"unierften Lobuklaffe »noch weiter ber'abseßen und dadurch Einnahmen fipreußens um 10 0/0 berabseßen. Eber - , man darxm denken, die Beiträge der höheren Lobnklaffen Maschen. Dre Vorlage bedarf der gründlicbften Prüfung und , , der Geschäftslage des ses wird es unmöglich sein, dieselbe * WAbscblr-ß ju brin en, an wenn sie einer besonderen Kommission lesen werden „w rd. Es ers eint überaus wünsc'benWertb, daß * vir ULM! en Be itmmun cn anne men, über welcbe eine Meinungs- n eit ni 1; beste t. Dießer Absicht Entspricht mein Antrag, bekehrt die in der Vorlaoe_eniba1men Erleichterungen bezüglich der nition dcr Erweernfabigkeit und bezü [ich des Markenklebens mraßt und sich als eine Art Nolbgesev ar tellt, welches man Me Kommisfionsberalbung sofort in zweiter esuna im Plenum aled en könnte: Solite eme Kommissionsberatbun beliebt werden, Lo ! te man dre Kommission beauftragen, diesen ntraa vorweg zu then und vorab darüber Bericht zu erstatten. Durch dieses 'Nojbßteseß würde der Bevölkerung Deutschlands ein wirklicher Dienst .geleist wer en. Direktor im Reichßamt des Innern von Woedtke: Der ' Anita?) des Herrn von Ploe sowohl wie der Antrag Roesicke scheinen wir 11 cbt annehmbar zu se 11. Die finanziellen Bedenken gegen den Antrag von Ploeß sind von dem Vorredner sehr eingehend und treffend „dargelegt worden, sodaß ich darauf einzugeben verzichten kann. Der Antrag von Ploetz will von dem Markenkleben absehen und eine Rears gewäbrxn, wenn eine Arbeitsbescheinigung beigebracht wird. Der Gedanke ist ganz schön, aber es wird dadurch nicht etwas Besseres erreicht als durch das bestehende Gesetz. In der Praxis wird es “ZG nicht bewähren, Arbeitsbescheinigungen beizubringen. Während der eberkzangszeit hat sich diesrs Verfahren nicht gut bewährt und hat zur 1“ arken Belzistigyng der Arbeitgeber, geführt, namentlich soweit :msiändi e Arbeiter in [Frage gekommen. Der Arbeitgeber muß die Bes ein gungen mindetens vier Jahre aufheben. Die Antragsteller des nfrages von Ploeß haben die nanzielle Tragweite ihres An- .!mges nickst übersehen, sie haben vie niedrigere Renten vor eschla en, alk das bestehende Geseß gewährt. Der Antrag Roefickße ent ält --einige gute Körnchen aus der Vorlage, _der Rest soll ac] (331611635 Eragoag vertagt werden. Ein Noihge1eß ist das nicht; denn es Wandelt sich dabei nicht um eine Abwendung von Gefahren. Bei einer Materie wie die Invalidenversicberung, welche bei der Bevölkerung uicht auf daSjenige Maß von Wohlwollen gestoßen ist, die sie der- dient, kann man nicht jest ein Stückchen ändern und im nächsten Jahre wieder. Der Außgleicb zwischen den einzelnen VcrsichrrungSanstalten viel dringender nothwendig als die Aenderungen, welche Herr oesixke durchdrücken will. In Ostpreußen ist ein recHnungSmäßiges Defizit vorhanden, welches sich von Jahr zu Jahr vermehrt. Bis 1900, wo die erste Rechnungéperiode abläuft, muß die Sache ge- regelt werden; um das Defizit außzugleichen, müßte die arme Provinz Ostpreußen ihre Lasten erhöhen. Herr Roesicke legt auf die Wfübrungen der Denkschrift. welche gegen seine Ausführungen sprechen, em viel zu geringes Gewicht. Es mag sein, daß nicht alle Beträge in Ostpreußen entrichtet worden sind. Aber das reicht nicht aus zur Erklärung der koloffalen Verschiedenheiien mit den anderen Provinzen. Bis zum 31. Dezember 1896 war an Renten brwiüigt „auf 1000 VersicherungspflichtixZe im ganzen Reich 45,1, in Ostpreußen aber 78,8, in Schleswig-Hols ein 62,8, in Schlesien 59,4 u. s. w. Die Auégleichung der verschiedenartigen Belastung kann ja durch die _Zusammerilegung mehrerer Anstalten erfolgen, z. B. durch die Zu- jammenlegung aller norddeutschen Anstalten. Dadurch wiirde abrr eine große Anzahl von Anstalten ihrer Selbständigkeit beraubi, wäh- rend die Vorlage die Anstalten aufrecht erhalt und für dir Zukunft äbnen auch ihre Vermögensbestände beläßt bei anderweitiger Verthei- erg der Nentenlast. Abg. Gamp (Rp.): Auch ich hege die Befürchtung, daß bei der Geschäftslage die Vorlage nicht mehr Verabschiedet werden kann; aber ich halte es nicht für richti , einzelne Bestimmungen heraus- ;ugreifen. Da wären andere Vorchristen dringender. Die Erlrdigrmg der von Herrn Noesicke herauSgegriffenen Bestimmungen würchrZur an
die Neigung abfchwachen, das bestehende Gefeß zu verbésxern. “sollte deshalb eingrhend erwägen, ob nicht eine Verein achung und
„Verschmelzung der verschiedenen Perficherungen möglich sri, Herr Roesicke meinte, von vornbrrcin Hatte man eine solche Verschmelzung vornehmen sollen. Da würde es dringend nothwendig scirr, jeßr daran zu gehen; denn je länger man wartet, desto schwierigrr wird die Verschmelzung. Leider sind die Vorschläge dcs Präsidenten Bödikér nicht veröffentlicht worden; man solite gerade hierbei die Oeffentlichkeit zur Mitwirkung hrranziebrn. Ich stehe drn Vor- Ylägen des Herrn Bödikrr durchaus wohlwoilend gegenüber. Man t die UnfaÜVSrfiéherung besonders organisiert. Man solite sir aber nicht Weiter ausdehnen, soudern sollte die Unfallfürsorge, sowsit fir :noch nicht besteht, in die Invalidenfürforße aufgeben lassen und den verunglückten Leuten eine höhere Rente gewähren. In Ofépreußen haben wir fast gar keine Industrie. Man könnte dort die Unfall- ot anisation und, die Invalidenanftalten dersuchwSise Vereinigen. Dre Verbäliniffe m Ostpreußen smd nicht vorüöer ebend. Es waren 1891 in Osipreußen Über 12 000 Altersrrntner vor ,andrn, in Beriin nur (iwas über 1000. Glauben Sie, daß in Zukunft die jungrn Leute aus Berlin nach Osiprsußrn wandcrn werden ? Daran ist nicht zu denken. Wenn 1891 die InvalidenvrrsicherungSanftalt Ostpreußen in ihrem Br- richt sagt, daß der Versuch_ grmaéht fei, Renten zu erlanaeiq, so ist da- mit aesagr, daß diesrr Veriuci) zurückgrwirsen worden