Deutscher Reichs-Anzeiger
und
Königlich Preußischer Staats-Anzeiger.
Der Sezugspreis beträgt vierteljährlih 4 ( 50 4.
h Alle Post-Anstalten nehmen Bestellung au ;
für Berlin außer den Post-Anstalten auch die Expedition
/ 8W., Wilhelmstraße Nr. 32.
l
L
Einzelne Nummern kosten 25 4,
K
e leid f h 5
| |
l j
3 6.
. Marz, Abends.
Insertionspreis für den Raum einer Druzeile 30 4. Inserate nimmt an: die Königliche Expedition
i — —
R
des Deutschen Reichs-Anzeigers und Königlich Preußischen Staats-Anzeigers Verlin §W., Wilhelmstraße Nr. 32. ——_ ————————— — - — „e
1896,
B I
Seine Majestät der König haben Allergnädigst geruht :
dem ordentlichen Professor in der rechts- und ftaats- wissenshaftlihen Fakultät der Universität Straßburg Dr. Laband den Rothen Adler : Orden zweiter Klasse mit Eichenlaub, i
dem Legations-Sekretär bei der Kaiserlihen Gesandtschaft in Athen von Pilgrim-Baltazzi, bisher in Stockholm, und dem Bürgermeister Schaeffer zu ubig im Kreise Molsheim den Rothen Adler-Orden vierter Klasse,
dem Staatssekretär in Elsaß - Lothringen, Wirklichen Ge- heimen Rath von Puttkamer zu Straßburg i. E. den Königlichen Kronen-Orden erster Klasse, i
dem Königlich sächsishen Kommerzien-Rath und Hof- Pianofortefabrikanten Julius Blüthner zu Leipzig den Königlichen Kronen-Orden vierter Klasse,
dem Förster Otto Wendt zu Lucy im Kreise Château- Salins, dem Grenzaufseher Gustav Voß zu Pfetterhausen im Kreise Altkirh, dem Kirchenshweizer an der St. Magda- lenenkirhe zu Straßburg i. E. Philibert Carraut und dem Steuer-Aufseher a. D. Bernhard Fischer zu Mül- hausen i. E. das Allgemeine Ehrenzeichen zu verleihen.
Deutsches Reich.
Seine Majestät der Kaiser haben im Namen des Reichs den bisher mit der Gerenz des Konsulats in Kowno betrauten Vize-Konsul Wunderlich zum Konsul daselbst zu ernennen geruht.
Dem Kaiserlichen General-Konsul Pritsch in Mailand ist auf Grund des § 1 des Geseßes vom 4. Mai 1870 für seinen Amtsbezirk die Ermächtigung ertheilt worden, bürgerlich gültige Eheschließungen zwischen Reichsangehörigen vorzunehmen und diese Heirathen zu beurkunden.
n remen wird am 23. März: d: J, Seesteuermanns-Prüfung begonnen werden.
mit einer
Königreich Preußen.
Auf Zhren Bericht vom 8. Februar d. J. will Zh dem Kreise Kreuznach im Regierungsbezirk Koblenz, welcher den Bau einer Kleinbahn von Kreuznach * nah interburg mit Abzweigung nah Wallhausen beschlossen hat, das Ent- eignungsreht zur Entziehung und dauernden Beschränkung des für diese Anlage in Anspruh zu nehmenden Grundeigen- thums verleihen. Die eingereichte Karte folgt anbei zurü.
Berlin, den 20. Februar 1896.
Wilhelm R.
Thielen. An den Minifter der öffentlichen Arbeiten.
Cv
__ Auf Zhren Bericht vom 8. Februar d. J. will Jch der Aktiengesellschaft „Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein“ zu Osnabrück, welche den Bau einer Kleinbahn im Regierungsbezirk Minden von der sogenannten Wallücke im Wiehengebirge nah der Eisenbahnstation Kirch- lengern mit einer Abzweigung nah der Werrebrücke bei Löhne beschlossen hat, das Enteignungsreht zur Entziehung und dauernden Beschränkung des für diese Anlage in Anspruch zu nehmenden Grundeigenthums verleihen. Die eingereichte Karte folgt anbei zurück. Berlin, den 20. Februar 1896. Wilhelm R.
Thielen. An den Minister der öffentlihen Arbeiten.
Ministerium für Handel und Gewerbe.
Der Lehrer Bruno Kirsch ist zum Lehrer an den König- lihen Maschinenbaushulen in Dortmund ernannt worden.
Ministerium der geistlihen, Unterrihts- und Medizinal-Angelegenheiten.
„Dem Dr. phi!, Felix Liebermann zu Berlin ist das Prädikat „Professor“ beigelegt worden.
Königliche Akademie der Wissenschaften. Die Königlihe Akademie der Wissenschaften hat den
Professor der mathematischen Physik Henri Poincaré zu Paris, Mitglied des Jnstituts, und den Direktor der Deutschen
Seewarte zu Hamburg, Wirklichen Geheimen Admiralitäts- Rath, Professor Dr. Georg Neumayer zu korrespondierenden Mitgliedern der physikalish-mathematishen Klasse gewählt.
