1910 / 83 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Sat, 09 Apr 1910 18:00:01 GMT) scan diff

wiederernannt: der Kaufmann Paul Brodniß, der Geheime Kommerzienrat Emil Jacob, der Bankier Hermann Richter und der Kaufmann Hugo Bendix in Berlin bei dem Land- geriht T in Berlin, der Kaufmann Theodor Steinthal in Charlottenburg bei -dem Landgericht IIT in Berlin, der Oberhüttendirektor Oskar Vogt in Schwientochlowiy bei dem Landgericht in Beuthen i. D.Schl., der Kaufmann Max Gaßmann und der Fabrikdirektor Wilhelm Hartmann in Gleiwiß bei dem Landgericht daselbst, der Fabrikdirektor Karl Lauber in Cassel bei dem Landgericht daselbst und der Rentner Eduard Marx in Frankfurt a. M. bei dem Landgericht daselbst.

Zu stellvertretenden Handelsrihtern sind ernannt: der Bankier Jakob Wreschner, der Buchhändler Ernst Boll, die Kaufleute Georg Rosenstiel und Friß Abels dorff in Berlin und der Kaufmann Paul Lindhorst in Südende bei Berlin bei dem Landgericht T in Berlin, der Holzhändler Ludwig «Schweißer in Dt.-Wilmersdorf und der Kaufmann Richard Müller jn Charlottenburg bei dem Landgericht ITT in Berlin, der Generaldirektor Friß Lob in Hohenlohehütte bei dem Landgericht in Beuthen i. O.-Schl., der Kaufmann Josef Schür- mann in Duisburg bei dem Landgericht daselbst und der Kaufmann Gustav Hempel in Posen bei dem Landgericht da- selbst, wiederernannt: der Fabrikbesißer Paul Dowerz in Gleiwiß bei dem Landgericht daselbst und der Bankier Walter Melber in Frankfurt a. M. bei dem Landgericht daselbst.

Dem Notar, Justizrat Junge in Elze ist die nachgesuchte Entlassung aus dem Amt erteilt.

Dem Notar, Justizrat Skr odzki in Lyck ist der Amtssiß in Krossen angewiesen.

Zu Notaren find ernannt: Schink in Frankfurt a. O., Heller in Baldenburg.

In der Liste der Rechtsanwälte sind gelöscht : die Rechts- anwälte Geheimer Justizrat Gebhard bei dem Landgericht in Glogau, Justizrat Heffter bei dem Landgericht in Görliß, Dr. James Loewy bei den Landgerichten I, II, IIT in Berlin, Allmenröder bei dem Landgeriht T in Berlin, Georg Levy Il. bei dem Landgericht T1 in Berlin, Dr. Meyboden bei dem Landgericht in Verden, Dr. Dittenberger bei dem Landgericht in Halle a. S. und Dr. Theophil Schmidt bei dem Amtsgericht in Kattowiß.

Jn die Liste der Rechtsanwälte sind eingetragen: die Rechtsanwälte Justizrat Sk rodzki aus Lyck bei dem Amts- gericht in Krossen, Dr. Paul Levi vom Oberlandesgericht in Frankfurt a. M. bei dem Landgericht daselbst, Dr. James Loewy aus Berlin bei dem Amtsgericht in Spandau mit dem Wohnsitz in Velten, die Gerichtsassessoren Dr. Heinrih Stern bei dem Landgericht T in Berlin, Dr. Wunderlich bei dem Landgericht T1 in Berlin, Dr. Dienstfertig bei dem Land- geriht in Breslau, Dr. Wallich bei dem Landgericht in Cöln, Karra\ch bei dem Amtsgericht und dem Landgericht in Neisse, Dr. Hirs und Dr. Max Seydel bei dem Amtsgericht und dem Landgericht in Halle a. S., Dr. Ellger bei dem Amts- gericht in Panfow, Oehlert bei dem Amtsgericht in Sonder- burg und Polluge bei dem Amtsgericht in Wittenberg.

Die Amktsgerichtsräte Lange in Bochum und Paleske in Gütersloh, der Staatsanwalt Becker in Nordhausen, die Rechtsanwälte und Notare, Justizräte Dr. Friedländer in Potsdam und Bennewiz in Halle a. S. sowie der Rechts- anwalt Wieman in Herborn sind gestorben.

die Rechtsanwälte Justizrat Steinmeß in Fulda und

Ministerium der öffenilihen Arbeiten.

Der Wasserbauinspektor, Baurat Caspari in Cassel und die Kreisbauinspektoren, Bauräte Sch miß in Neidenburg, Ochs in Stendal und Kokstein in Wongrowiß sind in den Ruhe- stand getreten.

Verseßt sind: der Kreisbauinspektor, Baurat Arens von

Lt

Landeshut i. Schl. nah Hirschberg i. Schl., der Wasserbau- inspeftor Krey von Lünen als Leiter der Versuchsanstalt für Masßerbau und Schiffbau nah Berlin (im Geschäftsbereih des Polizeipräsidiums daselbst), der Wasserbauinspektor Schilling von Hemfurt als Vorsieher des Bauamts nach Lünen (im Ge- \chäftsbereih der Kanalbaudirektion Essen), der Wasserbau- inspektorSeifert von Hannover nah Minden i. W. (im Geschäfts- bereih der Kanalbaudirektion Hannover), der Wasserbauinspektor Dormann von Nathenow an die Regierung in Hannover, der Kreisbauinsvektor Bernstein von Gleiwiß nah Landeshut i. Shl., der Wafßserbauinspektor Kozlowski (Georg) von Minden i. W. nah Hannover (im Geschäftsbereih der Kanal- baudirektion daselbst), der Landbauinspektor Jordan von Merden a. d. Ruhr als Kreisbauinspektor nah Stendal, der Kreisbauinspektor Ku ßbacch von Birnbaum nah Neidenburg, der Maschinenbauinspektor Burkowiß von Pillau nach Königs- berg i. Pr. und der Landbauinspektor Eschner von Königs- berg i. Pr. als Kreisbauinspektor nah Birnbaum.

Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten.

Die Oberförsterstellen Pr.-Eylau im Regierungs- bezirk Königsberg, Braschen im Regierungsbezirk Frankfurt a. O. und Weenzen im Regierungsbezirk Hildesheim sind zum 1. Juli 1910 zu beseßen. Bewerbungen müssen bis zum 25. April eingehen.

