1897 / 21 p. 4 (Deutscher Reichsanzeiger, Mon, 25 Jan 1897 18:00:01 GMT) scan diff

' Bältniüe stets von neuem wieder, und so liegt es auch aufveteriuärem Gebiet. * *

Meine Herren, auf einen anderen Umstand möchte ich dann noch hinweisen: darauf, daß auch von einer Seite behauptet wird, daß die Handhabung der Veterinärpolizei zu lax sei, und daß von der_anderen Seite geklagt wird, wie das beute der Herr Abg. Werner auögefübrt bat, daß die Veterinärpolizei zu scharf gehandhabt werde. _, Meine Herren, daraus käü'ij'"man folgern, daß die Handhabung eine richtige ist. Diejenigen, welche von der Kalamität betroffen sind, welche Un- bequemlichkeiten und finanzielle NaÖtbeile durch die Handhabung einer strengen Veterinärpolizei erleiden, onen von den Fesseln, die ihnen angelegt werden, befreit sein; und die bis dahin noch von dieser Plage nicbt heimgesucht sind, rufen stets nach der Polizei und fordern mehr, als was die Polizei zu thun befugt ist, der, wie ich bereits bervorbob, die Geseßgebung feste Schranken zieht.

Meine Herten! Die Ausführungen des Herrn Grafen von Stol- berg, der sagte, daß eine sachgemäße, strenge Handhabung der Veterinärpolizei für die Landwirtbscbaft ein dringendes Bedürfniß sei, unterzeichae ich évolxständig. Auf die Exkursion, die dabei auf die Getreidepreise gemacht ist, habe ich keine Veranlassung einzugehen.

Ich erkenne auch als richtig an, daß wir vollständig in der Lage find,unsereninneren Fleischkonsumzu decken. (Zurufrech12.) Ich erinnere an die Behauptungen, die früher von der linken Seite des Hauses, stets wiederkehrend, aufgestellt wurden : daß, wenn wir besonders die Einfuhr yon Schweineflsiscb von auswärts beschränken oder beseitigen, dann die deutsche Landwirtbschaft nicbt in der Lage sein Werde, den Bedarf an Fleisahnabrung zu decken. Ia, meine Herren, wir haben vielfach sogar Ueberproduktion gehabt (sebr richtig! rechts), und diese Ueberproduktion bat vorübergehend zu einer bedenklichen Verminderung der Preise geführt, die dann dazu führte, das; die Produktion mehrfach wieder eingeschränkt wurde. (Sehr richtig! rechts.) *

Meine Herren, was speziel] die Klauenseuche betrifft, Find das ist der Punkt, an den die ganze Verhandlung angeknüpft bat, so gestatte ich mit, Ihnen fo!gendes mitzutbeilen.

Wir sind darüber ganz zweifellos, daß _ ganz abgesehen davon, ob die Einschleppung der Klauenseuche dem Auslande zur Last fällt, oder ob sie spontan bei uns auftritt _ allein mit polizeilichen Maß- regeln die Krankheit nicht bekämpft und bkseitigt werden kann. Die preußische Veterinärberwaltung hat fich daher schon seit längerer Zeit mit der Frage beschäftigt: welches ist denn das Kontagium der Klauenseucbe? und weiter mit der Frage: kann man nicht Präbentivmaßregkln ergreifen? Meine Herren, nach längeren Ver- handlungen ist in Aussicht genommen, für Preußen ein Institut für die Seuchbnerforschung und die Thierbygiene zu gründen, und zwar in Berlin in Vérbindung mit der Tbierärztlicben Hoch- schule. Diese Verbindung ist wünschenSwertb; einerseits, um dem Institut die Mitarbeit der Vorzügückpen wiffenfckxaftlickpen Kräfte zu ermöglichen, und sodann, um das Institut auch für UnterrichtSzwecke nuybar zu macheu. Der prsußiscbe Herr Finanz-Minifter bat fich bereit erklärt, in den Etat des nächsten Jahres diejenigen nicht ge- ringen Mittel einzustellen, welcbe erforderlich sind, um baulich, in- strumental und nach allen sonstigen Richtungen bin das Institut so auszurüsten, daß es allen Anforderungen genügt. Da aber bis zur Vollendung dieses Instituks noch einige Jahre Vergehen werden, so werden im nächsten Jahre in dem preußischen Institut für Infektions- krankbeiten Untersuchungen über die Maul- und Klauensruche in großem Maße angesteklt ivrrden, und sind dir dazu erforderlichen Mitiel auch in den preußiscbkn Staatshaushalts-Etat eingestellt worden. Wir sind auf diesem Gebiet fortwäbrénd mit Ermittelungen beschäftigt. Wknn der Bacillus der Maul- und Klauenseuche auch noch nicht enédeckt ist _ Obgleich auch neuerdings wicdsr die Be- bauptung auftritj, daß er gsfunden sei _, so muß man doch die Hoffnung bkgen, das; doch wsnigstens ein Mitte?! entdeckt werde, welches der Verbreitung der Krankheit vorbeugt. Ju wenigkn Tagen oder Wochen Werden die Verkucbe abgeschlosssn sein, die mit den nen- entdeckten Mitteln nach aUen Regsln drr Wiffensckxaft und Kunst an- gestellt werden.

Meine Herren, das sind die allgemeinen Bemerkungen, die ich glaubte machen zu sollen. Ick) will dann noch Folgendes beworbeben. Die Handhabung der Veterinäipolizei ist eine der schwierigsten Auf- gaben der landwirtbschaftlicben Verwaltung und des Reichßamts des Innern, Weil von Tag zu Tag neue Erscheinungen auftreten, neue Wahrnehmungen gemacht WleLn, und weil infolge dessen von Tag zu Tag das Bild der Maßnahmen, die zur AbWebr nach innen und außen ergriffen werden müssen, sich verändert. Infolge dessen sind auch neuerdings wieder sehr Wesentliche Einfubrbeschränkung€n zur Ausführung gelangt.

