Truppen selbst, die ohne Unordnung, ohne die Ehr: sucht eines Befehlhabers, zuerst die Konstitution fo: dern die aus dem allgemeinen Willen des Volkes, wie der Monarch fich unlängst ausbrückte, hervorge- gangen, und die ganze Nation hat noch einmal be- wiesen, daß es zur Erlangung ihrer Rechte hinreichend ser), ste erlangen zu wollen.“ Was Herr de la Fayette nur ahnen ließ, drückte Herr B. Bignon in einer an fich gehaltlosen Rede Unverschlejert dahm aus: „Mögec ihr immerhin durch Ausnahme-Geseße der Verfaßung entgegen handeln! Cs giebt noch Ge- seße, welche die Erhaltung der Verfaßung in die Ob: hut der Bürger stellen. Umsonst macht ihr tyran: nische Gesetze: die Tyrannei kann faktisch nicht mehr bestehen, wenigstens nicht nach Cuern Einricytungen. Die Maße der Nation wehrt die außerordent- lichen Maasregeln als demüthigend, als beleidigend, 'von sich ab. Ja, wir bekennen es mit dem ganzen Frankreich, wir finden uns gedemüthiget, daß wix in diesem Augenblicke über Verfolgungsgesehe spreehen müßen; aber wir erschrecken davor nicht. 'Wir bieten ihnen Troß; wir verachten die empörende Drohung.“ Der Herr B. Constant redete in demselben Sinne, obwol bei vorzüglicherem Talente, mit einiger anschei- nenden Mäßigung seiner Worte. Der Minister der Auswärtigen Angelegenheiten, B. Pasquier, der schon am Tage zuvor für das Geses mit entschiedenem BeifaUe der Mehrheit gesprocpen hatte, antwortete den Herrn de la Fayette, Bignon und B. Constant, Er sagte: „Diese Redner nöthigen mich zu sehr ernsten und sehr traurigen Betrachtungen. Alle drei voti einerlei Grundsähen beseelt, durchdrungen von ei- nerlei Gefinnung, haben ße eine Sprache geführt, die, bei alier Verschiedenheit der Form, ihrem Inhalte nach “und in ihren Schlüßen dieselbe seyn mußte. Sie haben uns nämlich Folgendes gesagt: Es sind uns drei Gesese vorgelegt; diese GeseHe sind nach unserer Mei: nung den Principien der Freiheit zuwider. Mögen sie “indes immerhin durch die Mehrheit in dieser Kammer Und in der Kammer der Pairs angenommen, mögen ße immuhin vom Könige bestätige: werden: wir be: haupten nichts destoweniger, daß sie den Grundsäsen der Freiheit zuwider, daß sie also gegenrevolutionair sind, ,weil fie die VerfaßungL-Uckunde in Stücke rei- ßen. Da nun eine Gegen:Revolution die Revolution herbeiführt und rechtfertigt, so weissagen wir Euch eine Revoluxion. Eine Revokution entsteht, wenn die grö“: sere Zahl die kleinere überwältigt. Wir haben die größere Zahl für uns, also find wir vieStärkeren. Rathfshlagt verfaßungsmäßig, so viel Ihc wont! Er: freut Euch dieses unbedeutenden Sieges! Uns erwar- “ttt *ein weit vollständigerer Sieg, der uns gar nicht fehlschlagen kann. In diesem Falle übrigens, lieben Freunde, versprechen wir Euch unsern brüderliohen und großmüthigen Schuh.“ Die Sprache ist deutlich, sollte ich meinen; es heißt: zur beliebigen Nachricht. Man kann es aber auch mit vollem Rechte eine Drohung munen. Und welche Drohung? Keine andre, als
eine Cmerung; keine andre, als die stärkere Zah-l ge: gen eine Mehrheit, die verfaßungsmäßig berathschlagt. Auch hat man nichts gespart, diese Drohung oder diese beliebige Nachricht gehörig wirksam zu machen; man hat seine Kräfte in unserem Beiseyn aufgezählt; man hat ste gleichsam vor unseren Augen gemustert. Wir dürfen zwar an die Zahl wirklich nicht glauben, aber wir soUeu fie uns doch wenigstens merken, weil man uns in Ermangelung von Gründen Soldaten entgegenseßt. Wir sehn es also, man hat Bürger gegen Bürger, Soldaten gegen Soldaten in Reih und Glied gestellt, und beinahe hätte man uns gesagt: soviel haben wir in den Legionen, soviel in der Garde, soviel in Mes, soviel in Lille, soviel in Paris; ja, das glückliche Ge: dächtnis eines unserer geehrten Kollegen hat uns die Tage von 1789, die Empörung die damals ausbrach, und die Theilnahme der Soldaten zurückgerufen, um die Erinnerung daran der öffentlichen Dankbarkeit zu empfehlen.
