__ Das Kaiserlihe Gesundheitsamt macht folgende Cholerafälle bekannt: :
Jn Tilsit 3 Neuerkrankungen. Jn Berlin wurde bei einer Schlächterfrau, in Garß a. O. bei einem Arbeiter und dessen Kinde Cholera nahgewiesen. Jn Grabow und Warsow, Kreis Randow, je ein neuer Krankheitsfall. Jn eter, Kreis Dannenberg, langte ein Schiffer colera- _ frank an.
In Hamburg vom 27. Oktober bis 2. November vier Erkrankungen, davon zwei mit tödtlihem Ausgang.
Der Bevollmächtigte zum Bundesrath, Königlich sächsische Mime Regierungs-Rath Dr. Fischer ist nach Dresden ab- gereist. ;
Sachsen. |
JZhre Majestät die Königin is, wie das „Dr. E meldet, gestern Mittag aus Sibyllenort wieder in der König- lihen Villa Strehlen eingetroffen.
Württemberg.
Wie der „St.-A. f. W.“ vernimmt, wird sich Seine Majestät der König am Montag, den 6. d. M., für etwa vierzehn Tage zur Abhaltung von Jagden nah Bebenhaujen begeben. Jhre Majestät die Königin ist gestern iy nah Schloß Hohen- burg abgereist, um Allerhöchstihre dort \{chwer krank darnieder- liegende Großmutter, die verwittwete Prinzessin Friedrih von Anhalt, Hoheit, zu besuhen. Jhre Majestät wird daselbst
einige Zeit verweilen und sich von Hohenburg direct nach
Bebenhausen begeben. Anhalt. Jhre Königliche Hoheit die Prinzessin Friedrich Karl von «vi hen ist gestern Nachmittag von Dessau nah Berlin abgereist.
Deutsche Colonien.
Der Kaiserlihe Gouverneur von Deutsh-Ostafrika Freiherr von Schele is durch Allerhöchste Cabinetsordre vom 23. Oktober d. J. zum Commandeur der Schußtruppe ernannt worden. |
Der zum Stellvertreter des Gouverneurs ernannte Major von Wrochem traf am 20. September mit dem Reichs- Postdampfer „Kaiser“ in Dar - es-Salam ein und hat am darauffolgenden Tage die Geschäfte Übernommen. Mit dem- selben Dampfer sind der dem Kaiserlichen Gouvernement über- wiesene Gerichts-Assessor Freiherr von Rechenberg sowie die . Lieutenants Stengler und von Bercken und der Arzt Dr. Höse-
mann, leztere zum Dienst in der Schußtruppe, dort ange- tommen.
Ueber die Unterwerfung der aufständischen Häuptlinge am Kilimandjaro berichtet der Kaiserliche Gouverneur von Deutsh-Ostafrika aus Moschi, vom 21. August, nah dem „Deutschen Colonial-Blatt“ Folgendes: : |
Nach dem bereits früher gemeldeten glücklichen Gefeht bei Moschi un 2 L On Nr, 230 des „N. U. S-A. D, Red.) haben si die seit der Niederlage tes Compagnieführers von Bülow im Aufstande befindlichen Häuptlinge von Moschi, Kilema und Kirua (Meli, Fuamba und Kitongati) vollständig unterworfen und die von
tir gestellten Friedenébedingungen angenommen. 4
Zu dieser Unterwerfung werden wesentlich die im Gefecht er- littenen ee at Verluste beigetragen haben. Diese Verluste be- ziffern sich nah eigener Angabe des Gegners auf 135 Todte. Die Zahl der Verwundeten dürfte entsprehend fein und sollen von den- selben noch eine große Anzahl infolge {lechter Pflege ihren Wunden erlegen fein. a
Es war niht mögli, fich der Person der Häuptlinge zu be- mächtigen, da sie in die gänzlih unzugänglichen Höhen des Berges flühteten. Erst nah langen Verhandlungen und dem Versprechen, fie niht am Leben zu strafen, entschlossen sie sich, persönlich zu kommen. Jch konnte dies Versprechen um fo eher geben, als thatsächlich die Häupt- linge selbst nit die Schuldigsten waren, sondern einige ihrer Akidas; aus Furcht vor diesen glaubtèn sie niht anders handeln zu können, ohne befürchten zu müssen, von ihren Unterthanen der Herrschaft ent- seßt zu werden. / Diese Akidas sind im Gefühl ihrer Schuld bis jeßt fern geblieben und werden vorausfichtlich sih niht wieder hier sehen lassen. Der Stationschef hat die Weisung, wenn möglich, si ihrer Person zu bemächtigen und sie behufs Bestrafung zur Küste zu senden.
Zur dauernden Befestigung unserer Herrschaft is mit dem Bau einer neuen Station in Moschi begonnen worden. Die durch den Kaiserlichen Commiffar Dr. Peters feiner Zeit erfolgte Aufgabe dieser Station hat sih als ein Fehler erwiesen. Die bisherige Station Marangu, welche auf directem Wege von Moschi in sechs Stunden
u erreichen ist, wird gleihfalls bestehen bleiben, und genügt die hier N alioniete 1. Compagnie zur Beseßung beider Stationen. ;
Ich habe das Erforderliche eingeleitet, um in der neuen Station die für die Europäer nöthigen Wohnhäuser zu bauen. Das verhält- nißmäßig rauhe Klima am Kilimandjaro erfordert es, die Wohnungen mò lichst solide herzustellen. Die Häuser sollen im unteren Stockwerk massiv aus hiesigen Bruchsteinen, im oberen Stockbwerk aus Fachwerk von hiesigen Hölzern und hier hergestellten Ziegeln gebaut werden. Die unteren Räume werden u Meagazinzwecken, die oberen als Wohnung für die Europäer benußt werden. Das Mauerwerk soll in Lehm gelegt werden, fodaß von der Küste nur die Heraufschaffung der Wellblehplatten zur Bedahung und des Cements zum äußeren Ver- puß der Mauern, um denselben bei dem sehr feuhten hiesigen Klima die erwünschte Haltbarkeit zu geben, nothwendig wird. i /
Mit der 4. Compagnie und den von Kifuaki und Masinde mit- genommenen Mannschaften beabsichtige ich nunmehr zur Küste zurück zu marschiren und denke spätestens am 20. September dort einzu- treffen. Die 3. und 5. Compagnie fowie die beim Erpeditions-Corps befindlihe Abtheilung Manjema bleiben vorläufig noch zur Disposition des Compagnieführers Johannes hier, welcher den Auftrag erhalten hat, noch einen Zug nah Ober-Aruscha und Kahe zu machen, um auc dort unsere Macht nachdrücklih zum Ausdruck zu bringen und die dortige Bevölkerung von ähnlichen Widerspenstigkeiten abzuschrecken.
