1892 / 246 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Tue, 18 Oct 1892 18:00:01 GMT) scan diff

„Christus von Gott aus gemacht sei zur Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung“, dem Rufe seiner Glocken werde Folge ge- leistet in dem Sinne: „Herr, ih habe lieb die Stätte Deines Hauses und den Ort, da Deine Ehre wohnet; Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Ps In seiner Schönheit und Würde werde das Gotteshaus eine Zierde dieses Stadttheils und füge als drittes si ein inmitten der fkirchlichen Denkmäler, welche den leßtverstorbenen Majestäten jüngst gewidmet worden sind. Wie fein Thurm zum Himmel hinaufweiset, }o mögen die Herzen sich er- heben über den Erdenstaub und trachten „nach dem, was droben ist, und um ihn her erblühe ein reges wohlgeord- netes evangelishes Gemeindeleben; und wenn einst der Thurm der Kaiser Friedrih - Gedächtnißkirhe grüßt und zu dem Thurm der Dorotheenstädtishen Kirche hinüber- blicken wird: dann bleibe die hiesige Gäneinde in ihrer künftigen Selbständigkeit eingedenk des Bandes, das sie mit der Dorotheen- ftädtishen Gemeinde shwesterlich verbindet. Der Name aber dieses Gotteshauses sei für alle Zeit eine Erinnerung an den, der hier nah ruhmvollen Schlachten den Siegeslorbeer errungen, und in Trübsal vollendet dort mit der Krone des ewigen Lebens ges{müdckt ift ; eine stete Mahnung, wie er ein Jünger und NaŸfolger des Herrn Jesu Christi gewesen ift, [en n nachzustreben in treuer Pflicht- rfüllung und im Leiden ohne zu klagen!

: Es e denn dieser Bau als ein Tempel der Ehre Gottes, als ein Denkmal Fürstliher Gnade und Frömmigkeit, als ein Zeugniß opferwilligen kirhlihen Sinnes, als eine Pflegestätte der christlichen Gottseligkeit, die zu allen Dingen nüße ist und die Verheißung hat dieses und des zukünftigen Lebens. Das walte Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist; hilf, o Herr, hilf und laß wohl gelingen! Amen.“

Als der Geistliche geendet hatte, sang die Gemeinde den weiten Vers des Chorals „Lobe den Herren“. Alsdann trat er Kirchenälteste Geheime Ober-Regierungs-Rath, Präsident Kayser vor, um die Urkunde zu verlesen. Das denkwürdige Document zeigt auf dem ersten Pergamentblatt das Aquarell- bild der Kirche und die eigenhändige Widmung Beider Majestäten ; das zweite Blatt trägt folgenden Wortlaut :

Im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes! Unter Preis und Dank gegen den Allmächtigen Gott dürfen wir an dem heutigen Tage, dem Geburtstage weiland Seiner Majestät des Kaisers und Königs Friedrich, den Grundstein zu einem neuen Gottes- hause legen. An der Stelle des Thiergartens errichtet, auf welche zuerst des hochseligen Kaisers Friedrich Majestät “uns M und wo des jeßt regierenden Kaisers und Königs Majestät uns huldreihst den Bauplaß geschenkt, soll es dem im Westen unserer Gemeinde aufblühenden Stadttheile die

dauernde Stätte der Andacht bieten und mit Gottes Hilfe der Mittelpunkt einer von der Muttergemeinde fih abzweigenden neuen Gemeinde werden. Seit einer Reihe von Jahren hat die christ- liche Versorgung der fernab von der Mutterkirhe um den Hansaplaß wohnenden Gemeindeglieder unsere besondere Fürsorge in Anspruch genommen. Schon zu einer Zeit, da der Gedanke, durch Zerlegung der übergroßen oder weitausgedehnten Parochien neues firhlihes Leben zu wecken, noch nicht wie heute all- gemein sh Bahn gebrochen, wurde im Schooße unseres Gemeinde-Kirchenrathes die Verselbständigung dieser unserer Außen- gemeinde in die Wege geleitet. Bereits gegen Ende des Jahres 1886 begannen unsere Geistlichen, die Prediger Stehow und Vogel, den dortigen Evangelischen besondere Gottesdienste darzubieten, welche, mit ener Christfeier anfangend, zunächst allmonatlich in dem willigt her- gegebenen Gartensaal von Charlottenhof stattfanden. Zu weiterer Sammlung der Gemeinde wurde Ostern 1891 der gesammte westliche Theil von Schloß Bellevue bis zur Königlichen Porzellan-Manufactur zu einem besonderen Bezirk abgegrenzt und die Seelsorge in demselben einem neu berufenen dritten Geistlihen, dem Prediger Hagenau, übertragen. Noch am zweiten Adventsonntage desselben Jahres wurde die auf einem gepachteten Grundstück in der Bachstraße 13 errichtete Kapelle gewciht, in welcher bis zum heutigen Tage die dortige Ge- meinde die vorläufige Stätte ihrer Erbauung besißt. Gar bald jedoch hat diese Kapelle dem erfreulich wachsenden Verlangen nah Gottes Wort gegenüber sih als unzulänglich erwiesen und immer dringender den Wunsch nach einem geräumigen und würdigen Gotteshause hervor- treten lassen. Da nun die kirhlihen Körperschaften unserer Ge- meinde unter patronatlicher Zustimmung des Magistrats einhellig den Beschluß gefaßt haben, zu dem Bau der Kirche im Thiergartenfelde aus threm Kirchenvermögen 300 00v 46 zu bewilligen, das weiter Er- forderlihe aber von der Bethätigung hristliher Liebe zu erwarten steht, so darf der Bau des neuen Gotteshauses nah dem von Seiner Majestät Allergnädigst genehmigten Plane des Professors Johannes Bollmer nunmehr im Vertrauen auf den Beistand des Allmächtigen in Angriff genommen werden. Unserem Wunsche huldreich\ entsprechend, haben Seine Majestät der Kaiser und König unter Zustimmung Ihrer Majestät der Kaiserin Friedrich zu genehmigen geruht, daß die neu zu erbauende Kirhe dem Gedächtniß des hochseligen Kaifers Friedrich gestiftet und ihr der Name „Kaiser Friedrich- Gedächtniß-Kirche“ beigelegt werde. Zu unserer hohen Freude hat Ihre Majestät die Kaiserin und Königin Auguste Victoria die Gnade gehabt, das Protectorat unseres Kirhbaues zu übernehmen. Und so darf das heute begonnene Werk auch die Förderung und Hilfe Ihrer Majestät erfahren , Allerhöchstwelche, wo immer es galt, in unserer kirhenarmen Stadt eine neue Stätte der Andacht zu schaffen, noch nie es an Huld und Hilfe hat fehlen lassen. So möge denn über diesen Grundstein mit des Herrn Oilfe das Gotteshaus sih erheben; bochragend verfünde es den bier neu erstandenen Häusern und ihren Bewohnern, daß sie unter dem Schirm und Schatten des Höchsten stehen; mit seinem hébren Namen gemahne es noch kommende Geschlechter an den König- lien Helden und Dulder, der mit dem Lorbeer des Siegers und mit der Krone des Herrschers in \{chwerer Prüfung auch des Herrn Kreuz getragen. Der Herr unser Gott aber wolle das Werk unserer Hande fördern, daß in der Frist weniger Jahre das neue Gotteshaus sih erhebe und in demselben eine gläubige Gemeinde sih auferbaue auf dem Grunde, außer dem kein anderer gelegt werden fann, welcher is Jesus Christus, boch- gelobet in Ewigkeit. Berlin, den 18. Oktober 1892. Der Gemeinde- Kirchenrath und die Gemeinde-Vertretung der Dorotheenstädtischen Kirche.

