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Hauptquartier des Oberkommandos der Il. Armee.
— 27, August. Die nächste Maßregel des großen General- stabes der Armce nach den Siegen von Vionville und St. Pri- vat war die Organisation der Armee, welche die Festung Mey auf dem linken und rechten Moselufer cerniren sollte. Die- selbe wurde unter den Oberbefehl Sr. Königlichen D des Prinzen Friedrich Karl gestellt, Höchstwelcher sein Hauptquär- tier vor dem Centrum der Stellung aufgeshlagen hat. Das Garde-Corps, das IV. und XII. (Kgl. sächsishe) Armee-Corps, sowie die 5. und 6. Kavallerie-Division sind von ihren Truppen- förpern abgezwoeigt und unter das Kommando Sr. König- lichen Hoheit des Kronprinzen von Sachsen gestellt. Diese Armee tratmit ihrer Avantgarde bereits am 19. d. M., und mit den übrigen Theilen am 20. den Marsch nah der Maas an. Zu der Cer- nirung®Larmee wurde noch eine Landwehr-Division herangezogen. In Mez sind gegenwärtig an 5 französische Armee-Corps einge- \{lossen, vom Lande hat sich eine Anzahl der Einwohner in die Stadt geflüchtet, Tausende von Verwundeten sind dahin gebracht wor- den, und wenn auch anzunehmen is, daß die Festung auf längere Zeit verproviantirt ist, so möchte sich durch die größeren Kayvalleriemassen, die in der Festung konzentrirt sind, doch bald
Futter- und noch mehr Wassermangel einstellen, um so mehr,
als man bei dem Städthen Gorze die Wasserleitung aufge- funden hat, welche durch unterirdische Kanäle und Bassins die Festung mit Trinkwasser versorgt, eine Lebensader, die nun unterbunden ist. Die Chancen auf Waffenerfolge der franzö- sischen Armee in und um Mey vermindern sih in dem Maße wie unsere Fortifikations-Arbeiten fortschreiten, die den Zweck haben, einem Vordringen des Feindes aus der Festung in größeren Massen und einem Ueberraschtwerden unsererseits vor- ubeugen, ehe Truppen in genügender Stärke herangezogen nd, Zu diesem Zwecke sind ober- und unterhalb der Festung Über die Mosel Brücken geschlagen, die Hauptquartiere der einzelnen Corps unter sh und diese wieder mit dem Hauptquartier des Oberkommandos durch Telegraphen verbun- den. Ein Hervorbrechen des Feindes aus der Festung hätte ch nah Luxemburg durchzu- d erag aften Erfolg Daß man franzôösischerseits diesen Ausweg ins beweist ein aufgefangener Brief und eine chif\rirte Depesche des Marschalls Bazaine nah Paris, die durch den französischen Konsul in Luxemburg besorgt werden sollte. Aber auch gegen diese Eventualität find alle Vorsichts- maßregeln getroffen ; die Festung Thionville , dieser wichtige Eisenbahnpunkt, ist durch Kavallerie cernirt, Telegraph und Eisenbahn nah Paris bereits zerstört. Durch einen Befehl des Oberkommandos wird die Aufmerksamkeit auf &lôsse gerichtet, die in der Mosel gefunden worden waren und vermöge deren der Besaßung von Mey Nachrichten von außen zugeführt wurden.
Die Tage vom 19. bis zum heutigen Tage verliefen ziemlich ruhig. In den ersten Tagen nach der Schlacht bei St. Privat war der kleine Ort Doncourt, wo sich bis heute das Haupt- quartier Sr. Königlichen Hoheit des Prinzen Friedrich Karl befindet, von Verwundeten fast überfüllt; innerhalb weniger Tage ist die Evakuirung derselben, soweit es der Justand der Betreffenden zuließ, bewerkstelligt worden. Von Miasmen , Seuchen is} troß der nächsten Nähe der beiden Schlachtfelder bisher nichts zu verspüren gewesen. Es kommen bei den Truppentheilen wohl einzelne Krankheitsfälle vor, aber diese haben größtentheils in Erkältungen in Folge der kalten Bivouaksnächte ihre Ursache, nicht aber in Mias®smen, deren Entstehung die kühle Witterung und die häufigen Gewitter- regen verhütete. Die Tage eun dem 19, und 27, wurden mit sehr eifrigen ekognoszirungen ausgefüllt. Am 26. empfing der Höchstkommandirende der Cernirungs- Armee, Se. Königliche Hoheit Prinz Friedrich Karl, die Mel- dung, daß nach den Beobachtungen der nächsten auf Höhen um Mey aufgestellten Posten die Franzosen in starken Kolonnen auf das rechte Ufer der Mojel im Anrüccken begriffen seien, um möglicherweise dort einen Durchbruch zu versuchen. Die Truppen waren alsbald in Gefechtsbereitshaft. Der Prinz verließ in Begleitung seines Stabes Doncourt und begab sich nach Morhange, um die Entwielung der Dinge zu beobachten. Währenddem hatte sih der Feind aber wieder zurückgezogen, nachdem er gegen die Tete der Division von Kummer einige Plänkeleien versucht hatte. Se. Königl. Hoheit Prinz Friedri Karl machte darauf einen längeren Weg, theils um an die einzelnen Corps hberanzureiten , theils um die Stellungen des Feindes zu beobachten, dessen Bivouakfeuer man in nicht allzugroßer Ferne durch die Nacht brennen sah.