Was den Schuß gcgen dis Tubkrkulosa brtrifft, so hat, glaube ich, der Herr Staatssekretär des Innern gestern schon mitgetheilt- daß gegcn die TuberkuloseeinsÖleppung durch die Quarantäne-Anstalien, sowvbl durch die Landquarantäne-Anstali in Hvidding wie durch die Secquarantäne-Anstalten, die Anordnung getroffen ist, daß jedes Stück Vieh aus Dänemark, Skandinavien u. s. w. mit Tuberkulin geimpft werden muß, und daß daéjenige Viel), welches darauf reagiert, sofort an der Grenze abgeschlachtet werdkn soll. (Es ist richtig, daß, nachdem man in Dänemark, wo, glaube ich, die Tubcikulose noch stärker verbreitet ist als in Deutschland (sehr richtig! rechts), durch die Tuberkulinimpsnng den Umfang der Gefahr festgestellt hat _ und es ist das naturgemäß , die Menschen find in dieser Béziebung Egoistrn, die Staaten auch _, daß man das Vieh, welches sich als vcrbächtig erwiescn bat, abzu- schieben sucht. Sowohl das tuberkelverdäckytige Vieh ist [?bend zu uns herübergebracht, auch ist tuberkulöses Fleisch anscheinend in erheb- lichem Umfang nach Deutschland gebracht. (Hört! bört! rechts.) Geschäbe das nun in öffrnilicben Schlacbtbäusern, die unter polizei- licher Aufsicht sieben, und in denen jedes Stück Fleisch auf Tuber- kulose. wie auf 61112 anbcrcn bedenklichen Erscheinungen schon aus sanitätspolizeilichen Gründen untersucht wird, so wäre die: Sache nicht so bedenklich. Aber es gebx auch viel tubcrkulöses Fleisch in den freien Verkehr, und der Uebergang in den freien Berkebr ist aus sanitären und vsterinärpolizeilichkn Gründen in hohem Grade be- denklicb.

Jeßt, meine Herren, wknde ich mich zu den einzelnem Be- merkungen, die hier gcfaklen sind. Zunächst hat Herr Graf Sjolberg ,auf die Schweineauéfubr aus Rußland bingkwiesen und hat durchaus zutreffknd mitgetbeilt, daß wir gegen Rußland sowohl gegen lebendes wie gegen todtes Vieh gesperrt find, mit AuEnabme einer kontingentierten „Zahl yon Schwkinen, die direkt in vier Schlachtbäuser im ober-

schleßschen Industriegebiet zur sofortigen dortigen Abschlacbtung ein- geführt werden dürfen. Meine Herren, während ich die Ehre hatte, die landwirtbschaftliche Verwaltung in Preußen zu führen, ist bereits eine zweimalige Einschränkung dieses Kontingents eingetreten. Auf einmal die ganze Einfuhr von Schweinen aus Rußland in das Industriegebiet zu verbieten, wurde sowobl von allen dortigen

Staatsbebörden wie auch von, den sonst Betbeiligteg als unaußfühxng.

bezeichnet (sebr richtig! aus der Mittés,*'"'weil das füi*die Industrie- bevölkerung bedenkliche Folgen zeitigen werde. Wir haben jeßt durch die zweimalige Einichränkung feststeUen können, daß die Preise für Schweinefleisch troß der Reduktion wieder auf den Standpunkt zurückgegangen find, den sie einnahmen, als in viel größerem Umfang die Schweineeinfubr aus Rußland in das schlesische Industrikgebiet stattfand. (Hört! hört! rechts.) Das beweist, daß jest die Einfuhr von Schweinen aus Rußland a'USreicht, um den Bedarf in dem Jydu'striegebiet zu befriedigen.

Dann hat Herr Graf Stolberg schon darauf hingewiesen, daß wir Maßregeln getroffen haben, um die für später bereits in Aussicht genommene vollständige Beseitigung der Schweineeinfubr aus Rußland eintreten zu laffen, dagegen die Zufuhr von Schweinen aus dem deutschen Gebiet nach dem Industriegebiet möglichst zu erleichtern. Wir haben nun die merkwürdige Erfahrung gemacht, daß neben drr Einfuhr aus Rußland und der eigenen Produktion im Jndusiriegcbiet dasjenige, was an lebenden und geschlachteten Schweinen durch den erleichterten Eiscnbabnberkebr dorthin geführt werden sollte, minimal war. Woran das liegt, weiß ich nicht. Aber, meine Herren, ich glaube hieraus die Folgerung sieben zu solXen, daß, wknn wir jetzt die Schweineeinfubr aus Rußland weiter beschränken, keine Gefahr für die Industrie vorhanden sein würde, und es ist deshalb in Erwägung genommen, in späterer Zeit die Einfuhr aus Rußland nach dem oberschlesischen Industriegebiet weiter zu beschränken und ganz zu beseitigen. (Lebhaftes Bravo rechts.)

Interessant war auch, daß nach dem Verbot der Rindviebrinfubr aus der Bukowina eine Steigerung dsr Preise für Schweineflsiscb nicht eingetreten ist. (Hört! hört!) Es beweist das doch, daß die früheren Behauptungen, die mit der wüsten Entschiedenbkit in dortigen Kreisen aufgestellt wurden, das; [)ka Zufuhr aus drm Auslande die Industriegebiete nicht leben könnten, nicht in vollem Umfange zutreffend sind. (ZurufrcchtT) _Mir wird eben zugerufen: „Händler !" Da babrn wir allerdings eine'intercffante Wahrnehmung gemacht. Als wir das Kontingent beschränktem, machten die Händler, die gewissennaßsn die Einfuhr aus Rußland als Monopol in Händen batten, großen Lärm. (Heiterkeit rechts.) Sie glaubten den Nachweis erbringen zu können, einmal, daß die Industriegebiete zu Grunde gingen, zweitens, daß fie" auf das allerempfindlichsie geschädigt wurden. Sie haben allerlei Macbination gemacht, um nachträglich den natüriichen Lauf der Dinge zu stören; aber es ist mit Strenge Vorgrgangen, nnd der Erfolg, meine Herren, liegt jeßt vor. (BMW! rechts.)

Meine Herrsn, eine fernere Aeußerung des Herrn Grafen Stol- berg, daß eine nicht genügende Berücksichtigung der nationalen Inter- essen stattfinde, babe ich schon bkleuchtet; es erübrigt nur, auf die Be- merkung desselben Herrn über (England einzug€bcn. Mcinc Herren, es ist eine bekannte Thatsache: England ist dem Auslande gegenüber das Land des Freihandels und behauptet, auf allen Gebiéten den Grundsaß des Freihandels strikte durchzuführen. Wenn aber materieUe Intereffen England ratbrn, Von diesen Prinzipien abzu- geben, dann ist England der entschiedenste Schußzöllner (sebr wahr! rechts); dafür haben wir genügende Beuyeise in dcr rückwärts liegenden Geschichte. Ich erinnere nur an dir? Rigorositäi, mit der England lediglich im Interesse des Schutzes der englischen Produktion den ganzen Import von Schlachtvieb aus Schleswig-Holstein nach England unterbunden hat. Aber, mxine Herren, was für ein Jnskl- reich wie England paßt, das Vollständig unabhängig ist, Weder durch die innere Gesetzgebung noch durch Verträge nach außen gebunden ist, das können wir nicht nachmachkn. Unsers térritoriale Lage zwingt uns schon in dieser Richtung, eine neuere: Politik zu befolgkn, als es England kann.