Die Urkunde wurde nunmehr mit einer Geschichte der Dorotheenstadtgemeinde, dem leßten Gemeindebericht und einem Gesangbuch, sowie mit mehreren Zeitungen in den kupfernen Kasten gelegt, den Hof-Kupfershmiedemeister Otto verlöthete. Hof- Steinmeßmeister Huth und Rathsmaurermeister Vollmer hoben hierauf den Schlußstein auf. Jnzwischen waren Seine Majestät der Kaiser aus dem Zelt getreten, nahmen den dargereichten Hammer entgegen und gaben die drei ersten Schläge ab, dann folgten Zhre Königliche Hoheit die Prinzessin Friedrih Leopold und die übrigen Ehrengäste und Vertreter der Behörden. Für die Gemeinde vollzogen mit den Geistlichen der Kirchenälteste N Pinko und der Gemeindevertreter Bildhauer Nusche die Hammerschläge. Den Beschluß bildete der Architekt Professor Vollmer. Beim Vollziehen der Hammer- schläge wurde von den Truppen präsentirt, während dic Musik den Choral: „Ein feste Burg“ spielte. Ein vom General- Superintendenten D. Braun gesprohenes Gebet, der Segen und der Gesang „Nun danket alle Gott“ beendeten die Feier.

_Nach Beendigung der Feier zur Grundsteinlegung für die Kaiser Friedrih - Gedächtnißkirhe begaben Sih Seine Majestät der Kaiser und König zu Wagen nah Spandau aur Enthüllung des Kaiser Friedrih-Denkmals, die um

1! Uhr ihren Anfang nahm. An dieser Feier nahmen die anwesenden Prinzen des Königlihen Hauses, der stell: vertretende Commandant des Allerhöchsten Hauptquartiers, der Oberbefehlshaber in den Marken, die commandirenden Generale des Garde-, des I[l. und des VIII. Armee-Corps, der Präsident des Staats-Ministeriums Graf zu Eulenburg, der Ober-Präsident, Staats-Minister Dr.. von Achenbah, der Regierungs-Präsident Graf Hue de Grais und andere theil.

Das Denkmal ist am Linden:-:Ufer zwischen der Charlotten- brücke und den neuen Anlagen errihtet. Dem Denkmal gegen- über, jenseits der Charlottenstraße, war das Kaiserzelt auf- geschlagen, der Festplay war von achtzehn hohen weißen Flaggenmasten, von denen Wimpel in den Farben aller deutshen Staaten herabflatterten, umrahmt. Die Umgebung des Festplaßes wie die Stadt selbst war festlih geschmüdt, und auf der Zufahrtsstraße, welche Seine Majestät passirten und wo die Schuljugend Spálier bildete, waren zwei Ehren- pforten errichtet. Gegen 121/z Uhr rückten die zur Parade befohlenen Truppen mit klingendem Spiel aus den verschiedenen Theilen der Stadt an und nahmen unter dem Befehl des Commandanten von Spandau, General - Lieutenants Schmidt von Knobelsdorf auf dem hinter dem RKaiserzelt gelegenen Alexanderplaß Aufstellung, und zwar je ein Bataillon des 4. Garde-Regiments zu Fuß und des 3. Garde-Grenadier-Regiments Königin Elisabeth in geschlossener Zug-Colonne, das erstere hart an der Havel auf dem rechten Flügel, sodann auf dem linken Flügel das 1. Bataillon des Garde-Fuß-Artillerie-Regiments, im zweiten Treffen das Brandenburgische Train-Bataillon Nr. 3 sämmtlihe Truppen in Parade-Anzug mit Mänteln und hohen Stiefeln, die Musik und Spielleute vor der Front.