Ministerium des Jnnern.
DVDotanntmachunag.
Auf Grund des § 4 Abs. 1 und 2 der Kreisordnung für die Provinz Westfalen vom 31. Juli 1886 erkläre ih hier- durch die Stadt Gelsenkirhen aus dem Verbande des Landkreises Gelsenkirhen im Regierungsbezirk Arnsberg in der Art für ausgeschieden, daß dieselbe vom 1. April d. J. ab einen Stadtkreis bildet.
Berlin, den 2. März 1896.
Der Minister des Jnnern. Freiherr von der Recke.
Detanntmachung.
Die Studierenden des Baufachs, welche die Vor- prüfung oder die erste Hauptprüfung in der dies- jährigen Frühjahrsperiode hier abzulegen beabsichtigen, werden e esa aufgefordert, bis zum 28. d. M. schriftlih, unter
eifügung der vorgeschricbenen Nachweise, bei der unterzeih- neten Behörde sih zu melden, die Studienzeihnungen aber im D Oureou der Königlichen Eisenbahn-Direktion hierselbs® abzugeben. egen der Zulassung zur Prüfung wird denselben dem- nächst das Weitere eröffnet werden.
Meldungen, welche nah dem angegebenen Schlußtermine eingeten, müssen unberü{sichtigt bleiben.
Hannover, den 1. März 1896.
Königliches tehnishes Prüfungsamt. von Rutkowski.
Nickamkliches. Deutsches Neid.
Preufzen. Berlin, 4. März.
Seine Majestät der Kaiser und König nahmen heute Vormittag den Vortrag des Chefs des Zivilkabinets, Wirklichen Geheimen Raths Dr. von Lucanus entgegen.
Seit dem Jukrafttreten des Reichsimpfgeseßes vom 8. April 1874 sind die Schrecken der Pocken dem größeren Theile unseres Volkes unbekannt; selbst viele Aerzte wissen von der Krankheit nicht aus eigener Anschauung, sondern nur aus Berichten Anderer. Es erklärt sih hierdurch, daß das Verständniß für den Werth der Jmpfung weniger verbreitet ist als früher, und daß der von einer gewandten Agitation genährte Zweifel an dem Nußen und der Nothwendigkeit des Geseßes Raum gewinnt. Angesichts der ernsten Folgen, welhe bei Verzicht auf dieses Schußmittel für das Volkswohl eintreten würden, hat si das Kaiserliche Gesundheitsamt entschlossen, die Bedeutung und die Erfolge der Schugimpfung in einer für alle Kreise verständlihen Denkschrift darzulegen.
Die Veröffentlichung ist unter dem lel: „Blattern und Schußpockenimpfung. Denkschrift zur Be- urtheilung des Nugens des Jmpfgeseßes vom 8. April 1874 und zur Würdigung der dagegen
erihteten Angriffe“ soeben im Verlage von Zulius Springer zu Berlin (Ladenpreis 80 Z) erschienen. Sie zeigt an der Hand geschichtliher und statistisher Thatsachen, auf welchen Grundlagen das Jmpfgesez entstanden ist, erörtert den Jnhalt und die Ausführungsvorschriften des Geseßes, weist die Einwände gegen dasselbe im cinzelnen zurück und berichtet über seine Erfolge. Ein Anhang enthält den Wort- laut der von Reichswegen über das Jmpfwesen erlassenen Vorschriften und 7 Tafeln nebst Erläuterungen, in denen die Wirkung des Geseßes veranschaulicht ist. Eine im Text ein- gefügte, nah ciner Photographie hergestellte Abbildung cines pokenkranken Kindes führt dem Leser die Furchtbarkeit der Krankheit vor Augen. E
Der Druckschrift ist unter anderem zu entnehmen, daß die Zahl der Todesfälle an Pocken im Deutschen Reich in der Zeit von 1886 bis 1894 jährlih nur durchschnittlich 126 betrug. Hiervon kamen rund 4/; auf die der Ein- shleppung am meisten ausgeseßten Grenzgegenden. Von 1 Million Einwohner erlagen bei uns in der Zeit von 1889 bis 1893 jährlich 23, dagegen in den französishen Städten 147,6*), in Belgien 252,9, in Oesterrreih 313,3, in Rußland (in der Zeit von 1891 bis 1893) 836,4.
in den genannten, nicht durch ein gleiches Geseg geshüßten Städten oder Ländern, fo hätten wir niht 126, sondern 7321, 12584 15558 oder gar 41 584 Menschen jährlih an Pocken verloren.
