in den südlichen Theilen Ostpreußens und: in dem Schweter |
Kreise, befinden si{ch Brennereien von nennenswerthem Umfange,
welche jedoch in Folge des leßten Ernteausfalls s{werlich im |
Stande sein werden, sich im bisherigen Betriebe zu erhalten. Jm Schweter, Konitzer und Schlochauer Kreise giebt cs cine Anzahl von Glashütten; miftelst- deren die Verwerthung des Brennholzes erzielt wird, die aber ohne Einfluß auf die Beschäftigung der von dem Nothstande betroffenen Arbeiter bleiben. Die Ver- suche, welche man mit der Rübenzuckerfabrikation in den Krei- fen Insterburg und Darkehmen gemacht ‘hat, sind seit längerer Zeit aufgegeben. Im Ermelande — bestehend aus den Kreisen Braunsberg, Heilsberg, Rössel und Allenstein — is in Verbin-
dung mit dem dort hecimishen Flach8bau Garn- und Leine- |
wandfabrikation eingebürgert, aber in Folge der Einführung des Mat!chinengarns bedeutend gesunken.
Die Bewirthschaftung der Aecker erfolgt in abweichender Weise. Auf den größeren Gütern is der Fruchtwechsel einge- führt, auf den Bauergütern jedoch ist die Dreifelderwirthschaft noch das vorherrschende System. ‘Der Fortschritt tritt hier langsam ein. Am weitesten sind die kleineren Wirthe ‘in den Kreisen Stuhm, Graudenz und Marienwerder vorgeschritten.
Weizen, Roggen, Gerste und Hafer sind die Hauptfrüchte, welche'die Provinz hervorbringt. Der Höheboden Westpreußens scheint für Sommerfrüchte weniger geeignet zu sein. Dagegen liefert die Niederung ‘bedeutende Erträge an Gerste. Von Hack- rüchten ift die Kartoffel am meisten verbreitet; daneben fängt
“eht der Futterrübenbau Ausdehnung zu gewinnen cin, nament- Uch in Litthaucen, wo die Kartoffel nicht recht gedëiht, — An Handelsgewächsen werden vornämlich Raps und "Rübsen „in den ‘Niederungen und auf den besseren Höheböden bis an die “Grenze des Gumbinner Regierungsbezirks uünd- darüber ‘hinaus mit gutem Erfolg gebaut. "Von Flachs wird mehr als -der ‘Eigene Bedarf besonders ‘im Ermelande und in-Litthauen erx- zeugt. — ‘Durch’Gemüsebau zeichnet ih nur ‘die Nähe von ‘Danzig, Elbing, Ragnit und Tilfit aüs und außerdem die tiefste Niederung der Memel in den Kreisen Niederung und Labiau. — Obstbau ist-nur in” der Weichselniederung von eini- ‘ger ‘Au®*debnung. — ‘An Holz findet sich ‘in den schlechteren Böhegegenden und in den sandigen Kreisen Ueberfluß. Jm Regierungsbezirk Gumbinnen jedoch ist nur an wenigen Stel- Ten'hinlängliher Absaÿ dafür zu finden. : i
Die verkäuflichen Feldfrüchte der Kreise Deutsch - Krone, Flatow, Schlochau und Konitz werden: nah Nackel und Schneide- mühl ‘geführt, von wo ihr Weitertransport mit der Eisenbahn bewirkt wird. Für die übrigen Kreise Westpreüßens bieten-Danzig UndElbing die Hauptmärkte, wöhin die Früchte, je nach der:Lage ‘dés ProduciionsSortes, auf’derEisenbahn oder-auf dem Wasserwege N werden. ‘Thorn, Graudenz, Dirschau und Marienburg
ilden die Vormärkte;“ wohin auch seit Eröffnung ‘des Ober- ländischen Kanals die südwestlichen Kreise Ostpreufßens,-Neiden- burg, Osterode, Mohrungen und Pr. Holland, gewiesen sind. Fur alle anderen Kreise Ostpreußens bildet Königsberg den zauptabsaßplaÿ, auf dem die Früchte-auch aus dem: Gumbinner NegierungsSbezirke ‘theils direkt, theils ‘durch: Vermittelung von Insterburg ‘Und Tilsit gebracht werden. Die entfernt von diesen Pläßen gelegenen KreiseRastenburg, Rössel, Allenstein, Ortels burg Und Masuren sind dadurch zu cinem -Landtransporte ihrer