Alsbald verkündeten Hurrahrufe das Nahen Sciner Majestät des Kaisers und Königs, Allerhöchstwelher am Denkmal von den commandirenden Generalen des Garde- und TIT. Armee-Corps und dem Commandanten von Spandau, den Spigzen der Provinzial-Behörden, dem Landrath, dem Bürgermeister Koelße und den andern Herren des Denkmal- Comités ehrfurhtsvoll empfangen und nach dem Kaiserzelt geleitet wurde. Die Feier nahm ihren Anfang mit dem Choral: „Sei Lob und Ehr? dem höchsten Gut“, worauf der Oberprediger Recke folgende Weiherede hielt :

„Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes! Amen. Es ift eine hohe Weihestunde, die wir heute feiern dürfen; fie fordert ein Dreifaches von uns: Gedenken, danken, bedenten. Gedenken! Unsere Denkmalsweihe is eingetauht in die Crinnerungen ciner großen Vergangenheit. Am 18. Oftober 1813 der Tag von Leipzig, am 18. Oftober 1831 hochbedeutsaui! Kaiser Friedrih’s Geburtstag, am 18. Oktober 1861: König Wil- helm’s Krönungstag, und nun heute an demselben 18. Oktober, unter dem Angesicht unseres Allergnädigsten Kaisers und Herrn, die Denk- malsweihe Kaiser Friedrichs des Dritten hier in unserer Stadt. Lieb und theuer, unvergessen und unvergeßlich ist uns, unserem ganzen Volk und Vaterland, Kaiser Friedrich, der weise Herrscher, der leut- selige Monarch voll warmer Menschlichkeit, der deutsche Mann, der thatenmächtige Förderer von Kunst und Wissenschaft, von Volkêwohl[- fahrt und Landwirthschaft, der vorbildlihe Haus- und Familien- vater, der Kaiserlihe Dulder voll Gottesfurcht und Treue bis zum Tode; unvergeßlih zunächst der Bürgerschaft unserer Stadt des Kaisers volksthümliche Friedenêsgestalt, sahen wir Ihn unser Monument versucht dem an gegebener Stelle Ausdruck zu verleihen des öfteren in unserer Mitte, in Heer und Volk, in Wald und Werkstatt, auf der leßten Todesfahrt immerhin! es ift eine Gestalt, die unser Denkmal vor allem und in allem verkörpern wollte und mußte: die Gestalt des siegreihen Helden, des glorreichen Führers zum Höhen- flug des Hohenzoilern-Aars zu Katser und Neih! Kaiser Friedrich, der Steger von Königgräß, von Weißenburg und Wörth, von Sedan und Paris, des glorreichen Kaisers Wilhelm einziger Sohn und Nachfolger, im Anilitz ernste Treue „furchtlos und beharrlih“ zur Seite das Schwert, in der Hand den Feldmarschallstab, das Auge strahlend : „Vom Fels zum Meer,“ Kaiser Friedrich, der Du jeßt im Lande der Verklärung weilst, uns von Gott gegeben, uns von Gott gesegnet, uns von Gott genommen, \o grüßen wir Dich heute, so halten wir Dich fest in dankbarer Erinnerung in allem Leid, in aller Wehmuth, Deiner froh, Gottesfroh: „Es hat ein Gedächtniß gestiftet seiner Wunder, der gnädige und barmherzige Herr“ (Psalm 111 V. 4). Zum Gedenken gesellt sich das Danken. Kein Ge- denken ohne Danken, kein Danken ohne Gedenkten! Was will unfer Denkmal sein? Ein geringes Dankesopfer dieser Stadt, der alten märkischen Veste und Vorburg Spandau, für das, was Kaiser Friedrich uns durch Gottes Gnade gewesen und geworden is. In allen Ständen und Stufen der Bürgerschaft unseres Ortes regte und betbätigte sich dies Gefühl des Dankes seit Fahren. Heute ist es in Stein und Erz gleichsam lebendig geworden. Hoch und niedrig, der Arbeiter und der Handwerker, die Beamten, die Krieger- vereine, die Mitkämpfer von 1864, 1866- und 1870 blieben ihre Dankesopfer nicht schuldig. Nun preist unser Dank Kaiser Friedrich?s Gedächtniß mit Herz und Hand, mit Lied und Wort, mit Glocken- klang und Kanonenhall ! Wir danken unserem Kaiserlichen Herrn, daß Seine Majestät uns diesen Tag der Dankesfeier verschönert hat. Dank unserem Kaiser und Könige immerdar! Wir danken allen Mitfeieruden, wir danken dem Künstler, der uns das Denkmal errichtet hat. Es ist nicht das erste und wird nicht das leßte Kaiser Friedrich- Denkmal sein in deutschen Landen, aber es beansprucht seine Stelle. Liebe, Treue, Dankbarkeit haben es an fonderlihem Ort erbaut, ein lebendiges Dankeézeugniß dieser Stadt und Gemeinde. Doch wie? Kein Dank ohne Umkehr, obne Rückkehr, ohne Einkehr zu Gott! „Gebt unserem Gott die Ehre!“ Gottes Fügung, Gottes Leiten und Führen ist wounderherrlih eingewebt in die Ge- schichte unseres Hohenzollernhauses, unseres märkischen, unseres preu- ßischen, unferes deutshcn Vaterlandes, Gottes Walten in Krieg und FFrieden, Gottes Walten auh in dem großangelegten Leben, im Wirken, Kämpfen, Siegen und Leiden unseres frühvollendeten Kaisers Friedri! Darum, ein Gotteë-Dank auch heut hier zuleßt und doch zuerst: „Herr mein Gott, ih will Dir danken in Ewigkeit“ (Psalm 30, B. 13). Bedenket! so lautet an leßter Stelle die ernste Mah- nung dieser Feierstunte. Ein Denkmal fordert „Bedenken!“ In unserer Nachbarstadt, der Kaiserlihen Haupt- und Nesidenzstadt Berlin heute die Grundsteinlegung der Kaiser - Friedrich - Ge- dächtniß - Kirche, vor den Thüren unserer altchrwürdige!t St. Nicolai - Kirhe das unlängst errichtete Denkmal des Kurfürsten Joachim 11., des evangelishen Bekenners:; und beute hier, auf dem ursprüngliden Boden alter Festungswerke, das Denkmal Friedrichs II[., des Weisen, des Friedreichen! Wir fühlen alle, es gilt zu bedenken, zu beahten, zu befolgen! In Kirche und Schule, in Haus und Familie, in Staat und Gemeinde, in Arbeit und Beruf, in Krieg und Frieden, in Freude und Leid seid, werdet, ein Ieder an feinem Theil, Kaiser Friedrih's Nachfolger, Ihm folgend als dem Musterbilde des deutschen Volkes. Der Soldat, der Arbeiter, der Havelschiffer auf seinem Kahn, der Sonntagsgast, der Bürger der Stadt, die Schuljugend, alle die zu Wasser oder zu Lande an unserem Denfmal Kaiser Friedrich's vorüberziehen: „Auf zu Ihm das Angesicht, hin zu Ihm das Herz, Ihm nach in der Ge- folgschaft des Lebens, treu und deutsch, fromm und getrost, furchtlos und bebarrlich, groß und ftarf!“

