die Art und Weise, wie diese Oeffentlichkeit in Aus: führung gebracht werde. Nach ihm trat der Abgeord- Behr auf, und sprach für die Oeffentlichkeit und für die Schwurgerichce. Er wunderte sich, wie nach 18 Jahren über das philosophische Jahrhundert hinaus, noch die Frage davon seyn könne, ob eine so wichtige Sache, wie die Gerechtigkeitpftege, ein Kind der Fin: sterniß seyn solle, oder nicht. Die Oeffentlichkeit führe ein weit höheres öffentliches Leben herbei. Sie zeige dem Betheiligten, ob sein Rechtsbeistand sein Retter oder sein Verräther sey. Webber Vortheil schon, daß alle Richter zu gleicher Zeit von einer Sache in Kenntniß geseßt werden 26. Den bisherigen Justiz: beamten scheine die Oeffentlichkeit in der Ferne ein Gespenst, das sie aber bei näherem Betrachten gewiß lieb gewinnen würden. Auch der Advokatenftand werde "veredelt. Man brauche keine redmrisoben Künste, son- dern nur einfachen und gründlichen Vortrag. 5Idar wenn beide Theile es verlangten, könne die Oézffcnr- lichksit ausZenommen werdcn :e. Er sey üdsrzeugr, daß unsere Egoiftcn sich vor ganz Europa »;ch ärger beschimpfen könnten, als wenn sie durbh Form.: .: ;ck. die: sem köstlichen Gute entgegen seyn WOUÄCL'I. Y.:rauf betrat Hr. v. Hornthal die Rednerbüßnc. ixxr schloß sich ganz der Meinung seines VNJÉZUJLJI m:, und führte aus seiner Erfahrung, wie ec séxgt'e, sich akxcn- m'äßig belegte Beispiele (jedooh obUe Namcn:Nem-mxag) von sehr übel verwalteter Justiz an. Er schloß Mit der Bemerkung: der geheimen Justiz sw.) alles mög: lich, und es sey ein großes Unglück fiir éjnVolk, s:“ch durch Geheimschreiberei in rechtlichen Formen gewiß: handelt zu sehn. Nach ihm sprachen in gleichem C'iune Noch Köster, v. Aretin, Häcker, V.Frank1md b. Nothhaft. Die Abgeordneten v. Kloscn UNd Egger sprachen für die entgegengesexxte s))k-rinung. Die Sißung dauerte bis Mitternacht, bei immer ge- drängt voller Galerie.
In der Sißung vom 19. warben die Verbandlun- gén über die Oeffentlichkeit der Rechtspflsgc fortgeseßt, und gleich anfangs v. Hornthal aufgefodert, scine jüngst angeführten Beispiele näher zu belegen und be: sonders Namen zu nennen. Er weigerte sioh, dies in öffentlicher Sitzung zu thun. Die Kammer, be: Merkte er, sey nicht da, um Anschuldigungen zu ma: chen, und den Mitgliedern müße wol Vorsécht erlaubt seyn, um nicht, nach geschloßenen Sißungen und bei der Heimkehr, Haß und Verfolgung zum Lohne zu
haben für "gesagte guke Wahrheiten; zugleich ersuchte „
et den anwesenden Justizminister um Schulz in dieser' Art für alle rückehrende Mitglieder. -- Als es zur Abstimmung kam, war die Mehrheit für die Oeffent- lichkeit der RechtSpflege.
** Weiter stattete der Abg. Schulz, als Sprecher dés fünften Ausfohußes, Bericht ab über 56 Eingaben, vhm denen die meisten, als nicht geeignet, bei Seite gélegt, cindre den Ministerien empfohlen und eine (die KZstlerschen Erben fodern 200,000 Fl. vom Fiskus) der Kammer zur Bevathung überwiesen wurde. Abg. v.
Horn thal merkte dabei an: dies sey eins feiner vor:" gestrigen Beispiele; und während die Kammer hier“ siße, sey von einer königl. Stelle der letzte Bescheid in die- ser Sache dahin gegeben worden: es sey dies keine Rechtssache, und würde es zu hart für den FiSkus seyn, wenn er alle so alte Foderungen zahlen soile. Am Ende der Sitzung wurde beschloßen, diese Sache, die freilich vom Spanischen Erbfolgekriege herstammt, den Mmisterien der Justiz und der Finanzen drin- gend zu empfehlen.