Felde früchte von 12—20 Meilen gezwungen, der ihnen6—12Sqgr. Kosten 0 Scheffel Getreide verursacht, wozu noch der andere Nach- theil tritt, daß ‘dieser Transport auswirthschaftlichen Rücksichten erst im Spätherbst und Winter bewirkt werden kann , das Ge- treide mithin nah dem Schlusse der Schifffahrt bei rückgängiger Konjunktur ‘der Preise anden Markt kommt. In neuerer Zeit 'hät fich ‘ein Zwischenhandel in Allenburg für einen Theil ‘des Kreilcs Wehlau und die ‘Kreise Gerdauen und Rastenburg, in Biscbofêburg für einen Theil ‘des Kreises Rössel und die Kreise ‘Allenstein Und Ortelsburg, in Pr. Holland und Osierode für die slidwestlichen Kreise, so wie- auf ‘den litthauischen Stations- orten der Königsberg - Eydtkuhner Eisenbabn für die östlichen Und südlichen Kreise ‘des Regierungsbezirks Gumbinnen gebildet, dur den die Uebelstände der langen Marktwege zwar verrin- gert, ‘die Preisdifferenzen ‘gegen ‘den Königsberger Markt jedoch nicht ausgegli{en ‘werden, j
Nach 'der |von dem Gch. Ober-Regierungs-Rath Schuh- mann verfaßten Denkschrift haben die Martini-Dürchschnittspreise e die Jahre 1837—1860 für Wéizen und Roggen betragen : m Négierungsbezirk Marienrverder für Weizen 69—76k-Sgr., Für Roggen 38#—48% "Sgr. Danzig für Weizen 70—72§ Sqr, für Roggen 45—46% 'Sgr., Königsberg für Weizen 64:—7714
Sqr. ‘für Roggen 395 —521 Sgr., „Gumbinnen für Weizen 634—75 ‘Sgr.', ‘für Roggen 36 — 475-Sgr: Die bedeutende Differenz zwischen den verzeichneten Preisen ist dur verschiedene Preishöhe "Auf den N Märkten'-hexvorgerufen worden, wöbei ‘die niedrigen Préissäte in den ‘von! den größen Handels- mätften'entferrtlicgcirden Getreidepläyen von: großem: Einflusse
gewesen sind. Wenn wir die Aufstellung der Martinimary, preise der leßten Jahre nicht in Betracht gezogen haben, so li der Grund dazu ierin, daß betreffende Zusammenstellung noch nicht vorban en sind und durch die Marktpreise bis zu Jahre 1866 kaum ein anderes Resultat erzielt werden dürft da sich im Großen und Ganzen die Getreidepreise der Jahn! 1860—66 denen der früheren Jahre gleich siellen.
In Bezug auf den Anbau des Weizens sagt Herr Conrad, Maulen in seiner Schrift: »Ackerbau und Wiesenbgu der Pro, vinz Preußen«: Die Temperatur des dortigen Sommers sagt dem Weizen zu , was ebensowohl durch die Zeit seiner Ernk und durch sein bedeutendes Gewicht, als durch die hohen Körner, erträge, welche er an gecigneten Stellen gewähre, bewiesen werde | Seine Ernte folgt unmittelbar der des Winter - Ro gens un)
beginnt wohl durweg zwischen dem 25. Juli und 2 August Jedoch is der Weizen nicht immer im Stande , die dortige Winter ohne Nachtheil zu ertragen. Sowohl der rothe gli au der weiße Weizen sind verbreitet. Ersterer hat seinen Standort vorzug8wei)e auf den strengsten Acckern , der ander wird in mehreren Strichen der Provinz in hervorragende Güte produzirt. Bekannt ist die Thatsache, daß auf dem Lon: doner Markte die höchsten Preise für Danziger, dic nächsthöchstey bi Königsberger Weizen gezahli werden. Die in Danzig very chifste feinste Waare wird zum Theil in der Gegend von ulm und Nebden gebaut und das schönste Gewächs für den Königß berger Markt kommt von Bartenstein, Rastenburg und einige anderen Theilen der Provinz. Das Saatquantum wechselt voy 1-15 Scheffel, je nach Saatzeit und Güte des Stand ortes in der Fruchtfolge, auf den Morgen. — Der Som mert eizen wird mehr in Ostpreußen als in Westpreußen gebaut.