„Gott ist unsere Zuversicht und Stärke!“ (Psalm 46 V. 2). Das ift die Losung des heutigen Tages. So bekenne si denn der Gott zu uns, auf den wir trauen. Er helfe uns, Er lasie alles wohl- gelingen! Gott segne den Kaiscr, unsern König und Herrcn, feinen Knecht Wilhelm, die Kaiserin und Königin, die Kaiserin Friedrich, den Kronprinzen, sämmtliche Königliche Prinzen und Prinzessinnen und

alle, welche dem D Hause anverwandt und zugethan sind, Er erhalte sie uns bei langem Leben, zum beständigen Segen und hristlihem Borbilde. Er verleihe dem Kaiser, unserm Könige, eine lange friedevolle und gesegnete Regierung! Gott segne unser deutsches Volk und Vaterland! Gott segne die Obrigkeit; Gott segne die Armee Deutschlands Wehr und Waffe, zu Lande wie zu Wasser, Gott segne diese Stadt mit “allen ihren Insassen! Unser Denkmal, Kaiser Friedrich’s Denkmal, aber sei gesegnet und geweiht, ein Gedenf- eta zum ehrenden Gedächtniß, ein Dankesstein, den Dankbarkeit und Liebe erbaut, ein Bedenkstein zu deutscher Treue und Einig- keit, zu Kaiser- und Vaterlandéliebe, zu Gottesfurcht und Gerehtig- feit! Mit Gott für König und Vaterland! Mit Gott für Kaiser und Reich! „Was Du, Herr, segnest, das is gesegnet ewiglich!“ (Chronic. 17, 27) Amen!“

Auf Befehl Seiner Majestät des Kaisers und Königs fiel nunmehr die Hülle des Denkmals, während auf der Bastion die Kanonen erdröhnten und sämmtliche Glocken geläutet wurden: die Truppen präsentirten unter den Klängen des Präsentirmarsches das Gewehr und alle Häupter entblößten ih. Ein Chor von 80 Sängern trug darauf eine von dem Organisten Brieger in Spandau gedichtete und componirte Hymne vor.

Der Bürgermeister Koelße übernahm alsdann das Denk- mal seitens der Stadt Spandau mit folgenden an Seine Mazestät den Kaiser und König gerichteten Worten :

Cure Majestät bitte ich, Allergnädigst mir gestatten zu wollen, daß ich vor allem Eurer Majestät den allerunterthänigsten Dank der gesammten Bürgerschaft der Stadt Spandau dafür abstatte, daß Eure Majestät die bobe Gnade gehabt haben, an unserem heutigen Ehren- tage hier zu erscheinen. Ein s{hönerer Lohn, eine böbere Anerkennung tonnte der Bürgerschaft nicht zu theil werden, als die, den Tag der Enthüllung des Denkmals Seiner Majestät des Hochseligen Kaisers und Königs Friedrih durch Eurer Majestät Allerhöchste Gegenwart verherrlicht zu seben.

Wenn ich nun das Denkmal in das s\tädtishe Eigenthum über- nchme, so thue ih es in der festen Zuversicht, daß die Stadt und ein jeder Cinwohner es sih alle Zeit angelegen sein lassen wird, das Denkmal als cine der höchsten Zierden un}erer Stadt zu pflegen und zu s{üßen. Als Vorsteher des städtishen Gemeinwesens gereicht es mir zur besonderen Freude, daß es gelungen ist, aus den Beiträgen der hiesigen Bürgerschaft das Denkmal zu errichten. Allen denen, die ihr Scherflein beigesteuert haben, sage ih herz- li4sten Dank. So groß das Unternehmen anfangs erschien, so war doch der Erfolg von vornherein gesihert. Dank und Verehrung für den heißgeliebten, früh verblihenen Fürsten ließen die Spenden reich- lih fließen. Und fo, wie es entstanden, möge das Denkmal für alle Zeiten wirken, als ein äußeres Zeichen bürgerliher Dankbarkeit. Möge es stets Zeuge sein, daß Bürgersinn und Bürgertugend in der Stadt herrscht.

- Möge das Denkmal allen denen, welche die beldenmüthige Gestalt des hochseligen Kaisers Friedrich erblicken, die Erinnerung wach er- halten an daëjenige, was der hochverehrte Fürst in wildem Kriegs- getümmel, was er in stiller Friedensarbeit für sein Vaterland gethan hat. Möge das Denkmal zu allen Zeiten eine Mahnung für Jeder- mann sein, treu und fest zu stehen zu Kaiser und Reich, mit Herz und Hand ergeben zu sein dem Landesherrn und seinem angestammten Herrscherhaufe.

Wir Alle wollen in dieser feierlißen Stunde das Gelübde un- verbrüchliher Treue und fester Anhänglichkeit an unsern Allergnädigsten Kaiser, König und Herrn von neuem wiederholen, indem wir aus tiefstem Herzen ausrufen :

Seine Majestät der Kaiser und König, unser Allergnädigster Herr lebe hoh, hoch, hoch!

Jubelnd fiel die Festversammlung in das Hoch auf Seine Mazestät ein. Die Truppen präsentirten das Gewehr unter den Klängen des „Heil Dir im Siegerkranz“, in welche die Ver- sammlung einstimmte. Nachdem die Töne verklungen waren, unter- zogen Seine Majestät unter Führung des schaffenden Künstlers, Bildhauers Manthe, und des Vorsißenden des Denkmal-Comités, Bürgermeisters Koelße das Denkmal einer eingehenden Be- sichtigung. Demnächst nahmen Seine Majestät Aufstellung zur Seite des Denkmals auf dem Linden-Ufer, wo Allerhöchst- dieselben den Parademarsh der zu der Feier commandirten Truppen abnahmen. Nach Beendigung der Feier nahmen Seine Majestät beim 4. Garde-Regiment z. F. das Frühstück ein, zu welchem auch die zur Fahnenweihe befohlenen Offiziere des ŸVIII. Armee-Corps eingeladen waren.