ist. (Wider- spqu drs Abg. Noesicke: Sie haben ja den Bericht nicht grlcsen!) Ick abe ibn gelesen. (Abg. Roesicke [cgi den Bericht aufden Tisch des auses nieder.) Daß mellxicht bei dem Nachweis drr Beschäftigung “in weifelsfaULn das menschliche Miigrfübl zur wohlwollenden Aus- Teguna geführt hat, kommt dri allen Versicherungsansta1ten vor. Herr Rocficke und auch der RegrerungSvertreter babkn den Antrag von Ploetz sebr abfällig beurtdeilt. Sia verkennen die große sozial- politische Bedeutung dessrli'en; denn er gebtdavon aus, die Versicherung auSzudebnen auf Alke, die fich in' einer unterstützungsbedürftigen Lage befinden, ob sie Arbciter oder Arbertgrber smd. Jeyt wird für den gut- bezabltcn Arbeiter gesorgt, abrr für den kleinen Bauer und Hand- werker, der den Beitrag für seine Arbeiter bezablrn mu , wird nicht esorgt. Für dieArmenpfsegezablen dieSteuerzabler nachi rerLeistungs- äbigkeii, warum soll das nicht auf die Jnvalidenvrrsrcherun über- !ra en werden, weiche die Armenpflege ihrer entrbrenden Eigenijcbaftsn ent leiden sol]. Hsrr Roeficke hat_ den Antrag des Herrn yon Plory LX! leichtfertig behandelt." Cr memtr, daß die kleinen Leute daVon yen Vortheil hätten, wahrend sie danach versicherungspilichtig Werden Yokaen, soweit sie nicht mehr als 2000 „44 Einkommen babsn. Die andwirthsrbaft ist besonders belastet, weil die landwirjbscbaftlickzen Arbeiter nicht solche Werthe erzeugen wie die Jndusiriearbrirer, welche mit Maschinen arbeiten. Nach dem Antrag von Ploetz soll die Reutrnlast eribeilt wrrden nach Art der Matrikularbeiträge, und die leiYngßiahigeren Elrmsnie sollen dazu herangezogen werden. 1: oesicke und seine Freunde haben ja auch einmal die ich5einkommepsteuer vorgeschlagrn zur Abwehr der Vier- steuer. Die Notblage der landwirthschaftlickycn Versicherungs- anstalten besteht baupxsächliä) darin, daß nicht der Ver- rungswerib der Beitrage zur Vertheilung drr Renten zu Grunde
eYtk wird; ferner sind die Uebergan sbestimmungen die Ursache für die vthlage, denn die Alterérentcn be asten namemlicb die ländlichen Bezirke. Die Einfuhrunxx der einheitlichen Rente durch den Antrag pon [oe kommt, den Wunschen des Zentrums entge en, welches nur die ndu triearberter verfichern will, denn für dieße sieht der An- trag von Ploeß eine Erhöhung der einheitlichen Rente vor. Eine Aus leichuna könnte ja gefunden_wrrden durch usammcnlegung aller preu ischen Anstalteri; dadurch wurde die Yntralfierung gefördert werden. Man könnte ja artch vielieicht eine eichsansialt einrichten. __.„Wenneine Verständi ung nicbx xrzrelt wird, bietet das gegenwärti e Gesc die Mittel, leiJiungsunfathe Verbände zu beseitigen, und d e prev ische Regierung hat nach § 6 das Recht, eine Zusammenlegun aller preußischen Anstalten zu beantragen. Ich glaube aber doch, daß die weitere Beratbungd dieses Gegenstandes zur Klärung der Anfichtxn Führer: wird. Gegen ie Ueberweisung an eine Kommis on bade reh *keine Bedenken; die Kommission wird sich aber daran beschranken
'die wir dem Sjaatsbauébalts-Etat bcifügcn,
müssen, die all meinen Fragen u erörtern und der Regierung für die Aenderungen n auSgieb geres aterial zur Verfügung zu stellen.
Gegen 6 Uhr wird ua einigen persönlichen Bemerkungen die weitere Berathung bis onnerstag 2 Uhr vertagt.
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Preußischer Landtag. Haus der Abgeordneten. 70. Sisung vom 28. April 1897.
Eingegangen ist ein (Heseßentwurf, betre end die Ent- schädigunÉ Zur Verluste durch Schweinekrank eiten in der Provinz ch esien.
Auf der TageSordnung steht die zweite Beraihung des Staatshaushalts-Etats für 1897/98, und zwar des Etats des Ministeriums der eistlichen, Unter- richts- und Medizinal-Nngelegen eiten.
Bei den Einnahmen erwidert, wie bereits gestern kurz berichtet worden ist, auf eine Anfrage des Abg. von Strom: beck (Zentr.) der
Minister der geistlichen, Angelegenheiten O. ])1'. Bosse:
Meine Herren! Ich glaube, daß ich im stande bin, die Diskussion
über die von dem Herrn Abg. von Strombeck aufs neue angeregte Frage wesentlich dadurch abzukürzen, daß ich Ihnen die Erklärung wieder- hole, die mein Herr Kommiffar in der Budgetkommission in dieser “Beziehung abgegeben hat. Sie geht dahin, das; zwischen dem Herrn Finanz-Minister und mir nach eingehenden Verhandlungen eine Einigung und Uebereinstimmung dahin erzielt worden ist, daß die Staatsnebenfonds der Kultus-Verwaltung, soweit sie reines Staats- eigentbum find und namentlich nicht selbständige juristische Persönlich- keit haben, in den Skaaishaushalts-Eiat aufzunehmen smd, daß ihre Einnahmen jedoch selbstverständlicb nur den Zweckbestimmungen der Fonds gemäß zu verwenden sind und daß sie vom Jahre 1898/99 an durch den Staatshaushalts-Eiat laufen sollen. Auf Grund dieser Einigung werden also im nächsten Jahre die betreffenden Fonds in den Staatshaushalts-Ctats eingestellt werden, und es wird Ihnen bei dieser Gelegenheit eine Zusammensteüung aller rechtlichen Unterlagen für die Brurtbeilung der Frage, ob ein Fonds in den Staatshaushalts-Etat gehört oder nicht, vorgeiegt werden. Das; das nicht schon in diesem Jahre geschehen ist, hatseinen Grund darin, daß bei einer Reihe von Fonds noch Zweifel bestanden und daß der Herr Finanz-Minister und ich uns dahin geeinigt haben, diese Zw eifel dem Herrn Justiz-Minister zu einer gutachtlichen Aeußerung vorzu- legen,- ein Weg, drn wahrscheinlich das hohe Haus als voliständig be- rrchtigt anerkennen wird. Das wird in kurzer Zeit erledigt sein, und dann werden im nächsten Jahre die Fonds im Staatsdaushalts-Etat erscheimn, und das hohe Haus wird in der Lage sein, zu Prüfen, ob wir in jedem Falie das Richtige getroffen haben. Ick) glaube, daß mit dieser Erklärung die Sacbe als erledigt anzusehen ist.
