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auch die innern Angelegenheiten des Schulwesens im Bereiche | täten 5962 Studirende, also 700 mehr , und unter diesen ware der Stadt anvertraut sind. Es ist das eine Institution, die | 794 Ausländer, also einige neunzig mehr als 4 Jahre vorber. so viele wirkliche Selbstverwaltung in sih trägt, als cs nur | Die Zahl der akademischen Lehrer betrug im Wintersemester irgend der Fall sein kann, und ih rene es meinen Herren | 1861—1862 im Ganzen 530, im Wintersemester von 1865 gy Amtsvorgängern zum Verdienst an, in deren Fußtapfen ih | 1866 — 560, — Vermchrung um 30, also kein Rückgan darin getreten bin, daß sie diese Institution der Schuldeputa- | Vergleiche ih nun die beiden leßten Jahre 1866 und 186 Ln tionen, deren Existenz durch die neuere Städteordnung zeitweise | Hinzunahme der dem preußischen Staate seitdem neu hinzuge- gefährdet war, aufrecht erhalten und niemals daran gedacht haben, | kommenen Z Universitäten, Kiel, Marburg und Göttingen, so sich auf den Standpunkt der Verfassungsurkunde zurücfzu- | haben wir im Wintersemester von 1866 auf 1867 ziehen, sondern daß sie an dieser Stelle gerade den Artikel 112 | auf diesen sämmtlichen Universitäten 7469 Studirende als Waffe benußt haben , um diese Erweiterung des Selbst- | und darunter 848 Ausländer, und ein Jahr später verwaltungsrechts über das Maß der Verfassungsdurkunde hin- | im Wintersemester 1867 auf 1868 7500 Studirende, und dgr. aus gegen eine strikte Anwendung der Verfassungsurkunde zu | unter 1013 Ausländer. Die Zahl der Ausländer ist, obgleich wahren. Es if von Seiten des Unterrichts-Ministeriums die | seitdem der Begriff des Auslandes sih für uns in Preußen ortdauer der Rechtsbeständigkeit dieser Verfügung vom | verengert hatte , troßdem von 848 auf 1013 gestiegen. J 6. Juni 1811 auf das Entschiedenste festgehalten worden , ob- | glaube, gerade darin einen Beweis finden zu müssen, daß das
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niht von Geistlichen, sondern von Schulmännern und Fach i j : , " 0 o tra t t e , ‘ Nen lese f Sit Ma E Direktoren von Gym- Schulkollegien Und die R ieren Instanz die Provinzial- hierarchische Element soll in die Schultollezi o O fonfessionell- | stanz die Schulvorstände une V N na aT JORENNEN, is gien dadurch hinein- | habe. Ih möchte doch bitten die Unterschiede adi Pie oa
/ zuweisen hin-
treten, daß zu gleicher Zeit die Mitglieder der Regi E él Schulräthe , Mitglieder des Schulkollegiums int S ierungen, die | sichtlich der Organisation, die sih hier finden sollen.
Es steht aber ebenso wenig geschrieben, daß die Schulrä der Regierung Geistliche sein müssen, und e der P räthen, die wir in diesem Augenblicke hier im Hause haben, sind zwei Nichtgeistliche. Wie also dadurch ein spezifisch kon- fessionell-hierarchisches Element in die Schulkollegien hineinkom- men soll, daß ab und zu die Schulräthe zu einer Sigung in das Schulkollegium berufen werden, vermag ich nicht zu schen Es kommt ferner hinzu, daß die Mitwirkung der Regierungs- Schulräthe im Schulkollegium nur den Zweck hat, Angele É heiten des Bolksschulwesens, insoweit beide Behörden, die Re-
Der Herr Abgeordnete wünscht f i ' erner, da | S- plan der höheren Schulen so cingerichtet abe Lal Tee,
wenn er die Anstalt verläßt, mit der allcemei i i lt ve emeinen Vil
rige D Ee 26 Verfolgung seines belanderen Beru, t sei. ( getadelt, daß seit eini | nsen nien SU29 eau He qnatbemaliiben nd hat dabei Behauptungen ein mist, Me ibatidet t E tu: ingemischt, die that icht richti R L beispiel8weise sagt, daß der Kull Me e M ge, daß die Schüler ägyptish lernen. Dgs ist niemals vor-
gleich fie cin bloßes Ministerialreskript ist, und es ist ihr ge- lungen , die Anerkennung derselben auch auf Seiten der Kom- munalverwaltung zu erhalten.