Das Denkmal mißt in seiner Höhe 5,65 m und ruht auf zwei niedrigen Granitstufen, welche von einem gußeisernen Gitter umgeben sind. Der Block, auf welhem das Standbild. nch erhebt, - hat eine Hohe von 3 m und besteht aus rothem s{chwedishen Granit; die Figur ist in der Bildgießerei von Martin und Pilging, Berlin, Chausseestraße 24, aus Kanonenbronce gegossen worden und 2,65 m hoh. Kaiser Friedrih trägt die Uniform der Königin-Cürassiere mit Cüraß und Helm auf dem Haupt und ist mit den Jusignien eines Feldmarschalls bekleidet; die rechte Hand hält wagereht den Feldmarschallstab. Der rehte Arm ijt leicht gekrümmt, der linke Arm stüßt sih auf den Pallasch, dessen Griff die linke Hand umspannt. Das Haupt des Kaisers t Leut erboben und scat. BlickE folgt „dem Lauf der Havel. An der Vorderseite des Postaments ist die Widmungsinschrift wie folgt angebracht: „Jhrem geliebten Kaiser Friedrich III. in dankbarer Erinnerung die Bürgerschaft von Spandau 1892.“ Die drei anderen Seiten des Soels tragen Reliefs aus dem Leben des Kaisers und Seinen Be- ziehungen zu Spandau. Das erste stellt den Kaiser dar, wie Er, begleitet vom Oberförster Canzler, von der Jagd aus der Spandauer Stadtforst zurückkehrt und Jhm von seiner Gemahlin ein Erfrishungstrunk credenzt wird. Das zweite zeigt Kaiser Friedrich, wie Er mit Seinem Sohne, dem Prinzen Heinrich, gelegentlich cines Waldbrandes in der Forst am 16. April 1881, werfthätige Hilfe leistet, und das leßte, dritte Relief bezieht sih auf die Uebersiedelung des todtkranken Herrschers von dem Charlottenburger Schloß nah Schloß Friedrichs- kron auf der Dampfyacht „Alexandria“, Spandau und die Charlotten-Brüce passirend. Es versinnbildliht die legte Huldigung, welche die Spandauer Bevölkerung am 1. Juni 1888 ihrem Kaiser darbrachte.

Wegen Umbaues des Weißen Saales wird die Eröff- nung des Landtags diesmal im Rittersaal des Königlichen Schlosses vollzogen werden. Da dieser Saal nur cinen be- schränkten Naum bietet, muß von der sonst üblichen Einladung der Generalität, der Wirklichen Geheimen Räthe 2c. abgesehen werden. Ebenso is es wegen Mangels aller größeren Tribünen im Nittersaal nicht angängig, das diplomatis@e Corps einzu- laden und irgend welhes Publikum zuzulassen.

__ Das Verzeichniß der Kaiserlich deutschen Kon- sulate, welhes von dem Auswärtigen Amt herausgegeben wird und mit dem Monat September abschließt, ist in der Königlichen Hofbuchhandlung von E. S. Mittler u. Sohn er-

schienen. Ebenda is auch das Verzeichniß der Konsuln im Deutschen Rei h erschienen.

Der Inspecteur der 1. Jagenieur-Jnspection, General- Lieutenant Andreae hat auf einige Tage Berlin verlassen.

Der Wirklihe Geheime Ober - Regierungs - Nath Dr. Schneider im Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten ist nach der Provinz Sachsen ab- gereist:

Der Regierungs-Rath Wenckeb ach zu Aurich ist an die Königliche Regierung zu Köln verseßt worden.

Der Regierungs-Assessor Seydel zu Merseburg is dem Königlichen Ober-Präsidium zu Magdeburg und der Regierungs- Assessor Klee feld zu Kalbe a. S. der Königlichen Regierung zu Hildesheim zur weiteren dienstlihen Verwendung über- wiesen worden.

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S. M. S. „Arcona“, Commandant Corvetten-Capitän Dräger, ist am 15. Oktober in Trinidad eingetroffen.

M. Kanonenboot „Wolf“, Commandant Corvetten- Capitän Hellhoff, ist am 16. Oktober in Shanghai an- gekommen.

Dem Kaiserlihen Gesundheitsamt vom 17. bis 18. Oftober, Mittags, gemeldeie Cholera-Erkrankungs- und Todesfälle:

Daun: Staat 14./10. 115./ 16./10.

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Hamburg. Hamburg.

Preußen. Schleswig. Altona. Koblen 3. Plaidt, Kreis

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Vereinzelte Erkrankungen: _ Regierungsbezirk Stettin: in der Stadt Stettin eine tödtlich verlaufene Erkrankung. Regierupgs8bezirk Koblenz: in 1 Ort des Kreises Mayen 2 Erkrankungen.

Breslau, 17. Oktober. Der Ober-Präsident D. von Seydewißz hat sih, wie die „Schles. Ztg.“ meldet, nah Ober- \hlesien begeben, wo morgen Vormittag 10 Uhr bei Janusch- fowig in feierlicher Weise die Grundsteinlegung der obersten, durch die Kanalistrung der oberen Oder geforderten Schleuse vollzogen werden soll.

Sachsen.

Dresden, 17. Oktober. Jhre Majestät die Königin wird sih, wie das „Dresd. Journ.“ meldet, morgen, Dienstag, Vormittag nah Schloß Sibyllenort in Schlesien begeben, wohin Seine Majestät der König am nächsten Donnerstag nachfolgen wird.