Abg. von Sirombeck (Zentr.) wünscht, daß die eigentlichen Stiftungsfonds, die nicht unmittelbares Staatßeigentbum seien, juristische Persönlichkeit erhielien.
Minister der geistlichen 2c. Angelegenheiten 131“. Bosse:
Meine Hcrren! O5 dir Einnahmen aus Nebenfonds als Ein- nabmcm bezw. Au§gaben des Staats anzusehen sind und cd fie: drs- halb durcb dcn Staatshaushalis- Etat [aufrn müssen, das wird sich ergeben, wenn dem hohen Hause die: Zusammrnsteüung dirser Fonds vorgelezt wird. Ich glaube, daß die Von drm Hrrrn Abg. von Strombeck jetzt angeregte Frage einigermaßen verfrüdt ist. Ich bin der MCinung, das; durch drn Staaishaushalts-Ctat nur diejenigen Einnabmrn laufen, die als Einnahmen dcs Staats anzusehen smd. Dagrßrn glaube ici) allerdings, daß wir nur dann dem Hause dcn Vollrn Einblick und die volle klare Darlegung diesrr Verhältnisse gewähren könnrn, wrnn wir auch dirjsnigen Staatsnebenfonds, die wir als Siiftungdfonds mit selbständiger juristiscchr Persönlickxkeit ansehrn, in der bisherigen Weise in einer mehr oder weniger aUsführlichen Zusammensteisung, crfichtiich machen. Das ist unsere Absicht, und ich kann versichern, daß wir ganz loyal auf diesem Gebiet vorgeben wollen. Die Sache ist aber, wie sich bei drm Angriff im einzelnen herauSgestellt, nicht immer ganz einfach. Wir find an grwiffe Zwkifel gestoßen, die noch nicht voll- ständig erledigt sind. Ick) bin aber sicher, und glaube das mit voller Bestimmtheit in Auk-s'rcht stellen 33 können, daß im nächsten Staats- haußbalts-Etat diese Frage ihre vollkommen klare und gründliche Erledigung finden wird.
Bei den Ausgaben für das Gehalt des Ministers nimmt nach der bereits mitgetheilten Rede des Abg. Noeren (Zentr) das Wort
Abg. von Eynern (ni.): Hoffenilich wird fich das_Zrntrum bai dkn nächsten Wahlen den übrigrn Ordnungdparieien im Kampfe gegrn dic Sozialdemokratie anschließen. Das ist bis jetzt nicht immer der Fall gewkscn. Cs md Sozialdemokraten mit Hilfe des Zentrums Fwäblt wordrn. ( ufe im Zentrum: Wo?) In Dortmund! Die
eußerung auf dem Hamburger Lebrertaae wird sich niemand von uns aneignen. Der Redner bat fie selbst zu vertreten. Die Klage über die Jmparität bei der Ansieliung von Beamten haben wir be- reits tm vorigen Jahre sehr eingehend als unberechtigt zurückweisen könzren. Sogar die Edangelifckyen dürften fich nach den Mit- theilungen des Ministrrs in Bezug auf die höheren Beamten- TteÜrn übe_r Zurückseßung _binier die Katholiken beschweren. err Korken hätte also mit dieser Klage nicht wieder kommen so en. Die Klöster siiid aUerdings gewiffen B2schränkungen unterworfen worden, und die Minister müssen diefe geseizlicben Bestimmungen anwenden. Aber der Minister hat im Vorigen Jahre nachgewiesen, daß Von 1891-93 die Zahl der OrdenSniederlaffun en sich von 1094 auf 1215 und die Zahl der Ordensmitglieder si Von 12 052 auf 14044 vermehrt bat. Solche Einrichtungen wie in Belgien wollen wir „aber nicht haben weil das nicht im allgemeinen Interesse liegt. Das Kloster Maria- MZ ist mit der Zeit sehr stark cwacbsen und beginnt schon, dmr ganzen auernstand der Umgegend au zufaugen. Manche Benacbtbeiltgung der Katholiken in den Kommunen mgg ja vorkommen. Wir sind bereit, zur Abstellung dieser Miß- siande mitzubelxen, aber wir wünschten, daß dann auch die Klagen der Beschwerde ommission der Nationalliberalen über Zurückseizung der Evangelischen berücksichtigt werden. KaiserSWLrtb z. B., dessen Bürger der Abg. Dauzenber ist und wo von 2300 Einwohnern &evangelrsch und F katholisrZ sind, hat 13 katholische Gemeinde- vertreter und nur einen evangelischen. Herr Dauzenberg hat dort Lroßen Einfluß, und das nennt er also wohl Paritat. Ein Katholik at einmal esagt: Wo Jbr rn der Majorität seid, der- langen _wir oleranz nacb Eueren Grundsäven; wo wir die Majoritat haben, unterdrücken wir Euch nach unseren Grundsäven. In der Rheinprovinz macht sich das Prozessionswesen der katholischen irche immermebr bemerkbar. Namentlich in konfessionell gemischten
Unterrichts- und Medizinal-
Be irken nimmt es immer mehr Raum für sich din An ruch und bin ert den Verkehr. ch laube nicht da die Proze Zonen eine Sperrung der Straßen für ck beanspru en önnen. Es giebt Ver- ordnungen daß nur .bergebracbie Prozessionen in der hergebrachten Weise“ attfinden dürfen. AuYGrund dieser Verordnungen [affen sich die ißbräucbrbeseitigen. n Frankreitb find die Prozessionen da verboten, wo Ktrcben verschiedener Konfessionen vorhanden sind.