Karlsruhe, vom 18. May. Die Ständevev; sammlung arbeitete in den leßten Tagen in ihren Aus- schüßen oder Abtheilungen. Zu Bericht-Erstattern über die jüngst in Antrag gebrachte öffentliche Ge: richtspflege find, wie verlautet, für das peinliche Ver- fahren der Abg. Duttlinger, und für das bürger: liche der Abg. Ziegler ernannt. In der gestrigen Sisung entwickelte der Abgeordnete Buhl seinen An: trag auf Verminderung des Wildftandes. Cr entwarf ein mit Schärfe und sprechenden Details ausgemaltes Bild von den Verheerungen und vielfachen Nachthei: len eines übermäßig gehegten Waldssandes, unter welk chem einzelne Theile des Landes zu leiden hätten. Der Antrag wurde unterstützt, und zur Berathung cm die Abtheilungen verwiesen. Der nämliche Beschluß er; folgte auf die Entwickelung der Anträge des Abgeord- neten H U b n e r, auf Revifion des Staatsdiener :Cdiktes, und des Abg. Dreyer, in Betreff der km;,lichen Staatsverfaßung des Großherzogthums. Hübner wünscht Aenderung der Artikel 1. und 5. des Coikces, UKV DreyerAuflösung der katholischer: Kirchensckcion amd der damit in Verbindung stehenden Regiskosten: kaße, In der nämlichen Sißung hatte die Diskaßion des Antrages des Abg. v. L o Hbeck in Betreff des freien Handelsvbckchrs statt. Cornelius und v. Lieben: stein sprachen für den Antrag. Nach geschloßener Diskußion wurde der Antrazxz einstimmig angenommen. Die nächste Sißung ist (Ws morgen anberaumt.
Frankfurt am Main, vom 20. May. J:: der 17ten Sitzung der hohen Bux1desversammlung vom 13. d. M. wurde von der in dsr 17ten vorjährigen Sißung gewählten Kommkßion, bestehend aus den Herrn Ge- sandten von Oesterreich, Preußen, Baiern, Hanover und Oldenburg, wegen dcr bedeutenden Foderungen an die ehemalige Reichs-Operationskaße, ein Vortrag gehalten und ein Gutachten abgegeben; der Vortrag selbst aber, behufs der darüber zu erstattenden Berichte und einzuholenden Instruktionen, loco äicracuras ge: druckt, und soll über diesen Gegenstand binnen ZWQ- chen abgestimmt werden. In derselben Sißung hat der an die Stelle des Herrn Senators ])r Hach zum Bevollmächtigten und Gesandten am teu.s;:,cn Bun: destage für die freie Stadt Lübeck ernannte Hr. Syn- dikus Dr. Gutfchow feine Vollmaoht übergeben.
Der auf die Dauer einiger Wochen nach Olden- burg abgereifte Hérzogl. Holstein-Oldenburgseße Ge- sandte, Hr. Präsident v. Berg, hat den Großherzogs. Heßischen Hrn. Gesandten v. Harnier substituirt.
Wien, vom 15. May. Se. KaTserL. Hoheit der Großfürst Michael trafen am 13. d. abends um 10 Uhr aus Italien in erwünschtem Wohlseyn hier ein und stiegen in der Kaiserl. Hofburg ab. Während des Aufenthaltes dieses Prinzen in unserer Kaiser: ftadt, der gegen 1-4 Tage dauern soll, werden verschie- dene Feste und Militairübungen stattfinden. Der Major Graf Clam:Mar tiniz war Ihm von hier aus entgegenges-mdt worden, und der General la Harpe in Triest zurückgeblieben.
Paris, vom 18. May. In der Deputirtenkam- mer hatten die Diséußtonen übxr die Rechnungen der verfloßemn Jahre noch immer lebhaften Fortgang. Nash einem langen Vortrage des Berickt:Erscatters dsr Kommißion, Herrn Roi, trat Herr Gani lh mit eini: gen andern Anträgen auf, welche dahin gingen, daß, bevor nicht ein Gesetz über die Organisation und Nech- nungsablcgung des Königl. Schaßes gegeben und dadurch eineVorschrifc wegen Bcobachtung der Formen festgesteljt worden, der definitive Beschluß über jene Rechnungen aufgeschoben werden müße. Aber diese Anträge, wie: wohl sie Constant und andere unterscüZten, wurden mittels der vorläufigen Frage («"a-schon yréaäab16) beseitigt. Dagegen aber beschloß die Kammer, daß eän von dem Entwurfe der Regierung abweicbcnöer Entwurf des Präsidenten der Kammer, über die Rs.): gulixung obiger Rechnungen, vor jenem der Adj'mn: mung unterworfen werden solle, obgleich dcr Stex!- bewahrer und der Kommißair der Regierung das (xe: gentheil verlangten.