Der Herr Abg. Karsten hat in seinem Vortrage — Und zum Theil ist es auch von dem Herrn Abg. Lasker geschehen — einen Rückblick geworfen auf die Schulregulative. Meine Herren, es ist Über diesen Gegenstand auch so viel geredet wor- den , und zum großen Theil so wenig mit bestimmter Sach- kenntniß, daß ih einige wenige Worte doch auch deshalb an- führen muß. i
In dem, was in dieser Diskussion zur Sprache gekommen ist, habe ih eigeâtlich nur zwei Argumente gehört y die diesen Schulregulativen zum Vorwurf gemacht worden sind. Das eine ist , daß in dem einen derselben der Ausdruck vorbomml: »Die sogenannten Klassiker zu lesen , solle den Seminarisien nicht gestattet sein«, und-der andere Vorwurf: »daß die Dezi- malrechnung nicht getrieben werde auf den Seminarien«. Ja, meine Herren , das sind beides Vorwürfe, die auf einem Über- wundenen Standpunkt stehen , denn das Haus wird sich erin- nern , wenigstens die Mitglieder , die eine längere parlamen- tarishe Erfahrung für fih haben , daß im Jahre 1859 oder 1860 über die Regulative hier im Hause eine ausführliche Ver- handlung stattgefunden hat, daß mein Herr Amtsvorgänger in eine Diskussion hierüber mit dem Hause und der Kommission desselben eingetreten ist und daß das Haus oder die Kommission — ich weiß es in diesem Augenblick nicht genau — die Punkte be- zeichnet hat, in welchen eine materielle Verbesserung der Regu- lative wünschenswerth sci, und daß endlich mein Herr Amts- vorgänger diese Punkte aufgehoben und remedirt hat. Zu diesen vor 10 Jahren remedirten Punkten gehören die beiden heute genannten. Der Herr Abg. Lasker hat es mit volllommen sachgemäßer Richtigkeit anerkannt, daß" in dem Punkte der Klassiker Remedur eingetreten sei, aber sie ist ebenso eingetreten auf dem Gebiete der Dezimalrechnung.
Zum Schluß habe ih noch ein Faktum zu berichtigen, welches inder Rede des Herrn Abg. Karsten vorgekommen ist, indem er behauptet, der verstorbene Professor Barth sei erst, nachdem ein Ruf nach Jena an ihn ergangen sei , zum Professor ernannt worden. Die Sache verhält sich nicht so. Der verstorbene Professor Dr. Barth wurde, nachdem er scine große Reise voll- endet hatte, von Sr. Majestät dem hochseligen Könige mit der größten Munifizenz hier empfangen; es wurde ihm ein anschn- liches Jahrgehalt ausgesebt, daß er hier als freier Gelehrter leben und die Herausgabe seines Reisewerks vollenden könne. Dar- nach hat er seine Wirksamkeit bei der Universität als Privakt- dozent gesucht , und nicht lange darnach — es ist im Anfang meiner amilichen Wirksamkeit gewesen — ist er, ohne die Ver- anlassung cines Rufes nach außerhalb , zur Stellung eines außerordentlichen Professors befördert worden.