An Winterroggen giebt es einen sogenannten Land roggen , neben welchem aber auch seit Inge Zeit ander Sorten, namentlich Probsteier-, -CCampiner- .u. ißiner-Staudep: roggen, gebaut werden. Eine große Zufuhr shwersten Roggens liefert Masuren, und zwar überwiegend Landroggen.. — Dr Sommerr-oggen wird in gesäet und ist als Ueberfrucht der Gräser geshägt. Auch spielt er, namentlih in Westpreußen, eine Rolle in den Mengsaaten,
Von Gerste wird vorzugsweise die kleine Gerste gebaut, In der Weichselniederung liefert sie 30 Scheffel Durchschnitts ertrag pro Morgen. Auf der Höhe von Ostpreußen und Ü thauen gewinnt diese Frucht -neben der L L HA ihres Ce deihens auch eine besonderc Bedeutung durch ihre späte Aussaat, — Der Hafer zeigt sich sehr dankbar nnd nimmt nächst deu
intevroggen die größte Fläche ein. Ein Gewinn von zwan}
Scheffel. pro Morgen ist keine Seltenheit. — Von den Hü llew früchten ist neben der Bohne und weißen Erbse als ein de Provinz und zwar Ostpreußens ecigenthümliches. Gewächs di graue Erbse zu nennen. — Als besonders renommirte Erbsey gegenden sind. die Höhe. des -Graudenzer Kreises und der Stri VoN Bartenstein bis Swippenbeil bekannt. Leßtere Gegend liefert die schönste graue Kocherbse,
Von Hackfrüchten ist besonders die Kartoffel anzuführen, Sie ist neben dem Brode bis in die kältesten Striche das Haupt nahrung8mittel der“ unteren Klassen der Bevölkerung. Di Kartoffelkrankheit hat diese Kultur innerhalb der Provi sehr ‘verschieden beeinflußt. Während ibr Anbau in den südlichen Kreisen seit dem Jahre 1845 noch ‘an Ausdehnung wonnen hat bei steigender Ausbeute zum Spiritus vom Quart Maischraun1, hat in den nördli der Wasserscheide der Weis gelegenen cin Rückgang stattgefunden, in der mit Kartoffcln bepflanzten Fläche sowohl als im Mcehlgehalte. Die in frühe ren Jahren auch über diesen Landestheil zahlreich verbreiteten Brennecrcien haben sich sehr vermindert, sind in cinigen Kreisen jogar bis auf einen Bruthceil cingegangen, weil der geringer Alkoholertrag die Steuer nicht mchr zu tragen vermochte. — Eint besondere Ausdehnung des Anbaucs von Rüben findet nicht stalt
Unter den Futtergewächsen nehmen rother und weiß Klee, sowie Thimotygras die erste Stelle ein und geben dét sichersten Ertrag. Der Anbau der Lupinen hat schon eine be merkenßwerthe Ausdehnung gewonnen und Naygras wird den Mischungen wielfach zugescßt. Mit der Luzerne und Esparscktt ist es aber noch nicht weit über Versuche hinausgckommen. — Bon den Handels8gewächsen werdeh nur Oelpflanzen und &las in irgend bedeutenderem Umfange gebaut.
Die Provinz Preußen ist durch ihre Lage sowohl, als aud durch die Verhältnisse ihrer Bevölkerung mehr noch als di „Nachbarprovinzen auf extensives Wirthschaften hingewiescn, d. b. auf cin Verfahren, welches mehr die natürliche Bodeutraft bi der Production in Dicust ninunt, als dieselbe durch außerordent lichen Aufwand an Betriebskapital und Arbeit zu steigern su!. Als Ursache giebt Conrad - Maulcn hierfür au; den hohe! Binsfuß für Kapitalien und .ncch mchr den nicdrigeren Markt
Preis \ämumtlicher Produkte, denjenigen Marktpreis, zpelchex dew! ¡Vandwwixthe auf seinem Wirth1chastöhofe, also nach Abzug U!