Durch eine solche Bestimmung könnten manche Exzesse bei uns ver.
mieden_ werden, Die Katholiken verlangen, daß die Passanten vor dem Sankitsfimum den Hut abziehen oder gar niederknien; da dies Anders. Fläubtge nicht thun so haben sich oft Schläßereien daraus entwicke[t_ Redner führt einige Beispiele dafür an, ei denen Bestrafung der Uebeltbäter eingetreten sei. dieVYa anten geschlagen haben, weil diese nicht den Hut abzogen.) Die eg erung möge dahin wirken daß das Prozessionswesen geseßlich eingeschränkt werde. Ich möchte Ferner derr Minister fragen, wie es mit der GescYgebung bezüglich des Cbarfreitags steht, für die schon verschiedene Vorschlage gemacht sind. Herr Dauzenberg
rst im vorigen Jahre damit einverstanden geWesen, daß der Cbarfreitag mit Rücksicht auf die_ evangelische Kirche zum eseßlichen Feiertag kaacbt werde. Redner bemangelte weiter, daf; in ELrenfeld beiKöin ein neues Gymnasium errichtet werde unter geistlicher Leitung; die Schule müsse so eingerichtet werden, daß fie auch von Protestanten besucht werden könne. Man müsie verhindern, daß fich ein Schulwesen bilde, welches. rein katholischen Charakter babe.
Minister der geistlichen 2c. Angelegenheiten ])r. Bosse:
Meine Herren! Was die Anfrage des Herrn Abg. von Eynrrw betrifft, so bemerke ich, daß die Charsreitagsvorlage von mir in An- resung gebracht ist, daß darüber die Provinzialbebörden gehört worden find, und daß sich die Sachr selbst noch in der Verhandlung zwischen den Verschiedenen beibeiligtcn Ressorts befindet. Ob es möglich sein wird, noch im Laufe dieser Session die Vorlage einzubringen, muß ich dabingesteiit sein lassen. Ich hatte alles Mögliche gethan, um fie womöglich Vor dem letzten Charfreitag vorzulegen, das ist mir abrr nicbt gelungc'n.
Ueber die katholische Schule in Ehrenfeld will ich mich zunächst nicht weiter verbreiten, wril ich Von der Sache bisher nichts ge- hört habe. Ich habe nur den Eindruck und den Ausführungen des Herrn Abgeordneten, das; bis cht die Sache da vollständig in Ordnung ist (Heiterkeit); und wenn später eiwas nicht in Ordnung sein soUie, werden gewiß die fiaatlich6n Behörden die Augen auf. machen und Remedur schaffrn, soweit das nötbig ist.
Nun glaube ich, meine Herren, dem Herrn Abg. Roeren einigr Worte der Erwiderung schuldig zu sein. Ick) muß zunächst mit dem Herrn Abg. don Cynern meine große Befriedigung darüber arts. sprecben, daß dicse großen, schweren Fragen von ihm in einem w ruhigemfriedlichen und sachlichen Tone besprochen worden sind. Ja, meide Herrrn, es sind das die alicrschiversten Fragrn, die bei drr Kultusverwaliung in aÜEn ihren Zweigen übrrhaupt bestehen. Sie sind zurückzuführen auf den großen konfessionellén Zwirspali, der nun einmal in unserrm Volks besteht, und es ist gewiß, daß die Hoffnung, in staatlichrn Dingern gemeinsam nüßlich zu wirken, nur dann rkalrsiert werden kann und um so mehr realifirrt werden wird, je mehr wir uns de- müi)en, diese Dinge ruhig und sachlich hier mit einandcr zu erörtern.,
Ich bin auch noch in eincm anderen Punkt mit dem Herrn Abg. Roercn vollkommen kindersianden. Meine Herren, die Ueberwindung der großen feindseligen Mächte der Zrit ist auch nach meiner Meinung nur möglich auf dem Boden der christlichen Religion und der chrisi- licben Schule und Jugenderziehung, und so viel an mir ist, werde ich, so lange ich auf dirsrm Platze stehe, nichts unterlassen, um diesrs Mittel des Widerstandes gegen die falschen Mächte der Zeit zr. fördern und zu Pflc-grn auf dem grsundrn Boden, drr in unserer prrußisckyen Vrrfaffung vorgrxeichnei ist.
Nun, meine Hrrren, die Einwendungen und Klagen im einzelnen, die der Abg. Rocren vorgcbrachi hat, sind ja nicht neu; die mristcn von ihnen haben wir frühsr schon gehört und Hier miteinander cr- örtert. Jeb bemerke zunächst zu drn Beschwerden, daß die Regierung die für katholische Minoriiätcn dsrwendrtcn konfesswnckicn Privai- schulen nicht mit demjsnigcn Eifcr als öffentliche Sckpuirn anrrkannir und zu öffcntlickyen Schulen umwandelte, wie es zu würischcn wärr: daß wir das nicht können. Diese Privatschulrn der konfesfionelicn Minderhriien bilden sick) zunächst auf die pridaie InitiatiVe einzclncr Mitgliedrr bin, die für ihre Kinder ein besonderes Schulbedürfniß haben. Dann aber, Wenn die Schule so anwächst, daß es sich dann:! handelt, 05 sie eine öffrniliche wrrden soll oder nicbt, muß sie rni- WLder Von der Gemeinde Üdernommen odcr es muß eine besondere Schulsozirtät gebildet werden. Nun kann ici) Versickmn, daß übrral], ivo auf Juitiatide der Betheiiigten derartige Anträge gestelit wcrden und an mein Ressort gelangen, ici) si? mit aller Sorgfalt instruiert und behandelt habe. Es ist aber nicht immrr möglich, schon wegen der Leistungs-
-fäk)igkeit der Beibeiligten, diess Schiri:? obne weiieres auf die Ge-
