1871 / 21 p. 15 (Deutscher Reichsanzeiger, Sat, 27 May 1871 18:00:01 GMT) scan diff

lichen Reichstagsbcrichten benußte, die später, hierdurch auf- Häusser in seiner vDeutschen (He- schichte- verwerthete. Wie Aegidi ermittelt hat, sind es Berichte der braunschweig-wolfenbüttelschen Cornitial-Gesand“kschaft; sie nennen sich selbst und so nennt fie Aegidi: pComitial-Korrespon- denza, wäskrend Häuser sie als vReichstags-Korrespondenza be- zeichnet,“ e' gehen bis ans Ende des Reichs und Reichstags,“ eine andere handschriftliche Quelle der Göttinger Bibliotheké

“merksam geworden, Ludwig

die Regensburger „Relationene, reicht sogar MMU da Jahr 1807 hinein, ist aber ungleich dürftiger.

Die Austernbänke an der Westküste SchleswigsZ-N')

Jm Verglxich mit der Ostsee ist die Nordsee ausgezeichnet durch größeren Salzgehalt, durch eine wärmere Wintertemperatur und durch den Wechsel von Fluth und Ebbe, der sie zu einem strömenden, Wellenbewe ten und rauschenden Meere macht. er zwischen die “Küsten des Festlandes und die Inseln eindringt, gleicht einem viclarmigen Strome, der seineUfer an jedem Tage überschwemmt und-die angrenzen- den Niederungen, die Wattcn, bis auf Meilenwciten unter

Der Theil der Nordsee,

Wasser seßt. Mit dem Eintritt der Ebbe verläßt das überge-

laufene Wasser die Watten wieder in zahlreichen kleinen Rinnen,

die aus verschiedenen Richtungen her zusammenkommen und

sich zu immer größeren Strömen vereinigen, in denen es mit derselben reißenden Geschwindigkeit, mit welcher der Rhein bei

Bonn vorüberfließt, dem offenen Meere zueilt.

Die Fluth- und Ebbeströmungen sind bewegende Kräfte von ungeheurer Wirkung. Sie erweitexn und vertiefen oder versanden ihre Rinnthälcr in geringerem oder größercmGrade. Besonders sind es die Ebbeftrömungen vor den Mündungen der Elbe und Eider, Weser und EML, die fortwährend Ver- änderungen am Boden der Stromrinnen hervorbringen und dadurch die Ansiedelung und das Aufkommen vieler Pflcmzkn und Thiere Vcrhindern, die sonst alle anderen Lebensbchngungen dort finden würden. _

Leider gehört auch die Auster zu denxenigen Thieren, die auf den wandelbaren Gründen, mit denen der deutsche Nordsee- saum so reich gesegnet ist, nicht leben können, Alles Suchen nach Austern und festem Boden zur Anlegung von Austern- bänken an der ganzen holsteinischen Westküste und vor der Mündung der Elbe, Weser und Jahde und in einem großen Theile des hannoverischen Wattemneeres hatzzu negativen Resul- taten geführt. Der einzige für Bildung natürlicher Austern- bc'inke günstige Theil der norddeutschen Wattenmeere beschränkt sich auf die größeren Stromrinncn in der Nähe der schleßwigschcn Inseln, und auf einige unbedeutende Punkte der hannoverischcn Küstengegend. _ __

Die schleswigschcn Austernkanke bestehen aus Ansamm- lungen vieler dicht nebeneinander wohnender Austern auf den seitlichen Abhängen der Rinntbäler, in welchen die Hauptströme des Flutb- und Ebbewassers laufen. Der Grund besteht in der Regel aus festem Sand, kleinen Steinen und Schalen von Austern und andern Muscheln. Ueber der Mehrzahl der Bänke steht bei Ebbe noch 5-6 Fuß Wasser. Tiefer als 20-30 Fuß kommen im Wattenmeere keine Austernbänke vor. Die meisten Liegen bei den Inseln Sylt, Amrum und Föhr. Es sind im Ganzen 47. Die größten dehnen fich über '/4 Meile in der Richtung ihres Stromthales aus und haben bis 1/8 Meile Breite. Das Wattenmeer ist von schwebenden Sand- und Schlick- theilchen so sehr getrübt, daß es nicht möglich ist, die Austern- bänke in größerer Außdehnung durch das Waser hindurch wahrzunehmen. Nur bei anhaltenden Osjwindcn, welche das Wasser von unserer Nordseeküste adwehen, werden die oberen Ränder mancher flach liegenden Bänke so seicht, daß man sie zu Fuß erreichen, die Austern liegen sehen und mit der Hand aufnehmen kann. An solchen SteUcn liegen sie aber selten so dicht zusammen , wie in der Mitte der Bänke. Denn auf seichten SteUen richtet der starke Frost, der anhaltende Osi- winde im Winter zu begleiten pflegt, die im flachen Wasscr herangewachsencn Austern zu Grunde. Ein Ansammeln. von Austern vieler Generationen, was an tieferen Steer gerade