S kann hiernach erfreuliherweise melden, daß das deutsche Kilimandjarogebiet vollständig unterworfen und die Nuhe in demselben vorausfichtlih auf Jahre hinaus, bei rihtiger Behandlung seitens des hiesigen Stationéchefs, gesichert ift. a i ;
Was den Werth dieses Gebietes anbetrifft, so glaube ih, daß dasselbe seinen klimatishen und Bodenverhältnissen nah ih sowohl für die Ansiedelung deutsher Ackerbauer und Viehzüchter, als auch für den Plantagenbau gewisser Colonialproducte eignet. Indessen erscheint irgend welche Rentabilität derartiger Unternehmungen fo lange aus-
blossen, als niht dur billigere Transportmittel der lohnende van, ier gewonnener Producte an der Küste ermöglicht ist.
L der jeßt eingetretenen Beruhigung und Sicherheit des hiesigen Gebiets werden zu den {hon in Marangu vorhandenen zwei
riehischen Kleinhändlern fehr bald mehrere kommen, fodaß ein kleines
Gebiet für den vermehrten Absaß europäischer Indufstrieproducte ge- wonnen sein dürfte. Doch wird fich dieser Handel zunächst nur in beschränkten Grenzen bewegen und für das deutshe Kapital vorläufig von geringer Bedeutung fein.
Die in Tabora angewotbenen Manjema haben sich auf dem Marsche sowohl als im jet als ein recht brauhbares Soldaten- material erwiesen, fodaß zu hoffen ist, daß in ihnen ein ebenso gutes, aber bedeutend billigeres Soldatenmaterial als das sudanesische für künftige Anwerbungen gefunden ist.
Jn dem Gefeht bei Moschi, am 12. August, hat, wie schon mitgetheilt, der Lieutenant Ax seinen Tod gefunden. Es wird darüber noch berichtet: ;
Die combinirte Compagnie Ax war um §8 Uhr Morgens auf die erste Vertheidigungslinie des Gegners gestoßen und wurde sofort von demselben unter \chärfstes _ Feuer . genommen. Die Se dite bestand in einem über 4 m tiefen Graben mit steilen Rändern und einem t [ Schüßengraben. Die combinirte Compagnie ging dreimal vergeblich zum Sturm gegen den Graben vor; beim dritten Anlauf, kurz vor 9 Uhr, erhielt Lieutenant Ax einen Schuß von der reten Seite in die Brust, fodaß der Tod sofort eintrat. Er wurde nah tem rückwärts
elegenen Verbandplaß geschafft, und Abends gegen 6 Uhr traf die Leiche mit en übrigen Todten und Verwundeten im Lager ein. Am 13. August, Mittags 2 Uhr, fand das Begräbniß mit a en militärishen Ehren tatt. Das Grab befindet sich cs einem freien Plaß zwischen der Boma Meli und der Boma Mandara unter einem großen Baum. Dasselbe wurde am nächsten Tage mit einem Holzkreuz versehen.
Ueber die Erstürmung der Haupttembe des Sul- tans Sinjangaro in Nondoa (Kanjenje) wird aus Ost-Afrika berichtet, daß es sih bei dieser Expedition um die Vernichtung eines räuberishen Wagogostammes handelte, der bisher den einfallenden Wahehes die Wege gezeigt und an ihnen einen festen Rückhalt gehabt hatte. Das „D. Col.-Bl.“ bringt darüber folgende Mittheilung :
Am Morgen des 28. August stieß die Expedition unter Lieutenant Storch auf größere Temben, von dem Führer als das Quikuru des Sultans Sinjangaro bezeichnet, und wurde fofort mit Flintenschüssen empfangen. Nach hartnäckiger Vertheidigung wurde die Burg erstürmt und die Vertheidiger fast bis auf den leßten Mann vernihtet. So erfreulih die gänzlißhe Unschädlihmachung dieses räuberishen und von den friedlihen Eingeborenen allgemein gefürhteten Gesindels erscheint, so bedauerlich if es, daß dabei ein tapferer Offizier, Lieutenant Fließbach, den Tod fand. Allen voranstürmend, erhielt derselbe dicht vor der Thür der Tembe einen Schuß von Eifensplittern, der Hals, Lunge und Herz verleßte und den sofortigen Tod des Ver- wundeten herbeiführte. Ein zweiter Offizier, Lieutenant Richter, wurde bei dieser Gelegenheit ebenfalls, aber nur leicht unter der Achselhöhle verwundet. — Am 30. August marschirte die Expedition nah Njambwa zurück. Hier wurde die Leiche des Lieutenants Fließbach in der Nähe des Quikuru des Häuptlings Mgogolo, bei dem die deutsdhe Flagge weht, unter den üblichen mili- tärishen Ghren bestattet und der Jumbe beauftragt, stets das Grab des Gefallenen in gutem Stande zu erhalten.
Oesterreich-Ungarn.
Es bestätigt sich, wie „W. T. B.“ meldet, daß der Kaiser am 8. d. M. aus Budapest wieder in Wien eintreffen und sich am 13. d. M. nach München begeben wird, um den Vermählungsfeierlihkeiten der Prinzessin Augusta von Bayern mit dem Erzherzog Joseph Augustin beizuwohnen. Die Kronprinzessin-Wittwe Erzherzogin Stephanie wird sich gleichfalls nah München begeben.
Wie das „FTDDL“ erfahrt, Nnnd der Furst Alfred Windischgräß, Graf Thun, Statthalter von Böhmen, und Graf Badeni, Statthalter von Galizien, zum Kaiser nah Budapest geladen worden. Meldungen aus Budapest stellen die Berufung weiterer Persönlichkeiten, insbesondere von Mitgliedern des Herrenhauses, behufs ihrer Meinungs- äußerung in Aussicht. : |
Jn parlamentarischen Kreisen erblickt man dem „W. T. B.“ zufolge in der Berufung des Fürsten Windischgräß an das Kaiserliche Hoflager ein Anzeichen dafür, daß diese Candidatur für die Minister-Präsidentshaft in dem geplanten Coalitions- Ministerium nunmehr ernstlih in den Vordergrund getreten, während die Berufung der Statthalter von Böhmen und Galizien, wie man glaubt, nur zur Jnformirung der Krone erfolgt sei.
