1819 / 33 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung, Sat, 24 Apr 1819 18:00:01 GMT) scan diff

fen und mit großer Feierlichkeit empfangen worden. Der Kardinal Staats:Sekretair Consalvi tvar Ih: nen bis an die Tiberbriicke entgegen gefahren, wo: selbst Si? mit Artilleriesalven begrüßt und vom Kar- dinal Staats-Sekretair im Namen des Papstes be: willkommt wurden. Nach kurzem Au3ruhen in einem besonders hiezu eingerichteten Pavillon stiegen Sie in die päpstlichen Gallawagen und fuhren durch die 70113 (181 17011010 in Rom ein. Gegen 5 Uhr nach: mittags stiegen Ihre Majestäten am Paliasie des Quirinals aus. Nachdem Seine Heiligkeit von der Annäherung JJ. MM. benachrichtiget worden, gingen Sie Allerhöchßdenselben in die Vorsäle des PaUastes entgegen. JJ. MM. bezeigten Ihre Ehrfurcht und Ergebenheit gegen die geheiligte Person des Ober: hauptes der Kirche und wurden von dem heiligen Va: ter mit der lebhaftesken Freude und väterlicher Zärt- lichkeit empfangen. Alle Fenster der Palläsie und Häuser längs des ganzen Weges von der korßa (101 koyolo bis zum Quirinal waren aufs festlichste ge: schmückt und eine unermeßliahe Menge Volks erfüllte die Luft mit Freudengeschrei.

München, vom 15. April. Ueber den Geseßent: Wurf, die Staatsschulden und deren Tilgung betref- fend, hielt der Abgeordnete v on Hornthal gcsxopn einen Vortrag im Namen des vierten Aussehußes. Er stellte dar, daß der vom Ministerium entworfene Plan in vieler Rücksicht nicht haltbar und zur Annahme nicht geeignet sey. Obwol der anwesende Fi:1anz:Mi- nister und der Königliche Kommißair von Sutner den Plan zu rechtfertigen suchten, wurde doch beschlo- ße'n, daß derselbe noch zunächst an den zweiten Aus- schuß gelangen solle, um mit dem vierten AUZschuße gemeinschaftliche Berathung zu pflegen. Die Resul- tate sollen der Kammer hienächsi wieder vorgelegt werden. ,

Der vierte Ausschuß ging bei seinem Gutachten von der Meinung aus, daß die mit etwa 100 Mill. Fr. angegebenen Staatsschulden nicht eher unter Ge: währleistung der Stände des Reichs zu sieben, als bis deren Liquidität nicht blos im Vortrage und in Tabellen in Ansas gebracht, sondern auch gehörig nachgewiesen seyn werde. Sodann glaubte 'der Aus- schuß, daß das in Antrag gebrachte Darlehn nicht eher zu bewilligen sey, als bis der Naben und die Nothwendigkeit nachgewiesen worden. "

In der Kammer der Reichsréithe hat der Graf v. Rechtern-Limpurg auf Abschaffung des Lotto angetragen.

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In der Nacht vom 6. d. M. hat man hier und an den benachbarten Orten, so wie in der Nacht vom 10. d. zu Augsburg und Landshut eine Crderschütte: rung bemerkt.

Stockholm, vom 6. April. Ein vom 1. Julius an gültiges Gesetz verschärft die Strafen gegen Zoll: unterschleife. Gleichzeitig ist, vom Jahr 1820 an gül:

tig, eine Schiffahrc:Ocdnung erschienen, welche 14 welche in: und ausländische „* Die Einlauförtec _

Häfen bestimmt, in Schiffe direkt einlaufen dürfen. der übrigen Häfen, wo vorläufig angegeben und visi- tirt werden soil, sind genau vorgeschrieben. Fahrzeuge unter 15 Lasj'en dürfen nur mit Schwedischen Pro: dukten auswärts segeln und mit den Erzeugnißen des Lbschungorxes zuriichkommen. einén verbotenen Hafen und auf das Löschen in ofncr See sind harte Sirafen geseßt.

Inland.