zur Bildung von Bänken führt, wird also hier durch dée Kälte und den Eißgang verhindert. Unsere Kenntnisse von der Be- schaffenhcit dcr Austernbänke beruhen daher fast ausschließlich auf dem Gebrauch des Schleppneéxs.

Das Schleppneß der Austern “scher besicht aus einem vier- cckigenRahmen mit einem dreieckigen Bügel, an dem das Zug- tau befestigt wird, und aus einem Neßbeutel, desTcn untere

„Hälfte aus eisernen Ringen zusammengefügt isi, wei Neßgarn be1m Schleppen über die rauhen Schalen hin bald zerreißen

') Aus dem Aufsaß: »Das Thierleben am Boden der d(ZUWW Qst- und_Ror_k_cksäeeZ,_ _ c?_on ]?sls'. x_kchlstZNoebius. Heft 122 der , am ung gemenver n 1 erw en a i r rtr . ' 1871. C. G. Lüderißsche Verlagsbuchhandlunxxl.)e Vo äge- Berlm

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Nxßen zugleich. An den Erschütterungen dcs angespannten wurde. _Es wiegt 50-760 Pfund. In der Regel fischen die Austernftscher tmt zwet, bei rascher Brise mit drei bis vier Taues kann man oben im Fahrzeug mit der Hand fühlen, ob das ausgeworfeneNexz Über Austern geht. Nach4 bis 5 Minuten langem Schleppen wird es aufgezogen und auf Deck ausgeschüttet,

Auf guten Bänken machen erwachsene Austern die Haupt. masse des Fanges aus, doch kommen mit ihnen stets auch leere Schalen von Austern und andern Muscheln, lebendige Mies. muscheln, Schnecken, Krebse, Würmer, M00§thiere, Seesterne,

Bänkyn liefert ein Zug 100 bis 200 verkäufliche Außern, welche dle Jtscher alle einzeln aus dem Haufen auslesen und mit

cirx_e_1_n Messer von aufsißendcn Thieren und. Pflanzen reinigen nm en.

Wie sich die Austerwsclbst als junge Thiere gern auf S_chalen todter oder_leb_cndtger Außern niederlassen, so siedeln "fich auf _Und sogar _111 _1hren Schalcn verschiedene andere Thiere an. Bei einer Bes1cht1gung der Austernbc'inke im März 1870 zwei herausgenommen und die Bcwdhncr der Schale gezählt. myschcln und 9 Würmer (Sandroljen), zusammen 104 Thiere, Die andere trug 180 Sccpockcn und 141 kleine Miesnmfchrln, zusammen 321 Thiere.

im schleswigschen Wattenmcerc ist nicht zu macbcn. Doch darf

zurückftehen müssen.

dnzircn würden,“ wkniastens dürften

werden.

Alten hängen.

txachtet, als sehr kleine bläuliche Körnchen. Aus “der vorge-

schnitt ciner jeder dieser 5 Austern

Austern viel wcmger Eier nicht in allen Austcr11“Eicr oder Embrymnn findet.