Großbritannien und Jrland.
Der Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha nahm gestern im Clarence House die Glückwünsche anläßlich seiner Thronbesteigung entgegen. Am Abend begab sih Höchst- derselbe zu mehrtägigem Besuch bei der Königin nah Balmoral und wird sodann zum Besuh des Prinzen von Wales nah Sandringham reisen. :
Das „Reuter he Bureau“ erfährt, die von einigen Pariser Blättern jüngst ausgesprochenen Behauptungen, daß England eine Spanien feindlihe Politik treibe, indem es die Operationen Spaniens gegen die Mauren zu hemmen und seine angeblichen, eigenen Absichten auf Marokko zu eas wünsche, entbehrten jeder Begründung. Es beständen im Gegentheil die denkbar besten Beziehungen zwischen England und Spanien. : :
Der Erzbischof von Dublin Lord Plunket hat sich der „Allg. Corresp.“ zufolge am Montag in einer Versammlung Uber die Homerule- Bill in folgender, Weise ausgelassen: „Wir befinden uns augenblicklih einem eigenthümlichen politishen Phänomen gegenüber. Die glänzende legis- lative Seifenblase, die so lange in all ihrer Symmetrie in der Luft umhershwebte, ist plöglich zerplazt. Die Erklä- rung ist: daß die Homerule - Bill leer, wesenlos und nicht zu verwirklichen war. Sie basirte auf erdihteten Klagen. Fn Irland ‘existiren keine religiösen Ungleichheiten, und was die Pächter anbetrifft, so werden sie dort besser als in irgend einem anderen Lande behandelt. Außerdem tagen die irischen Repräsentanten im Reichsparlament auf gleihem Fuße mit den anderen Abgeordneten. “
Bei den Municipalwahlen in England behielten die Conservativen in zahlreichen Gemeinden die Oberhand.
Frankreih.
Das russisheGeschwader ist, von französishen Kanonen- booten begleitet, gestern Mittag in den Hafen von Ajaccio eingelaufen. Auf die Begrüßungsrcde des Bürgermeisters erwiderte der Admiral Avelane, er werde in drei Monaten wieder nach Ajaccio kommen und dann einen längeren Auf- enthalt nehmen. ; /
Bei dem Einlaufen in den Golf wurden, wie „W. T. B.“ berichtet, auf dem Admiralschiff „Kaiser Nicolaus 1.“ dur h die Explosion eines Ballons mit Terpentin sechs Matrosen verwundet. Den Verlezten wurde sofort von ihren Kameraden Hilfe geleistet, doch war einer von ihnen bereits erstickt, ein anderer ist später seinen Verwundungen erlegen. Die Abfahrt des Geschwaders findet am Freitag statt.
einem dahinter liegenden -
Spanien.
Die Dns beider Kammern hatten, wie C7 n / meldet, gestern längere Unterredungen mit agasta. :
Nach der offiziellen Verlustliste sind in den Ge- fehten bei Melilla vom 27., 28., 29. und 30. Oktober 4 Offi- ziere, 18 Unteroffiziere und Soldaten gefallen und 15 Offi- ziere sowie 73 Unteroffiziere und Soldaten verwundet worden.
Nach Meldungen aus Tanger hätten die Muruga- Stämme dem Aufrufe der Riff-Kabylen, die Waffen gegen Spanien zu ergreifen, keine Folge gegeben.
Luxemburg.
Der Großherzog, der die leßten Monate auf Schloß Gou in Oberbayern zugebracht hatte, ist wie die „Koln. i i eingetroffen und hat das Schloß Walferdingen bezogen.
Bulgarien.
Jn dem Prozeß, der vor dem Appellgericht in Sofia gegen Jlia Georgiew wegen Theilnahme an der Ermordung des Ministers Beltschew verhandelt wird, beantragte laut Meldung des „W. T. B.“ der Staatsanwalt gestern eine Gefängnißstrafe von 15 Jahren. Die Verkitnbigung des Urtheils dürfte morgen erfolgen.
Amerika.
Das Repräsentantenhaus stimmte gestern, wie „W. T. B.“ aus Washington meldet, mit 191 gegen 94 Stimmen der Aufhebung der Sherman-Acte zu, wie sie vom Senat angenommen worden war. Noch gestern Nach- mittag unterzeihnete der Präsident Cleveland das Gesetz Uber die Aufhebung der Acte.
Der „Times“ wird aus New-York bezüglich des Ankau fs von Schiffen für Rechnung der brasilianischen Regie- rung gemeldet, daß sechs amerikani)he Schiffe angekauft worden seien, nämlih: „El Rio“, „Advance“, „Finance“ „Allianca“, „Seguranca“ und „Vigilanca“. Die brasilianische Regierung habe bereits 3 Millionen Dollars für die Schiffe und deren Munition bezahlt.
Afrika.
Der „Times“ wird aus Fort Charter von gestern telegraphirt, daß die Matabeles nah mchreren Gefechten vollständig geschlagen und zerstreut worden seien. Loben- gula sei flüchtig und werde durch die Streitmächte der Chartered Company verfolgt. Seine Hauptstadt Bulowayo sei von den Truppen der Compagnie beseßt worden. Die Engländer hätten keine ernstlihen Verluste erlitten. Diese Nachrichten werden durch ein Telegramm des „Neuter'shen Bureaus“ aus Capstadt von gestern bestätigt. — Den „Daily News“ wird über die Kämpfe gegen die Matabele aus Fort Victoria berichtet, daß die Colonnen Forbes und Jameson den Feind im Nordosten angegriffen hätten. In Verbindung mit den Polizeitruppen und den ein- geborenen Streitkräften seien die Truppen nah Süden vorgegangen. Die Feinde hätten verzweifelt gekämpft, wie wahre Zulus, und seien mehrere Male unter dem Kugelregen aus Gewehren und Geschüßen, der ihre Reihen -decimirt habe, vorgegangen. Das Schauspiel habe lebhaft an das Gefecht von Ulundi erinnert. Eine Attacke habe die Niederlage ver- vollständigt. Die Verluste der Matabeles beliefen sich auf 3000 Todte und Verwundete. Die „Daily News“ sagen, das Maschona-Land müsse von der Compagnie aufgegeben oder von der Krone beseßt und die Entscheidung über Krieg A R sowie die Verwaltung der Regierung übertragen werden.