Eine Bemerkung des Herrn Abg. Werner, der fich darüber be- schwerte, daß im Jnnrrn des Reitbes die Veterinärpolizei zu rigoros gehandhabt Werde, babe ich bereits bkleucbtet. Es ist das Lin Beleg dafür, wie Verschiedenartig die Dinge beurtbsilt wbrben.

Dann hat der Hkrr Abgeordnetx Werner auf die Mängel bei der Desinfektion der (Eisenbahnwagen binsewiesen. MsineHerrknfiH be- zeuge ausdrücklich, daß seitens der Behörden die Desinfektion im In- lands mit der größten Strenge gehandhabt wird; ob rbrnso im Aus- lande, entzieht ficb meiner Beurtheilung. Abox Menschen snd Mkjjsch€n. Daß in der Beziehung bin und wieder nicht alles so ausgrfübrt wird, wie es vorgeschrieben ist, kann vorkommen. Ich möchte indrssen glauben, daß das vereinzelte Fällt: finb, und daß darauf die starke Ver- breitung der Seuchen allein nicht zurückgefübrt werden kann.

Auf die Ausführungen, daß der Hsrd dcr Seuchen an den Grenzen liege, und daß möglichste Absperrung nötbig sci, glaube ich nach meinen allgemeinen Darlegungen nicht nochmals eingeben zu sollen. Der Herr Abg. Gerstenbsrger hat darauf hingewiesen, oder ich habe ihn so Verstanden, daß er eine zkbntägigr Quarantäne auf- richten will, sowohl im Inlande gegen vkrseucht: Gebiete des In- lands, als auch an der Grenze. (Zuruf.) _ Nun, meine Herren, dann babe ich den Hcrrn Abgeordneten mißsersianden und Wkrde auf diesen Punkt nur eingeben, weil er von anderer Seite, wenn ich recht unterrichtet bin, gestern angeregt ist. Eine inkändische Quaran- täne einzurichten , also, ich will beispielsweise sagkn in Bayern gegen Württemberg, ift, abgcseben vcn dem Umstand, daß das außer- ordentlick) schwer durchführbar ist, auch mit der Réicbsgeseygebung nicht vereinbar. Wohl ist es zulässig _ und dieses Recht wird auch gehandhabt _, wo direkte Gefahr Vorliegt, durch die Einführung VM Ursprungöattcsten und durch tbierärztlichs Untersuchung jsdes aus einem verseuchten Gebiet in andere (Gebiete übergebcnde Stück Vieh auf seinen Gcsundheitßzustand zu prüfen und es einer gewissen polizki- lichen Beobachtung, sei es in den Ställen des Empfängcrs, sei es in den Ställen der Händler, zu untcherfen. Diese polizxilichen Maß- regeln sind bcreits längere Zeit in Anwendung, aber nur da zulässig, wo die Gefahr der Einschleppung von Seuchen von einem verseuchten nach einem nicht verseuchten Gebiet stattfindkn sol].

Meine Hsrrcn, die Frage, ob und wir weit wir uns dUrcb Quarantäne schützen können und wollen gegen den Import von Vieb aus dem Auslande, ist Grgcnstand dcr (Erwägung. Sie ist außer- ordentlich schwer durchführbar, und disse Maßreßeln haben auch ihre großen Bedenkcn. Jedenfalls sind die Erwägungkn darüber, ob es

möglirb, ratbsam und zulässig ist, so vorzugehen, noch nicht nm: Y. schluß gekommen.

Dann hat der Herr Abg. Gerüsnberger behauptet, der Herd dex Maul- und Klauenseuche liege permanent in den Schlacbtbäusem, Meine Herren, dem muß ich auf das entschiedenfte widersprechen, Sobald ein verseuchtes Thier in einen Schlachthof bineiukommt, wird

_ WQM-dieMAbscblaäztung unter Kontrole der Veterinärpoli-Y-ans,

geführt, und wenn es bedenkliche“ Seuchen sind, wird das Fleisch vex- nicbtet, wenn es unbedenklich ist, wird das Fleisch unter Kautslen in den Verkehr gegeben; "kurzum, in dieser Beziehung findet die alle:. schärfste und strengste Kontrole statt. Ueber xu rigoroses Vorgehen in dieser Richtung werden Häufig auch Klagen erhoben.

Meine Herren, dann hat der Herr Abg. Gerstenberger noch darauf hingewiesen, die Großhändler würden milder behandelt als derBauer, gegen den Bauer würde viel zu strenge vorgegangen. Dieser Be- hauptung muß ich entschieden widersprechen. Soweit mir die Ver- hältnisse bekannt sind _ und in Preußen kann ich das mit Vb- stimmtheit bebauplen _, sind sämmtliche Staatsorgane gewillt und bemüht, ohne Rücksicht auf Großgrundbefiß, auf Kleinbcsis, auf Großhandel und Kleinbandel, die veterinärpolizeilichen Maßregeln auszuführen. Ykeiue Hsrren, es ist eine undankbare Thätigkeit, welche in dieser Beziehung sowvhl in der oberen, wie i:: der mittleren Instanz und in der unteren Instanz entwickelt wird. Man mag thun, was man wil], man mag noch so streng vorgehen und man mag mit dem besten WiUen handeln _ es cheiscn das die Verhandlungen, welche über diese Dinge im Reichstage oder im preußischen Landtagc geführt werden _, AUen kaun war's nicht recht machen. Die einzige Beruhigung für mich liegt darin, daß ich das Bewußtsein babe, eingeschränkt durch Verträge und Geseße, meine Pflicht im Interesse der deutschen Landwirtbschaft treu und gewiffen- baff gethan zu haben, und meine Pflicht werde ich fernerhin thun, ich mag gelobt oder angefochten werdrn. (Bravo!)

Nach dem Abg. Dr. Z.Zu-„zn (5. k. F.) nahm im weiteren Verlauf der Sißung drr inister für andwirthschast 242. Frei: herr von Hammerstein das Wort zu nachstehender Rede:

Ich babe nicht die Abfickpt, auf dir leßten Ausführungen des Hcrrn Vorrédners einzugcbkn.

Mir giebt eine Aeußerung des Hkrrn von Plbeß zu einer kurzen Erwiderung Anlaß.