Ministerium des Innern.

N

Dem Oberregierungsrat Dr. jur. Werner ist die Leitung der Kirchen- und Schulabteilung bei der Regierung in Markien- werder übertragen worden.

Ministerium der geistlihen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten.

Der bisherige Privatdozent, Professor Dr. Karl Grouven zu Bonn ist zum außerordentlichen Professor in der medizinischen Fakultät der Univerjität Halle-Wittenberg ernannt worden.

Dem Chemiker Dr. phil. Wilhelm Michael is in Char- lottenburg ist das Prädikat Professor beigelegt worden.

Kriegsministerium.

Es find ernannt worden : der Geheime Kalkulator, Rechnungsrat Geheimen Registrator im Kriegsministerium, die Obermilitärintendanturjekretäre Ber es von der Jnten- dantur des X1. Armeekorps und Borri s von der Jntendantur des Gardeforps zu Geheimen expedierenden Sekretären und Kalkulatoren im Kriegsministerium.

Grosse zum

Personalveräuderungen.

Königlich Preußische Armee.

Offiziere, Fähnriche usw. Meanungen, Beförde- rungen, Ver sezun, en usw. Berlin, 31. März. Trepper, Oberarzt beim Drag. Regt. Mng Gar! I. von Rumänien (1. Hannov.) Nr. 9, scheidet am 6. aus Heere aus und wird mit dem 7. April 1910 in der ußtruppe für Kamerun angestellt. Homburg v. d. H., 9. April. Frhr. Marschall, Gen. E und diensttu „_à 1. s. Seiner Majestät des Kaisers und Königs, îin Genehmigung seines Abschiedsgesuches, unter Belassung in dem Verhältnis als General à L. Seiner Majestät, mit der gefeßlichen Pension zur Disposition estellt. v. Wühlisch, D und Kommandeur des Danziger nf. Regts. Nr. 128, mit der Führung der 71. Inf. Brig. beauftragt. Goltz, Oberst von der Armee, zum Kommandeur des Danziger Inf. NUE Nr. 128 ernannt. aabs, Oberst und Kommandeur des 3. Thüring. Inf. Regts. Nr. 71, unter Belassung in dem Kommando zur Vertretung eines Departementsdirektors im erium und mit Beibehalt seiner bisherigen Uniform zu den Dffizieren von der Armee deens Reiser, Oberstlt. beim Stabe des 3. Ober- elsäss. Inf. Regts. Nr. 172, unter Verseßung zum 3. Thüring. Inf. Regt. Nr. 71, mit der Führung dieses Regts. beauftragt. Franke, Major beim Stabe des 2. Garderegts. z. F., vom 11. bis 30. April 1910 zur Teilnahme an einer Uebung mit Luftischiffen bei Cöln fommandiert. Strüver, Major und Kommandeur des Pomm. Trainbats. Nr. 2, in Genehmigung seines Abschiedsgesuches mit der geseßlihen Pension zur Disp. gestellt und unter Erteilung der Erlaubnis zum Tragen rit: bisherigen Uniform zum Pferde- vormusterungskommissar in Insterburg ernannt. Prinz Hein- rich XXXVI. Reuß Durthlaucht, in der Armee, und zwar als Lt. im Drag. Regt. Ang Friedri 111 (2. Schles.) Nr. 8, vorläufig ohne Pen angestellt. de Greiff, Oberlt. a. D., zuleßt im Hus. Negt. Kaiser Franz Joseph von Oesterreich, König von Ungarn (Schleëwig-Holstein.) Nr. 16, früher im 2. over. Ulan. Regt. Nr. 14, an Stelle der ihm bei seiner Verabschiedung bewilligten Armeeuniform die Er- laubnis erteilt. Beamte der Militärverwaltung.

Durch Verfügung des Kriegsministeriums. 24. März. Kleemann, Beil, Baruth, Landsberger, Kunigk, Kilian, Lazarettinspektoren auf Probe in Mainz bzw. Koblenz, Mainz, Chren- breitstein, Küstrin und Trier, zu Lazarettinspektoren ernannt. Verseßt die Garn. Verwalt. Inspektoren Jäger in Göttingen als Amts- vorstand nach Krossen, Koh in Arys als KontroUlführer nach Göttingen. s

26. März. Scheffler in Hanau, Wold in Cöln, Garn. Verwalt. Oberinspektoren, +auf ihren Antrag mit Penfion in den Ruhestand verseßt.

29. März. Verseßt die Garn. Verwalt. Inspektoren: Scher - lißky in Gera als Zweites Amtsmitglied nah Cöln, Rücker in Potsdam als Amtsvorstand nach Gera, Krugjohann in Potsdam in die Kontrolleführerstelle seines Standortes.

Haevernick, Rechnungsrat, Geheimer Kalkulator bei der Naturalkontrolle des Kriegsministeriuums, Bolten, Rechnungsrat, Fntend. Bausekretär von der Intend. des XV. Armeekorps, auf ibren Antrag mit Pension in den Nuhestand verfetßt.

30. März. Horst, Rechnungsrat, Rendant der Zahlungsstelle des X[V. Armeekorps, unter Ernennung zum Buchhalter zur Gen. Militärkasse, Reinert, Buchhalter bei der Gen. Militärkasse, unter Ernennung zum Rendanten zur Zahlungsstelle des XIV. Armeckorps, ver?ebßt.

Königlich Bayerische Armee.

Durch Verfügung des Kriegsministeriums wurden am 30. v. M. mit der Wirksamkeit vam 1. April d. J. der Proviantamtsinsp. und Kontrolleführer Ziegler deSProviantamts München in etatsmäß. Weise als Amtsvorstand zum Proviantamt Hammelburg verseßt, am 31. v. M. mit der Wirksamkeit vom 1. Juli d. der Erste Nevisions- beamte Winkler der Gewehrfabrik auf sein Ansuchen wegen nach- gewiesener Dienstunfäbigkeit in den dauernden Ruhestand verseßt, am 2. d. M. zu Garn. Verwalt. Fnspektoren in etatmäß. Eigenschaft er- nannt: die Garn. Verwalt. Insvektoren auf Probe Militäränwärter Walter der Garn. Verwalt. Hammelburg vom 1. März d. F. an bei der Garn. Verwalt Lckchfeld, L. Cammerer der Landw. Fußart. 1. Aufgebots (Mindelheim) bei der Garn. Verwalt. Neu-Ulm und Militäranwärter R ieß bei der Garn. Verwalt. München, die leßten beiden vom 1. April d. J. an.