Ich möchte doch, da die Diskussion an dieser Stelle wiederum den Charakter einer Generaldebatte angenommen haft, und zur Beruhigung Vieler, denen der Ausspruch, daß es von Jahr zu Jahr mit dem Schulwesen rückwärts gehe, aufs Herz fällt, noch cinige Zeugen anführen , die in ihrem objektiven Charakter — denn es sind Zahlen, stati sische Zahlen — vielleicht am wenigsten der Polemik ausgeseßt sein werden. Jch habe mir erlaubt, hier in der Kürze die Zahlen zusammenzustellen, welche auf den drei Haupt- gebieten des Unterrichtswesens, dem Universitätswesen, dem höhe- ren Schulwesen und dem Elementarschulwesen, sich in Zahlen aus- drücken lassen. Ich nehme dabei den Zeitpunkt vor dem Ein- tritte des gegenwärtigen Ministeriums, den Winter 1861 auf 1862, und den Zeitpunkt, wo diese Jahlenreihenz abschließen, das Jahr 1866 resp. 1867, zur Vergleichung. i __ Auf dem Gebiete der Universitätsverwaltung befanden \ich in der Zeit vom 1. April 1861 bis dahin 1862 nach dem Durch- schnitt der beiden Semester, des Sommer- und Wintersemesters®, im Ganzen 5257 Studirende auf den damaligen 6 preußischen Universitäten, und unter diesen 5257 waren 701 Ausländer. Vier Jahre später befanden sich auf den preußischen Universi-
Vertrauen auf den wissenschaftlichen Geist in Preußen und auf die Leitung des Unterrichtsroesens nicht abgenommen hat, Die ahl der akademischen Lehrer betrug in dem früheren Jahre 69; sie ist in dem einen Jahre von 1866—67 auf 788 gestiegen hat sih also um 19 vermehrt. | Ich rede jeßt von den höheren Lehranstalten. Unter diesen Namen fasse 1ch zusammen: Gymnasien, Progymnasien, Realschulen erster Ordnung , Realschulen zweiter Ord- nung und diejenigen Bürgerschulen, welche mit Berech- tigungen für ihre Abgangszeugnisse verschen sind. Die Zahl dieser Schulen war im Winter 1861 bis 1862 232; im Wintersemester 1866 — 67 ist sie 269 gewesen, also 37 mehr. Die A der ordentlichen Lehrer an diesen An- stalten betrug in der ersten Periode 20597 in der andern Periode 2571. Ich \chalte ein , daß bei dieser Zahl nur die Lehranstalten in den alten Provinzen einbegriffen sind; für die neuen Pro- vinzen liegen die Zahlen noch nicht in derjenigen Vollständigkeit vor, daß eine Vergleichung zwischen den beiden Abschnitten möglich werden konnte. Die Zahl der Schüler in allen diesen Anstalten, inkl. der mit den Anjtalten verbundenen Vorschulen, betrug im Winter 1861 auf 1862: 68,817 ; sie betrug im Winter 1866 auf 1867: 82,732. Bedenken Sie dabei, daß in einem vor Kurzem erschienenen Werke von dem bekannten englischen Gelehrten Arnold, der sich Über das Schulwesen auf dem Kontinent genau informirt hat, angeführt is, daß in Frankreich, dessen Seelenzahl beinahe dop- pelt so groß ist, als der Umfang der preußischen Monarchie, wie er damals bestand, die Zahl der Schüler, welche höhere Lehr- anstalten besuchten, sih nur auf 40,000 beläuft, während wir die QJahbl82,000 haben, und daß in England die Zahl der Schüler, welche Anstalten der höheren Kategorien besuchen, von demselben Schrift- steller auf nicht höher als etwas über 15,000 angegeben wird, Ich glaube, meine Herren, diesen Thatsachen gegenüber ist eb mit der Sorge des Rückganges unseres Schulwesens doch nit so übel bestellt, wie der Angriff es behauptet. Auf dem Gebiete des Elementar-Schulwesens betrug die Zahl der Schulen am Ende des Jahres 1861: 24,763; am Ende des Jahres 1864: 25,477. Die Zahl der Klassen war gestiegen von 36,783 auf 38,629, Die Zahl der Lehrer und Lehrerinnen war Ende 1861 35,372, Ende 1864 38,266. Jch bedaure, daß ich mit dem Jahre 1864 abschließen muß, weil die Dr Periode, in denen die statistischen Tabellen zusammengestellt werden, erst jet wieder, mit dem Schluß des Jahres 1867, zum Ablauf gekommen is und die Berichte erst eingehen und zu- sammengestellt werden müssen. | Die Gesammtsumme der Lehrergehalte betrug 1m ersten Jahre 7,449,224, im zweiten Jahre 8,042,237 Thlr., also eine Vermehrung um mehr als eine halbe Million.