Es läßt sch begreifen , daß es zur Gewohnheit werden könne, unter den Träumen seines Ruhmes einzuschlummern, aber beim Erwachen sollte man fich doch vor unvorsichtigen Reden hüten. Uebrigens täuscht fich unser geehrter KoUege sehr. Frankreich ver- langt gegenwärtig die Freiheit nicht, wie Cr im Jahre 1789 fie verlangte und in Ausübung brachte. Es hat die Früchte seiner Erfahrung noch nicht alle verloren. Es werß, wohin der Aufßand führt. Seine eigne Ge- schichte sagt ihm, daß vor allem der Aufstand der Soldaten am tödtlichsten für die Freiheit sey. Unk- nur ihr Aufstand? Es bedarf sehr oft nur ihrer Einwirkung, um sie zu zerstören. Die Tage des 13. Vendemiaire, des 18. Fruktidor, des 18. Brümairc leben noch in unsern Jahrbüchern; se sind mit bluti- gen Zügen hineingeschrieben. Und Bürger smd es, Bürger, die sich die Freunde der Freiheit nennen, be: haupten öffentlich , daß die Gewalt den Gesesen Schwei- gen gebieten müße! Crblickc man nicht den „Degen des Brennus in der Waagschale, dec Alles mit ih: hinwegnimme? Aber zum Glücke für das Vaterland geseUt sich hier Ein Unrecht zu dem anderen. Diese
vorgeblichen Freunde der Freiheit verleumden unsere *
Soldaten, welche weit mehr Bürger, weit beßere Bür- ger sind, als Diejenigen, die ihnen ihre eigenen Gesm- nungen zutrauen. Ich weiß nicht, ob gewiße politische Meinungen auch unter ihnen Eingang gefunden ha-
ben: aber das weiß ich, daß nicht Einer unter ihnen .
ist, nicht Ein Soldat, Ein Officier, Ein General, der nicht davon durchdrungen seyn solln, daß er nur zur Vertheidigung des Vaterlandes die Waffen trage; daß es sein heiligßes Amt sey, die Unabhängigkeit des M- terlandes zu achten und den Gesehen zu gehorchen- und vor allen d em Gesche, welches ihn der höchsten Ge- walt des Königes unterordnet, dem er geschworen- dem allein es gebührt, ihm zu befehlen oder befehlen xu laßen.
Aber das ist noch nicht Alles, das man -den Wi- derstand gegen die Gesehekpredigt, sobald diese Gasesc
'* gleichgiltig sind.
dem Willen einer Parthei nicht gnügen, sobald. ste das Unglück haben das Werk einer vecfaßungsmaßcgen Mehrheit zu seyn.
Das ist noch nicht AUes,“ daß man Bürger gegen Bürger, Soldaten gegen Soldaten zu den Waffen rgft; man sucht noch durch ganz Europa umher, ob es mehr irgend einen Funken aufzublasen giebt, den mßn ge: hdrig denusen könne, um den Brand zz: entzunden, der uns ein prachtvolles Schauspiel gewähren soll.