XITI. (Königlich Württembergisches) Armeekorps.

Offiziere, Fähnrihe usw. Stuttgart, 31. März. Waaner, Hauptm. und Adjutant der 4. Ingen. Insp., scheidet, unter Enthebung von dem Kommando nah Preußen, mit dem 31. März 1910 behufs Uebertritts zur Marine und Verwendung bei der Forti- fifation Tsingtau aus. Der aus der Hauptkadettenanstalt ausscheidende Kadett Göhrum im Armeekorps, und zwar als charakteri}. Fähnr. im 10. Inf. Regt. Nr. 180 angestellt.

Stuttgart, 1. April. Krämer, Königl. preuß. Zeughauptm. beim Art. Depot in Ludwigsburg, behufs Verwendung beim Art. Depot in Cassel, von seiner Stellung enthoben. Dreßler, Zeug- oberlt. beim Art. Devot in Ludwigsburg, zum Zeughauptm. befördert. Vogel, Königl. preuß. Zeuglt., kommandiert nach Württemberg, bisher Zeugfeldw. beim Art. Depot in Magdeburg, dem Art. Depot in Ludwigsburg überwiesen.

Beamte der Militärverwaltung.

Stuttgart, 22. März Friedrich, Unterzablmstr., beauftragt mit Wahrnehmung der Zahlmeisterstelle beim 11. Bat. Füs. Negts. Kaiser Franz Fosevh von Oesterreich, König von Ungarn Nr. 122, zum Zahblmstr. ernannt.

Stuttgart, 1. April. Hebrank, Ober- Intend. Sekretär, | bis 31. März in der Schußtruppe füc Südwestafrika, vom 1. April 1910 ab mit dem Dienstalter vom 25. Februar 1910 bei der Militär-Intend. des Armeekorps wiederangestellt. Hagmann, Lazarettunterinsp., zum Wazarettin}p. ernannt.

Durch Verfügung des Kriegsministeriums. Stutt- gart, 2. April. Hebrank, Oberintend. Sekretär, der Korpsintend. zugeteilt. Hagmann, Uzarettinsp.,, dem Garn. Lazarett Ludwigs- burg zugeteilt.

Kaiserliche Schußtruppen.

_ Homburg v. d. v., 5. April. Geisler, Stabsarzt bei der Schußtruppe für Kamerun, mit dem 7. April 1910 in die Shuß- truppe für Deutsh-Oftafrika verseßt,

Nichtamtliches. Deutsches Reich.

Preußen. Berlin, 9. April.

Seine Majestät der Kaiser und König nahmen heute vormiitag im Königlichen Schlosse in Homburg vor der Höhe den Vortrag des Chefs des Militärkabinetts, Generals der Jnfanterie Freiherrn von Lyncker entgegen.

zum Tragen der Uniform des leßtgenannten Regiments

Die vereinigten Aas des Bundesrats für Handel ei Verkehr und für Zoll- und Steuerwesen hielten heute eine Sitzung.

_ Das Königliche Staatsministerium trat heute zu einer Sißzung zusammen.

Frankreich.

_ Der in Paris eingetroffene italienishe Minister des Aus- wärtigen di San Giuliano stattete gestern dem Minister Pichon einen Besuch ab und hatte mit ihm eine mehr als einstündige Unterredung, die sich auf die hau t\ächlichsten Fragen der auswärtigen Politik erstreckte. Nach einer Note der „Agence Havas“ konstatierten die beiden Minister, daß in den von ihnen behandelten Punkten ausgezeihnete Beziehungen zwischen den beiden Ländern bestehen.

__— Der Ministerrat beschäftigte sich in seiner gestrigen Sißzung mit dem Ausstande in Marseille. Einer Meldung des „W. T. B.“ zufolge ließen die lezten Nachrichten erhoffen, daß der Streik binnen kurzem beigelegt sein wird.

Infolge der Differenz, die zwishen der Deputierten- kammer und dem Senat in bezug auf mehrere Punkte des Budgets bestand, wurde dieses gestern im Senat noch einmal und in der Kammer noch zweimal beraten. Nachdem in den beiden Körperschaften in einigen Punkten ein Einverständnis erzielt war, blieben noch zwei strittige Punkte. Deshalb hielten der Senat und die Kammer Nachtsißungen ab, in denen \{ließ- lich eine Einigung erfolgte. Darauf vertagten sih beide Kammern bis zum 1. Juni.

Rußland.

Die Reichsduma begann in ihrer gestrigen Abendsißung, welcher der Ministerpräsident Stoly pin, der Marine- und der Justizminister beiwohnten, die Verhandlung der von 32 Sozialdemokraten und Mitgliedern der Arbeitsgruppe ein- gebrachten Ae N CNEREN an den Ministerpräsidenten über das Reglement vom 6. September 1909,

nah dem der unmittelbaren Sanktion des Kaisers als

des obersten Kriegsherrn alle legislativen Fragen hin- sichtlich der Organisation der Land- und Seestreitkräfte,

der Landesverteidigung sowie der Armee- und Flotten- verwaltung unterliegen. Zur Ausgabe dieses Reglements hat, „W. T. B.“ zufolge, ein Allerhöchsies Reskript Anlaß gegeben, worin der Kaiser mit Rücksicht darauf, daß er es nicht für möglich befände, den Geseßentwurf über den Etat des Marine- generalstabes zu sanftionieren, den Ministerpräsfidenten Stolypin beauftragte, gemeinsam mit dem Kriegs- und Marineminister Regeln über die Anwendung des § 96 der Grundgeseße innerhalb der Grenzen der Srunoarsene auszuarbeiten. Die Jnterpellationskommission {lug vor, die Jnterpellationen ab- zulehnen, da das Reglement die Bedeutung eines Allerhöchsten Ufases habe. Schweiz.

Der Nationalrat hat, wie das „W. T. B.“ meldet, gestern entsprehend dem Antrag seiner Kommissionen mit 117 gegen 11 Stimmen beschlossen, die Verhandlung über den Gott- hardbahnvertrag auf die Junisession zu verschieben.