lieg |
“ vor, jedoch geben die von dem Central-
allen leichteren Gegenden vil
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: Umfang der Brauereien in P
r wiegenden Transportkosten nach dem Absaßorte,
bor! 10e Lea Häfen des Landes übrig bleibt. * ” Ein GuEreMentes FFaeTie an e g Lia Me
rodukte aus der Provi! reuße1 1
Hg des Banden Büreau des Bollver- estellten Nachweise über die Waarenausfuhr für das Fahr 1866 an, daß 7,157,602 Scheffel Weizen, 2,158,816 Scheffel gcn, 92,632,112 Scheffel Gerste und 1,443,013 Scheffel an-
t: Getreidearten ihren Weg aus den Grenzen des Zollvereins
ber dic Ostsee nahmen. C D unter den Hafenpläyen Dsise j von Danzig - Königs8berg- und den übrigen Häfen der Proviuz Preußen besorgî werden , anucechmen , ‘daß das große Mehr der Getreideausfuhr über die Ostset aus der Pro- Tin stattfindet, welcher diese Zeilen gewidmet sind. Da auch roßer Theil des Getreides, namentlich des Roggens, scinen
eines auf
der Ostsee vorzugsweise
Weg, ins Binneuland, nah Sachsen, Westphalen und der Rhein- provinz einschlägt, so dürften die oben angegebenen Summen ihre volle Ergänzung finden und als das Exportquantum der
vinz Preußen angesehen werden können, Die Getreide-Aus- fuhr t: aner Häfen steht der in den preußischen um ein sehr Bedeutendes nah. Während der Handel dieser sich A ausschließlich mit der -Verschickung der Bodenprodukte beschäf- tigt, betreiben jene den Getreide-Transport nur nebensächlich, Was die Viehzucht betrifft, so ist die gange Provinz, einige Niederungs-Distrikte an der Weichsel, an der Memel und an dem Pregel ausgenommen, in welchen Gegenden ganze Areale oder der größte Theil derselben aus Wiesen besieht, bisher nur in der Lage gewesen, die Vichnußung subsfidiär zu betreiben. Diebeiden unerläßlichen Bedingungen für die Viehzucht, welche an und für fich Reinertrag gewähren soll neben dem Pflanzenbau und n übertreffend — reiche Consumtion im Lände oder großes Kapital in der Hand des Gewerbes, auf Racengründung und Quehtviehverkauf gerichtet — Fol bisher in hohem Grade. Jn der Schafzucht sind diese Bestrebungen allerdings erfolgreich gewesen, da bereits eine Anzahl renommirter Stammschäfecreien existirt, ihre Zahl ist jedoch im Verhältniß zur Gesammtzahl der Schafe zu klein. Dagegen ist der Versuch — die Zucht des edlen Pferdes — glänzend gelungen, da das Produkk ein vor- ügliches ist. Jedoch die Rentabilität dicses Zuchtzweiges is in Leo größeren Wirthschaften selten cine genügende. i Die Provinz Preußen zählt circa 510,000 Pferde, circa 1,015,000 Stü Rindvich, darunter circa 525,000 Kühe, gegen 4 Millionen Schafe und circa 600,000 Schweine. : In der Zahl der Pferde und Schweine - sicht die Provinz Preußen über der Durchschnittssumme im 4a Staat. Vor- zugsweise wird das Pferd gezüchtet im egierungsbezirk Kdö- nigsberg: in den Kreisen Wehlau, Gerdauen, Rastenburg, Fricdland, Pr. Eylau, Pr. Holland, Braunsberg, Heilsberg und Rössel; im Regierungsbezirk Gumbinnen: in den Kreisen Iilsit, Stallupönen, Gumbinnen und Darkehmen; im Regie- rungêbezirk Danzig: üm Kreise Marienburg/ im R egierungs8- bezirk Marienwerder: in den Kreisen Stuhm und Marienwerder. In diesem Jahrhundert fing man in der Provinz Preußen die Versuche an; namentlich in Litthauen, wo das Beispiel des Königlichen Gestüts Trakehnen von großen Erfolgen begleitet war , aus der Zucht des edlen Pferdes eine Rente zu ziehen. Das Resultat ist als cin durchaus enügendes zu bezeichnen, und das preußische Pferd dete für die alten Provinzen des