i ibi Dem Abg. Dr, Virchow erwiderte der Minister Dr. von ühler: Der Herr Abg. Virchow hat fich in seiner Rede über das Schulwesen nach verschiedenen Seiten hin verbreitet, und ih würde über das, was er gesagt hat, kein Wort verlieren, wen? ich es ledigli als einen Ausdruck seiner persönlichen Meinung ansehen könnte. Da er aber das, was er gesagt hat, als Stß punkt benußt, um Angriffe gegen die Verwaltung des Ministt- riums darauf zu gründen, und da ich leider befürchten muß, daß das, was er sagt, wenn es unwidersprochen bliebe, zur Verwirrung Vieler beitragen könnte, so halte ih es für meine Pflicht, enl? gleih ich dem Hause nohmals eine längere Geduld zumuthen muß, darauf näher einzugehen , und die Sachunkenntniß un Widersprüche nachzuweisen, in denen der Herr Abgeordnete si bewegt. i 0 Der Schwerpunkt seiner Ausführungen ist, daß die e vinzial - Schulkollegien , welchen die Leitung des höheren Un N riht8wesens in den Provinzen anvertraut Uk/ auf N \pezifish konfessionell-hierarchishe Weise zusammengescht D Nun i} aber in sämmtlihen Schulkollegien fein einzy Geistlicher, so viel mir in diesem ugenblicke erinnerlih id Das ganze höhere Unterrichtswesen in den Schulkollegien w
drien dem Bezirks\chulrath, in der untersten Instanz dem
M ahre 1817, wir haben bei uns in der obersten Instanz inisterium mit der Leitung des Volksschulwesens beauf-
ierung und das Schulkollegium, dabei betheiligt si
Meinsamen Prinzipien zu ordnen, daß abe Bie Mitwviehube der Schulräthe in Beziehung auf die héheren Lehranstalten und deren Leitung im Schulkollegium nicht eintritt. aber auch so, so ist diese Einrichtung, wie sie hier angegriffen wird, nicht cine, die der gegenwärtigen Regierung zur Last fällt, sondern sie fällt dem Ministerium Altenstein zur Last welches im Jahre 1817 durch die Regierungs-Instruktion und im Jahre 1825 dur die Abänderung und Verbesserung der älte- ren diese Einrichtung ins Leben gerufen hat. Der Herr Abgeord- nete wünscht und mit Recht, daß in diesen Dingen nicht nach per- sönlichem Belieben, nicht nach augenblicklichen Einfällen son- dern nach Geseß verfahren werde. Hier liegt aber Gesch vor und er kann sih_ nicht beklagen, wenn nach dem Gesetz verfah- ren wird. Er is weiter Übergegangen auf die Schulvisitatio- nen, welche in hiesiger Stadt in Bezug auf ein unter städti- hem Patronate stehendes Gymnasium, wenn ih nicht irre, in diesen Tagen stattgefunden hat oder stattfinden soll, und hat auch dieses wieder unter den Gesichtspunkt eines Einfalles oder einer Jmprovisation, ich weiß nicht, welhen Ausdruck er ge- braucht hat, gestellt. Aber auch hier liegt wiederum ein Gesetz vor, Die von Sr. Majestät dem Könige Friedrih Wilhelm 111. vollzogene Jnstruktion für die General-Superintendenten vom Mai 1829 weist die Beaufsichtigung des religiösen Theils des Unterrichts in den Gymnasien und höheren Lehranstalten aus- drüdlih den General-Superintendenten zu, und diese Beaufsich- tigung dieses Theils des Unterrichts ist von jeher, vom Jahre 1829 ab bis heute, in allen Provinzen und von allen General- Superintendenten geübt worden, wenngleich von dem Einen — insoweit tritt die Person ein — in einem häufigeren, von dem Anderen in einem minderen Umfange, weil die General-Super- intendenten außer diesem Einen noch viele andere wich- tige und Zeit raubende Geschäfte haben. Aber geübt worden ist sie, auch hier in Berlin, und zwar auf Grund des Geseßes. Jch sehe also nicht cin, wie in der Uebung einer sol- wen seit dem Jahre 1829 in Anerkennung stehenden CétiGtia in spezifisch konfessionell-hierarchisches Bestreben der gegenwärti- gen O gefunden werdcn kann.