Türkei. 9 Zur Lage in Albanien wird vom „W. T. B.“ ge- meldet, daß die Arnauten ihre Stellungen im Gebirge fest- halten und nur dann nachgeben wollen, wenn ihre Jahrhunderte alten Privilegien von der Regierung respektiert werden. Darunter verstehen sie die Befreiung von gewissen Steuern und die Nichtzulassung der Christen zum Militärdienst.

Dänemark.

Das Folkething hat nach einer Meldung des „W. T. B.“ gestern mit 49 gegen 49 Stimmen bei 9 Stimmenthaltungen den Gesetzentwurf, betreffend Anlage einer Eisenbahnbrüce zwischen Seeland und Falster, verworfen.

Amerika.

Im amerikanishen Repräsentantenhause ist, „W. T. B.“ zufolge, gestern ein Geseß angenommen worden, durch das die Regierung zum Bau zweier Schlachtschiffe ermächtigt wird. Der Kostenaufwand ist für jedes auf sechs Millionen Dollars veranschlagt.

Parlamentarische Nachrichten.

Der Schlußbericht über die gestrige Sißung des Hauses- der Abgeordneten befindet sih in der Ersten Beilage.

Jn der heutigen (44.) Sißung des Hauses der Ab- geordneten, welcher der Minister der öffentlichen Arbeiten von Breitenbach beiwohnte, wurde die Beratung des Etats der Bauverwaltung im Kapitel der einmaligen und- außerordentlihen Ausgaben fortgeseßt.

Zur Erweiterung des Shußhafens bei Hameln werden als erste Rate 50 000 # gefordert.

Abg. Hausmann (nl.): Es ist der Einwand erhoben worten, daß ein Bedürfnis nah Erweiterung des Schutzhafens nicht vorliege. Dieser Einwand ist leiht zu widerlegen. Schon seit einer Reihe von Fahren haben die Weserschiffahrtsinteressenten Eingaben an die Staatsregierung gerihtet, weil sih herausgestellt hatte, daß der Hafen viel zu klein ist. Die Zahl der Schiffe, die in den Hafen einlaufen wollten, hat #sch_ von Jahr zu Jahr ver- mehrt. Eiae große Anzahl von Schiffen mußte im offenen Weser- strom ungeschüßt gegen Hochgang und Eiswasser überwintern. Dieser Verkehr wird voraussihtlich noch weiter zunehmen. ‘Daß die Städte zu den Kosten eines solhen Sicherheitshafens beizutragen haben, widerspriht der bisherigen Praxis und dem Prinzip, daß der Staat verpflichtet ist, für die Schäden aufzukommen, die da- durch entstehen, daß Sicherheitéhäfen nicht vorhanden sind. Im ganzen werden für den Ausbau des Sicherheitéhafens nur 212 000 #4 verlangt. Ich bitte Sie, die erste Nate ohne weiteres zu bewilligen. Ein Präjudiz für den Fall, daß der Hafen zu einem Gen erweitert wird, wird damit nicht geschaffen. Die Stadt Hameln hat sih auch bereit erklärt, zu den Kosten der Erweiterung. des Hafens zu einem Umschlagshafen beizutragen.

Hierauf nimmt der Minister der öffentlihen Arbeiten von Breitenbach das Wort, dessen Rede am Montag im Wortlaut wiedergegeben werden wird.

(Schluß des Blattes.)

Das Ergebnis der gestrigen Reichstagsersaßwahl für den R Lao Posen T ist nah einer Meldung des „W. T. B.“ folgendes : Der Oberbürgermeister Dr. Wilms, gemeinsamer deutscher Kandidat, erhielt 12579, Sof insfi, offizieller polnisher Kandidat, 6964, Nowii, polnischer Demokrat, 11487, Matuszewscki, Sozialdemokrat, 2241 Stimmen. Es hat also Stichwahl zwishen Wilms und Nowici stattzufinden.

Statiftik und Volkswirtschaft.

Zur Arbetterbewegung.

Die Verhandlungen, die gestern im Reichstagsgebäude auf Veranlassung des Reich8amts des Innern zwischen den Arbeit-

ebern und den Arbeitern des Baugewerbes stattgefunden Raben, sind, „W. T. B.“ zufolge, ergeb.nislos verlaufen. Die Arbeitgeber erklärten, dur die bisher gefaßten Be-

chlüûsse bereits festgelegt zu sein, sie seien daher nicht in der

Lage, der vorgeschlagenen Einseßung einer unparteiishen Kommission zuzustimmen oder, wie in zweiter Linie angeregt wurde, sofort in eine erneute Beratung der fünf strittigen Hauptpunkte einzutreten. Zu den Verhandlungen wird der „Voss. Stg." noch folgendes gemeldet : Die gestern im Reichstage abgehaltene Konferenz zwischen Vertretern der Arbeitgeber und Arbeitnehmer mußte vorzeitig ab ebrochen werden, da es dem Vorsitzenden, Geheimen Regierungsrat Dr. Wiedfeldt als Vertreter des Reichsamts des Innern nicht gelang, die beiden Parteien einander näher zu bringen. Schon bei dem ersten prin- zipiellen Punkte: „Verkürzung der Arbeitszeit“, zeigte sich der unüberbrückbare Gegensaß. Die Vertreter der Arbeiter verlangten unter allen Umständen für die Großstädte eine kürzere Arbeitszeit, stießen aber hierbei auf den entschiedenen Widerspruch der Arbeit- gebervertreter. Da bei der grundsäßlihen Bedeutung, die beiderseitig diesem Punkt beigelegt wurde, eine Weiterver andlung keinen Erfolg versprach, f {loß der Vorsitzende die Ss nah kaum zweistündiger Dauer. Er gab dem Wunsche Ausdruck, daß es doch noch gelingen möge, Deutschland vor der wirtschaftlihen Er- \hütterung, wie sie der drohende Kampf im Gefolge haben werde, zu bewahren. Unmittelbar hierauf trat der Haupt- vorstand des Arbeitgeberbundes für das Baugewerbe im Architektenhause zu einer Beschlußfassung zusammen. Nachdem über die Erfolglosigkeit der Verhandlungen im eichstagêgebäude kurz Bericht erstattet war, wurde beslossen, daß alle Mitglieder des Bundes ihre Geshäfte am 15. April d. J. zu schließen haben. Der Bundesvorstand soll außerdem in den nächsten Tagen eine ausführliche Darstellung der bisherigen Verhandlungen mit den Arbeiterorgani- sationen veröffentlihen. An der Abstimmung im Architektenhaufe, in der der Beschluß gefaßt wurde, nötigenfalls am 15. April die Arbeit niederzulegen, nahmen die Berliner und Hamburger Mitglieder des Bundes nicht teil, sodaß diese sih also dem Beschluß nicht zu fügen brauen. : s /