Württemberg,

Stuttgart, 17. Oktober. Ueber das Befinden Jhrer Majestät der Königin-Wittwe veröffentliht der „Staats- Anz. f. W.“ folgenden, aus Schloß Friedrihshafen von heute Vormittag 9 Uhr datirten Krankheitsbericht:

Die bei Ihrer Majestät der Königin-Wittwe anfangs der vor- leßten Woche aufgetretene acute Brustaffection, welhe die damals vorhandene unmittelbare Lebensgefahr bedingte, hat sich im Laufe der leßten Woche in dem Maße gebessert, daß jeßt nur noch eine für den Gesammtzustand wenig erhebliche linksfeitige pleuritische Aus- shwißung von mäßigem Umfange vorhanden ist. Trotz dieses Rük- gangs des genannten örtlichen Kranfheitszustandes ist die allgemeine Schwäche unter vorübergehenden, allerdings sehr bedeutenden Schwankungen nahezu die gleihe, wie in den vorhergehenden Wochen, auch hat sich die Nahrungsaufnahme bei Ihrer Majestät faum gehoben. Die unverändert fortbestehenden chronischen Krankheits: zustände erschweren die Nückwirkung jener günstigen Aenderung auf den Allgemeinzustand, der durch Schwäche, mit nervöfen Erregungs- zuständen wechselnd, sowie durch mangelhafte Verdauungsthätigkeit vielfah ein sehr peinlicher ist. Die leßte Nacht brachte im ganzen 9 Stunden Schlaf, troßdem aber wenig Erholung.

Dr. Stiegele. Dr. von Sick.

Am Sonnabend sind Jhre Königlichen Hoheiten der Erb- großherzog und die Erbgroßherzogin von Sachsen- Weimar zum Besuch ihrer hohen Eltern bezw. Schwieger- eltern hier angekommen und im Palais Weimar abgestiegen.

Baden. l Karlsruhe, 17. Oktober. Seine Königliche Hoheit der

Großherzog leidet dem „W. T. B.“ zufolge seit Sonn- abend an einem starken Erkältungszustande; gestern war das A besser, doch ist der WioEleGos genöthigt, das Bett zu hüten.

Waldeck und Pyrmont.

. Arolsen, 16. Oktober. Der Landtag der Fürsten- thümer Waldeck und Pyrmont ist zu einer längeren Tagung einberufen worden, die am 31. Oktober ihren Anfang nimmt. Las Hauptinteresse wird, wie der „Hann. Cour.“ schreibt, die Vorlage zur Neuorganisation der Gewerbesteuer in Anspruch nehmen. Außerdem wird sich der Landtag mit Vorlagen über Aufbesserung der Volksschullehrergehalte und Verlegung des

ettages zu befassen haben.

Hamburg.

Hamburg, 17. Oktober. Seine Majestät der Kaiser haben, wie der „Hamb. Corr.“ mittheilt, zur Linderung des in Hamburg durch die Cholera verursahten Nothstandes, ins- ejondere zum Zweck der Unterbringung und Erhaltung der durch die Seuche ihrer Eltern und Ernährer beraubten Waisen, die Summe von 50000 s gespendet. Der Senat hat be- [hlossen, diesen Betrag dem Comité zur Gründung eines

Unterstüßungsfonds für Kinder, deren Eltern an der Cholera gestorben sind, zu überweisen.

Oesterreich-Ungarn.

In der gestrigen ersten Plenarsißzung der österreihischen Delegation in Budapest nahm zuerst der Jungczehe Eym das Wort zu einer Rede gegen den Dreibund. Nach dem Bericht des „K. K. Tel.-Corr.-Bur.“ äußerte sich der Redner zunächst über die Einwirkungen des Dreibundes, auf den Handel. Oesterreih, so führte er aus, habe große Con- cessionen machen müssen, z. B. in Betreff seines Weinbaues. Schon im ersten Jahre, seit die Handelsverträge ins Leben traten, habe fich ein Rückgang des cit: 61rd Handels gezeigt. Das Deutshe Reih neige dahin, einen Vertrag, der den österreichishen Handel schädigen würde, mit Rußland abzuschlicßen. Redner . bestritt alsdann die Popularität des Dreibundes : das tiefe Mißtrauen des böh- mischen Volkes gegen das deutshe Bündniß beruhe auf der Geschichte der Jahrhunderte. Die Böhmen wüßten ihre slavishen Gefühle sehr wohl mit den Pflichten für den Staat zu vereinigen. Man könñe ihnen aber nicht verübeln, daß sie sich gegen die Umarmung von Seiten Deutschlands wehren. Das böhmische Volk empfinde feinen Haß gegen Deutschland. Es gönne Deutschland von Herzen die nationale Einigung und wünsche ein gutes nachbarlihes Verhältniß zu Deutschland, jedo feine allzu lange Bundesgenossenschaft mit ihm. Redner zog sodann die Vortheile des Dreibundes für Oesterreich in Zweifel, hob den übermächtigen Einfluß Deutschlands auf die österreihishe Politik hervor und wies auf die Militärlasten hin. Nachdem “er schließlih noch das Bündniß mit Jtalien angegriffen hatte, erklärte der Vertreter des böhmishen Großgrundbesißzes Graf Buquoy, daß diese Anschauungen Eym'’s von der Bevölkerung nicht getheilt würden; felbst die engeren Partcigenossen Eym's hätten sich kürzlih im Abgeordnetenhause dagegen ausgesprochen. Seine Auslassungen müsse man als eine licentia poëtica bezeichnen. Im weiteren Verlauf der Sizung sprach -der Delegirte Sprincic (Südslave) aus Gründen der inneren Politik egen die jeßige Richtung der äußeren Politik. Der