er Herr Abgeordnete weist auf die österreichische Geseß- Mans im Schulwesen hin, er hat mehrere Paragraphen U niA Hougeeen E 9 e ea großen Irrthum erklärt,
meine, das, was dort steht, sei für uns
0 Jahren dagewesen. | A M
Es ist aber doch so. Jch will seinen Anführungen folgen Der F. 1 des von ihm cîtirten Gesetzes sagt, m Vis L es in der ganzen Monarchie unter der Leitung der Staats- ehörde stehe. So ungefähr lautete das Citat. Nun, meine Herren, diesen selben Gedanken und Au®sdrucck können Sie bereits w Allgemeinen Landrecht finden, welches vor 74 Jahren er- U worden ist, also vor noch länger als 50 Jahren. Der y che Paragraph, auf den er hinweist, sagt, daß der Religions- n erriht in den Volksschulen und in den höheren Lehranstalten l Kirhe und den Religionsgesellschaften überwiesen werden bö: Diesen selben Gedanken finden Sie in Beziehung auf das (eere Unterrichtswesen in der eben citirten Jnstruktion für die i hene G-Superintendenten vom Jahre 1829, welche ja den kirch- e Organen, dem General-Superintendenten, auf der evan- hs ischen Seite die Beaufsichtigung des Religionsunterrichts in den lgen Lehranstalten zuweist. Aehnliches gilt auch auf der katho- U Seite. Jn Beziehung auf das Volksschulwesen aber sagt der (10% 24 unserer Verfassungsurkunde ganz dasselbe. Der H des österreichischen Geseßes — ich citire nur nach dem, d Teer Herr Abgeordnete vorgetragen hat — bestimmt , daß s eitung und Aufsicht der Volksschulen übertragen sein solle er obersten JnXtanz dem Landesschulrath, in der mittleren
Wäre dem
ulrath. Wir haben dieselbe Organisation, und zwar seit
geschrieben worden.