nur noch in der Absicht , \hlagen, Bcdeutung, würde auch sehr haben. bie faßt,
— Weiter liegt vom Kriegss\{hauplaß folgendes ey gramm vor: ‘ Vendresse (Dep. Ardennes, 1; Meilen südlich von Sedan) 31, August. (W. T. B.) T Die Folgen dcs gestrigen Sieges über die Armee Mz Mahons werden bei der großen Auddehnung des Schlachtfeld erst allmählich bekannt. Bis jezt is konstatirt, daß eini 20 Kanonen, 11 Mitrailleusen und ungefähr 7000 Gefangez in unsere Hände gefallen sind. |
— Französischerseits liegen vom Kriegsschauplag fol gende Nachrichten vor:
— Ein Geseß vom 29. August, im » Journal officiel« bu plizirt , verordnet , daß die Bataillone der mobilen National, garde während des Krieges in die aktive Armee eingereiht we, den können, und daß als Theile der Nationalgarde diejenigen Bürger betrachtet werden, welche vorübergehend die Waffen 4, greifen und ein Abzeichen dieser Garde annehmen, welches ibnen die den militärischen Corps gesicherte Anerkennung garantir Die Bestimmungen über die militärischen Pensionen finde auch auf verwundete Mobilgardisten Anwendung.
— Das »Journal officiel« enthält wieder mehrere Spalte Ernennungen von Offizieren der mobilen Nationalgarde.
— General d’Autemarre d’Ervillé ist als Oberbefehl8haba der Nationalgarden im Seinedepartement entlassen und de Deputirte Divisions-General de La Motterouge an seine Stell ernannt worden.
— Ein Befehl des Generals Trohu vom 27. Augus ordnet die Beseitigung aller die Vertheidigung hinderndey Häuser innerhalb der Fortifikationen von Paris an.
— Die entscheidende Schlacht wird, wie der »Gaulois« »fas mit Bestimmtheit zu versichern im Stande ist«, am 30. ode 31. August geschlagen, und »wenn Mac Mahon und Bazain siegen«, so kann der »Gauloi8L« hinzuseßen, »daß die französ Heere näher an Berlin sind als die preußischen an Paris, tre der schwachen Entfernung, die sie davon trennt. «
Tgawnaantaiiiiiat
Brüssel, 1. September, Abends 10 Ubr. (W. T. Y) 290 Franzosen sind heute an der belgischen Grenze bei Bouillon gefangen und entwoaffnet worden, dabei 50 Pferde.
— 2. September. (W. T. B.)
Aus Bouillon wird vom 1. September gemeldet: Di heutige Schlacht bewegt sih zwischen Douzy und Sedan. Li Preußen rücken entschieden vor, sie haben {hon La Chapyell und Givonne genommen. Die Ortschaften Bazeilles, Bala und Remilly stehen in Flammen.
(La Chapelle und Givonne liegen nordöstlich von Sedat an der Straße nah Bouillon; La Chapelle is das legte fran zösische Dorf an der belgischen Grenze. Bazeilles, Balan und Remilly liegen südöstlich von Sedan.)
Theilweise Ueberseßung eines aufgefangenen Briefe an einen höheren Offizier der französischen sogt nannten Rhein-Armee.
Paris, 22. August, Abends.
