dieselben Rechte wie in allen anderen konstitutionellen Ländern. Auch ihnen steht das Recht zu; Geseze vorzushlagen. Ein Staatsrath redigirt die Gesezentwürfe. Der König darf die Kammer vertagen und auflösen. Die Richter werden vom Könige ernann, - sollen aber, um die Unabhängigkeit der Justiz zu sichern, in bestimmter Frist für unabseßbar erklärt wer- den. Die Todesstrafe für politische Vergehen is abgeschafft. Sämmt- liche Hellenen sind vor dem Gesehe gleih und haben gleihe Staats- steuerpflihten. Persönliche Freiheit und Wohnung sind unverleßlicch. Vereinigungs- und Verjammlungsrecht is nah den Bedingungen der öffentlichen Sicherheit geschlih gewährleistet. Die Presse ist frei, Beschlagnahme der Zeitungen darf nicht stattfinden, »es müßte denn die christlihe Religion oder die Person des Königs angegriffen sein«. Einê vervollklommnende Revision der Verfassung ist vorbehalten. Nach dem Wabhlgesch is jeder großjäbrige Hellene, der im Vollbesi seiner bürgerlichen und politischen Rechte is, Wähler. Jeder Wahl- bezirk ernennt auf 10,000 Seelen einen Deputirten.
Türkei. Bukarest, 5. November Dem »Wanderer« wird geschrieben : Der Widerstand des griechischen Klerus in Sachen der Klostergüterfrage hat eine gewisse Feindseligkeit des Fürsten Cusa und der Regierung gegen die griechische Kirche überhaupt zur Folge. Man ift sogar schon so weit gegangen, dem Fürsten Cusa die Abs sicht, zum Katholiziémus überzutreten, zuzuschreiben, um sich nur von dem Einflusse des griechischen Klerus zu emanzipiren. Auch die neuesten Anordnungen des Fürsten Cusa, nämlich die Botschaft an den Staatsrath, einen Gesegentwurf über Einführung der Civil- ehe auszuarbeiten, und die Verfügung, daß in Jassy ein katho- lishes Seminar errichtet werde, werden im diesem Sinne ausgelegt. Für die zu Tirgowescht zu errichtende Kanonengießerei hat sich die Regierung von der Kaiserlih ottomantischen Stückgießerei zu Konstantinopel einige Werkmeister und Maschinisten erbeten. Der Getreidehandel zu Galacz und Braila hat in den leßten Tagen einen merklichen Aufschwung genommen, was übrigens alljährlih, wenn das Ende der Schifffahrtssaison bevorsteht, der Fall ist, Die auf den Markt gebrachten Vorräthe sind bedeutender als in den früheren Jahren, weil die Gutsherren und Gutspächter auch den größeren Theil jener Vorräthe, welche sie sonst zur Aussaat zurückbehielten, zum Verkaufe ausbieten. Da nämlich durch das Ruralgesey an circa zwei Drittel der herrschaftlichen Güter an die Bauern über- gehen, so brauchen die Gutsherrn und ißre Pächter um zwei Drittel
weniger Frucht zur Aussaat als früher.
Nußlaud und Polen. St. Petersburg, 10. Novem- ber. .Dæ Maller Ut: Non Ber Reise ins Ausland nach Zarskoje-Sselo zurückgekehrt und hat auf dem Marsfelde cine Parade über dice Truppen der Garde und des St. Petersb. Militair-Bezirks insgesammt, in der Stärke von 2947 Bat. Jnfan- terie, 34 Schwadronen Kavallerie und 12 Batterieen Artillerie, abge- halten.
Nah Berichten aus Kronstadt war dort na allen Richtungen, sowohl nah St. Petersburg und Oranienbaun1, wie nah der See zu, soweit das Auge reichte, überall stehendes Eis. Das Schiff »Napoleon«, welches im Eise lag, wurde von einem Dampfboot hereinbugsirt.
Vom Comité zur Verbreitung des Lesens und Schreibens ist eine Schule für Dorfschullehrerinnen gegründet worden. Es ist dies endlich cinmal, bemerkt die »Petersb. Ztg. «, ein ernster und praktischer Schritt zur Beseitigung cines der fühlbarsten Mängel in Rußland: des Mangels an Lehrern für Volksschulen.
Die Veröffentlihung des Reichsbudgets — ; sagt die » Petersb. Ztg.« — hat gezeigt, daß die Post bei uns nicht dur si selbst bestcht. Bei uns figurirt das Postdepartement zwar mit einer Rein- cinnahme von 4,084,509 Rbl. 954 Kop., dieselbe wird aber nur dadurch erzielt; daß ihm aus den Landsteuern ein Zuschlag von 7,377,355 Rbl. 22 Kop. zur Haltung der Postpferde auf den Stationen gezahlt wird und noch 52,000 Rbl. zur Versendung solcher De die außerhalb der Telegraphenlinien liegen, dazu fommen. Die Brutto einnahme is 7,703,966 Rbl. 69 Kop. die Erbebungskosten betragen 11,048,811 Rbl. 955 Kop.j es fehlen also zur Deckung der Aus- gaben aus den eigenen Mitteln der Post noch 3,344,854 Rbl. 265 Kop. Es ist hierbei allerdings zu berücksichtigen, daß auf der Post die un- geheure Last ruht, die ganze Korrespondenz - und alle Frachtstücke der Staatsbehörden unentgeltlich befördern zu müssen, deren Porto nach cinem Berichte des Ober-Dirigireuden vom Jahre 1862 allein mit | 7,813,516 Rbl. zu veranschlagen is, und daß von der zu Bestreitung der Fahrkosten bestimmten Summe nur 3 zur Fortschaffung der Post- equipagen verwendet werden, während die anderen 7 jx Ga der Reisenden dienen. Außerdem kommen dic ungeheuren L Paget die ungünstigen klimatischen Verhältnisse in den Theilen des Landes, in denen die Post gerade die größte Thätigkeit zu „entfalten hat, und die mangelnden Straßen dazu, um zu begreifen, ¿dä unsere Post mit ganz anderen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, als die des Aus-
- landes und daß eine direkte Vergleichung beider eine große Ungerech-