500,000, und jede von diesen erzeugte mtr 100,000

mak soviel, als alte vorhanden sind.

nachdem sie ihre Mutter vcrlaffen haben, annehmen. cin Schwinnnorgan, ein aus ihrer Schale heraustretcndes sich, wie durch eine Menge Ruder, fortbewegt. Dieses Schwixnm-

den Boden gebunden. Die eine Klappe ihrer Schal? verlöthet stch während des Wachsens mit dem Körper, auf dem sie liegt. , Wo sie sich mederließ, da muß sie bleiben, denn es wäch| ck,? kein jnuskulöscr Fuß zur Fortbewegung des Körpers, wxc andern Muscheln. Wenn Strömungen und Wellen fie mlt

lagert,“ wenn _ Stande, fich in das freie Wasser emporzuarbeiten und weiter

zu wandern, sondern _sie muß an Ort und Stelle zu Grunde gehen, falls sie nicht durch besondere äußereUmstände gerettet wird-

Seeigel, Polypen, Schwämme und Algen herauf. Auf reichen ' ment des Aufjcrnfußcs, der,

7 Whitstabler Austernzücbtcr abstehen. Eher würde der wandelbare

* werden, ebe Ls gelmgm möchte, die Form des zarten Weich- wurden von cinemBeobachter aus einem auf Deck geworfenen - * „Haufen Austern, die aUc mit fremden Thieren beseyt waren, 5“ , . ., , _; werden dem gegenüber, was das NTM? fur und wider

Danach saßen auf der einen 54 Sccpockcn, 41 kleine Mies- . . .. Wo der Boden fest 1ft gnd die Natur schon Austcxndanke angelegt hat, da werden ww durch Entfernung von Schuck, von E A _ . Pflanzen und schädlichen Thieren und durch Außstrcuen von ine enaue v chä'un dcr “0, [aller erwa enen Au te g S g O h chf s W darbieten, die Ausdehnung und den Reichthum der Bänke bc- man anpchmen, daß ungefähr 5 Millionen daselbst liegen, Wenn nur nun jeder Auster im Durch§ch11itt nur 20 Schalen- bewohner _zumeffen, was nach angestcllten Zählungen keine Uebertreibunq ist, so kommen wir auf 100 Mtllionen Austern- bkwohner. Da außer diesen aber noch ungeheure Mengen von Thieren neben den Austern auf den Bänken wohnen, so sieht man hier einen kamn faßbaren Reichthum an lebendigen Wesen entwickelt, gegen den die Schaaren der Vögel und selbst die Heere der Insektcn inWäldern, Gärtcn und Féldern dcch noch

_ Diese starchitbewerbUng um Wohnraum und Nahrung, die man „auf den Austernbänkcn findet, muß natürlich die Ver- mehrung und Aquildung dcr Austern selbst beeinträchtigen. Es ist anzunehmen, daß ohne so viele Nahmmgékvnkurrentcn die Austernbänke in gleichen Zeiten mehr fischbarc Austern Pro- _ zur Steigerung der ProduktivitätEier und Austern-anryonenÜberreichlich erzeugt

Die Laichzeit dcr Austern fäljt in die Sommernwnatc. _, Die Eier werden nicht ins Wasser gelegt, sondern bleiben in *; dcm Barke, d, 5. zwischen den Kicmcn- und Mantelplattcn der Hier c11tw1ckeln Re sich zu kleinen Thieren mit scheibcnförmigcn Schalen und erscheinen, mit bloßem Auge be-

110xmnencn Zählung eiues abgewogencn Theils der ganzen Masse der Jungen von 5 Austern er ab fick), daß im Durch- Z.;: _ ,012,000-Junge zuficlen. Damit ]cdoch aus dieser großen Zahl nicht zu viel gc- (: folgert werde“, ist hinzuzufügen, das; junge, drei- bis vierjährige ' hervorbriuch und daß man auch

Nimmt man an, es [aichtcn von den 5MiUi011e11AUstcrn

des schleSwigschen Wattenmccrcs nur 10 Prozent,IalsO m_r ungé, o würden 50,000 Millionen junge Austern entstehen, also 10,000 Nach dieser Berechnung, die sicherltch weit unter der Wirklichkeit gchaltcxx ist, kann cs nicht an denMutteraustern, nicht an unzureichender Eierfrucbt- barkeit derselben liegen, daß unser ganzes Wattenmeer nicht' mit Austcrtxgepflgftcrt ift, sondcrn an dem Wattemncere selbst und an gewxnen Eigenschaften, welche die jungen Austern,

WM" die ÜUUSL Auster ihre Brutstätte verläßt, befißt sie Polficr Mit langen schwingenden Wimpern, durch welche sie -'

organ verliert sie bei writercr Fortentwicklung. Nun ist sie an _"