Die Klage, der ih begegnet bin in Bezi l : iehu é P E Unterrichts a böberen Unstalien U zu wenig in den Schulen leh dd das Maß der allgemeinen Bildun | E ß de en J g zu eng ein i, son- dern cs is im Gegentheil die Mate, das an E a
Man fordere zu viel und solle d dernde _herabseßen. Diese Stimme n D i A milienvätern, von Schulmännern, von Gelehrten ent- gegengetragen worden. Die Schwierigkeit liegt nur darin: wo soll man anfangen? Verringern wir die Anforderungen für die mathematischen und naturwissenschaftlihen Studien, so wird es als eine spezifish hierarchische Tendenz ausgelegt ; seßen wir für das Studium der alten Sprachen, der griechischen und lateinischen Klassiker, die Forderungen herab, so sind wir Bar- baren, die wir die Grundlagen unserer klassischen Bildung ver- lassen. Es haben sehr ernste und erfahrene Männer im Schul- wesen sich mit dieser Frage beschäftigt, ohne eine sichere Lösung bis jeßt zu finden, und ich würde dem Herrn Abgeordneten sehr dankbar sein, wenn er mir über dieselbe, welche in der That von einer großen Wichtigkeit und weittragenden Bedeu- tung ist, einen wirllich praktischen und ausführbaren Rath ertheilen könnte, noch aber sehe ih ihn nicht. Jh will nicht der Zukunft vorgreifen, aber einen Gedanken, der an mi herangetreten ist, will ic doch aussprechen, ob sich nicht die weitere Entwickelung unseres höheren Schulwesens dahin zu richten habe, daß die einzelnen Anstalten sich mehr individuali- siren. Jn gewisser Beziehung is dieses ja bereits durch die Scheidungzwischen Gymnasien und Realschulen geschehen. Es könnte aber vielleicht noch weiter in der Art geschehen, daß einzelne Kategorien von Schulen oder selbst einzelne Schulen bei Fest- haltung eines gewissen Maßes allgemeiner Bildung doch wieder nach ciner gewissen Seite hin eine größere Vertiefung sih zur Auf- gabe stellen. Es könnte vielleicht bei der einen Schule das Studium des Lateinischen, bei der andern das des Griechischen, bei der dritten das der Naturwissenschast und Mathematik, bei der vierten vielleicht das der neueren Sprachen mehr in den Vordergrund treten, natürlich ohne die Uebung und Unterweisung auf diese Punkte zu beschränken, vielmehr unter Festhaltung eines unerläßlichen Maßes von Gesammtbildung. Diesem Gedanken liegt die Auffassung zum Grunde, daß das jugendlihe Gemüth großer, bis in alle Einzel- heiten hinein ausgestalteter Objekte bedarf, um daran zu wachsen und daß nicht die Flachheit und die Breite , sondern die Tiefe allein den jugendlichen Charakter bildet. Aber das sind Fragen, die ih hier nur berühre, um anzudeuten, daß sie sih doch nicht so cinfah mit wenigen leichten Redensarten abmachen lassen. Man meint, diese Fragen sollen dur ein Unterrichtsgeseß ge- löst werden. Trauen wir es uns denn aber zu, in der Zu- sammenseßung, in welcher die großen legislativen Körperschaften gebildet sind und nicht anders gebildet werden können, olche spezifisch - tehnische Fragen wirklih lösen zu können? Würde diese Lösung eine andere sein als ein diktatorisches »So soll es sein!« ohne die Gewißheit, daß Alles, worauf die innere Bedeutung der Frage beruht, im vollsten und richtigen Maße zur Anerkennung gekommen ist? Es ist leicht, durch die Geseß- gebung diktatorische Aussprüche zu thun, aber es is unendlich schwer, wenn es sich um das geistige Gebiet handelt, mit einer solchen Diktatur — mag sie nun von absoluten Regie- rungen, von parlamentarischen Versammlungen oder von wem sonst ausgehen, es ist außerordentlich f\{chwer, damit dem Leben auch wirklih Frucht und Heilung zuzuführen. Tch glaube, wenn wir auf die Versuche und Arbeiten zurück- dlicken, die die Geseßgebungen verschiedener Staaten und Län- der durchgemacht haben, so müssen wir uns sagen, daß auf dem Gebiete des Unterricht8wesens eine sehr große Zurückhal- tung beobachtet werden muß, und daß der bloße Erlaß eines Geseßzes noch keineswegs die Früchte verbürgt, die man davon erwartet. Man erwartet von dem UnterrichtS8geseß, daß es wie
ein Zauberwort in die Welt treten, alle Schwierigkeiten auf einmal beseitigen solle, Ja, meine Herren, mögen Sie