elegirte Jaworski führte hierauf aus, die von dem Delegirten Eym entwickelten Ansichten seien nur eine Emanation einer Partei eines Theiles eines Kronlandes. Oesterreih habe auf der Balkanhalbinsel am Ende der 70er Jahre die Stellung einnehmen müssen, die es wirkflih eingenommen habe; es habe nicht gleichgültig zuschen und nicht isolirt dastehen können. Die Ansicht, Rußland wolle die Selbständigkeit aller Slavenstämme, sei eine s\onder- bare Shwärmerei, auch sei die Ansicht nicht richtig, daß alle Slavenstämme für Rußland Sympathie hegten. Bezüglich der Annäherung an Rußland frage er, wer sich nähere und wie die Annäherung geschehen solle. Weder auf “handels- politishem Gebiete, noch auf der Grundlage der in Oesterreih geltenden Regierungsprincipien, noch auch in Ausübung der Menschen- und Bürgerrechte sei cine An- näherung möglich. Die Opposition der Jungczechen sei das Stigma ihrer parlamentarishen Thätigkeit. (Lebhafter Bei- fall.) Der Delegirte Meznik (Altczeche) bestritt das Recht Eym's, im Namen des ganzen czehishen Volkes zu sprechen, da die Altczehen bei den lezten Wahlen 42 Proz. der czechi- schen Stimmen crhalten hätten. Der Redner hob sodann die großen Vortheile des Bündnisses mit Deutschland hervor. Palacky selbst habe ein Schuß- und Trußbündniß mit Deutsch- land anempfohlen. Der Slovene Grecjorcic und der Ztaliener Luccatto sprahen dem Minister des Aeußern ihre Anerkennung für seine Politik aus. Der Delegirte Plener führte aus, die geistigen Führer der Czechen seien thatsählich von Mißtrauen gegen den Dreibund und speciell gegen Deutschland erfüllt. Außer den Jungcezechen hätten sich alle Völker Oesterreichs in das Bündniß mit Deutschland ein- gelebt. Die Liberalen Oesterreihs seien die ersten gewesen, welhe das Bündniß mit Deutschland verlangt hätten. (Beifall. ) Hieraus, nahm dexr Mintster des Aus- wärtigen Graf Kälnoky das Wort. Er erklärte, er wolle niht gegen die fkritisirende Rede des Dele- girten Eym auftreten, da es nüglih sei, wenn sich die verschiedenen Parteien über die Ziele der Politik aussprächen : er müsse aber sowohl gegen die Methode, als gegen das Ziel der Rede Einwand erheben; es werde Mißtrauen gegen die Delegationen, Mißtrauen gegen die Alliirten, Mißtrauen nach allen Seiten gepredigt. Kein Minister d.s Auswärtigen wäre im stande, gute Beziehungen zu den Mächten zu pflegen, wenn in der Geschichte ähnlih herumgewühlt werde, wie es Eym gethan habe. Der Minister hob sodann die Jsolirtheit Eym’'s hervor und erklärte, es sei niemand da, der nicht gute und auch bessere und die besten Beziehungen zu Nußland wünschte. Geschichtlih sei nicht bewiesen, daß Frank- reich der natürlihe Bundesgenosse Oesterreih-Ungarns sei. Man werde sehen, welchen Widerhall russischerseits die An- regung Eym's finden werde. Der Dreibund enthalte keine Spiye gegen Rußland, enthalte als reiner Defensivvertrag überhaupt keine Spige. „Solange wir niht angegriffen wer- den“, erklärte Graf Kálnoky wörtlih, „sind die Vertrags- bestimmungen Null, und wir werden Rußland nicht angreifen.“ Der Minister verlas sodann den Eingang des Textes des österreichish-deutshen Vertrages und wies darauf hin, daß mit Ausnahme der Jungczehen von sämmtlichen Parteien zustimmende Erklärungen zu dem Dreibund gegeben worden eien; er „Tonne omit erllären, daß er \ch in Ein- verständniß mit den Vertretern der Monarchie befinde, wenn er in seiner jegigen Politik fortfahre. Bedauerlih sei es, daß die Partei- und Nationalitäts-Verhältnisse in die äußere Politik hineingetragen würden. Der Dreibund \{hüße nicht nur die Interessen der Verbündeten, sondern Europas. Dieses Bündniß zu pflegen, halte er nicht nur für seine Pflicht, sondern er sei auch durch die Zustimmung beider Delegationen dazu ermächtigt. Das Bündniß sei kein aus\schließendes und hindere nicht, daß andere Staaten sih demselben anschließen. Die Behauptung, daß. das Bündniß Lasten auferlege, die die Monarchie sonst niht zu tragen hätte, sei unrichtig. Der Minister wiederholte nochmals, was ihm bisher be- stätigt worden sei, daß die Absicht einer. Aggression auf Oesterreich nirgends vorhanden und die Erhaltung des Friedens allerseits gewünsht werde. Die österreichishe Orientpolitik sei bis zur äußersten Möglichkeit versöhnlich und passiv. Oesterreih wünsche nichts für fsih, es wünsche nur, daß die Staatengebilde im Orient sih innerhalb der Grenzen des Berliner Vertrages kräftigten und daß keines derselben unter

die Abhängigkeit einer oder der anderen Großmacht komme. Der Minister dankte \{hließlich für das ihm mit Ausnahme einer Stimme entgegengebrachte Vertrauen. (Lebhafter Beifall.) Das Budget des Aeußern wurde sodann angenommen.

Im Heeres - Ausschuß der ungarischen Delega- tion legte der Reichs-Kriegs-Minister Freiherr von Bauer gestern die Nothwendigkeit der Beibehaltung der Zelte dar, deren bisherige Verwendung die günstigsten Resultate ergeben habe. Der bezüglihe Etatposten wurde hierauf nicht als Rate, sondern als- einmaliger Posten ohne Präjudiz für die Zukunft angenommen.

Im ungarischen Unterhause gab der Präsident gestern békannt, daß das Comité für die Errichtung des Souve Denlitalo eine Einladung zur Enthüllungsfeier an das Haus gerichtet habe. Eoetvoes und Ugron kündigten eine -hierauf bezüglihe Jnterpellation an und beantragten, die Verhandlung der Angelegenheit auf die Tagesordæ&uing der heutigen Sißung zu seßen. Der Antrag wurde Fon dem Minister-Präsidenten unterstüßt und vom Hause an- genommen. Jn einer Conferenz der liberalen Partei hatte der Minister-Präsident Graf Szapary die Erklärung abgegeben, daß er die Jdee,. der Ent- hüllungsfestlihkeit einen militärishen und gleichzeitig einen versöhnlichen Charakter zu geben, begeistert aufgegriffen habe als eine patriotishe, den Landesinteressen dienende That. Er fühle sih der Zustimmung der öffentlihen Meinung sicher und werde in der heutigen Sißung des Unterhauses den Antrag auf Betheiligung der Abgeordneten stellen. Die Conferenz billigte diesen Antrag des Minister - Präsidenten einstimmig.