Du kannst Dir keine Vorstellung davon machen, theurt F
Freund, mit welchem Vergnügen man solche Briefe empfäng! wie den Deinigen. — Man ist hier lediglih angewiesen auf dit offiziellen, absichtlich Alles verschweigenden Mittheilungen der Regierung, sowie auf die Uebertreibungen stets {warz sehende Geister. Daher kommt es denn auch, daß die Berechnunget, welche man anzustellen vermag, sofort in sih zusammenfallen, wenn neue Nachrichten eintreffen.
Paris ist ruhig. Diese Ruhe aber is nicht die einer patric M
tischen Hingebung, sondern verdankt ihr Entstehen dem festen Glauben an das Ende des Kaiserreihs. Ich gestehe Dir, da) ih wenig erbaut bin von der Haltung unserer Kammern, - weder von der »Rechten« noch von der »Linken«. Die Eine! denken nur an Rettung der Dynastie und ihrer eigenen Vor theile, die Andern wollen sich der öffentlichen Gewalt selbst be mächtigen. E 4 Patriotische Regungen zeigen sich nur in einem für un}! Land unwürdig geringen Grade. Zwar sage ih dies in de ersten Aufwallung des Jornes, aber ih fühle es auch tief und habe die Beweise noch gestern innerhalb des Bereichs mein Departements vor Augen gehabt. i Mit Bewounderung folgt man den Bewegungen der Arm begeistert sih durch die Zahl der siegreichen Gefechte, aber ma" beeilt sfih durchaus nicht damit, an die Grenze zu eilen. — Mac Mahon marschirt vorwärts, um Bazaine zu unte stüßen, dessen Armee von 110 oder 120 Tausend Mann o"! Zweifel Mey in zwei oder drei Tagen wird verlassen müsse! Der cigentliche Qwek dieses Marsches von Mac Mahon soll ei
Angriff auf die Flanke des 6. preußischen Corps sein. Jch abt
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laube Nichts davon und vermuthe, daß sich die militärischen Autoritäten ausschließlich mit der kritishen Lage der Armee von Bazaine E rgen. Fortwährend kommen noch Truppen nah Paris, aber in so geringer Zahl, daß man deutlich merkt, es sind E allerleßten Depottruppen, welche man zusammen- en mußte.
ruf Was die Mobilgarde betrifft, so sind sie undisziplinirt und unbewaffnet. A
Die Vertheidigung von Paris ist Trochu anvertraut. Dieser erläßt fortwährend Proklamationen, wahrscheinlich viel zu viele — wie dics die Mode mit sich bringt. Er wird bereits: Trop-lu genannt. — Man könnte darüber hinwegsehen, wenn es nur zur Rettung Frankreichs beitrüge. —
Die Abdankung des Kaisers ist, wie man sagt, das Ziel der getreuesten Anhänger des Hofes.
Man glaubt so wenigstens die Dynastie erhalten zu können. Jch zweifle am Gelingen dieses Planes und an der Fortdauer des Kaiserreichs.
Welche Art von Gouvernement ih für meine Person wünschen soll , weiß ich selbst niht. Eine gemäßigte Republik in den Händen rechtshafener Leute würde mir am zweckmäßig- sten erscheinen. Jndeß diejenigen Republikaner , welche i ch kenne, ershrecken mich, — nicht durch ihre Gewaltthätigkeit, sondern durch ihre Mittelmäßigkeit. — Jh wünsche eine Re- publik ohne’ unsere Republikaner , oder eine Monarchie ohne Monarchisten. :
Die Zeiten sind vorüber, wo man einer Person oder einer Gewalt diente ; jeßt gilt es, dem Vaterlande zu dienen.
Die Schmeichler der Armee sind es gewesen, die den Krieg heraufbeschworen, durch ihre Unfähigkeit zur Füh- rung aber den Erfolg in Frage gestellt haben. Du und ih wußten dies längst. :
So lange wir im Materiali8mus erstarren , wird Frank- reih sih niemals zu der Energie aufshwingen , welche nöthig ist, fremde Völker am Betreten unseres Landes zu verhindern.