Koblenz, vom 12. April. Zu AhrWeikcr, im Ne- gierungsbezirk von Koblenz, starb vor Kur,:em ein Kin-

gestellter, evangeliscßer Religion. Man bere:tcre ein ,

Grab auf dem katholischen Kirchhofe; alicia als die Beerdigung statc h&ben solitc, fand mon 0-15 GMS zugoscharrt, Am folgendén Tage ward der Vorstorbene aUßerillb des BeriNges des Kirchhofs begraben.

Unter dem lc'kzten Kurfürsien zu Trier ward zu Koblenz nur ein Theil des Kircizbofcs geweiht; der übrige Naum disme zum Begräbnißorte für Pro- testanten. Alléin im Jahr 1797 bsiahl die Munici- palitéit, die ans lauter Kaxhoiiken bxska:=:d, daß ohne Rückficht auf ReligionsbeksixMis, eiue Leiche Neben der anderen gelegt wcrdkn folie, und so ward es bisher gehal- ten. Die nämliche Municipalitéit feierte damals von den Pfarrern die Reverse zuriick, Welche Protestanten bei gemischten Ehen unterzeichnet hatten, und hän- digte sie ihnen mir dem Znsaß aus, daß es dem Staate ganz gleich set), in welcher Religion seine Büx'gek- erzogen würden. Auch hob die Municipalixéit die Ver- ordnung auf, nach Welcher kein Protestanr in eine der Innungen der Stadt aufgenommen werden konnte, und ertheilte einem derselben das Meisterrecht, ohne sich an den Widerspruxh der Zunft zu kehren.

Diesen Vorgang zu Ahrwc'ilcr müßen wir um so mehr bedauern, da der Vorwurf der Intoleranz den Rhein- ländern nicht gemacht werden kann. Eine Untersu- chung ist angeordnet, und wir werden zu seiner Zeit das Resultat derselben bekannt machen. (Rh. Bl.)

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Die Verfügung, welehe der Großherzog von Sachsen-Weimar und der Herzog von Sachsen- Gotha an die Universität zu Jena erlajen haben, isi folgenden Zuhaus: ,

Die Ereigniße der Zeit haben auf den Geist und das Benehmen der ßudirenden Jugend einen Ein- suj geäußert, welcher einige löbliche, aber auch viele nachtheilige und zum Theil unglückliche Folgen nach |ck sezvaen hat '

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Wir trachteten daher schon als sich die erften Zei- chen von diesem Einfluße offenbarten dahin, bei den von Uns in den lehren Jahren zum Besten Unserer Gesammt:Universität Jena getroffenen neuen Ein- richtungen, das Löbliche dieses Einfiußes möglichst „zu befördern und dem Nachtheiligen durcb zweckmäßige Anordnungen in der akademisax-en Disciplin und sonsk nachdrücklich zu begegnen, und Wir hegten zu der gebildeten teutschen Jugend das Vertrauen, daß ste

Auf das Einlaufen in ,

im Ganzen sich bestreben tverde, fich den durch „dix be: stehende liberale akademische Versaßung begünstigten Geist der Liberalität und Humanttat sclbsc zu eigen zu machen. . _

Alierdings haben auch die Studirenden großten: theils, besonders im Laufe der Jahre 181,6 und 1817 diese Hoffnung zu Unserer Freude nicht gemuschi. Aber zu Unserem großen Misfalien haben wir sert xener Zeit bemerken müßen, daß der unter den Stttdixei1: den herrschende Geisk hi? und da eine „verderbliche Richtung nimmt, und in diessr sich taglich wehr auszubreiren droht.

Da nun hierbei unverchbax wahrzunehmen gewe: sen daß von anderen Universitätsn und fremden Schulen viel dieses verderblichen Geistes zmch Jena gebracht worden so haben Wir es fiir hbch|_ipü11: schenswerth gehalten, daß das teutsche Universitäten: Wesen von dem tcutschen Bunde als eine gemein: same Sache behandelt werden möge, und haben auch bicserhalb einen Antrag an die Bundesversammlung gelangen laßen. Wir sehen auch der Beachtung U11- seres Antrages um so mehr gewiß entgegen, als diese Versammlung sich von der Wichtigkeit; des Gegen: siandes schon früher überzeugt hat.