Wenn Herr von Ploeß behauptet, meine Aeußerung, daß eine DiVLkgMz zwischen dem Reichsamt des Innern und dem preußischn landwirtbscbaftlichen Ministerium binfichtlicb der Verwaltung der Vcterinärpolizei nicht bestanden babe, stehe im Widerspruch mit einer Aeußcrung, die ich im Vorigen Jahre gemacht babe, so ist das ein Jrrtbnm. Herr von Ploetz Hat mir die Aeußerung nicbt näher bozeichnet; soweit ich mich erinnere, babe ich mich sehr häufig darüber ausgelaffen, daß der Dualismus und die Konkurrenz der Be- börden drs Deutschen Reichs und der Einzelstaaten in der Hand- babung der VeierinärVerwaltung eine gewiffe ErsckpWLrung für beide berbeifübre, nicht aber babe ich ausgrsprocbkn, daß eine Divergenz der Ansichten über die praktische Handhabung der Gkseße vorhanden sei, und daß darin die Schwierigkeit liege. Ich habe schon in der ersten Rede, die ich zur Entwickelung meines Programms im preußischen Landtags hielt, auf die Schwisrigkeiten hingewiesen; sie sind aber in ganz ankrrer Richtung Von mir gemeint gewesen, als fie Herr von Ploetz angedeutet bat.

Meins Herrén, ick) babe im allgemeinen kein? Veranlaffung, aus die Aeußerungen des Herrn Abg. 131“. Hahn einzugeben; aber soweit fis sich auf das Vetcrinärwiffenscbaftlickye Gebiet verfliegen haben, ge- staiie ich mir folgende Darlegung. Ich glaube, daß die preußische Veterinärwiffenschaft und ihre grgcnwärtigcn Vertreter die größtsn Autoritäten in dsr Vrterinärwiffenschast vielleicht in der ganzen Kultur- welt find; denn wenn irgendwo wichtige Fragen auf diesem Gebiet in anderen Staaten auftaucbkn, werde ich fast regelmäßig ersucht, dieselben von dsr Devuiation für das Veterinärwsfen oder durch einzelne unsere Vétsrinäre prüfen und untersuchkn zu laffen. Schon “daraus folgere ich, daß ich mich mit Fug und Recht in aUen Fragen veterinär- tkcbnischr Natur ausschließlich auf unskre wiffenscbaftlicben Autoritäten stütze. Ich bin selbstverständlikh nicht in der Lage, die wissenschaft- lich€ Darlegrtng, die Herr ])1'. Hahn bier mit großem Eifer und Geschick vorgetrag-Zn hat, auf ihre Richtigkeit bin zu prüfen. Auch bin ich nicht in dsr Lage, eine Autorität wie den Hamburger Staats-Tbierarzt Vollers, den Herr Dr". Hahn angrfübrt bat, hinsichtlich seiner Bedeutung zu beurfbkilrn, obgleich mir bekannt ist, daß er ein tüchtiger Herr ifi. Der Rsichstag ist nach meinem Dafürhalten ebenfowrnig in der Lage, auf Grund der véterinärwiffensckßaftlicben Darlegungen des Herrn Dr. Haba veterinärtechniscbe Beschlüffe zu faffen, und U; werbe Ve:- anlaffung nehmen, irie interessanten Sachen nach ihrer stenograpbiscben Aufzeichnung der Deputation für das Veterinärwesen zugänglich zu machen. Ick glaube aber, daß die mcisten der Darlegungen den von mir bezeichneten wiffenschaftliäpen Autoritäten längst bekannt sind.

Einiges aus den Darlegungen des Herrn Dr. Hahn will “:ck: berausgrcifen. Herr 131". Hahn sagte, die Ansteckungsgefabr bei der Maul- und Klauensxuckpe erstrccke sich über 10 Tage hinaus. Die exakten Versuche, die gemacht find, um festzustellen, wie lange die Inkubation dauert, haben ergeben, daß über 10 Tage hinaus der qucbenstoff iu keinsm Thiere verborgen blieb. Herr Dr. Habu hät auch schon angeführt, daß häufig nicht die unmittelbare Ansteckung Von Thier zu Thier die Ursache der Verbreitung der Maul- und Klauenseuche sei, sondern daß der Ansteckungsstoff dec Maul- und Klauenseuche oft in den Haaren, den Exkrementen u. s. w. sicb finde. Es ist zweifsllos, daß dsr Ansteckungsstoff, der auf diese Weise dem Thier anbaftst, weit über 10 Tage hinaus wirksam ist- wabrscbxinlicb weit übkr die Frist, die Herr Dr. Habu 71“ gegeben hat. Also “diese Gefahr wird durch Verlängerung der F"??- aucb über die 4 Wochen binans, garnicht zu Verbindern sein. EZ 13 ein Uebelsiand bei Maul- und Klauenseuche, daß ihr Kontagium ao- scheinend durcb al]? möglichen Gkgenstände und Thiere äußerlich VK“ schleppt werden kann. Ich habe schon hervorgehoben, meine HFM- daß die Fame, welches der Anstrckungsstoff ist, Gegenstand der WM?!“ schaftlichen Untersuchung sei. Ich führte vorhin in meiner Rede Mk- bie polizeilicbén Maßregeln genügten nicht, wir müßten der SIM noch Weiter aui kxn Grund kommen und sehkn, wo der Ansteckuriés' stoff lägx, ob es ein Bacilluz“ oder was sonst sei; und mit 25113"; dieser Frage find 'die erren Veterinäre, Aerzte und sonstigen FUD“ seit langkm beschäftixzt.

Meine Herren, dann darf ich noch eine kurze Bemerkung hinzu- füzen. Es ist gesagt worden, ich glaube, von Herrn Dr. Habu, jeden- falls von Herrn von Ploetz und auch noch von anderen Rednern des Hauses: auf diesen und auf anderen Gebieten würden immer goldene Berge versprochen, es werde aber wenig geleistet. Die kleinen Mittel, welche in Aussicht gestellt seien, werden nicht angcwandt. Dagegen

muß ich entschieden Widerspruch erheben. Méikke'Ökaéä,"“ifüsésöéäw

kleinen Mitteln _ der AuSdruck ist mir eigentlich nicht gerade sym- pathisch (Heiterkeit) _ versteht man in der Regel alLe diejenigen Maßregeln, welche ich in meiner ersten Programmrede im preußischen Landtage dargelegt babe. Wenn Sie die Güte haben wollen, die Denkschrift über die Maßnahmen auf landwirtbscbaftlichem Gebiet in den leyten Jahren zu lesen, welche das Staats-Minifterium Seiner Majestät dem Kaiser und Könige überreicht hat, welche nachher Seine Majestät weiter zu verbreiten befohlen hat, so wsrden Sie finden, daß in den leßten paar Jahren für die Landwirtbsckoaft auf allen Gebirten, auf legislatiVem Gebietr, auf dem Gebiete der Vrrwaltung, durch direkte und indirekte Untersiüyung der Landwirtbscbaft viel mehr ge- schehen ist, als vielleicht in 25 Jahren vorher. Auf diesem Wyge wird man weiter vorwärts geben und wird das, was von den da- maligen Zusagen noch unerfüllt ist, ganz zweifellos einlösen und die Mitwirkung der Parlamente dabei in Anspruch nehmen, soweit es sich um Maßnabmkn auf legislativem Gebiet bandeli.