Was will angesichts dieser glänzenden Erfolge des Jmpf- geseßes der Hinweis auf die Jmpfschädigungen bedeuten, welcher jeßt das im Vordergrund stehende Agitationsmittel der Zmpfgegner bildet ! Bei den weitaus meisten Mittheilungen, die über solche Vorkommnisse von den Gegnern des Gesetzes verbreitet wurden, hat sich an der Hand eingehender amtlicher Feststellungen ergeben, daß irrthümlih gedeutete Vorfälle, nicht selten aber auch übertriebene oder gar erfundene Angaben zu Grunde lagen. Gewiß kommen Todesfälle nah der Jmpfung vor, aber deshalb sind sie nicht Folgen der Impfung; ist doch die Sterblichkeit der Kinder in den ersten Lebensjahren an sich schon bei uns, wie in allen anderen Ländern mit oder ohne Jmpfpflicht, eine so große, daß à.: O: im Deutschen Reih im Jahre 1893 auf 1865 709 lebend- geborene Kinder etwa 413925 Sterbefälle von Kindern des ersten Lebensjahres, d. h. täglih 1134 solher Todesfälle vorkamen. Diese Sterblichkeit ist sogar im Sommer aus bekannten Gründen eine erhöhte und steht während der Zmpfperiode niht still. Nur in vereinzelten Ausnahme- fällen gehen von den fkleinen Jmpfwunden, wie dies bei jeder Art von oberflählihen Verlegungen vor- kommt, Wundkrankheiten aus. An den Folgen solher Un- glücksfälle, die übrigens oft nahweislich durh Mängel in der Pflege des Jmpflings seitens der Angehörigen verschuldet waren, sind jedoh in den 9 Jahren von 1885 bis 1893 unter rund 22 Millionen geimpfter Kinder nur 88, also unter einer ganzen Million nur 4 gestorben. Selbst wenn diese Zahl von Todesfällen alljährlih hätte verzeichnet werden müssen, würde ein solcher Nachtheil der Impfungen ein geringes Uebel sein gegenüber dem Gewinn von vielen Tausenden von Menschenleben und der Verhütung von vielen Zehntausenden mit unsäglihen Qualen verbundener Krankheitsfälle. „Die Jmpfshädigungen“, so heißt es in der Denkschrift, „müssen uns eine Mahnung sein, in der Sorg- falt bei der Lymphegewinnung und bei der Ausführung der JZmpfungen niht nachzulassen, Labern eher noch vollkommener u werden als bisher; zu unheilvollen Folgen aber würde es Ühren, wenn wir ihretwegen auf die Jmpfpflicht verzichten wollten, in der wir eine der segensvollsten und erfolgreihsten Maßnahmen auf dem Gebiete der Gesundheitspflege besißen.“
Ver General der Infanterie von Keßler, General- Znspekteur des Militär-Erziehungs- und Bildunaswesens, ift hierher zurückgekehrt.
Laut telegraphishen Meldungen an das Ober - Kom- mando der Marine ist S. M. S. „Moltke“, Kommandant Kapitän zur See Schneider, am 2. März in Gibraltar an- gekommen; S. M.S. „Jltis “/ Kommandant Kapitän-Lieute- nant Jngenohl, is gestern in Macao angekommen und beabsichtigt, am 9. März nah Hoihow in See zu gehen ; S. M. S. „Stein“, Kommandant Kapitän zur See RNoetger, ist gestern in Vigo eingetroffen und seßt am 11. März von dort die Heimreise fort.
Danzig, 3. März. Der XIX. Westpreußische Pro- vinzial-Landtag is heute von dem Ober - Präsidenten, Staats-Minister Dr. von Goßler mit folgender Rede er- öffnet worden:
Hochgeehrte Herren! |
Als Königlicher Kommissarius habe ich erneut die Ehre und die Freude, die Herren Vertreter der Provinz Westpreußen hier will- kommen zu beißen.
Mit aufrihtigem Danke gegen Gott haben wir zu bekennen, daß die Seuche, welhe drei Jahre lang Westpreußen gefährdet hatte, in dem abgelaufenen Jahr uns verschont hat, und daß auch durch sonstige Unglücksfälle die Schwierigkeiten, welhe auf allen Gebieten der er- werbenden Thätigkeit lasten, niht vermehrt sind.
Die Erwartungen, welche sich an die Eröffnung der neuen Weichselmündung hinsihtlich der Abführung des Eises und des Hoch- wassers knüpfen, haben sih, soweit die im Laufe der beiden leßten Monate gemachten Erfahrungen ein Urtheil gestatten, verwirklicht. Auch gewinnt nah der kürzlih im Landtage seitens der Königlichen Staatsregierung abgegebenen Ecklärung die Hoffnung an Bestand, daß die von den Betheiligten ersehnte, von dem Wasseraus\husse be- fürwortete Yegulierung des Hochwasserprofils der Weichsel über Dirschau aufwärts bis zur Abzweigung der Nogat in -naher Zukunft zur Ausführung gelangt. :
Nachdem die von Ihnen beschlossenen Satzungen für die Land- wirthshaftskammer der Provinz Westpreußen unter dem 3. August v. J. die Allerhöchste Genehmigung gefunden haben, hat sich die Land- wirthschaftskammer vor wenigen Tagen konstituiert und ihre Arbeiten aufgenommen. Die Einmüthigkeit, mit welcher der Uebergang der gesammten Organisation des Zentralvereins westpreutischer
Wäre bei uns die Blatternsterblichkeit so groß, wie
*) Nachrichten aus dem platten Lande liegen nit vor.