Üeber die Stre iflage auf denDelbrückshächten in Zabrze (vgl. Nr. 82 d. Bl.), wird amtlih mitgeteilt, daß die Belegschaft der “esiriges Abendschicht sowie der heutigen Frübshicht normal an- gefahren ist. In den Straßen und Grubenanlagen herrscht Nuhe. Im ganzen haben 157 Mann wegen unents{huldigten Fehlens bei mehr als drei Schichten die Abkehr erhalten.

Aus Gablonz wird der „Voss. Ztg.“ telegraphiert : In der Glasindustrie ist eine große Lohnbewegung ausgebrochen. Bisher sind 1200 Glas\ch{leifer in den Ausstand getreten. /

Die Ergebnisse der Abstimmung über das Einigungs- abkommen im Kohlenbergbau von Südwales sind, wie .W. T. B.“ meldet, nunmehr fast sämtlich bekannt. Danach find bis jeßt 97273 Stimmen für und 24963 Stimmen gegen die Annabme des Abkommens abgegeben. Infolgedessen haben die Vertreter der Koblengrubenbesißer und Arbeiter von Südwales heute ein neues endgültiges Abkommen unterzeihnet. Damit ist die Gefahr eines Streiks von folossalem Umfang endgültig abgewendet.

Eine Versammlung der Vereinigung der Baumwollspinner in Manchester hat, wie ,„W. T. B erfährt, enischieden, daß die Lage der Baumwollenindustrie eine Herabseßung der Löhne um 5 °/o rehtfertigt, und die Arbeiter infolgedesten zu einer Besprechung ein-

eladen.

G Einer Meldung des „W. T. B.“ aus Marseille vom beutigen Tage zufolge haben die Delegierten der Arbeitersyndikate entschieden, daß die Arbeit, falls die eingeschriebenen Seeleute (val. Nr. 82 d. Bl.) niht bis Montag Genugtuung erhalten, an diesem Tage vollständig eingestellt werden soll. Der Unterstaats- sekretär Leon ist gestern nach Paris zurückgekehrt. Er hat ih dahin geäußert, daß “die getroffenen Maßnahmen genügten, um den Dienst aufre@t zu erhalten. Er |ei überzeugt, daß die Ausständigen nur infolge starken Druckes von Bord gegangen seien. Der Unterstaatssekretär hat den . Behörden verboten, eîne Abordnung der Ausständigen zu empfangen, bevor die Arbeit wieder aufgenommen sei. Er ist der Ansicht, daß das nur eine Frage von Tagen sei. Die gestrigen Berichte über den Marseiller Aus- stand lauteten zumeist recht optimistis{. Die Drohung, daß das Marineministerium die eingeschriebenen Seeleute der leßten Alters- flasse erforderlihenfalls unter die Fahne einberufen werde, hat sihtlich gewirkt. Der Pariser revolutionäre allgemeine Arbeiterverband hat einen Sekretär nach Marseille gesandt, um die Streikbewegung zu führen. Außerdem hat die Mar- \seiller Vereinigung der Arbeiter]yndikate beschlossen, Sonntag vormittag große Protestversammlungen abzuhalten, doch glaubt man in Regierungskreisen, daß alle Bemühungen der Streikführer nunmehr vergeblih bleiben werden. Der Po st- dampfer „Phrygie“ ist mit vollständiger, aus eingeschriebenen Seeleuten bestehender Mannschaft von Marfeille nah Konstantinopel in See gegangen. Vier andere Dampfer gingen mit gemischter Mannschaft nah Korsika, Alexandrien und dem Piräus. :

Fn Dünkirchen haben, wie „W. T. B.* erfährt, auf einen Vermittlungsvorshlag des Unterpräfekten, der von den Hafen- arbeitern angenommen wurde, die Arbeitgeber beschlossen, die Aussperrung aufzuheben.

(Weitere „Statistische Nachrichten“ \. i. d. Ersten Beilage.)

Wohlfahrtspflege.

Nach einer Meldung des „W. T. B.“ hat der kürzlich in München verstorbene Rentier Sack der Stadt über eine Million Mark zu- gunsten des Vereins für Muttershuy vermacht.

Kunst und Wissenschaft, Im Verein für Deutsches Kunstgewerbe in Berlin sprach

fürzlih der Garteninspektor Friß Zahn, Dozent an der Königlichen Gärtnerlehranstalt Dahlem, Boer die Königlichen Gärte n Pots- dams. Der Redner führte zunächst dur eine aus der Mitte des 17. Jahrhunderts stammende Karte in die zur Zeit des Großen Kurfürsten bestehenden Verhältniffe ein und schilderte die Lage des Stadtschlosses, des Lustgartens und der noch heute im erlauf der Breiten- und Lindenstraße erhaltenen Alleen, von denen jene in gerader Linie vom Stadtschlosse bis zu dem Pannenberg, nachmaligem Ehrenpfortenberg bei Golm führte, während die andere den Fasanengarten durchs{chnitt und auf dem heutigen Pfingstberge mündete. Den Schöpfungen Friedrichs I., des ersten Königs, der den Lustgarten reicher ausstätten, das Neptunsbassin bauen ließ, dem wir auch die unter dem Namen Königsweg bekannte Straße von Potsdam nach Berlin zu verdanken haben, {loß si die Tätigkeit des strengen Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. an, der im Gegensaß zu seinen Vorgängern wenig Interesse für die Gärten bekundete, sie