Noch einen Punkt muß ich berühren. Neuerdings haben die Herren, die den Bund der Landwirtbe vertreten, eine Eingabe an mich gerichtet, die sich auf das Veterinärgkbiet bezog. Ehe ich die Eingabe zu Händen bekam, war sie bereits in der Presse verbreitet. Ich habe Veranlaffung genommen, TbatsächlichéMittbeilungen aus dieser Eia- gabe zu berichtigen; denn die geseßlichen Bksiimmungen warkn unvoll- ständig wiedergegeben, aucb enibiklt die Begründung verschiedene Un- richtigkeiten. Ich babe diese Berichtigung durch die Presse Eintreten [affen und damit denselbkn WSJ betreten, den die Hrrren ihrxrseits betreten haben. Aber ich bedaure 65, daß dieser Weg besxbritten werken mußte. Es verbreitet sich häufig durch solche sofort der Oeffent- lichkeit übergebene Mittheilungen eine irrige Auffafixmg über das, was die StaatSregixrung gethan bat bezw. zu thun gewiUt ist. Wenn man abgrwartet bäite, bis ein Bescheid auf diese Eingabé erfolgt war, so hätte man eine Irreführung in obiger Richtung Vermicdén, cs wären nur Ausführungen in die Okffentlicbkeit gekommen, Welche unanfecht- bar waren. Ick) richte die Bitte an die Herren, Wenn sie mit solchen Eingaben berbortrcfen, zu versuchen, eine objektibe Beurtheilung auf diesem Gebiet auch in weiteren Kreisen brrbeizufübren; denn wenn durch eine nichtobjektibe Darstellung, vicUeicht unbewußterweise, eine falsche Darlegung über die Thätigkeit der landwirtbschastlichen Ver- waltung in writers Kreise getragen wird, so nüßt man damit nicht ch Landwirtbschaft, schadet ib: vielmehr Und untergräki virkebrtcrweise das Vsrtrauen zur landwirtbschaftlichrn Verwaltung, "desen dieselbe nicht wohl entbkhrcn kann, wenn fie 581er soll. (Schr richtig !)

Nun, meine Herren, ich glaube, daß ich 81116 ira (zd 8511610 diese Mittheilung gemacht habe; ich will keine weitere Kritik daran knüpfen, ich habe mich nur für verpflichtet gehalten, diese Dinge zur Sprache zu bringen, weil ich wünsche, daß in künftigen Fällen anders verfahren werde.

Zum Schluß, meine Herren, mache ich noch auf eins aufmerksam. Wir haben beute etwa vier Stundén uns mit der Veterinärfrage be- schäftigt; im vorigen Jahre hat Gleiches hier und im preußischen Landtage stattgefunden. Ob es immer zum Vortheil dcr Landwirtbschaft gereicht, wenn diese Fragen so in die Oeffentlichkeit getragen werden, erscheint mir nach hinter mir liegenden Erfahrungen in bobem Grade zweifelhaft. Ick erkenne aber an, daß dir Verhandlungen für heute durchaus objskTiv lediglich vom veterinärpolizeilichkn Standpunkte aus geführt find. Wären fie geführt in der Weise wie im vorigen Jahre im Abgeordnrienbause, so kann ich mir nicht vc'r- behlen, daß unser Verhältnis; zu den Nachbarstaaten nicbt erleichtert, sondern ganz erheblich und, wie ich glaube, zum Nachtbril der Land- wirtbschaft erschrvert worden wäre. Im übrigen bin ich dankbar, daß mir hier Gelegcnheit zur Aussprache gegeben worden ist. Die Er- örterungen, die beute bier stattgefunden haben, werdsn schon in kinigen Tagkn im preußischen Landtage von neuem stat1findrn; leßtere sind durch die heutige Verhandlung, wie ich glaube, wesentlich Erleichtert worden. Uebrigens werde ich auch fsrner bemüht sein, eine möglichst objektive Stellung, wie bisher so auch in den noch beybrstebenden Ver- handlungen, einzunehmen. (Brawl)! rechts und in der Mitte.)

160. Sißung vom 23. Januar 1897, 1 Uhr.

TageSordnung: Foriseßung der zweiten Berathung des Reichshaushalts-États für 1897/98, und zwar beim Etat der Reichsschulden.

Abg.1)r.Lieber(Zentr.): Ick) beabsichtige nicht, die Erörte- rungen über die Reichs-Finanzvolitik Von neulich beute fortzuseßen. DageRn glaube ich, daß Ls angebracht ist. . bei dem Kapitel der eicbsscbulden die Aufmerksamkeit des Reichstages und der dkrbündeten Regierungen darauf zu [rufen, daß ein Grund drr kchweren Verschuldung des Reichs der Umstand ist, bas; wir offenbar zu früh mit der Begehung dreiprozentiger Anleihen borgegangen sind. In den Anlagen zum KonVertirungsgeseß find Tabellen enthalten, aus denen dieser Beweis zu führen ist. Ich bedauere, das; nicht gleiche Tabeüen dem preußischen Konvertierungögefetz beigegeben find. Statt des ausgegebenen Nominalbetrags von 885 255 100 «kü haben wir Netto nur 761 793 563 „je; erhalten, also rund 14 [)/0 des Kapitals erloren, und der Rest wurde nicht mit 3, sondern rund mit 31% ver- zmsl, und wenn die Tilgungbeginnen wird, werden wir 123 Mill. mehr zu tilgen haben, als wir KaYital erhalten haben. In Preußc-n sind 635 Millionen Zprozentiger nleiben begeben zum Nettopreise Von §3„7 Millionen, und der Zins stellte fich sogar über 3-10/0; bei der Tilgung sind 98 MiUionen mehr erforderlich, als Kapital gc'zablt ist. Der Schaysekretär bleibt dabei außer VerantWorilicbkixit, wäbrknd die Zytozentiqe Aera in Preußen mt dcm Amtßantritt des preußischen ßmanz-Ministers zusammenfällt. Man kann also für Prcn en und Uk das Reich ein Konto von weit über 200 Miliioncn 5 Dark ius Dkbxtkonto schreiben, die wir mehr schuloig aeword-xn sind, als wir KaPital erkalten babcn. Das ist um so bcdenkllcber, als die'. Z.“. pro- zenttgen Papiere zum theil weit über puri bexebcn sind. Wir haben 7791348 Millionen mehr erhalten, und der Ziiidfufi sti'llt sicb babcr ?xsetkTrtsIEÜ als 31%. Es genügt mir für heute, dicse Thatjacht'n

u 6 en.