Landes zwei Drittel. des Pférdebedarfs unscrer Armee. Außer- dem konnte noch: cine große Dab! von D! an Käufer nach außerhalb der Provinz abgegeben werden. A | G die s N der Provinz Preußen die in den übrigen Provinzen übertrifft, hat darin seinen Grund, daß sich das Schwein bei den dortigen geringen Fruchtpreisen leichtèr ernähren läßt. E8 werden von dort A n L Sie in groß enge nach den anderen Provinzen geführt. : a Seeng A zum -Betxicbe des Ackerbaues gebraucht werden , bilden in der Provinz Preußen ein größeres Kontin- nt, als in den übrigen Theilen der Monarchie, weil -die Be- stellzeit cine Fkürzere ist und deshalb dic Arbeitskräfte konzen- trirter sein müssen. Man findet durchgehend ein stärkeres An- gespann von Pferden und Ochsen , als in den andexen Pro- vinzen. : L e nach der Beschaffenheit des Bodens variirt in den ver- aicte, Kreisen auch die Zahl der Akerthiere, Inder Weichsel- Niederung, wo fast ausschließlich mit Pserden gcackert wird, kommt auf 15 Morgen ein Pferd, während im Kreise Stuhm auf 60—70 Morgen ein Pferd und. auf 50—60 Morgch cin il fommt. ‘Zwischen diesen Zahlen halten sich die andexen reise mit ihrer Bespannung. Me Von landroirthiWafilichen Nebengewerben sind gegenwärtig nur ‘die Jiegeleien und Brennereien von Bedeutung. Die Zahl der j rige vermindert sich guf, dem Lande, und ihr Einfluß auf Futter- und Düngergewinu ist gering. anzuU-
Wir dürfen, da die Getreide -Trans- | | l dei | Maschinen und Baulichkeiten | Production auf 1 Mil., selbst auf 2 Mill. Ziegel. Welt wich-
schlagen. Der leßte amtlihe Ausweis über die Zahl und den reußen -Petrifft das Jahr 1866. Es befanden sih damals in ‘Ostpreußen 161, ‘in Westpreußen 26 Brauereien auf dem Lande, von welchen 12 geruht haben. Die Braumalzsieuer hat von diesen Brauereien einen Értrag von resp. 63,933 und 15,176 Thlr. ergeben.
Die Ziegeleien liefern zum Theil ihre Produkte na den Städten und den öffentlichen Baupläßen ; die günstigst situirten bei Danzig, dem frischen Haff, bei Königsberg und den Pregel hinauf gelegen, und mit den besten Einrichtungen in Bezug auf versehen, steigern ihre Jahres-
tiger sind aber die zahlreichen kleinen Ziegeleien , welche den Bedarf dcs Gutes und der nächsten Umgegend an Mauer- und Degen und an Drainröhren decken. ei weitkem das wichtigste tehnische Gewerbe für die Laud-
wirthichaft der Provinz Preußen ist die Spiritusbrennerei, auf Kartoffelbau gegründet. Diese Fabrication hat sich jedoch yer- schieden entwickelt. Während fie sich in den fsüdlihen und [oen len Theilen von Boden, Klima und Bevölkerung n 'gleiher Weise begünstigt, zeigte, hat “diese Industrie seit der G ung der Maischsteuer, mehr noch seit dem Auftreten der Kartoffelkrankheit Rückschritte gemacht. i
In den Jahren 1840 und 1843, welche noch vor dem Ein- tritt der Kartoffelkrankheit liegen , belief sich die Zahl der Bren- nereien auf dem Lande in Ostpreußen auf resp. 644 und 530, Im Jahre 1861 hatte eine Abnahme bis auf 452 stattgefun- den, und nach dem leßten Ausweise über den Betrieb der Brennereien gab es im Jahre 1866 dort nur noch 437 Brenne- reien. Aber nicht allein die Zahl der Brennereien haite abge- nommen, sondern auch die Höhe der Production. Im Jahre 1849 wurden 2,492,700 Scheffel Kartoffeln zu Spiritus ver- arbeitet, im Jahre 1861 nur noch 1,865,900 Scheffel und im Jahre 1866, 1,655,427 Scheffel, Die Einnahme von der Spi- ritussteuer betrug im Jahre 1840 613,185 Thlr. im Jahre 1866 nur 606/609 Thlr.
Dice Jndustrie der Stadt und des Kreises Essen.