Sand bedecken, wenn das ruhende Wasser Schlick Über ße Ö Pflanzen sie überwuchcm, ..?o ist ße nicht im ,

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Dies muß Dcnjenigen unbekannt gewesen sein , welcbe glaubten, man könne die Austern _an unsem) Küsten ebenso massenhaft groß ziehen, wie sic (Rex produz1r„en._ DW neue französische Methode, durch welche_d1es Ztel ermcht werdxn sollte, ßüßte sich freilich auch o_uf dtese Meinung. Daß fi_e cm erthum war, haben die negativen Resultate derselben bewxesen.

Das Problem, in allen Stromrinncn u11seres_Watte_n- meeres Aufternbänke anzulegen und die Austern zu emem bil- ligen Nahrungsmittel zu macbm, wxe gsfyrderd worden ist, wäre also entweder durch Festlegen des vxranderlwherx Meeres- grundes zu löscn oder dadurch, daß man das sehr k_leme§_Kud1-

so wie er ist, nicht die gexmgfte Ortsvewcgung ausführcn kann, durch Zuchtwahl so wett “yer- größerte, daß fich die Auster vor Verschüttungen ebenso leicht 1chüyen könnte, wie die Herz- und Sandmuscheln.

Von einem solchen Unternehmen würde wohl der erfahrenste

Grund des gewaltigen Meeres fick zwingen (affen, stetig zu

thieres umzubildcn.

Unsere Bemühungen zu Gnnstcn der Aufiernproduktion

bedeutenden Resultaten führen.

sie thut, schwerlich je zu

Austernschalem, die den Jungen die besten Befestigungspläße

fördern können, wenn wir zu gleicher Zeit darauf achten, daß auf denselben immer ausgewachsene Austern genug zur Fort- pflanzung liegen bleiben.

Kunstdenkmäler und Alterthümcr im Fürstenthum Calenbcrgxxé)

*Das Fürstenthum Calenberg in dem Landdroftei-Bezirk Hannover (48,5 O.-M. mit 189,200 Ew.) so genannt nach der Residenz der früheren Herzöge der alten Feste Calenberg (bei dem Dorfe Laucnsiadt), hat alte Pflanzstäxten der Kunst mcht aufzuweisen. Die Kultur und in 1hrem Gc_folg__e dte Kunst, sind hier von auswärts, aus den _, Vtsthumcrn HildeSheim und Minden eingeführt,“ auch wtrd zu 1_hrer Ausbreitung das Stift Corvey und vielle1cht_ fur emen geringen Bezirk an der Weser das Snst _ Fulda beigetragen haben. Bei den alten Bautey an der nördltchcn Grenze des Calendergischen mag rücksichtltch dcs Materzals - worauf unten zurückzukommen sein wird - dte Grundung sogenannter Niederländer Kolonien von Enzfluß gewesen sein, später zeigt sich hier in Folge dcr Hansa eme Verwandtschaft mit den Bauten der größern Städte Norddeutschlauds. Namxn kunstcrfabrencr Meister kommen hier selten_ und fast nur 111 späterer Zeit vor. Jedoch zeigt ein ].[ebsrbltck dcr Kunstwerke jm Calenbergischcn eine ansehnliche Zahl derscldcn m mannßg- faltiger Art, und gewähren solcke im Verem m1t de__n sonst hxey vorhandenen Alterthümern und de1_1_da1:an sich _kxmpfcndcn gc- fchichtlichen Erinnerxmgen ein Vtelsxttxgcs Interesxe. __ _

Zunächst nehmen die Gotteshauser, als Grundchgc_fur _dxc Entfaltung der Kunst, welchc, von 1hne11_ausgehcnd, _m tete!)- verzweigtcm, auch die weltlichen Kunfilcxftungen_beemslufföy- dem Geädcr sich verbreitete , die Aufmerksquxrt 11) lexsprua).