Staatssekretär des RcichsSchaßnmls [)!-. 5“Il)sadowtskr)-Wel)ncr:

Meine Harken! Thatsäcblicb 90111114“ 1119 mir zunächst zu bcmcrkcn, daß, im Jahre 1890 drciprozt'niigt' Papictk auvxit'm'l'cn sind alciib- WTS Vom Reich und von Prcufn'n in gc'xicaije'itmcr lle*l*q'rcinitkmmung, und Win Wurden damals 170 Millionen dra'ipt-m'ntim' Reitba- Ylkibe und 65 Millionen prcusjlkibcr 'Jliklcibi' durcb rim" allüb-

(Was von

zeitige BekanntmaÖung des Reichsbank-Direktoriums und der See- bandlung vom 4. Oktober 1890 zur öffentlichen Zeichnung aufaelegt. Die Gründe, warum man damals von dem Zäprozentigen zu dem Zprozentigen Tyvus überging, lagen zunächst darin, daß nach Auskunft der fachverftändigen Kreise und auch nach den Erklärungen des

Bariquietkonsortiums„ mit dem man wegen der Begrb_i_ir_ig___irx_Ver_-___ “'*biiibung trat; der Markt mit IkaMätiäéi'"Néich63A711eibe übersättigt

war, und man befürchtete, daß bei weiterer Begehung einer größere Menge ZYprozentiger Anleihen voraussichtlich der Kurs der ZFprozentigen wesentlich gedrückt werden würde. Im allgemeinen ist es erwünscht- Papiere auszugeben, deren Kurs sich nicht über Pari stellt, weil eine Kündigung und Zurückzablung von Papieren, die über Pari stehen, die Finanzverwaltung in ihren Verfügungen zu genieren pflegt. Wir haben das ja aus zahlreichen Reden gehört, die hier in diesem Hause und im preußischen Abgeordnetenhause gehalten sind und die sich gegen eine Konvertierung aussprechen , weil eine Konderiierung Von Wertb- papieren, die über Pari stehen, nicht nur mit einem Zins-, sondern auch mit einem Kapital-Verlust für die Gläubiger verbunden sei. Es empfiehlt fich deshalb. den Zinstypus so frfizuseßen, daß die Schuldtitel möglichst in der Nähe des Parikurses sich brwegen. Für eine Begehung Zprozentiger Papiere ist aber ferner der Grund ins Gewicht faUend, daß es erwünscht ist, unsere Anleihen möglichst im Julande unter- zubringen, und um das zu erreichen, empfiehlt es fick), „Papiere unter Pari auszugeben, weil dann dem Käufer immer noch die Aussicht auf einen kleinen Gewinn infolge der möglichen Kurssteigerung Vkrbléibt. Die Ausführungen des Herrn Vorredners find ja nacb ihrer arithmetischen Seite ganz unzweifelhaft richtig. Es ist richtig, daß nach dem neuesten Abschluß, den ich Ende Dezember habe auf- stellen lassen, wir gegenüber dem Nominalbetrage der Zyrozentigen Anleibs 123 562312 „ji an Valuta verloren haben, und daß die 3prozentige Anleihe noch mit 0,02% höher zu verzinsen war, wie die ZZProzentige. Ich glaube aber, die Schlüsse, die aus dieser arithmetischen Thatsache gezogen werden, würden nur dann zutreffend sein, wenn man annehmen könnte, daß bri weiterer fortgesetzter Ve- gebung ZÉprozentiger Papiere dsr Kurs immsr, derselbe geblieben wäre, wie er dieser verglsicbenden Statistik zu Grunde gelegt ist. Diese Annahme kann man aber als ohne Weitkres zutreffend nicht binsieüen. (Eine ganz genaue Vergleichung, wie sich die schließliche Bilanzierung im Interesse des Reichs und in Preußen grsteüt hätte, Wenn man fernerhin 331% Säouldtitel ausgegeben hätte gegenüber dem neuen Typus von 39/0 ließe sich nur dann aufstellen, wenn man auch gleichzeitig 3Z0/0 und 3% Schuldtitel, und zwar in gleichen Summen réalisiert hätte: und dann berechnete, wie viel Valuta wir für jcdcn Typus bekommen haben und wie sich demgemäß die Ver- zinsung gestellt bat. AUS anderen BcrLchnungsn Vérgleicbender Natur werden aber nie Vonommen beweiskräftig skin, aus dem einfachen Grunde, wsil ja nach den augenblicklichen Geld- und politischen Ver- bäliniffen die Valuta der realifierten Anleibetitel fich vrrschisden stellt und nach dieser Verschiedenen Valuta, die abhängig ist von äußeren Konjunkturen, sich selbstberständlicb auch der Prozentsatz verschieden stellt, den wir für eine aufgelegte Anleihe tbatsäcblich zu entrichten haben. Da aber, wie Sie aus den Anlagen zum Konvertierungsgeseß ersehen, die Valuta der 3prozentigen geschwankt hat Von 83,8078 bis 99,3280, so hat sich natürlich nicht nur der Zinsfuß für jede einzelne Anleibeaufnabme verschieden gestaltet, sondern auch der Durchschnittözinsfuß, der aus der Begehung sämmtlicber Iprozentiger Anleihen herausgerechnet ist, hat sich aus diesen Wechselnden Faktoren der einzelnen Anleibebegebungen gebildet. Wenn man also jest den Grundsaß aufstellt, wir wären mit der Begebung ZZprozenkiger Titel voraussichtlich besser fortgekommen, weil fich tbatsächlich die Verzinsung der Zyrozentigen Anleibetitel etwas höher gesteÜt hat, so muß man dagegen sofort den Einwand erheben, dieser Vergleich wäre nur berechtigt, wenn man ZZprozentige und Zyrozentige in gleichen Summen und gleichzeitig, d. h. unter gleichen Verhältnissen, aUSgegeben hätte; denn sonst kann man nicht wiffrn, welchen Erlös die 3.3 prozentigen zu der Zeit gebracht hätten, wo die Zyrozentigen tbatsächlich außgegeben sind.

Ich glaubk deshalb, mit dieser Sichxrbeit kann man aus der Verscbirdénbeit der Grundlagen, welchc bei der Vergleichung betan- gezogen find, nicbt schließen, daß die Begebung der 3prozentigen an sich Eine finanzieU unrichtige Maßregel war.

Abg. 1)!" Enneccerus (nl,): Die Rechnung des Herrn Lieber wäre richtixi geivésen, Wenn eine baldige Einlösung und KonNrtierung der ZProzentigen Anleihe beabsichtigt wäre. Da aber die Gläubiger nicbt kündigkn können, so kommt es nicbt auf den Nominalbetrag, sondern nur auf den Zinsfuß an. Das beweist der Zinsfaß in dem gleichem Jahre. 1895 verzinsten sich die Zykvrozentigen mit 3,35 9/0, die Zyrozentigen mit 3,02 0/0, also FU/a niedriger.