Die Geschichte der 926 durch die Aebtissin Hagena gegründeten Stadt Essen is} Jahrhunderte lang eng verknüpft mit der der Abtei Essen, welche 877 ‘von Alfred Bischof von Hildesheim gestiftet Pa und deren Schirmvogte seit 1291 die Grafen von der Markt, seit 16 die Kuxfürsten von Brandenburg waren. L 19 -
m Jahre 1803 kam die Stadt mit der säkularisirten Abtei an Preußen, 1807 an das Großherzogthum Berg und 1814 wieder an Preußen. i n den früheren Jahrhunderten befaßte sich die Bevölkerung der Stadt ‘Essen hauptsächlich mit dem Betrieb der Landwirthschaft. Jm Jahre 1816 betrug die Zahl ‘der Einwohner 4721. Diese hob fi all- mälig bis zum Beginn der 50er Jahre auf 8000. Ju den „lezten funfzehn Jahren nahm aber die Stadt. eineu Aufschwung, wie er nur bei Mt ing rasch aufblühenden Haudelspläßen Nordamerita's beobach- tet wurde.
Bereits 1861 betrug die Bevölkerungs8zahl Essens 20,811; 1864 war diese auf r Aa prets ; sie war also in einem dreijährigen citraum um 50, pCt. gewachsen. i i E Diese ungewöhnlich rasche Blüthe verdankt die Stadt zunächst
em Kohlenbergbau. i
: Die Kohlea des StiftesEssen werden zwar schon im Anfang des vierzehnten Jahrhunderts erwähnt; allein noch vor zwanzig Jahren war die bergmänuische Gewinnung derselben von keiner erheblichen Bedeutung. Jm Jahre 1866 dagegen betrug die Steinkohlenförderung des Kreises Essen nach dem Jahresbericht der:Handelskammer für den Kreis Essen für das Jahr 1866 bereits 14,581,826 Tonncn, im Geldtverthe von-5/,253,442 Thlr. Die Stadt Essen ist bei dieser bergmännischen Thâtig- feit' wesentlich betheiligt. Jm Jahre 1866 wurden in-der unmittelbaren Nähe der Stadt auf sechs Tiefbauanlagen 4,3965564 Tonnen Stein- fohlen im Geldwerthe von 1,690,026 Thlr. zu Tage gefördert. Bei ‘dieser Förderung: waren 3291 Arbciter und 29 Dampfmaschinen von 2629 Pferdekräften thätig. Die bedeutendsten Steinfkfohlenzehen Essens sind: Victoria Mathias; Ver. Sälzer und: Neuack; Graf Beust und Ernestine; Helene und Amalia; Ver. Hoffnung und Secretarius Aak; Herkules. — Diese mächtige Stcinkohlenförderung rief natur- geinäß eine ‘ganze Reihe wichtiger Judustriezweige ins Leben, zunächst folche, welche sich ‘die Verarbeitung des: Eijens zur Aufgabe stellten. i
Hier is in erster Reihe die Krupp sche Gußstahl-Fabrif zu nennen. Dieselbe hat sich besonders-seit 1561 ungemein cuamcelt, Die Räumlichkeiten dieses Etablissements-umfassen mehr als 700 Mor-
en, Es betrug bei demselben im Jahre 1866 die Zahl der Schmelz-, Glüy- und Cement - Oefen 412; die der Schmiedcessen 110; die der Drehbänke 318; die der Hobelmaschinen 1117 dic der Fraisbänfe 61 ¿ die der Bohrinaschinen 84} die der Schleifbänke 757 die von diversen ‘Maschinen 26; die der Dampfmaschinen 195 von 6835 Pfecrde- kraft; die der Dampfhämmer 49 von 2770 Ctr. Gawicht. Untex den- Dampsmaschinen befanden sich 1 à 1000 Pferdctraft ; 2 à 800 Pferdekrafte 1 à, 500 Pferdekraft, 2 à 200 Pferdekraft, 3 à 150 Psecrdekra t, 1 à 120 Pferdefraft, 3 .à 100 Pferdekraft, 182 von geringe- rer Stärke. Unter den Dampfhämmern waren: 1 à 600 Etr.ç 1 à 400 Ctr, 1 à 150 Ctr, 1 à 140 Ctr, 2 à 110 Ctr, 3 à 100Ctr.e