Gegenwärtig giebt es einen Punkt in Euwpa- auf welchen sich ganz besonders die Augen aller Menschen richten, denen die großen Begebenheiten, die das SUZU- sal der Geschlechter aufJahrhunderte beßimmen, mcht Die Hoffnungen der geehrten Kol: jegen, von denen ich spreche, scheinen ganz besonders auf diesem Punkte zu ruhen. Dort suchen ße ihre Beispiele; dort finden sie den Grund ihrer sehnlichjten Erwartungen.
Eine große Bewegung hat in Spanien statt ge: habt. Die Soldaten nahmen Theil daran; sie waren die ursprüngliche Triebfeder. Man erhebt ein Freu: dengeschrei, und einer unserer geehrten Koliegen denkt bereits, in seiner menschenfreundlichen Unschuld, auf
' eine Anklage wider den Minister der Auswärtigen An:
gelegenheixen, faUs die Französische Regierung für diese neue Revolution nicht so günstig geftimmt seyn soUte als der Redner es fodert. Ich :mhalte mich alles UrtHeils über die Ursachen und über die Wirkungen dieser Revolution. Es ist mein lebhafter Wunsch, daß se das Glück des Spanischen Volkes begründen, daß sie den öffentlichen Freiheiten, wie den Rechten der Krone aUe nur erdenkliche Sicherheit verschaffen möge. Wenn aber, ich scheue mich nicht es auszu- spreehen, wenn aber nicht bei dem ersten Erwachen däeser Freiheit die Waffen den Händen der Soldaten entssnken, die einen Augenblick vergeßen konnten, daß fie s91che nicht eher empfingen, als bis sie demKönige Gehorsam geschworen; wenn diese Verircung sich UYU! die ersten Augenblicke ihres Entstehens hinaus verlan- gert: dann ist es um die Freiheit, um die Ruhe, um das Glück der Spanier geschehen. Dl? Römischen Lk- giynen konnten freilich nach Gutbefinven über den Zepter der Cäsaren verfügen; sie konnten freilich, wechselweise, ihren Feldherrn ais K.:»iser begrüßen und ihren Kaiser ermorden: aber die Römische Freiheit konnte niemals wieder im Schatten des Lagers der Prätoria:
ner aufblühen.“
Nach der Rede des Ministers nahm noch der Ge: mral Graf Foy das Wort, doch nur um in allgemei- nen Bemerkungen gegen den Geses:Cntwurf zu spre: chen. Sehr richtig äußerte er, daß die Furcht vor der Yechheic der 5eitun8schreiber dem Scharfblicke der
eseßgeber des vorigen Jahres keine Ehre mache ; denn diese Folge hätten ste, als aus der Natur der Sache entspringend, bei der „Herstellung der Presfreiheit im vorigen Jahre von selbst voraussehen sollen.
Paris, vom 28 März. Die Pairs haben das Gxseß wegen der Beschränkung der persönlichen Frei: heit angenommen und der König hat es bereits sanktionirt.
_ Das Gesetz wegen der Presfreiheit der Zeitungen zvtrd noch immer in der Kammer der “Abgeordneten er: ortert, doch hat man den ersten Artikel, nach welchem der freie Umlauf der politischen Tagblätter eine Zeit- lang suspendirt wird, bereits angenommen.
Kours der Renten 73 Fr. 90 Ct.
_ Lopdon, vom 24. März. Die Krönung des KZ: mgez rst auf den 12. August, den Geburtsmg Sr. Majestät bestimmt.
* Dre Nachrichten aus den westlich Grafschaften IrlaUYS lauten beruhigender.
, Wader Sir Francis Burdett, der wegen seines Kup Agguft v. I. über die Manchester:VorfäUe an dxe Mahler von Weftminster in aufrührischen _Aus: drücken «geschriebenen Briefes vor die Asfisen zu Lei: «ster gesellt worden, hat nicht allein die große Jury
auf die stattfindende Anklage(crue-bi11) gestimmt, son: dern auch pte kleine Jury das Schuldsg ausgespro- chen. (Dre Assisen werden, London und Middlessex ausgenommen, in allen Grafschaften Englands nur zweupgl _;m Jahre gehalten, die kenzxAsstsen im März und Upm, dax Somma-Assisen im Iulius und Au- gust. Pas, rtch_terliche Urthei-l erfolgt nicht, wie ia Frankretch, unmtteelbac nach dem Aussprache der Jury, sondern _ecß am Ende der ganzen Sisung.)