meinde zu übernehmen oder eim: öffentliche Schulsozietät zu bildcn; und wir sind schließlich in drr Besckywerdcinstanz machtlos. Denn in diesrn Fragen haben die SclbstdrrWltungO und die Brschlußbrhördcn zu entscheiden, und dercn Entscheidung müssen wir uns einstweilen fügen. Wir helfen abrr diesen Minoritätcn nach Möglichkeit durch- staatiiche Uaterstüßung. Nun irrt fich darin der Herr Abgeordnete ganz entschicden, wenn er glaubt, daß wir dabei die Evangelischk" bevorzugten und die Katholiken zurücksexzten. (Bewegung im Zentrum..) Gerade das Gegenihril ist der Fall, gerade das Gegentölil! Wir haben drei Gruppen solcher kleinen Schulen: solche mit weniger ais 20 Kindern, solche mit weniger als 30 Kindern und srlcbi3 ""t weniger als 40 Kindern. Nun will ich Ihnen Vorlesen, mit weichm Prozentsatz die evangelischrn Schulen und die kaiholischen SCHULEN dieser Art bei den Unterstüßungen seitens des Staats beibeiligt Wd- Wir babrn aufgewendet bci den Schulen der Gruppe 14, die unter 20 Kinder haben, für die evangelischen 47,22 0/0 der Gesammiausgaben der Schulen, für die katholischen 54,88 0/9. (Hört! hört! rechts und bei den Nationalliberalen.) Wir babcn aufgewendet in der Gruppe 13-- die mehr als 20, aber weniger als 30 Kinder enthält, für die evan- gelischen 46,92%, für die katholischen 47,51 0/0; endlich in der, Gruppe (ck, die mehr als 30, aber weniger als 40 Kinder in sich schließt, für die evangelischen 46,11% und für die katholischen 50,50%. (Hört! hört! rrcbts und bei den Nationalliberalen-)_ Ich““ kann beim besten Willen nicht anerkennen, daß das eine imparitatisch€ Behandlung ist. (Sehr richtig! rechts und bei den National-* liberalen.) Wenn sie aber imparitätissh ist, dann GM_ die Jmpariiät zum Nachtbeil der Evangelischen und zu GMK?" 77“ Katholiken. (Sehr richtig! rrchts und bei den Nationallrberalew) Nein, meine Herren, das find ungerechte Vorwürfe, und
es mir nicht verübeln, wenn ich sie auf Grund meines amtlichen terials bier zurückweise. (Bravo! rechts und bei den Nationalliberaleni) Meine Herren, ich muß auf das Allerbestimmteste bestreiten, daß wk
in der Provinz Posen germanisierende Tendenzen unter Schädigung kajholischer Kinder in ihrer Religion betrieben. Das ist in keiner Weise wahr. Das Einzige, was man in der Provinz Posen allenfalls zugeben kann, ja was ich in der Provinz Posen auch zugeben muß, ifi, daß wir dort xeituwise einen Mangel an katholischen Lehrern ge- habt haben. Glücklicherrveise und auf Grund unserer Bemühungen sind wir jeßt in drr Lage, diesen Mangel allmählich zu über- winden. Die Zahl der katholischen Seminaristen in der Pro- vinz Posen ist nsuerdings wesentlich gewmhfen. Wir haben gegenwärtig 228 evangelische und 332 katholische Seminaristen in der Provinz Posen, und auch in den Präparanden-Anstalten wächst das katboüscbe Element. Es sind gegenwärtig in Posen 115 evan- gelische und 200 katholiscbePräparanden vorhanden. Also der Mangel an katholischen Lehrern in der Provinz Posen wird sehr bald über- wunden sein. An uns hat es nicht gelegen, daß vorübergehend Mangel war. Wir haben asics Mögliche aufgeboten, um diesen Mangel zu beseitigen. Es liegt uns daran, an katholischen Schuien auch katholisäye Lehrer zu haben.
Ich will bier gleich noch einen Punkt erledigen, d. i. der auf- fallende Umstand, der yon dem Herrn Abgeordneten aucb erwähnt worden ist, daß es wohl vorkommt, daß an einer konfesswneiien Schule ein Lehrer der anderen Konfession angrstellt'wird. In, meine Herren, das kommt namentlich in den östlichen Provinzen vor. Wie haben da stiftungßmäßig evangelische Schulen, an denen allerdings auch katholische Lehrer angestellt smd, und zwar lediglich mit Rück- sicht auf die inzwischen angewachsrne Zahl der katholischen Kinder. Liegen die Dinge so, daß wir da besonders katholische Schulen ein- richien können, so thun wir es. Aber das geht nicht immer; vor allen Dingen müssen wir das Unterrichisbedürfnifz brfriedigrn; wir können die Kinder nicht ohne Unterricht lassen. Sind nun aber die Leistungsverbäitniffe der Gemeinde nicht so, daß sick) eine besondere Schule gründen läßt, dann müssen wir uns so gut bebelfrn, wie es eben geht, und dadurch krmmen in der That zuweilen ganz auffällige Erseheinungen, daß an einer Schule, die stiftungsmäßig und urkundlich evangelisch ist, ein katholischer Lehrer erscheint, daß in solchen Schulen einer evangelischen Minoriiäi eine katholische Majorität gygrnüber- strbt, während das natürlich bei der Gründung der Schule anders gewesen ist, da waren nur edangrliscHe Kinder Vorbandrn. Das umgekehrte Verhältniß, daß wir katholische Schulen mit evan- gelischen Lehrern besrßen, kommt, soviel ich weiß , überhaupt nicht vor, - wenn es vorkommt,?ganz selten, denn sonsthäitemir das im Laufe der Verwaltung auffaiien müssen.
Ich will dann zu diesen kleinen Schulen nur noch brmerken, daß die gauzen Verhältnisse", die Schwierigkeiten, die Eigentdümlicbkeiien ihrer Verwaltung sehr gründlich außeinandergessßt smd in unsérer Volksschl-Statistik vom Jahre 1891 im Theil ] auf S. 142 ff., und ich gebe dem Herrn Abg. Norten und den Hcrrcn, die sich dafür interessieren, anheim, sich dortdicDinge einmal nachzulssen; es würde zu weit führen, darauf hier weiter cinzugebcn.