Um jedoch einstweilen Unsere Gesammt:Landes- Unibersität gegen den Nachtheil des fremoen Einflus- ses zu sichern, haben Wir die Entschließung gefaßt, durchaus'keinen Ausländer in ihrer Mitte zu dul- Den, welcher nicht von seiner Regierung eine ausdrück- 1iche Erlaubnis; zum Bestehen derselben, uns dadurch gleichsam eine besondere Empfehlung séiner P;-rson vorzeigen kann, wie Wir denn auch Unsyren Landes: kindern das Studiren auf fremden Umversim'ten _nur in besonderen zu Unsrer Kenntniß zu bringean FUL; 1en gcsmtten, auoh in Ansehung der Unsexe Lunch: schinen besuchénden Ausländer eine glcicbe Borstcizt- maaßrigcl, wie bei der Universität, Werden eintre- Fln laßcn.

Indem Wir cuch dieses andurch bekannt macix-en, versetzen Wir Uns zu euoh, daß Ihr euch genau da- Uach achten werdet.

Weinmr d. 30. Miirz. Gotha d. 29. März 1819.

Dkk Antrag an die Bum-esversammluug ist ganz aligemein auf eine Bechhung iiber gewiße Grundsätze der DiSciPlin zu Erlcichterung des Negimenks auf den Mniversiräien gerichtet, wobei der Herr Großherzog _mxb der Herr Herzog, indem Sie Sich zu alien zwéci'ma: ßigen und ausführbaren Maasrcgeln geneigr erkliich, doch im voraus bevorworten (aßen, daß Sie, einge: denk der anerkannten Leistungen teutscher Universitä- ten, Uie fiir solche Einrichtungen stimmen könnten, Welche entweder ihr iNnercs Wesen zerstören und sie mittels AufhebunZ dir akademiscixen Freihcik zuSchu- Len umformen, oder die Freiheit der Meinungen und der Lehre, durch welche in ofnem Kampfe das Wahre gsfunden und der Lernende vor Einseitigkeit und dem Vertrauen auf Autorität bewahrt werde, verleßen würden.

Diesem Antrage war eine Darstellung de-ßen, was in Muster Zeit fiir die Universität geschehen, beige: fügt. Da die Lehr: und DiIciplinar:Einrichtungen im Wesentlichen ganz mit den unsrigen übereinstim- men, und der vortreffliche Gsift, in welchem die R;": gierung in solcher Beziehunggehandelt, auch der Geist der unsrigen ist, so dürfen wir es übergehen, und uns Mf Mittheilung deßen beschränken, was namentlich Über den Géiß der studirenden Jugend und insonder- heit übst: die Burschenschaft gesagt wird:

Vorlaute Aeuß.erungen der akademi- schen Jugend über die öffentlichen An- gelegenheiten Teutschlands.

3) Griinde derselben. Wenn übrigens in der Neusten Zeit die studirende Jugend hie“ und da ck“ Theilnahme an den öffentlichen Angelegenheiten des Vaterlandes auf eine Art bewiesen hat, welche sons? wol und in der Regel nicht für dieses Alter Paßk- welche die Gränzen zwischen der Schule und