Abg. von Kardorff (Rp.): Ich weiß, daß der Finanz-Minister Pkiquel sebr schwankte, ob man den 3- oder 31? prozentigkn Typus wählen sollte. Er bat fick) wesentlich durch ?as Votum der Finanz- autoritätcn bestimmen Lassen. Sie werden dafür gute fachlich, nicht egoistische Gründe gehabt haben; auf das Votum der Finanzkräfte muß etwas gegeben werden. Ich bin der Ansicht gc'wesen, das; man bei dem Zz-prozcntigcn Typus bleiben solls,

Staatssekretär des Ncichs:Schaßamts Dr. Graf von Pofadowsky-Wehner:

Zur Klarstellung der damaligen Situation wird es viklle'icbt beitragen, wenn ich mit Genehmigung dcs Herrn Präfidcntcn cinen Paffus aus Einem Bericht verlese, der damals erstattet wurde, ais die Genrbmigung Seiner Majestät dcs Kaiscrs für dcn 3 Proz.- Typus eingkbolt wurde. In diesem Bericht Vom 8. Skptember 1890 findet sick) folgende Ausführung:

„In Bankkreisen wird die Meinung vcrtrctcn, das: der in- ländische Markt mit 3§prozcntigen Papieren übrrsättigt sei, und das; (*in Zyrozentigcs *Unlcibepapier wiUigcrc Aufnahme" finde'n werde, sich auch zu günstigeren Bedingungen werde begcbcn lasscn. Für diese Auffassung scbéint der Verhältnißmäfqia bobc Kurs dcr sächsisibrn Zprozcntigen chte zu spreche'n, wclchxr am 4. Sa'ptcmbcr d. J. 91% bclrug, während sicb bei Zugrundelegung des Kurses der JF prozentigen Reichs-Anleibe vom gleichen Tage für cin 3 [*w- zcntige'ö chtknpapier nur ein Kurs von 85,80 cmcbcn wiirdc.“

Es war also mit anderen Worten bei der sächsischen :)icntr cim“ Differenz von 91: 85,80 zu Gunsten des Zyrozcntigrn Typus. Dcr Zvrozrniigc Typus ist gewählt in Uebereinstimmung des Wir" Rr'icbokanzlcrö, dcs prcußiscbcn Herrn Finanz-Ministcrö und dcs" HIN" Riichsbank-Präsidcntcu, und maßgebend dafür waren dic Kurs- krsibi'inunncn, die' 11:1) bei der 31 prozrntigen sächsisibe'n chtc „16.1611- über dcn Liz prozeniigcn Reickxs- und vrcufiiskben Anlciba'n gczcigt baitcn. dicim'r dic Thatsache, daf; rc'r Markt mit IJprozcntigcn

Papieren überfüllt war und daß endlich dasKonfortium, mit welchem über die Begehung neuer Reichs- und neuer preußischer Anleihen ver- handelt wurde, nicht geneigt war, fernerhin Zprozentige Papiere zu übernehmen.

Abg. Frißen (Zentr.) hält es doch für richtig, da ein Verlust

verweiden können. Jedenfalls stände dikfeM"""KaH7t71“verluft keine Vrrmmderun des Zinssaßes gegenüber. Redner bezeichnet es als erfreulich, da die Verzinsung der Reichsscbuld nur unerbebliY zu- Énommen „babe, aber bedenklich sei es, daß die Zinsen" fur die chaÜanweisungen sicb Vermehrt hätten.

. bg; 1)r. Enneccerus (nl,): Eine Verminderung des Zins- iixßes batte erreicht werden können, wenn man die Kurssteigerung batte voraussehen können; dazu war (1er auch Herr Frißen nicbt Lm Kitande, denn durch die Begehung der Anleibr ändert sich er urs.

Staatssekretär des Reichs: Schaßamts ])r. Graf von Posadowsky-Wehner:

Vieine Hsrrkn! Ich möchte mir gcgenüber bkn Ausführungen des Herrn Abg. Frißen noch eine ganz kurze Bemerkung erlauben. Ich glaube, darin bot der Herr Abg. Enricccerus Recht: man kann nicht die ebrntueüen Chancen der Zäprozentigen oder Zyrozentigen Anleihen nach kleinen Summen bemsffsn, die aus solchen An- leihen, die schon berausgabt waren, nur in andereHände übergegangen sind. (Sehr richtig!) Obgleich ich auch d:: im praktischen Leben die Erfahrung gemacht babs, daß man manchmal den Kurs von Staats- und Kommunalpavieren schon wirft, wenn man auch nur 30 000 „js an der Börse verkauft. Der Fall, drr hier zu beachtrn, ist ein andercr. Im Jahre 1890 sollte ein Anleihertvpus, für dcn schon so erhebliche Beträge am Markt Waren, alLein für das Reich 790 Millionen, Verstärkt Werden durch Weikere Begebung Von ZF vrozentigcn 'A'iiléibéii'in Höhe von 170 Millionen, und wenn man den Betrag dazu rechnet, der damals noch von Preußrn verausgabt kvcrdén sollte, so wärrn sogar gleichzeitig 235 Millionen ZYProzentige am Markt erschicncn. Dirse Summe hätte natürlich ganz anders auf dan Kurs der ZYProzsntigsn Papiere gewirkt, wie der Uebergang eines Quantums bereits begebcner ZZ prozcntigcr Papiere in die Hand eines anderen Vksixzers. WEnn schließlich dcr Herr Abg. Frißsn sagt, es wäre doch nicht nötbig, daß zu dem Be- weist, den man führst! wiU, eine gleichzeitige AUIJabe von 33. und Zyrozsntigen Papieren, und zrvar in gleich hohen Beträgen, die Vor- ausseßung bildete; man hätte sich ja obnédie-Z genau berechnen können: wie hoch stehrn die: Zz prozentigen Papiere, und wie hoch werden fich also Voraussichtlich die Zprozkntigen steÜen, und danach hätte man sich am!) die Konjunkturcn für beide Typcn amderweit berechnen könnrn, _ so ist eben diese BSrechnung damals angestellt für die Kursiioticrung der Zäprozrntigen Reichs-Anleiben und prcußiscbkn Staats-Anleiben gcgenüber dcr Zyrozentigen sächsischen Rente, und auf Grund dieses Vergleichs ist man dazu ge'schritten, Zprozsmtigé Titres in Pceußcn und im Reich abzugeben.

Abg. Ur.Li8ber (IMU) bleibt dabei, daß man zu früh mit der AUZJabe 30/0iger Anleihen angefangen habe.

Der Etat der Reichssthuld wird genehmigt, ebenso der des Rechnungshofes.

Es folgt die erste Berathung dcs (Hessßentwurfs, be- treffend die Abänderung der Unfallversicherungs- geseße.