Alle Welt flieht aus Paris und bringt die Brillanten nach England in Sicherheit. :
Unsere Freunde sammeln sih zwar in der Garde mobile, um sih dort zu opfern ; unsere Hoffnung aber ist nur auf die Armee gegründet. — —
Sachsen. Leipzig, 1. September. (W. T. B.) Heute Abends wurde eine Adresse an Se. Majestät den König von Preußen als Oberhaupt des Norddeutshen Bundes zur Unterzeichnung öffentlich ausgelegt, in welcher Allerhöchstder- selbe um Fernhaltung jeder fremden Einmischung und um Fortfüh- rung des Kampfes »gegen wen es auch sei« biszur Erlangung eines dauerhaften Friedens gebeten wird. Die Adresse ist von den Vorständen des Stadtrattes, von Stadtverordneten, Mitglie- dern der Handels- und Gewerbekammern, Landtags -Abgeord- neten, dem Rektor und den Professoren der Universität unter- zeichnet. Eine Adresse ähnlichen Jnhalts wird an Se. Majestät den König von Sachsen gerichtet. Beide Adressen wurden so- O ibrer Auslegung mit Hunderten von Unterschriften edeckt.
Desterreich - Ungarn. Wien, 1. September. Der Salzburger Landtag ist g geschlossen worden. Die a Lemberg und Graz wählten gestern für den
eihsrath. :
_ Klagenfurt, 31. August. Die Adresse, welche die Be- friedigung über die Neutralität ausdrückt und das Festhalten an der Verfassung betont, wurde vom Landtage on þÞloc an- genommen. Hierauf erfolgten die Wahlen für den Reichsrath.
Prag, 31. August. Die sämmtlichen übrigen Abgeord- neten , deren Wahl A wurde , leisteten das Angelöbniß. Die Kaiserliche Botschaft wird einer Kommission von neun Mitgliedern zugewiesen, welhe morgen Bericht zu erstatten hat.
In der heutigen erften Sizung der Versöhnung®deputation herrschte das beste Einvernehmen. Die Czechen verlangen eine Garantie für den Schuß ihrer Nationalität, worauf die Deut- chen bereitwilligst eingingen. Von der staatsrechtlihen Frage war keine Rede.
_ Triest, 1. September. Der Lloyddampfer »Auroraec ist mit der ostindish-chinesishen Ueberlandpost heute Nachmittag d Uhr aus Alexandrien hier eingetroffen.
Frankrei. Paris, 31. August. Eine Bekannt- machung der Polizeipräfektur fordert diejenigen Fremden, welche gegen die Ausweisung: auënahmsweise reklamiren wollen, auf, sh mit einer schriftlichen Eingabe auf der Polizeipräfektur cinzufinden. Die Eingabe soll enthalten Namen , Vornamen, Alter, Nationalität, Gewerbe, Dauer des Aufenthalts in Frank-
weise Aufenthaltserlaubniß motiviren. Das Gesuh muß durch a fe Bürgschaft notorisch bekannter Personen unter- üßt sein.
Aus dem Wolff’ shen Telegraphen-Bureau.
München, Freitag, 2. September, Vormittags. Der Aa ist soeben Namens der Bürgerschaft in feierlichster Weise der Adresse der Münchener Bürger an König Ludwig und der Adresse an den obersten Feldherrn der deutschen Armeen Se. Da aa Wilhelm, sowie dem Aufruf ay das deutsche Volk
en. g
München, Freitag, 2. September, Vormittags. Die Ant- wort des Königs auf das gestrige Glückrounsch-Telegramm lautet: »Herrn Erhardt, erstem Bürgermeister, München. Se. Majestät der König haben die Glückwünsche der Bürgerschaft Münchens zu den jüngsten Siegen der deutschen Waffen mit freudigem Dank entgegen genommen und hegen die sichere Qu- versicht, daß aus diesem Riesenkampfe Bayern und Deutschland eine glückliche Zukunft erblühen werde. J. A.: Eisenhart, Mi- nisterial-Rath, Secretär Sr. Majestät des Königs.
Die Nr. 35 der »Annalen der Landwirthschaft« hat folgenden Inhalt: Ueber den Nußen und Anbau des Welschkornes. Von A. von Lyncker. Anbauversuche des Eldenaer Kulturvereins und des Versuchsfeldes der Akademié Proskau mit Getreide. Von Dr. Werner. Entscheidungen des Königlichen Ober-Tribunals, die Landwirthschaft und derselben verwandte Gebiete betreffend. (Band 74 des Archivs Br Rechtsfälle.) Berichte und Korrespondenzen: Aus der Provinz
reußen. Aus dem Regierungs-Bezirke Aachen. Literatur: Die Rechtsverhältnisse der Landeskultur-Genossenschaften in Preußen. Von Dr. G. M. Kletke. Notizen: Zweiter Aufruf M. Ek®ners v. Gronow und Weiteres über die Landestheile, welche unter dem Kriege gelitten haben. Die Berieselung der Maplin Sands. Hopfenbericht. Markt- berihte. Viehpreise. tärkepreise.