Unter den kleinen Landkirchcn - gewöhnllch em einfaches Oblongum mit rechteckigem odcr Polygdnalcm Choxscbluß dj_ldsnd - ist die Kirche zu Idensen hervorzuheben, da ste, abwetchend von dieser allgemeineren Form, im Grundrtß der __Gsstalt dcs dreiarmigen sogenannten ägyptischen Kreuzes fick)_11aYert, wel- chcm jedoch im Osten eine polygonal degrxnztcApfxs Hmzugefugt ist. Eine vollständige Kreuzkirche nnt cmscdtfstgcm Langhayse findet sich zu Eimdcckhauscn. Bedeutsam, obwohl nur cm- fchiffig, erscheint die Klosterkirche zu Mgrlensce. _

Beispiele zweifcyiffiger Kirchcn_ knoten d_t_c Krrchen zxzm heiligen Kreuz in Hannover, sowie dre Gotteshauser zu _Adenxcn und Wennigsen dar; indeß 1st bei ihnep, wcnzgstens dcr erstern beiden, ein zweites Schiff erst später hmzugefugt. _ _

Dreiscbiffigs Gotteshäuser kommen 0161? m Bastlzkcnform und als Hallenkircben vor. Zu ersteren gehören dte Ktrchext zu Loccum, Mandelsloh, Marienwerder, Ne_usta_dt a,_R. (vor 1hrer Umgestaltung), Ronnenchg und die St1ftsk1rche m Wunßoxf,“ alle bemerkenSwerth, die zu Mandelswb auch als das emztge hier vorhandene Beispiel einer flachgedcckten, _remen Pfe_1lcr- basilike. Als Hallenkirchen sind zu_ ULLJULUT _dxe Klosterkirche Fu Varfinghau1en, die Markt- und dxeMunstexkrrche zu Hameln, die St. Egidien-, die Markt- und die Schloßktrche zu Hanndver, sowie die Gotteshäuser zu Bodenwerder, Hastenbech_ und Sprtyge.

Unter den Kirchen romanischen Styls verdtenen zunach|

Md» Einleitung zum 1. Bde. der »Kunstdcnkm. u. Alterth.

Stiftskirche zu Wunstorf Vcrücksichtigung.

die zu Hecmsen, Idensen, Mandelsloh, Marienwerder und die Von andert) ehe- mals romanischen Kirchen sind nur einzelne Theile, wxe der Chor mit der Apsis (zu Oldendorf und Wallenscn) oder der gewöhnlich mit einem Satteldach versehcne Thurm (zu Base, Brevörde, Hiddesiorf, Tündern) erhalten. An den Kirchen zu Eimbxckhausen und Ronnenberg zeigt im Wesentlichen nur noch das Querhaus die romanische Bauweise. _

Aus der Zeit des Uebergangs vom romanischen zum gothx- schen Style stammen die beiden vorhin genannten Kirchen zu Hameln, sowie die Klosterkirchen zu Varsimghausen, Loccum und Martensee, außerdem manche einzclne Theile anderer Gotteshäuser.

DteGothik ist besonders in den alten Kirchen zu Hannover, in dem Rathhause und in mehreren Patrizicrbäusern daselbst, nicht minder in den Kirchen zu Springe, Wzttenburg und Wülfinghausen vertreten. Sodann find zahlrerche Dorfkirchen in dicser Vauwciso, welche am späteßen wohl bei dem Ostende der Kirche zu Hach Anwendung gefunden, auSgLführt, wenn dieselbe auch bei manchen Gotteshäusern nnr noch in einzelnen Theilen hervortritt. _

Die bekanntlich aus der Wtedcraufnahme (mtikcr Formen hervorgegangene Kunst der Renaissance hat hier mannigfache und zum Theik beachtenswerthe Werke hinterlasskn, obfchon darin nicht selten eine Hinncigung zu barocken Formkn fich kundgiebt. Dabei zeigen mehrere derselbey besonders durch ihre Außsckymückung cin cigenthümlickycs Gepräge, unter andern das Hochzeitshaus zu Hameln, sowie die Herrensiße Häzuelsckyenburg und Schwöbber. Andere zeichnen fich durch chchthum von Bildwerken aus, wie das sogenannte Haus dex Väter und das einst von Leibniz bewohnte Haus zu _Hannodxr, oder durch eine Fükle gefchnißter Verzierungen. Em vdrzugth Beispiel der lcßteren Art gewährte der nur noch m Zeichnungen er- haltene sogenannte Apothekenflügel des altcn Ratyhauscs daselbst.