Nr. 44 der „Veröffentlichungen des Kaiserlichen Gesundheitsamts“ vom 1. November hat folgenden Inhalt : Gesundheitsstand und Gang der Volkskrankheiten (Cholera ara — Sterbefälle in deutshen Städten mit 40 000 und mehr Einwohnern. -— Desgl. in größeren Städten des Auslandes. — Erkrankungen in Krankenhäusern deutsher Großstädte. — Desgl. in deutschen Stadt- und Landbezirken. — Gesundheitêstand und Sterbefälle, September. - Witterung. — Zeitweilige Maßregeln gegen Cholera 2c. — Desgl. gegen Gelbfieber. — Beweaung ver Bevölkerung in Jtalien 1891. — Gesetzgebung u. st. w. (Sachsen.) Todcêursachen- Statistik. — (Elfaß-Lothringen.) Impfwesen. — Torfmullabtritte. — Des- infection8apparate. — Kreisarzt-Honorar. — (Unter-Elsaß.) Gemeinde- Aerzte in Straßburg. — Cantonal-Arzt- Berichte. — Armenzeugnisse. — (Lothringen.) NRaphael-Quiquina. — (Oesterreich.) Viehpässe. — Vieh- transporte. — (Böhmen.) Lungenseuche. — Schweinekrankheiten. — (Schlesien.) Viehpässe und Viehtransport. — (Argentinien.) Quaran- tâne. — Gang der Thierseuhen in. Norwegen, 2. Vierteljahr. — Desgl. in Rußland, 13. Junt bis 31. August. — Lungenfeuche in den Vereinigten Staaten von Amerika, 1887 bis 1892. — Zeitweilige Maßregeln gegen Thierseuhen. (Deutsches Reich, Preußen, NReg.-Bez. Posen, Lübe, Oesterreich, Großbritannien, Schweden.) — Recht- \prechung. (Landgerichte Köln, Hamburg, Breslau, Schöffengericht Dresden, Neichsgericht.) Bandwurmkuren, unerlaubter Arzneimittel- verkauf, Gehetimnmittelankündigung. — Verhandlungen von geseß- gebenden Körperschaften, Vereinen, Congressen u. \. w. Berichtiguag. — (Großbritannien.) Verkauf der eingeführten landwirthschaftlichen und Gartenerzeugnisse. — Vermischtes. (Dreusen,) Schlesische Bädet 1892. — (Schweiz.) Trunksucht als Todesursahe. — Ge- \chenkliste. — Sterbefälle in deutschen Orten mit 15 000 und mehr Einwohnern, September. — Desgl in größeren Orten . des Aus- landes. — Beilage. Gerichtliche Entscheidungen zum Nahrungs- mittelgesez. (Tuberkulose, Nothlauf der Schweine, Milzbrand.)
Entscheidungen des Reichsgerichts.
Durch den Annahmeverzug des Gläubigers hinsichtlich einer an ihn zu zahlenden Schuld wird, nach einem Urlheil des B N VI. Civilsenats, vom 26. Juni 1893, im Gebiet des
Preußischen Allgemeinen Landrehts der Schuldner von der vertrags- mäßigen Verpflichtung zur Zinsenzahlung bis zum Zahlungstage ohne weiteres niht befreit; nur durch die Hinterlegung der Schuldsumme kann ih in einem folchen Fall der Schuldner Be- freiung von weiterer Zinsenzahlung verschaffen.
— Gegen einen Beschluß des Konsulargerichts, durch welchen die Beschwerde gegen eine die Einleitung eines Strafverfahrens ablehnende Verfügung des Konsuls verworfen wordeu, ist nah einem Beschluß des Reichsgerichts, 1. Strafsenats, vom 29, Juni 1893, die weitere Beschwerde an das Reichsgericht zulässig.
ig.“ erfährt, am 29. v. M., wieder in Luxemburg -
Statistik und Volkswirthschaft.
Zur Arbeiterbewegung.
Zum Ausstand der englishen Grubenarbeiter berihtet die Londoner „A. C.“, daß am nächsten Freitag in London die Conferenz der Vertreter der Bergarbeiter und der Grubenbesiger stattfinden wird. ; :
In Halle hatten 15 Steinarbeiter am Postneubau die Arbeit niedergelegt; wie im „Vorwärts“ mitgetheilt wird, ist dek Ausstand ju Uintten der Ausständigen beendet worden.
f Iu A Bl) dauert der Ausstand der Steinmetzen fort. (Vgl. èr. . Bl.
In Heilbronn haben nah demselben Blatt die Brauer- gehilfen eine Verkürzung der Arbeitszeit erreiht; die Bewegung teht es weiter auf eine zehnprocentige Lohnerhöhung ab. /
In London wurde am Dienstag eine Conferenz von Arbeitern begonnen, deren Zweck, wie man der Londoner „A. C.“ schreibt, die Bildung einer freien Arbeiter-Association ist. Die praktische Bedeutung der neuen Bewegung liegt, wie die „Morning Post“ aus- führt, darin, daß der Welt bewiesen wird, daß ein große Majorität der Arbeiter sich nicht länger den socialistishen Lehren der modernen Gewerkvereine unterwerfen will. Diese Majorität hat nur den einen Wunsch, sih Arbeit zu verschaffen und sie rehtshafen aus- zuführen, ohne auf die politishen und socialistischen Meinungen derer, mit denen sie gerade zusammenzuarbeiten haben, Nücksicht zu nehmen.
Kunft und Wissenschaft.
Am Montag Abend starb hier, wie die „Voss. Ztg." meldet, nah längerem Leiden Professor Dr. Hermann Seger, der sih um die Thonwaaren-Industrie hervorragend verdient gemacht hat. Er hat die verschiedensten Zweige dieses Theiles der chemischen Technologie wesentlih bereichert. “Man verdankt ihm Untersuhungen über die Zusammenseßung des“ Thons in Me Ger und chemischer Hinsicht, über das Verhalten der Thone bei der Be- arbeitung, über Färbungen der Thone beim Brennen, über den Einfluß der Niuan, und Verbrennungsgase auf die Fär- bung der Thone, über ihre Feuerfestigkeit, über Glasurfehler u. a. m. Speziell zu vermerken ist Seger's Erfindung einer neuen s gp N (Seger-Porzellan), die für das Brennen und die
lafur mancherlei Vortheile darbietet. Jysbesondere läßt ih darauf das chinesishe Kupferroth herstellen, was bisher nur in Nanking ge- lungen war.