Nan, meine Herren, an diesem Bestreben, die katholische Be- völkerung gerecht zu behandeln und ihren Bedürfnissen grrecht zu werden, würde garnichts geändert werden, wenn nach dem Wunsche dss Herrn Abg. Roeren im Ministerium Eine andere Zusammenseßung der Bramten nach Konfessionsn einträte. Ich habe mich bier in früheren Jahren einmal sehr ausführlich darüder angesprochcn, aus wslchrn Gründen ich nicht beabsichtige, ja, im Gegeniheil Widerstand leiste, im Ministerium wiederum eine katholisch? Abtheilung her- zufielien. Meine Herren, so lange ich Kultus-Ministrr bin, wird krine kntholische Abtheilung im Ministerium ringerichiet! (Brady! bei den Nationalliberalen.) Das geschieht nicht aus Feindschaft oder Miß- trauen grgrn die katholische Kirche - das likgi mir ganz ferne, damit babe ich nichts zu thun; ich bin v-srfaffungsmäßig Ver- pflichtet, gegen die katholische Kirchs - im rcchtrn Sirne - ebenso gerecht zu sein, wie gegen die evangciische, und ich bin mir didser Vrrpflichtuns sehr wohl bewußt. - Und dennoch, rnkine Herren, ja vielleicht gcradr deshalb, wrrde ich nicht die Hand dazu bieten, dir katholische Abtheilung im Ministerium wieder auflrden zu (affen. Meine Herren, ich habe aus den Akten der katholischen Abtheilung gesehen, daß sie nickyt günstig, in viclkn Fällen nicht günstig grwirkt hat. Bei drr jeßigc-n Einrichtung haben wir vier katholische Räthe im Ministerium, die ich immer zusammennebme bsi irgend einer wichtigen katholischen Angelegenheit - wenigstens sehr häufig -, und ich habe außerdem, um Ihnen auch das zu sagrn, einen «Hilfs- arbeiter berufen, bei dem ich gar keinen Grund Hatte, nach der Kon- fession zu fragen, der Katholik ist. - Ich habe ihn einberufsn, weil 83 ein Tüchtigrr Mann war, der mir Entgegengeireien ist als eine tüchtige Kraft, die im Ministerium zu vrrwsrtben war. Kein Mensch _ auch hier im Abgeordnetenhause - hätte ein Wort sagen können, wrnn ich einen evangelischcn Mann genommen hätte. Meine Herren, wir wählen bei diesen Dingen überhaupt nicht nach Konfessionen,son- dcrn wir wählen ausfäoließlich nacb der Sache, und das ist auch das einzig Richtige. Dabei haben wir uns sehr gut gestanden. - Ich wili hikrnicbt ein- geben auf die Ober-Präsidenten - Sie haben ja Linen katholischen Ober-Präsidrnien in einer Provinz, die doch nur sehr wenig mehr katholische Einwohner hat als evangelische; Sie haben einen katholi- schen Régierungs-Präsidenien; Sie haben mehrere katholische Ober- Regisrungs-Rätbe und zahlreicße katholische Kreis-Scbulinsprkioren
im Hauptamt (Zuruf) - ja, meine Herren, das sind katholische.
Kreis-Schulinspektoren im Hauptamt!
Meine Herren, der ganze Vorwurf in Brzug auf die Beseßung von Stellen geht aus Von dem Begriff einer falschen, mecha- nischen, kalkulatorischen Parität oder Jmpariiät. Mit diesem Begriff ist nicht zu rechnen. Damit werden Sie in Preußen nicbt durchkommen; denn die ganze preußischr Tradition und Geschichte spricht dagegen. Und, meine Herrrn, das ist “"ck nicbt nötbig! Es ist eine vollkommen gerechte und sachgemäße Behandlung auch der katholischen Bevölkerung zu gewährleiftrn, ohne daß man s1ch auf diese mechanische Parität in der Besetzung der Be- amtenstelien einläßt.
Es ist darüber geklagt worden, daß wir Weniger katholische Geisi- liÖe als Kreis-Schulinspektoren im Nebenamt Haben. Das ist richtig; das hängt damit zusammen, daß wir in den Wesentlich katholischen Gegenden in Posen, Westfalen und am Rhein eine große Zahl haupt- “kahsr Kreis-Scbulinspektionen besrßen. Dieser ganze Zug nach den bÜUWMMÖen Kreis-Schulinspektionen hat seinen Grund darin, daß der KreiS-Schulinspekior im Hauptamt als Fachmann in der Regel sich den Geschäften der Kreis-Scbulinspektion sehr viel mehr widmen kann, als der Kreis-Schulinspektor im
Nebenamt. Das liegt doch in der Natur der Sache. Ich denke garnicht daran, die geistlichen Kreis-Srbulinspektionen im Nebenamt mit einem Schlage zu beseitigen; das würden wir überhaupt garnicht können, schon aus finanziellxn Gründen nicht. Ich kann auch nicht sagen, daß meine Neigung dahin stände. Darauf ist allerdings mein Bestreben gerichtet, da, wo die Verwaltung der Schulinspektion besonders schwierig ist oder der Schulinspektor im Nebenamt an der volien ordnungSmäßigen Wahrnehmung der Geschäfte durch die Pflichien feines Hauptamt“ außer stande gesefzt wird, eine Kreis- Schulinspektion im Hauptamt einzurichten. Dabei werde ich selbstverständlicb im Großen und Ganzen den konfessionellen Ver- hältnissen des Bezirks, um den es sich handelt, Rechnung tragen, wie ich das auch bisher gethan habe.
Was nun den ReligionSunterricht anlangt, den wir an konfessio- nekle Minderheiten crtbeilen laffrn, und zwar unter sehr starker Auf- wendung staatlicher Mittel - denn das scheint mir die rechte Auf- gabe des Staats zu sein, da, wo diese Minderheiten nicht im stande sind, den Kindern einen konfessionell religiösen Unterricht zu gewähren, mit seinen Mitteln einzutreten -, so sind die Katholiken im Vortheil,die Evangelischenim Nachtheil. MeineHerren, an konfessionelle Minderheiien ist mit staatlicher Beihilfe in den Jahren 1893/94 Religionsunterricht ertheilt worden in 1075 Schulverbänden, und zwar an 5229 evangelische Kinder in 330 Stationen und an 9796 katholische Kinder in 339 Stationen. Also wiederum haben wir unsere Fürsorge den katholischen Kindern VorzugSweise zugewendet, nicht aus einer besonderen Vorliebe für die katholischen Kinder, sondern weil uns da das größere Bedürfniß entgegengetreten ist. Aber so viel sehen Sie daraus, daß es uns ganz fern liegt, in tendenziöser Weise die katho- lischen Kinder zu benachtheiligen. Das wäre eine Grausamkeit, die wir in keiner Weise Vrrantworten könnien. Ebsnso hat sich die Zahl in dem Jahre 1895/96 gestaltet. Dori ist an konfesfionelle Minder- heiten Religionsunierricbt ertheilt für 4648 evangelische Kinder in 332 Siaiioncn und für 9725 katholifche in 343 Siationen.