vielmehr verfallen ließ, den Lustgarten in einen Exrerzierplatz umwandelte und an V Stelle des heutigen Marlygartens einen Gemüsegarten einrihtete. In Friedrich dem Großen haben wir nun den eigentlichen Begründer von Potsdams gartenkünstlerischem Ruhm zu erblicken; mit seiner Hauptshöpfung Sanssouci hat er sich ein dauerndes Denkmal geseßt. Troßdem die Anlagen, wie an einem Plan aus dem Jahre 1775 gezeigt wurde, naheinander entstanden find durch allmählihes Erweitern und Anfügen, erscheinen sie doch wie aus einem Gusse und nach einem einheitlihen Plan aus- geführt. Am 13. Januar 1745 erfolgte der Befehl zum Bau des Sanssoucis{losses, nahdem hon vorher die Winterterrassen an- gelegt waren. Ganz verschieden war das Bild von dem heutigen. Die oberste Terrasse war eine einzige Kiesfläche, die große Fontäne am Fuße der Terrassen fehlte noch, ein mit Blumen geshmüdcktes Parterre füllte die ganze Flähe bis zu den seitlih die Terrafsen be- gleitenden Hatnanvpflanzungen, die jegt nur noch aus drei Reihen alter Bäume bestehen, aus. Erst später wurde inmitten ein Bassin mit einer vergoldete: Gruppe, den Triumphzug der Thetis dar- stellend, gebaut. An seine Stelle trat später die jeßige große Fontäne. Das Gebäude der Bildergalerie mit dem holländischen Gärtchen, das Gegenstück auf der anderen Stite, die sogenannten neuën Kammern, die Neptun8grotte und das japanische Häuschen sind Friedrihs des Großen Werk. Die heute noch regelmäßigen Teile mit den Bassins, Plastiken und Marmorgruppen bildeten den Sanssoucigarten, während der sih anshließende, dem Neuen Palais zu gelegene Teil die Bezeichnung Sanssoucipark führte und landschaft- li angelegt war. In der Mitte, da, wo heute das Fichtenrondell in der Hauptallee si befindet, stand die Marmorkolonnade, deren Säulen beute das Marmorpalais zieren. Gedenken wir noch des Neuen ana mit den Communs, der jenseits des großen Platzes, der Mopke, stehenden S6hlöfser und des Belvedere auf dem Drachenberge, so wäre hiermit die Tätigkeit Friedrichs des Großen in Sansfouci in großen Zügen ge- kennzeihnet. Weitere größere Arbeiten seßen erst ein unter Friedri Wilhelm IV., der als Kronprinz das Schlößchen Charlottenhof

bauen und den Park anlegen ließ. In dem Schlößchen erkennen

wir kaum das alte Bauernhaus wieder, das in ihm aufging, das man nit änderte, sondern nur im Aeußern entsprechend der Vorliebe des Königs und seines Baumeisters Schinkel für italienish-antike Kunst gestaltete. Die Bevorzugung dieser ist für alle Werke Friedrich Wilhelms 1V. carakteristisch, mögen wir das zweite Gebäude im Parke, die Villa des Glaucus, die jeßige Hofgärtnerwohnung, mögen wir die rômishen Bäder, den nordishen und sizilianishen Garten, das Paradiesgärthen, die Friedenskirhe mit dem Marlygarten oder endlih die Orangerie ansehen. Fast ebensoviel, wie er auêgeführt, hat der König geplant, unterstüßt auf gärtnerischem Gebiete von Lenné, auf baulihem von Schinkel. Das große S{loß in Charlottenhof, das eine gewaltige Bebäudepruppe mit Säulenhballen und Gärten im Innern * werden sollte, ebenso der große Fahrweg in Sanssouci, der seinen Anfang am Triumphbogen, nebmen, ein griechisches Theater im Halbkreise umscließen und zum Plateau von Sanssouci mit einem Viadukt von 24 römischen Bogenstellungen übergehen und hinweg über die Orangerieterrasse am Belvedere münden sollte, das alles war von ihm geplant. Fn den Jahrzehnten nach Friedrich Wilhelm I1V. find wenig umfangreiche Arbeiten in Sansfouci vorgenommen worden ; die Tätigkeit seßt erst wieder ein mit den unter unserem Kaiser entstandenen Anlagen am Drachenberge bis zum Orangerieshloß bin. Hiermit ist au ein Teil des umfangreichen Planes Friedrich Wil- belms IV. zur Ausführung gekommen. Die Parkerweiterungen werden noch fortgeseßt, ein Beweis für das Interesse unseres Kaisers an gartenkünstlerishen Werken. Den Vortrag begleiteten Lichtbilder sowie eine umfangreiche Ausftellung von Abbildungen und Plänen aus der Bücherei des Königlichen Kunstgewerbemuseums, aus den Sammlungen der Königlichen Gärtnerlehran|stalt Dahlem und der Vereinigung ehe- maliger Hörer derselben.

Literatur.

Die Rechtsprechung des Reichsgerichts in Zivilsachen, gesammelt, bearbeitet und herausgegeben - in Verbindung mit E. Friedrichs, Amtsrichter, Dr. C. S iuxici, Landrichter, und Dr. Tb. Olshausen, Landrichter, von Justizrat Dr. Hugo Neu- mann, Rechtsanwalt beim Kammergericht und Notar. 1. Bürger- lihes Geseßbuch. Erster Band, 13.—19. Lieferung (§§ 705 bis 854). Preis 9,80 4. Zweiter Band, 9.—11. Lieferung (F§ 1821 bis Schluß). Preis 4,20 4. Gesamtpreis beider Bände geh. 42, géb. 49 4. Verlag von Franz Vahlen, Berlin. Nach dem Er- \cheinen dieser Lieferungen liegt der aus zwei Bänden bestehende erste, der Erläuterung des Bürgerlichen Gesezbuhs dienende Teil des Werkes abges{chlosen vor. Die Bearbeiter haben das gesamte vor- handene Material an Entscheidungen des Reichsgerichts zum Bürger- lihen Gesezbuch zusammengefaßt und nach dessen System ge- ordnet. In bezeichnenden Stihworten sind als Ueber- chrift zu den einzelnen Paragraphen die Fragen angegeben, die in den abgedruckten Entscheidungen behandelt werden. Diesen Rechtsprüchen ist dann noch eine kurze Mitteilung des Tat- bestandes in Antiquaschrift vorausgeshickt. Die wichtigsten und grund- legenden Entscheidungen sind in vollem Umfange nach der Original- ausfertigung (niht nach \{on veröffentlichten Auszügen) wiedergegeben und bilden den Haupttert. Darunter ift Pg welle in fleinerem Druck das übrige, zu den eden Sätzen in Be- ziehung stehende Material in sorgfältig gearbeiteten Auszügen, die den Tatbestand hinreichend erkennen lassen, wiedergegeben und damit die Tragweite der grundlegenden Entscheidung, ihre Beziehuna zu ähnlichen Tatbeständen usw. klargestellt. Eine dem zweiten Bande angehängte Uebersicht der bearbeiteten Entscheidungen erhöht die Brauchbarkeit des Werkes und erleichtert die Auffindung der nah anderen Sammlungen zitierten Entsheidungen. Das Werk is be- sonders für die Praxis wertvoll, kann aber auch dem Theoretiker gute Dienste leisten. D ive Se ere