— Aus Krakau meldet der Telegraph das gestern erfolgte Ab- leben des berühmten Historienmalers und langjährigen Directors der dortigen Akademie Jan Matejko.
47 Cine aus einunddreißig Mitgliedern bestehende Vereinigung jüngerer Berliner Künstler hat in den Näumen der Schult e- \hen Kunsthandlung eine Ausstellung veranstaltet, die am Sonntag, den 29. Oktober, eröffnet wurde. Ein festes Programm liegt der Vereinigung niht zu Grunde; gemeinsam is indeß der Mehrzahl der auégestellten Bilder und Sculpturen ein gewisses Mittelmaß soliden tehnischen Könnens, künstlerishe Wohlanständigkeit. Gering aber ist die Ausbeute für den, der neue Bahnen im künstlerishen Schaffen der jüngeren Generation mit Vorliebe aufsucht. Nur wenige kräftige Individualitäten ragen über das Durchschnittsmaß empor. Dazu is vor allen Victor Freudemann zu zählen, der aus unklaren Versuchen sich zu großer Selbständigkeit heraufgearbeitet hat. Zwar wird man vor seinem die grünen Ufer spiegelndem Teich an die Nrbeiten der \chottischen Wassermaler erinnert, sein Ausschnitt aus dem Waldinnern mit dem hellleuchtenden Buchenstamm gemahnt an die nordischen Studien eines Liljefors; aber diese Anregungen find durchaus glücklih verarbeitet, ‘und der Uebershußan eigner Kraft läßt fie nicht als Entlehnungen empfinden. Sein Eigenstes giebt Feldmann in einer ungewöhnlih tiefleuGtenden Farben- studie, die blaue und violette Blumen auf einem Verkaufstis{ ausgebreitet zeigt. Die coloristishe Kraft dieses Stilllebens {lâgt sogar den etwas absihtlich wirkenden blauschillernden Nahmen, und in dieser zur Schau gestellten Energie liegt der Vorzug wie die Schwäche des Bildes. Weniger trägt seine in s{malem Hochformat umrahmte Wiesenlandschaft den Charakter eines Erperiments. Sie darf neben dem genanuten Teichbilde als die gelungenste Schöpfung des Malers gelten. Aus den intensiven Farben weht dem Beschauer frishe Morgenluft entaegen, ein gesundes coloristisches Empfinden, das durch keinerlei Virtuosenspielereien mißleitet ist. Kraftvolle HSarbengebung und breite, sihere Pinselführung bekundet auch der „Abend auf Rügen“ von Marx Uth, dem zu voller Wirkung nur die rechte Tiefe des Raums fehlt. Die Landschaftsmalerei ist und bleibt, wic es scheint, das Lieblingsgebiet der jüngeren Berliner Künstler: die Namen W. Feldmann, O. Frenzel, F. Hoh- mann, Günther- Naumburg, P. Müller - Kämpff, Wachenhusen und Julius A genügen dem s\tändigen Besucher unserer Kunstsalons bereits zur Kennzeihnung der hier ge- botenen Leistungen, die einen vergessen machen, daß unsere künstlerische Anschauung in einer Umwälzung begriffen ist. Durch besondere Fein- beit des Colorits macht nur Julius Jacob Anspruh auf eine Sonderstellung in diesem Kreise. Willy Hamacher lehnt {sich in feinen Niviera-Studien offenbar an Hertel’s Auffassung an; feine Nordseebilder wirken freier und selbständiger.
Im Reiche nordisher Märchenpoesie fühlt |ch Herman Hendrich heimish. Die Nixen und Nymphen, die mit dem brandenden Wellenshaum spielen, in kühler Felsengrotte am Quell lauschen oder im phantastisch schillernden Laube des- Märchenwaldes ihr Goldhaar fämmen, weiß er mit verführerishem Liebreiz auszustatten; aber der Schwerpunkt seiner Bilder liegt in der Landschaft, den mächtigen mooësbewacsenen Felsblöcken am Ufer des Meeres, den jagenden Wolkenmassen, dem von geheimnißvollen Jrrlichtern durchleuchteten Wald- schatten, in dem bunte Zauberblumen sprossen. Aus der träumerischen Be- trahtung der Natur heraus entstehen seine Gestalten, die recht ConS Fels- und Waldgeister genannt werden dürfen. In all diesen Schöpfungen waltet eine liebenswürdige, lyrish gestimmte Phantasie, ein inniges Versenken in die Feinheiten des Naturlebens, das den verwandte Stoffe behandelnden Bildern von Hans Völcker uicht. in demselben Maße eigen ift. i
Von den Bildnissen der Ausstellung sei dasjenige des greisen und dennoch jugendlih frischen Schriftstellers Fontane von Hanns Rer hervorgehoben, dem man nur eine etwas weniger {chmachtende
ose und mehr Lebendigkeit des Ausdrucks wünschen mochte. In der
loristischen Behandlung {ließt es sich an das Porträt von Wilhel “ Raabe an, das bei einer anderen Gelegenheit an gleiher Stelle aus-
gestellt ‘war.
Die Banalität in den Tirolergestalten von Adolf Schlabiß hat für den guten Geshmadck etwas Verletendes, auch Ernst Haus- mann s mattherzige Empireshöne weiß den Beschauer nicht tiefer zu interessiren. Wieviel mehr Empfinden weiß der in Paris ansässige r dpa L 2s ordert BUE a Se R A u legen, der în
j ) in meist u illkürli den Bli auf sich lenkt 1 nbedeutender Umgebung unwillkürlich
_ Vildhauerwerke sind diesmal zahlreiher als sonst vertreten, so eine große Niobegrup e_des talentvollen Felderhoff, die mehr lyri- schen als tragishen Anstrih hat; bei voller Vorderansicht wirkt der Ausdruck des edlen Frauenkopfes er E im Profil s{wäht si der Eindruck durch die Res cihheit der Formen erheblich ab. Hidding's Flachrelief „Maria und Christus“ ist eine larmoyante Verherrlihung der physischen Ohnmacht, Harro Ma nussen?'s Studienkopf in der flotten Manier Houdon’s lebendig und geistreich L LAMSOTE, Auch eine Porträtbüste von A. Bous zeugt von geist- voller Beobachtungsgabe.