Uebxtgenß hatte Sie, Francis B u r d e t t heute noch dte metsten Stimmen bei der Parlamentswahl von Westmmßec, die noch nicht beendigt ist.
Der Spamsche Botschafter hat die hiesigen Spanischen AUSgexvandecten emgeladen, ihre Päße zux Rückkeycin dae Humax von ihm zu empfangen.
Mahrid, vom 19. März. Der König hat der provtsoctsahen Junta am 17. d. M. befohlen, sich un: verzügiich mit der Enrwecfung des Reglemmts und der Instruktion zur Wahl der Abgeordneten, für die Versammlunß oer Cortes zu beschäftigen.
Dec Pra ident des vom Könige neu angeordneten Staatsrathes ist Don Joach, Blake. Unter den. Mit- gliedern befinden sich Don P. Assa, D. G. Cuscar, der Kardanal von Bourbon, D. I. Atmanza, D. P. Cevallos.
Der Herzog von San Fernando,.bisherigee erster Minister Staats:Sekretair, hat seine Entlaßung gegeben gnd geht als Gesandter nach Wien. An seine Stelle mtr O. Cvar. Perez von Castro, bisher Gesandter zu Hamburg.
Der General:Lieeacenanc de las Ama rillas ist zum Kriegsminißer ernannt, an d:: Stelle des D. J. M. von Atos, welcher seine Entlaßung gesucht und erhalten. -
Auf ein Gutachten der Junta werden diejenigen Personen, 70 an der Zahl, entlaßen, die dem Könige im Jahr 1814 dix Auflösung der Cortes gecathen haben.
' Noch eimge andere dura; die Annahme der .Kon- stitution hervéi geführte Dekrete find vom Konig: erlaßen worden,
In Kacix war, bevor die Nachricht von der An: nahme der Konßitution durch den König anlangte, ein Aufstand ausgebrochm, der etwa 60 Personen,“ unter thnen den Generalen Campana und Valdez, das Lebenjgekostet hat.
Dre Konstitmion wurde daselbst schon am 9. in Gegenwart des Generals Frey re und der Armee be: schw„oren. In Sevilla geschah es am 10. In Va: lencta nicht eher, als bis die königlichen Befehle an: langten; doch ist daselbst noch Bewegung. Der Gen. Ciro :| auf der CitadeUe vor der Wach des Volkes in Sicherheit gebracht.
In Katalonien ward der General Caskannos ver; hqftet; doch ward ihm mit aller Ashtung begegnet, die sem persönlicher Karakcer verdiene. Er ist wieder frei und Mitglied des neuen Staatscaehes. .
_ In Madrid ist,aUes beruhigt. Die Junta beschäf- trgt sioh [esc vorzüglich mit den Finanzen.
Turin, vom 14. März. Die Prinzeßin Marie vo_n Savoyen :Carignan iß heute von einem Punzen entbunden worden.
(.;n der regierenden Linie det, königlich Sardinistben Hauses snd keine Prinzen. D.“ König selbst- 69 Jahr alt, hat nur Töchter, und sem Bruder, der Herzog von Genevois, lebt seit 15 Jahren in einer kin: derloser) Ehe. Die Hoßnuy en des Hauses beruhen daher ]th auf dem o:]ährtg n Fürsten Karl von “Soavoyonarjgnan, der eit drittehalb Jahren mat der jüngsten Tochtex dx! coßhetkoges von Tos: kgna vermählt ist. Doe Luzie der F rsten von Ca; ngnan wurde voy, dem Prm en Thomas Franz v o n S av o oemxkngerem So m des regierenden Her: zog“ „Karl Emanuel, bekannt als Spanisxver und nachmals als Fran öfischer Feldherr im dreißigjährigen nge, geßiftet. _ sch der_Yrinz kasan von So- voyen möm zn msn Kum.)