Das Handelsgesezbuch mit Ausshluß des Seerehts, erläutert von Dr. Karl Ritter, Oberlandesgerichtsrat in Hamburg. 2. Hälfte (§8 338 bis Schluß). Verlag von H. W. Müller, Berlin, Prei des vollständigen Werkes (VI11T und 746 Seiten) geh. 16 #4. Der Ende 1909 erschienenen ersten Hälfte dieses neuen, handlichen Kommentars zum Handelsgeseßbuch, die die den olge und die Handelsgesellschaften betreffenden Bestimmungen ehandelt, ist {nell die zweite gefolgt, in der die auf die stille Gesellschaft und die Handelsgeschäfte bezüglichen Vorschriften sowie das Einführungsgeseß erläutert sind. Der Kommentar gibt knappe, aber überall erschöpfende Auskunft über die Bedeutung der Bestimmungen des Handels- geseßbudes und aller mit ihm zusammenhängenden Vor- \chriften. Gesehgebung, Rechtslehre und Rechtsprehung sind bis in die jüngste Zeit hinein verfolgt. Insbesondere sind das Börsengesez, das Scheckgesez, das Münzge]eß, das Wett- bewerbsgesez, das Versiherungsvertragêgeseß, das Reichsstempelgefeß in der neuesten Fassung, die neue Eijenbahnverkehrsordnung und die Aenderungen des Internationalen Uebereinkommens über den Eisen- babnfrachtverkehr verarbeitet. Die bis Ende 1909 ergangene ein- \chlägige Rehtsprehung ist vollständig wiedergegeben und angeführt. Eine \ch{lichte, jedes überflüssige Wort vermeidende Darstellung er- leihtert niht nur dem Juristen, sondern auch dem Kaufmann die \hnelle Uebersicht über den Gegenstand seines Interesses und das Ein- dringen in den behandelten Stoff. l

Die Zivilprozeßordnung, erläutert von O. Reine, weil. Reichsgerichtsrat. Sechste, auf Grund der Novelle vom 1. Juni 1909 neubearbeitete Auflage von R. Wienstein, Kammergerichtsrat. VIIT und 918 Seiten. Verlag von H. W. Müller, Berlin. Geh. 20 M. Am 1. d. M. ist das Geseß vom 1. Juni 1909, betreffend Aenderungen des Gerichtsverfassungsgeseßes, der Zivilprozeßordnung, des Gerichtsfkostengeseßzes nnd der Gebührenordnung für Rechtsanwälte, in Kraft getreten. Es hat niht, wie von vérschiedenen Seiten erhofft wurde, eine Reform des gesamten Verfahrens in bürgerlichen Rechts\treitigkeiten gebracht, sondern sich im wesentlichen auf eine Reform des Amtsgerichtsverfahrens beschränkt, die aber dur die

gleihzeitig bes{lossene Erweiterung der amtsgerichtlißen Zus» ständigkeit eine erhöhte Bedeutung gewinnt. Daneben at die Novelle eine Reibe von Punkten geregelt, die teils in gewissem Zusammenhange mit der Umwandlung des Amtsgerichtsverfahrens stehen, teils der sofortigen Abänderung bedürftig erschienen. Der hier angezeigte Kommentar bietet gegenüber anderen Werken, die ih darauf beschränken, in einem Nachtrage lediglih die neuen Be- stimmungen zu erläutern, in seiner neuen, nah des Verfassers Tode von dem Kammergerichtsrat Wienstein bearbeiteten Auflage die voll- ständige seit dem 1. d. M. geltende Fassung der Z.-P.-D., niht nur mit Erläuterung des neuen Inhalts, sondern au mit einer erheb- lien Ueberarbeitung der übrigen Erläuterungen, um das Werk auf der bisherigen, bereits anerkannten Höhe zu erhalten. Die Auslegung des Gesetzes ist, vom Allgemeinen zum Besonderen übergehend, aus Wortfassung, Zusammenhang, Grund und Zweck desselben unter steter Beachtung der Bestimmungen des B.-G.-B. geschöpft. Dabei reihen sih den Erfordernissen der Praxis entsprehend die Erläuterungen un- mittelbar an die Folge und die Einteilung der Paragraphen an. Die Ergebnisse der Wissenschaft und Rechtsprehung sind bis zum Beging dieses Jahres berücksihtigt. Ein Anhang enthält das Gerichts- verfassungsgeseßz in der jeßt geltenden Fassung mit kurzen Anmerkungen. Die Bedone, des Werkes wird noch durch ein 39 Seiten um- fassendes alphabetisches Sachregister erleichtert.