_ Das Gesammtbild der diesmaligen Ausstellung zeigt wenig indi- viduelle Kraft, geringe Phantasie neben anerkennenswerther Sölidität und Gewandtheit im Technischen. Die Ausstellung der Vereinigung der X1 hat bewiesen, s die Berliner Künstlerschaft auch andere eder vorwärts strebende Elemente in ihrem Schoße birgt. Hoffent- Lich kommt auch diese Richtung bald einmal wieder zum Work.
Gesundheitswesen, Thierkrankheiten und Absperrungs- Maßregeln.
Schweden.
Das Königlich \{chwedische Commerzcollegium hat die Städte Nantes, Lcrient und Brest, fowie die übrigen Theile der Departements Loire Infsórieure, Morbihan und Finistère vom 30. v. M. ab für holerafrei erklärt. (Vergl. „R.-Anz.“ Nr. 211 vom 2. September).
Cholera.
: ODesterreih- Ungarn. Vom 17. bis 24. Oktober Morgens sind in Galizien dem „Desterr. San.-Wesen" zufolge in 21 zu 6 politishen Bezirken gehörenden Gemeinden 77 Erkrankungen mit 37 Sterbefällen angezeigt worden. Von früher Erkrankten starben 16. Die Gesammtzahl der seit dem 3. August d. F. in Galizien fest- gestellten Cholera-Erkrankungen (und Sterbefälle) betrug bis dahin 1190 (704). — Jn Ungarn sind vom 14. bis 20. Oktober 231 Per- sonen an Cholera erkrankt und 121 gestorben, davon entfielen auf Budapest 20 bezw. 14. h
Italien. Nach der „Gazzetta ufficiale“ vom 28. September d. I. sind während des Monats August in Genua 3 Cholera- Sterbefälle, in Porto Maurizio 1, Udine 1, Rom 5, Caserta 1, Neapel 235, Salerno 1, Palermo 24 festgestellt worden. .„ Spanien. In der Stadt Bilbao sind, wie in deu „Veröffent- lihungen des Kaiseclihen Gesundheitsamts“ mitgetheilt wird, vom 16. bis 22. Oktober an Cholera erkrankt und gestorben 9 (D), C (O). 8 (3), 14 (6), 12 (2), 6 (7), 12 (4), zusammen 68 (33) gegen 66 (35) in der Vorwoche, sonst in der Provinz Biscaya d (3), 13 (6), 116 ia (2), 4 (1), 4 (2), 1 (—), in der ganzen Provinz somit
Niederlande. Bis zum 23. Oktober d. J. sind nah den „Veröffentlichungen des Kaiferlichen Gesundheitsamts“ inRotterdam 51 Engen und 29 Todesfälle infolge von Cholera angezeigt worden.
Arabien. Wie nachträglih berihtet wird, sind in Yamb o vom 2. Juni bis 12. Juli 171, vom 13. Juli bis 12. August 465 Cholera-Todesfälle gezählt worden.
Handel und Gewerbe.
Tägliche Wagengestellung für Kohlen und Koks an der Ruhr und in Oberschlesien. _ An der Ruhr sind am 1. d. M., katholishem Feiertage, gestellt 26995, nit rechtzeitig gestellt keine Wagen. __ In Oberschlesien sind am 31. v. M. gestellt 4167, nit reckt- zeitig gestellt keine Wagen.
j T gg Dersteigernngen.
Beim Königlichen Amtsgeriht [1 Berlin standen am 1. November die nachverzeihneten Grundstücke zur Versteigerung : Urbanstraße (Grundbuch von der Hasenhaide und den Weinbergen Bd. 32 Nr. 1111), dem Zimmerpolier St. B rack gehöria ; Fläche 19,46 a; Mindestgebot 700 4; für das Meistgebot von 272 600 wurde der Kaufmann Bernhard Auerbach, Kottbuser Damm 32, Ersteher. — Nathenowerstraße 51, der Frau Marie von Smirnoff gehörig; Fläche 7,04 a; Nuzungswerth 10560 4; Mindestgebot 143 700 4; für das Meistgebot von 161 000 4 wurde der Bäckermeister H. G. Lüddicke, Wilsnackerstraße 36, Ersteher. — Zum Zweck der Auseinanderseßung: Hirtenstraße 6 und Wei- dingerstraße, der Frau Bureauvorsteher S. A. Weber u. Ge- noffen gehörig; Nußungswerth 4360 46; für das Meistgebot von 89 000 & wurde der Regierungs-Baumeister Alfred Weber zu Berlin, Ersteher.
Magdeburg, 1. November. (W. T. B.) Zutckerbericht. Kornzucker excl, von 92% —, neue 14,20, Kornzucker excl, 8809/0 Rendement 13,25, neue 13,45, Nachproducte excl., 75 9% Rendement 11,25. Stetig, ruhig. Brotraffinade I. —. Brotraffinade II. —, Gem. Raffinade mit Faß 27,75. Gem. Melis I. mit Faß 25,50. Ruhig. Rohzucker. 1. Product Transito f. a. B. Hamburg pr. No- vember 12,975 béz., 13,00 Br., pr. Dezember 12,954 bez., 13,00 Br., pr. Januar-März 13,072 bez., 13,10 Br., per April-Mai 13,20 Gd., 13275 Br. Schwach.
Leipzig, 1, November. (W. T. B.) Kammzug-Termin- handel. La Plata Grundmuster B. per November 3,475 , per Dezember 3,475 4, per Januar 3,674 4, per Februar 3,675 M, per März 3,677 4, per April 3,677 #4, per Mai 3,675 4, per Juni 3,677 4, per Juli 3,70 46, per August 3,70 #4, per Sep- tember —. Umsay 30 000 kg.