dem Leben leicht vermischen möchte, welche aber da:- um dem Wesen der Universitäten offenbar entgegen isi: so isi nothwendig, das Außerordentliche der Zeit in Erwägung zu bringen, in wel- cher solches alles geschah. Als die 'siudirende Jugend im Jahr 1813 auf Teurschlands Hochschulen aufstand, als sie eilte Theil zu nehmen an dem Kam- pfe fiir die Freiheit, die Ehre, die Sitte, die Sprache des Vaterlandes: da wurde sie mit offenen Armen em- pfangen, da wurde sie in Schaaren geordnet, da sah man in ihr keine Kinder, sondem werdende Män- ner. Als sie zurückkehrte aus dcm Kampfe, als sie auf Zeichen männlicher Handlanger: sich berufen durfte, da konnte ihr nicht sofora das laute, sonst nur dem Manne ziemende Sprechen und Schreiben über die Güter untersagt werden, für welche sie geblutec hacxe, fiir welche in ihrer Mitte Freunde und Brüder gefaUen waren; da konnte man nicht sofort diejenigen als Unmündige bchandeln, welche man in ihrer edeln Begeisterung als Emancipirte, als Wehrhafte gebraucht hatte. Auch in andern Theilen des bür- gerlichen Regimentes giebt es, nach solchen Kriegen, welche, als Volkskriege, das ganze Volk in Bewe- gung gebracht haben, eine Zeit des Ueberganges von der Bewegung zur Ruhe, von der Ueberspannung zu dem nacürlicyen Zustande.

b) Verfahren, welch es die Erhalter der Universität Jena beobachcet haben. Daß die Crhalter der Universität Jena dieses beobachteten, ist gewiß ein Hauptgrund, warum auf Ihrer Univey- sität in den Jahren 1816 und 1817 keine Bewegun- gen sinti gefunden, warum hier die Studivenden sich von sclbsi in einen Flc-iß, eine Ordnung, eine Sitt- samkeit eingewöbnt haben, die in jenen Jahren von aUen geriihmt wurde, welche die Anstalt länger und g-snauec beochiyteten, sie nicht bloß auf einem Durch: singe bkuriheilten, nicht von Einem auf Alle, nicht von dem Einzelnen auf das Ganze schloßen.

Wie aber jelzt, da nach und naoh ein neueres,ju- gendlicheres Geschlecht die Universität: bevöl- ker:, Tas Verfahren der Regierungen, aus xwohldurch-

-----d«1ch:cn Gründen, sich ändert, beweiset unter andern

ein Rescript, welches wegen der Feier des 18ren Octo bers im Jc-hr 1818 erlassen wurde, und, um die Lehrer der Universixär auf dem richtigen Wege zu erhalten, mit den Wo:“ten schloß: „die Pflichten dcs einzelnen Pxofeßors bei solchen Gelegenheiten wollen Wir nicht vorzeichnen, da Wir wol voxaus- scßen diirfen, daß sich jeder unter EUch sexbsi daran, 0:1“sei11cn geleiskeren Eid erinnern, und Unsern Bei: fall zu verdiem-n suchen, nicht aber Uns Masnehmun: gen abnöthigen werde, die Wir im entgegengeseßten Falle zwar höchst ungern, aber gewiß eintreten [aßen wiirden. Nur derjenige, welcher die jungen Leute auf der Universität in den ihnen noihwendig zu stek- k'cnden Gränzcn und Schranken zu leiten weiß, nicht aber derjenige, wslchec sie selbst über jc-ne Gt'änzen und Schranken hinauszufiihren sucht, kann auf diesem Posten Unser Diener bleiben.“ -- „Um die' Lehrer auf dem richtigen Wege zu erhalten;“ denn gefiMden und erkannt war dieser Wegvon ihnén selbst. Schon im Jahre 1817 sprach ein Lehrer zu den Stu: direnden: „Ihr seyb jetzt Jugend, der kein anderes Geschäft zukommt, als sich so einzurichten, daß sie gedeihlich wachse, sich bilde, sich nicht durch eitle Ge- bräuche *aufreibe, daß sie also zu diesem Zwecke fich verbinde, und sich um Anderes nicht anders kümmere, als in so fern, als man das Ziel scharf in das Auge faße, nach dem man laufen soll. Der Staat ist euh jetzt fremd und nur in so fern gehört er euer, als ihr einst wirksame Theile darin werden könnt. Ihr! habt nicht zu bereden,. was im Staate geschehen soll, was nicht; nur das geziemt euch, zu überlegen, wie ihr einst im Staate handeln sollt und wie ihr euch dazu würdig vorbereitet.“ -

6) Die sogenannte Burschenschaft. 8) Ver: anlasung derselben, Auch die sogenannte Burschen-