M. Stengleins Kommentar zu den strafrechtlichen Nebengeseßen des Deutschen Reiches. Vierte Auflage, völlig neubearbeitet ven Ludwig Ebermayer, Reichsgerichtsrat, Franz Galli, Reichsgerichtsrat a. D., und Georg Lindenberg, Ge- beimem Oberjustizrat, Senatspräsidenten bei dem Kammergericht. Dritte Lieferung. Preis 5,50 4. Verlag von Otto Liebmann, Berlin. In der vorliegenden Lieferung find die Geseßze, be- treffend das Seewesen, (u. a. das Geseß vom 22. Juni 1899, betr. das Flaggenret der Kauffahrteischiffe, die Seemannsordnung vom 2. Suni 1902 in der Fassung vom 12. Mai 1904, das Geseg vom 2. Juni 1902, betr. Verpflichtung zur Mitnahme heimzuschaffen- der Seeleute, das Geseß vom 2. Juni 1902, betr. Stellenvermittlung für Schiffsleute, die Seestraßenordnung vom 5. Februar 1906) von Reichégerichtsrat Ebermayer und in einem weiteren umfangreichen Abschnitt die Gesetze, betreffend den Geldverkehr, von dem Senatspräsidenten Lindenberg erläutert. Dieser Abschnitt des Kommentars ist nit nur für Juristen von erheblichem Wert, sondern fommt au für weitere Kreise in Betracht. Cs haben hier das Gesetz vom 8. Juni 1871, betr. Fnhaberpapiere mit Prämien, das Münzgesey vom 1. Juni 1909, das Bankgese vom 14. März 1875/1. Juni 1909, das Börsengesey vom 22. Juni 1896/8. Mai 1908, das Geseß vom 5. Juli 1896, betr. die Pflichten der Kaufleute bei Aufbewahrung fremder Wertpapiere, das Hypothekenbankgesey vom 13. Juli 1899 und das Geseg vom 4. Dezember 1899, betr. die gemeinsamen Rechte der Besißer von Schuld- verschreibungen, eine auf wissenschaftliher Höhe stehende, zum Teil sehr eingehende Kommentierung erfahren, und zwar nicht nur die Paragravben \trafrechtlichen Inhalts, sondern auch die zivilrechtlihen und die verwaltungsrechtlihen Bestimmungen dieser Geseße, soweit sie für das Verständnis der strafrechtlichen Normen Bedeutung haben. Der Kommentar berüdsichtigt die Ergebnisse der Literatur und vor allem erschôpfend die Rechtsprehung, auch ungedruckte Entscheidungen böcster Instanzen bis zur Gegenwart.

Land- und Forstwirtschaft.

Washington, 8. April. ((W. T. B.) Dem Berichte des Ackerbaubureaus zufolge wurde am 1. April der Durch|chnitts- stand des Winterweizens auf 80,8 9% gegen 95,8 %/% am 1. Dezember 1909 und 8229/6 am 1. April 1909 ge!|{chäßt. Der Durchschnittsstand des Winterroggens wird mit 92,3 9/9 gegen 94,1 9% am 1. Dezember 1909 und 87,29% am 1. April des Vorjahres angegeben.

Jagd. Betanntmaqui(; Einsammeln von Kiebiz- und Möweneiern.

Auf Grund des § 42 Absay TT der Jagdordnung vom 15. Juli 1907 wird beschlossen, den Schlußtermin zur Ein- sammlung von Kiebißz- und Möweneiern in diesem Jahre auf den 15. April zurückzuverlegen. Potsdam, den 5. April 1910. Der Bezirksaus\chuß. Joachimi.

Theater und Musik. Lustspielhaus.

„Das Leutnants-Mündel“ nennt sih ein harmlos-heiterer Militärs{hwank in drei Akten von Leo Walter Stein, der gestern bei seiner Uraufführung im Lustspielhause das Publikum gut unter- bielt. Er bietet nicht eben Neues, sondern die altbewährten Schwank- tvven in einer Rethe ebenso drolliger wie unwahrscheinlicher Situationen. Ein flotter Kavallerieleutnant erfährt brieflich von einem in Südamerika lebenden weit älteren Freunde, daß seine Tochter nach Berlin unterwegs sei; er, der Leutnant, solle sih gewissermaßen als Vormund ihrer annehmen. Zum höchsten Erstaunen des Leutnants, der die Ankunft eines unmündigen Kindes erwartet, tritt eines schöônen Tages im ungeeignetsten Augenblick eine er- wacsene junge Dame bei ihm ein und stellt sh ihm als Tochter des Freundes vor. Der Leutnant weiß nichts Besseres mit ihr anzufangen, als fle in einem Pensionat für junge Mädchen unterzubringen. Von dort flüchtet sie aber in die Wohnung des Offiziers, wo sie den jüdischen Agenten Goldstüker trifft, der mit dem Leutnant Pferde- und Geldge|häfte maht. Diesem bezahlt die junge Dame die Schulden des Leutnants. Als der jugendlihe Vormund das erfährt, gibt es zunächst erregte Auseinandersezungen, aber allzu ernsthaft wird der Zwist nicht, denn aus den beiden muß ja, wie der Zuschauer son im vorhinein weiß, zuleßt doch ein Paar werden. Ebenso gewiß ist, daß ein zweites Pärchen, die Tochter des typischen derben ostpreußischen Gutsbesitzers und ein anderer Leutnant, sich, bevor der Vorhang fällt, verloben muß. Einige belustigende Episodengestalten, so ein Offiziersburshe, der sich zwei Unterburschen hält, der erwähnte jüdishe Agent sowie ‘ein gutmütiger alter Onkel des Leutnants, sorgen im übrigen für heitere Intermezzi. Die Aufführung unter Ernst Bachs vortreffliher Spielleitung war von der im Lustspiel- hause gewohnten Güte. Die Herren Schindler und Schönemann spielte ihre Dragonerleutnants \sympathisch und in guter Haltung. Lustig und temperamentvoll war Fräulein Müller als Leutnants- mündel und von drolliger Anmut Frau Cerigioli als Ostpreußin. Eine sehr komische Charge {uf Herr Arnold als jüdischer Agent; Leo Peukert als Offiziersburshe, Toni Impekoven als ostpreußischer Gutsbesißer, die Herren Dießsh, Paulmüller u. a. füllten ihre Plätze hervorragend aus. Lebhafter Beifall rief mit den Darstellern auch den Verfasser vor die Nampe.

Im Königlichen Opernhause findet morgen, Sonntag, eine Wiederholung des „Propheten“ in der bekannten # eepung, mit den Damen Ober, Denera, den Herren Berger und Hoffmann in den aron statt. Herr von Schwind singt zum ersten Male die

olle des Zacharias, Herr Aschner die des Geheimen Rats. Für Montag ist „Götterdämmerung“, dritter Tag des Bühnenfestspiels „Der Ring des Nibelungen“ angeseßt, mit den Herren Grüning, Griswold, Bronsgeest, Krasa, den Damen Plaichinger, Ekeblad, von Scheele-Müller, Herzog, Ober, Rothauser und Parbs in den Haupt- rollen. Anfang 64 Uhr. h

Fm Königlichen Schauspielhause wird morgen H. Suder- manns Schauspiel „Strandkinder“, mit den Herren Staegemann, Kraußneck, Gode, Pohl, Zeisler, Geisendörfer, Vallentin und den