Rücksichtlich dcs Baumaterials ist Fdlgenddjs wthzunehmew: Aeltere als in die Spätzkit der Gothik zuryckretchende Holz- bauten smd nicht vorhanden und auch von dtesen k__om_mcn fast nur eiuzelne Reste an Profanbautey vor. Vollstandtge Fach- werkgebäude der Vorzeit gehöreu m der Regel schon der Re- naiffance-Periode an. _ _ _

Der Massivbau läßt fich werter hinauf verfolgen, 1[)n tra- gen die ältesten der auf unsere Zeit gekommenen Gotteshäuser zur Schau. Diese sind jheils aus Haustemen oder Quadern, theils aus Bruchsteinen, im leßteren Falle,;xewöhnlrch unter Mitverwendung von Quadern zu__dcn Ecken und Gxtedcrungm errichtet. Beide Arten des Mqswaqus halwn wahrend des ganzenMittelaltcrs und auch häuftg m derxat der chmffaxxce Anwendung gefunden. Dazu_ kommt fur emen Tth des m Rede stehenden Gebiets der Ztegelbqu. Er tritt schon 111 der Zeit des romanischen SMS auf (Ktrche zu qudelsloh)„ zetgt sich ferner in der sogenannten Uchcrgangéperwde (Kinde zu Maxienscc), besonders aber während dxr Herrschaft der Gothik (Marktkirche, Rathhaus und Pakrizicrhauscr zu HaUUOVcr) und hat sich bis zu ihrem Erlöschen bchanpjet. Dr_c Grenze _des mittelaltcrlichcn ergelbaucs im Calenbexgjschcn bildlt dte Leine. Am linken Ufer derselben ist solcher exne seltcnc Exscheizmng,“ um: die Kirche zu Neustadt a. R. -- _dw abcr ursprunglich ein Quader- uud Bruchsteiudau war -- 1st htcr zu nennxn. Am rechten Leineufcr bildet die Kapclle zu L&azcn _dcn sudlichsten Punkt des Ziegelbaus, wenn davon abgewlxen wird, daß solcher bei ihr nicht mehr rein, sondern unter__ härxfiger Wrwcxzdmxg von Quadern zu den Ecken 2c. atxsgefuhrt 111. Wettcr_1tr0m- abwärts erstreckt stch dann der_Ztegeld-au his zur stcr hin (Kirche zu Heemscn), schon _frUh, ww der den Kirwcwzu Mandchloh und Mariensec, eme hohq Boxlcnduug m der .Her- stellung der Ziegel aufwcixcnd. Es_1st dle Bcrmuthxxng aus- gesprochen, daß die i_n diesem Theeledcs Calendcrgtschen ge- legenen, langgestreckten Dörfer, als Zscrnhggcn, Langethgen, Ofterwald,Otternhagen, sogenadytenNtederländcr K_010m_emhren Ursprung verdanken und daß dle Anlegung von_ ergclcien vo-n den um das Jahr 1000 eingewanderan Kolomsten ausgßgan- gen seiÄ“), Zwar wird auch dem hctltgen Bernward, Bischof von Hildeßhejm (+ 1022), das Vexdtenst zugeschrtcben, um dte- sclbe Zeit die Anfertigung _von _Ztcgelu, ohne___gUe_Anwe_1sung, in dortiger Gegend zuerst emgefyhrt zu haben ), ]cd0ch 1ft_ du- selbst von alten Ziegelbauten mchts von Belang nachzuwctsen, diese Bauart dort nie zur Herrschaft gelangt und deren Ueber- tragung in obige Gegend daher nicht anzunehmen.

Während die Stifter und Klöster im Calenbergischcn durch- gehends alte Kirchen aufzuweisen h_gben , so_ sind dagegen ihre Übrigen Gebäude fast aUe in spezterxr Zett erneuxrt. Nur Loccum gewährt ein nahezu_ vollstand1_es und daher sehr an- ziehendes Bild einer großarngen klöster ichen Anlage.

im Hannoverswen , dargestellt von H. Wilh. H. Mithoffe. Hannover, Helwingsche Hof-Buchhandlung. 1871.

“US) eitschr. d. hifi, Ver. f. Niedersachsen, 1863. S. 77 f. «* ünsel, Gesch. d. Diocc. u. St. Hildesheim, 1. 176.