Ich habe irührr einmal ausgeführt, daß im Großen und Ganzen die schwächere Vertretung katholischer Beamten wohl darauf zurück- zuführen sei, daß fich der Nachwuchs der katholischen Bevölkerung weniger dem Studium der Fächer zuwendet, aus denen die Beamten bervorzugeben pflegen. Ick bin auch heute noch dieser Meinung. Ich bin darin bestärkt durch Vorgänge in München im vorigen Jahre, wo von sehr autoritativer katholischer Seite unter Bezugnahme auf meine Aeußerung dies auSdrücklich anerkannt worden ist. Ja, ich habe hier in Berlin mit Herren der Zentrumsfrakiion aus dem Reichs- tage über diese Dinge mich ganz friedfam und freundlich unterhaltrn, und man hat mir zugestanden, daß die Sache ss ist. Und wenn Sie sie!) eins der allerneuesten Produkte in drr katholischen Literatur an- sehen wollen und die neueste Broschüre des Professors Schöli in Würzburg durchlesen, so werden Sie auch da finden, daß er g€nau darsrlbe sagt und die kaibolischeBevölkerung ermahnt, doch mehr und mehr dahin zu streben, wissenséhafiliche Berufe für ihre Kinder zur Geltung zu bringen,
Nun wiil ich damit das Schulgebiet vrrlaffen und nur ganz kurz mich zu der Beschwerde über die Verwaltung (:*-wf dem Gebiete des Ordrnswesens wenden, - Line alte katholische Beschwerdr. Ia, meine Herrrn, die Verfügungrn auf diesem Gebirt sind nichts weniger als bequrm für uns; viel bequemer wäre es uns, wir kümmrrten uns um die Sachs garnicht und ließen Niederlassxmgen in deliebigsr Zahl zu. Aber, mrine H-srren, das dürfen wir nicht; denn wir smd durch die Geseßgcbung gebunden, und diese Geseßgebnng, dieses Ordenschseß ist gemacht auf Grund einrr Vereinbarung. Wann die Herren, Weh- dem die Sache jeth mehr als 10 Jahre alt geworden ist, das wer- geffen haben, so kann ich ihnen nur anbeimsteilen, fich doch wieder die Ver- handlungen don damals durcbzulrsen ; da werden std finden, wie damais diese Dinge vereinbart sind, und ich darf noci) binzuseiZen: fie smd versin- bart unter sehr hoher katholischer Autorität. Meine Herren, dadon kann und darf ich nicht einseitig abweichen. Das sind staatliche Vor- fichtsmaßregeln gewesen, die man bei diescr Vereinbarung zum Abs lui; des Kulturkamvfrs don staatlicher Seits gelirnd grmackyt und in dicsrr Geseßgebung aufrecht erhaltkn hat. Deshalb kann ich nicht anrrksnucn, daß der StaatSregierung die VerpÜichiung adlir-gr, zur Befritigung der sogenanntsn Kulturkampfsresre die Initiative zu crgrrifcn. Sind da noch wirklich Dinge, die etwa im Laufe der Zrii schwerst und unerträglicher geworden sind, als sie es früher gewessn, so muß die Initiative zur Beseitigung don katho- lischrr Ssite ausgehrn. Wir können nur dann die Jnitiatide ergreifsn, wenn ein staatliches Bedürfniß vorliegt; wenn im Staat und bci der Staatswerwaltung uns Momente entgegen- treten, die uns diess Zustände unerträglich erscheinen lasen. So liegt die Sache aber keineswegs; im Gegentbeil, ich glaube, daß doch auch in diesen Bestimmungen sehr viel Verständiges ist. Ick) schließe das daraus, daß es überbauyt in der Welt keinen Sraat - in der Welt ist vielleicht zu viel gesagt, aber in Europa, in Deutschland ganz gewiß -* keinen Staat giebt, in dem die Ordenskongregationen und ordensäbnlichen Gemeinschaften und Genoffenschafien der kaiholischen Kirche nicht gcwissrn Beschränkungen unterworfen wären, und ich glaube mit frriem Muth behaupten zu dürfen: die katholisÖs Kirche in ihrer Gesammjbeit - Es ist mir das oft von Katholiken bestätigt - wird in-krinrm Staate der Welt, auch in keinem katholischen Staate, besser behandelt als in Preußen. (Bewegung im Zentrum)
Nun ist uns gesagt worden, es sei doch ganz seltsam, daß man einen so großen Untrrschied mache zwischen den edangelifchen Dinkoniffenansialten und den katholischen Schwestern. Ja, soweit die katholischen Schwestern wirkliche Ordensschwestern sind, müffen wir den Unterschied machen; das steht im Geseß, dazu sind wir yer- pflicbtei, und wir dürfen nicht das Geseß verletzen. Soweit sie sich aber mit Werken der christlichen Liebestbätigkeit befassen, obne einem Orden anzugebören - z. B. die katholischen Schwestern vom Rothen Kreuz -, so werden ihnen genau so wenig Hindernisse in den Weg gelegt wie den evangelischen Diakonissinnen. Wir haben bier einen ganzen Verein gehabt, sie nannten sicb, glaube ich, Maria- Schwestern, welche ganz unbehelligt gewesen sind, ganz frei gewirtbscbaftet baden; erst später wurden sie, und zwar auf ihren Wunsch und unter Zustimmung ihres zuständigen Bischofs, in eine wirkliche ordensähnlicbe Genossenschaft vereinigt und auf den An- trag des Bischofs zugelassen, und sind nun natürlich auch dem Ordensgeseß unterworfen wie jeder andere Orden. Das ist aber die Initiative dieser Schwestern gewesen. Es liegt eben in dem strammen Zusammenfchlnffe der Orden doch ein wichtiges Moment, welches diese Tbäiigkeii von der freien Thätigkeit unterscheidet. Ich
brauche das Herrn Noeren nicht auseinandenuseken, der“ uns [MÜ
unsere Schwestern können “auch austreten, sind ganz frei, können obne
jeden Nachtbeil zurücktreten in den bürgerlichen Stand. Ja,.meine
Herren, das können sie -- aber in der Regel wohl nur unter Braz, “ ibres Gelübdes - das ist doch ein gewaltiger Unterschied, und die ' Stellung der geistlichen Oberen, namentlich der OrdenSoberen ' ist doch eine andere bei den Orden und bei den
einfachen Vereinen, wie sie Unsere Diakoniffen bilden. Nein, meine
Herren, das hat doch seiner Zeit seine guten Gründe gehabt! Nun
können aber doch die Herren von der katholischen Seite, wenn ße
einige Gerechtigkeit gegen die StaaTSregierung wollen walten laffen,
unmöglich behaupten, daß wir, der Herr Minister des Innern und
ich, in Bezug auf die Zulassung der OrdenSniederlaffungen zu abweisend
oder zu engberzig wären. Meine Herren, wir haben allein in der Diözese
Münster 218 Niederlassungen (hört, hört! bei den Nationalliberalen), 1417 Krankensckxwestern, 666 erziehende Schwestern und 36 Patres in der Seelsorge, und es ist von Katholiken in der Diözese Münster, von Geistlichen, gesagt worden: wir können es uns nicht besser wünschen in dieser Beziehung, 83 ist und es wird den Bedürfniffm bei uns im wesentlichen genügt. _ -
Ja, meine Herren, und wie hat sich dies geändert? Im Jahre 1872 waren in Preußen 8795 OrdenSmitglieder; im Jahre 1886 7248, die Zahl ist gestiegen im Jahre 1890 auf 11717 und im Jahre 1893 auf 14 044, (Hört! hört! links.) Das, meine Herren, ist doch kein Widerstand; das ist doch keine tendenziöse Behandlung und Einschränkung! Ick) würde das auch für falsch halten. Die Be- völkerung bat fich auch vermehrt. Die Bedürfniffr sind größer ge- worden. Aber das; wir das Bedürfuiß prüfen, können Sie uns nicht verargen, das ist uns vorgeschrieben. Wir prüfen es unter Anhörung aller Instanzen und jedeSmal auch unter Anhörung der geistlichen Oberen, und unsere besten Informationen bekommen wir Von kirchlicher Seite und nicht von staatlicher. Das ist eine reine Légende, wenn Sie annehmen, wir setzen uns über den Kopf der kirchlichen Instanzen binwrg. Nein, wir setzen uns mit ihnen in Verbindung! Schließlich müffen wir aber die Entscheidung treffen, und wir treffen fie im vollen Grfübl unserer Verantwortung.