Abg. Rösickc (b. k. F.): Es läge wohl Ursache vor ur Er- örterung der Frage _der Vereinfachung, Wenn dieselbe ni t vorn Bundesratb bei der Novekle zur Invaliden58r5cherung erledigt worden wäre. Der Vorschlag, an die Stelle oer Berufsgcnossenschaftrn territoriale Verbände zu seßen, isi namentlich von den Sozialdemo- kraten gemacht wordsn. Von drm territorialcxn Systkm ist man aber abgekommrn, weil man dir: Lasten richtig Vertheilen wvÜte; das Gewerbe sollte die Lasten selbst nach der UnfaÜgefabr vertbeilen und bat fich dabei auck) mit den Lasten am besten abgefunden. Bei einem Durchschnitt Von 9 «;ck pro Kopf bétragcn die. Kosten in dm einzelnem Berungenosfc-„nschaften 3 bis 22 «16; innerhalb der Genoffrn- schaften sind auch noch große Vrrscbiedenbeiten, so in der Brauerei von 11 bis 36-511, in der chemischen Industrie von 3 bis 37 «M und 'm der Frinmk-cbanik 2,50 bis 36 ck Für einen Bezirk hätte man einrn ails diesc: VLksÖiCOMhCÜM berückfichtigxnken TQkif nicht aufstelli'n könnén. Etwas Ideales ist aUcrdingS bezüglich drr Unfaüvcrbütung noch nicht c-rreixbt worden, aULin bei territorialen Vcrbändrn hätte man in dicser Bkzikbung noch wenigkr errrichcn könnén. Dis Klagen über die Höhs der Vsrwalfungskosten sind ein Märcbxn aus altsr Zeit, als bis Zahl drr entschädigten UnfäÜe noch eine geringe war. Jexzt sind die Kosten schon erheblich zurückgegangen und im Be- barrungszustande werdsn sis 9_10 0/0 der Entschädigungen betragku. Zudem tragen die Arbsitgrbcr allcin die Kosten. Die Invalidenvkrfiäoerung kostet, trotzdem es R(T) nur um die Feststellung. d-s ALMS und der Invali- dität handelt, 50 „5 pro Kopf; bis erufsxicnoffensckyaftcn haben bis! mcxr zu leisten, namennicb dir linsaUvsrbüiung und dir Beitragsémziebung zu besorgen. 64 Millionrn Mrdkn isizt, un: zwar infblg-S der Selbst- verwaltung, obne Orkofition grtragcn, “FT kann mein Brdausrn nicbt unterdrücken, daß das R8ich57Vsrficberungznnr nicht durch seinén kt?- wäbrtxn, in dLrPraris bewanbértsn Präsichtsn vertrctr'n ist. (311ka des Staatssekretärs, Staats-Ministcrs Dr, von Boctticbcr: Das Amt ist vrrtreten!) Ick) fcb? aiikrkiWH Herrn Exbsimcn Raik“ Zachrr; abcr dms Feblc'n dcs Präfiksntrn bcßätigt die Bebaurtungxn von drr Uneinigkeit kser'iébk-amt-I dcs Inncrn und des Vcrficbcrungs- amts. Die“ Vorlage enthält Brsiimmunsén, [“is die Stküung ws Versicherungsamts 1-2rabdrückc'n, sO bezüglich dsr Bilkung dsr Sxikkx- gkricvte, bezüglick; dsr Bcaufficbtisung dsr Vcrmbxxxsksrwzitunz, drr En1schribung dsr Bksckpwerdkn gcg-cn L*Sriiksgenomanaétsn. in dcr Bcsrßung dcr entsäocikknkcn kaarIbrbÖ-M, dcr Vcrmebrung ker Mit- glicdcr [W Bundcxratbs, VN! dkm'n zw-Ii 151115515611 nich! anzazkbörcn brauchen. Die“ Mitglikdsr ch BurLTc-F-ratbs Rix? kxinx unab- abbängi cn Riklt-“r, "onkc'rn ibr-Jri N:"gisrungxn Verantvxri- lich. Lich svrcr c mich 1*-.'r"s*:11ich :kiÖt iu: Namxn a11xr Berufsgcnoffknsckyaiicn, für d:? Nu§::*b:i:::.: dcr Umialib-Krfichunz auf das Hzndwcrk „ms, da dic 11;:§al1g:*'.1br [Wsclbcn nicht so Kehr gering ist. Die :*orgcscblagcnx kr:*i?ach-.* Nuödcbnung bezüglich dcr Bauhandwerk» dcr Fubrrrcik-Ibe'tricbc ux: ?:“: bäu-Iiicbcn Dienstc fülir nvibdürftig ric bcstcbsnkcti L;";ceri au-I. Dux“; Dkk! Unte'rnkbmcru m:: ive'niqcr als AAVK C'tixk-xmxnkix ka-J R:“Öt Dcr Scibswcrficbcrung ,:rt gxben ist, ja dax": fir“ N:?"Wérungür'ixrkxiz grmakbt n'chcn kénm'n, Yr'rnkr die' We'rsicdcrmxg kkr "Y.:äaxitcn n="? dsr Organ." der GT:;OFCZU i.bc-itcu, ist (“117334112- zi: b:11:;:.*::. CNÜÜT iir dic Fw:":érrmZ, ck45» cim" Ne'zUc Von: “Tag;" Tér ÖKUDM'U M*iixmx: ab 9.119 ULM: O:: “2151411771723. WIN „265.151: w:“rdcn ",".i. Tax“: kfx" Nsntc nu." F?;“JZQ'QUW betiäst, wird!" '1*zi.i1ck:'u:1*krat;'*ch-c::341321577.3.12?;:x:gcx;*chib:'z::ch:2::. WZ H.:fsviitc'btge'iki; v-JMUÖ .731;7ckr::,:§ :*311c G::iWäszxxg. „:X? :::.: bsi Vcrsxbuldunx'. ?:“é Axbéixgcö:':§. 1:5 3.337 m:: ii: :*:nxw VN:: „111cr Fall;“ iiack.;cir*;:*'.:i ::».“rkcn kimi. “IM? !*.“crkxx'. ;ck": 3.21.“ Ux'ééc amv Tic dumb U:".VOr'iDNg ::: F:§:'«.i"!*:.:k;*': DDI" 21:3".ka x:“:- imndmicn :'i:t“.d.§ck:,_:t m.“ 129.2. wm“ II:! 13:7„;:*.*:ckr'.§§3 P:".nxé“: ); fiitbci 1.111 xmms: *.* :* 7.2: * :; :*;'::::“:'crr';**édiz;“: ??.“Sm UUMÖW V:"!“IWUW. ' " " * ".: F:;Öxxx * '

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