Großbritannien uad JrlanD.

Die Königin Victoria erfreut sich, der „Allg. Corr.“ zufolge, während ihres gegenwärtigen Aufenthalts in Schloß Balmoral in den schottischen Hochlanden vortrefflicher Ge- sundheit. Täglich unternimmt Jhre Majestät Spazierfahrten und erweist Bewohnern der Gegend die Ehre ihres Besuchs.

Die britishen Truppen in Jndien sollen im März nächsten Jahres mit dem Repetirgewehr ausgerüstet werden, vorausgeseßt, daß bis dahin cine genügende Anzahl von Waffen und Munition eingetroffen ist. Bis jeßt sind 19 600 Gewehre in Jndien angekommen, und 7000 weitere befinden ih auf dem Wege. Man erwartet, daß die erforderlichen 70 000 Ge- wehre am 1. April n. J. vertheilt sein werden. Von Bombay sollen 10 000, von Kurrachee 25 000, von Kalkutta 20 800, von Madras 8000, von Rangun 5000, von Aden 1200 aus- gegeben werden.

Frankreich.

Heute ist die Deputirtenkammer zu ciner neuen Session zusammengetreten. Bereits gestern waren aus diesem Anlaß zahlreihe Deputirte in Paris eingetroffen. Jn den Gängen des Palais Bourbon wurden die über die Vorgänge in Carmaux beabsichtigten Jnterpellationen schr lebhaft besprochen. Dem „W. T. B.“ zufolge herrschte ziemlich allgemein die Ansicht vor, daß die Discussion sofort erfolgen solle, umsomehr, als die Berathung des Budgets vor vierzehn Tagen nicht be- ginnen fönne. Wie aus R auen ferner verlautet, will der Deputirte Dupuy-Dutemps den Antrag stellen, daß cine Gesellschaft, durch deren Schuld eine Arbeitseinstellung herbeigeführt wird, der Betriebsconcession für immer verlustig erflärt werde. Die boulangistish-socialistishen Ab- geordneten endlih sollen beabsichtigen, einen Credit von einer Million für die Strikenden in Carmaux zu beantragen. Wie das „D. B. Hd.“ \ich aus Paris melden läßt, hätten infolge von Erklärungen, die der Minister - Präsident Loubet den radicalen und socialistischen Abgeordnete! gegenuber abgegeben Und worn sene Für- jorge für die Ausständischen in Carmaux zugesagt und den Uebereifer des Präfecten des Tarn - Departements gemißbilligt habe, die Abgeordneten beschlossen, den Versuch, das Cabinet zu stürzen, aufzugeben und die heutige Kammer- debatte hauptsählih gegen den gedahten Präfecten zu richten.

Das heute in der Kammer zur Vertheilung gelangende Gelbbuch über die Handelsbeziehungen Frankreichs zu der Schweiz sowie zu Rumänien, Montenegro und den jüdamerikanishen Republiken verbreitet sih, wie die „Köln. Ztg.“ erfährt, ausführlich über die in Betracht kommenden Fragen, insbesondere über das geplante Uebereinkommen zwischen Frankreih und der Schweiz. Der Handels-Minister will darauf bestehen, die Aufmerksamkeit des Parlaments auf einige Posten im Tarif zu lenken, deren Aenderung er für unerläßlih hält, um die Fortdauer der Handelsbeziehungen zu der Schweiz zu fihern. Die Kammer-Debatten über das Uebereinkommen sollen nach dem „D. B. Hd.“ erst anfangs Dezember beginnen. :

Bei einem gestern Abend in Nantes veranstalteten Bankett hielt der Unterrichts - Minister Bourgeois eine Rede, in der er dem „W. T. B.“ zufolge aufforderte, ih um das Banner der Revolution zu haaren. Dieses Banner betrahte er als ein Unterscheidungszeichen und eine Art von Prüfstein für die aufrihtigen und wahren Republikaner zum Unterschied von denjenigen, die das Wort Republik bloß im Munde führten.

Der höhere Kriegsrath hat, wie der „Figaro“ wissen will, an dem ihm von dem Kriegs-Minister de Freycinet vor- gelegten Gesegentwurf über die neue Einrichtung der Cadres ziemlih bedeutende Aenderungen vorgenommen. Namentlich sollen die Mitglieder die Ausdehnung der Artillerie-Cadres für übertrieben erachtet haben. Was die Schaffung der (über den Divisions-Generalen stehenden) „Armee-Generale“ angeht, so habe der Kriegsrath sich ein- stimmig dafür ausgesprochen. Er verlange, daß man die Zahl dieser Generale auf acht festseze; sechs von ihnen wären in Friedenszeiten mit der Beaufsichtigung von je drei Armee- Corps zu beauftragen, den beiden anderen hätte der Kriegs- Minister besondere Sendungen anzuvertrauen. Schließlich habe man sih dahin erklärt, auch für die Armee-Generale die geseß- liche Aliersgrenze von 65 Jahren festzuhalten.

Nach dem „Gaulois“ sind wichtige Beschlüsse für die Vervollständigung der Vertheidigung der Nord- grenze Frankreichs gefaßt worden. Das genannte Blatt schreibt: „Wenn auch die befestigte Linie, die Lille umgiebt, eine Ausdehnung von über 50 km hat, so is darum niht minder wahr, daß die Zone von Bouvines bis Eglos auf einer Strecke von 20 km fkein ernstliches Hinderniß darbietet. Wir können den schnellen Bau zweier Forts ankündigen; das eine wird bei Houplin, as andere bei Ennetières, zwischen den Bahnen nach

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