Was dir Niederlassungen anlangr, so waren im Jahre 1872 vor- handen 914, im Jahre 1886 746, im Jahre 1890 1027 und im Jahre 1893 1215, Ja, meine Hrrren, ich glaube wirklich alien Grund zu babrn zu der Behauptung, daß von unserer Seiie nacb dieser Richtung hin eine tendrnziöse Handhabung des Ordensgeseßes nicht geschieht.
Nun ist von Hcrrn Abg. Rosren darüber grklagt worden, daß die OrdenSniederlaffungcn der kaiholisckorn Schrmstern, vor denen Sie ja großen Respekt und zu denen Sie ja ganz gewiß eine große Liebe haben - die wir übrigens theilen; ick) tbeile durchaus dkn Respekt vor den krankenpfirgendcn katholischen Schwestern; sie leisten aus- gczeichnries, ja sie sind Vordildrr auf diesem Gebiet; das erkenne ich im voÜsirn Maße «71 -, 63 ist darüber geklagt worden: diese Nicderlaffungrn könnten jrdrrzeit auigrlöst wrrden. Ja, meine Herren, so einfach ist die Sache nicht; fi: können nicht 83 1ibjbum der beiden Minister aufgelöii wrrdcn; cs grdört dazu eine Königliche Vrrordnung. Im übrigen ist abrr, iriidem die ganzd Ordenßgeseß- gebung besteht, noch niemals auch mir (in: einzige Auiiösung erfolgt. Also wobrr soll da drr Grund zur Beichwrrde kommen?
Meint! Herrrn, der große konfessionelle Zwiespalt in unserm Volke nöthigt uns, mit einander zusammeanleben, und nötbigt uns, um den Ausdruck eines bcrvorragendrn süddeutschen Katholiken, mit. dem ich nculick) über diese Dinge gesprochen habe, zu gebrauchen, uns mit einander einzurichten. Das geht aber nur auf tbatsäcblichem Gebiet. Es giebt gewisse prinzipirlle Forderungen der katholischen Kirch8, Von denen sie nicht läßt, und zur Zeit auch wohl nicht lassen kann - ici) wage das als Protestant nirbt zu entscheiden -, und es (zieht cdsnso gewisse prinzipielle Fordrrungen, von denen wir als Cdangsliscbe, als Söhne drr Reformation nicht [affen können und, wie brutzuiagc die Sache steht, auch nicht lassen woÜen. Deshalb blribt uns nichts Anderes übrig: wir müssen uns auf sinrn idarsächlichsn 11106115 rjrsrräj mit einander einrichien; da können wir die Prinzipien offen lassen, die mögen auf dem geist- lichsn und geistigen Gebiei mit den Waffen des Geistes ausgekämpft wrrdrn. Dieser Kampf muß bleiben, den können wir nicht hindern, und wenn wir noch so friedsam gesinnt smd, eine Konfession gegen die: andere. Aber wir müsien uns mit einandsr einrichten. Zu diesem Einrichten gehören zwci Voraussexzungen - ich habe das im vorigen. Jahre gesagt -. Einmal - und ich bin überzeugt, daß auch die Msbrzabl der Herren dieResprktierung unserer staatlickpen HobeitSrechte will -, ich kann einem kirchlichen Anspruch gegenüber nie und unter. keinen Umständen ein staailiches Hoheitßrecbt prengeden. Das ibue ich auch nicht, ich würde lieber drm meinrm Amte wcgßebkn, ehe ich das thäte; ich würde darin eine Unmöglichkeit erblicken, weiter freudig mcines Amtes zu walten. Das ist also unmöglich. Die andere Vorausseßung ist: wir können nicht die Kultusverwaltung beider Konfessionen so führen, als wenn nur eine Konfession im Staat vor- handen wäre; wir können weder die katholischen KultuSangelegenbeiten so verwalisn, als wenn es ;nur Evangelische gäbe, noch können wir die evangelischen Kultußangelegenbeiten fo verwalten, als wenn es mir Katholiken gäbe, oder gar nacb katholischem Prinzip. Das können wir nicht. Wir müssen gegenseitig Rücksicht nehmen, wir müssen auch Rücksicht nehmen auf die Eindrücke der Bevölkerung. Gewiß sagen Sie, warum gewährt Ihr uns denn nicht einen Orden an einem Orte, wo die Vedölkerung es wünscht! Wie aber, wenn der andere Theil der Bevölkerung daran Anstoß nimmt? Unter Umständen liegt die Sache so, daß die Gründung einer Ordens- niederlaffung den konfesfionelien Streit in einer Weise entfacht, die nicht zu verantworten ist, oder daß den Uebelständen, denen durch die Niederlassung abgeholfen werden soll, auf eine andere Weise besser ab- geholfen werden kann, wrnn wir nur nicht hier den Kampf anfangen. Das, meine Herren, werde ich nicht thun; ich werde nicht Oel ins F uer gießen bei diesem konfessionellen Kampf. Soll überhaupt die Éche zu einer rubige'n, stetigen, gedeihlicben Entwickelung *akfübrk werden, zu einer sachlichen Verständigung aller patriotisckxen Leute,._ die ihr Vaterland und ihr Volk lieben, so kann das nur geschehen, 7 wenn jeder an seinem Theile die Hand daz'u bietet, den konfésfionellm - Frieden der Bevölkerung zu wahren. Nun, meine Herren, das habe] ich mir vom ersten Anfang meiner Amtsführung zur Aufgabe JMWYY, meines schweren und verantwortungsvollen Amtes; ich babe das 91- jeßt nach besten Kräften geübt, vielleicht nicht immer mit dokra Erfolge, aber wenigstens ehrlich und redlich. und dabei werde, ich mus ;
bleiben. (Lebhaftes Bravo 1) *