Mcrkwücdiger is die Silzxmg vom 17. d. auf welcbe das Publikum äußerst gespannt war, weil darin übex die sämmtlichen Bittsa;riften f;“?r Zur(;.f"bcrufung der Verbannten Fl'äUzOsCU ohne U::l“ex*s;€;-ieb, Ver'xcht erstat: tet werden sbllte. Eine ungswkhnléch. grbße Anzahl Zu: hörer ham“ sch) eingsfxxxden; «be? die Enq'ebeiduug der Kammer, welche, genxäß dem .Ö-éktchki' der Kommiß'iM, über dre Zurückberufunzz ber VéWÜthkU in Masse mik großer Stimmenmxhrheic zur TagWoronung ZW,??- ging, sch€én Uicht nach ihrer Erwartung auszzefallen zu sebn, indem sie sich gleich darauf entfernßen. Vor: züglich der Siegelbewabrer hatte in einer ausführiichen Rede für Die Tagesordnung gesprochen,
Gegen den bekannten General Donadieu ist ein? schwere Anklage erhoben, namentlich deshalb, daß er, kraft eiuer telegraphischen Depesche, ein außerordentli- ches Gerécht gebiidet, welches an Einem Tage ein und zwanzig Personen, worunter ein Kind, zum Tode verurtheilt hatte.
London, vom 19. May. Im Hause der Lords (Oberhause) gab es am 17. eine lebhafte und anhal- tende Debatte über die Emancipation der Katholiken nach
„ dem längst bekannten Vorschlage des Lord D o n o u g h-
m ore. Unter andern sprach der Herzog v. Welling- ton dagegen, und dxr Graf Gray dafür. Nach einer Deliberation, die bis nach 1 Uhr früh dauerte, wurde die Motion mit 147 Stimmen „gegen 106 verworfen.
Im Hause der Gemeinen machte geßern Huy Tierney seine Motion wegen Ernennung eines Kom: mité zu Untersuchung der gegenwärtigen Lage dex Nation. Es war im Grunde ein Sturm auf das jetzige Ministerium, und obgleich, wie vorauszuse- hen war, der Sturm abgeschlagen wurde (bei der Stimmensammlung am Ende der Debatten fanden sich 178 Stimmen dafür und 357 dagegen): so hatte doch seit langer Zeit keine Motion die besten Redner beider Partheien ,so in Bewegung gebracht als diesx. Man rühmt in der Rede des Herrn Tier: ney den ihm eigenen treffenden Wib, und hebt aus dér des Baronet Francis Barbet sein bekanntes Lieblingsthema, die radikale Parlaments-Resorm her: aus, w:)gegen Herr Canning mit aller Kraft sei: ner geistreichen Beredsamkeit aastrat und den Baro- net .mehr als einmal dem Gelächter der Anwesenden Preis gab. Aua) Lord Castlereagh spma) viel und mi. «F“:folg. (Wir behalten uns vor, intereßante Ein: zélh;„,“5?*.-1 aus d:efer lebhaften Si-Zung künftig beizu; bkl';*ae._;.;«'„), “
NM,“- melden die neusten Londoner Nachriahten, M:“; 11": b:»; London-Taverne etwa dreißjg Kaufleute zxx-cßwal eine Versammlung gehalten, um sich über (Mx bei dem Parlament Unzureichende Bittfchrift zu besprechen, daß nicht burch eme erzwungene, schnelle und widerrechtliche Verringerung des Geldes oder der karrenten Aaötauschmittel der Handel erschwert, der Werth der Gütxr vermindert, und der Staats: kredit u. s. w. beeinträchtigt werde. Bei der zweiten Versammlung erfcbéenen auch der bekannte Hunt, MajorCartwrightundWatsonunb brachtendurch Einmischung fremdartiger Bestandtheile die Versamm-
- lung von dem beabsichtigten Gegenstand ganz ab.
Auch ist noch zu erwähnen, daß Lord Whit- worth, über deßen Reise nach Pakis sfch die Frau- zösischen Zeitungen in allerlei Murhmaßungen verlo: ren, wieder nach England zurückgekehrt ist.
Zu Montevideo ist, nach Londoner Berichten, eine Verschwörung gegen die Portugiesen entdeckt worden, die sich bis Santa:Fe erstreckt, und zu deren Ober- haupxe sich der aUSgewanderte Bonapartische Unterprä- „ fekt Robert aufgestellt. Mebke Franzosen find mit arretirt. UncerU andern ist deshalb auch Bonplandt, Aée,rander v. Humboldts Reifegefähxté, zu Prota- kol vernommen wbrden.
Nordamerika. Der Senat hat noch vor bee Beendigung der dieImaligen Kongreßséßung den von Hrn. Galatin, Staatssekretair im Departement des * Inneren, auf Befehl des Präsidenten vorgelegten gro"- ßen Plan zu einer engeren Verbindung der verschiede- nen Staaten des Bundes durch Anlegung neuer Heer; straßen und Kanäle genehmigt. Der Kostenaufwand ist zu 20 Millionen Dollars angeschlagen, wovon in jedem Jahre zwei verwandt werden sollen, so „daß das ganze Werk in zehn Jahren vollendet seyn wird,. Die gewöhnlichen Staatseinnahmen find hinreichmd befunden wordm zy Deckung diese,: Kosten,