Braunschweig, 1. November. (W. T. B.) Serienziehung der Braunschweiger 20 Thaler-Loose: 305 487 579.769 1033 1262 1409 1642 1828 1847 1987 2442 2625 3049 3184 3293 3384 3434 3479 3612 3640 4021 4141 4303 4604 4745 5129 5320 9960 59650 5825 5829 5883 5945 6010 6226 6792 7025 7028 7054 7260 7275 7303 7600 7689 7797 7823 7875 8303 8413 8446 8502 8993 9025 9315 9440 9458 9561 9598 9819 9921 9923,
Bremen, 1. November. (W. T. B.) Börsen-Shlußkericht. Naffinirtes Petroleum. (Officielle Notirung der Bremer Petroleum - Börse.) Faßzollfrei. Stetig. Loco 4,45 Br. — Baumwolle. Matt. Upland middling, loco 425 ck§, Upland Basis middling, nichts unter low middling, auf Termin-Lieferung, pr. November 42 4, pr. Dezember 42 Z, pr. Januar 4214 A; per Februar 427 §, pr. März 424 §, pr. April 422 K. — Schmalz Fest. Shafer — S Z, Wilcox — &Z, Choice Grocery 483 Armour fhield 47 4, Cudahy 487 4, Rohe & Brother (pure) 48 „, Fairbanks 414 4. — Speck.. Fest. Short clear middl. November-Abladung 46. Dezember - Abladung 44. Wolle. Umsaß: 47 Ballen. Taback. Umsaß: 1800 Paten St. Felix,°?176 Seronen Havanna, 800 Packen Brasil.
__ Wien, 2. November. (W. T. B.) Ausweis der Südbahn in der Woche vom 20. Oktober bis 26. Oktober 927 904 Fl., Mekr- einnahme 47 095 F[.
London, 1. November. (W. T. B.) An der Küste 3 Weizen- ladungen angeboten.
96 % Javazucker loco 164 ruhig, Rüben-Rohzudcker loco 13 ruhig. — Ch ile-K up fer 421/16, pr. 3 Monat 429/16.
— 2. November. (W. T. B.) Einer Mittheilung der „Times“ aus Shanghai zufolge wird die Liquidation der Bank of China, Japan and the Straits, Limited, in einem Antrage verlangt, welcher von den Inhabern von 80 000 Acti-n der Bank unterzeichnet ist. Der Antrag wird mit dem Mangel an Geschäften und dem Sinken des Wechselcurses in China begründet.
Not:n, 1. November. (W.T. B.) Der Commifssar der Stadt- behörde von Livorno veröffentlicht eine Erklärung, in welcher es heißt, daß troß der s{hwierigen Lage, in der das \tädtishe Budget sich dieses Jahr befand, und trotz der bedeutenden Ausgaben, welk die
Cholera verursachte, die Municipalität von heute ab die Zinfen für -
die Obligationen der Anleihe von 1871 mit 1250 Fr. be- zahlen würde. Die Auszahlung der 354 in der Ziehung vom 7. August 1893 ausgeloosten Obligationen würde indessen vers{oben werden, bis die Municipalität sich die nöthigen Mittel verschafft haben wird. Dies foll so schnell als 1nöglih gesehen
Amsterdam, 1. November. (W. T. B.) Java-Kaffee gocd
ordinary 52. — Bancazinn 521, W. T. B.) Die Börse er
New-York, 1. November. öffnete ruhig und {loß ruhig. Der Umsay der Actien betrug Ud. auf 155 000 Unzen
314 000 St Der Silbervorrath wir geschäßt. Silberverkäufe e nicht statt. „Weizen eröffnete träge, fiel dann heftig auf Liquidation lang- LROger Termine, kräftigte sich darauf auf Kaufordres, au weniger ünstiges Wetter und Deckungen der Baissiers. Schluß s{chwackchG. — ais s{chwächte sich nah Eröffnung etwas ab, ent recherid der
Mattigkeit in den Weizenmärkten, später erholt auf ausgede “e Erxportnachfrage. Shluß stetig. | y E j
Verdingungen im Auslande.
Egypten.
10. November. Conseil sanitaire, maritime et quaranténaire zu Alexandrien: Lieferung von Papier und verschiedenen Bureau- bedürfnifsen für 1894. Lastenheft und Muster daselbst einzusehen.
15. November, 12 Uhr. General-Zolldirection Alexandrien - Ergänzung der allgemeinen Vorräthe der Küstenwachen für 1894. Vertragsbedingungen und Muster daselbst zu erfahren. Angebote (be- gleitet von Mustern) sind auf Stempelpapier an „thes Inspector General Coast Guard Service“ ‘bezeihnet mit „tender of the supply of stores“ zu richten.
„_ 30. November. Gouvernorat Alexandrien: Lieferung des nächstjährigen Bedarfs dieser Behörde, des Schlosses Ras-el-tine, des Stempelamts für Gold- und Silberwaaren u. \. w. an Besen, Pe- troleum, Kohle, Silber u. \. w. Lastenheft daselbst einzusehen.
Verkehrs-Anstalten.
Bremen, 1. November. (W. T. B.) Norddeutscher Lloyb. Der Schnelldampfer „Ems“ is am 30. Oktober Abends auf der Weser angekommen. Der Schnelldampfer. „Saale“ ift anm 30. Dftober Vormittags in New-York angekommen. Der Schnelldampfer „Kaiser Wihelm Il.“ hat am 30. Oktober Abends die Reise von Gibraltar nah Genua fortgeseßt. Der Schnell- dampfer „Havel“ hat am 31. Oktober Morgens Scilly passirt. Der Reichs-Postdampfer „Gera“ hat am 31. Oktober Nachmittags die Reise von Southampton nah Antwerpen fortgeseßt.
— 2. November. (W. T. B.) Der Sgtnelldampfer ¡Dad et bon New-York kommend, hat am 31. Oktober 92 Uhr Abends die Reise von Southampton nach Bremen fortgeseßt und hat am 1. No- vember 4 Uhr Morgens Dover pasfirt; derselbe überbringt 339 Passagiere und volle Ladung. Der Schnelldampfer „Aller" is am 31. Oktober 12 Uhr Mittags von New-York via Southampton nah der Weser abgegangen. Der Bostdampfer München“ hd am 31. Oktober 6 Uhr Abends die Reise von Neapel nah Genua fortgeseßt. Der Schnelldampfer „Lahn“ hat am 1. November 2 Uhr Nachmittags die Reise von Southampton
nah New-York fortgesett.