— Das »Marine-Verordnungs-Blatt« Nr. 8 hat folgenden Jn- halt: Betrifft Gerichtsbarkeit. — Zahlung des Serviszuschusses nach Eintritt in den Kriegsverpflegungs-Etat. — Erhöhung des Entschädi- ungss\aßes für die Verpflegung Kranker aus der Offiziermesse. —
instellung der Erhebung der klassifizirten Einkommensteuer von den mobil gemachten Offizieren und Militär-Beamten, soweit die Steuer von dem Militärdiensteinkommen veranlagt ist. — Berechnung der Dienstreisekosten der Bundesbeamten. — Betrifft Kleidershulden der Mannschaften der M Stau und der Werft-Divifion. — Be- trifft den Offizier-Unterstüßungs-Fonds. — Benachrichtigungen. — Tapferkeits-Prämien. — Personal-Veränderungen.
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Statistische Nachrichten.
— Vom Central - Bureau des deutschen Zollvereins is die pro- visorishe Abrehnung über die gemeinschaftlichen Joll- Einnahmen für das erste Semester d. J. aufgestellt worden. Nach derselben beläuft sich der Gesammtbetrag der gemeinschaftlihen Brutto-Einnahme unter Zurechnung der Register-Defekte und der für Rechnung einzelner Vereinsregierungen ganz oder theilweise freige- schriebenen Gefälle, dagegen nah Abzug der Reftitutionen, Bonifi- fationen 2c. auf 13,189,562 Thlr. und hat \ich gegen den entsprechen- den Zeitraum des Vorjahres um 687,722 Thlr. oder 5,5 pCt. erhöht.
m Einzelnen sind aufgekommen: an Eingangsabgaben 13,153,813
hlr. (gegen 1869 mehr 665,272 Thlr. oder 5,3 pCt.), an Ausgangs- abgaben 32,461 Thlr. (gegen 1869 mehr 21,582 Thlr. oder 198 pCt.) und an auß&ordentlichen Einnahmen, hauptsächlih bei den vereins- ländischen Haupt - Zollämtern in Lübe, Bremen und Hamburg, 3288 Thlr. (gegen 1869 mehr 868 Thlr. oder 36 pCt.).
Im Allgemeinen läßt die hauptsächli@ in Betrat kommende Mehreinnahme an Eingangs®zoll darauf schließen, daß der Handel in der ersten Hälfte dieses Jahres einen lebhafteren Verkehr und größe- ren Aufs{hwung als im Vorjahre genommen hat. Jn unseren Jn- dufinleperbäliien ist gegen die Vorjahre eine merkliche Besserung unverkennbar hervorgetreten und hat \\ch in größeren Bezügen von Rohstoffen und Halbfabrikaten geltend gemaht. Die Eisen- und Kohlenindustrie, die Fabriken für Lokomotiven, Maschinen und Eisen- bahnwagen , sowie die sonstigen Metallwaaren - Fabriken ; die Textilindustrie — mit alleiniger Ausnahme der Baumwollen- Industrie, welche noch immer unter ungünstigen Konjunk- turen zu leiden hat — und viele andere Jndustriezweige sind vollauf beschäftigt gewesen, während die Konsumtionsfähigkeit der Bevölkerung in Folge der leßtjährigen günstigeren Ernten zugenom- men und einen lebhafteren Verkehr in Kolonialwaaren hervorgerufen hat. Bei der nicht unerheblichen Steigerung der Einnahme an Aus- gang8zoll fommt lediglih die Mehrausfuhr von Lumpen in Betracht; deren Preise in neuerer Zeit erheblih in die Höhe gegangen sind, was zu einem lebhafteren Export dieses Artikels, namentlich nach England und Amerika , Veranlassung gegeben hat. — Die oben angegebene Gesammt-Bruttoeinnahme vertheilt fich auf die cinzelnen ZJollvereins- staaten folgendermaßen : L 5 Z
1) Norddeutscher Bund 11,180,063 Tblr. oder 84,4 pCt. gegen
10,740,977 Thlr. im 1. Semester 1869, und zwar: Preußen
reih und alle Umstände, welche eine besondere und au8nahms- | 8,816,477 Thlr. (gegen 1869 mehr 308,569 Thlr.), Lauenburg 1342 4299