Hamburg, 1. November. (W. T. B.) Hamburg-Ameri- kanische acktetfahrt - Actien - Gesellshaft. Der Poß- dampfer „NRussia“ ist heute früh auf der Elbe eingetroffen. Der Postdampfer „Suevia“* hat heute Morgen Lizard passirt.
London, L November. (W. T. B.) Der S L EE «Pembroke Castle“ ist heute auf der Heimreise in London angekommen. Der Union-Dampfer „Scot“ is heute auf der Ausreise von Madeira abgegangen. Der Union - Dampfer „Anglican“ ist beute auf der Ausreise in Capetown angekommen.
London, 1. November. Der „Times* wird aus Sansibar aaa daß das Kabel zwishen den Seychellen und der Insel Mauritius gestern gelegt ist.
Theater und Musik.
7 Theater Unter den Linden.
_ Gestern Abend ging die neue Operette „Münchener Kind'l*“ mit der Musik von Carl Weinb erger zum ersten Mal in Scene. Die Librettisten, die Herren Alex. Landesberg und Leo Stein, haben den dramatischen Stoff nach einer französischen Idee bearbeitet ; wie weit die Urheber des Grundgedankens und wie weit die Bearbeiter an der etwas verworrenen Breite des Texrtbuches {huld find, ift {wer zu bestimmen. Die Jagd nah einer Erbschaft, die shon Weinberger?s Operette „Lachende Grben“ zu Grunde liegt, bildet auch bei der Novität den Kern der Handlung. Wie ein geiziger alter Landmann, um 500 000 (A zu erben, laut Testamentsclausek vorher in drei M 100 000 Æ verschwenden muß, wie er es mit Hilfe einer lu tigen Münchener Künstlershaar in Festesfreuden beinahe ermögliht, wie ihn der Eigennuß noch in der leßten Minute um den gehofften Reihthum bringt, der nun der lieblichen Nichte und ihrem Geliebten, einem flotten Maler, zufällt, das wird in den üblichen drei Acten weitshweifig auseinanderzgeseßt.
Die Musik, die Weinberger nah Maßgabe des Tertes sehr rei ih entwiceln läßt, hat sih als beste Stütze des Erfolgs bewiesen. Der Componist hat sich nit mit der gewöhnlihen leiten Arbeit begnügt, sondern ‘tiefere und ernstere Stimmungsmomente mit Vor- liebe aufgegriffen und sehr gefällig musikalisch ausgestattet, ohne den Zusammenhang mit den lustigeren Partien zu verlieren. Man wird ¿war in der Musik zum „Münchener Kind’l* manche Anklänge an früher Gehörtes finden, aber fie legt au Zeugniß ab von bedeutender Erfindungsgabe und dem Gestaltungsgeschick des Tondichters. Einige mehrstimmige Säße erfreuen durch einen ges wissen ursprünglihen Humor, der in der Harmonie und im Nhythmus hervortritt. Die ernster gehaltenen Einzelgefänge übten fast ausnahms« los „eine erfreulihe Wirkung, und die Couplets waren sämmtlich ges{ickt instrumentirt.
, Troß dieser Vorzüge der Musik erregte fast mehr Interesse als die Handlung selbst das reiche, überaus glänzend ausgestattete Beiwerk. Proben zu einem Künstlerfest, lebende Bilder, ein buntes Gewimmel ebenfo üppig - wie verführerisch costümirter Gäste nehmen \{on im ersten Act fast den gesammten scenishen Apparat und die ganze Auf« merksamkeit der Zuschauer in Anspru. Der zweite Act spielt in ‘einer prachtstroßenden Villa mit \{ôner Gartenfernsiht; hier erscheint das ländliche Nichthen des geizigen Herrn Sper- ling, die Grete, bald in der Kleidung einer italieni hen
Primaballerina, bald als altes Mütterchen; zur weiteren Aus- üllung dient eine Parodie auf Mar Halbe's „Jugend“, und mehrere hübsche Coupletstrophen mit komischen Pointen schließen sich an. Diese ehren au im leßten Act wieder, der außerdem einen prunkvollen Künstlerzug bringt; es follen dabei Idealisten, Veristen, Jllusionisten u. \. w. allegorisch dargestellt werden, aber die einzelnen Gruppen fahen fich alle ungemein ähnlich; die Phantasie- wagen und Sänften und die darin {webenden und sitzenden Göttinnew stroßten von Gold, die Kostüme En in Farbenpracht; duftige
leiter und Blumengewinde erhöhten den bunten Reiz. Es konnte dem Beschauer zuweilen der Gedanke kommen, daß der Tert mehr der Entfaltun einer glänzenden Ausstattung dienen follte uno weniger um einer selbständigen dramatischen Wirkung und der musikalischen Umschreibung willen verfaßt worden wäre. Da jedo jeder Geschmac5- richtung etwas geboten wurde, \o gefiel das Stück troß seiner Shwähen.
Unter den Dar tellern ragten besonders Frau von Palmay als Grete und rer Steinberger als Wendelin Sperling bervor. Frau von Palmay hatte eine Art Verwandlungsrolle inne; sie trat als vershämtes Bauernmädchen, als Ballerina, als alte Dame, als elegante Kokette auf ; in allen Rollen blieb die Künstlerin anmuthig und liebenswürdig, sowoh! beim Vortrage des lockenden Liebestraumes wie beim beraushenden Champagnerlied. Herr Steinberger, ein ländlicher Geizhals, der si für die Verfchwendungszeit in einen eten Gigerl verwandelt, bewährte sich wieder als vor Ï und ausgezeichneter „Coupletfänger; daß er gestern âcherlichen Uebertreibung, die in der Rolle steckt, nicht die dp liche Empfindung und Würde erga, ist ihm besonders hoh anzu- renen. In der parodistischen Einlage „Die Jugend“ markirteermit vielem Glü - die Nollen des polnischen Kaplans und & nêchens. Herr E. Meyer fang den jungen Liebhaber, den Maler Walthe tan enver Stimme, aber er blieb etwas steif im D Als
cchauspieler that ih Herr Carl Schulz in der Roll gh t noch die Damen
factotums Lampe hervor. Außerdem wären
und Grimm-Einödshöfer zu erwähnen, von dener eine leihtfertige junge Frau, die zweite eine alte bäuer| shafterin recht tühtig spielten. Der Componist und di s, fen nat den Actshlüfsen wiederßolt mit den